Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 101: Aṣṭama-praśna: Das Aṣṭākṣara-Mantra, das Śvetāśvatara-Zitat und die Śrī-Herbeirufung 8. Praśna: Das Aṣṭākṣara-Mantra, ein Śvetāśvatara-Upaniṣad-Zitat und die Herbeirufung der Göttin Śrī

8.1.60.2 enthält das berühmte Aṣṭākṣara-Mantra ("Oṃ Namo Nārāyaṇāya"). 8.1.60.9-10 zitiert nahezu wörtlich Śvetāśvatara-Upaniṣad 1.8, einen Kernvers über Bindung und Befreiung des individuellen Selbst. 8.1.61.8 zitiert erneut Verse aus dem bereits in Kap. 49-51 behandelten Śrī-Sūkta. 8.1.62.1 beschreibt eine bemerkenswerte Śrī/Lakṣmī-Ikonographie mit dem Schwan (Haṃsa) als Fahrzeug — ein Attribut, das traditionell eher Sarasvatī oder Brahmā zugeordnet wird.

bhūr bhuvas suvar om

Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svaḥ, Oṃ.

oṃ namo nārāyaṇāya

Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa.

[Anm.: Das berühmte Aṣṭākṣara-Mantra ("Achtsilben-Spruch") der Vaiṣṇava-Tradition.]

brahmaiva bhūtānāṃ jyeṣṭhaṃ tena ko 'rhati spardhitum

Brahman allein ist das Älteste der Wesen; wer vermag mit ihm zu wetteifern?

[Anm.: Bekannter Vers; Anklang an Taittirīya-Brāhmaṇa- bzw. Mahānārāyaṇa-Upaniṣad-Material.]

tatth savitur vareṇyam

"…des Savitṛ, des Erwählenswerten…"

[Anm.: Gāyatrī-Pratīka.]

ātmātmā paramāntarātmā

Das Selbst des Selbst, das höchste innere Selbst.

[Anm.: Vgl. 8.1.13.5.]

śriye jātaḥ

"Für Śrī geboren…"

[Anm.: Śrī-Sūkta-Pratīka.]

saṃyuktam etat kṣaṛate 'kṣaran tu vyaktāvyaktaṃ bhavate viśvam asmāt

Verbunden ist dies, das Vergängliche fließt dahin, das Unvergängliche; offenbar und unoffenbar wird aus diesem das All.

[Anm.: Nahes Zitat/Variante von Śvetāśvatara-Upaniṣad 1.8.]

ānīśa ātmā baddhyate bhoktṛ-bhāvād jñātvā devaṃ mucyate sarva-pāpaiḥ

Das herrschaftslose Selbst wird durch den Genießer-Zustand gebunden; nachdem es den Gott erkannt hat, wird es von allen Sünden befreit.

[Anm.: Fortsetzung des Śvetāśvatara-Upaniṣad-1.8-Zitats — Kernaussage der Upaniṣad über Bindung und Befreiung des individuellen Selbst durch Gotteserkenntnis.]

idaṃ viṣṇuḥ

"Dies ist Viṣṇu."

[Anm.: Trivikrama-Pratīka.]

oṃ viṣṇum āvāhayāmi

Oṃ, ich rufe Viṣṇu herbei.

aniruddham āvāhayāmi

Ich rufe den Aniruddha herbei.

śriye jātaś śriya ā nir iyāya śriyaṃ vayo jaritṛbhyo dadhāti | śriyaṃ vasānā amṛtatvam āyan bhavanti satyā samidhā mitadrau

Für Śrī geboren, aus Śrī hervorgegangen, verleiht er den Lobsängern Glanz als Lebenskraft; mit Glanz bekleidet, zur Unsterblichkeit gelangend, werden sie wahrhaftig zu Brennhölzern beim Feuerentzünden.

[Anm.: Nahes Zitat/Variante von Versen des Śrī-Sūkta (RVKh 2.6), bereits ausführlich in Kap. 49-51 übersetzt.]

āyātu bhagavatī śrīs svarṇa-varṇā sa-gaṇā sa-sainya śrī parama-puruṣa-sahāyā saha devatābhir anumanyatām

Es komme die Erhabene Śrī, goldfarben, mit ihrem Gefolge, mit ihrem Heer; Śrī, die Gefährtin des höchsten Puruṣa, möge samt den Gottheiten zustimmen.

yā padmāsanā padma-hastā haṃsa-niryākhya-vāhinī nityam ṛṣibhiś cānugāminī tām ajāṃ puṇḍarīka-netrīṃ bhagavatīṃ śrīm

Die Lotusthronende, Lotushändige, mit dem als Haṃsa bekannten Fahrzeug, beständig von den Ṛṣis Begleitete — jene ungeborene, lotusäugige, erhabene Śrī rufe ich an.

[Anm.: Bemerkenswerte Ikonographie: Śrī/Lakṣmī wird hier mit dem Schwan (Haṃsa) als Fahrzeug beschrieben, ein Attribut, das traditionell eher Sarasvatī oder Brahmā zugeordnet wird — möglicherweise eine Vaikhānasa-spezifische Besonderheit [?].]

oṃ śriyam āvāhayāmi

Oṃ, ich rufe Śrī herbei.

dhṛtim āvāhayāmi

Ich rufe Dhṛti, die Standhaftigkeit, herbei.

pramodāyinīm āvāhayāmi

Ich rufe die Entzückende herbei.

medinī devī vasundharī syād vasudhā devī vāsavī | brahma-varcasaḥ pitṝṇā(g)ṃ śrotraṃ viṣṇur manaḥ

Die Göttin Medinī sei Vasundharā, die Reichtum-Trägerin; die Göttin Vasudhā sei Vāsavī; der Brahman-Glanz der Ahnen, das Gehör, Viṣṇu der Denksinn.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

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