Paṭala 142: Verehrung von Brahman und der Rede (Vāc)
Verehrung von Brahman, Agni und der Rede (Vāc)
Khaṇḍa 198-200 (Sutra 8.1.198.1-8.1.200.2) samt Merkversen 8.0.33-35. Beginn der abschließenden Śāntipāṭha- und Segensvers-Sammlung von Praśna 8, die aus der klassischen Yajurveda-Tradition schöpft.
namo brahmaṇe namo astv agnaye namaḥ pṛthivyai nama oṣadhībhyaḥ / namo vāce namo vācas-pataye namo viṣṇave bṛhate karomi
Verehrung dem Brahman, Verehrung sei dem Agni, Verehrung der Erde, Verehrung den Heilkräutern; Verehrung der Rede, Verehrung dem Herrn der Rede, Verehrung dem großen Viṣṇu erweise ich.
Jenes Heilsame und Wohltuende erwählen wir uns: den rechten Weg für das Opfer, den Weg für den Opferherrn. Göttliches Wohlergehen sei uns, Wohlergehen für die Menschen. Aufwärts möge die Heilkraft gehen; Wohlsein sei uns den Zweifüßlern, Wohlsein den Vierfüßlern. Oṃ, Friede, Friede, Friede.
[Anm.: Der berühmte vedische Vers 'tac chaṃyor āvṛṇīmahe' (Taittirīya-Saṃhitā/-Āraṇyaka), einer der verbreitetsten Śānti-Verse, der u.a. den Śāntipāṭha der Kena-Upaniṣad einleitet.]
namo vāce yā coditā yā cānūditā tasyai vāce namo namo vāce namo vācas-pataye nama ṛṣibhyo mantra-kṛdbhyo mantra-patibhyo mā mām ṛṣayo mantra-kṛto mantra-patayaḥ parādur māham ṛṣīn mantra-kṛto mantra-patīs parādāṃ vaiśvadevīṃ vācam udyāsa(g)ṃ śivām adastāṃ juṣṭāṃ devebhyaś śarma me dyauś śarma pṛthivī śarma viśvam idaṃ jagat / śarma candraś ca sūryaś ca śarma brahma-prajā-patī
Verehrung der Rede - sowohl der ausgesprochenen als auch der nicht ausgesprochenen -, jener Rede Verehrung! Verehrung der Rede, Verehrung dem Herrn der Rede, Verehrung den Ṛṣis, den Mantra-Verfassern, den Mantra-Herren! Mögen mich die Ṛṣis, die Mantra-Verfasser, die Mantra-Herren nicht preisgeben; möge ich meinerseits die Ṛṣis, die Mantra-Verfasser, die Mantra-Herren nicht preisgeben! Die allen Göttern gehörige, heilvolle, hingegebene, den Göttern liebe Rede möge ich erheben. Schutz sei mir der Himmel, Schutz die Erde, Schutz diese ganze Welt; Schutz seien Mond und Sonne, Schutz Brahman und Prajāpati.
Das Gewordene will ich sprechen, die Welt will ich sprechen, den Glanz will ich sprechen, den Ruhm will ich sprechen, die Askese will ich sprechen, das Brahman will ich sprechen, die Wahrheit will ich sprechen. Dafür breite ich diese Unterlage aus - möge die Unterlage mir zur Nachkommenschaft und zum Vieh gereichen; möge ich selbst zur Unterlage für Nachkommenschaft und Vieh werden. Ihr beiden, Einatem und Ausatem, schützt mich vor dem Tod - Einatem und Ausatem, verlasst mich nicht! Süßes will ich denken, Süßes will ich erzeugen, Süßes will ich sagen, Süßes will ich sprechen. Die honigreiche Rede will ich den Göttern erheben, die gehörsame den Menschen. Diese mögen die Götter beschützen; zum Glanze mögen sich die Väter darüber freuen. Oṃ, Friede, Friede, Friede.
[Anm.: Die Verse 8.1.200.1-2 gehören zur klassischen Vāc-(Rede-)Verehrungsliteratur, wie sie auch in der Aitareya-Āraṇyaka (3.1) und ähnlich am Ende mancher Upaniṣaden überliefert ist - ein Gelübde des Redners, stets Wohlklingendes, Süßes und Wahres zu sprechen.]