Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 64: Ṣaṣṭha-praśna: Der Durgā-Sūkta (RV 1.99 + Zusatzverse) 6. Praśna: Der Durgā-Sūkta

Dieser Abschnitt (6.26.1-6) enthält den vollständigen, sehr bekannten Durgā-Sūkta. 6.26.1 entspricht RV 1.99.1, dem ursprünglich an Agni gerichteten "Rettungs"-Vers ("er möge uns wie mit einem Boot über das Übel hinübertragen"), aus dem sich in der späteren Tradition ein eigenständiger, äußerst populärer Schutzhymnus an die Göttin Durgā entwickelte. Entscheidend ist 6.26.2, der Kernvers, der der Göttin ihren Namen als Rettungsgestalt gibt ("durgāṃ devīṃ śaraṇam ahaṃ prapadye", "zu Durgā, der Göttin, nehme ich meine Zuflucht"). Die folgenden Verse (6.26.3-6) variieren das Grundmotiv der Errettung aus Bedrängnis (durga) durch Agni.

jātavedase sunavāma somam arātīyato ni dahāti[*410] vedaḥ | sa naḥ parṣad ati durgāṇi viśvā nāveva sindhuṃ duritāty agni svāhā

Dem Jātavedas wollen wir Soma auspressen; er verbrennt den Besitz der Missgünstigen. Er möge uns über alle Schwierigkeiten hinübertragen, wie mit einem Boot über einen Fluss, über das Übel hinweg – Agni.

[Anm.: RV 1.99.1, zugleich der Eröffnungsvers des bekannten "Durgā-Sūkta", das in der späteren Tradition zu einem eigenständigen, sehr populären Schutz-/Rettungshymnus wurde.]

tām agni-varṇāṃ tapasā jvalantīṃ vairocanīṃ karma-phaleṣu juṣṭām | durgāṃ devī(g)ṃ śaraṇam ahaṃ prapadye sutarasi tarase namas[*411] svāhā

Sie, von Feuerfarbe, durch Askese lodernd, die Vairocanī, die an den Früchten der Taten Erfreute; zu Durgā, der Göttin, nehme ich meine Zuflucht – dir, der Wohl-Hindurchführenden, Verehrung.

[Anm.: Der Kernvers, der der Göttin Durgā ihren Namen als eigenständige Rettungsgottheit gibt. Fußnote *411 vermerkt, dass die Phrase "sutarasi tarase namas" in der RVKh-Fassung zweimal im Vers erscheint, hier jedoch nur einmal.]

agne tvaṃ pārayā navyo asmānth[*412] svastibhir ati durgāṇi viśvā | pūś ca pṛthvī bahulā na urvī bhavā tokāya tanayāya śaṃ yos svāhā

Agni, führe du uns, der Neue, mit Segen über alle Schwierigkeiten hinweg; und werde uns eine breite, weite Zuflucht – sei Glück und Wohlergehen für unsere Kinder und Enkel.

viśvāni no durga-hā jātavedas sindhuṃ na nāvā duritāti parṣi | agne atrivan manasā[*413] gṛṇāno 'smākaṃ bodhy avitā[*414] tanūnā(gg)ṃ svāhā

Alle unsere Schwierigkeiten vernichtend, o Jātavedas, führe uns über das Übel hinweg, wie mit einem Boot über einen Fluss; o Agni, wie Atri mit dem Denksinn gepriesen, sei du der Beschützer unserer Leiber.

[Anm.: Mit Anspielung auf den vedischen Ṛṣi Atri.]

pṛtanā-jita(g)ṃ sahamānam agnim ugra(g)ṃ huvema paramāth sadhasthāt | sa naḥ parṣad ati durgāṇi viśvā kṣāmad devo ati duritāty agnis svāhā

Den in der Schlacht siegreichen, überwältigenden, schrecklichen Agni wollen wir von seinem höchsten Wohnsitz herbeirufen; er möge uns über alle Schwierigkeiten hinübertragen – der Gott möge uns geduldig über das Übel hinwegführen, Agni.

pratno ṣi[*415] kam īḍyo adhvareṣu sanāc ca hotā navyaś ca sathsi | svāṃ cāgne tanuvaṃ pipriyasvāsmabhyaṃ ca saubhagam ā yajasva svāhā

Der Uralte bist du, verehrungswürdig bei den Opferhandlungen, von altersher und zugleich neu bist du der Hotṛ-Priester, der sich dort niederlässt; erfreue, o Agni, deinen eigenen Leib, und erwirke für uns Glück durch das Opfer.

[Anm.: Letzter Vers des Durgā-Sūkta; Fußnote *415 vermerkt die RV-Lesart "hi" statt "ṣi".]

ṣaṣṭikāya svāhā rametāṃ th sadhasthā trīṇi ca

[Mnemonische Merkzeile:] "…dem Ṣaṣṭika, svāhā" – "…mögen sich erfreuen…" – "…Wohnsitz…" – und drei [weitere].

[Anm.: Liturgische Stichwort- und Zählformel, fasst Schlussworte mehrerer vorangegangener Verse zusammen.]

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