udvahāya svāheśvarāya svāhā
[Mnemonische Merkzeile:] "…dem Emporgetragenen, svāhā" – "…dem Herrscher, svāhā".
[Anm.: Liturgische Stichwortformel, verweist auf 7.1.1.5.]
Vaikhānasamantrapraśna
Dieser Abschnitt identifiziert das höchste Prinzip zunächst mit der heiligen Silbe Oṃ (Praṇava, 7.1.2.1) und der klassischen Trimūrti-Lehre (Brahmā-Viṣṇu-Śiva) sowie den drei Sāṃkhya-Guṇas (7.1.2.2). Ab 7.1.3 identifiziert der Text Viṣṇu direkt mit Vāyu, Agni und der Nahrung (āhāra) – eine für die Vaikhānasa-Tradition charakteristische All-Identifikation des höchsten Gottes mit den kosmischen Elementarkräften. Bemerkenswert ist 7.1.3.2, wo laut Fußnote *475 eine Textvariante liest, Viṣṇu belebe "die Toten" (statt "die Bedrängten") wieder.
udvahāya svāheśvarāya svāhā
[Mnemonische Merkzeile:] "…dem Emporgetragenen, svāhā" – "…dem Herrscher, svāhā".
[Anm.: Liturgische Stichwortformel, verweist auf 7.1.1.5.]
yo brahma-śabdaḥ praṇavaḥ pradhāna-śabdaś[*460] śabdāntarātmā nityo[*461] viyattaḥ[*462] prataran prakāmam | prājāpatyaṃ prataran prakurvan bhūyo bhūtyai vicarañ[*463] carāya svāhā
Der das Brahman-Wort ist, die Praṇava-Silbe, das Haupt-Wort, das innere Selbst des Wortes, der Ewige, durch den Raum Ausgedehnte, vorwärtsschreitend nach Belieben; das Prajāpati-Reich durchquerend, wirkend, wieder zum Wohlergehen, umherwandelnd, zum Wandelnden.
[Anm.: Identifiziert das höchste Prinzip mit der heiligen Silbe Oṃ (Praṇava) und dem "Brahman-Wort".]
yo vā tri-mūrtiḥ paramaḥ paraś ca tri-guṇaṃ juṣāṇas sakalaṃ vidhatte tris-tris tri-dhātmā[*464] tri-dhā tri-dhā vā vidadhe samastaṃ | tri-dhā tri-rūpaṃ sakalan-dharāya svāhā
Der die Drei-Gestalt ist, der Höchste, und der Höhere, die drei Eigenschaften annehmend, ordnet das Ganze; dreimal dreifach, mit dreifachem Selbst, dreifach ordnete er alles; dreifach, dreigestaltig, dem alles Tragenden.
[Anm.: Bezug auf die klassische Trimūrti-Lehre (Brahmā-Viṣṇu-Śiva) und die drei Guṇas (Sattva-Rajas-Tamas) der Sāṃkhya-Philosophie.]
yad vā kṛtam amarañ[*465] carāṇāṃ yat sarva-niṣṭam[*466] amṛtaṃ[*467] samastam yat paśyamānam ātmābhijuṣāṇam antas sudhṛtyānabhigamyamānāya[*468] svāhā
Was auch immer getan ist von den unsterblichen Wandelnden, was in allem gegründet, unsterblich, gesamt ist; was schauend, das Selbst liebend, innerlich mit fester Beharrlichkeit dem Unzugänglichen gilt.
[Anm.: Vers philosophisch dicht, im Detail unsicher [?].]
kaḥ kośam aṅge kuśalaṃ vidhāya sākūtaṅ[*469] kṛṇute[*470] 'gra ida[g]ṃ su-kāntam kakudvate kāma-carañ carāya svāhā
Wer, die Hülle am Leibe kunstvoll gestaltend, macht mit Absicht dies am Anfang lieblich; dem Gipfel-Habenden, nach Belieben Wandelnden, dem Wandelnden.
[Anm.: "kośa" ("Hülle") erinnert an die spätere vedāntische Lehre der fünf Körperhüllen (Pañca-kośa).]
yaṃ yajñair munayo juṣanti yan devāḥ paramaṃ pavitraṃ bhajiṣyanty[*471] ārtiṣu praṇatāḥ pradhānāḥ yaṃ sūrayo japanto yoginas sūkṣmais supradarśanaiḥ paśyantīśvarāya svāhā
Den die Weisen durch Opfer verehren, den die Götter als höchst Reinen sich zuwenden werden, in Nöten sich verneigend, die Vornehmsten; den die Seher murmelnd, die Yogis mit feinen, wohlsichtbaren Erkenntnisorganen schauen – dem Herrscher.
[Anm.: Bemerkenswerter Vers, der Weise, Götter, Seher und Yogis gemeinsam als Verehrer des höchsten Herrschers nennt und ausdrücklich auf Yoga-Praxis (japa, feine Wahrnehmung) Bezug nimmt.]
yo vā gaviṣṭhaḥ paramaḥ pradhānaḥ padaṃ vā yasya satvam[*472] āsīt | yasyoparitvaṃ munayo 'nupaśyanti[*473] tasmai mukhyāya viṣṇave svāhā
Der Licht-Suchende, der Höchste, der Vornehmste, dessen Zustand das Sein war; dessen Überlegenheit die Weisen fortwährend schauen – ihm, dem Vorzüglichsten, Viṣṇu.
[Anm.: "gaviṣṭha" (wörtl. "nach Licht/Rindern strebend") ist ein seltenes vedisches Epitheton.]
yo vā vāyur dvi-guṇo 'ntarātmā sarveṣām antaś caratīha viṣṇo[*474] | sa tvaṃ devān manuṣyān dṛtān pratisaṃjīvase svāhā[*475]
Der Vāyu, zweifach, das innere Selbst, der in allem innen wandelt, hier, o Viṣṇu; du belebst die Götter, die Menschen, die Bedrängten, wieder.
[Anm.: Fußnote *475 zeigt eine Textvariante "mṛtān" ("die Toten") statt "dṛtān" ("die Bedrängten") – dies würde bedeuten "du belebst die Toten wieder", eine bemerkenswerte theologische Aussage über Viṣṇu als Wiederbeleber der Toten.]
tvam agnis[*476] tri-guṇo variṣṭhaḥ paraṃ brahma paraṃ jyotiḥ | sarveṣāṃ tvaṃ pālanāya hutam amṛtaṃ vahiṣyase svāhā
Du bist Agni, dreifach, der Vorzüglichste, das höchste Brahman, das höchste Licht; zum Schutz aller wirst du die dargebrachte Unsterblichkeits-Opfergabe tragen.
tvañ jīvas tvam āpas sarveṣāṃ janitā tvam āhāraḥ[*477] | tvaṃ viṣṇo śramāpanudāya catur-guṇāya svāhā
Du bist das Lebendige, du bist die Wasser, der Erzeuger von allem, du bist die Nahrung; du, o Viṣṇu, dem Müdigkeit-Vertreibenden, dem Vierfach-Eigenschaftlichen.
bhūmer vitanvan pradarān pradhāno bobhūyamānaḥ[*478] pañcabhis sva-guṇaiḥ prasannais sarvān imān[*479] dhārayiṣyasi svāhā
Der Erde Risse ausbreitend, der Vornehmste, sich mehrend, durch die fünf eigenen wohlgesonnenen Eigenschaften wirst du all diese tragen.
[Anm.: Vermutlich Anspielung auf die fünf groben Elemente (Pañca-mahābhūta) oder fünf Sinneseigenschaften.]