Paṭala 3: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Bhūmi-/Hala-/Bīja-Vidhi
Fünfter Praśna, erster Abschnitt (Fortsetzung): Feld-, Pflug- und Saat-Ritual
Ein in sich geschlossener Ritual-Komplex zur Weihe eines Bauplatzes für eine Gottes-Wohnstatt (,deva-sthiti', d.h. vermutlich einen Tempel): eine Anrufung mit Anklang an den Varāha-Mythos (Erdhebung durch den Eberhauer, 5.1.14), ein Pflug- und Anspannungsritual, das die berühmten Würfelspieler-Verse RV 10.34.13ab-cd wörtlich zitiert (,akṣair mā dīvyaḥ...', ,spiele nicht mit Würfeln, sondern pflüge') sowie eine Bitte an die auf dem Land lebenden Wesen, dem Bauvorhaben zu weichen (5.1.15), ein Saatgut-Streu-Ritual mit ausführlicher Segensformel für die Feldfrüchte (5.1.16-17), und schließlich ein Kuh-Melk- und Kosmische-Kuh-Körper-Allegorie-Abschnitt (5.1.18-19, Rücken=Rudra, Euter=Ozeane usw. – eine Variante der bekannten Puruṣa-Körper-Kosmos-Korrespondenzen, hier auf die Kuh übertragen).
Es komme der erhabene, göttliche, gezähmte, friedvolle, menschenliebende Herr, der Höchste aller Verehrer, der Allgeber, Reichtum-Spender, der Beste. In den sieben Strömen. [Anfang eines Fragments:] "von da an, o Götter, brüllend ... der Ursprung." Möge die Göttin Erde (Medinī) wohlgefällig sein, durch deren Horn (Hauzahn) sie emporgehoben wurde, die Gattin des Helden, die Großäugige – bei dieser Bestimmung ihres Ortes möge sie, ungehindert, dies beschützen; möge sie es vollenden, o Schönantlitzige. Die Göttin Erde. Verehrung dem Varuṇa. "Würfle nicht mit den Würfeln, pflüge vielmehr deinen Acker; erfreue dich an deinem Besitz, indem du ihn hochschätzt." [5.1.15] "Dort sind Kühe, o Spieler, dort ist die Gattin; dies erblickt für mich jener edle Savitṛ." Du bist der Stier, du bist der Uralte, du bist wahrlich der aus alter Zeit Stammende, du bist der Vedische, du bist der Vierhörnige. Dich eben, so sagt Manu, werde ich anschirren; trage, o Held, für die Götter das Joch, du bist ein Held. O Sohn der Surabhi, Reittier des Götterherrn, Anteil des Vīśa, Freund des Vīśa, Herr der Kühe. Pflüge diese Erde Viṣṇus zum Zwecke seiner Wohnstatt. Das Joch, das Joch-Horn, spanne ich an zum Zwecke des Anspannens. Ich ergreife den Ṛṣi (die Pflugschar), um zu pflügen, auf Geheiß der Weisen. Viṣṇu möge mich beschützen. Welche Lebewesen, Unholde, Geister, Piśācī-Dämoninnen und mit anderen Göttern verbundene Wesen in dieser Gegend leben – höret: dies ist die für die Wohnstatt des Allherrschers bestimmte Stätte. Sie mögen, wie gewünscht, von hier fortgehen zu einem anderen angenehmen Ort; Segen sei euch, Heil sei euch. Die vom Pflug Umgepflügten mögen zum Himmel gehen, die Zermahlenen zur Vāyu-Welt, die von Mühe Geplagten zur Unsterblichkeit. Und wie es sich gebührt, möge er Kraft vollbringen. Aller Augenlicht, die Sonne, möge wohlgefällig sein; nur Heilvolles möge geschehen; der Feind der Daityas, der Erhabene, (komme) von hier. [Zählformel:] "Sinnend, für die Wohnstatt bestimmt" – und sieben.
[Anm.: Dieser Abschnitt zitiert wörtlich die berühmten Würfelspieler-Verse RV 10.34.13ab-cd (,akṣair mā dīvyaḥ kṛṣim it kṛṣasva...', laut Fußnoten der Quelle) und stellt einen Ritus zur Weihe eines Bauplatzes für eine Gottes-Wohnstatt dar: die Anrufung der Erdgöttin unter Anklang an den Varāha-Mythos (,durch deren Horn/Hauzahn sie emporgehoben wurde'), ein Pflug-/Anspannungsritual, und eine Bitte an die auf dem Land lebenden Geister-Wesen, dem Bauvorhaben zu weichen – mit tröstlicher Jenseits-Zusage für unvermeidlich beim Pflügen getötete Kleinlebewesen (,die vom Pflug Umgepflügten mögen zum Himmel gehen'), ein aus vedischen Sühneformeln für Ackerbau-bedingtes Töten bekanntes Motiv. Mehrere kurze Fragmente (,ato devā kanikradaj januṣam'; ,yathāvac cāhared vīryam') bleiben grammatisch/kontextuell unsicher [?] und werden nur mit Vorbehalt wiedergegeben.
ime bījā vrīhi-yavā ruhantūṣṇāṃśu-prasādāt somenārpitā grahair nirvyādhikāś śuddhāś śubhā bhavantu | praroha-bījān nirvapāmi bhūmau ye brahma-sṛṣṭā daśa sapta caiva. te vardhitā vṛṣṭi-vaśena sarve saṃpālyamānā hy amṛtena lokān | sapta grāmyās sapta cāraṇyakāś ca ye gharma-naṣṭā hima-varṣa-sṛṣṭās te vṛṣṭi-bhūtā hy amṛtaṃ rakṣantu | dīrṇārdra-saṃśuṣka-vivardhamānā mūlaiḥ phalaiś śākais samṛddha[*30]-rūpaiḥ annena martyānāṃ[*31] haviṣā surāṇān te vai ruhantāṃ tṛṇavat paśubhyaḥ | tān bhūmi-śuddhyai nirvapāmi bījān deva-sthiti-kāraṇāya | ye vyoma-bhūmy-agni[*32]-jalasya vāyos saṃyoga-bhūtāḥ praruhanti sarve tān daivike śuddhi-karāya bījān nirvapāmi deva-sthiti-kāraṇāya || [5.1.17] yad bīja-bhūtam idam antarikṣaṃ, yad bījaṃ cāgniḥ pṛthivī rasaś ca tad bīja-rohāya vahantu vātās, saṃvardhamānā ruhantāṃ prarohāḥ | nirītikās te bahavo ruhantas saṃpālyamānā hy amṛta-vāyunā ca kālena bījāḥ praruhanti coptā bījād ahaṃ pracariṣyāmi dharmam | ete bījā rasa-bhūtā vahantu somena sṛṣṭā amṛtavat paśubhyaḥ etān prarohān rasa-bhūta-jātān dattān me bhuktvā pracarantu gāvaḥ | tasmān mamaitān pravapāmi gehe te me paśūnām amṛtā vahantu etaṃ stutā me pravahantv amutra te puṇya-loke mama deha-bhūtāḥ | samudravatī śṛṅge-śṛṅge | devi tvayi vāpayāmy amūn kuruṣva tva(g)ṃ sasya-saṃpattim ||
Diese Samen, Reis und Gerste, mögen aufgehen durch die Gnade des Heißstrahligen (der Sonne); von Soma dargebracht, durch die Planeten geleitet, mögen sie krankheitsfrei, rein und heilvoll sein. Die Keim-Samen streue ich auf die Erde, die von Brahmā geschaffenen siebzehn; sie, alle durch den Regen zum Wachstum gebracht, werden durch den Nektar die Welten erhalten. Sieben dörfliche und sieben wilde (Getreidearten), die durch Hitze vergehen und durch winterlichen Regen entstehen – sie, zu Regen geworden, mögen den Nektar bewahren. Aufgeplatzt, feucht, getrocknet, heranwachsend, mit Wurzeln, Früchten, Kräutern von gedeihlicher Gestalt – als Speise für die Sterblichen, als Opfergabe für die Götter mögen sie, wie Gras, für das Vieh aufgehen. Diese Samen streue ich zur Reinigung der Erde, zum Zwecke der Aufstellung des Gottes. Welche Samen alle aus der Verbindung von Himmelsraum, Erde, Feuer, Wasser und Wind entstehend aufgehen – diese Samen streue ich zur göttlichen Reinigung, zum Zwecke der Aufstellung des Gottes. [5.1.17] Was als Samen dieser Luftraum ist, was Samen ist – Feuer, Erde und der Saft – das mögen die Winde zum Keimen des Samens tragen; heranwachsend mögen die Sprösslinge aufgehen. Sie, viele, frei von Unheil, aufgehend, beschützt durch den Nektar-Wind, mit der Zeit gehen die gesäten Samen auf; von diesem Samen aus werde ich das Recht ausüben. Diese Samen, zu Saft geworden, mögen sie, von Soma geschaffen, wie Nektar für das Vieh tragen; diese Sprösslinge, aus Saft entstanden, von mir gegeben, mögen die Kühe, nachdem sie sie genossen haben, weiden. Darum säe ich diese in meinem Hause aus; sie mögen mir den Nektar für das Vieh bringen; gepriesen mögen sie mir dies im Jenseits dahintragen, sie, in der heilvollen Welt zu meinem Körper geworden. Meergleich an jedem Horn. O Göttin, in dir säe ich diese aus; bewirke du den Reichtum an Feldfrucht.
[?] "samudravatī śṛṅge-śṛṅge" bleibt ein unklares Fragment. Die Formel "deva-sthiti-kāraṇāya" (,zum Zwecke der Aufstellung des Gottes') bestätigt den Zweck des gesamten Ritual-Komplexes: die landwirtschaftliche/rituelle Weihe des Bodens für eine Tempel- bzw. Götterstatue-Errichtung.
O Wunsch-Melkende, ich melke dich, o Wunsch-Melkende, mit dem Feldfrucht-Kalb; fülle den Reichtumshaufen. Es möge den Himmel melken Indra. Die Erde, die einst von dem, der sie trug, die einen glänzenden Ort bilden wird für ihn – sei du, o Glückverheißende, geneigt. So auch in göttlicher Reinigung mit Kühen hier zu wirken, o Herr, bist du geeignet zu wirken; im Ewigen, o Wissen, durch deine Gnade. Diese Feldfrüchte, von guter Opfergabe, wohlrein, wie eine Opferspende, im Angesicht des Opfers gedeihlich, reiner Nektar, von den Weisen zuerst zu trinken, mit allen Gliedern göttlich, mit den Gliedmaßen der Heilvollen. Sie mögen heilvoll sein, mögen zum Gedeihen entstehen. Rein sind diese Herdentiere; ihre beiden Hörner sind Indra und Viṣṇu, Brahmā ist das Haupt. [5.1.19] Der Rücken ist Rudra, die Haare sind die Ṛṣis, die Brust ist Guha, der Schwanz sind die Pilgerstätten, der Bauch ist die Erde, die beiden Augen sind Mond und Sonne, die Schwanzhaare sind die Vidyādharas. Das Euter sind die Ozeane, die Zitzen sind die Flüsse, der Leib sind die Berge, die Knochen sind die Gebirge, das Blut sind Mitra und Varuṇa, das Fleisch ist Agni, der Urin ist die Jāhnavī (Gaṅgā). Die Hufe sind die Schlangen, Jyeṣṭhā ist die Nase, die Zähne sind die Maruts, die Zunge ist Sarasvatī, das Ohr ist der Fürst der Weisen, der Kot ist das heilige Land. Diese Kühe mit ihren Kälbern, mit den Stieren – nach Belieben mögen sie weiden, wie gewünscht mögen sie weiden; nach Belieben mögen sie ziehen, wie gewünscht mögen sie ziehen; nach Belieben mögen sie sich freuen, wie gewünscht mögen sie sich freuen. Die Kühe seien mir wahrlich alle Mütter, die Stiere seien mir alle Väter, die Kälber seien eben meine Brüder – darum möge die Opferspende (Iḷā) reinigend wirken. Diese besprenge ich, dieser folge ich, diese läutere ich, an dieser mögen die Götter sich freuen, ausgebreitet, der Herrin der Gaben (huldigend). Die Helden mögen heute das gegebene Opfer genießen; morgen lasse ich es hören; ihr alle möget vollständig von hier fortgehen, ihr Edlen, wohlgesinnt und geeint. [Zählformel:] "Zum Zwecke, Wohlergehen, das Haupt, aufsteigend" – und vier.
[Anm.: 5.1.19 bietet eine Variante der klassischen Puruṣa-Körper-Kosmos-Korrespondenz (vgl. Puruṣasūkta RV 10.90), hier jedoch auf die heilige Kuh übertragen: Rücken=Rudra, Brust=Guha/Skanda, Euter=Ozeane, Zitzen=Flüsse, Knochen=Gebirge, Blut=Mitra-Varuṇa, Fleisch=Agni, Urin=Gaṅgā usw. – ein bemerkenswertes eigenständiges Kosmogramm der Kuh als Mikrokosmos, das den vorangehenden Pflug-/Saat-Ritus (5.1.14-17) mit einer abschließenden Kuh-Verehrung (,die Kühe seien mir alle Mütter') beschließt.