Paṭala 8: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Zweite Anrufungsrunde – Gaṇeśa-, Garuḍa- und Göttinnen-Formen
5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Zweite Anrufungsrunde – Gaṇeśa-, Garuḍa- und Göttinnen-Formen
Dieser Abschnitt (5.1.60-5.1.75) wiederholt in verkürzter und umgestellter Form die aus Kapitel 4 bekannte Gottheiten-Anrufung (5.1.20-5.1.29), bevor er in eine Reihe eindeutig erkennbarer Gaṇeśa-Epitheta (Vakra-tuṇḍa "Krummrüssliger", Eka-daṃṣṭra "Einzahniger", Vikaṭa "Furchterregender", Vināyaka) und Garuḍa-Epitheta (Pakṣi-rāja "Vogelkönig", Suparṇa "Schönbeflügelter", Khagādhipati "Herr der Vögel") übergeht, gefolgt von der Anrufung der Waffen Viṣṇus (Diskus Sudarśana, Muschelhorn Pāñcajanya) und einer langen Liste weiblicher Gottheiten/Śakti-Epitheta (Siegreiche, Leidlose, Glückbringende usw.) sowie schließlich einer Reihe von Mond- und Neumond-Göttinnen (Rākā, Sinīvālī). Die Übersetzung bleibt bei den kurzen āvāhayāmi-Nennungen wörtlich; viele Beinamen sind allgemeine Sanskrit-Adjektive, deren genaue Bedeutung als Eigenname einer bestimmten Gestalt sich ohne Rückgriff auf Sekundärliteratur nicht immer sicher klären lässt und daher mit [?] markiert bleibt.
"Das Brahman ist entstanden" [pratīka]. Ich rufe herbei: Brahmā; Prajāpati; den Großvater [Pitāmaha]; den Goldenen Keim [Hiraṇyagarbha]; Īśāna; Parjanya; Jayanta; den zu Mahendra Gehörigen; Āditya.
Ich rufe herbei: den Wahrhaftigen [Satyaka]; Agni; den Falschen [?] [Vitatha]; den Haus-Schädiger [?] [Gṛha-kṣata]; Yama; den Gandharva; den Bienen-König [?] [Bhṛṅga-rāja]; Nirṛti; den Türhüter [Dauvārika]; den Schönhalsigen [Sugrīva]. – Ich rufe herbei: den Herrn der Flüsse [Sarit-pati]; den Asura; den Austrocknenden [?] [Śoṣaṇa]; den Schnellen [?] [Javana]; den Nāga; den Vorzüglichsten [?] [Mukhya]; Soma; den Türriegel [Argala, vgl. 5.1.24.3]; Aditi. "Das Brahman ist entstanden."
[Anm.: Diese beiden Zehnergruppen wiederholen – in etwas anderer Reihenfolge und Auswahl – viele der bereits aus Kapitel 4 (5.1.20-5.1.29) bekannten Namen.]
Ich rufe herbei Brahmā. "Heil lege uns nieder" [pratīka]. Oṃ, ich rufe herbei: Śeṣa; den Tausendköpfigen; den Endlosen [Ananta]; den Schlangenkönig. "Die Mutter der Dharma-Flut" [?, unklar]. Ich rufe herbei: den Krummrüssligen [Vakra-tuṇḍa]; den Einzahnigen [Eka-daṃṣṭra]; den Furchterregenden [Vikaṭa].
[Anm.: Vakra-tuṇḍa, Eka-daṃṣṭra und Vikaṭa sind geläufige Beinamen Gaṇeśas.]
Ich rufe herbei den Vināyaka [weiterer Gaṇeśa-Name, "Hindernis-Entferner"]. "Die hundertströmige, goldene" [?]. Ich rufe herbei: Garuḍa; den Vogel-König [Pakṣi-rāja]; den Schönbeflügelten [Suparṇa]; den Herrn der Vögel [Khagādhipati]. "Die Erde [war] am Anfang das Ende" [?]. Ich rufe herbei: den Diskus [Cakra]; den Sudarśana[-Diskus, Viṣṇus Waffe]; den Tausendstrahligen [?] [Sahasra-vikaca].
Ich rufe herbei den Unvergänglichen [Anapāyin]. "Die Ṛc-Verse, die Yajus-Sprüche" [pratīka]. Ich rufe herbei: den Herrn der Fünferreihe [?] [Paṅktīśa]; den Freund [Mitra]; den Wunschgewährer [Varada]; den Anführer der Wesen [Bhūtanāyaka]. "Jener Ruhm möge mir zuvorderst sein" [?]. Ich rufe herbei: die Muschel [Śaṅkha]; die Pāñcajanya[-Muschel, Viṣṇus Muschelhorn]; den Lotos [Ambuja].
Ich rufe herbei den Viṣṇu-Lieben [Viṣṇu-priya]. "Von dem Feuerartigen her" [?]. Ich rufe herbei: Viṣvaksena; den Friedvollen [Śānta]; den Grünlichgelben [Harita]; den Unermesslichen [Amita]; die Siegreiche [Jayā]; die Glück-Verleihende [Sukha-pradā]; die Gedeihen-Bringende [Samṛddhinī]; die Glückbringende [Bhadrā].
Ich rufe herbei: die Siegerin [Vijayā]; die Leidlose [Viśokā]; die Verdienstvolle [Puṇyā]; die Wunsch-Erfreuende [Kāmānandā]; die Findende [?] [Vindā]; den Gewinn [Lābhā, personifiziert]; die Unachtsame [?] [Apramattā]; die Unbesiegbare [Ajeyā]; die Freudenbringende [?] [Nandakā]; die Honig-Gebärerin [Madhu-jananī].
Ich rufe herbei: die schön Befreite [Sumuktā]; die Wohlbeglückte [Subhagā]; die Nahrungbringende [Puṣṭikā]; die Unfehlbare [Amoghavatī]; die Verdienstvolle [Puṇyā]; die Unachtsame [Apramattā]; die Lotosreiche [Kumudvatī]; die Standhafte [?] [Susahā]; die gut Versorgende [Susaṃbharā]; die Rückkehr/Beendigung [Nivṛtti, personifiziert].
Ich rufe herbei: die Lotosblume [Utpalakā]; die Wohlduftende [Sugandhinī]; die Allerfreuende [Sarva-modā]; die alles Durchseelende [Sarvātmakā]; die Leidlose [Viśokā]; den Schatzhaufen [Dhana-rāśi]; die Unversehrte [Akṣatā]; die Unermessliche [Amitā]. "Indra führend" [?]. Ich rufe herbei Indra.
Ich rufe herbei: den Gemahl der Śacī [Śacī-pati, Indra]; den Vielgerufenen [Puru-hūta]; den Burgzerstörer [Purandara]. "Agni ist das Haupt" [RV-Anklang]. Ich rufe herbei: Agni; den Jātavedas; den Reiniger [Pāvaka]; den Opferverzehrer [Hutāśana]. "Yama trug/stützte" [?]. Ich rufe herbei Yama.
Ich rufe herbei: den Dharma-König [Dharma-rāja, Yama-Beiname]; den Herrn der Verstorbenen [Preteśa]; den in der Mitte Stehenden [Madhya-stha]. "Verehrung dir, Nirṛti" [RV-Anklang]. Ich rufe herbei: den Herrn des Beginns [Ārambhādhipati]; Nirṛti; den Blauschwarzen [Nīla]; den Herrn aller Rākṣasas [Sarva-rakṣo-'dhipati]. "Die dir hundert sind" [?]. Ich rufe herbei Varuṇa.
Ich rufe herbei: den Weisen [Pracetas, Varuṇa-Beiname]; den Rotgewandeten [Raktāmbara]; den Herrn der Wassertiere [Yādas-pati]. "Die Maruts, das höchste Selbst" [?]. Ich rufe herbei: Vāyu; den Schnellen [Javana]; den aus den Wesen Bestehenden [Bhūtātmaka]; den Aufwärtsatem [Udāna]. "Die Gemischtgewandeten" [?, vgl. 5.1.40]. Ich rufe herbei Kubera.
Ich rufe herbei: den Reichen/Glücklichen [Dhanya]; den Nachkommen des Pulastya [Paulastya, Kubera-Beiname]; den Yakṣa-König. "Īśāna [ist Herr] aller Welten" [RV-Anklang]. Ich rufe herbei: Īśāna; den Gott [Deva]; Bhava; den Großen Gott [Mahādeva]. "O Soma, welche wohltuenden Hilfen du für den Opfernden hast, mit diesen sei uns ein Beschützer" [RV-Zitat].
Ich rufe herbei: Soma; das Opferglied [Yajñāṅga]; Indu; Candra, den Mond. "Dem Nārāyaṇa." "Die Erdgöttin." Ich rufe herbei: die Goldgelbe [Hariṇī]; die zu Pūṣan Gehörige [Pauṣṇī]; die Erde [Kṣoṇī]; die Große/Erde [Mahī].
rākām aham | rākām āvāhayāmi | mukhyām āvāhayāmi | raktāṅgīm āvāhayāmi | varānanām āvāhayāmi | sinīvāli pṛthuṣṭuke | sinīvālim āvāhayāmi | gabhastinīm āvāhayāmi | hita-dām āvāhayāmi | puṇya-dām āvāhayāmi | soma(g)ṃ rājānaṃ varuṇam agnim anvārabhāmahe ādityān viṣṇu(g)ṃ sūryaṃ brahmāṇaṃ ca bṛhaspatim | oṃ somam āvāhayāmi | dhārāsu saptasu | soma(g)ṃ rājānam | ato devā | viṣṇor nu kam | ye te śatam om
"Rākā, ich..." [?, abgebrochen]. Ich rufe herbei: Rākā [die Vollmond-Göttin]; die Vorzüglichste [Mukhyā]; die Rotgliedrige [Raktāṅgī]; die Schönantlitzige [Varānanā]. "Sinīvālī, die Breitgelobte" [RV-Anklang, Neumond-Göttin]. Ich rufe herbei: Sinīvālī; die Strahlenreiche [Gabhastinī]; die Nutzen-Geberin [Hita-dā]; die Verdienst-Geberin [Puṇya-dā]. "König Soma, Varuṇa, Agni berühren wir der Reihe nach an, die Ādityas, Viṣṇu, Sūrya, Brahmā und Bṛhaspati." Oṃ, ich rufe herbei Soma. "In den sieben Strömen." "König Soma." "Von da an, o Götter." "Wohlan." "Die dir hundert sind, oṃ" [?].
[Gedächtnisvers, der die Schlussworte der Zehnergruppen 5.1.60-5.1.75 auflistet:] Ich rufe herbei Āditya, Sugrīva; "das Brahman ist entstanden"; ich rufe herbei Vikaṭa, den Strahlenden [?] [Vikaca], den Lotos [Ambuja], Bhadrā, Madhu-jananī, Nivṛtti, Indra, Yama, Varuṇa, Kubera; "sei uns ein Beschützer"; ich rufe herbei Mahī, Puṇya-dā – und acht.
[Anm.: Die Quelle merkt an, dass die Druckausgabe von 1984 hier "avitā bhava" anstelle von "no 'vitā bhava" liest.]