Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 104: Aṣṭama-praśna: Reinigungs- und Bannformeln (Khaṇḍa 67-70) 8. Praśna: Reinigungs-, Bann- und Selbstidentifikationsformeln der Konsekration

8.1.67.7 zitiert RV 1.30.7 (bekannter Indra-Vers). 8.1.68.5-6 enthält eine apotropäische Bannformel gegen Unholde und Feinde. 8.1.68.8-69.1 enthält eine Reihe von Selbstidentifikationsformeln ("rein bin ich", "Brahman bin ich").

paraṃ raṃha āsthāsye

Zur höchsten Geschwindigkeit will ich aufsteigen.

[Anm.: Pratīka unsicher [?].]

pra tad viṣṇus trīṇi padā śaṃ no devīḥ

Jenes verkündet Viṣṇu — die drei Schritte — uns seien die Göttinnen heilvoll.

[Anm.: Pratīka-Kette aus dem Trivikrama- und dem Āpo-hi-ṣṭhā-Hymnus.]

annādyāya vyūhadhvaṃ dīrghāyur aham annādo bhūyāsam

Für die Speise ordnet euch; langlebig möge ich, der Speiseesser, werden.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

tena me tapa tena me jvala tena me dīdihi yāvad devāḥ

Dadurch erhitze mich, dadurch entflamme mich, dadurch erleuchte mich, solange die Götter [währen].

[Anm.: Vers unsicher [?].]

idaṃ brahma punīmahe brahma punātu

Dieses Brahman reinigen wir; das Brahman möge reinigen.

yoge-yoge tavastaraṃ vāje-vāje havāmahe | sakhāya indram ūtaye

Bei jedem Joch [Unternehmen] rufen wir den Stärkeren, bei jedem Wettkampf rufen wir, o Freunde, Indra zur Hilfe.

[Anm.: RV 1.30.7, bekannter Indra-Vers.]

yan me garbhe vasataḥ pāpam ugraṃ yaj jāyamānasya ca kiñca dairghyam | pāpaṃ jātasya yasya bhuvi vartato me tasya tat pāvamānībhir ahaṃ punāmi

Welches schreckliche Übel mir, dem im Mutterleib Wohnenden, anhaftet, und was auch immer an Langem dem Geborenwerdenden anhaftet — welches Übel des Geborenen, das mir auf der Erde besteht, das reinige ich durch die reinigenden Verse.

[Anm.: Formel zur rituellen Selbstreinigung, aus dem Umfeld der Pavamānī-Verse.]

śaṃ no devīḥ

Uns seien die Göttinnen heilvoll.

ato devāḥ idaṃ viṣṇus trīṇi padā viṣṇoḥ karmāṇi tad viṣṇoḥ paramaṃ tad viprāsaḥ

Von da an, o Götter — dies ist Viṣṇu — die drei Schritte — die Taten Viṣṇus — jenes Höchste Viṣṇus — jenes die Weisen.

[Anm.: bereits mehrfach aufgetretene Trivikrama-Pratīka-Kette.]

oṃ namo nārāyaṇāya

Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa.

kas tvā satyo madānāṃ ma(g)ṃhiṣṭho mathsad andhasaḥ | dṛḍhā cid āruje vasu

Wer, o Wahrhaftiger, der Freigebigste der Rauschtränke, möge dich durch den Somasaft berauschen? Selbst Festes durchbrichst du, o Gut-Bringer.

[Anm.: Indra-Soma-Hymnus, genaue Fundstelle unsicher [?], Anklang an RV 1.9.]

parilikhita(g)ṃ rakṣaḥ parilikhitā arātayaḥ

Umschrieben [gebannt] sei der Unhold, umschrieben die Missgunst-Dämonen.

[Anm.: apotropäische Bannformel.]

parilikhitas so 'stu yo 'smān dveṣṭi yañ ca vayaṃ dviṣmaḥ

Umschrieben sei, wer uns hasst, und wen wir hassen.

[Anm.: bekannte Feind-Bann-Formel, vgl. bereits ähnliche "sumitrā"-Formeln.]

vārīś catasraś śan no devīḥ

Die vier Wasserfluten — uns seien die Göttinnen heilvoll.

namo varuṇaś śuddhaś śuddho 'ham asmi

Verehrung; Varuṇa ist rein, rein bin ich.

śuddho brahma-vīro harir yathā śuddhaḥ pañca-bhūtās tathā śuddhāś śuddho 'ham asmi

Wie der Brahman-Held Hari rein ist, wie die fünf Elemente rein sind, so rein bin ich.

brahmāham asmi harir asmi

Brahman bin ich, Hari bin ich.

īśa īśo 'smi bhavaṃ bhavāmahe

Der Herr — ich bin der Herr; zum Sein werden wir.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

sinīvāli-pṛthuṣṭuke yā devānām asi svasā | juṣasva havyam āhutaṃ prajāṃ devi didiḍḍhi naḥ

O Sinīvālī mit dem breiten Haarschopf, die du der Götter Schwester bist — nimm die dargebrachte Opfergabe wohlgefällig an; Nachkommenschaft, o Göttin, schenke uns.

[Anm.: bekannter Sinīvālī-Vers, vgl. RV 2.32.6-8, verwandtes Material bereits in Kap. 79-84 behandelt.]

bhūr anilayā bhūtayā bhūtayā pariṣiñcāmi bhuvas suṣumnayā prāṇavatyā pariṣiñcāmi svar amṛtavatyā jyotiṣmatyā ca pariṣiñcāmi

Bhūḥ — mit dem Windhauch-Wesen, mit dem Sein besprenge ich. Bhuvaḥ — mit der Wohlgesinnten, der Atem-Besitzenden besprenge ich. Svaḥ — mit der Unsterblichkeits-Besitzenden, der Lichtbesitzenden besprenge ich.

[Anm.: Vyāhṛti-Besprengungsformel.]

tā(g)ṃ savitur vareṇyasya citrām ahaṃ vṛṇe sumatiṃ viśva-janyām yām asya kaṇvo aduhat prapīnā(g)ṃ sahasra-dhārāṃ payasā mahīṃ gām

Jene wunderbare, für alle Welt gedeihliche Gunst des erwählenswerten Savitṛ erwähle ich mir, die Kaṇva von ihm gemolken hat, die pralle, tausendströmige, an Milch reiche große Kuh.

[Anm.: Savitṛ-Hymnus, genaue Fundstelle unsicher [?], Anklang an RV 5.82.]

agnim īḷa iṣe tvorje tvā gandha-dvārāṃ sahasra-śīrṣā puruṣaḥ

Agni verehre ich — für Labung dich, für Kraft dich — durch das Duft-Tor — der tausendhäuptige Puruṣa.

[Anm.: Pratīka-Kette, u.a. Anklang an das Puruṣa-Sūkta RV 10.90.1.]

sahasra-śīrṣaṃ devam ato devā

Den tausendhäuptigen Gott — von da an, o Götter…

[Anm.: weiteres Puruṣa-Sūkta-Pratīka.]

mitras suparṇaś candra indro 'tha rudras tvaṣtā viṣṇus savitā go-patis tvam | tvaṃ viṣṇur bhūtāni tatrāsi daityas tvayā vṛtaṃ jagad ulbena garbhaḥ

Mitra, der Schönbeflügelte, der Mond, Indra, sodann Rudra, Tvaṣṭṛ, Viṣṇu, Savitṛ, der Herr der Rinder bist du; du bist Viṣṇu, die Wesen; dort bist du der Daitya; von dir ist die Welt umhüllt wie der Keim von der Fruchthülle.

[Anm.: identifikatorischer All-Gott-Hymnus.]

athā vayam āditya vrate tavānāgaso aditaye syāma

So mögen wir, o Āditya, in deinem Gebot schuldlos vor Aditi sein.

[Anm.: RV 1.24.15, bekannter Āditya/Varuṇa-Vers.]

yuvaṃ vastrāṇi pīvasā vasāthe yuvor acchidrā mantavo ha sargāḥ | avātiratam anṛtāni viśvā ṛtena mitrā varuṇā sacethe

Ihr beide bekleidet euch mit fetten Gewändern; eure Ratschlüsse und Ordnungen sind lückenlos; ihr habt alle Unwahrheiten überwunden; durch die Wahrheit steht ihr, Mitra und Varuṇa, in Verbindung.

[Anm.: RV 1.152.2, bekannter Mitra-Varuṇa-Vers.]

trīṇi padā śaṃ no devīḥ

Die drei Schritte — uns seien die Göttinnen heilvoll.

bhūr asi bhūḥ pratiṣṭhityai trir devaḥ

Bhūḥ bist du, Bhūḥ zur Grundfestigung — dreimal der Gott…

ato devā oṃ namo nārāyaṇāya

Von da an, o Götter — Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa.

avarohāmy ahaṃ punāmy aham asmi devam ato devā nārāyaṇāya

[Mnemonische Merkzeile, Stichwörter aus Khaṇḍa 66-70:] "…ich steige herab…" – "…ich reinige…" – "…ich bin…" – "…der Gott…" – "…von da an, o Götter…" – "…dem Nārāyaṇa."

[Anm.: Liturgische Stichwort-Merkformel.]

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