Paṭala 51: Ṣaṣṭha-praśna: Śrī-Sūkta (Schluss) – Kardama, Ciklīta und das abschließende Gāyatrī-artige Lakṣmī-Mantra
6. Praśna: Der Śrī-Sūkta (Schluss) – Kardama, Ciklīta und das abschließende Gāyatrī-artige Lakṣmī-Mantra
Dieser Abschnitt (RVKh 2.6.10-15) schließt den Śrī-Sūkta ab. Er nennt mit Kardama ("Schlamm/Schlick", personifiziert als Sohn bzw. Begleiter der Śrī) und Ciklīta (personifizierte Feuchtigkeit) zwei charakteristische Nebenfiguren des Hymnus, gefolgt von mehreren, teils textlich unsicheren Lakṣmī-Anrufungsversen (6.7.3-6.7.6, mit unklaren Lesarten "yaṣkariṇīṃ"/"yaṣṭiṃ", laut Fußnote *361 in anderen Überlieferungen "puṣkariṇīṃ"), bis der eigentliche Śrī-Sūkta mit 6.7.7 endet. Der Abschnitt schließt mit einem zusätzlichen, an das klassische Gāyatrī-Muster ("...vidmahe...dhīmahi...pracodayāt") angelehnten Lakṣmī-Mantra (6.7.8), das nicht mehr zum ursprünglichen Ṛgveda-Khila-Kern gehört, sondern ein jüngerer, in der vaiṣṇavitisch-tantrischen Liturgie sehr verbreiteter Zusatz ist. 6.0.3 ist wieder eine mnemonische Merkzeile.
Das Verlangen des Denksinns, die Absicht, mögen wir erlangen, die Wahrheit der Rede; die Gestalt des Viehs, der Speise – in mir möge Śrī wohnen, und der Ruhm.
[Anm.: RVKh 2.6.10, letzter Vers des ursprünglichen Zehn-Vers-Kerns des Śrī-Sūkta (Fußnote *352 vergleicht u.a. mit VS 39.4, ŚB 14.3.2.19-20, TB 2.4.6.6).]
Durch Kardama sind die Geschöpfe entstanden; entstehe auch in mir, o Kardama. Lass die Śrī, die lotusbekränzte Mutter, in meiner Familie wohnen.
[Anm.: RVKh 2.6.11. Kardama ("Schlamm, fruchtbarer Schlick") ist in der Śrī-Sūkta-Tradition eine personifizierte Nebenfigur, Sohn oder Begleiter der Śrī.]
Die Feuchte, die Lotosteich-Gleiche, den Wohlstand, die Rötlich-Gelbe, die Lotos-Bekränzte; die mondgleiche, goldene Lakṣmī – o Jātavedas, bring sie mir her.
[Anm.: RVKh 2.6.13a+14b (Verszählung zwischen den Editionen IS und VC laut Fußnote *364 uneinheitlich); in der Quelle als zwei separat nummerierte Halbverse (6.7.3 ohne, 6.7.4 mit "svāhā") wiedergegeben, hier wegen des gemeinsamen Sinnzusammenhangs als eine Einheit übersetzt.]
Die Feuchte, die [?, unsichere Lesart 'yaṣkariṇī'], die [?, 'Stab-/Schlank-Gestaltige', yaṣṭi], die Goldene, die Gold-Bekränzte; die sonnengleiche, goldene Lakṣmī – o Jātavedas, bring sie mir her.
[Anm.: RVKh 2.6.14a+13b. Die Quelle liest "yaṣkariṇīṃ" und "yaṣṭiṃ"; Fußnote *361 vermerkt, dass die RVKh-Textform stattdessen "puṣkariṇīṃ" ("Lotosteich-Gleiche", wie bereits in 6.7.3) liest. Beide Wörter bleiben hier bewusst unsicher markiert [?], statt stillschweigend an die Parallelstelle angeglichen zu werden.]
Bring mir, o Jātavedas, jene Lakṣmī her, die nicht fortgeht; in der es reichlich Gold gibt, Kühe, Dienerinnen – und in der ich Pferde und Menschen finden möge.
[Anm.: RVKh 2.6.15, Schlussvers. Damit endet der Śrī-Sūkta, wie von der Quelle selbst in Fußnote *341 angekündigt (Abschnitt 6.5.1-6.7.7).]
mahā-devyai ca vidmahe viṣṇu-patnyai ca dhīmahi | tan no lakṣmīḥ pracodayāt svāhā
Die Große Göttin lasst uns erkennen, auf die Gemahlin Viṣṇus lasst uns sinnen; das möge jene Lakṣmī uns antreiben.
[Anm.: Ein zusätzlicher, an das klassische Gāyatrī-Formelmuster ("...vidmahe...dhīmahi...pracodayāt") angelehnter Lakṣmī-Mantra, der nicht mehr zum ursprünglichen Ṛgveda-Khila-Kern des Śrī-Sūkta gehört, sondern ein in der späteren vaiṣṇavitisch-tantrischen Liturgie sehr verbreiteter eigenständiger Zusatzvers ist.]