Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 125: Aṣṭama-praśna: Der Varuṇa-Hymnenkomplex — Sündenbekenntnis und Lösung von Varuṇas Schlinge (Khaṇḍa 153-154) 8. Praśna: Varuṇa, kosmisches Gesetz, Sündenbekenntnis und die Lösung von Varuṇas Schlinge

Khaṇḍa 153-154 zitiert den berühmten Varuṇa-Hymnenkomplex RV 1.24-1.25 (Sündenbekenntnis, Bitte um Nachsicht, Lösung von Varuṇas Fessel-Schlinge/pāśa). 8.1.154.1 wiederholt erneut RV 1.24.15, bereits mehrfach zitiert (vgl. 8.1.70.2), hier im unmittelbaren Kontext seines Ursprungshymnus. 8.1.153.5 und 8.1.154.7 rahmen den Abschnitt mit den benachbarten Versen RV 1.24.14 und RV 1.24.16.

astabhnād[*882] dyām ṛṣabho antarikṣam amimīta varīmāṇaṃ pṛthivyā | āsīdad viśvā bhuvanāni saṃrāḍ viśvet tāni varuṇasya vratāni

Der Stier stützte den Himmel, maß den Luftraum, die Weite der Erde; er, der Allherrscher, ließ sich in allen Welten nieder — all jenes sind Varuṇas Ordnungen.

[Anm.: bekannter Varuṇa-Vers, Anklang an RV 5.85 (Varuṇas kosmisches Gesetz). Fn. *882.]

yac cid dhi te viśo yathā pra deva varuṇa vratam | minīmasi dyavi-dyavi

Was auch immer wir, o Gott Varuṇa, von deinem Gebot, wie es den Stämmen gilt, Tag für Tag verletzen…

[Anm.: RV 1.25.1.]

yat kiṃ cedaṃ varuṇa daivye jane 'bhidrohaṃ manuṣyāś carāmasi | acittī yat tava dharmā yuyopima mā nas tasmād enaso deva rīriṣaḥ

Was auch immer, o Varuṇa, wir Menschen als Vergehen gegen das göttliche Geschlecht begehen, was wir aus Unbedachtsamkeit deine Ordnungen verletzt haben — dafür, o Gott, schade uns nicht mit jener Schuld.

[Anm.: bekannter Sünden-Bekenntnisvers, Anklang an RV 1.25.]

kitavāso yad riripur na dīvi yad vā ghā satyam uta yan na vidma | sarvā tā vi ṣya śithireva devāthā[*883] te syāma varuṇa piyāsaḥ

Ob wir wie Spieler beim Würfelspiel gesündigt haben, oder wahrhaftig, oder was wir nicht wissen — löse dies alles wie Gelockertes, o Gott; dann mögen wir dir, o Varuṇa, lieb sein.

[Anm.: Fn. *883 vermerkt eine Editionsvariante.]

ava te heḍo varuṇa namobhir ava yajñebhir īmahe havirbhiḥ | kṣayann asmabhyam asura praceto[*884] rājann enā(g)ṃsi śiśrathaḥ kṛtāni

Deinen Zorn, o Varuṇa, besänftigen wir mit Verehrungen, mit Opfern, mit Opfergaben bitten wir ab; herrschend über uns, o weiser Asura, o König, löse die begangenen Sünden.

[Anm.: RV 1.24.14, unmittelbar vor dem bereits mehrfach zitierten Vers 1.24.15. Fn. *884.]

ud uttamaṃ varuṇa pāśam asmad avādhamaṃ vi madhyama(gg)ṃ śrathāya | athā vayam āditya vrate tavānāgaso aditaye syāma

Löse, o Varuṇa, die höchste Schlinge von uns, die unterste, die mittlere; so mögen wir, o Āditya, in deinem Gebot schuldlos vor Aditi sein.

[Anm.: RV 1.24.15, erneutes Zitat des bereits mehrfach identifizierten Verses (vgl. 8.1.70.2), hier im unmittelbaren Kontext seines Ursprungshymnus, kombiniert mit dem vorausgehenden "Schlingen"-Vers RV 1.24.16.]

imaṃ me varuṇa śrudhī havam adyā ca mṛḍaya | tvām avasyur ā cake

Höre, o Varuṇa, diesen meinen Ruf, und sei heute gnädig; dich rufe ich, Hilfe suchend, an.

[Anm.: RV 1.25.19.]

tat[*885] tvā yāmi brahmaṇā vandamānas tad ā śāste yajamāno havirbhiḥ | aheḍamāno varuṇeha bodhy uruśa(g)ṃsa mā na āyuḥ pra moṣīḥ

Darum bitte ich dich, mit dem Gebet verehrend; darum fleht der Opfernde mit Opfergaben; sei hier, o Varuṇa, nicht zürnend, aufmerksam, du Weitgepriesener; raube uns nicht das Leben.

[Anm.: RV 1.24.11, bekannter Bittvers. Fn. *885.]

tvaṃ no agne varuṇasya vidvān devasya heḍo 'va yāsisīṣṭhāḥ | yajiṣṭho vahnitamaś śośucāno viśvā dveṣā(g)ṃsi pra mumugdhy asmat

Du, o Agni, der den Zorn des Gottes Varuṇa kennt, mögest ihn von uns abwenden; der beste Opferer, der stärkste Träger, leuchtend, befreie uns von allem Hass.

[Anm.: Agni als Vermittler zu Varuṇa, Anklang an RV 4.1.4-5.]

sa tvaṃ no agne 'vamo bhavotī nediṣṭho asyā uṣaso vyuṣṭau | ava yakṣva no varuṇa(g)ṃ rarāṇo vīhi[*886] mṛḍīka(g)ṃ suhavo na edhi

Sei du uns, o Agni, der Nächste als Helfer, der Nächste bei dieser Morgenröte Aufleuchten; besänftige für uns, gnädig, Varuṇa; erbitte Gnade, sei uns leicht anzurufen.

[Anm.: Fn. *886.]

tvam agne ayāsy ayā san manasā hitaḥ | ayā san havyam ūhiṣe ayā no dhehi bheṣajam

Du, o Agni, bist der Unermüdliche; durch diesen Sinn, im Geiste wohlgesinnt; durch diesen trägst du die Opfergabe; durch diesen verleih uns Heilmittel.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

ye te śataṃ varuṇa ye sahasraṃ yajñiyāḥ pāśā vitatāḥ purutrā | tebhyo na indras savitota viṣṇur viśvedevā muñcantu marutas svastyā

Deine hundert, deine tausend opferwürdigen Schlingen, o Varuṇa, ausgespannt an vielen Orten — von ihnen mögen uns Indra, Savitṛ, Viṣṇu, die Allgötter und die Maruts zum Heil befreien.

[Anm.: RV 1.24.16, Schlussvers dieses Varuṇa-Komplexes.]

kṛtāny edhi catvāri ca

[Mnemonische Merkzeile:] "…die begangenen [Sünden]…" – "…sei…" – "und vier weitere".

[Anm.: liturgische Stichwort-Zählformel.]

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