Paṭala 50: Ṣaṣṭha-praśna: Śrī-Sūkta (2) – Der Bilva-Baum, Kubera und die Vertreibung der Alakṣmī
6. Praśna: Der Śrī-Sūkta, Teil 2 – Der Bilva-Baum, Kubera und die Vertreibung der Alakṣmī
Dieser Abschnitt (RVKh 2.6.6-9 in der Zählung nach Scheftelowitz) setzt den Śrī-Sūkta fort: der Bilva-Baum als Baum der Śrī, dessen Früchte Hindernisse und Unglück vertreiben sollen; die Anrufung des "Freundes der Götter" (eine Kubera-Anspielung als Gott des Reichtums) um Ruhm und Wohlstand; die ausdrückliche Vertreibung von Hunger, Durst und der "älteren Alakṣmī" (Jyeṣṭhā) aus dem eigenen Haus; und schließlich die Anrufung der Śrī als Herrscherin aller Wesen, deren Zugang der Wohlgeruch ist. Die hier als "Jyeṣṭhā" bezeichnete Unglücksfigur ist von der gleichnamigen, an früherer Stelle (5.2, Fußnote *296) diskutierten Göttin Jyeṣṭhā zu unterscheiden – es handelt sich um eine geläufige Doppelverwendung des Namens in der Tradition, nicht um dieselbe Gestalt.
O du von sonnenfarbenem Glanz, aus deiner Askeseglut Geborene – dein Baum ist der Bilva-Baum; mögen dessen Früchte die inneren Hindernisse und die äußere Alakṣmī vertreiben.
[Anm.: RVKh 2.6.6. Der Bilva-Baum (Aegle marmelos) gilt bis heute als der Śrī/Lakṣmī zugeordneter heiliger Baum.]
upaitu māṃ deva-sakhaḥ kīrtiś ca maṇinā saha | prādur bhuto 'smi rāṣṭre 'smin kīrtim ṛddhiṃ dadātu me svāhā[*349]
Möge der Freund der Götter zu mir kommen, zusammen mit Ruhm und dem Juwel; ich bin in diesem Reich erschienen – möge er mir Ruhm und Wohlstand gewähren.
[Anm.: RVKh 2.6.7. "deva-sakha" ("Freund der Götter") gilt traditionell als Bezeichnung Kuberas, des Reichtumsgottes.]
Hunger und Durst, und die ältere Alakṣmī – vernichte ich; alles Elend und alle Erfolglosigkeit vertreibe aus meinem Haus.
[Anm.: RVKh 2.6.8. "jyeṣṭhā" ("die Ältere") bezeichnet hier die als Unglücksgöttin personifizierte Alakṣmī, die in der Tradition oft als ältere Schwester der Lakṣmī gilt – zu unterscheiden von der gleichnamigen, eigenständigen Göttin Jyeṣṭhā, die an früherer Stelle (5.2, Fußnote *296 mit der Marīci/Atri-Kontroverse) behandelt wurde.]
Sie, deren Zugang der Wohlgeruch ist, die Unbezwingbare, die immer Genährte, die an [Kuh-]Dung Reiche – die Herrscherin aller Wesen, sie, die Śrī, rufe ich hierher.
[Anm.: RVKh 2.6.9. "karīṣiṇī" ("reich an [Kuh-]Dung") ist im vedischen Kontext ein Ausdruck für Reichtum an Vieh, nicht abwertend gemeint.]