Ein kurzer, klar erkennbarer Ritualabschnitt: der Opferherr (Yajamāna) "erwählt" (vṛṇe, "ich wähle") einen Priester nacheinander für die verschiedenen Teilfunktionen des Tempelweihe-Rituals – als Lehrer (ācārya), für das Augen-Öffnungs-Opfer (akṣi-mocana-homa, vermutlich die spätere Augenöffnung der Kultbild-Ikone), das Bauplatz-Opfer (vāstu-homa), die verschiedenen vedischen Feuer (Gārhapatya, Anvāhārya, Āhavanīya, Sabhya u.a.), als Soma-Priester, Hotṛ, für die Bad-Zeremonie (snapana), die Verehrung aller Götter und als "Aufsteller" (sthāpaka, der die fertige Ikone einsetzt).
Dich wähle ich als Lehrer [Ācārya]. Dich wähle ich zum Zweck des Augen-Öffnungs-Opfers [akṣi-mocana-homa]. Dich wähle ich zum Zweck des Bauplatz-Opfers [vāstu-homa]. Dich wähle ich zum Zweck des Gārhapatya-Feueropfers [Haushaltsfeuer]. Dich wähle ich zum Zweck des Anvāhārya-Opfers [Nachfeuer, meist für Ahnenopfer]. Dich wähle ich zum Zweck des Āhavanīya-Feueropfers [Hauptopferfeuer]. Dich wähle ich zum Zweck des Ānasakthya-Opfers [?, unklarer technischer Feuer-Terminus]. Dich wähle ich zum Zweck des Sabhya-Feueropfers [Versammlungsfeuer]. Dich wähle ich zum Zweck des Pauṇḍarīka-Opfers ["Lotos"-Opfer]. Dich wähle ich zum Zweck des Brahman-Priesteramts.
somārtham tvām ahaṃ vṛṇe | hotāram tvām ahaṃ vṛṇe | snapanārthaṃ tvām ahaṃ vṛṇe | sarva-devārcanārthaṃ tvām ahaṃ vṛṇe | sthāpakārthaṃ tvām ahaṃ vṛṇe | ṛtaṃ ca satyam ca deva-kṛtasya yan me garbhe tarat sa mandī vasoḥ pavitrañ jāta-vedase viṣṇor nu ka(g)ṃ sahasra-śīrṣaikākṣaram ā tvāhārṣaṃ tvam agne pavasva | eto nv indram | yad devā yad devā yad adīvyan āyuṣ ṭe vaiśvānarāya navo-navo bhavati | tejo vatsyāvas somasya tanūr asi | idaṃ brahma punīmahe bhūto bhūteṣu | kṛṇuṣva pājas svasti no mimītāṃ svasti-dā viśas-patiḥ
Dich wähle ich zum Zweck des Soma[-Opfers]. Dich wähle ich als Hotṛ[-Priester]. Dich wähle ich zum Zweck der Bade-Zeremonie [snapana]. Dich wähle ich zum Zweck der Verehrung aller Götter. Dich wähle ich zum Zweck des Aufstellers [sthāpaka, der die fertige Ikone einsetzt]. [Es folgt eine Kette von Pratīkas:] "Wahrheit und Wirklichkeit" / "des von den Göttern Gemachten" / "was in mir im Mutterleib [ist], das überschreite der Bedächtige" [?] / "der Reinigungsstoff des Guten" / "dem Jātavedas" / "wohlan, tausendköpfig, die eine Silbe" / "ich habe dich hergebracht" / "du, Agni, läutere dich" – "kommt, wohlan, zu Indra" – "was die Götter, was die Götter, als sie spielten – deine Lebenszeit [ist] dem Vaiśvānara [geweiht]; immer wieder neu wird [er]" [?] – "das Licht, wir zwei werden wohnen; du bist der Leib des Soma" – "dieses Brahman läutern wir; [er ist] geworden unter den Wesen" [?] – "bereite [deine] Macht; Heil möge uns bereiten der Heil-Gebende, Herr des Volkes".
[Anm.: Die Quelle korrigiert adīvyaṃ zu adīvyan gemäß den Parallelstellen, an denen dieser Ausdruck als Pratīka erscheint.]
tvām ahaṃ vṛṇe bhūto bhūteṣv ekañ ca || vāstoṣ-pate | āpo hi ṣṭhā mayo-bhuvaḥ | hiraṇya-varṇāḥ pavamānas suvar-janaḥ | eto nv indram | dadbhyas svāhā || vāstoṣ-pate te pañca
[Gedächtnisvers:] "dich wähle ich" – "[er ist] geworden unter den Wesen" – und eins. – "O Herr der Wohnstatt" [Vāstoṣpati]. "Ihr Wasser, ihr seid ja wohltuend" [bekannter vedischer Vers, RV 10.9.1]. "Goldfarben, geläutert, im Lichte geboren." "Kommt, wohlan, zu Indra." Svāhā den Zähnen! [Gedächtnisvers:] "o Herr der Wohnstatt" – dir – fünf.
[Anm.: Eine Randnotiz der Quelle korrigiert hier eine Zählungsverwechslung im Druck ("28 im Buch muss 78 sein").]