Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 89: Aṣṭama-praśna: Die Zufluchts-Litanei (prapadye) und apotropäische Schutzformeln 8. Praśna: Die Zufluchts-Litanei ("Ich nehme Zuflucht...") und apotropäische Schutzformeln

Khaṇḍa 14 ist eine Kette kurzer "prapadye"-Zufluchtsformeln (Vimāna, Vaikuṇṭha, Türwächter usw.). 8.1.15.3 zitiert wörtlich RV 1.22.5 ("hiraṇya-pāṇim... savitāram upa hvaye"), einen Vers aus demselben Hymnus wie die Trivikrama-Verse. Khaṇḍa 16-19 enthalten dichte apotropäische und Segensformeln; 8.1.18.4-5 zeigt enge Anklänge an das bereits in Kap. 49-51 behandelte Śrī-Sūkta.

ud vayaṃ tamasa ud u tyaṃ jāta-vedaśam

"Empor wir aus der Finsternis...", "empor jenen Jātavedas [Agni/Sonne]..."

[Anm.: Pratīka-Verbindung von RV 1.50.10 und RV 1.50.1, beide aus dem Sūrya-Hymnus RV 1.50, bereits in Kap. 61 behandelt.]

pra tad viṣṇuḥ

"Jenes verkündet Viṣṇu..."

[Anm.: Pratīka von RV 1.154.2, vgl. 8.1.12.6.]

vimānaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum Vimāna [Tempelturm].

viṣṇu-mayaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum aus Viṣṇu Bestehenden.

devāvāsaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zur Götterwohnung.

vaikuṇṭhodbhavaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum aus Vaikuṇṭha Entstandenen.

maṇikaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum Edelstein.

mahā-balaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zur großen Kraft.

vimalaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum Makellosen.

dvāra-pālakaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum Türwächter.

nirasta(g)ṃ rakṣo nirasto 'gha-śa(g)ṃso nirastā arātayaḥ

Verjagt ist der Unhold, verjagt der Übelredende, verjagt die Mißgünstigen.

[Anm.: Apotropäische Standardformel.]

sa-somā devā rakṣadhvam

Ihr Götter mit dem Soma, beschützt!

hiraṇya-pāṇim ūtaye savitāram upa hvaye | sa cettā devatā padam

Den Goldhändigen rufe ich zur Hilfe an, den Savitṛ; er, der Erkenner, [kennt] der Gottheit Ort.

[Anm.: Wörtliches Zitat von RV 1.22.5, aus demselben Hymnus wie die Trivikrama-Verse RV 1.22.16-21 (Kap. 45).]

divaṃ vivṛṇotu divi svargaṃ pihita-dvāraṃ vivṛnotu

Er öffne den Himmel; im Himmel die mit verschlossener Tür versehene Himmelswelt möge er öffnen.

divy antarikṣe devatānā(g)ṃ sāpsaro-gaṇam abhidarśayatām

Im himmlischen Luftraum der Gottheiten möge er die Schar der Apsaras erscheinen lassen.

bhuvaṅgāya namaḥ

Verehrung dem Bhuvaṅga [Erd-/Schlangenwesen].

ato devā idaṃ viṣṇus trīṇi padā viṣṇoḥ karmāṇi tad viṣṇoḥ paramaṃ pada(g)ṃ tad viprāsaḥ

"Von da an, o Götter...", "dies ist Viṣṇu", "die drei Schritte...", "Viṣṇus Taten", "jenes höchste Wort Viṣṇus", "jene Redekundigen..."

[Anm.: Erneute Trivikrama-Pratīka-Kette, vgl. 8.1.13.1.]

uddīpyasva jātavedo 'paghnaṃ nirṛtiṃ mama | paśū(g)ṃś ca mahyam āvaha jīvanañ ca diśodiśa

Entflamme dich, Jātavedas, hinwegschlagend mein Elend; bringe mir Vieh und richte allseits das Leben.

śāmyantu ghorāṇi

Es mögen sich die Schrecklichen besänftigen.

śāmyantu pāpāni

Es mögen sich die Sünden besänftigen.

śāmyantu ītayaḥ

Es mögen sich die Unglücksfälle besänftigen.

bhagavato balena bhagavato vīryeṇa bhagavatas tejasā bhagavataḥ karmaṇā

Durch die Kraft des Erhabenen, durch die Tapferkeit des Erhabenen, durch den Glanz des Erhabenen, durch das Werk des Erhabenen.

bhagavatānugṛhīto bhagavatānuddhyāto bhagavad dhyātvā bhagavat-karma kariṣyāmi tad bhagavān anumanyatām

Vom Erhabenen begnadet, vom Erhabenen bedacht, den Erhabenen meditierend, werde ich das Werk des Erhabenen vollbringen — das möge der Erhabene gestatten.

narya-prajāṃ me gopāya

Meine mannhafte Nachkommenschaft beschütze.

amṛtatvāya jīvase | jātāṃ janiṣyamāṇāñ ca | amṛte satye pratiṣṭhitām

Zur Unsterblichkeit, zum Leben; die geborene und die noch zu gebärende; in der unsterblichen Wahrheit gegründete.

atharva pituṃ me gopāya | rasam annam ihāyuṣe

O Atharvan, meine Nahrung beschütze; den Saft, die Speise, hier zum Leben.

adabdhāyo 'śītano

Unversehrt, unkalt [?]...

[Anm.: Vers sprachlich sehr unsicher [?].]

aviṣan naḥ pituṃ kṛṇu

Bereite uns die durchdringende Nahrung.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

śa(gg)ṃsya paśūn me gopāya

Die zu preisenden Tiere beschütze mir.

dvi-pādo ye catuṣ-padaḥ | aṣṭā śaphāś ca ya ihāgne ye caika-śaphā āśu-gāḥ

Die Zweifüßigen, die Vierfüßigen, die Achthufigen, die hier sind, o Agni, und die Einhufigen, die Schnellaufenden.

sa-pratha sabhāṃ me gopāya

Die weitreichende Versammlung beschütze mir.

ye ca sabhyās sabhā-sadaḥ | tān indriyāvataḥ kuru

Und die Versammlungsteilnehmer, die in der Versammlung Sitzenden — mache sie mit Sinneskraft ausgestattet.

sarvam āyur upāsatām

Sie mögen die volle Lebenszeit verehren.

ahe budhniya mantram me gopāya | yam ṛṣayas traividā viduḥ | ṛcas sāmāni yajū(g)ṃṣi

O Ahi Budhnya, meinen Spruch beschütze, den die drei-wissenden Seher kennen — die Ṛc-, Sāman- und Yajus-Verse.

[Anm.: "Ahi Budhnya" ("Schlange der Tiefe") ist eine vedische Gottheit des kosmischen Grundes.]

sā hi[*789] śrīr amṛtā satām

Denn sie ist die unsterbliche Śrī der Guten.

mā no hi(g)ṃsīj jātavedo gām aśvaṃ puruṣaṃ jagat | abibhrad agna āgahi śriyā mā paripātaya

Nicht schädige uns, Jātavedas, Rind, Pferd, Mensch, die bewegliche Welt; ohne zu verschonen komm, o Agni, mit Glanz beschütze mich allseits.

samrājaṃ ca virājaṃ cābhi śrīr yā ca no gṛhe | lakṣmī rāṣṭrasya yā mukhe tayā mā sa(g)ṃ sṛjāmasi

Den Samrāj und den Virāj, und die Śrī, die in unserem Haus ist; die Lakṣmī des Reiches, die an der Spitze ist — mit ihr wollen wir uns vereinen.

[Anm.: Nahes Zitat/Variante von Versen aus dem Śrī-Sūkta (RVKh 2.6), bereits in Kap. 49-51 übersetzt.]

indrasya tvā vajreṇābhy upa viśāmi | vaha kāle vaha śriyaṃ mābhivaha

Dich, mit Indras Donnerkeil, betrete ich; fahre zur rechten Zeit, fahre mir Glanz entgegen.

aśvo 'si hayo 'sy ato 'si naro 'sy arvāsi saptir asi | vājy asi vṛṣāsi nṛmaṇā asi yayur nāmāsy ādityānāṃ patvānvihi

Roß bist du, Renner bist du, von hier bist du, Mann bist du, Rennpferd, Gespannpferd bist du; preisgekrönt, Bulle, mannhaften Sinnes bist du, "Wanderer" ist dein Name — der Ādityas fliege hinterher.

ā-go-dānāt paṭhed idam

[Ritualrubrik:] Bis zur Rindergabe rezitiere man dies.

devasya tvā brahma jajñāna(g)ṃ

Dich, des Gottes, das entstandene Brahman...

[Anm.: Vers unsicher [?].]

hiraṇya-garbhaḥ

"Der Goldkeim..."

[Anm.: Pratīka von RV 10.121.1, dem Hiraṇyagarbha-Sūkta, bereits in Kap. 61-62 behandelt.]

bhūḥ prapadye bhuvaḥ prapadye suvaḥ prapadye bhūr bhuvas suvaḥ prapadye virājamānaṃ tam ajaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu Bhūḥ, ich nehme Zuflucht zu Bhuvaḥ, ich nehme Zuflucht zu Svaḥ, ich nehme Zuflucht zu Bhūḥ-Bhuvaḥ-Svaḥ, ich nehme Zuflucht zu jenem strahlenden Ungeborenen.

tejo-mayaṃ tejasām apy agamya(g)ṃ sarvātmānaṃ tamasaḥ pārabhūtaṃ bhūtyā viśvaṃ pāti yas taṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu ihm, der aus Glanz besteht, selbst dem Glanz unzugänglich, das Selbst von allem, jenseits der Finsternis, der durch seine Fülle das All beschützt.

viṣṇuṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zu Viṣṇu.

puruṣaṃ prapadye

Ich nehme Zuflucht zum Puruṣa.

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