Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 124: Aṣṭama-praśna: Nirṛti-Lösungsformeln aus dem Totenritual (Khaṇḍa 152) 8. Praśna: Die Göttin Nirṛti und die rituelle Lösung von ihren Banden

Khaṇḍa 152 versammelt eine Reihe bekannter Nirṛti-Lösungsformeln aus dem Umfeld des vedischen Totenrituals (Anklänge an AV 6.63, 6.121, 5.7): die Göttin Nirṛti (Verderben, Auflösung, zugleich mit der Erde identifiziert) wird gebeten, den Verstorbenen von ihren Fesseln zu lösen und stattdessen einen anderen (den Feind) zu binden.

namas sute nirṛte viśvarūpe 'yas-mayaṃ vi cṛtā bandham etam | yamena tvaṃ yamyā saṃvidānottaman nākam adhi rohayemam

Verehrung dir, o Nirṛti, Tochter, Allgestaltige — löse dieses eiserne Band; du, mit Yama und Yamī einig, lass diesen Verstorbenen zum höchsten Himmelsgewölbe emporsteigen.

[Anm.: bekannte Nirṛti-Lösungsformel aus dem Totenritual, Anklang an AV 6.63.]

yat te devī niṛṛtir ābabandha dāma grīvāsv avicartyam | idaṃ te tad vi ṣyāmy āyuṣo na madhyād athā jīvaḥ pitum addhi pramuktaḥ

Was dir die Göttin Nirṛti als unlösliches Band um den Hals gebunden hat — dieses löse ich dir, nicht aus der Mitte deines Lebens; so iss, lebend, befreit, deine Speise.

[Anm.: bekannte Formel, Anklang an AV 6.121.]

yasyāste asyāḥ krūra āsañ juhomy eṣāṃ bandhānām avasarjanāya | bhūmir iti tvā janā vidur nirṛtir iti tvāhaṃ pari veda viśvataḥ

In deren grausamem Mund ich die Opfergabe gieße, zur Lösung dieser Bande — "Erde" nennen dich die Leute, "Nirṛti" erkenne ich dich ringsum von allen Seiten.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

asunvantam ayajamānam iccha stenasyetyāṃ taskarasyānveṣi | anyam asmad iccha sā ta ityā namo devi nirṛte tubhyam astu

Suche den Nicht-Pressenden, Nicht-Opfernden auf; dem Weg des Diebes, des Räubers folgst du nach; such dir einen anderen als uns — das sei dein Weg; Verehrung sei dir, o Göttin Nirṛti.

[Anm.: bekannte Abwehrformel gegen Nirṛti, Anklang an AV 5.7.]

devīm ahaṃ nirṛtiṃ vandamānaḥ piteva putraṃ dasaye vacobhiḥ | viśvasya yā jāyamānasya veda śiraś-śiraḥ prati sūrī vicaṣte | niveśanas saṃgamano vasūnāṃ viśvā rūpābhicaṣṭe śacībhiḥ | durgānarātīr apānuda vīra-patnī

Die Göttin Nirṛti verehrend, wie ein Vater den Sohn, wende ich mich mit Worten an die Erschöpfte; sie, die alles Geborenen kennt, schaut, weise, auf jedes einzelne Haupt. Die Ansiedlerin, die Versammlerin der Güter, schaut mit ihren Kräften alle Gestalten; vertreibe die Nöte und Missgunst, o Gattin des Helden.

[Anm.: Verse unsicher [?].]

yamena yamy āyuṣā saṃvidānā[*881] piteva putram abhirakṣatan naḥ | namas te nirṛtaye ghana-tejāya tasmai visṛja bandhanāt

Mit Yama einig durch ihr Leben, Yamī — wie ein Vater den Sohn, möge sie uns beschützen. Verehrung dir, o Nirṛti, dem von dichtem Glanz — von jenem Band löse ihn.

[Anm.: Fn. *881 vermerkt Editionsvarianten.]

yama naya tva(g)ṃ savitā deva uttamān anīke abhirocaya yāyinām | vasavaḥ prathamo devatānā(g)ṃ so 'sya prajāṃ paśūn pāhi | ato devebhyaḥ paśubhir yo vai vasavas svasty astu

O Yama, führe du ihn; der Gott Savitṛ möge ihn unter den Höchsten in der Reihe der Wandernden erstrahlen lassen. Die Vasus, die ersten der Gottheiten — er möge dessen Nachkommenschaft und Vieh beschützen. Von da an, den Göttern, mit dem Vieh, was fürwahr die Vasus sind — Heil sei.

[Anm.: Verse unsicher [?].]

sahasrākṣo vā ayam agniḥ pitaro devatānām | vasūn yatra vasavo bhūtānāṃ pālayanti tasmā anya-vasubhyaḥ

Tausendäugig ist fürwahr dieser Agni, der Vater der Gottheiten. Wo die Vasus die Güter der Wesen schützen — für sie, den anderen Vasus…

[Anm.: Verse unsicher [?].]

vicaṣṭe 'ṣṭau ca

[Mnemonische Merkzeile:] "…sie schaut…" – "und acht weitere".

[Anm.: liturgische Stichwort-Zählformel.]

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