Paṭala 15: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Reinigungs-/Weihegebet und das "Alles-ist-Wasser"-Bekenntnis
5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Reinigungs- und Weihegebet, das "Alles-ist-Wasser"-Bekenntnis und die Nārāyaṇa-Anrufung
Dieser Abschnitt enthält zwei bemerkenswert klare und in der vedischen Literatur bekannte Passagen: erstens den berühmten Viśvakarman-Vers "viśvataś cakṣur uta viśvato mukhaḥ..." (RV 10.81.3, "allseits-Augen und allseits-Antlitz..."), zweitens die klassische brāhmaṇa-artige Identifikationsformel "āpo vā idaṃ sarvam" ("die Wasser sind fürwahr dies alles"), die sämtliche Aspekte der Existenz mit dem Urelement Wasser gleichsetzt. Es folgt eine dichte Kette weiterer, teils sehr bekannter Verehrungsformeln (oṃ namo bhagavate vāsudevāya, das klassische Aṣṭākṣara-Mantra) und ein Anklang an das bekannte Nārāyaṇa-Gāyatrī-Mantra (nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi tan no viṣṇuḥ pracodayāt), von dem die Quelle selbst eine im Manuskript notierte alternative Lesart überliefert.
"Für Labung dich, für Kraft dich; der Heil-Gebende, Herr des Volkes." "Indra rufen die Männer beim Wettstreit an, wenn sie die entscheidenden Absichten anspannen; der Held, der an Kraft bei der Männerschlacht seine Freude hat – an der kuhreichen Hürde gib du uns Anteil" [?, RV-Anklang, Indra-Hymnus]. "Rein sind eure Opfergaben." "Diese wohlriechenden Räucherwerke, mit göttlichem Räucherwerk parfümiert." "Gereinigt durch den Brahman-Reinigungsstoff, gereinigt durch die Strahlen der Sonne." "Das Erste ergreife ich; diese heilsamen Wasser."
[Anm.: Die Quelle merkt an, dass nach surabhino im Manuskript nochmals dhūpāḥ steht, was in Übereinstimmung mit den Parallelstellen VMP 5.1.131.10 und 8.1.79.1 entfernt wurde.]
"Allseits-Augen und allseits-Antlitz, allseits-Hände und allseits-Füße [ist er]; mit Armen und Flügeln beugt er zusammen, Himmel und Erde erzeugend, der eine Gott" [der berühmte Viśvakarman-Vers, RV 10.81.3]. "Verehrung dem Schönbehaarten, der Schönbehaarten, in den sieben Strömen" [?].
āpa undantu jīvase dīrghāyutvāya varcasa oṣadhe trayas vaina(gg)ṃ svadhite maina(g)ṃ hi(g)ṃsīr deva-śrūr etāni pravape svasty uttarāṇy aśī yāpo asmān mātaraś śundhantu ghṛtena no ghṛta-puvaḥ punantu viśvam asmat pravahantu ripram udābhyaś śucirā pūta emi somasya tanūr asi tanuvaṃ me pāhi mahīnāṃ payo 'si varco-dhā asi varcomayi dhehi vṛtrasya kanīnikāsi cakṣuṣ-pā asi cakṣur me pāhi cit-patis tvā punātu vāk-patis tvā punātu devas tvā savitā punātv acchidreṇa pavitreṇa vasos sūryasya raśmibhis tasya te pavitra-pate pavitreṇa yasmai kaṃ pune tac chakeyam ā vo devāsa īmahe satya-dharmāṇo adhvare yad vo devāsa āgure yajñiyāso havāmaha indrāgnī dyāvā-pṛthivī āpa oṣadhīs tvaṃ dīkṣāṇām adhipatir asīha mā santaṃ pāhi
Die Wasser mögen [mich] befeuchten zum Leben, zu langem Leben, zu Glanz; o Kraut, [durch] die drei [?] – mit dem Beil verletze mich nicht, du Gott-Gehörter [?]; diese [Kräuter] streue ich aus; Heil – die höheren [Güter] möge ich erlangen [?]. Die Wasser, unsere Mütter, mögen uns reinigen; mit Ghee mögen die Ghee-Reiniger uns läutern; alle Unreinheit von uns mögen sie forttragen; von den Wassern her komme ich rein und geläutert heran. Du bist der Leib des Soma; meinen Leib schütze. Du bist die Milch der großen [Erde/Kühe]; du bist der Glanz-Träger; lege mir Glanz ein. Du bist die Pupille [?] – du bist der Augen-Schützer, schütze mein Auge. Der Herr des Denkens läutere dich; der Herr der Rede läutere dich; der Gott Savitṛ läutere dich mit makellosem Reinigungsstoff, [dem] des Guten, mit den Strahlen der Sonne. Dir, o Herr des Reinigungsstoffes, mit dem Reinigungsstoff – wem auch immer ich dies zu vollbringen vermöchte. Euch, ihr Götter, bitten wir, die der Wahrheitsordnung Folgenden, beim Opfer; da ihr, o Götter, opferwürdig herbeigekommen seid, rufen wir: Indra und Agni, Himmel und Erde, die Wasser, die Kräuter. Du bist der Herr der Weihen [dīkṣā]; hier schütze den [dir] Ergebenen [?].
[Anm.: Eine sehr dichte, zusammenhängende Reinigungs- und Weiheformel mit mehreren aus der vedischen Konsekrationsliteratur bekannten Wendungen (z.B. cakṣuṣ-pā asi cakṣur me pāhi); manche Übergänge und Einzelbegriffe bleiben ohne Rückgriff auf Sekundärliteratur unsicher und sind mit [?] markiert.]
Die Wasser sind fürwahr dies alles; alle Wesen sind Wasser; die Lebenshauche sind Wasser; die Herdentiere sind Wasser; das Unsterbliche ist Wasser; die Speise ist Wasser; der Allherrscher [Samrāj] ist Wasser; der Allherrschende [Virāj] ist Wasser; der Selbstherrschende [Svarāj] ist Wasser; die Versmaße sind Wasser; die Lichter sind Wasser; die Wahrheit ist Wasser; alle Gottheiten sind Wasser; Bhūḥ, Bhuvaḥ, Suvaḥ sind Wasser; Oṃ ist Wasser.
[Anm.: Eine klassische brāhmaṇa-artige Identifikationsformel, die sämtliche Aspekte der Existenz mit dem Urelement Wasser gleichsetzt.]
tejovat syāvaḥ | oṃ namo viṣṇave | oṃ namo nārāyaṇāya | oṃ namo bhagavate vāsudevāya | bhūya ātma-vṛtyā | namas suloma sa eko bhūd devasya tvā savitur ato devā kṣmām ekām | tan mā yaśo 'gre brahmā devānāṃ bhūmān anto 'gre | tan mā yaśo 'gre śata-dhāra(g)ṃ tam eka-nemiṃ prajā-patiṃ prathamam nārāyaṇāya vidmahe
"Wir wollen glanzvoll sein" [?]. Oṃ, Verehrung dem Viṣṇu! Oṃ, Verehrung dem Nārāyaṇa! Oṃ, Verehrung dem erhabenen Vāsudeva! [das bekannte Aṣṭākṣara-Mantra] "Noch mehr durch seine Selbst-Wirkkraft" [?] – "Verehrung dem Schönbehaarten; er allein wurde es; des Gottes Savitṛ dich; von da an, o Götter; die eine Erde" [?] – "jener Ruhm möge mir zuvorderst sein; Brahmā der Götter; die Erde war am Anfang das Ende" [?] – "jener Ruhm möge mir zuvorderst sein; ihn, den Hundertströmigen, den Einradkranz-Habenden, Prajāpati, den Ersten der Opferwürdigen – wir möchten den Nārāyaṇa erkennen" [Anklang an das bekannte Nārāyaṇa-Gāyatrī-Mantra: nārāyaṇāya vidmahe vāsudevāya dhīmahi tan no viṣṇuḥ pracodayāt].
[Anm.: Die Quelle identifiziert "tam eka-nemim prajā-patiṃ prathamam" als Anklang an einen in mehreren vedischen Texten belegten Vers (Maitrāyaṇī-Saṃhitā 4.14.1c; Taittirīya-Brāhmaṇa 2.8.1.4a; Āpastamba-Śrautasūtra 20.20.9a). Zum fortlaufenden Nārāyaṇa-Gāyatrī-Anklang vermerkt die Quelle zudem, dass im Manuskript selbst ein Fragezeichen steht und eine Randnotiz eine bei "manchen" (iti kaiścit) gebräuchliche Variante überliefert: "varaṃ viṣṇur vareṇīyaṃ bhargo māyā ca dhīmahi, taṃ no viṣṇuḥ pracodayāt" – "wir meditieren über den vorzüglichen, erlesenen Viṣṇu, [seine] Macht und Māyā; jener Viṣṇu möge uns antreiben."]
"Dem Nārāyaṇa" – "König Soma" – "diese Wachsame [?], zuerst eintretend, mögen die Götter werden; die erlesenen Menschengeborenen" [?] – "dem großen Selbst, das uns forttragt, Verehrung dir" [?] – "mache diesen zum Vernichter der Sündenflut" [?] – Viṣṇu beschütze mich – Oṃ, Verehrung dem Keśava! – "Oṃ, am" [?, im Text offenbar unvollständig/abgebrochen].