ākāśam ahaṅkāre pravilāpayāmi
Ich löse den Äther im Ich-Bewusstsein (Ahaṅkāra) auf.
Vaikhānasamantrapraśna
Khaṇḍa 47-49 vollzieht zunächst die Rückauflösung von Äther über Ahaṅkāra und Mahat bis zur Prakṛti und zum höchsten Brahman (Khaṇḍa 47), zitiert dabei wörtlich RV 10.137.3 (Heilungshymnus an Vāta, 8.1.47.6) und RV 1.22.15 (unmittelbar vor den Trivikrama-Versen desselben Hymnus, 8.1.48.3), und vollzieht dann in Khaṇḍa 49 die entgegengesetzte, schöpferische Emanationsreihe der Sāṃkhya-Philosophie (Prakṛti→Mahat→Ahaṅkāra→Äther→Wind→Feuer→Wasser→Erde). Khaṇḍa 50 ist die eigentliche "Prāṇa-Pratiṣṭhā" (Lebensatem-Einsetzung) mit einem Zitat aus RV 10.59.6. Khaṇḍa 51 schließt den Abschnitt mit einer Ringkomposition: Die letzten vier Verse der Pāramātmikopaniṣad (7.1.8.1, 7.1.7.5, 7.1.7.4, 7.1.7.3) werden zitiert, gefolgt vom wortgleichen Anfangsvers der gesamten Upaniṣad (7.1.1.1) – eine bewusste Rückkehr zum Ursprung.
ākāśam ahaṅkāre pravilāpayāmi
Ich löse den Äther im Ich-Bewusstsein (Ahaṅkāra) auf.
ahaṅkāraṃ mahat-tatve pravilāpayāmi
Ich löse das Ahaṅkāra im Mahat-Prinzip auf.
mahat-tatvaṃ prakṛtau pravilāpayāmi
Ich löse das Mahat-Prinzip in der Urnatur (Prakṛti) auf.
tāṃ prakṛtiṃ para-brahmaṇi pravilāpayāmi
Ich löse jene Prakṛti im höchsten Brahman auf.
[Anm.: Hiermit vervollständigt sich die Rückauflösungskette: von den fünf groben Elementen über Ahaṅkāra und Mahat zur Prakṛti und schließlich zum höchsten Brahman.]
viṣṇu-mūrtiṃ dhyāyāmi
Ich meditiere die Viṣṇu-Gestalt.
ā vāta vāhi bheṣajaṃ vi vāta vāhi yad rapaḥ | tva(g)ṃ hi viśva-bheṣajo devānāṃ dūta īyase
O Wind, bringe die Arznei her, o Wind, vertreibe, was an Übel ist; denn du, der Allheilende, ziehst als Bote der Götter umher.
[Anm.: Wörtliches Zitat von RV 10.137.3, dem bekannten Heilungshymnus an Vāta (Wind).]
agne rakṣā ṇo a(g)ṃhasaḥ prati ṣma deva rīṣataḥ | tapiṣṭhair ajaro daha
O Agni, beschütze uns vor Bedrängnis, wehre, o Gott, den Schädigenden ab; mit deinen heißesten Flammen, Alterloser, verbrenne sie.
[Anm.: Apotropäischer Agni-Vers; genaue Fundstelle unsicher [?].]
agne ha(g)ṃsi ny atriṇam
O Agni, du erschlägst den Atrin, den menschenfressenden Dämon.
[Anm.: Bezug auf Agni als Dämonenvernichter.]
yad ado vāta te gṛhe 'mṛtasya nidhir hitaḥ | tato no dehi jīvase tato no dhehi bheṣajam
Was dort, o Wind, in deinem Haus der Schatz der Unsterblichkeit gelegt ist — davon gib uns zum Leben, davon gib uns als Arznei.
[Anm.: Vers aus dem Vāta-Hymnenkomplex (vgl. RV 10.186); wird später (8.1.203.1) nochmals zitiert.]
syonā pṛthivī bhavānṛkṣarā niveśanī | yaccā naś śarma saprathāḥ
Sei uns wohltuend, Erde, dornenlos, ein guter Lagerplatz; gewähre uns weiträumigen Schutz.
[Anm.: Wörtliches Zitat von RV 1.22.15, unmittelbar vor den Trivikrama-Versen desselben Hymnus (RV 1.22.16-21, vgl. Kap. 45).]
yo vā gaviṣṭhaḥ
"Der Licht-Suchende…"
[Anm.: Pratīka von 7.1.3.1.]
ātmana ākāśas sambhūtaḥ
Aus dem Selbst ist der Äther entstanden.
[Anm.: Bekannte kosmogonische Formel der Pañcīkaraṇa-Tradition, vgl. Taittirīya-Upaniṣad 2.1.]
paramātmanaḥ prakṛtiṃ tri-guṇātmikāṃ pratiṣṭhāpayāmi
Vom höchsten Selbst die aus den drei Guṇas bestehende Urnatur setze ich ein.
prakṛter mahāntam utpādayāmi
Aus der Urnatur erzeuge ich das Mahat-Prinzip.
[Anm.: Beginn der umgekehrten, schöpferischen Sāṃkhya-Emanationsreihe.]
mahato 'haṅkāram utpādayāmi
Aus dem Mahat erzeuge ich das Ahaṅkāra.
ahaṅkārād ākāśaṃ pratiṣṭhāpayāmi
Aus dem Ahaṅkāra setze ich den Äther ein.
yo vā vāyuḥ | ākāśād vāyuṃ pratiṣṭhāpayāmi
"Der Vāyu…" — aus dem Äther setze ich Vāyu ein.
tvam agne tri-guṇo variṣṭhaḥ | vāyor agniṃ pratiṣṭhāpayāmi
"Du bist Agni, dreifach, der Vorzüglichste…" — aus Vāyu setze ich Agni ein.
tvaṃ jīvaḥ | agner apaḥ pratiṣṭhāpayāmi
"Du bist das Lebendige…" — aus Agni setze ich die Wasser ein.
bhūmer vitanvan | adbhyaḥ pṛthivīṃ pratiṣṭhāpayāmi
"Der Erde ausbreitend…" — aus den Wassern setze ich die Erde ein.
[Anm.: Mit diesem Vers schließt die schöpferische Emanationsreihe Prakṛti→Mahat→Ahaṅkāra→Äther→Wind→Feuer→Wasser→Erde, das genaue Spiegelbild der Auflösungskette aus Kap. 96.]
asunīte punar asmāsu cakṣuḥ punaḥ prāṇam iha no dhehi bhogam | jyok paśyema sūryam uccaraṃtam anumate mṛlayā nas svasti
O Asunīti, gib uns wieder das Augenlicht, gib uns wieder hier den Atem zum Genießen; lange mögen wir die aufgehende Sonne schauen; o Anumati, sei uns gnädig, zum Heil.
[Anm.: Wörtliches/nahes Zitat von RV 10.59.6, einem Vers aus dem Hymnus an Asunīti ("Lebensführung"), traditionell bei Totenritualen und Lebenssegnungen rezitiert — hier im Kontext der "Prāṇa-Pratiṣṭhā" (Lebensatem-Einsetzung) des Bildnisrituals verwendet.]
amṛtaṃ vai prānā amṛtam āpaḥ prāṇān eva yathā-sthānam upahvayate
Unsterblich sind die Lebensatems, unsterblich die Wasser; die Lebensatems ruft er eben an ihren rechten Ort.
mama prāṇa iha prāṇaḥ
Mein Atem sei hier Atem.
mama jīva iha jīvas sthitaḥ
Mein Leben sei hier als Leben eingesetzt.
mama sarvendriyāṇi vāṅ-mano-buddhy-ahaṃkāra-kāma-rāgāntaṃ
Alle meine Sinnesorgane, Rede, Denksinn, Erkenntnis, Ich-Bewusstsein, bis hin zu Begierde und Leidenschaft.
pṛthivy-ap-tejo-vāyv-ākāśa-śabda-sparśa-rūpa-rasa-gandha-tvak cakṣuś-śrotra-jihvā-ghrāṇa-vāk-pāṇi-pāda-pāyūpastha-prāṇā ihaivāgatya sukhaṃ ciraṃ tiṣṭhantu hrīṃ svāhā
Erde, Wasser, Feuer, Wind, Äther; Klang, Tastsinn, Form, Geschmack, Duft; Haut, Auge, Ohr, Zunge, Nase; Sprachorgan, Hand, Fuß, Ausscheidungs- und Zeugungsorgan, die Lebensatems — mögen sie eben hierher gelangen und glücklich lange verweilen. Hrīṃ, Svāhā.
[Anm.: Vollständige Aufzählung der fünf groben Elemente, der fünf Wahrnehmungsobjekte (Tanmātras) und der zehn Sinnes-/Handlungsorgane (Indriyas) der Sāṃkhya-Tradition.]
mama hṛdaye paramātmanas sakākāj jīvātmānaṃ pratiṣṭhāpayāmy on namaḥ
In meinem Herzen setze ich, vom höchsten Selbst ausgehend, das individuelle Lebens-Selbst (Jīvātman) ein. Oṃ, Verehrung.
haṃsa-haṃsāya vidmahe parama-haṃsāya dhīmahi | taṃn no haṃsaḥ pracodayāt
Dem Schwan der Schwäne wollen wir kundig werden, dem höchsten Schwan wollen wir gedenken; das möge uns der Schwan antreiben.
[Anm.: Gāyatrī-förmiger Vers für Haṃsa ("Schwan"), ein klassisches Symbol des individuellen bzw. höchsten Selbst.]
yo vā saṃyogas saṃjuṣamānas sandhus sandhukṣaṇānām | saṃyogaṃ sandadhānaḥ[*805] puṇyaḥ puṇyānāṃ puṇyāya svāhā
Der die Verbindung liebend, die Fuge der Anfachungen; die Verbindung stiftend, der Verdienstvolle der Verdienstvollen, dem Verdienst.
[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von 7.1.8.1 (Kap. 78) — hier beginnt eine Ringkomposition, die mit dem Anfangsvers der gesamten Upaniṣad schließt (8.1.51.5).]
saha saṃpāyās tvam āśiṣam āśīr bhūtābhūtam | āśiṣam āśī-rāsīr[*806] āśir anubhūmis[*807] svāhā
Gemeinsam mit dem Trunk bist du der Segenswunsch, der Segen, geworden und nicht-geworden; den Segenswunsch, den Segen, den Segen erfuhren wir.
[Anm.: Variante von 7.1.7.5 (Kap. 77).]
yo vā tejas tejasāṃ tejas teja ādadhānaḥ | satyas tejas tejasāṃ tejas tejas tejase svāhā
Der der Glanz der Glänze ist, Glanz verleihend; wahrhaft der Glanz der Glänze, dem Glanz.
[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von 7.1.7.4 (Kap. 77).]
yo vā āyuḥ paramātmānaṃ mīḍhuṣaḥ paraṃparyāt paraḥ parāyaṇaḥ | paro lokānāṃ paramā dadhānaḥ parataḥ parāya svāhā
Der die Lebenskraft ist, das höchste Selbst des Regenspenders, jenseits der Nachfolge, das höchste Ziel, der Höchste der Welten, das Höchste verleihend, von jenseits, dem Höchsten.
[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von 7.1.7.3 (Kap. 77).]
viṣṇus sarveṣām adhipatiḥ paramaḥ purāṇaḥ
Viṣṇu, der Oberherr aller, der Höchste, der Uralte...
[Anm.: Wortgleicher Anfangsvers der gesamten Pāramātmikopaniṣad (= 7.1.1.1, Kap. 74) — bewusste Ringkomposition, die den Ritualabschnitt zum Ursprung der Upaniṣad zurückführt.]