Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 60: Ṣaṣṭha-praśna: Schluss des Varuṇa-Fessel-Hymnus, ein apotropäischer Abwehr-Text und Tryambaka-Verse 6. Praśna: Schluss des Varuṇa-Fessel-Hymnus, ein apotropäischer Abwehr-Text und Tryambaka-Verse

6.20.1 (RV 1.24.15) schließt den im Vorkapitel begonnenen Varuṇa-Fessel-Hymnus ab. 6.20.3 wiederholt wortgleich den Ciklīta-Vers aus dem Śrī-Sūkta (6.7.2). Bemerkenswert ist der Abschnitt 6.20.6-7: ein offenbar apotropäischer Text gegen dämonische Eindringlinge ("Kaubera"-Gestalten im Auftrag eines "Rākṣasa-Königs"), der in 6.20.7 mit drastischen Details Unholdinnen beschreibt (krumme Zähne, aufgelöstes Haar, hängende Brüste) – typische Kennzeichen von Dämoninnen in der vedischen Dämonologie, die hier ohne Beschönigung wiedergegeben werden. Der Abschnitt schließt mit zwei Versen an Tryambaka/Śiva als Herrscher aller Welten.

ud uttamaṃ varuṇa pāśam asmad avādhamaṃ vi madhyama(gg)ṃ śrathāya | athā vayam āditya vrate tavānāgaso aditaye syāma svāhā

Löse von uns die oberste Fessel, o Varuṇa, und die unterste, und binde auch die mittlere los; dann mögen wir, o Āditya, in deiner Ordnung schuldlos vor Aditi sein.

[Anm.: RV 1.24.15, Schlussvers des im Vorkapitel begonnenen Varuṇa-Fessel-Hymnus (vgl. 6.19.8).]

ayāś cāgne 'sy anabhiśastīś cāyātaḥ | yajñaṃ vahatu sadā dhehi bheṣaja(gg)ṃ svāhā

Und du, Agni, bist unangreifbar und unangefochten; er möge das Opfer stets tragen – gib Heilmittel.

[Anm.: Vers unsicher in Details [?].]

āpas sṛjantu[*396] snigdhāni ciklīta vasa me gṛhe | ni ca devīṃ mātaraṃ śriyaṃ vāsaya me kule svāhā

Die Wasser mögen Feuchtes hervorbringen; o Ciklīta, wohne in meinem Haus. Und lass die Göttin-Mutter Śrī in meiner Familie wohnen.

[Anm.: Wortgleiche Wiederholung von Vers 6.7.2 aus dem Śrī-Sūkta. Fußnote *396 vermerkt die RVKh-Variante "sravantu" statt "sṛjantu".]

marutaḥ paramātmā paramā gatiḥ paraṃ brahma paraṃ yogam | paramātmānaṃ manye ajaraṃ yo 'gnir aham annaṃ vāyave svāhā

Die Maruts sind das höchste Selbst, das höchste Ziel, das höchste Brahman, das höchste Yoga; ich halte dies für das unalternde höchste Selbst, das, welches Agni ist – ich bin die Speise, für Vāyu.

[Anm.: Vers unsicher in Details [?]; identifiziert die Maruts mit dem höchsten metaphysischen Prinzip (Paramātman).]

maruto gaṇānāṃ prathamas saptadhānāṃ mūrdhā vāyo anyam ajara(gg)ṃ śriyam | hotāraṃ vai rayan tvāhur agne havyaṃ marudbhyas svāhā

Der Marut ist der erste der siebenfachen Scharen, das Haupt, o Vāyu, der anderen unalternden Pracht; den Hotṛ-Priester nennen sie dich, glanzvoll, o Agni – die Opfergabe gilt den Maruts.

[Anm.: Vers unsicher in Details [?].]

miśra-vāsasaḥ kauberakā rakṣo-rājena preṣitāḥ | grāma(g)ṃ sa-jānayo gacchantīcchanto paridākṛtānt[*397] svāhā

Die bunt gewandeten Kaubera-Gestalten, vom Rākṣasa-König entsandt, ziehen mit ihren Frauen ins Dorf, die dort Dargebotenen begehrend [?].

[Anm.: Vers thematisch dunkel [?]; erwähnt "Kaubera" (zu Kubera gehörig) und einen "Rākṣasa-König" als Auftraggeber – vermutlich Beginn eines apotropäischen Textes gegen dämonische Eindringlinge, der im nächsten Vers fortgesetzt wird.]

etān ghnataitān gṛhṇītety ayaṃ brahmaṇas putraḥ | tān agniḥ paryasarat tān indras tān bṛhaspatiḥ | tān ahaṃ veda brāhmaṇaḥ pramṛśataḥ kūṭa-dantān vikeśāṇ lambana-stanānth[*398] svāhā

"Schlagt diese, ergreift diese!" – so [ruft] dieser Sohn Brahmās; sie umkreiste Agni, sie Indra, sie Bṛhaspati; ich, der Brahmane, kenne sie, die Tastenden, mit krummen Zähnen, aufgelöstem Haar, hängenden Brüsten.

[Anm.: Drastisch-abwehrende Beschreibung dämonischer Angreiferinnen (krumme Zähne, aufgelöstes Haar, hängende Brüste – typische Kennzeichen von Unholdinnen in der vedischen Dämonologie); Teil eines apotropäischen Abwehr-Rituals gegen die in 6.20.6 genannten Eindringlinge. Wird hier ohne Beschönigung wortgetreu wiedergegeben.]

īśānas sarva-lokānāṃ try-ambakas sarva-vidyānām | na dvitīyo bhavodbhavāya svāhā

Der Herrscher aller Welten, der Dreiäugige aller Wissenschaften; kein Zweiter ist da für das Werden aus dem Sein.

[Anm.: Anrede an Śiva/Tryambaka als Herrscher aller Welten und Wissenschaften.]

īśa īśitre bhūr bhuvas suvar īśāya lokānām | bhīmāya vāmadevāya svāhā

Dem Herrscher, dem Beherrschenden, Bhūḥ-Bhuvaḥ-Suvaḥ, dem Herrscher der Welten; dem Furchtbaren, dem Vāmadeva.

[Anm.: "Vāmadeva" ist ein gängiger Beiname Śivas.]

bhara svāhā mātaraṃ ca svāhā rayīṇā(g)ṃ svāhā svastyā svāhā marudbhyas svāhā nava ca

[Mnemonische Merkzeile:] "…bring, svāhā" – "…und die Mutter, svāhā" – "…der Reichtümer, svāhā" – "…zum Wohlergehen, svāhā" – "…für die Maruts, svāhā" – und neun [weitere].

[Anm.: Liturgische Stichwort- und Zählformel.]

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