Paṭala 56: Ṣaṣṭha-praśna: Der Hiraṇyagarbha-Vers, der Mahāmṛtyuñjaya-Mantra und Śrīs Schwesternpaar
6. Praśna: Der Hiraṇyagarbha-Vers, der Mahāmṛtyuñjaya-Mantra und Śrīs Schwesternpaar
Dieser Abschnitt enthält zwei der berühmtesten Einzelverse des gesamten vedischen Corpus: 6.13.1 (AV 4.1.1, Eröffnung des Brahma-Hymnus, "brahma jajñānaṃ prathamaṃ purastāt"), 6.13.2 (RV 10.121.1, der Hiraṇyagarbha-/"Ka"-Sūkta mit dem berühmten Refrain "kasmai devāya haviṣā vidhema") und 6.13.4 (RV 7.59.12, der weltbekannte Mahāmṛtyuñjaya-Mantra an Tryambaka/Śiva). Die übrigen Verse (6.13.3, 6.13.5, 6.14.1-5) sind demgegenüber sprachlich schwierig und in Teilen unsicher; 6.14.1 spielt möglicherweise auf das aus dem Śrī-Sūkta bekannte Schwesternpaar Śrī/Lakṣmī und ihre unglückbringende ältere Schwester an.
brahma jajñānaṃ prathamaṃ purastād visīmatas suruco vena āvaḥ | sa budhniyā upamā asya viṣṭhās sataś ca yonim asataś ca vivas svāhā
Brahman, geboren, erschien zuerst, voran; von jenseits der Grenzen offenbarte der leuchtende Vena es. Er enthüllte dessen tiefste Gründe und höchste Höhen; er offenbarte den Ursprung des Seienden und des Nichtseienden.
[Anm.: AV 4.1.1, Eröffnungsvers des Brahma-Hymnus im Atharvaveda.]
hiraṇya-garbhas sam avartatāgre bhūtasya jātaḥ patir eka āsīt | sa dādhāra pṛthivīṃ dyām utemāṃ kasmai devāya haviṣā vidhema svāhā
Hiraṇyagarbha, der Goldene Keim, entstand am Anfang; geboren, war er der eine Herr des Seienden. Er trug diese Erde und diesen Himmel – welchem Gott sollen wir mit Opfergabe huldigen?
[Anm.: RV 10.121.1, der berühmte Eröffnungsvers des Hiraṇyagarbha-("Ka"-)Sūkta.]
Dem Dreiäugigen opfern wir, dem Wohlriechenden, dem Nahrung-Mehrer; wie die Gurke von ihrem Stiel, möge ich vom Tod befreit werden, nicht von der Unsterblichkeit.
[Anm.: RV 7.59.12 – der weltbekannte "Mahāmṛtyuñjaya-Mantra", einer der berühmtesten Verse des gesamten vedischen Corpus, an Tryambaka (Śiva) gerichtet.]
Von welcher Śrī die jüngere und die älter Geborene Schwestern sind, denen unablässig wohl geopfert wird von den beiden Allwissenden – durch jene beiden, wenn sie zufrieden sind, mögen Abnahme und Zunahme geschehen.
[Anm.: Vermutliche Anspielung auf das aus dem Śrī-Sūkta bekannte Schwesternpaar Śrī/Lakṣmī (die jüngere) und ihre unglückbringende ältere Schwester (vgl. Jyeṣṭhā/Alakṣmī, 6.6.3) – Vers insgesamt jedoch syntaktisch schwierig und unsicher [?].]
yo no 'bhirakṣaty avamāya nas tu[*382] yas trayyā saṃvardhayan pūrayati | tasmai sarva-chandaso saṃvyayan tā(g)ṃ sā no devī mānasīm ānam etā(g)ṃ svāhā
Der uns beschützt, selbst vor dem Niedrigsten unter uns; der, durch die dreifache Veda-Wissenschaft fördernd, uns erfüllt; ihm, der alle Versmaße ineinander verwebt – jene Göttin gewähre uns diese gedankliche Verneigung.
[Anm.: Vers syntaktisch komplex und in Details unsicher [?]. Fußnote *382 vermerkt eine Lesart-Variante der Ausgabe von 1946.]