Paṭala 110: Aṣṭama-praśna: Der Ghṛta-Agni-Hymnus, die Rudra-Gāyatrī und die Erdgöttinnen-Litanei (Khaṇḍa 100-103)
8. Praśna: Ein Ghī-Agni-Hymnus, die Rudra-Gāyatrī und die Herbeirufung der Erdgöttinnen
8.1.101.5 enthält die berühmte Rudra-Gāyatrī (Taittirīya-Āraṇyaka 10.17.1), strukturell parallel zu den bereits gefundenen Nārāyaṇa-, Haṃsa- und Dhanurdharā-Gāyatrīs. 8.1.102.9 wiederholt erneut den Āpo-hi-ṣṭhā-Pratīka (RV 10.9). 8.1.103.2-9 wiederholt die bereits bekannte Erdgöttinnen-Namensreihe (vgl. Kap. 101-102, 105).
Ghī-gesichtig, Ghī-Ursprungs ist Agni, mit Ghī entfacht, Ghī ist seine Speise; die Ghī-gesprenkelten Ströme tragen dich; Ghī trinkend, opfere wohl den Göttern.
[Anm.: Ghṛta-Agni-Hymnus, Anklang an das Āprī-Sūkta-Material, genaue Fundstelle unsicher [?].]
Was vom Honig honigartig, höchst an Speise, welche Kraft — dadurch möge ich, durch das höchste Honigartige der Speise, durch die Kraft, der höchste Speiseesser, der Honigartige, werden.
Das bunte [Licht] der Götter — diese Wohlgesinnten [Blumen]. Dieser Preiswürdige möge uns unter den Guten einsetzen; der dreifach Verweilende möge die Unverzagten tragen.
tat-puruṣāya vidmahe mahā-devāya dhīmahi | tan no rudraḥ pracodayāt
Lasst uns jenen Puruṣa erkennen, lasst uns über den großen Gott meditieren; der möge uns, Rudra, dazu antreiben.
[Anm.: Die berühmte Rudra-Gāyatrī (Taittirīya-Āraṇyaka 10.17.1), strukturell parallel zu den bereits gefundenen Nārāyaṇa-, Haṃsa- und Dhanurdharā-Gāyatrīs.]
Der Ṛc- und Yajus-Verse, der Herr der Befehle, der hundertströmige, goldene [Gott]. – Wiehernd, den Ursprung… – Zur höchsten Geschwindigkeit will ich aufsteigen. – Oṃ, Svaḥ, Bhuvaḥ, Bhūḥ. – Die drei Schritte — uns seien die Göttinnen heilvoll. – Bereite die Kraft; heilbringend, der Herr des Stammes…
[Anm.: Pratīka-Kette, teils unsicher [?]; "kanikradaj januṣam" Anklang an den Dadhikrā-Hymnus RV 4.39.]
vedāham etaṃ yad vaiṣṇava(g)ṃ śayane śayānam | agnim īḷe iṣe tvorje tvāgna ā yāhi śaṃ no devīḥ
Ich kenne jenen, der auf dem Viṣṇu-Lager ruht. – Agni verehre ich — für Labung dich, für Kraft dich, o Agni, komm her — uns seien die Göttinnen heilvoll.
[Anm.: Rückverweis auf den in Kap. 108 beschriebenen Śayana-Ritus.]
āpo hi ṣṭhā mayo-bhuvaḥ | hiraṇya-varṇāḥ pavamānas suvar-janaḥ
Ihr Wasser, ihr seid heilbringend… – Goldfarben, sich läuternd, den Lichthimmel erzeugend…
[Anm.: erster Vers erneutes Pratīka des Āpo-hi-ṣṭhā-Hymnus (RV 10.9); zweiter Vers Anklang an den Śrī-Sūkta-Vers "hiraṇyavarṇāḥ śucayaḥ pāvakāḥ" (Kap. 49-51) bzw. an einen verwandten Wasserhymnus, genaue Fundstelle unsicher [?].]