Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 59: Ṣaṣṭha-praśna: Indra-Vṛtra-Mythos, Agni als Himmelshaupt und die Yama-/Varuṇa-Fessel-Verse 6. Praśna: Indra-Vṛtra-Mythos, Agni als Himmelshaupt und die Yama-/Varuṇa-Fessel-Verse

Dieser Abschnitt (6.18.1-6.19.8) setzt zunächst das Refrain-Motiv "indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca" ("ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich") aus dem Vorkapitel fort, mit ausdrücklicher Anspielung auf den zentralen vedischen Vṛtra-Tötungsmythos (6.18.1). Ab 6.18.4 folgen zwei Agni-Verse (Agni als "Haupt des Himmels"), dann eine Reihe von Versen über Yama (Totengott) und Nirṛti (Unheilsgöttin), und schließlich mit 6.19.8 ein Anklang an den bekannten Varuṇa-Fessel-Hymnus (RV 1.24), in dem Indra, Savitṛ, Viṣṇu, die All-Götter und die Maruts um Befreiung von Varuṇas "hundert und tausend Fesseln" angerufen werden.

indro vṛtraṃ vajreṇāvadhīd indro vyayas samudra-śuṣkaḥ | indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca svāhā

Indra erschlug Vṛtra mit der Keule, Indra ist der Verzehrende, der Ozean-Austrocknende; ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich.

[Anm.: Anspielung auf den zentralen vedischen Vṛtra-Tötungsmythos (Indra befreit die Gewässer durch die Tötung des Dämons Vṛtra).]

indro babhūva brahmaṇo gambhīram ābhūti-parituṣṭiḥ | indro bhaviṣyad uta bhūtam indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca svāhā

Indra wurde die Tiefe des Gebets, die Zufriedenheit durch Fülle; Indra wird künftig sein und war immer schon – ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich.

[Anm.: Vers unsicher in Details [?].]

indro 'smān avatu vajra-bāhur indro bhūtāni bhuvanāni | indro 'smākam avatu vajra-prasādam indraṃ manye pitaraṃ mātaraṃ ca svāhā[*393]

Indra, der Keulen-Armige, möge uns beschützen; Indra ist die Wesen und die Welten; Indra möge uns seine Keulen-Gnade gewähren – ich halte Indra für Vater und Mutter zugleich.

[Anm.: Fußnote *393 vergleicht mit MS 4.14.7.]

agnir mūrdhā divaḥ kakut-patiḥ pṛthivyā ayam | apā(g)ṃ retā(g)ṃsi jinvati svāhā

Agni ist das Haupt des Himmels, der Herr des Erdengipfels; er belebt die Samen der Wasser.

[Anm.: Bekanntes Agni-Bild, das Agni sowohl als Himmelsscheitel als auch als Ursprung des Wassersamens (Blitz/Regen) beschreibt.]

ayam agnis sahasriṇo vājasya śatinas patiḥ | mūrdhā kavī rayīṇā(g)ṃ svāhā

Dieser Agni ist der Herr der tausendfachen und hundertfachen Kampfkraft; das weise Haupt der Reichtümer.

yamo dādhāra pṛthivīṃ yamo dyām uta sūryaḥ[*394] | yamas sarva-mṛtyus stenaḥ[*395] prāṇānāṃ vāyūnā(g)ṃ svāhā

Yama trug die Erde, Yama trug den Himmel und die Sonne; Yama ist der Tod von allem, der Dieb der Lebenshauche und der Winde.

[Anm.: Ungewöhnliches Bild Yamas als "Dieb" (stena) der Lebenshauche. Fußnote *395 vermerkt, dass eine Parallelstelle in Praśna 8 (8.1.151.6) stattdessen "te naḥ" ("uns") statt "stenaḥ" ("Dieb") liest – eine deutlich weniger drastische Textvariante.]

namas te nirṛtaye ghana-tejāya tasmai visṛja bandhanāt

Verehrung sei dir, Nirṛti, dem dicht-glänzenden – befreie uns von jener Fessel.

yama naya tva(g)ṃ savitā deva uttamān anīke abhirocaya yāyinā(g)ṃ svāhā

Yama, führe uns; du, Gott Savitṛ, lass uns unter den Höchsten in der Schar der Wandernden erstrahlen.

[Anm.: Vers unsicher in Details [?].]

vasavaḥ prathamo devatānā(g)ṃ so 'sya prajāṃ paśūn pāhi | ato devebhyaḥ paśubhir yo vai vasavas svasty astu svāhā

Der Vasu ist der erste unter den Gottheiten – der schütze seine Nachkommenschaft und sein Vieh. Von da an gebühre den Göttern, mit Opfertieren, Wohlergehen; wer da die Vasus verehrt, dem sei Wohlergehen.

sahasrākṣo vā ayam agniḥ pitaro devatānām | vasūn yatra vasavo bhūtānāṃ pālayanti tasmā anya-vasubhya svāhā

Tausendäugig ist dieser Agni, der Vater der Gottheiten. Wo die Vasus die Güter der Wesen behüten, dem gebühre Opfer, den anderen Vasus.

[Anm.: Zweiter Halbvers unsicher in Details [?].]

ye te śataṃ varuṇa ye sahasraṃ yajñiyāḥ pāśā vitatāḥ purutrā | tebhyo na indras savitota viṣṇur viśvedevā muñcantu marutas svastyā svāhā

Welche deiner hundert Fesseln, o Varuṇa, und welche deiner tausend, opferwürdigen, vielerorts ausgespannten es gibt – von diesen mögen uns Indra und Savitṛ und Viṣṇu, die All-Götter, die Maruts befreien, zum Wohlergehen.

[Anm.: Anklang an den bekannten Varuṇa-Fessel-Hymnus (vgl. RV 1.24).]

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