Quellen der Menschheit

Vaikhānasamantrapraśna

Paṭala 102: Aṣṭama-praśna: Hariṇī-Herbeirufung und die kosmologische Trägerkette des Weltbildnisses 8. Praśna: Die Hariṇī-Herbeirufung und die kosmologische Trägerkette (Schildkröte, Śeṣa, Lotus)

8.1.62.7-9 setzt die Göttinnen-Dhyāna-Reihe mit Hariṇī fort, deren ungewöhnliches Fahrzeug hier der Cātaka-Regenvogel ist. 8.1.63.5-16 beschreibt die klassische kosmologische Trägerkette, auf der das Weltbildnis (bzw. der Tempel) ruht: Ur-Schildkröte, Śeṣa, die Elefanten der Himmelsrichtungen, die sieben Ozeane und der tausendblättrige Lotus, auf dem schließlich Nārāyaṇa thront. 8.1.64.7 enthält eine an androgyne Gottheits-Formeln ("du bist Frau, du bist Mann") erinnernde Wendung.

āyātu bhagavatī hariṇī śyāma-varṇā sa-gaṇā sa-sainyā śrī parama-puruṣa-sahāyā saha devatābhir anumanyatām

Es komme die Erhabene Hariṇī, dunkelfarben, mit ihrem Gefolge, mit ihrem Heer; Śrī, die Gefährtin des höchsten Puruṣa, möge samt den Gottheiten zustimmen.

yā nīlotpalāsanā nīlotpala-hastā mahā-cātaka-vāhinī nityam ṛṣibhiś cānugāminī tām ajāṃ nīlotpala-netrīm bhagavatīṃ[*815] lam

Die auf dem blauen Lotus Thronende, mit dem blauen Lotus in der Hand, mit dem großen Cātaka-Vogel als Fahrzeug, beständig von den Ṛṣis Begleitete — jene ungeborene, blaulotusäugige Erhabene: Laṃ.

[Anm.: Der Cātaka (Regenvogel) als Fahrzeug der Hariṇī ist eine ungewöhnliche, sonst kaum belegte Ikonographie [?].]

oṃ hariṇīm āvāhayāmi

Oṃ, ich rufe Hariṇī herbei.

pauṣṇīm āvāhayāmi

Ich rufe die Pūṣan-Zugehörige herbei.

kṣonīm āvāhayāmi

Ich rufe Kṣoṇī, die Erde, herbei.

mahīm āvāhayāmi

Ich rufe Mahī, die Große, herbei.

sarvādhārāya namaḥ

Verehrung dem Allgrund.

[Anm.: Beginn der kosmologischen Trägerkette (8.1.63.5-16).]

kamaṭha-rūpiṇe namaḥ

Verehrung dem in Schildkrötengestalt Befindlichen.

ādi-kūrmāya namaḥ

Verehrung der Ur-Schildkröte.

dig-gajebhyo namaḥ

Verehrung den Elefanten der Himmelsrichtungen.

sahasra-patra-yuta-kamalāya namaḥ

Verehrung dem tausendblättrigen Lotus.

raktāmbuja-maṇi-yama-padma-pīṭhāya namaḥ

Verehrung dem Lotos-Thron aus rotem Lotus und Edelstein-Zwillingslotus.

[Anm.: Bedeutung im Detail unsicher [?].]

śrīman-nārāyaṇāya namaḥ

Verehrung dem glanzvollen Nārāyaṇa.

[Anm.: Mit Nārāyaṇa schließt die Trägerkette: Schildkröte, Śeṣa, Elefanten, Ozeane und Lotus tragen zuletzt den auf ihnen thronenden Gott.]

sa(gg)ṃśrayāya namo bhūs sva-guṇair jyotir āsīd deva-rīṣata utpādayāmi pratiṣṭhāpayāmi pracodayāt svāhā namaḥ pracodayān namo namo devāya namaś śrī kṛṣṇāya namas svāhā phaṭ[*817] sarva-pāpair anumanyatām āvāhayāmi namaṣ ṣaṭ ca

[Mnemonische Merkzeile, Stichwörter aus Khaṇḍa 41-63:] "…der Zuflucht, Verehrung, Bhūḥ, durch die eigenen Eigenschaften war das Licht, vor dem Gott Schädigenden, ich erzeuge, ich setze ein, er möge antreiben, Svāhā, Verehrung, er möge antreiben, Verehrung, Verehrung dem Gott, Verehrung dem Śrī-Kṛṣṇa, Verehrung, Svāhā, Phaṭ, mit allen Sünden, möge zustimmen, ich rufe herbei, Verehrung" – "und sechs weitere".

[Anm.: Liturgische Stichwort-Zählformel.]

pra tad viṣṇuḥ

"Jenes verkündet Viṣṇu…"

[Anm.: Pratīka von RV 1.154.2.]

astv āsanaṃ śubhaṃ loke brusī śuddhas tapo-mayam

Es sei ein heilvoller Sitz in der Welt, rein, aus Askese bestehend.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

tapaś cāyus tathā yogam astu te paramaṃ padam

Askese und Lebenskraft, ebenso Yoga sei dir — das höchste Ziel.

viśvādikānāṃ jananādi-kartre dhātre tapo-yajña-suveda-mūrte

Dem Ursprung-Schöpfer der Welt-Anfänge, dem Ordner, der Gestalt aus Askese, Opfer und wohlkundigem Wissen.

susvāgataṃ yatra taṃ tatra yasmāt tat te pada(g)ṃ[*818] sūribhis svāgatan te

Wohl willkommen sei, wo jenes ist; von dort — jener dein Ort, von den Weisen willkommen geheißen dir.

mano 'bhimantā mānavas sudharmā yan mātaraṃ vacaso mānaseṣu | amogham oghaṃ prati veda-vedya-svakaṃ janānām anumanyatām idam

Der Denksinn-Betrachter, der menschliche, wohlgesetzte, der die Mutter der Rede in den Denksinnen kennt; die unfehlbare Flut, dem veda-erkennbaren Eigenen der Menschen möge dies zustimmen.

[Anm.: Vers unsicher [?].]

tva(gg)ṃ strī tvaṃ pumān mānasī[*819] tvaṃ deva-kumāra idaṃ nādaḥ kumārī

Du bist Frau, du bist Mann, die Geistgeborene; du bist der Göttersohn, dieser Laut, die Jungfrau.

[Anm.: Erinnert an bekannte androgyne Gottheits-Formeln ("du bist Frau, du bist Mann"), vgl. das ähnliche Pratīka in 8.1.58.11.]

tvaṃ jīrṇas tvaṃ janiṃ gacchasi tvaṃ jāto nivāsīr viśvato mukhaḥ

Du bist der Gealterte, du gehst zur Geburt, du, geboren, wohnst, allseits das Antlitz wendend.

trīṇi padā

"Die drei Schritte…"

[Anm.: Trivikrama-Pratīka.]

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