Paṭala 16: Pañcama-praśna, Prathamānuvāka (Fortsetzung): Der kosmische Leib – Selbstidentifikation mit Viṣṇus Avatāras und dem Weltall
5. Praśna, 1. Anuvāka (Fortsetzung): Der kosmische Leib – Selbstidentifikation mit Viṣṇus Avatāras und dem Weltall
Ein einzigartiger, zusammenhängender Hymnus (5.1.120), in dem der Rezitierende seinen eigenen Leib systematisch mit kosmischen und mythologischen Größen identifiziert: die fünf "Lebenswinde" (prāṇa, udāna, vyāna, apāna, samāna) werden mit Viṣṇus Avatāras Varāha (Eber), Hayaśīrṣa (Pferdekopf) und dem Weisen Kapila gleichgesetzt; Kopf, Bauch und Nabel sind der Himmel, die Füße die Erde, die Knochen die Berge, das Haar die Himmelsschlangen, das Herz der Weise Bhṛgu, der Mund die Veden, die Zunge die Göttin Sarasvatī, die Zähne die Maruts, die Hoden Mitra und Varuṇa, die Eingeweide wiederum die Veden. Diese Form der mikrokosmisch-makrokosmischen Selbstidentifikation steht in der Tradition des Puruṣa-Sūkta, ist hier jedoch spezifisch vaiṣṇavisch mit Avatāra-Bezügen ausgestaltet.
ātmātmā paramāntarātmā mahy-antarātmā yaś cātirātmā satano 'ntarātmā vyāveṣṭi viśva(g)ṃ sakalaṃ bibharti yo vyakta-puṇyas sa-tunaḥ pradhānaḥ | prāṇaḥ praṇītis sa udāna ādir vara-do varāho vyānaś ca me syāt tapasāñ ca mūrtiḥ kapilo munīndro yaś cāpāno hayaśīrṣo naḥ | yat sarvam aśnāty ajaras samagra(g)ṃ śriyam ūrja-yuktāṃ sa tu me samānaḥ | balam āsuraṃ yat satataṃ nihantā brahmā buddhir me gopa īśvaraḥ
Selbst-Selbst, das höchste innere Selbst, das große innere Selbst, das auch das Über-Selbst ist, das ewige innere Selbst — es durchdringt das ganze All, trägt das Gesamte, es, das offenbarte Verdienst, mit [seinem] Leib die Urmaterie [Pradhāna]. Der Ausatem [Prāṇa] sei die Führung; er, der Aufatem [Udāna], sei der Anfang, der Wunschgewährer, der Eber [Varāha]; und der Zwischenatem [Vyāna] möge mir sein; und die Gestalt der Askese sei Kapila, der Herr der Weisen; und welcher der Abatem [Apāna] ist, uns sei er der Pferdeköpfige [Hayaśīrṣa]. Was alles verzehrt, alterslos, ganz — die mit Kraft ausgestattete Glücksgöttin Śrī — er sei mir fürwahr der Gleichatem [Samāna]. Die dämonische Kraft, die er beständig vernichtet — Brahmā sei mein Verstand, der Hüter, der Herrscher.
[Anm.: Die fünf klassischen Lebenswinde (prāṇa, udāna, vyāna, apāna, samāna) werden hier den Viṣṇu-Avatāras Varāha und Hayaśīrṣa sowie dem Weisen Kapila zugeordnet.]
savitā ca vīryam induś ca dhātu-rasa-bhūta-bhūtā bhūtās sa-bhūtāḥ | dyaur me astu mūrdhodara-nābho vā bhūmir yathāṅghrir vavṛdhe 'ham īśaḥ | asthīni me syur atha parvatākhyā bhujagāś ca keśā divi ye carantaḥ | dvau netra-rūpau vithu pṛścni mukhyau rudhirañ ca sāra(g)ṃ sakalañ ca toyam | snāyavo me āsannā dyaur bhṛgur me hṛdayam astu sarve anye munayo 'ṅga-bhūtā vedā me āsyaṃ jihvā me sarasvatī
Und Savitṛ sei meine Manneskraft, und der Mondgott [Indu] — der aus den Säften der Körperbestandteile entstandenen Wesen, der beseelten Wesen [?]. Der Himmel sei mir Haupt, Bauch und Nabel; die Erde sei mir wie die Füße — so bin ich, der Herrscher, emporgewachsen. Meine Knochen seien die sogenannten Berge, und die Schlangen seien die Haare, die im Himmel wandeln. Die beiden Augen[-Gestaltigen] seien die Hauptsächlichen [?, unklar, vermutlich Sonne und Mond]; und das Blut sei der Kern-Saft, und alles Wasser sei [mein Körpersaft]. Meine Sehnen seien der nahe Himmel; Bhṛgu sei mein Herz; alle anderen Weisen seien zu [meinen] Körpergliedern geworden; die Veden seien mein Mund; meine Zunge sei Sarasvatī.
[Anm.: dvau netra-rūpau vithu pṛścni mukhyau ist im Sanskrit-Text syntaktisch unklar und bleibt in der Übersetzung mit [?] markiert.]
Die Zähne seien die Maruts; das unter der Zunge Liegende sei das Organ des Gehörten [Upaśruti]. Die beiden Hoden seien Mitra und Varuṇa; der Schoß sei Prajāpati; meine Eingeweide seien die Veden; Śruti und Smṛti [die gehörte und die erinnerte Überlieferung] seien die Fett-Träger [?]. Mein Schweiß sei der Regen; der Urin sei der Behälter [?]; der Kot sei das Ozean-Gold [?]. Sāvitrī [und] Gāyatrī seien [meine] Grenzbestimmung; in den makellosen Herzens-Lotos des Altars eingetreten, vollständig, mit der Glücksgöttin und mit Herrlichkeits-Gliedern versehen — was auch immer heilig ist, das möge in mir seinen Grund haben. Das Selbst aller Götter, das Selbst aller Weisen, die Gestalt der Askese, hier die Gestalt des Verdienstes mögen sie sein. "Tausendköpfig ist der Puruṣa" [Puruṣa-Sūkta-pratīka als Abschluss]. [Gedächtnisvers:] "Sarasvatī" – und sechs.