Kapitel 102: nahuṣāgastyabhṛgusaṃvādaḥ
Die Opfergaben von Räucherwerk, Lampen und Spenden; Nahuṣas Hochmut, Bhṛgus und Agastyas Gespräch
Yudhiṣṭhira fragt nach dem Lohn von Blumen-, Räucher- und Lichtspenden sowie dem Sinn der Hausopfer (bali); Bhīṣma antwortet mit der alten Erzählung von Nahuṣa, der als Götterkönig hochmütig wird, und dem Gespräch zwischen Bhṛgu und Agastya über seinen Sturz. Die Einheiten mit Stern sind Zusatzverse der kritischen Ausgabe.
yudhiṣṭhira uvāca; śrutaṃ me bharataśreṣṭha puṣpadhūpapradāyinām; phalaṃ balividhāne ca tad bhūyo vaktum arhasi
Yudhiṣṭhira sprach: „Gehört habe ich von dir, bester der Bharata, über den Lohn derer, die Blumen und Räucherwerk darbringen; auch über den Lohn beim Vollzug der Bali-Spende: Darüber sollst du mir noch weiter berichten.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śrutaṃ me bharataśreṣṭha
gehört [ist] von mir, Bester der Bharata (Part.Perf.Pass./Vok.)
puṣpadhūpapradāyinām
der Blumen- und Räucherwerkspender (Gen.Pl.)
phalaṃ balividhāne ca
den Lohn und beim Vollzug der Bali-Spende (Akk./Lok.)
tad bhūyo vaktum arhasi
das weiter zu sagen vermagst du / sollst du (Inf., 2.Sg.Präs.)
nahuṣo hi mahārāja rājarṣiḥ sumahātapāḥ; devarājyam anuprāptaḥ sukṛteneha karmaṇā
Nahuṣa nämlich, großer König, ein Königsweiser von gewaltiger Askese, war durch ein gutes Werk hier [auf Erden] zur Herrschaft über die Götter gelangt.
Wort für Wort
nahuṣo hi mahārāja
Nahuṣa nämlich, großer König (Nom./Vok.)
rājarṣiḥ sumahātapāḥ
Königsweiser von sehr großer Askese (Nom.)
devarājyam anuprāptaḥ
die Götterherrschaft erlangt habend (Part.Perf.Pass./Nom.)
daivatāny arcayaṃś cāpi vidhivat sa sureśvaraḥ; sarvāṇy eva yathānyāyaṃ yathāpūrvam ariṃdama
Und auch die Götter verehrte er, der Herr der Götter, vorschriftsgemäß, ja alles so, wie es recht ist und wie es früher [üblich] war, Bezwinger der Feinde.
Wort für Wort
daivatāni arcayan ca api
die Gottheiten verehrend auch (Akk.Pl./Part.Präs.)
Dann aber, weil er Indra werden sollte [weil er die Indra-Stellung innehatte], befiel ihn der Ich-Dünkel, und alle seine Riten, Herr der Erde, gingen ein.
Wort für Wort
athendrasya bhaviṣyatvād
dann wegen des Indra-Werdens / Indra-Seins [?] (Gen./Abl.)
ahaṃkāras tam āviśat
Ich-Dünkel ihn befiel (Nom./Akk./3.Sg.Impf.)
sarvāś caiva kriyās tasya
und alle Riten seine (Nom.Pl.f./Gen.)
paryahīyanta bhūpate
gingen ab / verfielen, Herr der Erde (3.Pl.Impf.Pass./Vok.)
„bhaviṣyatvāt“ ist schwierig; mit [?] als „weil er künftig Indra sein sollte / Indra geworden war“ zu verstehen.
evaṃ na dagdhaḥ sa mayā bhavatā ca na saṃśayaḥ; anyenāpy ṛṣimukhyena na śapto na ca pātitaḥ
So wurde er von mir nicht verbrannt, und von dir nicht, daran ist kein Zweifel; auch von keinem anderen Seher-Häuptling wurde er verflucht oder gestürzt.
Wort für Wort
evaṃ na dagdhaḥ sa mayā
so nicht verbrannt er von mir (Adv./Part.Pass./Instr.)
Bhṛgu sprach: „Auf Geheiß des Großvaters [Brahmā] bin ich zu dir gekommen, um gegen den machtvollen Nahuṣa, der sich auf Hochmut stützt, Abhilfe zu schaffen.
Wort für Wort
bhṛgur uvāca
Bhṛgu sprach (Perf.)
pitāmahaniyogena
auf Geheiß des Großvaters (Instr.)
bhavantam aham āgataḥ
zu dir ich gekommen (Akk./Nom./Part.Perf.)
pratikartuṃ balavati
Abhilfe zu tun gegen den Mächtigen (Inf./Lok.)
nahuṣe darpam āsthite
gegen Nahuṣa, der sich dem Hochmut hingegeben hat (Lok./Akk./Part.Perf.)
Heute nämlich wird der überaus Böswillige, der Götterkönig, dich vor den Wagen spannen; heute werde ich ihn, den Aufsässigen, durch [meine] Kraft indralos machen.
Wort für Wort
adya hi tvā sudurbuddhī
heute nämlich dich, der Böswillige (Adv./Akk./Nom.)
rathe yokṣyati devarāṭ
an den Wagen wird spannen der Götterkönig (Lok./3.Sg.Fut./Nom.)
adya enam aham udvṛttaṃ
heute ihn ich, den Aufsässigen (Akk./Nom.)
kariṣye 'nindram ojasā
werde machen ohne Indra-Würde durch Kraft (1.Sg.Fut./Akk./Instr.)
adyendraṃ sthāpayiṣyāmi paśyatas te śatakratum; saṃcālya pāpakarmāṇam indrasthānāt sudurmatim
Heute werde ich Indra, den Śatakratu, vor deinen Augen [wieder] einsetzen, nachdem ich den Übeltäter, den Böswilligen, aus der Indra-Stellung gestürzt habe.
Wort für Wort
adya indraṃ sthāpayiṣyāmi
heute Indra werde ich einsetzen (Adv./Akk./1.Sg.Fut.Kaus.)
paśyatas te śatakratum
vor deinen Augen, den Śatakratu (Gen.Part./Akk.)
saṃcālya pāpakarmāṇam
nachdem ich erschüttert habe den Übeltäter (Abs./Akk.)
indrasthānāt sudurmatim
aus der Indra-Stellung, den Böswilligen (Abl./Akk.)
Und heute wird dieser schlechte Götterherr dich mit dem Fuß angreifen, weil sein Sinn vom Schicksal geschlagen ist, zum eigenen Untergang, der Törichte.
Wort für Wort
adya ca asau kudevendras
und heute dieser schlechte Götterherr (Adv./Nom.)
tvāṃ padā dharṣayiṣyati
dich mit dem Fuß wird er angreifen (Akk./Instr./3.Sg.Fut.)
daivopahatacittatvāt
wegen des vom Schicksal geschlagenen Sinnes (Abl.)
ātmanāśāya mandadhīḥ
zum eigenen Untergang, der Schwachsinnige (Dat./Nom.)
vyutkrāntadharmaṃ tam ahaṃ dharṣaṇāmarṣito bhṛśam; ahir bhavasveti ruṣā śapsye pāpaṃ dvijadruham
Ihn, der die Ordnung [Dharma] überschritten hat, werde ich, über die Mißhandlung heftig erzürnt, im Zorn verfluchen: ‚Werde zur Schlange!‘, den Frevler, den Brahmanen-Schädiger.
Wort für Wort
vyutkrāntadharmaṃ tam aham
der die Ordnung überschritten hat, ihn ich (Akk./Nom.)
dharṣaṇāmarṣito bhṛśam
über die Mißhandlung erzürnt sehr (Part.Pass./Adv.)
ahir bhavasva iti ruṣā
Schlange werde! so im Zorn (Nom./Imp.Med./Instr.)
śapsye pāpaṃ dvijadruham
werde verfluchen den Frevler, Zweimalgeborenen-Schädiger (1.Sg.Fut./Akk.)