Kapitel 84: agner anveṣaṇam skandotpattiś ca
Die Götter suchen den verborgenen Agni; Geburt Skandas und Ursprung des Goldes
Auf die Bitte der Götter gegen Tāraka weist Brahmā auf Agni als Erzeuger des künftigen Bezwingers hin. Das Kapitel erzählt die Suche nach dem versteckten Agni, die Flüche und Gnaden für Frosch, Elefant und Papagei, die Empfängnis der Gaṅgā, die Geburt Skandas und den Ursprung des Goldes (jātarūpa).
Brahmā sprach: „Ich bin allen Wesen gleich [gesinnt]; Unrecht billige ich hier nicht. Tāraka, der Bedränger der Scharen der Götter und Seher, soll schnell erschlagen werden.“
Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach (Nom.; Perf.)
samaḥ aham sarvabhūtānām
gleich bin ich gegenüber allen Wesen (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
adharmam na iha rocaye
Unrecht hier nicht gefällt es mir / billige ich nicht (Akk.Sg.; 1.Sg.Präs.)
hanyatām tārakaḥ kṣipram
erschlagen werden möge Tāraka, schnell (3.Sg.Imp.Pass.; Nom.; Adv.)
surarṣigaṇabādhakaḥ
der Bedränger der Scharen der Götter und Seher (Kompositum, Nom.Sg.)
vedā dharmāś ca notsādaṃ gaccheyuḥ surasattamāḥ; vihitaṃ pūrvam evātra mayā vai vyetu vo jvaraḥ
„Die Veden und die Rechtsordnungen sollen nicht zugrunde gehen, ihr Besten der Götter. Hierfür ist von mir schon früher Vorsorge getroffen; euer Fieber [Kummer] weiche.“
Wort für Wort
vedāḥ dharmāḥ ca na utsādam gaccheyuḥ
die Veden und die Rechtsordnungen sollen nicht in Untergang gehen (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.Opt.)
surasattamāḥ
ihr Besten der Götter (Vok.Pl.)
vihitam pūrvam eva atra mayā vai
vorgesorgt schon früher hierfür von mir (Part.Pass.; Instr.)
devā ūcuḥ; varadānād bhagavato daiteyo balagarvitaḥ; devair na śakyate hantuṃ sa kathaṃ praśamaṃ vrajet
Die Götter sprachen: „Durch die Gewährung der Gunst des Erhabenen ist der Daitya stolz auf seine Kraft. Von den Göttern kann er nicht getötet werden; wie sollte er da zur Ruhe kommen?“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen (Perf.)
varadānāt bhagavataḥ
durch die Gunstgewährung des Erhabenen (Abl.; Gen.Sg.)
daiteyaḥ balagarvitaḥ
der Daitya, stolz auf Kraft (Nom.Sg.; Part.Pass.)
devaiḥ na śakyate hantum
von den Göttern kann nicht getötet werden (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.; Inf.)
saḥ katham praśamam vrajet
er, wie sollte er zur Ruhe gelangen (Nom.; Adv.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
devāś ca śaptā rudrāṇyā prajocchede purā kṛte; na bhaviṣyati vo 'patyam iti sarvajagatpate
„Und die Götter wurden von Rudrāṇī verflucht, als früher die Vernichtung der Nachkommenschaft geschehen war: ‚Ihr werdet keine Nachkommen haben‘, Herr der ganzen Welt.“
Wort für Wort
devāḥ ca śaptāḥ
und die Götter wurden verflucht (Nom.Pl.; Part.Pass.)
rudrāṇyā
von Rudrāṇī (Instr.Sg.f.)
prajocchede purā kṛte
als die Vernichtung der Nachkommenschaft früher geschehen war (Lok.abs.)
na bhaviṣyati vaḥ apatyam iti
nicht wird sein euch Nachkommenschaft, so [der Fluch] (3.Sg.Fut.; Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
brahmovāca; hutāśano na tatrāsīc chāpakāle surottamāḥ; sa utpādayitāpatyaṃ vadhārthaṃ tridaśadviṣām
Brahmā sprach: „Der Feuerverzehrer war zur Zeit des Fluches nicht dort, ihr Besten der Götter. Er wird einen Nachkommen zeugen zur Tötung der Feinde der Dreißig [Götter].“
Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach
hutāśanaḥ na tatra āsīt
der Opferverzehrer war nicht dort (Nom.; Impf.)
śāpakāle surottamāḥ
zur Zeit des Fluches, ihr Besten der Götter (Lok.; Vok.Pl.)
saḥ utpādayitā apatyam
er wird einen Nachkommen zeugen (Nom.Sg.; Nomen agentis-Futur; Akk.)
astreṇāmoghapātena śaktyā taṃ ghātayiṣyati; yato vo bhayam utpannaṃ ye cānye suraśatravaḥ
wird ihn mit einer nie fehlgehenden Waffe, mit dem Speer, töten lassen – ihn, von dem euch Furcht entstanden ist – und [auch] die anderen, die Götterfeinde sind.“
Wort für Wort
astreṇa amoghapātena
mit einer Waffe von unfehlbarem Fall (Instr.Sg.)
śaktyā tam ghātayiṣyati
mit dem Speer ihn wird er töten lassen (Instr.; Akk.; 3.Sg.Fut.Kaus.)
yataḥ vaḥ bhayam utpannam
von dem euch Furcht entstanden ist (Abl.; Gen.Pl.; Part.Pass.)
ye ca anye suraśatravaḥ
und [auch] die anderen, die Götterfeinde (Nom.Pl.)
Syntax locker: ye cānye suraśatravaḥ steht im Nominativ statt im Akkusativ.
sa tu nāvāpa taṃ śāpaṃ naṣṭaḥ sa hutabhuk tadā; tasmād vo bhayahṛd devāḥ samutpatsyati pāvakiḥ
„Er aber erlangte jenen Fluch nicht, denn der Opferverzehrer war damals verschwunden. Daher wird euch, ihr Götter, der Furchtnehmer entstehen, der Sohn des Feuers.“
Wort für Wort
saḥ tu na avāpa tam śāpam
er aber erlangte nicht jenen Fluch (3.Sg.Perf.; Akk.)
naṣṭaḥ saḥ hutabhuk tadā
verschwunden war der Opferverzehrer damals (Part.Pass.; Nom.)
tasmāt vaḥ bhayahṛt devāḥ
daher euch der Furchtnehmer, ihr Götter (Abl.; Gen./Dat.Pl.; Nom.Sg.; Vok.Pl.)
samutpatsyati pāvakiḥ
wird entstehen der Sohn des Feuers (3.Sg.Fut.; Nom.)
hanyād avadhyān varadān api caiva tapasvinaḥ; saṃkalpābhiruciḥ kāmaḥ sanātanatamo 'nalaḥ
„Er vermöchte selbst Unverletzliche, Gunstspender und Asketen zu erschlagen; er, Kāma, dessen Wohlgefallen im Vorsatz liegt, der Allerälteste, der Anala [Feuer].“
Wort für Wort
hanyāt avadhyān
er möge/könnte erschlagen Unerschlagbare (3.Sg.Opt.; Akk.Pl.)
Von höchster Askese erfüllt, glanzvoll, in der Welt berühmt, durchzogen die Vollendeten, alle, du Bester der Bhṛgus, die Welten; doch den verschwundenen, in sich selbst verborgenen Opferverzehrer fanden sie nicht.
Wort für Wort
pareṇa tapasā yuktāḥ
mit höchster Askese versehen (Instr.; Nom.Pl.)
śrīmantaḥ lokaviśrutāḥ
glanzvoll, weltberühmt (Nom.Pl.)
lokān anvacaran siddhāḥ
die Welten durchzogen die Vollendeten (Akk.Pl.; 3.Pl.Impf.; Nom.Pl.)
sarve eva bhṛgūdvaha
alle eben, du Bester der Bhṛgus (Vok.)
naṣṭam ātmani saṃlīnam
verschwunden, in sich selbst verborgen (Akk.Sg.m.; Lok.)
na adhijagmuḥ hutāśanam
fanden nicht den Opferverzehrer (3.Pl.Perf.; Akk.)
Da sprach ein Frosch, der im Wasser lebt, matt im Geist, von Agnis Glut entflammt, aus dem Grund der Rasātala-Unterwelt heraufgestiegen, zu den Göttern, die von Furcht ergriffen und begierig waren, Agni zu sehen.
Wort für Wort
tataḥ saṃjātasaṃtrāsān
dann [zu denen], in denen Furcht entstanden war (Akk.Pl.)
agneḥ darśanalālasān
nach Agnis Anblick begierig (Gen.; Akk.Pl.)
jalecaraḥ klāntamanāḥ
der Wasserbewohner, matten Geistes (Nom.Sg.)
tejasā agneḥ pradīpitaḥ
durch Agnis Glut entflammt (Instr.; Gen.; Part.Pass.)
uvāca devān maṇḍūkaḥ
sprach zu den Göttern, der Frosch (Perf.; Akk.; Nom.)
taṃ sa saṃyujya śāpena maṇḍūkaṃ pāvako yayau; anyatra vāsāya vibhur na ca devān adarśayat
Nachdem er den Frosch mit dem Fluch belegt hatte, ging Pāvaka fort; der Mächtige [ging] zum Wohnen an einen anderen Ort und zeigte sich den Göttern nicht.
Wort für Wort
tam saḥ saṃyujya śāpena
ihn, er, verbunden habend mit Fluch (Akk.; Abs.; Instr.)
maṇḍūkam pāvakaḥ yayau
den Frosch, Pāvaka ging (Akk.; Nom.; 3.Sg.Perf.)
anyatra vāsāya vibhuḥ
anderswohin zum Wohnen, der Mächtige (Adv.; Dat.; Nom.)
na ca devān adarśayat
und nicht zeigte sich den Göttern (Akk.Pl.; 3.Sg.Impf.Kaus.)
Die Götter sprachen: „Wegen Agnis Fluch seid ihr, obwohl gleichsam zungenlos, vom Erkennen der Geschmäcke ausgeschlossen; doch die vielfältige Sarasvatī [Rede] werdet ihr ertönen lassen.“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
agniśāpāt ajihvā api
wegen Agnis Fluch zungenlos auch (Abl.; Nom.Pl.f./m.)
rasajñānabahiṣkṛtāḥ
vom Wissen um Geschmäcke ausgeschlossen (Nom.Pl.)
sarasvatīm bahuvidhām
die Sarasvatī [Rede], vielfältige (Akk.Sg.f.)
yūyam uccārayiṣyatha
ihr werdet ertönen lassen (Nom.Pl.; 2.Pl.Fut.Kaus.)
Ajihvā api ist nicht sicher zu deuten (‚obwohl zungenlos‘ oder ‚zungenlos geworden‘).
bilavāsagatāṃś caiva nirādānān acetasaḥ; gatāsūn api vaḥ śuṣkān bhūmiḥ saṃdhārayiṣyati; tamogatāyām api ca niśāyāṃ vicariṣyatha
„Und wenn ihr in Erdlöchern haust, ohne Nahrung, ohne Besinnung, ja sogar leblos und vertrocknet, wird die Erde euch tragen; und auch in finsterer Nacht werdet ihr umherziehen.“
Wort für Wort
bilavāsagatān ca eva
und die in Erdlöcher Wohnung genommen haben (Akk.Pl.)
nirādānān acetasaḥ
ohne Aufnahme [von Nahrung], ohne Bewusstsein (Akk.Pl.)
gatāsūn api vaḥ śuṣkān
sogar dahingeschiedene, euch, vertrocknete (Akk.Pl.; Gen.; Akk.Pl.)
ity uktvā tāṃs tato devāḥ punar eva mahīm imām; parīyur jvalanasyārthe na cāvindan hutāśanam
Nachdem die Götter so zu ihnen gesprochen hatten, durchzogen sie wiederum diese ganze Erde auf der Suche nach Agni und fanden den Opferverzehrer nicht.
Wort für Wort
iti uktvā tān tataḥ devāḥ
so gesagt habend zu ihnen, dann die Götter (Abs.; Akk.Pl.)
punaḥ eva mahīm imām
wiederum eben diese Erde (Akk.Sg.f.)
parīyuḥ jvalanasya arthe
durchzogen um des Flammenden willen (3.Pl.Perf.; Lok.)
na ca avindan hutāśanam
und fanden nicht den Opferverzehrer (3.Pl.Impf.; Akk.)
Er trat in das Innere der Kīcaka-Rohre ein und wurde schon beim Eintreten verraten; in der Hitze [?] der cittala-Bambusse [?] – diese verlassend, trat er in die Śamī.
Wort für Wort
viveśa kīcakān antaḥ
trat ein in das Innere der Kīcaka-Rohre (3.Sg.Perf.; Akk.Pl.; Adv.)
praviśan eva sūcitaḥ
schon beim Eintreten angezeigt (Part.Präs.; Part.Pass.)
ūṣmāyām cittalaiḥ vaṃśaiḥ
in der Hitze [?], mit/durch cittala-Bambusrohren [?] (Lok.; Instr.Pl.)
tān tyaktvā prāviśat śamīm
diese verlassen habend trat er ein in die Śamī (Akk.Pl.; Abs.; 3.Sg.Impf.; Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternstelle (nur in einem Teil der Handschriften); der Text ist unklar. cittala- ist nicht sicher deutbar, ūṣmāyām evtl. verderbt.
Die Götter sprachen: „Auch mit verkehrter Zunge werdet ihr jede Nahrung zu euch nehmen, und ihr werdet laute Töne mit unartikulierten Silben hervorbringen.“ Nach diesen Worten folgten die Himmelsbewohner wiederum Agni nach.
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
pratīpayā jihvayā api
auch mit verkehrter Zunge (Instr.Sg.f.)
sarvāhārān kariṣyatha
alle Nahrung werdet ihr verzehren (Akk.Pl.; 2.Pl.Fut.)
vācam ca uccārayiṣyadhvam
und Sprache werdet ihr hervorbringen (Akk.; 2.Pl.Fut.Med.)
uccaiḥ avyañjitākṣaram
laut, mit undeutlichen Silben (Adv.; Akk.Sg.f.)
iti uktvā punaḥ eva agnim
so gesagt habend, wiederum eben Agni (Abs.; Akk.)
anusasruḥ divaukasaḥ
folgten nach die Himmelsbewohner (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
Und aus dem Aśvattha herausgekommen, war Agni damals in das Innere der Śamī gegangen; ein Papagei verriet ihn, Brahmane, und die Götter stürmten auf ihn zu.
Wort für Wort
aśvatthāt niḥsṛtaḥ ca agniḥ
aus dem Aśvattha hervorgekommen und Agni (Abl.; Part.Pass.; Nom.)
śamīgarbhagataḥ tadā
in das Innere der Śamī gegangen damals (Nom.Sg.)
śukena khyāpitaḥ vipra
von einem Papagei angezeigt, Brahmane (Instr.; Part.Pass.; Vok.)
tam devāḥ samupādravan
auf ihn die Götter stürmten zu (Akk.; Nom.; 3.Pl.Impf.)
Und deine Rede wird auf Erden von den Menschen nachgeahmt [?] werden,
Wort für Wort
kriyamāṇā ca te vāṇī
und deine Rede, gemacht werdend (Part.Pass.Präs. Nom.Sg.f.)
bhaviṣyati
wird sein (3.Sg.Fut.)
narair bhuvi
von den Menschen (Instr.Pl.) auf Erden (Lok.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). kriyamāṇā wörtlich „gemacht werdend“; hier sinngemäß „nachgemacht“ (unsicher).
ity uktvā taṃ śamīgarbhe vahnim ālakṣya devatāḥ; tad evāyatanaṃ cakruḥ puṇyaṃ sarvakriyāsv api
Nachdem die Götter so gesprochen und Agni im Innern der Śamī bemerkt hatten, machten sie eben diese [Śamī] zum heiligen Sitz für alle Handlungen [Riten].
Wort für Wort
ity uktvā
so gesprochen habend (Abs.)
taṃ śamīgarbhe vahnim ālakṣya devatāḥ
jenen Agni im Innern der Śamī (Lok.) bemerkt habend, die Götter (Nom.Pl.)
tad evāyatanaṃ cakruḥ
eben diese machten sie zum Sitz (3.Pl.Perf.)
puṇyaṃ sarvakriyāsv api
heilig (Akk.Sg.n.), auch bei allen Riten (Lok.Pl.)
Die Wasser aber in der Unterwelt, die mit Citrabhānu [Agni] vermischt sind, lassen durch Bergquellen Hitze aus, o Bhārgava, [da sie] von dem darin ruhenden Pāvaka durch seine Glut erhitzt sind.
Wort für Wort
āpo rasātale yās tu
die Wasser (Nom.Pl.f.) in der Unterwelt (Lok.), welche aber
saṃsṛṣṭāś citrabhānunā
vermischt (Part.Pass. Nom.Pl.f.) mit Citrabhānu (Instr.)
tāḥ parvataprasravaṇair ūṣmāṃ muñcanti bhārgava
sie durch Bergquellen (Instr.Pl.) Hitze (Akk.) entlassen (3.Pl.Präs.), Bhārgava (Vok.)
pāvakenādhiśayatā
von Pāvaka, der darin liegt (Part.Präs. Instr.Sg.)
tam ūcur vibudhāḥ sarve te caiva paramarṣayaḥ; tvāṃ niyokṣyāmahe kārye tad bhavān kartum arhati; kṛte ca tasmin bhavitā tavāpi sumahān guṇaḥ
Alle Himmlischen und ebenso die höchsten Weisen sprachen zu ihm: „Wir wollen dich mit einer Aufgabe betrauen; die musst du vollbringen. Und ist sie vollbracht, wird auch dir ein sehr großer Vorteil erwachsen.“
Wort für Wort
tam ūcur vibudhāḥ sarve
zu ihm sprachen (3.Pl.Perf.) die Götter alle
te caiva paramarṣayaḥ
und eben jene höchsten Weisen (Nom.Pl.)
tvāṃ niyokṣyāmahe kārye
dich werden wir betrauen (1.Pl.Fut.Med.) mit einer Aufgabe (Lok.)
tad bhavān kartum arhati
darum ist Er (Höflichkeitsform) imstande/gehalten, zu tun (Inf.)
kṛte ca tasmin bhavitā tavāpi sumahān guṇaḥ
und wenn diese getan ist, wird auch dir ein sehr großer Vorteil (Nom.Sg.) sein (Fut.)
agnir uvāca; brūta yad bhavatāṃ kāryaṃ sarvaṃ kartāsmi tat surāḥ; bhavatāṃ hi niyojyo 'haṃ mā vo 'trāstu vicāraṇā
Agni sprach: „Sagt, was auch immer euer Vorhaben ist; alles werde ich ausführen, ihr Götter. Denn ich bin von euch einsetzbar; kein Zweifel soll euch hierbei bleiben.“
Wort für Wort
agnir uvāca
Agni sprach
brūta yad bhavatāṃ kāryaṃ
sagt (Imp.2.Pl.), was euer Vorhaben (Nom.Sg.n.)
sarvaṃ kartāsmi tat surāḥ
alles werde ich tun (Periphr.Fut.1.Sg.), das, ihr Götter (Vok.)
bhavatāṃ hi niyojyo 'haṃ
denn von euch einsetzbar (Nom.Sg.m.) bin ich
mā vo 'trāstu vicāraṇā
nicht sei euch hierbei (Dat./Gen.) ein Zweifel (Nom.Sg.f.)
Die Götter sprachen: „Ein Asura namens Tāraka, von Brahmans Gunst [Wunschgewährung] übermütig, bedrängt uns mit seiner Kraft; seine Tötung werde herbeigeführt.“
Wort für Wort
devā ūcuḥ
die Götter sprachen
asuras tārako nāma
ein Asura, Tāraka mit Namen
brahmaṇo varadarpitaḥ
durch Brahmans Wunschgewährung (Abl.) stolz gemacht (Part.)
asmān prabādhate vīryād
uns bedrängt er (3.Sg.Präs.Med.) aus/durch Kraft (Abl.)
apatyaṃ tejasā yuktaṃ pravīraṃ janaya prabho; yad bhayaṃ no 'surāt tasmān nāśayed dhavyavāhana
„Zeuge, o Herr, einen mit Glut ausgestatteten, überaus heldenhaften Nachkommen, der, o Träger der Opfergabe, die Furcht, die wir vor dem Asura haben, vernichten möge.“
śaptānāṃ no mahādevyā nānyad asti parāyaṇam; anyatra bhavato vīryaṃ tasmāt trāyasva nas tataḥ
„Da wir von der großen Göttin [Rudrāṇī] verflucht sind, gibt es für uns keine andere Zuflucht außer deiner Zeugungskraft; darum errette uns hierdurch.“
Wort für Wort
śaptānāṃ no mahādevyā
uns Verfluchten (Gen.Pl.) von der großen Göttin (Instr.)
nānyad asti parāyaṇam
nicht anderes ist (3.Sg.Präs.) Zuflucht (Nom.Sg.n.)
anyatra bhavato vīryaṃ
außer deiner (Gen.) Kraft/Zeugungskraft (Akk.)
tasmāt trāyasva nas tataḥ
deshalb errette (Imp.2.Sg.Med.) uns (Akk.), daraufhin
ity uktaḥ sa tathety uktvā bhagavān havyakavyabhuk; jagāmātha durādharṣo gaṅgāṃ bhāgīrathīṃ prati
So angesprochen, sagte der erhabene Verzehrer der Opfer für Götter und Ahnen: „So sei es“, und der Unbezwingbare ging darauf zur Gaṅgā, der Bhāgīrathī.
Wort für Wort
ity uktaḥ sa tathety uktvā
so angesprochen (Part.), er, „so [sei es]“ gesagt habend
bhagavān havyakavyabhuk
der Erhabene, Genießer von Havya und Kavya (Nom.Sg.)
Durch jenen unversehens hereingebrochenen gewaltigen Schrei wurde die Gaṅgā erschreckt, mit irren Augen, mit wankendem Blick; ohnmächtig vermochte sie die Leibesfrucht aus eigener Kraft nicht zu halten.
Wort für Wort
abuddhāpatitena nādena vipulena
durch den unversehens (unbemerkt) gefallenen (Instr.) Schrei, gewaltigen
sā vitrastodbhrāntanayanā
sie, erschreckt, mit irrenden Augen (Bahuvrīhi)
gaṅgā viplutalocanā
Gaṅgā, mit schwankenden Augen (Nom.f.)
visaṃjñā nāśakad
bewusstlos (Nom.f.), vermochte nicht (3.Sg.Aor.)
garbhaṃ saṃdhārayitum ātmanā
die Leibesfrucht zu halten (Inf.) aus sich selbst (Instr.)
sā tu tejaḥparītāṅgī kampamānā ca jāhnavī; uvāca vacanaṃ vipra tadā garbhabaloddhatā; na te śaktāsmi bhagavaṃs tejaso 'sya vidhāraṇe
Die Jāhnavī aber, an allen Gliedern von der Glut erfüllt und zitternd, von der Kraft der Leibesfrucht überwältigt, sprach damals dieses Wort, o Brahmane: „Ich vermag nicht, Erhabener, die Glut dieser [Frucht] zu halten.“
Wort für Wort
sā tu tejaḥparītāṅgī
sie aber, an den Gliedern von Glut durchdrungen (Bahuvrīhi)
kampamānā ca jāhnavī
und zitternd (Part.), die Jāhnavī
uvāca vacanaṃ vipra tadā
sprach (3.Sg.Perf.) Wort (Akk.), Brahmane (Vok.), damals
garbhabaloddhatā
von der Kraft der Leibesfrucht überwältigt (Nom.f.)
na te śaktāsmi bhagavaṃs
nicht vermag ich (Adj. + 1.Sg.), dir gegenüber, Erhabener (Vok.)
na cetaso 'sti saṃsparśo mama deva vibhāvaso; āpadarthe hi saṃbandhaḥ susūkṣmo 'pi mahādyute
„Mein Sinn hat keine Berührung [damit] [?], göttlicher Vibhāvasu; denn die Verbindung besteht [nur] für den Notfall, auch wenn sie noch so fein ist, o Hochstrahlender.“
Wort für Wort
na cetaso 'sti saṃsparśo
nicht des Geistes (Gen.) ist (3.Sg.) Berührung (Nom.)
mama deva vibhāvaso
meine (Gen.), Gott (Vok.), Vibhāvasu (Vok.)
āpadarthe hi saṃbandhaḥ
denn im Zweck der Not (Lok.) Verbindung (Nom.)
susūkṣmo 'pi mahādyute
auch sehr fein (Nom.), Hochglänzender (Vok.)
Der Halbvers ist im Sinn unsicher; wörtlich etwa: „Es gibt keine Berührung des Denkens bei mir“.
yad atra guṇasaṃpannam itaraṃ vā hutāśana; tvayy eva tad ahaṃ manye dharmādharmau ca kevalau
„Was hierin Vorzügliches oder Anderes [Gegenteiliges] ist, o Hutāśana, das schreibe ich allein dir zu, wie auch Recht und Unrecht ausschließlich [dir zukommen].“
Wort für Wort
yad atra guṇasaṃpannam
was hierbei mit Vorzug ausgestattet ist (Nom.Sg.n.)
itaraṃ vā hutāśana
oder anderes (Gegenteil), Feuer (Vok.)
tvayy eva tad ahaṃ manye
in dir allein das (Akk.) ich meine (1.Sg.Präs.Med.)
tām uvāca tato vahnir dhāryatāṃ dhāryatām ayam; garbho mattejasā yukto mahāguṇaphalodayaḥ
Da sprach das Feuer zu ihr: „Diese Leibesfrucht werde getragen, werde getragen! Sie ist mit meiner Glut verbunden und lässt Frucht großer Vorzüge aufgehen.“
Wort für Wort
tām uvāca tato vahnir
zu ihr sprach da das Feuer
dhāryatāṃ dhāryatām ayam
sie werde getragen (Imp.Pass.), werde getragen, diese
garbho mattejasā yukto
Leibesfrucht (Nom.), mit meiner Glut (Instr.) verbunden
mahāguṇaphalodayaḥ
mit dem Aufgehen der Frucht großer Vorzüge (Bahuvrīhi)
Nachdem sie sie aus Qual abgesetzt hatte, die wie flammendes Vaiśvānara-Feuer strahlte, zeigte sich Agni ihr da, o Bhṛgu-Spross, und fragte die Beste der Flüsse: „Ist die Leibesfrucht hoffentlich von glücklichem Ausgang?“
Wort für Wort
sā samutsṛjya taṃ duḥkhād
sie, abgesetzt habend (Abs.) sie, aus Leid (Abl.)
dīptavaiśvānaraprabham
die wie lodernder Vaiśvānara glänzt (Bahuvrīhi Akk.)
darśayām āsa cāgnis tāṃ tadā gaṅgāṃ
zeigte sich (Perf.Kaus.) und Agni ihr damals, der Gaṅgā
bhṛgūdvaha
Bhṛgu-Spross (Vok.)
papraccha saritāṃ śreṣṭhāṃ
fragte (3.Sg.Perf.) die Beste (Akk.) der Flüsse (Gen.Pl.)
kaccid garbhaḥ sukhodayaḥ
hoffentlich (Fragepart.) die Leibesfrucht (Nom.), von glücklichem Aufgang (Bahuvrīhi)
padmotpalavimiśrāṇāṃ hradānām iva śītalaḥ; gandho 'sya sa kadambānāṃ tulyo vai tapatāṃ vara
„Ihr Duft ist kühl wie der von Teichen, die mit Lotos und blauen Lotosblumen bedeckt sind, und gleicht dem der Kadamba-Blüten, o Bester der Glühenden.“
tejasā tasya garbhasya bhāskarasyeva raśmibhiḥ; yad dravyaṃ parisaṃsṛṣṭaṃ pṛthivyāṃ parvateṣu vā; tat sarvaṃ kāñcanībhūtaṃ samantāt pratyadṛśyata
„Durch die Glut jener Leibesfrucht, wie durch die Strahlen der Sonne, wurde jeder Stoff, der auf der Erde oder in den Bergen vermengt war, ringsum als vergoldet gesehen.“
Wort für Wort
tejasā tasya garbhasya
durch die Glut (Instr.) dieser Leibesfrucht (Gen.)
evaṃrūpaḥ sa bhagavān putras te havyavāhana; sūryavaiśvānarasamaḥ kāntyā soma ivāparaḥ; evam uktvā tu sā devī tatraivāntaradhīyata
„So beschaffen ist dein Sohn, erhabener Opferträger; an Glanz der Sonne und Vaiśvānara gleich, wie ein zweiter Soma.“ Nachdem die Göttin so gesprochen hatte, verschwand sie eben dort.
Wort für Wort
evaṃrūpaḥ sa bhagavān
so gestaltet (Nom.), jener Erhabene
putras te havyavāhana
Sohn (Nom.) dein (Gen.), Opferträger (Vok.)
sūryavaiśvānarasamaḥ kāntyā
Sonne und Vaiśvānara gleich (Nom.), an Glanz (Instr.)
Und auch der glutvolle Pāvaka ging, nachdem er das Werk der Himmelsbewohner vollbracht hatte, damals an den gewünschten Ort, o Freudenbringer der Bhārgavas.
Wort für Wort
pāvakaś cāpi tejasvī
und auch Pāvaka, glutvoll (Nom.)
kṛtvā kāryaṃ divaukasām
vollbracht habend (Abs.) das Werk (Akk.) der Himmelsbewohner (Gen.Pl.)
jagāmeṣṭaṃ tato deśaṃ
ging (3.Sg.Perf.) zum gewünschten (Akk.) darauf Ort (Akk.)
etaiḥ karmaguṇair loke nāmāgneḥ parigīyate; hiraṇyaretā iti vai ṛṣibhir vibudhais tathā; pṛthivī ca tadā devī khyātā vasumatīti vai
Nach diesen Taten und Eigenschaften wird in der Welt der Name Agnis besungen: „Hiraṇyaretas“ [Goldsamiger], so von den Sehern und Göttern; und die Göttin Erde wurde damals „Vasumatī“ [die Schätzereiche] genannt.
Wort für Wort
etaiḥ karmaguṇair loke
durch diese Taten und Eigenschaften (Instr.Pl.) in der Welt (Lok.)
nāmāgneḥ parigīyate
Name (Nom.) Agnis (Gen.) wird besungen (3.Sg.Pass.)
hiraṇyaretā iti vai
„Hiraṇyaretas“ so fürwahr (Nom.)
ṛṣibhir vibudhais tathā
von den Sehern (Instr.Pl.), von den Göttern (Instr.Pl.) ebenso
sa tu garbho mahātejā gāṅgeyaḥ pāvakodbhavaḥ; divyaṃ śaravaṇaṃ prāpya vavṛdhe 'dbhutadarśanaḥ
Jene Leibesfrucht aber, die hochglühende, Gaṅgā-Sohn, aus Pāvaka entstanden, gelangte zu einem göttlichen Röhricht und wuchs heran, wunderbar anzusehen.
Wort für Wort
sa tu garbho mahātejā
jene aber, die Leibesfrucht, von großer Glut (Nom.)
gāṅgeyaḥ pāvakodbhavaḥ
Gaṅgā-Sohn, aus Pāvaka entstanden (Nom.)
divyaṃ śaravaṇaṃ prāpya
ein göttliches Röhricht (Akk.) erreicht habend (Abs.)
vavṛdhe 'dbhutadarśanaḥ
wuchs (3.Sg.Perf.Med.), wunderbar im Anblick (Nom.)
Da erlangte er, von höchstem Glanz, das Kārttikeya-Sein; wegen des Ausgespritztseins [skanna] das Skanda-Sein, und wegen des Aufenthalts in der Höhle [guhā] wurde er Guha.
Wort für Wort
tataḥ sa kārttikeyatvam avāpa
da er das Kārttikeya-Sein (Akk.) erlangte (3.Sg.Perf.)
paramadyutiḥ
von höchstem Glanz (Nom.)
skannatvāt skandatāṃ cāpi
wegen des Ausgespritztseins (Abl.) und auch Skanda-Sein (Akk.)
guhāvāsād guho 'bhavat
wegen des Wohnens in der Höhle (Abl.) wurde er Guha (3.Sg.Impf.)
Etymologien: Kārttikeya (von den Kṛttikās), Skanda (skanna), Guha (guhā).
ratnānām uttamaṃ ratnaṃ bhūṣaṇānāṃ tathottamam; pavitraṃ ca pavitrāṇāṃ maṅgalānāṃ ca maṅgalam
Es ist das Höchste unter den Juwelen, ebenso das Höchste unter den Schmuckstücken, das Reinigende unter den Reinigenden und das Glückverheißende unter den Glückverheißenden.
Wort für Wort
ratnānām uttamaṃ ratnaṃ
unter Juwelen (Gen.Pl.) das höchste Juwel (Nom.)
bhūṣaṇānāṃ tathottamam
unter Schmuckstücken (Gen.Pl.) ebenso das höchste
pavitraṃ ca pavitrāṇāṃ
und das Reinigende unter Reinigenden
maṅgalānāṃ ca maṅgalam
und das Heilbringende (Nom.) unter Heilbringenden (Gen.Pl.)