Yudhiṣṭhira sprach: „König, du ehrst beständig die Brāhmaṇen, die streng in ihren Gelübden sind. Welchen Aufstieg durch [ihr] Wirken erblickst du, dass du sie ehrst, Herr der Menschen?
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
brāhmaṇān arcase rājan
die Brāhmaṇen ehrst du, König (Akk.Pl./2.Sg.Präs.Med./Vok.)
satataṃ saṃśitavratān
beständig, die in ihren Gelübden Scharfen/Strengen (Adv./Akk.Pl., Bahuvrīhi)
kaṃ tu karmodayaṃ dṛṣṭvā
welchen Aufschwung des Wirkens gesehen habend (Akk.Sg./Abs.)
tān arcasi narādhipa
sie ehrst du, Herrscher der Menschen (Akk.Pl./2.Sg.Präs./Vok.)
Bhīṣma sprach: „Dieser Keśava, der Hochsinnige, wird dir alles darlegen; er hat den Erfolg der Verehrung der Brāhmaṇen selbst gesehen, [er] von den großen Gelübden.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
eṣa te keśavaḥ
dieser dir, Keśava (Nom.Sg./Dat.Sg./Nom.Sg.)
sarvam ākhyāsyati mahāmatiḥ
alles wird er darlegen, der Hochgesinnte (Akk./3.Sg.Fut./Nom.Sg.)
vyuṣṭiṃ brāhmaṇapūjāyāṃ
den Erfolg in der Verehrung der Brāhmaṇen (Akk.Sg./Lok.Sg.)
dṛṣṭavyuṣṭir mahāvrataḥ
der den Erfolg gesehen hat, der von großen Gelübden (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
balaṃ śrotre vāṅ manaś cakṣuṣī ca; jñānaṃ tathā na viśuddhaṃ mamādya; dehanyāso nāticirān mato me; na cātitūrṇaṃ savitādya yāti
Kraft in Ohr, Rede, Geist und beiden Augen [ist] heute, und auch das Wissen ist mir nicht mehr rein; das Ablegen des Körpers gilt mir als nicht allzu fern; und auch nicht allzu schnell zieht heute die Sonne dahin.
Wort für Wort
balaṃ śrotre vāṅ manaś cakṣuṣī ca
Kraft in Ohr, Rede, Geist und beiden Augen (Nom.Sg.n./Lok.Sg./Nom.Sg./Nom.Sg./Nom.Du.)
jñānaṃ tathā na viśuddhaṃ mamādya
Wissen ebenso nicht rein bei mir heute (Nom.Sg./Gen.Sg.)
dehanyāso nāticirān mato me
das Niederlegen des Körpers nicht allzu spät [erwartet], gilt mir (Nom.Sg./Abl.Sg./Part.Pass./Gen.)
na cātitūrṇaṃ savitādya yāti
und nicht allzu rasch die Sonne heute geht (Adv./Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
Die erste Hälfte ist elliptisch (kein Verb); ergänzt ist sinngemäß, dass die Kräfte nachlassen [?].
uktā dharmā ye purāṇe mahānto; brāhmaṇānāṃ kṣatriyāṇāṃ viśāṃ ca; paurāṇaṃ ye daṇḍam upāsate ca; śeṣaṃ kṛṣṇād upaśikṣasva pārtha
Die großen Pflichten, die in alter Zeit für Brāhmaṇen, Kṣatriyas und Vaiśyas gelehrt wurden, und die, die die alte Strafgewalt handhaben – den Rest lerne von Kṛṣṇa, Pārtha.
Wort für Wort
uktā dharmā ye purāṇe mahāntaḥ
gelehrt wurden die Pflichten, welche in alter Zeit große [sind] (Part.Pass.Nom.Pl./Nom.Pl./Lok.Sg.)
brāhmaṇānāṃ kṣatriyāṇāṃ viśāṃ ca
der Brāhmaṇen, Kṣatriyas und Vaiśyas (Gen.Pl.)
paurāṇaṃ ye daṇḍam upāsate ca
und die, die die alte Strafgewalt hochhalten (Akk.Sg./Rel.Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
śeṣaṃ kṛṣṇād upaśikṣasva pārtha
den Rest lerne von Kṛṣṇa, Pārtha (Akk./Abl./Imp.Med./Vok.)
Die Zuordnung von ye ... upāsate ist unsicher; sie kann sich auch auf die Herrscher beziehen [?].
ahaṃ hy enaṃ vedmi tattvena kṛṣṇaṃ; yo 'yaṃ hi yac cāsya balaṃ purāṇam; ameyātmā keśavaḥ kauravendra; so 'yaṃ dharmaṃ vakṣyati saṃśayeṣu
Denn ich kenne diesen Kṛṣṇa der Wahrheit nach, was er ist und was seine uralte Macht ist. Keśava, dessen Wesen unermesslich ist, Herr der Kauravas, er wird die Pflicht in Zweifelsfällen darlegen.
Wort für Wort
ahaṃ hy enaṃ vedmi tattvena kṛṣṇaṃ
ich kenne ihn wahrlich in Wahrheit, Kṛṣṇa (Nom./1.Sg.Präs./Instr.Sg./Akk.)
yo 'yaṃ hi yac cāsya balaṃ purāṇam
wer dieser ist und was seine Kraft, die alte (Rel.Nom./Nom./Nom.Sg.n.)
ameyātmā keśavaḥ kauravendra
der Unermessliche in seinem Wesen, Keśava, Herr der Kauravas (Nom.Sg./Vok.)
so 'yaṃ dharmaṃ vakṣyati saṃśayeṣu
dieser wird die Pflicht sagen in Zweifeln (Nom./Akk./3.Sg.Fut./Lok.Pl.)
yo 'yaṃ hi yac cāsya ...: Konstruktion elliptisch (‚wer er ist und was ...‘) [?].
asya cādho 'thāntarikṣaṃ divaṃ ca; diśaś catasraḥ pradiśaś catasraḥ; sṛṣṭis tathaiveyam anuprasūtā; sa nirmame viśvam idaṃ purāṇam
Und unter ihm ist das Untere, dann der Luftraum und der Himmel, die vier Himmelsrichtungen und die vier Zwischenrichtungen; so ist diese Schöpfung fortgesetzt hervorgebracht worden; er erschuf diese ganze uralte Welt.
Wort für Wort
asya cādho 'thāntarikṣaṃ divaṃ ca
und unter ihm [ist] das Untere, dann der Luftraum und der Himmel (Gen./Adv./Nom.)
diśaś catasraḥ pradiśaś catasraḥ
die vier Himmelsrichtungen, die vier Zwischenrichtungen (Nom.Pl.f.)
sṛṣṭis tathaiveyam anuprasūtā
so ist diese Schöpfung ebenso weiter hervorgebracht (Nom.Sg.f./Part.Pass.)
sa nirmame viśvam idaṃ purāṇam
er bildete diese All, das uralte (Nom./Perf.Med./Akk.Sg.n.)
asya nābhyāṃ puṣkaraṃ saṃprasūtaṃ; yatrotpannaḥ svayam evāmitaujāḥ; yenācchinnaṃ tat tamaḥ pārtha ghoraṃ; yat tat tiṣṭhaty arṇavaṃ tarjayānam
Aus seinem Nabel entstand der Lotos, in dem der Unermesslich-Strahlende selbst geboren wurde; durch ihn wurde jene furchtbare Finsternis, Pārtha, zerschnitten, die dort stand und das Meer bedrohte.
Wort für Wort
asya nābhyāṃ puṣkaraṃ saṃprasūtam
aus seinem Nabel der Lotos entstanden (Gen./Lok.Sg./Nom.Sg.n./Part.Pass.)
yatrotpannaḥ svayam evāmitaujāḥ
worin geboren er selbst, der unermessliche Kraft Habende (Adv./Part.Pass./Nom.Sg.)
yenācchinnaṃ tat tamaḥ pārtha ghoraṃ
von wem zerschnitten wurde jene Finsternis, Pārtha, die furchtbare (Instr./Part.Pass./Nom.Sg.n./Vok.)
yat tat tiṣṭhaty arṇavaṃ tarjayānam
die dort stand, das Meer bedrohend (Rel./3.Sg.Präs./Akk./Part.Präs.Med.)
Der Lotos-Geborene (Brahmā) ist gemeint; tarjayānam grammatisch unsicher (Bezug auf tamaḥ) [?].
Im Kṛta-Zeitalter war die Pflicht vollständig; in der Tretā-Zeit gelangte das Wissen [zur Geltung]; im Dvāpara aber, Pārtha, war Kṛṣṇa die Kraft; im Kali kam die Unpflicht auf die Erde.
Wort für Wort
kṛte yuge dharma āsīt samagraḥ
im Kṛta-Zeitalter war die Pflicht vollständig (Lok./Nom./Impf./Nom.)
tretākāle jñānam anuprapannaḥ
in der Tretā-Zeit wurde das Wissen erlangt/trat ein (Lok./Nom./Part.Pass.)
balaṃ tv āsīd dvāpare pārtha kṛṣṇaḥ
die Kraft aber war im Dvāpara, Pārtha, Kṛṣṇa (Nom./Impf./Lok./Vok.)
kalāv adharmaḥ kṣitim ājagāma
im Kali kam die Unpflicht zur Erde (Lok./Nom./Akk./Perf.)
balaṃ ... kṛṣṇaḥ: Der Satz ist knapp; Kṛṣṇa steht offenbar in Apposition zu balam [?].
sa pūrvadevo nijaghāna daityān; sa pūrvadevaś ca babhūva samrāṭ; sa bhūtānāṃ bhāvano bhūtabhavyaḥ; sa viśvasyāsya jagataś cāpi goptā
Er, der frühere Gott, erschlug die Daityas; er wurde der frühere Gott und Oberherrscher; er ist der Erzeuger der Wesen, der [in] Gewesenem und Künftigem [ist]; er ist auch der Beschützer dieser ganzen Welt.
Wort für Wort
sa pūrvadevo nijaghāna daityān
er, der Urgott, erschlug die Daityas (Nom./Perf./Akk.Pl.)
sa pūrvadevaś ca babhūva samrāṭ
und er wurde Urgott und Allherrscher (Perf./Nom.)
sa bhūtānāṃ bhāvano bhūtabhavyaḥ
er, der Erzeuger der Wesen, der das Gewordene und Künftige ist (Gen.Pl./Nom.Sg./Nom.Sg.)
sa viśvasyāsya jagataś cāpi goptā
er auch dieser ganzen Welt Beschützer (Gen.Sg./Gen.Sg./Nom.Sg.)
yadā dharmo glāyati vai surāṇāṃ; tadā kṛṣṇo jāyate mānuṣeṣu; dharme sthitvā sa tu vai bhāvitātmā; parāṃś ca lokān aparāṃś ca yāti
Wenn die Pflicht der Götter verfällt, dann wird Kṛṣṇa unter den Menschen geboren; in der Pflicht stehend, mit geläutertem Selbst, geht er zu höheren und niederen Welten.
Wort für Wort
yadā dharmo glāyati vai surāṇām
wenn die Pflicht der Götter schwindet (Nom./3.Sg.Präs./Gen.Pl.)
tadā kṛṣṇo jāyate mānuṣeṣu
dann wird Kṛṣṇa geboren unter Menschen (3.Sg.Präs.Med./Lok.Pl.)
dharme sthitvā sa tu vai bhāvitātmā
in der Pflicht stehend, er aber mit geläutertem Selbst (Lok./Abs./Nom.Sg.)
parāṃś ca lokān aparāṃś ca yāti
höhere und niedere Welten geht er (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
tyājyāṃs tyaktvāthāsurāṇāṃ vadhāya; kāryākārye kāraṇaṃ caiva pārtha; kṛtaṃ kariṣyat kriyate ca devo; muhuḥ somaṃ viddhi ca śakram etam
Nachdem er das Aufzugebende aufgegeben hat, zur Tötung der Asuras – und, Pārtha, [er ist] der Grund von Tun und Nichttun – wird der Gott, der Geschehenes und zu Geschehendes tut, immer wieder [so] gemacht; wisse: er ist Soma und dieser [ist] Śakra.
Wort für Wort
tyājyāṃs tyaktvāthāsurāṇāṃ vadhāya
das Aufzugebende aufgegeben habend, zur Tötung der Asuras (Akk.Pl./Abs./Gen.Pl./Dat.)
kāryākārye kāraṇaṃ caiva pārtha
Zu-Tuendes und Nicht-zu-Tuendes, und der Grund, Pārtha (Akk.Du./Akk./Vok.)
kṛtaṃ kariṣyat kriyate ca devo
Getanes, Zu-Tuendes wird getan, und der Gott (Part.Pass./Part.Fut./3.Sg.Pass./Nom.)
muhuḥ somaṃ viddhi ca śakram etam
immer wieder: wisse Soma und diesen Śakra (Adv./Imp./Akk./Akk.)
Stark verdichteter, syntaktisch unsicherer Vers [?].
śatakratuṃ jitya sa viśvakarmā; sa viśvasṛk pārtha sa viśvarūpaḥ; sa viśvabhug viśvadhṛg viśvajic ca
Nachdem er Śatakratu [Indra] besiegt hat, ist er Viśvakarman; er ist der Allerzeuger, Pārtha, er der Allgestaltige; er ist der Allgenießer, Allhalter und Allbesieger.
Wort für Wort
śatakratuṃ jitya
Śatakratu besiegt habend (Akk./Abs.)
sa viśvakarmā
er ist Viśvakarman (Nom.)
sa viśvasṛk pārtha sa viśvarūpaḥ
er Allerzeuger, Pārtha, er Allgestaltige (Nom./Vok./Nom.)
sa viśvabhug viśvadhṛg viśvajic ca
er Allgenießer, Allhalter und Allbesieger (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
taṃ gandharvā apsarasaś ca nityam; upatiṣṭhante vibudhānāṃ śatāni; taṃ rākṣasāś ca parisaṃvahante; rāyaspoṣaḥ sa vijigīṣur ekaḥ
Ihn bedienen beständig Gandharvas und Apsaras, Hunderte von Göttern; ihn umgeben auch die Rākṣasas; er ist der Mehrer des Wohlstands, der eine Siegbegierige.
Wort für Wort
taṃ gandharvā apsarasaś ca nityam
ihn Gandharvas und Apsaras stets (Akk./Nom.Pl./Adv.)
upatiṣṭhante vibudhānāṃ śatāni
bedienen, Hunderte von Göttern (3.Pl.Präs.Med./Gen.Pl./Nom.Pl.)
taṃ rākṣasāś ca parisaṃvahante
ihn auch die Rākṣasas umgeben (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
rāyaspoṣaḥ sa vijigīṣur ekaḥ
Gedeihen des Reichtums, er, der nach Sieg trachtende Eine (Nom./Nom.)
parisaṃvahante: Bedeutung unsicher (‚tragen/umgeben‘) [?].
tam adhvare śaṃsitāraḥ stuvanti; rathaṃtare sāmagāś ca stuvanti; taṃ brāhmaṇā brahmamantraiḥ stuvanti; tasmai havir adhvaryavaḥ kalpayanti
Ihn preisen beim Opfer die Śaṃsitṛ-Priester; ihn preisen die Sāmasänger im Rathaṃtara-[Gesang]; ihn [preisen] die Brāhmaṇen mit Brahma-Sprüchen; ihm richten die Adhvaryus die Opfergabe zu.
Wort für Wort
tam adhvare śaṃsitāraḥ stuvanti
ihn preisen beim Opfer die Rezitatoren (Akk./Lok./Nom.Pl./3.Pl.)
rathaṃtare sāmagāś ca stuvanti
im Rathaṃtara preisen auch die Sāmasänger (Lok./Nom.Pl.)
taṃ brāhmaṇā brahmamantraiḥ stuvanti
ihn die Brāhmaṇen mit Brahma-Sprüchen preisen (Nom.Pl./Instr.Pl.)
tasmai havir adhvaryavaḥ kalpayanti
ihm richten die Adhvaryus die Opfergabe her (Dat./Akk./Nom.Pl./3.Pl.)
sa paurāṇīṃ brahmaguhāṃ praviṣṭo; mahīsatraṃ bhāratāgre dadarśa; sa caiva gām uddadhārāgryakarmā; vikṣobhya daityān uragān dānavāṃś ca
Er trat in die uralte Brahma-Höhle ein; er sah, Bhārata, [zuerst] das Erdopfer(-Sitzung); er hob auch die Erde empor, von vorzüglichem Wirken, nachdem er Daityas, Schlangen und Dānavas aufgewühlt hatte.
Wort für Wort
sa paurāṇīṃ brahmaguhāṃ praviṣṭaḥ
er in die uralte Brahma-Höhle eingetreten (Akk.Sg.f./Part.Pass.)
mahīsatraṃ bhāratāgre dadarśa
das Erdopfer, Bhārata, zuvor sah er (Akk./Vok./Adv./Perf.)
sa caiva gām uddadhārāgryakarmā
und er hob die Erde empor, von höchstem Wirken (Akk./Perf./Nom.Sg.)
vikṣobhya daityān uragān dānavāṃś ca
aufgewühlt habend Daityas, Schlangen und Dānavas (Abs./Akk.Pl.)
Ihm melden [sie] mannigfache Speisen; ihn allein nennen [sie] im Kampf das Reittier; ihm gehören Luftraum, Erde und Himmel; alles steht in der Gewalt des Ewigen.
Wort für Wort
tasya bhakṣān vividhān vedayanti
seine verschiedenen Speisen melden sie (Gen./Akk.Pl./3.Pl.Kaus.)
tam evājau vāhanaṃ vedayanti
ihn allein im Kampf als Reittier bezeichnen sie (Lok.Sg./Akk.)
tasyāntarikṣaṃ pṛthivī divaṃ ca
sein Luftraum, Erde und Himmel (Gen./Nom.)
sarvaṃ vaśe tiṣṭhati śāśvatasya
alles steht in der Gewalt des Ewigen (Nom./Lok./3.Sg./Gen.)
sa kumbharetāḥ sasṛje purāṇaṃ; yatrotpannam ṛṣim āhur vasiṣṭham; sa mātariśvā vibhur aśvavājī; sa raśmimān savitā cādidevaḥ
Er, der Kumbha-Same-Habende, erschuf das Uralte, worin, so sagt man, der Seher Vasiṣṭha geboren wurde; er ist der Wind, der Allgegenwärtige, der Rossschnelle; er ist die Sonne, der Strahlende, der erste Gott.
Wort für Wort
sa kumbharetāḥ sasṛje purāṇam
er, dessen Same im Krug [ist], schuf das Uralte (Nom.Sg./Perf./Akk.)
yatrotpannam ṛṣim āhur vasiṣṭham
in dem geboren, den Seher, sagen sie, Vasiṣṭha (Part.Pass./Akk./3.Pl.Perf./Akk.)
sa mātariśvā vibhur aśvavājī
er der Wind, der Allmächtige, der Rossbeschleuniger (Nom.Sg.)
sa raśmimān savitā cādidevaḥ
er der Strahlenreiche, Savitṛ und Urgott (Nom.Sg.)
kumbharetas evtl. Anspielung auf Agastya/Vasiṣṭha-Geburt; aśvavājī unsicher [?].
tenāsurā vijitāḥ sarva eva; tasya vikrāntair vijitānīha trīṇi; sa devānāṃ mānuṣāṇāṃ pitṝṇāṃ; tam evāhur yajñavidāṃ vitānam
Von ihm wurden alle Asuras besiegt; durch seine Schritte wurden hier die drei [Welten] besiegt; er [gehört] den Göttern, Menschen und Ahnen; ihn nennen sie die Ausdehnung der Opferkundigen.
Wort für Wort
tenāsurā vijitāḥ sarva eva
von ihm besiegt alle Asuras (Instr./Nom.Pl./Part.Pass.)
tasya vikrāntair vijitānīha trīṇi
durch seine Schritte hier besiegt die drei (Gen./Instr.Pl./Part.Pass./Nom.Pl.n.)
sa devānāṃ mānuṣāṇāṃ pitṝṇām
er der Götter, Menschen, Ahnen (Gen.Pl.)
tam evāhur yajñavidāṃ vitānam
ihn nennen sie der Opferkundigen Ausbreitung (Akk./3.Pl.Perf./Gen.Pl./Akk.)
sa eva kālaṃ vibhajann udeti; tasyottaraṃ dakṣiṇaṃ cāyane dve; tasyaivordhvaṃ tiryag adhaś caranti; gabhastayo medinīṃ tāpayantaḥ
Er selbst geht auf und teilt dabei die Zeit; sein sind die beiden Wege, der nördliche und der südliche; nach oben, quer und nach unten wandern seine Strahlen, die die Erde erhitzen.
Wort für Wort
sa eva kālaṃ vibhajann udeti
er selbst geht auf, die Zeit teilend (Nom./Akk./Part.Präs./3.Sg.)
tasyottaraṃ dakṣiṇaṃ cāyane dve
sein nördlicher und südlicher, die beiden Wege (Nom.Du.n.)
tasyaivordhvaṃ tiryag adhaś caranti
seine nach oben, quer, nach unten wandern (Adv./3.Pl.)
gabhastayo medinīṃ tāpayantaḥ
die Strahlen, die Erde erhitzend (Nom.Pl./Akk./Part.Präs.)
taṃ brāhmaṇā vedavido juṣanti; tasyādityo bhām upayujya bhāti; sa māsi māsy adhvarakṛd vidhatte; tam adhvare vedavidaḥ paṭhanti
Ihn lieben die Brāhmaṇen, Kenner des Veda; seine Strahlkraft nutzend, leuchtet die Sonne; er ordnet Monat für Monat das Opfer an; ihn rezitieren die Vedakundigen beim Opfer.
Wort für Wort
taṃ brāhmaṇā vedavido juṣanti
ihn die vedakundigen Brāhmaṇen verehren (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
tasyādityo bhām upayujya bhāti
von ihm Glanz gebrauchend, leuchtet die Sonne (Akk./Abs./3.Sg.)
sa māsi māsy adhvarakṛd vidhatte
er, Monat für Monat, der Opfermacher, ordnet an (Lok./Nom./3.Sg.Med.)
tam adhvare vedavidaḥ paṭhanti
ihn beim Opfer die Vedakundigen rezitieren (Lok./Nom.Pl.)
Zeile 2 unsicher: tasyādityo bhām upayujya kann auch ‚die Sonne leuchtet, sein Licht nutzend‘ bedeuten [?].
sa ekayuk cakram idaṃ trinābhi; saptāśvayuktaṃ vahate vai tridhāmā; mahātejāḥ sarvagaḥ sarvasiṃhaḥ; kṛṣṇo lokān dhārayate tathaikaḥ
Er ist das eine Rad mit drei Naben, [das] mit sieben Rossen bespannt [ist]; der Dreifach-Glänzende fährt es; der Hochstrahlende, Allgehende, Allleuchtende: Kṛṣṇa trägt die Welten, so der Eine.
Wort für Wort
sa ekayuk cakram idaṃ trinābhi
er, mit einem [Zug] verbunden, dies Rad mit drei Naben (Nom./Nom.Sg.n.)
saptāśvayuktaṃ vahate vai tridhāmā
mit sieben Rossen bespannt fährt es der Dreifach-Wohnende (Part.Pass./3.Sg.Med./Nom.)
mahātejāḥ sarvagaḥ sarvasiṃhaḥ
von großem Glanz, allgehend, ein Löwe unter allen (Nom.Sg.)
kṛṣṇo lokān dhārayate tathaikaḥ
Kṛṣṇa trägt die Welten, ebenso der Eine (Nom./Akk.Pl./3.Sg.Kaus.Med.)
sa ekadā kakṣagato mahātmā; tṛpto vibhuḥ khāṇḍave dhūmaketuḥ; sa rākṣasān uragāṃś cāvajitya; sarvatragaḥ sarvam agnau juhoti
Er, einst in das Dickicht/trockene Gras gegangen, der Großgesinnte, gesättigt, der Allmächtige, im Khāṇḍava[-Wald] als Feuer (Rauchbanner), hat Rākṣasas und Schlangen besiegt; der Allgegenwärtige opfert alles ins Feuer.
Wort für Wort
sa ekadā
er, einst (Nom.Sg. / Adv.)
kakṣagato mahātmā
in das Dickicht gegangen, der Großgesinnte (Nom.Sg.)
tṛpto vibhuḥ
gesättigt, der Allmächtige (Nom.Sg.)
khāṇḍave dhūmaketuḥ
im Khāṇḍava, der Rauchbannerträger [Agni] (Lok.Sg. / Nom.Sg.)
sa rākṣasān uragāṃś cāvajitya
er, Rākṣasas und Schlangen besiegt habend (Nom. / Akk.Pl. / Abs.)
sarvatragaḥ sarvam agnau juhoti
der Allgegenwärtige opfert alles ins Feuer (Nom.Sg. / Akk. / Lok. / 3.Sg.Präs.)
sa evāśvaḥ śvetam aśvaṃ prayacchat; sa evāśvān atha sarvāṃś cakāra; trivandhuras tasya rathas tricakras; trivṛcchirāś caturasraś ca tasya
Er selbst [als] Ross gab das weiße Ross [?]; er selbst machte alle Rosse; sein Wagen hat drei Sitzstangen und drei Räder, dreifach ist sein Haupt/seine Spitze, und viereckig ist er.
Wort für Wort
sa evāśvaḥ
er selbst, das Ross (Nom.Sg.)
śvetam aśvaṃ prayacchat
das weiße Ross gab (Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)
sa evāśvān atha sarvāṃś cakāra
er selbst machte dann alle Rosse (Akk.Pl. / Perf.3.Sg.)
trivandhuras tasya rathas
dreisitzig/dreisitzstangig, sein Wagen (Nom.Sg.)
tricakras trivṛcchirāś
dreirädrig, dreifachköpfig (Nom.Sg.)
caturasraś ca tasya
und viereckig, sein (Nom.Sg.)
Der erste Pāda ist syntaktisch unklar (aśvaḥ als Nom.); trivandhura = dreisitzig/mit drei Stützen, wörtlich gedeutet.
sa vihāyo vyadadhāt pañcanābhiḥ; sa nirmame gāṃ divam antarikṣam; evaṃ ramyān asṛjat parvatāṃś ca; hṛṣīkeśo 'mitadīptāgnitejāḥ
Er ordnete den Luftraum [?] mit fünf Naben; er schuf Erde, Himmel und Zwischenraum; so schuf er auch liebliche Berge, Hṛṣīkeśa, von unermesslich leuchtender Feuerkraft.
Wort für Wort
sa vihāyo vyadadhāt
er ordnete den Luftraum (Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)
pañcanābhiḥ
mit fünf Naben (Instr.Pl.)
sa nirmame gāṃ divam antarikṣam
er schuf Erde, Himmel, Zwischenraum (Perf.3.Sg. / Akk.)
evaṃ ramyān asṛjat
so schuf er liebliche (Adv. / Impf. / Akk.Pl.)
parvatāṃś ca
und Berge (Akk.Pl.)
hṛṣīkeśo ’mitadīptāgnitejāḥ
Hṛṣīkeśa, von unermesslich leuchtender Feuerkraft (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
sa laṅghayan vai sarito jighāṃsan; sa taṃ vajraṃ praharantaṃ nirāsa; sa mahendraḥ stūyate vai mahādhvare; viprair eko ṛksahasraiḥ purāṇaiḥ
Er, die Flüsse überschreitend [und] zu töten begehrend, wehrte jenen Vajra ab, der zuschlug; er wird als Mahendra beim großen Opfer gepriesen, allein von den Brahmanen mit tausend alten Ṛc-Versen.
Wort für Wort
sa laṅghayan vai sarito
er, die Flüsse überspringend/überschreitend (Part.Kaus. Nom.Sg. / Akk.Pl.)
jighāṃsan
zu töten begehrend (Part.Desid. Nom.Sg.)
sa taṃ vajraṃ praharantaṃ nirāsa
er wehrte jenen zuschlagenden Vajra ab (Akk.Sg. / Part.Präs. / Perf.3.Sg.)
sa mahendraḥ stūyate vai
er, Mahendra, wird gepriesen (Nom.Sg. / Pass.3.Sg.)
mahādhvare
beim großen Opfer (Lok.Sg.)
viprair eko ṛksahasraiḥ purāṇaiḥ
von Brahmanen, allein, mit tausend alten Ṛc-Versen (Instr.Pl. / Nom.Sg.)
Der erste Pāda ist im Bezug (Flüsse) unklar; wörtlich wiedergegeben.
tam ṛksahasraiḥ puruṣaṃ purāṇaṃ; suparṇam ādau cayanaiḥ stuvanti
Ihn, den alten Puruṣa, [preisen sie] mit tausend Ṛc-Versen; den Suparṇa preisen sie am Anfang mit Schichtungen [des Feueraltars] [?].
Wort für Wort
tam ṛksahasraiḥ
ihn mit tausend Ṛc-Versen (Akk.Sg. / Instr.Pl.)
puruṣaṃ purāṇaṃ
den Puruṣa, den alten (Akk.Sg.)
suparṇam ādau
den Suparṇa, am Anfang (Akk.Sg. / Lok.Sg.)
cayanaiḥ stuvanti
mit Schichtungen (Altarbau) preisen sie (Instr.Pl. / 3.Pl.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; cayana = Schichtung beim Agnicayana, Deutung unsicher.
durvāsā vai tena nānyena śakyo; gṛhe rājan vāsayituṃ mahaujāḥ; tam evāhur ṛṣim ekaṃ purāṇaṃ; sa viśvakṛd vidadhāty ātmabhāvān
Durvāsas, o König, kann durch keinen anderen als ihn, den Hochgewaltigen, im Haus beherbergt werden; ihn eben nennen sie den einen alten Ṛṣi; er, der Weltschöpfer, ordnet die Selbstwesen.
Wort für Wort
durvāsā vai
Durvāsas fürwahr (Nom.Sg.)
tena nānyena śakyo
durch ihn, nicht durch einen anderen, möglich (Instr.Sg. / Gerundiv)
gṛhe rājan vāsayituṃ mahaujāḥ
im Haus, o König, zu beherbergen, der Hochgewaltige (Lok. / Vok. / Inf.Kaus. / Nom.)
tam evāhur ṛṣim ekaṃ purāṇaṃ
ihn eben nennen sie den einen alten Ṛṣi (Perf.3.Pl.)
sa viśvakṛd
er, der Weltschöpfer (Nom.Sg.)
vidadhāty ātmabhāvān
ordnet die Selbstwesen (3.Sg.Präs. / Akk.Pl.)
Ātmabhāva mit „Selbstwesen“ wörtlich wiedergegeben.
vedāṃś ca yo vedayate 'dhidevo; vidhīṃś ca yaś cāśrayate purāṇān; kāme vede laukike yat phalaṃ ca; viṣvaksene sarvam etat pratīhi
Und der die Veden kundtut, der Obergott, und wer die Vorschriften und alten Überlieferungen in Anspruch nimmt; was an Frucht im Begehren, im Veda und im Weltlichen [liegt]: all dies erkenne als Viṣvaksena.
Wort für Wort
vedāṃś ca yo vedayate ’dhidevo
und der die Veden kundtut, der Obergott (Akk.Pl. / 3.Sg.Kaus.Med. / Nom.Sg.)
vidhīṃś ca yaś cāśrayate purāṇān
und wer Vorschriften, alte [Überlieferungen] in Anspruch nimmt (Akk.Pl. / 3.Sg.Präs.)
kāme vede laukike
im Begehren, im Veda, im Weltlichen (Lok.Sg.)
yat phalaṃ ca
und was an Frucht (Nom./Akk.Sg.)
viṣvaksene sarvam etat pratīhi
in/als Viṣvaksena all dies erkenne (Lok.Sg. / Imp.2.Sg.)
pratīhi (√i + prati) mit „erkenne (als)“ wiedergegeben; viṣvaksene als Lokativ, sachlich „in Viṣvaksena begründet“ [?].
jyotīṃṣi śuklāni ca sarvaloke; trayo lokā lokapālās trayaś ca; trayo 'gnayo vyāhṛtayaś ca tisraḥ; sarve devā devakīputra eva
Die Lichter, auch die weißen, in der ganzen Welt; die drei Welten, die Welthüter und die drei; die drei Feuer und die drei Vyāhṛtis: alle Götter sind eben Devakīs Sohn.
Wort für Wort
jyotīṃṣi śuklāni ca sarvaloke
die Lichter und die hellen in aller Welt (Nom.Pl. / Lok.Sg.)
trayo lokā
die drei Welten (Nom.Pl.)
lokapālās trayaś ca
die Welthüter und die drei (Nom.Pl.)
trayo ’gnayo
die drei Feuer (Nom.Pl.)
vyāhṛtayaś ca tisraḥ
und die drei Vyāhṛtis (Nom.Pl.)
sarve devā devakīputra eva
alle Götter [sind] Devakīs Sohn eben (Nom.Pl. / Nom.Sg.)
saṃvatsaraḥ sa ṛtuḥ so 'rdhamāsaḥ; so 'horātraḥ sa kalā vai sa kāṣṭhāḥ; mātrā muhūrtāś ca lavāḥ kṣaṇāś ca; viṣvaksene sarvam etat pratīhi
Er ist das Jahr, er die Jahreszeit, er der Halbmonat; er Tag-und-Nacht, er die Kalā und die Kāṣṭhās; Mātrās, Muhūrtas, Lavas und Kṣaṇas: all dies erkenne als Viṣvaksena.
Wort für Wort
saṃvatsaraḥ sa ṛtuḥ
das Jahr, er die Jahreszeit (Nom.Sg.)
so ’rdhamāsaḥ
er der Halbmonat (Nom.Sg.)
so ’horātraḥ sa kalā vai
er Tag-und-Nacht, er die Kalā fürwahr (Nom.Sg.)
sa kāṣṭhāḥ
er die Kāṣṭhās (Nom.Pl.)
mātrā muhūrtāś ca lavāḥ kṣaṇāś ca
Mātrās, Muhūrtas, Lavas, Kṣaṇas (Nom.Pl.)
viṣvaksene sarvam etat pratīhi
all dies erkenne in Viṣvaksena (Lok.Sg. / Imp.)
Zeiteinheiten (Kalā, Kāṣṭhā, Mātrā, Muhūrta, Lava, Kṣaṇa) nicht übersetzt, da Fachbegriffe.
Mond und Sonne, Planeten, Mondhäuser und Sterne, alle Neumonde und dann die Vollmonde, die Mondhaus-Konjunktionen und die Jahreszeiten, Pārtha: aus Viṣvaksena ist all dies hervorgegangen.
Wort für Wort
candrādityau grahanakṣatratārāḥ
Mond und Sonne, Planeten, Mondhäuser, Sterne (Nom.Du. / Nom.Pl.)
sarvāṇi darśāny
alle Neumonde (Nom.Pl.)
atha paurṇamāsyaḥ
dann die Vollmonde (Nom.Pl.)
nakṣatrayogā ṛtavaś ca pārtha
Mondhaus-Konjunktionen und Jahreszeiten, Pārtha (Nom.Pl. / Vok.)
viṣvaksenāt sarvam etat prasūtam
aus Viṣvaksena all dies hervorgebracht (Abl.Sg. / PPP Nom.Sg.n.)
Rudras, Ādityas, Vasus und die beiden Aśvins, Sādhyas, Viśvedevas und die sechs Scharen der Maruts; Prajāpati und Aditi, die Mutter der Götter; und alle sieben Ṛṣis [stammen] aus Kṛṣṇa.
Wort für Wort
rudrādityā vasavo ’thāśvinau ca
Rudras, Ādityas, Vasus, dann die beiden Aśvins (Nom.Pl. / Nom.Du.)
sādhyā viśve
Sādhyas, Viśvedevas (Nom.Pl.)
marutāṃ ṣaḍ gaṇāś ca
und sechs Scharen der Maruts (Gen.Pl. / Nom.Pl.)
prajāpatir
Prajāpati (Nom.Sg.)
devamātāditiś ca
und Aditi, Mutter der Götter (Nom.Sg.)
sarve kṛṣṇād ṛṣayaś caiva sapta
alle aus Kṛṣṇa, und die sieben Ṛṣis (Abl.Sg. / Nom.Pl.)
vāyur bhūtvā vikṣipate ca viśvam; agnir bhūtvā dahate viśvarūpaḥ; āpo bhūtvā majjayate ca sarvaṃ; brahmā bhūtvā sṛjate viśvasaṃghān
Wind geworden, zerstreut er das All; Feuer geworden, verbrennt er, der Allgestaltige; Wasser geworden, lässt er alles untergehen; Brahmā geworden, erschafft er die Weltscharen.
Wort für Wort
vāyur bhūtvā vikṣipate ca viśvam
Wind geworden, zerstreut er das All (Abs. / 3.Sg.Präs.Med. / Akk.)
agnir bhūtvā dahate viśvarūpaḥ
Feuer geworden, verbrennt er, der Allgestaltige (Abs. / 3.Sg. / Nom.)
āpo bhūtvā majjayate ca sarvaṃ
Wasser geworden, taucht er alles unter (Nom.Pl. / Abs. / Kaus.3.Sg.)
brahmā bhūtvā sṛjate
Brahmā geworden, erschafft er (Abs. / 3.Sg.Präs.Med.)
vedyaṃ ca yad vedayate ca vedān; vidhiś ca yaś cāśrayate vidheyān; dharme ca vede ca bale ca sarvaṃ; carācaraṃ keśavaṃ tvaṃ pratīhi
Was zu wissen ist, und der die Veden kundtut; die Ordnung, und der die zu ordnenden Dinge in Anspruch nimmt; in Dharma, Veda und Kraft alles: das Bewegliche und Unbewegliche erkenne als Keśava.
Wort für Wort
vedyaṃ ca yad vedayate ca vedān
was zu wissen ist und was er kundtut, die Veden (Gerundiv Nom. / 3.Sg.Kaus. / Akk.Pl.)
vidhiś ca yaś cāśrayate vidheyān
die Ordnung und wer die zu Ordnenden in Anspruch nimmt (Nom.Sg. / 3.Sg.Med. / Akk.Pl.)
dharme ca vede ca bale ca sarvaṃ
in Dharma, Veda, Kraft alles (Lok.Sg.)
carācaraṃ
das Bewegliche und Unbewegliche (Akk.Sg.n.)
keśavaṃ tvaṃ pratīhi
als Keśava du erkenne (Akk.Sg. / Nom. / Imp.2.Sg.)
In der Gewalt dessen [steht es], der der Ursprung von allem ist.
Wort für Wort
vaśe sthitaṃ
in der Gewalt stehend (Lok.Sg. / PPP Nom.Sg.n.)
tasya samastayoneḥ
dessen, des Ursprungs von allem (Gen.Sg., Bahuvrīhi)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzanschluss und Subjekt fehlen, [Anm.: Fortsetzung/Satz abgebrochen].
Lichtgestalt, der Höchste dort im Osten/zuvor, mit seinem Glanz die Allgestalt erleuchtend; nachdem er die Wasser geschaffen, der Selbstgeborene, aus sich Entsprungene, schuf er zuvor eben alles, dieses All.
Wort für Wort
jyotirbhūtaḥ paramo ’sau purastāt
zum Licht geworden, der Höchste, jener, zuvor/im Osten (Nom.Sg. / Adv.)
prakāśayan prabhayā viśvarūpaḥ
erleuchtend mit Glanz, allgestaltig (Part.Kaus. / Instr.Sg. / Nom.Sg.)
apaḥ sṛṣṭvā hy
die Wasser geschaffen habend, ja (Akk.Pl. / Abs.)
ātmabhūr ātmayoniḥ
der Selbstgeborene, selbstentsprungen (Nom.Sg.)
purākarot sarvam evātha viśvam
zuvor schuf er dann eben alles, das All (Impf.3.Sg. / Akk.)
Den Wohnsitz des Alls, den Eigenschaftslosen, Vāsudeva; Saṃkarṣaṇa nennen sie den zum Lebewesen Gewordenen; dann Pradyumna, Aniruddha als vierten: [so] gebietet der aus sich entsprungene Großgesinnte.
Wort für Wort
viśvāvāsaṃ nirguṇaṃ vāsudevaṃ
Wohnsitz des Alls, eigenschaftslos, Vāsudeva (Akk.Sg.)
saṃkarṣaṇaṃ jīvabhūtaṃ vadanti
Saṃkarṣaṇa, den Lebewesen-gewordenen, nennen sie (Akk.Sg. / 3.Pl.Präs.)
sa pañcadhā pañcajanopapannaṃ; saṃcodayan viśvam idaṃ sisṛkṣuḥ; tataś cakārāvanimārutau ca; khaṃ jyotir āpaś ca tathaiva pārtha
Er, fünffach, mit den fünf Wesen [pañcajana] ausgestattet, dieses All antreibend, zu erschaffen begehrend; dann schuf er Erde und Wind, Raum, Licht und Wasser, ebenso, Pārtha.
Wort für Wort
sa pañcadhā
er fünffach (Nom.Sg. / Adv.)
pañcajanopapannaṃ
mit den fünf Wesen [?] ausgestattet (PPP Akk.Sg.)
saṃcodayan viśvam idaṃ sisṛkṣuḥ
antreibend dieses All, erschaffen wollend (Part.Kaus. / Akk. / Desid. Nom.)
tataś cakārāvanimārutau ca
dann schuf er Erde und Wind (Perf.3.Sg. / Akk.Du.)
khaṃ jyotir āpaś ca
Raum, Licht, Wasser (Akk.Sg. / Akk.Pl.)
tathaiva pārtha
ebenso, Pārtha (Adv. / Vok.)
pañcajana ist mehrdeutig (fünf Wesen/Völker); grammatischer Bezug von pañcajanopapannam unklar [?].
tato bhūmiṃ vyadadhāt pañcabījāṃ; dyauḥ pṛthivyāṃ dhāsyati bhūri vāri; tena viśvaṃ kṛtam etad dhi rājan; sa jīvayaty ātmanaivātmayoniḥ
Dann ordnete er die Erde, die fünf Samen hat; der Himmel wird auf der Erde viel Wasser niederlegen; durch ihn ist dieses All gemacht, o König; er belebt aus sich selbst, der Selbstentsprungene.
Wort für Wort
tato bhūmiṃ vyadadhāt pañcabījāṃ
dann ordnete er die Erde mit fünf Samen (Adv. / Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)
dyauḥ pṛthivyāṃ dhāsyati
der Himmel wird auf die Erde legen (Nom.Sg. / Lok.Sg. / Fut.3.Sg.)
bhūri vāri
viel Wasser (Akk.Sg.n.)
tena viśvaṃ kṛtam etad dhi rājan
durch ihn ist dieses All gemacht, o König (Instr. / PPP / Vok.)
sa jīvayaty ātmanaiva
er belebt durch sich selbst (3.Sg.Kaus. / Instr.Sg.)
ātmayoniḥ
der Selbstentsprungene (Nom.Sg.)
Dyauḥ pṛthivyāṃ dhāsyati ist inhaltlich dunkel; wörtlich gegeben [?].
Dann Götter, Asuras und Menschen, Welten, Ṛṣis, Ahnen und Geschöpfe; kurz gesagt vielfältige Lebewesenwelten: alle wollte der Herr der Wesen stets erschaffen.
Wort für Wort
tato devān asurān mānuṣāṃś ca
dann Götter, Asuras und Menschen (Akk.Pl.)
lokān ṛṣīṃś cātha pitṝn prajāś ca
Welten, Ṛṣis, dann Ahnen und Geschöpfe (Akk.Pl.)
samāsena
kurz gesagt (Instr.Sg.)
vividhān prāṇilokān
vielfältige Lebewesenwelten (Akk.Pl.)
sarvān sadā bhūtapatiḥ sisṛkṣuḥ
alle stets, der Herr der Wesen, erschaffen wollend (Akk.Pl. / Adv. / Nom.Sg.)
mṛtyuś caiva prāṇinām antakāle; sākṣāt kṛṣṇaḥ śāśvato dharmavāhaḥ; bhūtaṃ ca yac ceha na vidma kiṃ cid; viṣvaksenāt sarvam etat pratīhi
Und der Tod der Wesen zur Zeit des Endes: leibhaftig Kṛṣṇa, der ewige Träger des Dharma; und was gewesen ist und was wir hier nicht im Geringsten kennen: aus Viṣvaksena erkenne all dies.
Wort für Wort
mṛtyuś caiva prāṇinām
und der Tod der Lebewesen (Nom.Sg. / Gen.Pl.)
antakāle
zur Zeit des Endes (Lok.Sg.)
sākṣāt kṛṣṇaḥ śāśvato dharmavāhaḥ
leibhaftig Kṛṣṇa, der Ewige, Dharmaträger (Adv. / Nom.Sg.)
bhūtaṃ ca yac ceha
und was gewesen ist und was hier (PPP Nom.Sg.n. / Adv.)
yat praśastaṃ ca lokeṣu puṇyaṃ yac ca śubhāśubham; tat sarvaṃ keśavo 'cintyo viparītam ato bhavet
Was in den Welten gepriesen und verdienstlich ist, und was gut und schlecht ist: all das [ist] Keśava, der Undenkbare; das Gegenteil davon könnte [sonst] daher sein [?].
Wort für Wort
yat praśastaṃ ca lokeṣu puṇyaṃ
was gepriesen und verdienstlich in den Welten (PPP Nom.Sg.n. / Lok.Pl.)
yac ca śubhāśubham
und was gut und schlecht (Nom.Sg.n.)
tat sarvaṃ keśavo ’cintyo
all das [ist] Keśava, der Undenkbare (Nom.Sg.)
viparītam ato bhavet
das Gegenteil davon wäre/könnte sein (Nom.Sg.n. / Adv. / Opt.3.Sg.)
Der zweite Vershalb ist syntaktisch unklar; „viparītam ato bhavet“ nur vermutungsweise gedeutet.
So beschaffen ist dieser Keśava, der Selbstentstandene, Nārāyaṇa, der Höchste und Unvergängliche; er ist die Mitte dieses Beweglichen und Feststehenden und der Ursprung und das Vergehen aller Wesen.
Wort für Wort
etādṛśaḥ keśavo ’yaṃ svayaṃbhūr
so beschaffen, dieser Keśava, der Selbstentstandene (Nom.Sg.)
nārāyaṇaḥ paramaś cāvyayaś ca
Nārāyaṇa, der Höchste und Unvergängliche (Nom.Sg.)
madhyaṃ cāsya jagatas
und die Mitte dieses Beweglichen (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
tādṛśaḥ keśavo devo bhūyo nārāyaṇaḥ paraḥ; ādir antaś ca madhyaṃ ca deśataḥ kālato hariḥ; jagatāṃ tasthuṣāṃ caiva bhūtānāṃ prabhavāpyayaḥ
So beschaffen ist Keśava, der Gott, ferner Nārāyaṇa, der Höchste; Anfang, Ende und Mitte nach Ort und Zeit, Hari; der Beweglichen und Feststehenden und der Wesen Ursprung und Vergehen.
Wort für Wort
tādṛśaḥ keśavo devo
so beschaffen ist Keśava, der Gott (Nom.Sg.)
bhūyo nārāyaṇaḥ paraḥ
ferner Nārāyaṇa, der Höchste (Adv. / Nom.Sg.)
ādir antaś ca madhyaṃ ca
Anfang, Ende und Mitte (Nom.Sg.)
deśataḥ kālato hariḥ
nach Ort, nach Zeit, Hari (Adv. / Nom.Sg.)
jagatāṃ tasthuṣāṃ caiva
der Beweglichen und der Feststehenden (Gen.Pl.)
bhūtānāṃ prabhavāpyayaḥ
der Wesen Ursprung und Vergehen (Gen.Pl. / Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.