Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 60: dānayajñaphalapraśnaḥ rājadharmaś ca Wert von Gabe und Opfer; Gaben an Brahmanen und der Schutzauftrag des Königs

Yudhiṣṭhira fragt nach der Frucht von Geben und Opfern, Bhīṣma antwortet mit der Pflicht des Königs, redlich erworbenen Besitz an würdige Brahmanen zu geben und die Untertanen zu schützen.

yudhiṣṭhira uvāca; dānaṃ yajñakriyā ceha kiṃ svit pretya mahāphalam; kasya jyāyaḥ phalaṃ proktaṃ kīdṛśebhyaḥ kathaṃ kadā

Yudhiṣṭhira sprach: „Gabe und Opferhandlung – was von beiden bringt hier und nach dem Tode große Frucht? Von welchem von beiden ist die Frucht als größer verkündet, an welche Art [von Empfängern], wie und wann?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
dānaṃ yajñakriyā ca iha
Gabe und Opferhandlung hier (Nom. Sg.)
kiṃ svit pretya mahāphalam
was wohl nach dem Tode von großer Frucht [ist] (Nom. Sg. n.)
kasya jyāyaḥ phalaṃ proktam
von wem [ist] die Frucht als größer verkündet (Gen. Sg.; Part. Pass.)
kīdṛśebhyaḥ kathaṃ kadā
an welche Art [Empfänger] (Dat. Pl.), wie, wann

nityānuṣṭhānayuktāś cet pratigṛhṇanti sādhavaḥ

„Wenn die Guten, die der beständigen Ausübung [der Pflichten] ergeben sind, [Gaben] annehmen [, dann …]“

Wort für Wort
nityānuṣṭhānayuktāḥ cet
wenn mit beständiger Ausübung verbunden (Nom. Pl., Kompositum)
pratigṛhṇanti sādhavaḥ
nehmen an die Guten (3.Pl.Präs.; Nom. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, im Zusammenhang fragmentarisch; der Nachsatz fehlt.

etad icchāmi vijñātuṃ yāthātathyena bhārata; vidvañ jijñāsamānāya dānadharmān pracakṣva me

„Dies möchte ich der Wahrheit gemäß wissen, Bhārata. Du Wissender, lege dem Wissbegierigen die Pflichten des Gebens dar.“

Wort für Wort
etat icchāmi vijñātum
dies wünsche ich zu erkennen (1.Sg.Präs.; Inf.)
yāthātathyena bhārata
der Wirklichkeit gemäß, Bhārata (Instr.; Vok.)
vidvan jijñāsamānāya
o Wissender, dem Wissbegierigen (Vok.; Dat. Sg., Part. Desid.)
dānadharmān pracakṣva me
die Gabenpflichten (Akk. Pl.) leg dar (Imp. Med.) mir (Dat.)

antarvedyāṃ ca yad dattaṃ śraddhayā cānṛśaṃsyataḥ; kiṃ svin niḥśreyasaṃ tāta tan me brūhi pitāmaha

„Was in der antarvedī [dem Raum innerhalb der Opferstätte] mit Glauben und ohne Grausamkeit gegeben wird – was ist da wohl das höchste Heil, Lieber? Das sage mir, Großvater.“

Wort für Wort
antarvedyāṃ ca yat dattam
und was in der antarvedī gegeben wurde (Lok. Sg. f.; Part. Pass.) [?]
śraddhayā ca ānṛśaṃsyataḥ
mit Glauben (Instr.) und aus Nichtgrausamkeit (Abl.-Adv.)
kiṃ svit niḥśreyasam tāta
was wohl das höchste Heil (Nom. n.), Lieber (Vok.)
tat me brūhi pitāmaha
das sag mir (Imp.), Großvater (Vok.)

antarvedyām: entweder „im inneren Opferraum“ oder geographisch „im Zwischenstromland“; die Deutung ist unsicher.

bhīṣma uvāca; raudraṃ karma kṣatriyasya satataṃ tāta vartate; tasya vaitānikaṃ karma dānaṃ caiveha pāvanam

Bhīṣma sprach: „Grausam ist das Tun des Kṣatriya, Lieber, das stets [bei ihm] im Gange ist. Für ihn aber ist das Opferwerk [nach vedischer Ordnung] und das Geben hier das Reinigende.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
raudraṃ karma kṣatriyasya
grausam ist das Tun (Nom. n.) des Kṣatriya (Gen.)
satataṃ tāta vartate
stets, Lieber (Vok.), ist im Gange (3.Sg.Präs. Med.)
tasya vaitānikaṃ karma
für ihn das Opferwerk [nach den Opferfeuern] (Nom. n.)
dānaṃ ca iha pāvanam
und das Geben hier (Nom.) [ist] reinigend (Nom. n.)

na tu pāpakṛtāṃ rājñāṃ pratigṛhṇanti sādhavaḥ

Doch von sündhaft handelnden Königen nehmen die Guten nichts an.

Wort für Wort
na tu
nicht aber
pāpakṛtāṃ rājñām
von Sünde tuenden Königen (Gen. Pl.)
pratigṛhṇanti sādhavaḥ
nehmen an die Guten (3.Pl.Präs.; Nom. Pl.)

yājakā dvijasattamāḥ; dhane satyapradātṝṇāṃ

[…] die Opferpriester, die besten der Zweimalgeborenen; am Besitz derer, die wahrhaft geben […]

Wort für Wort
yājakāḥ dvijasattamāḥ
die Opferpriester, die besten Zweimalgeborenen (Nom. Pl.)
dhane
am Besitz (Lok. Sg.)
satyapradātṝṇām
der wahrhaft Gebenden (Gen. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, offenbar bruchstückhaft und syntaktisch unvollständig.

etasmāt kāraṇād yajñair yajed rājāptadakṣiṇaiḥ

Aus diesem Grund soll der König mit Opfern opfern, bei denen die Opfergaben reichlich erlangt sind.

Wort für Wort
etasmāt kāraṇāt
aus diesem Grund (Abl. Sg.)
yajñaiḥ yajet
mit Opfern (Instr. Pl.) soll er opfern (3.Sg.Opt.)
rājā
der König (Nom.)
āptadakṣiṇaiḥ
mit erlangten [reichlichen] Opfergaben (Instr. Pl., Kompositum)

atha cet pratigṛhṇīyur dadyād aharahar nṛpaḥ; śraddhām āsthāya paramāṃ pāvanaṃ hy etad uttamam

Wenn sie [die Guten] aber doch annehmen sollten, so gebe der König Tag für Tag, indem er höchsten Glauben zugrunde legt; denn dies ist das höchste Reinigende.

Wort für Wort
atha cet pratigṛhṇīyuḥ
wenn sie aber annehmen sollten (3.Pl.Opt.)
dadyāt aharahar nṛpaḥ
so gebe er Tag für Tag, der König (3.Sg.Opt.; Nom.)
śraddhām āsthāya paramām
höchsten Glauben (Akk.) zugrunde legend (Abs.)
pāvanaṃ hi etat uttamam
denn reinigend ist dies, das Höchste (Nom. n.)

brāhmaṇāṃs tarpayed dravyais tato yajñe yatavrataḥ; maitrān sādhūn vedavidaḥ śīlavṛttataponvitān

Die Brahmanen soll er mit Gütern sättigen, dann [auch] beim Opfer, streng in seinen Gelübden: die Freundlichen, Guten, Vedakundigen, die mit gutem Wandel, Lebensweise und Askese Ausgestatteten.

Wort für Wort
brāhmaṇān tarpayet dravyaiḥ
die Brahmanen (Akk. Pl.) soll er sättigen (3.Sg.Opt.) mit Gütern (Instr. Pl.)
tataḥ yajñe yatavrataḥ
dann beim Opfer (Lok.), die Gelübde zügelnd/streng im Gelübde (Nom. Sg.)
maitrān sādhūn vedavidaḥ
Freundliche, Gute, Vedakundige (Akk. Pl.)
śīlavṛttataponvitān
mit Sitte, Lebenswandel und Askese versehen (Akk. Pl., Kompositum)

yat te tena kariṣyanti kṛtaṃ tena bhaviṣyati; yajñān sādhaya sādhubhyaḥ svādvannān dakṣiṇāvataḥ

Was sie damit tun werden, das wird durch dich [damit] getan sein. Bringe für die Guten Opfer zustande, mit süßen Speisen und reichen Opfergaben.

Wort für Wort
yat te tena kariṣyanti
was sie mit jenem [Gut] tun werden (3.Pl.Fut.)
kṛtaṃ tena bhaviṣyati
das wird durch dieses [dein Geben] getan sein (Part. Pass.; 3.Sg.Fut.)
yajñān sādhaya sādhubhyaḥ
Opfer bringe zustande (Imp.) für die Guten (Dat. Pl.)
svādvannān dakṣiṇāvataḥ
mit süßen Speisen, mit Opfergaben versehen (Akk. Pl.)

iṣṭaṃ dattaṃ ca manyethā ātmānaṃ dānakarmaṇā; pūjayethā yāyajūkāṃs tavāpy aṃśo bhaved yathā

Als geopfert und gegeben sollst du dich ansehen durch das Werk des Gebens. Ehre die eifrig Opfernden, damit auch dir ein Anteil zukomme.

Wort für Wort
iṣṭaṃ dattaṃ ca manyethāḥ
als geopfert und gegeben sollst du ansehen (Part. Pass.; 2.Sg.Opt. Med.)
ātmānaṃ dānakarmaṇā
dich selbst (Akk.) durch das Werk des Gebens (Instr.)
pūjayethāḥ yāyajūkān
ehre (2.Sg.Opt.) die viel Opfernden (Akk. Pl.)
tava api aṃśaḥ bhavet yathā
damit auch dir ein Anteil sei (3.Sg.Opt.)

vidvadbhyaḥ saṃpradānena tatrāpy aṃśo 'sya pūjayā; yajvabhyaś cātha vidvadbhyo dattvā lokaṃ pradāpayet; pradadyāj jñānadātṝṇāṃ jñānadānāṃśabhāg bhavet

Durch Gabe an Gelehrte hat er auch dabei einen Anteil durch die Ehrung. Nachdem er den Opfernden und den Gelehrten gegeben hat, möge er [ihnen] eine Welt verschaffen [?]. Er soll denen geben, die Wissen weitergeben; so wird er Anteilhaber an der Weitergabe des Wissens.

Wort für Wort
vidvadbhyaḥ saṃpradānena
durch Gabe an Gelehrte (Dat. Pl.; Instr. Sg.)
tatra api aṃśaḥ asya pūjayā
auch dabei ein Anteil für ihn durch Ehrung
yajvabhyaḥ ca atha vidvadbhyaḥ dattvā
den Opfernden und dann den Gelehrten gegeben habend (Abs.)
lokaṃ pradāpayet
eine Welt möge er verschaffen lassen (Kaus. Opt.) [?]
pradadyāt jñānadātṝṇām
er soll geben den Wissensgebern (Gen./Dat. Pl.)
jñānadānāṃśabhāk bhavet
Anteilhaber am Wissensgeben möge er werden (Nom.; 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; „lokaṃ pradāpayet“ ist unklar.

prajāvato bharethāś ca brāhmaṇān bahubhāriṇaḥ; prajāvāṃs tena bhavati yathā janayitā tathā

Und ernähre kinderreiche Brahmanen, die viele zu unterhalten haben; dadurch wird er kinderreich, wie ein Erzeuger.

Wort für Wort
prajāvataḥ bharethāḥ ca
und unterhalte die Kinderreichen (Akk. Pl.; 2.Sg.Opt. Med.)
brāhmaṇān bahubhāriṇaḥ
Brahmanen, die viel zu tragen haben (Akk. Pl.)
prajāvān tena bhavati
kinderreich wird er dadurch (3.Sg.Präs.)
yathā janayitā tathā
wie ein Erzeuger so [auch er]

yāvato vai sādhudharmān santaḥ saṃvartayanty uta; sarve te cāpi bhartavyā narā ye bahubhāriṇaḥ

So viele es auch gibt, die Guten, die die Pflichten der Guten in Gang halten, und alle Männer, die viele zu unterhalten haben, sind zu versorgen.

Wort für Wort
yāvataḥ vai sādhudharmān
so viele wahrlich, die Pflichten der Guten (Akk. Pl.)
santaḥ saṃvartayanti uta
die Guten halten in Gang, ja (3.Pl.Präs.) [?]
sarve te ca api bhartavyāḥ
alle jene auch sind zu unterhalten (Gerundiv)
narāḥ ye bahubhāriṇaḥ
die Männer, die viele zu versorgen haben (Nom. Pl.)

Syntax des ersten Halbverses unsicher.

samṛddhaḥ saṃprayacchasva brāhmaṇebhyo yudhiṣṭhira; dhenūr anaḍuho 'nnāni cchatraṃ vāsāṃsy upānahau

Reich geworden, gib den Brahmanen, Yudhiṣṭhira: Milchkühe, Zugstiere, Speisen, Schirm, Kleider, Sandalen.

Wort für Wort
samṛddhaḥ saṃprayacchasva
reich geworden (Nom.), gib (Imp. Med.)
brāhmaṇebhyaḥ yudhiṣṭhira
den Brahmanen (Dat. Pl.), Yudhiṣṭhira (Vok.)
dhenūḥ anaḍuhaḥ annāni
Milchkühe, Zugstiere, Speisen (Akk. Pl.)
chatraṃ vāsāṃsi upānahau
Schirm, Kleider, Sandalen (Akk.)

ājyāni yajamānebhyas tathānnādyāni bhārata; aśvavanti ca yānāni veśmāni śayanāni ca

Ghee für die Opferherren, ebenso Speisen, Bhārata; bespannte Wagen [mit Rossen], Häuser und Lagerstätten.

Wort für Wort
ājyāni yajamānebhyaḥ
Ghee für die Opfernden (Akk. Pl.; Dat. Pl.)
tathā annādyāni bhārata
ebenso Speisen (Akk. Pl.), Bhārata
aśvavanti ca yānāni
und mit Rossen versehene Wagen (Akk. Pl.)
veśmāni śayanāni ca
und Häuser und Lager (Akk. Pl.)

ete deyā vyuṣṭimanto laghūpāyāś ca bhārata; ajugupsāṃś ca vijñāya brāhmaṇān vṛttikarśitān

Dies ist zu geben, Bhārata: [Gaben,] die Gedeihen bringen und leicht zu beschaffen sind; und wenn du erkannt hast, dass Brahmanen, die nicht zu tadeln sind, durch den Lebensunterhalt [Mangel daran] abgezehrt sind, …

Wort für Wort
ete deyāḥ
dies ist zu geben (Gerundiv Nom. Pl.)
vyuṣṭimantaḥ
Gedeihen besitzend (Nom. Pl.)
laghūpāyāḥ ca bhārata
und leicht zu beschaffen, Bhārata
ajugupsān ca vijñāya
und nicht Tadelnswerte [?] erkannt habend (Akk. Pl.; Abs.)
brāhmaṇān vṛttikarśitān
Brahmanen, durch [Mangel an] Lebensunterhalt abgezehrt (Akk. Pl.)

„ajugupsān“ ist unsicher; der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort.

upacchannaṃ prakāśaṃ vā vṛttyā tān pratipādaya; rājasūyāśvamedhābhyāṃ śreyas tat kṣatriyān prati

… verborgen oder offen versorge sie mit Lebensunterhalt. Das ist für Kṣatriyas besser als Rājasūya und Aśvamedha.

Wort für Wort
upacchannaṃ prakāśaṃ vā
verborgen oder offen
vṛttyā tān pratipādaya
mit Lebensunterhalt (Instr.) diese versorge (Imp.)
rājasūyāśvamedhābhyām
als Rājasūya und Aśvamedha (Abl. Du.)
śreyaḥ tat kṣatriyān prati
besser (Nom. n.) das, im Hinblick auf Kṣatriyas (Akk. Pl.)

evaṃ pāpair vimuktas tvaṃ pūtaḥ svargam avāpsyasi; sraṃsayitvā punaḥ kośaṃ yad rāṣṭraṃ pālayiṣyasi

So von Sünden befreit, gereinigt, wirst du den Himmel erlangen, da du, nachdem du die Schatzkammer geleert hast, wiederum das Reich schützen wirst.

Wort für Wort
evaṃ pāpaiḥ vimuktaḥ tvam
so von Sünden (Instr.) befreit (Part. Pass.) du
pūtaḥ svargam avāpsyasi
gereinigt den Himmel wirst du erlangen (2.Sg.Fut.)
sraṃsayitvā punaḥ kośam
die Schatzkammer geleert habend (Abs.), wieder [?]
yat rāṣṭraṃ pālayiṣyasi
da du das Reich schützen wirst (2.Sg.Fut.)

Zweiter Halbvers syntaktisch knapp; „punaḥ“ vermutlich zu „pālayiṣyasi“.

tataś ca brahmabhūyastvam avāpsyasi dhanāni ca; ātmanaś ca pareṣāṃ ca vṛttiṃ saṃrakṣa bhārata

Und dann wirst du Brahmaheit erlangen und Reichtümer. Den Lebensunterhalt, den eigenen und den der anderen, schütze, Bhārata.

Wort für Wort
tataḥ ca brahmabhūyastvam
und dann den Zustand des Brahman-Werdens (Akk. n.)
avāpsyasi dhanāni ca
wirst du erlangen (2.Sg.Fut.) und Reichtümer
ātmanaḥ ca pareṣām ca
des eigenen und der anderen (Gen.)
vṛttiṃ saṃrakṣa bhārata
den Lebensunterhalt schütze (Imp.), Bhārata

putravac cāpi bhṛtyān svān prajāś ca paripālaya; yogakṣemaś ca te nityaṃ brāhmaṇeṣv astu bhārata

Wie Söhne behandle deine Diener und Untertanen; Erwerb und Bewahrung [des Besitzes] gelte dir stets zugunsten der Brahmanen, Bhārata.

Wort für Wort
putravat ca api bhṛtyān svān
und wie Söhne auch die eigenen Diener (Akk. Pl.)
prajāḥ ca paripālaya
und die Untertanen beschütze (Imp.)
yogakṣemaḥ ca te nityam
und Erwerb und Bewahrung dir stets (Nom.; Gen./Dat.)
brāhmaṇeṣu astu bhārata
bei den Brahmanen sei (3.Sg.Imp.), Bhārata

tadarthaṃ jīvitaṃ te 'stu mā tebhyo 'pratipālanam; anartho brāhmaṇasyaiṣa yad vittanicayo mahān; śriyā hy abhīkṣṇaṃ saṃvāso darpayet saṃpramohayet; brāhmaṇeṣu pramūḍheṣu dharmo vipraṇaśed dhruvam; dharmapraṇāśe bhūtānām abhāvaḥ syān na saṃśayaḥ; yo rakṣibhyaḥ saṃpradāya rājā rāṣṭraṃ vilumpati; yakṣye rāṣṭrād dhanaṃ tasmād ānayadhvam iti bruvan; yac cādāya tad ājñaptaṃ bhītaṃ dattaṃ sudāruṇam; yajed rājā na taṃ yajñaṃ praśaṃsanty asya sādhavaḥ; apīḍitāḥ susaṃvṛddhā ye dadaty anukūlataḥ; tādṛśenābhyupāyena yaṣṭavyaṃ nodyamāhṛtaiḥ; yadā pariniṣicyeta nihito vai yathāvidhi; tadā rājā mahāyajñair yajeta bahudakṣiṇaiḥ; vṛddhabāladhanaṃ rakṣyam andhasya kṛpaṇasya ca; na khātapūrvaṃ kurvīta na rudantīdhanaṃ haret; hṛtaṃ kṛpaṇavittaṃ hi rāṣṭraṃ hanti nṛpaśriyam; dadyāc ca mahato bhogān kṣudbhayaṃ praṇudet satām; yeṣāṃ svādūni bhojyāni samavekṣyanti bālakāḥ; nāśnanti vidhivat tāni kiṃ nu pāpataraṃ tataḥ; yadi te tādṛśo rāṣṭre vidvān sīdet kṣudhā dvijaḥ; bhrūṇahatyāṃ ca gacchethāḥ kṛtvā pāpam ivottamam; dhik tasya jīvitaṃ rājño rāṣṭre yasyāvasīdati; dvijo 'nyo vā manuṣyo 'pi śibir āha vaco yathā; yasya sma viṣaye rājñaḥ snātakaḥ sīdati kṣudhā; avṛddhim eti tad rāṣṭraṃ vindate saha rājakam; krośantyo yasya vai rāṣṭrād dhriyante tarasā striyaḥ; krośatāṃ patiputrāṇāṃ mṛto 'sau na sa jīvati

Dafür sei dein Leben; nicht sei [dir] das Nichtschützen ihnen gegenüber. Ein Unheil für den Brahmanen ist dies: eine große Anhäufung von Vermögen. Denn das beständige Zusammenleben mit Glanz [und Reichtum] würde [ihn] stolz machen und betören. Sind die Brahmanen verwirrt, geht der Dharma gewiss zugrunde. Beim Untergang des Dharma wäre das Nichtsein der Wesen, daran ist kein Zweifel. Der König, der, nachdem er [das Reich] den Wächtern übergeben hat, das Reich ausplündert und sagt: „Ich werde opfern; bringt deshalb Vermögen aus dem Reich!“, und wenn er mit dem, was er so genommen hat – befohlen, aus Furcht gegeben, sehr grausam –, opfert: dieses Opfer loben die Guten nicht. Was unbedrängt, wohlhabend und willig [von den Untertanen] gegeben wird: auf solche Weise ist zu opfern, nicht mit durch Gewalt Herbeigeholtem. Wenn [der Schatz] vorschriftsgemäß hinterlegt ist und überfließt [?], dann soll der König mit großen Opfern opfern, mit reichen Opfergaben. Das Vermögen der Greise, Kinder, des Blinden und des Elenden ist zu schützen. Er soll nicht [ein zuvor Gegrabenes/…] machen [?], er soll nicht das Gut der Weinenden nehmen. Denn geraubtes Gut der Elenden vernichtet im Reich das Glück des Königs. Er soll den Guten große Genüsse geben und ihre Hungerfurcht vertreiben. Wenn Kinder auf deren wohlschmeckende Speisen blicken und sie nicht ordnungsgemäß essen [dürfen] [?] – was ist schlimmer als das? Wenn in deinem Reich ein solcher gelehrter Brahmane vor Hunger verkommt, würdest du in den Embryomord geraten, als hättest du gleichsam die höchste Sünde begangen. Pfui über das Leben jenes Königs, in dessen Reich [jemand] verkommt – ein Zweimalgeborener oder auch ein anderer Mensch –, wie Śibi das Wort sprach. In wessen Gebiet ein Snātaka vor Hunger verkommt, dessen Reich gerät in Niedergang [und] erleidet [Unheil] samt dem König [?]. Aus wessen Reich Frauen schreiend gewaltsam fortgeschleppt werden, während Gatten und Söhne schreien: der ist tot, der lebt nicht.

Wort für Wort
tadarthaṃ jīvitaṃ te astu mā tebhyaḥ apratipālanam
dafür sei dein Leben, nicht sei das Nichtschützen ihnen gegenüber
anarthaḥ brāhmaṇasya eṣaḥ yat vittanicayaḥ mahān
ein Unheil für den Brahmanen ist dies, dass [er] große Vermögensanhäufung [hat]
śriyā hi abhīkṣṇaṃ saṃvāsaḥ darpayet saṃpramohayet
denn ständiges Zusammenleben mit Glanz würde stolz machen, betören (Opt. Kaus.)
brāhmaṇeṣu pramūḍheṣu dharmaḥ vipraṇaśet dhruvam
wenn die Brahmanen verwirrt sind, geht der Dharma gewiss zugrunde (Lok. abs.; Opt.)
dharmapraṇāśe bhūtānām abhāvaḥ syāt na saṃśayaḥ
beim Untergang des Dharma wäre das Nichtsein der Wesen, kein Zweifel
yaḥ rakṣibhyaḥ saṃpradāya rājā rāṣṭraṃ vilumpati yakṣye rāṣṭrāt dhanaṃ tasmāt ānayadhvam iti bruvan
der König, der Wächtern übergebend das Reich plündert, sagend: ich werde opfern, bringt deshalb Vermögen aus dem Reich
yat ca ādāya tat ājñaptaṃ bhītaṃ dattaṃ sudāruṇam yajet rājā na taṃ yajñaṃ praśaṃsanti asya sādhavaḥ
und was genommen, befohlen, aus Furcht gegeben, sehr grausam: opfert der König damit, loben die Guten sein Opfer nicht
apīḍitāḥ susaṃvṛddhāḥ ye dadati anukūlataḥ tādṛśena abhyupāyena yaṣṭavyaṃ na udyamāhṛtaiḥ
unbedrängt, wohlhabend, die willig geben: auf solche Weise ist zu opfern, nicht mit gewaltsam Herbeigeholtem
yadā pariniṣicyeta nihitaḥ vai yathāvidhi tadā rājā mahāyajñaiḥ yajeta bahudakṣiṇaiḥ vṛddhabāladhanaṃ rakṣyam andhasya kṛpaṇasya ca na khātapūrvaṃ kurvīta na rudantīdhanaṃ haret hṛtaṃ kṛpaṇavittaṃ hi rāṣṭraṃ hanti nṛpaśriyam dadyāt ca mahataḥ bhogān kṣudbhayaṃ praṇudet satām yeṣāṃ svādūni bhojyāni samavekṣyanti bālakāḥ na aśnanti vidhivat tāni kiṃ nu pāpataraṃ tataḥ yadi te tādṛśaḥ rāṣṭre vidvān sīdet kṣudhā dvijaḥ bhrūṇahatyāṃ ca gacchethāḥ kṛtvā pāpam iva uttamam dhik tasya jīvitaṃ rājñaḥ rāṣṭre yasya avasīdati dvijaḥ anyaḥ vā manuṣyaḥ api śibiḥ āha vacaḥ yathā yasya sma viṣaye rājñaḥ snātakaḥ sīdati kṣudhā avṛddhim eti tat rāṣṭraṃ vindate saha rājakam krośantyaḥ yasya vai rāṣṭrāt dhriyante tarasā striyaḥ krośatāṃ patiputrāṇāṃ mṛtaḥ asau na saḥ jīvati
Fortsetzung, wörtlich wie im Sanskrit: dann soll der König mit großen, reich vergüteten Opfern opfern; Vermögen der Greise, Kinder, Blinden und Elenden ist zu schützen; Gut der Weinenden nicht nehmen; geraubtes Elendengut vernichtet des Königs Glanz; Genüsse geben, Hungerfurcht vertreiben; hungernder Gelehrter im Reich bringt Embryomord-Schuld; Pfui auf das Leben eines solchen Königs; wo ein Snātaka hungert, verfällt das Reich; wessen Frauen schreiend geraubt werden, der ist tot

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Umfangreiche Zusatzpassage (Stern-Text); mehrere Stellen sind unsicher oder verderbt (pariniṣicyeta, khātapūrvam, die Kinder-Speisen-Strophe, vindate saha rājakam).

arakṣitāraṃ hartāraṃ viloptāram adāyakam; taṃ sma rājakaliṃ hanyuḥ prajāḥ saṃbhūya nirghṛṇam

Den Nichtbeschützer, Räuber, Plünderer, Nichtgeber [?] – diesen mitleidlosen Unglücks-König sollen die Untertanen vereint erschlagen.

Wort für Wort
arakṣitāraṃ hartāram
den Nichtbeschützer, den Räuber (Akk. Sg.)
viloptāram adāyakam
den Plünderer, den Nichtgebenden (Akk. Sg.) [?]
tam sma rājakalim hanyuḥ
diesen Unglücks-König sollen erschlagen (3.Pl.Opt.)
prajāḥ saṃbhūya nirghṛṇam
die Untertanen, vereint, den Mitleidlosen (Nom. Pl.; Abs.; Akk.)

„adāyakam“ vermutlich „der nichts abgibt/nicht teilt“.

ahaṃ vo rakṣitety uktvā yo na rakṣati bhūmipaḥ; sa saṃhatya nihantavyaḥ śveva sonmāda āturaḥ

Der König, der gesagt hat: „Ich bin euer Beschützer“, und nicht schützt, ist vereint zu erschlagen wie ein tollwütiger, kranker Hund.

Wort für Wort
aham vaḥ rakṣitā iti uktvā
„ich [bin] euer Beschützer“ so gesagt habend (Abs.)
yaḥ na rakṣati bhūmipaḥ
der nicht schützt, der Erdenherr (Nom.)
saḥ saṃhatya nihantavyaḥ
der ist vereint zu erschlagen (Abs.; Gerundiv)
śvā iva sa unmādaḥ āturaḥ
wie ein Hund, tollwütig, krank (Nom.)

pāpaṃ kurvanti yat kiṃ cit prajā rājñā hy arakṣitāḥ; caturthaṃ tasya pāpasya rājā bhārata vindati

Welche Sünde auch immer die vom König nicht beschützten Untertanen begehen: ein Viertel dieser Sünde erlangt der König, Bhārata.

Wort für Wort
pāpaṃ kurvanti yat kiṃ cit
Sünde tun sie, was immer (3.Pl.Präs.)
prajāḥ rājñā hi arakṣitāḥ
die Untertanen, vom König nicht beschützt (Nom. Pl.; Instr.)
caturthaṃ tasya pāpasya
ein Viertel dieser Sünde (Akk. n.; Gen.)
rājā bhārata vindati
der König, Bhārata, erlangt (3.Sg.Präs.)

apy āhuḥ sarvam eveti bhūyo 'rdham iti niścayaḥ; caturthaṃ matam asmākaṃ manoḥ śrutvānuśāsanam

Man sagt auch: alles; ferner: die Hälfte – so lautet die [andere] Entscheidung. Ein Viertel ist unsere Ansicht, nachdem wir die Unterweisung des Manu gehört haben.

Wort für Wort
api āhuḥ sarvam eva iti
man sagt auch: alles (3.Pl.Perf.)
bhūyaḥ ardham iti niścayaḥ
ferner: die Hälfte, so die Entscheidung
caturthaṃ matam asmākam
ein Viertel [ist] unsere Ansicht (Nom. n.; Gen.)
manoḥ śrutvā anuśāsanam
des Manu Unterweisung gehört habend (Abs.)

śubhaṃ vā yat prakurvanti prajā rājñā surakṣitāḥ; caturthaṃ tasya puṇyasya rājā cāpnoti bhārata

Oder welches Gute auch immer die vom König wohlbeschützten Untertanen tun: ein Viertel dieses Verdienstes erlangt der König, Bhārata.

Wort für Wort
śubhaṃ vā yat prakurvanti
oder Gutes, was sie tun (3.Pl.Präs.)
prajāḥ rājñā surakṣitāḥ
die Untertanen, vom König wohlbeschützt
caturthaṃ tasya puṇyasya
ein Viertel dieses Verdienstes
rājā ca āpnoti bhārata
der König erlangt (3.Sg.Präs.), Bhārata

jīvantaṃ tvānujīvantu prajāḥ sarvā yudhiṣṭhira; parjanyam iva bhūtāni mahādrumam iva dvijāḥ

Von dir, der du lebst, sollen alle Untertanen leben, Yudhiṣṭhira, wie die Wesen von Parjanya [dem Regen], wie die Zweimalgeborenen von einem großen Baum.

Wort für Wort
jīvantaṃ tvā anujīvantu
von dir Lebendem sollen leben (3.Pl.Imp.)
prajāḥ sarvāḥ yudhiṣṭhira
alle Untertanen (Nom.), Yudhiṣṭhira
parjanyam iva bhūtāni
wie [von] Parjanya die Wesen
mahādrumam iva dvijāḥ
wie [von] einem großen Baum die Vögel/Zweimalgeborenen (Nom. Pl.)

kuberam iva rakṣāṃsi śatakratum ivāmarāḥ; jñātayas tvānujīvantu suhṛdaś ca paraṃtapa

Wie die Rākṣasas von Kubera, wie die Unsterblichen von Śatakratu [Indra]; die Verwandten und Freunde sollen von dir leben, Bezwinger der Feinde.

Wort für Wort
kuberam iva rakṣāṃsi
wie [von] Kubera die Rākṣasas
śatakratum iva amarāḥ
wie [von] Śatakratu die Unsterblichen
jñātayaḥ tvā anujīvantu
die Verwandten sollen von dir leben (3.Pl.Imp.)
suhṛdaḥ ca paraṃtapa
und die Freunde, Feindebezwinger (Vok.)

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