Kapitel 105: gautamendrasaṃvādaḥ
Gautama und Indra: Der geraubte Elefant und die Welten der Tugendhaften
Indra raubt in Gestalt Dhṛtarāṣṭras Gautamas Ziehsohn, einen Elefanten; im Wechselgespräch werden die Jenseitswelten und die Verdienste, die zu ihnen führen, aufgezählt, bis Indra sich zu erkennen gibt und den Elefanten zurückgibt.
yudhiṣṭhira uvāca; eko lokaḥ sukṛtināṃ sarve tv āho pitāmaha; uta tatrāpi nānātvaṃ tan me brūhi pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Ist die Welt der Rechtschaffenen nur eine, oder [gibt es] alle [möglichen Welten], Großvater? Gibt es auch dort Verschiedenheit? Das sage mir, Großvater.“
Bhīṣma sprach: „Nach den Werken, Pārtha, [richtet sich] die Verschiedenheit der Welten, in die die Menschen gehen: Die Tugendhaftes Tuenden gehen in verdienstvolle [Welten], die Böses Tuenden in üble.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
karmabhiḥ pārtha nānātvam
durch [die] Werke, Sohn der Pṛthā, Verschiedenheit (Instr.Pl. / Vok. / Nom.)
lokānāṃ yānti mānavāḥ
der Welten gehen die Menschen (Gen.Pl. / 3.Pl.Präs. / Nom.Pl.)
puṇyān puṇyakṛto yānti
in verdienstvolle [Welten] gehen die Gutes Tuenden (Akk.Pl. / Nom.Pl. / 3.Pl.)
pāpān pāpakṛto janāḥ
in üble [Welten] die Böses Tuenden, die Leute (Akk.Pl. / Nom.Pl.)
Ein gewisser Brahmane, Gautama, sanftmütig, selbstbeherrscht, die Sinne bezwingend, [fand] im großen Wald ein Elefantenjunges, verwaist und sehr bedrückt, ohne Mutter.
Wort für Wort
brāhmaṇo gautamaḥ kaś cin
ein Brahmane, Gautama, ein gewisser (Nom.Sg.)
mṛdur dānto jitendriyaḥ
sanft, bezähmt, die Sinne besiegt habend (Nom.Sg.)
mahāvane
im großen Wald (Lok.Sg.)
hastiśiśuṃ paridyūnam amātṛkam
ein Elefantenjunges, bedrückt, mutterlos (Akk.Sg.)
Das Prädikat steht erst in Vers 5 (dṛṣṭvā jīvayām āsa).
taṃ dṛṣṭvā jīvayām āsa sānukrośo dhṛtavrataḥ; sa tu dīrgheṇa kālena babhūvātibalo mahān
Als er es sah, brachte er es voll Mitleid, [in seinem] festen Gelübde, wieder zum Leben [d. h. zog es auf]; mit der Zeit aber wurde es sehr stark und groß.
Wort für Wort
taṃ dṛṣṭvā
es gesehen habend (Abs.)
jīvayām āsa
brachte am Leben / zog auf (Perf.Kaus.)
sānukrośo dhṛtavrataḥ
mitleidsvoll, fest im Gelübde (Nom.Sg.)
sa tu dīrgheṇa kālena
er aber [= das Tier] im Lauf langer Zeit (Nom. / Instr.Sg.)
Diesen brünstigen großen Elefanten, dem der Brunstsaft überall herabfloss, ergriff Śakra in der Gestalt des Dhṛtarāṣṭra [und nahm] das Tier [mit sich].
Wort für Wort
taṃ prabhinnaṃ mahānāgam
ihn, brünstig, großen Elefanten (Akk.Sg.)
prasrutaṃ sarvato madam
[dem] herabgeflossen war überall der Brunstsaft (Part.Pass. / Akk.Sg.)
dhṛtarāṣṭrasya rūpeṇa
in der Gestalt des Dhṛtarāṣṭra (Instr.Sg.)
śakro jagrāha hastinam
Śakra ergriff den Elefanten (Perf. / Akk.Sg.)
prasrutaṃ madam bezieht sich als Bahuvrīhi-Attribut auf den Elefanten (wörtlich: „dem der Brunstsaft geflossen war“).
„Nimm mir diesen Elefanten nicht weg, [meinen] Sohn, der unter Mühsal aufgezogen wurde, undankbarer Dhṛtarāṣṭra! Freundschaft, sagen die Guten, [besteht schon] bei sieben Schritten; Verrat am Freund möge dich, König, keinesfalls berühren.“
Wort für Wort
mā me hārṣīr
nimm mir nicht weg (Prohib.Aor.)
hastinaṃ putram enam
diesen Elefanten, [meinen] Sohn (Akk.Sg.)
duḥkhāt puṣṭaṃ dhṛtarāṣṭrākṛtajña
aus Mühsal genährt, Dhṛtarāṣṭra, Undankbarer (Abl. / Part.Pass. / Vok.)
mitraṃ satāṃ saptapadaṃ vadanti
Freund [ist man] für die Guten nach sieben Schritten, sagen sie (Gen.Pl. / 3.Pl.)
mitradroho naiva rājan spṛśet tvām
Freundesverrat möge dich nicht berühren, König (Nom.Sg. / Opt. / Vok.)
saptapadam: „sieben Schritte“ begründen nach verbreiteter Auffassung Freundschaft; Wiedergabe sinngemäß.
[Ihn,] der mir Brennholz und Wasser brachte, im Einsiedlerhain die Leere hütete, im Haus des Lehrers wohlerzogen war und dem Dienst am Lehrer treu ergeben,
Wort für Wort
idhmodakapradātāram
der Brennholz und Wasser Gebende (Akk.Sg.)
śūnyapālakam āśrame
[der] das Leere hütet, im Einsiedlerhain (Akk.Sg. / Lok.Sg.)
vinītam ācāryakule
wohlerzogen im Haus des Lehrers (Akk.Sg. / Lok.Sg.)
suyuktaṃ gurukarmaṇi
gut eingesetzt / eifrig im Dienst am Lehrer (Akk.Sg. / Lok.Sg.)
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Tausend Kühe gebe ich dir, hundert Dienerinnen, fünfhundert Niṣkas [Goldstücke] und anderen Besitz, mannigfaltigen, großer Seher; was soll ein Brahmane hier mit einem Elefanten?“
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach
gavāṃ sahasraṃ bhavate dadāmi
tausend Kühe dir gebe ich (Gen.Pl. / Nom.Sg. / Dat.Sg. / 1.Sg.)
dāsīśataṃ niṣkaśatāni pañca
hundert Dienerinnen, fünf Hundert Niṣkas (Akk.)
anyac ca vittaṃ vividhaṃ maharṣe
und anderen Besitz, verschiedenen, großer Seher (Akk.Sg. / Vok.)
kiṃ brāhmaṇasyeha gajena kṛtyam
was [ist] für einen Brahmanen hier mit einem Elefanten zu tun (Gen.Sg. / Instr.Sg. / Nom.Sg.n.)
gautama uvāca; tvām eva gāvo 'bhi bhavantu rājan; dāsyaḥ saniṣkā vividhaṃ ca ratnam; anyac ca vittaṃ vividhaṃ narendra; kiṃ brāhmaṇasyeha dhanena kṛtyam
Gautama sprach: „Dir selbst sollen die Kühe gehören, König, [ebenso] die Dienerinnen samt Halsschmuck und die vielfältigen Juwelen; und [auch] den anderen Besitz, den mannigfaltigen, Herrscher der Menschen: was soll ein Brahmane hier mit Reichtum?“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach
tvām eva gāvo 'bhi bhavantu rājan
dir selbst sollen die Kühe zufallen, König (Akk. / Nom.Pl. / Imp.3.Pl. / Vok.)
dāsyaḥ saniṣkā vividhaṃ ca ratnam
Dienerinnen mit Halsschmuck und Juwelen mannigfaltig (Nom.Pl.f. / Nom.Sg.n.)
anyac ca vittaṃ vividhaṃ narendra
und anderer Besitz, mannigfaltiger, Herr der Menschen (Nom.Sg.n. / Vok.)
kiṃ brāhmaṇasyeha dhanena kṛtyam
was soll ein Brahmane hier mit Reichtum (Gen.Sg. / Instr.Sg.)
tvām eva … abhi bhavantu: „dir sollen zufallen / dich sollen überkommen“; Konstruktion mit abhi-bhū ungewöhnlich, Wiedergabe sinngemäß [?].
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Brahmanen haben mit Elefanten nichts zu schaffen; für Kṣatriyas gibt es Elefantengeschlechter, Weiser. Wer sein eigenes Reittier fortführt, begeht kein Unrecht; lass ab, Gautama, von uns [wegen] des besten der Elefanten.“
Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ hastibhir nāsti kṛtyam
für Brahmanen mit Elefanten gibt es keinen Nutzen (Gen.Pl. / Instr.Pl.)
gautama uvāca; yatra preto nandati puṇyakarmā; yatra pretaḥ śocati pāpakarmā; vaivasvatasya sadane mahātmanas; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Wo der Verstorbene sich freut, der Gutes getan hat, wo der Verstorbene klagt, der Böses getan hat, im Haus des großen Vaivasvata [Yama]: dort werde ich [von] dir den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
yatra preto nandati puṇyakarmā
wo der Verstorbene sich freut, der Gutes Wirkende (Nom.Sg. / 3.Sg.)
yatra pretaḥ śocati pāpakarmā
wo der Verstorbene klagt, der Böses Wirkende (3.Sg.)
vaivasvatasya sadane mahātmanaḥ
im Haus des Vaivasvata, des Hochgesinnten (Gen.Sg. / Lok.Sg.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückverlangen lassen (Fut.Kaus.)
yātayati: zurückgeben lassen, vergelten, heimzahlen; hier „zurückfordern / abverlangen“ [?]. Sinngemäß auch in den folgenden Versen.
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye niṣkriyā nāstikāḥ śraddadhānāḥ; pāpātmāna indriyārthe niviṣṭāḥ; yamasya te yātanāṃ prāpnuvanti; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Untätigen, die Nihilisten, die [Ungläubigen; wörtlich: Gläubigen] [?], die Bösgesinnten, die in die Sinnengegenstände Versunkenen, sie erlangen Yamas Marter; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin.“
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach
ye niṣkriyā nāstikāḥ śraddadhānāḥ
die Untätigen, Nihilisten, Glaubenden [?] (Nom.Pl.)
pāpātmāna indriyārthe niviṣṭāḥ
Bösgesinnte, in Sinnengegenstände vertieft (Nom.Pl. / Lok.Sg. / Part.Pass.)
yamasya te yātanāṃ prāpnuvanti
Yamas Marter erlangen sie (Gen.Sg. / Akk.Sg. / 3.Pl.)
paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
weiter wird gehen Dhṛtarāṣṭra, nicht dorthin (Fut.-Part. / Nom.Sg.)
śraddadhānāḥ steht wörtlich „Glaubende“, im Kontext wäre „aśraddadhānāḥ“ zu erwarten; Text möglicherweise verderbt [?].
Gautama sprach: „Die vaivasvatische Saṃyamanī [Stadt Yamas] der Menschen, wo Unwahres nicht gesprochen wird, wo Wahrheit, wo die Schwachen den Starken zur Rechenschaft ziehen: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
vaivasvatī saṃyamanī janānām
die Vaivasvata-Stadt Saṃyamanī der Menschen (Nom.Sg.f. / Gen.Pl.)
yatrānṛtaṃ nocyate yatra satyam
wo Unwahres nicht gesagt wird, wo Wahres (Pass.3.Sg.)
yatrābalā balinaṃ yātayanti
wo Schwache den Starken zur Rechenschaft ziehen (Nom.Pl. / Akk.Sg. / 3.Pl.Kaus.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
dhṛtarāṣṭra uvāca; jyeṣṭhāṃ svasāraṃ pitaraṃ mātaraṃ ca; guruṃ yathā mānayantaś caranti; tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die ältere Schwester, den Vater und die Mutter und den Lehrer, wie [einen Guru], ehrend wandeln: für solche [Menschen] ist diese Welt, großer Seher; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin.“
Wort für Wort
jyeṣṭhāṃ svasāraṃ pitaraṃ mātaraṃ ca
die ältere Schwester, den Vater und die Mutter (Akk.Sg.)
guruṃ yathā mānayantaś caranti
den Lehrer wie ehrend gehen sie umher (Akk.Sg. / Part.Präs. / 3.Pl.)
tathāvidhānām eṣa loko maharṣe
für derartige [Menschen] ist diese Welt, großer Seher (Gen.Pl. / Nom.Sg. / Vok.)
paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
weiter wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin
yathā guruṃ: wohl „wie einen Guru [ehren]“, d. h. alle genannten Personen wie den Lehrer.
gautama uvāca; mandākinī vaiśravaṇasya rājño; mahābhogā bhogijanapraveśyā; gandharvayakṣair apsarobhiś ca juṣṭā; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Die Mandākinī des Königs Vaiśravaṇa [Kubera], reich an Windungen [o. Genüssen], von den Schlangenwesen zu betreten, von Gandharven, Yakṣas und Apsaras besucht: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
mandākinī vaiśravaṇasya rājñaḥ
die Mandākinī des Königs Vaiśravaṇa (Nom.Sg.f. / Gen.Sg.)
mahābhogā bhogijanapraveśyā
großwindig / genussreich, von Schlangenvolk zu betreten (Nom.Sg.f.)
gandharvayakṣair apsarobhiś ca juṣṭā
von Gandharven, Yakṣas und Apsaras besucht (Instr.Pl. / Part.Pass.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
bhoga: Genuss, aber auch Schlangenleib/Windung; bhogin: Schlange – Doppeldeutigkeit [?].
dhṛtarāṣṭra uvāca; atithivratāḥ suvratā ye janā vai; pratiśrayaṃ dadati brāhmaṇebhyaḥ; śiṣṭāśinaḥ saṃvibhajyāśritāṃś ca; mandākinīṃ te 'pi vibhūṣayanti
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Menschen, die dem Gastgelübde und guten Gelübden folgen, die den Brahmanen Obdach geben, die Reste essen, nachdem sie mit den Abhängigen geteilt haben: auch sie zieren die Mandākinī.“
Wort für Wort
atithivratāḥ suvratā ye janā vai
dem Gastgelübde treu, gut im Gelübde, die Leute (Nom.Pl.)
pratiśrayaṃ dadati brāhmaṇebhyaḥ
Obdach geben sie den Brahmanen (Akk.Sg. / 3.Pl. / Dat.Pl.)
śiṣṭāśinaḥ saṃvibhajyāśritāṃś ca
Reste Essende, nachdem sie geteilt haben mit den Abhängigen (Nom.Pl. / Abs. / Akk.Pl.)
gautama uvāca; meror agre yad vanaṃ bhāti ramyaṃ; supuṣpitaṃ kiṃnaragītajuṣṭam; sudarśanā yatra jambūr viśālā; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Der Wald, der vor [d. h. auf dem Gipfel des] Meru prächtig erscheint, reich an Blüten, von Kiṃnara-Gesängen besucht, wo der große Sudarśanā-Rosenapfelbaum [steht]: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
meror agre yad vanaṃ bhāti ramyam
auf dem Gipfel des Meru, der Wald, der erstrahlt, reizend (Gen.Sg. / Lok.Sg.)
supuṣpitaṃ kiṃnaragītajuṣṭam
reich erblüht, von Kiṃnara-Gesängen besucht (Nom.Sg.n.)
sudarśanā yatra jambūr viśālā
wo der Jambū-Baum Sudarśanā, weit (Nom.Sg.f.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye brāhmaṇā mṛdavaḥ satyaśīlā; bahuśrutāḥ sarvabhūtābhirāmāḥ; ye 'dhīyante setihāsaṃ purāṇaṃ; madhvāhutyā juhvati ca dvijebhyaḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Brahmanen, die sanft sind, wahrhaftig von Wesen, vielgelehrt, allen Wesen willkommen, die samt Itihāsa die Purāṇa studieren und den Zweimalgeborenen mit Honigopfer opfern [?],
Wort für Wort
ye brāhmaṇā mṛdavaḥ satyaśīlāḥ
die Brahmanen, sanft, wahrhaftig im Wesen (Nom.Pl.)
bahuśrutāḥ sarvabhūtābhirāmāḥ
vielgelehrt, allen Wesen erfreulich (Nom.Pl.)
ye 'dhīyante setihāsaṃ purāṇam
die studieren samt Itihāsa das Purāṇa (3.Pl.Med. / Akk.Sg.)
madhvāhutyā juhvati ca dvijebhyaḥ
und mit Honigspende opfern sie / für die Zweimalgeborenen (Instr.Sg. / 3.Pl. / Dat.Pl.)
juhvati ca dvijebhyaḥ: „opfern … den Zweimalgeborenen“ (Bewirtung als Opfer) unklar [?].
tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra; yad vidyate viditaṃ sthānam asti; tad brūhi tvaṃ tvarito hy eṣa yāmi
für derartige [Menschen] ist diese Welt, großer Seher; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin. Welcher bekannte Ort auch immer besteht, den nenne, denn ich gehe in Eile [weiter].“
Wort für Wort
tathāvidhānām eṣa loko maharṣe
für derartige ist diese Welt, großer Seher
paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
weiter wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin
yad vidyate viditaṃ sthānam asti
welcher Ort, der bekannt ist, existiert (3.Sg.Pass. / Part.Pass. / 3.Sg.)
tad brūhi tvaṃ tvarito hy eṣa yāmi
den nenne du, denn ich gehe eilig (Imp. / Nom.Sg. / 1.Sg.)
Sinn des letzten Pādas etwas unsicher: „ich gehe in Eile“ [?].
gautama uvāca; supuṣpitaṃ kiṃnararājajuṣṭaṃ; priyaṃ vanaṃ nandanaṃ nāradasya; gandharvāṇām apsarasāṃ ca sadma; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Der blütenreiche, von Kiṃnara-Königen besuchte, liebe Nandana-Wald des Nārada, die Stätte der Gandharven und Apsaras: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
supuṣpitaṃ kiṃnararājajuṣṭam
reich erblüht, von Kiṃnara-Königen besucht (Akk./Nom.Sg.n.)
priyaṃ vanaṃ nandanaṃ nāradasya
der liebe Wald Nandana des Nārada (Nom.Sg.n. / Gen.Sg.)
gandharvāṇām apsarasāṃ ca sadma
Wohnsitz der Gandharven und Apsaras (Gen.Pl. / Nom.Sg.n.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye nṛttagītakuśalā janāḥ sadā; hy ayācamānāḥ sahitāś caranti; tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Menschen, die in Tanz und Gesang geschickt sind und immer, ohne zu betteln, vereint umherziehen: für derartige [Menschen] ist diese Welt, großer Seher; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin.“
Wort für Wort
ye nṛttagītakuśalā janāḥ sadā
die in Tanz und Gesang geschickt, die Leute, stets (Nom.Pl.)
hy ayācamānāḥ sahitāś caranti
ohne zu bitten, vereint gehen sie umher (Part.Präs.Med. / Nom.Pl. / 3.Pl.)
gautama uvāca; yatrottarāḥ kuravo bhānti ramyā; devaiḥ sārdhaṃ modamānā narendra; yatrāgniyaunāś ca vasanti viprā; hy ayonayaḥ parvatayonayaś ca
Gautama sprach: „Wo die nördlichen Kurus lieblich erstrahlen, mit den Göttern zusammen sich freuend, Herr der Menschen, und wo die Feuergeborenen Brahmanen wohnen, [auch] die nicht aus dem Schoß Geborenen und die Bergegeborenen:
Wort für Wort
yatrottarāḥ kuravo bhānti ramyāḥ
wo die nördlichen Kurus erstrahlen, lieblich (Nom.Pl.)
devaiḥ sārdhaṃ modamānā narendra
mit den Göttern zusammen sich freuend, Herr der Menschen (Instr.Pl. / Part.Präs. / Vok.)
yatrāgniyaunāś ca vasanti viprāḥ
und wo die Feuergeborenen wohnen, die Brahmanen (Nom.Pl. / 3.Pl.)
hy ayonayaḥ parvatayonayaś ca
die Schoßlosen [= nicht aus dem Schoß Geborenen] und die Bergegeborenen (Nom.Pl.)
Der Nachsatz „dort werde ich … zurückfordern“ folgt in Vers 26.
wo Śakra alle Wünsche regnen lässt, wo die Frauen nach Belieben umherziehen und wo es unter Frauen und Männern keinen Neid gibt: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
yatra śakro varṣati sarvakāmān
wo Śakra regnen lässt alle Wünsche (3.Sg. / Akk.Pl.)
yatra striyaḥ kāmacārāś caranti
wo die Frauen nach Belieben wandelnd umhergehen (Nom.Pl.)
yatra cerṣyā nāsti nārīnarāṇām
und wo Neid nicht ist unter Frauen und Männern (Nom.Sg. / Gen.Pl.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye sarvabhūteṣu nivṛttakāmā; amāṃsādā nyastadaṇḍāś caranti; na hiṃsanti sthāvaraṃ jaṅgamaṃ ca; bhūtānāṃ ye sarvabhūtātmabhūtāḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die, die gegenüber allen Wesen von Begierden abgelassen haben, kein Fleisch essen, die Waffe [Stock] niedergelegt haben, wandeln, weder Unbewegliches noch Bewegliches verletzen und die unter den Wesen sich mit allen Wesen als Selbst eins wissen,
Wort für Wort
ye sarvabhūteṣu nivṛttakāmāḥ
die gegenüber allen Wesen von Begierden abgelassen haben (Nom.Pl. / Lok.Pl.)
amāṃsādā nyastadaṇḍāś caranti
Nicht-Fleischesser, den Stock niedergelegt, gehen umher (Nom.Pl. / 3.Pl.)
na hiṃsanti sthāvaraṃ jaṅgamaṃ ca
nicht verletzen sie Unbewegliches und Bewegliches (3.Pl. / Akk.Sg.)
bhūtānāṃ ye sarvabhūtātmabhūtāḥ
die unter den Wesen mit allen Wesen als Selbst geworden sind (Gen.Pl. / Nom.Pl.)
sarvabhūtātmabhūta: „der das Selbst aller Wesen geworden ist“ bzw. „alle Wesen als sein Selbst ansieht“; Sinn nach Kontext [?].
nirāśiṣo nirmamā vītarāgā; lābhālābhe tulyanindāpraśaṃsāḥ; tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
wunschlos, ohne Besitzdenken, frei von Leidenschaft, in Gewinn und Verlust, Tadel und Lob gleichmütig: für derartige [Menschen] ist diese Welt, großer Seher; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin.“
Wort für Wort
nirāśiṣo nirmamā vītarāgāḥ
ohne Wünsche, ohne Mein-Denken, leidenschaftsfrei (Nom.Pl.)
lābhālābhe tulyanindāpraśaṃsāḥ
in Gewinn und Verlust, gleich in Tadel und Lob (Lok.Sg. / Nom.Pl.)
Gautama sprach: „Darüber hinaus erstrahlen ewige Welten, von sehr heiligem Duft, makellos, frei von Kummer, im Haus des Königs Soma, des Hochgesinnten: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
tataḥ paraṃ bhānti lokāḥ sanātanāḥ
darüber hinaus erstrahlen ewige Welten (3.Pl. / Nom.Pl.)
supuṇyagandhā nirmalā vītaśokāḥ
sehr wohlduftend-heilig, makellos, kummerfrei (Nom.Pl.)
somasya rājñaḥ sadane mahātmanaḥ
im Haus des Königs Soma, des Hochgesinnten (Gen.Sg. / Lok.Sg.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye dānaśīlā na pratigṛhṇate sadā; na cāpy arthān ādadate parebhyaḥ; yeṣām adeyam arhate nāsti kiṃ cit; sarvātithyāḥ suprasādā janāś ca
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Menschen, die der Freigebigkeit ergeben sind, nie annehmen und auch von anderen keine Güter nehmen, denen dem Würdigen gegenüber nichts unschenkbar ist, die gastfreundlich gegen alle und sehr gnädig sind,
Wort für Wort
ye dānaśīlā na pratigṛhṇate sadā
die der Freigebigkeit ergeben sind, nie annehmen (Nom.Pl. / 3.Pl.Med.)
na cāpy arthān ādadate parebhyaḥ
und nicht nehmen sie Güter von anderen (Akk.Pl. / 3.Pl. / Abl.Pl.)
yeṣām adeyam arhate nāsti kiṃ cit
denen nichts dem Würdigen Unschenkbares ist (Gen.Pl. / Dat.Sg.)
sarvātithyāḥ suprasādā janāś ca
gastfreundlich gegen alle, sehr huldvoll, die Leute (Nom.Pl.)
sarvātithyāḥ: Lesart/Bedeutung nicht ganz sicher („allen Gastfreundschaft gewährend“) [?].
ye kṣantāro nābhijalpanti cānyāñ; śaktā bhūtvā satataṃ puṇyaśīlāḥ; tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
die Duldsamen, die, obwohl mächtig, andere nie beschimpfen, stets rechtschaffen: für derartige [Menschen] ist diese Welt, großer Seher; weiter [als dorthin] wird Dhṛtarāṣṭra gehen, nicht dorthin.“
Wort für Wort
ye kṣantāro nābhijalpanti cānyān
die Geduldigen, die andere nicht schmähen (Nom.Pl. / 3.Pl. / Akk.Pl.)
Gautama sprach: „Darüber hinaus erstrahlen ewige Welten, staubfrei, dunkelheitsfrei, kummerlos, des Āditya [Sonne], sehr groß und wohlgeordnet: dort werde ich [von dir] den Elefanten zurückfordern.“
Wort für Wort
tataḥ paraṃ bhānti lokāḥ sanātanāḥ
darüber hinaus erstrahlen ewige Welten
virajaso vitamaskā viśokāḥ
staubfrei, finsternisfrei, kummerlos (Nom.Pl.)
ādityasya sumahāntaḥ suvṛttāḥ
des Āditya, sehr groß, wohlgeordnet (Gen.Sg. / Nom.Pl.)
tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
dort werde ich von dir den Elefanten zurückfordern
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die dem Selbststudium ergeben sind, am Dienst am Lehrer Freude haben, die Asketen, von guten Gelübden, der Wahrheit verpflichtet, den Lehrern nicht widersprechend redend, stets aufgestanden [und bereit], bei den Aufgaben für den Lehrer ungeheißen [tätig] –
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
svādhyāyaśīlā guruśuśrūṣaṇe ratāḥ
dem Selbststudium ergeben, am Dienst am Lehrer erfreut (Nom.Pl.; Lok.Sg.)
tapasvinaḥ suvratāḥ satyasaṃdhāḥ
Asketen, von guten Gelübden, der Wahrheit verpflichtet (Nom.Pl.)
ācāryāṇām apratikūlabhāṣiṇaḥ
den Lehrern nicht widersprechend redend (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
nityotthitā gurukarmasu acodyāḥ
stets aufgestanden, bei den Aufgaben für den Lehrer ungeheißen (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
tathāvidhānām eṣa loko maharṣe; viśuddhānāṃ bhāvitavāṅmatīnām; satye sthitānāṃ vedavidāṃ mahātmanāṃ; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
für solche ist diese Welt, großer Seher: für die Geläuterten, deren Rede und Geist geschult sind, die in der Wahrheit Stehenden, die Veda-Kundigen, Hochgesinnten. Dhṛtarāṣṭra wird darüber hinaus [zu Höherem] gelangen, nicht dorthin [gehört er].“
Wort für Wort
tathāvidhānām eṣa lokaḥ maharṣe
für solcherart [Leute] ist diese Welt, großer Seher (Gen.Pl.; Nom.Sg.; Vok.Sg.)
viśuddhānāṃ bhāvitavāṅmatīnām
der Geläuterten, deren Rede und Denken geschult sind (Gen.Pl.)
satye sthitānāṃ vedavidāṃ mahātmanām
der in der Wahrheit Stehenden, Veda-Kundigen, Hochgesinnten (Lok.Sg.; Gen.Pl.)
param gantā dhṛtarāṣṭraḥ na tatra
darüber hinaus wird gehen Dhṛtarāṣṭra, nicht dorthin (Nom.Sg. Agens-Part.; Adv.)
paraṃ gantā: Deutung als „wird darüber hinausgehen“ (Refrain); Sinn nicht ganz sicher.
gautama uvāca; tataḥ pare bhānti lokāḥ sanātanāḥ; supuṇyagandhā virajā viśokāḥ; varuṇasya rājñaḥ sadane mahātmanas; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Darüber hinaus leuchten ewige Welten, von sehr heiligem Duft, staubfrei, ohne Kummer, im Hause des Königs Varuṇa, des Hochgesinnten; dort werde ich den Elefanten [dir] abfordern [oder: zur Vergeltung bringen].“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
tataḥ pare bhānti lokāḥ sanātanāḥ
darüber hinaus leuchten Welten, ewige (Adv.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
supuṇyagandhā virajā viśokāḥ
von sehr heiligem Duft, staubfrei, kummerlos (Nom.Pl.)
varuṇasya rājñaḥ sadane mahātmanaḥ
im Hause des Königs Varuṇa, des Hochgesinnten (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
tatra tu aham hastinaṃ yātayiṣye
dort aber werde ich den Elefanten einfordern (Adv.; 1.Sg.Fut. Kaus.; Akk.Sg.)
yātayiṣye: Kausativ von yat, „zurückfordern, zur Vergeltung bringen“; Bedeutung an dieser Stelle [?].
dhṛtarāṣṭra uvāca; cāturmāsyair ye yajante janāḥ sadā; tatheṣṭīnāṃ daśaśataṃ prāpnuvanti; ye cāgnihotraṃ juhvati śraddadhānā; yathānyāyaṃ trīṇi varṣāṇi viprāḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Menschen, die stets mit den Cāturmāsya-Opfern opfern, erlangen ebenso tausend [wörtl. zehnhundert] Iṣṭi-Opfer; und die Brahmanen, die gläubig das Agnihotra darbringen, drei Jahre lang, nach der Regel –
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
cāturmāsyaiḥ ye yajante janāḥ sadā
mit den Cāturmāsya-Opfern, die opfern, Menschen, stets (Instr.Pl.; 3.Pl.Med.; Nom.Pl.)
tathā iṣṭīnāṃ daśaśataṃ prāpnuvanti
ebenso von Iṣṭi-Opfern tausend erlangen sie (Gen.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.)
ye ca agnihotraṃ juhvati śraddadhānāḥ
und die das Agnihotra darbringen, gläubig (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
yathānyāyaṃ trīṇi varṣāṇi viprāḥ
regelgemäß, drei Jahre [lang], die Brahmanen (Adv.; Akk.Pl.; Nom.Pl.)
Der Satz wird in 37 fortgeführt; Konstruktion und iṣṭīnām [?] unsicher.
svadāriṇāṃ dharmadhure mahātmanāṃ; yathocite vartmani susthitānām; dharmātmanām udvahatāṃ gatiṃ tāṃ; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
die Hochgesinnten, die im Joch der Pflicht bei ihren eigenen Frauen [stehen], die auf dem geziemenden Pfad fest stehen, die Rechtschaffenen, die jenen Weg [der Pflicht] tragen: Dhṛtarāṣṭra wird darüber hinaus gelangen, nicht dorthin [gehört er].“
Wort für Wort
svadāriṇāṃ dharmadhure mahātmanām
der [bei] den eigenen Frauen im Joch der Pflicht [Stehenden], Hochgesinnten (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
yathocite vartmani susthitānām
auf dem geziemenden Pfad fest Stehenden (Lok.Sg.; Gen.Pl.)
dharmātmanām udvahatāṃ gatiṃ tām
der Rechtschaffenen, die tragen, jenen Weg (Gen.Pl.; Part.Präs. Gen.Pl.; Akk.Sg.)
paraṃ gantā dhṛtarāṣṭraḥ na tatra
darüber hinaus wird gehen Dhṛtarāṣṭra, nicht dorthin (Nom.Sg.; Adv.)
Die Genitive hängen von der Zielwelt ab (gatiṃ tām [?]); Konstruktion der Strophe locker.
Gautama sprach: „Indras Welten sind staubfrei und kummerlos, schwer zu erreichen [wörtl. schwer in der Folge], von den Menschen ersehnt; in seinem Haus, des überaus Strahlenden, o König, werde ich diesen Elefanten [dir] abfordern.“
dhṛtarāṣṭra uvāca; śatavarṣajīvī yaś ca śūro manuṣyo; vedādhyāyī yaś ca yajvāpramattaḥ; ete sarve śakralokaṃ vrajanti; paraṃ gantā dhṛtarāṣṭro na tatra
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Auch der Mann, der hundert Jahre lebt und tapfer ist, wer Veda-Studierender und Opferer und unachtsam nicht ist [d. h. wachsam] – diese alle gehen in die Welt Śakras; Dhṛtarāṣṭra wird darüber hinaus gelangen, nicht dorthin [gehört er].“
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
śatavarṣajīvī yaḥ ca śūraḥ manuṣyaḥ
wer hundert Jahre lebt und tapfer ist, ein Mensch (Nom.Sg.)
vedādhyāyī yaḥ ca yajvā apramattaḥ
wer den Veda studiert und opfert, unachtsam nicht [=achtsam] (Nom.Sg.)
ete sarve śakralokaṃ vrajanti
diese alle gehen in die Welt Śakras (Nom.Pl.; Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
paraṃ gantā dhṛtarāṣṭraḥ na tatra
darüber hinaus wird gehen Dhṛtarāṣṭra, nicht dorthin (Nom.Sg.; Adv.)
Gautama sprach: „Es gibt die großen Welten des Prajāpati auf dem Rücken des Himmelsgewölbes, weite, kummerfreie, ersehnt von allen aus den Welten Hervorgegangenen; dort werde ich den Elefanten [dir] abfordern.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
prājāpatyāḥ santi lokāḥ mahāntaḥ
die des Prajāpati gibt es, Welten, große (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
nākasya pṛṣṭhe puṣkalāḥ vītaśokāḥ
auf dem Rücken des Himmels, reichlich, kummerfrei (Gen.Sg.; Lok.Sg.; Nom.Pl.)
manīṣitāḥ sarvalokodbhavānām
ersehnt von allen aus den Welten Entstandenen (Nom.Pl. Part.; Gen.Pl.)
tatra tu aham hastinaṃ yātayiṣye
dort aber werde ich den Elefanten einfordern (Adv.; 1.Sg.Fut. Kaus.)
sarvalokodbhavānām: „von allen, die in den Welten entstehen“ [?].
dhṛtarāṣṭra uvāca; ye rājāno rājasūyābhiṣiktā; dharmātmāno rakṣitāraḥ prajānām; ye cāśvamedhāvabhṛthāplutāṅgās; teṣāṃ lokā dhṛtarāṣṭro na tatra
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die Könige, die durch das Rājasūya geweiht sind, die rechtschaffenen Schützer der Geschöpfe, und die, deren Glieder im Abschlussbad (avabhṛtha) des Aśvamedha gebadet sind – deren Welten [sind jene]; Dhṛtarāṣṭra [gehört] nicht dorthin.“
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
ye rājānaḥ rājasūyābhiṣiktāḥ
die Könige, die durch das Rājasūya Geweihten (Nom.Pl.; Part.Pass. Nom.Pl.)
dharmātmānaḥ rakṣitāraḥ prajānām
rechtschaffen, Schützer der Geschöpfe (Nom.Pl.; Gen.Pl.)
ye ca aśvamedhāvabhṛthāplutāṅgāḥ
und die, deren Glieder im Abschlussbad des Aśvamedha gebadet sind (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
teṣāṃ lokāḥ dhṛtarāṣṭraḥ na tatra
deren Welten [sind es]; Dhṛtarāṣṭra nicht dort (Gen.Pl.; Nom.Pl.; Nom.Sg.)
Halbvers d: das Prädikat fehlt, ergänzt nach dem Refrain (paraṃ gantā) [?].
Gautama sprach: „Darüber hinaus leuchten ewige Welten, von sehr heiligem Duft, staubfrei, kummerlos; in dieser schwer erreichbaren, unbezwingbaren Welt der Kühe werde ich den Elefanten [dir] abfordern.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
tataḥ param bhānti lokāḥ sanātanāḥ
darüber hinaus leuchten Welten, ewige (Adv.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
supuṇyagandhā virajā vītaśokāḥ
von sehr heiligem Duft, staubfrei, kummerfrei (Nom.Pl.)
tasmin aham durlabhe tu apradhṛṣye
in dieser, ich, schwer erreichbaren, unbezwingbaren [Welt] (Lok.Sg.; Lok.Sg.)
gavāṃ loke hastinaṃ yātayiṣye
in der Welt der Kühe den Elefanten werde ich einfordern (Gen.Pl.; Lok.Sg.; Akk.Sg.; 1.Sg.Fut.)
dhṛtarāṣṭra uvāca; yo gosahasrī śatadaḥ samāṃ samāṃ; yo gośatī daśa dadyāc ca śaktyā; tathā daśabhyo yaś ca dadyād ihaikāṃ; pañcabhyo vā dānaśīlas tathaikām
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Wer tausend Kühe besitzt und Jahr für Jahr hundert [davon] gibt, wer hundert Kühe besitzt und zehn nach Kräften gäbe, ebenso wer von zehn hier eine gäbe, oder wer, dem Geben ergeben, von fünf ebenso eine [gäbe] –
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
yaḥ gosahasrī śatadaḥ samāṃ samām
wer tausend Kühe hat, hundert gibt, Jahr für Jahr (Nom.Sg.; Nom.Sg.; Akk.Sg. distributiv)
yaḥ gośatī daśa dadyāt ca śaktyā
wer hundert Kühe hat, zehn geben würde, nach Vermögen (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.; Instr.Sg.)
tathā daśabhyaḥ yaḥ ca dadyāt iha ekām
ebenso wer von zehn hier eine geben würde (Abl.Pl.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.f.)
pañcabhyaḥ vā dānaśīlaḥ tathā ekām
oder von fünf, dem Geben ergeben, ebenso eine (Abl.Pl.; Nom.Sg.; Akk.Sg.f.)
ye jīryante brahmacaryeṇa viprā; brāhmīṃ vācaṃ parirakṣanti caiva; manasvinas tīrthayātrāparāyaṇās; te tatra modanti gavāṃ vimāne
und die Brahmanen, die durch Keuschheit [Brahmacarya] altern, die auch das Heilige Wort [den Veda] behüten, die Geistesstarken, auf Pilgerfahrten zu heiligen Furten hingegeben: die freuen sich dort in der Himmelsburg der Kühe.“
Wort für Wort
ye jīryante brahmacaryeṇa viprāḥ
die altern durch Keuschheit, Brahmanen (3.Pl.Pass./Med.; Instr.Sg.; Nom.Pl.)
brāhmīṃ vācaṃ parirakṣanti ca eva
das heilige Wort behüten sie auch (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.)
manasvinaḥ tīrthayātrāparāyaṇāḥ
die Geistesstarken, auf Pilgerfahrten zu heiligen Furten Hingegebenen (Nom.Pl.)
te tatra modanti gavāṃ vimāne
sie freuen sich dort in der Himmelsburg der Kühe (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Gen.Pl.; Lok.Sg.)
ye jīryante brahmacaryeṇa: „altern in/durch Brahmacarya“, d. h. ein Leben lang enthaltsam [?].
tatra te divyasaṃsthānā divyamālyadharāḥ śivāḥ; prayānti puṇyagandhāḍhyā dhṛtarāṣṭro na tatra vai
dort [gelangen] sie, von göttlicher Gestalt, göttliche Kränze tragend, glückverheißend, reich an heiligem Duft; Dhṛtarāṣṭra [gelangt] aber nicht dorthin.“
gautama uvāca; yatra śītabhayaṃ nāsti na coṣṇabhayam aṇv api; na kṣutpipāse na glānir na duḥkhaṃ na sukhaṃ tathā
Gautama sprach: „Wo es keine Furcht vor Kälte gibt und auch nicht die geringste Furcht vor Hitze, weder Hunger noch Durst, noch Erschöpfung, weder Leid noch ebenso Glück,
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
yatra śītabhayaṃ na asti
wo Furcht vor Kälte nicht ist (Adv.; Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
na ca uṣṇabhayam aṇu api
und keine Furcht vor Hitze, auch nur die geringste (Nom.Sg.; Adv.)
na kṣutpipāse na glāniḥ
weder Hunger noch Durst, keine Erschöpfung (Nom.Du.; Nom.Sg.)
tasmin virajasi sphīte prajñāsattvavyavasthite; svayaṃbhubhavane puṇye hastinaṃ me yatiṣyati
in jenem staubfreien, blühenden, in Erkenntnis und Wesensklarheit gegründeten heiligen Haus des Selbstgeborenen [Brahmā] wird sich mein Elefant [dir] entgegenstellen [oder: wird [ihn] mir [zurück]gewinnen].“
Wort für Wort
tasmin virajasi sphīte
in jenem staubfreien, blühenden [Haus] (Lok.Sg.)
prajñāsattvavyavasthite
in Erkenntnis und Wesensklarheit gegründet (Lok.Sg.)
svayaṃbhubhavane puṇye
im heiligen Haus des Selbstgeborenen (Lok.Sg.)
hastinaṃ me yatiṣyati
der Elefant [oder: den Elefanten] mir wird sich mühen (Akk.Sg.; Gen./Dat.Sg.; 3.Sg.Fut.)
Halbvers d: hastinaṃ me yatiṣyati; Syntax und Lesart unklar (vgl. yātayiṣye in den Parallelstrophen) [?].
Dhṛtarāṣṭra sprach: „Die von allen Bindungen Befreiten, die Selbstbeherrschten [wörtl. Selbst-Gebildeten], die Strengen im Gelübde, die im Yoga der Selbstschau Verweilenden und Versenkten sind auf dem Weg zum Himmel gegangen.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Nom.Sg., Perf.)
nirmuktāḥ sarvasaṅgebhyaḥ
befreit von allen Bindungen (Nom.Pl.; Abl.Pl.)
kṛtātmānaḥ yatavratāḥ
selbstbeherrscht, im Gelübde streng (Nom.Pl.)
adhyātmayogasaṃsthāne yuktāḥ
im Stand des Selbst-Yoga, versenkt (Lok.Sg.; Nom.Pl.)
svargagatiṃ gatāḥ
den Weg zum Himmel gegangen (Akk.Sg.; Part.Pass. Nom.Pl.)
te brahmabhavanaṃ puṇyaṃ prāpnuvantīha sāttvikāḥ; na tatra dhṛtarāṣṭras te śakyo draṣṭuṃ mahāmune
Sie, die Sāttvikas [Wesensklaren], erlangen hier die heilige Brahmā-Wohnstatt. Dort, großer Weiser, ist Dhṛtarāṣṭra von dir nicht zu erblicken [oder: kannst du Dhṛtarāṣṭra nicht erblicken].“
Wort für Wort
te brahmabhavanaṃ puṇyam
sie [erlangen] das heilige Haus Brahmās (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
prāpnuvanti iha sāttvikāḥ
sie erlangen hier, die Wesensklaren (3.Pl.Präs.; Adv.; Nom.Pl.)
na tatra dhṛtarāṣṭraḥ te
nicht dort Dhṛtarāṣṭra dir (Adv.; Nom.Sg.; Dat./Gen.)
śakyaḥ draṣṭum mahāmune
möglich zu sehen, großer Weiser (Adj.Nom.Sg.; Inf.; Vok.Sg.)
iha in Halbvers a: „hier“, im Sinne von „bereits hier auf Erden“ [?].
gautama uvāca; rathantaraṃ yatra bṛhac ca gīyate; yatra vedī puṇḍarīkaiḥ stṛṇoti; yatropayāti haribhiḥ somapīthī; tatra tvāhaṃ hastinaṃ yātayiṣye
Gautama sprach: „Wo das Rathantara und das Bṛhat gesungen wird, wo der Altar mit Lotosblüten bestreut wird, wo der Somatrinker mit Falben [den Schimmeln] herbeikommt – dort werde ich den Elefanten [dir] abfordern.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
rathantaraṃ yatra bṛhat ca gīyate
wo das Rathantara und das Bṛhat gesungen wird (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)
yatra vedī puṇḍarīkaiḥ stṛṇoti
wo der Altar mit Lotosblüten [sich] bestreut (Nom.Sg.f.; Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.)
yatra upayāti haribhiḥ somapīthī
wo herankommt mit den Falben der Somatrinker (3.Sg.Präs.; Instr.Pl.; Nom.Sg.)
tatra tu aham hastinaṃ yātayiṣye
dort aber werde ich den Elefanten einfordern (Adv.; 1.Sg.Fut. Kaus.)
stṛṇoti: aktive Form mit Med.-Bedeutung; „vedī stṛṇoti“ evtl. „die Streu wird ausgebreitet“ [?].
budhyāmi tvāṃ vṛtrahaṇaṃ śatakratuṃ; vyatikramantaṃ bhuvanāni viśvā; kaccin na vācā vṛjinaṃ kadā cid; akārṣaṃ te manaso 'bhiṣaṅgāt
Ich erkenne dich, den Vṛtra-Töter, den Śatakratu, wie du alle Welten durchschreitest. Habe ich dir je mit Worten Unrecht getan oder aus Verlangen des Geistes [gehandelt]?
Wort für Wort
budhyāmi tvāṃ vṛtrahaṇaṃ śatakratum
ich erkenne dich, den Vṛtra-Töter, den Hundertopferer (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
vyatikramantaṃ bhuvanāni viśvā
der du durchschreitest die Welten alle (Part.Präs. Akk.Sg.; Akk.Pl.n.)
kaccit na vācā vṛjinaṃ kadā cit
ob nicht mit Rede Unrecht je (Fragepartikel; Instr.Sg.; Akk.Sg.n.)
akārṣam te manasaḥ abhiṣaṅgāt
habe ich dir getan, aus Verhaftetsein des Geistes (Aor.1.Sg.; Abl.Sg.)
Halbvers c–d: der Satz ist elliptisch; abhiṣaṅga „Anhaften, Fluch, Bedrängnis“ [?].
Śakra sprach: „Weil ich diesen Weg der Welt der Geschöpfe [als Elefantendieb] dem Fußspuren-Wort [dem Fußtritt] des Elefanten folgend gekommen bin, deshalb, Herr, belehre den dir Ergebenen. Was du sagst, das will ich alles tun.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Nom.Sg., Perf.)
yasmāt imaṃ lokapathaṃ prajānām
weil diesen Weg der Welt der Geschöpfe (Abl.; Akk.Sg.; Gen.Pl.)
anvāgamam padavāde gajasya
folgte ich [ihm], bei der Spur/Kunde des Elefanten (Aor.1.Sg.; Lok.Sg.; Gen.Sg.)
tasmāt bhavān praṇataṃ mā anuśāstu
deshalb möge Ihr mich, den Ergebenen, belehren (Adv.; Nom.Sg.; Akk.Sg.; Imp.3.Sg.)
bravīṣi yat tat karavāṇi sarvam
was du sagst, das will ich tun, alles (2.Sg.Präs.; 1.Sg.Konj.)
padavāde gajasya: Deutung unsicher (evtl. „im Streit um den Elefanten“ o. ä.) [?]; die Wiedergabe „Fußspuren-Wort“ ist wörtlich.
gautama uvāca; śvetaṃ kareṇuṃ mama putranāgaṃ; yaṃ me 'hārṣīr daśavarṣāṇi bālam; yo me vane vasato 'bhūd dvitīyas; tam eva me dehi surendra nāgam
Gautama sprach: „Den weißen Elefanten [wörtl. weiße Elefantenkuh-Sohn?], meinen Sohn, den Elefanten, den du mir zehn Jahre lang als Jungen geraubt hast, der mir, im Walde wohnend, der Zweite [Gefährte] war – eben diesen Elefanten gib mir, Herr der Götter.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
śvetaṃ kareṇuṃ mama putranāgam
den weißen Elefanten, meinen Sohn-Elefanten (Akk.Sg.)
yaṃ me ahārṣīḥ daśavarṣāṇi bālam
den mir du raubtest, zehn Jahre [lang], als Jungen (Akk.Sg.; Aor.2.Sg.; Akk.Pl.; Akk.Sg.)
yaḥ me vane vasataḥ abhūt dvitīyaḥ
der mir, im Wald Wohnendem, war, ein Zweiter [Gefährte] (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Aor.3.Sg.)
tam eva me dehi surendra nāgam
eben diesen mir gib, Herr der Götter, den Elefanten (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.; Vok.Sg.)
kareṇum: „Elefantenkuh“, hier wohl allgemein „Elefant“; maskuline Bezüge (putranāgam) [?].
śakra uvāca; ayaṃ sutas te dvijamukhya nāgaś; cāghrāyate tvām abhivīkṣamāṇaḥ; pādau ca te nāsikayopajighrate; śreyo mama dhyāhi namaś ca te 'stu
Śakra sprach: „Dieser dein Sohn, o Vorzüglichster der Zweimalgeborenen, der Elefant, beschnuppert dich, dich anblickend, und mit der Nase berührt er deine Füße riechend. Sinne auf mein Heil, und Verehrung sei dir.“
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Nom.Sg., Perf.)
ayaṃ sutaḥ te dvijamukhya nāgaḥ
dieser Sohn von dir, o Vorzüglichster der Zweimalgeborenen, der Elefant (Nom.Sg.; Vok.Sg.)
ca āghrāyate tvām abhivīkṣamāṇaḥ
und wird beschnuppert / beschnuppert dich, dich anblickend (3.Sg.Präs.; Part.Präs.)
pādau ca te nāsikayā upajighrate
die Füße dir mit der Nase berührt er riechend (Akk.Du.; Instr.Sg.; 3.Sg.Präs. Med.)
śreyaḥ mama dhyāhi namaḥ ca te astu
Heil mir sinne, und Verehrung dir sei (Akk.Sg.; Imp.2.Sg.; Nom.Sg.; Imp.3.Sg.)
Gautama sprach: „Heil sinne ich dir, Herr der Götter, immerdar hier, und Verehrung bringe ich stets dar; gib auch mir, Śakra, Heil; von dir Gegebenes nehme ich an, den Elefanten.“
Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach (Nom.Sg., Perf.)
śivaṃ sadā eva iha surendra tubhyam
Heil immer, ja, hier, Herr der Götter, dir (Akk.Sg.n.; Adv.; Vok.Sg.; Dat.Sg.)
dhyāyāmi pūjāṃ ca sadā prayuñje
ich sinne, und Verehrung stets bringe ich dar (1.Sg.Präs.; Akk.Sg.; 1.Sg.Präs.)
mama api tvam śakra śivaṃ dadasva
auch mir du, Śakra, Heil gib (Gen.Sg.; Nom.Sg.; Vok.Sg.; Imp.2.Sg.Med.)
tvayā dattaṃ pratigṛhṇāmi nāgam
von dir Gegebenes nehme ich an, den Elefanten (Instr.Sg.; Part.Pass.; 1.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
śakra uvāca; yeṣāṃ vedā nihitā vai guhāyāṃ; manīṣiṇāṃ sattvavatāṃ mahātmanām; teṣāṃ tvayaikena mahātmanāsmi; buddhas tasmāt prītimāṃs te 'ham adya
Śakra sprach: „Die Veden, die der Geistesstarken, Wesenskräftigen, Hochgesinnten verborgen in der Höhle liegen [d. h. im Herzen bewahrt sind] – von denen, den Hochgesinnten, bin ich durch dich allein erkannt worden; deshalb bin ich dir heute wohlgesinnt.
Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Nom.Sg., Perf.)
yeṣāṃ vedāḥ nihitāḥ vai guhāyām
deren Veden niedergelegt sind fürwahr in der Höhle (Gen.Pl.; Nom.Pl.; Part.Pass.; Lok.Sg.)
manīṣiṇāṃ sattvavatāṃ mahātmanām
der Weisen, Wesenskräftigen, Hochgesinnten (Gen.Pl.)
teṣāṃ tvayā ekena mahātmanā asmi
von denen durch dich, den Einen, den Hochgesinnten, bin ich (Gen.Pl.; Instr.Sg.)
buddhaḥ tasmāt prītimān te aham adya
erkannt; deshalb wohlgesinnt dir ich heute (Part.Pass.; Adj.Nom.Sg.; Gen./Dat.)
Halbvers c–d: „von denen … bin ich durch dich erkannt“ elliptisch; Sinn: unter denen, die den Veda im Herzen tragen, hast du mich erkannt [?].
bhīṣma uvāca; sa gautamaṃ puraskṛtya saha putreṇa hastinā; divam ācakrame vajrī sadbhiḥ saha durāsadam
Bhīṣma sprach: Den Gautama vorangehen lassend, mit dem Sohn, dem Elefanten, schritt der Vajra-Träger [Indra] in den Himmel hinauf, zusammen mit den Guten [Frommen], er, der schwer zu bezwingen ist.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg., Perf.)
sa gautamaṃ puraskṛtya
er, Gautama vorangestellt habend (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Abs.)
saha putreṇa hastinā
mit dem Sohn, dem Elefanten (Instr.Sg.)
divam ācakrame vajrī
zum Himmel schritt hinauf der Vajra-Träger (Akk.Sg.; Perf./Impf.3.Sg.; Nom.Sg.)
sadbhiḥ saha durāsadam
mit den Guten, der schwer zu Erreichende (Instr.Pl.; Akk./Nom.Sg.)
durāsadam: Akk.-Form, wohl auf vajrī zu beziehen [?].
ya idaṃ śṛṇuyān nityaṃ yaḥ paṭhed vā jitendriyaḥ; sa yāti brahmaṇo lokaṃ brāhmaṇo gautamo yathā
Wer dies stets hört oder, die Sinne bezwungen, [es] vorträgt, der gelangt in die Welt Brahmās, wie der Brahmane Gautama.
Wort für Wort
yaḥ idaṃ śṛṇuyāt nityam
wer dies hören mag stets (Nom.Sg.; Akk.Sg.; Opt.3.Sg.; Adv.)
yaḥ paṭhet vā jitendriyaḥ
oder wer es vortragen mag, sinnenbezwungen (Opt.3.Sg.; Nom.Sg.)
sa yāti brahmaṇaḥ lokam
der geht in die Welt Brahmās (3.Sg.Präs.; Gen.Sg.; Akk.Sg.)
brāhmaṇaḥ gautamaḥ yathā
wie der Brahmane Gautama (Nom.Sg.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzstrophe (Sternpassage), nur in einem Teil der Handschriften.