Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 76: gopradānaguṇāḥ kapilotpattiś ca Vorzüge der Kuhgabe und die Entstehung der Kapilā-Kühe

Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über die Verdienste des Schenkens von Kühen und erzählt den Mythos, wie Surabhi und die Kühe aus dem Munde Prajāpatis entstanden und Rudra zum Stierbannerträger wurde.

vaiśaṃpāyana uvāca; tato yudhiṣṭhiro rājā bhūyaḥ śāṃtanavaṃ nṛpa; godāne vistaraṃ dhīmān papraccha vinayānvitaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Darauf fragte der kluge König Yudhiṣṭhira, demütig, den Sohn Śaṃtanus [Bhīṣma] abermals, o König, nach der Ausführung über die Kuhgabe.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tato yudhiṣṭhiro rājā
darauf König Yudhiṣṭhira (Nom.)
bhūyaḥ śāṃtanavaṃ nṛpa
abermals den Śāṃtanava, o König (Akk./Vok.)
godāne vistaraṃ dhīmān
über die Kuhgabe die Ausführlichkeit, der Kluge (Lok./Akk./Nom.)
papraccha vinayānvitaḥ
fragte, mit Demut verbunden (3.Sg.Perf./Nom.)

yudhiṣṭhira uvāca; gopradāne guṇān samyak punaḥ prabrūhi bhārata; na hi tṛpyāmy ahaṃ vīra śṛṇvāno 'mṛtam īdṛśam

Yudhiṣṭhira sprach: Verkünde mir noch einmal recht die Vorzüge der Kuhgabe, o Bhārata; denn ich werde, o Held, nicht satt, solch Nektar-gleiches zu hören.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
gopradāne guṇān samyak
bei der Kuhgabe die Vorzüge, richtig (Lok./Akk.Pl./Adv.)
punaḥ prabrūhi bhārata
wieder sprich, o Bhārata (Imp.2.Sg./Vok.)
na hi tṛpyāmy ahaṃ vīra
denn nicht werde satt ich, o Held (1.Sg.Präs./Vok.)
śṛṇvāno 'mṛtam īdṛśam
hörend solchen Nektar (Part.Präs.Med./Akk.)

ity ukto dharmarājena tadā śāṃtanavo nṛpa; samyag āha guṇāṃs tasmai gopradānasya kevalān

So vom Dharma-König angesprochen, sprach da der Śaṃtanu-Sohn, o König, ihm recht die Vorzüge der Kuhgabe ohne Rest aus.

Wort für Wort
ity ukto dharmarājena
so angesprochen vom Dharma-König (Part.Pass./Instr.)
tadā śāṃtanavo nṛpa
da der Śāṃtanava, o König (Nom./Vok.)
samyag āha guṇāṃs tasmai
recht sprach er die Vorzüge zu ihm (3.Sg.Perf./Akk.Pl./Dat.)
gopradānasya kevalān
der Kuhgabe, gänzlich [alle] (Gen./Akk.Pl.)

bhīṣma uvāca; vatsalāṃ guṇasaṃpannāṃ taruṇīṃ vastrasaṃvṛtām; dattvedṛśīṃ gāṃ viprāya sarvapāpaiḥ pramucyate

Bhīṣma sprach: Wer einem Brahmanen eine solche Kuh gibt, die kälberliebend, mit guten Eigenschaften begabt, jung und in ein Gewand gehüllt ist, wird von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
vatsalāṃ guṇasaṃpannāṃ
kälberliebend, mit Vorzügen ausgestattet (Akk.Sg.f.)
taruṇīṃ vastrasaṃvṛtām
jung, in ein Gewand gehüllt (Akk.Sg.f.)
dattvedṛśīṃ gāṃ viprāya
nach dem Geben einer solchen Kuh an einen Brahmanen (Abs./Akk./Dat.)
sarvapāpaiḥ pramucyate
wird von allen Sünden befreit (3.Sg.Pass./Instr.)

asuryā nāma te lokā gāṃ dattvā tatra gacchati; pītodakāṃ jagdhatṛṇāṃ naṣṭadugdhāṃ nirindriyām

Wer eine Kuh gibt, die schon getrunken hat, deren Gras schon gefressen ist, deren Milch verloren ist und die kraftlos ist, geht in die Welten namens Asurya [die sonnenlosen].

Wort für Wort
asuryā nāma te lokā
Asurya genannt, jene Welten (Nom.Pl.)
gāṃ dattvā tatra gacchati
eine Kuh gegeben habend, dorthin geht er (Abs./3.Sg.Präs.)
pītodakāṃ jagdhatṛṇāṃ
deren Wasser getrunken, deren Gras gefressen ist (Akk.Sg.f.)
naṣṭadugdhāṃ nirindriyām
deren Milch verloren ist, kraftlos (Akk.Sg.f.)

Text der zweiten Hälfte ist syntaktisch verkürzt; die Akkusative in Pāda cd hängen von gāṃ ab, die Konstruktion setzt sich in 6 fort.

jarogrām upayuktārthāṃ jīrṇāṃ kūpam ivājalam; dattvā tamaḥ praviśati dvijaṃ kleśena yojayet

[Wer eine Kuh gibt,] die von Alter schwer geplagt, deren Nutzen verbraucht, die abgelebt ist wie ein wasserloser Brunnen, tritt nach dem Geben ins Dunkel ein und bringt den Brahmanen in Bedrängnis.

Wort für Wort
jarogrām upayuktārthāṃ
vom Alter hart, deren Nutzen verbraucht ist (Akk.Sg.f.)
jīrṇāṃ kūpam ivājalam
hinfällig, wie ein wasserloser Brunnen (Akk.Sg.f./Adv.)
dattvā tamaḥ praviśati
nach dem Geben tritt er ins Dunkel (Abs./3.Sg.Präs.)
dvijaṃ kleśena yojayet
den Zweimalgeborenen mit Mühsal verbinde er (Opt.3.Sg.)

duṣṭā ruṣṭā vyādhitā durbalā vā; na dātavyā yāś ca mūlyair adattaiḥ; kleśair vipraṃ yo 'phalaiḥ saṃyunakti; tasyāvīryāś cāphalāś caiva lokāḥ

Kühe, die bösartig, zornig, krank oder schwach sind und die nicht mit bezahltem Preis [erworben] sind, sollen nicht gegeben werden; wer einen Brahmanen mit fruchtlosen Plagen verbindet, dessen Welten sind kraftlos und fruchtlos.

Wort für Wort
duṣṭā ruṣṭā vyādhitā durbalā vā
bösartig, zornig, krank oder schwach (Nom.Pl.f.)
na dātavyā yāś ca mūlyair adattaiḥ
nicht zu geben sind, die mit nicht gegebenen Preisen (Gerundiv/Instr.)
kleśair vipraṃ yo 'phalaiḥ saṃyunakti
wer mit fruchtlosen Plagen den Brahmanen verbindet (Instr./Akk./3.Sg.Präs.)
tasyāvīryāś cāphalāś caiva lokāḥ
dessen Welten kraftlos und fruchtlos (Gen./Nom.Pl.)

Pāda b (yāś ca mūlyair adattaiḥ) ist knapp; „nicht mit bezahltem Preis“ nach der wörtlichen Lesart mūlyair adattaiḥ [?].

balānvitāḥ śīlavayopapannāḥ; sarvāḥ praśaṃsanti sugandhavatyaḥ; yathā hi gaṅgā saritāṃ variṣṭhā; tathārjunīnāṃ kapilā variṣṭhā

Alle kraftvollen, mit gutem Wesen und rechtem Alter begabten, wohlduftenden [Kühe] preist man; wie die Gaṅgā die beste der Flüsse ist, so ist die Kapilā die beste unter den Weißen.

Wort für Wort
balānvitāḥ śīlavayopapannāḥ
kraftbegabt, mit Wesen und Alter versehen (Nom.Pl.f.)
sarvāḥ praśaṃsanti sugandhavatyaḥ
alle preist man, wohlduftende (3.Pl.Präs./Akk.Pl.f.)
yathā hi gaṅgā saritāṃ variṣṭhā
wie nämlich die Gaṅgā unter den Flüssen die beste (Nom./Gen.Pl.)
tathārjunīnāṃ kapilā variṣṭhā
so unter den Weißen die Kapilā die beste (Gen.Pl.f./Nom.)

arjunīnām „der Weißen/Hellen“ als Kühe; Lesart unsicher [?].

yudhiṣṭhira uvāca; kasmāt samāne bahulāpradāne; sadbhiḥ praśastaṃ kapilāpradānam; viśeṣam icchāmi mahānubhāva; śrotuṃ samartho hi bhavān pravaktum

Yudhiṣṭhira sprach: Warum wird, obwohl das Geben vieler Kühe gleich [gut] ist, das Geben der Kapilā von den Guten gepriesen? Ich möchte die Besonderheit hören, o Hochherziger; denn du bist fähig, sie zu verkünden.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kasmāt samāne bahulāpradāne
warum, bei gleichem Geben vieler Kühe (Abl./Lok.)
sadbhiḥ praśastaṃ kapilāpradānam
von den Guten gepriesen das Geben der Kapilā (Instr./Part.Pass./Nom.)
viśeṣam icchāmi mahānubhāva
die Besonderheit wünsche ich, o Hochmächtiger (1.Sg.Präs./Vok.)
śrotuṃ samartho hi bhavān pravaktum
zu hören, fähig ja bist du zu verkünden (Inf./Nom./Inf.)

bhīṣma uvāca; vṛddhānāṃ bruvatāṃ tāta śrutaṃ me yat prabhāṣase; vakṣyāmi tad aśeṣeṇa rohiṇyo nirmitā yathā

Bhīṣma sprach: Was du sagst, mein Lieber, habe ich von den Alten, die es erzählten, gehört; ich werde es vollständig sagen, wie die Rohiṇī-Kühe geschaffen wurden.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
vṛddhānāṃ bruvatāṃ tāta
von den Alten, die sprachen, mein Lieber (Gen.Pl./Part./Vok.)
śrutaṃ me yat prabhāṣase
gehört von mir, was du sagst (Part.Pass./Instr./3.Sg.Präs.)
vakṣyāmi tad aśeṣeṇa
sagen werde ich es ohne Rest (1.Sg.Fut./Instr.)
rohiṇyo nirmitā yathā
die Rohiṇīs, wie geschaffen wurden (Nom.Pl./Part.Pass.)

prajāḥ sṛjeti vyādiṣṭaḥ pūrvaṃ dakṣaḥ svayaṃbhuvā; asṛjad vṛttim evāgre prajānāṃ hitakāmyayā

„Erschaffe Geschöpfe!“, so von dem Selbstentstandenen [Brahmā] angewiesen, schuf Dakṣa einst zuerst den Lebensunterhalt, aus Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe.

Wort für Wort
prajāḥ sṛjeti vyādiṣṭaḥ
„Erschaffe Geschöpfe“, so angewiesen (Imp./Part.Pass.)
pūrvaṃ dakṣaḥ svayaṃbhuvā
einst Dakṣa vom Selbstentstandenen (Adv./Nom./Instr.)
asṛjad vṛttim evāgre
schuf den Lebensunterhalt zuerst (3.Sg.Impf./Akk.)
prajānāṃ hitakāmyayā
der Geschöpfe aus Wunsch nach Wohl (Gen./Instr.)

yathā hy amṛtam āśritya vartayanti divaukasaḥ; tathā vṛttiṃ samāśritya vartayanti prajā vibho

Wie die Himmelsbewohner, auf Nektar gestützt, [fortleben], so leben, o Herr, die Geschöpfe, auf den Lebensunterhalt gestützt, fort.

Wort für Wort
yathā hy amṛtam āśritya
wie nämlich Nektar aufsuchend (Abs.)
vartayanti divaukasaḥ
leben fort die Himmelsbewohner (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tathā vṛttiṃ samāśritya
so den Lebensunterhalt aufsuchend (Abs.)
vartayanti prajā vibho
leben die Geschöpfe, o Herr (3.Pl.Präs./Nom./Vok.)

acarebhyaś ca bhūtebhyaś carāḥ śreṣṭhās tato narāḥ; brāhmaṇāś ca tataḥ śreṣṭhās teṣu yajñāḥ pratiṣṭhitāḥ

Höher als die unbeweglichen Wesen sind die beweglichen, höher als diese die Menschen, höher als diese die Brahmanen; in ihnen sind die Opfer gegründet.

Wort für Wort
acarebhyaś ca bhūtebhyaś
als die unbeweglichen Wesen (Abl.Pl.)
carāḥ śreṣṭhās tato narāḥ
die beweglichen höher, dann die Menschen (Nom.Pl.)
brāhmaṇāś ca tataḥ śreṣṭhās
und die Brahmanen dann höher (Nom.Pl.)
teṣu yajñāḥ pratiṣṭhitāḥ
in ihnen die Opfer gegründet (Lok./Nom.Pl.)

yajñair āpyāyate somaḥ sa ca goṣu pratiṣṭhitaḥ; sarve devāḥ pramodante pūrvavṛttās tataḥ prajāḥ

Durch die Opfer wird Soma genährt, und dieser ist in den Kühen gegründet; alle Götter freuen sich; von diesen leben zuvor [ernährt] dann die Geschöpfe.

Wort für Wort
yajñair āpyāyate somaḥ
durch Opfer wird genährt Soma (Instr.Pl./3.Sg.Pass./Nom.)
sa ca goṣu pratiṣṭhitaḥ
und er in den Kühen gegründet (Nom./Lok.Pl./Part.)
sarve devāḥ pramodante
alle Götter freuen sich (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
pūrvavṛttās tataḥ prajāḥ
zuvor lebend, dann die Geschöpfe (Nom.Pl.)

Der letzte Pāda (pūrvavṛttās tataḥ prajāḥ) ist knapp; Deutung [?].

tataḥ prajāsu sṛṣṭāsu dakṣādyaiḥ kṣudhitāḥ prajāḥ; prajāpatim upādhāvan viniścitya caturmukham

Als dann von Dakṣa und den anderen die Geschöpfe geschaffen waren, liefen die hungernden Geschöpfe zu Prajāpati, dem Vierköpfigen, nachdem sie [dies] beschlossen hatten.

Wort für Wort
tataḥ prajāsu sṛṣṭāsu
dann, als die Geschöpfe geschaffen waren (Lok.abs.)
dakṣādyaiḥ kṣudhitāḥ prajāḥ
von Dakṣa und anderen, hungernde Geschöpfe (Instr.Pl./Nom.Pl.)
prajāpatim upādhāvan
zu Prajāpati liefen sie hin (Akk./3.Pl.Impf.)
viniścitya caturmukham
nach Beschluss, den Vierköpfigen (Abs./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Stern).

etāny eva tu bhūtāni prākrośan vṛttikāṅkṣayā; vṛttidaṃ cānvapadyanta tṛṣitāḥ pitṛmātṛvat

Eben diese Wesen schrien laut aus Verlangen nach Lebensunterhalt und wandten sich, durstig, wie zu Vater und Mutter, an den Geber des Lebensunterhalts.

Wort für Wort
etāny eva tu bhūtāni
eben diese Wesen (Nom.Pl.n.)
prākrośan vṛttikāṅkṣayā
schrien laut aus Verlangen nach Unterhalt (3.Pl.Impf./Instr.)
vṛttidaṃ cānvapadyanta
und zum Unterhaltsgeber gingen sie (Akk./3.Pl.Impf.Med.)
tṛṣitāḥ pitṛmātṛvat
durstig, wie Vater und Mutter (Nom.Pl./Adv.)

itīdaṃ manasā gatvā prajāsargārtham ātmanaḥ; prajāpatir balādhānam amṛtaṃ prāpibat tadā

So [dies] im Geist erwägend, trank Prajāpati damals, um die Geschöpfe zu erschaffen, für sich Nektar, der Kraft verleiht.

Wort für Wort
itīdaṃ manasā gatvā
so dies im Geist durchgegangen (Abs.)
prajāsargārtham ātmanaḥ
zum Zweck der Schöpfung der Geschöpfe, für sich (Akk./Gen.)
prajāpatir balādhānam
Prajāpati, Kraft verleihend (Nom./Akk.)
amṛtaṃ prāpibat tadā
Nektar trank er damals (Akk./3.Sg.Impf.)

sa gatas tasya tṛptiṃ tu gandhaṃ surabhim udgiran

Er, gesättigt, stieß duftenden Wohlgeruch aus.

Wort für Wort
sa gatas tasya tṛptiṃ tu
er, zu deren Sättigung gelangt (Nom./Part./Akk.)
gandhaṃ surabhim udgiran
Duft, wohlriechenden, ausstoßend (Akk./Part.Präs.)

Halbvers, der Anschluss ergibt sich erst mit Einheit 20.

mukhajā sāsṛjad dhātuḥ surabhiṃ lokamātaram

Die aus dem Mund [des Schöpfers] Geborene erschuf Surabhi, die Mutter der Welt, des Schöpfers [Tochter].

Wort für Wort
mukhajā sāsṛjad
die aus dem Mund geborene schuf (Nom.f./3.Sg.Impf.)
dhātuḥ surabhiṃ
des Schöpfers Surabhi (Gen./Akk.)
lokamātaram
die Weltenmutter (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Konstruktion (mukhajā ... dhātuḥ) unklar [?].

dadarśodgārasaṃvṛttāṃ surabhiṃ mukhajāṃ sutām

Er erblickte Surabhi, die durch das Aufstoßen entstanden war, seine aus dem Mund geborene Tochter.

Wort für Wort
dadarśa
er erblickte (3.Sg.Perf.)
udgārasaṃvṛttāṃ
durch Aufstoßen entstanden (Akk.Sg.f.)
surabhiṃ mukhajāṃ sutām
Surabhi, die mundgeborene Tochter (Akk.Sg.f.)

sāsṛjat saurabheyīs tu surabhir lokamātaraḥ; suvarṇavarṇāḥ kapilāḥ prajānāṃ vṛttidhenavaḥ

Und Surabhi, die Mutter der Welt, schuf die Saurabheyīs [Nachkommen der Surabhi]: goldfarbene Kapilā-Kühe, die Unterhaltskühe der Geschöpfe.

Wort für Wort
sāsṛjat saurabheyīs tu
sie schuf die Saurabheyīs (3.Sg.Impf./Akk.Pl.f.)
surabhir lokamātaraḥ
Surabhi, die Weltenmutter (Nom.)
suvarṇavarṇāḥ kapilāḥ
goldfarbene, rötlichbraune (Akk.Pl.f.)
prajānāṃ vṛttidhenavaḥ
der Geschöpfe Unterhaltskühe (Gen./Akk.Pl.)

tāsām amṛtavarṇānāṃ kṣarantīnāṃ samantataḥ; babhūvāmṛtajaḥ phenaḥ sravantīnām ivormijaḥ

Von diesen nektarfarbenen, die ringsum Milch strömen ließen, entstand aus dem Nektar Schaum, wie die Woge von Strömenden.

Wort für Wort
tāsām amṛtavarṇānāṃ
von diesen nektarfarbenen (Gen.Pl.f.)
kṣarantīnāṃ samantataḥ
die strömten ringsum (Part.Gen.Pl.f./Adv.)
babhūvāmṛtajaḥ phenaḥ
es entstand nektargeborener Schaum (3.Sg.Perf./Nom.)
sravantīnām ivormijaḥ
wie von Fließenden die Woge (Gen.Pl./Nom.)

sa vatsamukhavibhraṣṭo bhavasya bhuvi tiṣṭhataḥ; śirasy avāpa tat kruddhaḥ sa tadodaikṣata prabhuḥ; lalāṭaprabhavenākṣṇā rohiṇīḥ pradahann iva

Dieser, vom Maul eines Kalbes gefallen, traf auf der Erde das Haupt des dort stehenden Bhava [Śiva]; der Herr blickte da zornig, mit dem aus der Stirn entstandenen Auge, die Rohiṇī-Kühe gleichsam verbrennend.

Wort für Wort
sa vatsamukhavibhraṣṭo
er, vom Maul des Kalbes gefallen (Nom.)
bhavasya bhuvi tiṣṭhataḥ
des Bhava, der auf der Erde stand (Gen./Lok./Part.)
śirasy avāpa tat kruddhaḥ
auf dem Haupt traf er; das erzürnt (Lok./3.Sg.Perf./Part.)
sa tadodaikṣata prabhuḥ
der Herr blickte da auf (Nom./3.Sg.Impf.)
lalāṭaprabhavenākṣṇā
mit dem stirnentsprungenen Auge (Instr.)
rohiṇīḥ pradahann iva
die Rohiṇīs gleichsam verbrennend (Akk.Pl./Part.)

tat tejas tu tato raudraṃ kapilā gā viśāṃ pate; nānāvarṇatvam anayan meghān iva divākaraḥ

Da brachte jene schreckliche Glut, o Herr der Menschen, die Kapilā-Kühe zu vielfältiger Farbe, wie die Sonne die Wolken.

Wort für Wort
tat tejas tu tato raudraṃ
dieses Feuer dann, das schreckliche (Nom.)
kapilā gā viśāṃ pate
die Kapilā-Kühe, o Herr der Menschen (Akk.Pl./Vok.)
nānāvarṇatvam anayan
zur Vielfarbigkeit führten (Akk./3.Pl.Impf.)
meghān iva divākaraḥ
wie die Wolken der Tagmacher [Sonne] (Akk.Pl./Nom.)

yās tu tasmād apakramya somam evābhisaṃśritāḥ; yathotpannāḥ svavarṇasthās tā nītā nānyavarṇatām

Die aber, die von ihm weggetreten zu Soma Zuflucht nahmen, die in ihrer ursprünglichen Farbe verblieben, wie sie entstanden waren, wurden nicht zu anderer Farbe gebracht.

Wort für Wort
yās tu tasmād apakramya
diejenigen aber, von ihm weggetreten (Nom.Pl.f./Abs.)
somam evābhisaṃśritāḥ
zu Soma eben Zuflucht genommen (Akk./Part.Pass.)
yathotpannāḥ svavarṇasthās
wie entstanden, in eigener Farbe stehend (Nom.Pl.f.)
tā nītā nānyavarṇatām
die wurden nicht zur anderen Farbe geführt (Part.Pass./Akk.)

atha kruddhaṃ mahādevaṃ prajāpatir abhāṣata; amṛtenāvasiktas tvaṃ nocchiṣṭaṃ vidyate gavām

Da sprach Prajāpati zum erzürnten Mahādeva: „Du bist mit Nektar besprengt; bei den Kühen gibt es nichts Unreines [Speisereste].“

Wort für Wort
atha kruddhaṃ mahādevaṃ
da zum erzürnten Mahādeva (Akk.)
prajāpatir abhāṣata
sprach Prajāpati (Nom./3.Sg.Impf.)
amṛtenāvasiktas tvaṃ
mit Nektar besprengt bist du (Instr./Part.Pass./Nom.)
nocchiṣṭaṃ vidyate gavām
nichts Unreines ist bei den Kühen (Nom./3.Sg.Pass./Gen.Pl.)

yathā hy amṛtam ādāya somo viṣyandate punaḥ; tathā kṣīraṃ kṣaranty etā rohiṇyo 'mṛtasaṃbhavāḥ

Wie Soma, Nektar aufnehmend, wieder [ihn] ausströmt, so strömen diese Rohiṇīs, aus Nektar entstanden, Milch aus.

Wort für Wort
yathā hy amṛtam ādāya
wie nämlich Nektar aufnehmend (Abs.)
somo viṣyandate punaḥ
Soma wieder ausströmt (Nom./3.Sg.Präs.)
tathā kṣīraṃ kṣaranty etā
so Milch strömen diese aus (Akk./3.Pl.Präs.)
rohiṇyo 'mṛtasaṃbhavāḥ
die Rohiṇīs, nektarentsprungen (Nom.Pl.)

na duṣyaty anilo nāgnir na suvarṇaṃ na codadhiḥ; nāmṛtenāmṛtaṃ pītaṃ vatsapītā na vatsalā

Weder Wind noch Feuer noch Gold noch Meer wird befleckt; nicht ist Nektar von Nektar [besudelt] getrunken; von Kälbern Getrunkene sind nicht [mehr] kälberliebend [?].

Wort für Wort
na duṣyaty anilo nāgnir
nicht wird befleckt Wind, nicht Feuer (3.Sg.Präs./Nom.)
na suvarṇaṃ na codadhiḥ
nicht Gold und nicht das Meer (Nom.)
nāmṛtenāmṛtaṃ pītaṃ
nicht mit Nektar Nektar getrunken (Instr./Part.Pass.)
vatsapītā na vatsalā
von Kälbern getrunken, nicht kälberliebend (Nom.Sg.f.)

Letzter Pāda (vatsapītā na vatsalā) unklar, Wiedergabe unsicher [?].

imāṃl lokān bhariṣyanti haviṣā prasnavena ca; āsām aiśvaryam aśnīhi sarvāmṛtamayaṃ śubham

Diese Welten werden sie mit Opferspende und mit Milchfluss erhalten; genieße die Herrschaft über sie, die ganz aus Nektar bestehende, glückverheißende.

Wort für Wort
imāṃl lokān bhariṣyanti
diese Welten werden sie erhalten (Akk.Pl./3.Pl.Fut.)
haviṣā prasnavena ca
mit Opferspende und mit Milchfluss (Instr.)
āsām aiśvaryam aśnīhi
von ihnen die Herrschaft genieße (Gen.Pl./Akk./Imp.2.Sg.)
sarvāmṛtamayaṃ śubham
ganz aus Nektar bestehend, glückbringend (Akk.)

vṛṣabhaṃ ca dadau tasmai saha tābhiḥ prajāpatiḥ; prasādayām āsa manas tena rudrasya bhārata

Und Prajāpati gab ihm samt jenen [Kühen] einen Stier; damit, o Bhārata, besänftigte er das Gemüt Rudras.

Wort für Wort
vṛṣabhaṃ ca dadau tasmai
und einen Stier gab er ihm (Akk./3.Sg.Perf./Dat.)
saha tābhiḥ prajāpatiḥ
samt jenen, Prajāpati (Adv./Instr.Pl.f./Nom.)
prasādayām āsa manas
besänftigte das Gemüt (3.Sg.Perf.Kaus./Akk.)
tena rudrasya bhārata
damit Rudras, o Bhārata (Instr./Gen./Vok.)

prītaś cāpi mahādevaś cakāra vṛṣabhaṃ tadā; dhvajaṃ ca vāhanaṃ caiva tasmāt sa vṛṣabhadhvajaḥ

Auch erfreut machte Mahādeva da den Stier zu seinem Banner und Reittier; daher heißt er Stierbanner-Träger.

Wort für Wort
prītaś cāpi mahādevaś
auch erfreut Mahādeva (Part./Nom.)
cakāra vṛṣabhaṃ tadā
machte den Stier da (3.Sg.Perf./Akk.)
dhvajaṃ ca vāhanaṃ caiva
zum Banner und zum Reittier (Akk.)
tasmāt sa vṛṣabhadhvajaḥ
daher er Stierbanner-Träger (Abl./Nom.)

tato devair mahādevas tadā paśupatiḥ kṛtaḥ; īśvaraḥ sa gavāṃ madhye vṛṣāṅka iti cocyate

Da wurde Mahādeva von den Göttern zum Herrn der Tiere [Paśupati] gemacht; er, der Herr inmitten der Kühe, wird auch Stierzeichen-Träger genannt.

Wort für Wort
tato devair mahādevas
dann von den Göttern Mahādeva (Instr.Pl./Nom.)
tadā paśupatiḥ kṛtaḥ
da zum Paśupati gemacht (Nom./Part.Pass.)
īśvaraḥ sa gavāṃ madhye
der Herr, er, inmitten der Kühe (Nom./Gen.Pl./Lok.)
vṛṣāṅka iti cocyate
„Stierzeichen“ so wird er genannt (Nom./3.Sg.Pass.)

evam avyagravarṇānāṃ kapilānāṃ mahaujasām; pradāne prathamaḥ kalpaḥ sarvāsām eva kīrtitaḥ

So ist beim Geben der Kapilā-Kühe von unbeirrter Farbe und großer Kraft die erste Regel für alle [Kühe] verkündet.

Wort für Wort
evam avyagravarṇānāṃ
so von unbeirrter Farbe (Adv./Gen.Pl.f.)
kapilānāṃ mahaujasām
der Kapilā-Kühe von großer Kraft (Gen.Pl.f.)
pradāne prathamaḥ kalpaḥ
beim Geben die erste Regel (Lok./Nom.)
sarvāsām eva kīrtitaḥ
für alle eben verkündet (Gen.Pl.f./Part.Pass.)

lokajyeṣṭhā lokavṛttipravṛttā; rudropetāḥ somaviṣyandabhūtāḥ; saumyāḥ puṇyāḥ kāmadāḥ prāṇadāś ca; gā vai dattvā sarvakāmapradaḥ syāt

Die Ältesten der Welt, dem Lebensunterhalt der Welt hingegeben, mit Rudra verbunden, aus dem Soma-Strom entstanden, sanft, heilig, wunscherfüllend, lebensspendend: wer diese Kühe gibt, wird zum Erfüller aller Wünsche.

Wort für Wort
lokajyeṣṭhā lokavṛttipravṛttā
Älteste der Welt, dem Weltunterhalt zugewandt (Nom.Pl.f.)
rudropetāḥ somaviṣyandabhūtāḥ
mit Rudra verbunden, aus Soma-Strom entstanden (Nom.Pl.f.)
saumyāḥ puṇyāḥ kāmadāḥ prāṇadāś ca
sanft, heilig, wunschgebend und lebengebend (Nom.Pl.f.)
gā vai dattvā
Kühe wahrlich gegeben habend (Akk.Pl./Abs.)
sarvakāmapradaḥ syāt
Erfüller aller Wünsche sei er (Nom./Opt.3.Sg.)

imaṃ gavāṃ prabhavavidhānam uttamaṃ; paṭhan sadā śucir atimaṅgalapriyaḥ; vimucyate kalikaluṣeṇa mānavaḥ; priyaṃ sutān paśudhanam āpnuyāt tathā

Wer diese höchste Darlegung vom Ursprung der Kühe stets rein liest, Glückliches liebend, wird vom Schmutz des Kali[-Zeitalters] befreit, der Mensch; und er erlangt Liebes, Söhne und Viehbesitz.

Wort für Wort
imaṃ gavāṃ prabhavavidhānam uttamaṃ
diese höchste Darlegung vom Ursprung der Kühe (Akk./Gen.Pl.)
paṭhan sadā śucir atimaṅgalapriyaḥ
lesend, stets rein, dem Heil zugetan (Part./Adv./Nom.)
vimucyate kalikaluṣeṇa mānavaḥ
wird befreit vom Kali-Schmutz, der Mensch (3.Sg.Pass./Instr./Nom.)
priyaṃ sutān paśudhanam
Liebes, Söhne, Viehreichtum (Akk.)
āpnuyāt tathā
erlange er ebenso (Opt.3.Sg./Adv.)

havyaṃ kavyaṃ tarpaṇaṃ śāntikarma; yānaṃ vāso vṛddhabālasya puṣṭim; etān sarvān gopradāne guṇān vai; dātā rājann āpnuyād vai sadaiva

Opfergabe für die Götter, Totenspeise, Sättigung, Besänftigungsritus, Fahrzeug, Kleid, Kräftigung für Greise und Kinder: alle diese Vorzüge erlangt beim Kuhgeben der Geber, o König, stets.

Wort für Wort
havyaṃ kavyaṃ tarpaṇaṃ śāntikarma
Götteropfer, Ahnenopfer, Labung, Sühneritus (Nom./Akk.)
yānaṃ vāso vṛddhabālasya puṣṭim
Fahrzeug, Kleid, für Greis und Kind Kräftigung (Akk./Gen.)
etān sarvān gopradāne guṇān vai
diese alle Vorzüge bei der Kuhgabe (Akk.Pl./Lok.)
dātā rājann āpnuyād vai sadaiva
der Geber, o König, erlange sie stets (Nom./Vok./Opt.3.Sg.)

vaiśaṃpāyana uvāca; pitāmahasyātha niśamya vākyaṃ; rājā saha bhrātṛbhir ājamīḍhaḥ; sauvarṇakāṃsyopaduhās tato gāḥ; pārtho dadau brāhmaṇasattamebhyaḥ

Vaiśaṃpāyana sprach: Nachdem er die Worte des Großvaters gehört hatte, gab der König, der Ajamīḍha-Nachkomme [Yudhiṣṭhira], zusammen mit seinen Brüdern, da Kühe mit goldenen Behältern und bronzenen Melkeimern, der Pārtha, an die besten der Brahmanen.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
pitāmahasyātha niśamya vākyaṃ
des Großvaters dann, nach Anhören das Wort (Gen./Abs./Akk.)
rājā saha bhrātṛbhir ājamīḍhaḥ
der König mit den Brüdern, der Ājamīḍha (Nom./Instr.Pl.)
sauvarṇakāṃsyopaduhās tato gāḥ
mit goldenem Zubehör und Bronze-Melkgefäß, dann Kühe (Akk.Pl.f.)
pārtho dadau brāhmaṇasattamebhyaḥ
der Pārtha gab den besten Brahmanen (Nom./3.Sg.Perf./Dat.Pl.)

tathaiva tebhyo 'bhidadau dvijebhyo; gavāṃ sahasrāṇi śatāni caiva; yajñān samuddiśya ca dakṣiṇārthe; lokān vijetuṃ paramāṃ ca kīrtim

Ebenso gab er jenen Zweimalgeborenen Tausende und Hunderte von Kühen, und zwar im Hinblick auf Opfer, als Opfergeschenke, um die Welten zu gewinnen und höchsten Ruhm.

Wort für Wort
tathaiva tebhyo 'bhidadau dvijebhyo
ebenso gab er jenen Zweimalgeborenen (Adv./Dat.Pl./3.Sg.Perf.)
gavāṃ sahasrāṇi śatāni caiva
der Kühe Tausende und Hunderte (Gen.Pl./Akk.Pl.)
yajñān samuddiśya ca dakṣiṇārthe
und Opfer im Blick, zum Zweck der Opfergabe (Abs./Akk.Pl./Lok.)
lokān vijetuṃ paramāṃ ca kīrtim
Welten zu erobern und höchsten Ruhm (Akk.Pl./Inf./Akk.)

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