Kapitel 26: tīrthayātrāphalakathanam
Aufzählung der Tīrthas und der Früchte ihres Besuchs, nach Aṅgiras
Bhīṣma gibt Yudhiṣṭhira auf dessen Frage die von Aṅgiras dem Gautama verkündete Liste der Pilgerstätten mit den jeweiligen Verdiensten von Fasten und Bad wieder.
yudhiṣṭhira uvāca; tīrthānāṃ darśanaṃ śreyaḥ snānaṃ ca bharatarṣabha; śravaṇaṃ ca mahāprājña śrotum icchāmi tattvataḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Der Besuch der Tīrthas und das Baden [in ihnen] ist heilsam, Stier der Bharatas, und auch das Hören [darüber], du sehr Weiser; ich möchte es der Wahrheit gemäß hören.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
tīrthānāṃ darśanaṃ śreyaḥ
der Besuch (Anblick) der Tīrthas [ist] heilsamer/heilsam (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
snānaṃ ca bharatarṣabha
und das Baden, Stier der Bharatas (Nom./Vok.)
śravaṇaṃ ca mahāprājña
und das Hören, du sehr Weiser (Vok.)
śrotum icchāmi tattvataḥ
hören will ich der Wahrheit gemäß (Inf./1.Sg.Präs./Abl.-Adv.)
Bhīṣma sprach: „Diese von Aṅgiras verkündete Abstammungsreihe der Tīrthas [Liste der Tīrthas] sollst du hören, du Hochstrahlender; Heil dir! Du wirst das höchste Dharma erlangen.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
imam aṅgirasā proktaṃ
diese von Aṅgiras verkündete (Akk.Sg.m./Instr./Part.Perf.Pass.)
tīrthavaṃśaṃ mahādyute
Reihe/Genealogie der Tīrthas, du Hochstrahlender (Akk.Sg./Vok.)
śrotum arhasi bhadraṃ te
hören sollst du; Heil dir (Inf./2.Sg.Präs./Nom./Gen.-Dat.)
prāpsyase dharmam uttamam
du wirst erlangen das höchste Dharma (2.Sg.Fut.Med./Akk.Sg.)
tīrthavaṃśa wörtlich „Geschlecht/Reihe der Tīrthas“.
upaspṛśya phalaṃ kiṃ syāt teṣu tīrtheṣu vai mune; pretyabhāve mahāprājña tad yathāsti tathā vada
„Welche Frucht würde sich ergeben, wenn man in diesen Tīrthas die rituelle Wasserberührung vollzogen hat, Weiser? Im Zustand nach dem Tod, du sehr Weiser – wie es ist, so sprich.“
Wort für Wort
upaspṛśya phalaṃ kiṃ syāt
nach dem Wasserberühren, welche Frucht möge sein (Abs./Nom.Sg.n./Opt.3.Sg.)
teṣu tīrtheṣu vai mune
in diesen Tīrthas, fürwahr, Weiser (Lok.Pl./Vok.)
pretyabhāve mahāprājña
im Sein nach dem Tode, du sehr Weiser (Lok.Sg./Vok.)
aṅgirā uvāca; saptāhaṃ candrabhāgāṃ vai vitastām ūrmimālinīm; vigāhya vai nirāhāro nirmamo munivad bhavet
Aṅgiras sprach: „Sieben Tage lang in der Candrabhāgā und in der wellenbekränzten Vitastā gebadet, ohne Nahrung, ohne Ichbezug, soll man einem Weisen gleichen.“
Wort für Wort
aṅgirā uvāca
Aṅgiras sprach (Perf.)
saptāhaṃ candrabhāgāṃ vai
sieben Tage lang, die Candrabhāgā, fürwahr (Akk.-Adv./Akk.Sg.f.)
vitastām ūrmimālinīm
die Vitastā, die wellenbekränzte (Akk.Sg.f.)
vigāhya vai nirāhāraḥ
nachdem er getaucht ist, ohne Nahrung (Abs./Nom.Sg.m.)
nirmamo munivad bhavet
ohne Mein-Denken, wie ein Weiser möge er sein (Nom./Adv./Opt.3.Sg.)
Im Bezirk Kāśmīra: die Flüsse, die in den großen Strom münden – nachdem der Tugendhafte diese Flüsse [und] den Sindhu erreicht hat, würde er den Himmel erlangen.
Wort für Wort
kāśmīramaṇḍale nadyo
im Kreis/Land Kāśmīra die Flüsse (Lok.Sg./Nom.Pl.f.)
yāḥ patanti mahānadam
die münden in den großen Strom (Rel./3.Pl.Präs./Akk.Sg.)
tā nadīḥ sindhum āsādya
diese Flüsse, den Sindhu erreicht habend (Akk.Pl.f./Akk.Sg./Abs.)
śīlavān svargam āpnuyāt
der Tugendhafte den Himmel erlangen würde (Nom.Sg.m./Akk./Opt.3.Sg.)
Der Bezug von „tā nadīḥ“ ist etwas locker; der Sinn: nach Besuch der Flüsse und des Sindhu.
puṣkaraṃ ca prabhāsaṃ ca naimiṣaṃ sāgarodakam; devikām indramārgaṃ ca svarṇabinduṃ vigāhya ca; vibodhyate vimānasthaḥ so 'psarobhir abhiṣṭutaḥ
Puṣkara, Prabhāsa, Naimiṣa, das Meerwasser, Devikā, Indramārga und Svarṇabindu – wer darin gebadet hat, wird im Himmelswagen sitzend erweckt, von den Apsaras gepriesen.
Wort für Wort
puṣkaraṃ ca prabhāsaṃ ca naimiṣam
Puṣkara und Prabhāsa und Naimiṣa (Akk.)
sāgarodakam
das Meerwasser (Akk.Sg.n.)
devikām indramārgaṃ ca
Devikā und Indramārga (Akk.)
svarṇabinduṃ vigāhya ca
und Svarṇabindu, nachdem er getaucht ist (Akk./Abs.)
vibodhyate vimānasthaḥ
er wird erweckt, im Himmelswagen stehend (3.Sg.Pass./Nom.)
so 'psarobhir abhiṣṭutaḥ
er, von Apsaras gepriesen (Nom./Instr.Pl./Part.Perf.Pass.)
Wer Indratoyā erreicht hat, nahe dem Gandhamādana, [und] Karatoyā bei den Kuraṅgas, ein Mann, drei Nächte fastend, erlangt das Rossopfer, wenn er, beherrscht [und] rein, dort taucht.
apāṃ hrada upaspṛśya vājapeyaphalaṃ labhet; brahmacārī jitakrodhaḥ satyasaṃdhas tv ahiṃsakaḥ
Im Apāṃ-hrada, dem See der Wasser, die Wasserberührung vollzogen, erlangt man die Frucht des Vājapeya – wenn man Brahmacārin ist, den Zorn bezwungen hat, wahrhaftig im Bunde ist und gewaltlos.
Wort für Wort
apāṃ hrada upaspṛśya
im See der Wasser, Wasser berührt habend (Gen.Pl./Lok.Sg./Abs.)
vājapeyaphalaṃ labhet
die Frucht des Vājapeya erlangen möge er (Akk./Opt.3.Sg.)
brahmacārī jitakrodhaḥ
ein Keuschheitsschüler, den Zorn besiegt (Nom.Sg.)
satyasaṃdhas tv ahiṃsakaḥ
der Wahrheit verpflichtet, aber gewaltlos (Nom.Sg.)
„apāṃ hrada“ ist eventuell ein Name („Apāṃ-hrada“).
yatra bhāgīrathī gaṅgā bhajate diśam uttarām; maheśvarasya niṣṭhāne yo naras tv abhiṣicyate; ekamāsaṃ nirāhāraḥ svayaṃ paśyati devatāḥ
Wo die Bhāgīrathī Gaṅgā sich nach Norden wendet, an der Wohnstätte Maheśvaras: der Mann, der dort geweiht [gebadet] wird und einen Monat ohne Nahrung bleibt, sieht selbst die Götter.
Wort für Wort
yatra bhāgīrathī gaṅgā
wo die Bhāgīrathī Gaṅgā (Nom.Sg.f.)
bhajate diśam uttarām
sich zuwendet der nördlichen Richtung (3.Sg.Präs.Med./Akk.Sg.f.)
maheśvarasya niṣṭhāne
an der Stätte Maheśvaras (Gen./Lok.Sg.)
yo naras tv abhiṣicyate
der Mann, der besprengt/geweiht wird (Rel./Nom./3.Sg.Pass.)
ekamāsaṃ nirāhāraḥ
einen Monat ohne Nahrung (Akk.-Adv./Nom.)
svayaṃ paśyati devatāḥ
selbst sieht er die Götter (Adv./3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
Nachdem er die Einsiedelei Kālikā erreicht und in der Vipāśā die Wasserspende dargebracht hat, wird er als Brahmacārin, den Zorn bezwungen, nach drei Nächten vom [Kreislauf des] Werdens befreit.
Wort für Wort
kālikāśramam āsādya
die Einsiedelei Kālikā erreicht habend (Akk./Abs.)
vipāśāyāṃ kṛtodakaḥ
in der Vipāśā die Wasserspende vollzogen habend (Lok./Nom.)
brahmacārī jitakrodhaḥ
Brahmacārin, Zorn bezwungen (Nom.Sg.)
trirātrān mucyate bhavāt
nach drei Nächten wird er befreit vom Dasein (Abl./3.Sg.Pass./Abl.)
„bhavāt“ kann auch „von Bhava (Śiva)“ bedeuten; hier als Befreiung vom Dasein gedeutet.
mahāpura upaspṛśya trirātropoṣito naraḥ; trasānāṃ sthāvarāṇāṃ ca dvipadānāṃ bhayaṃ tyajet
In Mahāpura die Wasserberührung vollzogen, drei Nächte gefastet, legt der Mann die Furcht vor beweglichen und unbeweglichen [Wesen] und vor Zweifüßern ab.
Wort für Wort
mahāpura upaspṛśya
in Mahāpura Wasser berührt habend (Lok./Abs.)
trirātropoṣito naraḥ
drei Nächte gefastet, der Mann (Nom.)
trasānāṃ sthāvarāṇāṃ ca
vor beweglichen und unbeweglichen (Gen.Pl.)
dvipadānāṃ bhayaṃ tyajet
vor Zweifüßern Furcht ablegen möge er (Gen.Pl./Akk./Opt.)
śyāmāyās tv āśramaṃ gatvā uṣya caivābhiṣicya ca; trīṃs trirātrān sa saṃdhāya gandharvanagare vaset
Nachdem er zur Einsiedelei der Śyāmā gegangen ist, dort geweilt und sich gebadet hat, soll er, drei mal drei Nächte [einhaltend?] [?], in der Gandharvenstadt wohnen.
Wort für Wort
śyāmāyās tv āśramaṃ gatvā
aber zur Einsiedelei der Śyāmā gegangen (Gen./Akk./Abs.)
uṣya caivābhiṣicya ca
und geweilt und sich besprengt habend (Abs.)
trīṃs trirātrān sa saṃdhāya
drei Dreinächte, er, einhaltend/verbindend [?] (Akk.Pl./Nom./Abs.)
gandharvanagare vaset
in der Gandharvenstadt wohnen möge er (Lok./Opt.3.Sg.)
naimiṣe svargatīrthe ca upaspṛśya jitendriyaḥ; phalaṃ puruṣamedhasya labhen māsaṃ kṛtodakaḥ
In Naimiṣa und im Svargatīrtha die Wasserberührung vollzogen, die Sinne bezwungen, erlangt man, einen Monat lang die Wasserspende vollziehend, die Frucht des Menschenopfers.
Wort für Wort
naimiṣe svargatīrthe ca
in Naimiṣa und im Himmels-Tīrtha (Lok.)
upaspṛśya jitendriyaḥ
Wasser berührt habend, mit bezwungenen Sinnen (Abs./Nom.)
phalaṃ puruṣamedhasya
die Frucht des Menschenopfers (Akk./Gen.)
labhen māsaṃ kṛtodakaḥ
erlangen möge er, einen Monat, die Wasserspende vollziehend (Opt.3.Sg./Akk.-Adv./Nom.)
Am Tīrtha von Gaṅgā und Yamunā, ebenso auf dem Berg Kālaṃjara, [und] im Ṣaṣṭihrada die Wasserberührung vollzogen – eine Gabe [dort]; nichts anderes übertrifft [das].
Wort für Wort
gaṅgāyamunayos tīrthe
am Tīrtha von Gaṅgā und Yamunā (Gen.Du./Lok.)
tathā kālaṃjare girau
ebenso auf dem Berg Kālaṃjara (Lok.Sg.)
ṣaṣṭihrada upaspṛśya
im Ṣaṣṭihrada Wasser berührt habend (Lok./Abs.)
dānaṃ nānyad viśiṣyate
die Gabe; nichts anderes übertrifft (Nom.Sg.n./Nom./3.Sg.Pass.)
Der Halbvers ist knapp; „dānaṃ nānyad viśiṣyate“ kann auch heißen: als Gabe wird nichts anderes vorzüglicher.
Wer sich bei den Marut-Scharen [Marudgaṇa] gewaschen hat und im Einsiedlerhaus der Ahnen rein ist, und an der Furt des Vaivasvata, der Mensch wird zu einer [heiligen] Furt in Person.
Wort für Wort
marudgaṇa upaspṛśya
bei [den] Marut-Scharen nach dem Wasserritus (Lok./Abs.)
pitṝṇām āśrame śuciḥ
im Einsiedlerhaus der Ahnen, rein (Gen.Pl./Lok./Nom.)
vaivasvatasya tīrthe ca
und an der Furt des Vaivasvata (Gen./Lok.)
tīrthabhūto bhaven naraḥ
zur Furt gewordener Mensch möge er sein (Nom./3.Sg.Opt.)
Ebenso: Wer zum Brahmaśiras gegangen ist und in der Bhāgīrathī [Gaṅgā] das Wasseropfer dargebracht hat, einen Monat ohne Nahrung, der möge die Somawelt erlangen.
Wort für Wort
tathā brahmaśiro gatvā
ebenso zum Brahmaśiras gegangen (Akk./Abs.)
bhāgīrathyāṃ kṛtodakaḥ
in der Bhāgīrathī, das Wasseropfer vollzogen (Lok./Part.)
Wer im Zusammentreffen von Urvaśī und Kṛttikā, wohlgesammelt, [dorthin] gegangen ist und in der Lauhitya vorschriftsgemäß gebadet hat, erlangt den Lohn des Puṇḍarīka[-Opfers].
Wort für Wort
urvaśīkṛttikāyoge
bei der Verbindung von Urvaśī und Kṛttikā (Lok.)
gatvā yaḥ susamāhitaḥ
gegangen, wer wohlgesammelt (Abs./Nom./Nom.)
lauhitye vidhivat snātvā
in der Lauhitya vorschriftsgemäß gebadet (Lok./Adv./Abs.)
puṇḍarīkaphalaṃ labhet
den Lohn des Puṇḍarīka erlangt er (Akk./3.Sg.Opt.)
Wer am Rāma-Teich das Wasserritual vollzogen und in Viśālā das Wasseropfer dargebracht hat, zwölf Tage ohne Nahrung, wird von Befleckung völlig befreit.
Wort für Wort
rāmahrada upaspṛśya
am Rāma-Teich nach dem Wasserritus (Lok./Abs.)
viśālāyāṃ kṛtodakaḥ
in Viśālā das Wasseropfer vollzogen (Lok./Part.)
dvādaśāhaṃ nirāhāraḥ
zwölf Tage ohne Nahrung (Akk./Nom.)
kalmaṣād vipramucyate
von der Befleckung wird er befreit (Abl./3.Sg.Pass.)
Wer am Großen Teich [Mahāhrada] mit reinem Geist das Wasserritual vollzogen hat, einen Monat ohne Nahrung, der erlangt den Weg [das Ziel] des Jamadagni.
Wer im Vindhya[-Gebirge] sich kasteit, der Wahrheit verpflichtet und gewaltlos, [und] sechs Monate an einem [Ort] Stand gefasst hat, wird in einem einzigen Monat gereinigt.
Wort für Wort
vindhye saṃtāpya cātmānam
im Vindhya sich selbst erhitzend/kasteiend (Lok./Abs./Akk.)
satyasaṃdhas tv ahiṃsakaḥ
der Wahrheit verpflichtet, gewaltlos (Nom.)
ṣaṇmāsaṃ padam āsthāya
sechs Monate, einen Standort eingenommen habend (Akk./Akk./Abs.)
māsenaikena śudhyati
in einem einzigen Monat wird er rein (Instr./3.Sg.Präs.)
Wer in der Narmadā und ebenso im Wasser von Śūrpāraka das Wasserritual vollzogen hat, ohne Nahrung für eine Halbmonatsfrist, wird zum Königssohn bestimmt.
Wer bei Kokāmukha in die Wasser eingetaucht ist und zum Einsiedlerhaus der Caṇḍālikā gegangen ist, von Gemüse lebend, in Bastgewand gekleidet, gewinnt zehn Jungfrauen.
Wort für Wort
kokāmukhe vigāhyāpo
bei Kokāmukha in die Wasser eingetaucht (Lok./Abs./Akk.Pl.)
gatvā caṇḍālikāśramam
zum Einsiedlerhaus der Caṇḍālikā gegangen (Abs./Akk.)
śākabhakṣaś cīravāsāḥ
von Gemüse lebend, im Bastgewand (Nom.)
kumārīr vindate daśa
Jungfrauen gewinnt er, zehn (Akk.Pl./3.Sg.Präs./Akk.)
Wer in Ujjānaka und im Einsiedlerhaus des Ārṣṭiṣeṇa das Wasserritual vollzogen und im Einsiedlerhaus der Piṅgā gebadet hat, wird von allen Sünden befreit.
Wort für Wort
ujjānaka upaspṛśya
in Ujjānaka nach dem Wasserritus (Lok./Abs.)
ārṣṭiṣeṇasya cāśrame
und im Einsiedlerhaus des Ārṣṭiṣeṇa (Gen./Lok.)
piṅgāyāś cāśrame snātvā
im Einsiedlerhaus der Piṅgā gebadet (Gen./Lok./Abs.)
sarvapāpaiḥ pramucyate
von allen Sünden wird er befreit (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
Ebenso wer zum Brahmasaras gegangen ist, das vom Dharmāraṇya geschmückt ist, erlangt das Puṇḍarīka [-Opfer], rein, bis die Nacht [zum Morgen] hell wird.
maināke parvate snātvā tathā saṃdhyām upāsya ca; kāmaṃ jitvā ca vai māsaṃ sarvamedhaphalaṃ labhet
Wer auf dem Berg Maināka gebadet und ebenso die Dämmerungsandacht verrichtet, einen Monat lang das Begehren besiegt hat, erlangt den Lohn des Allopfers [Sarvamedha].
Wort für Wort
maināke parvate snātvā
auf dem Berg Maināka gebadet (Lok./Abs.)
tathā saṃdhyām upāsya ca
und ebenso die Dämmerungsandacht verrichtet (Akk./Abs.)
kāmaṃ jitvā ca vai māsaṃ
das Begehren besiegt, einen Monat lang (Akk./Abs./Akk.)
sarvamedhaphalaṃ labhet
den Lohn des Sarvamedha erlangt er (Akk./3.Sg.Opt.)
kālodakaṃ nandikuṇḍaṃ tathaivottaramānasam; abhyetya yojanaśatād bhrūṇahā vipramucyate; nandīśvarasya mūrtiṃ tu dṛṣṭvā mucyeta kilbiṣaiḥ; svargamārge naraḥ snātvā svargalokaṃ sa gacchati
Wer von Kālodaka, Nandikuṇḍa und ebenso Uttaramānasa aus hundert Yojanas herbeikommt, wird vom Embryomörder [Brahmanenmörder] befreit; und wer das Bildnis des Nandīśvara sieht, wird von Verfehlungen befreit; wer auf dem Himmelsweg gebadet hat, geht in die Himmelswelt.
Wort für Wort
kālodakaṃ nandikuṇḍaṃ
Kālodaka, Nandikuṇḍa (Akk.)
tathaivottaramānasam
ebenso Uttaramānasa (Akk.)
abhyetya yojanaśatād
herbeigekommen aus hundert Yojanas (Abs./Abl.)
bhrūṇahā vipramucyate
der Embryomörder wird befreit (Nom./3.Sg.Pass.)
nandīśvarasya mūrtiṃ tu dṛṣṭvā
das Bildnis des Nandīśvara gesehen (Gen./Akk./Abs.)
mucyeta kilbiṣaiḥ
möge befreit werden von Verfehlungen (3.Sg.Opt.Pass./Instr.Pl.)
svargamārge naraḥ snātvā
auf dem Himmelsweg der Mensch gebadet (Lok./Nom./Abs.)
svargalokaṃ sa gacchati
in die Himmelswelt geht er (Akk./3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satzbau des Zusatzverses unsicher [?].
śarīram utsṛjet tatra vidhipūrvam anāśake; adhruvaṃ jīvitaṃ jñātvā yo vai vedāntago dvijaḥ
Dort möge er den Leib aufgeben, vorschriftsgemäß im Fasten [bis zum Tod], der Zweimalgeborene, der, das Leben als unbeständig erkannt, ein Kenner des Vedānta ist.
Wort für Wort
śarīram utsṛjet tatra
den Leib möge er dort aufgeben (Akk./3.Sg.Opt./Adv.)
vidhipūrvam anāśake
vorschriftsgemäß im Fasten bis zum Tod (Adv./Lok.)
adhruvaṃ jīvitaṃ jñātvā
das Leben als unbeständig erkannt (Akk./Akk./Abs.)
yo vai vedāntago dvijaḥ
der, der zum Ende des Veda gelangt, Zweimalgeborener (Nom.)
Wenn er dort die Götter verehrt und ebenso die Weisen [Munis] ehrfürchtig gegrüßt hat, dann geht er als Vollendeter in den Himmel, in die ewige Brahmawelt.
Wort für Wort
abhyarcya devatās tatra
die Gottheiten dort verehrt (Abs./Akk.Pl./Adv.)
namaskṛtya munīṃs tathā
und die Munis gegrüßt (Abs./Akk.Pl.)
tataḥ siddho divaṃ gacched
dann als Vollendeter in den Himmel möge er gehen (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)
kāmaṃ krodhaṃ ca lobhaṃ ca yo jitvā tīrtham āvaset; na tena kiṃ cin na prāptaṃ tīrthābhigamanād bhavet
Wer Begehren, Zorn und Gier besiegt hat und [dann] an einer Furt weilt: Für den gibt es nichts, was nicht erlangt wäre, [sobald] er zur Furt gegangen ist.
Wort für Wort
kāmaṃ krodhaṃ ca lobhaṃ ca
Begehren, Zorn und Gier (Akk.)
yo jitvā tīrtham āvaset
wer besiegt habend an einer Furt weilt (Abs./Akk./3.Sg.Opt.)
na tena kiṃ cin na prāptaṃ
von ihm ist nichts nicht erlangt (Instr./Part.)
tīrthābhigamanād bhavet
durch den Besuch der Furt möge es sein (Abl./3.Sg.Opt.)
Zweite Vershälfte syntaktisch knapp; Wiedergabe sinngemäß [?].
Dies ist rein, dies segensreich, dies führt zum Himmel, dies bringt Glück; dies ist das Geheimnis der Götter und läutert die, die [im Wasser] Untergetauchten.
Wort für Wort
idaṃ medhyam idaṃ dhanyam
dies rein, dies segensreich (Nom.)
idaṃ svargyam idaṃ sukham
dies himmelwärts führend, dies Glück (Nom.)
idaṃ rahasyaṃ devānām
dies Geheimnis der Götter (Nom./Gen.Pl.)
āplāvyānāṃ ca pāvanam
und Läuterung der Badenden (Gen.Pl./Nom.)
āplāvyānām ‚die zu Badenden/Untergetauchten‘ Deutung unsicher [?].
Dies soll man den Zweimalgeborenen, den Guten oder dem eigenen Sohn geben [weitergeben]; oder man murmele es Freunden ins Ohr oder einem ergebenen Schüler.
Wort für Wort
idaṃ dadyād dvijātīnāṃ
dies gebe man den Zweimalgeborenen (Akk./3.Sg.Opt./Gen.Pl.)
sādhūnām ātmajasya vā
den Guten oder dem Sohn (Gen.Pl./Gen.)
suhṛdāṃ ca japet karṇe
und Freunden murmele man ins Ohr (Gen.Pl./3.Sg.Opt./Lok.)
Dies ist ein Murmelspruch der großen Weisen und unter den Läuternden der höchste; wer ihn murmelt, immer aufgestanden [am Morgen], gelangt makellos in den Himmel.
Wort für Wort
maharṣīṇām idaṃ japyaṃ
der großen Weisen dies zu Murmelnde (Gen.Pl./Nom.)
pāvanānāṃ tathottamam
unter den Läuternden ebenso das höchste (Gen.Pl./Nom.)
japaṃś cābhyutthitaḥ śaśvan
und murmelnd, aufgestanden, stets (Part./Part./Adv.)
nirmalaḥ svargam āpnuyāt
makellos den Himmel möge er erlangen (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)