Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 43: devaśarmavipulasaṃvāda Devaśarmans Belehrung an Vipula und Bhīṣmas Schlusswort über die Hut der Frauen

Devaśarman erklärt dem zurückgekehrten Vipula, dass Tag und Nacht sowie die Jahreszeiten die Zeugen verborgener Taten sind, und lobt ihn, weil er Ruci makellos behütet hat. Bhīṣma schließt mit allgemeinen Sätzen über gute und schlechte Frauen und die Schwierigkeit, sie zu hüten.

bhīṣma uvāca; tam āgatam abhiprekṣya śiṣyaṃ vākyam athābravīt; devaśarmā mahātejā yat tac chṛṇu narādhipa

Bhīṣma sprach: Als er den Schüler angekommen sah, sprach darauf Devaśarman, der sehr Strahlende, das Wort; das höre, Herr der Menschen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
tam āgatam abhiprekṣya
ihn, den Angekommenen, erblickt habend (Akk./Abs.)
śiṣyaṃ vākyam athābravīt
den Schüler [ansehend], das Wort sprach er darauf (Akk./Impf.)
devaśarmā mahātejāḥ
Devaśarman, der sehr Strahlende (Nom.)
yat tac chṛṇu narādhipa
was [er sprach], das höre, Herr der Menschen (Imp./Vok.)

devaśarmovāca; kiṃ te vipula dṛṣṭaṃ vai tasminn adya mahāvane; te tvā jānanti nipuṇa ātmā ca rucir eva ca

Devaśarman sprach: „Was hast du, Vipula, heute in jenem großen Wald gesehen? Die kennen dich, Gewandter, und [dein] Selbst und [deine] Ruci.“

Wort für Wort
devaśarmā uvāca
Devaśarman sprach (Perf.)
kiṃ te vipula dṛṣṭaṃ vai
was ist von dir, Vipula, gesehen worden (Nom.n./Instr.-Dat./Vok./Part.Perf.Pass.)
tasmin adya mahāvane
in jenem heute, im großen Wald (Lok.)
te tvā jānanti nipuṇa
jene kennen dich, Gewandter (3.Pl.Präs./Akk./Vok.)
ātmā ca rucir eva ca
und das Selbst und Ruci gewiss (Nom.) [?]

Der zweite Satz ist knapp und mehrdeutig; ruci kann auch „Wunsch, Neigung“ bedeuten (Ruci ist zugleich der Name der Frau des Lehrers).

vipula uvāca; brahmarṣe mithunaṃ kiṃ tat ke ca te puruṣā vibho; ye māṃ jānanti tattvena tāṃś ca me vaktum arhasi

Vipula sprach: „Brahmanen-Weiser, welches Paar war das, und wer sind jene Männer, Herr, die mich in Wahrheit kennen? Auch das mögest du mir sagen.“

Wort für Wort
vipula uvāca
Vipula sprach (Perf.)
brahmarṣe mithunaṃ kiṃ tat
Brahmanen-Weiser, welches Paar [war] das (Vok./Nom.n.)
ke ca te puruṣā vibho
und wer [sind] jene Männer, Herr (Nom.Pl./Vok.)
ye māṃ jānanti tattvena
die mich kennen der Wahrheit nach (3.Pl.Präs./Instr.)
tāṃś ca me vaktum arhasi
und sie mir zu nennen vermagst du (Akk.Pl./Inf./2.Sg.Präs.)

devaśarmovāca; yad vai tan mithunaṃ brahmann ahorātraṃ hi viddhi tat; cakravat parivarteta tat te jānāti duṣkṛtam

Devaśarman sprach: „Jenes Paar, Brahmane – wisse, es ist Tag und Nacht; wie ein Rad dreht es sich; das kennt deine Missetat.“

Wort für Wort
devaśarmā uvāca
Devaśarman sprach (Perf.)
yad vai tan mithunaṃ brahman
jenes Paar, Brahmane (Nom.n./Vok.)
ahorātraṃ hi viddhi tat
Tag-und-Nacht, denn wisse das (Nom.n./Imp.)
cakravat parivarteta
wie ein Rad dreht es sich (Opt.Med., generalisierend)
tat te jānāti duṣkṛtam
das kennt deine Missetat (3.Sg.Präs./Akk.n.)

ye ca te puruṣā vipra akṣair dīvyanti hṛṣṭavat; ṛtūṃs tān abhijānīhi te te jānanti duṣkṛtam

„Und die Männer, Weiser, die wie erfreut mit Würfeln spielen – erkenne sie als die Jahreszeiten; sie kennen deine Missetat.“

Wort für Wort
ye ca te puruṣā vipra
und jene Männer, Weiser (Nom.Pl./Vok.)
akṣair dīvyanti hṛṣṭavat
mit Würfeln spielen wie erfreut (Instr.Pl./3.Pl.Präs./Adv.)
ṛtūn tān abhijānīhi
als Jahreszeiten sie erkenne (Akk.Pl./Imp.)
te te jānanti duṣkṛtam
sie kennen deine Missetat (3.Pl.Präs.)

na māṃ kaś cid vijānīta iti kṛtvā na viśvaset; naro rahasi pāpātmā pāpakaṃ karma vai dvija

„‚Mich kennt niemand‘ – in dieser Erwägung soll ein Mensch, der im Verborgenen von schlechter Gesinnung ist, nicht [sicher] vertrauen, Zweigeborener, [wenn er] eine böse Tat [tut].“

Wort für Wort
na māṃ kaś cid vijānīta
mich soll niemand kennen [= kennt] (Opt.)
iti kṛtvā na viśvaset
so denkend soll er nicht vertrauen (Abs./Opt.)
naro rahasi pāpātmā
der Mensch, im Verborgenen, böser Gesinnung (Nom./Lok./Bahuvrīhi)
pāpakaṃ karma vai dvija
böse Tat gewiss, Zweigeborener (Akk.n./Vok.)

Die Syntax des zweiten Halbverses ist knapp; die Ergänzung „wenn er … tut“ ist sinngemäß.

kurvāṇaṃ hi naraṃ karma pāpaṃ rahasi sarvadā; paśyanti ṛtavaś cāpi tathā dinaniśe 'py uta

„Einen Menschen, der stets im Verborgenen böse Tat tut, sehen die Jahreszeiten und ebenso auch Tag und Nacht.“

Wort für Wort
kurvāṇaṃ hi naraṃ karma
einen Tuenden nämlich, einen Menschen, Tat (Part.Med.Akk./Akk.)
pāpaṃ rahasi sarvadā
Böses im Verborgenen allezeit (Akk.n./Lok./Adv.)
paśyanti ṛtavaś ca api
sehen die Jahreszeiten auch (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
tathā dinaniśe 'py uta
ebenso Tag und Nacht auch fürwahr (Nom.Du.)

tathaiva hi bhaveyus te lokāḥ pāpakṛto yathā; kṛtvā nācakṣataḥ karma mama tac ca tvayā kṛtam

„Ebenso würden [ihm] jene Welten sein wie die des Übeltäters: [für den], der eine Tat getan hat und sie nicht kundtut – ‚das ist mein, und das ist von dir getan‘.“

Wort für Wort
tathā eva hi bhaveyus te lokāḥ
ebenso würden jene Welten sein (Opt./Nom.Pl.)
pāpakṛto yathā
wie [die] des Übeltäters (Gen.)
kṛtvā na ācakṣataḥ karma
für den, der die Tat getan hat und nicht verkündet (Abs./Gen.Part.)
mama tat ca tvayā kṛtam
mein [ist] das, und von dir getan (Gen./Nom.n./Instr./Part.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Text ist knapp und vermutlich verderbt, die Wiedergabe unsicher (vgl. 43.011).

te tvāṃ harṣasmitaṃ dṛṣṭvā guroḥ karmānivedakam; smārayantas tathā prāhus te yathā śrutavān bhavān

„Sie, als sie dich mit frohem Lächeln sahen, [dich,] der dem Lehrer die Tat nicht meldet, erinnerten dich und sprachen so, wie du es gehört hast.“

Wort für Wort
te tvāṃ harṣasmitaṃ dṛṣṭvā
sie, dich, freudig lächelnd, gesehen habend (Akk./Abs.)
guroḥ karma anivedakam
dem Lehrer die Tat nicht meldend (Gen./Akk./Kompositum)
smārayantas tathā prāhus
erinnernd, so sprachen sie (Part.Kaus./3.Pl.Perf.)
te yathā śrutavān bhavān
sie, wie Ihr [es] gehört habt (Part.Perf.Akt./Nom.)

ahorātraṃ vijānāti ṛtavaś cāpi nityaśaḥ; puruṣe pāpakaṃ karma śubhaṃ vā śubhakarmaṇaḥ

„Tag und Nacht wissen es, und ebenso stets die Jahreszeiten: die böse Tat eines Menschen oder die gute des gut Handelnden.“

Wort für Wort
ahorātraṃ vijānāti
Tag-und-Nacht weiß (3.Sg.Präs.)
ṛtavaḥ ca api nityaśaḥ
und auch die Jahreszeiten stets (Nom.Pl./Adv.)
puruṣe pāpakaṃ karma
bei einem Menschen die böse Tat (Lok./Nom.n.)
śubhaṃ vā śubhakarmaṇaḥ
oder die gute des gut Handelnden (Nom.n./Gen.)

tat tvayā mama yat karma vyabhicārād bhayātmakam

„Jene Tat von dir an mir, die durch Fehltritt furchtbehaftet war, [ …]“

Wort für Wort
tat tvayā mama yat karma
jene Tat von dir an/für mich, welche (Instr./Gen./Nom.n.)
vyabhicārād bhayātmakam
aus Fehltritt/Abweichung furchtbehaftet (Abl./Adj.)

Satzanfang, der in Einheit 13 zu Ende geführt wird.

tat tvayā vai tathā kāryam abhicārabhayātmakam

„Jenes sollst du ebenso tun, was von Furcht vor Behexung erfüllt ist.“

Wort für Wort
tat tvayā vai tathā kāryam
das ist von dir ebenso zu tun (Gerundiv)
abhicārabhayātmakam
von Furcht vor Behexung erfüllt (Adj.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; Sinn unsicher.

nākhyātam iti jānantas te tvām āhus tathā dvija

„[…] sei nicht angezeigt worden – so wissend, sprachen sie zu dir, Zweigeborener.“

Wort für Wort
na ākhyātam iti
nicht berichtet, so (Part.Pass./iti)
jānantas te tvām
wissend, sie, dich (Part.Präs./Akk.)
āhus tathā dvija
sagten so, Zweigeborener (3.Pl.Perf./Vok.)

te caiva hi bhaveyus te lokāḥ pāpakṛto yathā; kṛtvā nācakṣataḥ karma mama yac ca tvayā kṛtam

„Auch für sie würden jene Welten sein wie die des Übeltäters, [für den,] der eine Tat getan hat und sie nicht kundtut – [nämlich] meine, die von dir getan wurde.“

Wort für Wort
te ca eva hi bhaveyus
und sie ebenso würden sein (Opt.)
te lokāḥ pāpakṛto yathā
jene Welten, wie die des Übeltäters (Nom.Pl./Gen.)
kṛtvā na ācakṣataḥ karma
wer die Tat getan hat und nicht kundtut (Abs./Gen.Part.)
mama yat ca tvayā kṛtam
meine, welche von dir getan wurde (Gen./Instr./Part.) [?]

Vgl. Einheit 8; der Text ist knapp, Sinn unsicher.

tathā śakyā ca durvṛttā rakṣituṃ pramadā dvija; na ca tvaṃ kṛtavān kiṃ cid āgaḥ prīto 'smi tena te

„Und so ist auch eine Frau von schlechtem Wandel zu hüten möglich, Zweigeborener. Du hast aber keinerlei Vergehen begangen; darüber bin ich dir wohlgesinnt.“

Wort für Wort
tathā śakyā ca durvṛttā
so ist möglich auch die Übelwandelnde (Adj.f.)
rakṣituṃ pramadā dvija
zu hüten, die Frau, Zweigeborener (Inf./Nom./Vok.)
na ca tvaṃ kṛtavān kiṃ cid āgaḥ
und du hast nichts an Vergehen getan (Part.Perf.Akt./Akk.)
prīto 'smi tena te
zufrieden bin ich deswegen mit dir (Part./1.Sg./Instr./Lok.-Dat.)

manodoṣavihīnānāṃ na doṣaḥ syāt tathā tava; anyathāliṅgyate kāntā snehena duhitānyathā; yateś ca kāmukānāṃ ca yoṣidrūpe 'nyathā matiḥ; aśikṣayaiva manasaḥ prāyo lokas tu vañcyate; lolety udvijate loko vaktrāsava iti spṛhā; abandhāyogyamanasām iti mantrātmadaivatam; na rāgasnehalobhāndhaṃ karmiṇāṃ tan mahāphalam; niṣkaṣāyo viśuddhas tvaṃ rucyāveśān na dūṣitaḥ

„Bei denen, die frei von Fehlern des Geistes sind, gäbe es ebenso bei dir keinen Fehler. Anders wird die Geliebte umarmt, aus Zuneigung anders die Tochter; beim Asketen und bei den Liebhabern ist der Sinn gegenüber der Frauengestalt verschieden. Nur durch Nichtschulung des Geistes wird die Welt meist getäuscht: ‚launisch‘ – so schreckt die Welt zurück; ‚Mundnektar‘ – so [entsteht] Begehren. Bei denen, deren Geist zu Bindung nicht taugt – so [gilt] das Mantra-Selbst-Göttliche [?]; nicht ist das von Leidenschaft, Zuneigung und Gier Verblendete für Tatmenschen von großer Frucht. Du bist frei von Trübung, rein, durch das Erfülltsein von Ruci [Verlangen?] nicht befleckt.“

Wort für Wort
manodoṣavihīnānāṃ na doṣaḥ syāt tathā tava
bei den von Geistesfehlern Freien gäbe es ebenso bei dir keinen Fehler (Gen.Pl./Opt.)
anyathā āliṅgyate kāntā
anders wird die Geliebte umarmt (3.Sg.Pass.)
snehena duhitā anyathā
aus Zuneigung anders die Tochter (Instr.)
yateḥ ca kāmukānāṃ ca
beim Asketen und bei den Liebhabern (Gen.)
yoṣidrūpe 'nyathā matiḥ
gegenüber der Frauengestalt ist die Gesinnung verschieden (Lok./Nom.)
aśikṣayā eva manasaḥ prāyo lokas tu vañcyate
nur durch Nichtschulung des Geistes wird die Welt meist getäuscht (Instr./Gen./Pass.)
lolā iti udvijate lokaḥ vaktrāsavaḥ iti spṛhā
„launisch“ – so schreckt die Welt zurück; „Mundnektar“ – so Begehren (Nom.)
abandhāyogyamanasām iti mantrātmadaivatam
bei denen mit zu Bindung untauglichem Geist – so [gilt] das Mantra-Selbst-Göttliche (Gen.Pl./Nom.n.) [?]
na rāgasnehalobhāndhaṃ karmiṇāṃ tat mahāphalam
nicht [ist] das von Leidenschaft, Zuneigung, Gier Verblendete für Tatmenschen von großer Frucht (Adj./Gen.Pl.) [?]
niṣkaṣāyaḥ viśuddhaḥ tvam
du [bist] frei von Trübung, rein (Nom.)
rucyāveśāt na dūṣitaḥ
durch das Erfülltsein von Ruci/Verlangen nicht befleckt (Abl./Part.Pass.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; stark elliptisch und wohl verderbt. Die Halbverse 5 und 6 sind besonders unsicher.

yadi tv ahaṃ tvā durvṛttam adrākṣaṃ dvijasattama; śapeyaṃ tvām ahaṃ krodhān na me 'trāsti vicāraṇā

„Hätte ich dich aber als Schlechthandelnden gesehen, Bester der Zweigeborenen, dann würde ich dich im Zorn verfluchen; darüber gibt es bei mir kein Überlegen.“

Wort für Wort
yadi tu aham tvā durvṛttam adrākṣam
wenn ich dich aber als Übelwandelnden gesehen hätte (Aor.)
dvijasattama
Bester der Zweigeborenen (Vok.)
śapeyaṃ tvām ahaṃ krodhāt
würde ich dich verfluchen im Zorn (Opt./Abl.)
na me 'tra asti vicāraṇā
nicht gibt es bei mir hierin Überlegung (Lok.)

sajjanti puruṣe nāryaḥ puṃsāṃ so 'rthaś ca puṣkalaḥ; anyathā rakṣataḥ śāpo 'bhaviṣyat te gatiś ca sā

„Frauen hängen sich an einen Mann, und reichlich ist dieser Nutzen für die Männer; hättest du [sie] anders behütet, so wäre dir Fluch geworden und jenes [schlimme] Los.“

Wort für Wort
sajjanti puruṣe nāryaḥ
sie haften am Mann, die Frauen (3.Pl.Präs./Lok./Nom.Pl.)
puṃsāṃ so 'rthaś ca puṣkalaḥ
und dieser Nutzen der Männer [ist] reichlich (Gen.Pl./Nom.) [?]
anyathā rakṣataḥ śāpaḥ
bei einem, der anders behütet, [wäre] Fluch (Part.Gen./Nom.)
abhaviṣyat te gatiḥ ca sā
wäre dir geworden und jenes Los (Kond./Nom.f.)

Sinn des ersten Halbverses unsicher.

rakṣitā sā tvayā putra mama cāpi niveditā; ahaṃ te prītimāṃs tāta svasti svargaṃ gamiṣyasi

„Behütet wurde sie von dir, mein Sohn, und mir auch angezeigt; ich bin dir wohlgesinnt, Lieber; heil! Du wirst in den Himmel gehen.“

Wort für Wort
rakṣitā sā tvayā putra
behütet wurde sie von dir, Sohn (Part.Pass./Instr./Vok.)
mama ca api niveditā
und auch mir gemeldet (Dat.-Gen./Part.Pass.)
aham te prītimān tāta
ich bin dir wohlgesinnt, Lieber (Nom./Adj./Vok.)
svasti svargaṃ gamiṣyasi
Heil! in den Himmel wirst du gehen (Fut.)

bhīṣma uvāca; ity uktvā vipulaṃ prīto devaśarmā mahān ṛṣiḥ; mumoda svargam āsthāya sahabhāryaḥ saśiṣyakaḥ

Bhīṣma sprach: So zu Vipula gesprochen, freute sich der große Ṛṣi Devaśarman, zufrieden; er gelangte in den Himmel, samt Ehefrau und samt Schülern.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
iti uktvā vipulaṃ prītaḥ
so gesprochen habend zu Vipula, zufrieden (Abs./Akk./Part.)
devaśarmā mahān ṛṣiḥ
Devaśarman, der große Seher (Nom.)
mumoda svargam āsthāya
freute sich, den Himmel erreicht habend (3.Sg.Perf./Abs.)
sahabhāryaḥ saśiṣyakaḥ
samt Frau, samt Schülern (Bahuvrīhi)

idam ākhyātavāṃś cāpi mamākhyānaṃ mahāmuniḥ; mārkaṇḍeyaḥ purā rājan gaṅgākūle kathāntare

Diese Erzählung hat mir auch der große Weise Mārkaṇḍeya einst erzählt, König, am Ufer der Gaṅgā, im Verlauf eines Gesprächs.

Wort für Wort
idam ākhyātavān ca api
dies hat auch erzählt (Akk.n./Part.Perf.Akt.)
mama ākhyānam
mir die Erzählung (Gen.-Dat./Akk.n.)
mahāmuniḥ mārkaṇḍeyaḥ
der große Weise Mārkaṇḍeya (Nom.)
purā rājan
einst, König (Adv./Vok.)
gaṅgākūle kathāntare
am Gaṅgā-Ufer, in einer Gesprächspause bzw. im Gespräch (Lok.)

tasmād bravīmi pārtha tvā striyaḥ sarvāḥ sadaiva ca; ubhayaṃ dṛśyate tāsu satataṃ sādhv asādhu ca

„Darum sage ich dir, Pārtha, über alle Frauen, zu allen Zeiten: Beides sieht man bei ihnen stets, Gutes und Nicht-Gutes.“

Wort für Wort
tasmāt bravīmi pārtha tvā
deshalb sage ich dir, Pārtha (Abl./1.Sg./Vok./Akk.)
striyaḥ sarvāḥ sadā eva ca
[über] alle Frauen und stets (Akk.Pl./Adv.)
ubhayaṃ dṛśyate tāsu
beides wird gesehen an ihnen (Pass./Lok.)
satataṃ sādhu asādhu ca
beständig Gutes und Nicht-Gutes (Adv./Nom.n.)

striyaḥ sādhvyo mahābhāgāḥ saṃmatā lokamātaraḥ; dhārayanti mahīṃ rājann imāṃ savanakānanām

„Frauen, tugendhaft, hochbegnadet, geachtet, Mütter der Welt, tragen diese Erde samt Wäldern und Hainen, König.“

Wort für Wort
striyaḥ sādhvyaḥ mahābhāgāḥ
Frauen, tugendhaft, hochbegnadet (Nom.Pl.)
saṃmatā lokamātaraḥ
geachtet, Mütter der Welt (Part./Nom.Pl.)
dhārayanti mahīṃ rājan
sie tragen die Erde, König (3.Pl.Präs./Akk./Vok.)
imāṃ savanakānanām
diese samt Wäldern und Hainen (Akk.)

asādhvyaś cāpi durvṛttāḥ kulaghnyaḥ pāpaniścayāḥ; vijñeyā lakṣaṇair duṣṭaiḥ svagātrasahajair nṛpa

„Und die Untugendhaften, von schlechtem Wandel, Vernichterinnen der Familie, von bösem Entschluss, sind an bösen, mit dem eigenen Körper angeborenen Merkmalen zu erkennen, König.“

Wort für Wort
asādhvyaḥ ca api durvṛttāḥ
und die Untugendhaften, von schlechtem Wandel (Nom.Pl.)
kulaghnyaḥ pāpaniścayāḥ
Familienvernichterinnen, von bösem Entschluss (Nom.Pl.)
vijñeyā lakṣaṇaiḥ duṣṭaiḥ
zu erkennen an bösen Merkmalen (Gerundiv/Instr.Pl.)
svagātrasahajaiḥ nṛpa
mit dem eigenen Körper angeborenen, König (Instr.Pl./Vok.)

evam etāsu rakṣā vai śakyā kartuṃ mahātmabhiḥ; anyathā rājaśārdūla na śakyā rakṣituṃ striyaḥ

„So ist bei diesen der Schutz für Hochgesinnte zu leisten möglich; anders, Tiger unter den Königen, sind Frauen nicht zu schützen.“

Wort für Wort
evam etāsu rakṣā vai
so bei diesen der Schutz gewiss (Adv./Lok./Nom.)
śakyā kartuṃ mahātmabhiḥ
möglich zu leisten durch Hochgesinnte (Adj./Inf./Instr.Pl.)
anyathā rājaśārdūla
anders, Tiger unter den Königen (Adv./Vok.)
na śakyā rakṣituṃ striyaḥ
nicht möglich zu schützen [sind] Frauen (Inf./Nom.Pl.)

etā hi manujavyāghra tīkṣṇās tīkṣṇaparākramāḥ; nāsām asti priyo nāma maithune saṃgame nṛbhiḥ

„Denn diese, Tiger unter den Menschen, sind scharf, von scharfer Tatkraft; bei ihnen gibt es beim Beischlaf, bei der Vereinigung mit Männern, kein sogenanntes ‚Lieb‘.“

Wort für Wort
etāḥ hi manujavyāghra
denn diese, Tiger unter den Menschen (Nom.Pl./Vok.)
tīkṣṇāḥ tīkṣṇaparākramāḥ
scharf, von scharfer Tatkraft (Nom.Pl.)
na āsām asti priyaḥ nāma
nicht gibt es bei ihnen einen sogenannten Lieben (Gen.Pl./3.Sg./Nom.)
maithune saṃgame nṛbhiḥ
beim Beischlaf, bei der Vereinigung mit Männern (Lok./Instr.Pl.)

etāḥ kṛtyāś ca kāryāś ca kṛtāś ca bharatarṣabha; na caikasmin ramanty etāḥ puruṣe pāṇḍunandana

„Diese sind Kṛtyās [Zauberwesen], sind zu Bewirkende und sind Bewirkte [?], Stier der Bharata; und an einem einzigen Mann finden diese kein Genügen, Sohn des Pāṇḍu.“

Wort für Wort
etāḥ kṛtyāḥ ca kāryāḥ ca
diese [sind] Kṛtyās und zu Bewirkende (Nom.Pl./Gerundiv) [?]
kṛtāḥ ca bharatarṣabha
und Bewirkte, Stier der Bharata (Part.Pass./Vok.) [?]
na ca ekasmin ramanti etāḥ
und nicht an einem finden diese Gefallen (3.Pl.Präs./Lok.)
puruṣe pāṇḍunandana
am Mann, Freude der Pāṇḍavas bzw. Sohn des Pāṇḍu (Lok./Vok.)

Wortspiel mit kṛtyā, kārya und kṛta; Sinn der zweiten und dritten Glieder unsicher.

nāsu sneho nṛbhiḥ kāryas tathaiverṣyā janeśvara; khedam āsthāya bhuñjīta dharmam āsthāya caiva hi

„Zu ihnen soll von Männern nicht Zuneigung gehegt werden, ebenso nicht Eifersucht, Herr der Menschen; unter Ertragen von Mühe [?] soll man genießen und im Dharma verharrend.“

Wort für Wort
na āsu snehaḥ nṛbhiḥ kāryaḥ
nicht bei diesen ist Zuneigung von Männern zu hegen (Lok.Pl./Nom./Instr.Pl./Gerundiv)
tathā eva īrṣyā janeśvara
ebenso Eifersucht, Herr der Menschen (Nom./Vok.)
khedam āsthāya bhuñjīta
Mühe [ertragend] soll man genießen (Abs./Opt.Med.) [?]
dharmam āsthāya ca eva hi
und im Dharma verharrend (Abs.)

khedam āsthāya: Sinn unsicher.

anṛtāv iha parvādidoṣavarjaṃ narādhipa

„Außerhalb der [Fruchtbarkeits-]Zeit, hier, frei von den Fehlern der Parvan-Tage und dergleichen, Herr der Menschen.“

Wort für Wort
anṛtau iha
außerhalb der Fruchtbarkeitszeit hier (Lok./Adv.)
parvādidoṣavarjam
die Fehler der Parvan-Tage usw. meidend (Adj.)
narādhipa
Herr der Menschen (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, fragmentarisch.

anṛtān api parvādidoṣavarjī nirāmayaḥ

„Auch außerhalb der [Fruchtbarkeits-]Zeiten, die Fehler der Parvan-Tage usw. meidend, gesund.“

Wort für Wort
anṛtān api
auch außerhalb der Zeiten (Akk.Pl./Part.)
parvādidoṣavarjī
die Fehler der Parvan-Tage usw. meidend (Nom.)
nirāmayaḥ
gesund, unversehrt (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, fragmentarisch.

vihanyetānyathā kurvan naraḥ kauravanandana; sarvathā rājaśārdūla yuktiḥ sarvatra pūjyate

„Zugrunde ginge ein Mann, der anders handelt, Freude der Kauravas; in jeder Hinsicht, Tiger unter den Königen, wird überall kluges Vorgehen geehrt.“

Wort für Wort
vihanyeta anyathā kurvan
würde zugrunde gehen, anders handelnd (Opt.Pass./Adv./Part.)
naraḥ kauravanandana
der Mann, Freude der Kauravas (Nom./Vok.)
sarvathā rājaśārdūla
in jeder Weise, Tiger unter den Königen (Adv./Vok.)
yuktiḥ sarvatra pūjyate
kluges Vorgehen wird überall geehrt (Nom./Adv./Pass.)

tenaikena tu rakṣā vai vipulena kṛtā striyāḥ; nānyaḥ śakto nṛloke 'smin rakṣituṃ nṛpa yoṣitaḥ

„Von jenem einzigen Vipula wurde die Frau behütet; kein anderer ist in dieser Menschenwelt imstande, Frauen zu behüten, König.“

Wort für Wort
tena ekena tu rakṣā vai
durch jenen einen aber Schutz gewiss (Instr./Nom.)
vipulena kṛtā striyāḥ
durch Vipula geleistet der Frau (Instr./Part.Pass./Gen.)
na anyaḥ śaktaḥ nṛloke 'smin
kein anderer [ist] fähig in dieser Menschenwelt (Nom./Lok.)
rakṣituṃ nṛpa yoṣitaḥ
zu behüten, König, Frauen (Inf./Vok./Akk.Pl.)

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