Kapitel 138: brāhmaṇamāhātmya
Vāyu preist die Größe der Brahmanen und widerlegt die Lehre vom Weltei
Vāyu belehrt den König Arjuna (Kārtavīrya) und führt Beispiele für die Macht der Brahmanen an (Aṅgiras, Gautama, Aurva u. a.). Am Ende weist er die Vorstellung ab, Brahmā sei aus einem Ei geboren.
abhiśaptaś ca bhagavān gautamena puraṃdaraḥ; ahalyāṃ kāmayāno vai dharmārthaṃ ca na hiṃsitaḥ
Und auch der Herr Puraṃdara [Indra] wurde von Gautama verflucht, als er Ahalyā begehrte; um des Dharma und [seines] Zwecks willen wurde er jedoch nicht getötet [?].
Wort für Wort
abhiśaptaḥ ca bhagavān
und verflucht wurde der Herr (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.)
gautamena puraṃdaraḥ
von Gautama Puraṃdara [Indra] (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
Der goldfarbene, rauchlose, mit dicht zusammengefasster, aufwärtsstehender Flamme, der Weise [Agni] wurde vom zornigen Aṅgiras verflucht und dieser Eigenschaften beraubt.
Wort für Wort
suvarṇavarṇaḥ nirdhūmaḥ
goldfarben, rauchlos (Nom.Sg.)
saṃhatordhvaśikhaḥ kaviḥ
mit dichter, aufwärtsstehender Flamme, der Weise (Nom.Sg.; Kompositum)
kruddhena aṅgirasā
vom zornigen Aṅgiras (Instr.Sg.)
śaptaḥ guṇaiḥ etaiḥ vivarjitaḥ
verflucht, dieser Eigenschaften beraubt (Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
Bezug auf Agni ergibt sich nur aus dem Zusammenhang (kaviḥ, Flammenattribute).
samo na tvaṃ dvijātibhyaḥ śreṣṭhaṃ viddhi narādhipa; garbhasthān brāhmaṇān samyaṅ namasyati kila prabhuḥ
Du bist den Zweimalgeborenen nicht gleich; wisse [sie als] die Besseren, Herrscher der Menschen. Den Brahmanen im Mutterleib verneigt sich wahrlich der Herr recht [ehrerbietig].
Wort für Wort
samaḥ na tvam dvijātibhyaḥ
gleich bist du den Zweimalgeborenen nicht (Nom.Sg.; Nom.Sg.; Dat./Abl.Pl.)
śreṣṭhaṃ viddhi narādhipa
wisse [sie als] besser, Herrscher der Menschen (Akk.Sg.n.; Imp.2.Sg.; Vok.Sg.)
garbhasthān brāhmaṇān
die im Mutterleib befindlichen Brahmanen (Akk.Pl.; Akk.Pl.)
samyaṅ namasyati kila prabhuḥ
recht verehrt er, wie es heißt, der Herr (Adv.; 3.Sg.Präs.; Nom.Sg.)
agniṃ tvaṃ yajase nityaṃ kasmād arjuna brāhmaṇam; sa hi sarvasya lokasya havyavāṭ kiṃ na vetsi tam
Agni verehrst du stets [mit Opfern] – warum, Arjuna, [nicht] den Brahmanen [?]? Er ist doch der Opferspeisen-Träger der ganzen Welt; kennst du ihn nicht?
Wort für Wort
agniṃ tvaṃ yajase nityam
Agni verehrst du beständig (Akk.Sg.; Nom.Sg.; 2.Sg.Präs.Med.; Adv.)
kasmāt arjuna brāhmaṇam
warum, Arjuna, den Brahmanen [?] (Adv.; Vok.Sg.; Akk.Sg.)
sa hi sarvasya lokasya
er ist ja der ganzen Welt (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
havyavāṭ
Opferspeisenträger (Nom.Sg.)
kiṃ na vetsi tam
kennst du ihn nicht? (Fragepartikel; 2.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
Der Text ist knapp: Der Brahmane wird mit Agni gleichgesetzt oder ihm gegenübergestellt.
atha vā brāhmaṇaśreṣṭham anu bhūtānupālakam; kartāraṃ jīvalokasya kasmāj jānan vimuhyase
Oder [warum] wirst du, obwohl du es weißt, im Hinblick auf den Besten der Brahmanen, den Beschützer der Wesen, den Schöpfer der Welt der Lebenden, verwirrt?
Wort für Wort
atha vā brāhmaṇaśreṣṭham anu
oder im Hinblick auf den Besten der Brahmanen [?] (Partikeln; Akk.Sg.; Postp.)
bhūtānupālakam
den Beschützer der Wesen (Akk.Sg.)
kartāraṃ jīvalokasya
den Schöpfer der Welt der Lebenden (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
kasmāt jānan vimuhyase
warum wirst du, wissend, verwirrt (Adv.; Part.Präs.; 2.Sg.Präs.Pass.)
anu ist hier als Postposition ‚im Hinblick auf‘ gefasst; unsicher.