Kapitel 24: śrāddhavidhi
Regeln des Ahnenmahls: Rākṣasa-Anteile, würdige und unwürdige Brahmanen, Lohn der Gaben und Wege zu Hölle und Himmel
Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über Zeit und Durchführung von Götter- und Ahnenritus, über verunreinigte Speise und über die Eignung bzw. Nichteignung der eingeladenen Brahmanen; später folgen Empfänger großer Verdienste sowie Taten, die zur Hölle bzw. zum Himmel führen.
yudhiṣṭhira uvāca; śrāddhakāle ca daive ca dharme cāpi pitāmaha; icchāmīha tvayākhyātaṃ vihitaṃ yat surarṣibhiḥ
Yudhiṣṭhira sprach: „Über die Zeit des Ahnenmahls, über den Götterritus und über die Dharma-Pflicht, Großvater – das wünsche ich hier von dir dargelegt zu hören, was von den göttlichen Sehern festgesetzt ist.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Nom.Sg., Perf.)
śrāddhakāle ca daive ca dharme ca api pitāmaha
in der Zeit des Ahnenmahls und im Götterritus und auch im Dharma, Großvater (Lok.Sg., Vok.Sg.)
icchāmi iha tvayā ākhyātam
ich wünsche hier von dir Dargelegtes (1.Sg.Präs., Instr., Part.Pass. Akk.)
vihitaṃ yat surarṣibhiḥ
was festgesetzt ist von den Götter-Sehern (Part.Pass., Rel., Instr.Pl.)
Bhīṣma sprach: „Den Götterritus soll man am Vormittag vollziehen, den Ahnenritus aber am Nachmittag, [dabei] mit glückverheißendem Brauch ausgestattet, gereinigt und sorgfältig.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.Sg., Perf.)
daivaṃ pūrvāhṇike kuryāt
den Götterritus soll man am Vormittag vollziehen (Akk., Lok., 3.Sg.Opt.)
aparāhṇe tu paitṛkam
am Nachmittag aber den Ahnenritus (Lok., Akk.)
maṅgalācārasaṃpannaḥ kṛtaśaucaḥ prayatnavān
mit glückverheißendem Brauch ausgestattet, mit vollzogener Reinigung, sorgfältig (Nom.Sg.m., Komposita)
manuṣyāṇāṃ tu madhyāhne pradadyād upapattitaḥ; kālahīnaṃ tu yad dānaṃ taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
Den Menschen aber soll man mittags [Speise] geben, so wie es angemessen ist. Eine Gabe aber, der die [rechte] Zeit fehlt – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
manuṣyāṇāṃ tu madhyāhne
den Menschen aber am Mittag (Gen.Pl., Lok.Sg.)
pradadyād upapattitaḥ
soll man geben nach Angemessenheit (3.Sg.Opt., Abl.-Adv.)
kālahīnaṃ tu yad dānam
eine Gabe aber, die der Zeit ermangelt (Kompositum, Nom.Sg.n., Rel.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (Akk.Sg., Gen.Pl., 3.Pl.Perf.)
laṅghitaṃ cāvalīḍhaṃ ca kalipūrvaṃ ca yat kṛtam; rajasvalābhir dṛṣṭaṃ ca taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
Was übersprungen, was beleckt, was nach einem Streit dargebracht oder was von menstruierenden Frauen gesehen wurde – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
laṅghitaṃ ca avalīḍhaṃ ca
Übersprungenes und Beleckt-Berührtes (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
kalipūrvaṃ ca yat kṛtam
und was nach vorausgegangenem Streit getan wurde (Kompositum, Part.Pass.)
rajasvalābhir dṛṣṭaṃ ca
und was von Menstruierenden gesehen wurde (Instr.Pl.f., Part.Pass.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
avalīḍha: eigtl. ‚beleckt, berührt‘; Bedeutung im Kontext leicht unsicher.
avaghuṣṭaṃ ca yad bhuktam avratena ca bhārata; parāmṛṣṭaṃ śunā caiva taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
Was ausgerufen [d. h. laut angekündigt] und von einem, der kein Gelübde hält, verzehrt wurde, Bhārata, und was von einem Hund berührt wurde – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
avaghuṣṭaṃ ca yad bhuktam
was ausgerufen und verzehrt wurde (Part.Pass. Nom.Sg.n.) [?]
avratena ca bhārata
und von einem Gelübdelosen, Bhārata (Instr.Sg., Vok.Sg.)
parāmṛṣṭaṃ śunā ca eva
und berührt von einem Hund (Part.Pass., Instr.Sg.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
avaghuṣṭa: Sinn unsicher (‚ausgerufen, angekündigt‘).
Was mit hineingefallenem Haar oder Insekt behaftet, was angeniest, von Hunden angeblickt, beweint oder abgeschüttelt wurde – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
keśakīṭāvapatitam
in das Haar oder Insekt hineingefallen (Kompositum, Part.Pass.)
kṣutaṃ śvabhir avekṣitam
angeniest, von Hunden angeblickt (Part.Pass., Instr.Pl., Part.Pass.)
ruditaṃ ca avadhūtaṃ ca
und beweint und abgeschüttelt (Part.Pass. Nom.Sg.n.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
niroṃkāreṇa yad bhuktaṃ saśastreṇa ca bhārata; durātmanā ca yad bhuktaṃ taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
Was ohne das Om-Sprechen verzehrt wurde, Bhārata, was von einem Bewaffneten und was von einem Bösgesinnten verzehrt wurde – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
niroṃkāreṇa yad bhuktam
was ohne Om-Laut verzehrt wurde (Instr.Sg., Rel., Part.Pass.)
saśastreṇa ca bhārata
und von einem Bewaffneten, Bhārata (Instr.Sg., Vok.Sg.)
durātmanā ca yad bhuktam
und was von einem Übelgesinnten verzehrt wurde (Instr.Sg., Part.Pass.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
parocchiṣṭaṃ ca yad bhuktaṃ paribhuktaṃ ca yad bhavet; daive pitrye ca satataṃ taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
Was als Rest eines anderen verzehrt wurde und was [schon vorher] genossen worden ist, im Götter- und im Ahnenritus stets – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
parocchiṣṭaṃ ca yad bhuktam
und was als Rest eines anderen verzehrt wurde (Kompositum, Nom.Sg.n.)
paribhuktaṃ ca yad bhavet
und was bereits genossen sein mag (Part.Pass., 3.Sg.Opt.)
daive pitrye ca satatam
im Götter- und im Ahnenritus stets (Lok.Sg., Adv.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
Ein Ahnenmahl, das ohne Mantra und ohne rituelle Handlung aufgetragen wird, [oder] von den drei Ständen, Bester der Männer – diesen Anteil kennt man als den der Rākṣasas.
Wort für Wort
mantrahīnaṃ kriyāhīnaṃ
ohne Mantra, ohne rituelle Handlung (Komposita, Nom.Sg.n.)
yat śrāddhaṃ pariviṣyate
welches Ahnenmahl aufgetragen wird (Rel., Nom.Sg.n., 3.Sg.Pass.Präs.)
tribhir varṇair naraśreṣṭha
von/mit den drei Ständen [?], Bester der Männer (Instr.Pl., Vok.Sg.)
taṃ bhāgaṃ rakṣasāṃ viduḥ
diesen Anteil der Rākṣasas kennen sie (3.Pl.Perf.)
tribhir varṇaiḥ: Bezug unklar (‚von den drei Ständen‘ oder ‚[bei den] drei Ständen‘); wörtlich wiedergegeben.
ye bhāgā rakṣasāṃ proktās ta uktā bharatarṣabha; ata ūrdhvaṃ visargasya parīkṣāṃ brāhmaṇe śṛṇu
Die Anteile, die als die der Rākṣasas genannt werden, sind dir genannt, Stier der Bharata. Höre nun die Prüfung beim Brahmanen für die Entlassung [der Gaben/Gäste].
Wort für Wort
ye bhāgā rakṣasāṃ proktāḥ
welche Anteile der Rākṣasas genannt sind (Rel.Nom.Pl., Gen.Pl., Part.Pass.)
te uktā bharatarṣabha
diese sind genannt, Stier der Bharata (Nom.Pl., Part.Pass., Vok.Sg.)
ataḥ ūrdhvaṃ visargasya
von hier an aufwärts, [d. h.] nun, der Entlassung/Spende (Adv., Gen.Sg.)
parīkṣāṃ brāhmaṇe śṛṇu
die Prüfung beim Brahmanen höre (Akk.Sg., Lok.Sg., Imp.)
visarga: ‚Entlassung/Spende‘; Sinn im Kontext etwas offen.
Wie viele gefallene Brahmanen es gibt, Stumpfsinnige und ebenso Wahnsinnige – sie sind im Götter- oder im Ahnenritus nicht der Einladung würdig, König.
Wort für Wort
yāvantaḥ patitā viprāḥ
wie viele gefallene Brahmanen [es gibt] (Nom.Pl.)
jaḍonmattāḥ tathā eva ca
Stumpfe, Wahnsinnige und ebenso (Nom.Pl., Kompositum)
daive vā api atha vā pitrye
im Götterritus oder auch im Ahnenritus (Lok.Sg.)
rājan na arhanti ketanam
König, sie sind der Einladung nicht würdig (Vok.Sg., 3.Pl.Präs., Akk.Sg.)
anuyoktā ca yo vipro anuyuktaś ca bhārata; nārhatas tāv api śrāddhaṃ brahmavikrayiṇau hi tau
Der Brahmane, der [den Veda] befragt [prüfend abhört], und der, der befragt wird, Bhārata – auch diese beiden verdienen das Ahnenmahl nicht, denn sie sind beide Verkäufer des Brahman [Veda].
Wort für Wort
anuyoktā ca yaḥ vipraḥ
und der Brahmane, der befragt/prüft (Nom.Sg.m.) [?]
anuyuktaḥ ca bhārata
und der Befragte, Bhārata (Part.Pass., Vok.Sg.)
na arhataḥ tau api śrāddham
auch diese beiden verdienen das Ahnenmahl nicht (3.Du.Präs., Nom.Du., Akk.)
brahmavikrayiṇau hi tau
denn diese beiden sind Verkäufer des Brahman (Nom.Du., Part.)
anuyoktṛ/anuyukta: Bezug (Befragen/Prüfen des Veda gegen Entgelt) unsicher.
Der, der früher zum Anführer gemacht wurde und [Umgang/Annahme mit] Niedrigeren der Stände pflegt – ein solcher Brahmane, auch wenn er alles Wissen besitzt, verdient keine Einladung, König.
Wort für Wort
agraṇīḥ yaḥ kṛtaḥ pūrvam
wer früher zum Anführer gemacht wurde (Nom.Sg.m., Part.Pass.)
varṇāvaraparigrahaḥ
der [Gaben/Umgang] von den niedrigeren Ständen annimmt (Kompositum, Nom.Sg.m.) [?]
brāhmaṇaḥ sarvavidyaḥ api
ein Brahmane, auch wenn allwissend (Nom.Sg., Kompositum)
aparijñātapūrvāś ca gaṇapūrvāś ca bhārata; putrikāpūrvaputrāś ca śrāddhe nārhanti ketanam
Solche, deren Herkunft zuvor unbekannt ist, solche, die einer Schar [Gruppe] angehören, Bhārata, und Söhne einer zuvor zur Sohnesstelle bestimmten Tochter verdienen im Ahnenmahl keine Einladung.
Wort für Wort
aparijñātapūrvāḥ ca
und solche, die zuvor unbekannt sind (Kompositum, Nom.Pl.)
gaṇapūrvāḥ ca bhārata
und die der Schar zugehörigen, Bhārata (Nom.Pl., Vok.) [?]
putrikāpūrvaputrāḥ ca
und Söhne einer zuvor zur ‚putrikā‘ bestimmten Tochter (Kompositum, Nom.Pl.) [?]
śrāddhe na arhanti ketanam
im Ahnenmahl verdienen sie keine Einladung (Lok.Sg.)
gaṇapūrva und putrikāpūrvaputra: Deutung unsicher.
Die, die zuvor mit einer Frau [verbunden] waren, die „Pfeilrücken“, so viele es gibt, Stier der Bharata, und Brahmanen, die kein Gebet murmeln, verdienen im Ahnenmahl keine Einladung.
Wort für Wort
strīpūrvāḥ kāṇḍapṛṣṭhāḥ ca
die ‚Frauen-Zuvor‘ und die ‚Pfeilrücken‘ (Nom.Pl.) [?]
yāvantaḥ bharatarṣabha
so viele es gibt, Stier der Bharata (Nom.Pl., Vok.Sg.)
ajapāḥ brāhmaṇāḥ ca eva
und Brahmanen, die kein Gebet murmeln (Nom.Pl.)
śrāddhe na arhanti ketanam
im Ahnenmahl verdienen sie keine Einladung (3.Pl.Präs.)
strīpūrva und kāṇḍapṛṣṭha: Bedeutung unsicher, wörtlich wiedergegeben.
śrāddhe daive ca nirdiṣṭā brāhmaṇā bharatarṣabha; dātuḥ pratigrahītuś ca śṛṇuṣvānugrahaṃ punaḥ
Die Brahmanen, die für Ahnenmahl und Götterritus als [ungeeignet] bezeichnet sind, Stier der Bharata, [sind genannt]; höre nun wiederum die Gunst für den Geber und den Empfänger.
Wort für Wort
śrāddhe daive ca nirdiṣṭāḥ
im Ahnenmahl und im Götterritus bezeichnet (Lok.Sg., Part.Pass.)
brāhmaṇāḥ bharatarṣabha
die Brahmanen, Stier der Bharata (Nom.Pl., Vok.Sg.)
cīrṇavratā guṇair yuktā bhaveyur ye 'pi karṣakāḥ; sāvitrījñāḥ kriyāvantas te rājan ketanakṣamāḥ
Auch Bauern, die Gelübde vollzogen haben und mit guten Eigenschaften begabt sind, die die Sāvitrī kennen und die Riten üben, sind, König, der Einladung würdig.
Wort für Wort
cīrṇavratāḥ guṇaiḥ yuktāḥ
die Gelübde vollzogen haben, mit Vorzügen begabt (Nom.Pl., Instr.Pl., Part.Pass.)
bhaveyuḥ ye api karṣakāḥ
die auch Bauern sein mögen (3.Pl.Opt., Rel., Nom.Pl.)
sāvitrījñāḥ kriyāvantaḥ
die die Sāvitrī kennen, ritentreu (Nom.Pl.)
te rājan ketanakṣamāḥ
diese sind, König, einladungswürdig (Nom.Pl., Vok.Sg.)
kṣātradharmiṇam apy ājau ketayet kulajaṃ dvijam; na tv eva vaṇijaṃ tāta śrāddheṣu parikalpayet
Auch einen, der im Kampf der Kṣatriya-Pflicht folgt, aus edler Familie stammenden Zweimalgeborenen mag man einladen; niemals aber, mein Lieber, soll man einen Kaufmann für Ahnenmahle vorsehen.
Wort für Wort
kṣātradharmiṇam api ājau
auch einen der Kṣatriya-Pflicht Folgenden im Kampf (Akk.Sg.m., Lok.Sg.)
ketayet kulajaṃ dvijam
man soll einladen einen Zweimalgeborenen edler Herkunft (3.Sg.Opt., Akk.)
na tu eva vaṇijaṃ tāta
niemals aber einen Kaufmann, mein Lieber (Akk.Sg., Vok.Sg.)
śrāddheṣu parikalpayet
für Ahnenmahle soll man vorsehen (Lok.Pl., 3.Sg.Opt.)
Die Mutter ist ein [würdiges] Gefäß, der Vater ist ein Gefäß, die heruntergekommenen Verwandten sind ein Gefäß; der Arme ist ein Gefäß, der Gelübdehalter ist ein Gefäß, ein Gefäß ist, wer mit gutem Wandel geschmückt ist.
Wort für Wort
mātā pātraṃ pitā pātram
die Mutter ist Gefäß, der Vater ist Gefäß (Nom.Sg., Nom.Sg.n.)
pātraṃ kṣīṇāḥ ca bāndhavāḥ
Gefäß sind auch die geschwundenen [verarmten] Verwandten (Nom.Pl.)
dīnaḥ pātraṃ vratī pātram
der Elende ist Gefäß, der Gelübdehalter ist Gefäß (Nom.Sg.)
pātraṃ vṛttaiḥ alaṃkṛtam
Gefäß ist, wer mit [gutem] Wandel geschmückt ist (Instr.Pl., Part.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; pātra hier im Sinn von ‚würdiger Empfänger‘.
uditāstamito yaś ca tathaivāstamitoditaḥ; ahiṃsraś cālpadoṣaś ca sa rājan ketanakṣamaḥ
Wer, nachdem die Sonne aufgegangen, [den Ritus] beendet hat, und ebenso wer nach dem Untergang [ihn] verrichtet, wer gewaltlos ist und geringe Fehler hat, der ist, König, einladungswürdig.
Wort für Wort
uditāstamitaḥ ca yaḥ
und wer ‚aufgegangen-untergegangen‘ [?] (Kompositum, Nom.Sg.m.)
tathā eva astamitoditaḥ
und ebenso ‚untergegangen-aufgegangen‘ [?] (Kompositum)
ahiṃsraḥ ca alpadoṣaḥ ca
und gewaltlos und mit geringen Fehlern (Nom.Sg.m.)
saḥ rājan ketanakṣamaḥ
der ist, König, einladungswürdig (Nom.Sg.m.)
uditāstamita/astamitodita: Sinn unsicher (wohl: wer bei Auf- bzw. Untergang der Sonne bestimmte Riten vollzieht).
Was als Verkauf des Brahman [Veda] bezeichnet ist, was durch eine Frau erworben wurde und was aus Unmännlichkeit [Feigheit] erworben wurde – dieses Vermögen darf man den Ahnen und Göttern nicht geben.
Wort für Wort
brahmavikrayanirdiṣṭam
als Verkauf des Brahman bezeichnet (Kompositum, Part.Pass.)
striyā yat ca arjitaṃ dhanam
und was durch eine Frau erworben wurde, das Vermögen (Instr.Sg., Part.Pass.)
adeyaṃ pitṛdevebhyaḥ
nicht zu geben den Ahnen und Göttern (Gerundiv, Dat.Pl.)
yat ca klaibyāt upārjitam
und was aus Unmännlichkeit erworben wurde (Abl.Sg., Part.Pass.)
kriyamāṇe 'pavarge tu yo dvijo bharatarṣabha; na vyāharati yad yuktaṃ tasyādharmo gavānṛtam
Wenn der Abschluss vollzogen wird und ein Zweimalgeborener, Stier der Bharata, nicht das Passende ausspricht, dessen Unrecht ist wie eine Lüge um eine Kuh.
Wort für Wort
kriyamāṇe apavarge tu
wenn der Abschluss vollzogen wird (Lok.abs., Part.Pass.)
yaḥ dvijaḥ bharatarṣabha
der Zweimalgeborene, der, Stier der Bharata (Rel., Nom.Sg., Vok.)
na vyāharati yat yuktam
nicht ausspricht, was passend ist (3.Sg.Präs., Part.Pass.)
tasya adharmaḥ gavānṛtam
dessen Unrecht [ist] eine Lüge um eine Kuh (Gen.Sg., Nom.Sg.)
śrāddhasya brāhmaṇaḥ kālaḥ prāptaṃ dadhi ghṛtaṃ tathā; somakṣayaś ca māṃsaṃ ca yad āraṇyaṃ yudhiṣṭhira
Der Brahmane ist die [rechte] Zeit des Ahnenmahls; auch Dickmilch und Ghee sind [passend] gekommen, ferner der Schwund des Soma [Neumond] und Fleisch, das aus dem Wald stammt, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
śrāddhasya brāhmaṇaḥ kālaḥ
der Brahmane ist die Zeit des Ahnenmahls (Gen.Sg., Nom.Sg.)
prāptaṃ dadhi ghṛtaṃ tathā
erlangt/gekommen sind Dickmilch und Ghee ebenso (Part.Pass., Nom.Sg.n.) [?]
somakṣayaḥ ca māṃsaṃ ca
und der Schwund des Soma [Neumond] und Fleisch (Nom.Sg.)
yat āraṇyaṃ yudhiṣṭhira
welches aus dem Wald ist, Yudhiṣṭhira (Rel., Nom.Sg.n., Vok.)
muhūrtānāṃ trayaṃ pūrvam ahnaḥ prātar iti smṛtam; japadhyānādibhis tasmin vipraiḥ kāryaṃ śubhavratam; saṃgavākhyaṃ tribhāgaṃ tu madhyāhnas trimuhūrtakaḥ; laukikaṃ saṃgave 'rdhaṃ ca snānādi hy atha madhyame; caturtham aparāhṇaṃ tu trimuhūrtaṃ tu pitryakam; sāyāhnas trimuhūrtaṃ ca madhyamaṃ kavibhiḥ smṛtam; caturthe tv aparāhṇākhye śrāddhaṃ kuryāt sadā nṛpa; prāgudīcīmukhā viprā viśvedevāś ca dakṣiṇāḥ; śrāviteṣu sutṛpteṣu piṇḍaṃ dadyāt sadakṣiṇam
Die ersten drei Muhūrtas des Tages gelten als „Morgen“; in dieser Zeit sollen die Brahmanen das glückverheißende Gelübde [-werk] mit Murmeln [von Mantras], Meditation und dergleichen verrichten. Das als Saṃgava bezeichnete [zweite] Tagesdrittel [?] aber, der Mittag, hat drei Muhūrtas; Weltliches [gehört] in den Saṃgava, und [dessen] Hälfte [?], dann im mittleren [Abschnitt] Baden und dergleichen. Der vierte, der Nachmittag, mit drei Muhūrtas, gehört den Ahnen; der Abend mit drei Muhūrtas gilt bei den Kundigen als der mittlere [?]. Im vierten, Nachmittag genannten [Abschnitt] soll man stets das Śrāddha vollziehen, o König. Die Brahmanen [sitzen] nach Osten und Norden gewandt, die Viśvedevas aber [nach Süden gewandt?]; wenn [ihnen] vorgetragen wurde und sie wohlgesättigt sind, soll man den Opferkloß samt Opferlohn geben.
Wort für Wort
muhūrtānāṃ trayaṃ pūrvam ahnaḥ prātar iti smṛtam
drei Muhūrtas, der erste [Teil] des Tages, gilt als „Morgen“ (Gen.Pl./Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
mit Murmeln, Meditation usw. ist darin von den Brahmanen das glückverheißende Gelübde zu verrichten (Instr.Pl.; Lok.Sg.; Instr.Pl.; Gerundiv)
saṃgavākhyaṃ tribhāgaṃ tu madhyāhnas trimuhūrtakaḥ
das Saṃgava genannte Drittel aber; der Mittag hat drei Muhūrtas (Akk./Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
laukikaṃ saṃgave 'rdhaṃ ca snānādi hy atha madhyame
Weltliches im Saṃgava und die Hälfte [?]; Baden usw. dann im mittleren (Nom./Lok.Sg.)
caturtham aparāhṇaṃ tu trimuhūrtaṃ tu pitryakam
der vierte, der Nachmittag, drei Muhūrtas lang, den Ahnen zugehörig (Nom.Sg.n.)
sāyāhnas trimuhūrtaṃ ca madhyamaṃ kavibhiḥ smṛtam
der Abend, drei Muhūrtas, als mittlerer bei den Kundigen überliefert (Nom.Sg.; Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
caturthe tv aparāhṇākhye śrāddhaṃ kuryāt sadā nṛpa
im vierten, Nachmittag genannten [Abschnitt] soll man stets das Śrāddha vollziehen, o König (Lok.Sg.; Opt.3.Sg.; Vok.)
prāgudīcīmukhā viprā viśvedevāś ca dakṣiṇāḥ
nach Osten und Norden gewandte Brahmanen und die Viśvedevas, südlich [?] (Nom.Pl.)
śrāviteṣu sutṛpteṣu piṇḍaṃ dadyāt sadakṣiṇam
wenn vorgetragen [wurde] und sie gut gesättigt sind, soll man den Kloß samt Lohn geben (Lok.abs.; Opt.3.Sg.; Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kompakte, technische Zusatzpassage; Zuordnung von saṃgava, madhyama und dakṣiṇāḥ unsicher.
śrāddhāpavarge viprasya svadhā vai svaditā bhavet; kṣatriyasyāpy atho brūyāt prīyantāṃ pitaras tv iti
Am Ende des Śrāddha soll beim Brahmanen [gesagt werden]: „Die Svadhā sei wohl ausgesprochen (svaditā)“; beim Kṣatriya aber spreche man: „Mögen die Ahnen sich erfreuen“.
Wort für Wort
śrāddhāpavarge viprasya
am Abschluss des Śrāddha, beim Brahmanen (Lok.Sg.; Gen.Sg.)
svadhā vai svaditā bhavet
„Svadhā“ fürwahr „wohlschmeckend/wohlgefällig“ soll es sein (Nom.Sg.f.; Part.; Opt.3.Sg.)
kṣatriyasyāpy atho brūyāt
auch beim Kṣatriya aber soll man sagen (Gen.Sg.; Opt.3.Sg.)
prīyantāṃ pitaras tv iti
„Mögen sich die Ahnen erfreuen“, so (Imp.Pass.3.Pl.; Nom.Pl.)
svaditā: Deutung als Ausrufformel („gut geschmeckt“) unsicher.
puṇyāhavācanaṃ daive brāhmaṇasya vidhīyate; etad eva niroṃkāraṃ kṣatriyasya vidhīyate
Das Puṇyāha-Sprechen [„Glückstag“-Formel] wird beim Götterritus für den Brahmanen vorgeschrieben; eben dieses wird für den Kṣatriya ohne das Om vorgeschrieben.
Wort für Wort
puṇyāhavācanaṃ daive
das Sprechen des Glückstages beim Götteropfer (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.)
brāhmaṇasya vidhīyate
für den Brahmanen wird vorgeschrieben (Gen.Sg.; Pass.3.Sg.)
etad eva niroṃkāraṃ
eben dies ohne Om (Nom.Sg.n.; Bahuvrīhi)
kṣatriyasya vidhīyate
für den Kṣatriya wird vorgeschrieben (Gen.Sg.; Pass.3.Sg.)
Bei Tötung einer Kuh [trifft] ein Viertel [der Schuld] den zuerst von einem Brahmanen usw. Eingeladenen; wer bei Niedrigeren isst, dem [wächst] der Reihe nach beim Śūdra das Vierfache zu [?]. Kein Brahmane soll anderswo [essen], der zuvor von einem Brahmanen eingeladen wurde; auch Nichtessen soll ein Fehler sein [?]; man meide die Einladung eines Śūdra. Ein Zweigeborener, dessen Glieder von Speisesaft eines Śūdra genährt sind, erlangt keinen Weg nach oben. Unrein soll man nicht essen, [ebenso] der Ungläubige, der Ehrlose; nicht soll man den Vorrangigen aus Gier übergehen, auch wenn man einer einzigen Klasse angehört, o Fürst. Brahmanen gelten als Götter auf Erden, sofern sie nicht ohne Wohltaten [für andere] sind [?].
Wort für Wort
gohiṃsāyāṃ caturbhāgaṃ pūrvaṃ viprādiketanaḥ
bei Kuhtötung ein Viertel; der zuerst von Brahmanen usw. Eingeladene (Lok.Sg.; Akk./Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
varṇāvareṣu bhuñjānaṃ kramāc chūdre caturguṇam
bei niedrigeren Ständen Essender, der Reihe nach beim Śūdra vierfach (Lok.Pl.; Part.Präs.; Abl.; Lok.Sg.)
nānyatra brāhmaṇo brūyāt pūrvaṃ vipreṇa ketitaḥ
nicht anderswo soll der Brahmane [essen/zusagen], zuvor von einem Brahmanen eingeladen (Opt.3.Sg.; Part.Perf.Pass.)
abhojane ca doṣaḥ syād varjayec chūdraketanam
und im Nichtessen sei ein Fehler; man meide die Einladung durch einen Śūdra (Lok.Sg.; Opt.3.Sg.; Opt.3.Sg.)
śūdrānnarasapuṣṭāṅgo dvijo nordhvāṃ gatiṃ labhet
der Zweigeborene, dessen Körper vom Saft der Śūdra-Speise genährt ist, erlangt keinen Weg nach oben (Bahuvrīhi; Nom.; Opt.3.Sg.)
aśucir naiva cāśnīyān nāstiko mānavarjitaḥ
unrein soll man nicht essen; der Ungläubige, der Ehrlose (Nom.Sg.; Opt.3.Sg.)
na pūrvaṃ laṅghayel lobhād ekavarṇo 'pi pārthiva
nicht soll man den Früheren aus Gier übergehen, auch als Angehöriger nur einer Klasse, o König (Opt.Kaus.3.Sg.; Abl.; Vok.)
viprāḥ smṛtā bhūmidevā upakurvāṇavarjitāḥ
Brahmanen gelten als Erdgötter, [außer] den ohne Wohltat Bleibenden [?] (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Star-Passage; Zeilen 1-2 und 4 sind syntaktisch dunkel und teils wohl verderbt.
karmaṇām ānupūrvīṃ ca vidhipūrvakṛtaṃ śṛṇu; jātakarmādikān sarvāṃs triṣu varṇeṣu bhārata; brahmakṣatre hi mantroktā vaiśyasya ca yudhiṣṭhira
Höre auch die Abfolge der Riten, in der Ordnung nach der Vorschrift getan: alle Riten, angefangen mit der Geburtszeremonie, [gelten] bei den drei Ständen, Bhārata; bei Brahmanen und Kṣatriyas sind sie mit Mantras vorgeschrieben, und beim Vaiśya, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
karmaṇām ānupūrvīṃ ca vidhipūrvakṛtaṃ śṛṇu
und höre die Reihenfolge der Riten, nach Vorschrift Getanes (Gen.Pl.; Akk.Sg.f.; Akk.; Imp.2.Sg.)
jātakarmādikān sarvāṃs
alle, mit der Geburtszeremonie beginnenden (Akk.Pl.)
triṣu varṇeṣu bhārata
bei den drei Ständen, Bhārata (Lok.Pl.; Vok.)
brahmakṣatre hi mantroktā
bei Brahmanen und Kṣatriyas nämlich mit Mantras gesprochen (Lok.Du.; Part.Perf.Pass.Nom.Pl.)
vaiśyasya ca yudhiṣṭhira
und des Vaiśya, Yudhiṣṭhira (Gen.Sg.; Vok.)
Konstruktion in der zweiten Vershälfte elliptisch.
Der Gürtel des Brahmanen ist aus Muñja-Gras, der des Kṣatriya aus Bogensehnenhanf [Maurvī]; des Vaiśya aus Bālvaja-Gras: Dies ist die Regel, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
viprasya raśanā mauñjī
des Brahmanen Gürtel aus Muñja (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
maurvī rājanyagāminī
aus Maurvī, dem Kṣatriya zukommend (Nom.Sg.f.)
bālvajīty eva vaiśyasya
„aus Bālvaja“ eben, des Vaiśya (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.)
Höre nun Recht und Unrecht dieser beiden, des Gebers und des Nehmers. Beim Brahmanen wird für Unwahrheit ein Unrecht ausgesprochen, das „Sündenfall“ genannt wird; beim Kṣatriya ist es das Vierfache, beim Vaiśya gilt es als Achtfaches.
Wort für Wort
dātuḥ pratigrahītuś ca dharmādharmāv imau śṛṇu
des Gebers und des Nehmers, dieses Recht und Unrecht höre (Gen.Sg.; Nom.Du.; Imp.2.Sg.)
brāhmaṇasyānṛte 'dharmaḥ
beim Brahmanen im Falle der Unwahrheit Unrecht (Gen.Sg.; Lok.Sg.; Nom.Sg.)
proktaḥ pātakasaṃjñitaḥ
ausgesprochen, „Sünde“ genannt (Part.Perf.Pass.; Bahuvrīhi)
caturguṇaḥ kṣatriyasya
vierfach beim Kṣatriya (Nom.Sg.)
vaiśyasyāṣṭaguṇaḥ smṛtaḥ
beim Vaiśya achtfach gilt es (Gen.Sg.; Nom.Sg.; Part.Perf.Pass.)
Bezug der Faktoren (Unrecht des Nehmers bzw. Gebers) ist im Text elliptisch.
nānyatra brāhmaṇo 'śnīyāt pūrvaṃ vipreṇa ketitaḥ; yavīyān paśuhiṃsāyāṃ tulyadharmo bhavet sa hi
Ein Brahmane soll nirgends sonst essen, wenn er zuvor von einem Brahmanen eingeladen wurde; ein Jüngerer [Eingeladener] soll bei einer Tiertötung ihm im Recht [Schuld] gleich sein.
Wort für Wort
nānyatra brāhmaṇo 'śnīyāt
nicht anderswo soll ein Brahmane essen (Opt.3.Sg.)
pūrvaṃ vipreṇa ketitaḥ
zuvor von einem Brahmanen eingeladen (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
yavīyān paśuhiṃsāyāṃ
der Jüngere, bei Tiertötung (Nom.Sg.Komp.; Lok.Sg.)
tulyadharmo bhavet sa hi
gleichen Rechts soll er sein, der nämlich (Bahuvrīhi; Opt.3.Sg.)
Bezug von yavīyān und Sinn der Gleichstellung unsicher.
annenānnaṃ ca yo lipset karmārthaṃ caiva bhārata; āmantrayati rājendra tasyādharmo 'nṛtaṃ smṛtam
Wer mit Speise [andere] Speise erlangen will, und zwar um eines Ritus willen, Bhārata, [und] einlädt, o König der Könige: dessen Unrecht gilt als Unwahrheit.
Wort für Wort
annenānnaṃ ca yo lipset
und wer mit Speise Speise begehren sollte (Instr.Sg.; Akk.Sg.; Opt.Desid.3.Sg.)
karmārthaṃ caiva bhārata
und zum Zweck eines Ritus, Bhārata (Adv.; Vok.)
āmantrayati rājendra
lädt ein, o Herr der Könige (3.Sg.Präs.; Vok.)
tasyādharmo 'nṛtaṃ smṛtam
dessen Unrecht gilt als Unwahrheit (Gen.Sg.; Part.Perf.Pass.)
lipset: Form von lip- („bestreichen“) oder lips- („zu erlangen wünschen“); Lesart unsicher.
Wenn solche, die ohne Veda-Gelübde und [rechten] Wandel sind, von den drei Ständen, Yudhiṣṭhira, mit Mantras bewirtet werden: bei ihnen [liegt] Unrecht, die Kuh-Unwahrheit.
Wort für Wort
avedavratacāritrās
die ohne Veda-Gelübde und Wandel [sind] (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
tribhir varṇair yudhiṣṭhira
von den drei Ständen, Yudhiṣṭhira (Instr.Pl.; Vok.)
mantravat pariviṣyante
werden mit Mantras bewirtet (Adv.; Pass.3.Pl.)
teṣv adharmo gavānṛtam
bei ihnen Unrecht, Kuh-Unwahrheit (Lok.Pl.; Nom.Sg.)
cāritraniyatā rājan ye kṛśāḥ kṛśavṛttayaḥ; arthinaś copagacchanti teṣu dattaṃ mahāphalam
Die im Wandel gefestigt sind, o König, die abgemagert sind und ein karges Leben führen, und die als Bittende herantreten: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
cāritraniyatā rājan
im Wandel gebunden, o König (Nom.Pl.; Vok.)
ye kṛśāḥ kṛśavṛttayaḥ
die mager sind, mit magerem Lebensunterhalt (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
arthinaś copagacchanti
und die als Bittende herankommen (Nom.Pl.; Präs.3.Pl.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.; Part.Perf.Pass.; Bahuvrīhi)
Die ihm ergeben sind, deren Haus, deren Besitz, deren Zuflucht dort ist [beim Geber], o König, und die um einer Sache willen zu Bittenden werden: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
tadbhaktās tadgṛhā rājan
ihm ergeben, dessen Haus [sie bewohnen], o König (Nom.Pl.; Bahuvrīhi; Vok.)
taddhanās tadapāśrayāḥ
dessen Besitz [sie haben], dessen Zuflucht (Bahuvrīhi Nom.Pl.)
arthinaś ca bhavanty arthe
und werden zu Bittenden in einer Sache (Nom.Pl.; Präs.3.Pl.; Lok.Sg.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.)
tad- in den Komposita bezieht sich vermutlich auf den Geber; unsicher.
Einem makellosen Brahmanen, der sich durch Betteln [und] Ährenlesen geläutert hat und bei dem Knaben um Almosen betteln: Ihnen gegeben [trägt es] große Frucht.
Wort für Wort
akalkakasya viprasya
des makellosen Brahmanen (Gen.Sg.)
bhaikṣotkarakṛtātmanaḥ
der durch Betteln und Auflesen [Getreide] sein Selbst [rein] gemacht hat (Bahuvrīhi Gen.Sg.)
baṭavo yasya bhikṣanti
bei dem Knaben betteln (Nom.Pl.; Gen.Sg.; Präs.3.Pl.)
tebhyo dattaṃ mahāphalam
ihnen Gegebenes von großer Frucht (Dat.Pl.)
bhaikṣotkarakṛtātmanaḥ: Deutung [?]; utkara „Haufen/Aufgelesenes“; alternativ „dessen Selbst durch Almosen und Gaben geformt ist“.
hṛtasvā hṛtadārāś ca ye viprā deśasaṃplave; arthārtham abhigacchanti tebhyo dattaṃ mahāphalam
Brahmanen, denen Besitz und Frauen geraubt wurden bei einem Landesunglück [Überschwemmung/Umsturz], und die um Besitz zu erlangen herantreten: Ihnen Gegebenes [trägt] große Frucht.
Wort für Wort
hṛtasvā hṛtadārāś ca
denen Besitz geraubt, denen Frauen geraubt (Bahuvrīhi Nom.Pl.)
ye viprā deśasaṃplave
die Brahmanen bei einer Landesüberflutung/-zerrüttung (Nom.Pl.; Lok.Sg.)
vratino niyamasthāś ca ye viprāḥ śrutasaṃmatāḥ; tatsamāptyartham icchanti teṣu dattaṃ mahāphalam
Brahmanen mit Gelübden, die in Regeln stehen, von den Schriftkundigen anerkannt, und die dessen Vollendung wünschen: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
vratino niyamasthāś ca
Gelübdehaltende und in Zucht Stehende (Nom.Pl.)
ye viprāḥ śrutasaṃmatāḥ
die Brahmanen, durch Überlieferung/Gelehrsamkeit anerkannt (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
tatsamāptyartham icchanti
zu deren Vollendung wünschen sie (Adv.; Präs.3.Pl.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.)
tatsamāptyartham: Bezug von tat- [?] unklar, vermutlich auf das Gelübde.
avyutkrāntāś ca dharmeṣu pāṣaṇḍasamayeṣu ca; kṛśaprāṇāḥ kṛśadhanās teṣu dattaṃ mahāphalam
Die von den Rechtsnormen nicht abgewichen sind und auch nicht von den Satzungen der Häretiker [?], die schwach an Lebenskraft und Besitz sind: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
avyutkrāntāś ca dharmeṣu
und nicht abgewichen von den Rechtsnormen (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
pāṣaṇḍasamayeṣu ca
und in den Satzungen der Häretiker [?] (Lok.Pl.)
kṛśaprāṇāḥ kṛśadhanāḥ
mager an Lebenskraft, mager an Besitz (Bahuvrīhi Nom.Pl.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.)
pāṣaṇḍasamayeṣu: Sinn unsicher; ev. „nicht abgewichen von den Regeln, auch nicht [zu] den Häretikern-Sitten“ (Negation ambivalent).
vratānāṃ pāraṇārthāya gurvarthe yajñadakṣiṇām; niveśārthaṃ ca vidvāṃsas teṣāṃ dattaṃ mahāphalam; pitroś ca rakṣaṇārthāya putradārārtham eva ca; mahāvyādhivimokṣārthaṃ teṣu dattaṃ mahāphalam; bālāḥ striyaś ca vāñchanti subhaktaṃ cāpy asādhanāḥ; svargam āyānti dattvaiṣāṃ nirayān nopayānti te
Zur Beendigung von Gelübden, für den Lehrer, als Opferlohn eines Opfers und zur Gründung eines Hausstands, [für] Wissende: Ihnen Gegebenes [trägt] große Frucht. Zum Schutz der Eltern und für Sohn und Frau, zur Befreiung von einer schweren Krankheit: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht. Kinder und Frauen wünschen gute Speise, und [auch] die Mittellosen; wer ihnen gibt, geht in den Himmel und kommt nicht in Höllen.
Wort für Wort
vratānāṃ pāraṇārthāya gurvarthe yajñadakṣiṇām
zum Vollenden von Gelübden, für den Lehrer, als Opferlohn (Gen.Pl.; Dat.Sg.; Lok./Adv.; Akk.Sg.)
niveśārthaṃ ca vidvāṃsas teṣāṃ dattaṃ mahāphalam
und zur Niederlassung [Hausgründung], Wissende; Ihnen Gegebenes [trägt] große Frucht (Adv.; Nom.Pl.; Gen.Pl.)
pitroś ca rakṣaṇārthāya putradārārtham eva ca
und zum Schutz der Eltern und eben für Sohn und Frau (Gen.Du.; Dat.Sg.; Adv.)
mahāvyādhivimokṣārthaṃ teṣu dattaṃ mahāphalam
zur Befreiung von großer Krankheit; bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Adv.; Lok.Pl.)
bālāḥ striyaś ca vāñchanti subhaktaṃ cāpy asādhanāḥ
Kinder und Frauen wünschen gute Speise, und [auch] Mittellose (Nom.Pl.; Präs.3.Pl.; Akk.Sg.)
svargam āyānti dattvaiṣāṃ nirayān nopayānti te
in den Himmel gehen sie, wenn sie diesen gegeben haben; sie kommen nicht zu den Höllen (Präs.3.Pl.; Abs.; Abl.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Syntax der ersten Verse elliptisch, der Bezug von vidvāṃsaḥ teilweise unsicher.
kṛtasarvasvaharaṇā nirdoṣāḥ prabhaviṣṇubhiḥ; spṛhayanti ca bhuktānnaṃ teṣu dattaṃ mahāphalam
Denen durch Mächtige alles Besitztum geraubt wurde, obwohl sie ohne Schuld sind, und die nach gekochter Speise verlangen: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
kṛtasarvasvaharaṇā
denen ihr gesamter Besitz weggenommen wurde (Bahuvrīhi Nom.Pl.)
nirdoṣāḥ prabhaviṣṇubhiḥ
schuldlos, durch Mächtige (Nom.Pl.; Instr.Pl.)
spṛhayanti ca bhuktānnam
und sie verlangen nach Essbarem (Präs.3.Pl.; Akk.Sg.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.)
kṛtasarvasvaharaṇā: Bahuvrīhi mit Passiv-Part.; wörtlich „an denen das Wegnehmen alles Eigentums begangen wurde“.
Asketen, die im Tapas verharren, und die von ihnen [?] Almosen-Gehenden, und Bittende, die irgendetwas wünschen: Bei diesen [trägt] Gegebenes große Frucht.
Wort für Wort
tapasvinas taponiṣṭhās
Asketen, dem Tapas ergeben (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
teṣāṃ bhaikṣacarāś ca ye
und von ihnen die vom Betteln Lebenden (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
arthinaḥ kiṃ cid icchanti
Bittende, die etwas wünschen (Nom.Pl.; Präs.3.Pl.)
teṣu dattaṃ mahāphalam
bei ihnen Gegebenes von großer Frucht (Lok.Pl.)
teṣāṃ (Gen.Pl.) hier unklar; ev. „unter ihnen“ [?].
anāthāṃ pramadāṃ bālāṃ vṛddhāṃ bhītāṃ tapasvinīm; vañcayanti narā ye ca te vai nirayagāminaḥ
Und die Menschen, die eine Schutzlose, eine junge Frau, ein Kind, eine Greisin, eine Verängstigte, eine Asketin betrügen: Die gehen wahrlich in die Hölle.
Wort für Wort
anāthāṃ pramadāṃ bālāṃ
die Schutzlose, die Frau, das Mädchen (Akk.Sg.f.)
vṛddhāṃ bhītāṃ tapasvinīm
die Greisin, die Furchtsame, die Asketin (Akk.Sg.f.)
vañcayanti narā ye ca
und die Menschen, die betrügen (Präs.3.Pl.; Nom.Pl.)
vṛtticchedaṃ gṛhacchedaṃ dāracchedaṃ ca bhārata; mitracchedaṃ tathāśāyās te vai nirayagāminaḥ
Wer [andere] um Lebensunterhalt, um Haus, um Frau und um Freunde bringt, Bhārata, und ebenso [sie] um Hoffnung [betrügt]: Die gehen wahrlich in die Hölle.
Wort für Wort
vṛtticchedaṃ gṛhacchedaṃ
Abschneiden der Lebensgrundlage, Abschneiden des Hauses (Akk.Sg.)
dāracchedaṃ ca bhārata
und Abschneiden der Frau, Bhārata (Akk.Sg.; Vok.)
mitracchedaṃ tathāśāyāḥ
Abschneiden des Freundes, ebenso der Hoffnung (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
te vai nirayagāminaḥ
die gehen wahrlich in die Hölle (Nom.Pl.)
Die Konstruktion (Akkusative des „Abschneidens“, ohne finites Verb) ist elliptisch; Übersetzung sinngemäß ergänzt.
viṣamavyavahārāś ca viṣamāś caiva vṛddhiṣu; lābheṣu viṣamāś caiva te vai nirayagāminaḥ; dyūtasaṃvyavahārāś ca niṣparīkṣāś ca mānavāḥ; prāṇihiṃsāpravṛttāś ca te vai nirayagāminaḥ
Die in Geschäften Unredlichen und die beim Zins Unredlichen und die bei Gewinnen Unredlichen: Die gehen wahrlich in die Hölle. Menschen, die sich dem Würfelspiel [im Geschäftsverkehr] hingeben, ohne Prüfung [handeln] und der Tötung von Lebewesen zugetan sind: Die gehen wahrlich in die Hölle.
Wort für Wort
viṣamavyavahārāś ca viṣamāś caiva vṛddhiṣu
Unredliche im Geschäft und Unredliche beim Zins (Nom.Pl.; Lok.Pl.)
lābheṣu viṣamāś caiva
und Unredliche bei Gewinnen (Lok.Pl.; Nom.Pl.)
te vai nirayagāminaḥ
die gehen wahrlich in die Hölle (Nom.Pl.)
dyūtasaṃvyavahārāś ca niṣparīkṣāś ca mānavāḥ
die mit Würfelspiel Verkehrenden und ohne Prüfung [Handelnden], Menschen (Nom.Pl.)
prāṇihiṃsāpravṛttāś ca
und der Tötung von Lebewesen Zugewandte (Nom.Pl.)
te vai nirayagāminaḥ
die gehen wahrlich in die Hölle (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
kṛtāśaṃ kṛtanirveśaṃ kṛtabhaktaṃ kṛtaśramam; bhedair ye vyapakarṣanti te vai nirayagāminaḥ
Wer jemanden, der Hoffnung gefasst hat, sich verdingt [?] hat, Speise erhalten hat und sich abgemüht hat, durch Ränke [von sich] wegdrängt, die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
kṛtāśaṃ kṛtanirveśaṃ
der Hoffnung gefasst hat, der sich verdingt hat [?] (Akk.Sg.m., Bahuvrīhi)
kṛtabhaktaṃ kṛtaśramam
der Speise erhalten hat, der sich abgemüht hat (Akk.Sg.m.)
bhedair ye
durch Ränke/Zwietracht, die (Instr.Pl./Nom.Pl.)
vyapakarṣanti
sie drängen weg (3.Pl.Präs.)
te vai nirayagāminaḥ
sie gehen fürwahr in die Hölle (Nom.Pl.)
kṛtanirveśa: „Lohn/Dienstverhältnis eingegangen“ ist unsicher; vyapakarṣanti: „wegziehen, verdrängen“.
paryaśnanti ca ye dārān agnibhṛtyātithīṃs tathā; utsannapitṛdevejyās te vai nirayagāminaḥ
Und die, die vor [ihren] Frauen, [dem heiligen] Feuer, den Dienern und ebenso den Gästen essen, bei denen die Opfer für Ahnen und Götter eingestellt sind, die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
paryaśnanti ca ye
und die zuvor/vor [ihnen] essen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
dārān agnibhṛtyātithīṃs tathā
Frauen, Feuer, Diener und Gäste (Akk.Pl., Dvandva)
utsannapitṛdevejyāḥ
bei denen Ahnen- und Götteropfer verfallen sind (Nom.Pl., Bahuvrīhi)
te vai nirayagāminaḥ
sie gehen fürwahr in die Hölle (Nom.Pl.)
paryaśnanti: „rings/zuvor essen“ [?], gemeint wohl: essen, bevor jene versorgt sind.
brāhmaṇānāṃ gavāṃ caiva kanyānāṃ ca yudhiṣṭhira; ye 'ntaraṃ yānti kāryeṣu te vai nirayagāminaḥ
Die, Yudhiṣṭhira, bei den Angelegenheiten der Brāhmaṇas, der Kühe und der Mädchen dazwischentreten [und sie behindern], die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ gavāṃ caiva
der Brāhmaṇas und der Kühe (Gen.Pl.)
kanyānāṃ ca yudhiṣṭhira
und der Mädchen, Yudhiṣṭhira (Gen.Pl./Vok.)
ye 'ntaraṃ yānti kāryeṣu
die dazwischentreten in den Angelegenheiten (3.Pl.Präs./Lok.Pl.)
te vai nirayagāminaḥ
sie gehen fürwahr in die Hölle (Nom.Pl.)
antaraṃ yānti: „dazwischentreten, ein Hindernis bereiten“.
aprāptadamakāś caiva nāsānāṃ vedhakās tathā; bandhakāś ca paśūnāṃ ye te vai nirayagāminaḥ
Die, die [Tiere] bezähmen, ehe sie [das rechte Alter] erreicht haben, und die, die [ihnen] die Nasen durchbohren, und die, die Tiere fesseln, die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
aprāptadamakāś caiva
und die [Unreife] Bezähmenden (Nom.Pl.)
nāsānāṃ vedhakās tathā
ebenso Durchbohrer der Nasen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
bandhakāś ca paśūnāṃ ye
und Fesseler der Tiere, die (Nom.Pl./Gen.Pl.)
te vai nirayagāminaḥ
sie gehen fürwahr in die Hölle (Nom.Pl.)
aprāptadamakāḥ: „die [Tiere] vor der Reife zureiten“ [?].
agoptāraś chaladravyā baliṣaḍbhāgatatparāḥ; samarthāś cāpy adātāras te vai nirayagāminaḥ
Die nicht schützen, [fremdes] Gut durch Trug [an sich bringen], nur auf Abgabe und den sechsten Teil bedacht sind und, obwohl vermögend, nicht geben, die gehen fürwahr in die Hölle.
saṃśrutya cāpradātāro daridrāṇāṃ vinindakāḥ; śrotriyāṇāṃ vinītānāṃ daridrāṇāṃ vinindakāḥ; kṣamiṇāṃ nindakāś caiva te vai nirayagāminaḥ
Die, die zugesagt haben und nicht geben, die Armen tadeln, die gelehrten Brahmanen [und] Wohlerzogenen [und] Armen tadeln und die Nachsichtigen tadeln, die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
saṃśrutya cāpradātāro
und nach Zusage Nichtgebende (Abs./Nom.Pl.)
daridrāṇāṃ vinindakāḥ
Tadler der Armen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
śrotriyāṇāṃ vinītānāṃ
der Vedakundigen, der Wohlerzogenen (Gen.Pl.)
daridrāṇāṃ vinindakāḥ
Tadler der Armen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
kṣamiṇāṃ nindakāś caiva
und Tadler der Nachsichtigen (Gen.Pl./Nom.Pl.)
te vai nirayagāminaḥ
sie gehen fürwahr in die Hölle (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; daridrāṇāṃ vinindakāḥ steht zweimal.
kṣāntān dāntāṃs tathā prājñān dīrghakālaṃ sahoṣitān; tyajanti kṛtakṛtyā ye te vai nirayagāminaḥ
Die Nachsichtigen, Selbstbeherrschten und Weisen, die lange [mit ihnen] zusammengelebt haben, verlassen sie, wenn ihr Zweck erfüllt ist, die gehen fürwahr in die Hölle.
Wort für Wort
kṣāntān dāntāṃs tathā prājñān
Nachsichtige, Bezwungene und Weise (Akk.Pl.)
dīrghakālaṃ sahoṣitān
lange Zeit Zusammengelebte (Akk.Pl.)
tyajanti kṛtakṛtyā ye
sie verlassen, die ihr Ziel erreicht haben (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
Diese, die als in die Hölle Gehende von den früheren Sehern erschaut und verkündet wurden, [habe ich genannt]; nun werde ich, Stier der Bharatas, die Teilhaber der Himmelswelt nennen.
Wort für Wort
ete pūrvarṣibhir dṛṣṭāḥ
diese, von früheren Sehern erschaut (Nom.Pl./Instr.Pl., Part.Pass.)
proktā nirayagāminaḥ
als in die Hölle Gehende verkündet (Part.Pass./Nom.Pl.)
bhāginaḥ svargalokasya
die Teilhaber der Himmelswelt (Akk.Pl./Gen.Sg.)
vakṣyāmi bharatarṣabha
ich werde sagen, Stier der Bharatas (1.Sg.Fut./Vok.)
śuśrūṣābhis tapobhiś ca śrutam ādāya bhārata; ye pratigrahaniḥsnehās te narāḥ svargagāminaḥ
Die, Bhārata, durch Dienst und Askese Gelerntes [Wissen] aufgenommen haben und frei von Anhänglichkeit an das Annehmen von Gaben sind, diese Männer gehen zum Himmel.
Wort für Wort
śuśrūṣābhis tapobhiś ca
durch Dienste und Askesen (Instr.Pl.)
śrutam ādāya bhārata
Gelerntes aufgenommen habend, Bhārata (Abs./Vok.)
ye pratigrahaniḥsnehās
die ohne Zuneigung zum Gabenannehmen sind (Nom.Pl.)
āḍhyāś ca balavantaś ca yauvanasthāś ca bhārata; ye vai jitendriyā dhīrās te narāḥ svargagāminaḥ
Die wohlhabend und kräftig sind und in der Jugend stehen, Bhārata, [und] die fürwahr selbstbeherrscht und standhaft sind, diese Männer gehen zum Himmel.
bhakṣyapānānnadātāras tathā pādukadā narāḥ; ye vai svaśaktitaḥ kuryus te vai nirayaśatravaḥ
Die Spender von Speise, Trank und Nahrung und ebenso Geber von Sandalen, die Männer, die nach [eigener] Kraft [so] handeln, sind fürwahr Feinde der Hölle.
Wort für Wort
bhakṣyapānānnadātāras
Spender von Speise, Trank, Nahrung (Nom.Pl.)
tathā pādukadā narāḥ
ebenso Sandalengeber, Männer (Nom.Pl.)
ye vai svaśaktitaḥ kuryus
die fürwahr nach eigener Kraft tun (Opt.3.Pl.)
te vai nirayaśatravaḥ
sie sind fürwahr Höllenfeinde (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; nirayaśatravaḥ „Feinde der Hölle“, d. h. die Hölle meidend.
Die in welcher Familie auch immer geboren sind, viele Söhne haben, hundert Jahre alt werden, mitfühlend sind und den Zorn besiegt haben, [diese] Männer gehen zum Himmel.
Wort für Wort
yasmin kasmin kule jātā
in welcher Familie auch immer geboren (Lok.Sg./Nom.Pl.)
gaṅgāditīrthaniratāḥ pitṛtīrthakarāś ca ye; iṣṭāpūrtaratā ye ca te narāḥ svargagāminaḥ
Die der Gaṅgā und anderen heiligen Furten ergeben sind, die Furten für die Ahnen anlegen und die dem Geopferten und Gestifteten ergeben sind, diese Männer gehen zum Himmel.
Wort für Wort
gaṅgāditīrthaniratāḥ
an Gaṅgā und anderen Furten Hängende (Nom.Pl.)
pitṛtīrthakarāś ca ye
und die Ahnenfurten Schaffenden (Nom.Pl.)
iṣṭāpūrtaratā ye ca
und die dem Geopferten und Gestifteten ergeben sind (Nom.Pl.)
te narāḥ svargagāminaḥ
diese Männer gehen zum Himmel (Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; iṣṭāpūrta: Opfer und fromme Stiftungen.
etad uktam amutrārthaṃ daivaṃ pitryaṃ ca bhārata; dharmādharmau ca dānasya yathā pūrvarṣibhiḥ kṛtau
Dies ist gesagt worden für das Jenseits, [über] das Göttliche und das den Ahnen Zugehörige, Bhārata, und über Dharma und Adharma der Gabe, wie sie von den früheren Sehern bestimmt wurden.
Wort für Wort
etad uktam amutrārthaṃ
dies ist gesagt für das Jenseits (Part.Pass./Nom.Sg.)
daivaṃ pitryaṃ ca bhārata
das Göttliche und das Ahnenbezogene, Bhārata (Akk.Sg./Vok.)
dharmādharmau ca dānasya
Dharma und Adharma der Gabe (Nom.Du./Gen.Sg.)
yathā pūrvarṣibhiḥ kṛtau
wie von früheren Sehern gemacht/festgelegt (Instr.Pl./Part.Pass.Du.)