Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 82: gomāhātmya Die Größe der Kühe: Brahmās Belehrung Indras und Surabhis Askese

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira das Gespräch zwischen Brahmā und Indra: Die Kühe stehen als Quelle von Opfer und Nahrung über den Göttern, ihr Goloka verdankt sich Surabhis Askese. Es folgt das Phalaśruti (Lohn des Vortrags und der Kuhverehrung).

bhīṣma uvāca; ye ca gāḥ saṃprayacchanti hutaśiṣṭāśinaś ca ye; teṣāṃ satrāṇi yajñāś ca nityam eva yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Die, welche Kühe schenken, und die, welche vom Rest des Opfers essen – deren Opfersitzungen und Opfer [gelingen] stets, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
ye ca gāḥ saṃprayacchanti
und die, welche Kühe schenken (Nom.Pl.; Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
hutaśiṣṭāśinaś ca ye
und die, welche vom Rest des Geopferten essen (Nom.Pl.)
teṣāṃ satrāṇi yajñāś ca
deren Opfersitzungen und Opfer (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
nityam eva yudhiṣṭhira
stets, Yudhiṣṭhira (Adv.; Vok.)

Verb fehlt im Sanskrit; sinngemäß ergänzt.

ṛte dadhighṛteneha na yajñaḥ saṃpravartate; tena yajñasya yajñatvam atomūlaṃ ca lakṣyate

Ohne Dickmilch und geklärte Butter kommt hier kein Opfer in Gang; dadurch zeigt sich das Opfersein des Opfers und darin seine Wurzel.

Wort für Wort
ṛte dadhighṛtena iha
ohne Dickmilch und Ghee hier (Präp.; Instr.Sg.; Adv.)
na yajñaḥ saṃpravartate
kein Opfer kommt in Gang (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
tena yajñasya yajñatvam
dadurch das Opfersein des Opfers (Instr.; Gen.; Nom.Sg.n.)
ataḥ mūlaṃ ca lakṣyate
und daher [erkennt man] die Wurzel (Abl.-Adv.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)

atomūlam: Lesung als ataḥ + mūlam; Sinn leicht unsicher.

dānānām api sarveṣāṃ gavāṃ dānaṃ praśasyate; gāvaḥ śreṣṭhāḥ pavitrāś ca pāvanaṃ hy etad uttamam

Unter allen Gaben wird die Gabe von Kühen gepriesen; die Kühe sind die besten und rein, denn dies ist das höchste Reinigungsmittel.

Wort für Wort
dānānām api sarveṣām
unter allen Gaben (Gen.Pl.)
gavāṃ dānaṃ praśasyate
die Gabe von Kühen wird gepriesen (Gen.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
gāvaḥ śreṣṭhāḥ pavitrāś ca
die Kühe [sind] die besten und rein (Nom.Pl.f.)
pāvanaṃ hi etad uttamam
denn dies [ist] das höchste Reinigungsmittel (Nom.Sg.n.)

puṣṭyartham etāḥ seveta śāntyartham api caiva ha; payo dadhi ghṛtaṃ yāsāṃ sarvapāpapramocanam

Man soll ihnen dienen um des Gedeihens willen und auch um des Friedens willen; Milch, Dickmilch und geklärte Butter von ihnen erlösen von allen Sünden.

Wort für Wort
puṣṭyartham etāḥ seveta
um des Gedeihens willen soll man ihnen dienen (Adv.; Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.Med.)
śāntyartham api caiva ha
und auch um des Friedens willen (Adv.; Partikeln)
payo dadhi ghṛtaṃ yāsām
Milch, Dickmilch, Ghee, die von ihnen [stammen] (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.f.)
sarvapāpapramocanam
[ist] Befreiung von allen Sünden (Nom.Sg.n., Kompositum)

gāvas tejaḥ paraṃ proktam iha loke paratra ca; na gobhyaḥ paramaṃ kiṃ cit pavitraṃ puruṣarṣabha

Die Kühe gelten als höchste Glanzkraft in dieser Welt und in der jenseitigen; nichts ist reiner als die Kühe, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
gāvas tejaḥ paraṃ proktam
die Kühe [sind] als höchste Glanzkraft bezeichnet (Nom.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
iha loke paratra ca
in dieser Welt und jenseits (Lok.Sg.; Adv.)
na gobhyaḥ paramaṃ kiṃ cit pavitram
nichts Höheres an Reinheit als die Kühe (Abl.Pl.; Nom.Sg.n.)
puruṣarṣabha
Stier unter den Männern (Vok.Sg.)

atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; pitāmahasya saṃvādam indrasya ca yudhiṣṭhira

Hierzu erzählt man diese uralte Geschichte, das Gespräch des Großvaters [Brahmā] und Indras, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
atra api udāharanti imam
hierzu auch führt man diese an (Adv.; 3.Pl.Präs.; Akk.Sg.m.)
itihāsaṃ purātanam
Geschichte, uralte (Akk.Sg.m.)
pitāmahasya saṃvādam
das Gespräch des Großvaters (Gen.Sg.; Akk.Sg.)
indrasya ca yudhiṣṭhira
und Indras, Yudhiṣṭhira (Gen.Sg.; Vok.)

parābhūteṣu daityeṣu śakre tribhuvaneśvare; prajāḥ samuditāḥ sarvāḥ satyadharmaparāyaṇāḥ

Als die Daityas besiegt waren und Śakra Herr der drei Welten war, waren alle Geschöpfe froh, ganz der Wahrheit und dem Recht ergeben.

Wort für Wort
parābhūteṣu daityeṣu
als die Daityas besiegt waren (Lok.abs.Pl.)
śakre tribhuvaneśvare
Śakra [war] Herr der drei Welten (Lok.abs.Sg.)
prajāḥ samuditāḥ sarvāḥ
alle Geschöpfe [waren] froh (Nom.Pl.f.; Part.Perf.Pass.)
satyadharmaparāyaṇāḥ
der Wahrheit und dem Dharma ergeben (Nom.Pl., Kompositum)

atharṣayaḥ sagandharvāḥ kiṃnaroragarākṣasāḥ; devāsurasuparṇāś ca prajānāṃ patayas tathā; paryupāsanta kauravya kadā cid vai pitāmaham

Da suchten einst Ṛṣis mit Gandharvas, Kiṃnaras, Schlangen und Rākṣasas, Götter, Asuras und Suparṇas sowie die Herren der Geschöpfe den Großvater auf, Kauravya.

Wort für Wort
atha ṛṣayaḥ sagandharvāḥ
da die Ṛṣis mit den Gandharvas (Nom.Pl.)
kiṃnaroragarākṣasāḥ
Kiṃnaras, Schlangen, Rākṣasas (Nom.Pl., Dvandva)
devāsurasuparṇāś ca
und Götter, Asuras, Suparṇas (Nom.Pl.)
prajānāṃ patayas tathā
ebenso die Herren der Geschöpfe (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
paryupāsanta kauravya kadā cit vai pitāmaham
sie warteten auf, Kauravya, einst den Großvater (3.Pl.Impf.Med.; Vok.; Adv.; Akk.)

nāradaḥ parvataś caiva viśvāvasuhahāhuhū; divyatāneṣu gāyantaḥ paryupāsanta taṃ prabhum

Nārada, Parvata sowie Viśvāvasu, Hāhā und Hūhū, die in himmlischen Weisen sangen, warteten jenem Herrn auf.

Wort für Wort
nāradaḥ parvataś caiva
Nārada und Parvata (Nom.Sg.)
viśvāvasuhahāhuhū
Viśvāvasu, Hāhā und Hūhū (Nom.Dual/Pl., Dvandva)
divyatāneṣu gāyantaḥ
in himmlischen Tonweisen singend (Lok.Pl.; Part.Präs.)
paryupāsanta taṃ prabhum
sie warteten jenem Herrn auf (3.Pl.Impf.; Akk.Sg.)

tatra divyāni puṣpāṇi prāvahat pavanas tathā; ājahrur ṛtavaś cāpi sugandhīni pṛthak pṛthak

Dort wehte der Wind himmlische Blüten heran, und auch die Jahreszeiten brachten wohlduftende [Blüten], jede für sich.

Wort für Wort
tatra divyāni puṣpāṇi
dort himmlische Blüten (Adv.; Akk.Pl.n.)
prāvahat pavanas tathā
es wehte heran der Wind ebenso (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.)
ājahrur ṛtavaś ca api
und auch brachten die Jahreszeiten (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
sugandhīni pṛthak pṛthak
wohlduftende, jede besonders (Akk.Pl.n.; Adv.)

Objekt zu ājahruḥ [Blüten] ergänzt.

tasmin devasamāvāye sarvabhūtasamāgame; divyavāditrasaṃghuṣṭe divyastrīcāraṇāvṛte; indraḥ papraccha deveśam abhivādya praṇamya ca

In dieser Götterversammlung, diesem Zusammenkommen aller Wesen, erfüllt vom Klang himmlischer Musikinstrumente und umgeben von himmlischen Frauen und Cāraṇas, fragte Indra den Herrn der Götter, nachdem er ihn begrüßt und sich verneigt hatte.

Wort für Wort
tasmin devasamāvāye
in dieser Götterversammlung (Lok.Sg.)
sarvabhūtasamāgame
beim Zusammenkommen aller Wesen (Lok.Sg.)
divyavāditrasaṃghuṣṭe
erfüllt vom Klang himmlischer Instrumente (Lok.Sg.)
divyastrīcāraṇāvṛte
umgeben von himmlischen Frauen und Cāraṇas (Lok.Sg.)
indraḥ papraccha deveśam
Indra fragte den Herrn der Götter (Nom.; 3.Sg.Perf.; Akk.)
abhivādya praṇamya ca
nachdem er gegrüßt und sich verneigt hatte (Ger.)

devānāṃ bhagavan kasmāl lokeśānāṃ pitāmaha; upariṣṭād gavāṃ loka etad icchāmi veditum

„Ehrwürdiger, Großvater, warum ist die Welt der Kühe oberhalb der Götter und der Weltherrscher? Das möchte ich wissen.“

Wort für Wort
devānāṃ bhagavan kasmāt
der Götter, Ehrwürdiger, warum (Gen.Pl.; Vok.; Adv.)
lokeśānāṃ pitāmaha
der Weltherrscher, Großvater (Gen.Pl.; Vok.)
upariṣṭād gavāṃ lokaḥ
oberhalb [ist] die Welt der Kühe (Adv.; Gen.Pl.; Nom.Sg.)
etad icchāmi veditum
dies will ich wissen (Akk.; 1.Sg.Präs.; Inf.)

kiṃ tapo brahmacaryaṃ vā gobhiḥ kṛtam iheśvara; devānām upariṣṭād yad vasanty arajasaḥ sukham

„Welche Askese oder welchen Keuschheitswandel haben die Kühe hier geübt, Herr, dass sie oberhalb der Götter staubfrei und glücklich wohnen?“

Wort für Wort
kiṃ tapo brahmacaryaṃ vā
welche Askese oder Keuschheit (Nom./Akk.Sg.n.)
gobhiḥ kṛtam iha īśvara
von den Kühen getan hier, Herr (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.; Vok.)
devānām upariṣṭād yat
oberhalb der Götter, wodurch (Gen.Pl.; Adv.; Rel.)
vasanti arajasaḥ sukham
sie wohnen staubfrei, glücklich (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.; Adv.)

arajasaḥ: 'ohne Rajas/Staub'; auch 'frei von Leidenschaft' möglich.

tataḥ provāca taṃ brahmā śakraṃ balanisūdanam; avajñātās tvayā nityaṃ gāvo balanisūdana

Darauf sprach Brahmā zu Śakra, dem Bezwinger Balas: „Von dir werden die Kühe stets missachtet, Bezwinger Balas.

Wort für Wort
tataḥ provāca taṃ brahmā
darauf sprach zu ihm Brahmā (Adv.; 3.Sg.Perf.; Akk.; Nom.)
śakraṃ balanisūdanam
Śakra, den Bezwinger Balas (Akk.Sg.)
avajñātās tvayā nityam
missachtet von dir stets (Part.Perf.Pass.Nom.Pl.; Instr.; Adv.)
gāvo balanisūdana
die Kühe, Bezwinger Balas (Nom.Pl.; Vok.)

tena tvam āsāṃ māhātmyaṃ na vettha śṛṇu tat prabho; gavāṃ prabhāvaṃ paramaṃ māhātmyaṃ ca surarṣabha

Deshalb kennst du ihre Größe nicht; höre sie, Herr: die höchste Macht der Kühe und ihre Größe, Stier unter den Göttern.“

Wort für Wort
tena tvam āsāṃ māhātmyam
deshalb du ihre Größe (Instr.-Adv.; Nom.; Gen.Pl.f.; Akk.Sg.)
na vettha śṛṇu tat prabho
kennst nicht; höre dies, Herr (2.Sg.Perf.; Imp.; Vok.)
gavāṃ prabhāvaṃ paramam
der Kühe höchste Macht (Gen.Pl.; Akk.Sg.)
māhātmyaṃ ca surarṣabha
und Größe, Stier unter den Göttern (Akk.; Vok.)

Imperativ śṛṇu regiert prabhāvam/māhātmyam.

yajñāṅgaṃ kathitā gāvo yajña eva ca vāsava; etābhiś cāpy ṛte yajño na pravartet kathaṃ cana

„Die Kühe werden als Glied des Opfers bezeichnet, ja als das Opfer selbst, Vāsava; und ohne sie käme das Opfer auf keine Weise in Gang.

Wort für Wort
yajñāṅgaṃ kathitā gāvaḥ
als Opfer-Glied genannt die Kühe (Akk.Sg.n.; Part.Pass.; Nom.Pl.)
yajña eva ca vāsava
und das Opfer selbst, Vāsava (Nom.Sg.; Vok.)
etābhiś ca api ṛte yajñaḥ
und auch ohne diese das Opfer (Instr.Pl.f.; Präp.; Nom.)
na pravartet kathaṃ cana
käme nicht in Gang auf irgendeine Weise (3.Sg.Opt.; Adv.)

dhārayanti prajāś caiva payasā haviṣā tathā; etāsāṃ tanayāś cāpi kṛṣiyogam upāsate

Sie erhalten die Geschöpfe mit Milch und mit Opferschmalz; und ihre Söhne [Stiere] widmen sich der Feldarbeit.

Wort für Wort
dhārayanti prajāḥ ca eva
sie erhalten die Geschöpfe (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.)
payasā haviṣā tathā
mit Milch und mit Opferguss (Instr.Sg.)
etāsāṃ tanayāḥ ca api
und auch ihre Söhne (Gen.Pl.f.; Nom.Pl.)
kṛṣiyogam upāsate
betreiben die Feldarbeit (Akk.Sg.; 3.Pl.Präs.Med.)

janayanti ca dhānyāni bījāni vividhāni ca; tato yajñāḥ pravartante havyaṃ kavyaṃ ca sarvaśaḥ

Sie bringen Getreide und mancherlei Saatgut hervor; daraus gehen die Opfer hervor, [die Gaben] für Götter und für Ahnen, in jeder Hinsicht.

Wort für Wort
janayanti ca dhānyāni
und sie bringen hervor Getreide (3.Pl.Präs.Kaus.; Akk.Pl.n.)
bījāni vividhāni ca
und mannigfaltige Samen (Akk.Pl.n.)
tataḥ yajñāḥ pravartante
daraus kommen Opfer in Gang (Adv.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
havyaṃ kavyaṃ ca sarvaśaḥ
Götter- und Ahnenopfergabe, überall (Nom.Sg.n.; Adv.)

Sinnvolle Ergänzung [die Gaben].

payo dadhi ghṛtaṃ caiva puṇyāś caitāḥ surādhipa; vahanti vividhān bhārān kṣuttṛṣṇāparipīḍitāḥ

Milch, Dickmilch und geklärte Butter [geben] diese heiligen [Kühe], Herr der Götter; sie tragen mancherlei Lasten, von Hunger und Durst geplagt.

Wort für Wort
payo dadhi ghṛtaṃ ca eva
Milch, Dickmilch, Ghee (Akk.Sg.n.)
puṇyāḥ ca etāḥ surādhipa
und diese heiligen, Herr der Götter (Nom.Pl.f.; Vok.)
vahanti vividhān bhārān
sie tragen mannigfache Lasten (3.Pl.Präs.; Akk.Pl.m.)
kṣuttṛṣṇāparipīḍitāḥ
von Hunger und Durst gequält (Nom.Pl.f., Kompositum)

Verb zu 'payo dadhi ghṛtam' fehlt; ergänzt.

munīṃś ca dhārayantīha prajāś caivāpi karmaṇā; vāsavākūṭavāhinyaḥ karmaṇā sukṛtena ca; upariṣṭāt tato 'smākaṃ vasanty etāḥ sadaiva hi

Sie erhalten hier die Weisen und die Geschöpfe durch ihr Wirken; [sie], die den Wagen Vāsavas ... ziehen, durch ihr Wirken und ihr gutes Tun – deshalb wohnen sie stets oberhalb von uns.

Wort für Wort
munīn ca dhārayanti iha
und sie erhalten die Weisen hier (Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
prajāḥ ca eva api karmaṇā
und auch die Geschöpfe durch ihr Werk (Akk.Pl.; Instr.Sg.)
vāsavākūṭavāhinyaḥ
Vāsava-... -Trägerinnen [?] (Nom.Pl.f., Kompositum)
karmaṇā sukṛtena ca
durch Tat und Gutes (Instr.)
upariṣṭāt tataḥ asmākam
oberhalb daher von uns (Adv.; Adv.; Gen.Pl.)
vasanti etāḥ sadā eva hi
wohnen diese stets (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.f.; Adv.)

vāsavākūṭavāhinyaḥ ist unklar und wohl verderbt [?]; als 'die ... tragen/ziehen' wiedergegeben.

etat te kāraṇaṃ śakra nivāsakṛtam adya vai; gavāṃ devopariṣṭād dhi samākhyātaṃ śatakrato

Dies ist der Grund, Śakra, für den Wohnsitz der Kühe, der heute oberhalb der Götter genannt wurde, Śatakratu.

Wort für Wort
etat te kāraṇaṃ śakra
dies [ist] dein Grund, Śakra (Nom.; Dat./Gen.; Nom.; Vok.)
nivāsakṛtam adya vai
das Wohnen betreffend, heute fürwahr (Nom.Sg.n.; Adv.)
gavāṃ devopariṣṭād hi
der Kühe oberhalb der Götter (Gen.Pl.; Abl.-Adv.)
samākhyātaṃ śatakrato
mitgeteilt, Śatakratu (Part.Perf.Pass.; Vok.)

etā hi varadattāś ca varadāś caiva vāsava; saurabhyaḥ puṇyakarmiṇyaḥ pāvanāḥ śubhalakṣaṇāḥ

Diese Saurabheyīs, Vāsava, sind mit Gaben ausgestattet und Gabenspenderinnen, verdienstvoll im Wirken, reinigend, mit glückverheißenden Merkmalen.

Wort für Wort
etā hi varadattāḥ ca
denn diese sind mit Wunschgaben beschenkt (Nom.Pl.f.)
varadāḥ ca eva vāsava
und auch Wunschgewährerinnen, Vāsava (Nom.Pl.f.; Vok.)
saurabhyaḥ puṇyakarmiṇyaḥ
Saurabheyīs, mit heiligem Tun (Nom.Pl.f.)
pāvanāḥ śubhalakṣaṇāḥ
reinigend, mit glücklichen Merkmalen (Nom.Pl.f.)

varadattāḥ: 'denen ein Wunsch gewährt wurde' oder 'durch Wunsch gegeben'.

yadarthaṃ gā gatāś caiva saurabhyaḥ surasattama; tac ca me śṛṇu kārtsnyena vadato balasūdana

Um welcher Sache willen die Saurabheyīs [dorthin] gelangt sind, bestes unter den Göttern, das höre auch von mir vollständig, Bezwinger Balas, während ich [es] sage.

Wort für Wort
yadartham gā gatāḥ ca
weswegen die Kühe gegangen sind (Adv.; Nom.Pl.f.; Part.Perf.Pass.)
saurabhyaḥ surasattama
die Saurabheyīs, Bester der Götter (Nom.Pl.; Vok.)
tat ca me śṛṇu kārtsnyena
und dies höre von mir vollständig (Akk.; Abl./Gen.; Imp.; Instr.-Adv.)
vadataḥ balasūdana
während ich spreche, Balatöter (Part.Präs.Gen.; Vok.)

gā gatāḥ: Kühe, die in die Höhe/zum Goloka gelangten; gā ist Nom.Pl. (Lesart 'gāḥ').

purā devayuge tāta daityendreṣu mahātmasu; trīṃl lokān anuśāsatsu viṣṇau garbhatvam āgate

Einst, im Zeitalter der Götter, mein Lieber, als die großmütigen Daitya-Fürsten die drei Welten beherrschten und Viṣṇu in den Mutterleib gekommen war,

Wort für Wort
purā devayuge tāta
einst im Götterzeitalter, mein Lieber (Adv.; Lok.; Vok.)
daityendreṣu mahātmasu
als die Daitya-Fürsten, die Großmütigen (Lok.abs.Pl.)
trīn lokān anuśāsatsu
die drei Welten beherrschten (Akk.Pl.; Part.Präs.Lok.Pl.)
viṣṇau garbhatvam āgate
als Viṣṇu in den Zustand des Embryos gelangt war (Lok.abs.; Part.Perf.)

adityās tapyamānāyās tapo ghoraṃ suduścaram; putrārtham amaraśreṣṭha pādenaikena nityadā

übte Aditi, [die Mutter] der Götter, um Söhne willen, bester der Unsterblichen, furchtbare, äußerst schwer zu vollbringende Askese, stets auf einem Fuß stehend.

Wort für Wort
adityāḥ tapyamānāyāḥ
der Aditi, die Askese übte (Gen./Dat.Sg.; Part.Präs.Med.)
tapo ghoraṃ suduścaram
furchtbare, sehr schwer auszuführende Askese (Akk.Sg.n.)
putrārtham amaraśreṣṭha
um der Söhne willen, bester der Unsterblichen (Adv.; Vok.)
pādena ekena nityadā
auf einem Fuß, stets (Instr.Sg.; Adv.)

Syntax der Konstruktion (adityās tapyamānāyāḥ) locker; 'übte' sinngemäß ergänzt.

tāṃ tu dṛṣṭvā mahādevīṃ tapyamānāṃ mahat tapaḥ; dakṣasya duhitā devī surabhir nāma nāmataḥ

Als die Göttin Surabhi, Dakṣas Tochter, mit Namen so genannt, jene große Göttin sah, wie sie große Askese übte,

Wort für Wort
tāṃ tu dṛṣṭvā mahādevīm
als sie jene große Göttin gesehen hatte (Akk.Sg.f.; Ger.)
tapyamānāṃ mahat tapaḥ
große Askese übend (Part.Präs.Med.Akk.; Akk.Sg.n.)
dakṣasya duhitā devī
Dakṣas Tochter, die Göttin (Gen.; Nom.Sg.f.)
surabhir nāma nāmataḥ
Surabhi mit Namen, dem Namen nach (Nom.; Adv.)

atapyata tapo ghoraṃ hṛṣṭā dharmaparāyaṇā; kailāsaśikhare ramye devagandharvasevite

übte sie, erfreut und dem Dharma ergeben, furchtbare Askese auf dem lieblichen Gipfel des Kailāsa, den Götter und Gandharvas besuchen.

Wort für Wort
atapyata tapo ghoram
sie übte furchtbare Askese (3.Sg.Impf.Med.; Akk.)
hṛṣṭā dharmaparāyaṇā
erfreut, dem Dharma ergeben (Nom.Sg.f.)
kailāsaśikhare ramye
auf dem Kailāsa-Gipfel, dem lieblichen (Lok.Sg.)
devagandharvasevite
von Göttern und Gandharvas besucht (Lok.Sg.)

vyatiṣṭhad ekapādena paramaṃ yogam āsthitā; daśa varṣasahasrāṇi daśa varṣaśatāni ca

Sie stand auf einem Fuß, ganz dem höchsten Yoga hingegeben, zehntausend Jahre und tausend Jahre.

Wort für Wort
vyatiṣṭhad ekapādena
sie stand auf einem Fuß (3.Sg.Impf.; Instr.)
paramaṃ yogam āsthitā
den höchsten Yoga eingenommen habend (Akk.; Part.Perf.Nom.f.)
daśa varṣasahasrāṇi
zehn Tausend Jahre (Akk.Pl.n.)
daśa varṣaśatāni ca
und zehn Hundert Jahre (Akk.Pl.n.)

Wörtlich zehn Jahrtausende und zehn Jahrhunderte, also elftausend Jahre.

saṃtaptās tapasā tasyā devāḥ sarṣimahoragāḥ; tatra gatvā mayā sārdhaṃ paryupāsanta tāṃ śubhām

Von ihrer Askese erhitzt kamen die Götter mit den Ṛṣis und großen Schlangen dorthin und warteten mit mir zusammen jener Glückverheißenden auf.

Wort für Wort
saṃtaptās tapasā tasyāḥ
erhitzt durch ihre Askese (Nom.Pl.; Instr.; Gen.f.)
devāḥ sarṣimahoragāḥ
die Götter mit Ṛṣis und großen Schlangen (Nom.Pl.)
tatra gatvā mayā sārdham
dorthin gegangen, mit mir zusammen (Adv.; Ger.; Instr.; Adv.)
paryupāsanta tāṃ śubhām
sie warteten jener Glückverheißenden auf (3.Pl.Impf.; Akk.Sg.f.)

athāham abruvaṃ tatra devīṃ tāṃ tapasānvitām; kimarthaṃ tapyate devi tapo ghoram anindite

Da sprach ich dort zu jener Göttin, die von Askese erfüllt war: „Wozu übst du Askese, Göttin, furchtbare Askese, Tadellose?“

Wort für Wort
atha aham abruvaṃ tatra
da sagte ich dort (Adv.; Nom.; 1.Sg.Impf.; Adv.)
devīṃ tāṃ tapasānvitām
jener Göttin, von Askese erfüllt (Akk.Sg.f.)
kimartham tapyate devi
wozu übst du, Göttin (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.; Vok.)
tapo ghoram anindite
furchtbare Askese, Tadellose (Akk.; Vok.f.)

prītas te 'haṃ mahābhāge tapasānena śobhane; varayasva varaṃ devi dātāsmīti puraṃdara

„Ich bin mit dieser deiner Askese zufrieden, Hochbeglückte, Schöne; wähle einen Wunsch, Göttin; ich werde [ihn dir] gewähren, Puraṃdara.“

Wort für Wort
prītaḥ te aham mahābhāge
zufrieden mit dir bin ich, Hochbeglückte (Part.Nom.; Gen./Abl.; Vok.)
tapasā anena śobhane
durch diese Askese, Schöne (Instr.; Vok.f.)
varayasva varaṃ devi
wähle einen Wunsch, Göttin (Imp.Med.; Akk.; Vok.)
dātā asmi iti puraṃdara
ich werde Geber sein, so [sprach ich], Puraṃdara (Nom.Nomen agentis; 1.Sg.Präs.; Vok.)

Anrede 'puraṃdara' an Indra gerichtet, im Munde Brahmās.

surabhy uvāca; vareṇa bhagavan mahyaṃ kṛtaṃ lokapitāmaha; eṣa eva varo me 'dya yat prīto 'si mamānagha

Surabhi sprach: „Was soll ich mit einem Wunsch, Ehrwürdiger, Großvater der Welt? Dies ist heute mein Wunsch, dass du mit mir zufrieden bist, Makelloser.“

Wort für Wort
surabhy uvāca
Surabhi sprach (Perf.)
vareṇa bhagavan mahyam kṛtam
mit dem Wunsch [ist] mir genug, Ehrwürdiger (Instr.; Vok.; Dat.; Part.Pass.)
lokapitāmaha
Großvater der Welt (Vok.)
eṣa eva varo me adya
dies allein ist mein Wunsch heute (Nom.; Gen.; Adv.)
yat prīto 'si mama anagha
dass du zufrieden mit mir bist, Makelloser (Konj.; Part.; Gen.; Vok.)

kṛtam mit Instr.: 'genug'.

brahmovāca; tām evaṃ bruvatīṃ devīṃ surabhīṃ tridaśeśvara; pratyabruvaṃ yad devendra tan nibodha śacīpate

Brahmā sprach: „Als die Göttin Surabhi so sprach, entgegnete ich, Herr der Dreißig [Götter], was du wissen sollst, Götterkönig, Gemahl der Śacī.“

Wort für Wort
brahmā uvāca
Brahmā sprach (Perf.)
tām evaṃ bruvatīṃ devīm
zu jener, die so sprach, der Göttin (Akk.Sg.f.; Part.Präs.)
surabhīṃ tridaśeśvara
Surabhi, Herr der Dreißig (Akk.; Vok.)
pratyabruvaṃ yad devendra
ich erwiderte, was, Götterfürst (1.Sg.Impf.; Rel.; Vok.)
tan nibodha śacīpate
das vernimm, Gemahl der Śacī (Imp.; Vok.)

Die Anreden sind an Indra gerichtet.

alobhakāmyayā devi tapasā ca śubhena te; prasanno 'haṃ varaṃ tasmād amaratvaṃ dadāni te

„Wegen deiner Wunschlosigkeit, Göttin, und deiner glückverheißenden Askese bin ich zufrieden; darum will ich dir Unsterblichkeit geben.

Wort für Wort
alobhakāmyayā devi
durch Genügsamkeit im Wünschen, Göttin (Instr.; Vok.)
tapasā ca śubhena te
und durch deine glückliche Askese (Instr.; Instr.; Gen.)
prasannaḥ aham varam tasmāt
zufrieden bin ich, deshalb einen Wunsch (Nom.; Nom.; Akk.; Abl.-Adv.)
amaratvaṃ dadāni te
Unsterblichkeit will ich dir geben (Akk.; 1.Sg.Konj.; Dat.)

alobhakāmyayā: Lesung 'aus Wunschlosigkeit/Ungier' unsicher.

trayāṇām api lokānām upariṣṭān nivatsyasi; matprasādāc ca vikhyāto golokaḥ sa bhaviṣyati

Über den drei Welten wirst du wohnen, und durch meine Gnade wird jener berühmte Goloka [Welt der Kühe] entstehen.

Wort für Wort
trayāṇām api lokānām
über den drei Welten (Gen.Pl.)
upariṣṭān nivatsyasi
oberhalb wirst du wohnen (Adv.; 2.Sg.Fut.)
matprasādāt ca vikhyātaḥ
und durch meine Gnade berühmt (Abl.; Part.)
golokaḥ sa bhaviṣyati
Goloka, dieser wird sein (Nom.; Pron.; 3.Sg.Fut.)

mānuṣeṣu ca kurvāṇāḥ prajāḥ karma sutās tava; nivatsyanti mahābhāge sarvā duhitaraś ca te

Und die Geschöpfe, deine Söhne, die unter den Menschen Arbeit verrichten, werden dort wohnen, Hochbeglückte, und alle deine Töchter.

Wort für Wort
mānuṣeṣu ca kurvāṇāḥ
und unter den Menschen tätig seiend (Lok.Pl.; Part.Präs.Med.)
prajāḥ karma sutāḥ tava
die Geschöpfe Arbeit, deine Söhne (Nom.Pl.; Akk.; Nom.Pl.; Gen.)
nivatsyanti mahābhāge
werden wohnen, Hochbeglückte (3.Pl.Fut.; Vok.)
sarvāḥ duhitaraḥ ca te
und alle deine Töchter (Nom.Pl.f.)

Die Zuordnung 'nivatsyanti' [in Goloka] ist ergänzt; Syntax gedrängt.

manasā cintitā bhogās tvayā vai divyamānuṣāḥ; yac ca svargasukhaṃ devi tat te saṃpatsyate śubhe

Alle himmlischen und menschlichen Genüsse, die du im Geiste erdenkst, und was es an Himmelsglück gibt, Göttin, das wird dir zuteil werden, Glückliche.

Wort für Wort
manasā cintitāḥ bhogāḥ
im Geiste gedachte Genüsse (Instr.; Part.Pass.; Nom.Pl.)
tvayā vai divyamānuṣāḥ
von dir, fürwahr, himmlische und menschliche (Instr.; Nom.Pl.)
yat ca svargasukham devi
und was Himmelsglück [ist], Göttin (Rel.; Nom.; Vok.)
tat te saṃpatsyate śubhe
das wird dir zufallen, Glückliche (Nom.; Dat.; 3.Sg.Fut.Med.; Vok.)

tasyā lokāḥ sahasrākṣa sarvakāmasamanvitāḥ; na tatra kramate mṛtyur na jarā na ca pāvakaḥ; na dainyaṃ nāśubhaṃ kiṃ cid vidyate tatra vāsava

Ihre Welten, Tausendäugiger, sind mit allen Wünschen ausgestattet; dort wirkt weder Tod noch Alter noch Feuer; weder Elend noch irgendetwas Unheilvolles gibt es dort, Vāsava.

Wort für Wort
tasyāḥ lokāḥ sahasrākṣa
ihre Welten, Tausendäugiger (Gen.f.; Nom.Pl.; Vok.)
sarvakāmasamanvitāḥ
mit allen Wünschen versehen (Nom.Pl.)
na tatra kramate mṛtyuḥ
dort schreitet nicht der Tod ein (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.)
na jarā na ca pāvakaḥ
weder Alter noch Feuer (Nom.Sg.)
na dainyaṃ na aśubhaṃ kiṃ cit
weder Elend noch irgendetwas Unheilvolles (Nom.Sg.n.)
vidyate tatra vāsava
es gibt dort, Vāsava (3.Sg.Pass.; Adv.; Vok.)

tatra divyāny araṇyāni divyāni bhavanāni ca; vimānāni ca yuktāni kāmagāni ca vāsava

Dort gibt es himmlische Haine und himmlische Paläste und passende, nach Belieben fahrende Himmelswagen, Vāsava.

Wort für Wort
tatra divyāni araṇyāni
dort himmlische Haine (Adv.; Nom.Pl.n.)
divyāni bhavanāni ca
und himmlische Wohnungen (Nom.Pl.n.)
vimānāni ca yuktāni
und Himmelswagen, angespannt/passend (Nom.Pl.n.; Part.)
kāmagāni ca vāsava
und nach Belieben gehende, Vāsava (Nom.Pl.n.; Vok.)

brahmacaryeṇa tapasā satyena ca damena ca

[Er ist zu erlangen] durch Keuschheit, Askese, Wahrhaftigkeit und Selbstbeherrschung

Wort für Wort
brahmacaryeṇa tapasā
durch Keuschheit, Askese (Instr.Sg.)
satyena ca damena ca
und durch Wahrheit und Selbstzähmung (Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern-Passage); syntaktisch mit dem folgenden Vers verbunden: śakyaḥ samāsādayitum golokaḥ.

vrataiś ca vividhaiḥ puṇyais tathā tīrthānusevanāt; tapasā mahatā caiva sukṛtena ca karmaṇā; śakyaḥ samāsādayituṃ golokaḥ puṣkarekṣaṇa

durch mancherlei verdienstvolle Gelübde, durch das Aufsuchen heiliger Furten, durch große Askese und durch gutes Tun ist Goloka zu erreichen, Lotosäugiger.

Wort für Wort
vrataiś ca vividhaiḥ puṇyaiḥ
und durch mannigfache heilige Gelübde (Instr.Pl.)
tathā tīrthānusevanāt
sowie durch das Aufsuchen von Tīrthas (Adv.; Abl.Sg.)
tapasā mahatā ca eva
und durch große Askese (Instr.Sg.)
sukṛtena ca karmaṇā
und durch gutes Werk (Instr.Sg.)
śakyaḥ samāsādayitum golokaḥ
kann erreicht werden, Goloka (Adj.; Inf.; Nom.)
puṣkarekṣaṇa
Lotosäugiger (Vok.)

etat te sarvam ākhyātaṃ mayā śakrānupṛcchate; na te paribhavaḥ kāryo gavām arinisūdana

Dies alles ist dir von mir mitgeteilt worden, Śakra, der du fragst; du sollst die Kühe nicht missachten, Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātam
dies alles dir mitgeteilt (Nom.Sg.n.; Dat.; Part.Pass.)
mayā śakra anupṛcchate
von mir, Śakra, dem Fragenden (Instr.; Vok.; Part.Dat.)
na te paribhavaḥ kāryaḥ
nicht sei von dir Missachtung zu üben (Gen./Instr.; Nom.; Gerundiv)
gavām arinisūdana
gegenüber den Kühen, Feindvernichter (Gen.Pl.; Vok.)

bhīṣma uvāca; etac chrutvā sahasrākṣaḥ pūjayām āsa nityadā; gāś cakre bahumānaṃ ca tāsu nityaṃ yudhiṣṭhira

Bhīṣma sprach: „Als der Tausendäugige dies gehört hatte, verehrte er [die Kühe] von da an stets und hegte immer große Achtung für sie, Yudhiṣṭhira.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
etac chrutvā sahasrākṣaḥ
dies gehört habend, der Tausendäugige (Ger.; Nom.)
pūjayām āsa nityadā
er verehrte stets (Perf.Periphr.; Adv.)
gāś cakre bahumānaṃ ca
und er erwies den Kühen große Achtung (Akk.Pl.; 3.Sg.Perf.Med.; Akk.)
tāsu nityaṃ yudhiṣṭhira
gegenüber ihnen stets, Yudhiṣṭhira (Lok.Pl.f.; Adv.; Vok.)

etat te sarvam ākhyātaṃ pāvanaṃ ca mahādyute; pavitraṃ paramaṃ cāpi gavāṃ māhātmyam uttamam; kīrtitaṃ puruṣavyāghra sarvapāpavināśanam

Dies alles ist dir mitgeteilt, das Reinigende und das höchste Heilige, Hochglänzender: die vorzüglichste Größe der Kühe, verkündet, Tiger unter den Männern, die alle Sünden vernichtet.

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātam
dies alles dir mitgeteilt (Part.Pass.)
pāvanaṃ ca mahādyute
und Reinigendes, Hochglänzender (Nom.Sg.n.; Vok.)
pavitraṃ paramaṃ ca api
und auch höchst Heiliges (Nom.Sg.n.)
gavāṃ māhātmyam uttamam
die höchste Größe der Kühe (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.)
kīrtitaṃ puruṣavyāghra
verkündet, Tigermann (Part.Pass.; Vok.)
sarvapāpavināśanam
alle Sünden vernichtend (Nom.Sg.n.)

ya idaṃ kathayen nityaṃ brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ; havyakavyeṣu yajñeṣu pitṛkāryeṣu caiva ha; sārvakāmikam akṣayyaṃ pitṝṃs tasyopatiṣṭhati

Wer dies stets gesammelt den Brahmanen vorträgt, bei Götter- und Ahnenopfern, bei Opfern und Ahnenriten, dem kommt es als alle Wünsche erfüllend, unvergänglich [Verdienst] zu und erreicht seine Ahnen.

Wort für Wort
ya idaṃ kathayet nityam
wer dies stets erzählen möge (Rel.; Akk.; 3.Sg.Opt.; Adv.)
brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ
den Brahmanen, gesammelt (Dat.Pl.; Part.Nom.)
havyakavyeṣu yajñeṣu
bei Götter- und Ahnenspenden, bei Opfern (Lok.Pl.)
pitṛkāryeṣu ca eva ha
und bei Ahnenriten (Lok.Pl.)
sārvakāmikam akṣayyam
alle Wünsche erfüllend, unvergänglich (Nom.Sg.n.)
pitṝn tasya upatiṣṭhati
seinen Ahnen wird es zuteil (Akk.Pl.; Gen.; 3.Sg.Präs.)

Syntax im zweiten Teil gedrängt: das Vortragen kommt den Ahnen als unvergänglicher, wunscherfüllender [Gewinn] zu.

goṣu bhaktaś ca labhate yad yad icchati mānavaḥ; striyo 'pi bhaktā yā goṣu tāś ca kāmān avāpnuyuḥ

Und wer den Kühen ergeben ist, erlangt, was immer er wünscht; auch die Frauen, die den Kühen ergeben sind, mögen ihre Wünsche erlangen.

Wort für Wort
goṣu bhaktaḥ ca labhate
und wer den Kühen ergeben ist, erlangt (Nom.; 3.Sg.Präs.Med.)
yad yad icchati mānavaḥ
was immer der Mensch wünscht (Rel.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
striyaḥ api bhaktāḥ yāḥ goṣu
auch die Frauen, die den Kühen ergeben (Nom.Pl.f.; Lok.Pl.)
tāḥ ca kāmān avāpnuyuḥ
diese mögen Wünsche erlangen (Nom.Pl.f.; Akk.Pl.; 3.Pl.Opt.)

putrārthī labhate putraṃ kanyā patim avāpnuyāt; dhanārthī labhate vittaṃ dharmārthī dharmam āpnuyāt

Wer einen Sohn wünscht, erlangt einen Sohn; ein Mädchen möge einen Gatten erlangen; wer Reichtum wünscht, erlangt Besitz; wer Dharma wünscht, möge Dharma erlangen.

Wort für Wort
putrārthī labhate putram
Sohn-Wünschender erlangt Sohn (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
kanyā patim avāpnuyāt
ein Mädchen möge einen Gatten erlangen (Nom.f.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
dhanārthī labhate vittam
Reichtum-Wünschender erlangt Vermögen (Nom.; Akk.)
dharmārthī dharmam āpnuyāt
Dharma-Wünschender möge Dharma erlangen (Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.)

vidyārthī prāpnuyād vidyāṃ sukhārthī prāpnuyāt sukham; na kiṃ cid durlabhaṃ caiva gavāṃ bhaktasya bhārata

Wer Wissen wünscht, möge Wissen erlangen; wer Glück wünscht, möge Glück erlangen; nichts ist schwer zu erlangen für den, der den Kühen ergeben ist, Bhārata.

Wort für Wort
vidyārthī prāpnuyād vidyām
Wissens-Wünschender möge Wissen erlangen (Nom.; 3.Sg.Opt.; Akk.)
sukhārthī prāpnuyāt sukham
Glücks-Wünschender möge Glück erlangen (Nom.; Opt.; Akk.)
na kiṃ cid durlabhaṃ ca eva
und nichts ist schwer zu erlangen (Nom.Sg.n.)
gavāṃ bhaktasya bhārata
für den, der den Kühen ergeben ist, Bhārata (Gen.Pl.; Gen.Sg.; Vok.)

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