Kapitel 82: gomāhātmya
Die Größe der Kühe: Brahmās Belehrung Indras und Surabhis Askese
Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira das Gespräch zwischen Brahmā und Indra: Die Kühe stehen als Quelle von Opfer und Nahrung über den Göttern, ihr Goloka verdankt sich Surabhis Askese. Es folgt das Phalaśruti (Lohn des Vortrags und der Kuhverehrung).
Man soll ihnen dienen um des Gedeihens willen und auch um des Friedens willen; Milch, Dickmilch und geklärte Butter von ihnen erlösen von allen Sünden.
Wort für Wort
puṣṭyartham etāḥ seveta
um des Gedeihens willen soll man ihnen dienen (Adv.; Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.Med.)
śāntyartham api caiva ha
und auch um des Friedens willen (Adv.; Partikeln)
payo dadhi ghṛtaṃ yāsām
Milch, Dickmilch, Ghee, die von ihnen [stammen] (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.f.)
sarvapāpapramocanam
[ist] Befreiung von allen Sünden (Nom.Sg.n., Kompositum)
atharṣayaḥ sagandharvāḥ kiṃnaroragarākṣasāḥ; devāsurasuparṇāś ca prajānāṃ patayas tathā; paryupāsanta kauravya kadā cid vai pitāmaham
Da suchten einst Ṛṣis mit Gandharvas, Kiṃnaras, Schlangen und Rākṣasas, Götter, Asuras und Suparṇas sowie die Herren der Geschöpfe den Großvater auf, Kauravya.
Wort für Wort
atha ṛṣayaḥ sagandharvāḥ
da die Ṛṣis mit den Gandharvas (Nom.Pl.)
kiṃnaroragarākṣasāḥ
Kiṃnaras, Schlangen, Rākṣasas (Nom.Pl., Dvandva)
devāsurasuparṇāś ca
und Götter, Asuras, Suparṇas (Nom.Pl.)
prajānāṃ patayas tathā
ebenso die Herren der Geschöpfe (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
paryupāsanta kauravya kadā cit vai pitāmaham
sie warteten auf, Kauravya, einst den Großvater (3.Pl.Impf.Med.; Vok.; Adv.; Akk.)
In dieser Götterversammlung, diesem Zusammenkommen aller Wesen, erfüllt vom Klang himmlischer Musikinstrumente und umgeben von himmlischen Frauen und Cāraṇas, fragte Indra den Herrn der Götter, nachdem er ihn begrüßt und sich verneigt hatte.
Wort für Wort
tasmin devasamāvāye
in dieser Götterversammlung (Lok.Sg.)
sarvabhūtasamāgame
beim Zusammenkommen aller Wesen (Lok.Sg.)
divyavāditrasaṃghuṣṭe
erfüllt vom Klang himmlischer Instrumente (Lok.Sg.)
divyastrīcāraṇāvṛte
umgeben von himmlischen Frauen und Cāraṇas (Lok.Sg.)
indraḥ papraccha deveśam
Indra fragte den Herrn der Götter (Nom.; 3.Sg.Perf.; Akk.)
munīṃś ca dhārayantīha prajāś caivāpi karmaṇā; vāsavākūṭavāhinyaḥ karmaṇā sukṛtena ca; upariṣṭāt tato 'smākaṃ vasanty etāḥ sadaiva hi
Sie erhalten hier die Weisen und die Geschöpfe durch ihr Wirken; [sie], die den Wagen Vāsavas ... ziehen, durch ihr Wirken und ihr gutes Tun – deshalb wohnen sie stets oberhalb von uns.
Wort für Wort
munīn ca dhārayanti iha
und sie erhalten die Weisen hier (Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.)
prajāḥ ca eva api karmaṇā
und auch die Geschöpfe durch ihr Werk (Akk.Pl.; Instr.Sg.)
yadarthaṃ gā gatāś caiva saurabhyaḥ surasattama; tac ca me śṛṇu kārtsnyena vadato balasūdana
Um welcher Sache willen die Saurabheyīs [dorthin] gelangt sind, bestes unter den Göttern, das höre auch von mir vollständig, Bezwinger Balas, während ich [es] sage.
Wort für Wort
yadartham gā gatāḥ ca
weswegen die Kühe gegangen sind (Adv.; Nom.Pl.f.; Part.Perf.Pass.)
saurabhyaḥ surasattama
die Saurabheyīs, Bester der Götter (Nom.Pl.; Vok.)
tat ca me śṛṇu kārtsnyena
und dies höre von mir vollständig (Akk.; Abl./Gen.; Imp.; Instr.-Adv.)
vadataḥ balasūdana
während ich spreche, Balatöter (Part.Präs.Gen.; Vok.)
gā gatāḥ: Kühe, die in die Höhe/zum Goloka gelangten; gā ist Nom.Pl. (Lesart 'gāḥ').
adityās tapyamānāyās tapo ghoraṃ suduścaram; putrārtham amaraśreṣṭha pādenaikena nityadā
übte Aditi, [die Mutter] der Götter, um Söhne willen, bester der Unsterblichen, furchtbare, äußerst schwer zu vollbringende Askese, stets auf einem Fuß stehend.
Wort für Wort
adityāḥ tapyamānāyāḥ
der Aditi, die Askese übte (Gen./Dat.Sg.; Part.Präs.Med.)
tapo ghoraṃ suduścaram
furchtbare, sehr schwer auszuführende Askese (Akk.Sg.n.)
putrārtham amaraśreṣṭha
um der Söhne willen, bester der Unsterblichen (Adv.; Vok.)
pādena ekena nityadā
auf einem Fuß, stets (Instr.Sg.; Adv.)
Syntax der Konstruktion (adityās tapyamānāyāḥ) locker; 'übte' sinngemäß ergänzt.
surabhy uvāca; vareṇa bhagavan mahyaṃ kṛtaṃ lokapitāmaha; eṣa eva varo me 'dya yat prīto 'si mamānagha
Surabhi sprach: „Was soll ich mit einem Wunsch, Ehrwürdiger, Großvater der Welt? Dies ist heute mein Wunsch, dass du mit mir zufrieden bist, Makelloser.“
Wort für Wort
surabhy uvāca
Surabhi sprach (Perf.)
vareṇa bhagavan mahyam kṛtam
mit dem Wunsch [ist] mir genug, Ehrwürdiger (Instr.; Vok.; Dat.; Part.Pass.)
lokapitāmaha
Großvater der Welt (Vok.)
eṣa eva varo me adya
dies allein ist mein Wunsch heute (Nom.; Gen.; Adv.)
yat prīto 'si mama anagha
dass du zufrieden mit mir bist, Makelloser (Konj.; Part.; Gen.; Vok.)
tasyā lokāḥ sahasrākṣa sarvakāmasamanvitāḥ; na tatra kramate mṛtyur na jarā na ca pāvakaḥ; na dainyaṃ nāśubhaṃ kiṃ cid vidyate tatra vāsava
Ihre Welten, Tausendäugiger, sind mit allen Wünschen ausgestattet; dort wirkt weder Tod noch Alter noch Feuer; weder Elend noch irgendetwas Unheilvolles gibt es dort, Vāsava.
Wort für Wort
tasyāḥ lokāḥ sahasrākṣa
ihre Welten, Tausendäugiger (Gen.f.; Nom.Pl.; Vok.)
sarvakāmasamanvitāḥ
mit allen Wünschen versehen (Nom.Pl.)
na tatra kramate mṛtyuḥ
dort schreitet nicht der Tod ein (Adv.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.)
na jarā na ca pāvakaḥ
weder Alter noch Feuer (Nom.Sg.)
na dainyaṃ na aśubhaṃ kiṃ cit
weder Elend noch irgendetwas Unheilvolles (Nom.Sg.n.)
[Er ist zu erlangen] durch Keuschheit, Askese, Wahrhaftigkeit und Selbstbeherrschung
Wort für Wort
brahmacaryeṇa tapasā
durch Keuschheit, Askese (Instr.Sg.)
satyena ca damena ca
und durch Wahrheit und Selbstzähmung (Instr.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Stern-Passage); syntaktisch mit dem folgenden Vers verbunden: śakyaḥ samāsādayitum golokaḥ.
vrataiś ca vividhaiḥ puṇyais tathā tīrthānusevanāt; tapasā mahatā caiva sukṛtena ca karmaṇā; śakyaḥ samāsādayituṃ golokaḥ puṣkarekṣaṇa
durch mancherlei verdienstvolle Gelübde, durch das Aufsuchen heiliger Furten, durch große Askese und durch gutes Tun ist Goloka zu erreichen, Lotosäugiger.
Wort für Wort
vrataiś ca vividhaiḥ puṇyaiḥ
und durch mannigfache heilige Gelübde (Instr.Pl.)
tathā tīrthānusevanāt
sowie durch das Aufsuchen von Tīrthas (Adv.; Abl.Sg.)
etat te sarvam ākhyātaṃ pāvanaṃ ca mahādyute; pavitraṃ paramaṃ cāpi gavāṃ māhātmyam uttamam; kīrtitaṃ puruṣavyāghra sarvapāpavināśanam
Dies alles ist dir mitgeteilt, das Reinigende und das höchste Heilige, Hochglänzender: die vorzüglichste Größe der Kühe, verkündet, Tiger unter den Männern, die alle Sünden vernichtet.
Wer dies stets gesammelt den Brahmanen vorträgt, bei Götter- und Ahnenopfern, bei Opfern und Ahnenriten, dem kommt es als alle Wünsche erfüllend, unvergänglich [Verdienst] zu und erreicht seine Ahnen.
Wort für Wort
ya idaṃ kathayet nityam
wer dies stets erzählen möge (Rel.; Akk.; 3.Sg.Opt.; Adv.)
brāhmaṇebhyaḥ samāhitaḥ
den Brahmanen, gesammelt (Dat.Pl.; Part.Nom.)
havyakavyeṣu yajñeṣu
bei Götter- und Ahnenspenden, bei Opfern (Lok.Pl.)
pitṛkāryeṣu ca eva ha
und bei Ahnenriten (Lok.Pl.)
sārvakāmikam akṣayyam
alle Wünsche erfüllend, unvergänglich (Nom.Sg.n.)
pitṝn tasya upatiṣṭhati
seinen Ahnen wird es zuteil (Akk.Pl.; Gen.; 3.Sg.Präs.)
Syntax im zweiten Teil gedrängt: das Vortragen kommt den Ahnen als unvergänglicher, wunscherfüllender [Gewinn] zu.
Wer einen Sohn wünscht, erlangt einen Sohn; ein Mädchen möge einen Gatten erlangen; wer Reichtum wünscht, erlangt Besitz; wer Dharma wünscht, möge Dharma erlangen.
Wort für Wort
putrārthī labhate putram
Sohn-Wünschender erlangt Sohn (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
kanyā patim avāpnuyāt
ein Mädchen möge einen Gatten erlangen (Nom.f.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
Wer Wissen wünscht, möge Wissen erlangen; wer Glück wünscht, möge Glück erlangen; nichts ist schwer zu erlangen für den, der den Kühen ergeben ist, Bhārata.