Kapitel 66: pānīyadānaphalakīrtanam
Preis der Gabe von Wasser und Speise und ihres Lohnes
Yudhiṣṭhira bittet um eine ausführliche Belehrung über die Wassergabe; Bhīṣma stellt Speise- und Lebensgabe als höchste Gaben heraus und begründet den Vorrang des Wassers, aus dem Speise, Kräuter und alles Lebendige hervorgehen.
yudhiṣṭhira uvāca; śrutaṃ dānaphalaṃ tāta yat tvayā parikīrtitam; annaṃ tu te viśeṣeṇa praśastam iha bhārata
Yudhiṣṭhira sprach: „Gehört habe ich, Vater, die Frucht der Gaben, die du verkündet hast; besonders aber ist hier die Speise [als Gabe] von dir gepriesen worden, o Bhārata.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śrutaṃ dānaphalaṃ tāta
gehört [ist] die Frucht der Gabe, Vater (Part.Perf.Pass./Akk./Vok.)
yat tvayā parikīrtitam
was von dir verkündet wurde (Instr., Part.Perf.Pass.)
annaṃ tu te viśeṣeṇa
die Speise aber [wurde] von dir besonders (Nom./Instr./Instr.)
bhīṣma uvāca; hanta te vartayiṣyāmi yathāvad bharatarṣabha; gadatas tan mamādyeha śṛṇu satyaparākrama; pānīyadānāt prabhṛti sarvaṃ vakṣyāmi te 'nagha
Bhīṣma sprach: „Wohlan, ich will dir [es] der Wahrheit gemäß berichten, Stier der Bharata. Höre [es] heute hier von mir, der ich es darlege, o du von wahrer Tapferkeit. Von der Wassergabe an will ich dir alles sagen, du Makelloser.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
hanta te vartayiṣyāmi yathāvad
wohlan, dir werde ich berichten, der Wahrheit gemäß (Interj./Dat./1.Sg.Fut.Kaus./Adv.)
bharatarṣabha
Stier der Bharata (Vok.)
gadatas tan mamādyeha śṛṇu
von mir Sprechendem, dies, heute hier höre (Gen.abs./Akk./Imp.)
satyaparākrama
du von wahrer Tapferkeit (Vok., Kompositum)
pānīyadānāt prabhṛti sarvaṃ vakṣyāmi te 'nagha
von der Wassergabe an alles werde ich dir sagen, Makelloser (Abl./1.Sg.Fut./Vok.)
yad annaṃ yac ca pānīyaṃ saṃpradāyāśnute naraḥ; na tasmāt paramaṃ dānaṃ kiṃ cid astīti me matiḥ
Welche Speise und welches Wasser ein Mensch, [wenn er es] gibt, erlangt [als Lohn], als höhere Gabe als diese gibt es nichts – so ist meine Ansicht.“
Wort für Wort
yad annaṃ yac ca pānīyam
welche Speise und welches Wasser (Akk.n.)
saṃpradāyāśnute naraḥ
durch Geben erlangt ein Mensch (Abs./3.Sg.Med.Präs./Nom.)
na tasmāt paramaṃ dānam
nicht als diese [gibt es] eine höhere Gabe (Abl./Nom.)
kiṃ cid astīti me matiḥ
irgendetwas ist, so ist meine Ansicht (3.Sg.Präs./Nom.)
Der Vers ist syntaktisch knapp; saṃpradāya (‚durch Geben‘, Abs.) und aśnute (‚erlangt/genießt‘) sind so gedeutet, dass Speise- und Wassergabe zusammen als höchste Gabe gelten.
sāvitryā hy api kaunteya śrutaṃ te vacanaṃ śubham; yataś caitad yathā caitad devasatre mahāmate
Auch von Sāvitrī hast du, Sohn der Kuntī, [darüber] das heilsame Wort gehört, [nämlich] woher dies [kommt] und wie dies [ist], beim Göttersatra, du Hochgesinnter.
Wort für Wort
sāvitryā hy api kaunteya
auch von Sāvitrī, Sohn der Kuntī (Instr./Vok.)
śrutaṃ te vacanaṃ śubham
gehört [ist] von dir das heilsame Wort (Part.Perf.Pass./Instr./Nom.)
yataś caitad yathā caitad
woher dies und wie dies (Adv./Adv.) [?]
devasatre mahāmate
beim Götteropfer(-satra), du Hochgesinnter (Lok./Vok.)
Anspielung auf eine nicht näher bezeichnete Rede der Sāvitrī beim Göttersatra; Sinn von yataś caitad yathā caitad unsicher.
Diesen Weg erlangt man, wenn man einem Brahmanen Speise gibt, o Herr der Menschen; einen ausgezeichneten Weg gehen die Lebensgeber, so haben wir gehört.
Wort für Wort
tāṃ gatiṃ labhate
jenes Ziel erlangt man (Akk./3.Sg.Med.Präs.)
dattvā dvijasyānnam
gegeben habend dem Zweimalgeborenen Speise (Abs./Gen./Akk.)
viśāṃ pate
Herr der Menschen (Vok.)
gatiṃ viśiṣṭāṃ gacchanti
einen ausgezeichneten Weg gehen (Akk./3.Pl.Präs.)
prāṇadā iti naḥ śrutam
die Lebensgeber, so [ist] von uns gehört (Nom.Pl./Part.Perf.Pass.)
Segensreich, ruhmbringend und lebensverlängernd ist die Wassergabe, o Herr der Menschen; und sogar über den Feinden, Sohn der Kuntī, steht stets der Wassergeber.