Kapitel 56: cyavanavākyaṃ bhṛgukuśikasaṃbandhakāraṇam
Cyavanas Weissagung: Aurva, Rāma Jāmadagnya und Viśvāmitra aus der Verbindung von Bhṛgus und Kuśikas
Cyavana erklärt König Kuśika den Grund seines Kommens: Er kündigt die künftige Verbindung der Bhṛgu- und Kuśika-Geschlechter an, aus der der brahmanische Krieger Rāma und der kriegerische Brahmane Viśvāmitra hervorgehen werden. Bhīṣma schließt den Bericht gegenüber Yudhiṣṭhira ab.
Cyavana sprach: „Dies muss ich dir unbedingt sagen, Stier unter den Männern, weswegen ich zu dir gekommen bin, um [dich] auszurotten, Herrscher der Menschen.
Wort für Wort
cyavana uvāca
Cyavana sprach (Perf.)
avaśyaṃ kathanīyaṃ me
unbedingt zu sagen [ist] von mir (Gerundiv/Instr.)
tava etat narapuṃgava
dir dies, Stier unter den Männern (Dat./Gen., Vok.)
yad-artham tvā ucchettum
weswegen dich auszurotten (Inf.)
saṃprāpto manujādhipa
gekommen, Herrscher der Menschen (Part.Perf.Pass., Vok.)
bhṛgūṇāṃ kṣatriyā yājyā nityam eva janādhipa; te ca bhedaṃ gamiṣyanti daivayuktena hetunā
Die Kṣatriyas sind den Bhṛgus stets die Opferherren, Herrscher der Menschen; und sie werden aus einem vom Schicksal gefügten Grund in Zwietracht geraten.
Wort für Wort
bhṛgūṇāṃ kṣatriyā yājyā
der Bhṛgus die Kṣatriyas Opferherren (Gen.Pl., Nom.Pl.)
kṣatriyāś ca bhṛgūn sarvān vadhiṣyanti narādhipa; ā garbhād anukṛntanto daivadaṇḍanipīḍitāḥ
Und die Kṣatriyas werden alle Bhṛgus erschlagen, Herrscher der Menschen, [sie] bis hinein in den Mutterleib zerschneidend, vom Zuchtstock des Schicksals gequält.
Wort für Wort
kṣatriyāś ca bhṛgūn sarvān
und die Kṣatriyas die Bhṛgus, alle (Nom.Pl., Akk.Pl.)
vadhiṣyanti narādhipa
werden erschlagen, Herrscher der Menschen (3.Pl.Fut., Vok.)
ā garbhād anukṛntantaḥ
bis zum Mutterleib hin zerschneidend (Abl. mit ā, Part.Präs.)
daivadaṇḍanipīḍitāḥ
vom Stock des Schicksals gequält (Kompositum, Part.Perf.Pass., Nom.Pl.)
Dann wird in unserem Geschlecht einer geboren werden, der das Geschlecht mehrt, namens Aurva, von großer Glut, an Glanz dem Feuer und der Sonne gleich.
Wort für Wort
tata utpatsyate
dann wird entstehen (3.Sg.Fut.Med.)
asmākaṃ kule
in unserem Geschlecht (Gen.Pl., Lok.)
gotravivardhanaḥ
der die Sippe mehrende (Nom.Sg.)
aurvo nāma mahātejā
Aurva mit Namen, von großer Glut (Nom.Sg.)
jvalanārkasamadyutiḥ
dem Feuer und der Sonne an Glanz gleich (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
Seinem Sohn Ṛcīka, dem Bhṛgu-Sprössling von großem Glück, wird, Sündloser, die gesamte Bogenkunde leibhaftig zu Diensten stehen,
Wort für Wort
putraṃ tasya mahābhāgam
den Sohn dessen, den sehr glücklichen (Akk.)
ṛcīkaṃ bhṛgunandanam
Ṛcīka, den Bhṛgu-Sprössling (Akk.)
sākṣāt kṛtsno dhanurvedaḥ
leibhaftig die ganze Bogenkunde (Adv., Nom.)
samupasthāsyate 'nagha
wird sich einstellen, Sündloser (3.Sg.Fut.Med., Vok.)
Das Subjekt „er“ (Aurva) in Vers 8 bleibt im Sanskrit unklar; hier ist Ṛcīka als Empfänger, danach Ṛcīka als Übergebender aufgefasst. Der Anschluss ist knapp und syntaktisch hart.
jamadagnau mahābhāge tapasā bhāvitātmani; sa cāpi bhṛguśārdūlas taṃ vedaṃ dhārayiṣyati
auf Jamadagni, den hochbeglückten, dessen Selbst durch Askese geläutert ist; und auch dieser Tiger unter den Bhṛgus wird jenen Veda [die Bogenkunde] bewahren.
Wort für Wort
jamadagnau mahābhāge
auf Jamadagni, den sehr glücklichen (Lok.)
tapasā bhāvitātmani
dessen Selbst durch Askese geläutert ist (Instr., Bahuvrīhi Lok.)
[in dem Gedanken:] „Er soll ein Töter der Kṣatriyas, ein Gewalttätiger sein“ – nachdem er den ewigen Gott Nārāyaṇa verehrt hat, wünscht er sich durch dessen Gunst diesen Sohn,
Wort für Wort
kṣatrahantā bhaved
Kṣatriya-Töter soll er sein (Nom., 3.Sg.Opt.)
dhiṃsram iti
gewalttätig, so [denkend] (Akk./Nom.n., iti)
devaṃ sanātanam
den Gott, den ewigen (Akk.)
nārāyaṇam upāsya
Nārāyaṇa verehrend (Akk., Abs.)
asya varāt
dessen Gunst wegen / durch Wunschgewährung (Gen., Abl.) [?]
taṃ putram icchati
jenen Sohn wünscht er (Akk., 3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (Stern-Passage); Bezug von „asya“ und Sinn von „dhiṃsram“ unsicher, die Wiedergabe folgt der wahrscheinlichsten Lesart.
Er, der große Asket, wird die Tochter Gādhis, [also] deine Enkelin, zur Frau bekommen und Rāma zeugen, einen Brahmanen mit dem Pflichtenkreis eines Kṣatriya,
Wort für Wort
gādher duhitaraṃ prāpya
die Tochter Gādhis erlangend (Gen., Akk., Abs.)
pautrīṃ tava
die Enkelin dir/deine (Akk., Gen.)
mahātapāḥ
der große Asket (Nom.)
brāhmaṇaṃ kṣatradharmāṇam
einen Brahmanen, kriegerischen Pflichten folgend (Akk.)
und er wird in deinem Geschlecht einen Kṣatriya mit Brahmanen-Werk hervorbringen, an Kraft dem Bṛhaspati gleich: Viśvāmitra, Gādhis Sohn, sehr rechtschaffen, mit großer Askese begabt, du Hochglänzender.
Wort für Wort
kṣatriyaṃ viprakarmāṇam
einen Kṣatriya, dessen Tun das eines Brahmanen ist (Akk.)
Bhīṣma sprach: Kuśika aber, als er die Worte des Weisen, des hochgesinnten Cyavana, gehört hatte, wurde froh und sprach, der König, dessen Selbst Dharma ist, damals diese Worte: „So sei es“, Bester der Bharatas.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
kuśikas tu muner vākyam
Kuśika aber die Rede des Weisen (Nom., Gen., Akk.)
cyavanasya mahātmanaḥ
des Cyavana, des Hochgesinnten (Gen.)
śrutvā hṛṣṭo 'bhavad rājā
gehört habend wurde froh der König (Abs., 3.Sg.Impf.)
bāḍham evaṃ grahīṣyāmi kāmaṃ tvatto mahāmune; brahmabhūtaṃ kulaṃ me 'stu dharme cāsya mano bhavet
„Gut, so will ich denn nach Wunsch von dir [etwas] annehmen, großer Weiser: Mein Geschlecht möge brahmanengleich [Brahman-gewordenen] sein, und sein Sinn möge im Dharma stehen.“
Wort für Wort
bāḍham evaṃ grahīṣyāmi
gut, so werde ich annehmen (Adv., 1.Sg.Fut.)
kāmaṃ tvatto mahāmune
nach Wunsch von dir, großer Weiser (Adv., Abl., Vok.)
brahmabhūtaṃ kulaṃ me 'stu
brahmagleich sei mein Geschlecht (Nom., 3.Sg.Imp.)
dharme ca asya mano bhavet
und im Dharma dessen Geist sei (Lok., Nom., 3.Sg.Opt.)
„brahmabhūtam“: dem Brahman gleichgeworden bzw. brahmanisch; „asya“ bezieht sich vermutlich auf das Geschlecht.