Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 126: kṛṣṇavratacaryāyāṃ vahnyadbhutam Kṛṣṇas Gelübde, das Feuer aus seinem Mund und das Verlangen nach wunderbaren Berichten der Ṛṣis

Bhīṣma leitet auf Yudhiṣṭhiras Bitte hin eine Erzählung ein: Kṛṣṇa hält ein zwölfjähriges Gelübde, aus seinem Mund geht ein Feuer hervor, das einen Berg verbrennt und ihn wieder heilt; die staunenden Ṛṣis werden nach Wundern befragt und Nārada erzählt.

yudhiṣṭhira uvāca; pitāmaha mahāprājña sarvaśāstraviśārada; āgamair bahubhiḥ sphīto bhavān naḥ prathitaḥ kule

Yudhiṣṭhira sprach: „Großvater, hochweiser, in allen Lehrbüchern bewanderter [Bhīṣma]! Du bist durch viele Überlieferungen reich geworden und in unserem Geschlecht berühmt.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
pitāmaha mahāprājña
Großvater, Hochweiser (Vok.)
sarvaśāstraviśārada
in allen Lehrbüchern Bewanderter (Vok.)
āgamair bahubhiḥ sphīto
durch viele Überlieferungen bereichert (Instr.Pl./Nom.Sg.)
bhavān naḥ prathitaḥ kule
du, bei uns berühmt im Geschlecht (Nom./Gen.Pl./Part.Pass./Lok.)

tvatto dharmārthasaṃyuktam āyatyāṃ ca sukhodayam; āścaryabhūtaṃ lokasya śrotum icchāmy ariṃdama

„Von dir möchte ich etwas hören, das mit Dharma und Nutzen verbunden ist, in Zukunft Glück hervorbringt und der Welt ein Wunder ist, Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
tvatto
von dir (Abl.)
dharmārthasaṃyuktam
mit Dharma und Nutzen verbunden (Akk.Sg.n.)
āyatyāṃ ca sukhodayam
und in der Zukunft Glück als Folge habend (Lok./Akk.Sg.n.)
āścaryabhūtaṃ lokasya
ein Wunder für die Welt (Akk.Sg.n./Gen.Sg.)
śrotum icchāmy ariṃdama
hören will ich, Feindebezwinger (Inf./1.Sg.Präs./Vok.)

ayaṃ ca kālaḥ saṃprāpto durlabhajñātibāndhavaḥ; śāstā ca na hi naḥ kaś cit tvām ṛte bharatarṣabha

„Und diese Zeit ist gekommen, in der Verwandte und Sippe schwer zu finden sind; und einen Lehrer haben wir wahrlich niemanden außer dir, Stier der Bharatas.“

Wort für Wort
ayaṃ ca kālaḥ saṃprāptaḥ
und diese Zeit ist eingetreten (Nom.Sg./Part.Pass.)
durlabhajñātibāndhavaḥ
[eine Zeit], in der Sippe und Verwandte schwer zu erlangen sind (Bahuvrīhi, Nom.)
śāstā ca na hi naḥ
und ein Lehrer ist ja nicht für uns (Nom.Sg./Gen.Pl.)
kaś cit tvām ṛte
irgendjemand außer dir (Nom./Akk.+ṛte)
bharatarṣabha
Stier der Bharatas (Vok.)

yadi te 'ham anugrāhyo bhrātṛbhiḥ sahito 'nagha; vaktum arhasi naḥ praśnaṃ yat tvāṃ pṛcchāmi pārthiva

„Wenn ich samt meinen Brüdern deiner Gnade würdig bin, Makelloser, so mögest du uns die Frage beantworten, die ich dir stelle, o König.“

Wort für Wort
yadi te 'ham anugrāhyo
wenn ich von dir zu begnadigen bin (Gerundiv Nom.)
bhrātṛbhiḥ sahito 'nagha
mit den Brüdern zusammen, Makelloser (Instr.Pl./Part./Vok.)
vaktum arhasi naḥ
du sollst sprechen zu uns (Inf./2.Sg.Präs./Dat.-Gen.Pl.)
praśnaṃ yat tvāṃ pṛcchāmi
die Frage, die ich dich frage (Akk./Rel./1.Sg.Präs.)
pārthiva
o König (Vok.)

ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān sarvapārthivasaṃmataḥ; bhavantaṃ bahumānena praśrayeṇa ca sevate

„Dieser glückverheißende Nārāyaṇa, von allen Königen geschätzt, dient dir mit großer Hochachtung und Demut.“

Wort für Wort
ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān
dieser Nārāyaṇa, der glanzvolle (Nom.Sg.)
sarvapārthivasaṃmataḥ
von allen Königen geachtet (Nom.Sg.)
bhavantaṃ
dich (Akk.Sg.)
bahumānena praśrayeṇa ca
mit großer Achtung und Bescheidenheit (Instr.Sg.)
sevate
dient (3.Sg.Präs.Med.)

asya caiva samakṣaṃ tvaṃ pārthivānāṃ ca sarvaśaḥ; bhrātṝṇāṃ ca priyārthaṃ me snehād bhāṣitum arhasi

„In seiner Gegenwart und in der der Könige ringsum, und meinen Brüdern zu Gefallen, mögest du aus Zuneigung zu mir sprechen.“

Wort für Wort
asya caiva samakṣaṃ tvaṃ
und gerade vor ihm, du (Gen./Adv./Nom.)
pārthivānāṃ ca sarvaśaḥ
und vor den Königen allesamt (Gen.Pl./Adv.)
bhrātṝṇāṃ ca priyārthaṃ
und zum Wohlgefallen der Brüder (Gen.Pl./Adv.)
me snehād
aus Zuneigung zu mir (Gen./Abl.)
bhāṣitum arhasi
du sollst sprechen (Inf./2.Sg.Präs.)

vaiśaṃpāyana uvāca; tasya tad vacanaṃ śrutvā snehād āgatasaṃbhramaḥ; bhīṣmo bhāgīrathīputra idaṃ vacanam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Als er diese seine Rede gehört hatte, wurde Bhīṣma, der Sohn der Bhāgīrathī, aus Zuneigung von Eifer ergriffen und sprach diese Worte.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
tasya tad vacanaṃ śrutvā
nachdem er seine Rede gehört (Gen./Akk./Abs.)
snehād āgatasaṃbhramaḥ
aus Zuneigung von Erregung erfüllt (Abl./Bahuvrīhi)
bhīṣmo bhāgīrathīputra
Bhīṣma, Sohn der Bhāgīrathī [Gaṅgā] (Nom.)
idaṃ vacanam abravīt
sprach dieses Wort (Akk./Impf.3.Sg.)

hanta te kathayiṣyāmi kathām atimanoramām; asya viṣṇoḥ purā rājan prabhāvo 'yaṃ mayā śrutaḥ

„Wohlan, ich will dir eine überaus herzerfreuende Geschichte erzählen. Diese Macht Viṣṇus hier habe ich einst gehört, König.“

Wort für Wort
hanta te kathayiṣyāmi
wohlan, dir werde ich erzählen (Interj./Dat./1.Sg.Fut.)
kathām atimanoramām
eine überaus reizende Geschichte (Akk.Sg.f.)
asya viṣṇoḥ purā rājan
dieses Viṣṇu, einst, König (Gen./Adv./Vok.)
prabhāvo 'yaṃ mayā śrutaḥ
diese Macht wurde von mir gehört (Nom./Instr./Part.Pass.)

yaś ca govṛṣabhāṅkasya prabhāvas taṃ ca me śṛṇu; rudrāṇyāḥ saṃśayo yaś ca daṃpatyos taṃ ca me śṛṇu

„Und auch die Macht dessen, der das Rinderstier-Zeichen trägt [Śiva], höre von mir; und den Zweifel der Rudrāṇī, der das Ehepaar betraf, höre ebenfalls von mir.“

Wort für Wort
yaś ca govṛṣabhāṅkasya
und die des Rinderstier-Gezeichneten (Gen.Sg.)
prabhāvas taṃ ca me śṛṇu
die Macht, diese höre von mir (Nom./Akk./Imp.)
rudrāṇyāḥ saṃśayo
der Zweifel der Rudrāṇī (Gen.Sg.f./Nom.)
yaś ca daṃpatyos
und der [Zweifel] des Ehepaares (Rel./Gen.Du.)
taṃ ca me śṛṇu
auch diesen höre von mir (Akk./Imp.2.Sg.)

Rudrāṇī = Umā/Pārvatī; der Bezug von daṃpatyoḥ (Zweifel zwischen bzw. betreffend das Paar) ist knapp formuliert.

vrataṃ cacāra dharmātmā kṛṣṇo dvādaśavārṣikam; dīkṣitaṃ cāgatau draṣṭum ubhau nāradaparvatau

Kṛṣṇa, der Dharma-Seelige, vollzog ein zwölfjähriges Gelübde; und zu ihm, dem Geweihten, kamen beide, Nārada und Parvata, um ihn zu sehen.

Wort für Wort
vrataṃ cacāra dharmātmā
ein Gelübde vollzog der Dharma-Seelige (Akk./Perf.3.Sg./Nom.)
kṛṣṇo dvādaśavārṣikam
Kṛṣṇa, zwölfjährig (Nom./Akk.Sg.n.)
dīkṣitaṃ ca
und den Geweihten (Akk.Sg.m.)
āgatau draṣṭum
kamen, um zu sehen (Part.Du./Inf.)
ubhau nāradaparvatau
beide, Nārada und Parvata (Nom.Du.)

kṛṣṇadvaipāyanaś caiva dhaumyaś ca japatāṃ varaḥ; devalaḥ kāśyapaś caiva hastikāśyapa eva ca

Auch Kṛṣṇa Dvaipāyana und Dhaumya, der Beste der Murmelnden [Betenden], Devala, Kāśyapa und Hastikāśyapa.

Wort für Wort
kṛṣṇadvaipāyanaś caiva
und Kṛṣṇa Dvaipāyana (Nom.)
dhaumyaś ca
und Dhaumya (Nom.)
japatāṃ varaḥ
der Beste der Murmelnden (Gen.Pl./Nom.)
devalaḥ kāśyapaś caiva
Devala und Kāśyapa (Nom.)
hastikāśyapa eva ca
und Hastikāśyapa (Nom.)

apare ṛṣayaḥ santo dīkṣādamasamanvitāḥ; śiṣyair anugatāḥ sarve devakalpais tapodhanaiḥ

Andere heilige Ṛṣis, mit Weihe und Selbstbeherrschung ausgestattet, alle von Schülern begleitet, die götterhafte Askesereiche waren.

Wort für Wort
apare ṛṣayaḥ santaḥ
andere Ṛṣis, Heilige (Nom.Pl.)
dīkṣādamasamanvitāḥ
mit Weihe und Selbstzügelung versehen (Nom.Pl.)
śiṣyair anugatāḥ sarve
von Schülern begleitet, alle (Instr.Pl./Part.Pass./Nom.Pl.)
devakalpais tapodhanaiḥ
götterähnlichen, askesereichen (Instr.Pl.)

teṣām atithisatkāram arcanīyaṃ kulocitam; devakītanayaḥ prīto devakalpam akalpayat

Für sie richtete der Sohn der Devakī, erfreut, den ehrwürdigen, der Familie gemäßen, götterwürdigen Gastempfang her.

Wort für Wort
teṣām atithisatkāram
für sie den Gastempfang (Gen./Dat.-Gen./Akk.Sg.)
arcanīyaṃ kulocitam
ehrenswert, der Familie gemäß (Akk.Sg.)
devakītanayaḥ prīto
der Sohn der Devakī, erfreut (Nom.Sg.)
devakalpam akalpayat
götterwürdig ordnete er an (Akk./Impf.3.Sg.Kaus.)

hariteṣu suvarṇeṣu barhiṣkeṣu naveṣu ca; upopaviviśuḥ prītā viṣṭareṣu maharṣayaḥ

Auf grünen, goldenen und frischen, mit Opfergras belegten Sitzen ließen sich die Maharṣis erfreut nieder.

Wort für Wort
hariteṣu suvarṇeṣu
auf grünen, goldenen (Lok.Pl.)
barhiṣkeṣu naveṣu ca
mit Opfergras versehenen und neuen (Lok.Pl.)
upopaviviśuḥ prītā
setzten sich nieder, erfreut (Perf.3.Pl./Nom.Pl.)
viṣṭareṣu maharṣayaḥ
auf den Sitzen die großen Ṛṣis (Lok.Pl./Nom.Pl.)

kathāś cakrus tatas te tu madhurā dharmasaṃhitāḥ; rājarṣīṇāṃ surāṇāṃ ca ye vasanti tapodhanāḥ

Dann führten sie liebliche, dharma-erfüllte Gespräche über Königsweise und Götter und über die Askesereichen, die [dort] weilen.

Wort für Wort
kathāś cakrus tatas te tu
Gespräche führten dann jene (Akk.Pl./Perf.3.Pl.)
madhurā dharmasaṃhitāḥ
liebliche, dharma-verbundene (Akk.Pl.f.)
rājarṣīṇāṃ surāṇāṃ ca
über Königsweise und Götter (Gen.Pl.)
ye vasanti tapodhanāḥ
die wohnen, Askesereiche (Rel./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

Der Relativsatz ye vasanti tapodhanāḥ ist knapp; Bezug (Askesereiche, die [im Himmel/dort] weilen) nicht eindeutig.

tato nārāyaṇaṃ tejo vratacaryendhanotthitam; vaktrān niḥsṛtya kṛṣṇasya vahnir adbhutakarmaṇaḥ

Da trat aus dem Mund Kṛṣṇas, des Wundertäters, ein Feuer hervor: Nārāyaṇas Glut, aus dem Brennholz des Gelübdewandels aufgestiegen.

Wort für Wort
tato nārāyaṇaṃ tejo
da die Nārāyaṇa-Glut (Nom./Akk.Sg.n.)
vratacaryendhanotthitam
aus dem Brennholz der Gelübdeübung aufgestiegen (Part.Pass.)
vaktrān niḥsṛtya
aus dem Mund hervorgetreten (Abl./Abs.)
kṛṣṇasya vahnir
Kṛṣṇas Feuer (Gen./Nom.)
adbhutakarmaṇaḥ
des Wundertäters (Gen.Sg.)

so 'gnir dadāha taṃ śailaṃ sadrumaṃ salatākṣupam; sapakṣimṛgasaṃghātaṃ saśvāpadasarīsṛpam

Dieses Feuer verbrannte jenen Berg samt Bäumen, Schlingpflanzen und Sträuchern, samt den Scharen von Vögeln und Wild, samt Raubtieren und Kriechtieren.

Wort für Wort
so 'gnir dadāha taṃ śailaṃ
dieses Feuer verbrannte diesen Berg (Nom./Perf.3.Sg./Akk.)
sadrumaṃ salatākṣupam
mit Bäumen, Schlingpflanzen, Sträuchern (Akk.Sg.)
sapakṣimṛgasaṃghātaṃ
mit Scharen von Vögeln und Tieren (Akk.Sg.)
saśvāpadasarīsṛpam
mit Raubtieren und Kriechtieren (Akk.Sg.)

mṛgaiś ca vividhākārair hāhābhūtam acetanam; śikharaṃ tasya śailasya mathitaṃ dīptadarśanam

Von Tieren mannigfacher Gestalt war er von Wehgeschrei „hāhā“ erfüllt und besinnungslos; der Gipfel jenes Berges war aufgewühlt und flammend anzusehen.

Wort für Wort
mṛgaiś ca vividhākārair
und von Tieren vielerlei Gestalt (Instr.Pl.)
hāhābhūtam acetanam
zu „hāhā“ geworden, besinnungslos (Nom.Sg.n.)
śikharaṃ tasya śailasya
der Gipfel jenes Berges (Nom./Gen.)
mathitaṃ dīptadarśanam
aufgewühlt, flammend anzusehen (Part.Pass./Bahuvrīhi)

Syntax der Versmitte knapp; hāhābhūtam acetanam bezieht sich auf den Berg bzw. die Lebewesen.

sa tu vahnir mahājvālo dagdhvā sarvam aśeṣataḥ; viṣṇoḥ samīpam āgamya pādau śiṣyavad aspṛśat

Jenes Feuer aber, mit großer Flamme, kam, nachdem es alles restlos verbrannt hatte, zu Viṣṇu und berührte seine Füße wie ein Schüler.

Wort für Wort
sa tu vahnir mahājvālo
jenes Feuer aber, großflammig (Nom.)
dagdhvā sarvam aśeṣataḥ
nachdem es alles restlos verbrannt (Abs./Akk./Adv.)
viṣṇoḥ samīpam āgamya
zu Viṣṇu hingekommen (Gen./Akk./Abs.)
pādau śiṣyavad aspṛśat
die Füße berührte es wie ein Schüler (Akk.Du./Adv./Impf.3.Sg.)

tato viṣṇur vanaṃ dṛṣṭvā nirdagdham arikarśanaḥ; saumyair dṛṣṭinipātais tat punaḥ prakṛtim ānayat

Da sah Viṣṇu, der Feindezerreiber, den Wald verbrannt und brachte ihn durch sanfte Blicke wieder in seinen [früheren] Zustand.

Wort für Wort
tato viṣṇur vanaṃ dṛṣṭvā
da Viṣṇu, den Wald gesehen habend (Nom./Akk./Abs.)
nirdagdham arikarśanaḥ
verbrannt, Feindezerreiber (Part.Pass./Nom.)
saumyair dṛṣṭinipātais
durch sanfte Blicke (Instr.Pl.)
tat punaḥ prakṛtim ānayat
es wieder in den Naturzustand zurückführte (Akk./Adv./Impf.3.Sg.)

tathaiva sa girir bhūyaḥ prapuṣpitalatādrumaḥ; sapakṣigaṇasaṃghuṣṭaḥ saśvāpadasarīsṛpaḥ

So war jener Berg wieder mit blühenden Schlingpflanzen und Bäumen, erfüllt vom Lärm der Vogelscharen, samt Raubtieren und Kriechtieren.

Wort für Wort
tathaiva sa girir bhūyaḥ
ebenso jener Berg wiederum (Nom.)
prapuṣpitalatādrumaḥ
mit blühenden Schlingpflanzen und Bäumen (Bahuvrīhi)
sapakṣigaṇasaṃghuṣṭaḥ
vom Getön der Vogelscharen erfüllt (Nom.)
saśvāpadasarīsṛpaḥ
mit Raubtieren und Kriechtieren (Nom.)

tad adbhutam acintyaṃ ca dṛṣṭvā munigaṇas tadā; vismito hṛṣṭalomā ca babhūvāsrāvilekṣaṇaḥ

Als die Scharen der Munis dieses wunderbare, unfassbare [Geschehen] sahen, waren sie erstaunt, mit gesträubten Haaren und tränenverschleierten Augen.

Wort für Wort
tad adbhutam acintyaṃ ca
dies Wunderbare und Unfassbare (Akk.Sg.n.)
dṛṣṭvā munigaṇas tadā
gesehen habend, die Munischar dann (Abs./Nom.)
vismito hṛṣṭalomā ca
erstaunt und mit gesträubten Haaren (Nom.)
babhūvāsrāvilekṣaṇaḥ
wurde, mit tränentrüben Augen (Perf.3.Sg./Bahuvrīhi)

tato nārāyaṇo dṛṣṭvā tān ṛṣīn vismayānvitān; praśritaṃ madhuraṃ snigdhaṃ papraccha vadatāṃ varaḥ

Da fragte Nārāyaṇa, der Beste der Redenden, als er jene Ṛṣis von Staunen erfüllt sah, bescheiden, lieblich und freundlich.

Wort für Wort
tato nārāyaṇo dṛṣṭvā
da Nārāyaṇa, gesehen habend (Nom./Abs.)
tān ṛṣīn vismayānvitān
jene Ṛṣis, staunend (Akk.Pl.)
praśritaṃ madhuraṃ snigdhaṃ
bescheiden, lieblich, freundlich (Adv./Akk.n.)
papraccha vadatāṃ varaḥ
fragte, der Beste der Sprechenden (Perf.3.Sg./Nom.)

kim asya ṛṣipūgasya tyaktasaṅgasya nityaśaḥ; nirmamasyāgamavato vismayaḥ samupāgataḥ

„Was für ein Staunen hat diese Schar der Ṛṣis erfasst, die allezeit Bindungen aufgegeben hat, ohne Besitzdenken ist und die Überlieferung kennt?“

Wort für Wort
kim asya ṛṣipūgasya
was für [ein Staunen] dieser Ṛṣischar (Interr./Gen.Sg.)
tyaktasaṅgasya nityaśaḥ
die Bindung aufgegeben habend, stets (Gen./Adv.)
nirmamasyāgamavato
der ohne Mein-Gefühl, der Überlieferung besitzt (Gen.Sg.)
vismayaḥ samupāgataḥ
Staunen ist gekommen (Nom./Part.Pass.)

etaṃ me saṃśayaṃ sarvaṃ yāthātathyam aninditāḥ; ṛṣayo vaktum arhanti niścitārthaṃ tapodhanāḥ

„Diese meine ganze Zweifelsfrage sollen die Ṛṣis, die Untadeligen, Askesereichen, der Wahrheit gemäß und mit gesichertem Sinn mitteilen.“

Wort für Wort
etaṃ me saṃśayaṃ sarvaṃ
diesen meinen ganzen Zweifel (Akk./Gen./Akk.)
yāthātathyam
der Wahrheit gemäß (Adv.)
aninditāḥ
Untadelige (Vok.Pl.)
ṛṣayo vaktum arhanti
die Ṛṣis sollen sprechen (Nom.Pl./Inf./3.Pl.Präs.)
niścitārthaṃ tapodhanāḥ
mit gesichertem Inhalt, Askesereiche (Adv./Vok.Pl.)

ṛṣaya ūcuḥ; bhavān visṛjate lokān bhavān saṃharate punaḥ; bhavāñ śītaṃ bhavān uṣṇaṃ bhavān eva pravarṣati

Die Seher sprachen: „Du entlässt die Welten, du nimmst sie wieder zurück; du bist die Kälte, du die Hitze, du bist es, der regnen lässt.“

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Seher sprachen (Nom.Pl.; Perf.3.Pl.)
bhavān visṛjate lokān
du entlässt die Welten (Nom.Sg.; Präs.Med.3.Sg.; Akk.Pl.)
bhavān saṃharate punaḥ
du ziehst [sie] wieder ein (Präs.Med.3.Sg.; Adv.)
bhavān śītaṃ bhavān uṣṇam
du [bist] die Kälte, du die Hitze (Nom.Sg.; Akk./Nom.Sg.n.)
bhavān eva pravarṣati
du selbst lässt regnen (Nom.Sg.; Präs.3.Sg.)

pṛthivyāṃ yāni bhūtāni sthāvarāṇi carāṇi ca; teṣāṃ pitā tvaṃ mātā ca prabhuḥ prabhava eva ca

„Alle Wesen auf der Erde, die unbeweglichen und die beweglichen – ihr Vater bist du und [ihre] Mutter, [ihr] Herr und auch [ihr] Ursprung.“

Wort für Wort
pṛthivyāṃ yāni bhūtāni
auf der Erde, welche Wesen (Lok.Sg.; Nom.Pl.n.)
sthāvarāṇi carāṇi ca
unbewegliche und bewegliche (Nom.Pl.n.)
teṣāṃ pitā tvaṃ mātā ca
ihr Vater [bist] du und Mutter (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
prabhuḥ prabhava eva ca
Herr und auch Ursprung (Nom.Sg.)

etan no vismayakaraṃ praśaṃsa madhusūdana; tvam evārhasi kalyāṇa vaktuṃ vahner vinirgamam

„Dieses uns Staunen Erregende erkläre, Madhusūdana; du allein bist würdig, o Segensreicher, das Hervorgehen des Feuers zu verkünden.“

Wort für Wort
etan no vismayakaram
dies, uns Staunen Erregendes (Akk.Sg.n.; Dat./Gen.Pl.; Adj.)
praśaṃsa madhusūdana
erkläre/verkünde, Madhusūdana (Imp.2.Sg.; Vok.)
tvam evārhasi kalyāṇa
du allein bist würdig, o Segensreicher (Nom.Sg.; Präs.2.Sg.; Vok.)
vaktuṃ vahner vinirgamam
zu sprechen über das Hervorgehen des Feuers (Inf.; Gen.Sg.; Akk.Sg.)

tato vigatasaṃtrāsā vayam apy arikarśana; yac chrutaṃ yac ca dṛṣṭaṃ nas tat pravakṣyāmahe hare

„Dann werden auch wir, von Furcht befreit, o Bezwinger der Feinde, was wir gehört und was wir gesehen haben, [dir] berichten, o Hari.“

Wort für Wort
tato vigatasaṃtrāsā
dann, von Schrecken befreit (Adv.; Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
vayam apy arikarśana
auch wir, o Feindebezwinger (Nom.Pl.; Vok.)
yac chrutaṃ yac ca dṛṣṭaṃ naḥ
was gehört und was gesehen [wurde] von uns (PPP n.; Gen./Instr.-Sinn)
tat pravakṣyāmahe hare
das werden wir berichten, o Hari (Fut.Med.1.Pl.; Vok.)

vāsudeva uvāca; etat tad vaiṣṇavaṃ tejo mama vaktrād viniḥsṛtam; kṛṣṇavartmā yugāntābho yenāyaṃ mathito giriḥ

Vāsudeva sprach: „Dies ist jene viṣṇuitische Glut, aus meinem Mund hervorgegangen, das Schwarzpfad[-Feuer], dem Weltende-Brand gleich, durch das dieser Berg erschüttert [und verwüstet] wurde.“

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach (Nom.Sg.; Perf.3.Sg.)
etat tad vaiṣṇavaṃ tejaḥ
dies ist jene viṣṇuitische Glut (Nom.Sg.n.)
mama vaktrād viniḥsṛtam
aus meinem Mund hervorgegangen (Gen.Sg.; Abl.Sg.; PPP)
kṛṣṇavartmā yugāntābhaḥ
das Schwarzpfad[-Feuer], dem Weltende[-Brand] gleichend (Nom.Sg.m.; Bahuvrīhi)
yenāyaṃ mathito giriḥ
durch das dieser Berg erschüttert wurde (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.; PPP)

kṛṣṇavartman (‚Schwarzpfad‘) ist Beiname des Feuers; mathita hier als ‚durchwühlt, verwüstet‘ gedeutet.

ṛṣayaś cārtim āpannā jitakrodhā jitendriyāḥ; bhavanto vyathitāś cāsan devakalpās tapodhanāḥ

„Auch ihr Seher, obwohl ihr den Zorn besiegt und die Sinne bezwungen habt, wart in Not geraten und erschüttert, götterähnliche, an Askese Reiche.“

Wort für Wort
ṛṣayaś cārtim āpannā
und die Seher, in Not geraten (Nom.Pl.; Akk.Sg.; PPP)
jitakrodhā jitendriyāḥ
den Zorn besiegt, die Sinne bezwungen (Nom.Pl.m., Bahuvrīhi)
bhavanto vyathitāś cāsan
ihr wart auch erschüttert (Nom.Pl.; PPP; Impf.3.Pl.)
devakalpās tapodhanāḥ
götterähnlich, Askese als Reichtum habend (Nom.Pl.m.)

vratacaryāparītasya tapasvivratasevayā; mama vahniḥ samudbhūto na vai vyathitum arhatha

„Aus mir, der ich von der Übung des Gelübdes erfüllt bin, durch den Dienst an den Gelübden der Asketen, ist das Feuer hervorgegangen; ihr braucht wahrlich nicht zu erschrecken.“

Wort für Wort
vratacaryāparītasya
[von mir,] der von Gelübdeübung erfüllt ist (Gen.Sg.m.; PPP)
tapasvivratasevayā
durch den Dienst an den Gelübden der Asketen (Instr.Sg.f.)
mama vahniḥ samudbhūtaḥ
aus mir ist das Feuer entstanden (Gen.Sg.; Nom.Sg.; PPP)
na vai vyathitum arhatha
ihr sollt wahrlich nicht erschrecken (Inf.; Präs.2.Pl.)

vrataṃ cartum ihāyātas tv ahaṃ girim imaṃ śubham; putraṃ cātmasamaṃ vīrye tapasā sraṣṭum āgataḥ

„Ich war hierher zu diesem lieblichen Berg gekommen, um ein Gelübde zu vollziehen, und um durch Askese einen Sohn zu erschaffen, mir gleich an Heldenkraft.“

Wort für Wort
vrataṃ cartum ihāyātaḥ
um ein Gelübde zu üben, hierher gekommen (Akk.Sg.; Inf.; PPP)
tv ahaṃ girim imaṃ śubham
ich [aber] zu diesem lieblichen Berg (Nom.Sg.; Akk.Sg.m.)
putraṃ cātmasamaṃ vīrye
und einen Sohn, mir selbst gleich an Heldenkraft (Akk.Sg.; Lok.Sg.n.)
tapasā sraṣṭum āgataḥ
um durch Askese zu erschaffen, gekommen (Instr.Sg.; Inf.; PPP)

tato mamātmā yo dehe so 'gnir bhūtvā viniḥsṛtaḥ; gataś ca varadaṃ draṣṭuṃ sarvalokapitāmaham

„Da ging das, was mein Selbst im Körper ist, als Feuer hervor und ging, den Gabenspender zu sehen, den Großvater aller Welten.“

Wort für Wort
tato mamātmā yo dehe
da [ging] mein Selbst, das im Körper [ist] (Adv.; Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
so 'gnir bhūtvā viniḥsṛtaḥ
dieses als Feuer geworden hervor (Nom.Sg.; Abs.; PPP)
gataś ca varadaṃ draṣṭum
und ging, den Gabenspender zu sehen (PPP; Akk.Sg.; Inf.)
sarvalokapitāmaham
den Großvater aller Welten (Akk.Sg.m.)

tena cātmānuśiṣṭo me putratve munisattamāḥ; tejaso 'rdhena putras te bhaviteti vṛṣadhvajaḥ

„Und von ihm wurde mein [Feuer-]Selbst in Bezug auf die Sohnschaft unterwiesen, ihr Besten der Weisen: ‚Mit der Hälfte [seines] Glanzes wird dir ein Sohn sein‘, so [sprach] der Stierbannerträger.“

Wort für Wort
tena cātmānuśiṣṭo me
und von ihm wurde das Selbst unterwiesen, mein (Instr.Sg.; Nom.Sg.; PPP; Gen.Sg.)
putratve munisattamāḥ
in Bezug auf die Sohnschaft, ihr besten Weisen (Lok.Sg.n.; Vok.Pl.)
tejaso 'rdhena
mit der Hälfte des Glanzes (Gen.Sg.; Instr.Sg.)
putras te bhaviteti
ein Sohn wird dir sein, so [sprach] (Nom.Sg.; Gen./Dat.Sg.; Fut.3.Sg.; iti)
vṛṣadhvajaḥ
der Stierbannerträger [Śiva] (Nom.Sg.m.)

Sprecherbezug unklar: tena kann auf Brahmā oder auf Vṛṣadhvaja (Śiva) gehen; hier als Anweisung durch Brahmā mit Zitat des Vṛṣadhvaja gedeutet [?].

so 'yaṃ vahnir upāgamya pādamūle mamāntikam; śiṣyavat paricaryātha śāntaḥ prakṛtim āgataḥ

„Dieses Feuer nun, an den Fuß herangetreten, in meiner Nähe, diente dann wie ein Schüler, beruhigt, in seinen natürlichen Zustand zurückgekehrt.“

Wort für Wort
so 'yaṃ vahnir upāgamya
dieses Feuer, herangekommen (Nom.Sg.; Abs.)
pādamūle mamāntikam
am Fuß, in meiner Nähe (Lok.Sg.n.; Akk.Sg.n. als Adv.)
śiṣyavat paricaryātha
wie ein Schüler diente es dann (Adv.; Impf./Perf. 3.Sg. von pari-car)
śāntaḥ prakṛtim āgataḥ
beruhigt, in seinen natürlichen Zustand gelangt (PPP; Akk.Sg.; PPP)

etad asya rahasyaṃ vaḥ padmanābhasya dhīmataḥ; mayā premṇā samākhyātaṃ na bhīḥ kāryā tapodhanāḥ

„Dies ist sein Geheimnis, das des weisen Padmanābha [Lotosnabligen]; von mir wurde es euch aus Liebe erzählt; ihr Askesereichen, ihr sollt keine Furcht haben.“

Wort für Wort
etad asya rahasyaṃ vaḥ
dies [ist] sein Geheimnis, euch (Nom.Sg.n.; Gen.Sg.; Dat.Pl.)
padmanābhasya dhīmataḥ
des Padmanābha, des Weisen (Gen.Sg.m.)
mayā premṇā samākhyātam
von mir aus Liebe erzählt (Instr.Sg.; Instr.Sg.; PPP)
na bhīḥ kāryā tapodhanāḥ
Furcht ist nicht zu hegen, ihr Askesereichen (Nom.Sg.f.; Gerundiv; Vok.Pl.)

sarvatra gatir avyagrā bhavatāṃ dīrghadarśanāḥ; tapasvivratasaṃdīptā jñānavijñānaśobhitāḥ

„Überall ist euer Weg ungehindert, ihr Weitsichtigen, entflammt von den Gelübden der Asketen, geschmückt mit Wissen und Erkenntnis.“

Wort für Wort
sarvatra gatir avyagrā
überall [ist] der Gang ungehindert (Adv.; Nom.Sg.f.; Adj.)
bhavatāṃ dīrghadarśanāḥ
euer, ihr Weitblickenden (Gen.Pl.; Vok.Pl.)
tapasvivratasaṃdīptā
von den Gelübden der Asketen entflammt (Vok.Pl.; Tatpuruṣa)
jñānavijñānaśobhitāḥ
durch Wissen und Erkenntnis geschmückt (Vok.Pl.; PPP)

yac chrutaṃ yac ca vo dṛṣṭaṃ divi vā yadi vā bhuvi; āścaryaṃ paramaṃ kiṃ cit tad bhavanto bruvantu me

„Was ihr gehört und was ihr gesehen habt, im Himmel oder auf der Erde, irgendein höchstes Wunder – das sollt ihr, die Ehrwürdigen, mir sagen.“

Wort für Wort
yac chrutaṃ yac ca vo dṛṣṭam
was gehört und was von euch gesehen wurde (PPP n.; Gen./Instr.Pl.)
divi vā yadi vā bhuvi
sei es im Himmel oder auf der Erde (Lok.Sg.; Lok.Sg.)
āścaryaṃ paramaṃ kiṃ cit
irgendein höchstes Wunder (Akk./Nom.Sg.n.)
tad bhavanto bruvantu me
das mögen die Ehrwürdigen mir sagen (Nom.Pl.; Imp.3.Pl.; Dat.Sg.)

tasyāmṛtanikāśasya vāṅmadhor asti me spṛhā; bhavadbhiḥ kathitasyeha tapovananivāsibhiḥ

„Nach jener nektargleichen Honigrede, die ihr hier vorgetragen habt, ihr Bewohner des Askesewaldes, habe ich Verlangen.“

Wort für Wort
tasyāmṛtanikāśasya
nach jener, nektargleichen (Gen.Sg.m.)
vāṅmadhor asti me spṛhā
der Honigrede, ich habe Verlangen (Gen.Sg.; Präs.3.Sg.; Gen.Sg.; Nom.Sg.f.)
bhavadbhiḥ kathitasyeha
von euch hier erzählt (Instr.Pl.; PPP Gen.Sg.; Adv.)
tapovananivāsibhiḥ
von euch Bewohnern des Askesewaldes (Instr.Pl.m.)

yady apy aham adṛṣṭaṃ vā divyam adbhutadarśanam; divi vā bhuvi vā kiṃ cit paśyāmy amaladarśanāḥ

„Auch wenn ich etwas Ungesehenes oder Göttliches, wunderbar Anzuschauendes im Himmel oder auf der Erde erblicke, ihr Makellosblickenden [, so gilt doch:]“

Wort für Wort
yady apy aham adṛṣṭaṃ vā
wenn auch ich Ungesehenes oder (Konj.; Nom.Sg.; Akk.Sg.n.)
divyam adbhutadarśanam
Göttliches, wunderbar Anzuschauendes (Akk.Sg.n.; Adj.)
divi vā bhuvi vā kiṃ cit
im Himmel oder auf der Erde irgendetwas (Lok.Sg.; Lok.Sg.)
paśyāmy amaladarśanāḥ
ich sehe, ihr Reinblickenden (Präs.1.Sg.; Vok.Pl.)

Der Satz setzt sich in Vers 42 fort; die Ergänzung in Klammern ist sinngemäß.

prakṛtiḥ sā mama parā na kva cit pratihanyate; na cātmagatam aiśvaryam āścaryaṃ pratibhāti me

„jene meine höchste Natur wird nirgends gehemmt; und die im Selbst liegende Herrschermacht erscheint mir nicht als Wunder.“

Wort für Wort
prakṛtiḥ sā mama parā
jene meine höchste Natur (Nom.Sg.f.; Gen.Sg.; Adj.)
na kva cit pratihanyate
wird nirgends gehemmt (Präs.Pass.3.Sg.)
na cātmagatam aiśvaryam
und die im Selbst liegende Herrschermacht (Nom.Sg.n.)
āścaryaṃ pratibhāti me
erscheint als Wunder mir (Nom.Sg.n.; Präs.3.Sg.; Dat.Sg.)

śraddheyaḥ kathito hy arthaḥ sajjanaśravaṇaṃ gataḥ; ciraṃ tiṣṭhati medinyāṃ śaile lekhyam ivārpitam

„Ein glaubwürdig erzählter Gegenstand, der zum Ohr der Guten gelangt ist, bleibt lange auf der Erde bestehen, wie auf einen Felsen niedergeschrieben.“

Wort für Wort
śraddheyaḥ kathito hy arthaḥ
ein glaubwürdig erzählter Gegenstand (Nom.Sg.m.; PPP; Nom.Sg.)
sajjanaśravaṇaṃ gataḥ
zum Hören der Guten gelangt (Akk.Sg.n.; PPP)
ciraṃ tiṣṭhati medinyām
lange bleibt [er] auf der Erde (Adv.; Präs.3.Sg.; Lok.Sg.)
śaile lekhyam ivārpitam
wie ein Schriftstück auf einem Felsen niedergelegt (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.; PPP)

tad ahaṃ sajjanamukhān niḥsṛtaṃ tatsamāgame; kathayiṣyāmy aharahar buddhidīpakaraṃ nṛṇām

„Daher werde ich das, was aus dem Mund der Guten hervorgegangen ist, in ihrer Versammlung Tag für Tag erzählen – das den Verstand der Menschen erhellt.“

Wort für Wort
tad ahaṃ sajjanamukhān
daher ich, aus dem Mund der Guten (Adv.; Nom.Sg.; Abl.Pl.)
niḥsṛtaṃ tatsamāgame
Hervorgegangenes, bei deren Zusammenkunft (PPP Akk.Sg.n.; Lok.Sg.)
kathayiṣyāmy aharahar
werde ich erzählen, Tag für Tag (Fut.1.Sg.; Adv.)
buddhidīpakaraṃ nṛṇām
den Verstand erhellend, der Menschen (Akk.Sg.n.; Gen.Pl.)

Zusammenhang von tatsamāgame unsicher; wörtlich ‚bei deren Zusammenkunft‘ gefasst [?].

tato munigaṇāḥ sarve praśritāḥ kṛṣṇasaṃnidhau; netraiḥ padmadalaprakhyair apaśyanta janārdanam

Da sahen alle Scharen der Weisen, ehrerbietig in Kṛṣṇas Nähe, mit lotosblattgleichen Augen Janārdana an.

Wort für Wort
tato munigaṇāḥ sarve
da alle Scharen der Weisen (Adv.; Nom.Pl.)
praśritāḥ kṛṣṇasaṃnidhau
ehrerbietig, in Kṛṣṇas Nähe (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.)
netraiḥ padmadalaprakhyaiḥ
mit Augen, lotosblattgleich (Instr.Pl.n.; Adj.)
apaśyanta janārdanam
sahen Janārdana an (Impf.Med.3.Pl.; Akk.Sg.)

vardhayantas tathaivānye pūjayantas tathāpare; vāgbhir ṛgbhūṣitārthābhiḥ stuvanto madhusūdanam

Die einen ihn erhöhend [mit Segenswünschen], die anderen ihn verehrend, priesen sie Madhusūdana mit Worten, deren Sinn mit Ṛg-Versen geschmückt war.

Wort für Wort
vardhayantas tathaivānye
[ihn] erhöhend, ebenso die einen (Part.Präs.Nom.Pl.; Nom.Pl.)
pūjayantas tathāpare
verehrend, ebenso die anderen (Part.Präs.Nom.Pl.)
vāgbhir ṛgbhūṣitārthābhiḥ
mit Worten, deren Sinn durch Ṛg-Verse geschmückt ist (Instr.Pl.f.; Bahuvrīhi)
stuvanto madhusūdanam
Madhusūdana preisend (Part.Präs.Nom.Pl.; Akk.Sg.)

tato munigaṇāḥ sarve nāradaṃ devadarśanam; tadā niyojayām āsur vacane vākyakovidam

Dann beauftragten alle Scharen der Weisen den Nārada, den Götterschauenden, den in der Rede Kundigen, zu sprechen.

Wort für Wort
tato munigaṇāḥ sarve
dann alle Scharen der Weisen (Adv.; Nom.Pl.)
nāradaṃ devadarśanam
den Nārada, den Götterschauenden (Akk.Sg.m.)
tadā niyojayām āsuḥ
beauftragten damals (Adv.; Perf.periphr.3.Pl.Kaus.)
vacane vākyakovidam
zum Reden, den in der Rede Kundigen (Lok.Sg.n.; Akk.Sg.m.)

yad āścaryam acintyaṃ ca girau himavati prabho; anubhūtaṃ munigaṇais tīrthayātrāparāyaṇaiḥ

„Was für ein Wunder, ein undenkbares, im Himālaya-Gebirge, o Herr, von den Scharen der Weisen, die ganz der Pilgerfahrt hingegeben sind, erlebt wurde –“

Wort für Wort
yad āścaryam acintyaṃ ca
welches Wunder, und undenkbar (Nom.Sg.n.; Adj.)
girau himavati prabho
im Himavat-Berg, o Herr (Lok.Sg.; Lok.Sg.; Vok.)
anubhūtaṃ munigaṇaiḥ
erlebt von den Scharen der Weisen (PPP n.; Instr.Pl.)
tīrthayātrāparāyaṇaiḥ
die ganz der Pilgerfahrt zugewandt sind (Instr.Pl.m.)

tad bhavān ṛṣisaṃghasya hitārthaṃ sarvacoditaḥ; yathādṛṣṭaṃ hṛṣīkeśe sarvam ākhyātum arhati

„das sollst du, von allen angetrieben, zum Wohl der Seherschar, dem Hṛṣīkeśa gegenüber, so wie [es] gesehen wurde, alles berichten.“

Wort für Wort
tad bhavān ṛṣisaṃghasya
das du, für die Seherschar (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.; Gen.Sg.)
hitārthaṃ sarvacoditaḥ
zum Wohl, von allen angetrieben (Akk.Sg. als Adv.; Nom.Sg.m. PPP)
yathādṛṣṭaṃ hṛṣīkeśe
wie gesehen, vor Hṛṣīkeśa (Adv.; Lok.Sg.)
sarvam ākhyātum arhati
alles zu berichten sollst du (Akk.Sg.n.; Inf.; Präs.2.Sg.)

evam uktaḥ sa munibhir nārado bhagavān ṛṣiḥ; kathayām āsa devarṣiḥ pūrvavṛttāṃ kathāṃ śubhām

So von den Weisen angesprochen, erzählte der ehrwürdige Seher Nārada, der Götterseher, eine schöne Erzählung von früheren Begebenheiten.

Wort für Wort
evam uktaḥ sa munibhiḥ
so angesprochen, dieser, von den Weisen (Adv.; PPP; Nom.Sg.; Instr.Pl.)
nārado bhagavān ṛṣiḥ
Nārada, der Ehrwürdige, der Seher (Nom.Sg.)
kathayām āsa devarṣiḥ
erzählte der Götterseher (Perf.periphr.3.Sg.; Nom.Sg.)
pūrvavṛttāṃ kathāṃ śubhām
eine früher geschehene, schöne Erzählung (Akk.Sg.f.)

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