Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 113: annadānaphalakīrtanam Wie böse Taten getilgt werden: Reue, Bekenntnis und vor allem die Gabe von Speise

Bṛhaspati belehrt Yudhiṣṭhira, wie Sünder zu einem guten Ziel gelangen: durch Reue und Bekenntnis und vor allem durch rechtmäßig erworbene Speisegaben an Brahmanen, für alle vier Stände.

yudhiṣṭhira uvāca; adharmasya gatir brahman kathitā me tvayānagha; dharmasya tu gatiṃ śrotum icchāmi vadatāṃ vara; kṛtvā karmāṇi pāpāni kathaṃ yānti śubhāṃ gatim

Yudhiṣṭhira sprach: „Den Weg des Adharma hast du mir dargelegt, Brahmane, Makelloser. Den Weg des Dharma aber möchte ich hören, Bester der Redenden: Wie gelangen Menschen, die böse Taten begangen haben, zu einem glückseligen Ziel?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
adharmasya gatir brahman kathitā me tvayā anagha
der Weg des Adharma, Brahmane, wurde mir von dir erzählt, Makelloser (Gen./Nom.Sg.f., Part.Pass./Instr./Vok.)
dharmasya tu gatiṃ śrotum icchāmi
den Weg des Dharma aber will ich hören (Gen./Akk./Inf./1.Sg.Präs.)
vadatāṃ vara
Bester der Redenden (Gen.Pl./Vok.Sg.)
kṛtvā karmāṇi pāpāni
nachdem [sie] böse Taten getan haben (Abs./Akk.Pl.n.)
kathaṃ yānti śubhāṃ gatim
wie gelangen sie zu glückseligem Ziel (3.Pl.Präs./Akk.Sg.f.)

karmaṇā ca kṛteneha kena yānti śubhāṃ gatim

Und durch welche hier vollbrachte Tat gelangen sie zu einem glückseligen Ziel?

Wort für Wort
karmaṇā ca kṛtena iha
und durch eine hier getane Tat (Instr.Sg.n./Part.Pass. Instr./Adv.)
kena
durch welche (Instr.Sg.n. Interrog.)
yānti śubhāṃ gatim
gelangen sie zu glückseligem Ziel (3.Pl.Präs./Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile (Sternpassage).

bṛhaspatir uvāca; kṛtvā pāpāni karmāṇi adharmavaśam āgataḥ; manasā viparītena nirayaṃ pratipadyate

Bṛhaspati sprach: „Wer böse Taten begangen hat und unter die Gewalt des Adharma geraten ist, gelangt mit verkehrtem Sinn in die Hölle.“

Wort für Wort
bṛhaspatir uvāca
Bṛhaspati sprach (Perf.)
kṛtvā pāpāni karmāṇi
nachdem er böse Taten getan hat (Abs./Akk.Pl.n.)
adharmavaśam āgataḥ
in die Gewalt des Adharma geraten (Akk.Sg./Part.Pass. Nom.Sg.m.)
manasā viparītena
mit verkehrtem Sinn (Instr.Sg.n.)
nirayaṃ pratipadyate
gelangt in die Hölle (Akk.Sg./3.Sg.Präs.Med.)

mohād adharmaṃ yaḥ kṛtvā punaḥ samanutapyate; manaḥsamādhisaṃyukto na sa seveta duṣkṛtam

„Wer aus Verblendung Adharma begangen hat und danach bereut und dabei mit gesammeltem Geist verbunden ist, der soll die Missetat nicht [wieder] pflegen.“

Wort für Wort
mohād adharmaṃ yaḥ kṛtvā
wer aus Verblendung Adharma getan hat (Abl.Sg./Akk.Sg./Rel.Nom./Abs.)
punaḥ samanutapyate
danach bereut er (Adv./3.Sg.Präs.Pass.-Med.)
manaḥsamādhisaṃyuktaḥ
mit Geistessammlung verbunden (Kompositum, Nom.Sg.m.)
na sa seveta duṣkṛtam
der soll die Missetat nicht pflegen (Neg./Nom.Sg.m./3.Sg.Opt.Med./Akk.Sg.n.)

yathā yathā manas tasya duṣkṛtaṃ karma garhate; tathā tathā śarīraṃ tu tenādharmeṇa mucyate; yadi vyāharate rājan viprāṇāṃ dharmavādinām; tato 'dharmakṛtāt kṣipram apavādāt pramucyate

„Je mehr sein Geist die üble Tat tadelt, desto mehr wird der Körper von diesem Adharma frei. Und wenn er, König, [es] den Brahmanen, die vom Dharma sprechen, kundtut, dann wird er rasch vom Adharma-Getanen befreit, durch das Bekenntnis [oder: den Tadel] [?].“

Wort für Wort
yathā yathā manas tasya duṣkṛtaṃ karma garhate
je mehr sein Geist die üble Tat tadelt (Adv./Nom.Sg.n./Gen./Akk./3.Sg.Präs.Med.)
tathā tathā śarīraṃ tu tena adharmeṇa mucyate
desto mehr wird der Körper von diesem Adharma befreit (Nom.Sg.n./Abl.-Instr./3.Sg.Präs.Pass.)
yadi vyāharate rājan
wenn er ausspricht, König (3.Sg.Präs.Med./Vok.Sg.)
viprāṇāṃ dharmavādinām
vor den Brahmanen, die vom Dharma sprechen (Gen.Pl./Gen.Pl.m.)
tato 'dharmakṛtāt kṣipram
dann vom Adharma-Getanen rasch (Adv./Abl.Sg.n./Adv.)
apavādāt pramucyate
durch Bekenntnis wird er befreit (Abl.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage; apavāda hier als Selbstanklage/Bekenntnis gedeutet.

yathā yathā naraḥ samyag adharmam anubhāṣate; samāhitena manasā vimucyati tathā tathā; bhujaṃga iva nirmokāt pūrvabhuktāj jarānvitāt

„Je mehr ein Mensch das Adharma recht ausspricht, desto mehr wird er mit gesammeltem Geist befreit, wie eine Schlange von der früher getragenen, alt gewordenen Haut.“

Wort für Wort
yathā yathā naraḥ samyag adharmam anubhāṣate
je mehr ein Mensch recht das Adharma ausspricht (Adv./Nom.Sg.m./Adv./Akk.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
samāhitena manasā
mit gesammeltem Geist (Instr.Sg.n.)
vimucyati tathā tathā
wird er befreit, desto mehr (3.Sg.Präs.Pass./Adv.)
bhujaṃga iva nirmokāt
wie eine Schlange von der Haut (Nom.Sg.m./Part./Abl.Sg.m.)
pūrvabhuktāj jarānvitāt
von der früher genutzten, vom Alter befallenen [Haut] (Abl.Sg.m., Komp./Abl.Sg.m.)

adattvāpi pradānāni vividhāni samāhitaḥ; manaḥsamādhisaṃyuktaḥ sugatiṃ pratipadyate

„Auch ohne mannigfache Gaben zu geben, gelangt der Gesammelte, mit Geistessammlung verbunden, zu gutem Ziel.“

Wort für Wort
adattvā api pradānāni vividhāni
auch ohne mannigfache Gaben gegeben zu haben (Abs. mit a-/Ptk./Akk.Pl.n.)
samāhitaḥ
der Gesammelte (Nom.Sg.m.)
manaḥsamādhisaṃyuktaḥ
mit Geistessammlung verbunden (Nom.Sg.m.)
sugatiṃ pratipadyate
gelangt zu gutem Ziel (Akk.Sg.f./3.Sg.Präs.Med.)

pradānāni tu vakṣyāmi yāni dattvā yudhiṣṭhira; naraḥ kṛtvāpy akāryāṇi tadā dharmeṇa yujyate

„Gaben aber will ich nennen, nach deren Gabe, Yudhiṣṭhira, ein Mensch, selbst wenn er Unerlaubtes getan hat, dann mit Dharma verbunden wird.“

Wort für Wort
pradānāni tu vakṣyāmi
Gaben aber werde ich nennen (Akk.Pl.n./1.Sg.Fut.)
yāni dattvā yudhiṣṭhira
welche gegeben habend, Yudhiṣṭhira (Rel.Akk.Pl.n./Abs./Vok.)
naraḥ kṛtvā api akāryāṇi
ein Mensch, auch nachdem er Unerlaubtes getan hat (Nom.Sg.m./Abs./Akk.Pl.n.)
tadā dharmeṇa yujyate
dann wird er mit Dharma verbunden (Adv./Instr.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

sarveṣām eva dānānām annaṃ śreṣṭham udāhṛtam; pūrvam annaṃ pradātavyam ṛjunā dharmam icchatā

„Von allen Gaben wird die Speise als die beste bezeichnet. Zuerst soll Speise gegeben werden von dem Aufrichtigen, der Dharma wünscht.“

Wort für Wort
sarveṣām eva dānānām
von allen Gaben (Gen.Pl.n.)
annaṃ śreṣṭham udāhṛtam
Speise wird als beste bezeichnet (Nom.Sg.n./Part.Pass.)
pūrvam annaṃ pradātavyam
zuerst ist Speise zu geben (Adv./Nom.Sg.n./Gerundiv)
ṛjunā dharmam icchatā
von dem Aufrichtigen, der Dharma wünscht (Instr.Sg.m./Akk./Part.Präs. Instr.)

prāṇā hy annaṃ manuṣyāṇāṃ tasmāj jantuś ca jāyate; anne pratiṣṭhitā lokās tasmād annaṃ prakāśate

„Denn Speise ist der Lebensatem der Menschen; daher wird auch das Lebewesen geboren. In der Speise gründen die Welten; darum tritt die Speise hervor [gilt als vorrangig] [?].“

Wort für Wort
prāṇā hy annaṃ manuṣyāṇām
Lebensatem ist ja Speise für Menschen (Nom.Pl.m./Ptk./Nom.Sg.n./Gen.Pl.)
tasmāj jantuś ca jāyate
daher wird auch das Lebewesen geboren (Abl./Nom.Sg.m./3.Sg.Präs.Pass.)
anne pratiṣṭhitā lokāḥ
in der Speise gegründet sind die Welten (Lok.Sg./Part.Pass./Nom.Pl.m.)
tasmād annaṃ prakāśate
darum tritt die Speise hervor (Abl./Nom.Sg./3.Sg.Präs.Med.)

prakāśate wörtlich „leuchtet, tritt hervor“.

annam eva praśaṃsanti devarṣipitṛmānavāḥ; annasya hi pradānena svargam āpnoti kauśikaḥ

„Die Speise allein preisen Götter, Seher, Väter und Menschen; denn durch das Geben von Speise erlangt der Kauśika [Nachkomme des Kuśika] den Himmel.“

Wort für Wort
annam eva praśaṃsanti
Speise allein preisen sie (Akk.Sg./Ptk./3.Pl.Präs.)
devarṣipitṛmānavāḥ
Götter, Seher, Väter und Menschen (Dvandva, Nom.Pl.m.)
annasya hi pradānena
denn durch das Geben von Speise (Gen.Sg./Ptk./Instr.Sg.n.)
svargam āpnoti kauśikaḥ
erlangt den Himmel der Kauśika (Akk.Sg./3.Sg.Präs./Nom.Sg.m.) [?]

kauśika: Bedeutung hier unsicher (Nachkomme des Kuśika bzw. Eule/Brahmane).

nyāyalabdhaṃ pradātavyaṃ dvijebhyo hy annam uttamam; svādhyāyasamupetebhyaḥ prahṛṣṭenāntarātmanā

„Rechtmäßig erworbene, vorzügliche Speise soll den Zweimalgeborenen gegeben werden, die im Veda-Studium bewandert sind, mit freudig gestimmtem Inneren.“

Wort für Wort
nyāyalabdhaṃ pradātavyam
rechtmäßig Erworbenes ist zu geben (Nom.Sg.n./Gerundiv)
dvijebhyo hy annam uttamam
den Zweimalgeborenen die beste Speise (Dat.Pl./Ptk./Nom.Sg.n./Nom.Sg.n.)
svādhyāyasamupetebhyaḥ
denen, die mit Veda-Studium versehen sind (Dat.Pl.m., Komp.)
prahṛṣṭena antarātmanā
mit freudigem Inneren (Instr.Sg.m.)

yasya hy annam upāśnanti brāhmaṇānāṃ śatā daśa; hṛṣṭena manasā dattaṃ na sa tiryaggatir bhavet

„Wessen Speise hundertmal zehn Brahmanen verzehren, [die] mit frohem Sinn gegeben ist, der gerät nicht in eine Tiergeburt [Zustand eines Tieres].“

Wort für Wort
yasya hy annam upāśnanti
wessen Speise sie verzehren (Rel.Gen./Ptk./Akk.Sg.n./3.Pl.Präs.)
brāhmaṇānāṃ śatā daśa
zehn Hunderte von Brahmanen (Gen.Pl.m./Nom.Pl.n.)
hṛṣṭena manasā dattam
mit frohem Sinn gegeben (Instr.Sg.n./Part.Pass.)
na sa tiryaggatir bhavet
der soll nicht Tierdasein erlangen (Neg./Nom.Sg.m./Nom.Sg.f./3.Sg.Opt.)

brāhmaṇānāṃ sahasrāṇi daśa bhojya nararṣabha; naro 'dharmāt pramucyeta pāpeṣv abhirataḥ sadā

„Wer zehntausend Brahmanen gespeist hat, Tiger unter den Männern, der wird vom Adharma befreit, auch wenn er stets an Sünden hängt.“

Wort für Wort
brāhmaṇānāṃ sahasrāṇi daśa
zehn Tausend Brahmanen (Gen.Pl./Nom.Pl.n./Zahl)
bhojya nararṣabha
gespeist habend, Stier unter Männern (Abs./Vok.Sg.)
naro 'dharmāt pramucyeta
ein Mensch würde vom Adharma befreit (Nom.Sg.m./Abl.Sg./3.Sg.Opt.Pass.)
pāpeṣv abhirataḥ sadā
stets an Sünden hängend (Lok.Pl.n./Part.Pass./Adv.)

bhaikṣeṇānnaṃ samāhṛtya vipro vedapuraskṛtaḥ

„Ein Brahmane, der, den Veda voranstellend, Speise durch Betteln zusammengebracht hat, [...]“

Wort für Wort
bhaikṣeṇa annaṃ samāhṛtya
Speise durch Bettelgang zusammengebracht habend (Instr.Sg.n./Akk.Sg.n./Abs.)
vipro vedapuraskṛtaḥ
der Brahmane, den Veda voranstellend (Nom.Sg.m./Nom.Sg.m., Komp.)

Der Satz ist erst in Unit 17 vollständig: Zeilen 013ab und 013cd werden durch eine Sternpassage getrennt.

suvarṇadānāt pāpāni naśyanti subahūny api; dattvā vṛttikarīṃ bhūmiṃ pātakenāpi mucyate; pārāyaṇaiś ca vedānāṃ mucyate pātakair dvijaḥ; gāyatryāś caiva lakṣeṇa gosahasrasya tarpaṇāt; vedārthaṃ jñāpayitvā tu śuddhān viprān yathārthataḥ; sarvatyāgādibhiś cāpi mucyate pātakair dvijaḥ; sarvātithyaṃ paraṃ hy eṣāṃ tasmād annaṃ paraṃ smṛtam

„Durch Golddarbringung schwinden Sünden, auch sehr viele. Wer ertragreiches Land gegeben hat, wird auch von Todsünden befreit. Durch Rezitationen der Veden wird der Zweimalgeborene von Todsünden befreit; durch hunderttausend [Wiederholungen] der Gāyatrī, durch Sättigung von tausend Kühen [?]; und wenn er, nachdem er die Bedeutung des Veda reinen Brahmanen der Wahrheit gemäß hat kennen lassen, [...]: durch Entsagung von allem und dergleichen wird der Zweimalgeborene von Todsünden befreit. Gastfreundschaft gegen alle ist für diese das Höchste; daher gilt die Speise als das Höchste.“

Wort für Wort
suvarṇadānāt pāpāni naśyanti subahūny api
durch Golddarbringung schwinden auch sehr viele Sünden (Abl.Sg./Nom.Pl.n./3.Pl.Präs./Nom.Pl.n./Ptk.)
dattvā vṛttikarīṃ bhūmiṃ pātakena api mucyate
wer ertragbringendes Land gegeben hat, wird auch von Todsünde befreit (Abs./Akk.Sg.f./Akk.Sg.f./Instr./3.Sg.Präs.Pass.)
pārāyaṇaiś ca vedānāṃ mucyate pātakair dvijaḥ
durch Vollrezitationen der Veden wird der Zweimalgeborene von Todsünden befreit (Instr.Pl./Gen.Pl./Instr.Pl./Nom.Sg.)
gāyatryāś caiva lakṣeṇa gosahasrasya tarpaṇāt
durch hunderttausend [Wiederholungen] der Gāyatrī, durch Sättigung von tausend Kühen (Gen.Sg.f./Instr.Sg.n./Gen.Sg./Abl.Sg.n.)
vedārthaṃ jñāpayitvā tu śuddhān viprān yathārthataḥ
nachdem er reinen Brahmanen die Veda-Bedeutung gemäß der Wahrheit hat kennen lassen (Akk.Sg./Abs.Kaus./Akk.Pl.m./Adv.)
sarvatyāgādibhiś ca api mucyate pātakair dvijaḥ
auch durch Entsagung von allem und dergleichen wird der Zweimalgeborene von Todsünden befreit (Instr.Pl./3.Sg.Präs.Pass.)
sarvātithyaṃ paraṃ hy eṣāṃ tasmād annaṃ paraṃ smṛtam
Gastfreundschaft gegen alle ist von diesen das Höchste, daher gilt Speise als das Höchste (Nom.Sg.n./Gen.Pl./Abl./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage; Syntax und Bezug einiger Glieder unsicher.

svādhyāyanirate vipre dattveha sukham edhate

[…] der gibt hier einem im Veda-Studium ergebenen Brahmanen [Speise] und gedeiht in Glück.“

Wort für Wort
svādhyāyanirate vipre
einem im Veda-Studium ergebenen Brahmanen (Lok.Sg.m., Komp.)
dattvā iha
nachdem er [Speise] gegeben hat, hier (Abs./Adv.)
sukham edhate
gedeiht in Glück (Akk.Sg.n./3.Sg.Präs.Med.)

Fortsetzung von Unit 15 (013ab).

ahiṃsan brāhmaṇaṃ nityaṃ nyāyena paripālya ca; kṣatriyas tarasā prāptam annaṃ yo vai prayacchati

„Ein Kṣatriya, der, indem er den Brahmanen nie verletzt und ihn rechtmäßig beschützt, mit Kraft erworbene Speise gibt, [...]“

Wort für Wort
ahiṃsan brāhmaṇaṃ nityam
den Brahmanen nie verletzend (Part.Präs.Nom.Sg.m./Akk.Sg.m./Adv.)
nyāyena paripālya ca
und rechtmäßig beschützend (Instr.Sg.m./Abs.)
kṣatriyas tarasā prāptam annam
ein Kṣatriya, durch Kraft erworbene Speise (Nom.Sg.m./Instr.Sg.n./Part.Pass.Akk.Sg.n.)
yo vai prayacchati
der wahrlich gibt (Rel.Nom./Ptk./3.Sg.Präs.)

Satz läuft in Unit 19 weiter.

dvijebhyo vedavṛddhebhyaḥ prayataḥ susamāhitaḥ; tenāpohati dharmātmā duṣkṛtaṃ karma pāṇḍava

„[…] und den vedakundigen Zweimalgeborenen, gesammelt und wohlgesammelten Geistes [gibt], der tilgt damit, Pāṇḍava, als Dharma-Seelischer [Mensch mit dem Dharma als Wesen] die üble Tat.“

Wort für Wort
dvijebhyo vedavṛddhebhyaḥ
den Zweimalgeborenen, veda-gereift (Dat.Pl.m.)
prayataḥ susamāhitaḥ
rein, wohlgesammelt (Nom.Sg.m.)
tena apohati dharmātmā
dadurch beseitigt der Dharma-Gesinnte (Instr./3.Sg.Präs./Nom.Sg.m.)
duṣkṛtaṃ karma pāṇḍava
die üble Tat, Pāṇḍava (Akk.Sg.n./Vok.)

ṣaḍbhāgapariśuddhaṃ ca kṛṣer bhāgam upārjitam; vaiśyo dadad dvijātibhyaḥ pāpebhyaḥ parimucyate

„Ein Vaiśya, der den um den sechsten Teil [an Abgabe] gereinigten, aus dem Ackerbau erworbenen Anteil den Zweimalgeborenen gibt, wird von Sünden völlig befreit.“

Wort für Wort
ṣaḍbhāgapariśuddhaṃ ca
und um den sechsten Teil bereinigt (Akk.Sg.m., Komp.)
kṛṣer bhāgam upārjitam
den aus dem Ackerbau erworbenen Anteil (Abl.Sg.f./Akk.Sg.m./Part.Pass.)
vaiśyo dadad dvijātibhyaḥ
der Vaiśya, gebend den Zweimalgeborenen (Nom.Sg.m./Part.Präs./Dat.Pl.m.)
pāpebhyaḥ parimucyate
wird von Sünden befreit (Abl.Pl.n./3.Sg.Präs.Pass.)

ṣaḍbhāgapariśuddha: nach Abzug des Sechstels [Königsabgabe] (Deutung).

avāpya prāṇasaṃdehaṃ kārkaśyena samārjitam; annaṃ dattvā dvijātibhyaḥ śūdraḥ pāpāt pramucyate

„Ein Śūdra, der Speise gegeben hat, die er unter Lebensgefahr, mit Mühsal erworben hat, den Zweimalgeborenen, wird von Sünde befreit.“

Wort für Wort
avāpya prāṇasaṃdeham
nachdem er Lebensgefahr auf sich genommen hat (Abs./Akk.Sg.m.)
kārkaśyena samārjitam
mit Härte erworben (Instr.Sg.n./Part.Pass.)
annaṃ dattvā dvijātibhyaḥ
Speise gegeben habend den Zweimalgeborenen (Akk./Abs./Dat.Pl.)
śūdraḥ pāpāt pramucyate
der Śūdra wird von Sünde befreit (Nom.Sg.m./Abl.Sg.n./3.Sg.Präs.Pass.)

aurasena balenānnam arjayitvāvihiṃsakaḥ; yaḥ prayacchati viprebhyo na sa durgāṇi sevate

„Wer, nachdem er Speise mit eigener [Leibes-]Kraft, ohne Gewalt zu üben, erworben hat, sie Brahmanen gibt, der gerät nicht in Notlagen [schwer gangbare Orte].“

Wort für Wort
aurasena balena annam
mit eigener Kraft Speise (Instr.Sg.n./Instr.Sg.n./Akk.Sg.n.)
arjayitvā avihiṃsakaḥ
erworben habend, nicht gewalttätig (Abs.Kaus./Nom.Sg.m.)
yaḥ prayacchati viprebhyaḥ
wer den Brahmanen gibt (Rel.Nom./3.Sg.Präs./Dat.Pl.)
na sa durgāṇi sevate
der betritt nicht die Notlagen (Neg./Nom./Akk.Pl.n./3.Sg.Präs.Med.)

aurasa: „aus der Brust, eigen“ (Deutung). durga: Notlagen oder schwer zugängliche Orte, zugleich Höllen-Anspielung.

nyāyenāvāptam annaṃ tu naro lobhavivarjitaḥ; dvijebhyo vedavṛddhebhyo dattvā pāpāt pramucyate

„Ein Mensch aber, der rechtmäßig erworbene Speise, frei von Gier, den vedareifen Zweimalgeborenen gibt, wird von Sünde befreit.“

Wort für Wort
nyāyena avāptam annaṃ tu
rechtmäßig erlangte Speise aber (Instr./Part.Pass./Akk.Sg.n./Ptk.)
naro lobhavivarjitaḥ
ein Mensch, gierefrei (Nom.Sg.m./Nom.Sg.m.)
dvijebhyo vedavṛddhebhyaḥ
den vedareifen Zweimalgeborenen (Dat.Pl.m.)
dattvā pāpāt pramucyate
nachdem er gegeben hat, wird er von Sünde befreit (Abs./Abl.Sg./3.Sg.Präs.Pass.)

annam ūrjaskaraṃ loke dattvorjasvī bhaven naraḥ

„Speise verleiht in der Welt Kraft; wer Speise gibt, wird ein Kraftvoller.“

Wort für Wort
annam ūrjaskaraṃ loke
Speise ist kraftbringend in der Welt (Nom.Sg.n./Nom.Sg.n./Lok.Sg.m.)
dattvā ūrjasvī bhavet naraḥ
hat er gegeben, so wird der Mensch kraftvoll (Abs./Nom.Sg.m./3.Sg.Opt./Nom.Sg.m.)

śūdrānnaṃ naiva bhoktavyaṃ viprair dharmaparāyaṇaiḥ; āpady eva svadāsānāṃ bhoktavyaṃ svayam udyatam

„Speise von Śūdras soll von Brahmanen, die dem Dharma ergeben sind, keinesfalls gegessen werden; nur in Not darf von den eigenen Dienern [Speise] gegessen werden, [die] eigenhändig bereitet [ist].“

Wort für Wort
śūdrānnaṃ na eva bhoktavyam
Speise eines Śūdra ist keinesfalls zu essen (Nom.Sg.n./Neg./Ptk./Gerundiv)
viprair dharmaparāyaṇaiḥ
von Brahmanen, dem Dharma ergeben (Instr.Pl.m.)
āpadi eva svadāsānām
nur in Not, von den eigenen Dienern (Lok.Sg.f./Ptk./Gen.Pl.m.)
bhoktavyaṃ svayam udyatam
ist zu essen, selbst Bereitetes (Gerundiv/Adv./Part.Pass.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage; svadāsānām und udyatam knapp, Sinn nach Kontext ergänzt.

satāṃ panthānam āśritya sarvapāpāt pramucyate

„Wer den Weg der Guten beschreitet, wird von jeder Sünde befreit.“

Wort für Wort
satāṃ panthānam āśritya
den Weg der Guten betreten habend (Gen.Pl./Akk.Sg.m./Abs.)
sarvapāpāt pramucyate
wird von aller Sünde befreit (Abl.Sg.n./3.Sg.Präs.Pass.)

Fortsetzung von Unit 24 (020ab).

dānakṛdbhiḥ kṛtaḥ panthā yena yānti manīṣiṇaḥ; te sma prāṇasya dātāras tebhyo dharmaḥ sanātanaḥ

„Der Weg, den die Gebenden gebahnt haben und auf dem die Weisen gehen, [ist der Weg der Speisegeber]: sie sind Geber des Lebensatems, und ihnen [gehört] das ewige Dharma.“

Wort für Wort
dānakṛdbhiḥ kṛtaḥ panthā
der von den Gebenden gemachte Weg (Instr.Pl.m./Part.Pass./Nom.Sg.m.)
yena yānti manīṣiṇaḥ
auf dem die Weisen gehen (Rel.Instr./3.Pl.Präs./Nom.Pl.m.)
te sma prāṇasya dātāraḥ
sie sind Geber des Lebensatems (Nom.Pl./Ptk./Gen.Sg./Nom.Pl.m.)
tebhyo dharmaḥ sanātanaḥ
ihnen [gehört] das ewige Dharma (Dat./Abl.Pl./Nom.Sg.m./Nom.Sg.m.)

sarvāvasthaṃ manuṣyeṇa nyāyenānnam upārjitam; kāryaṃ pātragataṃ nityam annaṃ hi paramā gatiḥ

„Unter allen Umständen soll ein Mensch rechtmäßig Speise erwerben und stets dem Würdigen [Empfänger] geben; denn Speise ist das höchste Ziel.“

Wort für Wort
sarvāvasthaṃ manuṣyeṇa
in jeder Lage, von einem Menschen (Adv./Instr.Sg.m.)
nyāyena annam upārjitam
rechtmäßig erworbene Speise (Instr./Akk.Sg.n./Part.Pass.)
kāryaṃ pātragataṃ nityam
ist dem Würdigen zuzuwenden, stets (Gerundiv/Akk.Sg.n./Adv.)
annaṃ hi paramā gatiḥ
denn Speise ist das höchste Ziel (Nom.Sg.n./Ptk./Nom.Sg.f./Nom.Sg.f.)

annasya hi pradānena naro durgaṃ na sevate; tasmād annaṃ pradātavyam anyāyaparivarjitam

„Denn durch das Geben von Speise betritt ein Mensch keine Notlagen. Darum soll Speise gegeben werden, frei von Unrechtmäßigem.“

Wort für Wort
annasya hi pradānena
denn durch das Geben von Speise (Gen./Ptk./Instr.Sg.n.)
naro durgaṃ na sevate
der Mensch betritt nicht die Notlage (Nom.Sg.m./Akk.Sg.n./Neg./3.Sg.Präs.)
tasmād annaṃ pradātavyam
darum ist Speise zu geben (Abl./Nom.Sg.n./Gerundiv)
anyāyaparivarjitam
frei von Unrecht (Nom.Sg.n., Komp.)

yated brāhmaṇapūrvaṃ hi bhoktum annaṃ gṛhī sadā; avandhyaṃ divasaṃ kuryād annadānena mānavaḥ

„Ein Hausherr soll sich stets bemühen, Speise erst zu essen, nachdem [er] einen Brahmanen [bewirtet hat]; durch Speisegabe möge der Mensch den Tag fruchtbar machen.“

Wort für Wort
yated brāhmaṇapūrvaṃ hi
er möge sich bemühen, mit dem Brahmanen zuerst (3.Sg.Opt.Med./Adv./Ptk.)
bhoktum annaṃ gṛhī sadā
Speise zu essen, der Hausherr, stets (Inf./Akk.Sg.n./Nom.Sg.m./Adv.)
avandhyaṃ divasaṃ kuryāt
den Tag fruchtbar machen möge er (Akk.Sg.m./Akk.Sg.m./3.Sg.Opt.)
annadānena mānavaḥ
durch Speisegabe der Mensch (Instr.Sg.n./Nom.Sg.m.)

brāhmaṇapūrvam: Bezug ergänzt („nachdem ein Brahmane zuerst [gegessen hat]“ wäre die alternative Lesart).

bhojayitvā daśaśataṃ naro vedavidāṃ nṛpa; nyāyaviddharmaviduṣām itihāsavidāṃ tathā

„Wer zehnhundert Kenner des Veda gespeist hat, König, [ferner] solche, die Recht und Pflicht verstehen und die Kenner der Überlieferungen [Itihāsa] sind, [...]“

Wort für Wort
bhojayitvā daśaśataṃ naraḥ
tausend gespeist habend, der Mensch (Abs.Kaus./Akk.Sg.n./Nom.Sg.m.)
vedavidāṃ nṛpa
der Veda-Kenner, König (Gen.Pl.m./Vok.Sg.)
nyāyaviddharmaviduṣām
der Kenner von Logik und Dharma (Gen.Pl.m., Komp.)
itihāsavidāṃ tathā
ebenso der Kenner der Itihāsa (Gen.Pl.m./Adv.)

Satz läuft in Unit 32 weiter. daśaśata = 1000 (oder „zehn Hunderte“).

na yāti narakaṃ ghoraṃ saṃsārāṃś ca na sevate; sarvakāmasamāyuktaḥ pretya cāpy aśnute phalam

„[…] der geht nicht in die schreckliche Hölle und begibt sich nicht in die Kreisläufe [des Wiedergeborenwerdens]; im Besitz aller Wünsche erlangt er auch nach dem Tod die Frucht.“

Wort für Wort
na yāti narakaṃ ghoram
er geht nicht in die schreckliche Hölle (Neg./3.Sg.Präs./Akk.Sg./Akk.Sg.m.)
saṃsārāṃś ca na sevate
und begibt sich nicht in Wiedergeburtskreisläufe (Akk.Pl.m./Ptk./Neg./3.Sg.Präs.Med.)
sarvakāmasamāyuktaḥ
mit allen Wünschen verbunden (Nom.Sg.m., Komp.)
pretya ca api aśnute phalam
und auch nach dem Tode erlangt er die Frucht (Abs./Ptk./3.Sg.Präs.Med./Akk.Sg.n.)

saṃsārāḥ Pl.: Wiedergeburtskreisläufe.

evaṃ sukhasamāyukto ramate vigatajvaraḥ; rūpavān kīrtimāṃś caiva dhanavāṃś copapadyate

„So freut er sich, mit Glück verbunden, frei von Fieber [Kummer]; er wird schön, ruhmreich und reich.“

Wort für Wort
evaṃ sukhasamāyuktaḥ
so mit Glück verbunden (Adv./Nom.Sg.m.)
ramate vigatajvaraḥ
freut sich, frei von Fieber (3.Sg.Präs.Med./Nom.Sg.m., Komp.)
rūpavān kīrtimāṃś ca eva
schön und ruhmreich (Nom.Sg.m./Nom.Sg.m./Ptk.)
dhanavāṃś ca upapadyate
und reich wird er (Nom.Sg.m./3.Sg.Präs.Med.)

etat te sarvam ākhyātam annadānaphalaṃ mahat; mūlam etad dhi dharmāṇāṃ pradānasya ca bhārata

„Dies alles ist dir gesagt worden, die große Frucht der Speisegabe. Dies ist ja die Wurzel der Pflichten und der Gabe, Bhārata.“

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātam
dies alles ist dir gesagt (Nom.Sg.n./Dat.-Gen.Sg./Nom.Sg.n./Part.Pass.)
annadānaphalaṃ mahat
die große Frucht der Speisegabe (Nom.Sg.n., Komp./Nom.Sg.n.)
mūlam etad dhi dharmāṇām
die Wurzel dies ja der Pflichten (Nom.Sg.n./Ptk./Gen.Pl.m.)
pradānasya ca bhārata
und der Gabe, Bhārata (Gen.Sg.n./Ptk./Vok.)

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