Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 62: annadānapraśaṃsā Lob der Speisespende: ihre Frucht in dieser und der jenseitigen Welt

Yudhiṣṭhira fragt nach den wirksamsten Gaben; Bhīṣma gibt die Belehrung Nāradas wieder, dass die Gabe von Speise allen anderen überlegen ist. Das Kapitel schließt mit einer Schilderung der Himmelswelten der Speisespender.

yudhiṣṭhira uvāca; kāni dānāni loke 'smin dātukāmo mahīpatiḥ; guṇādhikebhyo viprebhyo dadyād bharatasattama

Yudhiṣṭhira sprach: „Welche Gaben soll ein Erdenherrscher in dieser Welt, wenn er geben will, an die an Tugenden überlegenen Brahmanen geben, du Bester der Bharatas?

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kāni dānāni loke 'smin
welche Gaben in dieser Welt (Nom.Pl.n./Lok.)
dātukāmo mahīpatiḥ
der Erdenherrscher, der geben will (Nom.Sg.)
guṇādhikebhyo viprebhyaḥ
an die an Tugenden überlegenen Brahmanen (Dat.Pl.)
dadyād bharatasattama
soll er geben (3.Sg.Opt.), du Bester der Bharatas (Vok.)

kena tuṣyanti te sadyas tuṣṭāḥ kiṃ pradiśanty uta; śaṃsa me tan mahābāho phalaṃ puṇyakṛtaṃ mahat

Womit werden sie sogleich zufrieden, und was gewähren sie, wenn sie zufrieden sind? Sage mir das, du Starkarmiger: die große Frucht für den, der Verdienstvolles tut.“

Wort für Wort
kena tuṣyanti te sadyaḥ
womit sind sie zufrieden, sie, sogleich (Instr./3.Pl.Präs./Adv.)
tuṣṭāḥ kiṃ pradiśanty uta
zufrieden, was gewähren sie wohl (Nom.Pl.Part./3.Pl.Präs.)
śaṃsa me tat
sage mir dies (Imp./Dat./Akk.)
mahābāho
Starkarmiger (Vok.)
phalaṃ puṇyakṛtaṃ mahat
die große Frucht der Verdienstvolles Tuenden (Akk.Sg.n./Gen.Pl.)

dattaṃ kiṃ phalavad rājann iha loke paratra ca; bhavataḥ śrotum icchāmi tan me vistarato vada

Was Gegebenes ist fruchtbringend, König, in dieser Welt und in der jenseitigen? Das möchte ich von dir hören; das sage mir ausführlich.“

Wort für Wort
dattaṃ kiṃ phalavat
was Gegebene fruchtbringend (Part.Pass.n./Nom.)
rājann iha loke
König (Vok.), hier in der Welt (Lok.)
paratra ca
und im Jenseits (Adv.)
bhavataḥ śrotum icchāmi
von dir zu hören wünsche ich (Abl./Inf./1.Sg.Präs.)
tan me vistarato vada
das sage mir ausführlich (Imp./Adv.)

bhīṣma uvāca; imam arthaṃ purā pṛṣṭo nārado devadarśanaḥ; yad uktavān asau tan me gadataḥ śṛṇu bhārata

Bhīṣma sprach: „Über diese Sache wurde einst Nārada, der Götterschauer, befragt. Was er sagte, das höre von mir, der ich es vortrage, Bhārata.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
imam arthaṃ purā pṛṣṭaḥ
über diese Sache einst befragt (Akk./Part.Pass.)
nārado devadarśanaḥ
Nārada, der Götterschauer (Nom.)
yad uktavān asau
was jener gesagt hat (Part.Perf.Akt.)
tan me gadataḥ śṛṇu bhārata
das höre von mir, der ich [es] sage (Gen.Part.), Bhārata (Imp./Vok.)

nārada uvāca; annam eva praśaṃsanti devāḥ sarṣigaṇāḥ purā; lokatantraṃ hi yajñāś ca sarvam anne pratiṣṭhitam

Nārada sprach: „Die Speise allein preisen seit alters die Götter samt den Scharen der Ṛṣis; denn der Lauf der Welt und die Opfer, alles ist in der Speise gegründet.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf.)
annam eva praśaṃsanti
die Speise allein preisen sie (Akk./3.Pl.Präs.)
devāḥ sarṣigaṇāḥ purā
die Götter samt Ṛṣi-Scharen, einst (Nom.Pl./Adv.)
lokatantraṃ hi yajñāś ca
denn Weltordnung/Weltlauf und die Opfer (Nom.Sg.n./Nom.Pl.m.)
sarvam anne pratiṣṭhitam
alles in der Speise gegründet (Nom./Lok./Part.Pass.)

annena sadṛśaṃ dānaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati; tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātum icchanti mānavāḥ

Einer Gabe gleich der Speise gab es nie, und es wird sie nie geben; darum wollen die Menschen vor allem Speise geben.

Wort für Wort
annena sadṛśaṃ dānam
der Speise gleich eine Gabe (Instr./Nom.Sg.n.)
na bhūtaṃ na bhaviṣyati
gab es nicht, wird es nicht geben (Part.Pass./3.Sg.Fut.)
tasmād annaṃ viśeṣeṇa
darum Speise besonders (Abl./Akk./Instr.)
dātum icchanti mānavāḥ
zu geben wünschen die Menschen (Inf./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)

annam ūrjaskaraṃ loke prāṇāś cānne pratiṣṭhitāḥ; annena dhāryate sarvaṃ viśvaṃ jagad idaṃ prabho

Speise verleiht Kraft in der Welt, und die Lebenshauche sind in der Speise gegründet. Durch Speise wird alles getragen, dieses ganze Weltall, Herr.

Wort für Wort
annam ūrjaskaram loke
die Speise ist kraftspendend in der Welt (Nom.Sg.n./Lok.)
prāṇāś cānne pratiṣṭhitāḥ
und die Lebenshauche sind in der Speise gegründet (Nom.Pl.m./Lok.)
annena dhāryate sarvam
durch Speise wird getragen alles (Instr./3.Sg.Pass.)
viśvaṃ jagad idaṃ prabho
dieses ganze Weltall (Nom.), Herr (Vok.)

annād gṛhasthā loke 'smin bhikṣavas tata eva ca; annāt prabhavati prāṇaḥ pratyakṣaṃ nātra saṃśayaḥ

Aus der Speise stammen die Hausväter in dieser Welt und ebenso die Bettelmönche; aus Speise entsteht der Lebenshauch, offenkundig, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
annād gṛhasthā loke 'smin
aus Speise [leben] die Hausväter in dieser Welt (Abl./Nom.Pl./Lok.)
bhikṣavas tata eva ca
und die Bettelmönche eben daher (Nom.Pl./Adv.)
annāt prabhavati prāṇaḥ
aus Speise entsteht der Lebenshauch (Abl./3.Sg.Präs./Nom.)
pratyakṣaṃ nātra saṃśayaḥ
offenkundig, hierin ist kein Zweifel (Adv./Nom.Sg.)

kuṭumbaṃ pīḍayitvāpi brāhmaṇāya mahātmane; dātavyaṃ bhikṣave cānnam ātmano bhūtim icchatā

Selbst wenn er die Familie bedrängt, soll man dem hochgesinnten Brahmanen und dem Bettelmönch Speise geben, wenn man das eigene Gedeihen wünscht.

Wort für Wort
kuṭumbaṃ pīḍayitvāpi
auch nachdem man die Familie bedrängt hat (Akk./Abs.)
brāhmaṇāya mahātmane
dem Brahmanen, dem hochgesinnten (Dat.Sg.)
dātavyaṃ bhikṣave ca
ist zu geben, und dem Bettelmönch (Gerundiv/Dat.)
annam ātmano bhūtim icchatā
Speise, von dem, der das eigene Gedeihen wünscht (Nom./Gen./Akk./Instr.Part.)

brāhmaṇāyābhirūpāya yo dadyād annam arthine; nidadhāti nidhiṃ śreṣṭhaṃ pāralaukikam ātmanaḥ

Wer einem geeigneten Brahmanen, der bittet, Speise gibt, legt sich einen vortrefflichen Schatz für das Jenseits an.

Wort für Wort
brāhmaṇāyābhirūpāya
einem Brahmanen, einem geeigneten (Dat.Sg.)
yo dadyād annam arthine
wer Speise geben sollte dem Bittenden (Rel./3.Sg.Opt./Dat.)
nidadhāti nidhiṃ śreṣṭham
legt nieder einen Schatz, den besten (3.Sg.Präs./Akk.)
pāralaukikam ātmanaḥ
für das Jenseits, für sich selbst (Akk.Sg.m./Gen.)

śrāntam adhvani vartantaṃ vṛddham arham upasthitam; arcayed bhūtim anvicchan gṛhastho gṛham āgatam

Wer ermüdet auf der Straße unterwegs ist, alt und würdig, und als Gast dasteht: einen solchen, der ins Haus gekommen ist, soll der Hausvater ehren, wenn er Gedeihen erstrebt.

Wort für Wort
śrāntam adhvani vartantam
den Ermüdeten, der auf dem Weg unterwegs ist (Akk./Lok./Part.)
vṛddham arham upasthitam
den Alten, Würdigen, der herangetreten ist (Akk.)
arcayed bhūtim anvicchan
soll ehren, Gedeihen erstrebend (3.Sg.Opt./Akk./Part.)
gṛhastho gṛham āgatam
der Hausvater den ins Haus Gekommenen (Nom./Akk./Part.Pass.)

krodham utpatitaṃ hitvā suśīlo vītamatsaraḥ; annadaḥ prāpnute rājan divi ceha ca yat sukham

Den aufgestiegenen Zorn ablegend, von gutem Wesen und frei von Missgunst, erlangt der Speisespender, König, das Glück, das es im Himmel und hier gibt.

Wort für Wort
krodham utpatitaṃ hitvā
den aufgestiegenen Zorn aufgegeben habend (Akk./Abs.)
suśīlo vītamatsaraḥ
von gutem Charakter, frei von Neid (Nom.)
annadaḥ prāpnute rājan
der Speisegeber erlangt, König (Nom./3.Sg.Med./Vok.)
divi ceha ca yat sukham
im Himmel und hier, welches Glück (Lok./Adv./Rel.)

nāvamanyed abhigataṃ na praṇudyāt kathaṃ cana; api śvapāke śuni vā na dānaṃ vipraṇaśyati

Man soll den Herangekommenen nicht geringschätzen und ihn keinesfalls abweisen. Selbst bei einem Śvapāka oder einem Hund geht die Gabe nicht verloren.

Wort für Wort
nāvamanyed abhigatam
man soll nicht geringschätzen den Herangekommenen (3.Sg.Opt./Akk.)
na praṇudyāt kathaṃ cana
man soll nicht wegstoßen in keiner Weise (3.Sg.Opt./Adv.)
api śvapāke śuni vā
selbst bei einem Hundeköcher oder einem Hund (Lok.)
na dānaṃ vipraṇaśyati
geht die Gabe nicht verloren (Nom./3.Sg.Präs.)

yo dadyād aparikliṣṭam annam adhvani vartate; śrāntāyādṛṣṭapūrvāya sa mahad dharmam āpnuyāt

Wer dem ermüdeten, zuvor nie gesehenen [Menschen], der unterwegs ist, Speise gibt, ohne ihn zu quälen, der würde großes Verdienst erlangen.

Wort für Wort
yo dadyād aparikliṣṭam
wer geben sollte, ohne zu quälen [?] (Rel./3.Sg.Opt./Adv.)
annam adhvani vartate
Speise dem auf dem Weg Befindlichen (Akk./Dat.Part.)
śrāntāyādṛṣṭapūrvāya
dem Ermüdeten, zuvor nie Gesehenen (Dat.Sg.)
sa mahad dharmam āpnuyāt
der würde großes Verdienst erlangen (Nom./Akk./3.Sg.Opt.)

aparikliṣṭam kann adverbial (ohne Mühsal/Quälerei) oder als Attribut zu annam („nicht beeinträchtigte, einwandfreie Speise“) verstanden werden; adhvani vartate ist grammatisch Lok./Dat. des Partizips, gemeint ist wohl „dem Wanderer“.

pitṝn devān ṛṣīn viprān atithīṃś ca janādhipa; yo naraḥ prīṇayaty annais tasya puṇyaphalaṃ mahat

Die Ahnen, die Götter, die Ṛṣis, die Brahmanen und die Gäste, Herrscher der Menschen: der Mann, der sie mit Speisen erfreut, dessen Verdienstfrucht ist groß.

Wort für Wort
pitṝn devān ṛṣīn viprān
die Ahnen, Götter, Ṛṣis, Brahmanen (Akk.Pl.)
atithīṃś ca janādhipa
und die Gäste, Herrscher der Menschen (Akk.Pl./Vok.)
yo naraḥ prīṇayaty annaiḥ
welcher Mann erfreut mit Speisen (Rel./3.Sg.Präs./Instr.Pl.)
tasya puṇyaphalaṃ mahat
dessen Verdienstfrucht groß [ist] (Gen./Nom.)

kṛtvāpi pāpakaṃ karma yo dadyād annam arthine; brāhmaṇāya viśeṣeṇa na sa pāpena yujyate

Auch wenn er eine böse Tat begangen hat: Wer dem Bittenden Speise gibt, besonders einem Brahmanen, der wird nicht mit der Sünde verbunden.

Wort für Wort
kṛtvāpi pāpakaṃ karma
auch nachdem er eine böse Tat getan hat (Abs./Akk.)
yo dadyād annam arthine
wer Speise gibt dem Bittenden (Rel./3.Sg.Opt./Dat.)
brāhmaṇāya viśeṣeṇa
einem Brahmanen besonders (Dat./Adv.)
na sa pāpena yujyate
der wird nicht mit Sünde verbunden (Nom./Instr./3.Sg.Pass.)

brāhmaṇeṣv akṣayaṃ dānam annaṃ śūdre mahāphalam; annadānaṃ ca śūdre ca brāhmaṇe ca viśiṣyate

An Brahmanen ist die Gabe unvergänglich, Speise an einen Śūdra hat große Frucht; die Speisegabe an einen Śūdra und an einen Brahmanen ist [beide] vorzüglich.

Wort für Wort
brāhmaṇeṣv akṣayaṃ dānam
an Brahmanen ist die Gabe unvergänglich (Lok.Pl./Nom.Sg.n.)
annaṃ śūdre mahāphalam
Speise an einen Śūdra hat große Frucht (Nom./Lok./Nom.)
annadānaṃ ca śūdre ca
und die Speisegabe an einen Śūdra und (Nom./Lok.)
brāhmaṇe ca viśiṣyate
an einen Brahmanen ist vorzüglich (Lok./3.Sg.Pass.)

na pṛcched gotracaraṇaṃ svādhyāyaṃ deśam eva vā; bhikṣito brāhmaṇeneha janma vānnaṃ prayācitaḥ

Man soll nicht nach Geschlecht und Schule, nicht nach Vedastudium oder Herkunftsland fragen, wenn man von einem Brahmanen hier um Speise gebeten, ja darum angegangen wird; auch nicht nach [seiner] Geburt.

Wort für Wort
na pṛcched gotracaraṇam
man soll nicht fragen nach Geschlecht und Vedaschule (3.Sg.Opt./Akk.)
svādhyāyaṃ deśam eva vā
nach Vedastudium oder gar nach Herkunftsland (Akk./Akk./Part.)
bhikṣito brāhmaṇeneha
gebeten von einem Brahmanen hier (Part.Pass./Instr./Adv.)
janma vānnaṃ prayācitaḥ
oder [nach] Geburt; um Speise angegangen (Akk./Akk./Part.Pass.) [?]

Die Konstruktion von bhikṣito brāhmaṇeneha janma vānnaṃ prayācitaḥ ist syntaktisch hart (janma steht offenbar als weiteres Objekt der Nichtfrage, mit dem Satz verschränkt); die Wiedergabe folgt dem wahrscheinlichsten Sinn.

āśayābhyāgataṃ vipraṃ bhojanārtham upasthitam

einen aus Hoffnung herbeigekommenen Brahmanen [?], der um der Speise willen dasteht.

Wort für Wort
āśayābhyāgatam
aus Erwartung herbeigekommen [?] (Instr.Sg.f. + Part.Pass., Akk.)
vipraṃ
den Brahmanen (Akk.Sg.)
bhojanārtham upasthitam
um der Speise willen dastehend, herangetreten (Adv./Part.Pass.Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; āśayābhyāgatam ist unklar (āśayā „in der Hoffnung/Erwartung“ oder āśaya „Neigung“), der Halbvers hängt syntaktisch an der vorangehenden Zeile.

annadasyānnavṛkṣāś ca sarvakāmaphalānvitāḥ; bhavantīhātha vāmutra nṛpate nātra saṃśayaḥ

Dem Speisespender wachsen Speisebäume, versehen mit den Früchten aller Wünsche, sowohl hier als auch im Jenseits, Herrscher; daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
annadasyānnavṛkṣāś ca
dem Speisegeber [gehören] Speisebäume (Gen./Nom.Pl.)
sarvakāmaphalānvitāḥ
mit den Früchten aller Wünsche versehen (Nom.Pl.)
bhavantīhātha vāmutra
sie werden hier oder im Jenseits (3.Pl.Präs./Adv.)
nṛpate nātra saṃśayaḥ
Herrscher (Vok.), hierin ist kein Zweifel (Nom.)

āśaṃsante hi pitaraḥ suvṛṣṭim iva karṣakāḥ; asmākam api putro vā pautro vānnaṃ pradāsyati

Die Ahnen erhoffen [sich das] wie die Bauern guten Regen: „Auch von uns wird ein Sohn oder Enkel Speise darbringen.“

Wort für Wort
āśaṃsante hi pitaraḥ
es erhoffen ja die Ahnen (3.Pl.Präs.Med./Nom.)
suvṛṣṭim iva karṣakāḥ
wie guten Regen die Bauern (Akk./Nom.Pl.)
asmākam api putro vā
auch von uns ein Sohn oder (Gen.Pl./Nom.)
pautro vānnaṃ pradāsyati
ein Enkel wird Speise darbringen (Nom./Akk./3.Sg.Fut.)

brāhmaṇo hi mahad bhūtaṃ svayaṃ dehīti yācate; akāmo vā sakāmo vā dattvā puṇyam avāpnuyāt

Denn ein Brahmane ist ein großes Wesen; wenn er selbst mit „Gib!“ bittet, dann erlangt man, ob ungern oder gern gegeben habend, Verdienst.

Wort für Wort
brāhmaṇo hi mahad bhūtam
denn ein Brahmane [ist] ein großes Wesen (Nom./Nom.Sg.n.)
svayaṃ dehīti yācate
selbst „gib“ so bittet er (Adv./Imp./3.Sg.Präs.Med.)
akāmo vā sakāmo vā
ungern oder gern (Nom.)
dattvā puṇyam avāpnuyāt
gegeben habend, würde man Verdienst erlangen (Abs./Akk./3.Sg.Opt.)

brāhmaṇaḥ sarvabhūtānām atithiḥ prasṛtāgrabhuk; viprā yam abhigacchanti bhikṣamāṇā gṛhaṃ sadā

Der Brahmane ist der Gast aller Wesen und isst als Erster von dem Dargebotenen; [er ist es,] zu dessen Haus die Brahmanen stets bettelnd hinkommen.

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ sarvabhūtānām
der Brahmane ist für alle Wesen (Nom./Gen.Pl.)
atithiḥ prasṛtāgrabhuk
Gast, der zuerst vom Dargebotenen isst [?] (Nom./Nom.)
viprā yam abhigacchanti
zu wem hingehen die Brahmanen (Nom.Pl./Akk.Rel./3.Pl.Präs.)
bhikṣamāṇā gṛhaṃ sadā
bettelnd, zum Haus, stets (Part.Nom.Pl./Akk./Adv.)

Die Zeile prasṛtāgrabhuk ist unsicher gedeutet ("der von dem Dargereichten zuerst isst"); der Relativsatz ist ohne klaren Bezugspunkt verkürzt.

satkṛtāś ca nivartante tad atīva pravardhate; mahābhoge kule janma pretya prāpnoti bhārata

Und geehrt kehren sie zurück; das lässt [den Geber] überaus gedeihen. Nach dem Tod erlangt er Geburt in einer Familie von großem Wohlstand, Bhārata.

Wort für Wort
satkṛtāś ca nivartante
und geehrt kehren sie zurück (Part.Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
tad atīva pravardhate
das lässt [ihn] sehr gedeihen (Nom./Adv./3.Sg.Präs.)
mahābhoge kule janma
in einer Familie großen Wohlstands Geburt (Lok./Akk.)
pretya prāpnoti bhārata
nach dem Tod erlangt er, Bhārata (Abs./3.Sg.Präs./Vok.)

dattvā tv annaṃ naro loke tathā sthānam anuttamam; mṛṣṭamṛṣṭānnadāyī tu svarge vasati satkṛtaḥ

Wer aber in der Welt Speise gegeben hat, [erlangt] ebenso eine unübertreffliche Stätte; der Geber stets erlesener Speise weilt im Himmel, geehrt.

Wort für Wort
dattvā tv annaṃ naro loke
gegeben habend aber Speise, der Mann in der Welt (Abs./Akk./Nom./Lok.)
tathā sthānam anuttamam
ebenso eine unübertreffliche Stätte (Adv./Akk.)
mṛṣṭamṛṣṭānnadāyī tu
aber der Geber jeweils erlesener Speise (Nom.Sg.)
svarge vasati satkṛtaḥ
im Himmel weilt geehrt (Lok./3.Sg.Präs./Part.Nom.)

Der erste Halbvers ist elliptisch (Verb fehlt); „erlangt“ ist ergänzt.

annaṃ prāṇā narāṇāṃ hi sarvam anne pratiṣṭhitam; annadaḥ paśumān putrī dhanavān bhogavān api

Speise ist der Lebenshauch der Menschen, alles ist in der Speise gegründet. Der Speisespender ist reich an Vieh und Söhnen, wohlhabend und im Genuss stehend.

Wort für Wort
annaṃ prāṇā narāṇāṃ hi
Speise ist der Lebenshauch der Menschen (Nom./Nom.Pl./Gen.Pl.)
sarvam anne pratiṣṭhitam
alles ist in der Speise gegründet (Nom./Lok./Part.)
annadaḥ paśumān putrī
der Speisegeber [ist] Viehbesitzer, Sohnesvater (Nom.)
dhanavān bhogavān api
reich, genussreich auch (Nom./Part.)

prāṇavāṃś cāpi bhavati rūpavāṃś ca tathā nṛpa; annadaḥ prāṇado loke sarvadaḥ procyate tu saḥ

Und lebenskräftig wird er auch und schön, o Herrscher; wer Speise gibt, wer Leben gibt in der Welt, der wird „Allgeber“ genannt.

Wort für Wort
prāṇavān ca api bhavati
und auch lebenskräftig wird er (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)
rūpavān ca tathā nṛpa
und schön ebenso, o Fürst (Nom.Sg.m.; Vok.Sg.)
annadaḥ prāṇadaḥ loke
der Speisengeber, der Lebensgeber in der Welt (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
sarvadaḥ procyate tu saḥ
Allgeber wird genannt, fürwahr, er (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.Präs.)

annaṃ hi dattvātithaye brāhmaṇāya yathāvidhi; pradātā sukham āpnoti devaiś cāpy abhipūjyate

Denn wer einem Gast, einem Brahmanen, Speise nach der Vorschrift gegeben hat, der Geber erlangt Glück und wird auch von den Göttern verehrt.

Wort für Wort
annaṃ hi dattvā
denn Speise gegeben habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
atithaye brāhmaṇāya yathāvidhi
dem Gast, dem Brahmanen, vorschriftsgemäß (Dat.Sg.; Adv.)
pradātā sukham āpnoti
der Geber Glück erlangt (Nom.Sg.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
devaiḥ ca api abhipūjyate
und auch von Göttern wird er verehrt (Instr.Pl.; 3.Sg.Pass.)

brāhmaṇo hi mahad bhūtaṃ kṣetraṃ carati pādavat; upyate tatra yad bījaṃ tad dhi puṇyaphalaṃ mahat

Denn der Brahmane ist ein großes Wesen, ein Feld, das umherwandert, gleichsam auf Füßen; was dort als Same gesät wird, das ist ja die große Frucht des Verdienstes.

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ hi mahat bhūtam
der Brahmane ist ja ein großes Wesen (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
kṣetraṃ carati pādavat
ein Feld, das wandert, mit Füßen versehen gleichsam (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
upyate tatra yat bījam
gesät wird dort, was an Same (3.Sg.Pass.; Adv.; Nom.Sg.n.)
tat hi puṇyaphalaṃ mahat
das ist ja Verdienstfrucht, groß (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)

pratyakṣaṃ prītijananaṃ bhoktṛdātror bhavaty uta; sarvāṇy anyāni dānāni parokṣaphalavanty uta

Sichtbar erzeugt es Freude bei Essendem und Gebendem beiden; alle anderen Gaben dagegen haben ihre Frucht im Unsichtbaren.

Wort für Wort
pratyakṣam prītijananam
sichtbar Freude erzeugend (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
bhoktṛdātroḥ bhavati uta
bei Genießendem und Gebendem ist es fürwahr (Lok./Gen.Du.; 3.Sg.Präs.)
sarvāṇi anyāni dānāni
alle anderen Gaben (Nom.Pl.n.)
parokṣaphalavanti uta
deren Frucht unsichtbar ist, fürwahr (Nom.Pl.n.)

annād dhi prasavaṃ viddhi ratim annād dhi bhārata; dharmārthāv annato viddhi roganāśaṃ tathānnataḥ

Aus Speise, wisse, entsteht Nachkommenschaft, aus Speise, o Bhārata, Liebesfreude; Dharma und Nutzen wisse aus Speise, ebenso die Beseitigung von Krankheit aus Speise.

Wort für Wort
annāt hi prasavaṃ viddhi
aus Speise ja Zeugung wisse (Abl.Sg.; Akk.Sg.; Imp.2.Sg.)
ratim annāt hi bhārata
Liebeslust aus Speise ja, o Bhārata (Akk.Sg.; Abl.; Vok.)
dharmārthau annataḥ viddhi
Dharma und Nutzen aus Speise wisse (Akk.Du.; Adv.; Imp.)
roganāśaṃ tathā annataḥ
Krankheitsvernichtung ebenso aus Speise (Akk.Sg.m.; Adv.)

annaṃ hy amṛtam ity āha purākalpe prajāpatiḥ; annaṃ bhuvaṃ divaṃ khaṃ ca sarvam anne pratiṣṭhitam

Speise ist Unsterblichkeitstrank, sagte in der Urzeit der Herr der Geschöpfe, Prajāpati; Speise ist Erde, Himmel und Raum, alles ist in der Speise gegründet.

Wort für Wort
annaṃ hi amṛtam iti āha
Speise ist ja Unsterblichkeit, so sprach (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.; 3.Sg.Perf.)
purākalpe prajāpatiḥ
in der Urzeit Prajāpati (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
annaṃ bhuvaṃ divaṃ khaṃ ca
Speise ist Erde, Himmel und Luftraum (Nom.; Akk.Sg. als Prädikat)
sarvam anne pratiṣṭhitam
alles in der Speise gegründet (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.; PPP)

annapraṇāśe bhidyante śarīre pañca dhātavaḥ; balaṃ balavato 'pīha praṇaśyaty annahānitaḥ

Beim Schwinden der Speise zerfallen im Körper die fünf Grundstoffe; auch die Kraft eines Kräftigen geht hier zugrunde durch Mangel an Speise.

Wort für Wort
annapraṇāśe bhidyante
beim Verlust der Speise zerfallen (Lok.Sg.; 3.Pl.Pass.Präs.)
śarīre pañca dhātavaḥ
im Körper die fünf Grundstoffe (Lok.Sg.; Nom.Pl.)
balaṃ balavataḥ api iha
die Kraft auch eines Kräftigen hier (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
praṇaśyati annahānitaḥ
geht zugrunde infolge Speiseverlusts (3.Sg.Präs.; Abl.)

Die „fünf Grundstoffe“ des Körpers sind nicht näher bestimmt.

āvāhāś ca vivāhāś ca yajñāś cānnam ṛte tathā; na vartante naraśreṣṭha brahma cātra pralīyate

Hochzeitszüge und Vermählungen und Opfer bestehen ohne Speise nicht, o Bester der Männer; und die Brahman-Kraft [oder: der Veda] geht hierbei unter.

Wort für Wort
āvāhāḥ ca vivāhāḥ ca
Heimführungen und Vermählungen (Nom.Pl.m.)
yajñāḥ ca annam ṛte tathā
und Opfer ohne Speise ebenso (Nom.Pl.; Akk.; Präp.)
na vartante naraśreṣṭha
bestehen nicht, o Bester der Männer (3.Pl.Präs.Med.; Vok.)
brahma ca atra pralīyate
und das Brahman hierbei vergeht (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Pass.)

brahma: Veda bzw. Brahman-Kraft, mehrdeutig.

annataḥ sarvam etad dhi yat kiṃ cit sthāṇu jaṅgamam; triṣu lokeṣu dharmārtham annaṃ deyam ato budhaiḥ

Aus Speise ist ja dies alles, was es an Unbeweglichem und Beweglichem gibt; in den drei Welten soll darum von den Weisen Speise um des Dharma willen gegeben werden.

Wort für Wort
annataḥ sarvam etat hi
aus Speise alles dies ja (Abl.; Nom.Sg.n.)
yat kiṃcit sthāṇu jaṅgamam
was immer Feststehendes, Bewegliches (Nom.Sg.n.)
triṣu lokeṣu dharmārtham
in den drei Welten um des Dharma willen (Lok.Pl.; Adv.)
annaṃ deyam ataḥ budhaiḥ
Speise ist zu geben, deshalb, von Weisen (Nom.Sg.n.; Gerundiv; Instr.Pl.)

annadasya manuṣyasya balam ojo yaśaḥ sukham; kīrtiś ca vardhate śaśvat triṣu lokeṣu pārthiva

Dem Speisengeber, dem Menschen, wachsen Kraft, Stärke, Ruhm und Glück, und Ruhm wächst beständig in den drei Welten, o Fürst.

Wort für Wort
annadasya manuṣyasya
des Speisengebers, des Menschen (Gen.Sg.)
balam ojaḥ yaśaḥ sukham
Kraft, Stärke, Ruhm, Glück (Nom.Sg.n.)
kīrtiḥ ca vardhate śaśvat
und Ruhm wächst beständig (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Adv.)
triṣu lokeṣu pārthiva
in den drei Welten, o Fürst (Lok.Pl.; Vok.)

megheṣv ambhaḥ saṃnidhatte prāṇānāṃ pavanaḥ śivaḥ; tac ca meghagataṃ vāri śakro varṣati bhārata

In den Wolken birgt der Wind, der für die Lebenshauche heilsam ist, das Wasser; und dieses in die Wolke gelangte Wasser lässt Śakra regnen, o Bhārata.

Wort für Wort
megheṣu ambhaḥ saṃnidhatte
in den Wolken das Wasser legt nieder (Lok.Pl.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
prāṇānām pavanaḥ śivaḥ
für die Lebenshauche der Wind, heilsam (Gen.Pl.; Nom.Sg.; Nom.Sg.)
tat ca meghagatam vāri
und dieses in die Wolke gegangene Wasser (Akk.Sg.n.)
śakraḥ varṣati bhārata
Śakra lässt regnen, o Bhārata (Nom.; 3.Sg.Präs.; Vok.)

ādatte ca rasaṃ bhaumam ādityaḥ svagabhastibhiḥ; vāyur ādityatas tāṃś ca rasān devaḥ prajāpatiḥ

Und die Sonne nimmt mit ihren eigenen Strahlen den irdischen Saft auf; der Wind [nimmt] von der Sonne diese Säfte, und [dann] der Gott Prajāpati.

Wort für Wort
ādatte ca rasaṃ bhaumam
und nimmt auf den irdischen Saft (3.Sg.Präs.Med.; Akk.Sg.m.; Akk.Sg.m.)
ādityaḥ svagabhastibhiḥ
die Sonne mit eigenen Strahlen (Nom.; Instr.Pl.)
vāyuḥ ādityataḥ tān ca rasān
der Wind von der Sonne, und diese Säfte (Nom.; Abl.; Akk.Pl.)
devaḥ prajāpatiḥ
der Gott Prajāpati (Nom.Sg.)

Der Vers ist elliptisch; das Verb zu vāyuḥ und devaḥ prajāpatiḥ ist zu ergänzen (etwa „nimmt“ bzw. „lässt regnen“), die Zuordnung ist unsicher.

tad yadā meghato vāri patitaṃ bhavati kṣitau; tadā vasumatī devī snigdhā bhavati bhārata

Wenn dann das Wasser aus der Wolke auf die Erde gefallen ist, wird die Göttin Erde, die Gütige, feucht, o Bhārata.

Wort für Wort
tat yadā meghataḥ vāri
wenn dann aus der Wolke das Wasser (Adv.; Abl.; Nom.Sg.n.)
patitaṃ bhavati kṣitau
gefallen ist es auf die Erde (PPP; 3.Sg.Präs.; Lok.Sg.)
tadā vasumatī devī
dann die Erde, die Göttin (Nom.Sg.f.)
snigdhā bhavati bhārata
feucht/erquickt wird, o Bhārata (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.; Vok.)

tataḥ sasyāni rohanti yena vartayate jagat; māṃsamedosthiśukrāṇāṃ prādurbhāvas tataḥ punaḥ

Danach sprießen die Pflanzen, von denen die Welt lebt; und aus diesen entstehen wiederum Fleisch, Fett, Knochen und Samen.

Wort für Wort
tataḥ sasyāni rohanti
danach Feldfrüchte sprießen (Adv.; Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.)
yena vartayate jagat
wodurch sich erhält die Welt (Instr.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Kaus.; Nom.Sg.n.)
māṃsamedosthiśukrāṇām
von Fleisch, Fett, Knochen, Samen (Gen.Pl.)
prādurbhāvaḥ tataḥ punaḥ
das Entstehen daraus wiederum (Nom.Sg.m.; Adv.; Adv.)

saṃbhavanti tataḥ śukrāt prāṇinaḥ pṛthivīpate; agnīṣomau hi tac chukraṃ prajanaḥ puṣyataś ca ha

Aus dem Samen entstehen dann die Lebewesen, o Herr der Erde; Agni und Soma sind ja dieser Same, und sie fördern die Zeugung.

Wort für Wort
saṃbhavanti tataḥ śukrāt
entstehen dann aus dem Samen (3.Pl.Präs.; Adv.; Abl.Sg.)
prāṇinaḥ pṛthivīpate
die Lebewesen, o Herr der Erde (Nom.Pl.; Vok.)
agnīṣomau hi tat śukram
Agni und Soma sind ja dieser Same (Nom.Du.; Nom.Sg.n.)
prajanaḥ puṣyataḥ ca ha
die Zeugung fördern sie beide fürwahr (Akk.Sg.; Part.Präs.Nom.Du.)

Die Wiedergabe von prajanaḥ puṣyataś ca ha ist unsicher.

evam annaṃ ca sūryaś ca pavanaḥ śukram eva ca; eka eva smṛto rāśir yato bhūtāni jajñire

So sind Speise und Sonne und Wind und Same nur eine einzige Gesamtheit, wird überliefert, aus der die Wesen entstanden sind.

Wort für Wort
evam annaṃ ca sūryaḥ ca
so Speise und Sonne (Adv.; Nom.Sg.n.; Nom.Sg.m.)
pavanaḥ śukram eva ca
Wind und Same eben (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
ekaḥ eva smṛtaḥ rāśiḥ
ein einziger gilt als Haufe/Gesamtheit (Nom.Sg.m.; PPP)
yataḥ bhūtāni jajñire
woraus die Wesen entstanden (Abl.; Nom.Pl.n.; 3.Pl.Perf.Med.)

prāṇān dadāti bhūtānāṃ tejaś ca bharatarṣabha; gṛham abhyāgatāyāśu yo dadyād annam arthine

Lebenskräfte gibt er den Wesen und Glanz, o Stier der Bharata, wer dem Hausgekommenen rasch Speise gibt, dem Bittenden.

Wort für Wort
prāṇān dadāti bhūtānām
Lebenshauche gibt er den Wesen (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.; Gen.Pl.)
tejaḥ ca bharatarṣabha
und Glanz, o Stier der Bharata (Akk.Sg.n.; Vok.)
gṛham abhyāgatāya āśu
dem ins Haus Gekommenen rasch (Akk.Sg.n.; Dat.Sg.m.; Adv.)
yaḥ dadyāt annam arthine
wer gäbe Speise dem Bittenden (Nom.; 3.Sg.Opt.; Akk.; Dat.Sg.)

bhīṣma uvāca; nāradenaivam ukto 'ham adām annaṃ sadā nṛpa; anasūyus tvam apy annaṃ tasmād dehi gatajvaraḥ

Bhīṣma sprach: Von Nārada so belehrt, gab ich immer Speise, o Herrscher; auch du sei neidlos und gib Speise, darum, frei von Fieber [der Sorge].

Wort für Wort
bhīṣmaḥ uvāca
Bhīṣma sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
nāradena evam uktaḥ aham
von Nārada so angesprochen, ich (Instr.; Adv.; PPP; Nom.)
adām annaṃ sadā nṛpa
gab Speise stets, o Fürst (1.Sg.Impf.; Akk.; Adv.; Vok.)
anasūyuḥ tvam api annaṃ
du auch, neidlos, Speise (Nom.Sg.m.; Nom.; Akk.)
tasmāt dehi gatajvaraḥ
darum gib, [mit] gewichenem Fieber (Adv.; Imp.2.Sg.; Nom.Sg.m.)

dattvānnaṃ vidhivad rājan viprebhyas tvam api prabho; yathāvad anurūpebhyas tataḥ svargam avāpsyasi

Nachdem du Speise regelgerecht gegeben hast, o König, auch du, Herr, an Brahmanen, die es angemessen verdienen, wirst du danach den Himmel erlangen.

Wort für Wort
dattvā annaṃ vidhivat rājan
gegeben habend Speise regelgerecht, o König (Abs.; Akk.; Adv.; Vok.)
viprebhyaḥ tvam api prabho
an Brahmanen, du auch, o Herr (Dat.Pl.; Nom.; Vok.)
yathāvat anurūpebhyaḥ
wie es sich gehört, den Geeigneten (Adv.; Dat.Pl.)
tataḥ svargam avāpsyasi
danach den Himmel wirst du erlangen (Adv.; Akk.; 2.Sg.Fut.)

annadānāṃ hi ye lokās tāṃs tvaṃ śṛṇu narādhipa; bhavanāni prakāśante divi teṣāṃ mahātmanām; nānāsaṃsthānarūpāṇi nānāstambhānvitāni ca

Die Welten derer, die Speise geben, die höre, o Herrscher der Menschen: Am Himmel leuchten die Paläste dieser Hochgesinnten, von mannigfacher Gestalt und Form, mit mannigfachen Säulen versehen.

Wort für Wort
annadānām hi ye lokāḥ
der Speisengeber Welten, die (Gen.Pl.; Nom.Pl.m.)
tān tvaṃ śṛṇu narādhipa
diese höre du, o Herr der Menschen (Akk.Pl.; Imp.2.Sg.; Vok.)
bhavanāni prakāśante divi
Paläste leuchten am Himmel (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.Med.; Lok.)
teṣām mahātmanām
dieser Hochgesinnten (Gen.Pl.)
nānāsaṃsthānarūpāṇi
von mannigfacher Gestalt und Form (Nom.Pl.n.)
nānāstambhānvitāni ca
und mit mannigfachen Säulen versehen (Nom.Pl.n.)

candramaṇḍalaśubhrāṇi kiṅkiṇījālavanti ca; taruṇādityavarṇāni sthāvarāṇi carāṇi ca

Sie sind mondscheibengleich strahlend und mit Glöckchennetzen behangen, von der Farbe der jungen Sonne, feststehend und beweglich.

Wort für Wort
candramaṇḍalaśubhrāṇi
strahlend wie die Mondscheibe (Nom.Pl.n.)
kiṅkiṇījālavanti ca
und mit Glöckchennetzen (Nom.Pl.n.)
taruṇādityavarṇāni
von der Farbe der jungen Sonne (Nom.Pl.n.)
sthāvarāṇi carāṇi ca
unbeweglich und beweglich (Nom.Pl.n.)

anekaśatabhaumāni sāntarjalavanāni ca; vaiḍūryārkaprakāśāni raupyarukmamayāni ca

Mit vielen hundert Stockwerken und mit Wasser und Wäldern in ihrem Inneren, im Glanz von Beryll und Sonne, und aus Silber und Gold gemacht.

Wort für Wort
anekaśatabhaumāni
mit vielen hundert Stockwerken (Nom.Pl.n.)
sa antar jalavanāni ca
und mit Wasser und Wäldern im Innern (Nom.Pl.n.)
vaiḍūryārkaprakāśāni
glänzend wie Beryll und Sonne (Nom.Pl.n.)
raupyarukmamayāni ca
und aus Silber und Gold bestehend (Nom.Pl.n.)

sāntarjalavanāni: wörtlich „samt Innenwasser und -wäldern“.

sarvakāmaphalāś cāpi vṛkṣā bhavanasaṃsthitāḥ; vāpyo vīthyaḥ sabhāḥ kūpā dīrghikāś caiva sarvaśaḥ

Und Bäume, die alle Wünsche als Früchte tragen, stehen bei den Palästen; Teiche, Straßen, Versammlungshallen, Brunnen und lange Weiher überall.

Wort für Wort
sarvakāmaphalāḥ ca api vṛkṣāḥ
und auch alle Wünsche als Früchte habende Bäume (Nom.Pl.m.)
bhavanasaṃsthitāḥ
bei den Palästen befindlich (Nom.Pl.m.)
vāpyaḥ vīthyaḥ sabhāḥ
Teiche, Straßen, Hallen (Nom.Pl.f.)
kūpāḥ dīrghikāḥ ca eva sarvaśaḥ
Brunnen und lange Weiher überall (Nom.Pl.; Adv.)

ghoṣavanti ca yānāni yuktāny atha sahasraśaḥ; bhakṣyabhojyamayāḥ śailā vāsāṃsy ābharaṇāni ca

Und tausendfach gibt es angeschirrte, lärmende Wagen; Berge aus Esswaren und Speisen, Gewänder und Schmuck.

Wort für Wort
ghoṣavanti ca yānāni
und tönende Fahrzeuge (Nom.Pl.n.)
yuktāni atha sahasraśaḥ
angeschirrt, ferner zu Tausenden (PPP Nom.Pl.n.; Adv.)
bhakṣyabhojyamayāḥ śailāḥ
aus Nahrung und Speisen bestehende Berge (Nom.Pl.m.)
vāsāṃsi ābharaṇāni ca
Gewänder und Schmuckstücke (Nom.Pl.n.)

kṣīraṃ sravantyaḥ saritas tathā caivānnaparvatāḥ; prāsādāḥ pāṇḍurābhrābhāḥ śayyāś ca kanakojjvalāḥ; tān annadāḥ prapadyante tasmād annaprado bhava

Milch strömende Flüsse und ebenso Speiseberge, Paläste, weißen Wolken gleich, und von Gold glänzende Lager: Diese erlangen die Speisengeber; darum sei ein Speisengeber.

Wort für Wort
kṣīraṃ sravantyaḥ saritaḥ
Milch fließende Flüsse (Akk.Sg.n.; Part.Nom.Pl.f.; Nom.Pl.f.)
tathā ca eva annaparvatāḥ
und ebenso Speiseberge (Adv.; Nom.Pl.m.)
prāsādāḥ pāṇḍurābhrābhāḥ
Paläste, weißen Wolken gleich (Nom.Pl.m.)
śayyāḥ ca kanakojjvalāḥ
und Lager, golden glänzend (Nom.Pl.f.)
tān annadāḥ prapadyante
diese erreichen die Speisengeber (Akk.Pl.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
tasmāt annapradaḥ bhava
darum sei ein Speisengeber (Adv.; Nom.Sg.; Imp.2.Sg.)

ete lokāḥ puṇyakṛtām annadānāṃ mahātmanām; tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātavyaṃ mānavair bhuvi

Dies sind die Welten der Verdienstvollen, der hochgesinnten Speisengeber; darum soll von den Menschen auf Erden ganz besonders Speise gegeben werden.

Wort für Wort
ete lokāḥ puṇyakṛtām
dies sind die Welten der Verdienstwirkenden (Nom.Pl.m.; Gen.Pl.)
annadānām mahātmanām
der Speisengeber, der Hochgesinnten (Gen.Pl.)
tasmāt annaṃ viśeṣeṇa
darum Speise besonders (Adv.; Akk.; Instr.Adv.)
dātavyaṃ mānavaiḥ bhuvi
ist zu geben von Menschen auf Erden (Gerundiv; Instr.Pl.; Lok.Sg.)

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