Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 150: bahulāvyāghrasaṃvādaḥ Von Zeit und Dharma; das Gespräch der Kuh Bahulā mit dem Tiger über die Wahrheit

Das Kapitel beginnt mit Bhīṣmas Lehre über Zeit (kāla), Dharma und Vertrauen. Die weit überwiegend nur in einem Teil der Handschriften überlieferte Zusatzpassage erzählt die Legende von der wahrhaftigen Kuh Bahulā und dem Tiger, die den Wert der Wahrheit (satya) und der Gewaltlosigkeit (ahiṃsā) preist und mit Lohnverheißungen für Hörer und Leser schließt.

bhīṣma uvāca; kāryate yac ca kriyate sac cāsac ca kṛtaṃ tataḥ; tatrāśvasīta satkṛtvā asatkṛtvā na viśvaset

Bhīṣma sprach: Was [durch die Zeit] veranlasst wird und was getan wird, und das danach Getane, Gutes wie Schlechtes: darauf möge man Vertrauen fassen, wenn man Gutes getan hat; wenn man Schlechtes getan hat, soll man nicht vertrauen.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
kāryate yac ca kriyate
was veranlasst wird und was getan wird (Pass.Kaus./Pass.)
sac cāsac ca kṛtaṃ tataḥ
und das danach Getane, Gutes und Schlechtes (Nom.Sg.n.)
tatrāśvasīta satkṛtvā
darauf möge man Vertrauen fassen, nachdem man Gutes getan hat (Opt.Med.; Abs.)
asatkṛtvā na viśvaset
nachdem man Schlechtes getan hat, soll man nicht vertrauen (Abs.; Opt.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch offen; Subjekt und Bezug von „kāryate“ sind nicht ausdrücklich genannt.

kāla evātra kālena nigrahānugrahau dadat; buddhim āviśya bhūtānāṃ dharmārtheṣu pravartate

Allein die Zeit, hier durch die Zeit Zügelung und Gunst gewährend, geht in die Einsicht der Wesen ein und setzt sie bei Dharma und Nutzen in Bewegung.

Wort für Wort
kāla evātra kālena
die Zeit allein, hier, durch [die] Zeit (Nom.; Instr.)
nigrahānugrahau dadat
Zügelung und Gunst gewährend (Akk.Du.; Part.Präs.)
buddhim āviśya bhūtānām
in die Einsicht der Wesen eingegangen (Abs.; Gen.Pl.)
dharmārtheṣu pravartate
bei Dharma und Nutzen wirkt sie/setzt sie in Gang (Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)

yadā tv asya bhaved buddhir dharmyā cārthapradarśinī; tadāśvasīta dharmātmādṛḍhabuddhir na viśvaset

Wenn aber dessen Einsicht dharmagemäß ist und den Nutzen aufzeigt, dann möge der Dharma-Gesinnte Vertrauen fassen; wer keine feste Einsicht hat, soll nicht vertrauen.

Wort für Wort
yadā tv asya bhaved buddhir
wenn aber dessen Einsicht sei (Opt.)
dharmyā cārthapradarśinī
dharmagemäß und den Nutzen zeigend (Nom.Sg.f.)
tadāśvasīta dharmātmā
dann möge der Dharma-Gesinnte Vertrauen fassen (Opt.; Nom.Sg.m.)
adṛḍhabuddhir na viśvaset
wer keine feste Einsicht hat, soll nicht vertrauen (Bahuvrīhi; Opt.)

etāvan mātram etad dhi bhūtānāṃ prājñalakṣaṇam; kālayukto 'py ubhayavic cheṣam arthaṃ samācaret

Nur so viel ist bei den Wesen das Merkmal des Weisen: Auch wenn er mit der Zeit verbunden ist, soll der, der beides kennt, den übrigen Zweck ausführen.

Wort für Wort
etāvan mātram etad dhi
nur so viel ist dies nämlich (Nom.Sg.n.)
bhūtānāṃ prājñalakṣaṇam
das Merkmal des Weisen unter den Wesen (Gen.Pl.; Tatpuruṣa)
kālayukto 'py
auch wenn er mit der Zeit verbunden ist (Nom.Sg.m.)
ubhayavic cheṣam arthaṃ samācaret
der Kenner beider [?] soll den übrigen Zweck ausführen (Nom.; Akk.; Opt.)

Der zweite Halbvers ist unsicher; „ubhayavid“ (Kenner beider [Dharma und Nutzen]) und „śeṣam artham“ (der übrige Zweck) bleiben unspezifisch.

yathā hy upasthitaiśvaryāḥ pūjayante narā narān; evam evātmanātmānaṃ pūjayantīha dhārmikāḥ

Wie nämlich Menschen, denen Herrschaft zuteilgeworden ist, [andere] Menschen ehren, ebenso ehren hier die Rechtschaffenen sich selbst durch sich selbst.

Wort für Wort
yathā hy upasthitaiśvaryāḥ
wie nämlich (solche), denen Herrschaft zuteilgeworden ist (Nom.Pl.m.)
pūjayante narā narān
Menschen ehren Menschen (3.Pl.Präs.Med.)
evam evātmanātmānaṃ
ebenso sich selbst durch sich selbst (Instr.; Akk.)
pūjayantīha dhārmikāḥ
ehren hier die Rechtschaffenen (Präs.; Nom.Pl.)

bhāvaśuddhis tu tapasā devatānāṃ ca pūjayā; sanātanena śuddhyā ca śrutadānajapair api

Reinheit der Gesinnung [entsteht] durch Askese und durch Verehrung der Götter, durch immerwährende Läuterung [?] und durch Überliefertes [Hören], Gabe und Murmelgebet.

Wort für Wort
bhāvaśuddhis tu tapasā
die Reinheit der Gesinnung aber durch Askese (Nom.Sg.f.; Instr.)
devatānāṃ ca pūjayā
und durch Verehrung der Götter (Gen.Pl.; Instr.)
sanātanena śuddhyā ca
und durch ewige Läuterung [?] (Instr.Sg.)
śrutadānajapair api
auch durch Gehörtes/Überliefertes, Gabe und Murmelgebet (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; ein Verb fehlt, „sanātanena śuddhyā“ ist unsicher.

na hy adharmatayā dharmaṃ dadyāt kālaḥ kathaṃ cana; tasmād viśuddham ātmānaṃ jānīyād dharmacāriṇam

Denn die Zeit würde den Dharma keinesfalls als Adharma verleihen; darum soll man sich selbst als rein und als im Dharma wandelnd erkennen.

Wort für Wort
na hy adharmatayā dharmaṃ
denn nicht als Adharma-Sein den Dharma (Instr.Sg.f.; Akk.)
dadyāt kālaḥ kathaṃ cana
würde die Zeit verleihen, keinesfalls (Opt.; Nom.)
tasmād viśuddham ātmānaṃ
darum sich selbst als rein (Abl.; Akk.Sg.m.)
jānīyād dharmacāriṇam
soll man erkennen als im Dharma Wandelnden (Opt.; Akk.Sg.m.)

spraṣṭum apy asamartho hi jvalantam iva pāvakam; adharmaḥ satato dharmaṃ kālena parirakṣitam

Unfähig ist nämlich der Adharma, den beständig von der Zeit behüteten Dharma auch nur zu berühren, gleichwie ein lodernd Feuer.

Wort für Wort
spraṣṭum apy asamartho hi
auch nur zu berühren unfähig nämlich (Inf.; Nom.Sg.m.)
jvalantam iva pāvakam
wie ein lodernd Feuer (Part.Präs.; Akk.Sg.m.)
adharmaḥ satato dharmaṃ
der Adharma den Dharma, beständig (Nom.; Akk.)
kālena parirakṣitam
von der Zeit behütet (Instr.; Part.Perf.Pass.)

kāryāv etau hi kālena dharmo hi vijayāvahaḥ; trayāṇām api lokānām ālokakaraṇo bhavet

Diese beiden sind von der Zeit hervorzubringen; der Dharma nämlich bringt Sieg; er möge für die drei Welten Licht schaffend sein.

Wort für Wort
kāryāv etau hi kālena
diese beiden sind nämlich durch die Zeit zu bewirken (Gerundiv Du.; Instr.)
dharmo hi vijayāvahaḥ
der Dharma nämlich Sieg bringend (Nom.Sg.m.)
trayāṇām api lokānām
auch für die drei Welten (Gen.Pl.)
ālokakaraṇo bhavet
möge Licht schaffend sein (Nom.Sg.m.; Opt.)

„kāryāv etau“ ist knapp; gemeint sind vermutlich Dharma und Adharma.

tatra kaś cin nayet prājño gṛhītvaiva kare naram; uhyamānaḥ sa dharmeṇa dharme bahubhayacchale

Da würde irgendein Weiser einen Menschen [gleichsam] an der Hand fassend führen; er, vom Dharma getragen, [gelangt] im Dharma, [der] viel Furcht und Trug [birgt] [?] ...

Wort für Wort
tatra kaś cin nayet prājño
da würde irgendein Weiser führen (Opt.; Nom.)
gṛhītvaiva kare naram
einen Menschen an der Hand nur fassend (Abs.; Lok.; Akk.)
uhyamānaḥ sa dharmeṇa
er, vom Dharma getragen (Part.Präs.Pass.; Instr.)
dharme bahubhayacchale
im Dharma, [der] viel Furcht [und] Trug [birgt] [?] (Lok.Sg.)

Der Vers ist syntaktisch unvollständig und wohl verderbt; die letzten Wörter „dharme bahubhayacchale“ sind unsicher (Lokativ, „im Dharma voller Furcht und Trug“). Der Satz wird in der Zusatzeinheit fortgesetzt.

prāpnuyāt param acyutam; viśvāsa eva kartavyo

[Er] würde das höchste Unvergängliche erreichen; Vertrauen allein ist zu fassen [?]

Wort für Wort
prāpnuyāt param acyutam
er würde das höchste Unvergängliche erreichen (Opt.; Akk.Sg.n.)
viśvāsa eva kartavyo
Vertrauen allein ist zu üben/fassen (Nom.Sg.m.; Gerundiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile, Bruchstück; ohne Zusammenhang überliefert (der Vers bricht ab).

yudhiṣṭhiraḥ; pitāmaha mahābāho sarvadharmabhṛtāṃ vara; satyārjavaguṇopetaṃ saumyaṃ dharmaṃ vadasva me; bhavataḥ śrotum icchāmi satyavākyam anuttamam; yat prāg bahulayā proktaṃ tan me tvaṃ vaktum arhasi; bhīṣmaḥ; saumya dharmaṃ pravakṣyāmi satyārjavasamanvitam; kāmarūpasya vyāghrasya dhenvā saṃvādam uttamam; māthure viṣaye ramye dhanadhānyasamanvite; nānājanapadākīrṇe yajñavāṭavibhūṣite; tatra sā nagarī ramyā yamunātīram āśritā; ardhacandrapratīkāśā vidvajjanavibhūṣitā; indrayaṣṭidhvajākīrṇā gopībhir upaśobhitā; bahudvijasamākīrṇā nānāpaṇyopaśobhitā; supramāṇā suramyā ca svātinakṣatranirmitā; prākārāṭṭapratolībhir durjayā parikhādibhiḥ; āmrātakakapitthaiś ca rājavṛkṣaiś ca śobhitā

Yudhiṣṭhira [sprach]: Großvater, Starkarmiger, Bester unter allen Dharma-Tragenden! Sprich mir von dem milden Dharma, der mit den Eigenschaften der Wahrhaftigkeit und Geradheit ausgestattet ist. Von dir möchte ich die unübertreffliche wahre Rede hören; was früher von Bahulā gesagt wurde, das solltest du mir erzählen. Bhīṣma [sprach]: Mildgesinnter, ich will den Dharma verkünden, der mit Wahrhaftigkeit und Geradheit verbunden ist: das vorzügliche Gespräch des Tigers, der seine Gestalt nach Belieben wählt, mit der Kuh. Im lieblichen Land der Māthura, reich an Besitz und Getreide, angefüllt mit vielen Landschaften, geschmückt mit Opferplätzen: dort [liegt] jene liebliche Stadt, die sich ans Ufer der Yamunā anlehnt, dem Halbmond gleichend, von gelehrten Leuten geziert, dicht besetzt mit Indra-Stangen und Bannern, von Hirtinnen verschönt, voll von vielen Zweimalgeborenen, mit mannigfachen Waren geschmückt, wohlgemessen und sehr lieblich, unter dem Sternbild Svāti erbaut, mit Wall, Türmen, Toren und Gräben schwer zu bezwingen, geschmückt mit Āmrātaka-, Kapittha- und Rājavṛkṣa-Bäumen.

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.)
pitāmaha mahābāho sarvadharmabhṛtāṃ vara
Großvater, Starkarmiger, Bester der Dharma-Tragenden (Vok.; Gen.Pl.)
satyārjavaguṇopetaṃ saumyaṃ dharmaṃ vadasva me
den milden, mit Wahrhaftigkeit und Geradheit ausgestatteten Dharma sprich mir (Akk.; Imp.Med.)
bhavataḥ śrotum icchāmi satyavākyam anuttamam
von dir möchte ich die unübertreffliche wahre Rede hören (Inf.; 1.Sg.Präs.)
yat prāg bahulayā proktaṃ tan me tvaṃ vaktum arhasi
was früher von Bahulā gesagt wurde, das solltest du mir sagen (Part.Perf.Pass.; Inf.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.)
saumya dharmaṃ pravakṣyāmi satyārjavasamanvitam
Mildgesinnter, ich werde den Dharma verkünden, verbunden mit Wahrhaftigkeit und Geradheit (Vok.; 1.Sg.Fut.)
kāmarūpasya vyāghrasya dhenvā saṃvādam uttamam
das vorzügliche Gespräch des Gestaltwandlers Tiger mit der Kuh (Gen.; Instr.; Akk.)
māthure viṣaye ramye dhanadhānyasamanvite
im lieblichen Māthura-Land, reich an Besitz und Getreide (Lok.Sg.)
nānājanapadākīrṇe yajñavāṭavibhūṣite
voll vieler Landschaften, von Opferplätzen geschmückt (Lok.Sg.)
tatra sā nagarī ramyā yamunātīram āśritā
dort jene liebliche Stadt, ans Ufer der Yamunā gelehnt (Nom.Sg.f.; Part.Perf.)
ardhacandrapratīkāśā vidvajjanavibhūṣitā
dem Halbmond gleichend, von gelehrten Leuten geschmückt (Nom.Sg.f.)
indrayaṣṭidhvajākīrṇā gopībhir upaśobhitā
voll von Indra-Stangen und Bannern, von Hirtinnen verschönt (Instr.Pl.)
bahudvijasamākīrṇā nānāpaṇyopaśobhitā
voll vieler Zweimalgeborener, mit mannigfachen Waren geschmückt (Nom.Sg.f.)
supramāṇā suramyā ca svātinakṣatranirmitā
wohlgemessen und sehr lieblich, unter dem Sternbild Svāti erbaut (Nom.Sg.f.; Part.Perf.Pass.)
prākārāṭṭapratolībhir durjayā parikhādibhiḥ
durch Wall, Türme, Tore, Gräben u. a. schwer zu bezwingen (Instr.Pl.)
āmrātakakapitthaiś ca rājavṛkṣaiś ca śobhitā
mit Āmrātaka-, Kapittha- und Rājavṛkṣa-Bäumen geschmückt (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Redeeinleitungen „yudhiṣṭhiraḥ“ und „bhīṣmaḥ“ stehen ohne Verb im Text. Diese Einheit ist ein Teilstück (p1) der langen Zusatzpassage.

devatāyatanair divyaiḥ kadalīkhaṇḍamaṇḍitā; haṃsamālāpratīkāśair dīpyate dhavalair gṛhaiḥ; panasair bakulais tālaiḥ priyālair nāgakesaraiḥ; karavīraiḥ karṇikāraiḥ pāṭalāśokacampakaiḥ; mallikākundajātībhiḥ kubjāhlādakuraṇṭakaiḥ; suvarṇaśvetayūthībhiḥ kiṃkirātotpalādibhiḥ; puṃnāgavṛkṣabakulair udyānair upaśobhitā; saṃpūrṇā dhanadhānyaiś ca godhanair upaśobhitā; vedādhyayanaghoṣaiś ca pavitrīkṛtamaṅgalā; vedīśṛṅgāṭakai ramyais trikacatvaraśobhitā; rāvaṇasyeva ratnāḍhyā laṅkā caiva mahāpurī; indraseno nṛpas tatra rājadharmasamanvitaḥ; dharme cābhirato nityaṃ devatātithipūjakaḥ; kṣatradharme rataḥ śrīmān prajāpatisamaḥ kṣitau; tena sā nagarī ramyā rājasiṃhena pālitā

Mit göttlichen Tempeln, mit Bananenhainen geschmückt, strahlt sie mit weißen Häusern, gleich Schwanenreihen; mit Jackfruchtbäumen, Bakulas, Palmyrapalmen, Priyālas, Nāgakesaras, mit Karavīras, Karṇikāras, Pāṭalas, Aśokas und Campakas, mit Mallikā-, Kunda- und Jātī-Jasmin, Kubja, Āhlāda und Kuraṇṭaka, mit goldenem und weißem Yūthī-Jasmin, Kiṃkirāta, Lotosblumen und anderem, mit Gärten voller Puṃnāga- und Bakulabäume ist sie geschmückt; erfüllt von Reichtum und Getreide, geziert mit Rinderbesitz; ihr Glück ist durch das Rezitieren des Veda geheiligt; mit lieblichen Altären, Dreiecksplätzen, Drei- und Vierwegen geschmückt; reich an Juwelen wie Rāvaṇas Großstadt Laṅkā. Dort [herrschte] König Indrasena, mit dem Königs-Dharma ausgestattet, stets im Dharma erfreut, ein Verehrer der Götter und Gäste, im Kṣatriya-Dharma ergeben, glanzvoll, auf Erden Prajāpati gleich; von ihm, dem Königslöwen, wurde jene liebliche Stadt beschützt.

Wort für Wort
devatāyatanair divyaiḥ kadalīkhaṇḍamaṇḍitā
mit göttlichen Tempeln, mit Bananenhainen geschmückt (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
haṃsamālāpratīkāśair dīpyate dhavalair gṛhaiḥ
mit weißen Häusern gleich Schwanenreihen strahlt sie (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.Pass.)
panasair bakulais tālaiḥ priyālair nāgakesaraiḥ
mit Jackfrucht-, Bakula-, Palmyra-, Priyāla-, Nāgakesara-Bäumen (Instr.Pl.)
karavīraiḥ karṇikāraiḥ pāṭalāśokacampakaiḥ
mit Karavīras, Karṇikāras, Pāṭalas, Aśokas, Campakas (Instr.Pl.)
mallikākundajātībhiḥ kubjāhlādakuraṇṭakaiḥ
mit Mallikā-, Kunda-, Jātī-Jasmin, Kubja, Āhlāda, Kuraṇṭaka (Instr.)
suvarṇaśvetayūthībhiḥ kiṃkirātotpalādibhiḥ
mit goldenem und weißem Yūthī, Kiṃkirāta, Lotos u. a. (Instr.)
puṃnāgavṛkṣabakulair udyānair upaśobhitā
mit Gärten voller Puṃnāga- und Bakulabäume geschmückt (Instr.Pl.)
saṃpūrṇā dhanadhānyaiś ca godhanair upaśobhitā
erfüllt von Reichtum und Getreide, mit Rinderbesitz geziert (Nom.Sg.f.)
vedādhyayanaghoṣaiś ca pavitrīkṛtamaṅgalā
durch Vedarezitation-Klänge, ihr Glück geheiligt (Bahuvrīhi)
vedīśṛṅgāṭakai ramyais trikacatvaraśobhitā
mit lieblichen Altären, Dreiecksplätzen, Drei- und Vierwegen geschmückt (Instr.Pl.)
rāvaṇasyeva ratnāḍhyā laṅkā caiva mahāpurī
reich an Juwelen wie Rāvaṇas Großstadt Laṅkā (Nom.Sg.f.)
indraseno nṛpas tatra rājadharmasamanvitaḥ
dort König Indrasena, mit Königs-Dharma ausgestattet (Nom.Sg.m.)
dharme cābhirato nityaṃ devatātithipūjakaḥ
und stets am Dharma erfreut, Verehrer von Göttern und Gästen
kṣatradharme rataḥ śrīmān prajāpatisamaḥ kṣitau
dem Kṣatriya-Dharma ergeben, glanzvoll, auf Erden Prajāpati gleich (Nom.; Lok.)
tena sā nagarī ramyā rājasiṃhena pālitā
von ihm, dem Königslöwen, wurde jene liebliche Stadt beschützt (Instr.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück (p2) der Zusatzpassage; einzelne Pflanzennamen (Kubja, Āhlāda, Kiṃkirāta) sind nur transliteriert.

nityotsavapramuditā śaṅkhavāditranāditā; susaṃgītavidagdhaiś ca prekṣaṇīyaiḥ samākulā; antarāpaṇavīthībhiḥ suvibhaktaiś catuṣpathaiḥ; dīrghikākūpavāpībhis taḍāgair upaśobhitā; sabhāprapāsamākīrṇā vivāhamakhasaṃkulā; purī candravatī nāma dṛṣṭā te yadi vā śrutā; tasyāṃ puryāṃ purā vṛttaṃ tattvaṃ śṛṇu yudhiṣṭhira; kasya cid dvijamukhyasya kalyāṇī dhenur uttamā; hṛṣṭapuṣṭā susaṃtuṣṭā bahulā nāma viśrutā; godhanasya ca sā mukhyā haṃsavarṇā ghaṭasravā; dīrghaghoṇā vibhaktāṅgī śreṣṭhalomatanutvacā; vistīrṇajaghanā divyā pīnaśroṇipayodharā; sarvalakṣaṇasaṃpannā sarvāvayavasundarī; nīlakaṇṭhā śubhagrīvā ghaṇṭālī madhurasvarā; sā ca yūthasya sarvasya cacārāgre sunirbhayā

Von beständigen Festen erfreut, von Muschel- und Musikklang erfüllt, dicht bevölkert von in Gesang und Musik Kundigen und von sehenswerten [Schauspielen]; mit Straßen zwischen den Marktständen und wohlgeteilten Vierwegen, mit langen Teichen, Brunnen, Stufenbrunnen und Weihern geschmückt; voll von Versammlungshallen und Trinkstellen, dicht von Hochzeits- und Opferfesten: die Stadt namens Candravatī, ob du sie gesehen oder von ihr gehört hast. Höre, Yudhiṣṭhira, was sich einst in dieser Stadt wirklich zutrug. Einem vorzüglichen Brahmanen gehörte eine glückverheißende, ausgezeichnete Kuh, fröhlich, wohlgenährt, sehr zufrieden, unter dem Namen Bahulā berühmt; und sie war die Erste seines Rinderbesitzes, schwanenfarbig, mit fließendem Milchtopf-Euter [?], langnasig, mit wohlgeteilten Gliedern, mit feinstem Haar und zarter Haut, breitem Hinterteil, göttlich, mit prallen Hüften und Eutern, mit allen guten Merkmalen ausgestattet, an allen Gliedern schön, blauhalsig, mit schönem Nacken, mit Glocken behängt, von sanfter Stimme; und sie zog an der Spitze der ganzen Herde völlig furchtlos umher.

Wort für Wort
nityotsavapramuditā śaṅkhavāditranāditā
von beständigen Festen erfreut, von Muschel- und Musikklang erfüllt (Nom.Sg.f.)
susaṃgītavidagdhaiś ca prekṣaṇīyaiḥ samākulā
dicht von in Gesang Kundigen und Sehenswertem [?] (Instr.Pl.)
antarāpaṇavīthībhiḥ suvibhaktaiś catuṣpathaiḥ
mit Straßen zwischen den Marktständen, wohlgeteilten Vierwegen (Instr.Pl.)
dīrghikākūpavāpībhis taḍāgair upaśobhitā
mit langen Teichen, Brunnen, Stufenbrunnen, Weihern geschmückt (Instr.Pl.)
sabhāprapāsamākīrṇā vivāhamakhasaṃkulā
voll von Versammlungshallen und Trinkstellen, dicht von Hochzeits- und Opferfesten
purī candravatī nāma dṛṣṭā te yadi vā śrutā
die Stadt namens Candravatī, ob von dir gesehen oder gehört (Instr.; Part.Perf.Pass.)
tasyāṃ puryāṃ purā vṛttaṃ tattvaṃ śṛṇu yudhiṣṭhira
was sich einst in dieser Stadt zutrug, höre in Wahrheit, Yudhiṣṭhira (Lok.; Part.Perf.; Imp.)
kasya cid dvijamukhyasya kalyāṇī dhenur uttamā
eines Brahmanen-Vorzüglichen glückverheißende, beste Kuh (Gen.; Nom.Sg.f.)
hṛṣṭapuṣṭā susaṃtuṣṭā bahulā nāma viśrutā
fröhlich, wohlgenährt, sehr zufrieden, Bahulā mit Namen berühmt (Nom.Sg.f.)
godhanasya ca sā mukhyā haṃsavarṇā ghaṭasravā
und sie, die Erste des Rinderbesitzes, schwanenfarbig, milchströmend [?]
dīrghaghoṇā vibhaktāṅgī śreṣṭhalomatanutvacā
langnasig, wohlgeteilt an Gliedern, mit feinstem Haar und zarter Haut
vistīrṇajaghanā divyā pīnaśroṇipayodharā
breit an Hinterteil, göttlich, mit prallen Hüften und Eutern
sarvalakṣaṇasaṃpannā sarvāvayavasundarī
mit allen guten Merkmalen ausgestattet, an allen Gliedern schön
nīlakaṇṭhā śubhagrīvā ghaṇṭālī madhurasvarā
blauhalsig, schönnackig, glockenbehängt, sanftstimmig
sā ca yūthasya sarvasya cacārāgre sunirbhayā
und sie zog an der Spitze der ganzen Herde völlig furchtlos umher (3.Sg.Perf.; Gen.; Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück (p3). „ghaṭasravā“ (etwa „deren Milch [wie] aus einem Krug fließt“) und „dīrghaghoṇā“ (langnasig) sind wörtlich wiedergegeben.

grāmadhānyaṃ carec channaṃ gatvaikaiva yathāsukham; sāndraṃ supuṣpitaṃ surabhi acchinnaṃ carate tṛṇam; rohito nāma tatrānyaḥ parvato yamunātaṭe; anekakandaradarīnirjharair upaśobhitaḥ; tasya pūrvottare bhāge ghore tṛṇasamākule; saṃkaṭe viṣame durge bhairave lomaharṣaṇe; mṛgasiṃhasamākīrṇe bahuśvāpadasevite; vallīvṛkṣādigahane śivāśataninādite; durge 'smin vasate raudraḥ kāmarūpī bhayaṃkaraḥ; dvīpī śoṇitamāṃsāśī mahādaṃṣṭro mahābalaḥ; mahāparvatasaṃkāśo meghagarjitanisvanaḥ; mahāguhādarīvaktras tīkṣṇadaṃṣṭro nakhāyudhaḥ; nandī nāma sa dharmātmā sa ca gopahite rataḥ; acchinnāgrais tṛṇair dīrghair godhanaṃ parirakṣati; tasya yūthaparibhraṣṭā bahulā tṛṇatṛṣṇayā

Sie mochte, ganz allein gegangen, nach Belieben das verborgene Dorfgetreide abweiden [?]; sie weidet dichtes, reich blühendes, duftendes, unabgeschnittenes Gras. Dort gibt es einen anderen [Ort], einen Berg namens Rohita am Ufer der Yamunā, von zahlreichen Höhlen, Schluchten und Wasserfällen geschmückt. In seinem nordöstlichen Teil, in schrecklichem, grasbewachsenem, engem, unebenem, schwer zugänglichem, furchtbarem, haarsträubendem, von Wild und Löwen erfülltem, von vielen Raubtieren aufgesuchtem, von Schlingpflanzen und Bäumen dichtem, von Hunderten Schakalen widerhallendem [Gelände]: in diesem unzugänglichen [Ort] wohnt ein grimmiger, gestaltwandelnder, Furcht erregender Tiger [dvīpin], Blut und Fleisch essend, großzahnig, gewaltig stark, einem großen Berg gleich, mit einer Stimme wie Wolkendonner, den Rachen wie eine große Höhle, mit scharfen Zähnen, die Krallen als Waffen. Nandī mit Namen, jener Dharma-Gesinnte, ist der dem Wohl der Hirten Ergebene; mit langem Gras mit unabgeschnittenen Spitzen behütet er den Rinderbesitz. Von dessen Herde abgekommen, aus Gier nach Gras, [war] Bahulā ...

Wort für Wort
grāmadhānyaṃ carec channaṃ gatvaikaiva yathāsukham
sie mochte, allein gegangen, nach Belieben das verborgene Dorfgetreide abweiden [?] (Opt.; Abs.)
sāndraṃ supuṣpitaṃ surabhi acchinnaṃ carate tṛṇam
sie weidet dichtes, blühendes, duftendes, unabgeschnittenes Gras (3.Sg.Präs.Med.; Akk.)
rohito nāma tatrānyaḥ parvato yamunātaṭe
ein anderer, ein Berg namens Rohita, am Ufer der Yamunā (Nom.; Lok.)
anekakandaradarīnirjharair upaśobhitaḥ
von vielen Höhlen, Schluchten, Wasserfällen geschmückt (Instr.Pl.)
tasya pūrvottare bhāge ghore tṛṇasamākule
in seinem nordöstlichen Teil, im schrecklichen, grasbewachsenen (Lok.Sg.)
saṃkaṭe viṣame durge bhairave lomaharṣaṇe
im engen, unebenen, unzugänglichen, furchtbaren, haarsträubenden (Lok.)
mṛgasiṃhasamākīrṇe bahuśvāpadasevite
von Wild und Löwen erfüllt, von vielen Raubtieren aufgesucht (Lok.)
vallīvṛkṣādigahane śivāśataninādite
von Schlingpflanzen und Bäumen dicht, von Hunderten Schakalen widerhallend (Lok.)
durge 'smin vasate raudraḥ kāmarūpī bhayaṃkaraḥ
in diesem unzugänglichen [Ort] wohnt ein grimmiger, gestaltwandelnder, Furcht erregender (3.Sg.Präs.Med.)
dvīpī śoṇitamāṃsāśī mahādaṃṣṭro mahābalaḥ
Tiger, Blut und Fleisch fressend, großzahnig, gewaltig stark (Nom.Sg.m.)
mahāparvatasaṃkāśo meghagarjitanisvanaḥ
einem großen Berg gleich, mit wolkendonnerartiger Stimme
mahāguhādarīvaktras tīkṣṇadaṃṣṭro nakhāyudhaḥ
mit Rachen wie eine große Höhle, scharfzähnig, krallenbewehrt
nandī nāma sa dharmātmā sa ca gopahite rataḥ
Nandī mit Namen, dharmagesinnt, dem Wohl der Hirten ergeben [?] (Nom.; Lok.)
acchinnāgrais tṛṇair dīrghair godhanaṃ parirakṣati
mit langen Gräsern mit unabgeschnittenen Spitzen behütet er den Rinderbesitz (Instr.Pl.; Akk.)
tasya yūthaparibhraṣṭā bahulā tṛṇatṛṣṇayā
von dessen Herde abgekommen, Bahulā, aus Grasgier (Gen.; Nom.Sg.f.; Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist hier unklar: „grāmadhānyaṃ carec channaṃ“ ist unsicher, und „nandī ... dharmātmā ... gopahite rataḥ“ meint nach dem Zusammenhang vermutlich den Hirten und nicht den Tiger; „tasya yūthaparibhraṣṭā“ setzt sich in der folgenden Einheit fort.

carantī vyāghrapurataḥ sā dhenuḥ samupasthitā; abhidravaṃś ca tāṃ vyāghras tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt; tvam adya vihito bhakṣaḥ svayaṃ prāptāsi me vanam; vyāghrasya vacanaṃ śrutvā niṣṭhuraṃ lomaharṣaṇam; sutaṃ rūpānvitaṃ bālaṃ candrarūpasamaprabham; vatsaṃ smarati sā dhenuḥ snehārtā gadgadasvarā; dahyantī putraśokena bahulā putravatsalā; rudantī karuṇaṃ sā tu nirāśā putradarśane; dṛṣṭvā tu bahulāṃ vyāghraḥ krandamānāṃ suduḥkhitām; uvāca vacanaṃ ghoraṃ bahule kiṃ prarudyate; daivād yathopapannāsi bhakṣas tvaṃ me yadṛcchayā; na rudantyā vā hasantyā vā tathā te jīvitaṃ bhavet; vihitaṃ bhujyate loke svayaṃ prāptāsi dhenuke; mṛtyus te vihito 'dyaiva vṛthā kim anuśocasi

... umherziehend gelangte jene Kuh vor einen Tiger. Der Tiger stürzte auf sie zu und sagte: „Bleib stehen, bleib stehen! Du bist mir heute als Fraß bestimmt; von selbst bist du in meinen Wald gekommen.“ Als sie die harte, haarsträubende Rede des Tigers hörte, gedachte jene Kuh ihres Sohnes, des jungen, schönen Kindes von mondgleichem Glanz, ihres Kälbchens, von Liebe gequält, mit stockender Stimme; Bahulā, die sohnesliebende, [vom] Kummer um den Sohn verbrannt, weinte jammervoll, hoffnungslos, den Sohn [je wieder] zu sehen. Als der Tiger aber Bahulā weinen sah, tief betrübt, sprach er schreckliche Worte: „Bahulā, was weinst du? Wie du durch Fügung, durch Zufall zu meiner Speise geworden bist [so ist es]. Weder durch Weinen noch durch Lachen wird dein Leben so [bleiben]. Was bestimmt ist, wird in der Welt genossen; von selbst bist du gekommen, Kuh. Dein Tod ist eben heute bestimmt; was jammerst du umsonst?“

Wort für Wort
carantī vyāghrapurataḥ sā dhenuḥ samupasthitā
umherziehend gelangte jene Kuh vor einen Tiger (Part.Präs.; Nom.Sg.f.; Part.Perf.)
abhidravaṃś ca tāṃ vyāghras tiṣṭha tiṣṭheti cābravīt
und der Tiger stürzte auf sie zu und sagte: „Bleib stehen, bleib stehen!“ (Part.Präs.; Imp.; Impf.)
tvam adya vihito bhakṣaḥ svayaṃ prāptāsi me vanam
du bist heute als Fraß bestimmt; von selbst bist du in meinen Wald gekommen (Part.Perf.Pass.; 2.Sg.)
vyāghrasya vacanaṃ śrutvā niṣṭhuraṃ lomaharṣaṇam
die harte, haarsträubende Rede des Tigers gehört habend (Abs.)
sutaṃ rūpānvitaṃ bālaṃ candrarūpasamaprabham
den Sohn, schön, jung, mondgleich strahlend (Akk.Sg.m.)
vatsaṃ smarati sā dhenuḥ snehārtā gadgadasvarā
das Kalb gedenkt jene Kuh, von Liebe gequält, mit stockender Stimme (3.Sg.Präs.)
dahyantī putraśokena bahulā putravatsalā
von Trauer um den Sohn verbrannt, Bahulā, sohnesliebend (Part.Präs.Pass.)
rudantī karuṇaṃ sā tu nirāśā putradarśane
weinend jammervoll, hoffnungslos, den Sohn [wieder] zu sehen (Part.Präs.; Lok.)
dṛṣṭvā tu bahulāṃ vyāghraḥ krandamānāṃ suduḥkhitām
als der Tiger Bahulā weinend, tief betrübt sah (Abs.; Part.Präs.Med.)
uvāca vacanaṃ ghoraṃ bahule kiṃ prarudyate
sprach schreckliche Worte: „Bahulā, was wird geweint?“ (3.Sg.Perf.; Vok.; Präs.Pass.)
daivād yathopapannāsi bhakṣas tvaṃ me yadṛcchayā
wie du durch Fügung, durch Zufall meine Speise geworden bist (Abl.; Instr.)
na rudantyā vā hasantyā vā tathā te jīvitaṃ bhavet
weder für die Weinende noch die Lachende wird dein Leben so sein (Part.Präs.; Opt.)
vihitaṃ bhujyate loke svayaṃ prāptāsi dhenuke
das Bestimmte wird in der Welt genossen; von selbst bist du gekommen, Kuh (Part.Perf.; Präs.Pass.)
mṛtyus te vihito 'dyaiva vṛthā kim anuśocasi
dein Tod ist heute schon bestimmt; was trauerst du umsonst? (Part.Perf.Pass.; 2.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück (p5), setzt den Satz aus der vorigen Einheit fort („Bahulā ... abgekommen, umherziehend“).

papraccha ca punar vyāghraḥ kimarthaṃ ruditaṃ tvayā; kautukaṃ me 'dya saṃjātam aśeṣaṃ kathayasva naḥ; vyāghrasya vacanaṃ śrutvā bahulā vākyam abravīt; kṣantum arhasi me nātha kāmarūpa namo 'stu te; tvāṃ samālokya lokasya paritrāṇaṃ na vidyate; jīvitārthaṃ na śocāmi prāptavyaṃ maraṇaṃ mayā; jātasya hi dhruvo mṛtyur dhruvaṃ janma mṛtasya ca; tasmād aparihārye 'rthe na tvaṃ śocitum arhasi; devair api sadā sarvair martavyam avaśair dhruvam; tasmāt tan nāham evaikaṃ vyāghra śocāmi jīvitam; kiṃ tu snehavaśād vyāghra duḥkhena ruditaṃ mayā; asti me hṛdi saṃtāpas taṃ ca tvaṃ śrotum arhasi; agre vayasi vartantī prasūtāhaṃ mṛgādhipa; iṣṭaḥ prathamajātas tu sutaś ca mama bālakaḥ

Und der Tiger fragte abermals: „Weshalb hast du geweint? Neugier ist mir heute entstanden; erzähle uns alles.“ Als Bahulā die Rede des Tigers hörte, sprach sie: „Du solltest mir verzeihen, Herr, Gestaltwandler; Verehrung sei dir! Wenn ich dich erblicke, gibt es für die Welt keine Rettung. Um das Leben trauere ich nicht; der Tod ist von mir zu erreichen. Denn dem Geborenen ist der Tod gewiss, und dem Gestorbenen gewiss die Geburt; darum solltest du bei einer unvermeidlichen Sache nicht trauern. Selbst von allen Göttern ist stets, wenn auch machtlos, gewiss zu sterben; darum, Tiger, trauere ich nicht allein um das Leben. Vielmehr habe ich, Tiger, aus Liebe, aus Schmerz geweint. Im Herzen ist mir eine Qual, und diese solltest du hören. Im ersten Lebensalter stehend habe ich geboren, Herr der Tiere; mein erstgeborener Sohn aber ist ein geliebtes Kind.“

Wort für Wort
papraccha ca punar vyāghraḥ kimarthaṃ ruditaṃ tvayā
und der Tiger fragte wieder: „Weshalb hast du geweint?“ (3.Sg.Perf.; Part.Perf.Pass.)
kautukaṃ me 'dya saṃjātam aśeṣaṃ kathayasva naḥ
Neugier ist mir heute entstanden; erzähle uns alles (Part.Perf.; Imp.Med.)
vyāghrasya vacanaṃ śrutvā bahulā vākyam abravīt
als Bahulā die Rede des Tigers hörte, sprach sie (Abs.; Impf.)
kṣantum arhasi me nātha kāmarūpa namo 'stu te
du solltest mir verzeihen, Herr, Gestaltwandler; Verehrung dir (Inf.; Vok.)
tvāṃ samālokya lokasya paritrāṇaṃ na vidyate
dich erblickt, ist für die Welt keine Rettung (Abs.; Präs.Pass.)
jīvitārthaṃ na śocāmi prāptavyaṃ maraṇaṃ mayā
um das Leben trauere ich nicht; der Tod ist von mir zu erlangen (Gerundiv)
jātasya hi dhruvo mṛtyur dhruvaṃ janma mṛtasya ca
denn dem Geborenen ist der Tod gewiss, dem Gestorbenen die Geburt (Gen.)
tasmād aparihārye 'rthe na tvaṃ śocitum arhasi
darum bei unvermeidlicher Sache solltest du nicht trauern (Lok.; Inf.)
devair api sadā sarvair martavyam avaśair dhruvam
auch von allen Göttern ist stets machtlos gewiss zu sterben (Gerundiv; Instr.)
tasmāt tan nāham evaikaṃ vyāghra śocāmi jīvitam
darum trauere ich, Tiger, nicht allein um jenes Leben (Vok.; 1.Sg.Präs.)
kiṃ tu snehavaśād vyāghra duḥkhena ruditaṃ mayā
vielmehr aus Liebe, Tiger, wurde von mir aus Schmerz geweint (Abl.; Instr.)
asti me hṛdi saṃtāpas taṃ ca tvaṃ śrotum arhasi
im Herzen ist mir eine Qual, und die solltest du hören (Lok.; Inf.)
agre vayasi vartantī prasūtāhaṃ mṛgādhipa
im ersten Lebensalter stehend habe ich geboren, Herr der Tiere (Lok.; Part.Präs.; Vok.)
iṣṭaḥ prathamajātas tu sutaś ca mama bālakaḥ
mein erstgeborener Sohn aber ist ein geliebtes Kind (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „na tvaṃ śocitum arhasi“ ist an den Tiger gerichtet formuliert, meint aber wohl allgemein „man soll nicht trauern“.

kṣīraṃ pibati me vatsas tṛṇaṃ nādyāpi jighrati; sa ca gopakule baddhaḥ kṣudhito mām udīkṣate; sutaṃ tam anuśocāmi kathaṃ jīviṣyate sutaḥ; tasyecchāmi stanaṃ dātuṃ putrasnehavaśānugā; pāyayitvā ca taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani; sakhīnām arpayitvā ca saṃdiśya ca hitāhitam; punaḥ pratyāgamiṣyāmi yatheṣṭaṃ bhakṣayiṣyasi; śīghrāham āgamiṣyāmi mahāvyāghra tavāntikam; bahulāyā vacaḥ śrutvā mṛgendraḥ punar abravīt; kiṃ te putreṇa kartavyaṃ maraṇaṃ kiṃ na paśyasi; trasanti sarvabhūtāni māṃ nirīkṣya mriyanti ca; tvaṃ punaḥ kṛpayāviṣṭā putra putreti bhāṣase; na mantrā na tapo dānaṃ na mātā na pitā sutaḥ; śaknuvanti paritrātum āgatāṃ matsamīpataḥ; kathaṃ tad gokulaṃ gatvā gopījanasamākulam

„Mein Kalb trinkt Milch, Gras beriecht es noch nicht; und im Kuhhirten-Stall angebunden, hungrig, schaut es nach mir aus. Um diesen Sohn trauere ich: Wie wird der Sohn leben? Ich möchte ihm das Euter geben, der Liebe zum Sohn unterworfen; und nachdem ich das Kalb habe trinken lassen und ihm den Kopf beleckt habe, es den Freundinnen anvertraut und ihm gesagt habe, was heilsam und unheilsam ist, werde ich zurückkehren; dann magst du nach Belieben fressen. Schnell werde ich zu dir kommen, großer Tiger.“ Als der Tierfürst Bahulās Worte gehört hatte, sprach er wieder: „Was willst du mit einem Sohn? Siehst du den Tod nicht? Alle Wesen zittern, wenn sie mich erblicken, und sterben. Du aber sprichst, von Mitleid erfüllt, ‚Sohn, Sohn!‘ Nicht Zaubersprüche, nicht Askese, nicht Gabe, nicht Mutter, nicht Vater, nicht Sohn vermögen [die] zu retten, [die] in meine Nähe gekommen sind. Wie [willst du], nachdem du zu jener Rinderherde, die von Hirtinnen erfüllt ist, gegangen bist ...

Wort für Wort
kṣīraṃ pibati me vatsas tṛṇaṃ nādyāpi jighrati
mein Kalb trinkt Milch, Gras beriecht es noch nicht (3.Sg.Präs.)
sa ca gopakule baddhaḥ kṣudhito mām udīkṣate
und es, im Hirtenstall angebunden, hungrig, schaut nach mir aus (Part.Perf.Pass.)
sutaṃ tam anuśocāmi kathaṃ jīviṣyate sutaḥ
um diesen Sohn trauere ich: wie wird der Sohn leben? (1.Sg.Präs.; Fut.Med.)
tasyecchāmi stanaṃ dātuṃ putrasnehavaśānugā
ich möchte ihm das Euter geben, der Sohnesliebe unterworfen (Inf.; Nom.Sg.f.)
pāyayitvā ca taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani
und nachdem ich das Kalb habe trinken lassen und am Kopf beleckt (Abs.Kaus.; Abs.)
sakhīnām arpayitvā ca saṃdiśya ca hitāhitam
den Freundinnen anvertraut und Heilsames und Unheilsames aufgetragen (Abs.)
punaḥ pratyāgamiṣyāmi yatheṣṭaṃ bhakṣayiṣyasi
wieder werde ich zurückkommen; nach Belieben wirst du fressen (Fut.)
śīghrāham āgamiṣyāmi mahāvyāghra tavāntikam
schnell werde ich zu dir kommen, großer Tiger (Fut.; Vok.)
bahulāyā vacaḥ śrutvā mṛgendraḥ punar abravīt
Bahulās Worte gehört, sprach der Tierfürst wieder (Gen.; Abs.)
kiṃ te putreṇa kartavyaṃ maraṇaṃ kiṃ na paśyasi
was ist von dir mit einem Sohn zu tun? Siehst du den Tod nicht? (Gerundiv; Instr.)
trasanti sarvabhūtāni māṃ nirīkṣya mriyanti ca
alle Wesen zittern, mich erblickend, und sterben (3.Pl.Präs.; Abs.)
tvaṃ punaḥ kṛpayāviṣṭā putra putreti bhāṣase
du aber, von Mitleid erfüllt, sprichst „Sohn, Sohn!“ (Instr.; Part.Perf.Pass.)
na mantrā na tapo dānaṃ na mātā na pitā sutaḥ
nicht Sprüche, nicht Askese, Gabe, nicht Mutter, Vater, Sohn (Nom.)
śaknuvanti paritrātum āgatāṃ matsamīpataḥ
vermögen zu retten die in meine Nähe Gekommene (3.Pl.Präs.; Inf.; Part.Perf.)
kathaṃ tad gokulaṃ gatvā gopījanasamākulam
wie [willst du], zu jener hirtinnenerfüllten Rinderherde gegangen ... (Abs.; Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „kathaṃ tad gokulaṃ gatvā ...“ wird in der nächsten Einheit fortgesetzt („... wieder zurückkehren?“).

vṛṣabhair nāditaṃ ramyaṃ bālavatsavibhūṣitam; bhūṣaṇaṃ devalokasya svargatulyaṃ na saṃśayaḥ; nityaṃ pramuditaṃ ramyaṃ sarvadaivatapūjitam; pavitraṃ tat pavitrāṇāṃ maṅgalānāṃ ca maṅgalam; yat tīrthaṃ sarvatīrthānāṃ ramyāṇāṃ ramyam uttamam; samastaguṇasaṃkīrṇam īśvarāyatanaṃ mahat; yat sthānaṃ sarvasiddhānāṃ bhūmisvargam anuttamam; gargarīravaśabdena yatra lakṣmīr na hanyate; yatra vatsāś ca huṃkāraṃ karuṇaṃ mātṛkāṅkṣayā; yad gopaiḥ pālitaṃ śūrair bāhuyuddhaviśāradaiḥ; pragītanṛtyasaṃlāpaṃ valgutāsphoṭanāditam; itas tataḥ sthitair vatsair arghyamānaiḥ samantataḥ; sarovad bhrājate goṣṭhaṃ śrīmadbhir iva paṅkajaiḥ; tac chrīniketanaṃ ramyaṃ mātaraṃ bhrātaraṃ sutam

... die von Stieren erschallt, lieblich, mit jungen Kälbern geschmückt, eine Zierde der Götterwelt, dem Himmel gleich, ohne Zweifel; stets fröhlich, lieblich, von allen Göttern verehrt; rein unter den Reinen und Glück unter den Glücksverheißenden; die eine Pilgerstätte unter allen Pilgerstätten ist, das Vorzüglichste unter den Lieblichen, erfüllt von allen Vorzügen, ein großes Heiligtum des Herrn; jene Stätte aller Vollendeten, ein unübertrefflicher Himmel auf Erden; wo durch den Klang der [Butter-]Gefäße das Glück nicht zerstört wird [?]; wo die Kälber aus Verlangen nach der Mutter jammervoll muhen; die von tapferen, im Armkampf kundigen Hirten behütet wird; wo Gesang, Tanz und Gespräch, das liebliche Händeklatschen widerhallt; mit hierhin und dorthin stehenden, ringsum [geschätzten] [?] Kälbern glänzt der Kuhstall wie ein See mit prächtigen Lotosblumen; das liebliche Haus des Glücks: Mutter, Bruder, Sohn ...

Wort für Wort
vṛṣabhair nāditaṃ ramyaṃ bālavatsavibhūṣitam
von Stieren erschallend, lieblich, mit jungen Kälbern geschmückt (Part.Perf.Pass.; Akk.Sg.n.)
bhūṣaṇaṃ devalokasya svargatulyaṃ na saṃśayaḥ
Zierde der Götterwelt, dem Himmel gleich, ohne Zweifel (Akk.; Gen.)
nityaṃ pramuditaṃ ramyaṃ sarvadaivatapūjitam
stets fröhlich, lieblich, von allen Göttern verehrt (Part.Perf.Pass.)
pavitraṃ tat pavitrāṇāṃ maṅgalānāṃ ca maṅgalam
rein unter den Reinen und Glück unter den Glücksverheißenden (Gen.Pl.)
yat tīrthaṃ sarvatīrthānāṃ ramyāṇāṃ ramyam uttamam
das eine Pilgerstätte unter allen Pilgerstätten, das Lieblichste unter Lieblichen (Nom.Sg.n.)
samastaguṇasaṃkīrṇam īśvarāyatanaṃ mahat
von allen Vorzügen erfüllt, ein großes Heiligtum des Herrn (Nom.Sg.n.)
yat sthānaṃ sarvasiddhānāṃ bhūmisvargam anuttamam
die Stätte aller Vollendeten, ein unübertrefflicher Himmel auf Erden
gargarīravaśabdena yatra lakṣmīr na hanyate
wo durch den Klang der Buttergefäße das Glück nicht zerstört wird [?] (Instr.; Präs.Pass.)
yatra vatsāś ca huṃkāraṃ karuṇaṃ mātṛkāṅkṣayā
wo die Kälber jammervoll „hum“ machen aus Verlangen nach der Mutter (Instr.)
yad gopaiḥ pālitaṃ śūraiḥ bāhuyuddhaviśāradaiḥ
das von tapferen, im Armkampf kundigen Hirten behütet wird (Instr.Pl.)
pragītanṛtyasaṃlāpaṃ valgutāsphoṭanāditam
mit Gesang, Tanz, Gespräch, von lieblichem Händeklatschen widerhallend
itas tataḥ sthitair vatsair arghyamānaiḥ samantataḥ
mit hier und dort stehenden, ringsum [geschätzten] [?] Kälbern (Instr.Pl.)
sarovad bhrājate goṣṭhaṃ śrīmadbhir iva paṅkajaiḥ
wie ein See glänzt der Kuhstall, wie mit prächtigen Lotosblumen (3.Sg.Präs.Med.)
tac chrīniketanaṃ ramyaṃ mātaraṃ bhrātaraṃ sutam
dieses liebliche Haus des Glücks, die Mutter, den Bruder, den Sohn (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück (p8). Der Satz aus der vorigen Einheit läuft weiter; „gargarīravaśabdena yatra lakṣmīr na hanyate“ und „arghyamānaiḥ“ sind unsicher. Der Satz endet in der nächsten Einheit („... nachdem du ... gesehen hast, wie wirst du zurückkehren?“).

dṛṣṭvā sakhījanaṃ bhūyaḥ kathaṃ pratyāgamiṣyasi; pañca bhūtāni me bhadre pibantu rudhiraṃ tava; bahulā; na nirāśāni bhūtāni vāṅmātreṇa karomy aham; prathamaṃ dṛṣṭavatsāhaṃ mṛgendra śṛṇu me vacaḥ; dṛṣṭvā sakhījanaṃ bālaṃ gopāṃś ca paricārakān; gopījanaṃ samāgamya jananīṃ ca viśeṣataḥ; vyāghraḥ; śapathair āgamiṣyāmi manyase yadi muñca mām; śapathāḥ kīdṛśā bhadre ye tvayā parinoditāḥ; bahulā; pratyayaṃ caivam ākhyāhi bahule mama yatnataḥ; yadi te nāsti viśvāso mamopari mṛgādhipa; śapathair āgamiṣyāmi satyaṃ brūyāṃ na saṃśayaḥ; mā dadasveti yo brūyād gurvagnibrāhmaṇeṣu ca; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; madhumāṃse ca yat pāpaṃ lākṣāvikrayaṇe tathā

... nachdem du wiedergesehen hast: die Freundinnen [und] wie wirst du zurückkehren? Meine fünf Elemente sollen dein Blut trinken, Gute.“ Bahulā [sprach]: „Ich mache die Wesen durch bloßes Wort nicht hoffnungslos. Höre meine Rede, Tierfürst: Zuerst, nachdem ich mein Kalb gesehen habe, nachdem ich die Freundinnen, das Kind und die Hirten, die Dienenden gesehen, die Hirtinnen und besonders die Mutter getroffen habe ...“ Der Tiger [sprach]: „Mit Schwüren werde ich kommen; wenn du es [so] meinst, lass mich los.“ „Was für Schwüre sind das, Gute, die du hervorgebracht hast?“ Bahulā [sprach]: „So bekunde mir, Bahulā, das Vertrauen mit Sorgfalt; wenn du zu mir, Tierfürst, kein Vertrauen hast: mit Schwüren werde ich kommen, ich werde die Wahrheit sagen, ohne Zweifel. Wer zu Lehrern, Feuern und Brahmanen sagt: ‚Gib nicht!‘ — mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Und die Sünde bei Honig und Fleisch und beim Verkauf von Lack ...

Wort für Wort
dṛṣṭvā sakhījanaṃ bhūyaḥ kathaṃ pratyāgamiṣyasi
nachdem du die Freundinnen wieder gesehen hast, wie wirst du zurückkehren? (Abs.; 2.Sg.Fut.)
pañca bhūtāni me bhadre pibantu rudhiraṃ tava
meine fünf Elemente [?] sollen dein Blut trinken, Gute (Imp.; Vok.)
bahulā
Bahulā [sprach] (Nom.)
na nirāśāni bhūtāni vāṅmātreṇa karomy aham
ich mache die Wesen nicht hoffnungslos durch bloßes Wort (Instr.; 1.Sg.Präs.)
prathamaṃ dṛṣṭavatsāhaṃ mṛgendra śṛṇu me vacaḥ
zuerst, nachdem ich das Kalb gesehen, Tierfürst, höre meine Rede (Bahuvrīhi; Imp.)
dṛṣṭvā sakhījanaṃ bālaṃ gopāṃś ca paricārakān
die Freundinnen, das Kind und die Hirten als Diener gesehen habend (Abs.)
gopījanaṃ samāgamya jananīṃ ca viśeṣataḥ
die Hirtinnen getroffen und besonders die Mutter (Abs.)
vyāghraḥ
der Tiger [sprach] (Nom.)
śapathair āgamiṣyāmi manyase yadi muñca mām
„mit Schwüren werde ich kommen“; wenn du das meinst, lass mich los (Fut.; 2.Sg.Präs.Med.; Imp.)
śapathāḥ kīdṛśā bhadre ye tvayā parinoditāḥ
was für Schwüre, Gute, die von dir angeregt wurden? (Nom.Pl.; Part.Perf.Pass.)
bahulā
Bahulā [sprach] (Nom.)
pratyayaṃ caivam ākhyāhi bahule mama yatnataḥ
und so gib mir Vertrauen bekannt, Bahulā, sorgfältig (Imp.; Vok.)
yadi te nāsti viśvāso mamopari mṛgādhipa
wenn du kein Vertrauen zu mir hast, Herr der Tiere (Vok.)
śapathair āgamiṣyāmi satyaṃ brūyāṃ na saṃśayaḥ
mit Schwüren werde ich kommen, ich werde die Wahrheit sagen, ohne Zweifel (Opt.)
mā dadasveti yo brūyād gurvagnibrāhmaṇeṣu ca
wer zu Lehrern, Feuern, Brahmanen „Gib nicht!“ sagt (Imp.Med.; Opt.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme (Passiv Präs.; Opt.)
madhumāṃse ca yat pāpaṃ lākṣāvikrayaṇe tathā
und die Sünde bei Honig und Fleisch, ebenso beim Verkauf von Lack (Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben („vyāghraḥ“, „bahulā“) stehen im Text offenbar um eine Zeile zu früh; inhaltlich gehört „śapathair āgamiṣyāmi ...“ zur Kuh und „śapathāḥ kīdṛśā ...“ sowie „pratyayaṃ caivam ākhyāhi ...“ zum Tiger. Der erste Vers ist die Fortsetzung des Satzes aus der vorigen Einheit. „pañca bhūtāni“ ist unsicher. Der Satz endet in der nächsten Einheit im Kehrvers („tena pāpena lipye ...“).

tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; yo vedavikrayī vipraś catvare paṭhate tu yaḥ; asaṃtoṣī ca yo vipro nityaṃ bhavati yācakaḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; matsarī gotrabhāvena bhūtānāṃ guṇanāśakaḥ; kaumāraṃ cāpi bhartāraṃ yā nārī nānumanyate; paradravyopayogena yajñaṃ kurvanti ye dvijāḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; svapākaṃ ca parityajya parapākaratāś ca ye; ye saktā gurudāreṣu svāmidāreṣu ye narāḥ; brāhmaṇo vṛṣalīṃ gatvā na tu tīrthāni sevate; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; brāhmaṇaḥ kṛtasaṃskāraḥ śūdraprekṣaṇakārakaḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; anṛtaṃ dhanasaṃbaddhe kūṭasākṣyaṃ vadanti ye

... mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Der Brahmane, der den Veda verkauft, und wer [ihn] an einem Vierweg rezitiert; und der Brahmane, der unzufrieden ist und stets bettelt: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Der Neidische aus Sippenstolz, der die Vorzüge der Wesen zunichtemacht; und die Frau, die den Gatten ihrer Jugend nicht anerkennt; die Zweimalgeborenen, die durch Verwendung fremden Besitzes das Opfer vollziehen: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Die, die ihre eigene Küche verlassen und an fremder Küche hängen; die Männer, die an den Frauen des Lehrers und des Herrn hängen; der Brahmane, der zu einer Śūdrā-Frau geht und keine Pilgerstätten aufsucht: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Der Brahmane, der die Weihe empfangen hat und [dennoch] das Zusehen von Śūdras bewirkt [?]: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Die, die in Geldsachen Unwahres, falsches Zeugnis aussprechen ...

Wort für Wort
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme
yo vedavikrayī vipraś catvare paṭhate tu yaḥ
der Brahmane, der den Veda verkauft, und wer [ihn] am Vierweg rezitiert (Nom.Sg.m.)
asaṃtoṣī ca yo vipro nityaṃ bhavati yācakaḥ
und der Brahmane, der unzufrieden ist, stets ein Bettler wird (Nom.)
matsarī gotrabhāvena bhūtānāṃ guṇanāśakaḥ
neidisch aus Sippenstolz, der Vorzüge der Wesen Zerstörer [?] (Instr.; Gen.Pl.)
kaumāraṃ cāpi bhartāraṃ yā nārī nānumanyate
und die Frau, die den Gatten ihrer Jugend nicht anerkennt [?] (Akk.; Präs.)
paradravyopayogena yajñaṃ kurvanti ye dvijāḥ
die Zweimalgeborenen, die durch Verwendung fremden Besitzes das Opfer vollziehen (Instr.; 3.Pl.)
svapākaṃ ca parityajya parapākaratāś ca ye
und die, die eigenes Kochen verlassen und an fremdem Kochen hängen (Abs.; Nom.Pl.)
ye saktā gurudāreṣu svāmidāreṣu ye narāḥ
die Männer, die an Lehrers- und Herrenfrauen hängen (Part.Perf.Pass.; Lok.Pl.)
brāhmaṇo vṛṣalīṃ gatvā na tu tīrthāni sevate
ein Brahmane, der zur Śūdrā-Frau geht und keine Pilgerstätten aufsucht [?] (Abs.; 3.Sg.Präs.Med.)
brāhmaṇaḥ kṛtasaṃskāraḥ śūdraprekṣaṇakārakaḥ
ein geweihter Brahmane, der Śūdras [dabei] zusehen lässt [?] (Nom.Sg.m.)
anṛtaṃ dhanasaṃbaddhe kūṭasākṣyaṃ vadanti ye
die, die in Geldsachen Unwahres, falsches Zeugnis aussprechen (Lok.; 3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Mehrere Kehrverse. „kaumāraṃ bhartāram“, „śūdraprekṣaṇakārakaḥ“ und „brāhmaṇo vṛṣalīṃ gatvā na tu tīrthāni sevate“ sind knapp und teilweise unsicher; der Satz am Ende setzt sich in der nächsten Einheit fort („... die Sünde beim Brahmanenmord ...“).

yat pāpaṃ brahmahatyāyāṃ mātāpitṛvadhena ca; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; yat pāpaṃ lubdhakānāṃ ca mlecchānāṃ garadāyinām; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; pādena spṛśate gāś ca śirobhir na namanti ye; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; goṣv avajñāṃ prakurvanti śapante tāḍayanti ca; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; sakṛd dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīyāya prayacchati; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; kathāyāṃ kriyamāṇāyām antarāyaṃ karoti yaḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; gṛhe yasyāgato vipro nirāśaḥ pratigacchati; tena pāpena lipyāmi yat te 'haṃ nāgame punaḥ

... die Sünde beim Brahmanenmord und beim Töten von Mutter und Vater: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Die Sünde der Jäger und Mlecchas und der Giftgeber: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Die, die mit dem Fuß Kühe berühren und sich [vor ihnen] mit dem Haupt nicht verneigen: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Die, die den Kühen Missachtung erweisen, sie verfluchen und schlagen: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Wer eine Tochter einmal gegeben hat und sie einem zweiten gibt: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Wer eine Störung verursacht, während eine Erzählung vorgetragen wird: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. In wessen Haus ein Brahmane gekommen ist und ohne Hoffnung weggeht: mit dieser Sünde werde ich befleckt, wenn ich nicht zu dir wiederkomme.

Wort für Wort
yat pāpaṃ brahmahatyāyāṃ mātāpitṛvadhena ca
die Sünde beim Brahmanenmord und durch das Töten von Mutter und Vater (Lok.; Instr.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme
yat pāpaṃ lubdhakānāṃ ca mlecchānāṃ garadāyinām
die Sünde der Jäger, der Mlecchas, der Giftgeber (Gen.Pl.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
pādena spṛśate gāś ca śirobhir na namanti ye
die mit dem Fuß Kühe berühren und sich mit den Köpfen nicht verneigen (Instr.; 3.Sg.Präs.; 3.Pl.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
goṣv avajñāṃ prakurvanti śapante tāḍayanti ca
die den Kühen Missachtung erweisen, verfluchen und schlagen (Lok.Pl.; 3.Pl.Präs.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
sakṛd dattvā tu yaḥ kanyāṃ dvitīyāya prayacchati
wer eine Tochter einmal gegeben hat und sie einem zweiten gibt (Abs.; Dat.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
kathāyāṃ kriyamāṇāyām antarāyaṃ karoti yaḥ
wer während eines Vortrags eine Störung verursacht (Lok.abs.; Part.Präs.Pass.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
gṛhe yasyāgato vipro nirāśaḥ pratigacchati
in wessen Haus ein Brahmane gekommen ist und ohne Hoffnung weggeht (Lok.; Part.Perf.)
tena pāpena lipyāmi yat te 'haṃ nāgame punaḥ
mit dieser Sünde werde ich befleckt, wenn ich nicht zu dir wiederkomme (1.Sg.Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der letzte Kehrvers weicht im Wortlaut ab („lipyāmi yat te 'haṃ nāgame punaḥ“). Zu Beginn setzt die Einheit den abgebrochenen Satz der vorigen fort.

dvibhāryaḥ puruṣo yas tu ekāṃ snehena paśyati; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; ekākī mṛṣṭam aśnāti yaḥ kaś cit puruṣādhamaḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ; yas trīn hale balīvardān viṣamaṃ vāhayeta yaḥ; tena pāpena lipye 'haṃ yadi nāyāṃ tavāntikam; ity etaiḥ pātakair ghorair āgamiṣyāmy ahaṃ punaḥ; labdhvā sa pratyayaṃ vyāghraḥ punar vacanam abravīt; saṃjātaḥ pratyayo 'smākaṃ śapathair bahule tava; kadā cin manyase gatvā mūrkho 'sau vañcito mayā; loke 'smin nāstikāḥ ke cin mūrkhāḥ paṇḍitamāninaḥ; bhrāmayanti ca te buddhiṃ cakrārūḍha ivekṣaṇam; atathyāny api tathyāni darśayanty api peśalāḥ; same nimnonnatānīva citraṃ karmavido janāḥ

Ein Mann mit zwei Ehefrauen, der nur die eine liebevoll ansieht: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Irgendein niedrigster Mann, der allein Wohlschmeckendes isst: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht wiederkomme. Wer drei Ochsen am Pflug ungleich ziehen lässt: mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht zu dir komme. Mit diesen schrecklichen Freveln [belastet] werde ich wiederkommen.“ Nachdem der Tiger Vertrauen gewonnen hatte, sprach er wieder: „Durch deine Schwüre, Bahulā, ist uns Vertrauen entstanden. [Doch] vielleicht denkst du, wenn du gegangen bist: ‚Dieser Tor ist von mir getäuscht worden.‘ In dieser Welt gibt es manche Ungläubige, Toren, die sich für Gelehrte halten; sie verwirren den Verstand wie einen Blick, der auf einem Rad sitzt; auch Unwahres zeigen sie geschickt als Wahres, wie Vertiefungen und Erhebungen auf ebenem Grund: wunderlich sind die Leute, die sich aufs Handeln verstehen.

Wort für Wort
dvibhāryaḥ puruṣo yas tu ekāṃ snehena paśyati
ein Mann mit zwei Frauen, der nur die eine mit Zuneigung ansieht (Bahuvrīhi; Instr.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
ekākī mṛṣṭam aśnāti yaḥ kaś cit puruṣādhamaḥ
irgendein Niedrigster der Männer, der allein Leckeres isst (Nom.Sg.m.)
tena pāpena lipye 'haṃ yady ahaṃ nāgame punaḥ
[Kehrvers]
yas trīn hale balīvardān viṣamaṃ vāhayeta yaḥ
wer drei Ochsen am Pflug ungleich ziehen lässt (Akk.Pl.; Opt.Kaus.)
tena pāpena lipye 'haṃ yadi nāyāṃ tavāntikam
mit dieser Sünde will ich befleckt sein, wenn ich nicht zu dir komme (Aor./Konj.)
ity etaiḥ pātakair ghorair āgamiṣyāmy ahaṃ punaḥ
mit diesen schrecklichen Freveln [beladen] werde ich wiederkommen (Instr.Pl.; Fut.)
labdhvā sa pratyayaṃ vyāghraḥ punar vacanam abravīt
nachdem er Vertrauen gewonnen, sprach der Tiger wieder (Abs.; Impf.)
saṃjātaḥ pratyayo 'smākaṃ śapathair bahule tava
uns ist durch deine Schwüre Vertrauen entstanden, Bahulā (Part.Perf.; Vok.)
kadā cin manyase gatvā mūrkho 'sau vañcito mayā
vielleicht meinst du, gegangen: „dieser Tor ist von mir getäuscht“ (Abs.; Part.Perf.Pass.)
loke 'smin nāstikāḥ ke cin mūrkhāḥ paṇḍitamāninaḥ
in dieser Welt manche Ungläubige, Toren, die sich für Gelehrte halten (Nom.Pl.)
bhrāmayanti ca te buddhiṃ cakrārūḍha ivekṣaṇam
sie verwirren den Verstand wie einen Blick, der auf einem Rad sitzt [?] (3.Pl.Kaus.)
atathyāny api tathyāni darśayanty api peśalāḥ
auch Unwahres zeigen sie als Wahres, geschickt (Akk.Pl.n.; Nom.Pl.m.)
same nimnonnatānīva citraṃ karmavido janāḥ
wie Vertiefungen und Erhebungen auf ebenem [Grund]: wunderlich [sind] die im Handeln Kundigen (Lok.; Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „yas trīn hale balīvardān viṣamaṃ vāhayeta yaḥ“ (drei Ochsen ungleich am Pflug) ist wörtlich wiedergegeben; „cakrārūḍha ivekṣaṇam“ ist knapp und unsicher.

prāyaḥ kṛtārtho loko 'yaṃ manyate nopakāriṇam; vatsaḥ kṣīrakṣayaṃ dṛṣṭvā parityajati mātaram; na taṃ paśyāmi loke 'smin kṛte pratikaroti yaḥ; sarvasya hi kṛtārthasya matir anyā pravartate; ṛṣidevāsuragaṇaiḥ śapathāḥ kāryasiddhaye; kṛtāḥ parasparaṃ pūrvaṃ tan na manyāmahe katham; satyenābhiśaped yas tu devāgnigurusaṃnidhau; tasya vaivasvato rājā dharmasyārdhaṃ nikṛntati; mā te buddhir bhaved evaṃ śapathair eva yantritā; tenaivaṃ darśitaṃ pūrvaṃ yatheṣṭaṃ kuru sāṃpratam; bahule gaccha paśya tvaṃ putrakaṃ putravatsale; pāyayitvā ca taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani; mātaraṃ bhrātaraṃ dṛṣṭvā sakhīḥ svajanabāndhavān; bhīṣmaḥ; satyam evāgrataḥ kṛtvā śīghram āgamanaṃ kuru

„Meist hält diese Welt, wenn ihr Zweck erreicht ist, den Wohltäter nicht [für einen Wohltäter]; das Kalb verlässt, wenn es das Versiegen der Milch sieht, die Mutter. Ich sehe in dieser Welt keinen, der Erwiesenes vergilt; denn bei jedem, dessen Zweck erreicht ist, wendet sich der Sinn anderem zu. Von den Scharen der Ṛṣis, Götter und Asuras wurden einst gegenseitig Schwüre zum Gelingen ihres Vorhabens geleistet; wie sollten wir sie da nicht für gültig halten [?]. Wer bei Göttern, Feuer und Lehrern in Gegenwart mit der Wahrheit schwört, dessen Dharma-Hälfte schneidet König Vaivasvata [Yama] ab [?]. Dein Sinn soll nicht so allein durch Schwüre gebunden sein; von ihm ist es früher so gezeigt worden: tu nun nach Belieben. Geh, Bahulā, sieh du dein Söhnchen, du Sohnesliebende, und nachdem du das Kalb hast trinken lassen und ihm den Kopf beleckt hast, Mutter, Bruder, Freundinnen, die eigenen Leute und Verwandten gesehen hast ...“ Bhīṣma [sprach]: „... stelle die Wahrheit nach vorn und kehre schnell zurück.“

Wort für Wort
prāyaḥ kṛtārtho loko 'yaṃ manyate nopakāriṇam
meist hält diese Welt, wenn ihr Zweck erreicht ist, den Wohltäter [dafür] nicht (Nom.; 3.Sg.Präs.Med.)
vatsaḥ kṣīrakṣayaṃ dṛṣṭvā parityajati mātaram
das Kalb verlässt, wenn es das Versiegen der Milch sieht, die Mutter (Abs.; 3.Sg.Präs.)
na taṃ paśyāmi loke 'smin kṛte pratikaroti yaḥ
ich sehe keinen in dieser Welt, der für Getanes vergilt (Lok.abs.)
sarvasya hi kṛtārthasya matir anyā pravartate
denn bei jedem, dessen Zweck erreicht, wendet sich der Sinn anderem zu (Gen.; Nom.Sg.f.)
ṛṣidevāsuragaṇaiḥ śapathāḥ kāryasiddhaye
von Scharen von Ṛṣis, Göttern, Asuras Schwüre zum Gelingen des Vorhabens (Instr.Pl.; Dat.)
kṛtāḥ parasparaṃ pūrvaṃ tan na manyāmahe katham
gegenseitig einst geleistet; wie sollten wir das nicht [gelten lassen]? [?] (Part.Perf.Pass.; 1.Pl.Präs.Med.)
satyenābhiśaped yas tu devāgnigurusaṃnidhau
wer aber mit der Wahrheit schwört, in Gegenwart von Göttern, Feuer, Lehrer (Instr.; Opt.; Lok.)
tasya vaivasvato rājā dharmasyārdhaṃ nikṛntati
dessen Dharma-Hälfte schneidet König Vaivasvata ab (Gen.; 3.Sg.Präs.)
mā te buddhir bhaved evaṃ śapathair eva yantritā
dein Sinn soll nicht so allein durch Schwüre gebunden sein (Nom.; Part.Perf.Pass.)
tenaivaṃ darśitaṃ pūrvaṃ yatheṣṭaṃ kuru sāṃpratam
von ihm so früher gezeigt; tu jetzt nach Belieben (Instr.; Imp.)
bahule gaccha paśya tvaṃ putrakaṃ putravatsale
Bahulā, geh, sieh dein Söhnchen, Sohnesliebende (Vok.; Imp.)
pāyayitvā ca taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani
und nachdem du das Kalb hast trinken lassen und am Kopf beleckt (Abs.)
mātaraṃ bhrātaraṃ dṛṣṭvā sakhīḥ svajanabāndhavān
Mutter, Bruder, Freundinnen, eigene Leute, Verwandte gesehen habend (Abs.; Akk.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.)
satyam evāgrataḥ kṛtvā śīghram āgamanaṃ kuru
die Wahrheit voranstellend, mach schnell die Rückkehr (Abs.; Imp.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der zweite Teil dieser Einheit ist schwierig („tan na manyāmahe katham“, „dharmasyārdhaṃ nikṛntati“, „tenaivaṃ darśitam“). Die Sprecherangabe „bhīṣmaḥ“ steht im Text vor der letzten Zeile, wo aber offenbar weiter der Tiger spricht.

evaṃ sā pratyayaṃ kṛtvā bahulā satyavādinī; anujñātā mṛgendreṇa prayātā putravatsalā; aśrupūrṇamukhī dīnā vepamānā suduḥkhitā; kurarī niḥśvasantīva patitā śokasāgare; kariṇīva hi nāgena gṛhītā salilāśaye; aśaktātmaparitrāṇe vilapantī muhur muhuḥ; sā tu gopakulaṃ gatvā bahulā hṛtavikramā; śrutvātmavatsaṃ krośantaṃ paryadhāvata tanmukhī; upāsarpata taṃ vatsaṃ bāṣpaparyākulekṣaṇā; sa prāptāṃ mātaraṃ vatsaḥ śaṅkitaḥ paripṛcchati; na te paśyāmi saumyatvaṃ durmanā iva lakṣyase; bahulā; udvignā cāpi te dṛṣṭir bhītabhītā ca dṛśyate; piba putra stanaṃ mahyaṃ kāraṇaṃ yadi pṛcchasi; āgatā ca tava snehāt kuru tṛptiṃ yathepsitām; apaścimam idaṃ vatsa durlabhaṃ mātṛdarśanam

So, nachdem sie das Vertrauen geschaffen hatte, zog Bahulā, die Wahrhaftige, vom Tierfürsten entlassen, die Sohnesliebende, davon: das Gesicht tränenvoll, elend, zitternd, tief betrübt, einer seufzenden Fischadler-Henne gleich, in das Meer der Trauer gestürzt; wie eine Elefantenkuh, im Wasserbecken von einem Nāga gepackt [?], unfähig, sich selbst zu retten, immer wieder klagend. Nachdem sie aber zum Hirtenstall gegangen war, Bahulā, ihrer Kraft beraubt, hörte sie ihr Kalb schreien und lief ihm zu, das Gesicht [ihm] zugewandt; sie näherte sich dem Kalb, die Augen von Tränen getrübt. Das Kalb fragte die angekommene Mutter argwöhnisch: „Ich sehe an dir keine Milde, du scheinst niedergedrückt zu sein.“ Bahulā [sprach]: „Auch dein Blick ist erregt und scheint sehr verängstigt. Trink, Sohn, mein Euter, wenn du nach dem Grund fragst; ich bin aus Liebe zu dir gekommen; stille deinen Wunsch, so viel du willst. Dies ist, Kalb, der letzte und schwer zu erlangende Anblick der Mutter.

Wort für Wort
evaṃ sā pratyayaṃ kṛtvā bahulā satyavādinī
so, nachdem sie Vertrauen geschaffen, Bahulā, die Wahrhaftige (Abs.)
anujñātā mṛgendreṇa prayātā putravatsalā
vom Tierfürsten entlassen, zog sie davon, sohnesliebend (Part.Perf.Pass.)
aśrupūrṇamukhī dīnā vepamānā suduḥkhitā
tränenvollen Gesichts, elend, zitternd, tief betrübt (Bahuvrīhi; Part.Präs.Med.)
kurarī niḥśvasantīva patitā śokasāgare
wie eine seufzende Fischadler-Henne, ins Meer der Trauer gestürzt (Part.Perf.)
kariṇīva hi nāgena gṛhītā salilāśaye
wie eine Elefantenkuh, von einem Nāga [?] im Wasserbecken ergriffen (Instr.; Lok.)
aśaktātmaparitrāṇe vilapantī muhur muhuḥ
zur Rettung ihrer selbst unfähig, immer wieder klagend (Lok.; Part.Präs.)
sā tu gopakulaṃ gatvā bahulā hṛtavikramā
sie aber, zum Hirtenstall gegangen, Bahulā, ihrer Kraft beraubt (Abs.; Part.Perf.Pass.)
śrutvātmavatsaṃ krośantaṃ paryadhāvata tanmukhī
ihr eigenes Kalb schreien hörend, lief sie ihm zugewandt herbei (Abs.; Impf.)
upāsarpata taṃ vatsaṃ bāṣpaparyākulekṣaṇā
sie näherte sich dem Kalb, die Augen von Tränen getrübt (Impf.Med.)
sa prāptāṃ mātaraṃ vatsaḥ śaṅkitaḥ paripṛcchati
das Kalb, argwöhnisch, fragt die angekommene Mutter (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Präs.)
na te paśyāmi saumyatvaṃ durmanā iva lakṣyase
ich sehe an dir keine Milde; du scheinst niedergeschlagen (Präs.Pass.)
bahulā
Bahulā [sprach] (Nom.)
udvignā cāpi te dṛṣṭir bhītabhītā ca dṛśyate
auch dein Blick ist erregt und wirkt sehr verängstigt (Nom.Sg.f.; Präs.Pass.)
piba putra stanaṃ mahyaṃ kāraṇaṃ yadi pṛcchasi
trink, Sohn, mein Euter, wenn du nach dem Grund fragst (Imp.; 2.Sg.Präs.)
āgatā ca tava snehāt kuru tṛptiṃ yathepsitām
und ich bin aus Liebe zu dir gekommen; stille dich nach Wunsch (Part.Perf.; Imp.)
apaścimam idaṃ vatsa durlabhaṃ mātṛdarśanam
dies, Kalb, ist der letzte, schwer zu erlangende Anblick der Mutter (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe „bahulā“ steht im Text offenbar um eine Zeile zu früh: „udvignā cāpi te dṛṣṭiḥ ...“ spricht noch das Kalb. „kariṇīva ... nāgena“: nāga kann Schlange oder Elefant heißen, unsicher.

ekāham atha māṃ pītvā pratyūṣe kasya pāsyasi; mayā tu putra gantavyaṃ śapathair āgatā hy aham; kāmarūpasya vyāghrasya dātavyaṃ jīvitaṃ mayā; bahulāyā vacaḥ śrutvā vatso vacanam abravīt; ahaṃ tatra gamiṣyāmi yatra tvaṃ gantum icchasi; ślāghyaṃ mamāpi maraṇaṃ tvayā saha na saṃśayaḥ; ekākināpi martavyaṃ mayāvaśyaṃ tvayā vinā; yadi māṃ sahitaṃ mātar vane vyāghro haniṣyati; yā gatir mātṛbhaktānāṃ dhruvaṃ sā me bhaviṣyati; tasmād avaśyaṃ yāsyāmi tvayā saha na saṃśayaḥ; atha mātaś ca tiṣṭha tvaṃ śapathāḥ santu te mama; jananyā viprayuktasya jīvite kiṃ prayojanam; anāthasya vane nityaṃ ko me nātho bhaviṣyati; nāsti mātṛsamo bandhur bālānāṃ kṣīrapāyinām

„Nachdem du nun einmal [?] mich getrunken hast, wessen [Milch] wirst du morgen früh trinken? Ich aber, Sohn, muss gehen; denn ich bin durch Schwüre [gebunden] gekommen; dem gestaltwandelnden Tiger ist von mir das Leben zu geben.“ Als das Kalb Bahulās Worte gehört hatte, sprach es: „Ich werde dorthin gehen, wohin du gehen willst; auch mein Tod ist rühmlich zusammen mit dir, ohne Zweifel. Allein werde ich ohnehin ohne dich sterben müssen. Wenn der Tiger mich, Mutter, mit dir zusammen im Wald tötet, so wird mir gewiss jener Weg zuteil, der den Mutterergebenen [beschieden ist]. Darum werde ich unbedingt mit dir gehen, ohne Zweifel. Und nun, Mutter, bleib du [hier]; die Schwüre sollen dir [nichts anhaben] [?]. Was nützt das Leben dem, der von der Mutter getrennt ist? Wer wird mein Beschützer sein, der ich stets schutzlos im Wald bin? Es gibt keinen Verwandten, der der Mutter gleich ist, für Kinder, die noch Milch trinken.“

Wort für Wort
ekāham atha māṃ pītvā pratyūṣe kasya pāsyasi
nachdem du nun einmal [?] mich getrunken hast, wessen [Milch] wirst du morgens trinken? (Abs.; Fut.Med.)
mayā tu putra gantavyaṃ śapathair āgatā hy aham
ich aber muss gehen, Sohn; denn durch Schwüre bin ich gekommen (Gerundiv; Part.Perf.)
kāmarūpasya vyāghrasya dātavyaṃ jīvitaṃ mayā
dem gestaltwandelnden Tiger ist von mir das Leben zu geben (Gen./Dat.; Gerundiv)
bahulāyā vacaḥ śrutvā vatso vacanam abravīt
als er Bahulās Worte gehört, sprach das Kalb (Abs.; Impf.)
ahaṃ tatra gamiṣyāmi yatra tvaṃ gantum icchasi
ich werde dorthin gehen, wohin du gehen willst (Fut.; Inf.)
ślāghyaṃ mamāpi maraṇaṃ tvayā saha na saṃśayaḥ
auch mein Tod ist rühmlich mit dir zusammen, ohne Zweifel (Nom.Sg.n.)
ekākināpi martavyaṃ mayāvaśyaṃ tvayā vinā
auch allein muss von mir ohne dich unbedingt gestorben werden (Gerundiv unpers.)
yadi māṃ sahitaṃ mātar vane vyāghro haniṣyati
wenn der Tiger mich, Mutter, zusammen [mit dir] im Wald tötet (Fut.)
yā gatir mātṛbhaktānāṃ dhruvaṃ sā me bhaviṣyati
der Weg der Mutterergebenen wird mir gewiss zuteil sein (Gen.Pl.; Fut.)
tasmād avaśyaṃ yāsyāmi tvayā saha na saṃśayaḥ
darum werde ich unbedingt mit dir gehen, ohne Zweifel (Fut.)
atha mātaś ca tiṣṭha tvaṃ śapathāḥ santu te mama
und nun, Mutter, bleib du; die Schwüre sollen [dir/mir] sein [?] (Imp.; Vok.)
jananyā viprayuktasya jīvite kiṃ prayojanam
für den von der Mutter Getrennten, was ist der Zweck im Leben? (Instr.; Part.Perf.Pass.; Lok.)
anāthasya vane nityaṃ ko me nātho bhaviṣyati
wer wird mir, dem stets Schutzlosen im Wald, Beschützer sein? (Gen.; Fut.)
nāsti mātṛsamo bandhur bālānāṃ kṣīrapāyinām
keinen Verwandten gibt es, der der Mutter gleicht, für Kinder, die Milch trinken (Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „ekāham“ ist unsicher (etwa „für einen Tag“ oder „ich allein“); „atha mātaś ca tiṣṭha tvaṃ śapathāḥ santu te mama“ ist im Sinn unklar.

nāsti mātṛsamo nātho nāsti mātṛsamā gatiḥ; nāsti mātṛsamaḥ sneho nāsti mātṛsamaṃ sukham; nāsti mātṛsamo deva ihaloke paratra ca; eṣa naḥ paramo dharmaḥ prajāpativinirmitaḥ; ye tu tiṣṭhanti satputrās te yānti paramāṃ gatim; mamaiva vihito mṛtyur na tvaṃ putra gamiṣyasi; na cāyam anyajīvānāṃ mṛtyuḥ syād anyamṛtyunā; apaścimam imaṃ putra mātuḥ saṃdeśam uttamam; anutiṣṭhasva madvākyaṃ tatra śuśrūṣaṇaṃ param; vane jale ca vicaran mā pramādaṃ kariṣyasi; pramādāt sarvabhūtāni vinaśyanti na saṃśayaḥ; na ca lobhena vartavyaṃ viṣamasthaṃ tṛṇaṃ kva cit; lobhād vināśaḥ sarveṣām iha loke paratra ca; samudram aṭavīṃ yuddhaṃ viśanto lobhamohitāḥ; lobhād akāryam atyugraṃ vidvān api samācaret

„Kein Beschützer gleicht der Mutter, kein Ziel gleicht der Mutter, keine Zuneigung, keine Freude gleicht der Mutter; kein Gott gleicht der Mutter, in dieser Welt und in jener. Dies ist unser höchster Dharma, von Prajāpati geschaffen; die aber als gute Söhne bleiben, gehen zum höchsten Ziel.“ [Bahulā:] „Für mich allein ist der Tod bestimmt; du, Sohn, wirst nicht gehen. Und dieser Tod soll nicht [zum Tod] anderer Lebender durch den Tod eines anderen [werden] [?]. Dies, Sohn, ist der letzte, höchste Auftrag der Mutter: Befolge mein Wort; darin [liegt] der höchste Dienst. Wenn du im Wald und im Wasser umherziehst, sei nicht nachlässig; durch Nachlässigkeit gehen alle Wesen zugrunde, ohne Zweifel. Und man soll nirgends aus Gier [Gras] auf unebenem Boden [suchen]; durch Gier [kommt] Untergang für alle, in dieser Welt und in jener. In Meer, Wildnis, Kampf gehen sie hinein, von Gier verblendet; aus Gier würde selbst ein Wissender äußerst Grässliches, Unzuträgliches tun.

Wort für Wort
nāsti mātṛsamo nātho nāsti mātṛsamā gatiḥ
kein Beschützer gleicht der Mutter, kein Ziel (Nom.)
nāsti mātṛsamaḥ sneho nāsti mātṛsamaṃ sukham
keine Zuneigung, keine Freude gleicht der Mutter
nāsti mātṛsamo deva ihaloke paratra ca
kein Gott gleicht der Mutter, hier und im Jenseits
eṣa naḥ paramo dharmaḥ prajāpativinirmitaḥ
dies ist unser höchster Dharma, von Prajāpati geschaffen (Part.Perf.Pass.)
ye tu tiṣṭhanti satputrās te yānti paramāṃ gatim
die aber als gute Söhne bleiben, gehen zum höchsten Ziel (3.Pl.Präs.)
mamaiva vihito mṛtyur na tvaṃ putra gamiṣyasi
nur mir ist der Tod bestimmt; du, Sohn, wirst nicht gehen (Part.Perf.Pass.; Fut.)
na cāyam anyajīvānāṃ mṛtyuḥ syād anyamṛtyunā
und dieser [Tod] soll nicht der anderer Lebender durch anderen Tod sein [?] (Opt.)
apaścimam imaṃ putra mātuḥ saṃdeśam uttamam
diesen letzten, höchsten Auftrag der Mutter, Sohn (Akk.)
anutiṣṭhasva madvākyaṃ tatra śuśrūṣaṇaṃ param
befolge mein Wort; darin [ist] der höchste Dienst (Imp.Med.)
vane jale ca vicaran mā pramādaṃ kariṣyasi
im Wald und im Wasser umherziehend, sei nicht nachlässig (Part.Präs.; Prohib.)
pramādāt sarvabhūtāni vinaśyanti na saṃśayaḥ
durch Nachlässigkeit gehen alle Wesen zugrunde (Abl.; 3.Pl.Präs.)
na ca lobhena vartavyaṃ viṣamasthaṃ tṛṇaṃ kva cit
und man soll nirgends aus Gier auf unebenem Boden stehendes Gras [suchen] (Gerundiv unpers.)
lobhād vināśaḥ sarveṣām iha loke paratra ca
aus Gier Untergang aller, hier und im Jenseits (Abl.)
samudram aṭavīṃ yuddhaṃ viśanto lobhamohitāḥ
Meer, Wildnis, Kampf betretend, von Gier verblendet (Part.Präs.; Part.Perf.Pass.)
lobhād akāryam atyugraṃ vidvān api samācaret
aus Gier würde selbst ein Wissender Äußerst-Grässliches, Ungeziemendes tun (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel steht nicht im Text; ab „mamaiva vihito mṛtyuḥ“ spricht der Sinn nach wieder die Mutter. „na cāyam anyajīvānāṃ mṛtyuḥ syād anyamṛtyunā“ ist unsicher.

lobhāt pramādād viśrambhāt tribhir vai badhyate pumān; tasmāl lobhaṃ na kurvīta na pramādaṃ na viśvaset; ātmā ca satataṃ putra rakṣitavyaḥ prayatnataḥ; sarpebhyaḥ śvāpadebhyaś ca mlecchacorādisaṃkaṭe; tiraścāṃ pāpajātīnām ekatra vasatām api; viparītāni cittāni na jñāyante ha putraka; nadīnāṃ nakhināṃ caiva śṛṅgiṇāṃ śastrapāṇinām; viśvāso naiva kartavyaḥ strīṇāṃ veśyājanasya ca; na viśvased aviśvaste viśvaste 'pi na viśvaset; viśvāsād bhayam utpannaṃ mūlāny api nikṛntati; na viśvaset svadehe 'pi calato jīvacetasaḥ; tad vyaktimūḍham atyarthaṃ sadā suptaṃ vicārayet; gandhaḥ sarvatra satatam āghrātavyaḥ prayatnataḥ; gāvaḥ paśyanti gandhena vedaiḥ paśyanti brāhmaṇāḥ

Durch Gier, Nachlässigkeit und Vertrauensseligkeit, durch diese drei wird der Mensch gebunden. Darum soll man nicht gierig sein, nicht nachlässig, nicht [zu sehr] vertrauen. Und das Selbst ist stets, Sohn, mit Bemühung zu schützen: vor Schlangen und Raubtieren, in der Bedrängnis durch Mlecchas, Diebe und dergleichen; unter den niedrig geborenen, sündhaft entstandenen Tieren, selbst wenn sie an einem Ort zusammenleben, sind die Gesinnungen gegensätzlich und werden nicht erkannt, Söhnchen. Bei Flüssen, Krallentieren, Gehörnten und Waffenträgern, bei Frauen und Dirnen soll man keinesfalls vertrauen. Man soll dem nicht Vertrauenswürdigen nicht vertrauen und auch dem Vertrauenswürdigen nicht [zu sehr] vertrauen; aus Vertrauen entstandene Furcht schneidet selbst die Wurzeln ab. Nicht einmal dem eigenen Körper soll man vertrauen, [dessen] Lebenssinn schwankt; das, durch das Offenbare äußerst verblendet, stets schlafend, möge man bedenken [?]. Der Geruch ist überall stets mit Bemühung wahrzunehmen: Kühe sehen durch den Geruch, Brahmanen durch die Veden ...

Wort für Wort
lobhāt pramādād viśrambhāt tribhir vai badhyate pumān
durch Gier, Nachlässigkeit, Vertrauensseligkeit, durch diese drei wird der Mann gebunden (Abl.; Instr.; Präs.Pass.)
tasmāl lobhaṃ na kurvīta na pramādaṃ na viśvaset
darum soll man nicht gierig sein, nicht nachlässig sein, nicht vertrauen (Opt.Med./Akt.)
ātmā ca satataṃ putra rakṣitavyaḥ prayatnataḥ
und das Selbst ist stets, Sohn, mit Bemühung zu schützen (Gerundiv)
sarpebhyaḥ śvāpadebhyaś ca mlecchacorādisaṃkaṭe
vor Schlangen und Raubtieren, in Bedrängnis durch Mlecchas, Diebe usw. (Abl.Pl.; Lok.)
tiraścāṃ pāpajātīnām ekatra vasatām api
unter den Tieren sündhafter Herkunft, auch wenn sie zusammen wohnen (Gen.Pl.)
viparītāni cittāni na jñāyante ha putraka
gegensätzlich sind die Gesinnungen, sie werden nicht erkannt, Söhnchen (Präs.Pass.)
nadīnāṃ nakhināṃ caiva śṛṅgiṇāṃ śastrapāṇinām
bei Flüssen, Krallentieren, Gehörnten und Waffenträgern (Gen.Pl.)
viśvāso naiva kartavyaḥ strīṇāṃ veśyājanasya ca
Vertrauen ist keinesfalls zu fassen, zu Frauen und Dirnen (Gerundiv)
na viśvased aviśvaste viśvaste 'pi na viśvaset
man soll dem Nichtvertrauenswürdigen nicht vertrauen, auch dem Vertrauenswürdigen nicht [zu sehr] (Lok.)
viśvāsād bhayam utpannaṃ mūlāny api nikṛntati
aus Vertrauen entstandene Furcht schneidet auch die Wurzeln ab (Part.Perf.; 3.Sg.Präs.)
na viśvaset svadehe 'pi calato jīvacetasaḥ
man soll nicht einmal dem eigenen Körper vertrauen, [dessen] Lebenssinn wankt (Lok.; Gen.)
tad vyaktimūḍham atyarthaṃ sadā suptaṃ vicārayet
das, durch das Offenbare sehr verblendet, stets schlafend, möge man erwägen [?] (Opt.Kaus.)
gandhaḥ sarvatra satatam āghrātavyaḥ prayatnataḥ
der Geruch ist überall stets sorgfältig wahrzunehmen (Gerundiv)
gāvaḥ paśyanti gandhena vedaiḥ paśyanti brāhmaṇāḥ
Kühe sehen durch den Geruch, Brahmanen durch die Veden (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „tad vyaktimūḍham atyarthaṃ sadā suptaṃ vicārayet“ ist unsicher. Der Satz „gāvaḥ paśyanti ...“ setzt sich in der nächsten Einheit fort („Könige durch Späher, die übrigen Leute mit den Augen“).

cāraiḥ paśyanti rājānaś cakṣurbhyām itare janāḥ; naikas tiṣṭhed vane ghore dharmam ekaś ca cintayet; na codvegas tvayā kāryaḥ sarvasya maraṇaṃ dhruvam; yathā hi pathikaḥ kaś cic chāyām āśritya viśramet; viśramya ca punar gacchet tadvad bhūtasamāgamaḥ; yatrānityaṃ jagat sarvaṃ tatraikaḥ śocyate katham; vatsāntaḥśokam utsṛjya madvākyam anupālaya; śirasy āghrāya taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani; śokena mahatāviṣṭā bāṣpavyākulalocanā; viniḥśvasantī mārgīva vyāghrāṇāṃ vaśam āgatā; putrahīnā jagat sarvaṃ paśyanty andheva sābhavat; mahāpaṅkavinirmagnā tiṣṭhanty evātra sīdati; vilapya bahulā putram uvācedaṃ punar vacaḥ; nāsti putrasamaḥ sneho nāsti putrasamaṃ sukham

... Könige [sehen] durch Späher, die übrigen Leute mit den Augen. Man soll nicht allein im schrecklichen Wald verweilen, und man soll allein über den Dharma nachdenken [?]. Und du sollst keine Aufregung hegen: Für alle ist der Tod gewiss. Wie nämlich ein Wanderer, unter einem Schatten Zuflucht nehmend, ausruht und nach dem Ausruhen wieder weitergeht, so ist das Zusammentreffen der Wesen. Wenn die ganze Welt vergänglich ist, wie kann da einer allein betrauert werden? Gib die innere Trauer um das Kalb auf [?] und befolge mein Wort.“ Nachdem sie dem Kalb den Scheitel beschnuppert und ihm den Kopf beleckt hatte, von großer Trauer erfüllt, mit tränenverwirrten Augen, seufzend, wie eine Hirschkuh in die Gewalt von Tigern geraten, sohnlos, die ganze Welt gleichsam wie eine Blinde sehend, im großen Morast versunken, steht sie nur da und sinkt ein. Nachdem Bahulā geklagt hatte, sprach sie zum Sohn wieder diese Worte: „Keine Zuneigung gleicht der zum Sohn, keine Freude gleicht dem Sohn ...

Wort für Wort
cāraiḥ paśyanti rājānaś cakṣurbhyām itare janāḥ
Könige sehen durch Späher, die übrigen Leute mit den Augen (Instr.)
naikas tiṣṭhed vane ghore dharmam ekaś ca cintayet
man soll nicht allein im schrecklichen Wald verweilen, und allein über den Dharma nachdenken [?] (Opt.)
na codvegas tvayā kāryaḥ sarvasya maraṇaṃ dhruvam
und du sollst keine Aufregung hegen; für alle ist der Tod gewiss (Gerundiv)
yathā hi pathikaḥ kaś cic chāyām āśritya viśramet
wie nämlich ein Wanderer, im Schatten Zuflucht nehmend, ausruht (Abs.; Opt.)
viśramya ca punar gacchet tadvad bhūtasamāgamaḥ
und nach dem Ausruhen wieder weitergeht; so ist das Zusammentreffen der Wesen (Abs.; Opt.)
yatrānityaṃ jagat sarvaṃ tatraikaḥ śocyate katham
wo die ganze Welt vergänglich ist, wie wird da einer betrauert? (Präs.Pass.)
vatsāntaḥśokam utsṛjya madvākyam anupālaya
die innere Trauer um das Kalb [?] aufgebend, achte auf mein Wort (Abs.; Imp.Kaus.)
śirasy āghrāya taṃ vatsam avalihya ca mūrdhani
nachdem sie am Scheitel das Kalb beschnuppert und am Kopf beleckt (Abs.)
śokena mahatāviṣṭā bāṣpavyākulalocanā
von großer Trauer erfüllt, mit tränenverwirrten Augen (Bahuvrīhi)
viniḥśvasantī mārgīva vyāghrāṇāṃ vaśam āgatā
seufzend, gleich einer Hirschkuh, in die Gewalt von Tigern geraten (Part.Präs.; Part.Perf.)
putrahīnā jagat sarvaṃ paśyanty andheva sābhavat
sohnlos, die ganze Welt wie eine Blinde sehend, war sie (Impf.)
mahāpaṅkavinirmagnā tiṣṭhanty evātra sīdati
im großen Morast versunken, steht sie nur da und sinkt ein (Part.Präs.; 3.Sg.Präs.)
vilapya bahulā putram uvācedaṃ punar vacaḥ
nachdem Bahulā geklagt hatte, sprach sie zum Sohn wieder diese Worte (Abs.; Perf.)
nāsti putrasamaḥ sneho nāsti putrasamaṃ sukham
keine Zuneigung gleicht dem Sohn, keine Freude gleicht dem Sohn

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der erste Satz setzt die Einheit 28 fort. „dharmam ekaś ca cintayet“ und „vatsāntaḥśokam“ sind unsicher (Text möglicherweise gestört). Der letzte Satz setzt sich in der nächsten Einheit fort.

nāsti putrasamā prītir nāsti putrasamā gatiḥ; aputrasya jagac chūnyam aputrasya gṛhaṃ kutaḥ; putreṇa jayate lokān putreṇa narakaṃ jayet; anṛtaṃ vadate lokaś candanaṃ kila śītalam; putragātrapariṣvaṅgaś candanād api śītalaḥ; digambaraṃ gatavrīḍaṃ jaṭilaṃ dhūlidhūsaram; puṇyair vinā na paśyanti gaṅgādharam ivātmajam; kiṃ candanena pīyūṣabindunā kiṃ kim indunā; putragātrapariṣvaṅgapātraṃ gātraṃ bhaved yadi; iti putraguṇān uktvā nirīkṣya ca muhur muhuḥ; svamātaraṃ sakhīr gopān kramāt tān anupṛcchati; yūthasyāgre carantīṃ mām āsasāda mṛgādhipaḥ; muktāhaṃ tena śapathaiḥ kulaṃ dṛṣṭvāgamiṣyasi; sāhaṃ bhavantaṃ saṃdraṣṭuṃ mātaraṃ svakulaṃ sutam; āgatā satyavākyena punar yāsyāmi tatra ca

Keine Zuneigung gleicht der zum Sohn, kein Ziel gleicht dem Sohn. Für den Sohnlosen ist die Welt leer; wie [soll] der Sohnlose ein Haus [haben]? Durch den Sohn gewinnt man Welten; durch den Sohn möge man die Hölle besiegen. Die Leute sagen Unwahres, der Sandel sei kühl; die Umarmung des Körpers des Sohnes ist kühler als Sandel. Einen Nackten, Schamlosen, mit verfilztem Haar, staubgrauen sehen [die Leute] ohne Verdienste nicht, [so wie] den eigenen Sohn gleichsam als Gaṅgādhara [Śiva]. Was [nützt] Sandel, was ein Tropfen Nektar, was der Mond, wenn [nur] der Körper das Gefäß der Umarmung des Sohnes-Körpers sein könnte? Nachdem sie so die Vorzüge des Sohnes genannt und immer wieder hingeblickt hatte, fragt sie der Reihe nach die eigene Mutter, die Freundinnen, die Hirten: „Als ich an der Spitze der Herde umherging, näherte sich mir der Tierfürst; ich wurde von ihm durch Schwüre freigelassen [mit den Worten]: ‚Nachdem du die Sippe gesehen hast, wirst du kommen.‘ Ich, um euch zu sehen, die Mutter, die eigene Sippe, den Sohn, bin ich durch das wahre Wort gekommen; und wieder werde ich dorthin gehen.“

Wort für Wort
nāsti putrasamā prītir nāsti putrasamā gatiḥ
keine Zuneigung gleicht dem Sohn, kein Ziel gleicht dem Sohn
aputrasya jagac chūnyam aputrasya gṛhaṃ kutaḥ
für den Sohnlosen ist die Welt leer; woher ein Haus für den Sohnlosen? (Gen.)
putreṇa jayate lokān putreṇa narakaṃ jayet
durch den Sohn gewinnt man Welten, durch den Sohn besiegt man die Hölle (Instr.; Präs.Med.; Opt.)
anṛtaṃ vadate lokaś candanaṃ kila śītalam
die Leute sagen Unwahres: der Sandel sei ja kühl (3.Sg.Präs.Med.)
putragātrapariṣvaṅgaś candanād api śītalaḥ
die Umarmung des Sohneskörpers ist kühler als Sandel (Abl.)
digambaraṃ gatavrīḍaṃ jaṭilaṃ dhūlidhūsaram
den Nackten, Schamlosen, Verfilzten, Staubgrauen (Akk.Sg.m.)
puṇyair vinā na paśyanti gaṅgādharam ivātmajam
ohne Verdienste sehen sie [ihn] nicht, den Sohn gleichsam als Gaṅgādhara [?] (Instr.; 3.Pl.)
kiṃ candanena pīyūṣabindunā kiṃ kim indunā
was [nützt] Sandel, ein Tropfen Nektar, was der Mond? (Instr.)
putragātrapariṣvaṅgapātraṃ gātraṃ bhaved yadi
wenn der Körper ein Gefäß der Umarmung des Sohneskörpers wäre (Opt.)
iti putraguṇān uktvā nirīkṣya ca muhur muhuḥ
so die Vorzüge des Sohnes genannt und immer wieder hingeblickt habend (Abs.)
svamātaraṃ sakhīr gopān kramāt tān anupṛcchati
die eigene Mutter, die Freundinnen, die Hirten fragt sie der Reihe nach (3.Sg.Präs.)
yūthasyāgre carantīṃ mām āsasāda mṛgādhipaḥ
mich, an der Herdenspitze Umherziehende, näherte sich der Tierfürst (Perf.)
muktāhaṃ tena śapathaiḥ kulaṃ dṛṣṭvāgamiṣyasi
ich wurde von ihm durch Schwüre freigelassen: „die Sippe gesehen, wirst du kommen“ (Part.Perf.Pass.; Abs.; Fut.)
sāhaṃ bhavantaṃ saṃdraṣṭuṃ mātaraṃ svakulaṃ sutam
ich, um euch zu sehen, die Mutter, die eigene Sippe, den Sohn (Inf.)
āgatā satyavākyena punar yāsyāmi tatra ca
bin ich durch das wahre Wort gekommen, und werde wieder dorthin gehen (Part.Perf.; Fut.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „putreṇa jayate lokān putreṇa narakaṃ jayet“ und die Strophe über „gaṅgādharam ivātmajam“ (Śiva Gaṅgādhara) sind knapp; „puṇyair vinā na paśyanti“ wörtlich („ohne Verdienste sehen sie nicht“) wiedergegeben und im Sinn unsicher.

mātaḥ kṣamasva tat sarvaṃ bālatve yat kṛtaṃ mayā; nyāsas tavāyaṃ dauhitraḥ kim anyat prabravīmi te; vipule campake dāme bhadre surabhi mālini; vasudhāre śriye nande mahānande ghaṭasrave; ajñānāj jñānato vāpi yad uktaṃ kva cid apriyam; tat kṣamadhvaṃ mahābhāgāḥ paścād yac ca kṛtaṃ mayā; sarvāḥ sarvaguṇopetāḥ sarvalokasya mātaraḥ; sarvāḥ sarvapradā nityaṃ rakṣadhvaṃ mama bālakam; anātham abalaṃ dīnaṃ sīdantaṃ mama putrakam; mātṛśokābhisaṃtaptaṃ bhaginyaḥ pālayiṣyatha; bhaginīnām ayaṃ putraḥ sāṃprataṃ ca viśeṣataḥ; bālo 'balābhiḥ sarvābhiḥ poṣyaḥ pālyaś ca putravat; carantaṃ viṣame sthāne gacchantaṃ paragokule; akāryeṣu pravartantaṃ he sakhyo vārayiṣyatha

„Mutter, verzeih mir das alles, was ich in meiner Kindheit getan habe. Dieser dein Enkel ist [dir] anvertraut; was soll ich dir sonst sagen? Vipulā, Campakā, Dāmā, gute Surabhi, Mālinī, Vasudhārā, Śrī, Nandā, Mahānandā, Ghaṭasravā! Was ich aus Unwissenheit oder wissentlich irgendwann Unfreundliches gesagt habe, und was ich später getan habe: das verzeiht, ihr Hochbeglückten. Ihr alle, mit allen Vorzügen ausgestattet, Mütter der ganzen Welt, ihr alle, stets alles gewährend, schützt mein Söhnchen; den Schutzlosen, Schwachen, Elenden, Niedergedrückten, mein Söhnchen, vom Kummer um die Mutter verbrannt, werdet ihr, Schwestern, behüten. Dieser Sohn ist jetzt besonders der Schwestern; das Kind ist von euch allen, den Schwachen, wie ein Sohn zu nähren und zu behüten. Wenn er an unebenem Ort umherzieht, in eine fremde Kuhherde geht, sich auf Ungeziemendes einlässt, werdet ihr ihn, ihr Freundinnen, davon abhalten.

Wort für Wort
mātaḥ kṣamasva tat sarvaṃ bālatve yat kṛtaṃ mayā
Mutter, verzeih das alles, was ich in der Kindheit getan habe (Vok.; Imp.Med.)
nyāsas tavāyaṃ dauhitraḥ kim anyat prabravīmi te
dieser Tochtersohn ist dir anvertraut; was soll ich dir sonst sagen? (Nom.; 1.Sg.Präs.)
vipule campake dāme bhadre surabhi mālini
Vipulā, Campakā, Dāmā, Gute, Surabhi, Mālinī (Vok.f.)
vasudhāre śriye nande mahānande ghaṭasrave
Vasudhārā, Śrī, Nandā, Mahānandā, Ghaṭasravā (Vok.f.)
ajñānāj jñānato vāpi yad uktaṃ kva cid apriyam
was ich aus Unwissen oder wissentlich irgendwo Unfreundliches gesagt (Abl.; Part.Perf.Pass.)
tat kṣamadhvaṃ mahābhāgāḥ paścād yac ca kṛtaṃ mayā
das verzeiht, Hochbeglückte, und was später von mir getan wurde (Imp.Med.; Vok.Pl.)
sarvāḥ sarvaguṇopetāḥ sarvalokasya mātaraḥ
ihr alle, mit allen Vorzügen ausgestattet, Mütter der ganzen Welt (Vok.Pl.f.)
sarvāḥ sarvapradā nityaṃ rakṣadhvaṃ mama bālakam
ihr alle, Allgewährende, schützt stets mein Söhnchen (Imp.Med.)
anātham abalaṃ dīnaṃ sīdantaṃ mama putrakam
den Schutzlosen, Schwachen, Elenden, Niedersinkenden, mein Söhnchen (Akk.)
mātṛśokābhisaṃtaptaṃ bhaginyaḥ pālayiṣyatha
vom Kummer um die Mutter verbrannt, werdet ihr, Schwestern, behüten (Fut.)
bhaginīnām ayaṃ putraḥ sāṃprataṃ ca viśeṣataḥ
dieser Sohn ist der Schwestern, jetzt besonders (Gen.Pl.)
bālo 'balābhiḥ sarvābhiḥ poṣyaḥ pālyaś ca putravat
das Kind ist von allen Schwachen wie ein Sohn zu nähren und zu behüten (Instr.Pl.f.; Gerundiv)
carantaṃ viṣame sthāne gacchantaṃ paragokule
[wenn er] an unebener Stelle umherzieht, in eine fremde Kuhherde geht (Part.Präs.; Akk.)
akāryeṣu pravartantaṃ he sakhyo vārayiṣyatha
bei Ungeziemendem sich betätigt, werdet ihr, Freundinnen, ihn abhalten (Lok.Pl.; Fut.Kaus.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Anrufungen „vipule campake dāme bhadre surabhi mālini ...“ sind wohl Namen bzw. Beinamen von Kühen im Vokativ; die Deutung einzelner Formen (z. B. „bhadre“, „śriye“) ist unsicher.

paraputrātmaputreṣu yāsāṃ cittaṃ samaṃ bhavet; tā dhanyās tāḥ kṛtārthāś ca tāḥ striyas tāś ca mātaraḥ; modante devalokeṣu tā gāvas tāś ca yoṣitaḥ; yāḥ pālayanty anāthāṃś ca paraputrān ātmaputravat; tasmād anāthaṃ matputraṃ putravat pālayiṣyatha; rakṣadhvaṃ ca mahābhāgā yāsyāmi satyasaṃśrayāt; yataḥ sarvasya jātasya sthitaṃ maraṇam agrataḥ; na cāsmadgamane manyuḥ sakhyaḥ kāryaḥ kathaṃ cana; śrutvaitad bahulāvākyaṃ mātā sakhyaś ca vihvalāḥ; viṣādaṃ paramaṃ jagmur idam ūcuḥ suvismitāḥ; aho sumahad āścaryaṃ yad vyāghravadanaṃ mahat; praveṣṭum udyatā bhīmaṃ bahulā satyavākyataḥ; śapathaiḥ satyavākyena vañcayitvā yato bhayam; nāśitavyaṃ prayatnena tat kathaṃ gamyate punaḥ

Die, deren Sinn gegenüber fremden Söhnen und eigenen Söhnen gleich ist, diese sind beglückt, diese haben ihren Zweck erreicht, diese sind [die wahren] Frauen und Mütter; sie freuen sich in den Götterwelten, diese Kühe und diese Frauen, die die Schutzlosen, fremde Söhne, wie eigene Söhne behüten. Darum werdet ihr meinen schutzlosen Sohn wie einen Sohn behüten. Und schützt [ihn], Hochbeglückte; ich werde gehen, gestützt auf die Wahrheit, da für alles Geborene der Tod vorn steht. Und wegen meines Weggangs sollt ihr, Freundinnen, keinesfalls Groll hegen.“ Als die Mutter und die Freundinnen diese Rede Bahulās gehört hatten, gerieten sie ganz außer sich; sie gerieten in höchste Verzweiflung und sagten sehr erstaunt: „Oh, sehr großes Wunder: Bahulā ist aufgrund [ihres] wahren Wortes im Begriff, in den furchtbaren, großen Tigerrachen einzutreten! Nachdem man doch den, von dem die Gefahr ausgeht, durch Schwüre und wahres Wort getäuscht hat, ist [die Gefahr] mit Anstrengung zu meiden [?]; wie geht man dann wieder [dorthin]?“

Wort für Wort
paraputrātmaputreṣu yāsāṃ cittaṃ samaṃ bhavet
deren Sinn zu fremden und eigenen Söhnen gleich sei (Lok.Pl.; Opt.)
tā dhanyās tāḥ kṛtārthāś ca tāḥ striyas tāś ca mātaraḥ
sie sind gesegnet, haben ihren Zweck erreicht, sie sind Frauen und Mütter (Nom.Pl.f.)
modante devalokeṣu tā gāvas tāś ca yoṣitaḥ
sie freuen sich in Götterwelten, diese Kühe und diese Frauen (3.Pl.Präs.Med.)
yāḥ pālayanty anāthāṃś ca paraputrān ātmaputravat
die die Schutzlosen, fremde Söhne, wie eigene Söhne behüten (3.Pl.Präs.)
tasmād anāthaṃ matputraṃ putravat pālayiṣyatha
darum werdet ihr meinen schutzlosen Sohn wie einen Sohn behüten (Fut.)
rakṣadhvaṃ ca mahābhāgā yāsyāmi satyasaṃśrayāt
und schützt [ihn], Hochbeglückte; ich werde gehen, gestützt auf die Wahrheit (Imp.Med.; Fut.; Abl.)
yataḥ sarvasya jātasya sthitaṃ maraṇam agrataḥ
da für alles Geborene der Tod vorn steht (Gen.; Part.Perf.)
na cāsmadgamane manyuḥ sakhyaḥ kāryaḥ kathaṃ cana
und über mein Weggehen soll, Freundinnen, keinesfalls Groll gehegt werden (Lok.; Gerundiv)
śrutvaitad bahulāvākyaṃ mātā sakhyaś ca vihvalāḥ
als sie dieses Wort Bahulās gehört, Mutter und Freundinnen, verwirrt (Abs.; Nom.Pl.f.)
viṣādaṃ paramaṃ jagmur idam ūcuḥ suvismitāḥ
gerieten sie in höchste Verzweiflung, sagten dies sehr erstaunt (Perf.)
aho sumahad āścaryaṃ yad vyāghravadanaṃ mahat
oh, sehr großes Wunder, dass [sie] in den großen Tigerrachen (Nom.Sg.n.)
praveṣṭum udyatā bhīmaṃ bahulā satyavākyataḥ
einzutreten bereit ist, Bahulā, wegen wahren Wortes (Inf.; Part.Perf.Pass.; Abl.)
śapathaiḥ satyavākyena vañcayitvā yato bhayam
nachdem man [den], von dem die Gefahr [kommt], durch Schwüre und wahres Wort getäuscht hat [?] (Abs.)
nāśitavyaṃ prayatnena tat kathaṃ gamyate punaḥ
[ist die Gefahr] mit Anstrengung zu beseitigen; wie geht man dann wieder [hin]? (Gerundiv; Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der letzte Satz („śapathaiḥ satyavākyena vañcayitvā yato bhayam; nāśitavyaṃ prayatnena“) ist im Sinn unsicher (wörtlich: „nachdem man durch Schwüre und wahres Wort getäuscht hat, wovon Furcht [kommt], ist es mit Anstrengung zu vernichten“).

bahule naiva gantavyaṃ dharmo 'yaṃ katamas tava; yad bālaṃ svakulaṃ tyaktvā satyalobhena gamyate; atra gāthāḥ purā gītā ṛṣibhis tattvadarśibhiḥ; prāṇatyāge samutpanne śapathair nāsti pātakam; uktvānṛtaṃ bhaved yatra prāṇināṃ prāṇarakṣaṇam; anṛtaṃ tatra vai satyaṃ satyaṃ caivānṛtaṃ bhavet; kāminīṣu vivāheṣu gavāṃ kārye tathaiva ca; bahulā; brāhmaṇābhyupapattau ca śapathair nāsti pātakam; pareṣāṃ prāṇarakṣārthaṃ vadāmy evānṛtaṃ vacaḥ; nātmārtham utsahe vaktuṃ svalpam apy anṛtaṃ kva cit; ekaḥ saṃśliṣyate garbhe jāyetaiko mriyeta ca; bhuṅkte caikaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ mātaḥ satyaṃ vadāmy aham; satye pratiṣṭhito loko dharmaḥ satye pratiṣṭhitaḥ; udadhiḥ satyavākyena maryādāṃ na vilaṅghati

„Bahulā, du sollst keinesfalls gehen! Was für ein Dharma ist das von dir, dass man, das Kind und die eigene Sippe verlassend, aus Wahrheitsgier hingeht? Hierzu wurden einst von wahrheitsschauenden Sehern Strophen gesungen: ‚Wenn das Aufgeben des Lebens eingetreten ist, gibt es bei Schwüren keine Sünde. Wo durch Aussprechen der Unwahrheit das Leben der Lebewesen zu retten ist, da würde Unwahrheit zur Wahrheit und Wahrheit zur Unwahrheit; bei Geliebten, bei Hochzeiten und ebenso in Sachen der Kühe ...‘ Bahulā [sprach]: ‚... und beim Beistand für Brahmanen gibt es bei Schwüren keine Sünde.‘ Um das Leben anderer zu retten, sage ich [nur] unwahre Rede; für mich selbst wage ich nirgends, auch nur ein wenig Unwahres zu sagen. Einzeln wird man im Mutterleib eingeschlossen, einzeln wird man geboren und stirbt; einzeln genießt man Glück und Leid, Mutter: ich spreche die Wahrheit. In der Wahrheit ist die Welt gegründet, der Dharma ist in der Wahrheit gegründet; das Meer überschreitet durch das wahre Wort die Grenze nicht.

Wort für Wort
bahule naiva gantavyaṃ dharmo 'yaṃ katamas tava
Bahulā, es ist keinesfalls zu gehen; was für ein Dharma ist dies von dir? (Vok.; Gerundiv)
yad bālaṃ svakulaṃ tyaktvā satyalobhena gamyate
dass man, Kind und Sippe verlassend, aus Wahrheitsgier hingeht (Abs.; Instr.; Präs.Pass.)
atra gāthāḥ purā gītā ṛṣibhis tattvadarśibhiḥ
hierzu wurden einst Strophen gesungen von wahrheitsschauenden Sehern (Part.Perf.Pass.)
prāṇatyāge samutpanne śapathair nāsti pātakam
wenn das Aufgeben des Lebens eingetreten ist, gibt es bei Schwüren keine Sünde (Lok.abs.; Instr.)
uktvānṛtaṃ bhaved yatra prāṇināṃ prāṇarakṣaṇam
wo durch Aussprechen von Unwahrem das Leben der Lebewesen geschützt wird (Abs.; Opt.)
anṛtaṃ tatra vai satyaṃ satyaṃ caivānṛtaṃ bhavet
da würde Unwahrheit zur Wahrheit und Wahrheit zur Unwahrheit (Opt.)
kāminīṣu vivāheṣu gavāṃ kārye tathaiva ca
bei Geliebten, bei Hochzeiten, und ebenso in Sachen der Kühe (Lok.)
bahulā
Bahulā [sprach] (Nom.)
brāhmaṇābhyupapattau ca śapathair nāsti pātakam
und beim Beistand für Brahmanen gibt es bei Schwüren keine Sünde (Lok.)
pareṣāṃ prāṇarakṣārthaṃ vadāmy evānṛtaṃ vacaḥ
zum Schutz des Lebens anderer spreche ich [nur] unwahre Rede (Gen.Pl.; 1.Sg.Präs.)
nātmārtham utsahe vaktuṃ svalpam apy anṛtaṃ kva cit
für mich selbst wage ich nirgends, auch nur wenig Unwahres zu sagen (Inf.)
ekaḥ saṃśliṣyate garbhe jāyetaiko mriyeta ca
einzeln wird man im Mutterleib verbunden, wird einzeln geboren und stirbt (Präs.Pass.; Opt.Med.)
bhuṅkte caikaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ mātaḥ satyaṃ vadāmy aham
und einzeln genießt man Glück und Leid, Mutter; ich spreche Wahrheit (3.Sg.Präs.Med.)
satye pratiṣṭhito loko dharmaḥ satye pratiṣṭhitaḥ
in der Wahrheit ist die Welt gegründet, der Dharma ist in der Wahrheit gegründet (Lok.; Part.Perf.Pass.)
udadhiḥ satyavākyena maryādāṃ na vilaṅghati
das Meer überschreitet durch das wahre Wort die Grenze nicht (Instr.; Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe „bahulā“ steht im Text offenbar eine Zeile zu früh: „brāhmaṇābhyupapattau ca ...“ gehört noch zur Strophe, erst „pareṣāṃ prāṇarakṣārtham ...“ spricht Bahulā. „kāminīṣu“ (bei Frauen/Geliebten) ist mehrdeutig.

viṣṇave pṛthivīṃ dattvā baliḥ pātālam āśritaḥ; chadmanā ca balir baddhaḥ satyavākyena tiṣṭhati; pravardhamānaḥ śailendraḥ śatayojanam ucchritaḥ; satyena saṃsthito vindhyo na pravṛddhaḥ sa sāṃpratam; svargāpavarganarakāḥ sarve vāci pratiṣṭhitāḥ; yas tāṃ lopayate vācam aśeṣaṃ tena lopitam; yo 'nyathā santam ātmānam anyathā satsu bhāṣate; kiṃ tena na kṛtaṃ pāpaṃ coreṇātmāpahāriṇā; tasmān naivāham ātmānam asatyena ca lopaye; yāsyāmi narakaṃ ghoraṃ vilopyātmānam ātmanā; agādhe vipule śuddhe satyatīrthe kṣamāhrade; snātvā pāpavinirmuktaḥ prayāti paramāṃ gatim; aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca tulayā dhṛtam; aśvamedhasahasrād dhi satyam eva viśiṣyate

Nachdem Bali dem Viṣṇu die Erde gegeben hatte, nahm er Zuflucht in Pātāla; durch List wurde Bali gebunden; er bleibt [dort] durch [sein] wahres Wort. Der Herr der Berge, der Vindhya, wuchs [und] erhob sich hundert Yojanas; durch die Wahrheit steht er fest, er ist jetzt nicht mehr gewachsen. Himmel, Erlösung und Höllen sind alle in der Rede gegründet; wer diese Rede zunichtemacht, von dem wird alles zunichtegemacht. Wer sich selbst, der so ist, anders darstellt, unter Guten anders spricht: was für eine Sünde hat der nicht getan, der Dieb, der sich selbst beraubt? Darum will ich mich selbst keinesfalls durch Unwahrheit vernichten; ich würde in die schreckliche Hölle gehen, nachdem ich mich selbst durch mich selbst vernichtet hätte. In der unergründlichen, weiten, reinen Wahrheits-Furt, dem See der Nachsicht, badend, von Sünde befreit, geht man zum höchsten Ziel. Tausend Rossopfer und die Wahrheit wurden auf die Waage gelegt; wahrlich, die Wahrheit übertrifft tausend Rossopfer.

Wort für Wort
viṣṇave pṛthivīṃ dattvā baliḥ pātālam āśritaḥ
nachdem Bali dem Viṣṇu die Erde gegeben, nahm er Zuflucht in Pātāla (Dat.; Abs.; Part.Perf.)
chadmanā ca balir baddhaḥ satyavākyena tiṣṭhati
und durch List wurde Bali gebunden; er besteht durch wahres Wort (Instr.; Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Präs.)
pravardhamānaḥ śailendraḥ śatayojanam ucchritaḥ
der wachsende Bergherr, hundert Yojanas hoch aufgeragt (Part.Präs.Med.; Part.Perf.)
satyena saṃsthito vindhyo na pravṛddhaḥ sa sāṃprataṃ
durch die Wahrheit steht der Vindhya fest, er ist jetzt nicht [weiter] gewachsen (Part.Perf.Pass.)
svargāpavarganarakāḥ sarve vāci pratiṣṭhitāḥ
Himmel, Erlösung, Höllen sind alle in der Rede gegründet (Lok.)
yas tāṃ lopayate vācam aśeṣaṃ tena lopitam
wer diese Rede zunichtemacht, von dem ist alles zunichtegemacht (Kaus.; Part.Perf.Pass.)
yo 'nyathā santam ātmānam anyathā satsu bhāṣate
wer sich selbst, der so ist, anders unter Guten darstellt (Akk.; 3.Sg.Präs.Med.)
kiṃ tena na kṛtaṃ pāpaṃ coreṇātmāpahāriṇā
welche Sünde ist von dem nicht getan, dem Dieb, der sich selbst raubt? (Instr.)
tasmān naivāham ātmānam asatyena ca lopaye
darum will ich mich selbst keinesfalls durch Unwahrheit vernichten (Opt.Kaus.)
yāsyāmi narakaṃ ghoraṃ vilopyātmānam ātmanā
ich würde in die schreckliche Hölle gehen, nachdem ich mich selbst durch mich selbst vernichtet habe (Fut.; Abs.)
agādhe vipule śuddhe satyatīrthe kṣamāhrade
in der unergründlichen, weiten, reinen Wahrheitsfurt, dem See der Nachsicht (Lok.Sg.)
snātvā pāpavinirmuktaḥ prayāti paramāṃ gatim
gebadet, von Sünde befreit, geht man zum höchsten Ziel (Abs.; Part.Perf.Pass.)
aśvamedhasahasraṃ ca satyaṃ ca tulayā dhṛtam
tausend Rossopfer und die Wahrheit wurden auf die Waage gelegt (Instr.; Part.Perf.Pass.)
aśvamedhasahasrād dhi satyam eva viśiṣyate
wahrlich, die Wahrheit übertrifft tausend Rossopfer (Abl.; Präs.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Anspielungen auf die Legenden von Bali und Vāmana bzw. vom Vindhya-Gebirge (das nach Agastyas Gebot nicht weiter wuchs).

satyaṃ sādhu tapaḥ śrutaṃ ca paramaṃ kleśādibhir varjitaṃ; svādhīnaṃ ca sudurlabhaṃ ca jagataḥ sādhāraṇaṃ bhūṣaṇam; sādhūnāṃ nikaṣaṃ satāṃ kuladhanaṃ sarvāśramāṇāṃ balaṃ; yan mleccho 'pi vidhāya gacchati divaṃ tat tyajya tiṣṭhet katham; sakhyaḥ; bahule tvaṃ namaskāryā sarvair api surāsuraiḥ; mā tvaṃ paramasatyena prāṇāṃs tyajasi dustyajān; brūmaḥ kim atra kalyāṇi yā tvaṃ dharmadhuraṃdharā; tyāgenānena yat prāpyaṃ trailokye kaḥ samo 'sti te; adhiyogaṃ ca paśyāmas tyāgād asmāt sutena te; na hi kalyāṇacittānām āpadaḥ santi kutra cit; dṛṣṭvā gopāñjanaṃ sarvaṃ parikramya ca gokulam; bahulā prasthitā devān vṛkṣāṃś cāpṛcchya tān punaḥ; kṣitiṃ ca jalam agniṃ ca vāyuṃ khārkaniśākaram

„Wahrheit ist gut, [sie ist] Askese und höchstes Überliefertes, von Leiden usw. frei, in eigener Macht und sehr schwer zu erlangen, ein gemeinsamer Schmuck der Welt; der Prüfstein der Guten, das Sippenvermögen der Rechtschaffenen, die Kraft aller Lebensstufen; durch deren Ausübung sogar ein Mleccha in den Himmel geht: Wie könnte man sie aufgeben und [dabei] bleiben?“ Die Freundinnen [sprachen]: „Bahulā, du bist von allen, auch von Göttern und Asuras, zu verehren! Gib nicht wegen höchster Wahrheit das schwer aufzugebende Leben auf. Was sollen wir hier sagen, Glückverheißende, die du die Deichsel des Dharma trägst? Wer in den drei Welten ist dir gleich? Und wir sehen [für dich] durch diesen Verzicht einen Zuwachs [?] mit deinem Sohn; denn für die mit glückverheißendem Sinn gibt es nirgends Gefahren.“ Nachdem sie alle Hirtenleute gesehen und die Kuhherde umrundet hatte, brach Bahulā auf, nachdem sie noch von den Göttern und jenen Bäumen Abschied genommen hatte, von der Erde, dem Wasser, dem Feuer, dem Wind, dem Himmelsraum, Sonne, Nacht und Mond ...

Wort für Wort
satyaṃ sādhu tapaḥ śrutaṃ ca paramaṃ kleśādibhir varjitaṃ
Wahrheit ist gut, Askese und höchstes Überliefertes, von Leiden usw. frei (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
svādhīnaṃ ca sudurlabhaṃ ca jagataḥ sādhāraṇaṃ bhūṣaṇam
in eigener Macht und sehr schwer erlangbar, ein gemeinsamer Schmuck der Welt
sādhūnāṃ nikaṣaṃ satāṃ kuladhanaṃ sarvāśramāṇāṃ balaṃ
Prüfstein der Guten, Sippenvermögen der Rechtschaffenen, Kraft aller Lebensstufen (Gen.Pl.)
yan mleccho 'pi vidhāya gacchati divaṃ tat tyajya tiṣṭhet katham
durch deren Ausübung selbst ein Mleccha zum Himmel geht: wie könnte man sie aufgeben und [dabei] bleiben? (Abs.; Opt.)
sakhyaḥ
die Freundinnen [sprachen] (Nom.Pl.f.)
bahule tvaṃ namaskāryā sarvair api surāsuraiḥ
Bahulā, du bist von allen, auch Göttern und Asuras, zu verehren (Gerundiv; Instr.)
mā tvaṃ paramasatyena prāṇāṃs tyajasi dustyajān
gib nicht um höchster Wahrheit willen die schwer aufgebbaren Lebenshauche auf (Prohib.; Akk.Pl.)
brūmaḥ kim atra kalyāṇi yā tvaṃ dharmadhuraṃdharā
was sollen wir hier sagen, Glückverheißende, du, die die Dharma-Deichsel trägt (Vok.; 1.Pl.Präs.)
tyāgenānena yat prāpyaṃ trailokye kaḥ samo 'sti te
wer im Dreiweltraum ist dir gleich, durch diesen Verzicht, was zu erlangen ist [?] (Instr.; Gerundiv)
adhiyogaṃ ca paśyāmas tyāgād asmāt sutena te
und wir sehen [für dich] eine Verbindung/einen Zuwachs [?] durch diesen Verzicht mit deinem Sohn (Abl.; Instr.)
na hi kalyāṇacittānām āpadaḥ santi kutra cit
denn für die mit glückverheißendem Sinn gibt es nirgends Gefahren (Gen.Pl.)
dṛṣṭvā gopāñjanaṃ sarvaṃ parikramya ca gokulam
alle Hirtenleute gesehen [?] und die Kuhherde umrundet habend (Abs.)
bahulā prasthitā devān vṛkṣāṃś cāpṛcchya tān punaḥ
brach Bahulā auf, nachdem sie von den Göttern und jenen Bäumen wieder Abschied genommen (Part.Perf.; Abs.)
kṣitiṃ ca jalam agniṃ ca vāyuṃ khārkaniśākaram
Erde, Wasser, Feuer, Wind, Himmelsraum, Sonne, Nacht und Mond (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die erste Strophe ist syntaktisch hart („yan mleccho 'pi vidhāya gacchati divaṃ tat tyajya tiṣṭhet katham“); „adhiyogaṃ ca paśyāmas tyāgād asmāt sutena te“ und „gopāñjanaṃ“ sind unsicher (letzteres wohl Hirtenleute). Der Satz setzt sich in der nächsten Einheit fort.

daśadigdevatām adrīn nakṣatrāṇi grahāṃs tathā; sarvān vijñāpayāmy adya praṇipatya muhur muhuḥ; svaiḥ svaiḥ prabhāvai rakṣadhvam anāthaṃ mama vatsakam; karuṇāhitacittānāṃ na syāt parajano yataḥ; tasmāt karuṇayā bālam anāthaṃ pālayiṣyatha; ye saṃśritā vane siddhāḥ sarvāś ca vanadevatāḥ; vane carantaṃ me bālaṃ te rakṣantu sutaṃ mama; campakāśokapuṃnāgasaralārjunakiṃśukāḥ; śṛṇvantu pādapāḥ sarve saṃdeśaṃ mama viklavam; bālam ekākinaṃ dīnaṃ carantaṃ viṣame vane; rakṣadhvaṃ vatsakaṃ bālaṃ snehāt putram ivaurasam; mātāpitṛvinirmuktam anāthaṃ dīnam āturam; vicarantam imāṃ bhūmiṃ krandamānaṃ suduḥkhitam; tasyehākrandamānasya matputrasya mahāvane; mātṛśokābhibhūtasya kṣutpipāsāturasya ca

... die Götter der zehn Himmelsrichtungen, die Berge, ebenso Sternbilder und Planeten, alle ersuche ich heute, mich immer wieder niederwerfend: Schützt mit euren jeweiligen Kräften mein schutzloses Kälbchen; denn für die, deren Sinn dem Mitleid zugewandt ist, gibt es keinen Fremden. Darum werdet ihr aus Mitleid das schutzlose Kind behüten. Die Vollendeten, die im Wald wohnen, und alle Waldgottheiten sollen mein Kind, meinen Sohn, schützen, der im Wald umherzieht. Campaka, Aśoka, Puṃnāga, Sarala, Arjuna, Kiṃśuka: alle Bäume sollen meinen bekümmerten Auftrag hören: Schützt das Kälbchen, das einsame, elende Kind, das in wildem Wald umherzieht, aus Liebe wie einen leiblichen Sohn; das von Mutter und Vater verlassene, schutzlose, elende, gequälte, die Erde durchwandernde, weinende, tief betrübte [Kind]; und diesen, meinen Sohn, der hier im großen Wald schreit, von Trauer um die Mutter überwältigt, von Hunger und Durst gequält ...

Wort für Wort
daśadigdevatām adrīn nakṣatrāṇi grahāṃs tathā
die Gottheiten der zehn Himmelsrichtungen, die Berge, Sternbilder und Planeten (Akk.Pl.)
sarvān vijñāpayāmy adya praṇipatya muhur muhuḥ
alle ersuche ich heute, mich immer wieder niederwerfend (1.Sg.Präs.Kaus.; Abs.)
svaiḥ svaiḥ prabhāvai rakṣadhvam anāthaṃ mama vatsakam
mit euren jeweiligen Kräften schützt mein schutzloses Kälbchen (Instr.Pl.; Imp.Med.)
karuṇāhitacittānāṃ na syāt parajano yataḥ
denn für die, deren Sinn auf Mitleid gerichtet ist, gibt es keinen Fremden (Gen.Pl.; Opt.)
tasmāt karuṇayā bālam anāthaṃ pālayiṣyatha
darum werdet ihr aus Mitleid das schutzlose Kind behüten (Fut.)
ye saṃśritā vane siddhāḥ sarvāś ca vanadevatāḥ
die im Wald wohnenden Vollendeten und alle Waldgottheiten (Part.Perf.Pass.)
vane carantaṃ me bālaṃ te rakṣantu sutaṃ mama
sie sollen mein im Wald umherziehendes Kind, meinen Sohn, schützen (Imp.)
campakāśokapuṃnāgasaralārjunakiṃśukāḥ
Campaka, Aśoka, Puṃnāga, Sarala, Arjuna, Kiṃśuka (Nom.Pl.)
śṛṇvantu pādapāḥ sarve saṃdeśaṃ mama viklavam
alle Bäume sollen meinen bekümmerten Auftrag hören (Imp.)
bālam ekākinaṃ dīnaṃ carantaṃ viṣame vane
das einsame, elende Kind, das im unwegsamen Wald umherzieht (Akk.)
rakṣadhvaṃ vatsakaṃ bālaṃ snehāt putram ivaurasam
schützt das Kälbchen, das Kind, aus Liebe wie einen leiblichen Sohn (Imp.Med.)
mātāpitṛvinirmuktam anāthaṃ dīnam āturam
das von Mutter und Vater verlassene, schutzlose, elende, gequälte (Akk.)
vicarantam imāṃ bhūmiṃ krandamānaṃ suduḥkhitam
die Erde durchwandernde, weinende, tief betrübte (Part.Präs.)
tasyehākrandamānasya matputrasya mahāvane
und dieses, hier im großen Wald schreienden, meines Sohnes (Gen.; Lok.)
mātṛśokābhibhūtasya kṣutpipāsāturasya ca
von Trauer um die Mutter überwältigt, von Hunger und Durst gequält (Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Aufzählung der Angerufenen setzt sich aus der vorigen Einheit fort; „sarvān vijñāpayāmi“ bezieht sich auf alle zuvor Genannten.

nyastasyaikākinaḥ śūnyaṃ jagat sarvaṃ prapaśyataḥ; caramāṇasya kartavyaṃ sānukrośasya rakṣaṇam; evaṃ saṃdiśya bahulā putrasnehavaśaṃ gatā; śokāgninātisaṃtaptā chinnāśā putradarśane; viyuktā cakravākīva lateva patitā taroḥ; andheva yaṣṭirahitā praskhalantī pade pade; gatvā tu sā punas tatra yatrāsau piśitāśanaḥ; āste visphūrjitamukhas tīkṣṇadaṃṣṭro bhayānakaḥ; vyāghraṃ dṛṣṭvā tu sā dhenur idaṃ vacanam abravīt; āgatāhaṃ mahābhāga satyadharmavyavasthayā; kuru tṛptiṃ yathākāmaṃ mama māṃsena sāṃpratam; tarpayasva svabhūtāni pañcāsya śoṇitena me; vyāghraḥ; svāgataṃ tava kalyāṇi bahule satyavādini; na hi satyavatāṃ kiṃ cid aśubhaṃ vidyate kva cit; tvayoktaṃ bahule pūrvaṃ satyāt pratyāgatā punaḥ

... [für] den Verlassenen, Einsamen, der die ganze Welt leer sieht, den Umherziehenden, ist von dem Mitleidigen Schutz zu gewähren.“ Nachdem Bahulā so aufgetragen hatte, in die Gewalt der Sohnesliebe geraten, vom Trauerfeuer ganz verbrannt, mit abgeschnittener Hoffnung, den Sohn zu sehen, [ging sie fort] wie eine getrennte Cakravākī, wie eine vom Baum gefallene Liane, wie eine Blinde ohne Stock bei jedem Schritt stolpernd; sie ging wieder dorthin, wo jener Fleischfresser sitzt, mit aufgesperrtem Rachen, scharf bezahnt, furchterregend. Als jene Kuh den Tiger sah, sprach sie diese Worte: „Ich bin gekommen, Hochbeglückter, gemäß der Ordnung des Wahrheits-Dharma. Stille jetzt deinen Hunger nach Belieben mit meinem Fleisch; sättige deine Elemente, Fünfgesichtiger, mit meinem Blut.“ Der Tiger [sprach]: „Willkommen, Glückverheißende, Bahulā, Wahrsprechende; denn den Wahrhaftigen gibt es nirgends etwas Unheilvolles. Du hast früher gesagt, Bahulā, [und] bist aus Wahrheit wieder gekommen ...

Wort für Wort
nyastasyaikākinaḥ śūnyaṃ jagat sarvaṃ prapaśyataḥ
des Verlassenen [?], Einsamen, der die ganze Welt leer sieht (Gen.)
caramāṇasya kartavyaṃ sānukrośasya rakṣaṇam
des Umherziehenden: Schutz ist vom Mitleidigen zu leisten (Gen.; Gerundiv)
evaṃ saṃdiśya bahulā putrasnehavaśaṃ gatā
so aufgetragen habend, Bahulā, in die Gewalt der Sohnesliebe geraten (Abs.; Part.Perf.)
śokāgninātisaṃtaptā chinnāśā putradarśane
vom Trauerfeuer stark verbrannt, hoffnungslos, den Sohn zu sehen (Instr.; Part.Perf.Pass.)
viyuktā cakravākīva lateva patitā taroḥ
wie eine getrennte Cakravākī, wie eine vom Baum gefallene Liane (Abl.)
andheva yaṣṭirahitā praskhalantī pade pade
wie eine Blinde ohne Stock, bei jedem Schritt strauchelnd (Part.Präs.)
gatvā tu sā punas tatra yatrāsau piśitāśanaḥ
nachdem sie wieder dorthin gegangen, wo jener Fleischfresser [ist] (Abs.)
āste visphūrjitamukhas tīkṣṇadaṃṣṭro bhayānakaḥ
sitzt, mit brüllendem Rachen, scharfzähnig, furchterregend (3.Sg.Präs.Med.)
vyāghraṃ dṛṣṭvā tu sā dhenur idaṃ vacanam abravīt
als jene Kuh den Tiger sah, sprach sie diese Worte (Abs.; Impf.)
āgatāhaṃ mahābhāga satyadharmavyavasthayā
ich bin gekommen, Hochbeglückter, gemäß der Ordnung des Wahrheits-Dharma (Instr.)
kuru tṛptiṃ yathākāmaṃ mama māṃsena sāṃpratam
stille [deinen Hunger] jetzt nach Belieben mit meinem Fleisch (Imp.)
tarpayasva svabhūtāni pañcāsya śoṇitena me
sättige deine Elemente [?], Fünfgesichtiger, mit meinem Blut (Imp.Med.Kaus.; Vok.)
vyāghraḥ
der Tiger [sprach] (Nom.)
svāgataṃ tava kalyāṇi bahule satyavādini
willkommen, Glückverheißende, Bahulā, Wahrsprechende (Vok.)
na hi satyavatāṃ kiṃ cid aśubhaṃ vidyate kva cit
denn für Wahrhaftige gibt es nirgends etwas Unheilvolles (Gen.Pl.)
tvayoktaṃ bahule pūrvaṃ satyāt pratyāgatā punaḥ
von dir wurde früher gesprochen, Bahulā; aus Wahrheit bist du wieder gekommen (Part.Perf.Pass.; Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Einheit beginnt mit dem Rest der Anrufung. „nyastasya“ ist unsicher (etwa „Verlassener/Anvertrauter“), „sānukrośasya rakṣaṇam“ wörtlich: „Schutz des Mitleidigen“. Der Satz „tvayoktaṃ bahule pūrvam ...“ setzt sich in der nächsten Einheit fort.

tena naḥ kautukaṃ jātaṃ prāptāgacchet kathaṃ punaḥ; anyathā māṃ samāsādya jīvantī yāsyase katham; tac ca naḥ kautukaṃ pūrṇaṃ dṛṣṭaṃ satyaṃ gavāṃ mayā; tasmād anena satyena vimuktāsi mayādhunā; satye pratiṣṭhitā lokā dharmaḥ satye pratiṣṭhitaḥ; satye pratiṣṭhitaṃ jñānaṃ sarvaṃ satye pratiṣṭhitam; satyena devās tuṣyanti satyena pitaras tathā; satyena ṛṣayaḥ siddhāḥ sarvaṃ satye pratiṣṭhitam; dhanyā gāvaḥ kṣitir dhanyā dhanyā tvam api dhenuke; dhanyaḥ sa rājā yatra tvaṃ vasase satyavādini; dhanyaḥ sarāṣṭraḥ satṛṇaḥ prāṇivṛkṣasamanvitaḥ; cacāra bahulā yatra diṣṭyā pāpavināśinī; te dhanyās te kṛtārthāś ca tair eva sukṛtaṃ kṛtam; taiḥ prāptaṃ janmanaḥ sāraṃ ye pibanti gavāṃ payaḥ

... deshalb ist uns Neugier entstanden: Wie würde die [zu mir] Gelangte wieder kommen? [?] Sonst, wie würdest du, mir begegnet, lebend fortgehen? Und diese Neugier ist erfüllt: Von mir wurde die Wahrheit der Kühe gesehen. Darum bist du durch diese Wahrheit jetzt von mir freigelassen. In der Wahrheit sind die Welten gegründet, der Dharma ist in der Wahrheit gegründet; in der Wahrheit ist das Wissen gegründet, alles ist in der Wahrheit gegründet. Durch Wahrheit sind die Götter zufrieden, durch Wahrheit ebenso die Ahnen, durch Wahrheit die Ṛṣis und Siddhas; alles ist in der Wahrheit gegründet. Gesegnet sind die Kühe, gesegnet die Erde, gesegnet auch du, Kuh; gesegnet jener König, bei dem du wohnst, Wahrsprechende; gesegnet das Reich samt Gras, mit Tieren und Bäumen, wo Bahulā, die Sündenvernichterin, glücklicherweise umherzog. Sie sind gesegnet, sie haben ihren Zweck erreicht, von ihnen wurde Gutes getan; von ihnen wurde des Lebens Kern erlangt, die Kuhmilch trinken.

Wort für Wort
tena naḥ kautukaṃ jātaṃ prāptāgacchet kathaṃ punaḥ
deshalb ist uns Neugier entstanden: wie würde die [zu mir] Gelangte wiederkommen? [?] (Opt.)
anyathā māṃ samāsādya jīvantī yāsyase katham
sonst, wie würdest du, mir begegnet, lebend fortgehen? (Abs.; Part.Präs.; Fut.)
tac ca naḥ kautukaṃ pūrṇaṃ dṛṣṭaṃ satyaṃ gavāṃ mayā
und diese Neugier ist erfüllt; die Wahrheit der Kühe wurde von mir gesehen (Part.Perf.Pass.)
tasmād anena satyena vimuktāsi mayādhunā
darum bist du durch diese Wahrheit von mir jetzt freigelassen (Instr.; Part.Perf.Pass.)
satye pratiṣṭhitā lokā dharmaḥ satye pratiṣṭhitaḥ
in der Wahrheit sind die Welten gegründet, der Dharma ist in der Wahrheit gegründet
satye pratiṣṭhitaṃ jñānaṃ sarvaṃ satye pratiṣṭhitam
in der Wahrheit ist das Wissen gegründet, alles ist in der Wahrheit gegründet
satyena devās tuṣyanti satyena pitaras tathā
durch Wahrheit sind die Götter zufrieden, durch Wahrheit ebenso die Ahnen (3.Pl.Präs.)
satyena ṛṣayaḥ siddhāḥ sarvaṃ satye pratiṣṭhitam
durch Wahrheit die Ṛṣis und Siddhas; alles ist in der Wahrheit gegründet
dhanyā gāvaḥ kṣitir dhanyā dhanyā tvam api dhenuke
gesegnet die Kühe, gesegnet die Erde, gesegnet auch du, Kuh (Vok.)
dhanyaḥ sa rājā yatra tvaṃ vasase satyavādini
gesegnet jener König, bei dem du wohnst, Wahrsprechende (2.Sg.Präs.)
dhanyaḥ sarāṣṭraḥ satṛṇaḥ prāṇivṛkṣasamanvitaḥ
gesegnet das Reich samt Gras, mit Tieren und Bäumen versehen
cacāra bahulā yatra diṣṭyā pāpavināśinī
wo Bahulā umherzog, glücklicherweise, die Sündenvernichterin (Perf.)
te dhanyās te kṛtārthāś ca tair eva sukṛtaṃ kṛtam
sie sind gesegnet, haben ihren Zweck erreicht, von ihnen ist Gutes getan (Part.Perf.Pass.)
taiḥ prāptaṃ janmanaḥ sāraṃ ye pibanti gavāṃ payaḥ
von ihnen ist der Kern des Lebens erlangt, die Kuhmilch trinken (Gen.Pl.; 3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „prāptāgacchet kathaṃ punaḥ“ ist im Wortlaut unsicher (wohl „wie sollte die schon zu mir Gelangte wiederkommen?“); der erste Satz schließt an die vorige Einheit an.

mṛgendraḥ pratyayaṃ gatvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ; pratyādeśo 'yam asmākaṃ sarvair devaiḥ pradarśitaḥ; tat kariṣyāmy ahaṃ karma yena mokṣyāmi kilbiṣāt; mayā jīvasahasrāṇi bhakṣitāni hatāni ca; gatiṃ kāṃ nu gamiṣyāmi dṛṣṭvā gosatyam īdṛśam; ahaṃ pāpī durācāro nṛśaṃso jīvaghātakaḥ; kāṃl lokān hi gamiṣyāmi kṛtvā karma sudāruṇam; gamiṣye puṇyatīrthāni kariṣye kāyaśodhanam; patiṣye girim āsādya viśe vāpi hutāśanam; bahule yan mayā kāryaṃ tapaḥ pāpaviśuddhaye; bahulā; tad ādeśaya saṃkṣepān na kālo vistarasya me; tapaḥ kṛte praśaṃsanti tretāyāṃ yajñakarma ca; dvāpare dhyānayogaṃ ca dānam ekaṃ kalau yuge; sarveṣām eva dānānām idam evaikam uttamam; abhayaṃ sarvabhūtānāṃ nāsti dānam ataḥ param

Der Tierfürst, der Vertrauen gefasst hatte, geriet in höchstes Staunen: „Diese Zurückweisung ist uns von allen Göttern gezeigt worden. Also werde ich ein Werk tun, durch das ich vom Frevel frei werde. Von mir wurden Tausende Lebewesen gefressen und getötet. Welchen Weg werde ich gehen, nachdem ich eine solche Wahrheit der Kuh gesehen habe? Ich bin ein Sünder, Übeltäter, grausam, ein Töter von Lebewesen; in welche Welten werde ich gehen, nachdem ich sehr schreckliche Taten getan habe? Ich werde zu heiligen Furten gehen, ich werde Körperreinigung üben; ich werde einen Berg erklimmen und mich hinabstürzen, oder [ich stürze mich] ins Gift oder ins Feuer. Bahulā, welche Askese ist von mir zur Reinigung von Sünde zu tun?“ Bahulā [sprach]: „Weise mich darum kurz an; ich habe keine Zeit für Ausführlichkeit.“ ... Im Kṛta-Zeitalter preist man Askese, im Tretā das Opferwerk, im Dvāpara die Yoga-Versenkung und im Kali-Zeitalter allein die Gabe. Von allen Gaben ist dies die eine beste: die Furchtlosigkeit gegenüber allen Wesen; es gibt keine Gabe, die höher wäre als diese.

Wort für Wort
mṛgendraḥ pratyayaṃ gatvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ
der Tierfürst, Vertrauen gefasst, geriet in höchstes Staunen (Abs.; Part.Perf.)
pratyādeśo 'yam asmākaṃ sarvair devaiḥ pradarśitaḥ
diese Zurückweisung [?] ist uns von allen Göttern gezeigt worden (Part.Perf.Pass.)
tat kariṣyāmy ahaṃ karma yena mokṣyāmi kilbiṣāt
so werde ich ein Werk tun, durch das ich vom Frevel frei werde (Fut.; Fut.Med.)
mayā jīvasahasrāṇi bhakṣitāni hatāni ca
von mir wurden Tausende Lebewesen gefressen und getötet (Part.Perf.Pass.)
gatiṃ kāṃ nu gamiṣyāmi dṛṣṭvā gosatyam īdṛśam
welchen Weg werde ich gehen, nachdem ich solche Wahrheit der Kuh gesehen habe? (Abs.)
ahaṃ pāpī durācāro nṛśaṃso jīvaghātakaḥ
ich bin ein Sünder, Übeltäter, grausam, ein Töter von Lebewesen
kāṃl lokān hi gamiṣyāmi kṛtvā karma sudāruṇam
in welche Welten werde ich gehen, nachdem ich sehr schreckliche Taten getan? (Abs.)
gamiṣye puṇyatīrthāni kariṣye kāyaśodhanam
ich werde zu heiligen Furten gehen, Körperreinigung üben (Fut.Med.)
patiṣye girim āsādya viśe vāpi hutāśanam
ich werde, einen Berg erreichend, hinabstürzen, oder ins Gift oder ins Feuer (Fut.; Abs.; Lok.)
bahule yan mayā kāryaṃ tapaḥ pāpaviśuddhaye
Bahulā, welche Askese ist von mir zur Sündenreinigung zu tun? (Gerundiv; Dat.)
bahulā
Bahulā [sprach] (Nom.)
tad ādeśaya saṃkṣepān na kālo vistarasya me
so weise [mich] kurz an; ich habe keine Zeit für Ausführlichkeit (Imp.Kaus.; Abl.)
tapaḥ kṛte praśaṃsanti tretāyāṃ yajñakarma ca
im Kṛta[-Zeitalter] preist man Askese, im Tretā das Opferwerk (Lok.; 3.Pl.Präs.)
dvāpare dhyānayogaṃ ca dānam ekaṃ kalau yuge
im Dvāpara die Versenkung, im Kali-Zeitalter allein die Gabe (Lok.)
sarveṣām eva dānānām idam evaikam uttamam
von allen Gaben ist dies allein die beste (Gen.Pl.)
abhayaṃ sarvabhūtānāṃ nāsti dānam ataḥ param
Furchtlosigkeit für alle Wesen; keine Gabe gibt es, die höher wäre (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe „bahulā“ steht im Text offenbar eine Zeile zu früh: „tad ādeśaya saṃkṣepān na kālo vistarasya me“ ist noch Rede des Tigers, erst „tapaḥ kṛte praśaṃsanti ...“ spricht Bahulā. „pratyādeśaḥ“ (Zurückweisung, Gegenbescheid; hier wohl „Fingerzeig“) ist unsicher.

carācarāṇāṃ bhūtānām abhayaṃ yaḥ prayacchati; sa sarvabhayanirmuktaḥ paraṃ brahmādhigacchati; nāsty ahiṃsāparaṃ dānaṃ nāsty ahiṃsāparo damaḥ; yathā hastipadenānyat padaṃ sarvaṃ pralīyate; sarve dharmās tathā vyāghra vidhīyante hy ahiṃsayā; yogavṛkṣasya yā chāyā tāpatrayavināśinī; dharmajñānasupuṣpasya svargamokṣaphalasya ca; duḥkhatrayārkasaṃtaptaś chāyāṃ yogataroḥ śritaḥ; na badhyate punar duḥkhaiḥ prāpya nirvāṇam uttamam; ity evaṃ paramaṃ śreyaḥ kīrtitaṃ te samāsataḥ; vyāghraḥ; jñātaṃ caitat tvayā sarvaṃ kevalaṃ māṃ hi pṛcchasi; ahaṃ devaiḥ purā sarvair vyāghrarūpeṇa pātitaḥ; tatra prāṇivadhe ghore aśeṣaṃ mama vismṛtam; tvatsaṃparkopadeśena saṃjātaṃ smaraṇaṃ punaḥ

Wer den beweglichen und unbeweglichen Wesen Furchtlosigkeit gewährt, der wird von aller Furcht befreit und erreicht das höchste Brahman. Es gibt keine Gabe, die höher wäre als Gewaltlosigkeit, keine Selbstbeherrschung höher als Gewaltlosigkeit. Wie durch den Elefantenfuß jeder andere Fußabdruck verschwindet, so, Tiger, werden alle Dharmas durch Gewaltlosigkeit [bestimmt]. Der Schatten des Yoga-Baumes, der die dreifache Glut vernichtet, [des Baumes] mit den schönen Blüten des Dharma-Wissens und den Früchten Himmel und Erlösung: Wer, von der Sonne der dreifachen Leiden versengt, im Schatten des Yoga-Baumes Zuflucht genommen hat, wird nicht wieder von Leiden gebunden, nachdem er das höchste Nirvāṇa erlangt hat. So ist dir das höchste Heil in Kürze verkündet worden.“ Der Tiger [sprach]: „Dies alles ist von dir erkannt worden; du fragst ja nur mich [?]. Ich wurde einst von allen Göttern in Tigergestalt hinabgestoßen; da ist mir in dem schrecklichen Töten der Lebewesen alles [Frühere] entfallen; durch die Unterweisung im Zusammensein mit dir ist die Erinnerung wieder entstanden.

Wort für Wort
carācarāṇāṃ bhūtānām abhayaṃ yaḥ prayacchati
wer beweglichen und unbeweglichen Wesen Furchtlosigkeit gibt (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.)
sa sarvabhayanirmuktaḥ paraṃ brahmādhigacchati
der, von aller Furcht befreit, erreicht das höchste Brahman (Part.Perf.Pass.)
nāsty ahiṃsāparaṃ dānaṃ nāsty ahiṃsāparo damaḥ
keine Gabe gibt es, die höher als Gewaltlosigkeit wäre, keine Selbstbeherrschung (Bahuvrīhi)
yathā hastipadenānyat padaṃ sarvaṃ pralīyate
wie durch den Elefantenfuß jeder andere Fußabdruck verschwindet (Instr.; Präs.Pass.)
sarve dharmās tathā vyāghra vidhīyante hy ahiṃsayā
so, Tiger, werden alle Dharmas durch Gewaltlosigkeit [bestimmt] (Vok.; Präs.Pass.)
yogavṛkṣasya yā chāyā tāpatrayavināśinī
der Schatten des Yoga-Baumes, der die dreifache Glut vernichtet (Gen.; Nom.Sg.f.)
dharmajñānasupuṣpasya svargamokṣaphalasya ca
[des Baumes] mit den schönen Blüten des Dharma-Wissens und den Früchten Himmel und Erlösung (Bahuvrīhi)
duḥkhatrayārkasaṃtaptaś chāyāṃ yogataroḥ śritaḥ
von der Sonne der dreifachen Leiden versengt, im Schatten des Yoga-Baumes Zuflucht genommen (Part.Perf.Pass.)
na badhyate punar duḥkhaiḥ prāpya nirvāṇam uttamam
wird nicht wieder durch Leiden gebunden, nachdem er höchstes Nirvāṇa erlangt hat (Präs.Pass.; Abs.)
ity evaṃ paramaṃ śreyaḥ kīrtitaṃ te samāsataḥ
so ist dir das höchste Heil in Kürze verkündet worden (Part.Perf.Pass.)
vyāghraḥ
der Tiger [sprach] (Nom.)
jñātaṃ caitat tvayā sarvaṃ kevalaṃ māṃ hi pṛcchasi
dies alles ist von dir erkannt; nur mich fragst du [?] (Part.Perf.Pass.)
ahaṃ devaiḥ purā sarvair vyāghrarūpeṇa pātitaḥ
ich wurde einst von allen Göttern in Tigergestalt hinabgestoßen (Part.Perf.Kaus.Pass.)
tatra prāṇivadhe ghore aśeṣaṃ mama vismṛtam
da im schrecklichen Töten von Lebewesen ist mir alles entfallen (Lok.; Part.Perf.Pass.)
tvatsaṃparkopadeśena saṃjātaṃ smaraṇaṃ punaḥ
durch die Unterweisung im Umgang mit dir ist die Erinnerung wieder entstanden (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „jñātaṃ caitat tvayā sarvaṃ kevalaṃ māṃ hi pṛcchasi“ ist im Sinn unsicher. „yogavṛkṣasya yā chāyā“ setzt einen Satz ohne Prädikat fort; „vidhīyante“ wörtlich „werden angeordnet/vollzogen“.

muktaśāpaś ca saṃjātaḥ prasādāt tava dhenuke; bahule gaccha tuṣṭo 'smi putreṇa sahitā bhava; tvaṃ cāpy anena satyena gamiṣyasi parāṃ gatim; tato yogaṃ samāśritya vyāghras tadgatamānasaḥ; prāṇāyāmaiḥ svakaṃ dehaṃ parityajya divaṃ gataḥ; sarvapāpaviśuddhātmā yogaiśvaryasamanvitaḥ; vimāne haṃsasaṃyukte mahatā apsarogaṇaiḥ; vimānasaṃsthitaṃ dṛṣṭvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ; bahulā hṛṣṭatuṣṭāṅgī gokulaṃ punar āgatā; āgatya ca yathāvṛttaṃ vyāghrasaṃvādam uttamam; sakhībhyaḥ kathayām āsa putrasya ca viśeṣataḥ; bahulā putrasaṃyuktā suprītā sunirākulā; godhanair vṛṣabhair vatsair gopagopījanair vṛtā; vicacārāṭavīṃ sarvām aśeṣabhayavarjitā; yatheṣṭaceṣṭam abhavad gokulaṃ tatprabhāvataḥ

„Vom Fluch bin ich befreit durch deine Gnade, Kuh. Bahulā, geh; ich bin zufrieden; sei mit deinem Sohn vereint. Und auch du wirst durch diese Wahrheit zum höchsten Ziel gelangen.“ Dann, nachdem der Tiger sich dem Yoga zugewandt hatte, den Sinn darauf gerichtet, gab er durch Atemübungen den eigenen Körper auf und ging zum Himmel, im ganzen Selbst von aller Sünde geläutert, mit der Yoga-Herrschaft begabt, in einem mit Schwänen bespannten Himmelswagen, von großen Apsaras-Scharen [begleitet]. Als sie ihn im Himmelswagen sitzen sah, geriet Bahulā in höchstes Staunen; mit freudig zufriedenen Gliedern kam sie wieder zum Kuhstall; und dort angekommen erzählte sie den Freundinnen der Reihe nach das vorzügliche Gespräch mit dem Tiger, und besonders ihrem Sohn. Bahulā, mit dem Sohn vereint, sehr froh, ganz ohne Unruhe, umgeben von Rinderherde, Stieren, Kälbern, Hirten und Hirtinnen, streifte durch den ganzen Wald, frei von jeder Furcht; durch ihre Kraft wurde der Kuhstall [ganz] nach Wunsch tätig.

Wort für Wort
muktaśāpaś ca saṃjātaḥ prasādāt tava dhenuke
und ich bin vom Fluch befreit durch deine Gnade, Kuh (Bahuvrīhi; Part.Perf.)
bahule gaccha tuṣṭo 'smi putreṇa sahitā bhava
Bahulā, geh; ich bin zufrieden; sei mit dem Sohn vereint (Imp.)
tvaṃ cāpy anena satyena gamiṣyasi parāṃ gatim
und auch du wirst durch diese Wahrheit zum höchsten Ziel gehen (Fut.)
tato yogaṃ samāśritya vyāghras tadgatamānasaḥ
dann, sich dem Yoga zugewandt, der Tiger, den Sinn darauf gerichtet (Abs.; Bahuvrīhi)
prāṇāyāmaiḥ svakaṃ dehaṃ parityajya divaṃ gataḥ
durch Atemübungen den eigenen Körper aufgegeben, ging er zum Himmel (Abs.; Part.Perf.)
sarvapāpaviśuddhātmā yogaiśvaryasamanvitaḥ
vom Selbst her von aller Sünde geläutert, mit Yoga-Herrschaft begabt (Bahuvrīhi)
vimāne haṃsasaṃyukte mahatā apsarogaṇaiḥ
im schwanenbespannten Himmelswagen, mit großen Apsaras-Scharen [?] (Lok.; Instr.)
vimānasaṃsthitaṃ dṛṣṭvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ
ihn im Himmelswagen sitzend gesehen, geriet sie/er in höchstes Staunen (Abs.; Part.Perf.)
bahulā hṛṣṭatuṣṭāṅgī gokulaṃ punar āgatā
Bahulā, mit freudig zufriedenen Gliedern, kam wieder zum Kuhstall (Bahuvrīhi; Part.Perf.)
āgatya ca yathāvṛttaṃ vyāghrasaṃvādam uttamam
und angekommen, das wie es geschehen war vorzügliche Gespräch mit dem Tiger (Abs.; Akk.)
sakhībhyaḥ kathayām āsa putrasya ca viśeṣataḥ
erzählte sie den Freundinnen, und besonders dem Sohn (Dat.Pl.; Perf.Periphr.)
bahulā putrasaṃyuktā suprītā sunirākulā
Bahulā, mit dem Sohn vereint, sehr froh, ganz unbekümmert (Nom.Sg.f.)
godhanair vṛṣabhair vatsair gopagopījanair vṛtā
umgeben von Rinderherde, Stieren, Kälbern, Hirten und Hirtinnen (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
vicacārāṭavīṃ sarvām aśeṣabhayavarjitā
durchstreifte den ganzen Wald, frei von jeder Furcht (Perf.; Part.Perf.Pass.)
yatheṣṭaceṣṭam abhavad gokulaṃ tatprabhāvataḥ
nach Wunsch tätig wurde der Kuhstall durch ihre Kraft (Impf.; Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Im Text ist der Wechsel des Subjekts in „vimānasaṃsthitaṃ dṛṣṭvā vismayaṃ paramaṃ gataḥ“ (Mask.) mit folgendem „bahulā“ nicht ganz glatt; „yatheṣṭaceṣṭam abhavad gokulam“ ist wörtlich übertragen.

sarāṣṭrabhṛtyarājānaṃ sāntaḥpuraparicchadam; sarvān gopāṃś ca tān dṛṣṭvā gopīgomaṇḍalāni ca; iti saṃgṛhya tān sarvān bahulā prasthitā divam; mahāvimānaiḥ śrīmadbhir asaṃkhyaiḥ sarvatovṛtam; prāpya svargaṃ kramād ūrdhvam aśeṣaiḥ sahitā punaḥ; upary upari lokānāṃ gatvā golokam āsthitā; tatra saṃbhogasaṃkīrṇe asaṃkhyātaiḥ purottamaiḥ; bhīṣmaḥ; krīḍate sahitā sarvair yāvad ābhūtasaṃplavam; ity etat satyavākyasya māhābhāgyam udāhṛtam; yaḥ paṭhec chṛṇuyād vāpi svargalokaṃ sa gacchati; bahulāvyāghrasaṃvādaṃ yaḥ paṭhet satataṃ dvijaḥ; śṛṇuyād ekacittaś ca sa vyāghrair nābhibhūyate; viyuktā yā sutair nārī naro vāpi paṭhet sadā; so 'pi pāpair vinirmuktaḥ putrair bhavati saṃgataḥ

Nachdem sie den König samt Reich, Dienerschaft, Harem und Hofstaat, alle jene Hirten, die Hirtinnen und Rinderscharen gesehen und so alle mitgenommen hatte, brach Bahulā zum Himmel auf, [den Himmel] von unzähligen strahlenden Himmelswagen ringsum umgeben. Nachdem sie den Himmel erreicht hatte, stufenweise aufwärts, wieder mit allen zusammen, ging sie über die Welten immer höher hinaus und gelangte zum Goloka. Dort, in der von Genüssen erfüllten [Welt] mit unzähligen vorzüglichen Städten, Bhīṣma [sprach]: spielt sie vereint mit allen, bis zur Weltauflösung. So ist die Größe des wahren Wortes verkündet worden. Wer dies liest oder auch hört, geht in die Himmelswelt. Ein Brahmane, der das Gespräch zwischen Bahulā und dem Tiger stets liest und mit gesammeltem Sinn hört, wird von Tigern nicht überwältigt. Die Frau, die von den Söhnen getrennt ist, oder ein Mann, der es stets liest: auch er ist von Sünden befreit und wird mit Söhnen vereint.

Wort für Wort
sarāṣṭrabhṛtyarājānaṃ sāntaḥpuraparicchadam
den König samt Reich, Dienerschaft, Harem und Gefolge (Akk.Sg.m.; Bahuvrīhi)
sarvān gopāṃś ca tān dṛṣṭvā gopīgomaṇḍalāni ca
und alle jene Hirten, die Hirtinnen und Rinderscharen gesehen (Abs.; Akk.Pl.)
iti saṃgṛhya tān sarvān bahulā prasthitā divam
so alle jene mitgenommen, brach Bahulā zum Himmel auf (Abs.; Part.Perf.)
mahāvimānaiḥ śrīmadbhir asaṃkhyaiḥ sarvatovṛtam
von unzähligen prächtigen großen Himmelswagen ringsum umgeben (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
prāpya svargaṃ kramād ūrdhvam aśeṣaiḥ sahitā punaḥ
den Himmel erreicht, stufenweise aufwärts, wieder mit allen zusammen (Abs.; Abl.)
upary upari lokānāṃ gatvā golokam āsthitā
immer höher über den Welten, nachdem sie gegangen, gelangte sie zum Goloka (Abs.; Part.Perf.)
tatra saṃbhogasaṃkīrṇe asaṃkhyātaiḥ purottamaiḥ
dort, in der von Genüssen erfüllten [Welt] mit zahllosen vorzüglichen Städten (Lok.; Instr.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach] (Nom.)
krīḍate sahitā sarvair yāvad ābhūtasaṃplavam
sie spielt vereint mit allen bis zur Weltauflösung (3.Sg.Präs.Med.)
ity etat satyavākyasya māhābhāgyam udāhṛtam
so ist dies die Größe des wahren Wortes, verkündet (Part.Perf.Pass.)
yaḥ paṭhec chṛṇuyād vāpi svargalokaṃ sa gacchati
wer es liest oder auch hört, geht in die Himmelswelt (Opt.)
bahulāvyāghrasaṃvādaṃ yaḥ paṭhet satataṃ dvijaḥ
der Brahmane, der das Gespräch Bahulās und des Tigers stets liest (Opt.)
śṛṇuyād ekacittaś ca sa vyāghrair nābhibhūyate
und mit gesammeltem Sinn hört, wird von Tigern nicht überwältigt (Opt.; Präs.Pass.)
viyuktā yā sutair nārī naro vāpi paṭhet sadā
die Frau, die von Söhnen getrennt ist, oder ein Mann, der stets liest (Part.Perf.Pass.)
so 'pi pāpair vinirmuktaḥ putrair bhavati saṃgataḥ
auch er wird von Sünden befreit, mit Söhnen vereint (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Anfang ist syntaktisch lose („iti saṃgṛhya tān sarvān“ nimmt die Aufzählung der Mitgenommenen auf). Die Sprecherangabe „bhīṣmaḥ“ steht mitten im Satz.

yaḥ paṭhet prātar utthāya caturdaśyaṣṭamīṣu ca; satāṃ puṇyakṛtāṃ lokān gacchate nātra saṃśayaḥ; gavāṃ goṣṭhe ca paṭhatāṃ govṛddhir nātra saṃśayaḥ; kṣetramadhye ca paṭhatāṃ sasyavṛddhiḥ prajāyate; gṛhamadhye ca paṭhatāṃ bālānāṃ śāntivardhanam; bhaved grahābhibhūtānāṃ rakṣām etāṃ ca yaḥ paṭhet; durgeṣu paṭhatāṃ nityam aṭavyāyataneṣu ca; divā vā yadi vā rātrau na bhayaṃ vidyate kva cit; duḥsvapnāriṣṭadurmitraṃ śrutvedaṃ saṃpraṇaśyati; vandhyāyāś ca bhavet putraḥ saṃmataś ca patir bhavet; kumārī ca sadā śṛṇvan vīraṃ patim avāpnuyāt; nārī vā puruṣo vāpi durbhagaḥ subhago bhavet; gavāṃ parvasu bhaktyā ca māhātmyaṃ purataḥ paṭhet; sa govṛddhim avāpnoti golokaṃ caiva gacchati

Wer es morgens nach dem Aufstehen liest, sowie an den vierzehnten und achten [Tagen der Monatshälfte], der geht in die Welten der Guten und Verdienstvollen, ohne Zweifel. Wer es im Kuhstall der Kühe liest, dessen Rinderbestand wächst, ohne Zweifel; wer es inmitten des Feldes liest, dem entsteht Zuwachs der Saat; wer es inmitten des Hauses liest: für die Kinder mehrt sich der Friede; und wer diesen Schutz für von Dämonen [?] Besessene liest, [dem wird er zum Schutz] [?]. Denen, die es in Festungen, im Wald und an Heiligtümern stets lesen, ist bei Tag oder bei Nacht nirgends Furcht. Wenn man dies hört, vergehen schlechte Träume, Unheilszeichen und schlechte Freunde. Eine Unfruchtbare bekommt einen Sohn, und ein [ihr] angesehener Gatte stellt sich ein; ein Mädchen, das stets zuhört, erlangt einen heldenhaften Gatten; Frau oder Mann, vom Unglück verfolgt, wird glücklich. An den Festtagen der Kühe soll man mit Hingabe die Größe [dieser Geschichte] vor [ihnen] vortragen: der erlangt Rinderzuwachs und geht zum Goloka.

Wort für Wort
yaḥ paṭhet prātar utthāya caturdaśyaṣṭamīṣu ca
wer morgens aufgestanden liest, und an den vierzehnten und achten [Tagen] (Opt.; Abs.; Lok.Pl.)
satāṃ puṇyakṛtāṃ lokān gacchate nātra saṃśayaḥ
geht in die Welten der Guten, Verdienstvollen, ohne Zweifel (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
gavāṃ goṣṭhe ca paṭhatāṃ govṛddhir nātra saṃśayaḥ
für die im Kuhstall der Kühe Lesenden [kommt] Rinderzuwachs, ohne Zweifel (Gen.Pl.Part.)
kṣetramadhye ca paṭhatāṃ sasyavṛddhiḥ prajāyate
für die inmitten des Feldes Lesenden entsteht Zuwachs der Saat (Gen.Pl.; Präs.Med.)
gṛhamadhye ca paṭhatāṃ bālānāṃ śāntivardhanam
für die im Haus Lesenden [wird] der Kinder Frieden gemehrt (Gen.Pl.)
bhaved grahābhibhūtānāṃ rakṣām etāṃ ca yaḥ paṭhet
es wird für die von Grahas Ergriffenen ein Schutz sein, und wer diesen liest [?] (Opt.)
durgeṣu paṭhatāṃ nityam aṭavyāyataneṣu ca
für die, die stets in Festungen, im Wald und an Heiligtümern lesen (Lok.Pl.)
divā vā yadi vā rātrau na bhayaṃ vidyate kva cit
bei Tag oder bei Nacht ist nirgends Furcht (Lok.; Präs.Pass.)
duḥsvapnāriṣṭadurmitraṃ śrutvedaṃ saṃpraṇaśyati
schlechter Traum, Unheil, schlechter Freund verschwinden, wenn man dies hört (Abs.; 3.Sg.Präs.)
vandhyāyāś ca bhavet putraḥ saṃmataś ca patir bhavet
für die Unfruchtbare wird ein Sohn sein, und ein angesehener Gatte (Gen.; Opt.)
kumārī ca sadā śṛṇvan vīraṃ patim avāpnuyāt
und ein Mädchen, das stets zuhört, würde einen heldenhaften Gatten erlangen (Part.Präs.; Opt.)
nārī vā puruṣo vāpi durbhagaḥ subhago bhavet
Frau oder Mann, unglücklich, würde glücklich (Opt.)
gavāṃ parvasu bhaktyā ca māhātmyaṃ purataḥ paṭhet
an den Festtagen der Kühe soll man mit Hingabe die Größe davor vortragen (Lok.Pl.; Opt.)
sa govṛddhim avāpnoti golokaṃ caiva gacchati
der erlangt Rinderzuwachs und geht zum Goloka (3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „bhaved grahābhibhūtānāṃ rakṣām etāṃ ca yaḥ paṭhet“ ist syntaktisch unsicher („grahābhibhūta“: von Planeten-/Dämonenmächten Ergriffene). „gavāṃ parvasu“ (an den Kuh-Festtagen) ist wörtlich wiedergegeben.

śūdro 'haṃ nādhikāro me cāturāśramyasevane; iti vijñānam apare nātmany upadadhaty uta; viśeṣeṇa ca vakṣyāmi cāturvarṇyasya liṅgataḥ; pañcabhūtaśarīrāṇāṃ sarveṣāṃ sadṛśātmanām; lokadharme ca dharme ca viśeṣakaraṇaṃ kṛtam; yatraikatvaṃ punar yānti prāṇinas tatra vistaraḥ; adhruvo hi kathaṃ lokaḥ smṛto dharmaḥ kathaṃ dhruvaḥ; yatra kālo dhruvas tāta tatra dharmaḥ sanātanaḥ; sarveṣāṃ tulyadehānāṃ sarveṣāṃ sadṛśātmanām; kālo dharmeṇa saṃyuktaḥ śeṣa eva susaṃgrahaḥ; evaṃ sati na doṣo 'sti bhūtānāṃ dharmasevane; tiryagyonāv api satāṃ loka eva mato guruḥ

„Ich bin ein Śūdra; ich habe kein Anrecht auf die Ausübung der vier Lebensstufen“ — diese Vorstellung nehmen andere nicht in sich auf [?]. Besonders will ich, nach dem Merkmal der vier Stände, sprechen: Bei allen, deren Körper aus den fünf Elementen bestehen und deren Selbst gleich ist, ist in Weltordnung und Dharma eine Unterscheidung gemacht worden. Wohin die Wesen wieder zur Einheit gehen, dort [ist] Ausdehnung [?]. Wie ist die Welt unbeständig, wie ist der Dharma beständig? Wo die Zeit beständig ist, mein Lieber, dort ist der Dharma ewig. Bei allen mit gleichem Körper, allen mit gleichem Selbst ist die Zeit mit dem Dharma verbunden; das Übrige ist [nur] leicht zu erfassen [?]. Wenn es so ist, gibt es keinen Fehler für die Wesen in der Ausübung des Dharma; selbst bei tierischer Geburt gilt den Guten allein die Welt als Lehrer [?].

Wort für Wort
śūdro 'haṃ nādhikāro me cāturāśramyasevane
„ich bin ein Śūdra, ich habe kein Anrecht auf die Ausübung der vier Lebensstufen“ (Lok.)
iti vijñānam apare nātmany upadadhaty uta
diese Erkenntnis legen andere nicht in sich hinein [?] (3.Pl.Präs.Med.)
viśeṣeṇa ca vakṣyāmi cāturvarṇyasya liṅgataḥ
und besonders werde ich sprechen, nach dem Merkmal der vier Stände (1.Sg.Fut.; Abl.)
pañcabhūtaśarīrāṇāṃ sarveṣāṃ sadṛśātmanām
bei allen, deren Körper aus den fünf Elementen [bestehen], und mit gleichem Selbst (Gen.Pl.)
lokadharme ca dharme ca viśeṣakaraṇaṃ kṛtam
in Weltordnung und Dharma ist eine Unterscheidung gemacht (Lok.; Part.Perf.Pass.)
yatraikatvaṃ punar yānti prāṇinas tatra vistaraḥ
wohin die Wesen wieder zur Einheit gehen, dort [ist] Ausdehnung [?] (3.Pl.Präs.)
adhruvo hi kathaṃ lokaḥ smṛto dharmaḥ kathaṃ dhruvaḥ
wie ist die Welt unbeständig genannt, wie der Dharma beständig? (Part.Perf.Pass.)
yatra kālo dhruvas tāta tatra dharmaḥ sanātanaḥ
wo die Zeit beständig ist, mein Lieber, dort ist der Dharma ewig (Vok.)
sarveṣāṃ tulyadehānāṃ sarveṣāṃ sadṛśātmanām
bei allen mit gleichem Körper, allen mit gleichem Selbst (Gen.Pl.)
kālo dharmeṇa saṃyuktaḥ śeṣa eva susaṃgrahaḥ
die Zeit ist mit dem Dharma verbunden, das Übrige [ist] leicht zu erfassen [?] (Part.Perf.Pass.)
evaṃ sati na doṣo 'sti bhūtānāṃ dharmasevane
wenn es so ist, gibt es keinen Fehler für die Wesen bei der Ausübung des Dharma (Lok.abs.)
tiryagyonāv api satāṃ loka eva mato guruḥ
selbst bei tierischer Geburt gilt den Guten allein die Welt als Lehrer [?] (Lok.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Kurze Zusatzpassage der kritischen Ausgabe, offenbar verderbt oder aus dem Zusammenhang gerissen; mehrere Halbverse („iti vijñānam apare nātmany upadadhaty uta“, „yatraikatvaṃ punar yānti prāṇinas tatra vistaraḥ“, „śeṣa eva susaṃgrahaḥ“) sind im Sinn unsicher.

pālaya tvaṃ prajāḥ sarvāḥ śāntātmā cānuśāsitaḥ; dvaipāyanas tv ayaṃ cakṣuḥ kṛṣṇas te 'stu parāyaṇam; ity uktvopāsanārthāya virarāma mahāmatiḥ

„Beschütze du alle Untertanen, friedvollen Gemüts und unterwiesen. Dieser Dvaipāyana Kṛṣṇa aber sei dein Auge, sei deine höchste Zuflucht.“ So gesprochen habend, verstummte der Hochgesinnte, um [den Höchsten] zu verehren.

Wort für Wort
pālaya tvaṃ prajāḥ sarvāḥ śāntātmā cānuśāsitaḥ
beschütze du alle Untertanen, friedvollen Gemüts und unterwiesen (Imp.; Akk.Pl.; Part.Perf.Pass.)
dvaipāyanas tv ayaṃ cakṣuḥ kṛṣṇas te 'stu parāyaṇam
dieser Dvaipāyana Kṛṣṇa aber sei dein Auge, deine höchste Zuflucht (Imp.)
ity uktvopāsanārthāya virarāma mahāmatiḥ
so gesprochen habend, verstummte der Hochgesinnte, um zu verehren (Abs.; Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen zum Kapitelschluss; „upāsanārthāya“ ist knapp (Verehrung/Meditation), der Gegenstand nicht genannt.

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