Kapitel 63: nakṣatrayogadānakalpaḥ
Die Gaben der Mondhäuser: Nāradas Unterweisung an Devakī
Yudhiṣṭhira fragt nach der Ordnung der Gaben, die zu den einzelnen Mondhäusern (nakṣatra) zu spenden sind. Bhīṣma gibt die Belehrung wieder, die Nārada der Devakī in Dvārakā erteilte; Devakī trug sie später ihren Schwiegertöchtern vor.
yudhiṣṭhira uvāca; śrutaṃ me bhavato vākyam annadānasya yo vidhiḥ; nakṣatrayogasyedānīṃ dānakalpaṃ bravīhi me
Yudhiṣṭhira sprach: „Was du über die Vorschrift der Speisegabe gesagt hast, habe ich gehört. Nun nenne mir die Ordnung der Gaben in Verbindung mit den Mondhäusern.“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
śrutaṃ me bhavato vākyam
gehört wurde von mir dein Wort (Part. Pass./Nom.)
annadānasya yo vidhiḥ
welches die Vorschrift der Speisegabe ist (Gen./Nom.)
nakṣatrayogasya idānīm
der Verbindung mit den Mondhäusern, nun (Gen./Adv.)
Nārada sprach: „Wer unter [dem Mondhaus] Kṛttikā, du Hochbeglückte, Brahmanen mit Milchreis und Butterschmalz sättigt, erlangt treffliche, unübertroffene Welten.“
Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf.)
kṛttikāsu mahābhāge
unter den Kṛttikās, du Hochbeglückte (Lok./Vok.)
pāyasena sasarpiṣā
mit Milchreis samt Butterschmalz (Instr.)
saṃtarpya brāhmaṇān sādhūn
nachdem er die Brahmanen, die Guten, gesättigt hat (Abs./Akk.)
Unter Rohiṇī sind einem Zweimalgeborenen berühmte [d. h. gut zubereitete] Fleischspeisen, Bohnen, Reis und Butterschmalz zu geben, dazu Milch als Nachtrunk, um sich von der Schuld zu befreien.
Wort für Wort
rohiṇyām
unter Rohiṇī (Lok.)
prathitaiḥ māṃsaiḥ
mit berühmten [?] Fleischspeisen (Instr. Pl.)
māṣaiḥ annena sarpiṣā
mit Bohnen, Reis, Butterschmalz (Instr.)
payaḥ anupānaṃ dātavyam
Milch als Nachtrunk ist zu geben (Nom./Gerundiv)
ānṛṇyārtham dvijātaye
um der Schuldenfreiheit willen, dem Zweimalgeborenen (Adv./Dat.)
prathitair māṃsaiḥ: wörtlich „mit berühmten/ausgebreiteten Fleischstücken“; Sinn unsicher.
Wer unter dem Mondhaus, dessen Gottheit Soma ist, eine Milchkuh samt Kalb gegeben hat: Sie gehen aus der Menschenwelt in die unübertroffene Himmelswelt.
Wort für Wort
dogdhrīṃ dattvā savatsām tu
eine Milchkuh gegeben habend, samt Kalb (Akk./Abs.)
Wer unter Ārdrā Kṛsara [Reis-Linsen-Brei] mit Öl vermischt gibt und dabei fastet, der überwindet Unwegsames und Berge, [scharf] wie Schneiden von Rasiermessern.
Wort für Wort
ārdrāyām kṛsaraṃ dattvā
unter Ārdrā Kṛsara gegeben habend (Lok./Akk./Abs.)
tailamiśram upoṣitaḥ
mit Öl vermischt, fastend (Akk./Part. Pass.)
naraḥ tarati durgāṇi
der Mann überwindet Unwegsames (3.Sg.Präs./Akk. Pl.)
Wer unter Punarvasu Kuchen gibt und ebenso [andere] Speisen, du Strahlende, wird ruhmreich, schön gestaltet, in einer Familie mit reichlich Nahrung geboren.
Wort für Wort
apūpān punarvasau dattvā
Kuchen unter Punarvasu gegeben habend (Akk./Lok./Abs.)
tathā eva annāni śobhane
ebenso Speisen, du Strahlende (Akk./Vok.)
yaśasvī rūpasaṃpannaḥ
ruhmreich, mit Schönheit begabt (Nom.)
bahvanne jāyate kule
wird geboren in einer speisenreichen Familie (3.Sg.Präs. Pass./Lok.)
Wer unter Hasta einen Elefantenwagen, mit vier [Gespannen] bespannt, gibt und fastet, erlangt höchste Welten, ausgestattet mit den Wünschen der Verdienste.
Wort für Wort
haste hastiratham dattvā
unter Hasta einen Elefantenwagen gegeben habend (Lok./Akk./Abs.)
caturyuktam upoṣitaḥ
vierfach bespannt, fastend (Akk./Part.)
prāpnoti paramān lokān
erlangt höchste Welten (3.Sg.Präs./Akk.)
puṇyakāmasamanvitān
mit Verdienst und Wünschen ausgestattete (Akk. Pl.)
caturyuktam: „vierfach bespannt“; Bezug (vier Tiere oder Gespanne) offen.
Wer unter Citrā einen Stier gibt und Reines sowie Düfte, Bhārata, der wandelt in der Welt der Apsaras und erfreut sich ebenso in [Indras Garten] Nandana.
Wort für Wort
citrāyām ṛṣabhaṃ dattvā
unter Citrā einen Stier gegeben habend (Lok./Akk./Abs.)
puṇyān gandhān ca bhārata
und reine Düfte, Bhārata (Akk. Pl./Vok.)
carati apsarasāṃ loke
wandelt in der Welt der Apsaras (3.Sg.Präs./Gen./Lok.)
ramate nandane tathā
erfreut sich ebenso in Nandana (3.Sg.Präs./Lok.)
puṇyān gandhān: „reine Düfte“ oder „Verdienstvolles und Düfte“; hier als Attribut gefasst.
dattvā yathoktaṃ viprebhyo vṛttim iṣṭāṃ sa vindati; narakādīṃś ca saṃkleśān nāpnotīti viniścayaḥ
Hat er den Brahmanen gegeben, wie gesagt, so gewinnt er den ersehnten Unterhalt; und in Höllen und ähnliche Qualen gerät er nicht: so ist die Gewissheit.
Wort für Wort
dattvā yathā uktam viprebhyaḥ
gegeben habend, wie gesagt, den Brahmanen (Abs./Adv./Dat.)
vṛttim iṣṭāṃ sa vindati
den ersehnten Unterhalt findet er (Akk./3.Sg.Präs.)
narakādīn ca saṃkleśān
und Höllen und andere Qualen (Akk. Pl.)
na āpnoti iti viniścayaḥ
erreicht er nicht: so die Gewissheit (3.Sg.Präs./Nom.)
Und wer unter Pūrvāṣāḍhā fastet und Gefäße mit Dickmilch einem Brahmanen gibt, der mit Familienbrauch und Sitte ausgestattet und Vedakundiger ist, wird nach dem Tode in einer Familie mit sehr vielen Rinderherden geboren.
Wort für Wort
atha pūrvāsu aṣāḍhāsu
dann unter den früheren Aṣāḍhās (Lok. Pl.)
dadhipātrāṇi upoṣitaḥ
Dickmilchgefäße, fastend (Akk. Pl./Part.)
kulavṛttopasaṃpanne brāhmaṇe
einem mit Familienbrauch begabten Brahmanen (Lok.)
vedapārage pradāya
Vedakundigen, gegeben habend (Lok./Abs.)
jāyate pretya kule subahugokule
wird nach dem Tode geboren in einer Familie mit sehr vielen Rindern (3.Sg.Präs. Pass./Lok.)
dugdhaṃ tv abhijite yoge dattvā madhughṛtāplutam; dharmanityo manīṣibhyaḥ svargaloke mahīyate
Wer aber unter der Verbindung mit Abhijit Milch, in Honig und Butterschmalz getaucht, den Weisen gibt, der immer dem Dharma ergeben ist, wird in der Himmelswelt geehrt.
Wort für Wort
dugdhaṃ tu abhijite yoge
Milch aber unter der Verbindung mit Abhijit (Akk./Lok.)
dattvā madhughṛtāplutam
gegeben habend, in Honig und Butterschmalz getaucht (Abs./Akk.)
dharmanityaḥ manīṣibhyaḥ
immer dem Dharma zugetan, den Weisen (Nom./Dat.)
svargaloke mahīyate
in der Himmelswelt wird er geehrt (Lok./3.Sg.Präs. Pass.)
Wer unter Dhaniṣṭhā gesammelten Geistes ein von Rindern gezogenes Gefährt gibt, das Kleider und Zügel trägt, gelangt sogleich nach dem Tode zur Königsherrschaft.
Wort für Wort
goprayuktaṃ dhaniṣṭhāsu
von Rindern gezogen, unter Dhaniṣṭhā (Akk./Lok.)
yānaṃ dattvā samāhitaḥ
ein Gefährt gegeben habend, gesammelt (Akk./Abs./Nom.)
vastraraśmidharaṃ sadyaḥ
Kleider und Zügel tragend, sofort (Akk./Adv.)
pretya rājyaṃ prapadyate
nach dem Tode gelangt er zur Königsherrschaft (Abs./Akk./3.Sg.Präs. Med.)
vastraraśmidharam: „Kleider und Zügel tragend“; Bezug wohl auf das Gefährt.
pūrvabhādrapadāyoge rājamāṣān pradāya tu; sarvabhakṣaphalopetaḥ sa vai pretya sukhī bhavet
Wer unter der Verbindung mit Pūrva Bhādrapadā rājamāṣa-Bohnen gegeben hat, der wird, mit der Frucht aller Speisen ausgestattet, nach dem Tode glücklich sein.
Wort für Wort
pūrvabhādrapadāyoge
unter der Verbindung mit Pūrva Bhādrapadā (Lok.)
rājamāṣān pradāya tu
rājamāṣa-Bohnen gegeben habend aber (Akk. Pl./Abs.)
sarvabhakṣaphalopetaḥ
mit der Frucht aller Speisen versehen (Nom.)
sa vai pretya sukhī bhavet
er wahrlich nach dem Tode glücklich sei/werde (Nom./Opt.)
Wer als Bester der Männer unter Aśvinī einen mit Pferden bespannten Wagen gibt, wird in einer Familie mit Elefanten, Pferden und Wagen geboren, [selbst] glanzvoll.
Wort für Wort
ratham aśvasamāyuktam
einen Wagen, mit Pferden bespannt (Akk.)
dattvā aśvinyām narottamaḥ
gegeben habend unter Aśvinī, bester der Männer (Abs./Lok./Nom.)
hastyaśvarathasaṃpanne
reich an Elefanten, Pferden, Wagen (Lok.)
varcasvī jāyate kule
glanzvoll wird er geboren in der Familie (Nom./3.Sg.Präs. Pass./Lok.)
Bhīṣma sprach: „So ist dieser Abriss der Merkmale, aus der Verbindung mit den Mondhäusern, hier verkündet worden: Devakī hat dies, von Nārada belehrt, ihren Schwiegertöchtern gesagt.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
iti eṣa lakṣaṇoddeśaḥ
so dieser Abriss der Merkmale (Nom.)
proktaḥ nakṣatrayogataḥ
wurde verkündet aus der Verbindung mit den Mondhäusern (Part. Pass./Abl.-Adv.)
devakyā nāradena iha
von Devakī, durch Nārada, hier (Instr.)
sā snuṣābhyaḥ abravīt idam
sie sagte den Schwiegertöchtern dies (Nom./Dat./Impf.)
Wörtlich: „von Devakī durch Nārada hier“; gemeint ist, dass Devakī die von Nārada empfangene Lehre weitergab.