Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 73: gopradānaphalanirūpaṇam Folgen des Kuhraubs und Lob des Goldes als Opfergabe bei der Kuhschenkung

Brahmā belehrt Indra über die Strafe für Raub, Verkauf und Verzehr einer Kuh sowie über Gold als beste dakṣiṇā; Bhīṣma nennt die Überlieferungskette der Lehre.

indra uvāca; jānan yo gām apahared vikrīyād vārthakāraṇāt; etad vijñātum icchāmi kā nu tasya gatir bhavet

Indra sprach: „Wer wissentlich eine Kuh raubt oder sie um des Gewinnes willen verkauft – dies möchte ich wissen: Welches Ziel [Schicksal] erwartet ihn?“

Wort für Wort
indra uvāca
Indra sprach (Perf.)
jānan yo gām apahared
wer wissentlich (Part. Präs.) eine Kuh (Akk.) raubt (Opt.)
vikrīyād vārthakāraṇāt
oder verkaufen würde (Opt.) aus Gewinnsucht (Abl.)
etad vijñātum icchāmi
dies (Akk.) zu wissen (Inf.) wünsche ich (1.Sg.)
kā nu tasya gatir bhavet
welches wohl (Nom.) seines (Gen.) Ziel/Schicksal (Nom.) wäre (Opt.)

brahmovāca; bhakṣārthaṃ vikrayārthaṃ vā ye 'pahāraṃ hi kurvate; dānārthaṃ vā brāhmaṇāya tatredaṃ śrūyatāṃ phalam

Brahmā sprach: „Die, die einen Raub begehen, sei es zum Verzehr oder zum Verkauf, oder um [die Kuh] einem Brahmanen zu schenken – hierzu soll die [folgende] Frucht [Folge] vernommen werden.“

Wort für Wort
brahmovāca
Brahmā sprach (Perf.)
bhakṣārthaṃ vikrayārthaṃ vā
zum Verzehr oder zum Verkauf (Akk. Adv.)
ye 'pahāraṃ hi kurvate
die (Nom. Pl.) einen Raub (Akk.) begehen (3.Pl.Med.)
dānārthaṃ vā brāhmaṇāya
oder zum Schenken (Adv.) an einen Brahmanen (Dat.)
tatredaṃ śrūyatāṃ phalam
hierbei soll diese (Nom.) Frucht/Folge (Nom.) gehört werden (3.Sg.Imp.Pass.)

vikrayārthaṃ hi yo hiṃsyād bhakṣayed vā niraṅkuśaḥ; ghātayānaṃ hi puruṣaṃ ye 'numanyeyur arthinaḥ

Wer zum Verkauf [eine Kuh] tötet oder sie zügellos verzehrt, und ebenso die Begehrlichen, die einem Mann zustimmen, der [sie] töten lässt –

Wort für Wort
vikrayārthaṃ hi yo hiṃsyād
wer zum Verkauf (Adv.) tötet (Opt.)
bhakṣayed vā niraṅkuśaḥ
oder verzehrt (Opt.) zügellos/ohne Stachelstock (Nom.)
ghātayānaṃ hi puruṣaṃ
einen töten lassenden [ghātayantam] (Part.) Mann (Akk.)
ye 'numanyeyur arthinaḥ
die zustimmen würden (Opt. 3.Pl.) Begehrlichen (Nom. Pl.)

ghātayānam ist als Part. des Kausativs (statt ghātayantam) gedeutet; der Satz bleibt ohne Prädikat und wird in V. 4 fortgeführt.

ghātakaḥ khādako vāpi tathā yaś cānumanyate; yāvanti tasyā lomāni tāvad varṣāṇi majjati

der Töter, der Esser und auch wer zustimmt: So viele Haare die [Kuh] hat, so viele Jahre versinkt er [in der Hölle].

Wort für Wort
ghātakaḥ khādako vāpi
der Töter (Nom.), der Esser (Nom.) oder auch
tathā yaś cānumanyate
ebenso wer zustimmt (3.Sg.Präs.Med.)
yāvanti tasyā lomāni
so viele Haare (Nom. Pl.) ihrer (Gen. Sg. f.) [Kuh]
tāvad varṣāṇi majjati
so viele Jahre (Akk. Pl.) versinkt er (3.Sg.Präs.)

ye doṣā yādṛśāś caiva dvijayajñopaghātake; vikraye cāpahāre ca te doṣā vai smṛtāḥ prabho

Welche Vergehen und von welcher Art [sie sind] bei dem, der das Opfer der Zweimalgeborenen schädigt, eben diese Vergehen gelten beim Verkauf und beim Raub, Herr.

Wort für Wort
ye doṣā yādṛśāś caiva
welche Vergehen (Nom. Pl.) und von welcher Art
dvijayajñopaghātake
bei dem Schädiger (Lok.) des Opfers der Zweimalgeborenen (Kompositum)
vikraye cāpahāre ca
beim Verkauf (Lok.) und beim Raub (Lok.)
te doṣā vai smṛtāḥ prabho
diese Vergehen (Nom. Pl.) fürwahr gelten (Part.Pass.) Herr (Vok.)

apahṛtya tu yo gāṃ vai brāhmaṇāya prayacchati; yāvad dāne phalaṃ tasyās tāvan nirayam ṛcchati

Wer aber eine Kuh geraubt hat und sie einem Brahmanen schenkt: So lange, wie die Frucht der Gabe [währt], geht er in die Hölle.

Wort für Wort
apahṛtya tu yo gāṃ vai
wer, nachdem er geraubt hat (Abs.), eine Kuh (Akk.)
brāhmaṇāya prayacchati
einem Brahmanen (Dat.) gibt (3.Sg.Präs.)
yāvad dāne phalaṃ tasyās
so lange wie bei der Gabe (Lok.) die Frucht (Nom.) ihrer (Gen.) [währt]
tāvan nirayam ṛcchati
so lange in die Hölle (Akk.) geht er (3.Sg.Präs.)

suvarṇaṃ dakṣiṇām āhur gopradāne mahādyute; suvarṇaṃ paramaṃ hy uktaṃ dakṣiṇārtham asaṃśayam

Gold nennt man als Opfergabe bei der Kuhschenkung, Strahlender; Gold gilt als das Höchste für die Opfergabe, ohne Zweifel.

Wort für Wort
suvarṇaṃ dakṣiṇām āhur
Gold (Akk.) als Opfergabe (Akk.) nennen sie (3.Pl.Perf.)
gopradāne mahādyute
bei der Kuhschenkung (Lok.) Strahlender (Vok.)
suvarṇaṃ paramaṃ hy uktaṃ
Gold als höchstes (Nom.) gesagt (Part.Pass.)
dakṣiṇārtham asaṃśayam
zum Zwecke der Opfergabe (Adv.) zweifellos (Adv.)

gopradānaṃ tārayate sapta pūrvāṃs tathā parān; suvarṇaṃ dakṣiṇāṃ dattvā tāvad dviguṇam ucyate

Die Kuhschenkung rettet sieben Vorfahren und ebenso [sieben] Nachkommen; wenn man Gold als Opfergabe gibt, heißt es, [ist es] doppelt so viel.

Wort für Wort
gopradānaṃ tārayate
die Kuhschenkung (Nom.) rettet hinüber (3.Sg.Präs.)
sapta pūrvāṃs tathā parān
sieben Vorfahren (Akk. Pl.) und ebenso Nachkommen (Akk. Pl.)
suvarṇaṃ dakṣiṇāṃ dattvā
Gold (Akk.) als Opfergabe (Akk.) nachdem man gegeben hat (Abs.)
tāvad dviguṇam ucyate
so viel, doppelt (Nom.) wird gesagt (3.Sg.Pass.)

suvarṇaṃ paramaṃ dānaṃ suvarṇaṃ dakṣiṇā parā; suvarṇaṃ pāvanaṃ śakra pāvanānāṃ paraṃ smṛtam

Gold ist die höchste Gabe, Gold die vorzüglichste Opfergabe; Gold ist reinigend, Śakra, und gilt als das Höchste unter den Reinigenden.

Wort für Wort
suvarṇaṃ paramaṃ dānaṃ
Gold (Nom.) [ist] die höchste (Nom.) Gabe (Nom.)
suvarṇaṃ dakṣiṇā parā
Gold [ist] die Opfergabe (Nom.), die beste (Nom.)
suvarṇaṃ pāvanaṃ śakra
Gold reinigend (Nom.) Śakra (Vok.)
pāvanānāṃ paraṃ smṛtam
unter den Reinigenden (Gen. Pl.) als das Höchste (Nom.) gilt (Part.Pass.)

kulānāṃ pāvanaṃ prāhur jātarūpaṃ śatakrato; eṣā me dakṣiṇā proktā samāsena mahādyute

Als Reiniger der Geschlechter bezeichnen sie das Gold, Hundertopferer; dies ist von mir kurz als die Opfergabe dargelegt worden, Strahlender.

Wort für Wort
kulānāṃ pāvanaṃ prāhur
der Geschlechter (Gen. Pl.) Reiniger (Akk.) nennen sie (3.Pl.Perf.)
jātarūpaṃ śatakrato
das Gold (Akk.) Hundertopferer (Vok.)
eṣā me dakṣiṇā proktā
diese (Nom.) von mir (Instr.) Opfergabe (Nom.) dargelegt (Part.Pass.)
samāsena mahādyute
in Kürze (Instr.) Strahlender (Vok.)

bhīṣma uvāca; etat pitāmahenoktam indrāya bharatarṣabha; indro daśarathāyāha rāmāyāha pitā tathā

Bhīṣma sprach: Dies wurde vom Großvater [Brahmā] dem Indra gesagt, Stier der Bharata; Indra sagte es dem Daśaratha, und der Vater sagte es ebenso dem Rāma.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
etat pitāmahenoktam
dies (Nom.) vom Großvater (Instr.) gesagt (Part.Pass.)
indrāya bharatarṣabha
dem Indra (Dat.) Stier der Bharata (Vok.)
indro daśarathāyāha
Indra (Nom.) dem Daśaratha (Dat.) sagte (Perf.)
rāmāyāha pitā tathā
dem Rāma (Dat.) sagte (Perf.) der Vater (Nom.) ebenso

rāghavo 'pi priyabhrātre lakṣmaṇāya yaśasvine; ṛṣibhyo lakṣmaṇenoktam araṇye vasatā vibho

Auch Rāghava [sagte es] seinem geliebten Bruder, dem ruhmreichen Lakṣmaṇa; von Lakṣmaṇa wurde es den Sehern gesagt, als er im Wald weilte, Herr.

Wort für Wort
rāghavo 'pi priyabhrātre
Rāghava (Nom.) auch dem lieben Bruder (Dat.)
lakṣmaṇāya yaśasvine
dem Lakṣmaṇa (Dat.) dem ruhmreichen (Dat.)
ṛṣibhyo lakṣmaṇenoktam
den Sehern (Dat. Pl.) von Lakṣmaṇa (Instr.) gesagt (Part.Pass.)
araṇye vasatā vibho
im Wald (Lok.) weilend (Part. Instr.) Herr (Vok.)

pāraṃparyāgataṃ cedam ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ; durdharaṃ dhārayām āsū rājānaś caiva dhārmikāḥ; upādhyāyena gaditaṃ mama cedaṃ yudhiṣṭhira

Und dies, durch Überlieferung [zu uns] gekommen, haben die Seher mit strengen Gelübden bewahrt, [wiewohl es] schwer zu tragen [ist], ebenso die gerechten Könige; vom Lehrer wurde es auch mir gesagt, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
pāraṃparyāgataṃ cedam
durch Überlieferung gekommen (Nom.) und dieses (Nom.)
ṛṣayaḥ saṃśitavratāḥ
die Seher (Nom. Pl.) mit strengen Gelübden (Nom. Pl.)
durdharaṃ dhārayām āsū
schwer zu tragen (Akk.) bewahrten (3.Pl.Perf. periphrastisch)
rājānaś caiva dhārmikāḥ
und Könige (Nom. Pl.) gerechte (Nom. Pl.)
upādhyāyena gaditaṃ
vom Lehrer (Instr.) gesagt (Part.Pass.)
mama cedaṃ yudhiṣṭhira
mir (Gen.) auch dies (Nom.) Yudhiṣṭhira (Vok.)

dhārayām āsū: Form statt dhārayām āsuḥ (metrisch/Sandhi).

ya idaṃ brāhmaṇo nityaṃ vaded brāhmaṇasaṃsadi; yajñeṣu gopradāneṣu dvayor api samāgame

Der Brahmane, der dies beständig in der Versammlung der Brahmanen aufsagt, bei Opfern, bei Kuhschenkungen und wenn zwei [Personen] zusammentreffen –

Wort für Wort
ya idaṃ brāhmaṇo nityaṃ
wer (Nom.) dies (Akk.) [als] Brahmane (Nom.) beständig
vaded brāhmaṇasaṃsadi
aufsagen möge (Opt.) in der Brahmanenversammlung (Lok.)
yajñeṣu gopradāneṣu
bei Opfern (Lok. Pl.) bei Kuhschenkungen (Lok. Pl.)
dvayor api samāgame
auch bei der Begegnung (Lok.) von zweien (Gen. Du.)

tasya lokāḥ kilākṣayyā daivataiḥ saha nityadā; iti brahmā sa bhagavān uvāca parameśvaraḥ

dessen Welten sind, so heißt es, unvergänglich, für immer bei den Göttern. So sprach der erhabene Brahmā, der höchste Herr.

Wort für Wort
tasya lokāḥ kilākṣayyā
dessen (Gen.) Welten (Nom. Pl.) so heißt es unvergänglich (Nom. Pl.)
daivataiḥ saha nityadā
mit den Göttern (Instr. Pl.) zusammen immerdar
iti brahmā sa bhagavān
so (sprach) Brahmā, dieser Erhabene (Nom.)
uvāca parameśvaraḥ
sprach (Perf.) der höchste Herr (Nom.)

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