Kapitel 116: māṃsabhakṣaṇadoṣa-ahiṃsāprasaṃsā
Vom Fleischessen und dem Lob der Gewaltlosigkeit: Gespräch über das Meiden von Fleisch
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem scheinbaren Widerspruch zwischen der Gewaltlosigkeit und den Fleischopfern beim Ahnenopfer legt Bhīṣma die Vorzüge des Fleischverzichts und die Schuld des Fleischessens dar.
Yudhiṣṭhira sprach: „Gewaltlosigkeit ist die höchste Pflicht“, so hast du oftmals gesagt; und bei den Ahnenopfern, sagtest du, seien die Väter nach Fleisch begierig.
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
ahiṃsā paramo dharma iti
Gewaltlosigkeit [ist] die höchste Pflicht, so
uktaṃ bahuśas tvayā
ist gesagt worden vielfach von dir (Part. Pass./Instr.)
śrāddheṣu ca bhavān āha
und bei den Ahnenopfern sagtest du (Lok. Pl.; 3.Sg.Perf.)
pitṝn āmiṣakāṅkṣiṇaḥ
die Väter [seien] fleischbegierig (Akk. Pl./Nom.-Akk. Pl.)
Mit mancherlei Fleischspeisen hast du einst die Vorschrift für das Ahnenopfer dargelegt. Wie aber [soll es] Fleisch [geben], ohne zu töten? So widerspricht sich das.
Wort für Wort
māṃsair bahuvidhaiḥ
mit Fleischspeisen mannigfacher Art (Instr. Pl.)
proktas tvayā
dargelegt von dir (Part. Pass.)
śrāddhavidhiḥ purā
die Vorschrift des Ahnenopfers einst (Nom. Sg./Adv.)
ahatvā ca kuto māṃsam
und ohne getötet zu haben, woher Fleisch (Abs./Adv./Nom.)
Uns ist ein Zweifel entstanden über die Pflicht [bezüglich] des Meidens von Fleisch: Welcher Makel entstünde für den, der [es] isst, und welcher Vorzug für den, der nicht isst?
Wort für Wort
jāto naḥ saṃśayaḥ
entstanden ist uns Zweifel (Part./Gen. Pl./Nom.)
dharme māṃsasya parivarjane
in der Pflichtfrage, beim Meiden des Fleisches (Lok. Sg.)
doṣo bhakṣayataḥ kaḥ syāt
welcher Makel für den Essenden wäre (Gen. Sg. Part.; Opt.)
kaś cābhakṣayato guṇaḥ
und welcher Vorzug für den Nichtessenden (Gen. Sg.)
Sowohl für den, der [es] nach dem Töten isst, als auch für den, dem [es] von einem anderen zugetragen wurde; oder wenn ein Mensch um eines anderen willen tötet oder [es] kauft und isst, [was gilt dann]?
Wort für Wort
hatvā bhakṣayato vāpi
auch für den, der nach dem Töten isst (Abs.; Gen. Sg. Part.)
pareṇopahṛtasya vā
oder für den, dem von einem anderen dargebracht wurde (Instr.; Gen. Sg. Part. Pass.)
hanyād vā yaḥ parasyārthe
oder wer tötet um eines anderen willen (Opt.; Gen./Lok.)
krītvā vā bhakṣayen naraḥ
oder [es] kauft und isst, der Mensch (Abs.; Opt.; Nom.)
Satzbau elliptisch; die Frage nach dem Urteil („was gilt dann“) ist aus Vers 3 zu ergänzen.
Wie erlangt man langes Leben, wie wird man kraftvoll [oder: wesenstark]? Wie gelangt man zu Unversehrtheit, wie wird man mit glückverheißenden Merkmalen geboren?
Wort für Wort
katham āyur avāpnoti
wie erlangt man Lebensdauer (3.Sg.Präs.)
kathaṃ bhavati sattvavān
wie wird man mit Wesenskraft begabt (Nom. Sg.)
katham avyaṅgatām eti
wie erreicht man Unversehrtheit (Akk. Sg.; 3.Sg.)
lakṣaṇyo jāyate katham
mit guten Merkmalen wird geboren wie (Nom. Sg.; 3.Sg.Med.)
bhīṣma uvāca; māṃsasya bhakṣaṇe rājan yo 'dharmaḥ kurupuṃgava; taṃ me śṛṇu yathātattvaṃ yaś cāsya vidhir uttamaḥ
Bhīṣma sprach: Welche Unrechtmäßigkeit im Essen von Fleisch [liegt], König, Stier der Kurus, das höre von mir der Wahrheit gemäß, und auch was hierbei die höchste Vorschrift ist.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
māṃsasya bhakṣaṇe rājan
beim Essen des Fleisches, König (Lok.; Vok.)
yo 'dharmaḥ kurupuṃgava
welche Unrechtmäßigkeit, Stier der Kurus (Nom.; Vok.)
taṃ me śṛṇu yathātattvam
diese höre von mir, der Wahrheit gemäß (Imp.; Adv.)
Menschen, die Schönheit, Unversehrtheit, langes Leben, Verstand, Wesenskraft, Stärke und Erinnerungsvermögen erlangen wollen, [und] deren Selbst geläutert ist, meiden die Gewalt.
Wort für Wort
rūpam avyaṅgatām āyur
Schönheit, Unversehrtheit, Lebensdauer (Akk.)
buddhiṃ sattvaṃ balaṃ smṛtim
Verstand, Wesenskraft, Stärke, Erinnerung (Akk.)
prāptukāmair narair
von Menschen, die zu erlangen wünschen (Instr. Pl.)
duṣkaraṃ hi rasajñena māṃsasya parivarjanam; cartuṃ vratam idaṃ śreṣṭhaṃ sarvaprāṇyabhayapradam
Schwer ist es nämlich für den, der den Geschmack kennt, das Fleisch zu meiden; [dieses] beste Gelübde zu üben, [ist] allen Lebewesen Furchtlosigkeit gebend.
Wort für Wort
duṣkaraṃ hi rasajñena
schwer nämlich für den Geschmackskundigen (Nom. n.; Instr.)
Wie viel mehr [gilt das] für die, die getötet werden, die mit Wucht am Leben hängen, die gesund und ohne Schuld sind, [getötet] von Sündigen, die vom Fleisch leben.
Wort für Wort
kiṃ punar hanyamānānāṃ
wie viel mehr bei den Getöteten (Gen. Pl. Part. Pass.)
tarasā jīvitārthinām
mit Wucht, nach Leben strebend (Instr.; Gen. Pl.)
arogāṇām apāpānāṃ
der Gesunden, der Schuldlosen (Gen. Pl.)
pāpair māṃsopajīvibhiḥ
von den Sündigen, die vom Fleisch leben (Instr. Pl.)
Gewaltlosigkeit ist die höchste Pflicht, ebenso ist Gewaltlosigkeit die höchste Askese, Gewaltlosigkeit ist die höchste Wahrheit; aus ihr geht die Pflicht hervor.
Wort für Wort
ahiṃsā paramo dharmas
Gewaltlosigkeit [ist] die höchste Pflicht (Nom.)
tathāhiṃsā paraṃ tapaḥ
ebenso Gewaltlosigkeit [ist] die höchste Askese (Nom.)
na hi māṃsaṃ tṛṇāt kāṣṭhād upalād vāpi jāyate; hatvā jantuṃ tato māṃsaṃ tasmād doṣo 'sya bhakṣaṇe
Fleisch entsteht nämlich nicht aus Gras, Holz oder Stein; erst nachdem man ein Lebewesen getötet hat, [entsteht] Fleisch; darum liegt im Essen davon ein Makel.
Wort für Wort
na hi māṃsaṃ tṛṇāt kāṣṭhād
denn nicht Fleisch aus Gras, Holz (Abl.)
upalād vāpi jāyate
oder auch Stein entsteht (Abl.; 3.Sg.Med.)
hatvā jantuṃ tato māṃsaṃ
nach dem Töten eines Lebewesens dann Fleisch (Abs.)
Die Götter, die Svāhā und Svadhā [und] Nektar genießen, lieben Wahrheit und Geradheit; wisse: die Fleischfresser [sind] Rākṣasas, ergeben der Krummheit und Unwahrheit.
Wort für Wort
svāhāsvadhāmṛtabhujo devāḥ
die Götter, die Svāhā, Svadhā und Nektar essen (Nom. Pl.)
satyārjavapriyāḥ
Wahrheit und Geradheit liebend (Nom. Pl.)
kravyādān rākṣasān viddhi
die Fleischfresser [als] Rākṣasas wisse (Akk. Pl.; Imp.)
Weil [der Fleischesser] die Lebenszeit der Gewalttäter [gleichsam] verschlingt, Hochglänzender, deshalb soll man Fleisch meiden, wer das Gedeihen seines Selbst wünscht.
Wort für Wort
yasmād grasati caivāyur
weil er verschlingt auch das Leben (3.Sg.; Akk.)
hiṃsakānāṃ mahādyute
der Gewalttäter, Hochglänzender (Gen. Pl.; Vok.)
tasmād vivarjayen māṃsaṃ
darum soll meiden Fleisch (Opt.)
ya icched bhūtim ātmanaḥ
wer wünscht Gedeihen für sich (Opt.; Akk.; Gen.)
Der erste Halbvers ist syntaktisch dunkel; Deutung „das Leben der Gewalttäter wird aufgezehrt“ unsicher [?].
Aus Gier oder aus Verblendung des Verstandes, oder auch um Kraft und Stärke [zu gewinnen], oder durch Umgang mit Sündigen [entsteht] bei Menschen Neigung zum Unrecht.
akhādann anumodaṃś ca bhāvadoṣeṇa mānavaḥ; yo 'numanyeta hantavyaṃ so 'pi doṣeṇa lipyate
Auch wer nicht isst, aber aus [innerer] Gesinnung Fehler begeht, indem er zustimmt, wer billigt, dass [ein Tier] getötet werden soll, der wird gleichfalls von Schuld befleckt.
Wort für Wort
akhādann anumodaṃś ca
nicht essend und zustimmend (Part. Präs. Nom. Sg. m.)
bhāvadoṣeṇa mānavaḥ
der Mensch durch einen Fehler der Gesinnung (Instr. Sg. / Nom. Sg.)
yo 'numanyeta
wer zustimmt (Opt. Med. 3.Sg.)
hantavyaṃ
dass [es] getötet werden soll (Gerundiv Akk. Sg. n.)
so 'pi doṣeṇa lipyate
der wird auch von Schuld befleckt (Instr. Sg. / Pass. 3.Sg.)
Durch Gaben von Gold, von Kühen und von Land, in jeder Hinsicht, soll das Nichtessen von Fleisch [noch] vorzüglicher an Verdienst sein – so lautet die Überlieferung.
Wort für Wort
hiraṇyadānair godānair
durch Gold- und Kuhgaben (Instr. Pl.)
bhūmidānaiś ca sarvaśaḥ
und durch Landgaben, in jeder Hinsicht (Instr. Pl. / Adv.)
māṃsasyābhakṣaṇe
beim Nichtessen von Fleisch (Gen. Sg. / Lok. Sg. n.)
dharmo viśiṣṭaḥ syād
das Verdienst soll vorzüglicher sein (Nom. Sg. m. / Opt. 3.Sg.)
Nicht geweihtes, nutzloses Fleisch, [das] vorschriftswidrig [ist], soll man nicht essen; wer [es] isst, geht in die Hölle – daran besteht hier kein Zweifel.
Wort für Wort
aprokṣitaṃ vṛthāmāṃsaṃ
ungeweihtes, nutzloses Fleisch (Akk. Sg. n.)
vidhihīnaṃ na bhakṣayet
vorschriftswidrig soll man nicht essen (Akk. Sg. n. / Opt. 3.Sg.)
bhakṣayan nirayaṃ yāti
essend geht er in die Hölle (Part. Nom. Sg. / Akk. Sg. / 3.Sg. Präs.)
naro nāsty atra saṃśayaḥ
der Mensch – hier ist kein Zweifel (Nom. Sg. / 3.Sg. Präs. / Nom. Sg.)
prokṣitābhyukṣitaṃ māṃsaṃ tathā brāhmaṇakāmyayā; alpadoṣam iha jñeyaṃ viparīte tu lipyate
Fleisch, das besprengt und benetzt [ist] und [das] auf Wunsch von Brahmanen [verzehrt wird], ist hier als wenig fehlerhaft anzusehen; im gegenteiligen Fall aber haftet Schuld an.
Wort für Wort
prokṣitābhyukṣitaṃ māṃsaṃ
besprengtes und benetztes Fleisch (Akk. Sg. n.)
tathā brāhmaṇakāmyayā
ebenso auf Wunsch von Brahmanen (Instr. Sg. f.)
alpadoṣam iha jñeyaṃ
wenig fehlerhaft, hier zu erachten (Nom. Sg. n. / Gerundiv)
viparīte tu lipyate
im gegenteiligen [Fall] aber haftet [Schuld] an (Lok. Sg. n. / Pass. 3.Sg.)
Der zweite Halbvers ist elliptisch; „brāhmaṇakāmyayā“ hier als „auf Wunsch/im Interesse von Brahmanen“ gefasst.
ijyāyajñaśrutikṛtair yo mārgair abudho janaḥ; hanyāj jantuṃ māṃsagṛddhrī sa vai narakabhāṅ naraḥ
Ein unverständiger Mensch, der auf Wegen, die durch Opfer, Kult und Offenbarung [festgelegt] sind, [nicht bleibt, sondern] aus Fleischgier ein Lebewesen tötet, der wird gewiss zum Höllenbewohner.
Wort für Wort
ijyāyajñaśrutikṛtair
durch Verehrung, Opfer und Offenbarung geschaffen (Instr. Pl. n. Kompositum)
yo mārgair abudho janaḥ
wer auf den Wegen [Instr. Pl.], der unverständige Mensch (Nom. Sg.)
hanyāj jantuṃ
tötet ein Lebewesen (Opt. 3.Sg. / Akk. Sg.)
māṃsagṛddhrī sa vai
fleischgierig, der wahrlich (Nom. Sg. m.)
narakabhāṅ naraḥ
Höllenteilhaber, der Mann (Nom. Sg. m.)
Konstruktion unklar; „mārgair“ ist vermutlich im Sinne von „abweichend von den Wegen“ zu verstehen [?].
pravṛttilakṣaṇe dharme phalārthibhir abhidrute; yathoktaṃ rājaśārdūla na tu tan mokṣakāṅkṣiṇām
[Das gilt] im Dharma, der durch Tätigkeit gekennzeichnet ist und von Lohnsuchenden betrieben wird, wie [es] gesagt ist, Tiger unter den Königen; nicht aber für die, die nach Erlösung streben.
Wort für Wort
pravṛttilakṣaṇe dharme
im durch Tätigkeit gekennzeichneten Dharma (Lok. Sg. m.)
phalārthibhir abhidrute
von Lohnsuchenden betrieben (Instr. Pl. / Lok. Sg. Part.)
yathoktaṃ rājaśārdūla
wie gesagt, Tiger unter den Königen (Part. Nom. Sg. n. / Vok. Sg.)
na tu tan mokṣakāṅkṣiṇām
nicht aber das für die nach Erlösung Strebenden (Gen. Pl. m.)
Ergänzung „das gilt“ ist sinngemäß; der Satz ist elliptisch.
Die Opfergabe, die durch Mantras geweiht, besprengt und benetzt, rein ist, nach dem in den Veden gesagten Maßstab und bei den Handlungen für die Väter: davon abweichend hat Manu nutzloses Fleisch als nicht essbar bezeichnet.
Wort für Wort
havir yat saṃskṛtaṃ mantraiḥ
die Opfergabe, die durch Mantras geweiht ist (Nom. Sg. n. / Instr. Pl.)
prokṣitābhyukṣitaṃ śuci
besprengt, benetzt, rein (Nom. Sg. n.)
vedoktena pramāṇena
nach dem vedisch gesagten Maßstab (Instr. Sg. n.)
pitṝṇāṃ prakriyāsu ca
und bei den Handlungen für die Väter (Gen. Pl. / Lok. Pl. f.)
ato 'nyathā vṛthāmāṃsam
davon abweichend nutzloses Fleisch (Adv. / Akk. Sg. n.)
abhakṣyaṃ manur abravīt
als nicht essbar hat Manu gesagt (Akk. Sg. n. / Nom. Sg. / Impf. 3.Sg.)
asvargyam ayaśasyaṃ ca rakṣovad bharatarṣabha; vidhinā hi narāḥ pūrvaṃ māṃsaṃ rājann abhakṣayan
[Es ist] nicht zum Himmel führend, ruhmlos und rakṣas-gleich, Stier der Bharatas; denn früher, König, haben die Menschen Fleisch [nur] nach Vorschrift gegessen.
Wort für Wort
asvargyam ayaśasyaṃ ca
nicht himmelwärts führend und ruhmlos (Nom. Sg. n.)
rakṣovad bharatarṣabha
wie ein Rakṣas, Stier der Bharatas (Adv. / Vok. Sg.)
vidhinā hi narāḥ pūrvaṃ
denn nach Vorschrift die Menschen früher (Instr. Sg. / Nom. Pl. / Adv.)
[Doch] auch durch eine nicht vedische Vorschrift [ist es nicht gestattet]: so lautet hier die feste Überzeugung der Bezwungenen [Selbstbeherrschten].
Wort für Wort
vidhinā apy avaidikena
auch durch eine nicht vedische Vorschrift (Instr. Sg. m.)
iti dāntānām
so, der Selbstbeherrschten (Gen. Pl. m.)
iha niścayaḥ
hier die feste Überzeugung (Adv. / Nom. Sg. m.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der Sinn ist knapp und der Zusammenhang unsicher [?].
śrūyate hi purākalpe nṛṇāṃ vrīhimayaḥ paśuḥ; yenāyajanta yajvānaḥ puṇyalokaparāyaṇāḥ
Man hört nämlich, dass es in früherer Weltzeit für die Menschen ein Tier aus Reis gab, mit dem die Opfernden opferten, [Männer,] die auf die Welten der Verdienste ausgerichtet waren.
Wort für Wort
śrūyate hi purākalpe
denn es wird gehört in früherer Weltzeit (Pass. 3.Sg. / Lok. Sg. m.)
nṛṇāṃ vrīhimayaḥ paśuḥ
für Menschen ein Tier aus Reis (Gen. Pl. / Nom. Sg. m.)
yenāyajanta yajvānaḥ
mit dem opferten die Opferer (Instr. Sg. / Impf. Med. 3.Pl. / Nom. Pl.)
kriyā hy evaṃ na hīyante pitṛdaivatasaṃśritāḥ; prīyante pitaraś caiva nyāyato māṃsatarpitāḥ
Auf diese Weise werden die Riten, die sich auf Väter und Götter beziehen, nicht vernachlässigt, und die Väter werden mit Fug erfreut, [wenn sie] mit Fleisch gesättigt [werden].
Wort für Wort
kriyā hy evaṃ na hīyante
denn die Riten werden so nicht vernachlässigt (Nom. Pl. f. / Pass. 3.Pl.)
pitṛdaivatasaṃśritāḥ
auf Väter und Götter bezogen (Nom. Pl. f.)
prīyante pitaraś caiva
erfreut werden auch die Väter (Pass. 3.Pl. / Nom. Pl.)
nyāyato māṃsatarpitāḥ
nach Recht, mit Fleisch gesättigt (Adv. / Part. Nom. Pl.)
māṃsaṃ tu kaumudaṃ pakṣaṃ varjitaṃ pārtha rājabhiḥ; sarvabhūtātmabhūtais tair vijñātārthaparāvaraiḥ
Fleisch aber wurde in der Kaumuda-Hälfte von den Königen gemieden, Sohn der Pṛthā, [von jenen], die sich als das Selbst aller Wesen erkannten und Höheres wie Niederes kannten.
Wort für Wort
māṃsaṃ tu kaumudaṃ pakṣaṃ
Fleisch aber [in] der Kaumuda-Hälfte (Nom. Sg. n. / Akk. Sg. m.)
varjitaṃ pārtha rājabhiḥ
gemieden, Sohn der Pṛthā, von Königen (Part. Nom. Sg. n. / Vok. / Instr. Pl.)
sarvabhūtātmabhūtais tair
die zum Selbst aller Wesen geworden waren, von jenen (Instr. Pl. m.)
vijñātārthaparāvaraiḥ
die das Höhere und Niedere der Dinge erkannt hatten (Instr. Pl. m.)
mucukundena māndhātrā hariścandreṇa cābhibho; satyaṃ vadata māsatyaṃ satyaṃ dharmaḥ sanātanaḥ; hariścandraś carati vai divi satyena candravat
von Mucukunda, Māndhātṛ und Hariścandra, Mächtiger: „Sprecht die Wahrheit, nicht Unwahrheit; die Wahrheit ist der ewige Dharma; Hariścandra wandelt wahrlich im Himmel durch die Wahrheit wie der Mond.“
Wort für Wort
mucukundena māndhātrā
von Mucukunda, von Māndhātṛ (Instr. Sg. m.)
hariścandreṇa cābhibho
und von Hariścandra, Mächtiger (Instr. Sg. / Vok.)
satyaṃ vadata māsatyaṃ
die Wahrheit sprecht, nicht Unwahres (Imp. 2.Pl. / Akk. Sg. / Prohib.)
im Himmel durch Wahrheit wie der Mond (Lok. Sg. / Instr. Sg. / Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; die Rede „Sprecht die Wahrheit …“ steht unvermittelt im Aufzählungszusammenhang.
etaiś cānyaiś ca rājendra purā māṃsaṃ na bhakṣitam; śāradaṃ kaumudaṃ māsaṃ tatas te svargam āpnuvan
von diesen und anderen, Herr der Könige, wurde früher kein Fleisch gegessen; im Herbstmonat Kaumuda [meiden sie es], und dadurch erlangten sie den Himmel.
Wort für Wort
etaiś cānyaiś ca rājendra
von diesen und anderen, Herr der Könige (Instr. Pl. / Vok.)
purā māṃsaṃ na bhakṣitam
früher wurde Fleisch nicht gegessen (Adv. / Nom. Sg. n. / Part. Pass.)
śāradaṃ kaumudaṃ māsaṃ
den herbstlichen Kaumuda-Monat (Akk. Sg. m.)
tatas te svargam āpnuvan
daher erlangten sie den Himmel (Adv. / Nom. Pl. / Akk. Sg. / Impf. 3.Pl.)
„māsaṃ“ als Akk. der Zeitdauer („den Kaumuda-Monat hindurch“) ist ebenfalls möglich.
tad etad uttamaṃ dharmam ahiṃsālakṣaṇaṃ śubham; ye caranti mahātmāno nākapṛṣṭhe vasanti te
Diesen höchsten, glückbringenden Dharma, der durch Gewaltlosigkeit gekennzeichnet ist: die Hochgesinnten, die ihn üben, wohnen auf dem Rücken des Himmels.
Wort für Wort
tad etad uttamaṃ dharmam
dieser höchste Dharma (Akk. Sg. m.)
ahiṃsālakṣaṇaṃ śubham
durch Gewaltlosigkeit gekennzeichnet, heilvoll (Akk. Sg. m.)
ye caranti mahātmāno
die üben, die Hochgesinnten (Nom. Pl. / 3.Pl. Präs.)
nākapṛṣṭhe vasanti te
auf dem Himmelsrücken wohnen sie (Lok. Sg. / 3.Pl. Präs. / Nom. Pl.)
madhu māṃsaṃ ca ye nityaṃ varjayantīha dhārmikāḥ; janmaprabhṛti madyaṃ ca sarve te munayaḥ smṛtāḥ; viśiṣṭatāṃ jñātiṣu ca labhante nātra saṃśayaḥ
Die Rechtschaffenen, die hier stets Honig und Fleisch meiden und von Geburt an auch Rauschtrank, alle diese gelten als Weise; und sie erlangen unter den Verwandten Vorrang – daran besteht kein Zweifel.
Wort für Wort
madhu māṃsaṃ ca ye nityaṃ
Honig und Fleisch, die stets (Akk. Sg. n. / Nom. Pl.)
varjayantīha dhārmikāḥ
meiden hier, die Rechtschaffenen (3.Pl. Präs. / Nom. Pl.)
janmaprabhṛti madyaṃ ca
von Geburt an und Rauschtrank (Adv. / Akk. Sg. n.)
sarve te munayaḥ smṛtāḥ
alle diese gelten als Weise (Nom. Pl. / Part. Nom. Pl.)
viśiṣṭatāṃ jñātiṣu ca
und Vorrang unter Verwandten (Akk. Sg. f. / Lok. Pl.)
labhante nātra saṃśayaḥ
sie erlangen, kein Zweifel hierin (3.Pl. Präs. Med. / Nom. Sg.)
imaṃ dharmam amāṃsādaṃ yaś carec chrāvayeta vā; api cet sudurācāro na jātu nirayaṃ vrajet; paṭhed vā ya idaṃ rājañ śṛṇuyād vāpy abhīkṣṇaśaḥ; amāṃsabhakṣaṇavidhiṃ pavitram ṛṣipūjitam; vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ sarvakāmair mahīyate
Wer diesen Dharma des Nichtfleischessens übt oder [ihn] vortragen lässt – selbst wenn er sehr schlechten Wandels ist, geht er niemals in die Hölle. Oder wer, König, dies [selbst] liest oder oft hört: die reine, von Sehern verehrte Vorschrift des Fleischverzichts, [der] wird von allen Sünden befreit und in allen Wünschen erhöht.
Wort für Wort
imaṃ dharmam amāṃsādaṃ
diesen Dharma des Nichtfleischessens (Akk. Sg. m.)
yaś carec chrāvayeta vā
wer übt oder vortragen lässt (Opt. 3.Sg. / Kaus. Opt. Med.)
api cet sudurācāro
selbst wenn sehr schlechten Wandels (Nom. Sg. m.)
na jātu nirayaṃ vrajet
niemals in die Hölle gehe er (Adv. / Akk. Sg. / Opt. 3.Sg.)
paṭhed vā ya idaṃ rājañ
oder wer dies liest, König (Opt. 3.Sg. / Vok. Sg.)
śṛṇuyād vāpy abhīkṣṇaśaḥ
oder auch hört, oft (Opt. 3.Sg. / Adv.)
amāṃsabhakṣaṇavidhiṃ pavitram
die Vorschrift des Fleischverzichts, rein (Akk. Sg. m. / Akk. Sg. n.)
ṛṣipūjitam
von Sehern verehrt (Part. Akk. Sg. m.)
vimuktaḥ sarvapāpebhyaḥ
von allen Sünden befreit (Part. Nom. Sg. / Abl. Pl.)
sarvakāmair mahīyate
durch alle Wünsche wird er erhöht (Instr. Pl. / Pass. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der zweite Teil ist syntaktisch locker angefügt, die Zuordnung von „sarvakāmair mahīyate“ [?] ist unsicher.