Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 134: strīdharmopadeśaḥ Umās Belehrung über die Pflichten der Frau, eingeleitet durch Gaṅgā und die Flüsse

Śiva bittet Umā (Pārvatī), die Pflichten der Frau darzulegen; sie berät sich zuvor mit den Flüssen, und Gaṅgā übernimmt den Auftrag. Das Kapitel geht anschließend in die eigentliche Lehre über die Frauenpflicht (strīdharma) über.

nārada uvāca; evam uktvā mahādevaḥ śrotukāmaḥ svayaṃ prabhuḥ; anukūlāṃ priyāṃ bhāryāṃ pārśvasthāṃ samabhāṣata

Nārada sprach: Nachdem der große Gott, der Herr, so gesprochen hatte, wandte er sich selbst begierig zu hören an seine zugeneigte, liebe Gattin, die neben ihm saß.

Wort für Wort
nārada uvāca
Nārada sprach (Perf.)
evam uktvā mahādevaḥ
so gesprochen habend, der große Gott (Abs./Nom.)
śrotukāmaḥ svayaṃ prabhuḥ
zu hören begierig, selbst, der Herr (Nom.)
anukūlāṃ priyāṃ bhāryāṃ
die zugeneigte, liebe Gattin (Akk.)
pārśvasthāṃ samabhāṣata
die an der Seite Stehende/Sitzende, redete an (Akk./Impf. Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

maheśvara uvāca; parāvarajñe dharmajñe tapovananivāsini; sādhvi subhru sukeśānte himavatparvatātmaje

Maheśvara sprach: „Du, die du das Höhere und das Niedere kennst, die du den Dharma kennst, die du im Askesewald wohnst, Tugendhafte, Schönbrauige, mit schönem Haar bis zu den Spitzen, Tochter des Himavat-Berges,

Wort für Wort
maheśvara uvāca
Maheśvara sprach
parāvarajñe dharmajñe
Kennerin von Höherem und Niedrigerem, Kennerin des Dharma (Vok.)
tapovananivāsini
im Askesewald Wohnende (Vok.)
sādhvi subhru
Tugendhafte, Schönbrauige (Vok.)
sukeśānte
mit schönen Haarenden (Vok.)
himavatparvatātmaje
Tochter des Himavat-Berges (Vok.)

dakṣe śamadamopete nirmame dharmacāriṇi; pṛcchāmi tvāṃ varārohe pṛṣṭā vada mamepsitam

du Tüchtige, mit Ruhe und Selbstbeherrschung begabt, frei vom Eigennutz, im Dharma wandelnd: Ich frage dich, Schönhüftige; befragt, sage mir, was ich wünsche.

Wort für Wort
dakṣe śamadamopete
Tüchtige, mit Ruhe und Selbstzügelung ausgestattet (Vok.)
nirmame dharmacāriṇi
ohne ‚Mein‘, im Dharma Wandelnde (Vok.)
pṛcchāmi tvāṃ varārohe
ich frage dich, Schönhüftige (1.Sg.Präs./Akk./Vok.)
pṛṣṭā vada
befragt, sprich (Part.Pass. Nom.f./Imp.)
mamepsitam
das von mir Gewünschte (Akk.)

sāvitrī brahmaṇaḥ sādhvī kauśikasya śacī satī; mārtaṇḍajasya dhūmorṇā ṛddhir vaiśravaṇasya ca

Sāvitrī, die tugendhafte [Gattin] des Brahmā, Śacī, die treue [Gattin] des Kauśika, Dhūmorṇā [Gattin] des Sohnes des Mārtaṇḍa, und Ṛddhi [Gattin] des Vaiśravaṇa,

Wort für Wort
sāvitrī brahmaṇaḥ sādhvī
Sāvitrī, des Brahmā tugendhafte [Gattin] (Nom./Gen.)
kauśikasya śacī satī
des Kauśika (Indra) Śacī, die Treue (Gen./Nom.)
mārtaṇḍajasya dhūmorṇā
des Mārtaṇḍa-Sohnes (Yama) Dhūmorṇā (Gen./Nom.)
ṛddhir vaiśravaṇasya ca
und Ṛddhi des Vaiśravaṇa (Nom./Gen.)

varuṇasya tato gaurī sūryasya ca suvarcalā; rohiṇī śaśinaḥ sādhvī svāhā caiva vibhāvasoḥ

dann Gaurī [Gattin] des Varuṇa, Suvarcalā des Sūrya, Rohiṇī, die tugendhafte [Gattin] des Mondes, und Svāhā des Vibhāvasu,

Wort für Wort
varuṇasya tato gaurī
des Varuṇa, dann Gaurī (Gen./Nom.)
sūryasya ca suvarcalā
und des Sūrya Suvarcalā (Gen./Nom.)
rohiṇī śaśinaḥ sādhvī
Rohiṇī, des Mondes Tugendhafte (Nom./Gen.)
svāhā caiva vibhāvasoḥ
und Svāhā des Vibhāvasu (Agni) (Nom./Gen.)

aditiḥ kaśyapasyātha sarvās tāḥ patidevatāḥ; pṛṣṭāś copāsitāś caiva tās tvayā devi nityaśaḥ

Aditi [Gattin] des Kaśyapa: alle diese haben den Gatten zum Gott; sie sind von dir, Göttin, stets befragt und verehrt worden.

Wort für Wort
aditiḥ kaśyapasyātha
Aditi des Kaśyapa, ferner (Nom./Gen.)
sarvās tāḥ patidevatāḥ
alle diese, die den Gatten zur Gottheit haben (Nom.Pl.f./Bahuvrīhi)
pṛṣṭāś copāsitāś ca
befragt und verehrt (Part.Pass. Nom.Pl.f.)
tās tvayā devi nityaśaḥ
sie von dir, Göttin, immer (Nom./Instr./Vok.)

tena tvāṃ paripṛcchāmi dharmajñe dharmavādini; strīdharmaṃ śrotum icchāmi tvayodāhṛtam āditaḥ

Darum frage ich dich, Kennerin des Dharma, Künderin des Dharma: Ich möchte die von dir vorgetragene Pflicht der Frau von Anfang an hören.

Wort für Wort
tena tvāṃ paripṛcchāmi
deshalb befrage ich dich (Instr./1.Sg.Präs.)
dharmajñe dharmavādini
Dharmakennerin, Dharmaverkünderin (Vok.)
strīdharmaṃ śrotum icchāmi
die Frauenpflicht zu hören wünsche ich (Akk./Inf./1.Sg.)
tvayodāhṛtam āditaḥ
von dir vorgetragen, von Anfang an (Part.Pass. Akk./Adv.)

sahadharmacarī me tvaṃ samaśīlā samavratā; samānasāravīryā ca tapas tīvraṃ kṛtaṃ ca te; tvayā hy ukto viśeṣeṇa pramāṇatvam upaiṣyati

Du bist meine Mitwandlerin im Dharma, von gleichem Wesen, von gleichem Gelübde, von gleicher Kraft und Stärke, und strenge Askese hast du geübt; was von dir gesagt wird, wird besonders Maßgeblichkeit erlangen.

Wort für Wort
sahadharmacarī me tvaṃ
Mitgefährtin im Dharma bist du mir (Nom.f./Gen.)
samaśīlā samavratā
von gleichem Wesen, von gleichem Gelübde (Nom.f.)
samānasāravīryā ca
und von gleicher Kraft und Stärke (Nom.f.)
tapas tīvraṃ kṛtaṃ ca te
und strenge Askese ist von dir getan (Akk./Part.Pass./Gen.)
tvayā hy ukto viśeṣeṇa
denn von dir Gesagtes besonders (Instr./Part.Pass./Adv.)
pramāṇatvam upaiṣyati
wird Maßgeblichkeit erlangen (3.Sg.Fut.)

guṇavān sa bhaviṣyati; loke caiva tathā devi

[Anm.: Bruchstück:] Es wird vorzüglich sein, und so auch in der Welt, Göttin.

Wort für Wort
guṇavān sa bhaviṣyati
tugendreich/vorzüglich wird er sein (Nom./3.Sg.Fut.)
loke caiva tathā devi
und in der Welt ebenso, Göttin (Lok./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Halbvers ist syntaktisch unvollständig, Bezug von ‚sa‘ unklar (wohl das von Umā Gesagte).

striyaś caiva viśeṣeṇa strījanasya gatiḥ sadā; gaur gāṃ gacchati suśroṇi lokeṣv eṣā sthitiḥ sadā

Und die Frauen sind besonders stets die Zuflucht des Frauenvolkes; die Kuh geht zur Kuh, Schönhüftige [?]; so ist es in den Welten stets Ordnung.

Wort für Wort
striyaś caiva viśeṣeṇa
und die Frauen besonders (Nom.Pl./Adv.)
strījanasya gatiḥ sadā
des Frauenvolkes Zuflucht/Weg stets (Gen./Nom.)
gaur gāṃ gacchati suśroṇi
die Kuh geht zur Kuh, Schönhüftige (Nom./Akk./3.Sg.Präs./Vok.)
lokeṣv eṣā sthitiḥ sadā
in den Welten ist dies die Ordnung stets (Lok.Pl./Nom.)

Text und Sinn des Halbverses ‚gaur gāṃ gacchati‘ unsicher (sprichwörtlich: Gleiches sucht Gleiches).

mama cārdhaṃ śarīrasya mama cārdhād viniḥsṛtā; surakāryakarī ca tvaṃ lokasaṃtānakāriṇī

Du bist die Hälfte meines Körpers, aus meiner Hälfte bist du hervorgegangen; du verrichtest das Werk der Götter und bewirkst die Fortdauer der Welt.

Wort für Wort
mama cārdhaṃ śarīrasya
und meines Körpers Hälfte (Gen./Nom.)
mama cārdhād viniḥsṛtā
aus meiner Hälfte hervorgegangen (Abl./Part.Pass. Nom.f.)
surakāryakarī ca tvaṃ
und du, die das Götterwerk tut (Nom.f.)
lokasaṃtānakāriṇī
die Weltfortsetzung Bewirkende (Nom.f.)

tava sarvaḥ suviditaḥ strīdharmaḥ śāśvataḥ śubhe; tasmād aśeṣato brūhi strīdharmaṃ vistareṇa me

Dir ist die ganze ewige Pflicht der Frau wohlbekannt, Glückverheißende; darum sage mir die Frauenpflicht vollständig und ausführlich.

Wort für Wort
tava sarvaḥ suviditaḥ
dir ist alles wohlbekannt (Gen./Nom.m./Part.Pass.)
strīdharmaḥ śāśvataḥ śubhe
die ewige Frauenpflicht, Glückliche (Nom./Vok.)
tasmād aśeṣato brūhi
darum ohne Rest sprich (Abl./Adv./Imp.)
strīdharmaṃ vistareṇa me
die Frauenpflicht ausführlich mir (Akk./Instr./Dat.)

umovāca; bhagavan sarvabhūteśa bhūtabhavyabhavodbhava; tvatprabhāvād iyaṃ deva vāk caiva pratibhāti me

Umā sprach: „Erhabener, Herr aller Wesen, Ursprung des Gewesenen, Kommenden und Seienden: Durch deine Macht, Gott, kommt mir diese Rede in den Sinn.

Wort für Wort
umovāca
Umā sprach
bhagavan sarvabhūteśa
Erhabener, Herr aller Wesen (Vok.)
bhūtabhavyabhavodbhava
Ursprung des Gewesenen, Künftigen und Seienden (Vok.)
tvatprabhāvād iyaṃ deva
durch deine Macht diese, Gott (Abl./Nom.f./Vok.)
vāk caiva pratibhāti me
und die Rede leuchtet mir ein (Nom./3.Sg.Präs./Dat.)

imās tu nadyo deveśa sarvatīrthodakair yutāḥ; upasparśanahetos tvā samīpasthā upāsate

Diese Flüsse hier, Herr der Götter, die mit dem Wasser aller Furten verbunden sind, stehen dir nahe und dienen dir, um [durch dich] das Wasserberühren [zu vollziehen] [?].

Wort für Wort
imās tu nadyo deveśa
diese Flüsse, Herr der Götter (Nom.Pl./Vok.)
sarvatīrthodakair yutāḥ
mit dem Wasser aller Furten verbunden (Instr.Pl./Part.Pass.)
upasparśanahetos tvā
zwecks der Wasserberührung, dich (Abl./Akk.)
samīpasthā upāsate
in der Nähe stehend, sie verehren/warten auf (Nom.Pl.f./3.Pl.Präs. Med.)

upasparśanahetos tvā: Sinn (rituelle Wasserberührung/Reinigung) unsicher.

etābhiḥ saha saṃmantrya pravakṣyāmy anupūrvaśaḥ; prabhavan yo 'nahaṃvādī sa vai puruṣa ucyate

Mit diesen werde ich mich beraten und der Reihe nach sprechen; wer trotz Vermögen nicht ‚Ich‘ sagt, der wird wahrlich Mann genannt.

Wort für Wort
etābhiḥ saha saṃmantrya
mit diesen, beratschlagt habend (Instr./Abs.)
pravakṣyāmy anupūrvaśaḥ
ich werde sprechen der Reihe nach (1.Sg.Fut./Adv.)
prabhavan yo 'nahaṃvādī
wer, obwohl mächtig, nicht ‚ich‘ sagend (Part.Präs./Nom.)
sa vai puruṣa ucyate
der wird wahrlich Mann genannt (3.Sg.Präs.Pass.)

strī ca bhūteśa satataṃ striyam evānudhāvati; mayā saṃmānitāś caiva bhaviṣyanti saridvarāḥ

Und die Frau, Herr der Wesen, läuft stets einer Frau nach; und von mir geehrt werden die besten der Flüsse sein.

Wort für Wort
strī ca bhūteśa
und die Frau, Herr der Wesen (Nom./Vok.)
satataṃ striyam evānudhāvati
stets nur einer Frau läuft nach (Adv./Akk./3.Sg.Präs.)
mayā saṃmānitāś caiva
und von mir geehrt (Instr./Part.Pass. Nom.Pl.)
bhaviṣyanti saridvarāḥ
werden sein die besten Flüsse (3.Pl.Fut./Nom.Pl.)

eṣā sarasvatī puṇyā nadīnām uttamā nadī; prathamā sarvasaritāṃ nadī sāgaragāminī

Dies ist die heilige Sarasvatī, die beste unter den Flüssen, die erste unter allen Strömen, ein zum Meer gehender Fluss.

Wort für Wort
eṣā sarasvatī puṇyā
diese ist Sarasvatī, die heilige (Nom.f.)
nadīnām uttamā nadī
unter den Flüssen der beste Fluss (Gen.Pl./Nom.)
prathamā sarvasaritāṃ
die erste aller Ströme (Nom./Gen.Pl.)
nadī sāgaragāminī
Fluss, zum Meer gehend (Nom./Nom.f.)

vipāśā ca vitastā ca candrabhāgā irāvatī; śatadrur devikā sindhuḥ kauśikī gomatī tathā

Vipāśā und Vitastā, Candrabhāgā, Irāvatī, Śatadru, Devikā, Sindhu, Kauśikī und ebenso Gomatī,

Wort für Wort
vipāśā ca vitastā ca
Vipāśā und Vitastā (Nom.)
candrabhāgā irāvatī
Candrabhāgā, Irāvatī (Nom.)
śatadrur devikā sindhuḥ
Śatadru, Devikā, Sindhu (Nom.)
kauśikī gomatī tathā
Kauśikī, Gomatī ebenso (Nom./Adv.)

tathā devanadī ceyaṃ sarvatīrthābhisaṃvṛtā; gaganād gāṃ gatā devī gaṅgā sarvasaridvarā

und so auch dieser Götterfluss, von allen Furten umgeben: die Göttin Gaṅgā, die beste aller Flüsse, die vom Himmel zur Erde gelangt ist.

Wort für Wort
tathā devanadī ceyaṃ
und so dieser Götterfluss (Nom.f.)
sarvatīrthābhisaṃvṛtā
von allen Furten umgeben (Part.Pass. Nom.f.)
gaganād gāṃ gatā devī
vom Himmel zur Erde gekommen, die Göttin (Abl./Akk./Part.Pass. Nom.f.)
gaṅgā sarvasaridvarā
Gaṅgā, die Beste aller Flüsse (Nom./Bahuvrīhi)

ity uktvā devadevasya patnī dharmabhṛtāṃ varā; smitapūrvam ivābhāṣya sarvās tāḥ saritas tadā

So gesprochen habend, redete die Gattin des Göttergottes, die Beste der Dharmaträger, alle jene Flüsse damals mit vorausgehendem Lächeln an

Wort für Wort
ity uktvā devadevasya
so gesprochen habend, des Gottes der Götter (Abs./Gen.)
patnī dharmabhṛtāṃ varā
Gattin, die Beste der Dharmaträger (Nom./Gen.Pl./Nom.f.)
smitapūrvam ivābhāṣya
mit vorausgehendem Lächeln gleichsam, anredend (Adv./Abs.)
sarvās tāḥ saritas tadā
alle jene Flüsse damals (Akk.Pl.f./Adv.)

apṛcchad devamahiṣī strīdharmaṃ dharmavatsalā; strīdharmakuśalās tā vai gaṅgādyāḥ saritāṃ varāḥ

und fragte, die Königin der Götter, dem Dharma zugetan, nach der Pflicht der Frau: jene Flüsse, angeführt von Gaṅgā, die besten der Ströme, kundig der Frauenpflicht.

Wort für Wort
apṛcchad devamahiṣī
fragte die Götterkönigin (Impf./Nom.)
strīdharmaṃ dharmavatsalā
die Frauenpflicht, dharmaliebend (Akk./Nom.f.)
strīdharmakuśalās tā vai
in der Frauenpflicht kundig, jene (Nom.Pl.f. [Akk.-Funktion])
gaṅgādyāḥ saritāṃ varāḥ
Gaṅgā und die anderen, die Besten der Ströme (Akk.Pl./Gen.Pl.)

ayaṃ bhagavatā dattaḥ praśnaḥ strīdharmasaṃśritaḥ; taṃ tu saṃmantrya yuṣmābhir vaktum icchāmi śaṃkare

„Diese vom Erhabenen gestellte Frage bezieht sich auf die Pflicht der Frau; nachdem ich mich mit euch beraten habe, will ich sie beantworten, [ich,] Gattin Śaṃkaras [?].

Wort für Wort
ayaṃ bhagavatā dattaḥ praśnaḥ
diese vom Erhabenen gegebene Frage (Nom.m.)
strīdharmasaṃśritaḥ
auf die Frauenpflicht bezogen (Nom.)
taṃ tu saṃmantrya yuṣmābhiḥ
sie aber, beraten habend mit euch (Akk./Abs./Instr.)
vaktum icchāmi śaṃkare
sprechen will ich, [gegenüber] Śaṃkara (Inf./1.Sg./Lok.)

śaṃkare (Lok.) unklar: wohl ‚gegenüber/im Hinblick auf Śaṃkara‘.

na caikasādhyaṃ paśyāmi vijñānaṃ bhuvi kasya cit; divi vā sāgaragamās tena vo mānayāmy aham

Denn ich sehe auf Erden bei niemandem ein Wissen, das von einer Einzigen allein zu vollbringen wäre, noch im Himmel, ihr Meergängerinnen; darum ehre ich euch.“

Wort für Wort
na caikasādhyaṃ paśyāmi
und nicht von einem allein zu bewirken sehe ich (Akk./1.Sg.Präs.)
vijñānaṃ bhuvi kasya cit
Wissen auf Erden bei irgendwem (Akk./Lok./Gen.)
divi vā sāgaragamāḥ
oder im Himmel, Meergängerinnen (Lok./Vok.Pl.)
tena vo mānayāmy aham
deshalb ehre ich euch (Instr./Akk./1.Sg.Kaus.)

bhīṣma uvāca; evaṃ sarvāḥ saricchreṣṭhāḥ pṛṣṭāḥ puṇyatamāḥ śivāḥ; tato devanadī gaṅgā niyuktā pratipūjya tām

Bhīṣma sprach: So wurden alle besten Flüsse befragt, die überaus heiligen, glückverheißenden; da wurde die Götterfluss Gaṅgā beauftragt, nachdem sie jene [Umā] verehrt hatte,

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
evaṃ sarvāḥ saricchreṣṭhāḥ
so alle besten Flüsse (Nom.Pl.f.)
pṛṣṭāḥ puṇyatamāḥ śivāḥ
befragt, überaus heilig, glückverheißend (Part.Pass./Superl./Nom.Pl.f.)
tato devanadī gaṅgā
da der Götterfluss Gaṅgā (Nom.)
niyuktā pratipūjya tām
beauftragt, verehrt habend jene (Part.Pass./Abs./Akk.)

bahvībhir buddhibhiḥ sphītā strīdharmajñā śucismitā; śailarājasutāṃ devīṃ puṇyā pāpāpahāṃ śivām

reich an vielen Einsichten, kundig der Frauenpflicht, mit reinem Lächeln, heilig, Sünden vertilgend, [sprach sie] zur Göttin, der Tochter des Bergkönigs, der Glückverheißenden:

Wort für Wort
bahvībhir buddhibhiḥ sphītā
durch viele Einsichten reich (Instr.Pl./Nom.f.)
strīdharmajñā śucismitā
der Frauenpflicht kundig, rein lächelnd (Nom.f.)
śailarājasutāṃ devīṃ
zur Tochter des Bergkönigs, der Göttin (Akk.)
puṇyā pāpāpahāṃ śivām
die heilige [Gaṅgā], zur Sündentilgenden, Glückverheißenden (Nom.f./Akk.f.)

Der Satz läuft über 134.022–024; ‚puṇyā‘ (Nom.) bezieht sich auf Gaṅgā, ‚pāpāpahāṃ‘ auf Umā (Akk.).

buddhyā vinayasaṃpannā sarvajñānaviśāradā; sasmitaṃ bahubuddhyāḍhyā gaṅgā vacanam abravīt

Durch Einsicht und Bescheidenheit ausgezeichnet, in allem Wissen bewandert, reich an vielen Einsichten, sprach Gaṅgā lächelnd diese Worte:

Wort für Wort
buddhyā vinayasaṃpannā
mit Einsicht und Bescheidenheit ausgestattet (Instr./Nom.f.)
sarvajñānaviśāradā
in allem Wissen bewandert (Nom.f.)
sasmitaṃ bahubuddhyāḍhyā
lächelnd, reich an vielen Einsichten (Adv./Nom.f.)
gaṅgā vacanam abravīt
Gaṅgā sprach die Rede (Nom./Akk./Impf.)

dhanyāḥ smo 'nugṛhītāḥ smo devi dharmaparāyaṇā; yā tvaṃ sarvajaganmānyā nadīr mānayase 'naghe

„Glücklich sind wir, begünstigt sind wir, Göttin, dem Dharma ergeben; denn du, von der ganzen Welt verehrt, ehrst die Flüsse, Makellose.

Wort für Wort
dhanyāḥ smo 'nugṛhītāḥ smo
glücklich sind wir, begünstigt sind wir (1.Pl.)
devi dharmaparāyaṇā
Göttin, dem Dharma ergeben (Vok./Nom.Pl.f.)
yā tvaṃ sarvajaganmānyā
die du, von der ganzen Welt zu Ehrende (Nom.f.)
nadīr mānayase 'naghe
die Flüsse ehrst du, Makellose (Akk.Pl./2.Sg.Kaus./Vok.)

prabhavan pṛcchate yo hi saṃmānayati vā punaḥ; nūnaṃ janam aduṣṭātmā paṇḍitākhyāṃ sa gacchati

Wer als Mächtiger fragt oder wiederum ehrt: Gewiss erlangt ein Mensch von unverdorbenem Selbst den Namen ‚Weiser‘ [?].

Wort für Wort
prabhavan pṛcchate yo hi
wer, obwohl mächtig, fragt (Part.Präs./3.Sg.Präs./Nom.)
saṃmānayati vā punaḥ
oder auch ehrt (3.Sg.Präs./Adv.)
nūnaṃ janam aduṣṭātmā
gewiss den Menschen [?], von unverdorbenem Selbst (Adv./Akk./Nom.)
paṇḍitākhyāṃ sa gacchati
den Namen ‚Weiser‘ erlangt er (Akk./3.Sg.Präs.)

janam (Akk.) syntaktisch unklar; möglich ist eine Verderbnis für ‚jane‘ (unter den Leuten).

jñānavijñānasaṃpannān ūhāpohaviśāradān; pravaktṝn pṛcchate yo 'nyān sa vai nā padam arcchati

Wer andere, die an Wissen und Erkenntnis reich, im Erwägen und Verwerfen bewandert sind, als Redner befragt, der Mensch erlangt wahrlich [hohen] Rang [?].

Wort für Wort
jñānavijñānasaṃpannān
mit Wissen und Erkenntnis ausgestattet (Akk.Pl.)
ūhāpohaviśāradān
im Erwägen und Verwerfen bewandert (Akk.Pl.)
pravaktṝn pṛcchate yo 'nyān
als Redner befragt, wer andere (Akk.Pl./3.Sg.Präs./Nom./Akk.Pl.)
sa vai nā padam arcchati
der Mensch erlangt wahrlich Rang [?] (Nom./Nom.Sg.m./Akk./3.Sg.Präs.)

nā padam arcchati: entweder ‚nā‘ = Mann und ‚padam‘ = Rang/Stand, oder ‚nāpadam‘; Lesart unsicher.

anyathā bahubuddhyāḍhyo vākyaṃ vadati saṃsadi; anyathaiva hy ahaṃmānī durbalaṃ vadate vacaḥ

Anders spricht einer, der an vielen Einsichten reich ist, in der Versammlung; anders wahrlich, wer sich dünkt, redet kraftlose Rede.

Wort für Wort
anyathā bahubuddhyāḍhyaḥ
anders, an vielen Einsichten reich (Adv./Nom.)
vākyaṃ vadati saṃsadi
Rede spricht in der Versammlung (Akk./3.Sg.Präs./Lok.)
anyathaiva hy ahaṃmānī
anders nämlich der Eingebildete (Adv./Nom.)
durbalaṃ vadate vacaḥ
spricht kraftlose Rede (Akk./3.Sg.Präs. Med.)

divyajñāne divi śreṣṭhe divyapuṇye sadotthite; tvam evārhasi no devi strīdharmam anuśāsitum

Du, im göttlichen Wissen, die Beste im Himmel, göttlich verdienstvoll, stets erhoben [?]: Du allein, Göttin, bist würdig, uns die Frauenpflicht zu lehren.“

Wort für Wort
divyajñāne divi śreṣṭhe
im göttlichen Wissen, im Himmel Beste (Vok.f.)
divyapuṇye sadotthite
göttlich verdienstvoll, stets erhoben (Vok.f.)
tvam evārhasi no devi
du allein bist würdig, uns, Göttin (Nom./2.Sg.Präs./Dat./Vok.)
strīdharmam anuśāsitum
die Frauenpflicht zu lehren (Akk./Inf.)

sadotthite unsicher (‚stets aufgestanden/erhoben‘).

bhīṣma uvāca; tataḥ sārādhitā devī gaṅgayā bahubhir guṇaiḥ; prāha sarvam aśeṣeṇa strīdharmaṃ surasundarī

Bhīṣma sprach: Da sprach die von Gaṅgā mit vielen Vorzügen wohlverehrte Göttin, die Götterschöne, die ganze Frauenpflicht ohne Rest aus.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tataḥ sārādhitā devī
da die wohlverehrte Göttin (Adv./Nom.f.)
gaṅgayā bahubhir guṇaiḥ
von Gaṅgā mit vielen Vorzügen (Instr./Instr.Pl.)
prāha sarvam aśeṣeṇa
sprach alles ohne Rest (Perf./Akk./Instr.)
strīdharmaṃ surasundarī
die Frauenpflicht, die Götterschöne (Akk./Nom.f.)

strīdharmo māṃ prati yathā pratibhāti yathāvidhi; tam ahaṃ kīrtayiṣyāmi tathaiva prathito bhavet

Wie mir die Pflicht der Frauen regelgerecht einleuchtet, so werde ich sie verkünden; ebenso möge sie bekannt werden.

Wort für Wort
strīdharmo māṃ prati yathā pratibhāti yathāvidhi
wie mir die Pflicht der Frau regelgerecht einleuchtet (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
tam ahaṃ kīrtayiṣyāmi
diese werde ich verkünden (Akk.Sg.; 1.Sg.Fut.)
tathā eva prathito bhavet
ebenso möge sie berühmt/bekannt werden (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Opt.)

strīdharmaḥ pūrva evāyaṃ vivāhe bandhubhiḥ kṛtaḥ; sahadharmacarī bhartur bhavaty agnisamīpataḥ

Diese Pflicht der Frau ist schon zuvor bei der Hochzeit von den Verwandten festgelegt worden: In der Nähe des Feuers wird sie zur Mitübenden der Pflicht ihres Gatten.

Wort für Wort
strīdharmaḥ pūrva eva ayaṃ vivāhe bandhubhiḥ kṛtaḥ
diese Pflicht der Frau ist schon zuvor bei der Hochzeit von den Verwandten gemacht worden (Nom.Sg.; Lok.; Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
sahadharmacarī bhartur bhavati
sie wird des Gatten Mitübende der Pflicht (Nom.Sg.f.; Gen.; 3.Sg.Präs.)
agnisamīpataḥ
in der Nähe des Feuers (Abl.-Adv.)

susvabhāvā suvacanā suvṛttā sukhadarśanā; ananyacittā sumukhī bhartuḥ sā dharmacāriṇī

Von guter Wesensart, freundlich im Reden, von gutem Betragen, angenehm anzusehen, mit auf keinen anderen gerichtetem Sinn, schönen Antlitzes: Die ist des Gatten Dharma-Gefährtin.

Wort für Wort
susvabhāvā suvacanā
von guter Wesensart, freundlich im Wort (Nom.Sg.f.)
suvṛttā sukhadarśanā
von gutem Betragen, angenehm anzusehen (Nom.Sg.f.)
ananyacittā sumukhī
mit auf keinen anderen gerichtetem Sinn, schönen Antlitzes (Nom.Sg.f.)
bhartuḥ sā dharmacāriṇī
des Gatten [ist] sie die Dharma-Gefährtin (Gen.; Nom.Sg.f.)

daṃpatyor eṣa vai dharmaḥ sahadharmakṛtaḥ śubhaḥ

Das ist wahrlich die heilvolle Pflicht der Eheleute, die als gemeinsame Pflicht ausgeübt wird.

Wort für Wort
daṃpatyor eṣa vai dharmaḥ
dies ist wahrlich die Pflicht der Eheleute (Gen.Du.; Nom.Sg.)
sahadharmakṛtaḥ śubhaḥ
als gemeinsame Pflicht ausgeübt, heilvoll (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

sā bhaved dharmaparamā sā bhaved dharmabhāginī; devavat satataṃ sādhvī yā bhartāraṃ prapaśyati

Die soll dem Dharma höchst ergeben sein, die soll des Dharma teilhaftig sein: die tugendhafte Frau, die ihren Gatten stets wie einen Gott betrachtet.

Wort für Wort
sā bhaved dharmaparamā
sie soll dem Dharma höchst ergeben sein (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.f.)
sā bhaved dharmabhāginī
sie soll des Dharma teilhaftig sein (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.f.)
devavat satataṃ sādhvī
wie einen Gott, stets, die Tugendhafte (Adv.; Adv.; Nom.Sg.f.)
yā bhartāraṃ prapaśyati
die den Gatten ansieht (Rel.Nom.Sg.f.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)

śuśrūṣāṃ paricāraṃ ca devavad yā karoti ca; nānyabhāvā hy avimanāḥ suvratā sukhadarśanā

Die ihm Dienstbereitschaft und Aufwartung wie einem Gott erweist, nicht anderen zugeneigt, nicht missmutig, von guten Gelübden, angenehm anzusehen.

Wort für Wort
śuśrūṣāṃ paricāraṃ ca
Dienstbereitschaft und Aufwartung (Akk.Sg.)
devavad yā karoti ca
die sie wie einem Gott leistet (Rel.Nom.Sg.f.; 3.Sg.Präs.)
na anyabhāvā hi avimanāḥ
nicht anderen zugeneigt, nicht missmutig (Nom.Sg.f.)
suvratā sukhadarśanā
von guten Gelübden, angenehm anzusehen (Nom.Sg.f.)

putravaktram ivābhīkṣṇaṃ bhartur vadanam īkṣate; yā sādhvī niyatācārā sā bhaved dharmacāriṇī

Die immer das Gesicht des Gatten wie das Gesicht eines Sohnes anschaut, die tugendhafte mit gezügeltem Wandel: sie sei die Dharma-Gefährtin.

Wort für Wort
putravaktram iva abhīkṣṇam
wie das Gesicht eines Sohnes, immer wieder (Akk.Sg.; Adv.)
bhartur vadanam īkṣate
das Gesicht des Gatten schaut sie an (Gen.; Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
yā sādhvī niyatācārā
die Tugendhafte, mit gezügeltem Wandel (Rel.Nom.Sg.f.)
sā bhaved dharmacāriṇī
sie sei die Dharma-Gefährtin (3.Sg.Opt.)

śrutvā daṃpatidharmaṃ vai sahadharmakṛtaṃ śubham; ananyacittā sumukhī bhartuḥ sā dharmacāriṇī

Wenn sie die heilvolle, gemeinsam ausgeübte Pflicht der Eheleute gehört hat, ist die Frau mit auf keinen anderen gerichtetem Sinn und schönem Antlitz des Gatten Dharma-Gefährtin.

Wort für Wort
śrutvā daṃpatidharmaṃ vai
nachdem sie die Pflicht der Eheleute gehört hat (Abs.; Akk.Sg.)
sahadharmakṛtaṃ śubham
die gemeinsam ausgeübte, heilvolle (Akk.Sg.m.)
ananyacittā sumukhī
mit auf keinen anderen gerichtetem Sinn, schönen Antlitzes (Nom.Sg.f.)
bhartuḥ sā dharmacāriṇī
des Gatten Dharma-Gefährtin ist sie (Gen.; Nom.Sg.f.)

Der Vers wiederholt Zeile 35cd; Satzbau der ersten Vershälfte knapp und leicht verschoben wiedergegeben.

paruṣāṇy api coktā yā dṛṣṭā vā krūracakṣuṣā; suprasannamukhī bhartur yā nārī sā pativratā

Die Frau, die, selbst wenn ihr harte Worte gesagt werden oder sie mit grausamem Blick angesehen wird, dem Gatten gegenüber heiter und freundlichen Gesichts bleibt, ist eine Gattentreue (pativratā).

Wort für Wort
paruṣāṇi api uktā
selbst harte [Worte] gesagt bekommen habend (Akk.Pl.n.; Part.Perf.Pass. Nom.Sg.f.)
yā dṛṣṭā vā krūracakṣuṣā
die oder mit grausamem Auge angesehen worden ist (Rel.; Part.; Instr.Sg.)
suprasannamukhī bhartur
mit sehr heiterem Gesicht gegenüber dem Gatten (Nom.Sg.f.; Gen./Dat.)
yā nārī sā pativratā
die Frau, die ist gattentreu (Nom.Sg.f.)

na candrasūryau na taruṃ puṃnāmno yā nirīkṣate; bhartṛvarjaṃ varārohā sā bhaved dharmacāriṇī

Die Schönhüftige, die außer dem Gatten weder Mond noch Sonne noch einen Baum, überhaupt nichts mit männlichem Namen ansieht, sei die Dharma-Gefährtin.

Wort für Wort
na candrasūryau na taruṃ
weder Mond und Sonne noch einen Baum (Akk.Du.; Akk.Sg.)
puṃnāmno yā nirīkṣate
[nichts] mit männlichem Namen, die ansieht (Akk.Pl. [?]; Rel.; 3.Sg.Präs.Med.)
bhartṛvarjaṃ varārohā
den Gatten ausgenommen, die Schönhüftige (Adv.; Nom.Sg.f.)
sā bhaved dharmacāriṇī
sie sei die Dharma-Gefährtin (3.Sg.Opt.)

puṃnāmnaḥ formal Akk.Pl. oder Gen.Sg.; als „alles, was einen männlichen Namen trägt“ gedeutet.

daridraṃ vyādhitaṃ dīnam adhvanā parikarśitam; patiṃ putram ivopāste sā nārī dharmabhāginī

Den armen, kranken, elenden, vom Weg erschöpften Gatten pflegt sie wie einen Sohn: Diese Frau hat Anteil am Dharma.

Wort für Wort
daridraṃ vyādhitaṃ dīnam
den armen, kranken, elenden (Akk.Sg.m.)
adhvanā parikarśitam
durch den Weg erschöpft (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
patiṃ putram iva upāste
den Gatten pflegt sie wie einen Sohn (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
sā nārī dharmabhāginī
diese Frau [ist] des Dharma teilhaftig (Nom.Sg.f.)

yā nārī prayatā dakṣā yā nārī putriṇī bhavet; patipriyā patiprāṇā sā nārī dharmabhāginī

Die Frau, die gesammelt und tüchtig ist, die Frau, die Mutter von Söhnen ist, dem Gatten lieb, der der Gatte Lebensatem ist: Diese Frau hat Anteil am Dharma.

Wort für Wort
yā nārī prayatā dakṣā
die Frau, die gesammelt, tüchtig ist (Nom.Sg.f.)
yā nārī putriṇī bhavet
die Frau, die Söhne hat, sein möge (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
patipriyā patiprāṇā
dem Gatten lieb, dem der Gatte Lebensatem ist (Nom.Sg.f.)
sā nārī dharmabhāginī
diese Frau ist des Dharma teilhaftig

śuśrūṣāṃ paricaryāṃ ca karoty avimanāḥ sadā; supratītā vinītā ca sā nārī dharmabhāginī

Die stets ohne Missmut Dienstbereitschaft und Aufwartung leistet, wohlgemut und bescheiden: Diese Frau hat Anteil am Dharma.

Wort für Wort
śuśrūṣāṃ paricaryāṃ ca
Dienstbereitschaft und Aufwartung (Akk.Sg.)
karoti avimanāḥ sadā
sie leistet, ohne Missmut, stets (3.Sg.Präs.; Nom.Sg.f.; Adv.)
supratītā vinītā ca
wohlgemut und bescheiden (Nom.Sg.f.)
sā nārī dharmabhāginī
diese Frau hat Anteil am Dharma

na kāmeṣu na bhogeṣu naiśvarye na sukhe tathā; spṛhā yasyā yathā patyau sā nārī dharmabhāginī

Deren Streben nach Begierden, Genüssen, Herrschaft und Wohlergehen nicht so groß ist wie ihr Verlangen nach dem Gatten: Diese Frau hat Anteil am Dharma.

Wort für Wort
na kāmeṣu na bhogeṣu
nicht auf Begierden, nicht auf Genüsse (Lok.Pl.)
na aiśvarye na sukhe tathā
nicht auf Herrschaft, nicht auf Glück (Lok.Sg.)
spṛhā yasyā yathā patyau
deren Verlangen wie [das] beim Gatten (Nom.Sg.f.; Rel.Gen.; Lok.Sg.)
sā nārī dharmabhāginī
diese Frau hat Anteil am Dharma

Die Vergleichsstruktur („nicht so wie beim Gatten“) ist im Sanskrit knapp; sinngemäß aufgelöst.

kalyotthānaratā nityaṃ guruśuśrūṣaṇe ratā; susaṃmṛṣṭakṣayā caiva gośakṛtkṛtalepanā

Die stets Freude am frühen Aufstehen hat, dem Dienst an den Älteren zugetan, die das Haus gut kehrt und mit Kuhdung bestreicht.

Wort für Wort
kalyotthānaratā nityam
am frühen Aufstehen erfreut, stets (Nom.Sg.f.; Adv.)
guruśuśrūṣaṇe ratā
dem Dienst an den Älteren zugetan (Lok.Sg.; Nom.Sg.f.)
susaṃmṛṣṭakṣayā ca eva
und mit gut gekehrtem Haus (Nom.Sg.f.)
gośakṛtkṛtalepanā
mit Kuhdung [als] Bestreichung gemacht (Nom.Sg.f.)

agnikāryaparā nityaṃ sadā puṣpabalipradā; devatātithibhṛtyānāṃ nirupya patinā saha

Dem Feueropfer stets ergeben, immer Blumen und Opfergaben darbringend, nachdem sie zusammen mit dem Gatten den Göttern, Gästen und Dienern [ihren Anteil] zugeteilt hat,

Wort für Wort
agnikāryaparā nityam
dem Feueropfer ergeben, stets (Nom.Sg.f.; Adv.)
sadā puṣpabalipradā
immer Blumen und Opfergaben darbringend (Adv.; Nom.Sg.f.)
devatātithibhṛtyānām
der Götter, Gäste und Diener (Gen.Pl.)
nirupya patinā saha
nachdem sie [den Anteil] ausgeteilt hat, zusammen mit dem Gatten (Abs.; Instr.Sg.)

Satzfortsetzung im folgenden Vers.

śeṣānnam upabhuñjānā yathānyāyaṃ yathāvidhi; tuṣṭapuṣṭajanā nityaṃ nārī dharmeṇa yujyate

die die Reste der Speise nach Recht und Vorschrift genießt und deren Leute stets zufrieden und wohlgenährt sind: Eine solche Frau wird mit dem Dharma verbunden.

Wort für Wort
śeṣānnam upabhuñjānā
die Speisereste genießend (Akk.Sg.n.; Part.Präs.Med. Nom.Sg.f.)
yathānyāyaṃ yathāvidhi
nach Recht, nach Vorschrift (Adv.)
tuṣṭapuṣṭajanā nityam
deren Leute zufrieden und wohlgenährt sind, stets (Nom.Sg.f.)
nārī dharmeṇa yujyate
die Frau wird mit dem Dharma verbunden (Nom.Sg.; Instr.; 3.Sg.Pass.)

śvaśrūśvaśurayoḥ pādau toṣayantī guṇānvitā; mātāpitṛparā nityaṃ yā nārī sā tapodhanā

Die die Füße von Schwiegermutter und Schwiegervater erfreut, tugendbegabt, stets Mutter und Vater ergeben: Diese Frau hat Askese als Reichtum.

Wort für Wort
śvaśrūśvaśurayoḥ pādau
die Füße von Schwiegermutter und Schwiegervater (Gen.Du.; Akk.Du.)
toṣayantī guṇānvitā
erfreuend, mit guten Eigenschaften begabt (Part.Kaus. Nom.Sg.f.)
mātāpitṛparā nityam
Mutter und Vater ergeben, stets (Nom.Sg.f.)
yā nārī sā tapodhanā
die Frau, die hat Askese als Reichtum (Nom.Sg.f.)

brāhmaṇān durbalānāthān dīnāndhakṛpaṇāṃs tathā; bibharty annena yā nārī sā pativratabhāginī

Die Frau, die Brahmanen, Schwache, Schutzlose, Elende, Blinde und Bedürftige mit Speise unterhält, hat Anteil an der Frucht der Gattentreue.

Wort für Wort
brāhmaṇān durbalānāthān
Brahmanen, Schwache und Schutzlose (Akk.Pl.)
dīnāndhakṛpaṇān tathā
Elende, Blinde und Bedürftige ebenso (Akk.Pl.)
bibharti annena yā nārī
sie unterhält mit Speise, die Frau (3.Sg.Präs.; Instr.Sg.)
sā pativratabhāginī
die hat Anteil an der Gattentreue (Nom.Sg.f.)

vrataṃ carati yā nityaṃ duścaraṃ laghusattvayā; paticittā patihitā sā pativratabhāginī

Die stets das schwer zu übende Gelübde übt, obwohl sie von schwachem Wesen ist, deren Sinn beim Gatten ist, die dem Gatten Gutes will: Sie hat Anteil an der Gattentreue.

Wort für Wort
vrataṃ carati yā nityam
das Gelübde übt, die stets (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
duścaraṃ laghusattvayā
schwer zu üben, [von einer] Leichtwesigen [?] (Akk.Sg.n.; Instr.Sg.f.)
paticittā patihitā
deren Sinn beim Gatten ist, dem Gatten wohlgesinnt (Nom.Sg.f.)
sā pativratabhāginī
sie hat Anteil an der Gattentreue

laghusattvā (Instr.) unsicher gedeutet: „von leichtem/schwachem Wesen“, konzessiv.

puṇyam etat tapaś caiva svargaś caiṣa sanātanaḥ; yā nārī bhartṛparamā bhaved bhartṛvratā śivā

Dies ist Verdienst und Askese, und dies ist der ewige Himmel: dass eine Frau den Gatten als Höchstes hat, dem Gatten gelobt, heilvoll ist.

Wort für Wort
puṇyam etat tapaḥ ca eva
dies ist Verdienst und Askese (Nom.Sg.n.)
svargaḥ ca eṣa sanātanaḥ
und dieser ewige Himmel (Nom.Sg.m.)
yā nārī bhartṛparamā bhavet
die Frau, die den Gatten als Höchstes hat, sein möge (3.Sg.Opt.)
bhartṛvratā śivā
dem Gatten gelobt, heilvoll (Nom.Sg.f.)

patir hi devo nārīṇāṃ patir bandhuḥ patir gatiḥ; patyā samā gatir nāsti daivataṃ vā yathā patiḥ

Der Gatte ist für die Frauen der Gott, der Gatte der Verwandte, der Gatte die Zuflucht. Eine Zuflucht, die der des Gatten gleicht, gibt es nicht, und keine Gottheit wie den Gatten.

Wort für Wort
patir hi devo nārīṇām
der Gatte ist ja der Gott für die Frauen (Nom.Sg.; Gen.Pl.)
patir bandhuḥ patir gatiḥ
der Gatte der Verwandte, der Gatte die Zuflucht (Nom.Sg.)
patyā samā gatir na asti
dem Gatten gleich gibt es keine Zuflucht (Instr.Sg.; Nom.Sg.f.)
daivataṃ vā yathā patiḥ
oder eine Gottheit wie der Gatte (Nom.Sg.n.)

patiprasādaḥ svargo vā tulyo nāryā na vā bhavet; ahaṃ svargaṃ na hīccheyaṃ tvayy aprīte maheśvara

Die Gunst des Gatten oder der Himmel – gleichwertig für die Frau mag es sein oder nicht [?]. Ich würde den Himmel nicht wünschen, wenn du, Maheśvara, unzufrieden bist.

Wort für Wort
patiprasādaḥ svargo vā
die Gunst des Gatten oder der Himmel (Nom.Sg.)
tulyo nāryā na vā bhavet
gleichwertig für die Frau, oder nicht, sei es [?] (Nom.Sg.m.; Dat.Sg.; 3.Sg.Opt.)
ahaṃ svargaṃ na hi iccheyam
ich würde den Himmel ja nicht wünschen (1.Sg.Opt.)
tvayi aprīte maheśvara
wenn du unzufrieden bist, Maheśvara (Lok.abs.; Vok.)

Erste Vershälfte syntaktisch offen; hier als „Gunst des Gatten und Himmel sind für die Frau gleichwertig – oder nicht“ gedeutet, mit dem Sinn, dass die Gunst des Gatten den Vorrang hat [?].

yady akāryam adharmaṃ vā yadi vā prāṇanāśanam; patir brūyād daridro vā vyādhito vā kathaṃ cana

Wenn der Gatte, sei er arm oder krank, irgendwie etwas Unziemliches, Unrechtes oder Lebensvernichtendes sagen [d. h. gebieten] sollte,

Wort für Wort
yadi akāryam adharmaṃ vā
wenn Unziemliches oder Unrecht (Akk.Sg.n.)
yadi vā prāṇanāśanam
oder wenn Lebensvernichtendes (Akk.Sg.n.)
patir brūyād daridro vā
der Gatte sagen sollte, oder arm (Nom.Sg.; 3.Sg.Opt.)
vyādhito vā kathaṃ cana
oder krank, irgendwie (Nom.Sg.m.; Adv.)

Satz wird im folgenden Vers fortgesetzt.

āpanno ripusaṃstho vā brahmaśāpārdito 'pi vā; āpaddharmān anuprekṣya tat kāryam aviśaṅkayā

oder er in Not geraten, unter Feinden weilend oder von einem Brahmanenfluch geplagt ist: Unter Beachtung der Notzeit-Pflichten ist das ohne Zögern zu tun.

Wort für Wort
āpanno ripusaṃstho vā
in Not geraten oder unter Feinden weilend (Nom.Sg.m.)
brahmaśāpārdito 'pi vā
oder auch von einem Brahmanenfluch geplagt (Nom.Sg.m.)
āpaddharmān anuprekṣya
die Notzeit-Pflichten berücksichtigend (Akk.Pl.; Abs.)
tat kāryam aviśaṅkayā
das ist zu tun, ohne Bedenken (Nom.Sg.n.; Gerundiv; Instr.Sg.)

eṣa deva mayā proktaḥ strīdharmo vacanāt tava; yā tv evaṃbhāvinī nārī sā bhaved dharmabhāginī

Dies, Gott, ist die Pflicht der Frau, die ich auf dein Geheiß gesagt habe. Die Frau aber, die so geartet ist, sei des Dharma teilhaftig.

Wort für Wort
eṣa deva mayā proktaḥ
dies, Gott, ist von mir gesagt (Nom.Sg.m.; Instr.; Part.Perf.Pass.)
strīdharmo vacanāt tava
die Pflicht der Frau auf dein Wort hin (Nom.Sg.; Abl.Sg.; Gen.)
yā tu evaṃbhāvinī nārī
die Frau aber, die so geartet ist (Nom.Sg.f.)
sā bhaved dharmabhāginī
sie sei des Dharma teilhaftig (3.Sg.Opt.)

bhīṣma uvāca; ity uktaḥ sa tu deveśaḥ pratipūjya gireḥ sutām; lokān visarjayām āsa sarvair anucaraiḥ saha

Bhīṣma sprach: So angesprochen, ehrte der Herr der Götter die Tochter des Berges und entließ die Wesen zusammen mit allen seinen Gefolgsleuten.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
iti uktaḥ sa tu deveśaḥ
so angesprochen, dieser Herr der Götter (Part.Perf.Pass.; Nom.Sg.)
pratipūjya gireḥ sutām
nachdem er die Tochter des Berges geehrt hatte (Abs.; Gen.; Akk.Sg.f.)
lokān visarjayām āsa
er entließ die Wesen (Akk.Pl.; Perf.Kaus.)
sarvair anucaraiḥ saha
zusammen mit allen Gefolgsleuten (Instr.Pl.)

tato yayur bhūtagaṇāḥ saritaś ca yathāgatam; gandharvāpsarasaś caiva praṇamya śirasā bhavam

Da gingen die Scharen der Geistwesen und die Flüsse, wie sie gekommen waren, und die Gandharvas und Apsaras, nachdem sie Bhava mit dem Haupt verehrt hatten.

Wort für Wort
tato yayur bhūtagaṇāḥ
da gingen die Scharen der Geistwesen (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
saritaḥ ca yathāgatam
und die Flüsse, wie [sie] gekommen [waren] (Nom.Pl.; Adv.)
gandharvāpsarasaḥ ca eva
und die Gandharvas und Apsaras (Nom.Pl.)
praṇamya śirasā bhavam
nachdem sie sich verneigt hatten mit dem Haupt vor Bhava (Abs.; Instr.; Akk.)

vaiśaṃpāyanaḥ; anuśāsya śubhair vākyair bhīṣmas tv āha mahāmatim; janamejayaḥ; prītyā punaḥ sa śuśrūṣur vacanaṃ yad yudhiṣṭhire; pitāmaho me viprarṣe bhīṣmaṃ kālavaśaṃ gatam; kim apṛcchat tadā rājā sarvasāmāsikaṃ hitam; ubhayor lokayor yuktaṃ puruṣārtham anuttamam; vaiśaṃpāyanaḥ; tan me vada mahāprājña śrotuṃ kautūhalaṃ hi me; bhūya eva mahārāja śṛṇu dharmasamuccayam; yad apṛcchat tadā rājā kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ; śaratalpagataṃ bhīṣmaṃ sarvapārthivasaṃnidhau; yudhiṣṭhiraḥ; ajātaśatruḥ prītātmā punar evābhyabhāṣata; pitāmaha mahāprājña sarvaśāstraviśārada; śrūyatāṃ me hi vacanam arthitvāt prabravīmy aham; parāvarajño bhūtānāṃ dayāvān sarvajantuṣu

Vaiśaṃpāyana [sprach]: Nachdem Bhīṣma [ihn] mit heilvollen Worten belehrt hatte, sprach er zu dem Hochverständigen. Janamejaya [sprach]: Voll Freude, wieder hörbegierig auf die Rede, die Yudhiṣṭhira [betraf] [?], „Meinen Ahn, Brahmanenweiser, [nämlich] Bhīṣma, der in die Gewalt der Zeit geraten war [?] – was fragte der König damals, [etwas] in allem Wesentlichen Zusammengefasstes, Heilsames, für beide Welten Passendes, das höchste Lebensziel des Menschen?“ Vaiśaṃpāyana [sprach]: „Sage mir das, Hochweiser, denn ich habe Neugier zu hören.“ „Höre nun wiederum, großer König, die Zusammenfassung des Dharma, die damals der König, Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira, fragte, den auf dem Pfeilbett liegenden Bhīṣma in Gegenwart aller Fürsten.“ Yudhiṣṭhira [sprach]: Ajātaśatru, frohgemut, sprach abermals: „Großvater, Hochweiser, in allen Lehrschriften Bewanderter, so möge meine Rede gehört werden; aus Anliegen spreche ich. Du kennst das Höhere und Niedere der Wesen und bist mitfühlend gegen alle Geschöpfe.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyanaḥ
Vaiśaṃpāyana [sprach]:
anuśāsya śubhair vākyair bhīṣmas tv āha mahāmatim
Nachdem Bhīṣma [ihn] mit heilvollen Worten belehrt hatte, sprach er zu dem Hochverständigen. (Abs.; 3.Sg.Perf.)
janamejayaḥ
Janamejaya [sprach]:
prītyā punaḥ sa śuśrūṣur vacanaṃ yad yudhiṣṭhire
Voll Freude, wieder hörbegierig auf die Rede, die Yudhiṣṭhira [betraf] [?], (Instr.; Nom.Sg.m.Desid.-Adj.)
pitāmaho me viprarṣe bhīṣmaṃ kālavaśaṃ gatam
„Meinen Ahn, Brahmanenweiser, [nämlich] Bhīṣma, der in die Gewalt der Zeit geraten war [?] – (Nom.Sg.m. (statt Akk.); Vok.; Akk.Sg.m.)
kim apṛcchat tadā rājā sarvasāmāsikaṃ hitam
was fragte der König damals, [etwas] in allem Wesentlichen Zusammengefasstes, Heilsames, (Impf.; Akk.Sg.n.)
ubhayor lokayor yuktaṃ puruṣārtham anuttamam
für beide Welten Passendes, das höchste Lebensziel des Menschen?“ (Akk.Sg.n.)
vaiśaṃpāyanaḥ
Vaiśaṃpāyana [sprach]:
tan me vada mahāprājña śrotuṃ kautūhalaṃ hi me
„Sage mir das, Hochweiser, denn ich habe Neugier zu hören.“ (Imp.; Vok.; Inf.)
bhūya eva mahārāja śṛṇu dharmasamuccayam
„Höre nun wiederum, großer König, die Zusammenfassung des Dharma, (Imp.Sg.; Vok.; Akk.Sg.m.)
yad apṛcchat tadā rājā kuntīputro yudhiṣṭhiraḥ
die damals der König, Kuntīs Sohn Yudhiṣṭhira, fragte, (Impf.; Nom.Sg.m.)
śaratalpagataṃ bhīṣmaṃ sarvapārthivasaṃnidhau
den auf dem Pfeilbett liegenden Bhīṣma in Gegenwart aller Fürsten.“ (Akk.Sg.m.; Lok.Sg.n.)
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira [sprach]:
ajātaśatruḥ prītātmā punar evābhyabhāṣata
Ajātaśatru, frohgemut, sprach abermals: (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Impf.Med.)
pitāmaha mahāprājña sarvaśāstraviśārada
„Großvater, Hochweiser, in allen Lehrschriften Bewanderter, (Vok.)
śrūyatāṃ me hi vacanam arthitvāt prabravīmy aham
so möge meine Rede gehört werden; aus Anliegen spreche ich. (3.Sg.Imp.Pass.; 1.Sg.Präs.)
parāvarajño bhūtānāṃ dayāvān sarvajantuṣu
Du kennst das Höhere und Niedere der Wesen und bist mitfühlend gegen alle Geschöpfe. (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben in der Überlieferung teilweise verschoben (etwa „Vaiśaṃpāyana“ vor einer Rede Janamejayas); hier wörtlich wiedergegeben. Zeile 5: „pitāmahaḥ“ steht im Nominativ, wird aber als Apposition zu „bhīṣmam“ gedeutet [?]. Teilstück einer langen Zusatzpassage.

āgamair bahubhiḥ sphīto bhavān naḥ paramaḥ kule; tvādṛśo durlabho loke sāṃprataṃ jñānadarśanaḥ; bhavatā guruṇā caiva dhanyā bata vayaṃ prabho; ayaṃ sa kālaḥ saṃprāpto durlabho jñātibāndhavaiḥ; śāstā nu nāsti naḥ kaś cit tvad ṛte puruṣarṣabha; tasmād dharmārthasaṃyuktam āyatyāṃ ca hitodayam; āścaryaṃ paramaṃ vākyaṃ śrotum icchāmi bhārata; ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān sarvapārthivasaṃnidhau; bhavantaṃ bahumānāc ca praṇayāc copasevate; asyaiva tu samakṣaṃ naḥ pārthivānāṃ tathaiva ca; itivṛttaṃ purāṇaṃ ca śrotṝṇāṃ paramaṃ hitam; yadi te 'ham anugrāhyo bhrātṛbhiḥ sahito 'nagha; vaiśaṃpāyanaḥ; matpriyārthaṃ tu kauravya snehād bhāṣitum arhasi; tasya tad vacanaṃ śrutvā snehād āgataviklavaḥ

Durch viele überlieferte Lehren reich bist du der Höchste in unserer Sippe; einer wie du, mit Wissen und Einsicht, ist jetzt in der Welt schwer zu finden. Mit dir als Lehrer sind wir wahrlich glücklich, Herr. Diese Zeit ist gekommen, die für Sippe und Verwandte schwer zu erlangen ist. Einen Unterweiser haben wir nicht, außer dir, Stier unter den Männern. Darum – [etwas] mit Dharma und Nutzen verbunden, in Zukunft Heil bringend – eine höchst wunderbare Rede möchte ich hören, Bhārata. Dieser glanzvolle Nārāyaṇa hier in Gegenwart aller Fürsten dient dir aus hoher Achtung und aus Zuneigung. Vor den Augen eben dessen, vor uns und ebenso vor den Fürsten [möge] eine Geschichte und Altüberlieferung, den Hörern höchst heilsam, [erzählt werden], wenn ich von dir, Makelloser, zusammen mit meinen Brüdern der Gunst würdig bin, Vaiśaṃpāyana [sprach]: so sollst du, Kauravya, mir zuliebe aus Zuneigung sprechen.“ Als er diese seine Rede gehört hatte, wurde er aus Zuneigung ganz bewegt

Wort für Wort
āgamair bahubhiḥ sphīto bhavān naḥ paramaḥ kule
Durch viele überlieferte Lehren reich bist du der Höchste in unserer Sippe; (Instr.Pl.; Nom.Sg.m.; Lok.Sg.)
tvādṛśo durlabho loke sāṃprataṃ jñānadarśanaḥ
einer wie du, mit Wissen und Einsicht, ist jetzt in der Welt schwer zu finden. (Nom.Sg.m.)
bhavatā guruṇā caiva dhanyā bata vayaṃ prabho
Mit dir als Lehrer sind wir wahrlich glücklich, Herr. (Instr.; Nom.Pl.; Vok.)
ayaṃ sa kālaḥ saṃprāpto durlabho jñātibāndhavaiḥ
Diese Zeit ist gekommen, die für Sippe und Verwandte schwer zu erlangen ist. (Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.)
śāstā nu nāsti naḥ kaś cit tvad ṛte puruṣarṣabha
Einen Unterweiser haben wir nicht, außer dir, Stier unter den Männern. (Nom.Sg.m.; Vok.)
tasmād dharmārthasaṃyuktam āyatyāṃ ca hitodayam
Darum – [etwas] mit Dharma und Nutzen verbunden, in Zukunft Heil bringend – (Akk.Sg.n.)
āścaryaṃ paramaṃ vākyaṃ śrotum icchāmi bhārata
eine höchst wunderbare Rede möchte ich hören, Bhārata. (Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.)
ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān sarvapārthivasaṃnidhau
Dieser glanzvolle Nārāyaṇa hier in Gegenwart aller Fürsten (Nom.Sg.m.; Lok.Sg.n.)
bhavantaṃ bahumānāc ca praṇayāc copasevate
dient dir aus hoher Achtung und aus Zuneigung. (3.Sg.Präs.Med.)
asyaiva tu samakṣaṃ naḥ pārthivānāṃ tathaiva ca
Vor den Augen eben dessen, vor uns und ebenso vor den Fürsten (Lok.Sg.n.; Gen.Pl.)
itivṛttaṃ purāṇaṃ ca śrotṝṇāṃ paramaṃ hitam
[möge] eine Geschichte und Altüberlieferung, den Hörern höchst heilsam, [erzählt werden], (Akk.Sg.n.; Gen.Pl.)
yadi te 'ham anugrāhyo bhrātṛbhiḥ sahito 'nagha
wenn ich von dir, Makelloser, zusammen mit meinen Brüdern der Gunst würdig bin, (Gerundiv Nom.Sg.m.; Instr.Pl.)
vaiśaṃpāyanaḥ
Vaiśaṃpāyana [sprach]:
matpriyārthaṃ tu kauravya snehād bhāṣitum arhasi
so sollst du, Kauravya, mir zuliebe aus Zuneigung sprechen.“ (2.Sg.Präs.; Inf.)
tasya tad vacanaṃ śrutvā snehād āgataviklavaḥ
Als er diese seine Rede gehört hatte, wurde er aus Zuneigung ganz bewegt (Abs.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage; Satz und Rede setzen sich in der folgenden Einheit fort. Der Vers 11 hat kein finites Verb; „[möge … erzählt werden]“ ist ergänzt.

prapibann iva taṃ dṛṣṭvā bhīṣmo vacanam abravīt; śṛṇu rājan purā vṛttam itihāsaṃ purātanam; etāvad uktvā gāṅgeyaḥ praṇamya śirasā harim; dharmarājaṃ samīkṣyedaṃ punar vaktuṃ samārabhat; ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān putrārthaṃ vratakāṅkṣayā; dīkṣito 'bhūn mahābāhuḥ purā dvādaśavārṣikam; dīkṣitaṃ keśavaṃ draṣṭum abhijagmur maharṣayaḥ; sevituṃ ca mahātmānaḥ prīyamāṇā janārdanam; nāradaḥ parvataś caiva kṛṣṇadvaipāyanas tathā; devalaḥ kāśyapaś caiva hastikāśyapa eva ca; jamadagniś ca rājendra dhaumyo vālmīkir eva ca; apare 'pi tapaḥsiddhāḥ satyavrataparāyaṇāḥ; śiṣyair anugatāḥ sarve brahmavidbhir akalmaṣaiḥ; keśavas tān abhigatān prītyā saṃpratigṛhya ca

ihn gleichsam trinkend/mit den Augen verschlingend anblickend, sprach Bhīṣma die Rede: „Höre, König, die einst geschehene alte Geschichte.“ Nachdem Gāṅgeya so viel gesagt und sich mit dem Haupt vor Hari verneigt hatte und den Dharmakönig angeblickt hatte, begann er wieder zu sprechen: „Dieser glanzvolle Nārāyaṇa, um eines Sohnes willen, im Wunsch nach einem Gelübde, der Starkarmige, ließ sich einst zu einer zwölfjährigen Weihe weihen. Zu dem geweihten Keśava kamen die großen Seher, um ihn zu sehen und ihm zu dienen, die Hochherzigen, erfreut, [zu] Janārdana. Nārada und Parvata und ebenso Kṛṣṇa Dvaipāyana, Devala und Kāśyapa und auch Hastikāśyapa, Jamadagni, Fürst der Könige, Dhaumya und auch Vālmīki, und andere, durch Askese Vollendete, der Wahrheit und den Gelübden ergeben, alle begleitet von Schülern, Brahman-Kennern, Makellosen. Keśava empfing sie, die Gekommenen, mit Freude

Wort für Wort
prapibann iva taṃ dṛṣṭvā bhīṣmo vacanam abravīt
ihn gleichsam trinkend/mit den Augen verschlingend anblickend, sprach Bhīṣma die Rede: (Part.Präs.; 3.Sg.Impf.)
śṛṇu rājan purā vṛttam itihāsaṃ purātanam
„Höre, König, die einst geschehene alte Geschichte.“ (Imp.; Akk.Sg.m.)
etāvad uktvā gāṅgeyaḥ praṇamya śirasā harim
Nachdem Gāṅgeya so viel gesagt und sich mit dem Haupt vor Hari verneigt hatte (Abs.; Instr.)
dharmarājaṃ samīkṣyedaṃ punar vaktuṃ samārabhat
und den Dharmakönig angeblickt hatte, begann er wieder zu sprechen: (Abs.; 3.Sg.Impf.Med.)
ayaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān putrārthaṃ vratakāṅkṣayā
„Dieser glanzvolle Nārāyaṇa, um eines Sohnes willen, im Wunsch nach einem Gelübde, (Nom.Sg.m.; Instr.Sg.f.)
dīkṣito 'bhūn mahābāhuḥ purā dvādaśavārṣikam
der Starkarmige, ließ sich einst zu einer zwölfjährigen Weihe weihen. (Nom.Sg.m.; Impf.)
dīkṣitaṃ keśavaṃ draṣṭum abhijagmur maharṣayaḥ
Zu dem geweihten Keśava kamen die großen Seher, um ihn zu sehen (Part.Perf.Pass.; Inf.; 3.Pl.Perf.)
sevituṃ ca mahātmānaḥ prīyamāṇā janārdanam
und ihm zu dienen, die Hochherzigen, erfreut, [zu] Janārdana. (Inf.; Part.Präs.Med.)
nāradaḥ parvataś caiva kṛṣṇadvaipāyanas tathā
Nārada und Parvata und ebenso Kṛṣṇa Dvaipāyana, (Nom.Sg.m.)
devalaḥ kāśyapaś caiva hastikāśyapa eva ca
Devala und Kāśyapa und auch Hastikāśyapa, (Nom.Sg.m.)
jamadagniś ca rājendra dhaumyo vālmīkir eva ca
Jamadagni, Fürst der Könige, Dhaumya und auch Vālmīki, (Vok.; Nom.Sg.m.)
apare 'pi tapaḥsiddhāḥ satyavrataparāyaṇāḥ
und andere, durch Askese Vollendete, der Wahrheit und den Gelübden ergeben, (Nom.Pl.m.)
śiṣyair anugatāḥ sarve brahmavidbhir akalmaṣaiḥ
alle begleitet von Schülern, Brahman-Kennern, Makellosen. (Part.Perf.Pass.; Instr.Pl.m.)
keśavas tān abhigatān prītyā saṃpratigṛhya ca
Keśava empfing sie, die Gekommenen, mit Freude (3.Sg.; Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Teilstück einer langen Zusatzpassage; Bhīṣmas Rede beginnt in Zeile 5 und läuft über die folgenden Einheiten weiter (Anführungszeichen daher nicht geschlossen). Der Satz bricht am Ende ab [Anm.: Fortsetzung in der nächsten Einheit].

teṣām atithisatkāraṃ pūjanārthaṃ kulocitam; devakītanayo hṛṣṭo devatulyam akalpayat; upaviṣṭeṣu sarveṣu viṣṭareṣu tadānagha; viśvasteṣu hi tuṣṭeṣu keśavārcanayā punaḥ; parasparaṃ kathā divyāḥ prāvartanta manoramāḥ; viṣṇor nārāyaṇasyaiva prasādāt kathayāmi tāḥ; tasyaiva vratacaryāyāṃ munibhir vismitaḥ purā; yaś ca govṛṣabhāṅkasya prabhāvo 'bhūn mahātmanaḥ; yatra devī mahādevam apṛcchat saṃśayān purā; kathayām āsa śarvas tān devyāḥ priyacikīrṣayā; umāpatyoś ca saṃvādaṃ śṛṇu tāta manoramam; varṇāśramāṇāṃ dharmaś ca tatra tāta samāhitaḥ; ṛṣidharmaś ca nikhilo rājadharmaś ca puṣkalaḥ; gṛhasthadharmaś ca śubhaḥ karmapākaphalāni ca; devaguhyaṃ ca vividhaṃ dānadharmavidhis tadā

und ihnen, zur Ehrung, einen Gastempfang, wie er dem Geschlecht entspricht, richtete der erfreute Sohn der Devakī her, göttergleich. Als alle auf ihren Sitzen Platz genommen hatten, Makelloser, vertraut und zufrieden durch die Verehrung des Keśava, entstanden untereinander himmlische, herzerfreuende Gespräche. Durch die Gunst des Viṣṇu Nārāyaṇa selbst erzähle ich sie. Einst, bei dessen Gelübdeübung, [war er] erstaunt zusammen mit den Weisen [?], und welche Macht des Hochherzigen, dessen Zeichen der Stier ist [Śiva], sich zeigte, bei der die Göttin einst den Mahādeva nach ihren Zweifeln fragte und Śarva sie der Göttin erklärte, um ihr einen Gefallen zu tun. Höre auch das herzerfreuende Gespräch Umās mit ihrem Gatten, Lieber: Die Pflicht der Stände und Lebensstufen ist darin, Lieber, zusammengefasst, die gesamte Seherpflicht und die reichhaltige Königspflicht, die heilvolle Hausvaterpflicht und die Früchte der Reifung der Taten, und mannigfaltiges Götter-Geheimnis, dann die Regel der Gabenpflicht.

Wort für Wort
teṣām atithisatkāraṃ pūjanārthaṃ kulocitam
und ihnen, zur Ehrung, einen Gastempfang, wie er dem Geschlecht entspricht, (Akk.Sg.m.; Adj.)
devakītanayo hṛṣṭo devatulyam akalpayat
richtete der erfreute Sohn der Devakī her, göttergleich. (Nom.Sg.m.; Impf.Med.)
upaviṣṭeṣu sarveṣu viṣṭareṣu tadānagha
Als alle auf ihren Sitzen Platz genommen hatten, Makelloser, (Lok.abs.; Vok.)
viśvasteṣu hi tuṣṭeṣu keśavārcanayā punaḥ
vertraut und zufrieden durch die Verehrung des Keśava, (Part.; Instr.Sg.)
parasparaṃ kathā divyāḥ prāvartanta manoramāḥ
entstanden untereinander himmlische, herzerfreuende Gespräche. (3.Pl.Impf.Med.; Nom.Pl.f.)
viṣṇor nārāyaṇasyaiva prasādāt kathayāmi tāḥ
Durch die Gunst des Viṣṇu Nārāyaṇa selbst erzähle ich sie. (Abl.; 1.Sg.Präs.)
tasyaiva vratacaryāyāṃ munibhir vismitaḥ purā
Einst, bei dessen Gelübdeübung, [war er] erstaunt zusammen mit den Weisen [?], (Lok.Sg.f.; Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
yaś ca govṛṣabhāṅkasya prabhāvo 'bhūn mahātmanaḥ
und welche Macht des Hochherzigen, dessen Zeichen der Stier ist [Śiva], sich zeigte, (Nom.Sg.m.; Impf.)
yatra devī mahādevam apṛcchat saṃśayān purā
bei der die Göttin einst den Mahādeva nach ihren Zweifeln fragte (Impf.; Akk.Pl.m.)
kathayām āsa śarvas tān devyāḥ priyacikīrṣayā
und Śarva sie der Göttin erklärte, um ihr einen Gefallen zu tun. (Perf.periphr.; Instr.Sg.f.)
umāpatyoś ca saṃvādaṃ śṛṇu tāta manoramam
Höre auch das herzerfreuende Gespräch Umās mit ihrem Gatten, Lieber: (Imp.; Gen.Du.)
varṇāśramāṇāṃ dharmaś ca tatra tāta samāhitaḥ
Die Pflicht der Stände und Lebensstufen ist darin, Lieber, zusammengefasst, (Part.Perf.Pass.)
ṛṣidharmaś ca nikhilo rājadharmaś ca puṣkalaḥ
die gesamte Seherpflicht und die reichhaltige Königspflicht, (Nom.Sg.m.)
gṛhasthadharmaś ca śubhaḥ karmapākaphalāni ca
die heilvolle Hausvaterpflicht und die Früchte der Reifung der Taten, (Nom.Sg.m.; Nom.Pl.n.)
devaguhyaṃ ca vividhaṃ dānadharmavidhis tadā
und mannigfaltiges Götter-Geheimnis, dann die Regel der Gabenpflicht. (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 7 (munibhir vismitaḥ) ist syntaktisch unklar und möglicherweise verderbt. Die Zeilen 6–15 sind eine inhaltliche Vorschau auf das folgende Gespräch.

vidhānam atra saṃproktaṃ yamasya niyamasya ca; yamalokavidhānaṃ ca svargalokavidhis tathā; prāṇamokṣavidhiś caiva tīrthacaryā ca puṣkalā; mokṣadharmavidhānaṃ ca sāṃkhyayogasamanvitam; strīdharmaś ca svayaṃ devyā devadevāya bhāṣitaḥ; evamādi śubhaṃ sarvaṃ tatra tāta samāhitam; rudrāṇyāḥ saṃśayapraśno yatra tāta pravartate; dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ dharmyaṃ ca paramaṃ hitam; puṣṭiyogam idaṃ divyaṃ kathyamānaṃ mayā śṛṇu; itihāsam imaṃ divyaṃ pavitraṃ paramaṃ śubham; sāyaṃ prātaḥ sadā samyak śrotavyaṃ ca bubhūṣatā; tato nārāyaṇo devaḥ saṃkliṣṭo vratacaryayā; vahnir viniḥsṛto vaktrāt kṛṣṇasyādbhutadarśanaḥ; agninā tena mahatā niḥsṛtena mukhād vibhoḥ

Die Ordnung von Zügelungen (yama) und Einhaltungen (niyama) ist hier dargelegt, die Ordnung der Welt Yamas und die Regel der Himmelswelt, die Regel der Entlassung des Lebenshauchs und ausführliche Pilgerfahrt, die Ordnung der Erlösungspflicht, verbunden mit Sāṃkhya und Yoga, und die Pflicht der Frau, von der Göttin selbst dem Gott der Götter gesagt. Dies und dergleichen Heilvolles ist alles darin zusammengefasst, Lieber. Darin, Lieber, beginnt die Zweifelsfrage der Rudrāṇī [Umā]. Sie ist Reichtum bringend, ruhmbringend, lebensfördernd, dharmagemäß und höchst heilsam. Dieses göttliche, Gedeihen bewirkende [Gespräch] höre, während ich es erzähle. Diese göttliche Geschichte, rein, höchst heilvoll, ist von einem, der Gedeihen wünscht, abends und morgens stets recht zu hören. Da war der Gott Nārāyaṇa durch die Gelübdeübung erschöpft; aus Kṛṣṇas Mund ging ein Feuer hervor, wunderbar anzusehen; und von jenem großen Feuer, das aus dem Mund des Herrn hervorgegangen war,

Wort für Wort
vidhānam atra saṃproktaṃ yamasya niyamasya ca
Die Ordnung von Zügelungen (yama) und Einhaltungen (niyama) ist hier dargelegt, (Part.Perf.Pass. Nom.Sg.n.)
yamalokavidhānaṃ ca svargalokavidhis tathā
die Ordnung der Welt Yamas und die Regel der Himmelswelt, (Nom.Sg.n./m.)
prāṇamokṣavidhiś caiva tīrthacaryā ca puṣkalā
die Regel der Entlassung des Lebenshauchs und ausführliche Pilgerfahrt, (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.f.)
mokṣadharmavidhānaṃ ca sāṃkhyayogasamanvitam
die Ordnung der Erlösungspflicht, verbunden mit Sāṃkhya und Yoga, (Nom.Sg.n.; Adj.)
strīdharmaś ca svayaṃ devyā devadevāya bhāṣitaḥ
und die Pflicht der Frau, von der Göttin selbst dem Gott der Götter gesagt. (Part.Perf.Pass.; Dat.)
evamādi śubhaṃ sarvaṃ tatra tāta samāhitam
Dies und dergleichen Heilvolles ist alles darin zusammengefasst, Lieber. (Nom.Sg.n.)
rudrāṇyāḥ saṃśayapraśno yatra tāta pravartate
Darin, Lieber, beginnt die Zweifelsfrage der Rudrāṇī [Umā]. (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.Med.)
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ dharmyaṃ ca paramaṃ hitam
Sie ist Reichtum bringend, ruhmbringend, lebensfördernd, dharmagemäß und höchst heilsam. (Adj.)
puṣṭiyogam idaṃ divyaṃ kathyamānaṃ mayā śṛṇu
Dieses göttliche, Gedeihen bewirkende [Gespräch] höre, während ich es erzähle. (Part.Präs.Pass.; Imp.)
itihāsam imaṃ divyaṃ pavitraṃ paramaṃ śubham
Diese göttliche Geschichte, rein, höchst heilvoll, (Akk.Sg.m.)
sāyaṃ prātaḥ sadā samyak śrotavyaṃ ca bubhūṣatā
ist von einem, der Gedeihen wünscht, abends und morgens stets recht zu hören. (Gerundiv; Instr.Sg.m.Part.)
tato nārāyaṇo devaḥ saṃkliṣṭo vratacaryayā
Da war der Gott Nārāyaṇa durch die Gelübdeübung erschöpft; (Part.Perf.Pass.)
vahnir viniḥsṛto vaktrāt kṛṣṇasyādbhutadarśanaḥ
aus Kṛṣṇas Mund ging ein Feuer hervor, wunderbar anzusehen; (Part.Perf.Pass.; Abl.)
agninā tena mahatā niḥsṛtena mukhād vibhoḥ
und von jenem großen Feuer, das aus dem Mund des Herrn hervorgegangen war, (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz bricht am Ende ab und wird in der nächsten Einheit fortgesetzt.

paśyatām eva sarveṣāṃ dagdha eva nagottamaḥ; mṛgapakṣisamākīrṇaḥ śvāpadair abhisaṃkulaḥ; vṛkṣagulmalatākīrṇo mathito dīnadarśanaḥ; punaḥ sa dṛṣṭamātreṇa hariṇā saumyacetasā; sa babhūva giriḥ kṣipraṃ praphulladrumakānanaḥ; siddhacāraṇasaṃghaiś ca prasannair upaśobhitaḥ; mattavāraṇasaṃyukto nānāpakṣigaṇair yutaḥ; tad adbhutam acintyaṃ ca sarveṣām abhavad bhṛśam; taṃ dṛṣṭvā hṛṣṭaromāṇaḥ sarve munigaṇās tadā; vismitāḥ paramāyastāḥ sādhvasākulalocanāḥ; na kiṃ cid abruvaṃs tatra śubhaṃ vā yadi vetarat; tato nārāyaṇo devo munisaṃghe suvismite; tān samīkṣyaiva madhuraṃ babhāṣe puṣkarekṣaṇaḥ; kimarthaṃ munisaṃghasya vismayo 'yam anuttamaḥ; etaṃ me saṃśayaṃ sarve yāthātathyam aninditāḥ

wurde unter den Augen aller der beste der Berge verbrannt, von Wild und Vögeln erfüllt, von Raubtieren wimmelnd, mit Bäumen, Sträuchern und Ranken bedeckt, zerquält, jämmerlich anzusehen. Nur durch den Blick des Hari mit sanftem Sinn wurde dieser Berg alsbald wieder ein Wald mit blühenden Bäumen, geschmückt von Scharen freudiger Siddhas und Cāraṇas, mit brünstigen Elefanten versehen, mit Scharen mannigfacher Vögel. Das wurde für alle überaus wunderbar und unfassbar. Als sie ihn sahen, bekamen alle Scharen der Weisen Gänsehaut, staunend, sehr erschüttert, mit vor Schrecken verwirrten Augen; sie sagten dort nichts, weder Gutes noch anderes. Da sprach der Gott Nārāyaṇa, als die Weisenschar sehr erstaunt war, sie anblickend, der Lotosäugige, sanft: ‚Weshalb entstand dieses höchste Staunen der Weisenschar? Diesen meinen Zweifel, der Wahrheit gemäß, ihr alle, Untadelige –

Wort für Wort
paśyatām eva sarveṣāṃ dagdha eva nagottamaḥ
wurde unter den Augen aller der beste der Berge verbrannt, (Gen.abs.; Part.Perf.Pass.)
mṛgapakṣisamākīrṇaḥ śvāpadair abhisaṃkulaḥ
von Wild und Vögeln erfüllt, von Raubtieren wimmelnd, (Nom.Sg.m.)
vṛkṣagulmalatākīrṇo mathito dīnadarśanaḥ
mit Bäumen, Sträuchern und Ranken bedeckt, zerquält, jämmerlich anzusehen. (Nom.Sg.m.)
punaḥ sa dṛṣṭamātreṇa hariṇā saumyacetasā
Nur durch den Blick des Hari mit sanftem Sinn (Instr.Sg.)
sa babhūva giriḥ kṣipraṃ praphulladrumakānanaḥ
wurde dieser Berg alsbald wieder ein Wald mit blühenden Bäumen, (3.Sg.Perf.)
siddhacāraṇasaṃghaiś ca prasannair upaśobhitaḥ
geschmückt von Scharen freudiger Siddhas und Cāraṇas, (Instr.Pl.)
mattavāraṇasaṃyukto nānāpakṣigaṇair yutaḥ
mit brünstigen Elefanten versehen, mit Scharen mannigfacher Vögel. (Nom.Sg.m.)
tad adbhutam acintyaṃ ca sarveṣām abhavad bhṛśam
Das wurde für alle überaus wunderbar und unfassbar. (Impf.)
taṃ dṛṣṭvā hṛṣṭaromāṇaḥ sarve munigaṇās tadā
Als sie ihn sahen, bekamen alle Scharen der Weisen Gänsehaut, (Abs.; Nom.Pl.m.)
vismitāḥ paramāyastāḥ sādhvasākulalocanāḥ
staunend, sehr erschüttert, mit vor Schrecken verwirrten Augen; (Nom.Pl.m.)
na kiṃ cid abruvaṃs tatra śubhaṃ vā yadi vetarat
sie sagten dort nichts, weder Gutes noch anderes. (3.Pl.Impf.)
tato nārāyaṇo devo munisaṃghe suvismite
Da sprach der Gott Nārāyaṇa, als die Weisenschar sehr erstaunt war, (Lok.abs.)
tān samīkṣyaiva madhuraṃ babhāṣe puṣkarekṣaṇaḥ
sie anblickend, der Lotosäugige, sanft: (Abs.; Nom.Sg.m.)
kimarthaṃ munisaṃghasya vismayo 'yam anuttamaḥ
‚Weshalb entstand dieses höchste Staunen der Weisenschar? (Adv.; Nom.Sg.m.)
etaṃ me saṃśayaṃ sarve yāthātathyam aninditāḥ
Diesen meinen Zweifel, der Wahrheit gemäß, ihr alle, Untadelige – (Akk.Sg.m.; Vok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz der Rede setzt sich in der nächsten Einheit fort. Die Bhīṣma-Rede aus Einheit 63 läuft weiter; Kṛṣṇas Rede steht in einfachen Anführungszeichen.

ṛṣayo vaktum arhanti niścayenārthakovidāḥ; keśavasya vacaḥ śrutvā tuṣṭuvur munipuṃgavāḥ; bhavān sṛjati vai lokān bhavān saṃharati prajāḥ; bhavāñ śītaṃ bhavān uṣṇaṃ bhavān satyaṃ bhavān kratuḥ; bhavān ādir bhavān anto bhavato 'nyan na vidyate; sthāvaraṃ jaṃgamaṃ sarvaṃ tvam eva puruṣottama; tvattaḥ sarvam idaṃ tāta lokacakraṃ pravartate; tvam evārhasi tad vaktuṃ mukhād agnivinirgamam; etan no vismayakaraṃ babhūva madhusūdana; tato 'dhigatasaṃtrāsā bhavāma puruṣottama; bhagavān; yad icchet tatra vaktavyaṃ kuto 'smākaṃ niyogataḥ; nityaṃ hitārthaṃ lokānāṃ bhavadbhiḥ kriyate tapaḥ; tasmāl lokahitaṃ guhyaṃ śrūyatāṃ kathayāmi vaḥ; asuraḥ sāṃprataṃ kaś cid ahito lokanāśanaḥ

sollen die Seher, die den Sinn kennen, mit Gewissheit sagen.‘ Als sie Keśavas Rede gehört hatten, priesen ihn die Weisen-Stiere: ‚Du erschaffst die Welten, du nimmst die Geschöpfe zurück; du bist Kälte, du Hitze, du Wahrheit, du das Opfer; du bist Anfang, du Ende; außer dir gibt es nichts anderes. Alles Unbewegliche und Bewegliche bist du allein, Bester der Männer. Von dir aus läuft dieses ganze Weltenrad, Lieber, weiter. Du allein sollst das erklären: das Herausgehen des Feuers aus [deinem] Mund. Das hat uns in Staunen versetzt, Madhusūdana; daher sind wir von Schrecken ergriffen, Bester der Männer.‘ Bhagavān [sprach]: ‚Was [einer] dort sagen möchte, ist zu sagen – wie [käme es] aber auf unsere Anordnung hin? [?] Stets wird von euch zum Wohl der Welten Askese geübt; darum höret das weltheilsame Geheimnis, ich erzähle es euch: Ein Asura, [uns] feindlich, die Welten vernichtend, [besteht] jetzt gerade,

Wort für Wort
ṛṣayo vaktum arhanti niścayenārthakovidāḥ
sollen die Seher, die den Sinn kennen, mit Gewissheit sagen.‘ (3.Pl.Präs.; Instr.Sg.)
keśavasya vacaḥ śrutvā tuṣṭuvur munipuṃgavāḥ
Als sie Keśavas Rede gehört hatten, priesen ihn die Weisen-Stiere: (Abs.; 3.Pl.Perf.)
bhavān sṛjati vai lokān bhavān saṃharati prajāḥ
‚Du erschaffst die Welten, du nimmst die Geschöpfe zurück; (2.Sg.; Akk.Pl.)
bhavāñ śītaṃ bhavān uṣṇaṃ bhavān satyaṃ bhavān kratuḥ
du bist Kälte, du Hitze, du Wahrheit, du das Opfer; (Nom.Sg.m.)
bhavān ādir bhavān anto bhavato 'nyan na vidyate
du bist Anfang, du Ende; außer dir gibt es nichts anderes. (Nom.Sg.m.; Abl./Gen.; 3.Sg.Pass.)
sthāvaraṃ jaṃgamaṃ sarvaṃ tvam eva puruṣottama
Alles Unbewegliche und Bewegliche bist du allein, Bester der Männer. (Nom.Sg.n.; Vok.)
tvattaḥ sarvam idaṃ tāta lokacakraṃ pravartate
Von dir aus läuft dieses ganze Weltenrad, Lieber, weiter. (Abl.; 3.Sg.Präs.Med.)
tvam evārhasi tad vaktuṃ mukhād agnivinirgamam
Du allein sollst das erklären: das Herausgehen des Feuers aus [deinem] Mund. (2.Sg.Präs.; Inf.; Akk.Sg.m.)
etan no vismayakaraṃ babhūva madhusūdana
Das hat uns in Staunen versetzt, Madhusūdana; (Nom.Sg.n.; Perf.)
tato 'dhigatasaṃtrāsā bhavāma puruṣottama
daher sind wir von Schrecken ergriffen, Bester der Männer.‘ (Part.Perf.Pass.; 1.Pl.Opt./Präs.)
bhagavān
Bhagavān [sprach]:
yad icchet tatra vaktavyaṃ kuto 'smākaṃ niyogataḥ
‚Was [einer] dort sagen möchte, ist zu sagen – wie [käme es] aber auf unsere Anordnung hin? [?] (Opt.; Gerundiv; Abl.-Adv.)
nityaṃ hitārthaṃ lokānāṃ bhavadbhiḥ kriyate tapaḥ
Stets wird von euch zum Wohl der Welten Askese geübt; (3.Sg.Pass.; Instr.Pl.)
tasmāl lokahitaṃ guhyaṃ śrūyatāṃ kathayāmi vaḥ
darum höret das weltheilsame Geheimnis, ich erzähle es euch: (Imp.Pass.; 1.Sg.Präs.)
asuraḥ sāṃprataṃ kaś cid ahito lokanāśanaḥ
Ein Asura, [uns] feindlich, die Welten vernichtend, [besteht] jetzt gerade, (Nom.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 12 (yad icchet tatra vaktavyaṃ kuto ’smākaṃ niyogataḥ) ist syntaktisch unklar und möglicherweise verderbt; Wiedergabe unsicher. Kṛṣṇas Rede läuft in der nächsten Einheit weiter.

māyāstrakuśalaś caiva baladarpasamanvitaḥ; babhūva sa mayā vadhyo lokānāṃ hitakāmyayā; putreṇa me vadho dṛṣṭas tasya vai munipuṃgavāḥ; tadarthaṃ putram evāhaṃ sisṛkṣur vanam āgataḥ; ātmanaḥ sadṛśaṃ putram ahaṃ janayituṃ vrataiḥ; evaṃ vrataparītasya tapastīvratayā mama; athātmā mama dehasthaḥ so 'gnir bhūtvā viniḥsṛtaḥ; viniḥsṛtya gato draṣṭuṃ kṣaṇena ca pitāmaham; brahmaṇā manmatho 'naṅgaḥ putratve me prakalpitaḥ; anujñātaś ca tenaiva punar āyān mamāntikam; etan me vaiṣṇavaṃ tejo mama vaktrād viniḥsṛtam; tattejasā nirmathitaḥ purato 'yaṃ giriḥ sthitaḥ; dṛṣṭvā nāśaṃ gires tasya saumyabhāvatayā mama; punaḥ sa dṛṣṭamātreṇa girir āsīd yathāpuram

geschickt in Zauber- und Waffenkünsten, mit Stolz auf seine Kraft, er ist von mir zu töten geworden, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten; durch einen Sohn von mir ist sein Tod gesehen [vorherbestimmt], ihr Weisen-Stiere; deshalb bin ich, einen Sohn zu erschaffen wünschend, in den Wald gekommen. Einen mir gleichen Sohn will ich durch Gelübde zeugen. So, als ich mit den Gelübden beschäftigt war, in der Heftigkeit meiner Askese, ist mein im Körper wohnendes Selbst, zum Feuer geworden, herausgegangen; herausgegangen, ging es in einem Augenblick, um den Großvater [Brahmā] zu sehen; von Brahmā wurde Manmatha, der Körperlose, als mein Sohn bestimmt; und von eben diesem entlassen, kam [er] wieder in meine Nähe. Dies ist meine Viṣṇu-Glut, aus meinem Mund hervorgegangen; von deren Glut ist dieser vor uns stehende Berg zerquält worden. Als ich die Vernichtung dieses Berges sah, infolge meiner sanften Gesinnung, wurde er durch bloßen Blick wieder wie zuvor zum Berg.

Wort für Wort
māyāstrakuśalaś caiva baladarpasamanvitaḥ
geschickt in Zauber- und Waffenkünsten, mit Stolz auf seine Kraft, (Nom.Sg.m.)
babhūva sa mayā vadhyo lokānāṃ hitakāmyayā
er ist von mir zu töten geworden, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten; (Perf.; Gerundiv; Instr.Sg.f.)
putreṇa me vadho dṛṣṭas tasya vai munipuṃgavāḥ
durch einen Sohn von mir ist sein Tod gesehen [vorherbestimmt], ihr Weisen-Stiere; (Instr.Sg.; Part.Perf.Pass.)
tadarthaṃ putram evāhaṃ sisṛkṣur vanam āgataḥ
deshalb bin ich, einen Sohn zu erschaffen wünschend, in den Wald gekommen. (Desid.-Adj. Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
ātmanaḥ sadṛśaṃ putram ahaṃ janayituṃ vrataiḥ
Einen mir gleichen Sohn will ich durch Gelübde zeugen. (Inf.; Instr.Pl.)
evaṃ vrataparītasya tapastīvratayā mama
So, als ich mit den Gelübden beschäftigt war, in der Heftigkeit meiner Askese, (Gen.Sg.m. Part.; Instr.Sg.f.)
athātmā mama dehasthaḥ so 'gnir bhūtvā viniḥsṛtaḥ
ist mein im Körper wohnendes Selbst, zum Feuer geworden, herausgegangen; (Nom.Sg.m.; Abs.; Part.Perf.Pass.)
viniḥsṛtya gato draṣṭuṃ kṣaṇena ca pitāmaham
herausgegangen, ging es in einem Augenblick, um den Großvater [Brahmā] zu sehen; (Abs.; Part.Perf.Pass.; Inf.)
brahmaṇā manmatho 'naṅgaḥ putratve me prakalpitaḥ
von Brahmā wurde Manmatha, der Körperlose, als mein Sohn bestimmt; (Instr.; Part.Perf.Pass.)
anujñātaś ca tenaiva punar āyān mamāntikam
und von eben diesem entlassen, kam [er] wieder in meine Nähe. (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Aor./Impf.)
etan me vaiṣṇavaṃ tejo mama vaktrād viniḥsṛtam
Dies ist meine Viṣṇu-Glut, aus meinem Mund hervorgegangen; (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
tattejasā nirmathitaḥ purato 'yaṃ giriḥ sthitaḥ
von deren Glut ist dieser vor uns stehende Berg zerquält worden. (Instr.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
dṛṣṭvā nāśaṃ gires tasya saumyabhāvatayā mama
Als ich die Vernichtung dieses Berges sah, infolge meiner sanften Gesinnung, (Abs.; Instr.Sg.f.)
punaḥ sa dṛṣṭamātreṇa girir āsīd yathāpuram
wurde er durch bloßen Blick wieder wie zuvor zum Berg. (Impf.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 10: Subjekt von „anujñātaḥ … āyāt“ ist grammatisch mehrdeutig (Manmatha oder das Feuer); hier neutral als „er“ wiedergegeben [?]. Kṛṣṇas Rede läuft in der nächsten Einheit weiter.

etad guhyaṃ mayā tathyaṃ kathitaṃ vaḥ samāsataḥ; bhavanto vyathitā yena vismitāś ca tapodhanāḥ; bhagavān; ṛṣīṇām evam uktvā tu tān punaḥ pratyabhāṣata; bhavatāṃ darśanād eva prītir abhyadhikā mama; bhavantas tu tapaḥsiddhā bhavanto devadarśanāḥ; sarvatra gatimantaś ca jñānavijñānabhāvitāḥ; gatāgatajñā lokānāṃ sarve nirdhūtakalmaṣāḥ; tasmād bhavadbhir yat kiṃ cid dṛṣṭaṃ vāpy atha vā śrutam; āścaryabhūtaṃ lokeṣu tad bhavanto bruvantu me; yuṣmābhiḥ kathitaṃ yat syāt tapasā bhāvitātmabhiḥ; tat syād amṛtasaṃkāśaṃ vāṅmadhuśravaṇe spṛhā; rāgadveṣaviyuktānāṃ satataṃ satyavādinām; śraddheyaṃ śravaṇīyaṃ ca vacanaṃ hi satāṃ bhavet; tatsaṃyogaṃ hi tan me 'stu na vṛthā kartum arhatha

Dieses wahre Geheimnis habe ich euch kurz erzählt, wodurch ihr, an Askese reiche, erschüttert und erstaunt wart.‘ Bhagavān [sprach]: Nachdem er so zu den Sehern gesprochen hatte, antwortete er ihnen wieder: ‚Allein durch euren Anblick ist meine Freude größer geworden. Ihr seid durch Askese Vollendete, ihr Götterschauende, überall Zutritt Habende, durch Wissen und Erkenntnis Geläuterte, Kenner von Kommen und Gehen der Welten, alle von Schuld gereinigt. Darum, was immer ihr gesehen oder gehört habt, Wunderbares in den Welten, das sollt ihr mir sagen. Was von euch, den durch Askese Geläuterten, erzählt wird, das wäre dem Nektar gleich; ich habe Verlangen, den Honig der Rede zu hören. Von Verlangen und Hass gelöst, stets Wahres sprechend – glaubwürdig und hörenswert ist ja die Rede der Guten. Dieser Verbindung [mit solcher Rede] möge ich teilhaftig sein; ihr sollt sie nicht vergeblich machen.

Wort für Wort
etad guhyaṃ mayā tathyaṃ kathitaṃ vaḥ samāsataḥ
Dieses wahre Geheimnis habe ich euch kurz erzählt, (Part.Perf.Pass.; Instr.)
bhavanto vyathitā yena vismitāś ca tapodhanāḥ
wodurch ihr, an Askese reiche, erschüttert und erstaunt wart.‘ (Instr.-Rel.; Nom.Pl.m.)
bhagavān
Bhagavān [sprach]:
ṛṣīṇām evam uktvā tu tān punaḥ pratyabhāṣata
Nachdem er so zu den Sehern gesprochen hatte, antwortete er ihnen wieder: (Abs.; 3.Sg.Impf.Med.)
bhavatāṃ darśanād eva prītir abhyadhikā mama
‚Allein durch euren Anblick ist meine Freude größer geworden. (Abl.; Nom.Sg.f.)
bhavantas tu tapaḥsiddhā bhavanto devadarśanāḥ
Ihr seid durch Askese Vollendete, ihr Götterschauende, (Nom.Pl.m.)
sarvatra gatimantaś ca jñānavijñānabhāvitāḥ
überall Zutritt Habende, durch Wissen und Erkenntnis Geläuterte, (Nom.Pl.m.)
gatāgatajñā lokānāṃ sarve nirdhūtakalmaṣāḥ
Kenner von Kommen und Gehen der Welten, alle von Schuld gereinigt. (Nom.Pl.m.)
tasmād bhavadbhir yat kiṃ cid dṛṣṭaṃ vāpy atha vā śrutam
Darum, was immer ihr gesehen oder gehört habt, (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
āścaryabhūtaṃ lokeṣu tad bhavanto bruvantu me
Wunderbares in den Welten, das sollt ihr mir sagen. (Imp.Pl.)
yuṣmābhiḥ kathitaṃ yat syāt tapasā bhāvitātmabhiḥ
Was von euch, den durch Askese Geläuterten, erzählt wird, (Instr.Pl.; Part.Perf.Pass.)
tat syād amṛtasaṃkāśaṃ vāṅmadhuśravaṇe spṛhā
das wäre dem Nektar gleich; ich habe Verlangen, den Honig der Rede zu hören. (Opt.; Nom.Sg.f.)
rāgadveṣaviyuktānāṃ satataṃ satyavādinām
Von Verlangen und Hass gelöst, stets Wahres sprechend – (Gen.Pl.m.)
śraddheyaṃ śravaṇīyaṃ ca vacanaṃ hi satāṃ bhavet
glaubwürdig und hörenswert ist ja die Rede der Guten. (Gerundiv; 3.Sg.Opt.)
tatsaṃyogaṃ hi tan me 'stu na vṛthā kartum arhatha
Dieser Verbindung [mit solcher Rede] möge ich teilhaftig sein; ihr sollt sie nicht vergeblich machen. (3.Sg.Imp.; 2.Pl.Präs.; Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe vor Zeile 4 ist in der Überlieferung eingeschoben; Kṛṣṇas Rede läuft in der nächsten Einheit weiter. Zeile 15 (tatsaṃyogaṃ …) ist knapp und in der Deutung unsicher [?].

bhavatāṃ darśanaṃ tasmāt saphalaṃ tu bhaven mama; tad ahaṃ sajjanamukhān niḥsṛtaṃ janasaṃsadi; kathayiṣyāmy aharaho buddhidīpakaraṃ nṛṇām; tad anye vardhayiṣyanti pūjayiṣyanti vāpare; vākśalyavigatāś cānye praśaṃsanti purātanam; bhīṣmaḥ; evaṃ bruvati govinde śravaṇārthaṃ maharṣayaḥ; vāgbhiḥ sāñjalimālābhir idam ūcur janārdanam; ayuktam asmān evaṃ tvaṃ vācā varada bhāṣitum; tvacchāsanamukhāḥ sarve tvadadhīnapariśramāḥ; evaṃ pūjayituṃ cāsmān na caivārhasi keśava; tad vastv anyan na paśyāmo yal loke te na vidyate; divi vā bhuvi vā kiṃ cit tat sarvaṃ hi tvayā tatam; na vidmahe vayaṃ deva kathyamānaṃ tavāntike; evam ukto hṛṣīkeśaḥ sasmitaṃ cedam abravīt

Darum möge mein Schauen von euch fruchtbar werden. Das, was aus dem Mund guter Menschen in der Versammlung der Leute hervorgegangen ist, werde ich Tag für Tag erzählen, den Verstand der Menschen erleuchtend. Andere werden es mehren, andere werden es ehren, wieder andere, vom Stachel der Rede befreit, preisen das Uralte.‘ Bhīṣma [sprach]: Als Govinda so sprach, [sagten] die großen Seher zum Zweck des Hörens mit Worten, begleitet von Reihen gefalteter Hände, dies zu Janārdana: ‚Unpassend ist es, dass du, Gabenspender, uns so mit Worten ansprichst. Wir alle sind auf deinen Befehl gerichtet, unsere Mühen hängen von dir ab. Auch uns so zu ehren, sollst du nicht, Keśava. Ein anderes Ding sehen wir nicht, das in der Welt bei dir nicht vorhanden wäre; was immer im Himmel oder auf Erden [ist], all das ist von dir durchdrungen. Wir wissen nicht, Gott, [was wir] in deiner Gegenwart erzählen könnten.‘ So angesprochen, sprach Hṛṣīkeśa lächelnd dies:

Wort für Wort
bhavatāṃ darśanaṃ tasmāt saphalaṃ tu bhaven mama
Darum möge mein Schauen von euch fruchtbar werden. (3.Sg.Opt.)
tad ahaṃ sajjanamukhān niḥsṛtaṃ janasaṃsadi
Das, was aus dem Mund guter Menschen in der Versammlung der Leute hervorgegangen ist, (Part.Perf.Pass.)
kathayiṣyāmy aharaho buddhidīpakaraṃ nṛṇām
werde ich Tag für Tag erzählen, den Verstand der Menschen erleuchtend. (1.Sg.Fut.; Adj.)
tad anye vardhayiṣyanti pūjayiṣyanti vāpare
Andere werden es mehren, andere werden es ehren, (3.Pl.Fut.)
vākśalyavigatāś cānye praśaṃsanti purātanam
wieder andere, vom Stachel der Rede befreit, preisen das Uralte.‘ (Nom.Pl.m.; 3.Pl.Präs.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach]:
evaṃ bruvati govinde śravaṇārthaṃ maharṣayaḥ
Als Govinda so sprach, [sagten] die großen Seher zum Zweck des Hörens (Lok.abs.)
vāgbhiḥ sāñjalimālābhir idam ūcur janārdanam
mit Worten, begleitet von Reihen gefalteter Hände, dies zu Janārdana: (Instr.Pl.; Perf.Pl.)
ayuktam asmān evaṃ tvaṃ vācā varada bhāṣitum
‚Unpassend ist es, dass du, Gabenspender, uns so mit Worten ansprichst. (Nom.Sg.n.; Vok.)
tvacchāsanamukhāḥ sarve tvadadhīnapariśramāḥ
Wir alle sind auf deinen Befehl gerichtet, unsere Mühen hängen von dir ab. (Nom.Pl.m.)
evaṃ pūjayituṃ cāsmān na caivārhasi keśava
Auch uns so zu ehren, sollst du nicht, Keśava. (Inf.; 2.Sg.Präs.)
tad vastv anyan na paśyāmo yal loke te na vidyate
Ein anderes Ding sehen wir nicht, das in der Welt bei dir nicht vorhanden wäre; (1.Pl.Präs.; Rel.)
divi vā bhuvi vā kiṃ cit tat sarvaṃ hi tvayā tatam
was immer im Himmel oder auf Erden [ist], all das ist von dir durchdrungen. (Part.Perf.Pass.)
na vidmahe vayaṃ deva kathyamānaṃ tavāntike
Wir wissen nicht, Gott, [was wir] in deiner Gegenwart erzählen könnten.‘ (1.Pl.Präs.; Part.Präs.Pass. [?])
evam ukto hṛṣīkeśaḥ sasmitaṃ cedam abravīt
So angesprochen, sprach Hṛṣīkeśa lächelnd dies: (Part.Perf.Pass.; 3.Sg.Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 6: Sprecherangabe „Bhīṣma“ innerhalb von Bhīṣmas eigener Erzählung überliefert. Zeile 14 in der Deutung unsicher [?].

ahaṃ mānuṣayonisthaḥ sāṃprataṃ munipuṃgavāḥ; tasmān mānuṣavad vīryaṃ mama jānīta suvratāḥ; bhīṣmaḥ; bhavadbhiḥ kathyamānaṃ ca apūrvam iva tad bhavet; evaṃ saṃcoditāḥ sarve keśavena mahātmanā; ṛṣayaś cānuvartante vāsudevasya śāsanam; tatas tv ṛṣigaṇāḥ sarve nāradaṃ devadarśanam; amanyanta budhā buddhyā samarthaṃ tannibodhane; ṛṣir ugratapāś cāyaṃ keśavasya priyo 'dhikam; purāṇajñaś ca vāgmī ca kāraṇais taṃ ca menire; sarve tadarhaṇaṃ kṛtvā nāradaṃ vākyam abruvan; bhavatā tīrthayātrārthaṃ caratā himavadgirau; dṛṣṭaṃ vai yat tad āścaryaṃ śrotṝṇāṃ paramaṃ priyam; tattvaṃ tvam aviśeṣeṇa hitārthaṃ sarvam āditaḥ; bhīṣmaḥ; priyārthaṃ keśavasyāsya sa bhavān vaktum arhati

‚Ich bin jetzt in einem Menschenschoß weilend, ihr Weisen-Stiere; darum wisst, dass meine Kraft menschenähnlich ist, ihr mit guten Gelübden.‘ Bhīṣma [sprach]: ‚Und was von euch erzählt wird, wäre gleichsam noch nie Dagewesenes.‘ So von dem hochherzigen Keśava angeregt, folgen die Seher der Weisung Vāsudevas. Da hielten alle Seherscharen Nārada, der Götter schaut, die Klugen, in ihrem Verstand für fähig, dies zu verkünden. Denn dieser Seher, von strenger Askese, ist Keśava besonders lieb, kennt die alten Überlieferungen und ist redegewandt – aus [diesen] Gründen hielten sie ihn dafür. Alle sprachen zu Nārada, nachdem sie ihm entsprechende Ehrung erwiesen hatten, ‚Du hast, zum Zweck der Pilgerfahrt im Himavat-Gebirge wandernd, jenes Wunder gesehen, den Hörern höchst lieb; das [erzähle] du der Wahrheit gemäß, ohne Auslassung, zum Wohl, alles von Anfang an.‘ Bhīṣma [sprach]: ‚Diesem Keśava zuliebe sollst du, Ehrwürdiger, sprechen.‘

Wort für Wort
ahaṃ mānuṣayonisthaḥ sāṃprataṃ munipuṃgavāḥ
‚Ich bin jetzt in einem Menschenschoß weilend, ihr Weisen-Stiere; (Nom.Sg.m.)
tasmān mānuṣavad vīryaṃ mama jānīta suvratāḥ
darum wisst, dass meine Kraft menschenähnlich ist, ihr mit guten Gelübden.‘ (Imp.Pl.; Vok.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach]:
bhavadbhiḥ kathyamānaṃ ca apūrvam iva tad bhavet
‚Und was von euch erzählt wird, wäre gleichsam noch nie Dagewesenes.‘ (Part.Präs.Pass.; 3.Sg.Opt.)
evaṃ saṃcoditāḥ sarve keśavena mahātmanā
So von dem hochherzigen Keśava angeregt, (Part.Perf.Pass.; Instr.)
ṛṣayaś cānuvartante vāsudevasya śāsanam
folgen die Seher der Weisung Vāsudevas. (3.Pl.Präs.Med.)
tatas tv ṛṣigaṇāḥ sarve nāradaṃ devadarśanam
Da hielten alle Seherscharen Nārada, der Götter schaut, (3.Pl.Impf.Med.; Akk.)
amanyanta budhā buddhyā samarthaṃ tannibodhane
die Klugen, in ihrem Verstand für fähig, dies zu verkünden. (Nom.Pl.m.; Adj.)
ṛṣir ugratapāś cāyaṃ keśavasya priyo 'dhikam
Denn dieser Seher, von strenger Askese, ist Keśava besonders lieb, (Nom.Sg.m.)
purāṇajñaś ca vāgmī ca kāraṇais taṃ ca menire
kennt die alten Überlieferungen und ist redegewandt – aus [diesen] Gründen hielten sie ihn dafür. (Nom.Sg.m.; 3.Pl.Perf.Med.)
sarve tadarhaṇaṃ kṛtvā nāradaṃ vākyam abruvan
Alle sprachen zu Nārada, nachdem sie ihm entsprechende Ehrung erwiesen hatten, (Abs.; 3.Pl.Impf.)
bhavatā tīrthayātrārthaṃ caratā himavadgirau
‚Du hast, zum Zweck der Pilgerfahrt im Himavat-Gebirge wandernd, (Instr.Sg.; Part.Präs.)
dṛṣṭaṃ vai yat tad āścaryaṃ śrotṝṇāṃ paramaṃ priyam
jenes Wunder gesehen, den Hörern höchst lieb; (Part.Perf.Pass.)
tattvaṃ tvam aviśeṣeṇa hitārthaṃ sarvam āditaḥ
das [erzähle] du der Wahrheit gemäß, ohne Auslassung, zum Wohl, alles von Anfang an.‘ (Akk.Sg.n.; Adv.)
bhīṣmaḥ
Bhīṣma [sprach]:
priyārthaṃ keśavasyāsya sa bhavān vaktum arhati
‚Diesem Keśava zuliebe sollst du, Ehrwürdiger, sprechen.‘ (2.Sg.Präs.; Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 15: Sprecherangabe „Bhīṣma“ innerhalb der Seher-Rede eingeschoben. Zeile 8 (tannibodhane) in der Deutung leicht unsicher.

tadā saṃcoditaḥ sarvair ṛṣibhir nāradas tathā; praṇamya śirasā viṣṇuṃ sarvalokahite ratam; samudvīkṣya hṛṣīkeśaṃ vaktum evopacakrame; tato nārāyaṇasuhṛn nārado vadatāṃ varaḥ; nāradaḥ; śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādam anvabhāṣata; bhagavaṃs tīrthayātrārthaṃ tathaiva caratā mayā; divyam adbhutasaṃkāśaṃ dṛṣṭaṃ haimavataṃ vanam; nānāvṛkṣalatāyuktaṃ nānāpakṣigaṇair yutam; nānāratnasamākīrṇaṃ nānābhāvasamanvitam; divyacandanasaṃyuktaṃ divyadhūpena dhūpitam; divyapuṣpasamākīrṇaṃ divyagandhena mūrchitam; siddhacāraṇasaṃvāsaṃ bhūtasaṃghair niṣevitam; variṣṭhāpsarasākīrṇaṃ nānāgandharvasaṃkulam; mṛdaṅgamurajodghuṣṭaṃ śaṅkhavīṇābhināditam; nṛtyadbhir bhūtasaṃghaiś ca sarvatas tv abhiśobhitam

Da, von allen Sehern angeregt, ebenso Nārada, verneigte sich mit dem Haupt vor Viṣṇu, der am Wohl aller Welten Freude hat, blickte zu Hṛṣīkeśa auf und begann zu sprechen. Darauf Nārada, der Freund Nārāyaṇas, der Beste unter den Redenden, Nārada [sprach]: trug das Gespräch Śaṃkaras mit Umā vor. ‚Herr, als ich zum Zweck der Pilgerfahrt umherzog, sah ich einen himmlischen Wald am Himavat, wunderbar anzusehen, mit mannigfachen Bäumen und Ranken, mit Scharen vieler Vögel, mit vielerlei Juwelen bestreut, mit mannigfachen Wesensarten ausgestattet, mit göttlichem Sandel, von göttlichem Weihrauch durchduftet, mit göttlichen Blumen bestreut, von göttlichem Duft erfüllt, Wohnstätte von Siddhas und Cāraṇas, von Scharen von Geistwesen besucht, von vortrefflichen Apsaras erfüllt, voll vieler Gandharvas, von Mṛdaṅga- und Muraja-Trommeln erschallend, von Muscheln und Lauten durchtönt, und von tanzenden Scharen der Geistwesen ringsum geschmückt,

Wort für Wort
tadā saṃcoditaḥ sarvair ṛṣibhir nāradas tathā
Da, von allen Sehern angeregt, ebenso Nārada, (Part.Perf.Pass.)
praṇamya śirasā viṣṇuṃ sarvalokahite ratam
verneigte sich mit dem Haupt vor Viṣṇu, der am Wohl aller Welten Freude hat, (Abs.; Nom./Akk.)
samudvīkṣya hṛṣīkeśaṃ vaktum evopacakrame
blickte zu Hṛṣīkeśa auf und begann zu sprechen. (Abs.; 3.Sg.Perf.Med.)
tato nārāyaṇasuhṛn nārado vadatāṃ varaḥ
Darauf Nārada, der Freund Nārāyaṇas, der Beste unter den Redenden, (Nom.Sg.m.)
nāradaḥ
Nārada [sprach]:
śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādam anvabhāṣata
trug das Gespräch Śaṃkaras mit Umā vor. (Akk.Sg.m.; 3.Sg.Impf.Med.)
bhagavaṃs tīrthayātrārthaṃ tathaiva caratā mayā
‚Herr, als ich zum Zweck der Pilgerfahrt umherzog, (Vok.; Instr.Sg.)
divyam adbhutasaṃkāśaṃ dṛṣṭaṃ haimavataṃ vanam
sah ich einen himmlischen Wald am Himavat, wunderbar anzusehen, (Part.Perf.Pass.)
nānāvṛkṣalatāyuktaṃ nānāpakṣigaṇair yutam
mit mannigfachen Bäumen und Ranken, mit Scharen vieler Vögel, (Adj.)
nānāratnasamākīrṇaṃ nānābhāvasamanvitam
mit vielerlei Juwelen bestreut, mit mannigfachen Wesensarten ausgestattet, (Adj.)
divyacandanasaṃyuktaṃ divyadhūpena dhūpitam
mit göttlichem Sandel, von göttlichem Weihrauch durchduftet, (Adj.; Instr.)
divyapuṣpasamākīrṇaṃ divyagandhena mūrchitam
mit göttlichen Blumen bestreut, von göttlichem Duft erfüllt, (Adj.; Instr.)
siddhacāraṇasaṃvāsaṃ bhūtasaṃghair niṣevitam
Wohnstätte von Siddhas und Cāraṇas, von Scharen von Geistwesen besucht, (Adj.)
variṣṭhāpsarasākīrṇaṃ nānāgandharvasaṃkulam
von vortrefflichen Apsaras erfüllt, voll vieler Gandharvas, (Adj.)
mṛdaṅgamurajodghuṣṭaṃ śaṅkhavīṇābhināditam
von Mṛdaṅga- und Muraja-Trommeln erschallend, von Muscheln und Lauten durchtönt, (Adj.)
nṛtyadbhir bhūtasaṃghaiś ca sarvatas tv abhiśobhitam
und von tanzenden Scharen der Geistwesen ringsum geschmückt, (Part.Präs.; Adj.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Ab Zeile 7 beginnt Nāradas Bericht; seine Rede (einfache Anführungszeichen) läuft bis über das Ende der Passage hinaus und wird nicht geschlossen. Zeile 5: Sprecherangabe zwischen Satzteilen überliefert.

nānārūpair virūpaiś ca bhīmarūpair bhayānakaiḥ; vyāghrasiṃhoragamukhair biḍālavadanais tathā; kharoṣṭradvīpivadanair gajavaktrais tathaiva ca; ulūkaśyenavadanaiḥ kākagṛdhramukhais tathā; evaṃ bahuvidhākārair bhūtasaṃghair bhṛśākulam; nānadyamānaṃ bahudhā harapāriṣadair bhṛśam; ghorarūpaṃ sudurdarśaṃ rakṣogaṇaśatair vṛtam; samājaṃ tadvane dṛṣṭaṃ mayā bhūtapateḥ purā; pranṛttāpsarasaṃ divyaṃ devagandharvanāditam; ṣaṭpadair upagītaṃ ca prathame māsi mādhave; utkrośatkrauñcakuraraiḥ sārasair jīvajīvakaiḥ; mattābhiḥ parapuṣṭābhiḥ kūjantībhiḥ samākulam; uttamotsavasaṃkāśaṃ bhīmarūpataraṃ tataḥ; draṣṭuṃ bhavati sarvasya dharmabhāgijanasya ca; ye cordhvaretasaḥ siddhās tatra tatra samāgatāḥ

mit vielgestaltigen, missgestalteten, furchtbar aussehenden, schrecklichen [Wesen], mit Gesichtern von Tigern, Löwen, Schlangen, ebenso mit Katzengesichtern, mit Gesichtern von Eseln, Kamelen, Leoparden und mit Elefantenköpfen, mit Gesichtern von Eulen, Falken, Krähen und Geiern, so von vielgestaltigen Scharen von Geistwesen sehr erfüllt, vielfach laut widerhallend von Haras Gefolgsleuten, von furchtbarer Gestalt, kaum anzusehen, von Hunderten Scharen von Rakṣas umgeben. Eine Versammlung des Herrn der Geistwesen wurde von mir einst in jenem Wald gesehen, mit tanzenden Apsaras, göttlich, von Göttern und Gandharvas ertönend, und von Bienen besungen, im ersten Monat, dem Mādhava [Frühling], mit rufenden Krauñca-Vögeln, Fischadlern, Kranichen und Jīvajīvaka-Rebhühnern, mit trunkenen, girrenden Kuckucksweibchen erfüllt, einem höchsten Fest gleich, dazu noch furchtbarer anzusehen für jedermann und für die am Dharma Teilhabenden. Und die enthaltsamen Siddhas, die dort und dort zusammengekommen waren,

Wort für Wort
nānārūpair virūpaiś ca bhīmarūpair bhayānakaiḥ
mit vielgestaltigen, missgestalteten, furchtbar aussehenden, schrecklichen [Wesen], (Instr.Pl.)
vyāghrasiṃhoragamukhair biḍālavadanais tathā
mit Gesichtern von Tigern, Löwen, Schlangen, ebenso mit Katzengesichtern, (Instr.Pl.)
kharoṣṭradvīpivadanair gajavaktrais tathaiva ca
mit Gesichtern von Eseln, Kamelen, Leoparden und mit Elefantenköpfen, (Instr.Pl.)
ulūkaśyenavadanaiḥ kākagṛdhramukhais tathā
mit Gesichtern von Eulen, Falken, Krähen und Geiern, (Instr.Pl.)
evaṃ bahuvidhākārair bhūtasaṃghair bhṛśākulam
so von vielgestaltigen Scharen von Geistwesen sehr erfüllt, (Adj.)
nānadyamānaṃ bahudhā harapāriṣadair bhṛśam
vielfach laut widerhallend von Haras Gefolgsleuten, (Part.Präs.Pass.)
ghorarūpaṃ sudurdarśaṃ rakṣogaṇaśatair vṛtam
von furchtbarer Gestalt, kaum anzusehen, von Hunderten Scharen von Rakṣas umgeben. (Part.Perf.Pass.)
samājaṃ tadvane dṛṣṭaṃ mayā bhūtapateḥ purā
Eine Versammlung des Herrn der Geistwesen wurde von mir einst in jenem Wald gesehen, (Part.Perf.Pass.; Instr.)
pranṛttāpsarasaṃ divyaṃ devagandharvanāditam
mit tanzenden Apsaras, göttlich, von Göttern und Gandharvas ertönend, (Adj.)
ṣaṭpadair upagītaṃ ca prathame māsi mādhave
und von Bienen besungen, im ersten Monat, dem Mādhava [Frühling], (Instr.Pl.; Lok.)
utkrośatkrauñcakuraraiḥ sārasair jīvajīvakaiḥ
mit rufenden Krauñca-Vögeln, Fischadlern, Kranichen und Jīvajīvaka-Rebhühnern, (Instr.Pl.)
mattābhiḥ parapuṣṭābhiḥ kūjantībhiḥ samākulam
mit trunkenen, girrenden Kuckucksweibchen erfüllt, (Instr.Pl.f.)
uttamotsavasaṃkāśaṃ bhīmarūpataraṃ tataḥ
einem höchsten Fest gleich, dazu noch furchtbarer (Adj.)
draṣṭuṃ bhavati sarvasya dharmabhāgijanasya ca
anzusehen für jedermann und für die am Dharma Teilhabenden. (Inf.; Gen.)
ye cordhvaretasaḥ siddhās tatra tatra samāgatāḥ
Und die enthaltsamen Siddhas, die dort und dort zusammengekommen waren, (Nom.Pl.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Beschreibungen (Zeilen 1–15) sind größtenteils Akkusativ-/Instrumental-Attribute zu „Versammlung/Wald“ aus der vorigen Einheit. Zeile 3 „kharoṣṭra…“: Eselgesichter, Kamelgesichter, Leopardengesichter.

mārtāṇḍaraśmisaṃcārā viśvedevagaṇās tathā; tathā nāgās tathādityā lokapālā hutāśanāḥ; vātāś ca sarve vāyanti divyapuṣpasamākulāḥ; kirantaḥ sarvapuṣpāṇi kiranto 'dbhutadarśanāḥ; oṣadhyaḥ prajvalantyaś ca dyotayantyo diśo daśa; vihagāś ca mudā yuktā nṛtyanti ca nadanti ca; giraḥ sumadhurās tatra divyā divyajanapriyāḥ; tatra devo giritaṭe hemadhātuvibhūṣite; paryaṅka iva babhrāja upaviṣṭo mahādyutiḥ; vyāghracarmaparīdhāno gajacarmottaracchadaḥ; vyālayajñopavītaś ca lohitāntravibhūṣitaḥ; hariśmaśrujaṭo bhīmo bhayakartā suradviṣām; bhayaghnaḥ sarvabhūtānāṃ bhaktānām abhayaṃkaraḥ; kiṃnarair devagandharvaiḥ stūyamānaḥ samantataḥ; ṛṣibhiś cāpsarobhiś ca sarvataś cāpi śobhitaḥ

die auf Sonnenstrahlen Wandelnden, die Scharen der Viśvedevas ebenso, ebenso Nāgas, Ādityas, Weltenhüter, Feuergötter, und alle Winde wehen, mit göttlichen Blüten beladen, alle Blüten ausstreuend, wunderbar anzusehen im Ausstreuen. Die Kräuter leuchten und erhellen die zehn Richtungen, Vögel, freudig erfüllt, tanzen und rufen, süße himmlische Stimmen dort, den himmlischen Wesen lieb. Dort der Gott am Berghang, mit Goldmineralien geschmückt, leuchtete, hochstrahlend sitzend, gleichsam im Paryaṅka-Sitz. mit einem Tigerfell als Untergewand, einem Elefantenfell als Obergewand, mit einer Schlange als Opferschnur, mit roten Eingeweiden [?] geschmückt, mit gelbbraunem Bart und Flechtenhaar, furchtbar, Schrecken der Götterfeinde, Furchtvertreiber aller Wesen, den Ergebenen Furchtlosigkeit schenkend, von Kiṃnaras, Göttern und Gandharvas ringsum gepriesen, von Sehern und Apsaras und allseits verschönt.

Wort für Wort
mārtāṇḍaraśmisaṃcārā viśvedevagaṇās tathā
die auf Sonnenstrahlen Wandelnden, die Scharen der Viśvedevas ebenso, (Nom.Pl.m.)
tathā nāgās tathādityā lokapālā hutāśanāḥ
ebenso Nāgas, Ādityas, Weltenhüter, Feuergötter, (Nom.Pl.m.)
vātāś ca sarve vāyanti divyapuṣpasamākulāḥ
und alle Winde wehen, mit göttlichen Blüten beladen, (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
kirantaḥ sarvapuṣpāṇi kiranto 'dbhutadarśanāḥ
alle Blüten ausstreuend, wunderbar anzusehen im Ausstreuen. (Part.Präs.)
oṣadhyaḥ prajvalantyaś ca dyotayantyo diśo daśa
Die Kräuter leuchten und erhellen die zehn Richtungen, (Part.Präs.; Nom.Pl.f.)
vihagāś ca mudā yuktā nṛtyanti ca nadanti ca
Vögel, freudig erfüllt, tanzen und rufen, (3.Pl.Präs.)
giraḥ sumadhurās tatra divyā divyajanapriyāḥ
süße himmlische Stimmen dort, den himmlischen Wesen lieb. (Nom.Pl.f.)
tatra devo giritaṭe hemadhātuvibhūṣite
Dort der Gott am Berghang, mit Goldmineralien geschmückt, (Lok.Sg.m.)
paryaṅka iva babhrāja upaviṣṭo mahādyutiḥ
leuchtete, hochstrahlend sitzend, gleichsam im Paryaṅka-Sitz. (3.Sg.Perf.; Nom.Sg.m.; Part.Perf.Pass.)
vyāghracarmaparīdhāno gajacarmottaracchadaḥ
mit einem Tigerfell als Untergewand, einem Elefantenfell als Obergewand, (Nom.Sg.m.)
vyālayajñopavītaś ca lohitāntravibhūṣitaḥ
mit einer Schlange als Opferschnur, mit roten Eingeweiden [?] geschmückt, (Nom.Sg.m.)
hariśmaśrujaṭo bhīmo bhayakartā suradviṣām
mit gelbbraunem Bart und Flechtenhaar, furchtbar, Schrecken der Götterfeinde, (Nom.Sg.m.)
bhayaghnaḥ sarvabhūtānāṃ bhaktānām abhayaṃkaraḥ
Furchtvertreiber aller Wesen, den Ergebenen Furchtlosigkeit schenkend, (Nom.Sg.m.)
kiṃnarair devagandharvaiḥ stūyamānaḥ samantataḥ
von Kiṃnaras, Göttern und Gandharvas ringsum gepriesen, (Part.Präs.Pass.)
ṛṣibhiś cāpsarobhiś ca sarvataś cāpi śobhitaḥ
von Sehern und Apsaras und allseits verschönt. (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 11 „lohitāntra“ (rote Eingeweide?) unsicher.

tatra bhūtapateḥ sthānaṃ devadānavasaṃkulam; sarvatejomayaṃ bhūmnā lokapālaniṣevitam; mahoragasamākīrṇaṃ sarveṣāṃ lomaharṣaṇam; bhīmarūpam anirdeśyam apradhṛṣyatamaṃ vibho; tatra bhūtapatiṃ devam āsīnaṃ śikharottame; ṛṣayo bhūtasaṃghāś ca praṇamya śirasā haram; gīrbhiḥ paramaśuddhābhis tuṣṭuvuś ca maheśvaram; vimuktāś caiva pāpebhyo babhūvur vigatajvarāḥ; ṛṣayo vālakhilyāś ca tathā viprarṣayaś ca ye; ayonijā yonijāś ca tapaḥsiddhā maharṣayaḥ; tatrasthaṃ devadeveśaṃ bhagavantam upāsate; tatas tasmin kṣaṇe devī bhūtastrīgaṇasevitā; haratulyāmbaradharā samānavratacāriṇī; kāñcanaṃ kalaśaṃ gṛhya sarvatīrthāmbupūritam; puṣpavṛṣṭyābhivarṣantī divyagandhasamāyutā

Dort ist der Sitz des Herrn der Geistwesen, von Göttern und Dānavas wimmelnd, ganz aus Glanz bestehend, in Fülle, von den Weltenhütern besucht, mit großen Schlangen bedeckt, allen Haarsträuben verursachend, furchtbar anzusehen, unbeschreiblich, äußerst unbezwingbar, Herr. Dort, den Gott, Herrn der Geistwesen, auf dem herrlichen Gipfel sitzend, verehrten die Seher und die Scharen der Geistwesen Hara mit dem Haupt sich verneigend und priesen mit ganz reinen Worten den Maheśvara; und sie wurden von Sünden befreit, ohne Fieber [Kummer]. Die Seher und die Vālakhilyas und ebenso die Brahmanenseher, nicht aus dem Schoß Geborene und aus dem Schoß Geborene, durch Askese vollendete große Seher, verehren den dort weilenden Herrn der Götterherren, den Erhabenen. Da, in diesem Augenblick, die Göttin, von Scharen weiblicher Geistwesen bedient, ein Gewand tragend wie das Haras, mit ihm gleichen Gelübden wandelnd, einen goldenen Krug nehmend, mit dem Wasser aller Furtstätten gefüllt, mit Blumenregen überschüttend, mit göttlichem Duft versehen,

Wort für Wort
tatra bhūtapateḥ sthānaṃ devadānavasaṃkulam
Dort ist der Sitz des Herrn der Geistwesen, von Göttern und Dānavas wimmelnd, (Nom.Sg.n.)
sarvatejomayaṃ bhūmnā lokapālaniṣevitam
ganz aus Glanz bestehend, in Fülle, von den Weltenhütern besucht, (Adj.)
mahoragasamākīrṇaṃ sarveṣāṃ lomaharṣaṇam
mit großen Schlangen bedeckt, allen Haarsträuben verursachend, (Adj.)
bhīmarūpam anirdeśyam apradhṛṣyatamaṃ vibho
furchtbar anzusehen, unbeschreiblich, äußerst unbezwingbar, Herr. (Vok.)
tatra bhūtapatiṃ devam āsīnaṃ śikharottame
Dort, den Gott, Herrn der Geistwesen, auf dem herrlichen Gipfel sitzend, (Akk.Sg.m.; Part.Präs.Med.)
ṛṣayo bhūtasaṃghāś ca praṇamya śirasā haram
verehrten die Seher und die Scharen der Geistwesen Hara mit dem Haupt sich verneigend (Abs.; Nom.Pl.m.)
gīrbhiḥ paramaśuddhābhis tuṣṭuvuś ca maheśvaram
und priesen mit ganz reinen Worten den Maheśvara; (3.Pl.Perf.; Instr.Pl.)
vimuktāś caiva pāpebhyo babhūvur vigatajvarāḥ
und sie wurden von Sünden befreit, ohne Fieber [Kummer]. (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.m.)
ṛṣayo vālakhilyāś ca tathā viprarṣayaś ca ye
Die Seher und die Vālakhilyas und ebenso die Brahmanenseher, (Nom.Pl.m.)
ayonijā yonijāś ca tapaḥsiddhā maharṣayaḥ
nicht aus dem Schoß Geborene und aus dem Schoß Geborene, durch Askese vollendete große Seher, (Nom.Pl.m.)
tatrasthaṃ devadeveśaṃ bhagavantam upāsate
verehren den dort weilenden Herrn der Götterherren, den Erhabenen. (3.Pl.Präs.Med.)
tatas tasmin kṣaṇe devī bhūtastrīgaṇasevitā
Da, in diesem Augenblick, die Göttin, von Scharen weiblicher Geistwesen bedient, (Nom.Sg.f.)
haratulyāmbaradharā samānavratacāriṇī
ein Gewand tragend wie das Haras, mit ihm gleichen Gelübden wandelnd, (Nom.Sg.f.)
kāñcanaṃ kalaśaṃ gṛhya sarvatīrthāmbupūritam
einen goldenen Krug nehmend, mit dem Wasser aller Furtstätten gefüllt, (Abs.; Part.Perf.Pass.)
puṣpavṛṣṭyābhivarṣantī divyagandhasamāyutā
mit Blumenregen überschüttend, mit göttlichem Duft versehen, (Part.Präs.; Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz um „devī“ (Zeile 12) wird in der nächsten Einheit mit „kam sie“ (ājagāma) abgeschlossen.

saridvarābhiḥ sarvābhiḥ pṛṣṭhato 'nugatā varā; sevituṃ bhagavatpārśvam ājagāma śucismitā; āgamya tu gireḥ putrī devadevasya cāntikam; manaḥpriyaṃ cikīrṣantī krīḍārthaṃ śaṃkarāntike; manoharābhyāṃ pāṇibhyāṃ haranetre pidhāya tu; avekṣya hṛṣṭā svagaṇān smayantī pṛṣṭhataḥ sthitā; devyā cāndhīkṛte deve kaśmalaṃ samapadyata; nimīlite bhūtapatau naṣṭacandrārkatārakam; niḥsvādhyāyavaṣaṭkāraṃ tamasā cābhisaṃvṛtam; viṣaṇṇaṃ bhayasaṃtrastaṃ jagad āsīd bhayākulam; hāhākāras tv ṛṣīṇāṃ ca lokānām abhavat tadā; tamobhibhūte saṃbhrānte loke jīvitaśaṅkite; tṛtīyaṃ cāsya saṃbhūtaṃ lalāṭe netram āyatam; dvādaśādityasaṃkāśaṃ lokān bhāsāv abhāsayat; tatra netrāgninā tena yugāntāgninibhena vai

von allen vortrefflichen Flüssen von hinten begleitet, die Vortreffliche, kam sie, um an der Seite des Erhabenen zu dienen, mit reinem Lächeln. Herangekommen, die Tochter des Berges, zum Gott der Götter, wollte sie ihm zum Spiel eine Herzensfreude bereiten, in Śaṃkaras Nähe; mit ihren anmutigen Händen Haras Augen verdeckend schaute sie freudig auf ihre Scharen, lächelnd, stand von hinten [da]. Als der Gott von der Göttin geblendet war, entstand Finsternis; als der Herr der Wesen die Augen schloss, verschwanden Mond, Sonne und Sterne, ohne Veda-Rezitation und Vaṣaṭ-Ruf, von Finsternis umhüllt; die Welt wurde niedergeschlagen, von Furcht erschreckt, angstverwirrt. Da erhob sich der Weheruf „Hā hā“ der Seher und der Welten. Als die Welt von Finsternis überwältigt, verwirrt und um ihr Leben besorgt war, entstand auf seiner Stirn ein drittes, weit geöffnetes Auge, das, zwölf Ādityas gleich, die Welten mit Glanz erleuchtete. Dabei durch jenes Augenfeuer, dem Feuer am Weltende gleich,

Wort für Wort
saridvarābhiḥ sarvābhiḥ pṛṣṭhato 'nugatā varā
von allen vortrefflichen Flüssen von hinten begleitet, die Vortreffliche, (Instr.Pl.f.; Part.Perf.Pass.)
sevituṃ bhagavatpārśvam ājagāma śucismitā
kam sie, um an der Seite des Erhabenen zu dienen, mit reinem Lächeln. (Inf.; 3.Sg.Perf.)
āgamya tu gireḥ putrī devadevasya cāntikam
Herangekommen, die Tochter des Berges, zum Gott der Götter, (Abs.; Nom.Sg.f.)
manaḥpriyaṃ cikīrṣantī krīḍārthaṃ śaṃkarāntike
wollte sie ihm zum Spiel eine Herzensfreude bereiten, in Śaṃkaras Nähe; (Part.Desid.; Adj.)
manoharābhyāṃ pāṇibhyāṃ haranetre pidhāya tu
mit ihren anmutigen Händen Haras Augen verdeckend (Instr.Du.; Abs.)
avekṣya hṛṣṭā svagaṇān smayantī pṛṣṭhataḥ sthitā
schaute sie freudig auf ihre Scharen, lächelnd, stand von hinten [da]. (Abs.; Part.Perf.Pass.)
devyā cāndhīkṛte deve kaśmalaṃ samapadyata
Als der Gott von der Göttin geblendet war, entstand Finsternis; (Lok.abs.; 3.Sg.Impf.Med.)
nimīlite bhūtapatau naṣṭacandrārkatārakam
als der Herr der Wesen die Augen schloss, verschwanden Mond, Sonne und Sterne, (Lok.abs.; Adj.)
niḥsvādhyāyavaṣaṭkāraṃ tamasā cābhisaṃvṛtam
ohne Veda-Rezitation und Vaṣaṭ-Ruf, von Finsternis umhüllt; (Adj.)
viṣaṇṇaṃ bhayasaṃtrastaṃ jagad āsīd bhayākulam
die Welt wurde niedergeschlagen, von Furcht erschreckt, angstverwirrt. (Impf.)
hāhākāras tv ṛṣīṇāṃ ca lokānām abhavat tadā
Da erhob sich der Weheruf „Hā hā“ der Seher und der Welten. (3.Sg.Impf.)
tamobhibhūte saṃbhrānte loke jīvitaśaṅkite
Als die Welt von Finsternis überwältigt, verwirrt und um ihr Leben besorgt war, (Lok.abs.)
tṛtīyaṃ cāsya saṃbhūtaṃ lalāṭe netram āyatam
entstand auf seiner Stirn ein drittes, weit geöffnetes Auge, (Part.Perf.Pass.)
dvādaśādityasaṃkāśaṃ lokān bhāsāv abhāsayat
das, zwölf Ādityas gleich, die Welten mit Glanz erleuchtete. (3.Sg.Impf.)
tatra netrāgninā tena yugāntāgninibhena vai
Dabei durch jenes Augenfeuer, dem Feuer am Weltende gleich, (Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz endet nicht in dieser Einheit; das Prädikat „adahyata“ folgt in Zeile 1 der nächsten. Zeile 7 „kaśmalam“ wörtlich Verfinsterung/Verwirrung.

adahyata giriḥ sarvo himavān agrataḥ sthitaḥ; dahyamāne girau tasmin mṛgapakṣisamākule; savidyādharagandharve divyauṣadhasamāyute; tato girisutā cāpi vismayotphullalocanā; babhūva ca jagat sarvaṃ tathā vismayasaṃyutam; paśyatām eva sarveṣāṃ devadānavarakṣasām; netrajenāgninā tena dagdha eva nagottamaḥ; taṃ dṛṣṭvā mathitaṃ śailaṃ śailaputrī saviklavā; pituḥ śamanam icchantī papāta bhuvi pādayoḥ; tad dṛṣṭvā devadeveśo devyā duḥkham anuttamam; haimavatyāḥ priyārthaṃ ca giriṃ punar avaikṣata; dṛṣṭamātro bhagavatā saumyayuktena cetasā; kṣaṇena himavāñ śailaḥ prakṛtistho 'bhavat punaḥ; hṛṣṭapuṣṭavihaṃgaś ca praphulladrumakānanaḥ; siddhacāraṇasaṃghaiś ca prītiyuktaiḥ samākulaḥ

wurde der ganze Himavat-Berg, der davor stand, verbrannt. Als dieser Berg brannte, voll von Wild und Vögeln, mit Vidyādharas und Gandharvas, mit göttlichen Kräutern, da auch die Bergtochter, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, und die ganze Welt wurde ebenso von Staunen erfüllt. Unter den Augen aller, der Götter, Dānavas und Rakṣas, wurde vom augengeborenen Feuer der beste der Berge verbrannt. Als die Bergtochter jenen zerquälten Berg sah, bestürzt, wünschte sie die Beruhigung ihres Vaters und fiel ihm zu Füßen auf die Erde. Als der Herr der Götterherren dieses höchste Leid der Göttin sah, sah er, um der Haimavatī willen, den Berg wieder an. Kaum vom Erhabenen mit sanftem Sinn angeblickt, war der Berg Himavat im Nu wieder in seinem natürlichen Zustand, mit frohen, wohlgenährten Vögeln, mit blühenden Baumwäldern, und von Scharen freudiger Siddhas und Cāraṇas erfüllt.

Wort für Wort
adahyata giriḥ sarvo himavān agrataḥ sthitaḥ
wurde der ganze Himavat-Berg, der davor stand, verbrannt. (3.Sg.Impf.Pass.)
dahyamāne girau tasmin mṛgapakṣisamākule
Als dieser Berg brannte, voll von Wild und Vögeln, (Lok.abs.)
savidyādharagandharve divyauṣadhasamāyute
mit Vidyādharas und Gandharvas, mit göttlichen Kräutern, (Adj.)
tato girisutā cāpi vismayotphullalocanā
da auch die Bergtochter, mit vor Staunen weit geöffneten Augen, (Nom.Sg.f.)
babhūva ca jagat sarvaṃ tathā vismayasaṃyutam
und die ganze Welt wurde ebenso von Staunen erfüllt. (3.Sg.Perf.)
paśyatām eva sarveṣāṃ devadānavarakṣasām
Unter den Augen aller, der Götter, Dānavas und Rakṣas, (Gen.abs.)
netrajenāgninā tena dagdha eva nagottamaḥ
wurde vom augengeborenen Feuer der beste der Berge verbrannt. (Instr.; Part.Perf.Pass.)
taṃ dṛṣṭvā mathitaṃ śailaṃ śailaputrī saviklavā
Als die Bergtochter jenen zerquälten Berg sah, bestürzt, (Abs.; Nom.Sg.f.)
pituḥ śamanam icchantī papāta bhuvi pādayoḥ
wünschte sie die Beruhigung ihres Vaters und fiel ihm zu Füßen auf die Erde. (Part.Präs.; 3.Sg.Perf.)
tad dṛṣṭvā devadeveśo devyā duḥkham anuttamam
Als der Herr der Götterherren dieses höchste Leid der Göttin sah, (Abs.)
haimavatyāḥ priyārthaṃ ca giriṃ punar avaikṣata
sah er, um der Haimavatī willen, den Berg wieder an. (3.Sg.Impf.Med.)
dṛṣṭamātro bhagavatā saumyayuktena cetasā
Kaum vom Erhabenen mit sanftem Sinn angeblickt, (Instr.)
kṣaṇena himavāñ śailaḥ prakṛtistho 'bhavat punaḥ
war der Berg Himavat im Nu wieder in seinem natürlichen Zustand, (3.Sg.Impf.)
hṛṣṭapuṣṭavihaṃgaś ca praphulladrumakānanaḥ
mit frohen, wohlgenährten Vögeln, mit blühenden Baumwäldern, (Adj.)
siddhacāraṇasaṃghaiś ca prītiyuktaiḥ samākulaḥ
und von Scharen freudiger Siddhas und Cāraṇas erfüllt. (Adj.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 9: „pituḥ śamanam icchantī“ – „wünschend das Löschen/Beruhigen des Vaters [Himavat]“.

pitaraṃ prakṛtisthaṃ tu dṛṣṭvā haimavatī bhṛśam; abhavat prītisaṃyuktā muditā ca pinākinam; devī vismayasaṃyuktā praṣṭukāmā maheśvaram; hitārthaṃ sarvalokānāṃ prajānāṃ hitakāmyayā; devadevaṃ mahādevī babhāṣedaṃ vaco 'rthavat; bhagavan devadeveśa śūlapāṇe mahādyute; vismayo me mahāñ jātas tasmin netrāgnisaṃplute; kimarthaṃ devadeveśa lalāṭe 'smin prakāśate; atisūryāgnisaṃkāśaṃ tṛtīyaṃ netram āyatam; netrāgninā tu mahatā nirdagdho himavān asau; punaḥ sa dṛṣṭamātras tu prakṛtisthaḥ pitā mama; eṣa me saṃśayo deva hṛdi saṃprati vartate; devadeva namas tubhyaṃ tan me śaṃsitum arhasi; nāradaḥ; evam uktas tayā devyā prīyamāṇo 'bravīd bhavaḥ; sthāne saṃśayituṃ devi dharmajñe priyabhāṣiṇi

Als Haimavatī ihren Vater wieder in natürlichem Zustand sah, wurde sie voll Freude und erfreut über den Pinākin. Die Göttin, voll Staunen, wollte den Maheśvara fragen, zum Wohl aller Welten, aus Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe; zum Gott der Götter sprach die Mahādevī dieses sinnvolle Wort: ‚Erhabener, Herr der Götterherren, Dreizackträger, Hochstrahlender, ein großes Staunen ist mir entstanden bei jenem Überfluten des Augenfeuers. Weshalb, Herr der Götterherren, leuchtet auf dieser Stirn das dritte, weit offene Auge, das Sonne und Feuer übertrifft? Vom großen Augenfeuer wurde dieser Himavat verbrannt, und, nur angeblickt, ist er, mein Vater, wieder in natürlichem Zustand. Dieser Zweifel, Gott, ist jetzt in meinem Herzen; Gott der Götter, Verehrung dir, du sollst mir das erklären.‘ Nārada [sprach]: So von der Göttin angesprochen, sprach Bhava erfreut: »Es ist recht, Göttin, zu zweifeln, Dharma-Kundige, lieblich Redende.

Wort für Wort
pitaraṃ prakṛtisthaṃ tu dṛṣṭvā haimavatī bhṛśam
Als Haimavatī ihren Vater wieder in natürlichem Zustand sah, (Abs.)
abhavat prītisaṃyuktā muditā ca pinākinam
wurde sie voll Freude und erfreut über den Pinākin. (3.Sg.Impf.)
devī vismayasaṃyuktā praṣṭukāmā maheśvaram
Die Göttin, voll Staunen, wollte den Maheśvara fragen, (Nom.Sg.f.; Adj.Desid.)
hitārthaṃ sarvalokānāṃ prajānāṃ hitakāmyayā
zum Wohl aller Welten, aus Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe; (Adv.)
devadevaṃ mahādevī babhāṣedaṃ vaco 'rthavat
zum Gott der Götter sprach die Mahādevī dieses sinnvolle Wort: (3.Sg.Perf.)
bhagavan devadeveśa śūlapāṇe mahādyute
‚Erhabener, Herr der Götterherren, Dreizackträger, Hochstrahlender, (Vok.)
vismayo me mahāñ jātas tasmin netrāgnisaṃplute
ein großes Staunen ist mir entstanden bei jenem Überfluten des Augenfeuers. (Part.Perf.Pass.)
kimarthaṃ devadeveśa lalāṭe 'smin prakāśate
Weshalb, Herr der Götterherren, leuchtet auf dieser Stirn (3.Sg.Präs.Med.)
atisūryāgnisaṃkāśaṃ tṛtīyaṃ netram āyatam
das dritte, weit offene Auge, das Sonne und Feuer übertrifft? (Nom.Sg.n.)
netrāgninā tu mahatā nirdagdho himavān asau
Vom großen Augenfeuer wurde dieser Himavat verbrannt, (Instr.; Part.Perf.Pass.)
punaḥ sa dṛṣṭamātras tu prakṛtisthaḥ pitā mama
und, nur angeblickt, ist er, mein Vater, wieder in natürlichem Zustand. (Part.Perf.Pass.)
eṣa me saṃśayo deva hṛdi saṃprati vartate
Dieser Zweifel, Gott, ist jetzt in meinem Herzen; (3.Sg.Präs.Med.)
devadeva namas tubhyaṃ tan me śaṃsitum arhasi
Gott der Götter, Verehrung dir, du sollst mir das erklären.‘ (Dat.; 2.Sg.Präs.; Inf.)
nāradaḥ
Nārada [sprach]:
evam uktas tayā devyā prīyamāṇo 'bravīd bhavaḥ
So von der Göttin angesprochen, sprach Bhava erfreut: (Part.Perf.Pass.; Part.Präs.Med.)
sthāne saṃśayituṃ devi dharmajñe priyabhāṣiṇi
»Es ist recht, Göttin, zu zweifeln, Dharma-Kundige, lieblich Redende. (Lok.-Adv.; Inf.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Umās Rede steht in einfachen, Śivas Rede in Guillemets-Anführungszeichen (dritte Ebene); Nāradas Rede aus Einheit 72 läuft weiter. Śivas Rede wird in der nächsten Einheit fortgesetzt.

tvad ṛte māṃ hi vai praṣṭuṃ na śakyaṃ kena cit priye; prakāśaṃ yadi vā guhyaṃ tvatpriyārthaṃ bravīmy aham; śṛṇu tat sarvam akhilam asyāṃ saṃsadi bhāmini; sarveṣām eva lokānāṃ kūṭasthaṃ viddhi māṃ priye; madadhīnās trayo lokā yathā viṣṇau tathā mayi; sraṣṭā viṣṇur ahaṃ goptā iti tad viddhi bhāmini; tasmād yadā māṃ spṛśati śubhaṃ vā yadi vetarat; tathaivedaṃ jagat sarvaṃ tat tad bhavati śobhane; etad guhyam ajānantyā tvayā bālyād anindite; netre me pihite devi krīḍanārthaṃ dṛḍhavrate; tvatkṛte naṣṭacandrārkaṃ jagad āsīd bhṛśākulam; naṣṭāditye tamobhūte loke girisute priye; tṛtīyaṃ locanaṃ sṛṣṭaṃ lokān saṃrakṣituṃ mayā; asyaiva tejasākṣṇo me mathito 'yaṃ giriḥ śubhe

Außer dir kann mich niemand fragen, Liebe; sei es offenbar oder geheim, dir zuliebe sage ich es. Höre all das vollständig in dieser Versammlung, Schöne, wisse mich als den Unveränderlichen aller Welten, Liebe. Von mir abhängig sind die drei Welten, wie von Viṣṇu, so von mir. Viṣṇu ist der Schöpfer, ich der Beschützer – das wisse, Schöne. Darum: wenn [etwas] mich berührt, Gutes oder Anderes, genau so wird diese ganze Welt jeweils dementsprechend, Schöne. Da du dieses Geheimnis nicht kanntest, aus Kindlichkeit, Untadelige, hast du meine Augen zugehalten, Göttin, zum Spiel, Festgelobende; deinetwegen war die Welt ohne Mond und Sonne, sehr verwirrt; als die Sonne verschwunden und die Welt zu Finsternis geworden war, Bergtochter, Liebe, wurde von mir ein drittes Auge geschaffen, um die Welten zu schützen; durch die Glut eben dieses Auges von mir wurde dieser Berg zerquält, Schöne,

Wort für Wort
tvad ṛte māṃ hi vai praṣṭuṃ na śakyaṃ kena cit priye
Außer dir kann mich niemand fragen, Liebe; (Abl.-Adv.; Inf.)
prakāśaṃ yadi vā guhyaṃ tvatpriyārthaṃ bravīmy aham
sei es offenbar oder geheim, dir zuliebe sage ich es. (1.Sg.Präs.)
śṛṇu tat sarvam akhilam asyāṃ saṃsadi bhāmini
Höre all das vollständig in dieser Versammlung, Schöne, (Imp.; Vok.)
sarveṣām eva lokānāṃ kūṭasthaṃ viddhi māṃ priye
wisse mich als den Unveränderlichen aller Welten, Liebe. (Imp.; Akk.Sg.m.)
madadhīnās trayo lokā yathā viṣṇau tathā mayi
Von mir abhängig sind die drei Welten, wie von Viṣṇu, so von mir. (Nom.Pl.m.)
sraṣṭā viṣṇur ahaṃ goptā iti tad viddhi bhāmini
Viṣṇu ist der Schöpfer, ich der Beschützer – das wisse, Schöne. (Nom.Sg.m.; Imp.)
tasmād yadā māṃ spṛśati śubhaṃ vā yadi vetarat
Darum: wenn [etwas] mich berührt, Gutes oder Anderes, (3.Sg.Präs.)
tathaivedaṃ jagat sarvaṃ tat tad bhavati śobhane
genau so wird diese ganze Welt jeweils dementsprechend, Schöne. (3.Sg.Präs.)
etad guhyam ajānantyā tvayā bālyād anindite
Da du dieses Geheimnis nicht kanntest, aus Kindlichkeit, Untadelige, (Part.Präs.Instr.Sg.f.; Abl.; Vok.)
netre me pihite devi krīḍanārthaṃ dṛḍhavrate
hast du meine Augen zugehalten, Göttin, zum Spiel, Festgelobende; (Part.Perf.Pass.; Vok.)
tvatkṛte naṣṭacandrārkaṃ jagad āsīd bhṛśākulam
deinetwegen war die Welt ohne Mond und Sonne, sehr verwirrt; (Adj.; Impf.)
naṣṭāditye tamobhūte loke girisute priye
als die Sonne verschwunden und die Welt zu Finsternis geworden war, Bergtochter, Liebe, (Lok.abs.)
tṛtīyaṃ locanaṃ sṛṣṭaṃ lokān saṃrakṣituṃ mayā
wurde von mir ein drittes Auge geschaffen, um die Welten zu schützen; (Part.Perf.Pass.; Inf.)
asyaiva tejasākṣṇo me mathito 'yaṃ giriḥ śubhe
durch die Glut eben dieses Auges von mir wurde dieser Berg zerquält, Schöne, (Instr.; Part.Perf.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zeile 6: „sraṣṭā viṣṇur ahaṃ goptā“ – Viṣṇu als Schöpfer, Śiva als Beschützer (wörtlich so überliefert; abweichend von der üblichen Zuordnung). Śivas Rede aus Einheit 78 läuft weiter.

vṛkṣagulmalatākīrṇo vyālādhyuṣitakaṃdaraḥ; tvatpriyārthaṃ kṛto devi prakṛtisthaḥ punar mayā; nāradaḥ; kathitaṃ saṃśayasthānaṃ nirviśaṅkā bhava priye; kṣaṇajñā devadevasya śrotukāmā priyaṃ hitam; umā devī mahādevam apṛcchat punar eva tu; bhagavan devadeveśa sarvadevanamaskṛta; caturmukho vai bhagavān abhavat kena hetunā; bhagavan kena vai vaktram aindram adbhutadarśanam; uttaraṃ cāpi bhagavan paścimaṃ śubhadarśanam; dakṣiṇaṃ ca mukhaṃ raudraṃ kenordhvaṃ jaṭilāvṛtam; yathādiśaṃ mahādeva śrotum icchāmi kāraṇam; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi yat tvaṃ pṛcchasi bhāmini; purāsurau mahāghorau lokodvegakarau bhṛśam

von Bäumen, Sträuchern und Ranken bedeckt, mit von Raubtieren bewohnten Höhlen; dir zuliebe wurde er, Göttin, von mir wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt.« Nārada [sprach]: »Die Zweifelsstelle ist dargelegt; sei ohne Bedenken, Liebe.« Umā, die den rechten Augenblick kannte, wollte vom Gott der Götter Liebes und Heilsames hören und fragte den Mahādeva abermals: »Erhabener, Herr der Götterherren, von allen Göttern verehrt, warum wurdest du vierköpfig, Erhabener? Erhabener, warum [hat] das östliche [Indra-] Antlitz ein wunderbares Aussehen, und auch das nördliche, das westliche, schön anzusehen, das südliche Antlitz furchtbar, warum das obere, von Flechten umhüllt? Der Richtung nach, Mahādeva, möchte ich den Grund hören.« Maheśvara [sprach]: »Dies ist mein Zweifel, Gott; das sollst du mir erklären.« »Das will ich dir erklären, wonach du fragst, Schöne. Einst [gab es] zwei Asuras, überaus furchtbar, die die Welten in Aufruhr versetzten,

Wort für Wort
vṛkṣagulmalatākīrṇo vyālādhyuṣitakaṃdaraḥ
von Bäumen, Sträuchern und Ranken bedeckt, mit von Raubtieren bewohnten Höhlen; (Adj.)
tvatpriyārthaṃ kṛto devi prakṛtisthaḥ punar mayā
dir zuliebe wurde er, Göttin, von mir wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt.« (Part.Perf.Pass.)
nāradaḥ
Nārada [sprach]:
kathitaṃ saṃśayasthānaṃ nirviśaṅkā bhava priye
»Die Zweifelsstelle ist dargelegt; sei ohne Bedenken, Liebe.« (Part.Perf.Pass.; Imp.)
kṣaṇajñā devadevasya śrotukāmā priyaṃ hitam
Umā, die den rechten Augenblick kannte, wollte vom Gott der Götter Liebes und Heilsames hören (Nom.Sg.f.; Adj.Desid.)
umā devī mahādevam apṛcchat punar eva tu
und fragte den Mahādeva abermals: (3.Sg.Impf.Med.)
bhagavan devadeveśa sarvadevanamaskṛta
»Erhabener, Herr der Götterherren, von allen Göttern verehrt, (Vok.)
caturmukho vai bhagavān abhavat kena hetunā
warum wurdest du vierköpfig, Erhabener? (3.Sg.Impf.)
bhagavan kena vai vaktram aindram adbhutadarśanam
Erhabener, warum [hat] das östliche [Indra-] Antlitz ein wunderbares Aussehen, (Nom.Sg.n.)
uttaraṃ cāpi bhagavan paścimaṃ śubhadarśanam
und auch das nördliche, das westliche, schön anzusehen, (Nom.Sg.n.)
dakṣiṇaṃ ca mukhaṃ raudraṃ kenordhvaṃ jaṭilāvṛtam
das südliche Antlitz furchtbar, warum das obere, von Flechten umhüllt? (Nom.Sg.n.)
yathādiśaṃ mahādeva śrotum icchāmi kāraṇam
Der Richtung nach, Mahādeva, möchte ich den Grund hören.« (1.Sg.Präs.; Inf.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]:
eṣa me saṃśayo deva tan me śaṃsitum arhasi
»Dies ist mein Zweifel, Gott; das sollst du mir erklären.« (2.Sg.Präs.; Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi yat tvaṃ pṛcchasi bhāmini
»Das will ich dir erklären, wonach du fragst, Schöne. (1.Sg.Fut.; 2.Sg.Präs.)
purāsurau mahāghorau lokodvegakarau bhṛśam
Einst [gab es] zwei Asuras, überaus furchtbar, die die Welten in Aufruhr versetzten, (Nom.Du.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben in den Zeilen 3 und 13 stehen nicht an den Stellen, an denen die Rede wechselt (Zeile 4 ist Śivas Abschluss, Zeile 14 Umās Frage); hier wörtlich übernommen. Zeile 14 ist in dieser Position vermutlich verschobene Umā-Rede. Der Text bricht mitten im Satz ab [Anm.: Fortsetzung/Satz abgebrochen]; „[gab es]“ ergänzt.

++++; sundopasundanāmānāv āsatur bahugarvitau; aśastravadhyau balinau parasparahitaiṣiṇau; tayor eva vināśāya nirmitā viśvakarmaṇā; mṛgapakṣigaṇānāṃ ca sthāvarāṇāṃ tathaiva ca; sarvataḥ sāram uddhṛtya tilaśo lokapūjitā; tilottameti vikhyātā apsarāḥ sā babhūva ha; devakāryaṃ kariṣyantī hāvabhāvasamanvitā; sā tu paryantam āgamya rūpeṇāpratimā bhuvi; mayā bahumatā ceyaṃ devakāryaṃ kariṣyati; iti matvā tadā cāhaṃ kurvantīṃ māṃ pradakṣiṇam; tathaiva tāṃ didṛkṣuś ca caturvaktro 'bhavaṃ priye; aindraṃ mukham idaṃ pūrvaṃ tapaścaryāparaṃ sadā; dakṣiṇaṃ me mukhaṃ divyaṃ raudraṃ saṃharati prajāḥ; lokakāryaparaṃ nityaṃ paścimaṃ me mukhaṃ priye; vedān adhīte satatam adbhutaṃ cottaraṃ mukham

Es gab [einst] zwei namens Sunda und Upasunda, sehr hochmütig, durch Waffen nicht tötbar, stark, einander Gutes wünschend. Zu ihrer beider Vernichtung wurde sie von Viśvakarman geschaffen: Aus den Scharen der Tiere und Vögel und ebenso aus den Unbeweglichen von allen Seiten das Wesentliche, Sesamkorn um Sesamkorn, herausgezogen – [so] wurde sie, von der Welt verehrt, als Tilottamā berühmt, jene Apsaras. Dazu bestimmt, das Werk der Götter zu vollbringen, mit Liebreiz und Gebärden ausgestattet, an Gestalt auf Erden unvergleichlich, kam sie bis an den Rand [meines Sitzes]. [Ich dachte:] „Von mir hoch geschätzt, wird diese das Werk der Götter vollbringen.“ Da ich so dachte, als sie mich rechtsumwandelnd umschritt, wurde ich, sie zu sehen begierig, vierköpfig, Liebe. Dieses östliche Antlitz [ist] das indrische, stets der Askese ergeben; mein südliches Antlitz, göttlich [und] furchtbar, rafft die Geschöpfe dahin; mein westliches Antlitz, Liebe, ist stets dem Werk für die Welt ergeben; und das nördliche, wunderbare Antlitz studiert beständig die Veden.

Wort für Wort
sundopasundanāmānāv āsatur bahugarvitau
Sunda und Upasunda mit Namen waren [da], sehr hochmütig (Nom.Du./3.Du.Perf.)
aśastravadhyau balinau parasparahitaiṣiṇau
nicht durch Waffe tötbar, stark, einander Gutes wünschend (Nom.Du.)
tayor eva vināśāya nirmitā viśvakarmaṇā
zur Vernichtung eben dieser beiden geschaffen von Viśvakarman (Dat./Part.Pass.Nom.Sg.f./Instr.)
sarvataḥ sāram uddhṛtya tilaśo lokapūjitā
von überall das Wesentliche herausgezogen, sesamkornweise, von der Welt verehrt (Abs./Adv./Part.Pass.f.)
tilottameti vikhyātā apsarāḥ sā babhūva ha
als Tilottamā berühmt wurde sie zur Apsaras (Part.Pass.f./Nom./3.Sg.Perf.)
devakāryaṃ kariṣyantī hāvabhāvasamanvitā
das Götterwerk tun werdend, mit Gebärde und Liebreiz ausgestattet (Part.Fut.f./Kompositum)
mayā bahumatā ceyaṃ devakāryaṃ kariṣyati
von mir hoch geschätzt wird diese das Götterwerk tun (Instr./Part.Pass.f./3.Sg.Fut.)
tathaiva tāṃ didṛkṣuś ca caturvaktro 'bhavaṃ priye
und ebenso sie zu sehen begierig wurde ich vierköpfig, Liebe (Desid.-Adj.Nom./1.Sg.Impf./Vok.f.)
aindraṃ mukham idaṃ pūrvaṃ tapaścaryāparaṃ sadā
dieses östliche, indrische Antlitz, stets der Askese ergeben (Nom.Sg.n.)
dakṣiṇaṃ me mukhaṃ divyaṃ raudraṃ saṃharati prajāḥ
mein südliches Antlitz, göttlich, furchtbar, rafft die Geschöpfe dahin (Nom.Sg.n./3.Sg.Präs./Akk.Pl.)
paścimaṃ me mukhaṃ priye vedān adhīte satatam uttaraṃ mukham
mein westliches Antlitz, Liebe; die Veden studiert beständig das nördliche Antlitz (Nom./Vok.f./3.Sg.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Beginn der Einheit ist lückenhaft (++++). Sunda und Upasunda wurden im Text nur mit dem Nachsatz eingeführt; kurzer Übergang [?] zum Sprecher Śiva bleibt offen. In pāda 10 (kurvantīṃ māṃ pradakṣiṇam) ist der Kasus auffällig; sinngemäß: als sie mich rechtsumwandelnd umschritt.

umā; etat te sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavañ śrotum icchāmi śūlapāṇe varaprada; maheśvaraḥ; kimarthaṃ nīlatā kaṇṭhe bhāti barhanibhā tava; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; purā yugāntare yatnād amṛtārthaṃ surāsuraiḥ; balavadbhir vimathitaś cirakālaṃ mahodadhiḥ; rajjunā nāgarājena mathyamāne mahodadhau; viṣaṃ tatra samudbhūtaṃ sarvalokavināśanam; tad dṛṣṭvā vibudhāḥ sarve tadā vimanaso 'bhavan; grastaṃ hi tan mayā devi lokānāṃ hitakāraṇāt; tatkṛtā nīlatā cāsīt kaṇṭhe barhinibhā śubhe; tadāprabhṛti caivāhaṃ nīlakaṇṭha iti smṛtaḥ; umā; etat te sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; nīlakaṇṭha namas te 'stu sarvalokasukhāvaha

Umā [sprach]: „Dies alles ist dir berichtet; was willst du noch hören?“ – „Herr, ich möchte hören, Speerträger, Gabenspender.“ Maheśvara [sprach]: „Warum erscheint an deinem Hals die pfauengleiche Bläue?“ – „Wohlan, ich will es dir sagen; höre, Göttin, aufmerksam. Einst, in einem Weltenwechsel, wurde um des Unsterblichkeitstranks willen von Göttern und Asuras, den Gewaltigen, mit Anstrengung lange Zeit der große Ozean aufgewühlt. Als der große Ozean mit dem Seil, dem Schlangenkönig, gequirlt wurde, entstand dort Gift, das alle Welten vernichtet. Als die Götter das sahen, wurden sie alle niedergeschlagen. Da wurde es von mir, Göttin, zum Wohl der Welten verschluckt; dadurch entstand am Hals die pfauengleiche Bläue, Schöne. Seitdem heiße ich in der Überlieferung Nīlakaṇṭha [Blauhals].“ Umā [sprach]: „Dies alles ist dir berichtet; was willst du noch hören?“ – „Nīlakaṇṭha, Verehrung dir, der du allen Welten Glück bringst!“

Wort für Wort
umā etat te sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: dies alles ist dir gesagt, was willst du noch hören (Part.Pass.Nom.Sg.n./2.Sg.Präs.)
bhagavañ śrotum icchāmi śūlapāṇe varaprada
Herr, hören will ich, Speerträger, Gabenspender (Vok./Inf./1.Sg.Präs.)
kimarthaṃ nīlatā kaṇṭhe bhāti barhanibhā tava
wozu erscheint am Hals Bläue, pfauengleiche, dir (Lok./3.Sg.Präs./Nom.f.)
purā yugāntare yatnād amṛtārthaṃ surāsuraiḥ
einst im Weltenwechsel mit Anstrengung um des Amṛta willen von Göttern und Asuras (Abl./Instr.Pl.)
balavadbhir vimathitaś cirakālaṃ mahodadhiḥ
von Gewaltigen aufgewühlt lange Zeit der große Ozean (Instr.Pl./Part.Pass.Nom.Sg.m.)
rajjunā nāgarājena mathyamāne mahodadhau
mit dem Seil, dem Schlangenkönig, als der Ozean gequirlt wurde (Instr./Lok.abs.)
viṣaṃ tatra samudbhūtaṃ sarvalokavināśanam
Gift dort entstanden, alle Welten vernichtend (Nom.Sg.n./Part.Pass./Adj.)
tad dṛṣṭvā vibudhāḥ sarve tadā vimanaso 'bhavan
das sehend, die Götter alle, wurden da niedergeschlagen (Abs./Nom.Pl./3.Pl.Impf.)
grastaṃ hi tan mayā devi lokānāṃ hitakāraṇāt
verschluckt wurde es von mir, Göttin, um des Wohls der Welten willen (Part.Pass./Instr./Vok./Abl.)
tatkṛtā nīlatā cāsīt kaṇṭhe barhinibhā śubhe
dadurch bewirkt war die Bläue am Hals, pfauengleich, Schöne (Part.Pass.f./3.Sg.Impf./Lok./Vok.)
tadāprabhṛti caivāhaṃ nīlakaṇṭha iti smṛtaḥ
seitdem heiße ich Nīlakaṇṭha (Part.Pass.Nom.Sg.m.)
nīlakaṇṭha namas te 'stu sarvalokasukhāvaha
Blauhals, Verehrung dir, Glücksbringer aller Welten (Vok./Nom./3.Sg.Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind in der Überlieferung offenbar gegen den Sinn der Reden verschoben; sie sind hier wie überliefert wiedergegeben. [Anm.: inhaltlich fragt Umā, antwortet Śiva.]

bahūnām āyudhānāṃ tvaṃ pinākaṃ dhartum icchasi; maheśvaraḥ; kimarthaṃ devadeveśa tan me śaṃsitum arhasi; śastrāgamaṃ te vakṣyāmi śṛṇu dharmyaṃ śucismite; yugāntare mahādevi kaṇvo nāma mahāmuniḥ; sa hi divyāṃ tapaścaryāṃ kartum evopacakrame; tathā tasya tapo ghoraṃ carataḥ kālaparyayāt; valmīkaṃ punar udbhūtaṃ tasyaiva śirasi priye; veṇur valmīkasaṃyogān mūrdhni tasya babhūva ha; dharamāṇaś ca tat sarvaṃ tapaścaryām athākarot; tasmai brahmā varaṃ dātuṃ jagāma tapasārcitaḥ; dattvā tasmai varaṃ devo veṇuṃ dṛṣṭvā tv acintayat; lokakāryaṃ samuddiśya veṇunānena bhāmini; cintayitvā tam ādāya kārmukārthe nyayojayat; viṣṇor mama ca sāmarthyaṃ jñātvā lokapitāmahaḥ

„Von den vielen Waffen willst du [gerade] den Pināka tragen.“ Maheśvara [sprach]: „Warum, Herr der Götter? Das musst du mir sagen.“ – „Die Herkunft der Waffe will ich dir sagen; höre sie, Rechtgemäße, Lächelnde. In einem Weltenwechsel, große Göttin, gab es einen großen Weisen namens Kaṇva. Der begann, göttliche Askese zu üben. Als er so furchtbare Askese übte, entstand im Lauf der Zeit wiederum ein Ameisenhügel auf seinem Kopf, Liebe; durch die Verbindung mit dem Ameisenhügel wuchs ihm auf dem Scheitel ein Bambus. Dies alles tragend, übte er weiter Askese. Zu ihm ging Brahmā, durch die Askese geehrt, um ihm eine Gabe zu gewähren. Nachdem der Gott ihm die Gabe gegeben hatte, sah er den Bambus und dachte nach: Im Blick auf das Werk für die Welt [wollte er] mit diesem Bambus, Schöne, [etwas schaffen]. Er erwog es, nahm ihn und verwendete ihn zu einem Bogen. Da der Großvater der Welt die Kraft Viṣṇus und meine erkannte,

Wort für Wort
bahūnām āyudhānāṃ tvaṃ pinākaṃ dhartum icchasi
von vielen Waffen willst du den Pināka tragen (Gen.Pl./Inf./2.Sg.Präs.)
kimarthaṃ devadeveśa tan me śaṃsitum arhasi
wozu, Herr der Götter, das mir zu sagen vermagst du (Vok./Inf./2.Sg.Präs.)
śastrāgamaṃ te vakṣyāmi śṛṇu dharmyaṃ śucismite
die Herkunft der Waffe will ich dir sagen, höre, Rechtgemäße, Lächelnde (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)
yugāntare mahādevi kaṇvo nāma mahāmuniḥ
im Weltenwechsel, große Göttin, [war] ein großer Weiser namens Kaṇva (Lok./Vok./Nom.)
sa hi divyāṃ tapaścaryāṃ kartum evopacakrame
er begann eben göttliche Askese zu üben (Akk./Inf./3.Sg.Perf.)
valmīkaṃ punar udbhūtaṃ tasyaiva śirasi priye
ein Ameisenhügel wieder entstanden auf seinem Kopf, Liebe (Nom.Sg.m./Lok./Vok.)
veṇur valmīkasaṃyogān mūrdhni tasya babhūva ha
ein Bambus durch die Verbindung mit dem Hügel auf seinem Scheitel entstand (Nom./Abl./3.Sg.Perf.)
dharamāṇaś ca tat sarvaṃ tapaścaryām athākarot
und dies alles tragend, übte er Askese (Part.Präs.Med./3.Sg.Impf.)
tasmai brahmā varaṃ dātuṃ jagāma tapasārcitaḥ
zu ihm ging Brahmā, um die Gabe zu geben, durch Askese geehrt (Inf./3.Sg.Perf./Part.Pass.)
dattvā tasmai varaṃ devo veṇuṃ dṛṣṭvā tv acintayat
nach Gewähren der Gabe an ihn, den Bambus sehend, dachte der Gott nach (Abs./Abs./3.Sg.Impf.)
cintayitvā tam ādāya kārmukārthe nyayojayat
nachdem er erwogen, nahm er ihn und verwendete ihn für einen Bogen (Abs./Abs./Lok./3.Sg.Impf.)
viṣṇor mama ca sāmarthyaṃ jñātvā lokapitāmahaḥ
Viṣṇus und meine Kraft erkennend, der Großvater der Welt (Gen./Akk./Abs./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben stehen wie überliefert (der Fragesatz vor „Maheśvaraḥ“ gehört dem Sinn nach zu Umā).

dhanuṣī dve tadā prādād viṣṇave ca mamaiva ca; pinākaṃ nāma me cāpaṃ śārṅgaṃ nāma harer dhanuḥ; tṛtīyam avaśeṣeṇa gāṇḍīvam abhavad dhanuḥ; tac ca somāya nirdiśya brahmalokaṃ gataḥ punaḥ; umā; etat te sarvam ākhyātaṃ śastrāgamam anindite; bhagavan sarvabhūteśa pinākaparaśupriya; vāhaneṣu tathānyeṣu satsu bhūtapate tava; ayaṃ tu vṛṣabhaḥ kasmād vāhanatvam upāgamat; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva taṃ me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi vāhanaṃ sa yathābhavat; ādisarge purā gāvaḥ śvetavarṇāḥ śucismite; balasaṃhananopetā darpayuktāś caranti tāḥ; ahaṃ tu tapa ātiṣṭhe tasmin kāle śubhānane; ekapādaś cordhvabāhur lokārthaṃ himavadgirau; gāvo me pārśvam āviśya darpotsiktāḥ samantataḥ

gab er damals zwei Bogen: mir und Viṣṇu. Mein Bogen heißt Pināka, der Bogen Haris Śārṅga; aus dem Rest wurde ein dritter Bogen, der Gāṇḍīva. Diesen bestimmte er für Soma und kehrte in die Brahmawelt zurück.“ Umā [sprach]: „Dies ist dir, Untadelige, [als] Herkunft der Waffe berichtet. Herr, Gebieter aller Wesen, Freund von Pināka und Beil: Obwohl du andere Reittiere hast, Herr der Geister – warum ist gerade dieser Stier zum Reittier geworden?“ Maheśvara [sprach]: „Dies ist mein Zweifel, Gott; das sollst du mir sagen.“ – „Das will ich dir sagen, wie er zum Reittier wurde. Im ersten Schöpfungsakt, Lächelnde, gab es Kühe von weißer Farbe, mit Kraft und Wuchs ausgestattet, voll Übermut zogen sie umher. Ich aber übte in jener Zeit, Schönantlitzige, Askese, auf einem Bein, die Arme erhoben, um der Welt willen im Himālaya. Die Kühe drängten sich an meine Seite, überall vom Übermut aufgeschwollen,

Wort für Wort
dhanuṣī dve tadā prādād viṣṇave ca mamaiva ca
zwei Bogen gab er damals dem Viṣṇu und mir (Akk.Du./3.Sg.Aor./Dat.)
pinākaṃ nāma me cāpaṃ śārṅgaṃ nāma harer dhanuḥ
Pināka mit Namen mein Bogen, Śārṅga mit Namen Haris Bogen (Nom./Gen.)
tṛtīyam avaśeṣeṇa gāṇḍīvam abhavad dhanuḥ
der dritte aus dem Rest, Gāṇḍīva, wurde [der] Bogen (Instr./3.Sg.Impf.)
tac ca somāya nirdiśya brahmalokaṃ gataḥ punaḥ
und den, dem Soma zugewiesen, in die Brahmawelt zurückgekehrt (Dat./Abs./Part.Pass.)
bhagavan sarvabhūteśa pinākaparaśupriya
Herr, Gebieter aller Wesen, Freund von Pināka und Beil (Vok.)
vāhaneṣu tathānyeṣu satsu bhūtapate tava
obwohl andere Reittiere vorhanden sind, Herr der Geister, bei dir (Lok.abs./Vok./Gen.)
ayaṃ tu vṛṣabhaḥ kasmād vāhanatvam upāgamat
dieser Stier aber, warum er ins Reittier-Sein gelangte (Nom./Abl./3.Sg.Aor.)
eṣa me saṃśayo deva taṃ me śaṃsitum arhasi
dies mein Zweifel, Gott, den mir zu erklären du sollst (Nom./Inf./2.Sg.)
ādisarge purā gāvaḥ śvetavarṇāḥ śucismite
im ersten Schöpfungsakt einst Kühe von weißer Farbe, Lächelnde (Lok./Nom.Pl.f./Vok.)
balasaṃhananopetā darpayuktāś caranti tāḥ
mit Kraft und Wuchs begabt, von Übermut erfüllt, zogen sie umher (Part.Pass.Nom.Pl.f./3.Pl.Präs.)
ahaṃ tu tapa ātiṣṭhe tasmin kāle śubhānane
ich aber übte Askese zu jener Zeit, Schönantlitzige (1.Sg.Präs.Med./Akk./Lok./Vok.)
ekapādaś cordhvabāhur lokārthaṃ himavadgirau
auf einem Fuß, mit erhobenen Armen, um der Welt willen, auf dem Himālaya-Berg (Nom.Sg.m./Lok.)
gāvo me pārśvam āviśya darpotsiktāḥ samantataḥ
Kühe, an meine Seite gedrungen, vom Übermut aufgeschwollen, ringsum (Nom.Pl./Abs./Part.Pass./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben wie überliefert; „Maheśvaraḥ“ vor „eṣa me saṃśayo“ ist dem Sinn nach Umā zuzuordnen [?].

sthānabhraṃśaṃ tu me devi cakrire bahuśas tathā; apacāreṇa caitāsāṃ manaḥkṣobho 'bhavan mama; tasmād dagdhā mayā gāvo roṣāviṣṭena cetasā; tasmiṃs tu vyasane ghore vartamāne paśūn prati; anena vṛṣabheṇāhaṃ śamitaḥ saṃprasādanaiḥ; tadāprabhṛti śāntāś ca varṇabhedatvam āgatāḥ; śveto 'yaṃ vṛṣabho devi pūrvasaṃskārasaṃyutaḥ; vāhanatve dhvajatve me tadāprabhṛti yojitaḥ; tasmān me gopatitvaṃ ca devair gobhiś ca kalpitam; umā; prasannaś cābhavaṃ devi tadā gopatitāṃ gataḥ; bhagavan sarvabhūteśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja; āvāseṣu vicitreṣu ramyeṣu ca śubheṣu ca; satsu cānyeṣu deśeṣu śmaśāne ramase katham; keśāsthikalile bhīme kapālaśatasaṃkule; sṛgālagṛdhrasaṃpūrṇe śavadhūmasamākule

machten mir wiederholt den Standort streitig. Durch ihr Fehlverhalten entstand mir Erregung des Gemüts. Daher wurden die Kühe von mir, mit zornerfülltem Sinn, verbrannt. Als diese furchtbare Not über die Tiere hereinbrach, wurde ich durch diesen Stier mit Besänftigungen beruhigt. Seitdem wurden sie friedlich und erlangten [unterschiedliche] Farben. Weiß ist dieser Stier, Göttin, mit früherer Prägung verbunden; seitdem wurde er mir als Reittier und als Banner beigegeben. Daher bestimmten mir die Götter und Kühe das Herrsein über die Kühe. Umā [sprach]: „Ich wurde da besänftigt, Göttin, und erlangte das Herrsein über die Kühe.“ – „Herr, Gebieter aller Wesen, Speerträger, Stierbannerträger: Obwohl es vielfältige, schöne, liebliche Wohnstätten und andere Orte gibt – wie kannst du dich auf dem Leichenacker ergötzen, der voll Haar und Knochenschlamm, furchtbar, von hundert Schädeln erfüllt, von Schakalen und Geiern wimmelnd, von Leichenrauch umhüllt ist,

Wort für Wort
sthānabhraṃśaṃ tu me devi cakrire bahuśas tathā
Standortverlust mir, Göttin, machten sie oftmals (Akk./3.Pl.Perf.Med.)
apacāreṇa caitāsāṃ manaḥkṣobho 'bhavan mama
durch deren Fehlverhalten wurde Gemütserregung mir (Instr./Nom./3.Sg.Impf.)
tasmād dagdhā mayā gāvo roṣāviṣṭena cetasā
daher wurden Kühe von mir verbrannt, mit zornerfülltem Sinn (Part.Pass./Instr./Instr.)
tasmiṃs tu vyasane ghore vartamāne paśūn prati
in dieser furchtbaren Not, die den Tieren gegenüber bestand (Lok.abs.)
anena vṛṣabheṇāhaṃ śamitaḥ saṃprasādanaiḥ
durch diesen Stier wurde ich besänftigt mit Beschwichtigungen (Instr./Part.Pass./Instr.Pl.)
tadāprabhṛti śāntāś ca varṇabhedatvam āgatāḥ
seitdem friedlich und zur Farbverschiedenheit gelangt (Nom.Pl.f./Part.Pass.)
śveto 'yaṃ vṛṣabho devi pūrvasaṃskārasaṃyutaḥ
weiß dieser Stier, Göttin, mit früherer Prägung verbunden (Nom.Sg.m./Vok.)
vāhanatve dhvajatve me tadāprabhṛti yojitaḥ
zum Reittier- und Bannersein mir seitdem bestimmt (Lok./Part.Pass.)
tasmān me gopatitvaṃ ca devair gobhiś ca kalpitam
daher mir das Rinderherrsein von Göttern und Kühen festgesetzt (Nom.Sg.n./Instr.Pl.)
bhagavan sarvabhūteśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja
Herr, Gebieter aller Wesen, Speerträger, Stierbanner (Vok.)
āvāseṣu vicitreṣu ramyeṣu ca śubheṣu ca
in vielfältigen, lieblichen und schönen Wohnstätten (Lok.Pl.)
satsu cānyeṣu deśeṣu śmaśāne ramase katham
obwohl andere Orte da sind, wie ergötzt du dich auf dem Leichenacker (Lok.abs./Lok./2.Sg.Präs.Med.)
keśāsthikalile bhīme kapālaśatasaṃkule
im furchtbaren, haar- und knochendurchsetzten, von hundert Schädeln erfüllten [Ort] (Lok.)
sṛgālagṛdhrasaṃpūrṇe śavadhūmasamākule
von Schakalen und Geiern erfüllt, von Leichenrauch umhüllt (Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel wie überliefert; „Umā“ vor prasannaś cābhavaṃ ist offenbar verschoben [?].

citāgniviṣame ghore gahane ca bhayānake; evaṃ kalevarakṣetre durdarśe ramase katham; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva tan me śaṃsitum arhasi; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; āvāsārthaṃ purā devi śuddhānveṣī śucismite; nādhyagacchaṃ ciraṃ kālaṃ deśaṃ śucitamaṃ śubhe; eṣa me 'bhiniveśo 'bhūt tasmin kāle prajāḥ prati; ākulaṃ sumahad ghoraṃ prādurāsīt samantataḥ; saṃbhūtā bhūtasṛṣṭiś ca ghorā lokabhayāvahā; nānāvarṇavirūpāś ca tīkṣṇadaṃṣṭrāḥ prahāriṇaḥ; piśācarakṣovadanāḥ prāṇināṃ prāṇahāriṇaḥ; yatas tataś caranti sma nighnantaḥ prāṇino bhṛśam; evaṃ loke kṣayaṃ yāte prāṇihīne pitāmahaḥ; cintayaṃs tatpratīkāraṃ māṃ ca śaktaṃ hi nigrahe; evaṃ jñātvā tadā brahmā tasmin karmaṇy ayojayat

mit Leichenfeuern ungleichmäßig, furchtbar, dicht und schrecklich – wie ergötzt du dich so in diesem schwer anzusehenden Leichenfeld?“ Maheśvara [sprach]: „Dies ist mein Zweifel, Gott, den sollst du mir sagen.“ – „Wohlan, ich will es dir sagen; höre, Göttin, aufmerksam. Einst suchte ich, Göttin, um eine Wohnstätte, Reines suchend, Lächelnde, fand aber lange Zeit keinen Ort, den reinsten, Schöne. Dies war meine Neigung. Zu jener Zeit erschien den Geschöpfen gegenüber ringsum eine sehr große, furchtbare Verwirrung; eine furchtbare Schöpfung von Wesen entstand, welche die Welt in Schrecken versetzte: von vielerlei Farben und missgestaltet, mit scharfen Hauern, angreifend, mit Gesichtern von Piśācas und Rakṣas, den Lebewesen das Leben raubend. Sie zogen hierhin und dorthin und erschlugen heftig die Lebewesen. Als so die Welt zugrunde ging und ohne Lebewesen war, dachte der Großvater an ein Gegenmittel, und mich, der ich zur Bändigung imstande war, erkennend, setzte Brahmā mich damals bei diesem Werk ein.

Wort für Wort
citāgniviṣame ghore gahane ca bhayānake
von Scheiterfeuern uneben, furchtbar, dicht und schrecklich (Lok.)
evaṃ kalevarakṣetre durdarśe ramase katham
so im Leichenfeld, schwer anzusehen, ergötzt du dich wie (Lok./2.Sg.Präs.Med.)
hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
wohlan, ich werde dir sagen, höre, Göttin, gesammelt (1.Sg.Fut./Imp./Part.Pass.f.)
āvāsārthaṃ purā devi śuddhānveṣī śucismite
um einer Wohnstätte willen einst, Göttin, Reines suchend, Lächelnde (Adv./Nom.Sg.m.)
nādhyagacchaṃ ciraṃ kālaṃ deśaṃ śucitamaṃ śubhe
ich fand lange Zeit keinen Ort, den reinsten, Schöne (1.Sg.Impf./Akk./Vok.)
ākulaṃ sumahad ghoraṃ prādurāsīt samantataḥ
Verwirrung, sehr groß, furchtbar, erschien ringsum (Nom.Sg.n./3.Sg.Impf.)
saṃbhūtā bhūtasṛṣṭiś ca ghorā lokabhayāvahā
entstanden war eine Wesenschöpfung, furchtbar, die Welt in Schrecken versetzend (Part.Pass.f./Nom.f.)
nānāvarṇavirūpāś ca tīkṣṇadaṃṣṭrāḥ prahāriṇaḥ
von vielerlei Farben, missgestaltet, scharfzahnig, angreifend (Nom.Pl.m.)
piśācarakṣovadanāḥ prāṇināṃ prāṇahāriṇaḥ
mit Piśāca- und Rakṣas-Gesichtern, den Lebewesen das Leben raubend (Nom.Pl.m.)
yatas tataś caranti sma nighnantaḥ prāṇino bhṛśam
hierhin und dorthin zogen sie, heftig Lebewesen erschlagend (3.Pl.Präs.+sma/Part.Präs.)
evaṃ loke kṣayaṃ yāte prāṇihīne pitāmahaḥ
als so die Welt zugrunde gegangen, ohne Lebewesen, der Großvater (Lok.abs./Nom.)
cintayaṃs tatpratīkāraṃ māṃ ca śaktaṃ hi nigrahe
ein Gegenmittel erwägend, und mich als fähig zur Bändigung (Part.Präs./Akk./Lok.)
evaṃ jñātvā tadā brahmā tasmin karmaṇy ayojayat
so erkennend, setzte Brahmā damals bei diesem Werk ein (Abs./3.Sg.Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangabe wie überliefert. kalevarakṣetre: wörtlich „im Feld der Leichname“.

tac ca prāṇidayārthaṃ tu mayāpy anumataṃ priye; tasmāt saṃrakṣitā devi bhūtebhyaḥ prāṇino bhayāt; asmāc chmaśānān medhyaṃ tu nāsti kiṃ cid anindite; niḥsaṃpātaṃ manuṣyāṇāṃ tasmāc chucitamaṃ smṛtam; bhūtasṛṣṭiṃ tu tāṃ cāhaṃ śmaśāne saṃnyaveśayam; tatrasthaḥ sarvalokānāṃ vinihanmi priye bhayam; na ca bhūtagaṇenāhaṃ vinā vasitum utsahe; tasmān me saṃnivāsāya śmaśāne rocate manaḥ; medhyakāmair dvijair nityaṃ medhyam ity abhidhīyate; ācaradbhir vrataṃ raudraṃ mokṣakāmaiś ca sevyate; sthānaṃ me tatra vihitaṃ vīrasthānam iti priye; kapālaśatasaṃpūrṇaṃ bhīmarūpaṃ bhayānakam; madhyāhne saṃdhyayos tatra nakṣatre rudradaivate; āyuṣkāmair aśuddhair vā na gantavyam iti sthitiḥ

Und das habe auch ich, aus Mitleid mit den Lebewesen, gebilligt, Liebe. Daher, Göttin, werden die Lebewesen durch mich vor den Wesen und vor Furcht geschützt. Reiner als der Leichenacker gibt es nichts, Untadelige: Weil dort kein Zusammentreffen von Menschen stattfindet, gilt er als der reinste. Jene Wesensschöpfung ließ ich auf dem Leichenacker sich niederlassen; dort weilend, Liebe, vernichte ich die Furcht aller Welten. Ich kann ohne die Schar der Geister nicht wohnen; daher gefällt es meinem Sinn, auf dem Leichenacker zu wohnen. Von den Zweimalgeborenen, die Reinheit wünschen, wird er beständig „rein“ genannt; von denen, die das furchtbare Gelübde üben, und von den Erlösungswilligen wird er aufgesucht. Ein Ort für mich ist dort bestimmt, „Heldenstätte“ genannt, Liebe: von hundert Schädeln erfüllt, von furchtbarer Gestalt, schrecklich. Mittags, in den beiden Dämmerungen dort, im Mondhaus mit Rudra als Gottheit soll man nicht hingehen, weder wer langes Leben wünscht noch wer unrein ist – so ist die Regel.

Wort für Wort
tac ca prāṇidayārthaṃ tu mayāpy anumataṃ priye
und dies aus Mitleid mit Lebewesen auch von mir gebilligt, Liebe (Part.Pass.n./Vok.)
tasmāt saṃrakṣitā devi bhūtebhyaḥ prāṇino bhayāt
daher geschützt, Göttin, vor den Wesen die Lebewesen aus Furcht (Part.Pass.Nom.Pl.m./Abl.)
asmāc chmaśānān medhyaṃ tu nāsti kiṃ cid anindite
reiner als dieser Leichenacker ist nichts, Untadelige (Abl.Komp./3.Sg.Präs./Vok.)
niḥsaṃpātaṃ manuṣyāṇāṃ tasmāc chucitamaṃ smṛtam
ohne Zusammentreffen von Menschen, daher als reinster gilt er (Nom./Gen.Pl./Part.Pass.)
bhūtasṛṣṭiṃ tu tāṃ cāhaṃ śmaśāne saṃnyaveśayam
jene Wesensschöpfung ließ ich auf dem Leichenacker sich niederlassen (Akk./Lok./1.Sg.Impf.Kaus.)
tatrasthaḥ sarvalokānāṃ vinihanmi priye bhayam
dort weilend, der Welten Furcht vernichte ich, Liebe (Nom.Sg.m./1.Sg.Präs./Vok.)
na ca bhūtagaṇenāhaṃ vinā vasitum utsahe
und ohne die Geisterschar vermag ich nicht zu wohnen (Instr./Inf./1.Sg.Präs.)
tasmān me saṃnivāsāya śmaśāne rocate manaḥ
daher gefällt mir zum Wohnen auf dem Leichenacker das Herz (Dat./Lok./3.Sg.Präs.)
medhyakāmair dvijair nityaṃ medhyam ity abhidhīyate
von Reinheit Wünschenden, den Zweimalgeborenen, wird er „rein“ genannt (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
ācaradbhir vrataṃ raudraṃ mokṣakāmaiś ca sevyate
von denen, die das furchtbare Gelübde üben, und von Erlösungswilligen wird er aufgesucht (Part.Präs.Instr.Pl./Pass.)
sthānaṃ me tatra vihitaṃ vīrasthānam iti priye
ein Ort mir dort bestimmt, „Heldenstätte“ genannt, Liebe (Nom./Part.Pass./Vok.)
kapālaśatasaṃpūrṇaṃ bhīmarūpaṃ bhayānakam
von hundert Schädeln erfüllt, furchtbar gestaltet, schrecklich (Nom.Sg.n.)
madhyāhne saṃdhyayos tatra nakṣatre rudradaivate
mittags, in den beiden Dämmerungen dort, im Mondhaus mit Rudra als Gottheit (Lok.)
āyuṣkāmair aśuddhair vā na gantavyam iti sthitiḥ
nicht zu gehen ist von Langlebigkeit Wünschenden oder Unreinen – so die Regel (Instr.Pl./Gerundiv/Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Mit „Mondhaus mit Rudra als Gottheit“ ist das Nakṣatra Ārdrā gemeint [Anm.: Zuordnung nach Kompositum rudradaivate].

mad anyena na śakyaṃ hi nihantuṃ bhūtajaṃ bhayam; tatrastho 'haṃ prajāḥ sarvāḥ pālayāmi dine dine; manniyogād bhūtasaṃghā na ca ghnantīha kiṃ cana; tasmāl lokahitārthāya śmaśāne ramayāmy aham; umā; etat te sarvam ākhyātaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa trinetra vṛṣabhadhvaja; piṅgalaṃ vikṛtaṃ bhāti rūpaṃ te subhayānakam; bhasmadigdhaṃ virūpākṣaṃ tīkṣṇadaṃṣṭraṃ jaṭākulam; vyāghroragatvaksaṃvītaṃ kapilaśmaśrusaṃtatam; raudraṃ bhayānakaṃ ghoraṃ śūlapaṭṭasasaṃyutam; maheśvaraḥ; kimartham īdṛśaṃ rūpaṃ tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ kathayiṣyāmi śṛṇu tattvaṃ samāhitā; dvividho laukiko bhāvaḥ śītam uṣṇam iti priye; tayor vigrathitaṃ sarvaṃ saumyāgneyam idaṃ jagat

Außer mir kann die von den Wesen ausgehende Furcht niemand vernichten. Dort weilend, schütze ich Tag für Tag alle Geschöpfe. Auf meinen Befehl erschlagen die Scharen der Wesen hier nichts mehr. Daher ergötze ich mich zum Wohl der Welt auf dem Leichenacker.“ Umā [sprach]: „Dies alles ist dir berichtet; was willst du noch hören?“ – „Herr, Gott der Götter, Dreiäugiger, Stierbannerträger: Deine Gestalt erscheint braunrot, entstellt, sehr schrecklich, mit Asche bestrichen, mit missgestalteten Augen, scharfen Hauern, verfilztem Haar, mit Tigerfell und Schlangen umhüllt, mit falbem Bart durchzogen, furchtbar, schrecklich, grauenvoll, mit Speer und Gürtel versehen.“ Maheśvara [sprach]: „Warum hast du eine solche Gestalt? Das sollst du mir sagen.“ – „Das will ich dir sagen; höre die Wahrheit aufmerksam. Doppelt ist das weltliche Wesen, Kälte und Hitze, Liebe. Beides ist ineinander verflochten: diese ganze Welt ist mondhaft und feurig.

Wort für Wort
mad anyena na śakyaṃ hi nihantuṃ bhūtajaṃ bhayam
durch einen anderen als mich ist nicht möglich, die von Wesen kommende Furcht zu vernichten (Instr./Inf.)
tatrastho 'haṃ prajāḥ sarvāḥ pālayāmi dine dine
dort weilend schütze ich alle Geschöpfe Tag für Tag (Nom.Sg.m./1.Sg.Präs.)
manniyogād bhūtasaṃghā na ca ghnantīha kiṃ cana
auf meinen Befehl erschlagen die Scharen der Wesen hier nichts (Abl./3.Pl.Präs.)
tasmāl lokahitārthāya śmaśāne ramayāmy aham
daher zum Wohl der Welt ergötze ich mich auf dem Leichenacker (Dat./1.Sg.Präs.)
bhagavan devadeveśa trinetra vṛṣabhadhvaja
Herr, Gott der Götter, Dreiäugiger, Stierbanner (Vok.)
piṅgalaṃ vikṛtaṃ bhāti rūpaṃ te subhayānakam
braunrot, entstellt erscheint deine Gestalt, sehr schrecklich (Nom.Sg.n./3.Sg.Präs.)
bhasmadigdhaṃ virūpākṣaṃ tīkṣṇadaṃṣṭraṃ jaṭākulam
mit Asche bestrichen, missgestaltäugig, scharfzahnig, mit Filzhaar durchsetzt (Adj.n.)
vyāghroragatvaksaṃvītaṃ kapilaśmaśrusaṃtatam
mit Tiger- und Schlangenhaut umhüllt, mit falbem Bart durchzogen (Adj.n.)
raudraṃ bhayānakaṃ ghoraṃ śūlapaṭṭasasaṃyutam
furchtbar, schrecklich, grauenvoll, mit Speer und Gürtel versehen (Adj.n.)
kimartham īdṛśaṃ rūpaṃ tan me śaṃsitum arhasi
wozu eine solche Gestalt, das mir zu sagen du sollst (Akk./Inf./2.Sg.)
tad ahaṃ kathayiṣyāmi śṛṇu tattvaṃ samāhitā
das will ich sagen, höre die Wahrheit aufmerksam (1.Sg.Fut./Imp./Part.Pass.f.)
dvividho laukiko bhāvaḥ śītam uṣṇam iti priye
zweifach ist das weltliche Wesen: Kälte und Hitze, Liebe (Nom.Sg.m./Vok.)
tayor vigrathitaṃ sarvaṃ saumyāgneyam idaṃ jagat
in beiden verflochten ist alles, mondhaft-feurig diese Welt (Gen./Part.Pass./Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe „maheśvaraḥ“ vor kimartham īdṛśaṃ rūpaṃ ist offenbar verschoben [?]. saumyāgneyam: „mondhaft-feurig“ (kühl und heiß).

saumyatvaṃ satataṃ viṣṇau mayy āgneyaṃ pratiṣṭhitam; anena vapuṣā nityaṃ sarvalokān bibharmy aham; raudrākṛti virūpākṣaṃ śūlapaṭṭasasaṃyutam; āgneyam iti me rūpaṃ devi lokahite ratam; yady ahaṃ viparītaḥ syām etat tyaktvā śubhānane; tadaiva sarvalokānāṃ viparītaṃ pravartate; tasmān mayedaṃ dhriyate rūpaṃ lokahitaiṣiṇā; umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja; kimarthaṃ candrarekhā te śirobhāge virocate; maheśvaraḥ; śrotum icchāmy ahaṃ deva tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; purāhaṃ kāraṇād devi kopayuktaḥ śucismite; dakṣayajñavadhārthāya bhūtasaṃghasamāvṛtaḥ

Das Milde ist stets in Viṣṇu, das Feurige in mir begründet. Mit dieser Gestalt trage ich beständig alle Welten. Von furchtbarem Aussehen, mit missgestalteten Augen, mit Speer und Gürtel versehen – dies ist meine feurige Gestalt, Göttin, die dem Wohl der Welt gewidmet ist. Wenn ich, Schönantlitzige, dies verließe und das Gegenteil würde, dann würde eben dadurch alles in den Welten sich ins Gegenteil kehren. Daher trage ich diese Gestalt, das Wohl der Welt wünschend.“ Umā [sprach]: „So ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ – „Herr, Gott der Götter, Speerträger, Stierbannerträger: Warum leuchtet dir am Kopfteil ein Mondstreif?“ Maheśvara [sprach]: „Ich möchte es hören, Gott; das sollst du mir sagen.“ – „Das will ich dir sagen; höre, Glückverheißende, den Grund. Einst war ich aus einem Grund zornerfüllt, Göttin, Lächelnde, und, von der Geisterschar umgeben, [zog ich aus] zur Zerstörung von Dakṣas Opfer.

Wort für Wort
saumyatvaṃ satataṃ viṣṇau mayy āgneyaṃ pratiṣṭhitam
Mildheit stets in Viṣṇu, in mir das Feurige gegründet (Nom.n./Lok./Part.Pass.)
anena vapuṣā nityaṃ sarvalokān bibharmy aham
mit dieser Gestalt beständig alle Welten trage ich (Instr./1.Sg.Präs.)
raudrākṛti virūpākṣaṃ śūlapaṭṭasasaṃyutam
von furchtbarer Gestalt, missgestaltäugig, mit Speer und Gürtel (Adj.n.)
āgneyam iti me rūpaṃ devi lokahite ratam
feurig ist meine Gestalt, Göttin, dem Weltwohl ergeben (Nom.n./Vok./Part.Pass.)
yady ahaṃ viparītaḥ syām etat tyaktvā śubhānane
wenn ich gegenteilig wäre, dies verlassend, Schönantlitzige (Opt.1.Sg./Abs.)
tadaiva sarvalokānāṃ viparītaṃ pravartate
eben dann kehrt sich der Welten alles ins Gegenteil (3.Sg.Präs.)
tasmān mayedaṃ dhriyate rūpaṃ lokahitaiṣiṇā
daher wird von mir diese Gestalt getragen, vom Weltwohlwollenden (Pass.3.Sg./Instr.)
iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
so ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören (Part.Pass.n./2.Sg.Präs.)
kimarthaṃ candrarekhā te śirobhāge virocate
wozu leuchtet dir ein Mondstreif am Kopfteil (Nom.f./Lok./3.Sg.Präs.Med.)
śrotum icchāmy ahaṃ deva tan me śaṃsitum arhasi
hören will ich, Gott, das mir zu sagen du sollst (Inf./1.Sg.Präs./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
das will ich dir sagen, höre, Glückverheißende, den Grund (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)
purāhaṃ kāraṇād devi kopayuktaḥ śucismite
einst war ich aus einem Grund, Göttin, zornerfüllt, Lächelnde (Abl./Nom.Sg.m.)
dakṣayajñavadhārthāya bhūtasaṃghasamāvṛtaḥ
zur Zerstörung von Dakṣas Opfer, von der Geisterschar umgeben (Dat./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben wie überliefert; die Frage nach der Mondsichel stellt inhaltlich Umā.

tasmin kratuvadhe ghore yajñabhāganimittataḥ; devā vibhraṃśitās te vai yeṣāṃ bhāgaḥ kratau kṛtaḥ; somas tatra mayā devi kupitena bhṛśārditaḥ; paśyaṃś cānaparādhī san pādāṅguṣṭhena pīḍitaḥ; tathā vinikṛtenāhaṃ sāmapūrvaṃ prasāditaḥ; tan me cintayataś cāsīt paścāttāpaḥ punaḥ priye; tadāprabhṛti somaṃ hi śirasā dhārayāmy aham; evaṃ me pāpahānis tu bhaved iti matir mama; tadāprabhṛti vai somo mūrdhni saṃdṛśyate sadā; nāradaḥ; evaṃ bruvati deveśe vismitāḥ paramarṣayaḥ; vāgbhiḥ sāñjalimālābhir abhituṣṭuvur īśvaram; namaḥ śaṃkara deveśa namaḥ sarvajagadguro; namo devādidevāya namaḥ śaśikalādhara; namo ghoratarād ghora namo rudra bhayaṃkara; namaḥ śāntatarāc chānta namaś candrasya pālaka

Bei jenem furchtbaren Opferzerstören, um des Opferanteils willen, wurden jene Götter, denen im Opfer ein Anteil zugewiesen war, [ihrer Stellung] beraubt. Soma wurde dort von mir, Göttin, dem Erzürnten, heftig bedrängt: Obwohl er, wie er sah, keine Schuld trug, wurde er mit der Fußzehe gequetscht. Da ich so verletzt hatte, wurde ich zuerst durch Sāman-Gesänge besänftigt. Als ich darüber nachdachte, entstand in mir wiederum Reue, Liebe. Seitdem trage ich Soma auf dem Haupt. So, [dachte ich], möge meine Sünde schwinden – das war mein Entschluss. Seitdem ist Soma stets auf meinem Scheitel zu sehen. Nārada [sprach]: Als der Herr der Götter so sprach, priesen die höchsten Weisen ihn staunend mit Worten, die Hände zum Gruß gefaltet: „Verehrung dir, Śaṃkara, Herr der Götter; Verehrung dem Lehrer der ganzen Welt; Verehrung dem Urgott der Götter; Verehrung dem Träger der Mondsichel; Verehrung dem Furchtbareren als das Furchtbare, Rudra, Schrecken bringender; Verehrung dem Friedvolleren als das Friedvolle, Verehrung dem Hüter des Mondes;

Wort für Wort
tasmin kratuvadhe ghore yajñabhāganimittataḥ
bei diesem furchtbaren Opfermorden um des Opferanteils willen (Lok./Adv.)
devā vibhraṃśitās te vai yeṣāṃ bhāgaḥ kratau kṛtaḥ
die Götter wurden verstoßen, denen im Opfer ein Anteil zugewiesen war (Part.Pass.Kaus./Gen.)
somas tatra mayā devi kupitena bhṛśārditaḥ
Soma dort von mir, Göttin, dem Erzürnten, heftig bedrängt (Instr./Part.Pass.)
paśyaṃś cānaparādhī san pādāṅguṣṭhena pīḍitaḥ
und obwohl er, sehend, ohne Schuld war, mit der Fußzehe gedrückt (Part.Präs./Part.Präs./Instr.)
tathā vinikṛtenāhaṃ sāmapūrvaṃ prasāditaḥ
als so [ihm] Leid getan war, wurde ich zuerst durch Sāman besänftigt (Part.Pass.Instr./Part.Pass.)
tan me cintayataś cāsīt paścāttāpaḥ punaḥ priye
als ich darüber nachdachte, war wiederum Reue, Liebe (Gen./3.Sg.Impf./Nom.)
tadāprabhṛti somaṃ hi śirasā dhārayāmy aham
seitdem trage ich Soma auf dem Haupt (Akk./Instr./1.Sg.Präs.)
evaṃ me pāpahānis tu bhaved iti matir mama
so möge meine Sünde schwinden, [war] mein Sinn (Nom./Opt.3.Sg.)
nāradaḥ evaṃ bruvati deveśe vismitāḥ paramarṣayaḥ
Nārada: als der Herr der Götter so sprach, staunend die höchsten Weisen (Lok.abs./Nom.Pl.)
vāgbhiḥ sāñjalimālābhir abhituṣṭuvur īśvaram
mit Worten, mit Händekranz-Gruß, priesen sie den Herrn (Instr.Pl./3.Pl.Perf.)
namaḥ śaṃkara deveśa namaḥ sarvajagadguro
Verehrung, Śaṃkara, Götterherr, Verehrung, Lehrer der ganzen Welt (Vok.)
namo devādidevāya namaḥ śaśikalādhara
Verehrung dem Urgott der Götter, Verehrung, Träger der Mondsichel (Dat./Vok.)
namo ghoratarād ghora namo rudra bhayaṃkara
Verehrung, Furchtbarer, furchtbarer als das Furchtbare; Verehrung, Rudra, Schrecken bringender (Abl./Vok.)
namaḥ śāntatarāc chānta namaś candrasya pālaka
Verehrung, Friedvoller, friedvoller als das Friedvolle; Verehrung, Hüter des Mondes (Abl./Vok./Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Passage über Soma bezieht sich auf die Bestrafung Somas beim Opfer Dakṣas; sāmapūrvam: „mit Sāman-Gesang voran“ bzw. „in Güte zuerst“ [?].

namaḥ somāya devāya namas tubhyaṃ caturmukha; namo bhūtapate śaṃbho jahnukanyāmbuśekhara; namas triśūlahastāya pannagābharaṇāya ca; namo 'stu viṣamākṣāya dakṣayajñapradāhaka; namo 'stu bahunetrāya lokarakṣaṇatatpara; aho devasya māhātmyaṃ mahādevasya vai kṛpā; evaṃ dharmaparatvaṃ ca devadevasya cārhati; evaṃ bruvatsu muniṣu vaco devy abravīd dharam; prītyarthaṃ ca munīnāṃ sā kṣaṇajñā paramaṃ hitam; bhagavan devadeveśa sarvalokanamaskṛta; asya vai ṛṣisaṃghasya mama ca priyakāmyayā; varṇāśramagataṃ dharmaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ; na tṛptir asti deveśa śravaṇīyaṃ hi te vacaḥ; sadharmacāriṇī ceyaṃ bhaktā ceyam iti prabho; vaktum arhasi deveśa lokānāṃ hitakāmyayā

Verehrung Soma, dem Gott; Verehrung dir, Vierantlitziger; Verehrung dem Herrn der Geister, Śaṃbhu, dem Träger der Tochter Jahnus [Gaṅgā] als Haarschmuck; Verehrung dem Speerhändigen und dem mit Schlangen Geschmückten; Verehrung dem mit ungerader [Zahl der] Augen, dem Zerstörer von Dakṣas Opfer; Verehrung dem Vielaugigen, der auf den Schutz der Welt bedacht ist! Ach, die Größe des Gottes, ach, die Gnade Mahādevas! So gebührt sich Rechtschaffenheit für den Gott der Götter.“ Als die Weisen so sprachen, sagte die Göttin zu Hara – aus Zuneigung zu den Weisen, die den rechten Augenblick erkennend, das Höchste zum Wohl [wollte]: „Herr, Gott der Götter, von allen Welten verehrt: Aus dem Wunsch, dieser Weisenschar und mir Freude zu machen, sollst du die auf Stände und Lebensstufen bezogene Rechtsordnung vollständig darlegen. Es gibt keine Sättigung, Herr der Götter, [denn] deine Rede ist des Hörens wert. Diese ist dir Gefährtin im Recht und ergeben, diese – [darum], Herr, sollst du zum Wohl der Welten sprechen.“

Wort für Wort
namaḥ somāya devāya namas tubhyaṃ caturmukha
Verehrung dem Gott Soma, Verehrung dir, Vierantlitziger (Dat./Vok.)
namo bhūtapate śaṃbho jahnukanyāmbuśekhara
Verehrung, Herr der Geister, Śaṃbhu, Wasser der Jahnu-Tochter als Kopfschmuck Tragender (Vok.)
namas triśūlahastāya pannagābharaṇāya ca
Verehrung dem Dreizackhändigen und dem mit Schlangen Geschmückten (Dat.)
namo 'stu viṣamākṣāya dakṣayajñapradāhaka
Verehrung sei dem mit ungeraden Augen, Verbrenner von Dakṣas Opfer (Dat./Vok.)
namo 'stu bahunetrāya lokarakṣaṇatatpara
Verehrung dem Vielaugigen, auf Weltschutz Bedachten (Dat./Vok.)
aho devasya māhātmyaṃ mahādevasya vai kṛpā
ach, des Gottes Größe, des Mahādeva Gnade (Nom.)
evaṃ bruvatsu muniṣu vaco devy abravīd dharam
als die Weisen so sprachen, sagte die Göttin ein Wort zu Hara (Lok.abs./3.Sg.Impf./Akk.)
bhagavan devadeveśa sarvalokanamaskṛta
Herr, Gott der Götter, von allen Welten verehrt (Vok.)
asya vai ṛṣisaṃghasya mama ca priyakāmyayā
dieser Weisenschar und mir aus Wunsch, Liebes zu tun (Gen./Instr.)
varṇāśramagataṃ dharmaṃ vaktum arhasy aśeṣataḥ
die auf Stände und Lebensstufen bezogene Rechtsordnung zu sagen sollst du ganz (Akk./Inf./2.Sg./Adv.)
na tṛptir asti deveśa śravaṇīyaṃ hi te vacaḥ
keine Sättigung gibt es, Götterherr, denn hörenswert ist deine Rede (Nom./Vok./Nom.n.)
sadharmacāriṇī ceyaṃ bhaktā ceyam iti prabho
diese ist Mitgefährtin im Recht und diese ergeben, Herr (Nom.f./Vok.)
vaktum arhasi deveśa lokānāṃ hitakāmyayā
sprechen sollst du, Götterherr, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten (Inf./2.Sg./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Schluss (sadharmacāriṇī … vaktum arhasi) ist Rede der Umā; „aho devasya māhātmyam … cārhati“ Ausruf der Weisen; evaṃ dharmaparatvaṃ ca … cārhati ist syntaktisch knapp [?].

maheśvaraḥ; yāthātathyena tat sarvaṃ vaktum arhasi śaṃkara; hanta te kathayiṣyāmi yat te devi manaḥpriyam; śṛṇu tat sarvam akhilaṃ dharmaṃ varṇāśramāśritam; brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś ceti caturvidhāḥ; brahmaṇā vihitāḥ pūrvaṃ lokatantram abhīpsatā; karmāṇi ca tadarhāṇi śāstreṣu vihitāni vai; yadi cedekavarṇaṃ syāj jagat sarvaṃ vinaśyati; sahaiva devair varṇāni catvāri vihitāny uta; mukhato brāhmaṇāḥ sṛṣṭās tasmāt te vāgviśāradāḥ; bāhubhyāṃ kṣatriyāḥ sṛṣṭās tasmād bāhubalānvitāḥ; udarād udgatā vaiśyās tasmād vārtopajīvinaḥ; śūdrāś ca pādataḥ sṛṣṭās tasmāt te paricārakāḥ; teṣāṃ dharmāṃś ca karmāṇi śṛṇu devi samāhitā; viprāḥ kṛtā bhūmidevā lokānāṃ dhāraṇe kṛtāḥ

Maheśvara [sprach]: „Śaṃkara, du sollst mir alles der Wahrheit gemäß sagen.“ – „Wohlan, ich will dir sagen, was dir, Göttin, am Herzen liegt; höre all das vollständig: die Rechtsordnung, die sich auf Stände und Lebensstufen stützt. Brāhmaṇas, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras – so vierfach sind sie; sie wurden vor Zeiten von Brahmā geschaffen, der den Bestand der Welt wünschte. Und die dazu passenden Tätigkeiten sind in den Lehrbüchern festgelegt. Wenn nur ein Stand wäre, ginge die ganze Welt zugrunde. Zugleich mit den Göttern wurden vier Stände bestimmt. Aus dem Mund wurden die Brāhmaṇas geschaffen, daher sind sie der Rede kundig; aus den Armen die Kṣatriyas, daher sind sie mit Armeskraft begabt; aus dem Bauch gingen die Vaiśyas hervor, daher leben sie vom Erwerb; und die Śūdras wurden aus dem Fuß geschaffen, daher sind sie Diener. Höre, Göttin, aufmerksam ihre Pflichten und Tätigkeiten. Die Brāhmaṇas wurden als Erdgötter geschaffen, zum Tragen der Welten geschaffen.

Wort für Wort
yāthātathyena tat sarvaṃ vaktum arhasi śaṃkara
der Wahrheit gemäß dies alles zu sagen sollst du, Śaṃkara (Instr./Inf./Vok.)
hanta te kathayiṣyāmi yat te devi manaḥpriyam
wohlan, ich sage dir, was dir, Göttin, herzlieb ist (1.Sg.Fut./Nom.n.)
śṛṇu tat sarvam akhilaṃ dharmaṃ varṇāśramāśritam
höre dies alles vollständig: die auf Stände und Lebensstufen gestützte Rechtsordnung (Imp./Akk.)
brāhmaṇāḥ kṣatriyā vaiśyāḥ śūdrāś ceti caturvidhāḥ
Brāhmaṇas, Kṣatriyas, Vaiśyas und Śūdras, so vierfach (Nom.Pl.)
brahmaṇā vihitāḥ pūrvaṃ lokatantram abhīpsatā
von Brahmā zuvor bestimmt, der den Weltbestand wünschte (Part.Pass./Instr.Part.)
yadi cedekavarṇaṃ syāj jagat sarvaṃ vinaśyati
wenn die Welt nur einen Stand hätte, ginge alles zugrunde (Opt./3.Sg.Präs.)
mukhato brāhmaṇāḥ sṛṣṭās tasmāt te vāgviśāradāḥ
aus dem Mund die Brāhmaṇas geschaffen, daher sind sie der Rede kundig (Abl.Adv./Part.Pass./Nom.Pl.)
bāhubhyāṃ kṣatriyāḥ sṛṣṭās tasmād bāhubalānvitāḥ
aus den Armen Kṣatriyas geschaffen, daher mit Armeskraft begabt (Abl.Du./Nom.Pl.)
udarād udgatā vaiśyās tasmād vārtopajīvinaḥ
aus dem Bauch hervorgegangen die Vaiśyas, daher vom Erwerb lebend (Abl./Part.Pass./Nom.Pl.)
śūdrāś ca pādataḥ sṛṣṭās tasmāt te paricārakāḥ
und die Śūdras aus dem Fuß geschaffen, daher sind sie Diener (Nom.Pl.)
teṣāṃ dharmāṃś ca karmāṇi śṛṇu devi samāhitā
deren Pflichten und Tätigkeiten höre, Göttin, aufmerksam (Akk.Pl./Imp./Vok.)
viprāḥ kṛtā bhūmidevā lokānāṃ dhāraṇe kṛtāḥ
die Vipras wurden zu Erdgöttern gemacht, zum Tragen der Welten gemacht (Part.Pass.Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die erste Zeile (maheśvaraḥ; yāthātathyena … śaṃkara) steht in der Überlieferung wie wiedergegeben, mit vertauschten Sprecherrollen.

te kaiś cin nāvamantavyā brāhmaṇā hitam icchubhiḥ; yadi te brāhmaṇā na syur dānayogavahāḥ sadā; ubhayor lokayor devi sthitir na syāt samāsataḥ; lokeṣu durlabhaṃ kiṃ tu brāhmaṇatvam iti smṛtam; abudho vā daridro vā pūjanīyaḥ sadaiva saḥ; brāhmaṇaṃ yo 'vamanyeta nindayet krośayec ca vā; prahareta hared vāpi dhanaṃ teṣāṃ narādhamaḥ; kārayed dhīnakarmāṇi kāmalobhavimohanāt; sa ca mām avamanyeta māṃ krośati ca nindati; mām eva praharen mūḍho maddhanasyāpahārakaḥ; mamaiva prekṣaṇaṃ kṛtvā nandate mūḍhacetanaḥ; svādhyāyo yajanaṃ dānaṃ tasya dharma iti sthitiḥ; karmāṇy adhyāpanaṃ caiva yājanaṃ ca pratigrahaḥ; satyaṃ śāntis tapaḥ śaucaṃ tasya dharmaḥ sanātanaḥ

Von niemandem sollen die Brāhmaṇas missachtet werden, der das eigene Wohl wünscht. Wenn die Brāhmaṇas nicht da wären, die stets Gaben und Opfer tragen, gäbe es, Göttin, in beiden Welten kurz gesagt keinen Bestand. Schwer zu erlangen in den Welten ist das Brāhmaṇa-Sein, so heißt es. Ob unwissend oder arm, er ist stets zu verehren. Wer einen Brāhmaṇa missachtet, schmäht oder anschreit oder schlägt oder ihm den Besitz raubt, ist der niedrigste der Menschen. Wer niedrige Tätigkeiten [von ihm] aus Begierde, Habgier oder Verblendung verrichten lässt, der missachtet mich; er schreit mich an und schmäht mich; der Törichte schlägt eben mich und raubt mein Vermögen; der Verblendete freut sich, wenn er mich [so] ansieht. Studium, Opfer und Gabe sind seine Pflicht – so steht es fest. Seine Tätigkeiten sind: Lehren, Opferleiten und Annehmen von Gaben; Wahrheit, Friede, Askese, Reinheit – seine ewige Pflicht.

Wort für Wort
te kaiś cin nāvamantavyā brāhmaṇā hitam icchubhiḥ
von niemandem sind diese Brāhmaṇas zu missachten, von Heilwünschenden (Gerundiv/Instr.Pl.)
yadi te brāhmaṇā na syur dānayogavahāḥ sadā
wenn diese Brāhmaṇas nicht wären, stets Gaben- und Opferträger (Opt./Nom.Pl.)
ubhayor lokayor devi sthitir na syāt samāsataḥ
in beiden Welten, Göttin, wäre kein Bestand, kurz gesagt (Lok.Du./Opt./Adv.)
lokeṣu durlabhaṃ kiṃ tu brāhmaṇatvam iti smṛtam
in den Welten schwer zu erlangen aber ist Brāhmaṇa-Sein, so überliefert (Nom.n./Part.Pass.)
abudho vā daridro vā pūjanīyaḥ sadaiva saḥ
ob unwissend oder arm, zu ehren ist er stets (Nom.m./Gerundiv)
brāhmaṇaṃ yo 'vamanyeta nindayet krośayec ca vā
wer einen Brāhmaṇa missachtet, schmäht oder anschreit (Opt.Med./Opt.Kaus.)
prahareta hared vāpi dhanaṃ teṣāṃ narādhamaḥ
oder schlägt oder deren Vermögen raubt, der niedrigste Mensch (Opt./Nom.)
kārayed dhīnakarmāṇi kāmalobhavimohanāt
wer niedrige Tätigkeiten verrichten lässt aus Begierde, Habgier, Verblendung (Opt.Kaus./Abl.)
sa ca mām avamanyeta māṃ krośati ca nindati
der missachtet auch mich, er schreit mich an und schmäht mich (Opt./3.Sg.Präs.)
mām eva praharen mūḍho maddhanasyāpahārakaḥ
mich schlägt der Törichte, der Räuber meines Vermögens (Opt./Nom.)
svādhyāyo yajanaṃ dānaṃ tasya dharma iti sthitiḥ
Studium, Opfer, Gabe ist seine Pflicht, so ist die Regel (Nom./Nom.)
karmāṇy adhyāpanaṃ caiva yājanaṃ ca pratigrahaḥ
Tätigkeiten: Lehren, Opferleiten, Annehmen von Gaben (Nom.)
satyaṃ śāntis tapaḥ śaucaṃ tasya dharmaḥ sanātanaḥ
Wahrheit, Friede, Askese, Reinheit: seine ewige Pflicht (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). mamaiva prekṣaṇaṃ kṛtvā nandate mūḍhacetanaḥ: wörtlich „indem er mich zum Gegenstand des Ansehens macht [?]“.

vikrayo rasadhānyānāṃ brāhmaṇasya vigarhitaḥ; anāpadi ca śūdrānnaṃ vṛṣalīsaṃgrahas tathā; tapa eva sadā dharmo brāhmaṇasya na saṃśayaḥ; sa tu dharmārtham utpannaḥ pūrvaṃ dhātrā tapobalāt; tasyopanayanaṃ dharmo nityaṃ codakadhāraṇam; rahasyaśravaṇaṃ dharmo vedavrataniṣevaṇam; agnikāryaṃ paro dharmo nityaṃ yajñopavītitā; śūdrānnavarjanaṃ dharmo dharmaḥ satpathasevanam; dharmo nityopavāsitvaṃ brahmacaryaṃ paraṃ tathā; amṛtāśyaṃ paraṃ dharmo gṛhapuṣpabalis tathā; gṛhasaṃmārjanaṃ dharma ālepanavidhis tathā; atithivratatā dharmo dharmas tretāgnidhāraṇam; iṣṭayaḥ paśubandhāś ca vidhipūrvaṃ paraṃ tapaḥ; daṃpatyoḥ samaśīlatvaṃ dharmo vai gṛhamedhinām

Der Verkauf von Säften und Getreide ist für den Brāhmaṇa getadelt, ebenso, außer in Not, Speise von Śūdras und das Halten einer Śūdra-Frau. Askese allein ist stets die Pflicht des Brāhmaṇa, ohne Zweifel. Er aber wurde zum Zweck des Rechts vor Zeiten vom Schöpfer aus der Kraft der Askese geboren. Seine Pflicht ist die Einführung [in die Veden] und stets das Tragen des Wassergefäßes, das Hören des Geheimlehre, die Beobachtung der Vedagelübde; das Feueropfer ist die höchste Pflicht, stets das Tragen der Opferschnur; das Meiden von Śūdra-Speise ist Pflicht, Pflicht das Gehen auf dem guten Pfad; Pflicht ist beständiges Fasten, dazu höchste Keuschheit; das Essen von Unsterblichkeitsspeise [Opferreste?] ist höchste Pflicht, ebenso die Blumen- und Speiseopfer im Haus; das Fegen des Hauses ist Pflicht und die Vorschrift des Bestreichens; die Gastgelübde-Übung ist Pflicht, Pflicht das Halten der drei Feuer; Opfer und Tieropfer nach der Vorschrift sind höchste Askese; Wesensgleichheit der Gatten ist die Pflicht der Hausväter.

Wort für Wort
vikrayo rasadhānyānāṃ brāhmaṇasya vigarhitaḥ
Verkauf von Säften und Getreide ist für den Brāhmaṇa getadelt (Nom./Gen.Pl./Part.Pass.)
anāpadi ca śūdrānnaṃ vṛṣalīsaṃgrahas tathā
und außerhalb der Not Śūdra-Speise, ebenso das Halten einer Śūdra-Frau (Lok./Nom.)
tapa eva sadā dharmo brāhmaṇasya na saṃśayaḥ
Askese allein ist stets die Pflicht des Brāhmaṇa, kein Zweifel (Nom./Gen.)
sa tu dharmārtham utpannaḥ pūrvaṃ dhātrā tapobalāt
er aber ist zum Zweck des Rechts zuvor vom Schöpfer aus Askesekraft hervorgebracht (Part.Pass./Instr./Abl.)
tasyopanayanaṃ dharmo nityaṃ codakadhāraṇam
seine Pflicht ist die Einführung und stets das Tragen des Wassergefäßes (Nom.)
rahasyaśravaṇaṃ dharmo vedavrataniṣevaṇam
Pflicht ist das Hören der Geheimlehre, die Ausübung der Vedagelübde (Nom.)
agnikāryaṃ paro dharmo nityaṃ yajñopavītitā
das Feuerwerk ist höchste Pflicht, stets das Tragen der Opferschnur (Nom.)
śūdrānnavarjanaṃ dharmo dharmaḥ satpathasevanam
Meiden von Śūdra-Speise ist Pflicht, Pflicht das Gehen des guten Pfades (Nom.)
dharmo nityopavāsitvaṃ brahmacaryaṃ paraṃ tathā
Pflicht ist dauerndes Fasten, ebenso höchste Keuschheit (Nom.)
amṛtāśyaṃ paraṃ dharmo gṛhapuṣpabalis tathā
Amṛta-Genuss ist höchste Pflicht, ebenso Blumen- und Speiseopfer im Haus (Nom.)
gṛhasaṃmārjanaṃ dharma ālepanavidhis tathā
Hausfegen ist Pflicht, ebenso die Vorschrift des Bestreichens (Nom.)
atithivratatā dharmo dharmas tretāgnidhāraṇam
Gastgelübde ist Pflicht, Pflicht das Halten der drei Feuer (Nom.)
iṣṭayaḥ paśubandhāś ca vidhipūrvaṃ paraṃ tapaḥ
Opfer und Tieropfer, nach Vorschrift, sind höchste Askese (Nom.Pl.)
daṃpatyoḥ samaśīlatvaṃ dharmo vai gṛhamedhinām
gleiche Wesensart der Gatten ist die Pflicht der Hausväter (Gen.Du./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). amṛtāśyam: Bedeutung unsicher („Essen von Amṛta-Speise“, d. h. Opferrest?) [?]. vṛṣalīsaṃgraha: Umgang mit/Halten einer Śūdra-Frau.

eṣa dvijanmano dharmo gārhasthye dharmadhāraṇam; yas tu kṣatragato dharmas tvayā devi pracoditaḥ; tam ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; kṣatriyās tu tathā devi prajānāṃ pālane smṛtāḥ; yadi na kṣatriyo loke jagat syād adharottaram; rakṣaṇāt kṣatriyair eva jagad bhavati śāśvatam; tasyāpy adhyayanaṃ dānaṃ yajanaṃ dharmataḥ smṛtam; bhītānāṃ rakṣaṇaṃ caiva pāpānām anuśāsanam; satāṃ saṃpoṣaṇaṃ caiva karaṣaḍbhāgajīvanam; utsāhaḥ śastrajīvitvaṃ tasya dharmāḥ sanātanāḥ; bhṛtyānāṃ bharaṇaṃ dharmaḥ kṛte karmaṇy amoghatā; samyag raṇadhṛto dharmo dharmaḥ paurahitakriyā; vyavahārasthitir nityaṃ guṇam etan mahīpateḥ; ārtahastaprado rājā dharmaṃ prāpnoty anuttamam

Dies ist die Pflicht des Zweimalgeborenen, das Tragen des Rechts im Hausstand. Die Pflicht aber, die dem Kṣatriya zukommt und die du, Göttin, erfragt hast, will ich dir sagen; höre, Göttin, aufmerksam. Die Kṣatriyas sind zum Schutz der Geschöpfe da, so überliefert. Wenn es in der Welt keinen Kṣatriya gäbe, würde die Welt immer tiefer ins Unrecht sinken. Erst durch den Schutz der Kṣatriyas besteht die Welt ewig. Auch seine Pflicht sind Studium, Gabe und Opfer, Schutz der Bedrohten, Züchtigung der Sünder, Ernährung der Guten, Lebensunterhalt vom Sechstel-Abgaben, Tatkraft und Leben von Waffen. Die ewigen Pflichten sind: Erhalt der Diener, dass getane Werke nicht vergeblich sind, tapferer Einsatz im Kampf, Pflicht das Wirken für das Wohl der Stadt; beständiger Bestand im Rechtsverfahren ist eine Tugend des Herrschers; der Herrscher, der den Notleidenden die Hand reicht, erlangt die höchste Rechtsverdienst.

Wort für Wort
eṣa dvijanmano dharmo gārhasthye dharmadhāraṇam
dies ist des Zweimalgeborenen Pflicht: im Hausstand das Recht tragen (Nom./Gen./Lok.)
yas tu kṣatragato dharmas tvayā devi pracoditaḥ
die Pflicht aber, die zum Kṣatriya gehört, von dir, Göttin, erfragt (Part.Pass./Instr./Vok.)
tam ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
die will ich dir sagen, höre, Göttin, gesammelt (1.Sg.Fut./Imp.)
kṣatriyās tu tathā devi prajānāṃ pālane smṛtāḥ
die Kṣatriyas aber ebenso, Göttin, zum Schutz der Geschöpfe überliefert (Nom.Pl./Lok./Part.Pass.)
yadi na kṣatriyo loke jagat syād adharottaram
wenn kein Kṣatriya in der Welt wäre, wäre die Welt dem Unrecht zugeneigter (Opt./Adj.n.)
rakṣaṇāt kṣatriyair eva jagad bhavati śāśvatam
durch den Schutz eben der Kṣatriyas wird die Welt dauerhaft (Abl./Instr.Pl./3.Sg.Präs.)
tasyāpy adhyayanaṃ dānaṃ yajanaṃ dharmataḥ smṛtam
auch seine: Studium, Gabe, Opfer sind rechtens überliefert (Nom.n./Abl.Adv.)
bhītānāṃ rakṣaṇaṃ caiva pāpānām anuśāsanam
Schutz der Bedrohten und Züchtigung der Sünder (Gen.Pl./Nom.)
satāṃ saṃpoṣaṇaṃ caiva karaṣaḍbhāgajīvanam
Ernährung der Guten und Leben von der Sechstel-Abgabe (Gen.Pl./Nom.)
utsāhaḥ śastrajīvitvaṃ tasya dharmāḥ sanātanāḥ
Tatkraft, Leben von den Waffen: seine ewigen Pflichten (Nom.Pl.)
bhṛtyānāṃ bharaṇaṃ dharmaḥ kṛte karmaṇy amoghatā
Erhalt der Diener ist Pflicht, Nichtvergeblichkeit im getanen Werk (Gen.Pl./Lok.)
samyag raṇadhṛto dharmo dharmaḥ paurahitakriyā
im Kampf Standhalten ist Pflicht, Pflicht das Wirken für das Wohl der Bürger (Part.Pass./Nom.)
vyavahārasthitir nityaṃ guṇam etan mahīpateḥ
Bestand im Rechtsverfahren ist stets Tugend des Herrschers (Nom.f./Nom.n./Gen.)
ārtahastaprado rājā dharmaṃ prāpnoty anuttamam
der König, der dem Notleidenden die Hand reicht, erlangt höchstes Recht (Nom.Sg.m./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). aya raṇadhṛto: „im Kampf bewährt“ [?]; karaṣaḍbhāga: Abgabe eines Sechstels.

evaṃ te vihitāḥ pūrvair dharmāḥ karmavidhānataḥ; tathaiva devi vaiśyāś ca lokayātrāhitāḥ smṛtāḥ; anye tān upajīvanti pratyakṣaphaladā hi te; yadi na syus tathā vaiśyā na bhaveyus tathā pare; teṣām adhyayanaṃ dānaṃ yajanaṃ dharma iṣyate; vaiśyasya satataṃ dharmaḥ pāśupālyaṃ kṛṣis tathā; agnihotraparispandās trayo varṇā dvijātayaḥ; vāṇijyaṃ satpathe sthānam ātitheyaṃ sadā bhavet; viprāṇāṃ svāgataṃ nyāyo vaiśyadharmaḥ sanātanaḥ; tilagandharasāś caiva na vikreyāḥ kathaṃ cana; vaṇikpatham upāsadbhir vaiśyair vaiśyapathi sthitaiḥ; sarvātithyaṃ trivargasya yathāśakti divāniśam; evaṃ te vihitā devi lokayātrā svayaṃbhuvā; tathaiva śūdrā vihitāḥ sarvadharmaprasādhakāḥ

So sind dir die Pflichten von den Früheren gemäß den Tätigkeitsvorschriften festgesetzt. Ebenso, Göttin, gelten die Vaiśyas als dem Weltlauf dienlich; andere leben von ihnen, denn sie geben unmittelbar sichtbare Frucht. Wenn es die Vaiśyas nicht gäbe, gäbe es auch die anderen nicht. Für sie gelten Studium, Gabe und Opfer als Pflicht. Die stete Pflicht des Vaiśya ist Viehzucht und Ackerbau. Durch das Bewegen des Feueropfers sind die drei Stände die Zweimalgeborenen. Handel, Stehen auf gutem Pfad, Gastlichkeit soll stets sein; das Willkommenheißen der Vipras ist rechtens, die ewige Pflicht des Vaiśya. Sesam, Düfte und Säfte dürfen nie verkauft werden. Von den Vaiśyas, die auf dem Kaufmannspfad verweilen und auf dem Vaiśya-Pfad stehen, [ist] den drei Lebenszielen nach Kräften Tag und Nacht Gastfreundschaft gegenüber allen [zu üben]. So ist dir, Göttin, der Lebenswandel vom Selbstentstandenen bestimmt; ebenso sind die Śūdras bestimmt, die alle Pflichten vollenden helfen.

Wort für Wort
evaṃ te vihitāḥ pūrvair dharmāḥ karmavidhānataḥ
so sind dir von den Früheren die Pflichten nach Tätigkeitsvorschrift bestimmt (Part.Pass./Instr.Pl.)
tathaiva devi vaiśyāś ca lokayātrāhitāḥ smṛtāḥ
ebenso, Göttin, die Vaiśyas dem Weltlauf dienlich überliefert (Nom.Pl./Part.Pass.)
anye tān upajīvanti pratyakṣaphaladā hi te
andere leben von ihnen, denn sie geben sichtbare Frucht (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
yadi na syus tathā vaiśyā na bhaveyus tathā pare
wenn die Vaiśyas nicht wären, wären auch die anderen nicht (Opt.)
teṣām adhyayanaṃ dānaṃ yajanaṃ dharma iṣyate
für sie gilt Studium, Gabe, Opfer als Pflicht (Nom.Pass.)
vaiśyasya satataṃ dharmaḥ pāśupālyaṃ kṛṣis tathā
des Vaiśya stete Pflicht: Viehhüten und Ackerbau (Gen./Nom.)
agnihotraparispandās trayo varṇā dvijātayaḥ
durch Bewegen des Feueropfers die drei Stände als Zweimalgeborene (Nom.Pl.)
vāṇijyaṃ satpathe sthānam ātitheyaṃ sadā bhavet
Handel, Stehen auf gutem Pfad, Gastlichkeit soll stets sein (Opt.3.Sg.)
viprāṇāṃ svāgataṃ nyāyo vaiśyadharmaḥ sanātanaḥ
der Vipras Willkomm ist rechtens, die ewige Pflicht des Vaiśya (Gen.Pl./Nom.)
tilagandharasāś caiva na vikreyāḥ kathaṃ cana
Sesam, Düfte und Säfte dürfen keinesfalls verkauft werden (Nom.Pl./Gerundiv)
vaṇikpatham upāsadbhir vaiśyair vaiśyapathi sthitaiḥ
von den Vaiśyas, die den Kaufmannspfad pflegen, auf dem Vaiśya-Pfad stehen (Instr.Pl.)
sarvātithyaṃ trivargasya yathāśakti divāniśam
Gastfreundschaft gegenüber allen im Rahmen der drei Ziele, nach Kräften Tag und Nacht (Nom./Gen./Adv.)
evaṃ te vihitā devi lokayātrā svayaṃbhuvā
so ist dir, Göttin, der Weltlauf vom Selbstentstandenen bestimmt (Part.Pass.f./Instr.)
tathaiva śūdrā vihitāḥ sarvadharmaprasādhakāḥ
ebenso die Śūdras bestimmt, alle Pflichten vollendend (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeilen vāṇijyaṃ … ātitheyaṃ und sarvātithyaṃ trivargasya sind knapp und in der Konstruktion unsicher [?].

śūdrāś ca yadi te na syuḥ karmakartā na vidyate; trayaḥ pūrve śūdramūlās tasmāt karmakarāḥ smṛtāḥ; brāhmaṇādiṣu śuśrūṣā dāsadharma iti smṛtaḥ; vārtā ca kārukarmāṇi śilpaṃ nāṭyaṃ tathaiva ca; ahiṃsakaḥ śubhācāro daivatadvijavandakaḥ; śūdro dharmaphalair iṣṭaiḥ svadharmeṇopayujyate; evamādi tathānyac ca śūdrakarma iti smṛtam; te 'py evaṃ vihitā loke karmayogāḥ śubhānane; evaṃ caturṇāṃ varṇānāṃ puṇyalokāḥ paratra ca; vihitāś ca tathā dṛṣṭā yathāvad dharmacāriṇām; eṣa varṇāśrayo dharmaḥ karma caiva tadarpaṇam; umā; kathitaṃ śrotukāmāyāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa namas te vṛṣabhadhvaja; maheśvaraḥ; śrotum icchāmy ahaṃ deva dharmam āśramiṇāṃ vibho

Wenn es keine Śūdras gäbe, gäbe es keinen Täter der Werke; die drei früheren [Stände] haben in den Śūdras ihre Wurzel, daher heißen sie Werktätige. Dienst an Brāhmaṇas und den übrigen gilt als Sklavenpflicht; ferner Erwerb, Handwerksarbeiten, Kunstfertigkeit und Schauspiel. Gewaltlos, von gutem Wandel, Götter und Zweimalgeborene verehrend, wird der Śūdra durch die Früchte seiner eigenen Pflicht des Erwünschten teilhaftig. Dies und Ähnliches gilt als Śūdra-Tätigkeit. Auch diese sind so in der Welt als Tätigkeitsordnung bestimmt, Schönantlitzige. So werden den vier Ständen heilige Welten im Jenseits zugewiesen; und es wurde gesehen, wie sie für die Rechtschaffenen bestimmt sind. Dies ist das Recht, das sich auf die Stände stützt, und das Übergeben der Werke [an die Gottheit]. Umā [sprach]: „Es ist gesagt; was willst du noch hören?“ – „Herr, Gott der Götter, Verehrung dir, Stierbanner!“ Maheśvara [sprach]: „Ich möchte, Gott, das Recht der Lebensstufen hören, Herr.“

Wort für Wort
śūdrāś ca yadi te na syuḥ karmakartā na vidyate
wenn diese Śūdras nicht wären, gäbe es keinen Werktäter (Opt./3.Sg.Pass.)
trayaḥ pūrve śūdramūlās tasmāt karmakarāḥ smṛtāḥ
die drei früheren haben in den Śūdras ihre Wurzel, daher gelten sie als Werktätige (Nom.Pl.)
brāhmaṇādiṣu śuśrūṣā dāsadharma iti smṛtam
Dienst gegenüber Brāhmaṇas und den übrigen gilt als Sklavenpflicht (Lok.Pl./Nom.)
vārtā ca kārukarmāṇi śilpaṃ nāṭyaṃ tathaiva ca
Erwerb, Handwerksarbeit, Kunstfertigkeit und Schauspiel (Nom.)
ahiṃsakaḥ śubhācāro daivatadvijavandakaḥ
gewaltlos, von gutem Wandel, Götter und Zweimalgeborene begrüßend (Nom.Sg.m.)
śūdro dharmaphalair iṣṭaiḥ svadharmeṇopayujyate
der Śūdra wird mit den erwünschten Früchten des Rechts durch seine eigene Pflicht bedacht (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
evamādi tathānyac ca śūdrakarma iti smṛtam
dies und anderes gilt als Śūdra-Tätigkeit (Nom.n.)
te 'py evaṃ vihitā loke karmayogāḥ śubhānane
auch diese so in der Welt bestimmten Tätigkeitsordnungen, Schönantlitzige (Nom.Pl./Vok.)
evaṃ caturṇāṃ varṇānāṃ puṇyalokāḥ paratra ca
so für die vier Stände heilige Welten im Jenseits (Gen.Pl./Nom.Pl.)
vihitāś ca tathā dṛṣṭā yathāvad dharmacāriṇām
bestimmt und so gesehen, wie es sich gebührt, für die Rechtschaffenen (Part.Pass.f.Pl./Gen.Pl.)
eṣa varṇāśrayo dharmaḥ karma caiva tadarpaṇam
dies ist das auf die Stände gestützte Recht und die Übergabe der Werke daran (Nom.)
umā kathitaṃ śrotukāmāyāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: gesagt ist es der Hörwilligen; was willst du noch hören (Part.Pass./Dat.f./2.Sg.)
śrotum icchāmy ahaṃ deva dharmam āśramiṇāṃ vibho
hören will ich, Gott, das Recht der Lebensstufen-Angehörigen, Herr (Inf./Akk./Gen.Pl./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben am Ende sind wie überliefert; dass die erste Rede von Umā stammt und Śiva antworten müsste, ist offenbar vertauscht [?].

athāśramagataṃ dharmaṃ śṛṇu devi samāhitā; āśramāṇāṃ tu yo dharmaḥ kriyate brahmavādibhiḥ; gṛhasthaḥ pravaras teṣāṃ gārhasthyavratam āśritaḥ; pañcayajñakriyā śaucaṃ dāratuṣṭir atandritā; ṛtukālābhigamanaṃ dānayajñatapāṃsi ca; avipravāsas tasyeṣṭaṃ svādhyāyaś cāgnipūjanam; atithīnām ābhimukhyaṃ śaktyā ceṣṭanimantraṇam; anugrahaś ca sarveṣāṃ manovākkāyakarmabhiḥ; evamādi śubhaṃ cānyat kuryāt tadvṛttavān gṛhī; evaṃ saṃcaratas tasya puṇyalokā na saṃśayaḥ; tathaiva vānaprasthasya dharmāḥ proktāḥ sanātanāḥ; gṛhavāsaṃ samutsṛjya niścityaikamanāḥ śubhaiḥ; vanyair eva sadāhārair vartayed iti ca sthitiḥ; bhūmiśayyā jaṭāḥ śmaśrucarmavalkaladhāraṇam; devatātithisatkāro mahākṛcchrābhipūjanam

Nun höre, Göttin, aufmerksam das Recht, das sich auf die Lebensstufen bezieht. Das Recht der Lebensstufen, das von den Kennern des Brahman geübt wird: Der Hausvater ist der Vorzüglichste unter ihnen, der das Gelübde des Hausstands aufgenommen hat. Ausübung der fünf Opfer, Reinheit, Zufriedenheit mit der eigenen Frau, Unermüdlichkeit, Beiwohnung zur Zeit der Fruchtbarkeit, Gabe, Opfer und Askese; Nicht-Abwesendsein [von zu Hause] ist ihm erwünscht, Studium und Feuerverehrung, Entgegenkommen gegenüber Gästen, nach Kräften Einladung mit Erwünschtem; Wohltätigkeit gegenüber allen mit Gedanken, Worten und Taten; solches und anderes Gutes soll der Hausvater tun, der so lebt. Wer so wandelt, gelangt ohne Zweifel in heilige Welten. Ebenso werden die ewigen Pflichten des Waldeinsiedlers genannt: das Haus verlassend, entschlossen und einsinnig, soll er nur von Waldnahrung stets leben – so ist es festgesetzt; Schlafen auf der Erde, Filzhaar, Bart, das Tragen von Fell und Bastkleid, Verehrung von Göttern und Gästen, die Ausübung großer Bußübungen [mahākṛcchra].

Wort für Wort
athāśramagataṃ dharmaṃ śṛṇu devi samāhitā
nun das auf die Lebensstufen bezogene Recht, höre, Göttin, gesammelt (Akk./Imp.)
āśramāṇāṃ tu yo dharmaḥ kriyate brahmavādibhiḥ
das Recht der Lebensstufen, das von den Brahman-Kundigen geübt wird (Gen.Pl./Pass./Instr.Pl.)
gṛhasthaḥ pravaras teṣāṃ gārhasthyavratam āśritaḥ
der Hausvater ist unter ihnen der Vorzüglichste, das Hausstandsgelübde ergriffen (Nom./Part.Pass.)
pañcayajñakriyā śaucaṃ dāratuṣṭir atandritā
Ausübung der fünf Opfer, Reinheit, Zufriedenheit mit der Gattin, Unermüdlichkeit (Nom.)
ṛtukālābhigamanaṃ dānayajñatapāṃsi ca
Beiwohnung zur Zeit, Gabe, Opfer, Askese (Nom.)
avipravāsas tasyeṣṭaṃ svādhyāyaś cāgnipūjanam
Nichtabwesenheit ist ihm erwünscht, Studium und Feuerverehrung (Nom./Part.Pass.)
atithīnām ābhimukhyaṃ śaktyā ceṣṭanimantraṇam
Entgegenkommen gegenüber Gästen, nach Kräften Einladung mit Erwünschtem (Gen.Pl./Instr.)
anugrahaś ca sarveṣāṃ manovākkāyakarmabhiḥ
Wohltätigkeit gegenüber allen durch Gedanken, Rede, Körper und Tat (Nom./Instr.Pl.)
evamādi śubhaṃ cānyat kuryāt tadvṛttavān gṛhī
solches und anderes Gute soll tun der so lebende Hausvater (Opt.3.Sg./Nom.)
evaṃ saṃcaratas tasya puṇyalokā na saṃśayaḥ
so wandelnd hat er heilige Welten, ohne Zweifel (Gen.abs./Nom.Pl.)
tathaiva vānaprasthasya dharmāḥ proktāḥ sanātanāḥ
ebenso die ewigen Pflichten des Waldeinsiedlers genannt (Part.Pass.Nom.Pl.)
gṛhavāsaṃ samutsṛjya niścityaikamanāḥ śubhaiḥ
den Hausaufenthalt verlassend, entschlossen, einsinnig (Abs./Abs./Nom.)
vanyair eva sadāhārair vartayed iti ca sthitiḥ
nur von Waldkost als stetiger Nahrung soll er leben, so die Regel (Instr.Pl./Opt.)
bhūmiśayyā jaṭāḥ śmaśrucarmavalkaladhāraṇam
Erdlager, Filzhaar, Bart, Tragen von Fell und Bast (Nom.)
devatātithisatkāro mahākṛcchrābhipūjanam
Ehrung von Göttern und Gästen, Übung großer Bußübungen (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). In der Zeile ṛtukālābhigamanam ist „Beiwohnung zur rechten Zeit“ gemeint. gṛhavāsaṃ samutsṛjya niścityaikamanāḥ śubhaiḥ: der Satzbau ist knapp [?].

agnihotraṃ triṣavaṇaṃ nityaṃ tasya vidhīyate; brahmacaryaṃ kṣamā śaucaṃ tasya dharmāḥ sanātanāḥ; evaṃ sa vigate prāṇe devaloke mahīyate; yatidharmās tathā devi saṅgāṃs tyaktvā yatas tataḥ; ākiṃcanyam anārambhaḥ sarvataḥ śaucam ārjavam; sarvatra bhaikṣacaryā ca sarvatraiva vivāsanam; sadā dhyānaparatvaṃ ca doṣaśuddhiḥ kṣamā dayā; tattvānugatabuddhitvaṃ tasya dharmavidhir bhavet; brahmacārī ca yo devi janmaprabhṛti dīkṣitaḥ; brahmacaryaparo bhūtvā saṃśrayed gurum ātmanaḥ; sarvakāleṣu sarvatra gurupūjāṃ samācaret; bhaikṣacaryāgnikāryaṃ ca sadā jalaniṣevaṇam; svādhyāyaḥ satataṃ devi tasya dharmaḥ sanātanaḥ; tasya ceṣṭā tu gurvartham āprāṇāntam iti sthitiḥ

Das Feueropfer, dreimal täglich [mit Waschung?], wird ihm stets vorgeschrieben; Keuschheit, Nachsicht, Reinheit – seine ewigen Pflichten. So wird er, wenn das Leben entweicht, in der Götterwelt verehrt. Ebenso die Pflichten des Entsagenden, Göttin: Bindungen überall aufgebend, Besitzlosigkeit, Unternehmungslosigkeit, allseitige Reinheit, Aufrichtigkeit; überall Bettelgang, überall Wohnen [ohne Bindung], stete Hingabe an die Meditation, Reinigung von Fehlern, Nachsicht, Mitleid, ein auf die Wahrheit gerichteter Geist – das ist seine Rechtsvorschrift. Und der Brahmacārī, Göttin, der seit der Geburt geweiht ist: der Keuschheit ergeben, soll er sich einem Lehrer als seinem Lehrer anschließen. Zu allen Zeiten überall soll er dem Lehrer Verehrung erweisen, den Bettelgang, das Feuerwerk und stets das Bad im Wasser [üben]. Studium beständig, Göttin, ist seine ewige Pflicht; sein Bemühen gilt um des Lehrers willen bis zum Lebensende – so ist es festgesetzt.

Wort für Wort
agnihotraṃ triṣavaṇaṃ nityaṃ tasya vidhīyate
Agnihotra dreimal täglich wird ihm stets vorgeschrieben (Nom./Adv./3.Sg.Pass.)
brahmacaryaṃ kṣamā śaucaṃ tasya dharmāḥ sanātanāḥ
Keuschheit, Nachsicht, Reinheit: seine ewigen Pflichten (Nom.)
evaṃ sa vigate prāṇe devaloke mahīyate
so wird er, wenn das Leben entwichen ist, in der Götterwelt verehrt (Lok.abs./Lok./3.Sg.Pass.)
yatidharmās tathā devi saṅgāṃs tyaktvā yatas tataḥ
ebenso Pflichten des Entsagenden, Göttin, Bindungen aufgebend überall (Nom.Pl./Akk.Pl./Abs.)
ākiṃcanyam anārambhaḥ sarvataḥ śaucam ārjavam
Besitzlosigkeit, Unternehmungslosigkeit, allseits Reinheit, Aufrichtigkeit (Nom.)
sarvatra bhaikṣacaryā ca sarvatraiva vivāsanam
überall Bettelgang und überall [ungebundenes] Wohnen (Nom.)
sadā dhyānaparatvaṃ ca doṣaśuddhiḥ kṣamā dayā
stete Meditationshingabe, Fehlerreinigung, Nachsicht, Mitleid (Nom.)
tattvānugatabuddhitvaṃ tasya dharmavidhir bhavet
ein auf die Wahrheit gerichteter Geist – das sei seine Rechtsvorschrift (Nom./Opt.)
brahmacārī ca yo devi janmaprabhṛti dīkṣitaḥ
und der Brahmacārī, Göttin, der von Geburt an geweiht ist (Nom./Part.Pass.)
brahmacaryaparo bhūtvā saṃśrayed gurum ātmanaḥ
der Keuschheit ergeben, soll er sich seinem Lehrer anschließen (Abs./Opt./Akk.)
sarvakāleṣu sarvatra gurupūjāṃ samācaret
zu allen Zeiten, überall Lehrerverehrung üben (Lok.Pl./Opt.)
bhaikṣacaryāgnikāryaṃ ca sadā jalaniṣevaṇam
Bettelgang, Feuerwerk und stets Wasserbad (Nom.)
svādhyāyaḥ satataṃ devi tasya dharmaḥ sanātanaḥ
Studium beständig, Göttin, seine ewige Pflicht (Nom./Vok.)
tasya ceṣṭā tu gurvartham āprāṇāntam iti sthitiḥ
sein Bemühen um des Lehrers willen bis zum Lebensende, so die Regel (Nom.f./Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). triṣavaṇam: „dreimal täglich (Waschung/Soma-Pressung)“. sarvatraiva vivāsanam: „überall Wohnen/Entkleidetsein“ [?].

guror abhāve tatputre guruvad vṛttim ācaret; evaṃ so 'py amalāṃl lokān brāhmaṇaḥ pratipadyate; eṣa te kathito devi dharmaś cāśramavāsinām; cāturvarṇyāśrame yukto loka ity eva vidyate; umā; kathitaṃ te samāsena kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa tripurāntaka śaṃkara; ayaṃ tv ṛṣigaṇo deva tapas tepa iti prabho; tapasā karśitā nityaṃ taporjanaparāyaṇāḥ; asya kiṃlakṣaṇo dharmaḥ kīdṛśaś cāgamas tathā; etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me vada varaprada; nāradaḥ; evaṃ vadantyāṃ rudrāṇyām ṛṣayaḥ sādhu sādhv iti; abruvan hṛṣṭamanasaḥ sarve tadgatamānasāḥ; śṛṇvantīm ṛṣidharmāṃs tu ṛṣayaś cābhyapūjayan; tvatprasādād vayaṃ devi śroṣyāmaḥ paramaṃ hitam

Bei Abwesenheit des Lehrers soll er dessen Sohn wie den Lehrer behandeln. So gelangt auch der Brāhmaṇa in makellose Welten. Dies ist dir, Göttin, das Recht der in den Lebensstufen Weilenden gesagt. In der Lebensstufe, die mit den vier Ständen verbunden ist, wird [diese] Welt so gekannt. Umā [sprach]: „Kurz ist dir gesagt; was willst du noch hören? Herr, Gott der Götter, Vernichter der drei Städte, Śaṃkara: Diese Schar von Weisen, Gott, hat Askese geübt, Herr; durch Askese stets abgemagert, dem Streben nach Askese ergeben. Von welcher Art ist deren Recht und welche ihre Überlieferung? Das möchte ich hören; das sage mir, Gabenspender.“ Nārada [sprach]: Als Rudrāṇī so sprach, riefen die Weisen erfreut und ganz in ihre Gedanken versunken „gut, gut“. Als sie die Weisenpflichten hörend zuhörte, ehrten die Weisen [sie]: „Durch deine Gnade, Göttin, werden wir das höchste Heil hören.

Wort für Wort
guror abhāve tatputre guruvad vṛttim ācaret
bei Fehlen des Lehrers soll er zu dessen Sohn wie zum Lehrer sich verhalten (Lok./Opt.)
evaṃ so 'py amalāṃl lokān brāhmaṇaḥ pratipadyate
so erlangt auch der Brāhmaṇa makellose Welten (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
eṣa te kathito devi dharmaś cāśramavāsinām
dies ist dir gesagt, Göttin, das Recht der in den Lebensstufen Weilenden (Part.Pass./Gen.Pl.)
cāturvarṇyāśrame yukto loka ity eva vidyate
in der mit den vier Ständen verbundenen Lebensstufe: die Welt, so wird [sie] gekannt (Lok./Part.Pass./3.Sg.Pass.)
kathitaṃ te samāsena kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
kurz ist dir gesagt, was willst du noch hören (Part.Pass./Instr.)
bhagavan devadeveśa tripurāntaka śaṃkara
Herr, Götterherr, Städtevernichter, Śaṃkara (Vok.)
ayaṃ tv ṛṣigaṇo deva tapas tepa iti prabho
diese Weisenschar, Gott, übte Askese, Herr (Nom./3.Sg.Perf.)
tapasā karśitā nityaṃ taporjanaparāyaṇāḥ
durch Askese stets abgemagert, der Askese hingegeben (Part.Pass.Nom.Pl./Adj.)
asya kiṃlakṣaṇo dharmaḥ kīdṛśaś cāgamas tathā
dessen wodurch gekennzeichnet das Recht und wie die Überlieferung (Gen./Nom.)
etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me vada varaprada
das will ich hören, das sage mir, Gabenspender (Inf./Imp./Vok.)
evaṃ vadantyāṃ rudrāṇyām ṛṣayaḥ sādhu sādhv iti
als Rudrāṇī so sprach, die Weisen: gut, gut (Lok.abs.)
abruvan hṛṣṭamanasaḥ sarve tadgatamānasāḥ
sagten erfreuten Sinnes alle, in Gedanken bei ihr (3.Pl.Impf./Nom.Pl.)
śṛṇvantīm ṛṣidharmāṃs tu ṛṣayaś cābhyapūjayan
die die Weisenpflichten Hörende ehrten die Weisen (Part.Präs.Akk.f./3.Pl.Impf.)
tvatprasādād vayaṃ devi śroṣyāmaḥ paramaṃ hitam
durch deine Gnade werden wir, Göttin, das höchste Heil hören (Abl./1.Pl.Fut.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel wie überliefert. loka ity eva vidyate: „so wird die Welt gekannt“ [?].

dhanyāḥ khalu vayaṃ sarve pādamūlaṃ tavāśritāḥ; maheśvaraḥ; iti sarve tadā devīṃ vācā samabhipūjayan; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmā manasvini; hanta te kathayiṣyāmi munidharmaṃ śucismite; vānaprasthaṃ samāśritya kriyate bahudhā naraiḥ; bahuśākho bahuvidha ṛṣidharmaḥ sanātanaḥ; prāyaśaḥ svargabhogārtham ṛṣibhiḥ kriyate tapaḥ; tathā saṃcaratāṃ teṣāṃ devi dharmavidhiṃ śṛṇu; bhūtvā pūrvaṃ gṛhasthas tu putrānṛṇyam avāpya ca; kalatrakāryaṃ saṃsthāpya kāraṇāt saṃtyajed gṛham; avasthāpya mano dhṛtyā vyavasāyapuraḥsaraḥ; nirdvaṃdvo vā sadāro vā vanavāsāya saṃvrajet; deśāḥ paramapuṇyā ye nadīvanasamanvitāḥ; ābādhamuktāḥ prāyeṇa tīrthāyatanasaṃyutāḥ

Glücklich sind wir alle, die wir uns an deinen Fuß geflüchtet haben.“ Maheśvara [sprach]: So ehrten die Weisen damals die Göttin mit Worten. „Der Regel gemäß bist du hörwillig, große Erhabene, Weise. Wohlan, ich will dir die Pflicht der Weisen sagen, Lächelnde. Auf die Waldeinsiedlerstufe gestützt wird sie in vielfacher Weise von Männern geübt; vielästig, vielfältig ist die ewige Weisenpflicht. Meist üben die Weisen die Askese um himmlischen Genusses willen. Höre, Göttin, die Rechtsvorschrift für die, die so wandeln. Wer zuvor Hausvater war und die Schuld gegenüber den Söhnen abgetragen hat, die Sache der Gattin geordnet hat, soll aus einem Grund das Haus verlassen: den Geist durch Standhaftigkeit gefestigt, mit Entschlossenheit voran, frei vom Gegensätzlichen oder mit Frau, soll er zum Waldleben aufbrechen. Die höchst heiligen Orte, die an Flüssen und Wäldern liegen, meist frei von Störung, mit heiligen Stätten und Heiligtümern versehen –

Wort für Wort
dhanyāḥ khalu vayaṃ sarve pādamūlaṃ tavāśritāḥ
glücklich fürwahr sind wir alle, die wir uns an deinen Fußgrund geflüchtet (Nom.Pl./Part.Pass.)
iti sarve tadā devīṃ vācā samabhipūjayan
so ehrten alle damals die Göttin mit Worten (3.Pl.Impf./Instr.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmā manasvini
der Regel gemäß du, Erhabene, hörwillig, Weise (Adv./Nom.f./Vok.)
hanta te kathayiṣyāmi munidharmaṃ śucismite
wohlan, ich will dir die Weisenpflicht sagen, Lächelnde (1.Sg.Fut./Akk./Vok.)
vānaprasthaṃ samāśritya kriyate bahudhā naraiḥ
auf die Waldeinsiedlerstufe gestützt wird sie vielfach von Männern geübt (Abs./Pass./Instr.Pl.)
bahuśākho bahuvidha ṛṣidharmaḥ sanātanaḥ
vielästig, vielfältig ist die ewige Weisenpflicht (Nom.)
prāyaśaḥ svargabhogārtham ṛṣibhiḥ kriyate tapaḥ
meist wird um himmlischen Genusses willen von Weisen Askese geübt (Adv./Instr.Pl./Pass.)
bhūtvā pūrvaṃ gṛhasthas tu putrānṛṇyam avāpya ca
wer zuvor Hausvater geworden und die Schuldlosigkeit gegenüber den Söhnen erlangt hat (Abs./Nom./Abs.)
kalatrakāryaṃ saṃsthāpya kāraṇāt saṃtyajed gṛham
die Sache der Gattin geordnet, soll er aus Grund das Haus verlassen (Abs./Abl./Opt.)
avasthāpya mano dhṛtyā vyavasāyapuraḥsaraḥ
den Geist durch Standhaftigkeit gefestigt, mit Entschluss voran (Abs./Instr./Nom.)
nirdvaṃdvo vā sadāro vā vanavāsāya saṃvrajet
frei vom Gegensätzlichen oder mit Frau soll er zum Waldleben aufbrechen (Nom./Dat./Opt.)
deśāḥ paramapuṇyā ye nadīvanasamanvitāḥ
Orte, höchst heilig, die mit Flüssen und Wäldern versehen sind (Nom.Pl.)
ābādhamuktāḥ prāyeṇa tīrthāyatanasaṃyutāḥ
meist von Störung frei, mit heiligen Stätten und Heiligtümern verbunden (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). putrānṛṇyam avāpya: „nachdem er die Schuldlosigkeit gegenüber den Söhnen erlangt hat“ (d. h. Nachkommenschaft gesichert).

tatra gatvā vidhiṃ jñātvā dīkṣāṃ kuryād yathākramam; dīkṣitvaikamanā bhūtvā paricaryāṃ samācaret; kālyotthānaṃ ca śaucaṃ ca sarvadevapraṇāmanam; śakṛdālepanaṃ kāye tyaktadoṣāpramāditā; sāyaṃ prātaś cābhiṣekam agnihotraṃ yathāvidhi; kāyaśaucaṃ ca kāryaṃ ca jaṭāvalkaladhāraṇam; satataṃ vanacaryā ca samitkusumakāraṇāt; nīvāragrahaṇaṃ kāle śākamūlopacāyanam; sadāyatanaśaucaṃ ca tasya dharmāya ceṣyate; atithīnām ābhimukhyaṃ tatparatvaṃ ca sarvaśaḥ; pādyāsanābhyāṃ saṃpūjā tathāhāranimantraṇam; agrāmyapacanaṃ kāle pitṛdevārcanaṃ tathā; paścād atithisatkāras tasya dharmāḥ sanātanāḥ; śiṣṭair dharmāsane caiva dharmārthasahitāḥ kathāḥ; pratiśrayavibhāgaś ca bhūmiśayyā śilāsu vā

dort soll er hingehen, die Vorschrift erkennen und der Reihe nach die Weihe vollziehen. Nach der Weihe soll er einsinnig den Dienst üben: Frühaufstehen und Reinheit, Verneigung vor allen Göttern, Bestreichen des Körpers mit [Kuh-]Dung, Fehler meidend, unachtsam nicht; abends und morgens das Bad, das Feueropfer nach Vorschrift, Körperreinheit und [die entsprechende] Aufgabe, Filzhaar und Bastkleid tragen; stetes Umherziehen im Wald um Brennholz und Blumen zu holen, Sammeln von wildem Reis zur rechten Zeit, Vorrat an Gemüse und Wurzeln; stets Reinigung der Behausung wird ihm als Pflicht erwünscht. Zuvorkommen gegenüber Gästen und in allem Hingabe [an sie], Ehrung mit Fußwasser und Sitz, Einladung zur Speise, Kochen zur Zeit ohne Dorfkost, Verehrung der Väter und Götter, danach Gastehrung – seine ewigen Pflichten. Mit den Guten auf dem Rechtssitz Gespräche über Recht und Nutzen, Verteilung der Unterkunft, Schlafen auf der Erde oder auf Steinen,

Wort für Wort
tatra gatvā vidhiṃ jñātvā dīkṣāṃ kuryād yathākramam
dorthin gegangen, die Vorschrift erkannt, soll er die Weihe vollziehen der Reihe nach (Abs./Abs./Opt.)
dīkṣitvaikamanā bhūtvā paricaryāṃ samācaret
nach der Weihe einsinnig geworden, den Dienst üben (Abs./Abs./Opt.)
kālyotthānaṃ ca śaucaṃ ca sarvadevapraṇāmanam
Frühaufstehen, Reinheit, Verneigung vor allen Göttern (Nom.)
śakṛdālepanaṃ kāye tyaktadoṣāpramāditā
Bestreichen des Körpers mit Dung, Fehlerlosigkeit und Sorgfalt (Nom.)
sāyaṃ prātaś cābhiṣekam agnihotraṃ yathāvidhi
abends und morgens Bad, Agnihotra nach Vorschrift (Adv./Nom.)
kāyaśaucaṃ ca kāryaṃ ca jaṭāvalkaladhāraṇam
Körperreinheit und die Pflichtaufgabe, Tragen von Filzhaar und Bast (Nom.)
satataṃ vanacaryā ca samitkusumakāraṇāt
stetes Umherwandern im Wald zum Holz- und Blumenholen (Nom./Abl.)
nīvāragrahaṇaṃ kāle śākamūlopacāyanam
Sammeln wilden Reises zur Zeit, Ansammeln von Gemüse und Wurzeln (Nom.)
sadāyatanaśaucaṃ ca tasya dharmāya ceṣyate
und stete Reinheit der Behausung wird für seine Pflicht gewünscht (Nom./Dat./Pass.)
atithīnām ābhimukhyaṃ tatparatvaṃ ca sarvaśaḥ
Zuwendung gegenüber Gästen und Hingabe in allem (Nom./Adv.)
pādyāsanābhyāṃ saṃpūjā tathāhāranimantraṇam
Ehrung mit Fußwasser und Sitz, ebenso Einladung zur Speise (Instr.Du./Nom.)
agrāmyapacanaṃ kāle pitṛdevārcanaṃ tathā
Kochen ohne Dorfkost zur Zeit, ebenso Verehrung von Vätern und Göttern (Nom.)
paścād atithisatkāras tasya dharmāḥ sanātanāḥ
danach Gastehrung: seine ewigen Pflichten (Nom.Pl.)
śiṣṭair dharmāsane caiva dharmārthasahitāḥ kathāḥ
und mit Guten auf dem Rechtssitz Gespräche, mit Recht und Nutzen verbunden (Instr.Pl./Nom.Pl.)
pratiśrayavibhāgaś ca bhūmiśayyā śilāsu vā
Verteilung der Unterkunft und Erdlager oder auf Steinen (Nom./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). agrāmyapacanam: „Kochen dessen, was nicht aus dem Dorf stammt“ (Waldspeise). tyaktadoṣāpramāditā: knapp [?].

vratopavāsayogaś ca kṣamā cendriyanigrahaḥ; divā rātrau yathāyogaṃ śaucaṃ dharmārthacintanā; evaṃ dharmāḥ purā dṛṣṭāḥ sāmānyā vanavāsinām; evaṃ vai yatamānasya kāladharmo yadā bhavet; tadaiva so 'bhijāyeta svargalokaṃ śucismite; tatra saṃvihitā bhogāḥ svargastrībhir anindite; paribhraṣṭo yadā svargād viśiṣṭas tu bhaven nṛpa; evaṃ dharmaḥ sadā devi sarveṣāṃ vanavāsinām; umā; etat te kathitaṃ sarvaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa ṛṣīṇāṃ caritaṃ śubham; maheśvaraḥ; viśeṣadharmān icchāmi śrotuṃ kautūhalaṃ hi me; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; vananityair vanaratair vānaprasthair maharṣibhiḥ; vanaṃ gurum ivālambya vastavyam iti niścayaḥ

Fastengelübde und -übung, Nachsicht und Zügelung der Sinne; bei Tag und Nacht nach Gelegenheit Reinheit und Nachdenken über Recht und Nutzen. So sind seit alters die gemeinsamen Pflichten der Waldbewohner gesehen worden. Wenn für den, der sich so müht, der Tod als Zeitgesetz eintritt, wird er eben dann in der Himmelswelt geboren, Lächelnde. Dort sind ihm Genüsse mit Himmelsfrauen bereitet, Untadelige. Wenn er aus dem Himmel gefallen ist, soll er, König, vorzüglicher [geboren] werden. So ist das Recht stets, Göttin, für alle Waldbewohner. Umā [sprach]: „Dies ist dir alles gesagt; was willst du noch hören? Herr, Gott der Götter, das schöne Leben der Weisen [möchte ich hören].“ Maheśvara [sprach]: „Besondere Pflichten möchte ich hören; denn ich bin neugierig.“ – „Das will ich dir sagen, höre, Göttin, aufmerksam. Von den im Wald Ständigen, im Wald Erfreuten, den Waldeinsiedlern, den großen Weisen: Den Wald wie einen Lehrer aufsuchend soll man wohnen – so ist es beschlossen;

Wort für Wort
vratopavāsayogaś ca kṣamā cendriyanigrahaḥ
Gelübde- und Fastenübung, Nachsicht, Sinnenzügelung (Nom.)
divā rātrau yathāyogaṃ śaucaṃ dharmārthacintanā
bei Tag und Nacht nach Gelegenheit Reinheit, Nachdenken über Recht und Nutzen (Adv./Nom.)
evaṃ dharmāḥ purā dṛṣṭāḥ sāmānyā vanavāsinām
so wurden die Pflichten einst gesehen, gemeinsame der Waldbewohner (Part.Pass./Nom.Pl./Gen.Pl.)
evaṃ vai yatamānasya kāladharmo yadā bhavet
wenn für den so sich Mühenden der Tod eintritt (Gen./Nom./Opt.)
tadaiva so 'bhijāyeta svargalokaṃ śucismite
eben dann wird er im Himmel geboren, Lächelnde (Opt.Med./Akk.)
tatra saṃvihitā bhogāḥ svargastrībhir anindite
dort sind Genüsse bereitet mit Himmelsfrauen, Untadelige (Part.Pass./Nom.Pl./Instr.Pl.)
paribhraṣṭo yadā svargād viśiṣṭas tu bhaven nṛpa
wenn er vom Himmel gefallen ist, wird er vorzüglicher, König (Part.Pass./Abl./Opt.)
evaṃ dharmaḥ sadā devi sarveṣāṃ vanavāsinām
so ist das Recht stets, Göttin, aller Waldbewohner (Nom./Gen.Pl.)
umā etat te kathitaṃ sarvaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: dies ist dir alles gesagt, was willst du noch hören (Part.Pass.)
bhagavan devadeveśa ṛṣīṇāṃ caritaṃ śubham
Herr, Götterherr, das gute Leben der Weisen (Vok./Nom.n.)
viśeṣadharmān icchāmi śrotuṃ kautūhalaṃ hi me
besondere Pflichten will ich hören, Neugier ist mir (Akk.Pl./Inf./Nom.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
das will ich dir sagen, höre, Göttin, gesammelt (1.Sg.Fut./Imp.)
vananityair vanaratair vānaprasthair maharṣibhiḥ
von den im Wald Ständigen, im Wald Erfreuten, den Waldeinsiedlern, großen Weisen (Instr.Pl.)
vanaṃ gurum ivālambya vastavyam iti niścayaḥ
den Wald wie einen Lehrer aufsuchend ist zu wohnen – so der Beschluss (Abs./Gerundiv/Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeile paribhraṣṭo yadā svargād viśiṣṭas tu bhaven nṛpa hat unerwartet Anrede nṛpa (König) [?]; die Sprecherangaben sind wie überliefert.

vīraśayyām upāsadbhir vīrasthānopasevibhiḥ; vratopavāsair bahubhir grīṣme pañcatapais tathā; pañcayajñaparair nityaṃ paurṇamāsyaparāyaṇaiḥ; maṇḍūkaśāyair hemante śaivālāṅkurabhojanaiḥ; cīravalkalasaṃvītair mṛgājinadharais tathā; cāturmāsyaparaiḥ kaiś cid devadharmaparāyaṇaiḥ; evaṃvidhair vanagatais tapyate sumahat tapaḥ; evaṃ kṛtvā śubhaṃ karma paścād yāti triviṣṭapam; tatrāpi sumahat kālaṃ sa vihṛtya yathāsukham; jāyate mānuṣe loke dānabhogasamanvitaḥ; umā; tapoviśeṣasaṃyuktāḥ kathitās te śucismite; bhagavan sarvabhūteśa teṣu ye dārasaṃyutāḥ; maheśvaraḥ; kīdṛśaṃ caritaṃ teṣāṃ tan me śaṃsitum arhasi; ya ekapatnīdharmāṇaś caranti vipulaṃ tapaḥ

von denen, die das Heldenlager und die Heldenstätte pflegen, mit vielen Gelübden und Fasten, im Sommer mit den fünf Feuern, stets den fünf Opfern ergeben, dem Vollmond-Brauch ergeben; die im Winter wie Frösche im Wasser liegen, von Wasserpflanzen und Sprossen sich nährend, mit Bast- und Rindenkleid bedeckt, Antilopenfell tragend; einige den vier Monaten ergeben, der Götterpflicht hingegeben – von solchen im Wald Weilenden wird sehr große Askese geübt. So tut man Gutes und geht danach in den Himmel. Auch dort verbringt er sehr lange Zeit nach Belieben, dann wird er in der Menschenwelt geboren, mit Gaben und Genüssen ausgestattet. Umā [sprach]: „Mit besonderen Askeseformen ausgestattete sind dir genannt, Lächelnde. Herr, Gebieter aller Wesen: bei denen, die mit Gattin [im Wald] sind –“ Maheśvara [sprach]: „Von welcher Art ist deren Lebenswandel? Das sollst du mir sagen: die, dem Gesetz einer Frau folgend, viel Askese üben,

Wort für Wort
vīraśayyām upāsadbhir vīrasthānopasevibhiḥ
von denen, die das Heldenlager und die Heldenstätte pflegen (Part.Instr.Pl.)
vratopavāsair bahubhir grīṣme pañcatapais tathā
mit vielen Gelübden und Fasten, im Sommer ebenso mit den fünf Feuern (Instr.Pl./Lok.)
pañcayajñaparair nityaṃ paurṇamāsyaparāyaṇaiḥ
den fünf Opfern stets ergeben, dem Vollmond ergeben (Instr.Pl.)
maṇḍūkaśāyair hemante śaivālāṅkurabhojanaiḥ
im Winter wie Frösche liegend, Algen und Sprossen essend (Instr.Pl./Lok.)
cīravalkalasaṃvītair mṛgājinadharais tathā
mit Bast und Rinde bekleidet, ebenso Antilopenfell tragend (Instr.Pl.)
cāturmāsyaparaiḥ kaiś cid devadharmaparāyaṇaiḥ
einige den Vierteljahresgelübden ergeben, der Götterpflicht zugetan (Instr.Pl.)
evaṃvidhair vanagatais tapyate sumahat tapaḥ
von solchen im Wald Gegangenen wird sehr große Askese geübt (Instr.Pl./Pass.)
evaṃ kṛtvā śubhaṃ karma paścād yāti triviṣṭapam
so gute Tat getan, geht er danach in den Himmel (Abs./3.Sg.Präs.)
tatrāpi sumahat kālaṃ sa vihṛtya yathāsukham
auch dort sehr lange Zeit nach Belieben verweilend (Adv./Abs.)
jāyate mānuṣe loke dānabhogasamanvitaḥ
wird er in der Menschenwelt geboren, mit Gaben und Genüssen ausgestattet (3.Sg.Med./Lok.)
umā tapoviśeṣasaṃyuktāḥ kathitās te śucismite
Umā: mit besonderen Askeseformen verbunden sind dir genannt, Lächelnde (Part.Pass.Nom.Pl.)
bhagavan sarvabhūteśa teṣu ye dārasaṃyutāḥ
Herr, Gebieter aller Wesen, unter ihnen die mit Gattin (Vok./Lok.)
kīdṛśaṃ caritaṃ teṣāṃ tan me śaṃsitum arhasi
von welcher Art ist deren Lebenswandel, das sollst du mir sagen (Nom.n./Inf.)
ya ekapatnīdharmāṇaś caranti vipulaṃ tapaḥ
die, dem Ein-Gattin-Gesetz folgend, große Askese üben (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). pañcatapas = Askese zwischen vier Feuern und der Sonne. Die Sprecherangaben sind erneut vertauscht wie überliefert.

vindhyapādeṣu ye ke cid ye ca naimiṣavāsinaḥ; puṣkareṣu ca ye cānye nadīvanasamāśritāḥ; sarve te vidhidṛṣṭena caranti vipulaṃ tapaḥ; hiṃsādrohavimuktāś ca sarvabhūtānukampinaḥ; śāntā dāntā jitakrodhāḥ sarvātithyaparāyaṇāḥ; prāṇiṣv ātmopamā nityam ṛtukālābhigāminaḥ; svadārasahitā devi caranti vratam uttamam; vasanti sukham avyagrāḥ putradārasamanvitāḥ; teṣāṃ paricchadārambhāḥ kṛtyopakaraṇāni ca; gṛhasthavad vidhīyante yathāyogaṃ pramāṇataḥ; poṣaṇārthaṃ ca dārāṇām agnikāryārtham eva ca; gāvaś ca karṣaṇaṃ caiva sarvam etad vidhīyate; evaṃ vanagatair devi kartavyaṃ dārasaṃyutaiḥ; te svadāraiḥ samāyānti puṇyāṃl lokān dṛḍhavratāḥ; patibhiḥ saha ye dārāś caranti vipulaṃ tapaḥ

die im Vindhya-Fuß [Gebiet] oder in Naimiṣa wohnen und in Puṣkara und die anderen, die an Flüssen und Wäldern hausen – alle diese üben nach der gesehenen Vorschrift große Askese, frei von Gewalt und Feindseligkeit, mitfühlend gegenüber allen Wesen, friedvoll, gezügelt, den Zorn besiegt, der Gastfreundschaft gegen alle ergeben, den Lebewesen stets wie sich selbst [gesinnt], nur zur Zeit der Fruchtbarkeit [der Gattin] beiwohnend. Mit der eigenen Gattin, Göttin, üben sie das höchste Gelübde; sie wohnen glücklich und ungestört, mit Söhnen und Gattinnen. Ihr Hausgerät, ihre Unternehmungen und Arbeitsmittel werden wie beim Hausvater angeordnet, angemessen nach Maß; zum Unterhalt der Frauen und zur Feuerverehrung sowie Kühe und Ackerbau – all das wird angeordnet. So haben es die im Wald Weilenden mit Gattinnen zu tun, Göttin. Sie gelangen mit ihren Gattinnen, fest im Gelübde, in heilige Welten. Die Gattinnen, die mit ihren Gatten große Askese üben,

Wort für Wort
vindhyapādeṣu ye ke cid ye ca naimiṣavāsinaḥ
die, die irgendwo am Fuß des Vindhya, und die, die in Naimiṣa wohnen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
puṣkareṣu ca ye cānye nadīvanasamāśritāḥ
und in Puṣkara und andere, die an Flüssen und Wäldern hausen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
sarve te vidhidṛṣṭena caranti vipulaṃ tapaḥ
alle diese üben nach gesehener Vorschrift große Askese (Instr./3.Pl.Präs.)
hiṃsādrohavimuktāś ca sarvabhūtānukampinaḥ
von Gewalt und Feindseligkeit frei, mitfühlend gegenüber allen Wesen (Nom.Pl.)
śāntā dāntā jitakrodhāḥ sarvātithyaparāyaṇāḥ
friedvoll, gezügelt, zornbesiegt, der Gastfreundschaft gegen alle ergeben (Nom.Pl.)
prāṇiṣv ātmopamā nityam ṛtukālābhigāminaḥ
gegen Lebewesen sich selbst gleich stets, zur rechten Zeit beiwohnend (Nom.Pl./Lok.Pl.)
svadārasahitā devi caranti vratam uttamam
mit der eigenen Gattin, Göttin, üben sie das höchste Gelübde (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
vasanti sukham avyagrāḥ putradārasamanvitāḥ
sie wohnen glücklich, ungestört, mit Söhnen und Gattinnen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
teṣāṃ paricchadārambhāḥ kṛtyopakaraṇāni ca
deren Hausgerät, Unternehmungen und Arbeitsmittel (Nom.Pl.)
gṛhasthavad vidhīyante yathāyogaṃ pramāṇataḥ
werden wie beim Hausvater angeordnet, angemessen, nach Maß (3.Pl.Pass./Adv.)
poṣaṇārthaṃ ca dārāṇām agnikāryārtham eva ca
zum Unterhalt der Frauen und eben zum Feuerwerk (Adv./Gen.Pl.)
gāvaś ca karṣaṇaṃ caiva sarvam etad vidhīyate
und Kühe und Ackerbau: all dies wird angeordnet (Nom.Pl./3.Sg.Pass.)
evaṃ vanagatair devi kartavyaṃ dārasaṃyutaiḥ
so ist von den in den Wald Gegangenen, Göttin, mit Gattin zu tun (Instr.Pl./Gerundiv)
te svadāraiḥ samāyānti puṇyāṃl lokān dṛḍhavratāḥ
sie gelangen mit ihren Gattinnen in heilige Welten, fest im Gelübde (3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
patibhiḥ saha ye dārāś caranti vipulaṃ tapaḥ
die Gattinnen, die mit den Gatten große Askese üben (Instr.Pl./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

avyagrabhāvād aikātmyāt te ca gacchanti vai divam; etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; umā; bhagavan devadeveśa teṣāṃ karmaphalaṃ vibho; maheśvaraḥ; śrotum icchāmy ahaṃ deva prasādāt te varaprada; vānaprasthagataṃ sarvaṃ phalapākaṃ śṛṇu priye; agniyogaṃ vrajan grīṣme naro dvādaśavārṣikam; rudraloke hi jāyeta vidhidṛṣṭena karmaṇā; udavāsavrataṃ kurvan varṣakāle dṛḍhavrataḥ; somaloke 'bhijāyeta naro dvādaśavārṣikam; kāṣṭhavan maunam āsthāya naro dvādaśavārṣikam; marutāṃ lokam āsthāya tatra bhogaiś ca yujyate; kaṇṭaśarkarasaṃyukte sthaṇḍile saṃviśen muniḥ; yakṣaloke 'bhijāyeta sahasrāṇi caturdaśa; varṣāṇāṃ bhogasaṃyukto naro dvādaśavārṣikam

die gehen aus Einmütigkeit und Einheit des Wesens in den Himmel. Dies ist dir, Göttin, gesagt; was willst du noch hören?“ Umā [sprach]: „Herr, Gott der Götter, deren Werkfrucht, Herr –“ Maheśvara [sprach]: „Ich möchte hören, Gott, durch deine Gnade, Gabenspender.“ – „Höre, Liebe, die gesamte Reifung der Frucht der Waldeinsiedler: Ein Mann, der zwölf Jahre lang im Sommer sich der Feuerübung hingibt, wird durch die nach Vorschrift gesehene Tat in Rudras Welt geboren. Wer das Wassergelübde übt und in der Regenzeit fest im Gelübde bleibt, wird zwölf Jahre lang in der Somawelt geboren. Wer wie ein Stück Holz Schweigen hält, zwölf Jahre lang, erlangt die Welt der Maruts und ist dort mit Genüssen verbunden. Wenn ein Weiser sich auf ein Lager von Dornen und Kies legt, wird er in der Yakṣa-Welt geboren, vierzehntausend Jahre lang; mit Genüssen ausgestattet zwölf Jahre lang übt es der Mann.

Wort für Wort
avyagrabhāvād aikātmyāt te ca gacchanti vai divam
aus ungestörter Haltung, aus Einheit des Wesens gehen sie in den Himmel (Abl./Abl./3.Pl.Präs.)
etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
dies ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören (Part.Pass./2.Sg.Präs.)
bhagavan devadeveśa teṣāṃ karmaphalaṃ vibho
Herr, Götterherr, deren Werkfrucht, Herr (Vok./Akk.)
śrotum icchāmy ahaṃ deva prasādāt te varaprada
hören will ich, Gott, durch deine Gnade, Gabenspender (Inf./Abl./Vok.)
vānaprasthagataṃ sarvaṃ phalapākaṃ śṛṇu priye
alles auf die Waldeinsiedler Bezogene, die Fruchtreifung, höre, Liebe (Akk./Akk./Imp.)
agniyogaṃ vrajan grīṣme naro dvādaśavārṣikam
die Feuerübung im Sommer aufnehmend, der Mann, zwölf Jahre lang (Part.Präs./Nom.)
rudraloke hi jāyeta vidhidṛṣṭena karmaṇā
wird in Rudras Welt geboren durch die nach Vorschrift gesehene Tat (Lok./Opt.Med./Instr.)
udavāsavrataṃ kurvan varṣakāle dṛḍhavrataḥ
das Wassergelübde übend in der Regenzeit, fest im Gelübde (Part.Präs./Lok./Nom.)
somaloke 'bhijāyeta naro dvādaśavārṣikam
in der Somawelt geboren wird der Mann für zwölf Jahre (Lok./Opt.)
kāṣṭhavan maunam āsthāya naro dvādaśavārṣikam
wie ein Holzscheit das Schweigen auf sich nehmend, zwölf Jahre (Abs.)
marutāṃ lokam āsthāya tatra bhogaiś ca yujyate
die Welt der Maruts erlangend, dort mit Genüssen verbunden (Abs./3.Sg.Pass.)
kaṇṭaśarkarasaṃyukte sthaṇḍile saṃviśen muniḥ
auf dornen- und kieshaltigem Boden legt sich der Weise nieder (Lok./Opt.)
yakṣaloke 'bhijāyeta sahasrāṇi caturdaśa
in der Yakṣa-Welt wird er geboren, vierzehntausend [Jahre] (Lok./Opt./Akk.)
varṣāṇāṃ bhogasaṃyukto naro dvādaśavārṣikam
der Jahre, mit Genüssen verbunden, der Mann, zwölfjährig (Gen.Pl./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeile varṣāṇāṃ bhogasaṃyukto naro dvādaśavārṣikam schließt den Yakṣa-Vers an; der Aufbau (12 Jahre / 14 000 Jahre) ist wie im Text wiedergegeben [?].

vīrāsanagato yas tu kaṇṭakāphalakāśritaḥ; gandharveṣv abhijāyeta naro dvādaśavārṣikam; vīrasthāyī cordhvabāhur naro dvādaśavārṣikam; devaloke 'bhijāyeta divyabhogasamanvitaḥ; pādāṅguṣṭhena yas tiṣṭhed ūrdhvabāhur jitendriyaḥ; indraloke 'bhijāyeta sahasrāṇi caturdaśa; āhāraniyamaṃ kṛtvā munir dvādaśavārṣikam; nāgaloke 'bhijāyeta saṃvatsaragaṇān bahūn; evaṃ dṛḍhavratā devi vānaprasthāś ca karmabhiḥ; sthāneṣu teṣu tiṣṭhanti tadvad bhogasamanvitāḥ; tebhyo bhraṣṭāḥ punar devi jāyante nṛṣu bhoginaḥ; varṇottamakuleṣv eva dhanadhānyasamanvitāḥ; etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; umā; eṣāṃ yāyāvarāṇāṃ tu dharmam icchāmi mānada; maheśvaraḥ

Wer auf Heldensitz sitzt und auf einem Dornenbrett lagert, wird zwölf Jahre lang unter den Gandharven geboren; wer als Held steht, mit erhobenen Armen, zwölf Jahre lang, wird in der Götterwelt geboren, mit himmlischen Genüssen ausgestattet. Wer auf der Fußzehe steht, mit erhobenen Armen, die Sinne bezwungen, wird in Indras Welt geboren, vierzehntausend [Jahre]. Wer Nahrungsvorschriften einhält als Weiser zwölf Jahre lang, wird in der Nāga-Welt geboren, für viele Jahresscharen. So, Göttin, weilen die fest im Gelübde stehenden Waldeinsiedler durch ihre Taten an jenen Orten, ebenso mit Genüssen ausgestattet. Von dort abgefallen, Göttin, werden sie wieder unter Menschen als Genießende geboren, in Familien der besten Stände, mit Reichtum und Getreide versehen. Dies ist dir, Göttin, gesagt; was willst du noch hören?“ Umā [sprach]: „Das Recht dieser Yāyāvaras möchte ich [hören], Ehrer.“ Maheśvara [sprach]:

Wort für Wort
vīrāsanagato yas tu kaṇṭakāphalakāśritaḥ
wer auf Heldensitz sitzt und auf einem Dornenbrett ruht (Nom./Part.Pass.)
gandharveṣv abhijāyeta naro dvādaśavārṣikam
unter den Gandharven wird der Mann geboren, zwölf Jahre lang (Lok.Pl./Opt.)
vīrasthāyī cordhvabāhur naro dvādaśavārṣikam
als Heldenstehender mit erhobenen Armen, der Mann, zwölf Jahre (Nom.)
devaloke 'bhijāyeta divyabhogasamanvitaḥ
in der Götterwelt wird er geboren, mit himmlischen Genüssen ausgestattet (Lok./Nom.)
pādāṅguṣṭhena yas tiṣṭhed ūrdhvabāhur jitendriyaḥ
wer auf der Fußzehe steht, mit erhobenen Armen, die Sinne bezwungen (Instr./Opt.)
indraloke 'bhijāyeta sahasrāṇi caturdaśa
in Indras Welt wird er geboren, vierzehntausend (Jahre) (Lok./Akk.)
āhāraniyamaṃ kṛtvā munir dvādaśavārṣikam
Nahrungsvorschriften einhaltend der Weise zwölf Jahre (Abs./Nom.)
nāgaloke 'bhijāyeta saṃvatsaragaṇān bahūn
in der Nāga-Welt wird er geboren, für viele Jahresscharen (Lok./Akk.Pl.)
evaṃ dṛḍhavratā devi vānaprasthāś ca karmabhiḥ
so die fest im Gelübde stehenden Waldeinsiedler durch Taten, Göttin (Nom.Pl./Instr.Pl.)
sthāneṣu teṣu tiṣṭhanti tadvad bhogasamanvitāḥ
an jenen Orten weilen sie, ebenso mit Genüssen ausgestattet (Lok.Pl./3.Pl.Präs.)
tebhyo bhraṣṭāḥ punar devi jāyante nṛṣu bhoginaḥ
von dort abgefallen werden sie wieder unter Menschen geboren als Genießende (Part.Pass./Lok.Pl.)
varṇottamakuleṣv eva dhanadhānyasamanvitāḥ
nur in Familien der besten Stände, mit Reichtum und Getreide (Lok.Pl./Nom.Pl.)
etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
dies ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören (Part.Pass.)
eṣāṃ yāyāvarāṇāṃ tu dharmam icchāmi mānada
dieser Yāyāvaras Recht möchte ich, Ehrer (Gen.Pl./Akk./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kṛpayā parayāviṣṭas taṃ me brūhi maheśvara; dharmaṃ yāyāvarāṇāṃ tu śṛṇu bhāmini tatparā; vratopavāsaśuddhāṅgās tīrthasnānaparāyaṇāḥ; dhṛtimantaḥ kṣamāyuktāḥ satyavrataparāyaṇāḥ; pakṣamāsopavāsaiś ca karśitā dharmadarśinaḥ; varṣaśītātapair eva kurvantaḥ paramaṃ tapaḥ; kālayogena gacchanti śakralokaṃ śucismite; tatra te bhogasaṃyuktā divyagandhasamanvitāḥ; divyabhūṣaṇasaṃyuktā vimānavaram āsthitāḥ; vicaranti yathākāmaṃ divyastrīgaṇasaṃyutāḥ; umā; etat te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; maheśvaraḥ; teṣāṃ cakracarāṇāṃ tu dharmam icchāmi vai prabho; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu śākaṭikaṃ śubhe; saṃvahanto dhuraṃ dāraiḥ śākaṭānāṃ tu sarvadā

„Von höchstem Mitleid erfüllt, sage mir das, Maheśvara.“ – „Das Recht der Yāyāvaras höre, Liebe, aufmerksam: an Leib durch Gelübde und Fasten gereinigt, dem Bad an heiligen Furten ergeben, standhaft, nachsichtig, dem Wahrheitsgelübde ergeben, durch Fasten von halben Monaten und Monaten abgemagert, das Recht schauend, mit Regen, Kälte und Hitze höchste Askese übend – im Lauf der Zeit gehen sie in Śakras [Indras] Welt, Lächelnde. Dort sind sie mit Genüssen verbunden, mit himmlischen Düften ausgestattet, mit himmlischem Schmuck versehen, auf herrlichem Luftwagen sitzend, ziehen sie nach Belieben umher, von himmlischen Frauenscharen begleitet.“ Umā [sprach]: „Dies ist dir, Göttin, gesagt; was willst du noch hören?“ Maheśvara [sprach]: „Das Recht jener Cakracaras möchte ich [hören], Herr.“ – „Wohlan, ich will dir sagen, höre, Schöne, [das Recht] der Wagenfahrenden: Sie tragen stets das Joch [das Wagenjoch] mit ihren Gattinnen an den Karren,

Wort für Wort
kṛpayā parayāviṣṭas taṃ me brūhi maheśvara
von höchstem Mitleid erfüllt, sage mir dies, Maheśvara (Instr./Part.Pass./Imp./Vok.)
dharmaṃ yāyāvarāṇāṃ tu śṛṇu bhāmini tatparā
das Recht der Yāyāvaras höre, Liebe, aufmerksam (Akk./Gen.Pl./Imp./Vok.)
vratopavāsaśuddhāṅgās tīrthasnānaparāyaṇāḥ
durch Gelübde und Fasten am Leibe gereinigt, dem Bad an heiligen Furten ergeben (Nom.Pl.)
dhṛtimantaḥ kṣamāyuktāḥ satyavrataparāyaṇāḥ
standhaft, nachsichtig, dem Wahrheitsgelübde ergeben (Nom.Pl.)
pakṣamāsopavāsaiś ca karśitā dharmadarśinaḥ
durch Fasten von Halbmonaten und Monaten abgemagert, das Recht schauend (Instr.Pl./Nom.Pl.)
varṣaśītātapair eva kurvantaḥ paramaṃ tapaḥ
mit Regen, Kälte, Hitze höchste Askese übend (Instr.Pl./Part.Präs.)
kālayogena gacchanti śakralokaṃ śucismite
im Lauf der Zeit gehen sie in Śakras Welt, Lächelnde (Instr./3.Pl.Präs./Akk.)
tatra te bhogasaṃyuktā divyagandhasamanvitāḥ
dort sind sie mit Genüssen verbunden, mit himmlischen Düften versehen (Nom.Pl.)
divyabhūṣaṇasaṃyuktā vimānavaram āsthitāḥ
mit himmlischem Schmuck, auf herrlichem Luftwagen sitzend (Nom.Pl./Akk./Part.Pass.)
vicaranti yathākāmaṃ divyastrīgaṇasaṃyutāḥ
sie ziehen nach Belieben umher, mit himmlischen Frauenscharen verbunden (3.Pl.Präs./Adv.)
teṣāṃ cakracarāṇāṃ tu dharmam icchāmi vai prabho
das Recht dieser Cakracaras möchte ich, Herr (Gen.Pl./Akk./Vok.)
hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu śākaṭikaṃ śubhe
wohlan, ich sage dir, höre das Wagenfahrer-Recht, Schöne (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)
saṃvahanto dhuraṃ dāraiḥ śākaṭānāṃ tu sarvadā
das Joch tragend mit den Gattinnen, Wagen stets [ziehend] (Part.Präs./Akk./Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Yāyāvara: Wandermönche-Gruppe der Waldeinsiedler; Cakracara: „Wagenfahrende“ (śākaṭika). Sprecher erneut wie überliefert.

prārthayante yathā grāmyāḥ śakaṭair bhaikṣacaryayā; taporjanaparādhīnās tapasā kṣīṇakalmaṣāḥ; paryaṭanto diśaḥ sarvāḥ kāmakrodhavivarjitāḥ; svavaśād eva te mṛtyum abhikāṅkṣanti nityaśaḥ; indraloke tathā teṣāṃ nirmitā bhogasaṃcayāḥ; amaraiḥ saha te yānti devavad bhogasaṃyutāḥ; varāpsarobhiḥ saṃyuktāś cirakālam anindite; tenaiva kālayogena tridivaṃ yānti śobhane; tatra pramuditā bhogair vicaranti yathāsukham; umā; etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; maheśvaraḥ; vaikhānasānāṃ vai dharmaṃ śrotum icchāmy ahaṃ prabho; teṣu vaikhānasā nāma vānaprasthāḥ śubhekṣaṇe; tīvreṇa tapasā yuktā dīptimantaḥ svatejasā; satyavrataparādhīnās teṣāṃ niṣkalmaṣaṃ tapaḥ

wie Dorfbewohner erbitten sie mit Karren durch Bettelgang [Nahrung]; von der Askesegemeinschaft abhängig, durch Askese von Schuld befreit, alle Himmelsrichtungen durchwandernd, frei von Begierde und Zorn; aus eigenem Willen ersehnen sie stets den Tod. In Indras Welt sind ihnen Fülle von Genüssen bereitet. Mit den Unsterblichen gehen sie, wie Götter mit Genüssen ausgestattet, mit den besten Apsarasen verbunden lange Zeit, Untadelige. Eben zur rechten Zeit gehen sie zum Himmel, Schöne; dort, entzückt von Genüssen, wandeln sie nach Belieben. Umā [sprach]: „Dies ist dir, Göttin, gesagt; was willst du noch hören?“ Maheśvara [sprach]: „Das Recht der Vaikhānasas möchte ich hören, Herr.“ – „Unter ihnen sind die Waldeinsiedler namens Vaikhānasas, Schönäugige, mit heftiger Askese verbunden, glänzend durch eigene Kraft, dem Wahrheitsgelübde untertan; ihre Askese ist makellos.

Wort für Wort
prārthayante yathā grāmyāḥ śakaṭair bhaikṣacaryayā
sie erbitten wie Dorfbewohner mit Karren durch Bettelgang (3.Pl.Präs.Med./Nom.Pl./Instr.)
taporjanaparādhīnās tapasā kṣīṇakalmaṣāḥ
von der Askesegemeinschaft abhängig, durch Askese schuldbefreit (Nom.Pl./Instr./Nom.Pl.)
paryaṭanto diśaḥ sarvāḥ kāmakrodhavivarjitāḥ
alle Himmelsrichtungen durchwandernd, ohne Begierde und Zorn (Part.Präs./Akk.Pl./Nom.Pl.)
svavaśād eva te mṛtyum abhikāṅkṣanti nityaśaḥ
aus eigenem Willen ersehnen sie stets den Tod (Abl./3.Pl.Präs.)
indraloke tathā teṣāṃ nirmitā bhogasaṃcayāḥ
in Indras Welt sind ihnen Genussfülle bereitet (Lok./Part.Pass.Nom.Pl.)
amaraiḥ saha te yānti devavad bhogasaṃyutāḥ
mit den Unsterblichen gehen sie, götterhaft mit Genüssen verbunden (Instr./3.Pl.Präs.)
varāpsarobhiḥ saṃyuktāś cirakālam anindite
mit den besten Apsarasen verbunden lange Zeit, Untadelige (Instr.Pl./Akk./Vok.)
tenaiva kālayogena tridivaṃ yānti śobhane
eben durch die Zeitfügung gehen sie zum Himmel, Schöne (Instr./Akk./Vok.)
tatra pramuditā bhogair vicaranti yathāsukham
dort erfreut durch Genüsse ziehen sie nach Belieben umher (Part.Pass.Nom.Pl./Instr.Pl.)
etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
dies ist dir gesagt; was willst du noch hören (Part.Pass.)
vaikhānasānāṃ vai dharmaṃ śrotum icchāmy ahaṃ prabho
der Vaikhānasas Recht will ich hören, Herr (Gen.Pl./Inf./Vok.)
teṣu vaikhānasā nāma vānaprasthāḥ śubhekṣaṇe
unter ihnen die Vaikhānasas genannten Waldeinsiedler, Schönäugige (Lok.Pl./Nom.Pl./Vok.)
tīvreṇa tapasā yuktā dīptimantaḥ svatejasā
mit heftiger Askese verbunden, strahlend durch eigene Kraft (Instr./Nom.Pl.)
satyavrataparādhīnās teṣāṃ niṣkalmaṣaṃ tapaḥ
dem Wahrheitsgelübde untertan, ihre Askese ist makellos (Nom.Pl./Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeile paryaṭanto … svavaśād eva te mṛtyum abhikāṅkṣanti findet sich fast gleich in 110; hier wie dort: „aus eigenem Willen“ (svavaśāt) den Tod herbeiwünschend [?].

aśmakuṭṭās tathānye ca dantolūkhalinas tathā; śīrṇaparṇāśinaś cānye uñchayanti tathāpare; kapotavratinaś cānye kāpotīṃ vṛttim āsthitāḥ; paśupracāraniratāḥ phenapāś ca tathāpare; mṛgavan mṛgacaryāyāṃ saṃcaranti tathāpare; abbhakṣā vāyubhakṣāś ca nirāhārās tathaiva ca; saṃcaranti tapo ghoraṃ vyādhimṛtyuvivarjitāḥ; svavaśād eva te mṛtyum abhikāṅkṣanti nityaśaḥ; indraloke tathā teṣāṃ nirmitā bhogasaṃcayāḥ; amaraiḥ saha te yānti devavad bhogasaṃyutāḥ; varāpsarobhiḥ saṃyuktāś cirakālam anindite; umā; etat te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; maheśvaraḥ; bhagavañ śrotum icchāmi vālakhilyāṃs tapodhanān; dharmacaryāṃ tathā devi vālakhilyagatāṃ śṛṇu

Manche zerstoßen [ihr Getreide] mit dem Stein, andere mit den Zähnen als Mörser, wieder andere essen abgefallene Blätter, andere lesen Ähren auf; manche leben nach dem Taubengelübde, dem Leben der Taube zugewandt, manche sind der Viehweide zugetan, andere trinken Schaum; wieder andere ziehen wie Antilopen im Antilopenleben umher; sie nähren sich von Wasser oder von Luft oder ohne Nahrung. Sie üben furchtbare Askese, frei von Krankheit und Tod. Aus eigenem Willen ersehnen sie stets den Tod. In Indras Welt sind ihnen Genussfülle bereitet; mit den Unsterblichen gehen sie, götterhaft mit Genüssen verbunden, mit den besten Apsarasen lange Zeit, Untadelige. Umā [sprach]: „Dies ist dir gesagt; was willst du noch hören?“ Maheśvara [sprach]: „Herr, ich möchte von den Vālakhilyas, den Askesereichen, hören; auch das Leben der Vālakhilyas, Göttin, höre.“

Wort für Wort
aśmakuṭṭās tathānye ca dantolūkhalinas tathā
Steinzerstoßer und andere, ebenso die mit den Zähnen als Mörser (Nom.Pl.)
śīrṇaparṇāśinaś cānye uñchayanti tathāpare
andere, welche welke Blätter essen, andere lesen Ähren auf (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
kapotavratinaś cānye kāpotīṃ vṛttim āsthitāḥ
andere mit Taubengelübde, die Taubenlebensweise angenommen (Nom.Pl./Akk.)
paśupracāraniratāḥ phenapāś ca tathāpare
der Viehweide hingegeben, Schaumtrinker und andere (Nom.Pl.)
mṛgavan mṛgacaryāyāṃ saṃcaranti tathāpare
wie Antilopen im Antilopenwandel ziehen andere umher (Adv./Lok./3.Pl.)
abbhakṣā vāyubhakṣāś ca nirāhārās tathaiva ca
Wasser-, Luftesser und Nahrungslose (Nom.Pl.)
saṃcaranti tapo ghoraṃ vyādhimṛtyuvivarjitāḥ
sie üben furchtbare Askese, frei von Krankheit und Tod (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
svavaśād eva te mṛtyum abhikāṅkṣanti nityaśaḥ
aus eigenem Willen ersehnen sie stets den Tod (Abl./3.Pl.Präs.)
indraloke tathā teṣāṃ nirmitā bhogasaṃcayāḥ
in Indras Welt sind ihnen Genüsse bereitet (Lok./Part.Pass.)
amaraiḥ saha te yānti devavad bhogasaṃyutāḥ
mit Unsterblichen gehen sie, götterhaft mit Genüssen verbunden (Instr./3.Pl.Präs.)
varāpsarobhiḥ saṃyuktāś cirakālam anindite
mit den besten Apsarasen lange Zeit, Untadelige (Instr.Pl./Vok.)
bhagavañ śrotum icchāmi vālakhilyāṃs tapodhanān
Herr, hören will ich von den Vālakhilyas, den Askesereichen (Vok./Inf./Akk.Pl.)
dharmacaryāṃ tathā devi vālakhilyagatāṃ śṛṇu
und das Rechtsleben, das die Vālakhilyas betrifft, Göttin, höre (Akk./Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). aśmakuṭṭa: „mit dem Stein zerstoßend“; dantolūkhalin: „die Zähne als Mörser benutzend“; phenapa: „Schaumtrinker“.

mṛganirmokavasanā nirdvaṃdvās te tapodhanāḥ; aṅguṣṭhamātrāḥ suśroṇi sveṣv evāṅgeṣu saṃyutāḥ; te mṛtyuviṣayātītās tapaḥsiddhās tapobalāḥ; jitāhārā jitakrodhāḥ sarvabhogeṣu niḥspṛhāḥ; tapaścaraṇam icchanto lokārthaṃ paramodyatāḥ; udyantaṃ satataṃ sūryaṃ stuvanto vividhaiḥ stavaiḥ; bhāskarasyaiva kiraṇaiḥ saha saṃyānti nityadā; dyotayante diśaḥ sarvā dharmajñāḥ satyavādinaḥ; teṣv eva nirmalaṃ satyaṃ lokārthaṃ tu pratiṣṭhitam; loko 'yaṃ dhāryate devi teṣām eva tapobalāt; mahātmanāṃ tu tapasā satyena ca śucismite; kṣamayā ca mahābhāge bhūtānāṃ saṃsthitiṃ viduḥ; prajārtham api lokārthaṃ mahadbhiḥ kriyate tapaḥ; tapasā prāpyate sarvaṃ tapasā prāpyate phalam

In Antilopenhaut gekleidet, frei vom Gegensätzlichen sind diese Askesereichen, nur daumengroß, Schönhüftige, mit ihren eigenen Gliedern verbunden. Sie sind jenseits des Bereichs des Todes, durch Askese vollendet, mit Askesekraft; die Nahrung besiegt, den Zorn besiegt, gegen alle Genüsse ohne Verlangen; Askese übend um der Welt willen, äußerst bemüht; die aufgehende Sonne beständig mit vielerlei Lobliedern preisend, ziehen sie stets mit den Strahlen des Bhāskara. Sie erleuchten alle Himmelsrichtungen, kennen das Recht, sprechen die Wahrheit; in ihnen allein ist reine Wahrheit für die Welt gegründet. Diese Welt wird, Göttin, durch die Askesekraft eben dieser [Weisen] getragen; durch die Askese der Hochgesinnten und durch Wahrheit, Lächelnde, und durch Nachsicht, Erhabene, kennt man den Bestand der Wesen. Auch um der Nachkommen und der Welt willen wird von Großen Askese geübt; durch Askese erlangt man alles, durch Askese erlangt man Frucht;

Wort für Wort
mṛganirmokavasanā nirdvaṃdvās te tapodhanāḥ
in Antilopenhaut gekleidet, frei vom Gegensätzlichen, diese Askesereichen (Nom.Pl.)
aṅguṣṭhamātrāḥ suśroṇi sveṣv evāṅgeṣu saṃyutāḥ
daumengroß, Schönhüftige, mit ihren eigenen Gliedern vereint (Nom.Pl./Vok.)
te mṛtyuviṣayātītās tapaḥsiddhās tapobalāḥ
diese, jenseits des Todesbereichs, durch Askese vollendet, askesekräftig (Nom.Pl.)
jitāhārā jitakrodhāḥ sarvabhogeṣu niḥspṛhāḥ
nahrungsbesiegt, zornbesiegt, gegen alle Genüsse ohne Verlangen (Nom.Pl.)
tapaścaraṇam icchanto lokārthaṃ paramodyatāḥ
Askese üben wollend um der Welt willen, höchst eifrig (Part.Präs./Nom.Pl.)
udyantaṃ satataṃ sūryaṃ stuvanto vividhaiḥ stavaiḥ
die aufgehende Sonne beständig mit vielerlei Preisungen lobend (Part.Präs.Akk./Instr.Pl.)
bhāskarasyaiva kiraṇaiḥ saha saṃyānti nityadā
mit eben den Strahlen des Bhāskara ziehen sie stets (Gen./Instr.Pl./3.Pl.Präs.)
dyotayante diśaḥ sarvā dharmajñāḥ satyavādinaḥ
sie erleuchten alle Himmelsrichtungen, Rechtskundige, Wahrhaftige (3.Pl.Kaus./Akk.Pl./Nom.Pl.)
teṣv eva nirmalaṃ satyaṃ lokārthaṃ tu pratiṣṭhitam
in ihnen allein ist reine Wahrheit um der Welt willen gegründet (Lok.Pl./Part.Pass.)
loko 'yaṃ dhāryate devi teṣām eva tapobalāt
diese Welt wird getragen, Göttin, durch eben ihre Askesekraft (Pass./Abl.)
mahātmanāṃ tu tapasā satyena ca śucismite
durch die Askese der Hochgesinnten und durch Wahrheit, Lächelnde (Gen.Pl./Instr.)
kṣamayā ca mahābhāge bhūtānāṃ saṃsthitiṃ viduḥ
durch Nachsicht, Erhabene, kennt man den Bestand der Wesen (Instr./Vok./3.Pl.Perf.)
prajārtham api lokārtham mahadbhiḥ kriyate tapaḥ
um der Nachkommen und der Welt willen wird von Großen Askese geübt (Instr.Pl./Pass.)
tapasā prāpyate sarvaṃ tapasā prāpyate phalam
durch Askese wird alles erlangt, durch Askese die Frucht (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

duṣprāpam api yal loke tapasā prāpyate hi tat; pañcabhūtasthitiś caiva lokasṛṣṭivivardhanam; etat sarvaṃ samāsena tapoyogād vinirmitam; tasmād ayaṃ ṛṣigaṇas tapas tepa iti priye; dharmānveṣī tapaḥ kartuṃ yatate satataṃ priye; amaratvaṃ vaśitvaṃ ca tapasā prārthayet sadā; etat te kathitaṃ sarvaṃ śṛṇvantyās te śrutaṃ priye; priyārtham ṛṣisaṃghasya lokānāṃ hitakāmyayā; nāradaḥ; iti bruvantaṃ deveśam ṛṣayaś cāpi tuṣṭuvuḥ; umā; bhūyaḥ paramakaṃ yatnaṃ tadāprabhṛti cakrire; uktas tvayā trivargasya dharmaḥ paramakaḥ śubhaḥ; maheśvaraḥ; sarvavyāpī tu yo dharmo bhagavaṃs tad bravīhi me; brāhmaṇā lokasaṃsāre sṛṣṭā dhātrā guṇārthinā; lokāṃs tārayituṃ yuktā martyeṣu kṣitidevatāḥ

was in der Welt schwer zu erlangen ist, auch das wird durch Askese erlangt. Der Bestand der fünf Elemente und das Wachstum der Weltschöpfung – dies alles ist kurz gesagt durch die Verbindung mit Askese hervorgebracht. Darum, Liebe, übt diese Weisenschar Askese; das Recht suchend, müht sie sich stets, Askese zu üben. Unsterblichkeit und Selbstherrschaft soll man stets durch Askese erstreben. Dies ist dir alles gesagt, der du hörend zugehört hast, Liebe – zur Freude der Weisenschar, aus Wunsch nach dem Wohl der Welten. Nārada [sprach]: Als der Herr der Götter so sprach, priesen auch die Weisen [ihn]. Umā [sprach]: „Von da an haben sie noch höheres Bemühen aufgewendet. Von dir wurde das höchste, glückverheißende Recht des Dreiklangs [trivarga] gesagt.“ Maheśvara [sprach]: „Das Recht, das alles durchdringt, Herr, sage mir. Die Brāhmaṇas wurden im Kreislauf der Welt vom Schöpfer, der [Vorzüge] wünschte, geschaffen, um die Welten hinüberzuführen; unter den Sterblichen sind die Erdgötter dazu geeignet.

Wort für Wort
duṣprāpam api yal loke tapasā prāpyate hi tat
was in der Welt schwer erreichbar ist, auch das wird durch Askese erreicht (Nom.n./Instr./Pass.)
pañcabhūtasthitiś caiva lokasṛṣṭivivardhanam
der Bestand der fünf Elemente und das Wachsen der Weltschöpfung (Nom.)
etat sarvaṃ samāsena tapoyogād vinirmitam
dies alles kurz durch Verbindung mit Askese erschaffen (Adv./Abl./Part.Pass.)
tasmād ayaṃ ṛṣigaṇas tapas tepa iti priye
daher hat diese Weisenschar Askese geübt, Liebe (Abl./3.Sg.Perf./Vok.)
dharmānveṣī tapaḥ kartuṃ yatate satataṃ priye
das Recht suchend müht er sich, Askese zu üben, stets, Liebe (Nom.Sg.m./Inf./3.Sg.Präs.Med.)
amaratvaṃ vaśitvaṃ ca tapasā prārthayet sadā
Unsterblichkeit und Selbstherrschaft soll man durch Askese stets erstreben (Akk./Instr./Opt.)
etat te kathitaṃ sarvaṃ śṛṇvantyās te śrutaṃ priye
dies alles ist dir gesagt, von dir Hörenden gehört, Liebe (Part.Pass./Gen.Part.f./Vok.)
priyārtham ṛṣisaṃghasya lokānāṃ hitakāmyayā
zur Freude der Weisenschar, aus Wunsch nach der Welten Wohl (Adv./Instr.)
iti bruvantaṃ deveśam ṛṣayaś cāpi tuṣṭuvuḥ
als der Götterherr so sprach, priesen ihn auch die Weisen (Part.Präs.Akk./3.Pl.Perf.)
bhūyaḥ paramakaṃ yatnaṃ tadāprabhṛti cakrire
noch höheres Bemühen wandten sie seitdem auf (Akk./3.Pl.Perf.Med.)
uktas tvayā trivargasya dharmaḥ paramakaḥ śubhaḥ
gesagt von dir das höchste, glückverheißende Recht des Dreiklangs (Part.Pass./Instr./Gen.)
sarvavyāpī tu yo dharmo bhagavaṃs tad bravīhi me
das Recht aber, das alles durchdringt, Herr, das sage mir (Nom.m./Vok./Imp.)
brāhmaṇā lokasaṃsāre sṛṣṭā dhātrā guṇārthinā
die Brāhmaṇas im Weltenlauf vom Schöpfer, der Vorzüge wünschte, geschaffen (Lok./Part.Pass./Instr.)
lokāṃs tārayituṃ yuktā martyeṣu kṣitidevatāḥ
die Welten hinüberzuführen geeignet, unter Sterblichen die Erdgötter (Inf./Part.Pass./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „Der Dreiklang“ = Recht, Nutzen, Lust (trivarga). Sprecherangaben wie überliefert (der Satz „bhūyaḥ paramakaṃ yatnam … cakrire“ wird Umā zugeordnet, gehört inhaltlich zur Erzählung) [?].

teṣu tāvat pravakṣyāmi dharmaṃ śubhaphalodayam; brāhmaṇeṣv abhayo dharmaḥ paramaḥ śubhalakṣaṇaḥ; ime hi dharmā lokārthaṃ pūrvaṃ sṛṣṭāḥ svayaṃbhuvā; pṛthivyāṃ sajjanair nityaṃ kīrtyamānaṃ nibodha me; svadāraniratir dharmo nityaṃ japyaṃ tathaiva ca; sarvātithyaṃ trivargasya yathāśakti divāniśam; śūdro dharmaparo nityaṃ śuśrūṣābhimanā bhavet; traividyo brāhmaṇo vṛddho na cādhyayanajīvakaḥ; trivargaṃ tu vyatikrāntas tasya dharmaḥ sanātanaḥ; ṣaṭ karmāṇi ca proktāni sṛṣṭāni brahmaṇā purā; dharmiṣṭhāni variṣṭhāni yāni tāni śṛṇūttame; yajanaṃ yājanaṃ caiva dānaṃ pātre pratigrahaḥ; adhyāpanam adhyayanaṃ ṣaṭkarmā dharmabhāg ṛjuḥ; nityasvādhyāyato dharmo nityayajñaḥ sanātanaḥ

Unter diesen will ich zunächst das Recht mit glückbringender Frucht sagen: Furchtlosigkeit unter Brāhmaṇas ist die höchste, glückverheißende Pflicht. Diese Pflichten wurden dem Weltwohl zuliebe vor Zeiten vom Selbstentstandenen geschaffen; höre von mir, was auf der Erde beständig von guten Menschen gepriesen wird: Liebe zur eigenen Gattin ist Pflicht, und stets das Murmeln [des Gebets], nach Kräften Tag und Nacht Gastfreundschaft gegen alle im Rahmen der drei Lebensziele; der Śūdra sei stets dem Recht zugetan, dem Dienst zugeneigt. Ein Brāhmaṇa, der die drei Veden kennt, alt ist und nicht vom Unterricht lebt, [zugleich] den Dreiklang überschritten hat – dessen Pflicht ist ewig. Sechs Tätigkeiten sind genannt, die Brahmā einst schuf, die rechtlichsten und vorzüglichsten; höre sie, Beste: Opfern, Opferleiten, Geben, Annehmen von Gaben an Würdige, Lehren und Lernen; der Sechs-Tätigkeiten-Ausübende, aufrichtig, hat Anteil am Recht. Durch beständiges Studium ist [sein] Recht das ewige, stete Opfer.

Wort für Wort
teṣu tāvat pravakṣyāmi dharmaṃ śubhaphalodayam
unter diesen will ich zunächst das Recht mit glückbringender Frucht sagen (Lok.Pl./1.Sg.Fut./Akk.)
brāhmaṇeṣv abhayo dharmaḥ paramaḥ śubhalakṣaṇaḥ
unter Brāhmaṇas Furchtlosigkeit als höchste, glückverheißende Pflicht (Lok.Pl./Nom.)
ime hi dharmā lokārthaṃ pūrvaṃ sṛṣṭāḥ svayaṃbhuvā
diese Pflichten sind um der Welt willen zuerst vom Selbstentstandenen geschaffen (Nom.Pl./Instr.)
pṛthivyāṃ sajjanair nityaṃ kīrtyamānaṃ nibodha me
was auf Erden von guten Menschen stets gepriesen wird, vernimm von mir (Lok./Instr.Pl./Part.Pass./Imp.)
svadāraniratir dharmo nityaṃ japyaṃ tathaiva ca
Liebe zur eigenen Gattin ist Pflicht und stets das Murmeln (Nom./Nom.n.)
sarvātithyaṃ trivargasya yathāśakti divāniśam
Gastfreundschaft gegen alle, im Rahmen des Dreiklangs, nach Kräften Tag und Nacht (Nom./Gen./Adv.)
śūdro dharmaparo nityaṃ śuśrūṣābhimanā bhavet
der Śūdra sei dem Recht ergeben, dem Dienst geneigt (Nom./Opt.)
traividyo brāhmaṇo vṛddho na cādhyayanajīvakaḥ
ein Veda-kundiger Brāhmaṇa, alt, nicht vom Unterricht lebend (Nom.)
trivargaṃ tu vyatikrāntas tasya dharmaḥ sanātanaḥ
den Dreiklang überschritten, dessen Pflicht ist ewig (Part.Pass./Gen.)
ṣaṭ karmāṇi ca proktāni sṛṣṭāni brahmaṇā purā
sechs Tätigkeiten sind genannt, von Brahmā einst geschaffen (Nom.Pl.n.)
dharmiṣṭhāni variṣṭhāni yāni tāni śṛṇūttame
die rechtlichsten, vorzüglichsten, die höre, Beste (Nom.Pl.n./Imp./Vok.)
yajanaṃ yājanaṃ caiva dānaṃ pātre pratigrahaḥ
Opfern, Opferleiten, Geben, Annehmen bei Würdigem (Nom./Lok.)
adhyāpanam adhyayanaṃ ṣaṭkarmā dharmabhāg ṛjuḥ
Lehren, Lernen; der Sechs-Werke-Tuende, aufrichtig, Recht-Teilhaber (Nom.)
nityasvādhyāyato dharmo nityayajñaḥ sanātanaḥ
durch stetes Studium ist die Pflicht das ewige, stete Opfer (Abl.Adv./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Verbindung śūdro dharmaparo … ist im Kontext (Brāhmaṇa-Pflichten) auffällig; sie wird wie überliefert wiedergegeben [?]. ṣaṭkarmā: Träger der sechs Tätigkeiten.

dānaṃ praśasyate nityaṃ brāhmaṇeṣu trikarmasu; ayaṃ paramako dharmaḥ saṃvṛttaḥ satsu vidyate; garbhasthāne viśuddhānāṃ dharmasya niyamo mahān; pañcayajñaviśuddhātmā kratunityo 'nasūyakaḥ; dānto brāhmaṇasatkartā susaṃmṛṣṭaniveśanaḥ; cakṣurdo manado jihvāsnigdhavarṇapradaḥ sadā; atithyabhyāgatarataḥ śeṣānnakṛtabhojanaḥ; pādyam arghyaṃ yathānyāyam āsanaṃ śayanaṃ tathā; dīpaṃ pratiśrayaṃ caiva yo dadāti sa dhārmikaḥ; prātar utthāya vai paścād bhojanena nimantrayet; satkṛtyānuvrajed yaś ca tasya dharmaḥ sanātanaḥ; pravṛttilakṣaṇo dharmo gṛhastheṣu vidhīyate; tad ahaṃ kīrtayiṣyāmi trivargeṣu ca yad yathā; ekenāṃśena dharmo 'rthaḥ kartavyo hitam icchatā

Die Gabe wird unter den in den drei Werken Verweilenden Brāhmaṇas stets gerühmt. Dies ist die höchste Pflicht, bei Guten wird sie erkannt. Bei den vom Mutterschoß an Geläuterten ist die Regel des Rechts groß: mit durch die fünf Opfer gereinigtem Wesen, stets Opfer [darbringend], ohne Missgunst, gezügelt, Brāhmaṇas ehrend, mit gut gefegtem Haus, Augen gebend, Sinn gebend, Zunge [freundlich] und stets milde Farbe [Speise] gebend, Gästen und Ankömmlingen zugetan, nach den Resten der Speise essend; Fußwasser, Ehrenwasser, Sitz und Lager nach Vorschrift, Licht und Unterkunft – wer so gibt, ist rechtschaffen. Wer, früh aufgestanden, [einen Gast] zum Essen einlädt und ihm ehrenvoll das Geleit gibt, dessen Pflicht ist ewig. Die Pflicht, die durch Tätigkeit gekennzeichnet ist [pravṛtti], wird für die Hausväter angeordnet; die will ich dir nennen, und was es gemäß dem Dreiklang damit auf sich hat: Mit einem Teil ist Recht und Nutzen zu tun, wenn man das Heil will;

Wort für Wort
dānaṃ praśasyate nityaṃ brāhmaṇeṣu trikarmasu
die Gabe wird stets gerühmt an Brāhmaṇas, die in den drei Werken stehen (Nom./Lok.Pl.)
ayaṃ paramako dharmaḥ saṃvṛttaḥ satsu vidyate
dies ist die höchste Pflicht, entstanden, bei den Guten ist sie zu finden (Nom./Part.Pass./Lok.Pl.)
garbhasthāne viśuddhānāṃ dharmasya niyamo mahān
bei den von der Zeugung an Geläuterten ist die Regel des Rechts groß (Lok./Gen.Pl./Nom.)
pañcayajñaviśuddhātmā kratunityo 'nasūyakaḥ
durch die fünf Opfer geläutert, stets opfernd, ohne Missgunst (Nom.)
dānto brāhmaṇasatkartā susaṃmṛṣṭaniveśanaḥ
gezügelt, Brāhmaṇas ehrend, mit gut gefegtem Haus (Nom.)
cakṣurdo manado jihvāsnigdhavarṇapradaḥ sadā
Augen gebend, Sinn gebend, der Zunge milde Farbe gebend stets (Nom.)
atithyabhyāgatarataḥ śeṣānnakṛtabhojanaḥ
Gästen und Ankömmlingen zugetan, von den Speiseresten essend (Nom.)
pādyam arghyaṃ yathānyāyam āsanaṃ śayanaṃ tathā
Fußwasser, Ehrenwasser nach Regel, Sitz und Lager (Akk.)
dīpaṃ pratiśrayaṃ caiva yo dadāti sa dhārmikaḥ
Licht und Unterkunft: wer gibt, der ist rechtschaffen (Akk./Nom.)
prātar utthāya vai paścād bhojanena nimantrayet
früh aufgestanden, danach mit Speise einladen (Abs./Instr./Opt.)
satkṛtyānuvrajed yaś ca tasya dharmaḥ sanātanaḥ
und wer ihn ehrenvoll geleitet, dessen Pflicht ist ewig (Abs./Opt./Nom.)
pravṛttilakṣaṇo dharmo gṛhastheṣu vidhīyate
die durch Tätigkeit gekennzeichnete Pflicht wird unter Hausvätern angeordnet (Nom./Lok.Pl.)
tad ahaṃ kīrtayiṣyāmi trivargeṣu ca yad yathā
das will ich verkünden und wie es sich bei den drei Zielen verhält (1.Sg.Fut./Lok.Pl.)
ekenāṃśena dharmo 'rthaḥ kartavyo hitam icchatā
mit einem Teil ist Recht und Nutzen zu tun, von wem das Heil wünscht (Instr./Gerundiv/Instr.Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). cakṣurdo manado jihvāsnigdhavarṇapradaḥ: „Augen gebend“ = freundlicher Blick, „Sinn gebend“ = Wohlwollen, „Zunge“ = freundliches Wort [?]. garbhasthāne viśuddhānām: „bei den von der Zeugung an Geläuterten“.

ekenāṃśena kāmārtham ekam aṃśaṃ vivardhayet; nivṛttilakṣaṇaḥ puṇyo dharmo mokṣe vidhīyate; tasya vṛttiṃ pravakṣyāmi tāṃ śṛṇuṣva samāhitā; sarvabhūtadayā dharmo nivṛttiparamaḥ sadā; bubhukṣitaṃ pipāsārtam atithiṃ śrāntam āgatam; arcayanti varārohe teṣām api phalaṃ mahat; pātram ity eva dātavyaṃ sarvasmai dharmakāṅkṣibhiḥ; āgamiṣyati yat pātraṃ tat pātraṃ tārayiṣyati; kāle saṃprāptam atithiṃ bhoktukāmam upasthitam; cittaṃ saṃbhāvayet tatra vyāso 'yaṃ samupasthitaḥ; tasya pūjāṃ yathāśakti saumyacittaḥ prayojayet; cittamūlo bhaved dharmo dharmamūlaṃ bhaved yaśaḥ; tasmāt saumyena cittena dātavyaṃ devi sarvadā; saumyacittas tu yo dadyāt tad dhi dānam anuttamam

mit einem Teil den Genuss [kāma], einen Teil soll er vermehren. Das Recht der Zurückgezogenheit [nivṛtti] ist heilig und wird für die Erlösung bestimmt; seine Lebensweise will ich dir sagen, höre sie aufmerksam: Mitleid mit allen Wesen ist [dort] Pflicht, stets die höchste Zurückgezogenheit. Einen hungrigen, durstgequälten, ermatteten Gast, der gekommen ist, ehren sie, Schönhüftige; auch für sie ist die Frucht groß. „Ein Würdiger“ – so soll allen, die das Recht wünschen, gegeben werden; wer als Würdiger kommt, dieser Würdige wird [den Geber] hinüberführen. Wenn ein Gast zur rechten Zeit gekommen ist, zum Essen bereit dasteht, soll man im Sinn bedenken: „Dies ist Vyāsa, der da erschienen ist.“ Ihm soll man mit milder Gesinnung nach Kräften Ehre erweisen. Das Recht hat seine Wurzel im Geist, das Recht ist Wurzel des Ruhms. Darum soll man, Göttin, stets mit milder Gesinnung geben; wer mit milder Gesinnung gibt, dessen Gabe ist die höchste.

Wort für Wort
ekenāṃśena kāmārtham ekam aṃśaṃ vivardhayet
mit einem Teil für den Genuss, einen Teil soll er vermehren (Instr./Akk./Opt.Kaus.)
nivṛttilakṣaṇaḥ puṇyo dharmo mokṣe vidhīyate
das Recht, das durch Zurückgezogenheit gekennzeichnet, heilig, wird für die Erlösung angeordnet (Nom./Lok.)
tasya vṛttiṃ pravakṣyāmi tāṃ śṛṇuṣva samāhitā
seine Lebensweise will ich sagen, die höre aufmerksam (Akk./1.Sg.Fut./Imp.Med.)
sarvabhūtadayā dharmo nivṛttiparamaḥ sadā
Mitleid mit allen Wesen ist Pflicht, stets auf Zurückgezogenheit als Höchstes gerichtet (Nom.)
bubhukṣitaṃ pipāsārtam atithiṃ śrāntam āgatam
einen hungrigen, durstgequälten, müden, gekommenen Gast (Akk.)
arcayanti varārohe teṣām api phalaṃ mahat
sie ehren, Schönhüftige; auch für sie ist die Frucht groß (3.Pl.Präs./Vok.)
pātram ity eva dātavyaṃ sarvasmai dharmakāṅkṣibhiḥ
„ein Würdiger“ so soll allen von Rechtwünschenden gegeben werden (Gerundiv/Dat./Instr.Pl.)
āgamiṣyati yat pātraṃ tat pātraṃ tārayiṣyati
welcher Würdige kommen wird, dieser Würdige wird hinüberführen (3.Sg.Fut./Kaus.Fut.)
kāle saṃprāptam atithiṃ bhoktukāmam upasthitam
den zur rechten Zeit gekommenen Gast, der essen will, dasteht (Akk./Part.Pass.)
cittaṃ saṃbhāvayet tatra vyāso 'yaṃ samupasthitaḥ
den Sinn soll man darauf richten: dieser Vyāsa ist erschienen (Opt.Kaus./Nom.)
tasya pūjāṃ yathāśakti saumyacittaḥ prayojayet
ihm soll man Ehre erweisen nach Kräften, milden Sinnes (Akk./Nom.Sg./Opt.Kaus.)
cittamūlo bhaved dharmo dharmamūlaṃ bhaved yaśaḥ
das Recht habe im Geist seine Wurzel, Ruhm habe im Recht seine Wurzel (Nom./Opt.)
tasmāt saumyena cittena dātavyaṃ devi sarvadā
daher mit mildem Sinn ist zu geben, Göttin, stets (Instr./Gerundiv)
saumyacittas tu yo dadyāt tad dhi dānam anuttamam
wer mit mildem Sinn gibt, das ist die höchste Gabe (Nom./Opt./Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

yathāmbubindubhiḥ sūkṣmaiḥ patadbhir medinītale; kedārāś ca taṭākāni sarāṃsi saritas tathā; toyapūrṇāni dṛśyante apratarkyāṇi śobhane; alpam alpam api hy etad dīyamānaṃ vivardhate; pīḍayāpi ca bhṛtyānāṃ dānam eva viśiṣyate; putradārā dhanaṃ dhānyaṃ na mṛtān anugacchati; śreyo dānaṃ ca bhogaś ca dhanaṃ prāpya yaśasvini; dānena hi mahābhāgā bhavanti manujādhipāḥ; nāsti bhūmisamaṃ dānaṃ nāsti dānasamo nidhiḥ; nāsti satyāt paro dharmo nānṛtāt pātakaṃ param; āśrame yas tu tapyeta tapomūlaphalāśanaḥ; ādityābhimukho bhūtvā jaṭāvalkalasaṃvṛtaḥ; maṇḍūkaśāyī hemante grīṣme pañcatapā bhavet; samyak tapaś carantīha śraddadhānā vanāśrame; gṛhāśramasya te devi kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm

Wie durch feine Wassertropfen, die auf die Erdfläche fallen, Reisfelder, Teiche, Seen und Flüsse mit Wasser gefüllt zu sehen sind, Schöne, – unvermutet: selbst Weniges, wenn es gegeben wird, wächst an. Selbst unter Bedrängnis der Diener ist die Gabe [dennoch] das Vorzüglichere. Söhne, Frauen, Vermögen, Getreide folgen dem Toten nicht. Wohl der Gabe und dem Genuss, wenn man Reichtum erlangt hat, Ruhmreiche; durch Gaben werden Menschenherrscher groß. Keine Gabe ist der Gabe der Erde gleich, kein Schatz gleicht der Gabe; es gibt kein höheres Recht als Wahrheit und keine größere Sünde als Lüge. Wer in einer Einsiedelei Askese übt, sich von Wurzeln und Früchten nährt, der Sonne zugewandt, mit Filzhaar und Bastkleid umhüllt, im Winter wie ein Frosch im Wasser liegt, im Sommer die fünf Feuer hält – die, welche gläubig im Waldeinsiedlerleben rechte Askese üben, erreichen, Göttin, nicht den sechzehnten Teil der Hausstandsstufe.

Wort für Wort
yathāmbubindubhiḥ sūkṣmaiḥ patadbhir medinītale
wie durch feine Wassertropfen, die auf die Erdfläche fallen (Instr.Pl./Part.Präs./Lok.)
kedārāś ca taṭākāni sarāṃsi saritas tathā
Reisfelder, Teiche, Seen und Flüsse (Nom.Pl.)
toyapūrṇāni dṛśyante apratarkyāṇi śobhane
mit Wasser gefüllt sind sie zu sehen, unvorstellbar, Schöne (Nom.Pl./3.Pl.Pass./Vok.)
alpam alpam api hy etad dīyamānaṃ vivardhate
selbst Weniges, wenn es gegeben wird, wächst (Part.Pass./3.Sg.Präs.)
pīḍayāpi ca bhṛtyānāṃ dānam eva viśiṣyate
selbst unter Bedrängnis der Diener ist Gabe das Vorzüglichere (Instr./Gen.Pl./Pass.)
putradārā dhanaṃ dhānyaṃ na mṛtān anugacchati
Söhne, Frauen, Vermögen, Getreide folgen den Toten nicht (Nom./Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
śreyo dānaṃ ca bhogaś ca dhanaṃ prāpya yaśasvini
Heil: Gabe und Genuss, wenn Reichtum erlangt, Ruhmreiche (Nom./Abs./Vok.)
dānena hi mahābhāgā bhavanti manujādhipāḥ
durch Gaben werden Menschenherrscher groß (Instr./3.Pl.Präs.)
nāsti bhūmisamaṃ dānaṃ nāsti dānasamo nidhiḥ
keine Gabe gleicht der Gabe der Erde, kein Schatz gleicht der Gabe (Nom./Nom.)
nāsti satyāt paro dharmo nānṛtāt pātakaṃ param
kein Recht höher als Wahrheit, keine Sünde größer als Lüge (Abl./Nom.)
āśrame yas tu tapyeta tapomūlaphalāśanaḥ
wer in einer Einsiedelei Askese übt, von Askese, Wurzeln und Früchten sich nährend (Lok./Opt.Med.)
ādityābhimukho bhūtvā jaṭāvalkalasaṃvṛtaḥ
der Sonne zugewandt, mit Filzhaar und Bast umhüllt (Abs./Part.Pass.)
maṇḍūkaśāyī hemante grīṣme pañcatapā bhavet
im Winter froschgleich liegend, im Sommer die fünf Feuer haltend (Nom./Opt.)
samyak tapaś carantīha śraddadhānā vanāśrame
recht Askese üben hier Gläubige im Waldeinsiedlerstand (3.Pl.Präs./Part.Präs./Lok.)
gṛhāśramasya te devi kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
des Hausstands sechzehnten Teil erreichen sie nicht, Göttin (Gen./Akk./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). apratarkyāṇi: „unvorstellbar/unvermutet“; pīḍayāpi ca bhṛtyānām: der Sinn („selbst wenn die Diener darunter leiden“) ist knapp und nur sinngemäß wiedergegeben [?].

umā; gṛhāśramasya yā caryā vratāni niyamāś ca ye; yathā ca devatāḥ pūjyāḥ satataṃ gṛhamedhinā; yad yac ca parihartavyaṃ gṛhiṇā tithiparvasu; maheśvaraḥ; tat sarvaṃ śrotum icchāmi kathyamānaṃ tvayā prabho; gṛhāśramasya yan mūlaṃ phalaṃ dharmo 'yam uttamaḥ; pādaiś caturbhiḥ satataṃ dharmo yatra pratiṣṭhitaḥ; sārabhūtaṃ varārohe dadhno ghṛtam ivoddhṛtam; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śrūyatāṃ dharmacāriṇi; śuśrūṣate yaḥ pitaraḥ mātaraṃ ca gṛhāśrame; bhartāraṃ caiva yā nārī agnihotraṃ ca ye dvijāḥ; teṣu teṣu ca prīṇanti devā indrapurogamāḥ; umā; pitaraḥ pitṛlokasthāḥ svadharmeṇa sa rajyate; mātāpitṛviyuktānāṃ kā caryā gṛhamedhinām; vidhavānāṃ ca nārīṇāṃ bhavān etad bravītu me

Umā [sprach]: „Welchen Wandel und welche Gelübde und Regeln der Hausstandsstufe gibt es, und wie sind die Götter vom Hausvater stets zu verehren, und was soll der Hausvater an Mondtagen und Feiertagen meiden?“ Maheśvara [sprach]: „All das möchte ich, Herr, von dir erzählt hören: was die Wurzel und die Frucht der Hausstandsstufe ist, [und] dieses höchste Recht, das darin auf vier Füßen beständig steht – das Wesentliche, Schönhüftige, wie herausgehobene Butter aus Dickmilch. Das will ich dir sagen; höre es, Rechtschaffene: Wer im Hausstand den Vätern und der Mutter dient, und die Frau, die dem Gatten dient, und die Zweimalgeborenen, die das Feueropfer halten: an ihnen und an jenen erfreuen sich die Götter mit Indra an der Spitze.“ Umā [sprach]: „Die Väter in der Väterwelt [freuen sich] nach der eigenen Pflicht [?] . Was ist der Wandel der Hausväter, die ohne Mutter und Vater sind, und der Witwen? Das sage mir, Herr.“

Wort für Wort
umā gṛhāśramasya yā caryā vratāni niyamāś ca ye
Umā: welcher Wandel der Hausstandsstufe, welche Gelübde und Regeln (Gen./Nom.Pl.)
yathā ca devatāḥ pūjyāḥ satataṃ gṛhamedhinā
und wie die Götter zu verehren sind stets vom Hausvater (Gerundiv/Instr.)
yad yac ca parihartavyaṃ gṛhiṇā tithiparvasu
und was vom Hausvater an Mondtagen und Feiertagen zu meiden ist (Gerundiv/Instr./Lok.Pl.)
tat sarvaṃ śrotum icchāmi kathyamānaṃ tvayā prabho
all das will ich hören, von dir erzählt, Herr (Inf./Part.Pass./Instr.)
gṛhāśramasya yan mūlaṃ phalaṃ dharmo 'yam uttamaḥ
was die Wurzel und Frucht der Hausstandsstufe, dies höchste Recht ist (Nom.n./Nom.)
pādaiś caturbhiḥ satataṃ dharmo yatra pratiṣṭhitaḥ
auf vier Füßen steht das Recht dort beständig (Instr.Pl./Part.Pass.)
sārabhūtaṃ varārohe dadhno ghṛtam ivoddhṛtam
das Wesentliche, Schönhüftige, wie Butter aus der Dickmilch herausgehoben (Nom./Gen./Part.Pass.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śrūyatāṃ dharmacāriṇi
das will ich dir sagen, es werde gehört, Rechtschaffene (1.Sg.Fut./Imp.Pass.)
śuśrūṣate yaḥ pitaraḥ mātaraṃ ca gṛhāśrame
wer im Hausstand den Vätern und der Mutter dient (3.Sg.Präs./Akk.)
bhartāraṃ caiva yā nārī agnihotraṃ ca ye dvijāḥ
und die Frau, die dem Gatten [dient], und die Zweimalgeborenen, die das Agnihotra [pflegen] (Akk./Nom.)
teṣu teṣu ca prīṇanti devā indrapurogamāḥ
an ihnen erfreuen sich die Götter mit Indra an der Spitze (Lok.Pl./3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
pitaraḥ pitṛlokasthāḥ svadharmeṇa sa rajyate
die Väter in der Väterwelt, durch eigene Pflicht ... (verderbt) (Nom.Pl./Instr.)
mātāpitṛviyuktānāṃ kā caryā gṛhamedhinām
der von Mutter und Vater Getrennten Hausväter, welcher Wandel (Gen.Pl./Nom.f.)
vidhavānāṃ ca nārīṇāṃ bhavān etad bravītu me
der Witwen und Frauen: das möge der Herr mir sagen (Gen.Pl./3.Sg.Imp.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind wie überliefert vertauscht (Umā fragt, Śiva antwortet). Die Zeile pitaraḥ pitṛlokasthāḥ svadharmeṇa sa rajyate ist verderbt [?] und nur sinngemäß wiedergegeben; śuśrūṣate yaḥ pitaraḥ mātaraṃ ca: pitaraḥ als Akk.Pl. ungewöhnlich [?].

maheśvaraḥ; devatātithiśuśrūṣā guruvṛddhābhivādanam; ahiṃsā sarvabhūtānām alobhaḥ satyasaṃdhatā; brahmacaryaṃ śaraṇyatvaṃ śaucaṃ pūrvābhibhāṣaṇam; kṛtajñatvam apaiśunyaṃ satataṃ dharmaśīlatā; dine dvir abhiṣekaṃ ca pitṛdaivatapūjanam; gavāhnikapradānaṃ ca saṃvibhāgo 'tithiṣv api; dīpaṃ pratiśrayaṃ caiva dadyāt pādyāsanaṃ tathā; pañcame 'hani ṣaṣṭhe vā dvādaśe vāpy athāṣṭame; caturdaśe pañcadaśe brahmacārī sadā bhavet; śmaśrukarma śirobhyaṅgam añjanaṃ dantadhāvanam; naiteṣv ahaḥsu kurvīta teṣv alakṣmīḥ pratiṣṭhitā; vratopavāsaniyamas tapo dānaṃ ca śaktitaḥ; bharaṇaṃ bhṛtyavargasya dīnānām anukampanam; paradāranivṛttiś ca svadāreṣu ratiḥ sadā

Maheśvara [sprach]: „Dienst an Göttern und Gästen, Begrüßung der Lehrer und Alten, Gewaltlosigkeit gegen alle Wesen, Freisein von Gier, Wahrhaftigkeit im Wort, Keuschheit, Schutzgewähr, Reinheit, zuerst grüßen, Dankbarkeit, Freisein von Hinterbringung, stete Rechtschaffenheit im Wesen; zweimal am Tag das Bad, Verehrung von Vätern und Göttern, Gabe des Tagesbedarfs an Kühen und Teilen mit den Gästen; man soll Licht, Unterkunft, Fußwasser und Sitz geben. Am fünften, sechsten, achten oder zwölften Tag, am vierzehnten und fünfzehnten soll er stets Keuschheit halten. Bartpflege, Kopfsalbung, Augensalbe und Zahnreinigung soll man an diesen Tagen nicht vornehmen, an ihnen hat sich Unglück festgesetzt. Gelübde, Fasten und Regeln, Askese und Gabe nach Vermögen, Unterhalt der Dienerschaft, Mitleid mit den Armen, Abkehr von fremden Frauen und stete Freude an der eigenen Gattin:

Wort für Wort
maheśvaraḥ devatātithiśuśrūṣā guruvṛddhābhivādanam
Maheśvara: Dienst an Göttern und Gästen, Begrüßung der Lehrer und Alten (Nom./Nom.)
ahiṃsā sarvabhūtānām alobhaḥ satyasaṃdhatā
Gewaltlosigkeit gegen alle Wesen, Ungier, Wahrhaftigkeit (Nom.)
brahmacaryaṃ śaraṇyatvaṃ śaucaṃ pūrvābhibhāṣaṇam
Keuschheit, Schutzgewähr, Reinheit, zuerst grüßen (Nom.)
kṛtajñatvam apaiśunyaṃ satataṃ dharmaśīlatā
Dankbarkeit, Nichtverleumden, stete Rechtschaffenheit (Nom.)
dine dvir abhiṣekaṃ ca pitṛdaivatapūjanam
zweimal am Tag das Bad und Verehrung von Vätern und Göttern (Lok./Nom.)
gavāhnikapradānaṃ ca saṃvibhāgo 'tithiṣv api
Gabe des täglichen Kuhbedarfs und Teilen auch mit Gästen (Nom./Lok.Pl.)
dīpaṃ pratiśrayaṃ caiva dadyāt pādyāsanaṃ tathā
Licht, Unterkunft, Fußwasser und Sitz soll man geben (Akk./Opt.)
pañcame 'hani ṣaṣṭhe vā dvādaśe vāpy athāṣṭame
am fünften Tag oder sechsten, zwölften oder achten (Lok.)
caturdaśe pañcadaśe brahmacārī sadā bhavet
am vierzehnten, fünfzehnten soll er stets enthaltsam sein (Lok./Nom./Opt.)
śmaśrukarma śirobhyaṅgam añjanaṃ dantadhāvanam
Bartpflege, Kopfsalbung, Augensalbe, Zahnreinigung (Nom.)
naiteṣv ahaḥsu kurvīta teṣv alakṣmīḥ pratiṣṭhitā
an diesen Tagen soll man es nicht tun, in ihnen sitzt Unheil fest (Lok.Pl./Opt.Med./Nom.f.)
vratopavāsaniyamas tapo dānaṃ ca śaktitaḥ
Gelübde, Fasten, Regel, Askese, Gabe nach Vermögen (Nom./Adv.)
bharaṇaṃ bhṛtyavargasya dīnānām anukampanam
Unterhalt der Dienerschaft, Mitleid mit Armen (Nom./Gen.Pl.)
paradāranivṛttiś ca svadāreṣu ratiḥ sadā
Abkehr von fremden Frauen und stete Freude an den eigenen (Nom./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). pañcame 'hani ṣaṣṭhe vā … : die Tagesangaben sind Mondtage der Halbmonate; die Zählung ist wie im Text wiedergegeben [?]. Der Vers gehört in seiner Fortsetzung zu 119.

śarīram ekaṃ daṃpatyor vidhātrā pūrvanirmitam; tasmāt svadāranirato brahmacārī vidhīyate; śīlavṛttavinītasya nigṛhītendriyasya ca; ārjave vartamānasya sarvabhūtahitaiṣiṇaḥ; priyātitheś ca kṣāntasya dharmārjitadhanasya ca; gṛhāśramapadasthasya kim anyaiḥ kṛtyam āśramaiḥ; yathā mātaram āśritya sarve jīvanti jantavaḥ; tathā gṛhāśramaṃ prāpya sarve jīvanti cāśramāḥ; rājānaḥ sarvapāṣaṇḍāḥ sarve raṅgopajīvinaḥ; vyālagrāhāś ca dambhāś ca corā rājabhaṭās tathā; savidyāḥ sarvaśilpajñāḥ sarve caiva cikitsakāḥ; dūrādhvānaṃ prapannāś ca kṣīṇapathyodanā narāḥ; ete cānye ca bahavas tarkayanti gṛhāśramam; mārjārā mūṣikāḥ śvānaḥ sūkarāś ca śukās tathā; kapotakākacaṭakāḥ sarīsṛpaniṣeviṇaḥ

Der Körper von Ehegatten ist einer, der vom Schöpfer zuvor gebildet wurde; daher wird für den, der an der eigenen Gattin Freude hat, [maßvolle] Keuschheit vorgeschrieben. Für einen, der von gutem Wesen, gutem Wandel und Bescheidenheit ist, der die Sinne zügelt, der aufrichtig ist, allen Wesen Gutes wünscht, den Gästen lieb, nachsichtig, sein Vermögen rechtmäßig erworben hat, auf der Stufe des Hausstands steht – was bedarf es für ihn der anderen Lebensstufen? Wie alle Geschöpfe von der Mutter abhängig leben, so leben alle Lebensstufen vom Hausstand. Könige, alle Häretiker, alle, die von Schauspiel leben, Schlangenfänger, Betrüger, Diebe, Königsdiener, Gelehrte, Kunstkenner aller Handwerke und alle Ärzte, Menschen auf weiter Reise, denen der Reiseproviant ausgegangen ist – diese und viele andere schauen auf den Hausstand; Katzen, Mäuse, Hunde, Schweine, Papageien, Tauben, Krähen, Sperlinge und Kriechtiere, die dort verkehren,

Wort für Wort
śarīram ekaṃ daṃpatyor vidhātrā pūrvanirmitam
der Körper der Ehegatten ist einer, vom Schöpfer zuvor gebildet (Nom./Gen.Du./Instr./Part.Pass.)
tasmāt svadāranirato brahmacārī vidhīyate
daher wird dem an der eigenen Gattin Erfreuten Keuschheit vorgeschrieben (Abl./Nom./3.Sg.Pass.)
śīlavṛttavinītasya nigṛhītendriyasya ca
für den von gutem Wesen, Wandel und Bescheidenheit, der die Sinne zügelt (Gen.)
ārjave vartamānasya sarvabhūtahitaiṣiṇaḥ
für den in Aufrichtigkeit Verharrenden, allen Wesen Gutes Wünschenden (Lok./Gen.)
priyātitheś ca kṣāntasya dharmārjitadhanasya ca
den Gästen Lieben, Nachsichtigen, mit rechtmäßig erworbenem Vermögen (Gen.)
gṛhāśramapadasthasya kim anyaiḥ kṛtyam āśramaiḥ
für den auf der Stufe des Hausstands Stehenden, was ist mit anderen Lebensstufen zu tun (Gen./Instr.)
yathā mātaram āśritya sarve jīvanti jantavaḥ
wie alle Geschöpfe, auf die Mutter gestützt, leben (Abs./3.Pl.Präs.)
tathā gṛhāśramaṃ prāpya sarve jīvanti cāśramāḥ
so leben alle Lebensstufen, den Hausstand erreicht habend (Abs./3.Pl.Präs.)
rājānaḥ sarvapāṣaṇḍāḥ sarve raṅgopajīvinaḥ
Könige, alle Häretiker, alle von der Bühne Lebenden (Nom.Pl.)
vyālagrāhāś ca dambhāś ca corā rājabhaṭās tathā
Schlangenfänger, Betrüger, Diebe und Königsdiener (Nom.Pl.)
savidyāḥ sarvaśilpajñāḥ sarve caiva cikitsakāḥ
Gelehrte, Kenner aller Handwerke und alle Ärzte (Nom.Pl.)
dūrādhvānaṃ prapannāś ca kṣīṇapathyodanā narāḥ
auf weiten Weg Gegangene, Menschen mit erschöpftem Reiseproviant (Part.Pass.Nom.Pl.)
ete cānye ca bahavas tarkayanti gṛhāśramam
diese und viele andere schauen auf den Hausstand (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
mārjārā mūṣikāḥ śvānaḥ sūkarāś ca śukās tathā
Katzen, Mäuse, Hunde, Schweine und Papageien (Nom.Pl.)
kapotakākacaṭakāḥ sarīsṛpaniṣeviṇaḥ
Tauben, Krähen, Sperlinge, Kriechtiere Aufsuchende (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sarve raṅgopajīvinaḥ: „alle, die von der Bühne leben“. sarvapāṣaṇḍāḥ: alle Anhänger nicht-vedischer Richtungen (hier „Häretiker“) [?].

araṇyavāsinaś cānye saṃghā ye mṛgapakṣiṇām; evaṃ bahuvidhā devi loke 'smin sacarācarāḥ; gṛhe kṣetre bile caiva śataśo 'tha sahasraśaḥ; gṛhasthena kṛtaṃ karma sarvais tair upabhujyate; upayuktaṃ ca yat teṣāṃ matimān nānuśocati; dharma ity eva saṃkalpya yat tu tasya phalaṃ śṛṇu; sarvayatnapraṇītasya hayamedhasya yat phalam; varṣe sa dvādaśe devi phalenaitena yujyate; āśāpāśavimokṣaś ca viddhi dharmam anuttamam; vṛkṣamūlacaro nityaṃ śūnyāgāraniveśanam; nadīpulinaśāyī ca nadītīram anuvrajan; vimuktaḥ sarvasaṅgebhyaḥ snehabandhena vai dvijaḥ; ātmany evātmano bhāvaṃ samāyojyeha te vane; ātmabhūto yatāhāro mokṣadṛṣṭena karmaṇā; pavitranityo yuktaś ca tasya dharmaḥ sanātanaḥ

und andere, die im Wald leben, Scharen von Tieren und Vögeln – so gibt es, Göttin, in dieser Welt vielerlei bewegliche und unbewegliche Wesen; im Haus, auf dem Feld, in der Erdhöhle, zu Hunderten und Tausenden. Was vom Hausvater getan wird, wird von ihnen allen genossen; und was von diesem verbraucht wird, darum trauert der Weise nicht. Wenn er es als Pflicht bedacht hat – höre dessen Frucht: die Frucht des mit allem Aufwand vollzogenen Pferdeopfers; im zwölften Jahr, Göttin, gelangt er zu dieser Frucht. Erkenne als höchstes Recht auch die Befreiung von den Fesseln der Hoffnung: Wer stets am Fuße eines Baumes weilt, in leeren Häusern wohnt, am Flussufer und Sandbank schläft, dem Flussufer nachgeht, von allen Bindungen frei ist und vom Band der Zuneigung, der Zweimalgeborene; wer sein eigenes Wesen im Wald auf das Selbst richtet, selbstgeworden ist, mäßig isst, mit auf die Erlösung gerichteter Tat, stets rein und gesammelt – dessen Pflicht ist ewig.

Wort für Wort
araṇyavāsinaś cānye saṃghā ye mṛgapakṣiṇām
und andere im Wald Lebende, Scharen der Tiere und Vögel (Nom.Pl.)
evaṃ bahuvidhā devi loke 'smin sacarācarāḥ
so vielerlei, Göttin, in dieser Welt Bewegliches und Unbewegliches (Nom.Pl.)
gṛhe kṣetre bile caiva śataśo 'tha sahasraśaḥ
im Haus, Feld, Erdloch, zu Hunderten und Tausenden (Lok./Adv.)
gṛhasthena kṛtaṃ karma sarvais tair upabhujyate
das vom Hausvater Getane wird von ihnen allen genossen (Instr./Part.Pass./Pass.)
upayuktaṃ ca yat teṣāṃ matimān nānuśocati
und was von ihnen verbraucht wird, darüber trauert der Kluge nicht (Part.Pass./3.Sg.Präs.)
dharma ity eva saṃkalpya yat tu tasya phalaṃ śṛṇu
als Pflicht bedacht – dessen Frucht höre (Abs./Imp.)
sarvayatnapraṇītasya hayamedhasya yat phalam
des mit aller Mühe vollzogenen Pferdeopfers Frucht (Gen./Nom.)
varṣe sa dvādaśe devi phalenaitena yujyate
im zwölften Jahr, Göttin, wird er mit dieser Frucht verbunden (Lok./Instr./3.Sg.Pass.)
āśāpāśavimokṣaś ca viddhi dharmam anuttamam
Befreiung von den Fesseln der Hoffnung: erkenne als höchstes Recht (Nom./Imp./Akk.)
vṛkṣamūlacaro nityaṃ śūnyāgāraniveśanam
stets am Fuß von Bäumen wandelnd, in leeren Häusern wohnend (Nom.)
nadīpulinaśāyī ca nadītīram anuvrajan
auf Flusssandbänken schlafend, am Flussufer entlanggehend (Nom./Part.Präs.)
vimuktaḥ sarvasaṅgebhyaḥ snehabandhena vai dvijaḥ
frei von allen Bindungen, vom Band der Zuneigung, der Zweimalgeborene (Part.Pass./Abl.Pl./Instr.)
ātmany evātmano bhāvaṃ samāyojyeha te vane
das eigene Wesen im Selbst allein sammelnd, hier im Wald (Lok./Akk./Abs.)
ātmabhūto yatāhāro mokṣadṛṣṭena karmaṇā
selbstgeworden, mit gezügelter Nahrung, mit auf Erlösung gerichteter Tat (Nom./Instr.)
pavitranityo yuktaś ca tasya dharmaḥ sanātanaḥ
stets rein und gesammelt: dessen Pflicht ist ewig (Nom./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). āśāpāśavimokṣaś ca viddhi dharmam anuttamam: die Verbindung zur vorangehenden Frucht (Pferdeopfer) ist locker [?]; sie beginnt mit dem Wechsel zum Asketenideal.

naikatra ramate sakto na caikagrāmagocaraḥ; yukto 'py aṭati yo 'yukto na caikapulineśayaḥ; umā; eṣa mokṣavidāṃ dharmo vedoktaḥ satpathe sthitaḥ; devadeva namas tubhyaṃ triyakṣa vṛṣabhadhvaja; śrutaṃ me bhagavan sarvaṃ tvatprasādān maheśvara; saṃgṛhītaṃ mayā tac ca tava vākyam anuttamam; idānīm asti saṃdeho mānuṣeṣv eva kaś cana; tulyapāṇiśiraḥkāyo rājāyam iti dṛśyate; kena karmavipākena sarvaprādhānyam arhati; sa cāpi daṇḍayan martyān bhartsayan vidhamann api; pretyabhāve kathaṃ lokāṃl labhate puṇyakarmaṇām; maheśvaraḥ; rājavṛttam ahaṃ tasmāc chrotum icchāmi mānada; tad ahaṃ te pravakṣyāmi rājadharmaṃ śubhānane; rājāyattaṃ hi tat sarvaṃ lokavṛttaṃ śubhāśubham

Er findet nirgends an einem Ort Gefallen, haftet nicht [an einem Ort], geht nicht nur in einem Dorf umher; auch wenn er gesammelt ist, wandert er ungebunden; er schläft nicht nur auf einer Sandbank.“ Umā [sprach]: „Dies ist das Recht der Erlösungskundigen, im Veda gelehrt, auf gutem Pfad stehend. Gott der Götter, Verehrung dir, Dreiäugiger, Stierbanner! Ich habe alles gehört, Herr, durch deine Gnade, Maheśvara, und diese deine unübertreffliche Rede habe ich aufgenommen. Nun aber habe ich einen Zweifel gerade bei den Menschen: Mit gleichen Händen, Kopf und Körper wird dieser als König gesehen. Durch welche Werkreifung verdient er Vorrang vor allen? Und der straft die Sterblichen, bedroht und zerschlägt sie: wie erlangt er im Jenseits die Welten der Tugendhaften?“ Maheśvara [sprach]: „Das Wesen des Königs möchte ich daher hören, Ehrer.“ – „Das will ich dir sagen, das Königsrecht, Schönantlitzige. Denn alles Gute und Schlechte im Weltlauf hängt vom König ab.

Wort für Wort
naikatra ramate sakto na caikagrāmagocaraḥ
er hängt nicht an einem Ort fest, ergötzt sich nicht, geht nicht nur zu einem Dorf (Nom./Part.Pass.)
yukto 'py aṭati yo 'yukto na caikapulineśayaḥ
selbst gesammelt wandert er ungebunden; nicht nur auf einer Sandbank schlafend (3.Sg.Präs./Nom.)
umā eṣa mokṣavidāṃ dharmo vedoktaḥ satpathe sthitaḥ
Umā: dies ist das Recht der Erlösungskundigen, im Veda genannt, auf gutem Pfad stehend (Gen.Pl./Nom./Part.Pass.)
devadeva namas tubhyaṃ triyakṣa vṛṣabhadhvaja
Gott der Götter, Verehrung dir, Dreiäugiger, Stierbanner (Vok.)
śrutaṃ me bhagavan sarvaṃ tvatprasādān maheśvara
gehört ist mir alles, Herr, durch deine Gnade, Maheśvara (Part.Pass./Abl./Vok.)
saṃgṛhītaṃ mayā tac ca tava vākyam anuttamam
und aufgenommen ist von mir deine unübertreffliche Rede (Part.Pass./Instr.)
idānīm asti saṃdeho mānuṣeṣv eva kaś cana
jetzt gibt es einen Zweifel gerade bei den Menschen (Nom./Lok.Pl.)
tulyapāṇiśiraḥkāyo rājāyam iti dṛśyate
mit gleichen Händen, Kopf, Körper: dieser wird als König gesehen (Nom./3.Sg.Pass.)
kena karmavipākena sarvaprādhānyam arhati
durch welche Werkreifung verdient er Vorrang vor allem (Instr./3.Sg.Präs.)
sa cāpi daṇḍayan martyān bhartsayan vidhamann api
und er, Sterbliche strafend, bedrohend, zerschlagend (Part.Präs.)
pretyabhāve kathaṃ lokāṃl labhate puṇyakarmaṇām
im Jenseits, wie erlangt er die Welten der Tugendhaften (Lok./Akk.Pl./Gen.Pl.)
maheśvaraḥ rājavṛttam ahaṃ tasmāc chrotum icchāmi mānada
Maheśvara: das Wesen des Königs will ich daher hören, Ehrer (Akk./Inf./Vok.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi rājadharmaṃ śubhānane
das will ich dir sagen, das Königsrecht, Schönantlitzige (1.Sg.Fut./Akk./Vok.)
rājāyattaṃ hi tat sarvaṃ lokavṛttaṃ śubhāśubham
denn vom König abhängig ist all dies, der Weltlauf, Gutes und Schlechtes (Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben wie überliefert (umgekehrt zum Sinn). tulyapāṇiśiraḥkāya: „mit gleichen Händen, Kopf und Körper (wie andere)“.

mahatas tapaso devi phalaṃ rājyam iti smṛtam; tapodānamayaṃ rājyaṃ paraṃ sthānaṃ vidhīyate; tasmād rājñaḥ sadā martyāḥ praṇamanti yatas tataḥ; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini; tasmāt tasyaiva caritaṃ jagatpathyaṃ śṛṇu priye; arājake purā tv āsīt prajānāṃ saṃkulaṃ mahat; tad dṛṣṭvā saṃkulaṃ brahmā manuṃ rājye nyaveśayat; tadāprabhṛti saṃdṛṣṭaṃ rājñāṃ vṛttaṃ śubhāśubham; tan me śṛṇu varārohe tasya pathyaṃ jagaddhitam; yathā pretya labhet svargaṃ yathā vīryaṃ yaśas tathā; pitryaṃ vā bhūtapūrvaṃ vā svayam utpādya vā punaḥ; rājadharmam anuṣṭhāya vidhivad bhoktum arhati; ātmānam eva prathamaṃ vinayair upapādayet; anu bhṛtyān prajāḥ paścād ity eṣa vinayakramaḥ

Die Frucht großer Askese, Göttin, ist die Königsherrschaft, so heißt es. Die aus Askese und Gabe bestehende Herrschaft gilt als höchster Stand. Daher verneigen sich die Sterblichen überall vor dem König. Der Ordnung gemäß bist du, Erhabene, hörwillig, Liebe; darum höre das Wesen eben dessen, was der Welt heilsam ist, Liebe. Einst gab es unter den Geschöpfen ohne König große Verwirrung; als Brahmā diese Verwirrung sah, setzte er Manu in die Herrschaft ein. Seitdem wird das Wesen der Könige – gutes und schlechtes – gesehen. Das höre von mir, Schönhüftige – was ihm heilsam und zum Wohl der Welt ist –, wie er im Jenseits den Himmel erlangt und wie [er] Kraft und Ruhm [erlangt]: ob er die Herrschaft vom Vater [ererbt], ob von früher her gehabt, ob er sie selbst neu erzeugt hat – nach der Königspflicht handelnd, verdient er es, [sie] nach Vorschrift zu genießen. Er soll zuerst sich selbst durch Zucht bilden, danach die Diener und die Untertanen – dies ist die Reihenfolge der Zucht.

Wort für Wort
mahatas tapaso devi phalaṃ rājyam iti smṛtam
großer Askese Frucht, Göttin, ist Herrschaft, so heißt es (Gen./Nom./Part.Pass.)
tapodānamayaṃ rājyaṃ paraṃ sthānaṃ vidhīyate
aus Askese und Gabe bestehend, die Herrschaft, wird als höchster Stand bestimmt (Nom.n./3.Sg.Pass.)
tasmād rājñaḥ sadā martyāḥ praṇamanti yatas tataḥ
daher verneigen sich die Sterblichen vor dem König überall (Abl./Akk.Pl./Nom.Pl.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini
der Ordnung gemäß bist du hörwillig, Erhabene (Adv./Nom.f./2.Sg.)
tasmāt tasyaiva caritaṃ jagatpathyaṃ śṛṇu priye
daher höre dessen Wesen, weltheilsam, Liebe (Nom.n./Imp./Vok.)
arājake purā tv āsīt prajānāṃ saṃkulaṃ mahat
in der Königlosigkeit war einst unter den Geschöpfen große Verwirrung (Lok./3.Sg.Impf./Nom.)
tad dṛṣṭvā saṃkulaṃ brahmā manuṃ rājye nyaveśayat
das sehend setzte Brahmā Manu in die Herrschaft ein (Abs./Akk./Lok./3.Sg.Impf.)
tadāprabhṛti saṃdṛṣṭaṃ rājñāṃ vṛttaṃ śubhāśubham
seitdem wird der Könige Wandel, gut und schlecht, gesehen (Part.Pass./Gen.Pl./Nom.)
tan me śṛṇu varārohe tasya pathyaṃ jagaddhitam
das höre von mir, Schönhüftige – ihm heilsam, der Welt nützlich (Imp./Nom.n.)
yathā pretya labhet svargaṃ yathā vīryaṃ yaśas tathā
wie er im Jenseits den Himmel, wie er Kraft, ebenso Ruhm erlangt (Opt./Akk.)
pitryaṃ vā bhūtapūrvaṃ vā svayam utpādya vā punaḥ
ob väterlich, ob früher gehabt, ob selbst neu erzeugt (Abs.)
rājadharmam anuṣṭhāya vidhivad bhoktum arhati
nach Ausübung der Königspflicht verdient er, nach Vorschrift zu genießen (Abs./Inf./3.Sg.Präs.)
ātmānam eva prathamaṃ vinayair upapādayet
sich selbst zuerst soll er durch Zucht ausbilden (Akk./Instr.Pl./Opt.Kaus.)
anu bhṛtyān prajāḥ paścād ity eṣa vinayakramaḥ
danach die Diener, danach die Untertanen: dies ist die Reihenfolge der Zucht (Akk.Pl./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). pitryaṃ vā bhūtapūrvaṃ vā svayam utpādya vā punaḥ: „väterlich ererbt / früher da gewesen / selbst neu geschaffen“ – Herrschaftsformen [?].

svāminaṃ copamāṃ kṛtvā prajās tadvṛttakāṅkṣayā; svayaṃ vinayasaṃpannā bhavantīha śubhekṣaṇe; tasmāt pūrvataraṃ rājā ātmānaṃ vinaye nayet; yo vinītaḥ svayaṃ rājā vinayaty eva vai prajāḥ; apahāsyo bhavet tādṛk svadoṣasyānavekṣaṇāt; vidyābhyāsair vṛddhayogair ātmānaṃ vinayaṃ nayet; vidyā dharmārthaphalinī tadvido vṛddhasaṃjñitāḥ; indriyāṇāṃ jayo devi ata ūrdhvam udāhṛtam; ajaye sumahān doṣo rājānaṃ vinipātayet; pañcaiva svavaśān kṛtvā tadarthān pañca śoṣayet; ṣaḍ utsṛjya yathāyogaṃ jñānena vinayena ca; śāstracakṣur nayaparo bhūtvā bhṛtyān samāharet; vṛttaśrutakulopetān upadhābhiḥ parīkṣitān; amātyān upadhātītān sāpasarpāñ jitendriyān; yojayeta yathāyogaṃ yathārhaṃ sveṣu karmasu

Den Herrn zum Vorbild nehmend und aus Begehren nach seinem Wandel werden die Untertanen hier von selbst bescheiden, Schönäugige. Daher soll der König zuerst sich selbst zur Bescheidenheit führen. Der König, der selbst diszipliniert ist, diszipliniert eben die Untertanen. Sonst wäre er lächerlich, weil er die eigenen Fehler nicht beachtet. Durch Übung im Wissen und Umgang mit Alten soll er sich zur Zucht führen; das Wissen trägt Recht und Nutzen als Frucht; die es kennen, heißen „Alte“. Der Sieg über die Sinne, Göttin, wird danach genannt; bei Nichtsieg kann ein sehr großer Fehler den König zu Fall bringen. Fünf soll er sich unterwerfen und deren Gegenstände fünf ... austrocknen; sechs soll er nach Gelegenheit aufgeben, durch Wissen und Zucht; das Lehrbuch als Auge, der Staatskunst ergeben, soll er Diener sammeln: an Wandel, Bildung und Herkunft Ausgezeichnete, durch Proben geprüfte Minister, unbestechlich, mit Spähern [ausgestattet], sinnenbezwungen; er soll sie angemessen, würdig, in ihre jeweiligen Ämter einsetzen.

Wort für Wort
svāminaṃ copamāṃ kṛtvā prajās tadvṛttakāṅkṣayā
den Herrn zum Vergleichsmaßstab nehmend, die Untertanen, im Begehren nach seinem Wandel (Akk./Abs./Instr.)
svayaṃ vinayasaṃpannā bhavantīha śubhekṣaṇe
von selbst mit Bescheidenheit begabt werden sie hier, Schönäugige (Nom.Pl.f./Vok.)
tasmāt pūrvataraṃ rājā ātmānaṃ vinaye nayet
daher soll der König zuvor sich selbst zur Zucht führen (Abl./Nom./Akk./Opt.)
yo vinītaḥ svayaṃ rājā vinayaty eva vai prajāḥ
der selbst gezügelte König zügelt die Untertanen (Nom.Part./3.Sg.Kaus.)
apahāsyo bhavet tādṛk svadoṣasyānavekṣaṇāt
lächerlich wäre ein solcher wegen Nichtbeachtung eigener Fehler (Opt./Abl.)
vidyābhyāsair vṛddhayogair ātmānaṃ vinayaṃ nayet
durch Wissensübung und Umgang mit Alten soll er sich zur Zucht führen (Instr.Pl./Opt.)
vidyā dharmārthaphalinī tadvido vṛddhasaṃjñitāḥ
Wissen trägt Recht und Nutzen zur Frucht; die es kennen, heißen Alte (Nom.f./Nom.Pl.)
indriyāṇāṃ jayo devi ata ūrdhvam udāhṛtaḥ
der Sieg über die Sinne, Göttin, wird danach genannt (Gen.Pl./Nom./Part.Pass.)
ajaye sumahān doṣo rājānaṃ vinipātayet
bei Nichtsieg würde ein sehr großer Fehler den König stürzen (Lok./Nom./Opt.Kaus.)
pañcaiva svavaśān kṛtvā tadarthān pañca śoṣayet
fünf sich unterworfen, deren Gegenstände fünf soll er austrocknen (Abs./Opt.Kaus.)
ṣaḍ utsṛjya yathāyogaṃ jñānena vinayena ca
sechs aufgebend nach Gelegenheit, durch Wissen und Zucht (Abs./Instr.)
śāstracakṣur nayaparo bhūtvā bhṛtyān samāharet
das Lehrbuch als Auge, der Staatskunst ergeben, soll er Diener zusammenbringen (Nom./Abs./Opt.)
vṛttaśrutakulopetān upadhābhiḥ parīkṣitān
mit Wandel, Bildung, Herkunft ausgestattete, durch Proben geprüfte (Akk.Pl./Instr.Pl.)
amātyān upadhātītān sāpasarpāñ jitendriyān
Minister, unbestechlich, mit Spähern, sinnenbezwungen (Akk.Pl.)
yojayeta yathāyogaṃ yathārhaṃ sveṣu karmasu
er soll [sie] angemessen, würdig in ihren Ämtern einsetzen (Opt.Kaus./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). pañcaiva svavaśān kṛtvā tadarthān pañca śoṣayet; ṣaḍ utsṛjya: „fünf … / sechs …“ – Anspielung auf die fünf Sinne bzw. sechs Feinde (Begierde, Zorn usw.); der Text ist knapp und die Deutung unsicher [?].

amātyā buddhisaṃpannā rāṣṭraṃ bahujanapriyam; durādharṣaṃ puraśreṣṭhaṃ kośaḥ kṛcchrasahaḥ smṛtaḥ; anuraktaṃ balaṃ sāram advaidhaṃ mitram eva ca; etāḥ prakṛtayaḥ ṣaṭ ca svāmī ca nayatattvavit; prajānāṃ rakṣaṇārthāya sarvam etad vinirmitam; ābhiḥ karaṇabhūtābhiḥ kuryāl lokahitaṃ nṛpaḥ; ātmarakṣā nṛpendrasya prajārakṣārtham iṣyate; tasmāt satatam ātmānaṃ saṃrakṣed apramādavān; bhojanācchādanāt snānād bahir niṣkramaṇād api; nityaṃ strīgaṇasaṃyogād rakṣed ātmānam ātmavān; svebhyaś caiva parebhyaś ca śastrād api viṣād api; satataṃ putradārebhyo rakṣed ātmānam ātmavān; sarvebhya eva sthānebhyo rakṣed ātmānam ātmavān; prajānāṃ rakṣaṇārthāya prajāhitakaro bhavet

Minister, mit Verstand begabt, ein bei vielen Menschen beliebtes Reich, eine unbezwingbare beste Stadt, eine Schatzkammer, die Not übersteht, ein ergebenes, kräftiges Heer und ein Freund ohne Zwiespalt – dies sind die sechs Bestandteile [des Staates] und der Herr, der die Staatskunst kennt. Zum Schutz der Untertanen ist all dies geschaffen. Mit diesen als Werkzeugen soll der König das Wohl der Welt bewirken. Der Selbstschutz des Königs wird um des Schutzes der Untertanen willen gewünscht; deshalb soll er sich stets unachtsamkeitslos selbst schützen: bei Essen, Kleidung und Bad, beim Hinausgehen nach draußen, immer beim Umgang mit der Frauenschar soll der Selbstbeherrschte sich schützen; vor den Eigenen und vor Fremden, vor Waffe und Gift, stets vor Söhnen und Frauen soll der Selbstbeherrschte sich schützen; vor allen Stellen soll der Selbstbeherrschte sich schützen; zum Schutz der Untertanen soll er ein Wohltäter der Untertanen sein.

Wort für Wort
amātyā buddhisaṃpannā rāṣṭraṃ bahujanapriyam
Minister, verständig; das Reich, bei vielen Menschen beliebt (Nom.Pl./Nom.n.)
durādharṣaṃ puraśreṣṭhaṃ kośaḥ kṛcchrasahaḥ smṛtaḥ
unbezwingbar die beste Stadt, die Schatzkammer, not-ertragend, überliefert (Nom.n./Nom.)
anuraktaṃ balaṃ sāram advaidhaṃ mitram eva ca
ein ergebenes Heer, kräftig, und ein Freund ohne Zwiespalt (Nom.n.)
etāḥ prakṛtayaḥ ṣaṭ ca svāmī ca nayatattvavit
dies sind die sechs Bestandteile und der Herr, der Staatskunst kundig (Nom.Pl.f./Nom.)
prajānāṃ rakṣaṇārthāya sarvam etad vinirmitam
zum Schutz der Untertanen ist all dies geschaffen (Dat./Part.Pass.)
ābhiḥ karaṇabhūtābhiḥ kuryāl lokahitaṃ nṛpaḥ
mit diesen als Werkzeugen soll der König Weltwohl tun (Instr.Pl./Opt.)
ātmarakṣā nṛpendrasya prajārakṣārtham iṣyate
Selbstschutz des Königs wird zum Schutz der Untertanen gewünscht (Nom.f./Gen./Pass.)
tasmāt satatam ātmānaṃ saṃrakṣed apramādavān
daher soll er stets sich schützen, unachtsam nicht (Abl./Opt./Nom.)
bhojanācchādanāt snānād bahir niṣkramaṇād api
bei Essen, Kleidung, Bad, auch beim Hinausgehen (Abl.)
nityaṃ strīgaṇasaṃyogād rakṣed ātmānam ātmavān
stets beim Umgang mit der Frauenschar soll der Selbstbeherrschte sich schützen (Abl./Opt.)
svebhyaś caiva parebhyaś ca śastrād api viṣād api
vor Eigenen und vor Fremden, vor Waffe und vor Gift (Abl.)
satataṃ putradārebhyo rakṣed ātmānam ātmavān
stets vor Söhnen und Frauen soll der Selbstbeherrschte sich schützen (Abl.Pl.)
sarvebhya eva sthānebhyo rakṣed ātmānam ātmavān
vor allen Stellen soll der Selbstbeherrschte sich schützen (Abl.Pl.)
prajānāṃ rakṣaṇārthāya prajāhitakaro bhavet
zum Schutz der Untertanen soll er der Untertanen Wohl bewirken (Dat./Nom./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die sechs „prakṛtis“ (amātya, rāṣṭra, durga, kośa, bala, mitra) plus Herr ergeben die Siebenheit des Staates; der Text nennt sie im Zählvers mit „ṣaṭ“ und dem svāmin [Anm.: Zählung nach Text].

prajākāryaṃ tu tatkāryaṃ prajāsaukhyaṃ tu tatsukham; prajāpriyaṃ priyaṃ tasya svahitaṃ hi prajāhitam; prajārthaṃ tasya sarvasvam ātmārthaṃ na vidhīyate; prakṛtīnāṃ vivādārthaṃ rāgadveṣau vyudasya ca; ubhayoḥ pakṣayor vādaṃ śrutvā caiva yathātatham; tam arthaṃ vimṛśed buddhyā svayam ā tattvadarśanāt; tadvidbhir bahubhir vṛddhaiḥ sahāsīno narottamaiḥ; kartāram aparādhaṃ ca deśakālau nayānayau; jñātvā samyag yathāśāstraṃ tato daṇḍaṃ nayen nṛṣu; evaṃ kurvaṃl labhed dharmaṃ pakṣapātavivarjanāt; pratyakṣāptopadeśābhyām anumānena vā punaḥ; boddhavyaṃ satataṃ rājñā deśavṛttaṃ śubhāśubham; cāraiḥ karmapravṛttyā ca tad vijñāya vicārayan; aśubhaṃ nirharet sadyo joṣayec chubham ātmanaḥ

Das Werk der Untertanen ist sein Werk, das Glück der Untertanen sein Glück, was den Untertanen lieb ist, ist ihm lieb; das eigene Wohl ist das Wohl der Untertanen. Für die Untertanen ist sein ganzer Besitz, nicht wird er für sich selbst bestimmt. Wenn es zum Streit unter den Untertanen kommt, soll er Zuneigung und Abneigung beiseitelassen und die Rede beider Parteien wahrheitsgemäß anhören, dann die Sache mit Verstand prüfen, selbst bis zur Erkenntnis der Wahrheit; im Beisein vieler kundiger Alter, der besten Männer, soll er, Täter und Vergehen, Ort und Zeit, Recht und Unrecht recht erkennend, nach dem Lehrbuch dann die Strafe unter den Menschen verhängen. So handelnd erlangt er Recht, weil er Parteilichkeit meidet. Durch unmittelbare Wahrnehmung, durch Zeugnis Zuverlässiger oder durch Schluss soll der König stets Gutes und Schlechtes im Land erkennen; durch Späher und durch die Tätigkeit [der Beamten] soll er das erkennen und erwägen: das Schlechte entfernen, das Gute für sich pflegen.

Wort für Wort
prajākāryaṃ tu tatkāryaṃ prajāsaukhyaṃ tu tatsukham
der Untertanen Sache ist seine Sache, der Untertanen Glück sein Glück (Nom.n.)
prajāpriyaṃ priyaṃ tasya svahitaṃ hi prajāhitam
was den Untertanen lieb ist, ist ihm lieb; sein Wohl ist der Untertanen Wohl (Nom.n.)
prajārthaṃ tasya sarvasvam ātmārthaṃ na vidhīyate
für die Untertanen ist sein ganzer Besitz, für sich wird er nicht bestimmt (Adv./Nom.n./3.Sg.Pass.)
prakṛtīnāṃ vivādārthaṃ rāgadveṣau vyudasya ca
im Streit der Untertanen Zuneigung und Abneigung beiseite tuend (Gen.Pl./Akk./Abs.)
ubhayoḥ pakṣayor vādaṃ śrutvā caiva yathātatham
und die Rede beider Parteien wahrheitsgemäß hörend (Gen.Du./Akk./Abs.)
tam arthaṃ vimṛśed buddhyā svayam ā tattvadarśanāt
die Sache soll er mit Verstand prüfen, selbst bis zur Wahrheitserkenntnis (Opt./Instr./Abl.)
tadvidbhir bahubhir vṛddhaiḥ sahāsīno narottamaiḥ
mit vielen kundigen Alten, den besten Männern, sitzend (Instr.Pl./Nom.)
kartāram aparādhaṃ ca deśakālau nayānayau
Täter und Vergehen, Ort und Zeit, Recht und Unrecht (Akk.)
jñātvā samyag yathāśāstraṃ tato daṇḍaṃ nayen nṛṣu
recht erkennend, nach dem Lehrbuch, dann die Strafe unter den Menschen verhängen (Abs./Opt.)
evaṃ kurvaṃl labhed dharmaṃ pakṣapātavivarjanāt
so handelnd erlangt er Recht, durch Meiden von Parteilichkeit (Part.Präs./Opt./Abl.)
pratyakṣāptopadeśābhyām anumānena vā punaḥ
durch Augenschein, Zeugnis Zuverlässiger oder durch Schluss (Instr.)
boddhavyaṃ satataṃ rājñā deśavṛttaṃ śubhāśubham
zu erkennen ist stets vom König das Wesen des Landes, Gutes und Schlechtes (Gerundiv/Instr.)
cāraiḥ karmapravṛttyā ca tad vijñāya vicārayan
durch Späher und Amtstätigkeit, das erkennend, erwägend (Instr.Pl./Abs./Part.)
aśubhaṃ nirharet sadyo joṣayec chubham ātmanaḥ
das Schlechte soll er sofort entfernen, das Gute für sich pflegen (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). prajāpriyaṃ priyaṃ tasya svahitaṃ hi prajāhitam: wörtlich „was den Untertanen lieb ist, ist sein Liebes; sein Wohl ist der Untertanen Wohl“.

garhyān vigarhayed eva pūjyān saṃpūjayet tathā; daṇḍyāṃś ca daṇḍayed devi nātra kāryā vicāraṇā; pañcāpekṣaṃ sadā mantraṃ kuryād buddhiyutair naraiḥ; kulavṛttaśrutopetair nityaṃ mantraparo bhavet; kāmarāgeṇa vai mūrkhair naiva mantramanā bhavet; rājā rāṣṭrahitāpekṣaḥ satyadharmāṇi kārayet; sarvodyogaṃ svayaṃ kuryād durgādiṣu sadā nṛpaḥ; deśavṛddhikarān bhṛtyān apramādena kārayet; deśakṣayakarān sarvān saṃpriyān api varjayet; ahany ahani saṃpaśyed anujīvigaṇaṃ svayam; sumukhaḥ supriyo bhūtvā samyag vṛttaṃ samādiśet; adharmyaṃ paruṣaṃ tīkṣṇaṃ vākyaṃ vaktuṃ na cārhati; nare nare guṇān doṣān samyag veditum arhati; sveṅgitaṃ vṛṇuyād dhairyān na kuryāt kṣudrasaṃvidam

Wer zu tadeln ist, soll er tadeln, wer zu ehren ist, ehren, und wer zu strafen ist, Göttin, strafen; dabei ist nicht zu zögern. Er soll stets mit verständigen Männern eine Beratung mit fünffachem Blick halten; mit Menschen von Herkunft, Wandel und Bildung soll er stets beratend sein; nie soll er mit Toren, die von Begierde geleitet sind, beraten. Der König, auf das Wohl des Reiches bedacht, soll wahre Rechtsgeschäfte vollziehen lassen. Alles Bemühen soll der König selbst in den Burgen und dergleichen aufbringen. Diener, die das Land mehren, soll er ohne Unachtsamkeit wirken lassen; alle, die das Land schädigen, soll er meiden, selbst wenn sie ihm lieb sind. Tag für Tag soll er die Schar der Abhängigen selbst prüfen; freundlich, liebenswürdig soll er einen geordneten Wandel befehlen. Unrechtes, hartes, scharfes Wort darf er nicht sprechen; bei jedem Menschen soll er Vorzüge und Fehler recht zu erkennen wissen. Seine Absicht soll er aus Standhaftigkeit wählen [?]; er soll kein niedriges Abkommen schließen.

Wort für Wort
garhyān vigarhayed eva pūjyān saṃpūjayet tathā
Tadelnswerte soll er tadeln, zu Ehrende ebenso ehren (Akk.Pl./Opt.Kaus.)
daṇḍyāṃś ca daṇḍayed devi nātra kāryā vicāraṇā
und zu Strafende strafen, Göttin; hier ist kein Zögern am Platz (Akk.Pl./Opt./Vok./Gerundiv)
pañcāpekṣaṃ sadā mantraṃ kuryād buddhiyutair naraiḥ
stets eine auf fünf [Aspekte] bezogene Beratung soll er mit verständigen Männern halten (Akk./Opt./Instr.Pl.)
kulavṛttaśrutopetair nityaṃ mantraparo bhavet
mit Herkunft, Wandel und Bildung Begabten soll er stets beratend sein (Instr.Pl./Opt.)
kāmarāgeṇa vai mūrkhair naiva mantramanā bhavet
mit Toren, die von Begierde bestimmt sind, soll er nie beratend sein (Instr./Instr.Pl.)
rājā rāṣṭrahitāpekṣaḥ satyadharmāṇi kārayet
der König, auf das Wohl des Reiches bedacht, soll wahrhaftes Recht vollziehen lassen (Nom./Akk.Pl./Opt.Kaus.)
sarvodyogaṃ svayaṃ kuryād durgādiṣu sadā nṛpaḥ
alles Bemühen soll der König selbst in Burgen und dergleichen aufbringen (Akk./Opt./Lok.Pl.)
deśavṛddhikarān bhṛtyān apramādena kārayet
Diener, die das Land mehren, soll er sorgfältig wirken lassen (Akk.Pl./Instr./Opt.Kaus.)
deśakṣayakarān sarvān saṃpriyān api varjayet
alle Landschädiger, auch wenn sie lieb sind, soll er meiden (Akk.Pl./Opt.Kaus.)
ahany ahani saṃpaśyed anujīvigaṇaṃ svayam
Tag für Tag soll er die Schar der Abhängigen selbst mustern (Lok./Opt./Akk.)
sumukhaḥ supriyo bhūtvā samyag vṛttaṃ samādiśet
freundlich, liebenswürdig, soll er rechten Wandel befehlen (Nom./Abs./Opt.)
adharmyaṃ paruṣaṃ tīkṣṇaṃ vākyaṃ vaktuṃ na cārhati
unrechtes, hartes, scharfes Wort zu sprechen darf er nicht (Akk./Inf./3.Sg.Präs.)
nare nare guṇān doṣān samyag veditum arhati
bei Mann für Mann soll er Vorzüge und Fehler recht zu erkennen wissen (Lok./Akk.Pl./Inf.)
sveṅgitaṃ vṛṇuyād dhairyān na kuryāt kṣudrasaṃvidam
die eigene Absicht soll er aus Standhaftigkeit wählen, kein niedriges Abkommen schließen (Opt./Abl./Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). pañcāpekṣaṃ mantram: „Beratung mit Blick auf fünf [Aspekte]“; sveṅgitaṃ vṛṇuyād dhairyāt ist knapp und mehrdeutig [?].

pareṅgitajño lokajño bhūtvā saṃsargam ācaret; svataś ca parataś caiva parasparabhayād api; amānuṣabhayebhyaś ca svāḥ prajāḥ pālayen nṛpaḥ; lubdhāḥ kaṭhorāś cādhyakṣā mānavā dasyuvṛttayaḥ; nigrāhyā eva te rājñā saṃgṛhītā yatas tataḥ; kumārān vinayair eva janmaprabhṛti yojayet; teṣām ātmaguṇopetaṃ yauvarājye niyojayet; prakṛtīnāṃ yathā na syād rājyabhraṃśodbhavaṃ bhayam; etat saṃcintayan nityaṃ tadvidhānaṃ tathārhati; arājakaṃ kṣaṇam api rāṣṭraṃ na syād dhi śobhane; ātmano 'nuvidhānāya yauvarājyaṃ sadeṣyate; kulajānāṃ ca vaidyānāṃ śrotriyāṇāṃ tapasvinām; anyeṣāṃ vṛttayuktānāṃ viśeṣaṃ kartum arhati; ātmārthaṃ rājyatantrārthaṃ kośasaṃcayam ārabhet

Den Wink anderer erkennend, weltkundig geworden, soll er den Umgang pflegen. Von sich aus und von anderen, auch aus gegenseitiger Furcht und vor nichtmenschlichen Gefahren, soll der König seine Untertanen schützen. Habgierige, harte Aufseher, Menschen mit Räubergewerbe – diese sind vom König zu bändigen, wo immer er sie ergreift. Die Prinzen soll er von Geburt an durch Erziehung [zur Zucht] anhalten; den mit eigenen Vorzügen Ausgestatteten soll er zum Thronfolger bestimmen, damit bei den Untertanen keine Furcht vor einem Herrschaftsverlust entsteht. Dies stets bedenkend, verdient er dazu die Maßnahme. Ein Reich, Schöne, darf keinen Augenblick ohne König sein; zur eigenen Vertretung wird stets ein Thronfolger gewünscht. Unter Edelgeborenen, Ärzten, Vedakundigen, Asketen und anderen, die guten Wandel haben, soll er besondere Auszeichnung erweisen. Für sich und für die Staatsverwaltung soll er den Aufbau der Schatzkammer beginnen.

Wort für Wort
pareṅgitajño lokajño bhūtvā saṃsargam ācaret
den Wink anderer kennend, weltkundig, soll er Umgang pflegen (Nom./Abs./Opt.)
svataś ca parataś caiva parasparabhayād api
von sich aus und von anderen, und aus gegenseitiger Furcht (Adv./Abl.)
amānuṣabhayebhyaś ca svāḥ prajāḥ pālayen nṛpaḥ
und vor nichtmenschlicher Gefahr soll der König seine Untertanen schützen (Abl.Pl./Opt.)
lubdhāḥ kaṭhorāś cādhyakṣā mānavā dasyuvṛttayaḥ
Habgierige, Harte, Aufseher, Menschen mit Räubergewerbe (Nom.Pl.)
nigrāhyā eva te rājñā saṃgṛhītā yatas tataḥ
diese sind vom König zu bändigen, wo immer ergriffen (Gerundiv/Instr./Part.Pass.)
kumārān vinayair eva janmaprabhṛti yojayet
die Prinzen von Geburt an durch Zucht [zur Zucht] anhalten (Akk.Pl./Instr.Pl./Opt.Kaus.)
teṣām ātmaguṇopetaṃ yauvarājye niyojayet
von ihnen den mit eigenen Vorzügen Begabten zum Thronfolgeramt bestimmen (Gen.Pl./Akk./Lok./Opt.Kaus.)
prakṛtīnāṃ yathā na syād rājyabhraṃśodbhavaṃ bhayam
damit bei den Untertanen keine Furcht vor Herrschaftsverlust entstehe (Gen.Pl./Opt./Nom.n.)
etat saṃcintayan nityaṃ tadvidhānaṃ tathārhati
dies stets bedenkend, verdient er dazu die Maßnahme (Part.Präs./Akk./3.Sg.Präs.)
arājakaṃ kṣaṇam api rāṣṭraṃ na syād dhi śobhane
ein Reich ohne König darf keinen Augenblick sein, Schöne (Nom.n./Opt./Vok.)
ātmano 'nuvidhānāya yauvarājyaṃ sadeṣyate
zur eigenen Vertretung wird stets ein Thronfolger gewünscht (Dat./Nom.n./Pass.)
kulajānāṃ ca vaidyānāṃ śrotriyāṇāṃ tapasvinām
unter Edelgeborenen, Ärzten, Vedakundigen, Asketen (Gen.Pl.)
anyeṣāṃ vṛttayuktānāṃ viśeṣaṃ kartum arhati
und anderen von gutem Wandel soll er Auszeichnung erweisen (Gen.Pl./Akk./Inf.)
ātmārthaṃ rājyatantrārthaṃ kośasaṃcayam ārabhet
für sich und für die Staatsverwaltung soll er den Schatzaufbau beginnen (Adv./Akk./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). amānuṣabhayebhyaḥ: „vor Gefahren, die nicht von Menschen ausgehen“ (Tiere, Elemente, Dämonen). yauvarājya: Thronfolgeramt.

durgād rāṣṭrāt samudrāc ca vaṇigbhyaḥ puruṣātyayāt; parātmaguṇasārābhyāṃ bhṛtyapoṣaṇam ācaret; vāhanānāṃ vidhāyāgre poṣaṇaṃ yaudhakarmasu; sādaraḥ satataṃ bhūtvā apekṣāvratam ācaret; caturdhā vibhajet kośaṃ dharmabhṛtyātmakāraṇāt; āpadarthaṃ ca nītijño deśakālavaśena tu; anāthān vyādhitān vṛddhān svadeśe poṣayen nṛpaḥ; saṃdhiṃ ca vigrahaṃ caiva tadviśeṣāṃs tathāparān; yathāvat saṃvimṛśyaiva buddhipūrvaṃ samācaret; sarveṣāṃ sa priyo bhūtvā maṇḍalaṃ satataṃ caret; śubheṣv api ca kāryeṣu na caiko 'ntaḥ samācaret; svataś ca parataś caiva vyasanāni vimṛśya tu; pareṇa dhārmikān nyāyān nātīyād dveṣalobhataḥ; rakṣyatvaṃ vai prajādharmaḥ kṣatradharmas tu rakṣaṇam

aus Burg, Reich, Meer, von Kaufleuten und durch Ausnutzen von [Feinden]/Menschenverlust [?] – er soll mit Blick auf die eigenen und fremden Vorzüge und Stärke den Unterhalt der Diener ordnen. Er soll Reittiere zuerst versorgen, bei den Kriegsarbeiten sorgfältig stets das Gelübde des Aufpassens üben. Er soll die Schatzkammer in vier Teile teilen: für Recht, Diener und sich selbst; und, der Staatskunst kundig, für den Notfall, je nach Ort und Zeit. Der König soll Hilflose, Kranke und Alte in seinem Land ernähren. Frieden und Krieg und deren besondere Formen und andere [Mittel] soll er recht abwägen und verständig anwenden. Er soll allen lieb werden und stets den [Staaten-]Kreis durchmustern; auch bei guten Vorhaben soll er sich nicht allein auf ein Ende einlassen. Bei eigenen und fremden Nöten, nachdem er sie erwogen hat, soll er nicht aus Hass oder Habgier über die rechtlichen Regeln des Gegners hinausgehen. Beschützt zu werden ist die Pflicht der Untertanen; die Pflicht des Kṣatriya aber ist Schutz.

Wort für Wort
durgād rāṣṭrāt samudrāc ca vaṇigbhyaḥ puruṣātyayāt
aus Burg, Reich, Meer, von Kaufleuten, durch Menschenverlust [?] (Abl.)
parātmaguṇasārābhyāṃ bhṛtyapoṣaṇam ācaret
mit Blick auf fremde und eigene Vorzüge und Stärke soll er den Dienerunterhalt ordnen (Abl.Du./Akk./Opt.)
vāhanānāṃ vidhāyāgre poṣaṇaṃ yaudhakarmasu
der Reittiere Versorgung zuerst ordnend, bei Kriegsarbeiten (Gen.Pl./Abs./Akk./Lok.Pl.)
sādaraḥ satataṃ bhūtvā apekṣāvratam ācaret
sorgsam stets, das Gelübde der Umsicht üben (Nom./Abs./Akk./Opt.)
caturdhā vibhajet kośaṃ dharmabhṛtyātmakāraṇāt
in vier Teile soll er die Schatzkammer teilen, für Recht, Diener, sich selbst (Adv./Opt./Akk./Abl.)
āpadarthaṃ ca nītijño deśakālavaśena tu
und für den Notfall, der Staatskunst Kundige, je nach Ort und Zeit (Adv./Nom./Instr.)
anāthān vyādhitān vṛddhān svadeśe poṣayen nṛpaḥ
Hilflose, Kranke, Alte soll der König im eigenen Land ernähren (Akk.Pl./Lok./Opt.Kaus.)
saṃdhiṃ ca vigrahaṃ caiva tadviśeṣāṃs tathāparān
Frieden und Krieg und deren besondere Formen und andere (Akk.)
yathāvat saṃvimṛśyaiva buddhipūrvaṃ samācaret
recht abwägend, mit Verstand voran soll er vorgehen (Abs./Adv./Opt.)
sarveṣāṃ sa priyo bhūtvā maṇḍalaṃ satataṃ caret
allen lieb geworden soll er den Kreis stets durchmustern (Gen.Pl./Nom./Abs./Akk./Opt.)
śubheṣv api ca kāryeṣu na caiko 'ntaḥ samācaret
auch bei guten Vorhaben soll er nicht [nur] auf ein Ende sich einlassen (Lok.Pl./Opt.)
svataś ca parataś caiva vyasanāni vimṛśya tu
bei eigenen und fremden Nöten, sie erwogen habend (Adv./Akk.Pl./Abs.)
pareṇa dhārmikān nyāyān nātīyād dveṣalobhataḥ
die rechtlichen Regeln des Gegners soll er nicht aus Hass oder Habgier überschreiten (Instr./Akk.Pl./Opt./Abl.)
rakṣyatvaṃ vai prajādharmaḥ kṣatradharmas tu rakṣaṇam
Beschütztwerden ist die Pflicht der Untertanen, die Pflicht des Kṣatriya aber ist Schutz (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). durgād rāṣṭrāt samudrāc ca vaṇigbhyaḥ puruṣātyayāt: „durch Ausnutzen von [Feinden]/Menschenverlust“ – puruṣātyaya ist unklar [?]. maṇḍalaṃ satataṃ caret: Staatenkreis (mandala). na caiko 'ntaḥ samācaret: Text knapp [?]. Der Abschnitt endet hier; die folgende Fortsetzung steht im nächsten Chunk.

kunṛpaiḥ pīḍitās tasmāt prajāḥ sarvatra pālayet; yātrākālam avekṣyaiva paścāt kopaḥ phalodayam; tadyuktāś cāpadaś caiva prāg yānād iti cintayet; vyasanebhyo balaṃ rakṣen nayato vyayato 'pi vā; prāyaśo varjayed yuddhaṃ prāṇarakṣaṇakāraṇāt; kāraṇād eva yoddhavyaṃ nātmanaḥ paradoṣataḥ; suyuddhe prāṇamokṣaś ca tasya dharmāya iṣyate; abhiyukto balavatā kuryād āpadvidhiṃ nṛpaḥ; anunīya tathā sarvān prajānāṃ hitakāraṇāt; anyaprakṛtiyuktānāṃ rājñāṃ vṛttavicāriṇām; anyāṃś cāpatprapannānāṃ na tān saṃyoktum arhati; śubhāśubhaṃ yadā devi vṛttaṃ tūbhayataḥ smṛtam; ātmaiva tac chubhaṃ kuryād aśubhaṃ yojayet parān; evam uddeśataḥ proktam alepatvaṃ yathā bhavet

Weil die Untertanen von schlechten Königen bedrängt werden, soll er sie überall schützen. Erst nachdem er die Zeit des Auszugs erwogen hat, [lasse er] danach [seinen] Zorn [walten], dessen Frucht sich einstellt [?]. Was dazu gehört und die Nöte soll er vor dem Aufbruch bedenken. Vor Unglücksfällen soll er das Heer bewahren, ob durch Politik oder durch Aufwand [?]. Meist soll er den Krieg meiden um der Lebenserhaltung willen. Nur aus [gebotenem] Grund ist zu kämpfen, nicht aus eigenem [Anlass, sondern] wegen eines Fehlers des anderen [?]. Und im guten Kampf das Leben zu lassen, gilt für ihn als dem Dharma dienlich. Von einem Stärkeren angegriffen, soll der König das Verfahren für die Notlage anwenden, indem er so alle um des Wohls der Untertanen willen besänftigt. Von Königen, die mit anderen Bestandteilen [des Reiches] verbunden sind und auf [rechtes] Verhalten bedacht sind, und von anderen, die in Not geraten sind, ist es nicht angemessen, jene [mit sich] zu verbinden [?]. Wenn, o Göttin, das Verhalten als gut und schlecht auf beiden Seiten überliefert ist, soll er selbst das Gute tun, das Schlechte aber den anderen auferlegen. So ist in Kürze gesagt, wie Unbeflecktheit sein soll.

Wort für Wort
kunṛpaiḥ pīḍitās tasmāt prajāḥ sarvatra pālayet
von schlechten Königen bedrängt (Instr.Pl./Nom.Pl.f. Part.), deshalb die Untertanen überall schützen soll er (Opt.)
yātrākālam avekṣyaiva paścāt kopaḥ phalodayam
die Zeit des Auszugs erwägend (Abs.), danach Zorn, Aufgang der Frucht (Nom.)
tadyuktāś cāpadaś caiva prāg yānād iti cintayet
dazu Gehörendes (Nom.Pl.) und Nöte (Nom.Pl.), vor dem Aufbruch, so bedenken soll er (Opt.)
vyasanebhyo balaṃ rakṣen nayato vyayato 'pi vā
vor Unglücksfällen (Abl.Pl.) das Heer schützen soll er (Opt.), durch Politik oder durch Aufwand (Abl.)
prāyaśo varjayed yuddhaṃ prāṇarakṣaṇakāraṇāt
meist meiden soll er (Opt.) den Krieg (Akk.), um des Lebensschutzes willen (Abl.)
kāraṇād eva yoddhavyaṃ nātmanaḥ paradoṣataḥ
nur aus Grund (Abl.) zu kämpfen (Ger.), nicht aus eigenem (Gen.), wegen fremden Fehlers (Abl.)
suyuddhe prāṇamokṣaś ca tasya dharmāya iṣyate
im guten Kampf (Lok.), das Lassen des Lebens (Nom.), für ihn (Gen.), für den Dharma (Dat.), gilt als gewollt (Pass.)
abhiyukto balavatā kuryād āpadvidhiṃ nṛpaḥ
angegriffen (Part.), vom Starken (Instr.), anwenden soll (Opt.) die Notregel (Akk.) der König (Nom.)
anunīya tathā sarvān prajānāṃ hitakāraṇāt
besänftigend (Abs.), so, alle (Akk.Pl.), um des Wohls der Untertanen willen (Abl.)
anyaprakṛtiyuktānāṃ rājñāṃ vṛttavicāriṇām
mit anderen Bestandteilen verbundener (Gen.Pl.), Könige (Gen.Pl.), auf Verhalten bedachter (Gen.Pl.)
anyāṃś cāpatprapannānāṃ na tān saṃyoktum arhati
und andere (Akk.Pl.), in Not Geratener (Gen.Pl.), nicht jene (Akk.Pl.) zu verbinden (Inf.) ziemt es sich (3.Sg.)
śubhāśubhaṃ yadā devi vṛttaṃ tūbhayataḥ smṛtam
Gutes und Schlechtes (Nom.), wenn, o Göttin (Vok.), Verhalten (Nom.), auf beiden Seiten, überliefert (Part.)
ātmaiva tac chubhaṃ kuryād aśubhaṃ yojayet parān
selbst (Nom.), das Gute (Akk.) tun soll er (Opt.), das Schlechte (Akk.) auferlegen soll er (Opt.) den anderen (Akk.)
evam uddeśataḥ proktam alepatvaṃ yathā bhavet
so, in Kürze (Adv.), gesagt (Part.), Unbeflecktheit (Nom.), wie sie sein soll (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text stellenweise elliptisch und syntaktisch locker, einzelne Wendungen (paścāt kopaḥ phalodayam; nātmanaḥ paradoṣataḥ; anyaprakṛtiyuktānām) unsicher.

etad evaṃ samāsena rājadharmaḥ prakīrtitaḥ; evaṃ saṃvartamānas tu daṇḍayan bhartsayan prajāḥ; na kilbiṣam avāpnoti padmapatram ivāmbhasā; evaṃ saṃvartamānasya kāladharmo yadā bhavet; svargaloke tadā rājā tridaśaiḥ saha toṣyate; dvividhaṃ rājavṛttaṃ ca nyāyabhāgyasamanvitam; evaṃ nyāyānugaṃ vṛttaṃ kathitaṃ te śubhekṣaṇe; rājyaṃ nyāyānugaṃ nāma buddhiśāstrānugaṃ bhavet; dharmyaṃ pathyaṃ yaśasyaṃ ca svargyaṃ caiva tathā bhavet; daivapakṣye sati nṛpe rājyaṃ nyāyānugaṃ bhavet; kriyante yatra karmāṇi śāstrayuktiṃ vimṛśya vai; kartā dveṣaviyuktaś ca tatra nyāyānugaṃ bhavet; rājyaṃ bhogānugaṃ nāma ayathāvat pradṛśyate; tat tu śāstravinirmuktaṃ satāṃ kopakaraṃ bhavet

„Dies also ist in Kürze die Königspflicht verkündet.“ Wer sich so verhält und dabei die Untertanen bestraft und zurechtweist, der erlangt keinen Makel, wie das Lotusblatt vom Wasser [keinen]. Wenn für den, der sich so verhält, die Zeit des Todes gekommen ist, dann wird der König in der Himmelswelt mit den Dreißig [Göttern] erfreut. Zweifach ist das Königsverhalten, mit Recht und Schicksal verbunden; so ist das dem Recht folgende Verhalten dir gesagt, du Schönäugige. Die Herrschaft, die dem Recht folgt, soll dem Lehrbuch der Einsicht folgen; sie soll rechtmäßig, heilsam, ruhmbringend und himmelsgemäß sein. Wenn der König den Göttern zugehört, soll die Herrschaft dem Recht folgen: wo Werke getan werden, nachdem die Schlüssigkeit der Lehrbücher erwogen ist, und der Handelnde frei von Hass ist, dort soll sie dem Recht folgen. Die Herrschaft, „dem Genuss folgend“ genannt, erscheint als unrechtmäßig; sie, vom Lehrbuch losgelöst, wird den Guten Zorn erregen.

Wort für Wort
etad evaṃ samāsena rājadharmaḥ prakīrtitaḥ
dies so in Kürze, Königspflicht (Nom.), verkündet (Part.)
evaṃ saṃvartamānas tu daṇḍayan bhartsayan prajāḥ
so sich verhaltend (Part.), bestrafend, tadelnd (Part.), die Untertanen (Akk.Pl.)
na kilbiṣam avāpnoti padmapatram ivāmbhasā
nicht Makel (Akk.), erlangt (3.Sg.), Lotusblatt wie vom Wasser (Instr.)
evaṃ saṃvartamānasya kāladharmo yadā bhavet
für den so sich Verhaltenden (Gen.), Todesgesetz, wenn es eintritt (Opt.)
svargaloke tadā rājā tridaśaiḥ saha toṣyate
in der Himmelswelt (Lok.), dann, der König, mit den Dreißig (Instr.), wird erfreut (Pass.)
dvividhaṃ rājavṛttaṃ ca nyāyabhāgyasamanvitam
zweifach, Königsverhalten, mit Recht und Schicksal verbunden
evaṃ nyāyānugaṃ vṛttaṃ kathitaṃ te śubhekṣaṇe
so das rechtsgemäße Verhalten (Nom.), gesagt (Part.), dir (Dat.), o Schönäugige (Vok.)
rājyaṃ nyāyānugaṃ nāma buddhiśāstrānugaṃ bhavet
Herrschaft (Nom.), dem Recht folgend, genannt, dem Lehrbuch der Einsicht folgend, sei sie (Opt.)
dharmyaṃ pathyaṃ yaśasyaṃ ca svargyaṃ caiva tathā bhavet
rechtmäßig, heilsam, ruhmbringend, himmelsgemäß, so sei es (Opt.)
daivapakṣye sati nṛpe rājyaṃ nyāyānugaṃ bhavet
bei göttlicher Partei (Lok.), wenn der König ist (Lok.abs.), Herrschaft, dem Recht folgend, sei sie (Opt.)
kriyante yatra karmāṇi śāstrayuktiṃ vimṛśya vai
werden getan (Pass.), wo, Werke (Nom.Pl.), die Lehrbuch-Schlüssigkeit (Akk.) erwogen habend (Abs.)
kartā dveṣaviyuktaś ca tatra nyāyānugaṃ bhavet
der Handelnde, frei von Hass (Nom.), dort dem Recht folgend sei es (Opt.)
rājyaṃ bhogānugaṃ nāma ayathāvat pradṛśyate
Herrschaft, dem Genuss folgend, genannt, unangemessen, erscheint (Pass.)
tat tu śāstravinirmuktaṃ satāṃ kopakaraṃ bhavet
diese aber, vom Lehrbuch losgelöst (Part.), den Guten (Gen.Pl.) Zorn erregend, wird sie sein (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; nyāya-/bhāgya-/bhoga-anuga: Typologie der Herrschaft; ‚daivapakṣya‘ (Partei der Götter) wörtlich wiedergegeben.

adharmyam ayaśasyaṃ ca durantaṃ ca bhaved dhruvam; yatra svacchandataḥ sarvaṃ kriyate karma rājabhiḥ; yatra bhāgyavaśād bhṛtyā labhante na viśeṣataḥ; yatra daṇḍyā na daṇḍyante pūjyante vā narādhamāḥ; yatra santo vihanyante tatra bhāgyānugaṃ bhavet; śubhāśubhaṃ yadā yatra viparītaṃ pradṛśyate; rājñi vāsurapakṣe tu tatra bhāgyānugaṃ bhavet; bhāgyānuge tu rājāno vartamānā yathātathā; prāpyākīrtim anarthaṃ ca ihaloke śubhekṣaṇe; paratra sumahāghoraṃ tamaḥ prāpya duratyayam; tiṣṭhanti narake devi pralayāntād iti sthitiḥ; mokṣaṇaṃ duṣkṛtīnāṃ tu vidyate kālaparyayāt; nāsty eva mokṣaṇaṃ devi rājñāṃ duṣkṛtakāriṇām; etat sarvaṃ samāsena rājavṛttaṃ śubhāśubham

Sie wird unrechtmäßig, ruhmlos und gewiss von schlimmem Ende sein: wo die Könige alles Tun nach eigenem Belieben ausführen; wo die Diener nach Schicksalslage empfangen, nicht nach Verdienst; wo die Strafwürdigen nicht bestraft werden oder die niedrigsten Männer geehrt werden; wo die Guten erschlagen werden, dort wird sie dem Schicksal folgen. Wenn dort Gutes und Schlechtes verkehrt erscheint und der König zur Partei der Asuras gehört, dort wird sie dem Schicksal folgen. Wenn die Könige sich in der dem Schicksal folgenden [Herrschaft] so oder so verhalten, erlangen sie, o Schönäugige, in dieser Welt Schande und Unheil; im Jenseits aber gelangen sie in sehr große, schreckliche, kaum zu überwindende Finsternis und verweilen, o Göttin, in der Hölle bis zum Ende des Weltunterganges: so ist die Ordnung. Erlösung gibt es für Übeltäter mit dem Wechsel der Zeit; für Könige, die Übles tun, gibt es aber, o Göttin, überhaupt keine Erlösung. All dies ist in Kürze das Königsverhalten, das gute und das schlechte.

Wort für Wort
adharmyam ayaśasyaṃ ca durantaṃ ca bhaved dhruvam
unrechtmäßig, ruhmlos, von schlimmem Ende, sei es (Opt.), gewiss
yatra svacchandataḥ sarvaṃ kriyate karma rājabhiḥ
wo, nach eigenem Belieben (Abl.), alles Tun (Nom.), wird getan (Pass.), von Königen (Instr.Pl.)
yatra bhāgyavaśād bhṛtyā labhante na viśeṣataḥ
wo, kraft Schicksals (Abl.), die Diener (Nom.Pl.), erhalten (3.Pl.), nicht nach Vorzug (Abl.)
yatra daṇḍyā na daṇḍyante pūjyante vā narādhamāḥ
wo Strafwürdige (Nom.Pl.), nicht bestraft werden (Pass.), oder geehrt werden (Pass.), niedrigste Männer (Nom.Pl.)
yatra santo vihanyante tatra bhāgyānugaṃ bhavet
wo die Guten (Nom.Pl.) erschlagen werden (Pass.), dort dem Schicksal folgend sei es (Opt.)
śubhāśubhaṃ yadā yatra viparītaṃ pradṛśyate
Gutes und Schlechtes, wenn, wo, verkehrt, erscheint (Pass.)
rājñi vāsurapakṣe tu tatra bhāgyānugaṃ bhavet
wenn der König (Lok.) aber zur Partei der Asuras gehört, dort dem Schicksal folgend sei es (Opt.)
bhāgyānuge tu rājāno vartamānā yathātathā
in der dem Schicksal folgenden (Lok.), Könige (Nom.Pl.), sich verhaltend (Part.), so oder so
prāpyākīrtim anarthaṃ ca ihaloke śubhekṣaṇe
erlangend (Abs.), Schande, Unheil (Akk.), in dieser Welt (Lok.), o Schönäugige (Vok.)
paratra sumahāghoraṃ tamaḥ prāpya duratyayam
im Jenseits, sehr groß und schrecklich, Finsternis (Akk.), erlangend (Abs.), schwer zu überwinden
tiṣṭhanti narake devi pralayāntād iti sthitiḥ
verweilen (3.Pl.), in der Hölle (Lok.), o Göttin (Vok.), bis zum Ende des Untergangs (Abl.), so die Ordnung (Nom.)
mokṣaṇaṃ duṣkṛtīnāṃ tu vidyate kālaparyayāt
Erlösung (Nom.), der Übeltäter (Gen.Pl.), gibt es (Pass.), durch Wechsel der Zeit (Abl.)
nāsty eva mokṣaṇaṃ devi rājñāṃ duṣkṛtakāriṇām
nicht gibt es überhaupt Erlösung (Nom.), o Göttin (Vok.), für Könige (Gen.Pl.), die Übles tun
etat sarvaṃ samāsena rājavṛttaṃ śubhāśubham
dies alles, in Kürze, Königsverhalten (Nom.), gutes und schlechtes

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚pralayāntāt‘ wörtlich: bis zum Ende der Auflösung (des Weltalters).

umā; kathitaṃ te mahābhāge bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; devadeva mahādeva sarvadevanamaskṛta; maheśvaraḥ; yāni dharmarahasyāni śrotum icchāmi tāny aham; rahasyaṃ śrūyatāṃ devi mānuṣāṇāṃ sukhāvaham; napuṃsakeṣu vandhyāsu viyonau pṛthivītale; utsargo retasas teṣu na kāryo dharmakāṅkṣibhiḥ; eteṣu bījaṃ prakṣiptaṃ na virohati vai priye; yatra vā tatra vā bījaṃ dharmārthī notsṛjet punaḥ; naro bījavināśena lipyate bhrūṇahatyayā; ahiṃsā paramo dharmaḥ ahiṃsā paramaṃ sukham; ahiṃsā dharmaśāstreṣu sarveṣu paramaṃ padam; devatātithiśuśrūṣā satataṃ dharmaśīlatā; vedādhyayanayajñāś ca tapo dānaṃ damas tathā; ācāryaguruśuśrūṣā tīrthābhigamanaṃ tathā; ahiṃsāyā varārohe kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm

Umā [sprach]: „Gesagt ist dir [dies], du Hochbeglückte; was möchtest du weiter hören? Gott der Götter, großer Gott, von allen Göttern verehrt!“ Maheśvara [sprach]: „Die Geheimnisse des Dharma, die ich hören möchte, [nämlich] diese: Das Geheimnis, das den Menschen Glück bringt, werde gehört, o Göttin: Bei Impotenten, Unfruchtbaren, in dem, was kein [rechter] Schoß ist, auf der Erde: die Entladung des Samens in diese soll von den nach Dharma Strebenden nicht vorgenommen werden. In diese gesäter Same keimt nicht, Liebe; wo auch immer der Same [verloren geht], soll der nach Dharma und Nutzen Strebende ihn nicht [wieder] verschwenden. Ein Mann wird durch die Vernichtung des Samens mit dem Mord an einem Embryo befleckt. Nicht-Verletzen ist das höchste Dharma, Nicht-Verletzen das höchste Glück, Nicht-Verletzen ist in allen Dharmaśāstras der höchste Standort. Dienst an Göttern und Gästen, beständige Frömmigkeit, Vedastudium, Opfer, Askese, Gabe und Selbstbezähmung, Dienst an Lehrer und Meister und das Aufsuchen heiliger Furten: dem Nicht-Verletzen, du Hüftenschöne, kommen sie nicht an den sechzehnten Teil heran.“

Wort für Wort
umā; kathitaṃ te mahābhāge bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā; gesagt (Part.), dir, o Hochbeglückte (Vok.), weiter, zu hören (Inf.), was wünschst du (2.Sg.)
devadeva mahādeva sarvadevanamaskṛta; maheśvaraḥ
Gott der Götter, großer Gott (Vok.), von allen Göttern verehrt (Vok.); Maheśvara (Nom.)
yāni dharmarahasyāni śrotum icchāmi tāny aham
welche Dharma-Geheimnisse (Nom.Pl.), zu hören (Inf.), wünsche ich (1.Sg.), diese, ich
rahasyaṃ śrūyatāṃ devi mānuṣāṇāṃ sukhāvaham
das Geheimnis, es werde gehört (Imp.Pass.), o Göttin (Vok.), den Menschen (Gen.Pl.) Glück bringend
napuṃsakeṣu vandhyāsu viyonau pṛthivītale
bei Impotenten (Lok.Pl.), bei Unfruchtbaren (Lok.Pl.f.), im Nicht-Schoß (Lok.), auf der Erdfläche (Lok.)
utsargo retasas teṣu na kāryo dharmakāṅkṣibhiḥ
Entladung (Nom.), des Samens (Gen.), in diesen (Lok.), nicht zu tun (Ger.), von nach Dharma Strebenden (Instr.Pl.)
eteṣu bījaṃ prakṣiptaṃ na virohati vai priye
in diesen (Lok.Pl.), Same (Nom.), hineingeworfen (Part.), keimt nicht (3.Sg.), o Liebe (Vok.)
yatra vā tatra vā bījaṃ dharmārthī notsṛjet punaḥ
wo oder da, Same (Akk.), der nach Dharma Strebende (Nom.), nicht verschwenden soll er (Opt.), wieder
naro bījavināśena lipyate bhrūṇahatyayā
ein Mann (Nom.), durch Vernichtung des Samens (Instr.), wird befleckt (Pass.), mit Embryomord (Instr.)
ahiṃsā paramo dharmaḥ ahiṃsā paramaṃ sukham
Nicht-Verletzen, höchstes Dharma (Nom.); Nicht-Verletzen, höchstes Glück (Nom.)
ahiṃsā dharmaśāstreṣu sarveṣu paramaṃ padam
Nicht-Verletzen, in den Dharmaśāstras (Lok.Pl.), allen, höchster Standort (Nom.)
devatātithiśuśrūṣā satataṃ dharmaśīlatā
Dienst an Gottheit und Gast (Nom.), beständig, Frömmigkeit (Nom.)
vedādhyayanayajñāś ca tapo dānaṃ damas tathā
Vedastudium und Opfer (Nom.Pl.), Askese, Gabe, Selbstbezähmung (Nom.), ebenso
ācāryaguruśuśrūṣā tīrthābhigamanaṃ tathā
Dienst an Lehrer und Guru (Nom.), Aufsuchen heiliger Furten (Nom.), ebenso
ahiṃsāyā varārohe kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
des Nicht-Verletzens (Gen.), o Hüftenschöne (Vok.), den Teil (Akk.), nicht verdienen sie (3.Pl.), den sechzehnten (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben ‚umā;‘ und ‚maheśvaraḥ‘ stehen in der Vorlage verschoben mitten in der Rede und sind hier wörtlich übernommen; inhaltlich wäre ‚kathitaṃ te…‘ Śivas Frage und ‚yāni dharmarahasyāni…‘ Umās Bitte.

umā; etat te paramaṃ guhyam ākhyātaṃ paramārcitam; yadi dharmas tv ahiṃsāyāṃ kimartham amarottama; yajñeṣu paśubandheṣu hanyante paśavo dvijaiḥ; kathaṃ ca bhagavan bhūyo hiṃsamānā narādhipāḥ; svargaṃ sudurgamaṃ yānti sadā sma ripusūdana; yasyaiva gosahasrāṇi viṃśatiḥ sādhikāni tu; ahany ahani hanyante dvijānāṃ māṃsakāraṇāt; samāṃsaṃ tu sa dattvānnaṃ rantidevo narādhipaḥ; kathaṃ svargam anuprāptaḥ paraṃ kautūhalaṃ hi me; kiṃ nu dharmaṃ na śṛṇvanti na śraddadhati vā śrutam; mṛgayāyai vinirgatya mṛgān ghnanti narādhipāḥ; etat sarvaṃ viśeṣeṇa vistareṇa vṛṣadhvaja; maheśvaraḥ; śrotum icchāmi bhagavaṃs tattvam etan mamocyatām; bahumānyam idaṃ devi nāsti kaś cid ahiṃsakaḥ

Umā [sprach]: „Dies ist dir als das höchste Geheimnis gesagt, das höchst Verehrte. Wenn das Dharma im Nicht-Verletzen liegt, o Bester der Unsterblichen, warum werden dann bei den Opfern, bei den Tierbindungen, die Tiere von den Zweimalgeborenen getötet? Und wie, o Erhabener, gelangen die Menschenherrscher, die immer wieder verletzen, in den so schwer erreichbaren Himmel, o Feindvernichter? Dessen [Rantidevas] Rinder, mehr als zwanzigtausend, wurden Tag für Tag um des Fleisches der Zweimalgeborenen willen getötet; und der Menschenherrscher Rantideva, der Speise samt Fleisch spendete, wie erlangte er den Himmel? Große Neugier habe ich darüber. Hören sie etwa das Dharma nicht, oder glauben sie dem Gehörten nicht, wenn die Menschenherrscher zur Jagd ausziehen und Wild erschlagen? All dies möchte ich im Einzelnen und ausführlich [hören], du Stierbannerträger.“ Maheśvara [sprach]: „Ich möchte es hören, o Erhabener: Die Wahrheit hiervon werde mir gesagt. Dies verdient, o Göttin, hohe Achtung: Es gibt niemanden, der nicht verletzt.“

Wort für Wort
umā; etat te paramaṃ guhyam ākhyātaṃ paramārcitam
Umā; dies, dir, höchstes Geheimnis (Nom.), erzählt (Part.), höchst verehrt (Part.)
yadi dharmas tv ahiṃsāyāṃ kimartham amarottama
wenn Dharma (Nom.) im Nicht-Verletzen (Lok.) [liegt], wozu, o Bester der Unsterblichen (Vok.)
yajñeṣu paśubandheṣu hanyante paśavo dvijaiḥ
bei Opfern (Lok.Pl.), Tierbindungen (Lok.Pl.), werden getötet (Pass.), Tiere (Nom.Pl.), von Zweimalgeborenen (Instr.Pl.)
kathaṃ ca bhagavan bhūyo hiṃsamānā narādhipāḥ
und wie, o Erhabener (Vok.), wiederholt, verletzend (Part.), Menschenherrscher (Nom.Pl.)
svargaṃ sudurgamaṃ yānti sadā sma ripusūdana
den Himmel (Akk.), sehr schwer zu erreichen, gehen sie (3.Pl.), stets, o Feindvernichter (Vok.)
yasyaiva gosahasrāṇi viṃśatiḥ sādhikāni tu
dessen (Gen.), Rindertausende (Nom.Pl.), zwanzig, mehr als (Nom.)
ahany ahani hanyante dvijānāṃ māṃsakāraṇāt
Tag für Tag (Lok.), werden getötet (Pass.), der Zweimalgeborenen (Gen.Pl.), um des Fleisches willen (Abl.)
samāṃsaṃ tu sa dattvānnaṃ rantidevo narādhipaḥ
mit Fleisch (Akk.), aber, er, Speise (Akk.) gegeben habend (Abs.), Rantideva, Menschenherrscher (Nom.)
kathaṃ svargam anuprāptaḥ paraṃ kautūhalaṃ hi me
wie, den Himmel (Akk.), erreicht (Part.), große Neugier (Nom.), ja, mir
kiṃ nu dharmaṃ na śṛṇvanti na śraddadhati vā śrutam
etwa Dharma (Akk.), nicht hören sie (3.Pl.), nicht glauben sie (3.Pl.), oder das Gehörte (Akk.)
mṛgayāyai vinirgatya mṛgān ghnanti narādhipāḥ
zur Jagd (Dat.), ausgezogen (Abs.), Wild (Akk.Pl.), erschlagen sie (3.Pl.), Menschenherrscher (Nom.Pl.)
etat sarvaṃ viśeṣeṇa vistareṇa vṛṣadhvaja; maheśvaraḥ
dies alles, im Einzelnen (Instr.), ausführlich (Instr.), o Stierbannerträger (Vok.); Maheśvara (Nom.)
śrotum icchāmi bhagavaṃs tattvam etan mamocyatām
zu hören (Inf.), wünsche ich (1.Sg.), o Erhabener (Vok.), die Wahrheit, diese, mir werde gesagt (Imp.Pass.)
bahumānyam idaṃ devi nāsti kaś cid ahiṃsakaḥ
hoch zu achten (Ger.), dies (Nom.), o Göttin (Vok.), es gibt nicht (3.Sg.), irgendeinen, der nicht verletzt

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben in der Vorlage verschoben (‚śrotum icchāmi…‘ wäre inhaltlich noch Umā), hier wörtlich übernommen. ‚sma‘ in ‚yānti sadā sma‘ wohl Füllpartikel.

śrūyatāṃ kāraṇaṃ cātra yathānekavidhaṃ bhavet; dṛśyate cāpi loke 'smin na kaś cid avihiṃsakaḥ; dharaṇīsaṃśritāñ jīvān susūkṣmāṃś caiva madhyamān; saṃcaraṃś caraṇābhyāṃ ca hanti jīvān anekaśaḥ; ajñānāj jñānato vāpi ye jīvāḥ śayanāsane; upāviśañ śayānaś ca hanti jīvān anekaśaḥ; śirovastreṣu ye jīvā narāṇāṃ svedasaṃbhavāḥ; tāṃś ca hiṃsanti satataṃ daṃśāṃś ca maśakān api; jale jīvās tathākāśe pṛthivī jīvamālinī; evaṃ jīvākule loke ko 'sau syād yas tv ahiṃsakaḥ; sthūlamadhyamasūkṣmaiś ca svedavātamahīruhaiḥ; dṛśyarūpair adṛśyaiś ca nānārūpaiś ca bhāmini; jīvais tatam idaṃ sarvam ākāśaṃ pṛthivī tathā; anyonyaṃ te ca hiṃsanti durbalān balavattarāḥ

„Höre den Grund hierfür, wie er vielfältig ist: Man sieht auch in dieser Welt niemanden, der nicht verletzt. Die auf der Erde lebenden Wesen, die sehr kleinen und die mittleren, tötet er beim Gehen mit den beiden Füßen vielfach. Ob aus Unwissenheit oder wissentlich: die Wesen, die auf Lager und Sitz sind, tötet er vielfach, wenn er sich setzt und wenn er liegt. Die Wesen, die in den Kopfhaaren und Kleidern der Menschen aus Schweiß entstehen, verletzen sie beständig, ebenso Bremsen und Mücken. Im Wasser leben Wesen, ebenso im Luftraum, die Erde ist ein Kranz von Lebewesen; in einer so von Lebewesen erfüllten Welt, wer wäre da, der nicht verletzt? Mit großen, mittleren und kleinen [Wesen], mit den aus Schweiß, aus Wind und aus Bäumen Entstandenen, mit sichtbaren und unsichtbaren, mit vielgestaltigen, o Zornige [Bhāminī], ist dies alles durchzogen: der Luftraum und die Erde. Sie verletzen einander, die Stärkeren die Schwächeren.“

Wort für Wort
śrūyatāṃ kāraṇaṃ cātra yathānekavidhaṃ bhavet
es werde gehört (Imp.Pass.), der Grund (Nom.), und hier, wie er vielfältig ist (Opt.)
dṛśyate cāpi loke 'smin na kaś cid avihiṃsakaḥ
man sieht (Pass.), auch, in dieser Welt (Lok.), nicht irgendeinen, der nicht verletzt
dharaṇīsaṃśritāñ jīvān susūkṣmāṃś caiva madhyamān
auf der Erde weilende (Akk.Pl.), Wesen (Akk.Pl.), sehr kleine, und mittlere (Akk.Pl.)
saṃcaraṃś caraṇābhyāṃ ca hanti jīvān anekaśaḥ
umhergehend (Part.), mit beiden Füßen (Instr.Du.), tötet (3.Sg.), Wesen (Akk.Pl.), vielfach
ajñānāj jñānato vāpi ye jīvāḥ śayanāsane
aus Unwissen (Abl.) oder aus Wissen (Abl.), welche Wesen (Nom.Pl.), auf Lager und Sitz (Lok.)
upāviśañ śayānaś ca hanti jīvān anekaśaḥ
sich setzend (Part.), und liegend (Part.), tötet er (3.Sg.), Wesen (Akk.Pl.), vielfach
śirovastreṣu ye jīvā narāṇāṃ svedasaṃbhavāḥ
in Kopf und Kleidern (Lok.Pl.), welche Wesen (Nom.Pl.), der Menschen (Gen.Pl.), aus Schweiß entstanden
tāṃś ca hiṃsanti satataṃ daṃśāṃś ca maśakān api
diese (Akk.Pl.), und verletzen sie (3.Pl.), beständig, Bremsen (Akk.Pl.), und Mücken (Akk.Pl.), auch
jale jīvās tathākāśe pṛthivī jīvamālinī
im Wasser (Lok.), Wesen (Nom.Pl.), ebenso im Luftraum (Lok.), die Erde (Nom.), Lebewesen-bekränzt
evaṃ jīvākule loke ko 'sau syād yas tv ahiṃsakaḥ
so, in der von Wesen erfüllten (Lok.), Welt (Lok.), wer, jener, wäre (Opt.), der nicht verletzt
sthūlamadhyamasūkṣmaiś ca svedavātamahīruhaiḥ
mit großen, mittleren, kleinen (Instr.Pl.), mit Schweiß-, Wind-, Baumgeborenen (Instr.Pl.)
dṛśyarūpair adṛśyaiś ca nānārūpaiś ca bhāmini
mit sichtbaren, unsichtbaren (Instr.Pl.), vielgestaltigen (Instr.Pl.), o Zornige (Vok.)
jīvais tatam idaṃ sarvam ākāśaṃ pṛthivī tathā
von Lebewesen (Instr.Pl.), durchzogen (Part.), dies alles (Nom.), Luftraum (Nom.), Erde (Nom.), ebenso
anyonyaṃ te ca hiṃsanti durbalān balavattarāḥ
einander, sie (Nom.Pl.), verletzen (3.Pl.), Schwache (Akk.Pl.), Stärkere (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚svedavātamahīruhaiḥ‘ als Aufzählung dreier Entstehungsarten (schweißgeboren, windgeboren, baumgeboren) gefasst.

matsyā matsyān grasantīha khagāṃś caiva khagās tathā; sarīsṛpaiś ca jīvanti kapotādyā vihaṃgamāḥ; bhūcarāḥ khecarāś cānye kravyādā māṃsagṛddhinaḥ; samṛddhāḥ paramāṃsais tu bhakṣeran ye 'pi cāparaiḥ; sattvaiḥ sattvāni jīvanti śataśo 'tha sahasraśaḥ; apīḍayitvā naivānyaṃ jīvā jīvanti sundari; sthūlakāyasya sattvasya kharasya mahiṣasya vā; jīvasyaikasya māṃsena payasā rudhireṇa vā; tṛpyante bahavo jīvāḥ kravyādā māṃsabhojinaḥ; eko jīvasahasrāṇi sadā khādati mānavaḥ; annādyalpopabhogena dhānyasaṃjñāni yāni tu; māṃsadhānyaiḥ sabījaiś ca bhojanaṃ parivarjayet; trirātraṃ pañcarātraṃ vā saptarātram athāpi vā; dhānyāni yo na hiṃsetāhiṃsakaḥ parikīrtitaḥ

Fische fressen hier Fische, und ebenso Vögel Vögel; auch von Kriechtieren leben Tauben und andere Vögel. Andere, auf der Erde und in der Luft Wandelnde, Fleischfresser, fleischgierig, gut genährt vom Fleisch anderer, werden [ihrerseits] auch von wieder anderen gefressen [?]. Wesen leben von Wesen, zu Hunderten und zu Tausenden; ohne einen anderen zu quälen, leben die Lebewesen nicht, o Schöne. Vom Fleisch, von der Milch oder vom Blut eines einzigen Lebewesens, eines großleibigen Wesens, eines Esels oder eines Büffels, werden viele Lebewesen satt, die Fleischfresser, die Fleischesser. Ein einziger Mensch isst stets Tausende von Lebewesen, bei geringem Genuss von Speise und dem, was „Getreide“ heißt. Man soll die Nahrung aus Fleisch und Getreide samt Samen meiden, drei Nächte, fünf Nächte oder auch sieben Nächte lang; wer Getreide nicht verletzt, gilt als der, der nicht verletzt.

Wort für Wort
matsyā matsyān grasantīha khagāṃś caiva khagās tathā
Fische (Nom.Pl.) Fische (Akk.Pl.) verschlingen (3.Pl.) hier, Vögel (Akk.Pl.) und Vögel (Nom.Pl.) ebenso
sarīsṛpaiś ca jīvanti kapotādyā vihaṃgamāḥ
von Kriechtieren (Instr.Pl.) leben (3.Pl.), Tauben und andere (Nom.Pl.), Vögel (Nom.Pl.)
bhūcarāḥ khecarāś cānye kravyādā māṃsagṛddhinaḥ
erdwandelnde, luftwandelnde (Nom.Pl.), andere, Fleischfresser, fleischgierig (Nom.Pl.)
samṛddhāḥ paramāṃsais tu bhakṣeran ye 'pi cāparaiḥ
wohlgenährt (Nom.Pl.), mit fremdem Fleisch (Instr.Pl.), gefressen würden (Opt.Pass.), die auch, von anderen (Instr.Pl.)
sattvaiḥ sattvāni jīvanti śataśo 'tha sahasraśaḥ
durch Wesen (Instr.Pl.), Wesen (Nom.Pl.), leben (3.Pl.), zu Hunderten, dann zu Tausenden
apīḍayitvā naivānyaṃ jīvā jīvanti sundari
ohne zu quälen (Abs.), keineswegs, einen anderen (Akk.), Lebewesen (Nom.Pl.), leben (3.Pl.), o Schöne (Vok.)
sthūlakāyasya sattvasya kharasya mahiṣasya vā
eines großleibigen (Gen.), Wesens (Gen.), eines Esels (Gen.), oder Büffels (Gen.)
jīvasyaikasya māṃsena payasā rudhireṇa vā
eines einzigen Lebewesens (Gen.), mit Fleisch (Instr.), Milch (Instr.), oder Blut (Instr.)
tṛpyante bahavo jīvāḥ kravyādā māṃsabhojinaḥ
werden gesättigt (Pass.), viele Lebewesen (Nom.Pl.), Fleischfresser, Fleischesser (Nom.Pl.)
eko jīvasahasrāṇi sadā khādati mānavaḥ
ein einziger (Nom.), Tausende Lebewesen (Akk.Pl.), stets, isst (3.Sg.), Mensch (Nom.)
annādyalpopabhogena dhānyasaṃjñāni yāni tu
bei geringem Genuss von Speise (Instr.), Getreide genannt (Akk.Pl.), die (Akk.Pl.)
māṃsadhānyaiḥ sabījaiś ca bhojanaṃ parivarjayet
mit Fleisch und Getreide (Instr.Pl.), samt Samen (Instr.Pl.), Nahrung (Akk.), meiden soll man (Opt.)
trirātraṃ pañcarātraṃ vā saptarātram athāpi vā
drei Nächte, fünf Nächte, oder sieben Nächte auch (Akk.)
dhānyāni yo na hiṃsetāhiṃsakaḥ parikīrtitaḥ
Getreide (Akk.Pl.), wer nicht verletzt (Opt.), Nicht-Verletzer (Nom.), gilt als genannt (Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; v. 4 (samṛddhāḥ paramāṃsais tu…) syntaktisch unsicher; v. 11 (annādyalpopabhogena…) elliptisch.

nāśnāti yāvato jīvāṃs tāvat puṇyena yujyate; āhārasya viyogena śarīraṃ paritapyate; tapyamāne śarīre tu śarīraṃ cendriyāṇy api; vaśe tiṣṭhanti suśroṇi nṛpāṇām iva kiṃkarāḥ; niruṇaddhīndriyāṇy eva sa sukhī sa vicakṣaṇaḥ; indriyāṇāṃ nirodhena dānena ca damena ca; naraḥ sarvam avāpnoti manasā yad yad icchati; etan mūlam ahiṃsāyā upavāsaḥ prakīrtitaḥ; āhāraṃ kurute yas tu bhūmim ākramate ca yaḥ; sarve te hiṃsakā devi yathā dharmeṣu dṛśyate; yathehāhiṃsako devi tattvajño jñāyate naraḥ; tathā te 'haṃ pravakṣyāmi śrūyatāṃ dharmacāriṇi; phalāni jīrṇaparṇāni bhasma vā yo 'pi bhakṣayet; ālekhyam iva niśceṣṭaṃ taṃ manye 'ham ahiṃsakam; ārambhā hiṃsayā yuktā dhūmenāgnir ivāvṛtāḥ

Wie viele Lebewesen er nicht isst, um so viel wird er mit Verdienst verbunden. Durch den Entzug der Nahrung wird der Körper geläutert [erhitzt]; ist der Körper erhitzt, so stehen der Körper und auch die Sinne, o Schönhüftige, in [seiner] Gewalt wie die Diener von Königen. Wer die Sinne zügelt, der ist glücklich, der ist einsichtig. Durch die Hemmung der Sinne, durch Geben und Selbstbezähmung erlangt der Mensch alles, was er im Geist wünscht. Dies gilt als die Wurzel des Nicht-Verletzens: das Fasten. Wer Nahrung zu sich nimmt und wer auf die Erde tritt, sie alle sind, o Göttin, Verletzer, wie es in den Dharma[-Lehren] gesehen wird. So wie hier der Nicht-Verletzer, der Wahrheitskundige unter den Menschen erkannt wird, so will ich es dir sagen; höre, du Dharma-Wandelnde: Wer nur Früchte, welke Blätter oder Asche isst, den halte ich für regungslos wie ein Gemälde, für einen Nicht-Verletzer. Unternehmungen sind mit Verletzen verbunden, wie Feuer vom Rauch umhüllt.

Wort für Wort
nāśnāti yāvato jīvāṃs tāvat puṇyena yujyate
nicht isst er (3.Sg.), wie viele Lebewesen (Akk.Pl.), so viel, mit Verdienst (Instr.), wird verbunden (Pass.)
āhārasya viyogena śarīraṃ paritapyate
durch Trennung von der Nahrung (Instr.), der Körper (Nom.), wird erhitzt (Pass.)
tapyamāne śarīre tu śarīraṃ cendriyāṇy api
wenn der Körper erhitzt wird (Lok.abs.), Körper (Nom.) und Sinne (Nom.Pl.), auch
vaśe tiṣṭhanti suśroṇi nṛpāṇām iva kiṃkarāḥ
in der Gewalt (Lok.), stehen (3.Pl.), o Schönhüftige (Vok.), wie Diener (Nom.Pl.) von Königen (Gen.Pl.)
niruṇaddhīndriyāṇy eva sa sukhī sa vicakṣaṇaḥ
wer hemmt (3.Sg.), die Sinne (Akk.Pl.), er glücklich (Nom.), er einsichtig (Nom.)
indriyāṇāṃ nirodhena dānena ca damena ca
durch Hemmung der Sinne (Instr.), durch Geben (Instr.), durch Selbstbezähmung (Instr.)
naraḥ sarvam avāpnoti manasā yad yad icchati
der Mensch (Nom.), alles (Akk.), erlangt (3.Sg.), was immer er im Geist wünscht (3.Sg.)
etan mūlam ahiṃsāyā upavāsaḥ prakīrtitaḥ
dies (Nom.), Wurzel (Nom.), des Nicht-Verletzens (Gen.), Fasten (Nom.), genannt (Part.)
āhāraṃ kurute yas tu bhūmim ākramate ca yaḥ
Nahrung (Akk.), nimmt zu sich (3.Sg.), wer, und die Erde (Akk.), betritt (3.Sg.), wer
sarve te hiṃsakā devi yathā dharmeṣu dṛśyate
alle diese (Nom.Pl.), Verletzer (Nom.Pl.), o Göttin (Vok.), wie in den Dharma-Lehren (Lok.Pl.) gesehen wird (Pass.)
yathehāhiṃsako devi tattvajño jñāyate naraḥ
wie hier (Adv.), Nicht-Verletzer, o Göttin, Wahrheitskundiger (Nom.), erkannt wird (Pass.), Mensch (Nom.)
tathā te 'haṃ pravakṣyāmi śrūyatāṃ dharmacāriṇi
so dir (Dat.), ich (Nom.), werde sagen (1.Sg.Fut.), es werde gehört (Imp.Pass.), o Dharma-Wandelnde (Vok.)
phalāni jīrṇaparṇāni bhasma vā yo 'pi bhakṣayet
Früchte (Akk.Pl.), welke Blätter (Akk.Pl.), Asche (Akk.), oder, wer auch esse (Opt.)
ālekhyam iva niśceṣṭaṃ taṃ manye 'ham ahiṃsakam
einem Gemälde gleich, regungslos (Akk.), ihn (Akk.), halte ich (1.Sg.), ich, für einen Nicht-Verletzer (Akk.)
ārambhā hiṃsayā yuktā dhūmenāgnir ivāvṛtāḥ
Unternehmungen (Nom.Pl.), mit Verletzen (Instr.), verbunden (Part.), vom Rauch (Instr.), Feuer (Nom.) gleich, umhüllt (Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚paritapyate‘ zugleich ‚erhitzt‘ und ‚kasteit/geläutert‘; ‚tapyamāne śarīre tu śarīraṃ…‘ metrisch/syntaktisch etwas holprig, Sinn: Körper und Sinne kommen unter Kontrolle.

tasmād yas tu nirāhāras taṃ manye 'ham ahiṃsakam; yas tu sarvaṃ samutsṛjya dīkṣito niyataḥ śuciḥ; kṛtvā maṇḍalamaryādāṃ saṃkalpaṃ kurute naraḥ; yāvajjīvam anāśitvā kālākāṅkṣī dṛḍhavrataḥ; dhyānena tapasā yuktas taṃ manye 'ham ahiṃsakam; anyathā hi na paśyāmi naro yaḥ syād ahiṃsakaḥ; bahu cintyam idaṃ devi nāsti kaś cid ahiṃsakaḥ; yato yato mahābhāge hiṃsā syān mahatī tataḥ; nivṛttau madhumāṃsābhyāṃ hiṃsā tv alpatarā bhavet; nivṛttiḥ paramo dharmo nivṛttiḥ paramaṃ sukham; manasā vinivṛttānāṃ dharmasya nicayo mahān; manaḥpūrvaṃgamā dharmā adharmāś ca na saṃśayaḥ; manasā badhyate cāpi mucyate cāpi mānavaḥ; nigṛhīte bhavet svargo visṛṣṭe narako dhruvaḥ

Deshalb halte ich den für einen Nicht-Verletzer, der keine Nahrung nimmt. Wer aber alles aufgegeben hat, geweiht, gezügelt und rein, und nachdem er die Grenzlinie des Kreises gezogen hat, den Entschluss fasst, solange er lebt nicht zu essen, auf die [Todes-]Zeit wartend, fest im Gelübde, mit Meditation und Askese verbunden: den halte ich für einen Nicht-Verletzer. Anders sehe ich keinen Menschen, der ein Nicht-Verletzer wäre. Dies ist sehr zu bedenken, o Göttin: Es gibt niemanden, der nicht verletzt. Wo immer, o Hochbeglückte, das Verletzen groß sein könnte, von dort [soll man sich abwenden]; beim Abstehen von Honig und Fleisch wäre das Verletzen viel geringer. Abstehen ist das höchste Dharma, Abstehen das höchste Glück; bei denen, die im Geist abgelassen haben, ist die Anhäufung an Dharma groß. Dharmas und Adharmas haben den Geist zum Vorläufer, daran ist kein Zweifel. Durch den Geist wird der Mensch gefesselt, und durch den Geist wird er auch befreit: Ist er gezügelt, so wird Himmel sein, ist er losgelassen, gewiss die Hölle.

Wort für Wort
tasmād yas tu nirāhāras taṃ manye 'ham ahiṃsakam
deshalb, wer aber ohne Nahrung (Nom.), ihn (Akk.), halte ich für (1.Sg.), Nicht-Verletzer (Akk.)
yas tu sarvaṃ samutsṛjya dīkṣito niyataḥ śuciḥ
wer aber alles (Akk.) aufgegeben habend (Abs.), geweiht (Part.), gezügelt (Part.), rein (Nom.)
kṛtvā maṇḍalamaryādāṃ saṃkalpaṃ kurute naraḥ
gemacht habend (Abs.), die Kreisgrenze (Akk.), Entschluss (Akk.), fasst (3.Sg.), der Mensch (Nom.)
yāvajjīvam anāśitvā kālākāṅkṣī dṛḍhavrataḥ
solange er lebt (Adv.), nicht essend (Abs.), auf die Zeit wartend (Nom.), fest im Gelübde (Nom.)
dhyānena tapasā yuktas taṃ manye 'ham ahiṃsakam
mit Meditation (Instr.), Askese (Instr.), verbunden (Part.), ihn halte ich für einen Nicht-Verletzer
anyathā hi na paśyāmi naro yaḥ syād ahiṃsakaḥ
anders, denn, nicht sehe ich (1.Sg.), einen Mann (Nom.), der wäre (Opt.), Nicht-Verletzer
bahu cintyam idaṃ devi nāsti kaś cid ahiṃsakaḥ
viel zu bedenken (Ger.), dies (Nom.), o Göttin, nicht gibt es irgendeinen Nicht-Verletzer (Nom.)
yato yato mahābhāge hiṃsā syān mahatī tataḥ
von wo immer (Abl.), o Hochbeglückte (Vok.), Verletzen (Nom.), wäre (Opt.), groß (Nom.), von dort (Abl.)
nivṛttau madhumāṃsābhyāṃ hiṃsā tv alpatarā bhavet
beim Abstehen (Lok.), von Honig und Fleisch (Abl.Du.), Verletzen (Nom.), aber geringer (Nom.), wäre (Opt.)
nivṛttiḥ paramo dharmo nivṛttiḥ paramaṃ sukham
Abstehen (Nom.), höchstes Dharma (Nom.), Abstehen (Nom.), höchstes Glück (Nom.)
manasā vinivṛttānāṃ dharmasya nicayo mahān
bei im Geist Abgelassenen (Gen.Pl.), des Dharma (Gen.), Anhäufung (Nom.), groß (Nom.)
manaḥpūrvaṃgamā dharmā adharmāś ca na saṃśayaḥ
den Geist zum Vorläufer habend (Nom.Pl.), Dharmas (Nom.Pl.), Adharmas (Nom.Pl.), nicht Zweifel (Nom.)
manasā badhyate cāpi mucyate cāpi mānavaḥ
durch den Geist (Instr.), wird gebunden (Pass.), und auch wird befreit (Pass.), Mensch (Nom.)
nigṛhīte bhavet svargo visṛṣṭe narako dhruvaḥ
wenn gezügelt (Lok.abs.), sei Himmel (Nom.), wenn losgelassen (Lok.abs.), Hölle (Nom.), gewiss

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; v. 8 ‚yato yato … tataḥ‘: Der Text ist knapp, ergänzt ist ‚soll man sich abwenden‘ (Sinn: wo Verletzen groß ist, dort meide man es).

ghātakaḥ śastram udyamya manasā cintayed yadi; āyuḥkṣayaṃ gate 'dyaiṣāṃ mṛte tu praharāmy aham; iti yo ghātako hanyān na sa pāpena lipyate; vidhinā nihataḥ pūrvaṃ nimittaṃ sa tu ghātakaḥ; vidhir hi balavān devi dustyajaṃ vai purākṛtam; jīvāḥ purākṛtenaiva tiryagyonisarīsṛpāḥ; nānāyoniṣu jāyante svakarmapariveṣṭitāḥ; nānāvidhavicitrāṅgā nānāvīryaparākramāḥ; nānābhūmipradeśeṣu nānāhārāś ca jantavaḥ; jāyamānasya jīvasya mṛtyuḥ pūrvaṃ prajāyate; sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ yathā pūrvaṃ kṛtaṃ tathā; prāpnuvanti narā mṛtyuṃ yadā yatra ca yena ca; nātikrāntuṃ hi śakyaṃ syān nideśaḥ pūrvakarmaṇaḥ; apramattaḥ pramatteṣu vidhir jāgarti jantuṣu; na hi tasya priyaḥ kaś cin na dveṣyo na ca madhyamaḥ

Wenn ein Töter, die Waffe erhoben, im Geist denkt: „Da deren Lebenszeit heute zu Ende gegangen ist, schlage ich [sie erst], wenn sie tot sind“ [?], so wird ein Töter, der so tötet, nicht von Schuld befleckt: er ist, vom Schicksal zuvor erschlagen, nur der Anlass. Denn das Schicksal ist mächtig, o Göttin; das früher Getane ist schwer aufzugeben. Die Lebewesen, die Tierschoß-Geborenen und Kriechtiere, werden durch das früher Getane in vielerlei Schöße geboren, von ihrem eigenen Tun umhüllt, von vielerlei Art, mit bunten Gliedern, mit mancherlei Kraft und Tapferkeit, in mancherlei Erdgegenden, mit mancherlei Nahrung, die Geschöpfe. Für ein geborenes Lebewesen ist der Tod schon vorher erzeugt. Ob Glück oder Leid, wie früher getan, so erlangen die Menschen den Tod, wann, wo und durch wen [es bestimmt ist]. Die Weisung des früheren Tuns kann man nicht überschreiten. Wachsam wacht das Schicksal über die Unachtsamen unter den Geschöpfen; denn für dieses ist keiner lieb, keiner verhasst und keiner gleichgültig.

Wort für Wort
ghātakaḥ śastram udyamya manasā cintayed yadi
ein Töter (Nom.), die Waffe (Akk.) erhoben habend (Abs.), im Geist (Instr.), denkt (Opt.), wenn
āyuḥkṣayaṃ gate 'dyaiṣāṃ mṛte tu praharāmy aham
als die Lebenszeitverminderung eingetreten ist (Lok.abs.), heute, deren (Gen.Pl.), bei Toten (Lok.), aber, schlage ich (1.Sg.), ich
iti yo ghātako hanyān na sa pāpena lipyate
so, welcher Töter töte (Opt.), nicht er, mit Schuld (Instr.), wird befleckt (Pass.)
vidhinā nihataḥ pūrvaṃ nimittaṃ sa tu ghātakaḥ
vom Schicksal (Instr.), erschlagen (Part.), zuvor, Anlass (Nom.), er aber, Töter (Nom.)
vidhir hi balavān devi dustyajaṃ vai purākṛtam
das Schicksal (Nom.), denn, mächtig (Nom.), o Göttin, schwer aufzugeben (Nom.), das früher Getane (Nom.)
jīvāḥ purākṛtenaiva tiryagyonisarīsṛpāḥ
Lebewesen (Nom.Pl.), durch früher Getanes (Instr.), Tierschoß-Wesen und Kriechtiere (Nom.Pl.)
nānāyoniṣu jāyante svakarmapariveṣṭitāḥ
in vielerlei Schößen (Lok.Pl.), werden geboren (3.Pl.), von eigenem Tun umhüllt (Nom.Pl.)
nānāvidhavicitrāṅgā nānāvīryaparākramāḥ
von vielerlei Art, buntgliedrig (Nom.Pl.), mit mancherlei Kraft und Tapferkeit (Nom.Pl.)
nānābhūmipradeśeṣu nānāhārāś ca jantavaḥ
in mancherlei Erdgegenden (Lok.Pl.), mit mancherlei Nahrung (Nom.Pl.), und Geschöpfe (Nom.Pl.)
jāyamānasya jīvasya mṛtyuḥ pūrvaṃ prajāyate
eines geboren werdenden (Gen.), Lebewesens (Gen.), Tod (Nom.), zuvor, wird erzeugt (Pass.)
sukhaṃ vā yadi vā duḥkhaṃ yathā pūrvaṃ kṛtaṃ tathā
Glück (Akk.), oder ob Leid (Akk.), wie früher getan (Part.), so
prāpnuvanti narā mṛtyuṃ yadā yatra ca yena ca
erlangen (3.Pl.), Menschen (Nom.Pl.), den Tod (Akk.), wann, wo, und durch wen (Instr.)
nātikrāntuṃ hi śakyaṃ syān nideśaḥ pūrvakarmaṇaḥ
nicht zu überschreiten (Inf.), denn möglich wäre (Opt.), Weisung (Nom.), des früheren Tuns (Gen.)
apramattaḥ pramatteṣu vidhir jāgarti jantuṣu
wachsam (Nom.), bei Unachtsamen (Lok.Pl.), Schicksal (Nom.), wacht (3.Sg.), unter Geschöpfen (Lok.Pl.)
na hi tasya priyaḥ kaś cin na dveṣyo na ca madhyamaḥ
nicht denn, ihm (Gen.), lieb (Nom.) irgendeiner, nicht verhasst (Nom.), und nicht mittlerer (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; v. 2 (āyuḥkṣayaṃ gate 'dyaiṣāṃ mṛte tu praharāmy aham) syntaktisch unsicher: wohl ‚da ihre Lebenszeit erschöpft ist, schlage ich die [ohnehin] Toten‘.

samaḥ sarveṣu bhūteṣu kālaḥ kālaṃ nirīkṣate; gatāyuṣo hy ākṣipati jīvaṃ sarvasya dehinaḥ; yathā yena ca martavyaṃ tathā yujyeta mṛtyunā; avaśo nīyate tatra martavyaṃ yatra yena tu; araṇye svagṛhe vāpi rātrau vāhani vā tathā; yathā yena hi martavyaṃ nānyathā mriyate hi saḥ; dṛśyate na ca loke 'smin bhūto bhavyo 'pi vā punaḥ; vijñānair vikramair vāpi nānāmantrauṣadhair api; yo hi vañcayituṃ śakto vidhes tu niyatāṃ gatim; maheśvaraḥ; eṣa te 'bhihito devi jīvahiṃsāvidhikramaḥ; śrūyatāṃ kāraṇaṃ devi yathā hi duratikramaḥ; vidhiḥ sarveṣu bhūteṣu martavye samupasthite; āyuḥkṣayeṇopahatāḥ samāgamya varānane; kīṭāḥ pataṃgā bahavaḥ sthūlāḥ sūkṣmāś ca madhyamāḥ

Gleich ist die Zeit gegenüber allen Wesen; die Zeit blickt auf die [rechte] Zeit. Sie reißt das Leben eines jeden Verkörperten, dessen Lebenszeit dahin ist, an sich. Wie und durch wen [einer] sterben muss, so wird er mit dem Tod verbunden; willenlos wird er dorthin geführt, wo und durch wen er sterben muss: im Wald, im eigenen Haus, bei Nacht oder am Tag. Wie und durch wen einer sterben muss, nicht anders stirbt er. Man sieht in dieser Welt keinen, der es gewesen wäre oder wieder sein wird, der durch Wissen, durch Tatkraft oder durch mancherlei Zaubersprüche und Kräuter den festgelegten Lauf des Schicksals täuschen könnte. Maheśvara [sprach]: „Dies ist dir, o Göttin, die Abfolge der Regel bei der Tötung von Lebewesen gesagt. Höre den Grund, o Göttin, wie es [für alle] unüberwindlich ist: Das Schicksal steht allen Wesen bei, wenn der Tod bevorsteht; durch das Ende der Lebenszeit getroffen, kommen sie zusammen, o Schönantlitzige: Würmer und Falter, viele, große, kleine und mittlere,

Wort für Wort
samaḥ sarveṣu bhūteṣu kālaḥ kālaṃ nirīkṣate
gleich (Nom.), gegenüber allen Wesen (Lok.Pl.), die Zeit (Nom.), die Zeit (Akk.), blickt an (3.Sg.)
gatāyuṣo hy ākṣipati jīvaṃ sarvasya dehinaḥ
dessen Lebenszeit dahin ist (Gen.), denn, reißt an sich (3.Sg.), das Leben (Akk.), jedes Verkörperten (Gen.)
yathā yena ca martavyaṃ tathā yujyeta mṛtyunā
wie und durch wen zu sterben ist (Ger.), so, wird verbunden (Opt.Pass.), mit dem Tod (Instr.)
avaśo nīyate tatra martavyaṃ yatra yena tu
willenlos (Nom.), wird geführt (Pass.), dorthin, wo zu sterben ist (Ger.), durch wen aber (Instr.)
araṇye svagṛhe vāpi rātrau vāhani vā tathā
im Wald (Lok.), im eigenen Haus (Lok.), oder auch, bei Nacht (Lok.), oder am Tag (Lok.), ebenso
yathā yena hi martavyaṃ nānyathā mriyate hi saḥ
wie und durch wen zu sterben ist (Ger.), nicht anders (Adv.), stirbt (3.Sg.), er (Nom.)
dṛśyate na ca loke 'smin bhūto bhavyo 'pi vā punaḥ
man sieht nicht (Pass.), in dieser Welt (Lok.), Gewesener, Künftiger auch oder wieder
vijñānair vikramair vāpi nānāmantrauṣadhair api
durch Wissen (Instr.Pl.), durch Tatkraft (Instr.Pl.), oder, durch mancherlei Zaubersprüche und Kräuter (Instr.Pl.)
yo hi vañcayituṃ śakto vidhes tu niyatāṃ gatim
wer denn (Nom.), zu täuschen (Inf.), fähig (Nom.), des Schicksals (Gen.), festgelegten (Akk.), Lauf (Akk.)
maheśvaraḥ; eṣa te 'bhihito devi jīvahiṃsāvidhikramaḥ
Maheśvara; dies, dir, gesagt (Part.), o Göttin, die Abfolge der Regel der Lebewesen-Tötung (Nom.)
śrūyatāṃ kāraṇaṃ devi yathā hi duratikramaḥ
es werde gehört (Imp.Pass.), der Grund (Nom.), o Göttin, wie, denn, unüberwindlich (Nom.)
vidhiḥ sarveṣu bhūteṣu martavye samupasthite
das Schicksal (Nom.), bei allen Wesen (Lok.Pl.), wenn zu sterben ist und bevorsteht (Lok.abs.)
āyuḥkṣayeṇopahatāḥ samāgamya varānane
durch Ende der Lebenszeit (Instr.), getroffen (Part.), zusammengekommen (Abs.), o Schönantlitzige (Vok.)
kīṭāḥ pataṃgā bahavaḥ sthūlāḥ sūkṣmāś ca madhyamāḥ
Würmer (Nom.Pl.), Falter (Nom.Pl.), viele, große, und kleine und mittlere (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Rede Śivas ab ‚eṣa te ‘bhihito…‘ setzt in der Vorlage nach dem Sprecherlabel mitten im Vers ein; der Satz setzt sich in der folgenden Einheit fort. ‚kālaḥ kālaṃ nirīkṣate‘ wörtlich: die Zeit blickt auf die Zeit (d. h. jede Sache auf ihre Zeit).

prajvalatsu pradīpeṣu svayam eva patanti te; bahūnāṃ mṛgayūthānāṃ nānāvananiṣeviṇām; yas tu kālahatas teṣāṃ sa vai kālena vadhyate; sūnārthaṃ devi baddhānāṃ kṣīṇāyur yo nibadhyate; avaśo ghātakasyātha hastaṃ tad ahar eti saḥ; yathā pakṣigaṇāḥ kṣipraṃ vistīrṇākāśagāminaḥ; kṣīṇāyuṣo nibadhyante śaktā api palāyitum; yathā vāricarā mīnā bahavo bahujātayaḥ; jālaṃ samadhirohanti svayam eva vidher vaśāt; śalyakasya ca jihvāgraṃ svayam āruhya śobhane; āyuḥkṣayeṇopahatā nipadyante sarīsṛpāḥ; kṛṣatāṃ karṣakāṇāṃ ca nāsti buddhir vihiṃsane; athaiṣāṃ lāṅgalāgrādyair hanyante jantavo 'kṣayāḥ; pādāgreṇaiva caikena yāṃ hiṃsāṃ kurute naraḥ; mātaṃgo 'pi na tāṃ kuryāt krūro janmaśatair api

[sie] fallen von selbst in brennende Lampen. Von vielen Wildherden, die in mancherlei Wäldern verweilen, wird der, der von der Zeit erschlagen ist, eben von der Zeit getötet. Der, dessen Lebenszeit erschöpft ist, wird, o Göttin, [als Opfertier] zum Schlachten gebunden; willenlos kommt er an jenem Tag in die Hand des Schlächters. Wie Vogelscharen, die schnell den weiten Himmel durchstreifen, gefesselt werden, wenn ihre Lebenszeit erschöpft ist, auch wenn sie zur Flucht fähig wären; wie die Wasserbewohner, die Fische, viele, vielerlei Art, aus eigenem Antrieb kraft des Schicksals ins Netz steigen; und wie sie, o Schöne, von selbst auf die Spitze des Stachelfischs [?] hinaufsteigen: so fallen, vom Ende der Lebenszeit getroffen, die Kriechtiere nieder. Die Pflüger, die pflügen, haben keine Absicht des Verletzens; dennoch werden von ihnen mit den Spitzen des Pfluges und anderem die unvergänglichen [?] Geschöpfe erschlagen. Und welches Verletzen ein Mann allein mit der Fußspitze begeht, das würde nicht einmal ein Elefant, grausam, in hundert Geburten begehen.

Wort für Wort
prajvalatsu pradīpeṣu svayam eva patanti te
in brennenden (Lok.Pl.), Lampen (Lok.Pl.), von selbst, fallen (3.Pl.), sie (Nom.Pl.)
bahūnāṃ mṛgayūthānāṃ nānāvananiṣeviṇām
von vielen (Gen.Pl.), Wildherden (Gen.Pl.), die in mancherlei Wäldern verweilen (Gen.Pl.)
yas tu kālahatas teṣāṃ sa vai kālena vadhyate
wer aber von der Zeit erschlagen (Nom.), unter ihnen (Gen.Pl.), er gewiss, von der Zeit (Instr.), wird getötet (Pass.)
sūnārthaṃ devi baddhānāṃ kṣīṇāyur yo nibadhyate
zur Schlachtbank (Adv.), o Göttin, unter Gebundenen (Gen.Pl.), dessen Lebenszeit erschöpft (Nom.), der gebunden wird (Pass.)
avaśo ghātakasyātha hastaṃ tad ahar eti saḥ
willenlos (Nom.), des Schlächters (Gen.), dann, die Hand (Akk.), an jenem Tag, kommt (3.Sg.), er
yathā pakṣigaṇāḥ kṣipraṃ vistīrṇākāśagāminaḥ
wie Vogelscharen (Nom.Pl.), schnell, durch den weiten Himmel ziehend (Nom.Pl.)
kṣīṇāyuṣo nibadhyante śaktā api palāyitum
mit erschöpfter Lebenszeit (Nom.Pl.), werden gebunden (Pass.), fähig (Nom.Pl.), auch, zu fliehen (Inf.)
yathā vāricarā mīnā bahavo bahujātayaḥ
wie Wasserbewohner (Nom.Pl.), Fische (Nom.Pl.), viele, von vielerlei Art (Nom.Pl.)
jālaṃ samadhirohanti svayam eva vidher vaśāt
das Netz (Akk.), besteigen (3.Pl.), von selbst, kraft des Schicksals (Abl.)
śalyakasya ca jihvāgraṃ svayam āruhya śobhane
des Stachligen [?] (Gen.), und, die Zungenspitze/Spitze (Akk.), von selbst, hinaufgestiegen (Abs.), o Schöne (Vok.)
āyuḥkṣayeṇopahatā nipadyante sarīsṛpāḥ
vom Ende der Lebenszeit (Instr.), getroffen (Nom.Pl.), fallen nieder (3.Pl.), Kriechtiere (Nom.Pl.)
kṛṣatāṃ karṣakāṇāṃ ca nāsti buddhir vihiṃsane
bei Pflügenden (Gen.Pl.), Pflügern (Gen.Pl.), nicht gibt es, Absicht (Nom.), beim Verletzen (Lok.)
athaiṣāṃ lāṅgalāgrādyair hanyante jantavo 'kṣayāḥ
dann, von diesen (Gen.Pl.), mit Pflugspitze und anderem (Instr.Pl.), werden erschlagen (Pass.), Geschöpfe (Nom.Pl.), unvergängliche [?] (Nom.Pl.)
pādāgreṇaiva caikena yāṃ hiṃsāṃ kurute naraḥ
mit der Fußspitze (Instr.), nur, einer (Instr.), welches Verletzen (Akk.), begeht (3.Sg.), ein Mann (Nom.)
mātaṃgo 'pi na tāṃ kuryāt krūro janmaśatair api
ein Elefant (Nom.), auch, nicht dieses (Akk.), begehen würde (Opt.), grausam (Nom.), in hundert Geburten (Instr.Pl.), selbst

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Fortsetzung des Satzes aus 139 (kīṭāḥ pataṃgā … prajvalatsu pradīpeṣu). ‚śalyakasya jihvāgram‘ (Stachelschwein/Stachelfisch, Zungenspitze/Köder?) unsicher; ‚jantavo ‘kṣayāḥ‘ ebenfalls unsicher; v. 15 (mātaṃgo ‘pi na tāṃ kuryāt) im Sinn: schon der kleinste Tritt eines Menschen verletzt mehr, als ein Grausamer in hundert Leben tut, ist syntaktisch schwierig.

mriyante yair hi martavyaṃ na tān hanti kṛṣīvalaḥ; kṛṣāmīti matis tasya nāsti cintā vihiṃsane; tasmāj jīvasahasrāṇi hatvāpi na sa lipyate; vidhinā vihitaḥ pūrvaṃ paścāt prāṇī vipadyate; evaṃ sarveṣu bhūteṣu vidhir hi duratikramaḥ; gatāyuṣā na śakyaṃ hi muhūrtam api jīvitum; jīvitavye na martavyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati; śubhāśubhaṃ karmaphalaṃ na śakyam ativartitum; tathā tābhiś ca martavyaṃ bhoktavyāś caiva tās tathā; rantidevasya gāvo vai vidher hi vaśam āgatāḥ; svayam āyānti gāvo vai hanyante yatra sundari; gavāṃ vai hanyamānānāṃ rudhiraprabhavā nadī; carmaṇvatīti vikhyātā khuraśṛṅgāsthidurgamā; rudhiraṃ tāṃ nadīṃ prāpya toyaṃ bhavati śobhane

Die, die sterben müssen, sterben; der Pflüger tötet sie nicht. „Ich pflüge“, das ist sein Gedanke; ein Bedenken wegen des Verletzens kennt er nicht. Darum wird er nicht befleckt, auch wenn er Tausende von Lebewesen getötet hat: Vom Schicksal zuvor bestimmt, kommt danach das Geschöpf um. So ist bei allen Wesen das Schicksal unüberwindlich. Wessen Lebenszeit dahin ist, der kann auch nicht einen Augenblick leben. Wer leben soll, muss nicht sterben; das ist nicht gewesen und wird nicht sein. Die Frucht des Tuns, gut oder schlecht, kann man nicht überschreiten. So mussten jene [Rinder] sterben, und so mussten sie auch verzehrt werden. Die Rinder des Rantideva waren ja in die Gewalt des Schicksals geraten. Von selbst kommen die Rinder dorthin, o Schöne, wo sie getötet werden. Aus dem Blut der getöteten Rinder entstand ein Fluss, berühmt als Carmaṇvatī, durch Hufe, Hörner und Knochen schwer zu durchqueren. Das Blut, das den Fluss erreicht, wird, o Schöne, zu Wasser,

Wort für Wort
mriyante yair hi martavyaṃ na tān hanti kṛṣīvalaḥ
sie sterben (3.Pl.Pass./Med.), die sterben müssen (Instr.), nicht sie (Akk.Pl.), tötet (3.Sg.), der Pflüger (Nom.)
kṛṣāmīti matis tasya nāsti cintā vihiṃsane
„ich pflüge“ so, Gedanke (Nom.), sein (Gen.), nicht gibt es Überlegung (Nom.), beim Verletzen (Lok.)
tasmāj jīvasahasrāṇi hatvāpi na sa lipyate
deshalb, Tausende von Lebewesen (Akk.Pl.), getötet habend (Abs.), auch, nicht er, wird befleckt (Pass.)
vidhinā vihitaḥ pūrvaṃ paścāt prāṇī vipadyate
vom Schicksal (Instr.), bestimmt (Part.), zuvor, danach (Adv.), das Geschöpf (Nom.), geht zugrunde (3.Sg.)
evaṃ sarveṣu bhūteṣu vidhir hi duratikramaḥ
so, bei allen Wesen (Lok.Pl.), das Schicksal (Nom.), denn, unüberwindlich (Nom.)
gatāyuṣā na śakyaṃ hi muhūrtam api jīvitum
von dem, dessen Lebenszeit dahin ist (Instr.), nicht möglich, denn, einen Augenblick auch, zu leben (Inf.)
jīvitavye na martavyaṃ na bhūtaṃ na bhaviṣyati
wenn zu leben ist (Lok.), nicht zu sterben, nicht ist gewesen (Part.), nicht wird sein (3.Sg.Fut.)
śubhāśubhaṃ karmaphalaṃ na śakyam ativartitum
gute und schlechte (Nom.), Frucht des Tuns (Nom.), nicht möglich (Nom.), zu überschreiten (Inf.)
tathā tābhiś ca martavyaṃ bhoktavyāś caiva tās tathā
so, von ihnen (Instr.Pl.f.), zu sterben (Ger.), zu essen (Ger.Nom.Pl.f.), und sie (Nom.Pl.f.), ebenso
rantidevasya gāvo vai vidher hi vaśam āgatāḥ
Rantidevas (Gen.), Rinder (Nom.Pl.), ja, des Schicksals (Gen.), in die Gewalt (Akk.), gekommen (Part.)
svayam āyānti gāvo vai hanyante yatra sundari
von selbst, kommen (3.Pl.), Rinder (Nom.Pl.), ja, werden getötet (Pass.), wo, o Schöne (Vok.)
gavāṃ vai hanyamānānāṃ rudhiraprabhavā nadī
der Rinder (Gen.Pl.), ja, der getöteten (Gen.Pl.Part.Pass.), aus Blut entstehend (Nom.), Fluss (Nom.)
carmaṇvatīti vikhyātā khuraśṛṅgāsthidurgamā
Carmaṇvatī, so, berühmt (Part.), durch Hufe, Hörner, Knochen schwer gangbar (Nom.)
rudhiraṃ tāṃ nadīṃ prāpya toyaṃ bhavati śobhane
Blut (Nom.), diesen Fluss (Akk.), erreicht habend (Abs.), Wasser (Nom.), wird (3.Sg.), o Schöne (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚mriyante yair hi martavyam‘: wörtlich ‚durch die/als die zu sterben ist, sterben‘, Sinn: nur wer ohnehin sterben muss, stirbt. Satz setzt sich in 142 fort.

medhyaṃ puṇyaṃ pavitraṃ ca gandhavarṇarasair yutam; tatrābhiṣekaṃ kurvanti kṛtajapyāḥ kṛtāhnikāḥ; dvijā devagaṇāś cāpi lokapālā maheśvarāḥ; tasya rājñaḥ sadā satre svayam āgamya sundari; vidhinā pūrvadṛṣṭena tanmāṃsam upakalpitam; mantravat pratigṛhṇanti yathānyāyaṃ yathāvidhi; samāṃsaṃ ca sadā hy annaṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ; bhuñjānānāṃ dvijātīnām astam eti divākaraḥ; gāvo yās tatra hanyante rājñas tasya kratūttame; paṭhyamāneṣu mantreṣu yathānyāyaṃ yathāvidhi; tāś ca svargaṃ gatā gāvo rantidevaś ca pārthivaḥ; sadā satravidhānena siddhiṃ prāpto nareśvaraḥ; atha yas tu sahāyārtham uktaḥ syāt pārthivair naraḥ; bhogānāṃ saṃvibhāgena vastrābharaṇabhūṣaṇaiḥ

das rein, verdienstvoll und heilig ist, mit Duft, Farbe und Geschmack begabt. Dort nehmen das Bad: die, die ihr Murmeln und ihre Tagesriten vollendet haben, Zweimalgeborene, Götterscharen und auch die Weltenhüter, die Großherren. Im Opfer jenes Königs kamen sie stets von selbst hinzu, o Schöne; nach der früher gesehenen Regel wurde dessen Fleisch zubereitet. Mit Mantra empfangen sie es, dem Recht und der Regel gemäß; und die Speise samt Fleisch [wurde] stets zu Hunderten und Tausenden [gegeben]. Während die Zweimalgeborenen aßen, ging die Sonne unter. Die Rinder, die dort getötet werden in jenes Königs erhabenem Opfer, unter Rezitation der Mantras, dem Recht und der Regel gemäß, diese Rinder gelangten in den Himmel, und der Fürst Rantideva, der Herr der Menschen, erlangte durch die stetige Ausrichtung von Opferfeiern die Vollendung. Wer aber um der Hilfe willen von Königen angesprochen wird, [und zwar] mit Anteil an Genüssen, mit Gewändern, Schmuck und Zierat,

Wort für Wort
medhyaṃ puṇyaṃ pavitraṃ ca gandhavarṇarasair yutam
rein, verdienstvoll, heilig (Nom.), und, mit Duft, Farbe, Geschmack (Instr.Pl.), verbunden (Part.)
tatrābhiṣekaṃ kurvanti kṛtajapyāḥ kṛtāhnikāḥ
dort, Bad (Akk.), vollziehen (3.Pl.), die das Murmeln vollendet haben (Nom.Pl.), die den Tagesritus vollendet haben (Nom.Pl.)
dvijā devagaṇāś cāpi lokapālā maheśvarāḥ
Zweimalgeborene (Nom.Pl.), Götterscharen (Nom.Pl.), auch, Weltenhüter (Nom.Pl.), Großherren (Nom.Pl.)
tasya rājñaḥ sadā satre svayam āgamya sundari
dieses Königs (Gen.), stets, im Opfer (Lok.), von selbst, gekommen (Abs.), o Schöne (Vok.)
vidhinā pūrvadṛṣṭena tanmāṃsam upakalpitam
nach der Regel (Instr.), früher gesehenen (Instr.), dessen Fleisch (Nom.), zubereitet (Part.)
mantravat pratigṛhṇanti yathānyāyaṃ yathāvidhi
mit Mantra (Adv.), empfangen (3.Pl.), dem Recht gemäß, der Regel gemäß
samāṃsaṃ ca sadā hy annaṃ śataśo 'tha sahasraśaḥ
samt Fleisch (Nom./Akk.), und, stets, ja, Speise (Nom.), zu Hunderten, dann zu Tausenden
bhuñjānānāṃ dvijātīnām astam eti divākaraḥ
der Essenden (Gen.Pl.), der Zweimalgeborenen (Gen.Pl.), Untergang (Akk.), geht (3.Sg.), die Sonne (Nom.)
gāvo yās tatra hanyante rājñas tasya kratūttame
Rinder (Nom.Pl.), die (Nom.Pl.), dort, werden getötet (Pass.), des Königs (Gen.), dessen, im erhabenen Opfer (Lok.)
paṭhyamāneṣu mantreṣu yathānyāyaṃ yathāvidhi
wenn rezitiert werden (Lok.abs.), Mantras (Lok.Pl.), dem Recht gemäß, der Regel gemäß
tāś ca svargaṃ gatā gāvo rantidevaś ca pārthivaḥ
diese (Nom.Pl.f.), und, in den Himmel (Akk.), gegangen (Part.), Rinder (Nom.Pl.), Rantideva, und, der Fürst (Nom.)
sadā satravidhānena siddhiṃ prāpto nareśvaraḥ
stets, durch Anordnung von Opferfeiern (Instr.), Vollendung (Akk.), erlangt (Part.), Herr der Menschen (Nom.)
atha yas tu sahāyārtham uktaḥ syāt pārthivair naraḥ
und, wer aber (Nom.), zur Hilfe (Adv.), angesprochen (Part.), sei (Opt.), von Fürsten (Instr.Pl.), ein Mann (Nom.)
bhogānāṃ saṃvibhāgena vastrābharaṇabhūṣaṇaiḥ
durch Anteil (Instr.), an Genüssen (Gen.Pl.), mit Gewändern, Schmuck, Zierat (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Fortsetzung des Satzes aus 141 (Blut wird Wasser). Verse 13–14 (atha yas tu sahāyārtham …) leiten über zum Satz in 143.

sahabhojanasaṃbandhaiḥ satkārair vividhair api; sahāyakāle saṃprāpte saṃgrāme śastram uddharet; vyūḍhānīke yathā śastraṃ senayor ubhayor api; hastyaśvarathasaṃpūrṇe padātibalasaṃkule; cāmaracchatraśabale dhvajacarmāyudhojjvale; śaktitomarakuntāsiśūlapaṭṭasadhāribhiḥ; kūṭamudgaracāpeṣubhusuṇḍhījuṣṭamuṣṭibhiḥ; bhindipālagadācakraprāsakarpaṇadhāribhiḥ; nānāpraharaṇair yodhaiḥ senayor ubhayor api; yuddhaśauṇḍaiḥ pragarjadbhir vṛṣeṣu vṛṣabhair iva; śaṅkhaduṃdubhinādena nānātūryaraveṇa ca; hayaheṣitaśabdena kuñjarāṇāṃ ca bṛṃhitaiḥ; yodhānāṃ siṃhanādaiś ca ghaṇṭānāṃ śiñjitasvanaiḥ; diśaś ca vidiśaś caiva samantād badhirīkṛtāḥ; grīṣmānteṣu vigarjadbhir nabhasīva balāhakaiḥ

und mit Bindungen durch gemeinsame Mahlzeiten und mit vielerlei Ehrungen: wenn die Zeit der Hilfe gekommen ist, soll er in der Schlacht die Waffe erheben, wenn das Heer aufgestellt ist, wie [die Waffe] beider Heere, die voll sind von Elefanten, Rossen und Wagen, dicht von Fußvolk, bunt von Wedeln und Schirmen, glänzend von Bannern, Schilden und Waffen, mit Trägern von Speer, Wurfspieß, Lanze, Schwert, Dreizack und Paṭṭisa, mit Keule, Mudgara, Bögen und Pfeilen, mit Bhusuṇḍhī-Waffen und Fäusten [?], mit Trägern von Schleuderspieß, Keule, Wurfscheibe, Lanze und Karpaṇa, mit Kriegern, die mit mancherlei Waffen ausgerüstet sind, in beiden Heeren, kampfberauscht und brüllend wie Stiere unter Stieren, mit dem Schall von Muscheln und Pauken und dem Klang mancherlei Trompeten, mit dem Wiehern der Rosse und dem Trompeten der Elefanten, mit den Löwenrufen der Krieger und dem Klingen der Glocken, [so dass] die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen ringsum taub gemacht sind, wie der Himmel am Ende der heißen Jahreszeit von donnernden Wolken.

Wort für Wort
sahabhojanasaṃbandhaiḥ satkārair vividhair api
durch Bande gemeinsamen Essens (Instr.Pl.), mit Ehrungen (Instr.Pl.), vielerlei (Instr.Pl.), auch
sahāyakāle saṃprāpte saṃgrāme śastram uddharet
wenn die Hilfezeit gekommen ist (Lok.abs.), in der Schlacht (Lok.), die Waffe (Akk.), erheben soll er (Opt.)
vyūḍhānīke yathā śastraṃ senayor ubhayor api
bei aufgestelltem Heer (Lok.), wie, Waffe (Akk.), beider Heere (Gen.Du.), auch
hastyaśvarathasaṃpūrṇe padātibalasaṃkule
voll von Elefanten, Rossen, Wagen (Lok.), dicht von Fußvolk (Lok.)
cāmaracchatraśabale dhvajacarmāyudhojjvale
bunt von Wedeln und Schirmen (Lok.), glänzend von Bannern, Schilden, Waffen (Lok.)
śaktitomarakuntāsiśūlapaṭṭasadhāribhiḥ
mit Trägern von Speer, Wurfspieß, Lanze, Schwert, Dreizack, Paṭṭisa (Instr.Pl.)
kūṭamudgaracāpeṣubhusuṇḍhījuṣṭamuṣṭibhiḥ
mit Kūṭa, Mudgara, Bögen, Pfeilen, Bhusuṇḍhī, Fäusten (Instr.Pl.) [?]
bhindipālagadācakraprāsakarpaṇadhāribhiḥ
mit Trägern von Schleuderspieß, Keule, Wurfscheibe, Wurfspeer, Karpaṇa (Instr.Pl.)
nānāpraharaṇair yodhair senayor ubhayor api
mit mancherlei Waffen (Instr.Pl.), Kriegern (Instr.Pl.), in beiden Heeren (Lok.Du.), auch
yuddhaśauṇḍaiḥ pragarjadbhir vṛṣeṣu vṛṣabhair iva
kampfberauscht (Instr.Pl.), brüllend (Instr.Pl.), unter Stieren (Lok.Pl.), wie Stiere (Instr.Pl.)
śaṅkhaduṃdubhinādena nānātūryaraveṇa ca
mit Muschel- und Paukenschall (Instr.), mit dem Ton mancherlei Trompeten (Instr.)
hayaheṣitaśabdena kuñjarāṇāṃ ca bṛṃhitaiḥ
mit Rosswiehern (Instr.), der Elefanten (Gen.Pl.), mit Trompetenstößen (Instr.Pl.)
yodhānāṃ siṃhanādaiś ca ghaṇṭānāṃ śiñjitasvanaiḥ
der Krieger (Gen.Pl.), mit Löwenrufen (Instr.Pl.), der Glocken (Gen.Pl.), mit Klingeltönen (Instr.Pl.)
diśaś ca vidiśaś caiva samantād badhirīkṛtāḥ
Himmelsrichtungen (Nom.Pl.), Zwischenrichtungen (Nom.Pl.), ringsum, taub gemacht (Part.)
grīṣmānteṣu vigarjadbhir nabhasīva balāhakaiḥ
am Ende der heißen Zeiten (Lok.Pl.), mit donnernden (Instr.Pl.), wie am Himmel (Lok.), mit Wolken (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Schlachtbeschreibung als langer Satz aus lauter Instrumentalen/Lokativen ohne Hauptverb, syntaktisch locker; Waffennamen (kūṭa, bhusuṇḍhī, karpaṇa, paṭṭisa) nur transkribiert; ‚juṣṭamuṣṭibhiḥ‘ unsicher.

rathanemikhuroddhūtair aruṇai raṇareṇubhiḥ; kapilābhir ivākāśe chādyamāne samantataḥ; pravṛtte śastrasaṃpāte yodhānāṃ tatra senayoḥ; teṣāṃ prahārakṣatajaṃ raktacandanasaprabham; te sravantaḥ svagātrebhyas tarante raṇamūrdhani; palāśāśokapuṣpāṇāṃ jaṃgamā iva rāśayaḥ; raṇe samabhivartanta udyatāyudhapāṇayaḥ; śobhamānā raṇe śūrā āhvayantaḥ parasparam; hanyamāneṣv abhighnatsu śūreṣu raṇasaṃkaṭe; pṛṣṭhaṃ dattvātha ye tatra nāyakasya narādhamāḥ; anāhatā nivartante nāyake vāpy abhīpsati; te duṣkṛtaṃ prapadyante nāyakasyākhilaṃ narāḥ; yac cāsti sukṛtaṃ teṣāṃ yujyate tena nāyakaḥ; ahiṃsā paramo dharma iti ye 'pi narā viduḥ; saṃgrāmeṣu na yudhyante bhṛtāś caivānurūpataḥ

Von rötlichem Schlachtstaub, den Wagenfelgen und Hufe aufwirbeln, [der wie] von rotbraunen [Wolken] am Himmel ringsum bedeckt wird, als dort der Waffenkampf der Krieger beider Heere begonnen hat, [strömt] deren aus den Schlagwunden entstandenes Blut, rotem Sandelholz gleich glänzend; sie, aus den eigenen Gliedern blutend, treiben an der Spitze der Schlacht [dahin], wie wandelnde Haufen von Palāśa- und Aśoka-Blüten; sie drehen sich im Kampf, die Waffen in den Händen erhoben, leuchtend im Kampf, die Helden, einander herausfordernd. Wenn im Gedränge der Schlacht die Helden, die sich gegenseitig erschlagen, fallen und die niedrigsten Männer dort dem Anführer den Rücken zukehren und unverwundet umkehren, obwohl der Anführer [den Kampf] wünscht, so laden diese Männer die gesamte Schuld des Anführers auf sich, und was sie an Verdienst haben, wird dem Anführer zugefügt. Auch die Männer, die wissen: „Nicht-Verletzen ist das höchste Dharma“, kämpfen in den Schlachten nicht, obwohl sie ihrem [Sold] entsprechend bezahlt sind [?];

Wort für Wort
rathanemikhuroddhūtair aruṇai raṇareṇubhiḥ
von Wagenfelgen und Hufen aufgewirbelt (Instr.Pl.), mit rötlichen (Instr.Pl.), Schlachtstaubpartikeln (Instr.Pl.)
kapilābhir ivākāśe chādyamāne samantataḥ
mit rotbraunen [Wolken] (Instr.Pl.f.) gleichsam, am Himmel (Lok.), wenn bedeckt wird (Lok.abs.), ringsum
pravṛtte śastrasaṃpāte yodhānāṃ tatra senayoḥ
wenn begonnen hat (Lok.abs.), Waffenniederfall (Lok.), der Krieger (Gen.Pl.), dort, der beiden Heere (Gen.Du.)
teṣāṃ prahārakṣatajaṃ raktacandanasaprabham
ihr (Gen.Pl.), aus Schlagwunden entstandenes [Blut] (Nom./Akk.), roten Sandel an Glanz gleich
te sravantaḥ svagātrebhyas tarante raṇamūrdhani
sie (Nom.Pl.), blutend (Part.), aus den eigenen Gliedern (Abl.), schwimmen/treiben (3.Pl.), an der Schlachtspitze (Lok.)
palāśāśokapuṣpāṇāṃ jaṃgamā iva rāśayaḥ
von Palāśa- und Aśoka-Blüten (Gen.Pl.), wandelnde (Nom.Pl.), gleichsam, Haufen (Nom.Pl.)
raṇe samabhivartanta udyatāyudhapāṇayaḥ
im Kampf (Lok.), kreisen/wenden sich (3.Pl.Med.), mit erhobenen Waffen in den Händen (Nom.Pl.)
śobhamānā raṇe śūrā āhvayantaḥ parasparam
leuchtend (Nom.Pl.), im Kampf, Helden (Nom.Pl.), herausfordernd (Nom.Pl.), einander
hanyamāneṣv abhighnatsu śūreṣu raṇasaṃkaṭe
während sie erschlagen werden (Lok.abs.), sich gegenseitig schlagend (Lok.Pl.), unter den Helden (Lok.Pl.), im Schlachtgedränge (Lok.)
pṛṣṭhaṃ dattvātha ye tatra nāyakasya narādhamāḥ
den Rücken (Akk.), gegeben habend (Abs.), dann, welche, dort, dem Anführer (Gen./Dat.), niedrigste Männer (Nom.Pl.)
anāhatā nivartante nāyake vāpy abhīpsati
unverwundet (Nom.Pl.), kehren um (3.Pl.), obwohl der Anführer (Lok.), auch, [es] wünscht (Lok.abs.)
te duṣkṛtaṃ prapadyante nāyakasyākhilaṃ narāḥ
sie (Nom.Pl.), Missetat (Akk.), erlangen (3.Pl.), des Anführers (Gen.), ganz (Akk.), Männer (Nom.Pl.)
yac cāsti sukṛtaṃ teṣāṃ yujyate tena nāyakaḥ
und was ist an Gutem (Nom.), von ihnen (Gen.Pl.), wird verbunden (Pass.), damit (Instr.), der Anführer (Nom.)
ahiṃsā paramo dharma iti ye 'pi narā viduḥ
Nicht-Verletzen, höchstes Dharma, so, welche auch Männer (Nom.Pl.), wissen (3.Pl.)
saṃgrāmeṣu na yudhyante bhṛtāś caivānurūpataḥ
in Schlachten (Lok.Pl.), nicht kämpfen sie (3.Pl.), bezahlt (Part.Pl.), auch, entsprechend (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Satzgefüge locker (Absoluti/Lokative ohne klares Verb in 1–3), ‚te duṣkṛtaṃ … nāyakasya‘ dabei sinngemäß: die Feiglinge übernehmen Schuld des Anführers, dieser ihr Verdienst (Rückseite der Lehre vom Kriegerlohn). ‚bhṛtāś caivānurūpataḥ‘ unsicher.

narakaṃ yānti te ghoraṃ bhartṛpiṇḍāpahāriṇaḥ; yas tu prāṇān parityajya praviśed udyatāyudhaḥ; saṃgrāmam agnipratimaṃ pataṃgā iva nirbhayam; sattvam āviśate tatra jñātvā yodhasya niścayam; āviṣṭaś caiva sattvena nirghṛṇo jāyate naraḥ; prahārair nandayed devi sattvenādhiṣṭhito hi saḥ; prahāravyathitaś caiva na vaiklavyam upaiti saḥ; yas tu svaṃ nāyakaṃ rakṣann atighore raṇāṅgaṇe; tāpayann arisainyāni siṃho mṛgagaṇān iva; āditya iva madhyāhne durnirīkṣyo raṇājire; nirdayo yas tu saṃgrāme praharaty udyatāyudhaḥ; yajate sa tu pūtātmā saṃgrāmeṇa mahākratum; varma kṛṣṇājinaṃ tasya daṇḍakāṣṭhaṃ dhanuḥ smṛtam; ratho vedī dhvajo yūpaḥ kuśāś ca ratharaśmayaḥ

die gehen in die schreckliche Hölle, die Räuber des Bissens ihres Herrn. Wer aber, sein Leben preisgebend, mit erhobener Waffe furchtlos in die feuergleiche Schlacht eintritt wie Falter [ins Feuer], in den fährt dort Kraft [sattva], wenn er den Entschluss des Kriegers erkannt hat. Und von Kraft erfüllt wird der Mann mitleidlos. Mit Hieben soll er [den Herrn] erfreuen, o Göttin, denn er ist von Kraft beherrscht; von Hieben gequält, verfällt er nicht in Verzagtheit. Wer aber seinen Anführer schützt auf dem überaus schrecklichen Kampfplatz, indem er die Heere der Feinde peinigt wie ein Löwe die Wildscharen, im Kampfgetümmel wie die Sonne am Mittag schwer anzublicken, wer mitleidlos in der Schlacht mit erhobener Waffe zuschlägt, der opfert, geläutert im Wesen, durch die Schlacht ein großes Opfer. Sein Panzer gilt als das Antilopenfell, der Bogen als der Stab aus Holz; der Wagen ist der Altar, das Banner der Opferpfosten, die Kuśa-Gräser sind die Zügel des Wagens;

Wort für Wort
narakaṃ yānti te ghoraṃ bhartṛpiṇḍāpahāriṇaḥ
in die Hölle (Akk.), gehen (3.Pl.), sie, schreckliche (Akk.), Räuber des Herrenbissens (Nom.Pl.)
yas tu prāṇān parityajya praviśed udyatāyudhaḥ
wer aber (Nom.), Lebenshauche (Akk.Pl.), preisgegeben habend (Abs.), betreten soll (Opt.), mit erhobener Waffe (Nom.)
saṃgrāmam agnipratimaṃ pataṃgā iva nirbhayam
die Schlacht (Akk.), feuergleich (Akk.), Falter (Nom.Pl.) gleich, furchtlos (Adv./Nom.)
sattvam āviśate tatra jñātvā yodhasya niścayam
Kraft/Wesen (Nom.), dringt ein (3.Sg.Med.), dort, erkannt habend (Abs.), des Kriegers (Gen.), den Entschluss (Akk.)
āviṣṭaś caiva sattvena nirghṛṇo jāyate naraḥ
und erfüllt (Part.), von Kraft (Instr.), mitleidlos (Nom.), wird (3.Sg.), der Mann (Nom.)
prahārair nandayed devi sattvenādhiṣṭhito hi saḥ
durch Hiebe (Instr.Pl.), erfreuen soll er (Opt.), o Göttin (Vok.), von Kraft beherrscht (Part.), denn er
prahāravyathitaś caiva na vaiklavyam upaiti saḥ
von Hieben gequält (Part.), und, nicht Verzagtheit (Akk.), verfällt (3.Sg.), er
yas tu svaṃ nāyakaṃ rakṣann atighore raṇāṅgaṇe
wer aber, den eigenen Anführer (Akk.), schützend (Part.), auf überaus schrecklichem (Lok.), Kampfplatz (Lok.)
tāpayann arisainyāni siṃho mṛgagaṇān iva
peinigend (Part.), Feindesheere (Akk.Pl.), wie ein Löwe (Nom.), Wildscharen (Akk.Pl.)
āditya iva madhyāhne durnirīkṣyo raṇājire
wie die Sonne (Nom.), am Mittag (Lok.), schwer anzublicken (Nom.), auf dem Kampfplatz (Lok.)
nirdayo yas tu saṃgrāme praharaty udyatāyudhaḥ
mitleidlos (Nom.), wer aber, in der Schlacht (Lok.), schlägt zu (3.Sg.), mit erhobener Waffe (Nom.)
yajate sa tu pūtātmā saṃgrāmeṇa mahākratum
opfert (3.Sg.), er aber, geläuterten Selbst (Nom.), durch die Schlacht (Instr.), ein großes Opfer (Akk.)
varma kṛṣṇājinaṃ tasya daṇḍakāṣṭhaṃ dhanuḥ smṛtam
Panzer (Nom.), Antilopenfell (Nom.), sein (Gen.), Stab aus Holz (Nom.), Bogen (Nom.), gilt (Part.)
ratho vedī dhvajo yūpaḥ kuśāś ca ratharaśmayaḥ
Wagen (Nom.), Altar (Nom.), Banner (Nom.), Opferpfosten (Nom.), Kuśa-Gräser (Nom.Pl.), und, Wagenzügel (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Beginn der Deutung der Schlacht als Opfer (saṃgrāmayajña). ‚sattvam āviśate‘: sattva hier als Kraft/Wesenskraft, die in den Krieger fährt; ‚bhartṛpiṇḍāpahāriṇaḥ‘ wörtlich: Räuber des Speiseballes des Herrn; v. 6 (prahārair nandayed) Objekt unklar.

māno darpas tv ahaṃkāras trayas tretāgnayaḥ smṛtāḥ; pratodaś ca sruvas tasya upādhyāyo 'sya sārathiḥ; srug bhāṇḍaṃ cāpi yat kiṃ cid yajñopakaraṇāni ca; āyudhāny asya tat sarvaṃ samidhaḥ sāyakāḥ smṛtāḥ; svedasrāvaś ca gātrebhyaḥ kṣaudraṃ tasya yaśasvinaḥ; puroḍāśā nṛśīrṣāṇi rudhiraṃ cāhutiḥ smṛtam; tūṇaś caiva carur jñeyo vasor dhārā vasā smṛtā; kravyādā bhūtasaṃghāś ca tasmin yajñe dvijātayaḥ; teṣāṃ bhakṣānnapānāni hatā nṛgajavājinaḥ; bhuñjate te yathākāmaṃ yathā yajñe kim icchake; nihatānāṃ tu yodhānāṃ vastrābharaṇabhūṣaṇam; hiraṇyaṃ ca suvarṇaṃ ca yad vai yajñasya dakṣiṇā; yas tatra hanyate devi gajaskandhagato naraḥ; brahmalokam avāpnoti raṇeṣv abhimukho hataḥ

Stolz, Hochmut und Ichbewusstsein: diese drei gelten als die drei Opferfeuer. Der Treibstachel ist sein Opferlöffel [sruva], der Wagenlenker der Opferlehrer [upādhyāya]. Die Schöpfkelle, das Gerät und was sonst an Opfergerät [ist], seine Waffen, all das, gelten die Pfeile als Brennhölzer. Der Schweiß, der aus den Gliedern fließt, ist für den Ruhmreichen der Honig; die Opferkuchen sind die Menschenköpfe, das Blut gilt als Opfergabe. Der Köcher ist als der Opferbrei [caru] zu verstehen, der Guss des Reichtums [vasor dhārā] gilt als das Fett. Die Fleisch fressenden Wesenscharen sind in diesem Opfer die Zweimalgeborenen; ihre Speise und ihr Trank sind die erschlagenen Menschen, Elefanten und Rosse. Sie schmausen nach Wunsch, wie im Opfer, wenn man [es] wünscht [?]. Die Gewänder, der Schmuck und die Zier der getöteten Krieger, Gold und Goldmünzen, das ist die Opfergabe [dakṣiṇā] des Opfers. Wer dort, o Göttin, getötet wird, ein Mann, der auf dem Nacken eines Elefanten sitzt, der erlangt die Brahmawelt, wenn er in den Schlachten mit dem Gesicht [zum Feind] gefallen ist.

Wort für Wort
māno darpas tv ahaṃkāras trayas tretāgnayaḥ smṛtāḥ
Stolz (Nom.), Hochmut (Nom.), Ichbewusstsein (Nom.), drei (Nom.Pl.), die drei Opferfeuer (Nom.Pl.), gelten als (Part.)
pratodaś ca sruvas tasya upādhyāyo 'sya sārathiḥ
Treibstachel (Nom.), und Opferlöffel (Nom.), sein (Gen.), Lehrer (Nom.), dessen (Gen.), Wagenlenker (Nom.)
srug bhāṇḍaṃ cāpi yat kiṃ cid yajñopakaraṇāni ca
Schöpfkelle (Nom.), Gerät (Nom.), und auch, was immer, Opfergeräte (Nom.Pl.), und
āyudhāny asya tat sarvaṃ samidhaḥ sāyakāḥ smṛtāḥ
Waffen (Nom.Pl.), sein, das alles (Nom.), Brennhölzer (Nom.Pl.), Pfeile (Nom.Pl.), gelten als (Part.)
svedasrāvaś ca gātrebhyaḥ kṣaudraṃ tasya yaśasvinaḥ
Schweißfluss (Nom.), und, aus den Gliedern (Abl.), Honig (Nom.), seines (Gen.), des Ruhmreichen (Gen.)
puroḍāśā nṛśīrṣāṇi rudhiraṃ cāhutiḥ smṛtam
Opferkuchen (Nom.Pl.), Menschenköpfe (Nom.Pl.), Blut (Nom.), und Opfergabe (Nom.), gilt als (Part.)
tūṇaś caiva carur jñeyo vasor dhārā vasā smṛtā
Köcher (Nom.), und, Opferbrei (Nom.), zu erkennen (Ger.), Guss des Reichtums (Nom.), Fett (Nom.), gilt (Part.)
kravyādā bhūtasaṃghāś ca tasmin yajñe dvijātayaḥ
Fleischfresser (Nom.Pl.), Wesenscharen (Nom.Pl.), und, in diesem Opfer (Lok.), Zweimalgeborene (Nom.Pl.)
teṣāṃ bhakṣānnapānāni hatā nṛgajavājinaḥ
ihre (Gen.Pl.), Essen, Speise, Trank (Nom.Pl.), erschlagene (Nom.Pl.), Menschen, Elefanten, Rosse (Nom.Pl.)
bhuñjate te yathākāmaṃ yathā yajñe kim icchake
essen (3.Pl.), sie, nach Belieben (Adv.), wie im Opfer (Lok.), was wünschend (Lok.) [?]
nihatānāṃ tu yodhānāṃ vastrābharaṇabhūṣaṇam
der getöteten (Gen.Pl.), aber, Krieger (Gen.Pl.), Gewand, Schmuck, Zier (Nom.)
hiraṇyaṃ ca suvarṇaṃ ca yad vai yajñasya dakṣiṇā
Gold (Nom.), und, Goldmünzen (Nom.), was, ja, des Opfers (Gen.), Opfergabe (Nom.)
yas tatra hanyate devi gajaskandhagato naraḥ
wer (Nom.), dort, getötet wird (Pass.), o Göttin (Vok.), auf dem Elefantennacken sitzend (Nom.), Mann (Nom.)
brahmalokam avāpnoti raṇeṣv abhimukho hataḥ
die Brahmawelt (Akk.), erlangt (3.Sg.), in Schlachten (Lok.Pl.), zugewandt (Nom.), erschlagen (Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Opfer-Allegorie (Krieg als Opfer): tretāgni, sruva, upādhyāya, caru, dakṣiṇā; v. 10 (yathā yajñe kim icchake) unsicher.

rathamadhyagato vāpi hayapṛṣṭhagato 'pi vā; hanyate yas tu saṃgrāme śakraloke mahīyate; svarge hantā pūjyate tair hatas tatraiva pūjyate; dvāv etau sukham edhete hantā yaś caiva hanyate; tasmāt saṃgrāmam āsādya prahartavyam abhītavat; nirbhayo yas tu saṃgrāme prahared udyatāyudhaḥ; rājño vallabhatām eti kulaṃ bhāvayate svakam; yathā nadīsahasrāṇi praviṣṭāni mahodadhim; tathā sarve na saṃdeho dharmo dharmabhṛtāṃ vare; praviṣṭā rājadharmeṇa ācāryavinayas tathā; vedoktāś caiva ye dharmāḥ pāṣaṇḍeṣu ca kīrtitāḥ; tathaiva mānavā dharmā dharmāś cānye tathāpare; deśajātikulānāṃ ca grāmadharmās tathaiva ca; ye dharmāḥ pārvatīyeṣu ye dharmāḥ pattanādiṣu

Wer auf dem Wagen oder auf dem Rücken eines Rosses in der Schlacht getötet wird, wird in der Welt Śakras verehrt. Im Himmel wird der Töter von ihnen geehrt, und der Getötete wird eben dort geehrt: diese beiden gedeihen im Glück, der Töter und der, der getötet wird. Darum soll man, wenn man in die Schlacht gelangt ist, furchtlos zuschlagen. Wer in der Schlacht furchtlos, mit erhobener Waffe zuschlägt, gelangt in die Gunst des Königs und fördert sein eigenes Geschlecht. Wie Tausende von Flüssen in den großen Ozean münden, so gehen, ohne Zweifel, o Beste unter den Dharmaträgern [?], alle in das Königsdharma ein, ebenso die Zucht der Lehrer, und die im Veda gelehrten Dharmas und die, die bei den Häretikern verkündet werden, ebenso die Dharmas des Manu und andere Dharmas, [und] so auch die Dorfdharmas der Länder, Kasten und Familien, die Dharmas bei den Bergvölkern, die Dharmas in Städten und dergleichen,

Wort für Wort
rathamadhyagato vāpi hayapṛṣṭhagato 'pi vā
in der Wagenmitte befindlich (Nom.), oder, auf dem Rossrücken befindlich (Nom.), oder auch
hanyate yas tu saṃgrāme śakraloke mahīyate
wird getötet (Pass.), wer aber, in der Schlacht (Lok.), in der Welt Śakras (Lok.), wird geehrt (3.Sg.Pass.)
svarge hantā pūjyate tair hatas tatraiva pūjyate
im Himmel (Lok.), der Töter (Nom.), wird geehrt, von ihnen (Instr.Pl.), der Getötete (Nom.), ebendort, wird geehrt
dvāv etau sukham edhete hantā yaś caiva hanyate
zwei, diese (Nom.Du.), im Glück (Akk./Adv.), gedeihen (3.Du.), der Töter (Nom.), und wer getötet wird (Pass.)
tasmāt saṃgrāmam āsādya prahartavyam abhītavat
deshalb, die Schlacht (Akk.), erreicht habend (Abs.), zu schlagen (Ger.), furchtlos (Adv.)
nirbhayo yas tu saṃgrāme prahared udyatāyudhaḥ
furchtlos (Nom.), wer aber, in der Schlacht (Lok.), zuschlagen soll (Opt.), mit erhobener Waffe (Nom.)
rājño vallabhatām eti kulaṃ bhāvayate svakam
des Königs (Gen.), Beliebtheit (Akk.), erlangt (3.Sg.), das Geschlecht (Akk.), fördert (3.Sg.), das eigene (Akk.)
yathā nadīsahasrāṇi praviṣṭāni mahodadhim
wie Tausende Flüsse (Nom.Pl.), eingetreten (Part.), in den großen Ozean (Akk.)
tathā sarve na saṃdeho dharmo dharmabhṛtāṃ vare
so, alle (Nom.Pl.), nicht Zweifel (Nom.), Dharma (Nom.), unter/o Beste der Dharmaträger (Lok./Vok.) [?]
praviṣṭā rājadharmeṇa ācāryavinayas tathā
eingegangen (Part.), in das Königsdharma (Instr./Lok.), die Zucht der Lehrer (Nom.), ebenso
vedoktāś caiva ye dharmāḥ pāṣaṇḍeṣu ca kīrtitāḥ
im Veda genannte (Nom.Pl.), und, welche Dharmas (Nom.Pl.), bei den Häretikern (Lok.Pl.), und verkündet (Part.)
tathaiva mānavā dharmā dharmāś cānye tathāpare
ebenso, die des Manu (Nom.Pl.), Dharmas (Nom.Pl.), und andere (Nom.Pl.), wieder andere
deśajātikulānāṃ ca grāmadharmās tathaiva ca
der Länder, Kasten, Geschlechter (Gen.Pl.), und, Dorfdharmas (Nom.Pl.), ebenso
ye dharmāḥ pārvatīyeṣu ye dharmāḥ pattanādiṣu
welche Dharmas (Nom.Pl.), bei den Bergbewohnern (Lok.Pl.), welche Dharmas, in Städten und dergleichen (Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚dharmo dharmabhṛtāṃ vare‘ syntaktisch unsicher (Vokativ oder Lokativ); ‚praviṣṭā rājadharmeṇa‘ sinngemäß: gehen im Königsdharma auf. Satz setzt sich in 148 fort.

teṣāṃ pūrvapravṛttānāṃ kartavyaṃ parirakṣaṇam; dharma eva hato hanti dharmo rakṣati rakṣitaḥ; tasmād dharmo na hantavyaḥ pārthivena viśeṣataḥ; prajāḥ pālayate yatra dharmeṇa vasudhādhipaḥ; ṣaṭkarmaniratā viprāḥ pūjyante pitṛdevatāḥ; naiva tasminn anāvṛṣṭir na rogā nāpy upadravāḥ; dharmaśīlāḥ prajāḥ sarvāḥ svadharmanirate nṛpe; eṣṭavyaḥ satataṃ devi yuktācāro narādhipaḥ; chidrajñaś caiva śatrūṇām apramattaḥ pratāpavān; śūdrāḥ pṛthivyāṃ bahavo rājñāṃ bahuvināśakāḥ; tasmāt pramādaṃ suśroṇi na kuryāt paṇḍito nṛpaḥ; teṣu mitreṣu tyakteṣu tathā martyeṣu hastiṣu; visrambho nopagantavyaḥ snānapāneṣu nityaśaḥ; rājño vallabhatām eti kulaṃ bhāvayate svakam

deren Schutz, die von jeher bestehen, ist zu üben. Das Dharma selbst, wenn es getötet ist, tötet; das Dharma schützt den, der es schützt; darum darf das Dharma nicht getötet werden, zumal vom Fürsten. Wo ein Herr der Erde die Untertanen dem Dharma gemäß schützt, dort werden die Brahmanen, den sechs Werken ergeben, geehrt, [ebenso] die Väter und die Gottheiten; dort gibt es weder Dürre noch Krankheiten noch Plagen; alle Untertanen sind dharma-gesinnt, wenn der König am eigenen Dharma Freude hat. Ein König, o Göttin, ist stets zu wünschen, der ein angemessenes Verhalten hat, die Schwächen der Feinde kennt, wachsam ist und Glanz besitzt. Viele Śūdras [?] auf Erden sind für Könige vielfache Verderber; darum soll ein weiser König, o Schönhüftige, nicht nachlässig sein. Bei jenen Freunden, den Verlassenen [?], den Menschen und Elefanten soll man beim Baden und Trinken stets kein Vertrauen fassen. Er gelangt in die Gunst des Königs und fördert sein eigenes Geschlecht.

Wort für Wort
teṣāṃ pūrvapravṛttānāṃ kartavyaṃ parirakṣaṇam
deren (Gen.Pl.), von früher her bestehender (Gen.Pl.), zu tun (Ger.), Schutz (Nom.)
dharma eva hato hanti dharmo rakṣati rakṣitaḥ
Dharma (Nom.), eben, getötet (Part.), tötet (3.Sg.), Dharma, schützt (3.Sg.), geschützt (Part.)
tasmād dharmo na hantavyaḥ pārthivena viśeṣataḥ
deshalb, Dharma (Nom.), nicht zu töten (Ger.), vom Fürsten (Instr.), besonders (Adv.)
prajāḥ pālayate yatra dharmeṇa vasudhādhipaḥ
die Untertanen (Akk.Pl.), schützt (3.Sg.), wo, dem Dharma gemäß (Instr.), Herr der Erde (Nom.)
ṣaṭkarmaniratā viprāḥ pūjyante pitṛdevatāḥ
sechs Werken ergeben (Nom.Pl.), Brahmanen (Nom.Pl.), werden geehrt (Pass.), Väter und Gottheiten (Nom.Pl.)
naiva tasminn anāvṛṣṭir na rogā nāpy upadravāḥ
keineswegs, dort, Dürre (Nom.), nicht Krankheiten (Nom.Pl.), nicht Plagen (Nom.Pl.)
dharmaśīlāḥ prajāḥ sarvāḥ svadharmanirate nṛpe
dharma-gesinnt (Nom.Pl.), Untertanen (Nom.Pl.), alle, am eigenen Dharma erfreuten (Lok.), König (Lok.abs.)
eṣṭavyaḥ satataṃ devi yuktācāro narādhipaḥ
zu wünschen (Ger.), stets, o Göttin (Vok.), mit angemessenem Verhalten (Nom.), Menschenherr (Nom.)
chidrajñaś caiva śatrūṇām apramattaḥ pratāpavān
Schwächen kennend (Nom.), und, der Feinde (Gen.Pl.), wachsam (Nom.), glanzvoll (Nom.)
śūdrāḥ pṛthivyāṃ bahavo rājñāṃ bahuvināśakāḥ
Śūdras (Nom.Pl.) [?], auf Erden (Lok.), viele (Nom.Pl.), der Könige (Gen.Pl.), vielfach Vernichtende (Nom.Pl.)
tasmāt pramādaṃ suśroṇi na kuryāt paṇḍito nṛpaḥ
deshalb, Nachlässigkeit (Akk.), o Schönhüftige (Vok.), nicht tun soll (Opt.), weiser (Nom.), König (Nom.)
teṣu mitreṣu tyakteṣu tathā martyeṣu hastiṣu
bei diesen (Lok.Pl.), Freunden (Lok.Pl.), Verlassenen (Lok.Pl.), ebenso, Menschen (Lok.Pl.), Elefanten (Lok.Pl.)
visrambho nopagantavyaḥ snānapāneṣu nityaśaḥ
Vertrauen (Nom.), nicht zu fassen (Ger.), beim Baden und Trinken (Lok.Pl.), stets
rājño vallabhatām eti kulaṃ bhāvayate svakam
des Königs, Gunst (Akk.), erlangt (3.Sg.), Geschlecht (Akk.), fördert (3.Sg.), eigenes (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚śūdrāḥ‘ (v. 10) und ‚tyakteṣu‘ (v. 12) inhaltlich unsicher, vermutlich verderbt; der letzte Halbvers wiederholt wörtlich einen Vers aus 147.

yas tu rāṣṭrahitārthāya gobrāhmaṇakṛte tathā; bandigrāhāya mitrārthe prāṇāṃs tyajati dustyajān; sarvakāmadughāṃ dhenuṃ dharaṇīṃ lokadhāriṇīm; samudrāntāṃ varārohe saśailavanakānanām; dadyād devi dvijātibhyo vasupūrṇāṃ vasuṃdharām; na tatsamaṃ varārohe prāṇatyāgī viśiṣyate; sahasram api yajñānāṃ yajate yadi carddhimān; yajñais tasya kim āścaryaṃ prāṇatyāgaḥ suduṣkaraḥ; tasmāt sarveṣu yajñeṣu śastrayajño viśiṣyate; maheśvaraḥ; evaṃ saṃgrāmayajñās te yathātattvam udāhṛtāḥ; mṛgayātrāṃ tu vakṣyāmi śṛṇu tāṃ dharmacāriṇi; mṛgān hatvā mahīpālo yathā pāpair na lipyate; nirmānuṣām imāṃ sarve mṛgā icchanti medinīm; bhakṣayanti ca sasyāni śāsitavyā nṛpeṇa te

Wer aber für das Wohl des Reiches, für Kuh und Brahmanen, bei Gefangennahme [?] oder für einen Freund seine schwer aufzugebenden Lebenshauche aufgibt: Wenn einer, o Göttin, die alle Wünsche gebende Kuh, die weltentragende Erde, die vom Ozean begrenzte, o Hüftenschöne, samt Bergen, Wäldern und Hainen, die schatzerfüllte Vasuṃdharā den Zweimalgeborenen schenken würde, so kommt dem nichts gleich, o Hüftenschöne; der, der das Leben hingibt, ist überlegen. Wenn ein Wohlhabender sogar tausend Opfer darbringt, was ist da Wunderbares an den Opfern? Die Hingabe des Lebens ist sehr schwer. Darum ist unter allen Opfern das Waffenopfer überlegen. Maheśvara [sprach]: „So sind dir die Schlachtopfer der Wahrheit gemäß verkündet. Die Jagdfahrt aber will ich jetzt schildern; höre sie, du Dharma-Wandelnde, [nämlich] wie ein Erdenhüter, wenn er Wild erlegt hat, nicht von Sünden befleckt wird. Alle Tiere wünschen diese Erde menschenleer und fressen die Feldfrüchte; sie sind vom König zu bestrafen.“

Wort für Wort
yas tu rāṣṭrahitārthāya gobrāhmaṇakṛte tathā
wer aber (Nom.), zum Wohl des Reiches (Dat.), um Kuh und Brahmanen (Lok.), ebenso
bandigrāhāya mitrārthe prāṇāṃs tyajati dustyajān
zur Gefangennahme (Dat.) [?], um des Freundes willen (Adv.), Lebenshauche (Akk.Pl.), gibt auf (3.Sg.), schwer aufzugebende (Akk.Pl.)
sarvakāmadughāṃ dhenuṃ dharaṇīṃ lokadhāriṇīm
alle Wünsche melkende (Akk.), Kuh (Akk.), die Erde (Akk.), die welttragende (Akk.)
samudrāntāṃ varārohe saśailavanakānanām
vom Meer begrenzt (Akk.), o Hüftenschöne (Vok.), samt Bergen, Wäldern, Hainen (Akk.)
dadyād devi dvijātibhyo vasupūrṇāṃ vasuṃdharām
schenken würde (Opt.), o Göttin (Vok.), den Zweimalgeborenen (Dat.Pl.), schatzerfüllt (Akk.), Vasuṃdharā (Akk.)
na tatsamaṃ varārohe prāṇatyāgī viśiṣyate
nicht diesem gleich (Nom.), o Hüftenschöne, der Lebenshingebende (Nom.), ist überlegen (Pass.)
sahasram api yajñānāṃ yajate yadi carddhimān
tausend auch (Akk.), von Opfern (Gen.Pl.), opfert (3.Sg.), wenn, und wohlhabend (Nom.)
yajñais tasya kim āścaryaṃ prāṇatyāgaḥ suduṣkaraḥ
durch Opfer (Instr.Pl.), seiner (Gen.), was Wunder (Nom.), Lebenshingabe (Nom.), sehr schwer (Nom.)
tasmāt sarveṣu yajñeṣu śastrayajño viśiṣyate
deshalb, unter allen Opfern (Lok.Pl.), Waffenopfer (Nom.), ist überlegen (Pass.)
maheśvaraḥ; evaṃ saṃgrāmayajñās te yathātattvam udāhṛtāḥ
Maheśvara; so, Schlachtopfer (Nom.Pl.), dir (Dat.), der Wahrheit gemäß (Adv.), verkündet (Part.)
mṛgayātrāṃ tu vakṣyāmi śṛṇu tāṃ dharmacāriṇi
die Jagdfahrt (Akk.), aber, werde sagen (1.Sg.Fut.), höre (Imp.), diese (Akk.), o Dharma-Wandelnde (Vok.)
mṛgān hatvā mahīpālo yathā pāpair na lipyate
Wild (Akk.Pl.), erlegt habend (Abs.), der Erdenhüter (Nom.), wie, von Sünden (Instr.Pl.), nicht befleckt wird (Pass.)
nirmānuṣām imāṃ sarve mṛgā icchanti medinīm
menschenleer (Akk.), diese (Akk.), alle (Nom.Pl.), Tiere (Nom.Pl.), wünschen (3.Pl.), die Erde (Akk.)
bhakṣayanti ca sasyāni śāsitavyā nṛpeṇa te
fressen (3.Pl.), und, Feldfrüchte (Akk.Pl.), zu bestrafen (Ger.Nom.Pl.), vom König (Instr.), sie

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚bandigrāhāya‘ unsicher (Gefangennahme oder Befreiung von Geiseln); ‚yajate yadi carddhimān‘ = yadi ca ṛddhimān.

duṣṭānāṃ śāsanaṃ dharmaḥ śiṣṭānāṃ paripālanam; kartavyaṃ bhūmipālena nityaṃ kāryeṣu cārjavam; svargaṃ mṛgāś ca gacchanti svayaṃ nṛpatinā hatāḥ; yathā gāvo hy agopālās tathā rāṣṭram anāyakam; tasmād aṃśās tu devānāṃ gandharvoragarakṣasām; rājye niyuktā rāṣṭreṣu prajāpālanakāraṇāt; aśiṣṭaśāsane caiva śiṣṭānāṃ paripālane; teṣāṃ caryāṃ pravakṣyāmi śrūyatām anupūrvaśaḥ; yathā pracaratāṃ teṣāṃ pārthivānāṃ yaśasvini; rāṣṭraṃ dharmo dhanaṃ caiva yaśaḥ kīrtiś ca vardhate; nṛpāṇāṃ pūrvam evāyaṃ dharmo dharmabhṛtāṃ vare; sabhāprapātaṭākāni devatāyatanāni ca; brāhmaṇāvasathāś caiva kartavyā nṛpasattamaiḥ; brāhmaṇā nāvamantavyā bhasmacchannā ivāgnayaḥ; kulam utsādayeyus te krodhāviṣṭā dvijātayaḥ

Die Bestrafung der Bösen und der Schutz der Guten ist Dharma; vom Erdenhüter ist dies stets zu tun, und Aufrichtigkeit in den Geschäften. Auch die Tiere gehen in den Himmel, wenn sie vom König selbst erlegt wurden. Wie Kühe ohne Hirten, so ist ein Reich ohne Führer. Darum sind es Teile der Götter, der Gandharvas, Schlangen und Rākṣasas, die zur Herrschaft in den Reichen eingesetzt sind, um die Untertanen zu schützen, beim Bestrafen der Bösen und beim Schützen der Guten. Ihr Verhalten will ich dir sagen; es werde der Reihe nach gehört: Wenn diese Fürsten, o Ruhmreiche, so verfahren, wachsen Reich, Dharma, Reichtum, Ruhm und Ansehen. Dies ist von jeher das Dharma der Könige, o Beste der Dharmaträger: Versammlungshallen, Wasserstellen und Teiche, Götterschreine und Herbergen für Brahmanen sind von den besten der Könige zu errichten. Brahmanen sind nicht zu missachten, sie gleichen mit Asche bedeckten Feuern. Sie könnten ein Geschlecht ausrotten, die Zweimalgeborenen, wenn sie vom Zorn erfüllt sind:

Wort für Wort
duṣṭānāṃ śāsanaṃ dharmaḥ śiṣṭānāṃ paripālanam
der Bösen (Gen.Pl.), Bestrafung (Nom.), Dharma (Nom.), der Guten (Gen.Pl.), Schutz (Nom.)
kartavyaṃ bhūmipālena nityaṃ kāryeṣu cārjavam
zu tun (Ger.), vom Erdenhüter (Instr.), stets, in Geschäften (Lok.Pl.), und Aufrichtigkeit (Nom.)
svargaṃ mṛgāś ca gacchanti svayaṃ nṛpatinā hatāḥ
den Himmel (Akk.), Tiere (Nom.Pl.), und gehen (3.Pl.), selbst, vom König (Instr.), getötet (Part.)
yathā gāvo hy agopālās tathā rāṣṭram anāyakam
wie Kühe (Nom.Pl.), ja, ohne Hirten (Nom.Pl.), so Reich (Nom.), ohne Führer (Nom.)
tasmād aṃśās tu devānāṃ gandharvoragarakṣasām
deshalb, Teile (Nom.Pl.), der Götter (Gen.Pl.), Gandharvas, Schlangen, Rākṣasas (Gen.Pl.)
rājye niyuktā rāṣṭreṣu prajāpālanakāraṇāt
zur Herrschaft (Lok.), eingesetzt (Part.Pl.), in den Reichen (Lok.Pl.), um die Untertanen zu schützen (Abl.)
aśiṣṭaśāsane caiva śiṣṭānāṃ paripālane
beim Bestrafen der Unbotmäßigen (Lok.), und, der Guten (Gen.Pl.), beim Schützen (Lok.)
teṣāṃ caryāṃ pravakṣyāmi śrūyatām anupūrvaśaḥ
ihr (Gen.Pl.), Verhalten (Akk.), werde sagen (1.Sg.Fut.), es werde gehört (Imp.Pass.), der Reihe nach
yathā pracaratāṃ teṣāṃ pārthivānāṃ yaśasvini
wenn sie so verfahren (Gen.Pl.Part.), ihnen (Gen.Pl.), Fürsten (Gen.Pl.), o Ruhmreiche (Vok.)
rāṣṭraṃ dharmo dhanaṃ caiva yaśaḥ kīrtiś ca vardhate
Reich (Nom.), Dharma (Nom.), Reichtum (Nom.), und, Ruhm (Nom.), Ansehen (Nom.), wächst (3.Sg.)
nṛpāṇāṃ pūrvam evāyaṃ dharmo dharmabhṛtāṃ vare
der Könige (Gen.Pl.), von früher her, dieses Dharma (Nom.), o Beste der Dharmaträger (Vok.)
sabhāprapātaṭākāni devatāyatanāni ca
Versammlungshallen, Trinkstellen, Teiche (Nom.Pl.), Götterschreine (Nom.Pl.), und
brāhmaṇāvasathāś caiva kartavyā nṛpasattamaiḥ
Brahmanenherbergen (Nom.Pl.), und, zu machen (Ger.), von besten Königen (Instr.Pl.)
brāhmaṇā nāvamantavyā bhasmacchannā ivāgnayaḥ
Brahmanen (Nom.Pl.), nicht zu missachten (Ger.), mit Asche bedeckte (Nom.Pl.) gleich Feuern (Nom.Pl.)
kulam utsādayeyus te krodhāviṣṭā dvijātayaḥ
ein Geschlecht (Akk.), ausrotten könnten (Opt.), sie, vom Zorn erfüllt (Nom.Pl.), Zweimalgeborene (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚aśiṣṭaśāsane‘ (v. 7) wörtlich ‚beim Bestrafen der Nicht-Belehrbaren/Unbotmäßigen‘.

dhmāyamāno yathā hy agnir nirdahet sarvam indhanam; tathā krodhāgninā viprā daheyuḥ pṛthivīm imām; na hi vipreṣu kruddheṣu rājyaṃ bhuñjanti bhūmipāḥ; paribhūya dvijān mohād vātāpinahuṣādayaḥ; sabandhumitrā naṣṭās te dagdhā brāhmaṇamanyubhiḥ; śarīraṃ cāpi śakrasya kṛtaṃ bhaganirantaram; tato devagaṇāḥ sarve indrasyārthe mahāmatim; prasādaṃ kārayām āsuḥ praṇāmastutivandanaiḥ; tena prītena suśroṇi gautamena mahātmanā; tac charīraṃ tu śakrasya sahasrabhagacihnitam; kṛtaṃ netrasahasreṇa kṣaṇenaiva nirantaram; chittvā meṣasya vṛṣaṇau gautamenābhimantritau; indrasya vṛṣaṇau bhūtvā kṣipraṃ vai śleṣam āgatau; evaṃ vipreṣu kruddheṣu devarājaḥ śatakratuḥ

Wie ein angefachtes Feuer alles Brennholz verbrennt, so würden die Brahmanen mit dem Feuer des Zorns diese Erde verbrennen. Denn wenn die Brahmanen zornig sind, genießen die Erdenhüter die Herrschaft nicht: Vātāpi, Nahuṣa und andere, die aus Verblendung die Zweimalgeborenen missachteten, sind samt Verwandten und Freunden zugrunde gegangen, verbrannt vom Zorn der Brahmanen. Auch Śakras Körper wurde ohne Zwischenraum mit Vulven [bhaga] bedeckt. Darauf besänftigten alle Götterscharen um Indras willen den hochweisen [Gautama] mit Verbeugungen, Lobpreisungen und Huldigungen. Als der hochherzige Gautama erfreut war, wurde, o Schönhüftige, jener Körper Śakras, der mit tausend Vulven gezeichnet war, in einem Augenblick lückenlos zu [einem mit] tausend Augen. Nachdem er die Hoden eines Widders abgeschnitten hatte, die Gautama besprochen hatte, wurden diese rasch zu Indras Hoden und verwuchsen [mit ihm]. So ist es, wenn die Brahmanen zornig sind: der Götterkönig, der Hundertopferer,

Wort für Wort
dhmāyamāno yathā hy agnir nirdahet sarvam indhanam
angefacht (Nom.), wie, ja, Feuer (Nom.), verbrennen würde (Opt.), alles Brennholz (Akk.)
tathā krodhāgninā viprā daheyuḥ pṛthivīm imām
so, mit dem Feuer des Zorns (Instr.), Brahmanen (Nom.Pl.), verbrennen würden (Opt.), Erde (Akk.), diese (Akk.)
na hi vipreṣu kruddheṣu rājyaṃ bhuñjanti bhūmipāḥ
nicht denn, wenn Brahmanen zornig sind (Lok.abs.), Herrschaft (Akk.), genießen (3.Pl.), Erdenhüter (Nom.Pl.)
paribhūya dvijān mohād vātāpinahuṣādayaḥ
missachtet habend (Abs.), die Zweimalgeborenen (Akk.Pl.), aus Verblendung (Abl.), Vātāpi, Nahuṣa und andere (Nom.Pl.)
sabandhumitrā naṣṭās te dagdhā brāhmaṇamanyubhiḥ
samt Verwandten und Freunden (Nom.Pl.), zugrunde gegangen (Part.), sie, verbrannt (Part.), von Brahmanenzorn (Instr.Pl.)
śarīraṃ cāpi śakrasya kṛtaṃ bhaganirantaram
Körper (Nom.), und auch, des Śakra (Gen.), gemacht (Part.), lückenlos mit Vulven (Nom.)
tato devagaṇāḥ sarve indrasyārthe mahāmatim
darauf, Götterscharen (Nom.Pl.), alle, um Indras willen (Adv.), den Hochweisen (Akk.)
prasādaṃ kārayām āsuḥ praṇāmastutivandanaiḥ
Gnade (Akk.), ließen bewirken (3.Pl.Perf.Kaus.), durch Verbeugung, Lobpreis, Huldigung (Instr.Pl.)
tena prītena suśroṇi gautamena mahātmanā
von diesem (Instr.), erfreuten (Instr.), o Schönhüftige (Vok.), Gautama (Instr.), dem Hochherzigen (Instr.)
tac charīraṃ tu śakrasya sahasrabhagacihnitam
dieser Körper (Nom.), aber, des Śakra (Gen.), mit tausend Vulven gezeichnet (Nom.)
kṛtaṃ netrasahasreṇa kṣaṇenaiva nirantaram
gemacht (Part.), mit tausend Augen (Instr.), in einem Augenblick (Instr.), lückenlos (Adv.)
chittvā meṣasya vṛṣaṇau gautamenābhimantritau
abgeschnitten habend (Abs.), des Widders (Gen.), zwei Hoden (Akk.Du.), von Gautama (Instr.), besprochen (Akk.Du.Part.)
indrasya vṛṣaṇau bhūtvā kṣipraṃ vai śleṣam āgatau
des Indra (Gen.), zwei Hoden (Nom.Du.), geworden (Abs.), rasch, ja, Verwachsung (Akk.), gelangt (Nom.Du.Part.)
evaṃ vipreṣu kruddheṣu devarājaḥ śatakratuḥ
so, bei zornigen (Lok.Pl.), Brahmanen (Lok.Pl.), Götterkönig (Nom.), Hundertopferer (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Anspielung auf Indra und Ahalyā (Gautamas Fluch); die Konstruktion von v. 12 (chittvā … āgatau) ist elliptisch. Satz setzt sich in 152 fort.

aśaktaḥ śāsituṃ rājyaṃ kiṃ punar mānuṣo bhuvi; krodhāviṣṭo dahed vipraḥ śuṣkendhanam ivānalaḥ; bhasmīkṛtya jagat sarvaṃ sṛjed anyaj jagat punaḥ; adevān api devān sa kuryād devān adevatāḥ; tasmān notpādayen manyuṃ manyupraharaṇā dvijāḥ; mahatsv apy aparādheṣu śāsanaṃ nārhati dvijaḥ; na ca śastranipātāni na ca prāṇair viyojanam; dṛśyate triṣu lokeṣu brāhmaṇānām anindite; krodhāś ca vipulā ghorāḥ prasādāś cāpy anuttamāḥ; tasmān notpādayet krodhaṃ nityaṃ pūjyā dvijātayaḥ; dṛśyate na sa loke 'smin bhūto vātha bhaviṣyati; kruddheṣu yo vai vipreṣu rājyaṃ bhuṅkte narādhipaḥ; na caivopahased viprān na caivopālabhec ca tān; kālam āsādya kupyec ca kāle kuryād anugraham

war unfähig zu herrschen [?]; wie viel weniger ein Mensch auf Erden. Vom Zorn erfüllt, verbrennt ein Brahmane [alles] wie Feuer trockenes Brennholz; er könnte die ganze Welt in Asche legen und wieder eine andere Welt erschaffen; auch aus Nicht-Göttern könnte er Götter machen, und aus Göttern Nicht-Götter. Darum soll man nicht Zorn in ihnen erregen: die Zweimalgeborenen haben den Zorn als Waffe. Auch bei großen Vergehen verdient ein Brahmane keine Bestrafung: weder Waffenhiebe noch die Trennung vom Leben sieht man, o Untadelige, in den drei Welten bei Brahmanen. Gewaltig und schrecklich sind ihre Zornesausbrüche, und höchst unübertroffen ihre Gnaden. Darum soll man keinen Zorn erregen; die Zweimalgeborenen sind stets zu verehren. Man sieht nicht in dieser Welt einen, der es gewesen wäre oder sein wird, [der] als Menschenherr die Herrschaft genießt, während die Brahmanen zornig sind. Man soll die Brahmanen weder verspotten noch tadeln; zur rechten Zeit soll er zürnen, zur [rechten] Zeit Gnade erweisen.

Wort für Wort
aśaktaḥ śāsituṃ rājyaṃ kiṃ punar mānuṣo bhuvi
unfähig (Nom.), zu beherrschen (Inf.), die Herrschaft (Akk.), was erst, Mensch (Nom.), auf Erden (Lok.)
krodhāviṣṭo dahed vipraḥ śuṣkendhanam ivānalaḥ
vom Zorn erfüllt (Nom.), verbrennen soll (Opt.), Brahmane (Nom.), trockenes Brennholz (Akk.), wie Feuer (Nom.)
bhasmīkṛtya jagat sarvaṃ sṛjed anyaj jagat punaḥ
zu Asche gemacht habend (Abs.), die Welt (Akk.), ganze, erschaffen könnte (Opt.), eine andere Welt (Akk.), wieder
adevān api devān sa kuryād devān adevatāḥ
Nicht-Götter (Akk.Pl.), auch, zu Göttern (Akk.Pl.), er, machen könnte (Opt.), Götter, zu Nicht-Göttern (Akk.Pl.)
tasmān notpādayen manyuṃ manyupraharaṇā dvijāḥ
deshalb, nicht erregen soll man (Opt.), Zorn (Akk.), mit Zorn als Waffe (Nom.Pl.), Zweimalgeborene (Nom.Pl.)
mahatsv apy aparādheṣu śāsanaṃ nārhati dvijaḥ
bei großen (Lok.Pl.), auch, Vergehen (Lok.Pl.), Bestrafung (Akk.), verdient nicht (3.Sg.), der Zweimalgeborene (Nom.)
na ca śastranipātāni na ca prāṇair viyojanam
nicht, Waffenhiebe (Nom.Pl.), und nicht, von den Lebenshauchen (Instr.Pl.), Trennung (Nom.)
dṛśyate triṣu lokeṣu brāhmaṇānām anindite
wird gesehen (Pass.), in drei Welten (Lok.Pl.), bei Brahmanen (Gen.Pl.), o Untadelige (Vok.)
krodhāś ca vipulā ghorāḥ prasādāś cāpy anuttamāḥ
Zornesausbrüche (Nom.Pl.), und, gewaltig, schrecklich (Nom.Pl.), Gnaden (Nom.Pl.), und auch, unübertrefflich (Nom.Pl.)
tasmān notpādayet krodhaṃ nityaṃ pūjyā dvijātayaḥ
deshalb, nicht erregen soll man (Opt.), Zorn (Akk.), stets, zu ehren (Ger.), Zweimalgeborene (Nom.Pl.)
dṛśyate na sa loke 'smin bhūto vātha bhaviṣyati
wird gesehen (Pass.), nicht er, in dieser Welt (Lok.), gewesen (Part.), oder dann, wird sein (3.Sg.Fut.)
kruddheṣu yo vai vipreṣu rājyaṃ bhuṅkte narādhipaḥ
wenn zornig (Lok.abs.), wer, ja, unter Brahmanen (Lok.Pl.), Herrschaft (Akk.), genießt (3.Sg.), Menschenherr (Nom.)
na caivopahased viprān na caivopālabhec ca tān
und nicht, verspotten soll man (Opt.), Brahmanen (Akk.Pl.), und nicht, tadeln soll man (Opt.), sie (Akk.Pl.)
kālam āsādya kupyec ca kāle kuryād anugraham
die Zeit (Akk.), erreicht habend (Abs.), zürnen soll er (Opt.), zur Zeit (Lok.), Gnade erweisen soll er (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Fortsetzung von 151: ‚aśaktaḥ śāsituṃ rājyam‘ hat als Subjekt Indra. v. 11–12 (dṛśyate na sa … bhuṅkte narādhipaḥ) syntaktisch verkürzt, sinngemäß ergänzt. ‚śastranipātāni‘ und ‚prāṇair viyojanam‘ als Gegenstand der Bestrafung, die bei Brahmanen nicht vorgesehen ist.

saṃprahāsaś ca bhṛtyeṣu na kartavyo narādhipaiḥ; laghutvaṃ caiva prāpnoti ājñā cāsya nivartate; bhṛtyānāṃ saṃprahāsena pārthivaḥ paribhūyate; ayācyāni ca yācanti avaktavyaṃ bruvanti ca; pūrvam apy ucitair lābhaiḥ paritoṣaṃ na yānti te; tasmād bhṛtyeṣu nṛpatiḥ saṃprahāsaṃ vivarjayet; na viśvased aviśvaste viśvaste ca na viśvaset; sagotreṣu viśeṣeṇa sarvopāyair na viśvaset; viśvāsād bhayam utpannaṃ hanyād vṛkṣam ivāśaniḥ; pramādād dhanyate rājā lobhena ca vaśīkṛtaḥ; tasmāt pramādaṃ lobhaṃ ca na kuryān na ca viśvaset; bhayārtānāṃ paritrātā dīnānugrahakārakaḥ; tasmāt kṛtyaviśeṣajño nityaṃ rāṣṭrahite rataḥ; satyasaṃdhaḥ sthito rājye prajāpālanatatparaḥ

Mit den Dienern soll ein Menschenherrscher nicht scherzen; er erlangt Geringschätzung, und sein Befehl verliert [seine Geltung]. Durch das Scherzen mit den Dienern wird der Fürst missachtet: Sie bitten um Unerbetbares und sagen Unsagbares, und mit den früher gebührenden Gewinnen werden sie nicht zufrieden. Darum soll der König das Scherzen mit den Dienern meiden. Man soll dem Misstrauischen nicht trauen, und auch dem Vertrauenswürdigen nicht [blind] trauen; besonders den Stammesgenossen soll man mit allen Mitteln nicht trauen. Aus Vertrauen entsteht Gefahr; sie erschlägt [ihn] wie der Blitz einen Baum. Durch Nachlässigkeit wird ein König erschlagen, und wer von Gier bezwungen ist; darum soll er weder Nachlässigkeit noch Gier zeigen und nicht [leichtfertig] vertrauen. Er sei Retter der von Furcht Bedrängten und Gnadenerweiser gegenüber den Elenden; darum sei er ein Kenner der besonderen Aufgaben, stets am Wohl des Reiches erfreut, wahrhaftig im Bund, fest in der Herrschaft, ganz auf den Schutz der Untertanen bedacht,

Wort für Wort
saṃprahāsaś ca bhṛtyeṣu na kartavyo narādhipaiḥ
Scherz (Nom.), und, mit Dienern (Lok.Pl.), nicht zu machen (Ger.), von Menschenherrschern (Instr.Pl.)
laghutvaṃ caiva prāpnoti ājñā cāsya nivartate
Geringschätzung (Akk.), und, erlangt (3.Sg.), Befehl (Nom.), und sein (Gen.), hört auf (3.Sg.)
bhṛtyānāṃ saṃprahāsena pārthivaḥ paribhūyate
der Diener (Gen.Pl.), durch Scherz (Instr.), der Fürst (Nom.), wird missachtet (Pass.)
ayācyāni ca yācanti avaktavyaṃ bruvanti ca
nicht zu Erbittendes (Akk.Pl.), und, bitten (3.Pl.), Unsagbares (Akk.), sagen (3.Pl.), und
pūrvam apy ucitair lābhaiḥ paritoṣaṃ na yānti te
früher, auch, mit gebührenden (Instr.Pl.), Gewinnen (Instr.Pl.), Zufriedenheit (Akk.), nicht erlangen (3.Pl.), sie
tasmād bhṛtyeṣu nṛpatiḥ saṃprahāsaṃ vivarjayet
deshalb, bei Dienern (Lok.Pl.), der König (Nom.), Scherz (Akk.), meiden soll (Opt.)
na viśvased aviśvaste viśvaste ca na viśvaset
nicht trauen soll man (Opt.), dem Misstrauischen (Lok.), dem Vertrauenden [Vertrauten] (Lok.), und nicht trauen soll man
sagotreṣu viśeṣeṇa sarvopāyair na viśvaset
bei Stammesgenossen (Lok.Pl.), besonders (Instr.), mit allen Mitteln (Instr.Pl.), nicht trauen soll man
viśvāsād bhayam utpannaṃ hanyād vṛkṣam ivāśaniḥ
aus Vertrauen (Abl.), Gefahr (Nom.), entstanden (Part.), erschlägt (Opt.), einen Baum (Akk.), wie der Blitz (Nom.)
pramādād dhanyate rājā lobhena ca vaśīkṛtaḥ
durch Nachlässigkeit (Abl.), wird erschlagen (Pass.), König (Nom.), durch Gier (Instr.), und, bezwungen (Part.)
tasmāt pramādaṃ lobhaṃ ca na kuryān na ca viśvaset
deshalb, Nachlässigkeit (Akk.), Gier (Akk.), und, nicht tun soll man (Opt.), und nicht trauen soll man
bhayārtānāṃ paritrātā dīnānugrahakārakaḥ
der von Furcht Bedrängten (Gen.Pl.), Retter (Nom.), Gnade den Elenden erweisend (Nom.)
tasmāt kṛtyaviśeṣajño nityaṃ rāṣṭrahite rataḥ
deshalb, Kenner der besonderen Aufgaben (Nom.), stets, am Wohl des Reiches (Lok.), erfreut (Nom.)
satyasaṃdhaḥ sthito rājye prajāpālanatatparaḥ
wahrhaftig im Bund (Nom.), fest (Nom.), in der Herrschaft (Lok.), auf Schutz der Untertanen bedacht (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚viśvaste ca na viśvaset‘ wörtlich; ‚ājñā cāsya nivartate‘: sein Befehl hört auf (zu wirken). Satz setzt sich in 154 fort.

alubdho nyāyavādī ca ṣaḍbhāgaṃ copajīvati; kāryākāryaviśeṣajñaḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati; svarāṣṭreṣu dayāṃ kuryād akāryaṃ na pravartate; ye caivainaṃ praśaṃsanti ye ca nindanti mānavāḥ; śatruṃ ca mitravat paśyed aparādhavivarjitam; aparādhānurūpeṇa duṣṭaṃ daṇḍena śāsayet; dharmaḥ pravartate tatra yatra daṇḍarucir nṛpaḥ; nādharmo vidyate tatra yatra rājā kṣamānvitaḥ; aśiṣṭaśāsanaṃ dharmaḥ śiṣṭānāṃ paripālanam; vadhyāṃś ca ghātayed yas tu avadhyān parirakṣati; avadhyā brāhmaṇā gāvo dūtaś caiva pitā tathā; vidyāṃ grāhayate yaś ca ye ca pūrvopakāriṇaḥ; striyaś caiva na hantavyā yaś ca sarvātithir naraḥ; dharaṇīṃ gāṃ hiraṇyaṃ ca siddhānnaṃ ca tilān ghṛtam

uneigennützig, dem Recht gemäß redend, und er lebt von einem Sechstel; er kennt den Unterschied zwischen Zu-Tuendem und Nicht-Zu-Tuendem, sieht alles vom Dharma her; gegenüber seinen eigenen Reichen soll er Mitgefühl zeigen und nicht Unzulässiges betreiben. Und die Menschen, die ihn loben, und die, die ihn tadeln: den Feind soll er wie einen Freund ansehen, wenn er frei von Vergehen ist; den Bösen soll er entsprechend dem Vergehen durch Strafe zurechtweisen. Dharma herrscht dort, wo der König Gefallen an der Strafe hat; kein Adharma findet sich dort, wo der König mit Nachsicht ausgestattet ist [?]. Die Bestrafung der Unbotmäßigen und der Schutz der Guten ist Dharma; wer aber Todeswürdige töten lässt und Nichttodeswürdige bewahrt [wird nicht befleckt]. Nicht zu töten sind Brahmanen, Kühe, der Bote und ebenso der Vater, wer Wissen vermittelt und die, die früher Wohltäter waren, ebenso Frauen und wer allen ein Gast ist. Land, Kuh, Gold, gekochte Speise, Sesam, Ghee,

Wort für Wort
alubdho nyāyavādī ca ṣaḍbhāgaṃ copajīvati
uneigennützig (Nom.), dem Recht gemäß redend (Nom.), ein Sechstel (Akk.), und lebt davon (3.Sg.)
kāryākāryaviśeṣajñaḥ sarvaṃ dharmeṇa paśyati
Kenner des Unterschieds von Zu-Tuendem und Nicht-Zu-Tuendem (Nom.), alles (Akk.), mit Dharma (Instr.), sieht (3.Sg.)
svarāṣṭreṣu dayāṃ kuryād akāryaṃ na pravartate
in den eigenen Reichen (Lok.Pl.), Mitgefühl (Akk.), zeigen soll er (Opt.), Nicht-Zu-Tuendes (Akk.), nicht betreibt er (3.Sg.)
ye caivainaṃ praśaṃsanti ye ca nindanti mānavāḥ
welche, und, ihn (Akk.), loben (3.Pl.), welche, und tadeln (3.Pl.), Menschen (Nom.Pl.)
śatruṃ ca mitravat paśyed aparādhavivarjitam
den Feind (Akk.), und, wie einen Freund, ansehen soll er (Opt.), frei von Vergehen (Akk.)
aparādhānurūpeṇa duṣṭaṃ daṇḍena śāsayet
dem Vergehen entsprechend (Instr.), den Bösen (Akk.), mit Strafe (Instr.), zurechtweisen soll er (Opt.Kaus.)
dharmaḥ pravartate tatra yatra daṇḍarucir nṛpaḥ
Dharma (Nom.), waltet (3.Sg.), dort, wo, an Strafe Gefallen findender (Nom.), König (Nom.)
nādharmo vidyate tatra yatra rājā kṣamānvitaḥ
nicht Adharma (Nom.), findet sich (Pass.), dort, wo, König (Nom.), mit Nachsicht ausgestattet (Nom.) [?]
aśiṣṭaśāsanaṃ dharmaḥ śiṣṭānāṃ paripālanam
Bestrafung der Unbotmäßigen (Nom.), Dharma (Nom.), der Guten (Gen.Pl.), Schutz (Nom.)
vadhyāṃś ca ghātayed yas tu avadhyān parirakṣati
Todeswürdige (Akk.Pl.), und, töten lassen soll (Opt.Kaus.), wer aber, Nichttodeswürdige (Akk.Pl.), bewahrt (3.Sg.)
avadhyā brāhmaṇā gāvo dūtaś caiva pitā tathā
nicht zu töten (Nom.Pl.), Brahmanen, Kühe (Nom.Pl.), der Bote (Nom.), und, der Vater (Nom.), ebenso
vidyāṃ grāhayate yaś ca ye ca pūrvopakāriṇaḥ
Wissen (Akk.), lehren lässt (3.Sg.Kaus.), wer, und, welche, und, frühere Wohltäter (Nom.Pl.)
striyaś caiva na hantavyā yaś ca sarvātithir naraḥ
Frauen (Nom.Pl.), und, nicht zu töten (Ger.), wer, und, allen Gast seiend (Nom.), Mann (Nom.)
dharaṇīṃ gāṃ hiraṇyaṃ ca siddhānnaṃ ca tilān ghṛtam
Erde (Akk.), Kuh (Akk.), Gold (Akk.), und, gekochte Speise (Akk.), und, Sesam (Akk.Pl.), Ghee (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚nādharmo vidyate tatra yatra rājā kṣamānvitaḥ‘ steht inhaltlich in Spannung zum Vorvers; v. 10 (vadhyāṃś ca ghātayed yas tu avadhyān parirakṣati) syntaktisch unvollständig, ergänzt.

dadan nityaṃ dvijātibhyo mucyate rājakilbiṣāt; evaṃ carati yo nityaṃ rājā rāṣṭrahite rataḥ; tasya rāṣṭraṃ dhanaṃ dharmo yaśaḥ kīrtiś ca vardhate; na ca pāpair na cānarthair yujyate sa narādhipaḥ; ṣaḍbhāgam upayuñjan yaḥ prajā rājā na rakṣati; svacakraparacakrābhyāṃ dhanair vā vikrameṇa vā; nirudyogo nṛpo yaś ca pararāṣṭranighātane; svarāṣṭraṃ niṣpratāpasya paracakreṇa hanyate; yat pāpaṃ paracakrasya paracakrābhighātane; tat pāpaṃ sakalaṃ rājā hatarāṣṭraḥ prapadyate; mātulaṃ bhāgineyaṃ vā mātaraṃ śvaśuraṃ gurum; pitaraṃ varjayitvaikaṃ hanyād ghātakam āgatam; svasya rāṣṭrasya rakṣārthaṃ yudhyamānas tu yo hataḥ; saṃgrāme paracakreṇa śrūyatāṃ tasya yā gatiḥ

[wer] ständig den Zweimalgeborenen gibt, wird von der Schuld eines Königs befreit. Ein König, der so stets handelt und am Wohl des Reiches Freude hat, bei dem wachsen Reich, Reichtum, Dharma, Ruhm und Ansehen; und der Menschenherrscher wird nicht mit Sünden und Unheil verbunden. Der König aber, der ein Sechstel nutzt und die Untertanen nicht schützt, weder durch eigene noch durch fremde Heere, weder durch Reichtümer noch durch Tapferkeit, und der Fürst, der bei der Vernichtung eines fremden Reiches untätig ist: das eigene Reich dessen, der ohne Glanz ist, wird vom fremden Heer erschlagen. Welche Sünde das fremde Heer beim Angriff auf ein fremdes Heer begeht, diese Sünde insgesamt lädt der König auf sich, dessen Reich zerstört ist. Den Mutterbruder, den Schwestersohn, die Mutter, den Schwiegervater, den Lehrer: nur den Vater ausgenommen, soll man einen herandrängenden Mörder erschlagen. Wer aber zum Schutz seines eigenen Reiches kämpfend in der Schlacht vom fremden Heer erschlagen wird, dessen Weg werde gehört:

Wort für Wort
dadan nityaṃ dvijātibhyo mucyate rājakilbiṣāt
gebend (Part.), stets, den Zweimalgeborenen (Dat.Pl.), wird befreit (Pass.), von der Schuld des Königs (Abl.)
evaṃ carati yo nityaṃ rājā rāṣṭrahite rataḥ
so, handelt (3.Sg.), welcher, stets, König (Nom.), am Wohl des Reiches (Lok.), erfreut (Nom.)
tasya rāṣṭraṃ dhanaṃ dharmo yaśaḥ kīrtiś ca vardhate
seines (Gen.), Reich (Nom.), Reichtum (Nom.), Dharma (Nom.), Ruhm (Nom.), Ansehen (Nom.), wächst (3.Sg.)
na ca pāpair na cānarthair yujyate sa narādhipaḥ
nicht, mit Sünden (Instr.Pl.), nicht, mit Unheil (Instr.Pl.), wird verbunden (Pass.), er, Menschenherr (Nom.)
ṣaḍbhāgam upayuñjan yaḥ prajā rājā na rakṣati
ein Sechstel (Akk.), nutzend (Part.), wer, Untertanen (Akk.Pl.), König (Nom.), nicht schützt (3.Sg.)
svacakraparacakrābhyāṃ dhanair vā vikrameṇa vā
durch eigenes und fremdes Heer (Instr.Du.), durch Reichtümer (Instr.Pl.), oder, durch Tapferkeit (Instr.), oder
nirudyogo nṛpo yaś ca pararāṣṭranighātane
untätig (Nom.), Fürst (Nom.), und wer, bei der Vernichtung fremden Reiches (Lok.)
svarāṣṭraṃ niṣpratāpasya paracakreṇa hanyate
das eigene Reich (Nom.), des Glanzlosen (Gen.), vom fremden Heer (Instr.), wird erschlagen (Pass.)
yat pāpaṃ paracakrasya paracakrābhighātane
welche Sünde (Nom.), des fremden Heeres (Gen.), beim Angriff auf fremdes Heer (Lok.)
tat pāpaṃ sakalaṃ rājā hatarāṣṭraḥ prapadyate
diese Sünde (Akk.), ganz (Akk.), der König (Nom.), mit zerstörtem Reich (Nom.), erlangt (3.Sg.)
mātulaṃ bhāgineyaṃ vā mātaraṃ śvaśuraṃ gurum
Mutterbruder (Akk.), oder Schwestersohn (Akk.), Mutter (Akk.), Schwiegervater (Akk.), Lehrer (Akk.)
pitaraṃ varjayitvaikaṃ hanyād ghātakam āgatam
den Vater (Akk.), ausgenommen habend (Abs.), allein (Akk.), erschlagen soll man (Opt.), den Mörder (Akk.), herangekommenen (Akk.)
svasya rāṣṭrasya rakṣārthaṃ yudhyamānas tu yo hataḥ
seines eigenen (Gen.), Reiches (Gen.), zum Schutz (Adv.), kämpfend (Nom.), aber, wer, erschlagen (Part.)
saṃgrāme paracakreṇa śrūyatāṃ tasya yā gatiḥ
in der Schlacht (Lok.), vom fremden Heer (Instr.), es werde gehört (Imp.Pass.), sein (Gen.), welcher Weg (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Halbvers ‚dadan nityaṃ dvijātibhyo …‘ setzt die Aufzählung aus 154 fort. ‚cakra‘ hier als Heer/Machtkreis gefasst; ‚pitaraṃ varjayitvaikam‘ (nur der Vater ist ausgenommen) wörtlich.

vimāne tu varārohe apsarogaṇasevite; śakralokam ito yāti saṃgrāme nihato nṛpaḥ; yāvanto lomakūpāḥ syus tasya gātreṣu sundari; tāvad varṣasahasrāṇi śakraloke mahīyate; yadi vai mānuṣe loke kadā cid upapadyate; rājā vā rājamātro vā bhūyo bhavati vīryavān; tasmād yatno 'nukartavyaḥ svarāṣṭraparipālane; vyavahāraś ca cāraś ca satataṃ satyasaṃdhatā; apramādaḥ pramodaś ca vyavasāye 'py acaṇḍatā; bharaṇaṃ caiva bhṛtyānāṃ vāhanānāṃ ca poṣaṇam; yodhānāṃ caiva satkāraḥ kṛte karmaṇy amoghatā; maheśvaraḥ; śreya eva narendrāṇām iha caiva paratra ca; paśavaḥ paśubandheṣu ye hanyante 'dhvareṣu ca; yūpe nibaddhā mantraiś ca yathānyāyaṃ yathāvidhi; mantrāhutivipūtās te svargaṃ yānti yaśasvini

In einem Himmelswagen, o Hüftenschöne, von Scharen von Apsaras umsorgt, gelangt der in der Schlacht erschlagene König von hier in die Welt Śakras. So viele Haarporen an seinem Körper sind, o Schöne, so viele tausend Jahre wird er in der Welt Śakras geehrt. Wenn er dann in der Menschenwelt irgendwann wiedergeboren wird, wird er wieder zu einem König oder einem, der einem König gleichkommt [?], mächtig und tapfer. Darum ist Bemühen beim Schutz des eigenen Reiches nachzuahmen: Rechtsverfahren, Kundschafter, stets Wahrhaftigkeit im Bund, Unachtsamkeitslosigkeit und Fröhlichkeit, Nicht-Zornigkeit im Unternehmen, Unterhalt der Diener und Pflege der Zugtiere, Ehrung der Krieger, Unfehlbarkeit im getanen Werk. Maheśvara [sprach]: „Dies ist gerade das Heil der Fürsten hier und im Jenseits. Die Tiere, die bei den Tieropfern und Opferfeiern getötet werden, an den Pfosten gebunden, unter Mantras, dem Recht und der Regel gemäß, gereinigt durch Mantras und Opferspenden, die gehen in den Himmel, o Ruhmreiche;

Wort für Wort
vimāne tu varārohe apsarogaṇasevite
im Himmelswagen (Lok.), aber, o Hüftenschöne (Vok.), von Apsaras-Scharen bedient (Lok.)
śakralokam ito yāti saṃgrāme nihato nṛpaḥ
die Welt Śakras (Akk.), von hier, geht (3.Sg.), in der Schlacht (Lok.), erschlagen (Part.), König (Nom.)
yāvanto lomakūpāḥ syus tasya gātreṣu sundari
wie viele (Nom.Pl.), Haarporen (Nom.Pl.), seien (Opt.), an seinen (Gen.), Gliedern (Lok.Pl.), o Schöne (Vok.)
tāvad varṣasahasrāṇi śakraloke mahīyate
so viele (Adv.), Jahrtausende (Akk.Pl.), in der Welt Śakras (Lok.), wird geehrt (3.Sg.)
yadi vai mānuṣe loke kadā cid upapadyate
wenn, ja, in der Menschenwelt (Lok.), irgendwann, wird wiedergeboren (3.Sg.Med.)
rājā vā rājamātro vā bhūyo bhavati vīryavān
König (Nom.), oder, dem König gleich (Nom.) [?], oder, wieder, wird (3.Sg.), tapfer (Nom.)
tasmād yatno 'nukartavyaḥ svarāṣṭraparipālane
deshalb, Bemühen (Nom.), nachzuahmen (Ger.), beim Schutz des eigenen Reiches (Lok.)
vyavahāraś ca cāraś ca satataṃ satyasaṃdhatā
Rechtsverfahren (Nom.), und, Kundschafter (Nom.), und, stets, Wahrhaftigkeit im Bund (Nom.)
apramādaḥ pramodaś ca vyavasāye 'py acaṇḍatā
Unachtsamkeitslosigkeit (Nom.), Fröhlichkeit (Nom.), im Unternehmen (Lok.), auch, Nicht-Jähzornigkeit (Nom.)
bharaṇaṃ caiva bhṛtyānāṃ vāhanānāṃ ca poṣaṇam
Unterhalt (Nom.), und, der Diener (Gen.Pl.), der Zugtiere (Gen.Pl.), und, Pflege (Nom.)
yodhānāṃ caiva satkāraḥ kṛte karmaṇy amoghatā
der Krieger (Gen.Pl.), und, Ehrung (Nom.), beim getanen (Lok.), Werk (Lok.), Unfehlbarkeit (Nom.)
maheśvaraḥ; śreya eva narendrāṇām iha caiva paratra ca
Maheśvara; Heil (Nom.), eben, der Menschenfürsten (Gen.Pl.), hier, und, im Jenseits
paśavaḥ paśubandheṣu ye hanyante 'dhvareṣu ca
Tiere (Nom.Pl.), bei Tieropfern (Lok.Pl.), welche, werden getötet (Pass.), bei Opferfeiern (Lok.Pl.), und
yūpe nibaddhā mantraiś ca yathānyāyaṃ yathāvidhi
am Pfosten (Lok.), gebunden (Part.Pl.), mit Mantras (Instr.Pl.), dem Recht gemäß, der Regel gemäß
mantrāhutivipūtās te svargaṃ yānti yaśasvini
durch Mantras und Opferspenden gereinigt (Nom.Pl.), sie (Nom.Pl.), in den Himmel (Akk.), gehen (3.Pl.), o Ruhmreiche (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚rājamātraḥ‘ unsicher (etwa ‚einem König gleich‘); die Sprecherangabe ‚maheśvaraḥ‘ steht mitten in der Rede, wörtlich übernommen.

tarpitā yajñabhāgeṣu teṣāṃ māṃsair varānane; agnayas tridaśāś caiva lokapālāḥ saheśvarāḥ; teṣu tuṣṭeṣu jāyeta tasya yajñasya yat phalam; tena saṃyujyate devi yajamāno na saṃśayaḥ; sapatnīkaḥ saputraḥ sa sa pitṛbhrātṛbhiḥ saha; ye tatra dīkṣitā devi sarve svargaṃ prayānti te; umā; etat te sarvam ākhyātaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan sarvabhūteśa śūlapāṇe mahādyute; śrotum icchāmy ahaṃ vṛttaṃ sarveṣāṃ gṛhamedhinām; kīdṛśaṃ caritaṃ teṣāṃ trivargasahitaṃ prabho; pratyāyatiḥ kathaṃ teṣāṃ jīvanārtham udāhṛtam; vartamānāḥ kathaṃ sarve prāpnuvanty uttamāṃ gatim; maheśvaraḥ; etat sarvaṃ samāsena vaktum arhasi mānada; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini

befriedigt mit dem Fleisch aus den Opferanteilen, o Schönantlitzige, die Feuer, die Dreißig Götter und die Weltenhüter samt den Herren. Wenn diese zufrieden sind, entsteht die Frucht jenes Opfers; mit dieser wird der Opferherr verbunden, ohne Zweifel, samt Gattin, samt Söhnen, samt Vätern und Brüdern. Alle, die dort, o Göttin, [zum Opfer] geweiht sind, gehen in den Himmel.“ Umā [sprach]: „Dies ist dir alles gesagt; was möchtest du weiter hören?“ „Erhabener, Herr aller Wesen, Speerträger, von großem Glanz: Ich möchte das Verhalten aller Hausherren hören. Wie ist ihr Verhalten, mit den drei Lebenszielen verbunden, o Herr? Wie wird ihr Lebensertrag zum Unterhalt genannt? Wie erreichen sie alle, indem sie so leben, den höchsten Weg?“ Maheśvara [sprach]: „All dies sollst du, du Ehrenspenderin, in Kürze sagen dürfen [?]; nach dem Recht willst du hören, du Hochbeglückte, du Zornige [Bhāminī].

Wort für Wort
tarpitā yajñabhāgeṣu teṣāṃ māṃsair varānane
befriedigt (Nom.Pl.), bei den Opferanteilen (Lok.Pl.), mit deren (Gen.Pl.), Fleisch (Instr.Pl.), o Schönantlitzige (Vok.)
agnayas tridaśāś caiva lokapālāḥ saheśvarāḥ
die Feuer (Nom.Pl.), die Dreißig (Nom.Pl.), und, Weltenhüter (Nom.Pl.), samt den Herren (Nom.Pl.)
teṣu tuṣṭeṣu jāyeta tasya yajñasya yat phalam
wenn diese (Lok.Pl.), zufrieden sind (Lok.abs.), entstehe (Opt.), dieses Opfers (Gen.), welche Frucht (Nom.)
tena saṃyujyate devi yajamāno na saṃśayaḥ
damit (Instr.), wird verbunden (Pass.), o Göttin (Vok.), der Opferherr (Nom.), nicht Zweifel (Nom.)
sapatnīkaḥ saputraḥ sa sa pitṛbhrātṛbhiḥ saha
samt Gattin (Nom.), samt Sohn (Nom.), er (Nom.), mit Vätern und Brüdern (Instr.Pl.), zusammen
ye tatra dīkṣitā devi sarve svargaṃ prayānti te
welche (Nom.Pl.), dort, geweiht (Nom.Pl.), o Göttin, alle, in den Himmel (Akk.), gehen (3.Pl.), sie
umā; etat te sarvam ākhyātaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā; dies, dir, alles, erzählt (Part.), weiter, zu hören (Inf.), was wünschst du (2.Sg.)
bhagavan sarvabhūteśa śūlapāṇe mahādyute
o Erhabener (Vok.), Herr aller Wesen (Vok.), Speerträger (Vok.), von großem Glanz (Vok.)
śrotum icchāmy ahaṃ vṛttaṃ sarveṣāṃ gṛhamedhinām
zu hören (Inf.), wünsche ich (1.Sg.), das Verhalten (Akk.), aller (Gen.Pl.), Hausherren (Gen.Pl.)
kīdṛśaṃ caritaṃ teṣāṃ trivargasahitaṃ prabho
von welcher Art (Nom.), Wandel (Nom.), ihr (Gen.Pl.), mit den drei Lebenszielen verbunden (Nom.), o Herr (Vok.)
pratyāyatiḥ kathaṃ teṣāṃ jīvanārtham udāhṛtam
Einkommen/Folge (Nom.), wie, ihnen (Gen.Pl.), zum Lebensunterhalt (Adv.), genannt (Part.)
vartamānāḥ kathaṃ sarve prāpnuvanty uttamāṃ gatim
sich verhaltend (Nom.Pl.), wie, alle (Nom.Pl.), erlangen (3.Pl.), den höchsten (Akk.), Weg (Akk.)
maheśvaraḥ; etat sarvaṃ samāsena vaktum arhasi mānada
Maheśvara; dies alles (Akk.), in Kürze (Instr.), zu sagen (Inf.), du darfst/sollst (2.Sg.), o Ehrenspenderin (Vok.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini
nach dem Recht (Adv.), du (Nom.), o Hochbeglückte (Vok.), hörbegierig bist (2.Sg.), o Zornige (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben (‚umā;‘, ‚maheśvaraḥ‘) mitten in den Versen und teils verschoben (‚etad sarvaṃ samāsena vaktum arhasi‘ wäre inhaltlich Umā); wörtlich übernommen.

prāyaśo lokasadvṛttam iṣyate gṛhavāsinām; teṣāṃ saṃrakṣaṇārthāya rājānaḥ saṃsmṛtā bhuvi; sarveṣām atha martyānāṃ vṛttiṃ sāmānyataḥ śṛṇu; vidyā vārttā ca sevā ca kārutvaṃ nāṭyatā tathā; ity ete jīvanārthāya martyānāṃ vihitāḥ priye; api janmaphalaṃ tāvan mānuṣāṇāṃ viśeṣataḥ; vihitaṃ tat svavṛttena tan me nigadataḥ śṛṇu; karmakṣetraṃ hi mānuṣyaṃ bhogaduḥkhayutāḥ pare; sarveṣāṃ prāṇināṃ tasmān mānuṣye vṛttam iṣyate; vidyāyogas tu sarveṣāṃ pūrvam eva vidhīyate; kāryākāryaṃ vijānāti vidyayā devi nānyathā; vidyayā sphīyate jñānaṃ jñānāt tattvavidarśanam; dṛṣṭatattvo vinītātmā sarvārthasya ca bhājanam; śakyaṃ vidyāvinītena loke saṃjīvanaṃ sukham; ātmānaṃ vidyayā tasmāt pūrvaṃ kṛtvā tu bhājanam

Meist wird gutes Verhalten der Welt für die im Haus Lebenden gewünscht; zu ihrem Schutz sind die Könige auf Erden überliefert. Höre das Verhalten aller Sterblichen im Allgemeinen: Wissen, Erwerb [Landwirtschaft und Handel], Dienst, Handwerk und ebenso Schauspielkunst: diese sind, o Liebe, für den Lebensunterhalt der Sterblichen bestimmt. Auch die Frucht der Geburt für die Menschen im Besonderen wird durch das eigene Verhalten bestimmt; das höre nun von mir, während ich es sage. Denn das Menschsein ist das Feld des Handelns; die anderen [Daseinsformen] sind mit Genuss und Leid verbunden. Darum wird bei allen Lebewesen das Verhalten im Menschsein [wirksam] gewünscht. Die Verbindung mit Wissen wird für alle zuallererst bestimmt: Durch Wissen erkennt man Zu-Tuendes und Nicht-Zu-Tuendes, o Göttin, nicht anders; durch Wissen wächst die Erkenntnis, aus Erkenntnis die Schau des Wahren; wer das Wahre geschaut hat und gezügelt ist, wird Gefäß für jedes Ziel. Durch Wissen Gezügelten ist in der Welt ein glückliches Leben möglich; darum soll man sich zuerst durch Wissen zum Gefäß machen,

Wort für Wort
prāyaśo lokasadvṛttam iṣyate gṛhavāsinām
meist (Adv.), gutes Weltverhalten (Nom.), wird gewünscht (Pass.), der im Haus Lebenden (Gen.Pl.)
teṣāṃ saṃrakṣaṇārthāya rājānaḥ saṃsmṛtā bhuvi
ihr (Gen.Pl.), zum Schutz (Dat.), Könige (Nom.Pl.), überliefert (Part.), auf Erden (Lok.)
sarveṣām atha martyānāṃ vṛttiṃ sāmānyataḥ śṛṇu
aller (Gen.Pl.), nun, Sterblichen (Gen.Pl.), das Verhalten/den Erwerb (Akk.), im Allgemeinen (Adv.), höre (Imp.)
vidyā vārttā ca sevā ca kārutvaṃ nāṭyatā tathā
Wissen (Nom.), Erwerb (Nom.), und Dienst (Nom.), Handwerk (Nom.), Schauspielkunst (Nom.), ebenso
ity ete jīvanārthāya martyānāṃ vihitāḥ priye
so, diese (Nom.Pl.), zum Lebensunterhalt (Dat.), der Sterblichen (Gen.Pl.), bestimmt (Part.Pl.), o Liebe (Vok.)
api janmaphalaṃ tāvan mānuṣāṇāṃ viśeṣataḥ
auch, Geburtsfrucht (Nom.), so weit, der Menschen (Gen.Pl.), besonders (Adv.)
vihitaṃ tat svavṛttena tan me nigadataḥ śṛṇu
bestimmt (Part.), das, durch eigenes Verhalten (Instr.), das, von mir (Gen.), sagend (Gen.Part.), höre (Imp.)
karmakṣetraṃ hi mānuṣyaṃ bhogaduḥkhayutāḥ pare
Feld des Handelns (Nom.), denn, Menschsein (Nom.), mit Genuss und Leid verbunden (Nom.Pl.), andere (Nom.Pl.)
sarveṣāṃ prāṇināṃ tasmān mānuṣye vṛttam iṣyate
aller (Gen.Pl.), Lebewesen (Gen.Pl.), deshalb, im Menschsein (Lok.), Verhalten (Nom.), wird gewünscht (Pass.)
vidyāyogas tu sarveṣāṃ pūrvam eva vidhīyate
Verbindung mit Wissen (Nom.), aber, für alle (Gen.Pl.), zuerst, eben, wird bestimmt (Pass.)
kāryākāryaṃ vijānāti vidyayā devi nānyathā
Zu-Tuendes und Nicht-Zu-Tuendes (Akk.), erkennt (3.Sg.), durch Wissen (Instr.), o Göttin (Vok.), nicht anders
vidyayā sphīyate jñānaṃ jñānāt tattvavidarśanam
durch Wissen (Instr.), wächst (3.Sg.Pass.), Erkenntnis (Nom.), aus Erkenntnis (Abl.), Schau des Wahren (Nom.)
dṛṣṭatattvo vinītātmā sarvārthasya ca bhājanam
der das Wahre geschaut hat (Nom.), mit gezügeltem Selbst (Nom.), jedes Ziels (Gen.), und, Gefäß (Nom.)
śakyaṃ vidyāvinītena loke saṃjīvanaṃ sukham
möglich (Nom.), durch Wissen Gezügeltem (Instr.), in der Welt (Lok.), Leben (Nom.), glücklich (Nom.)
ātmānaṃ vidyayā tasmāt pūrvaṃ kṛtvā tu bhājanam
sich selbst (Akk.), durch Wissen (Instr.), deshalb, zuerst, gemacht habend (Abs.), zum Gefäß (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚vārttā‘ (Erwerb durch Landwirtschaft, Viehzucht, Handel) mit ‚Erwerb‘ wiedergegeben; ‚nāṭyatā‘ Schauspielkunst. Der Satz setzt sich in 159 fort.

vaśyendriyo jitakrodho bhūtvātmānaṃ tu bhāvayet; bhāvayitvā tathātmānaṃ pūjanīyaḥ satām api; kulānuvṛttaṃ vṛttaṃ vā pūrvam eva samāśrayet; iṣyate gṛhavāsāya dārakarma yathāpuram; yadi ced vidyayā caiva vṛttiṃ kāṅkṣed athātmanaḥ; rājavidyāṃ tu vāde 'pi lokavidyām athāpi vā; tīrthataś cāpi gṛhṇīyāc chuśrūṣādiguṇair yutaḥ; granthataś cārthataś caiva dṛḍhīkuryāt prayatnataḥ; evaṃ vidyāphalaṃ devi prāpnuyān nānyathā naraḥ; nyāyād vidyāphalaṃ cecched adharmaṃ tatra varjayet; yadi ced vārttayā vṛttiṃ kāṅkṣeta vidhipūrvakam; kṣetre jalopapanne ca tad yogyāṃ kṛṣim ācaret; vāṇijyaṃ vā yathākālaṃ kuryāt taddeśayogataḥ; mūlyam arthaṃ prayāsaṃ ca vicāryaiva phalodayau

und, die Sinne beherrschend und den Zorn besiegt, soll er sich selbst bilden. Hat er sich so gebildet, wird er auch von den Guten verehrenswert. Das der Familie folgende Verhalten oder [das seines Standes] soll er zuallererst zur Grundlage nehmen; für das Hausleben wird, wie von jeher, die Ehe [wörtl.: das Werk der Gattin] gewünscht. Wenn einer aber seinen Lebensunterhalt durch Wissen erstrebt, sei es Staatskunde, im Disput auch, oder Weltwissen, so soll er es von einem [würdigen] Lehrer empfangen, mit Eigenschaften wie Dienstbereitschaft ausgestattet; nach Text und Sinn soll er es mit Eifer festigen. So erlangt ein Mann, o Göttin, die Frucht des Wissens, nicht anders. Wenn er die Frucht des Wissens rechtmäßig will, soll er dabei Adharma meiden. Wenn einer seinen Lebensunterhalt durch Erwerb [Landwirtschaft und Handel] regelgemäß erstrebt, so soll er auf einem Feld, das Wasser hat, eine dazu passende Landwirtschaft betreiben; oder er soll je nach der Zeit Handel treiben, entsprechend den Gegebenheiten des Ortes, wobei er Preis, Einsatz und Mühe sowie Ertrag und Aufgang [der Frucht] bedenkt,

Wort für Wort
vaśyendriyo jitakrodho bhūtvātmānaṃ tu bhāvayet
mit beherrschten Sinnen (Nom.), mit besiegtem Zorn (Nom.), geworden (Abs.), sich selbst (Akk.), bilden soll er (Opt.)
bhāvayitvā tathātmānaṃ pūjanīyaḥ satām api
gebildet habend (Abs.), so, sich selbst (Akk.), verehrenswert (Nom.), von den Guten (Gen.Pl.), auch
kulānuvṛttaṃ vṛttaṃ vā pūrvam eva samāśrayet
dem Geschlecht folgend (Akk.), Verhalten (Akk.), oder, zuerst, eben, zugrunde legen soll er (Opt.)
iṣyate gṛhavāsāya dārakarma yathāpuram
wird gewünscht (Pass.), für das Hausleben (Dat.), Gattenwerk/Ehe (Nom.), wie von jeher (Adv.)
yadi ced vidyayā caiva vṛttiṃ kāṅkṣed athātmanaḥ
wenn, falls, durch Wissen (Instr.), und, Lebensunterhalt (Akk.), erstrebt (Opt.), dann, für sich (Gen.)
rājavidyāṃ tu vāde 'pi lokavidyām athāpi vā
Staatskunde (Akk.), aber, im Disput (Lok.), auch, Weltwissen (Akk.), oder auch
tīrthataś cāpi gṛhṇīyāc chuśrūṣādiguṇair yutaḥ
von einem Lehrer/einer Quelle (Abl.), und auch, aufnehmen soll er (Opt.), mit Dienstbereitschaft usw. als Eigenschaften (Instr.Pl.), ausgestattet (Nom.)
granthataś cārthataś caiva dṛḍhīkuryāt prayatnataḥ
nach dem Text (Abl.), und nach dem Sinn (Abl.), und, festigen soll er (Opt.), mit Eifer (Abl.)
evaṃ vidyāphalaṃ devi prāpnuyān nānyathā naraḥ
so, Frucht des Wissens (Akk.), o Göttin (Vok.), erlangen würde (Opt.), nicht anders, der Mann (Nom.)
nyāyād vidyāphalaṃ cecched adharmaṃ tatra varjayet
rechtmäßig (Abl.), Frucht des Wissens (Akk.), wenn er will (Opt.), Adharma (Akk.), dabei, meiden soll er (Opt.)
yadi ced vārttayā vṛttiṃ kāṅkṣeta vidhipūrvakam
wenn, durch Erwerb (Instr.), Lebensunterhalt (Akk.), erstreben würde (Opt.), regelgemäß (Adv.)
kṣetre jalopapanne ca tad yogyāṃ kṛṣim ācaret
auf einem Feld (Lok.), mit Wasser versehen (Lok.), und, dazu geeignete (Akk.), Landwirtschaft (Akk.), betreiben soll er (Opt.)
vāṇijyaṃ vā yathākālaṃ kuryāt taddeśayogataḥ
Handel (Akk.), oder, der Zeit gemäß (Adv.), treiben soll er (Opt.), gemäß den Gegebenheiten des Ortes (Abl.)
mūlyam arthaṃ prayāsaṃ ca vicāryaiva phalodayau
Preis (Akk.), Kapital (Akk.), Mühe (Akk.), und, erwogen habend (Abs.), Ertrag und Aufgang (Akk.Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚tīrthataḥ‘ als ‚von einem Lehrer‘ (tīrtha im Sinn von Quelle/Lehrer); ‚vāde ‘pi‘ unsicher.

paśusaṃjīvakaś caiva deśe gāḥ poṣayed dhruvam; bahuprakārā bahavaḥ paśavas tasya sādhakāḥ; yaḥ kaś cit sevayā vṛttiṃ kāṅkṣeta matimān naraḥ; yatātmā śravaṇīyānāṃ bhaved vai saṃprayojakaḥ; buddhyā vā karmayogād vā yodhanād vā samāśrayet; mārgatas tu samāśritya tadā tatsaṃpriyo bhavet; yathā yathā sa tuṣyeta tathā saṃtoṣayeta tam; anujīviguṇopetaḥ kuryād ātmārtham āśritaḥ; vipriyaṃ nācaret tasya eṣā sevā samāsataḥ; viprayogāt purā tena gatim anyāṃ na lakṣayet; kārukarma ca nāṭyaṃ ca prāyaśo nīcayoniṣu; tayor api yathāyogaṃ nyāyataḥ karmavetanam; ājīvebhyo 'pi sarvebhyaś cārjavād vetanaṃ haret; anārjavād āharatas tat tu pāpāya kalpate; sarveṣāṃ pūrvam ārambhāṃś cintayen nayapūrvakam

und wer vom Halten von Vieh lebt, soll in geeigneter Gegend sicher Kühe hegen; vielerlei und viele Tiere sind ihm Mittel zum Ziel. Ein einsichtiger Mann aber, der seinen Lebensunterhalt durch Dienst erstrebt, soll, selbstbeherrscht, ein Vollzieher dessen sein, was zu hören ist [?]; ob durch Verstand, durch Werk oder durch Kampf soll er [sich einem Herrn] anschließen; nachdem er sich auf rechtem Wege angeschlossen hat, soll er dann dessen Liebling werden. Wie immer jener zufrieden wird, so soll er ihn zufriedenstellen. Ausgestattet mit den Eigenschaften eines Gefolgsmannes soll er, [beim Herrn] Zuflucht suchend, [zugleich] für sich sorgen; er soll ihm nichts Unangenehmes tun: dies ist der Dienst in Kürze. Vor der Trennung von ihm soll er keinen anderen Weg ins Auge fassen. Handwerk und Schauspiel liegen meist bei niedrigen Geburten; auch für diese beiden ist der Lohn für das Werk nach Angemessenheit rechtmäßig. Er soll von allen Auftraggebern in Aufrichtigkeit den Lohn nehmen; wer aber unaufrichtig nimmt, dem wird es zur Sünde. Vor allem soll er die Unternehmungen aller mit Umsicht bedenken,

Wort für Wort
paśusaṃjīvakaś caiva deśe gāḥ poṣayed dhruvam
vom Vieh Lebender (Nom.), und, in geeigneter Gegend (Lok.), Kühe (Akk.Pl.), hegen soll er (Opt.), sicher
bahuprakārā bahavaḥ paśavas tasya sādhakāḥ
vielerlei (Nom.Pl.), viele (Nom.Pl.), Tiere (Nom.Pl.), sein (Gen.), Mittel zum Ziel (Nom.Pl.)
yaḥ kaś cit sevayā vṛttiṃ kāṅkṣeta matimān naraḥ
wer immer, durch Dienst (Instr.), Lebensunterhalt (Akk.), erstreben würde (Opt.), einsichtiger (Nom.), Mann (Nom.)
yatātmā śravaṇīyānāṃ bhaved vai saṃprayojakaḥ
selbstbeherrscht (Nom.), zu Hörenden (Gen.Pl.) [?], sei er (Opt.), ja, Vollzieher (Nom.)
buddhyā vā karmayogād vā yodhanād vā samāśrayet
durch Verstand (Instr.), oder durch Werk (Abl.), oder durch Kampf (Abl.), anschließen soll er sich (Opt.)
mārgatas tu samāśritya tadā tatsaṃpriyo bhavet
auf dem Wege (Abl.), aber, angeschlossen habend (Abs.), dann, dessen Liebling (Nom.), werde er (Opt.)
yathā yathā sa tuṣyeta tathā saṃtoṣayeta tam
wie und wie (Adv.), er (Nom.), zufrieden wird (Opt.), so, zufriedenstellen soll er (Opt.Kaus.), ihn (Akk.)
anujīviguṇopetaḥ kuryād ātmārtham āśritaḥ
mit den Eigenschaften eines Gefolgsmannes ausgestattet (Nom.), tun soll er (Opt.), für sich (Adv.), Zuflucht genommen habend (Nom.)
vipriyaṃ nācaret tasya eṣā sevā samāsataḥ
Unangenehmes (Akk.), nicht tun soll er (Opt.), ihm (Gen.), dies (Nom.), Dienst (Nom.), in Kürze (Abl.)
viprayogāt purā tena gatim anyāṃ na lakṣayet
vor der Trennung (Abl.), früher (Adv.), von ihm (Instr.), einen Weg (Akk.), anderen (Akk.), nicht ins Auge fassen soll er (Opt.)
kārukarma ca nāṭyaṃ ca prāyaśo nīcayoniṣu
Handwerk (Nom.), und, Schauspiel (Nom.), und, meist, bei niedrigen Geburten (Lok.Pl.)
tayor api yathāyogaṃ nyāyataḥ karmavetanam
bei diesen beiden (Lok.Du.), auch, nach Eignung (Adv.), rechtmäßig (Adv.), Lohn für Werk (Nom.)
ājīvebhyo 'pi sarvebhyaś cārjavād vetanaṃ haret
von Auftraggebern (Abl.Pl.), auch, allen (Abl.Pl.), und, aus Aufrichtigkeit (Abl.), Lohn (Akk.), nehmen soll er (Opt.)
anārjavād āharatas tat tu pāpāya kalpate
aus Unaufrichtigkeit (Abl.), dem Nehmenden (Gen.), dies (Nom.), aber, zur Sünde (Dat.), gereicht (3.Sg.)
sarveṣāṃ pūrvam ārambhāṃś cintayen nayapūrvakam
aller (Gen.Pl.), zuerst, Unternehmungen (Akk.Pl.), bedenken soll er (Opt.), mit Umsicht (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚yatātmā śravaṇīyānāṃ bhaved vai saṃprayojakaḥ‘ unsicher (wohl: Ausführender der zu befolgenden Anweisungen). Satz setzt sich in 161 fort.

ātmaśaktim upāyāṃś ca deśakālau ca śaktitaḥ; kāraṇāni pravāsaṃ ca prakṣepaṃ ca phalodayam; evamādīni saṃcintya dṛṣṭvā daivānukūlatām; ataḥparaṃ samārambhed yatrātmahitam āhitam; vṛttim evaṃ samāsādya tāṃ sadā paripālayet; daivamānuṣavighnebhyo na punar bhraśyate yathā; pālayan vardhayan bhuñjaṃs tāṃ prāpya na vināśayet; kṣīyate girisaṃkāśam aśnato hy anapekṣayā; ājīvebhyo dhanaṃ prāpya caturdhā vibhajed budhaḥ; dharmāyārthāya kāmāya āpatpraśamanāya ca; caturṣv api vibhāgeṣu vidhānaṃ śṛṇu śobhane; yajñārthaṃ cānnadānārthaṃ dīnānugrahakāraṇāt; devabrāhmaṇapūjārthaṃ pitṛpūjārtham eva ca; kulārthaṃ saṃnivāsārthaṃ kriyānityaiś ca dhārmikaiḥ; evamādiṣu cānyeṣu dharmārthaṃ saṃtyajed dhanam

seine eigene Kraft und die Mittel, Ort und Zeit nach Vermögen, die Anlässe, die Reise, den Einsatz und den Ertrag [nämlich]: Wenn er dies und dergleichen bedacht und die Günstigkeit des Schicksals gesehen hat, dann soll er ein Unternehmen beginnen, bei dem das eigene Wohl gesichert ist. Hat er so einen Lebensunterhalt erlangt, soll er ihn stets bewahren, damit er nicht wieder vor Hindernissen durch Schicksal und Menschen abfällt. Er soll ihn bewahren, mehren und nutzen; hat er ihn erlangt, soll er ihn nicht zugrunde richten. Selbst ein bergegroßer [Vorrat] schwindet dem, der ohne Rücksicht verzehrt. Wenn der Kluge aus den Erwerbsquellen Vermögen erlangt hat, soll er es vierfach teilen: für Dharma, für Nutzen, für Lust und zur Linderung von Notlagen. Höre, o Schöne, die Regel für alle vier Teile: Für das Opfer, für die Speisenspende, aus Mitgefühl mit den Elenden, zur Verehrung der Götter und Brahmanen, ebenso zur Verehrung der Väter, für die Familie, für das Zusammenwohnen, mit den Frommen, die stets [ihre Riten] üben, für dies und anderes derart soll er Vermögen um des Dharma willen aufwenden.

Wort für Wort
ātmaśaktim upāyāṃś ca deśakālau ca śaktitaḥ
die eigene Kraft (Akk.), die Mittel (Akk.Pl.), und, Ort und Zeit (Akk.Du.), und, nach Vermögen (Abl.)
kāraṇāni pravāsaṃ ca prakṣepaṃ ca phalodayam
die Anlässe (Akk.Pl.), Reise (Akk.), und, Einsatz (Akk.), und, Aufgang der Frucht (Akk.)
evamādīni saṃcintya dṛṣṭvā daivānukūlatām
solches und dergleichen (Akk.Pl.), bedacht habend (Abs.), gesehen habend (Abs.), die Schicksalsgunst (Akk.)
ataḥparaṃ samārambhed yatrātmahitam āhitam
danach, beginnen soll er (Opt.), wo, das eigene Wohl (Nom.), gesichert (Part.)
vṛttim evaṃ samāsādya tāṃ sadā paripālayet
Lebensunterhalt (Akk.), so, erlangt habend (Abs.), diesen (Akk.), stets, bewahren soll er (Opt.)
daivamānuṣavighnebhyo na punar bhraśyate yathā
vor Hindernissen durch Schicksal und Menschen (Abl.Pl.), nicht wieder, abfällt er (3.Sg.), damit
pālayan vardhayan bhuñjaṃs tāṃ prāpya na vināśayet
bewahrend (Part.), mehrend (Part.), nutzend (Part.), diesen (Akk.), erlangt habend (Abs.), nicht zugrunde richten soll er (Opt.)
kṣīyate girisaṃkāśam aśnato hy anapekṣayā
schwindet (3.Sg.Pass.), bergegroß (Nom.), dem Essenden (Gen.), ja, aus Rücksichtslosigkeit (Instr.)
ājīvebhyo dhanaṃ prāpya caturdhā vibhajed budhaḥ
aus Erwerbsquellen (Abl.Pl.), Vermögen (Akk.), erlangt habend (Abs.), vierfach, teilen soll (Opt.), der Kluge (Nom.)
dharmāyārthāya kāmāya āpatpraśamanāya ca
für Dharma (Dat.), für Nutzen (Dat.), für Lust (Dat.), für Linderung der Notlagen (Dat.), und
caturṣv api vibhāgeṣu vidhānaṃ śṛṇu śobhane
bei allen vier (Lok.Pl.), auch, Teilen (Lok.Pl.), Regel (Akk.), höre (Imp.), o Schöne (Vok.)
yajñārthaṃ cānnadānārthaṃ dīnānugrahakāraṇāt
für das Opfer (Adv.), und für Speisenspende (Adv.), aus Mitgefühl mit den Elenden (Abl.)
devabrāhmaṇapūjārthaṃ pitṛpūjārtham eva ca
zur Verehrung von Göttern und Brahmanen (Adv.), zur Verehrung der Väter (Adv.), eben, und
kulārthaṃ saṃnivāsārthaṃ kriyānityaiś ca dhārmikaiḥ
für die Familie (Adv.), für das Zusammenleben (Adv.), mit stets Riten Übenden (Instr.Pl.), und, Frommen (Instr.Pl.)
evamādiṣu cānyeṣu dharmārthaṃ saṃtyajed dhanam
bei solchem und dergleichen (Lok.Pl.), und bei anderem (Lok.Pl.), um des Dharma willen (Adv.), aufwenden soll er (Opt.), Vermögen (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der erste Satz ist elliptisch (Akkusative ohne Verb, Verb erst in v. 3–4); ‚kriyānityaiś ca dhārmikaiḥ‘ unsicher in der Anbindung.

dharmakārye dhanaṃ dadyād anavekṣya phalodayam; aiśvaryasthānalābhārthaṃ rājavāllabhyakāraṇāt; vārttāyāṃ ca samārambhe bhṛtyamitraparigrahe; āvāhe ca vivāhe ca putrāṇāṃ vṛttikāraṇāt; arthodayasamāvāptāv anarthasya vighātane; evamādiṣu cānyeṣu arthārthaṃ vibhajed dhanam; anubandhaṃ phalaṃ hetuṃ dṛṣṭvā vittaṃ parityajet; anarthaṃ bādhate hy artho arthaṃ caiva phalāny uta; nādhanāḥ prāpnuvanty arthān narā yatnaśatair api; tasmād dhanaṃ rakṣitavyaṃ dātavyaṃ ca vidhānataḥ; śarīrapoṣaṇārthāya āhārasya viśeṣaṇe; naṭagāndharvasaṃyoge kāmayātrāvihārayoḥ; manaḥpriyāṇāṃ saṃyoge prītidāne tathaiva ca; evamādiṣu cānyeṣu kāmārthaṃ visṛjed dhanam; vicārya guṇadoṣau tu mātrayā tatra saṃtyajet

Für ein Werk des Dharma soll er Vermögen geben, ohne auf den Ertrag zu schauen; [ebenso] um Herrschaft und Stellung zu gewinnen, um der Gunst des Königs willen, beim Beginn von Erwerb, bei der Aufnahme von Dienern und Freunden, bei Heimführung und Hochzeit der Söhne wegen ihres Lebensunterhalts, beim Erlangen von Gewinn und bei der Abwehr von Unheil, bei dergleichen und anderem soll er Vermögen um des Nutzens willen aufteilen. Wenn er Folge, Frucht und Ursache gesehen hat, soll er Vermögen hingeben: denn Nutzen hemmt Unheil, und Nutzen auch die Früchte [?]. Die Vermögenslosen erlangen keinen Nutzen, auch nicht mit hundert Anstrengungen; darum ist das Vermögen zu bewahren und nach Vorschrift zu geben. Zur Ernährung des Körpers, bei der Auswahl der Speise, beim Umgang mit Schauspielern und Sängern, bei Lustfahrt und Vergnügen, beim Zusammensein mit dem, was dem Geist lieb ist, und beim Geben von Freude, bei dergleichen und anderem soll er Vermögen für die Lust ausgeben; nachdem er Vorzüge und Mängel erwogen hat, soll er dabei mit Maß aufwenden.

Wort für Wort
dharmakārye dhanaṃ dadyād anavekṣya phalodayam
für ein Werk des Dharma (Lok.), Vermögen (Akk.), geben soll er (Opt.), nicht bedacht habend (Abs.), den Ertrag (Akk.)
aiśvaryasthānalābhārthaṃ rājavāllabhyakāraṇāt
zum Gewinn von Herrschaft und Stellung (Adv.), um der Königsgunst willen (Abl.)
vārttāyāṃ ca samārambhe bhṛtyamitraparigrahe
beim Erwerb (Lok.), und, beim Beginn (Lok.), bei Aufnahme von Dienern und Freunden (Lok.)
āvāhe ca vivāhe ca putrāṇāṃ vṛttikāraṇāt
bei Heimführung (Lok.), und, bei Hochzeit (Lok.), der Söhne (Gen.Pl.), wegen des Lebensunterhalts (Abl.)
arthodayasamāvāptāv anarthasya vighātane
beim Erlangen von Gewinn (Lok.), bei der Abwehr (Lok.), des Unheils (Gen.)
evamādiṣu cānyeṣu arthārthaṃ vibhajed dhanam
bei solchem und dergleichen (Lok.Pl.), und anderem (Lok.Pl.), um des Nutzens willen (Adv.), aufteilen soll er (Opt.), Vermögen (Akk.)
anubandhaṃ phalaṃ hetuṃ dṛṣṭvā vittaṃ parityajet
die Folge (Akk.), die Frucht (Akk.), die Ursache (Akk.), gesehen habend (Abs.), Vermögen (Akk.), hingeben soll er (Opt.)
anarthaṃ bādhate hy artho arthaṃ caiva phalāny uta
Unheil (Akk.), hemmt (3.Sg.), ja, Nutzen (Nom.), Nutzen (Akk.), und, Früchte (Akk.Pl.), auch [?]
nādhanāḥ prāpnuvanty arthān narā yatnaśatair api
nicht die Vermögenslosen (Nom.Pl.), erlangen (3.Pl.), Zwecke (Akk.Pl.), Männer (Nom.Pl.), mit hundert Anstrengungen (Instr.Pl.), auch
tasmād dhanaṃ rakṣitavyaṃ dātavyaṃ ca vidhānataḥ
deshalb, Vermögen (Nom.), zu bewahren (Ger.), zu geben (Ger.), und, nach Vorschrift (Abl.)
śarīrapoṣaṇārthāya āhārasya viśeṣaṇe
zur Ernährung des Körpers (Dat.), bei der Auswahl (Lok.), der Speise (Gen.)
naṭagāndharvasaṃyoge kāmayātrāvihārayoḥ
beim Umgang mit Schauspielern und Sängern (Lok.), bei Lustfahrt und Vergnügen (Lok.Du.)
manaḥpriyāṇāṃ saṃyoge prītidāne tathaiva ca
beim Zusammensein (Lok.), mit dem Geistlieben (Gen.Pl.), beim Freude-Geben (Lok.), ebenso
evamādiṣu cānyeṣu kāmārthaṃ visṛjed dhanam
bei solchem und dergleichen (Lok.Pl.), und anderem, für die Lust (Adv.), ausgeben soll er (Opt.), Vermögen (Akk.)
vicārya guṇadoṣau tu mātrayā tatra saṃtyajet
erwogen habend (Abs.), Vorzüge und Mängel (Akk.Du.), aber, mit Maß (Instr.), dabei, aufwenden soll er (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚āvāhe ca vivāhe ca‘ (Heimführung und Hochzeit); v. 8 (anarthaṃ bādhate hy artho arthaṃ caiva phalāny uta) unsicher.

caturthaṃ saṃnidadhyāc ca āpadarthaṃ śucismite; rājyabhraṃśavināśārthaṃ durbhikṣārthaṃ ca śobhane; mahāvyādhivimokṣārthaṃ vārddhakasyaiva kāraṇāt; śatrūṇāṃ pratikārāya sāhasaiś cāpy amarṣaṇāt; prasthāne cānyadeśārtham āpadāṃ vipramokṣaṇe; evamādi samuddiśya saṃnidadhyāt svakaṃ dhanam; sukham arthavatāṃ loke kṛcchrāṇāṃ vipramokṣaṇam; yasya nāsti dhanaṃ kiṃ cit tasya lokadvayaṃ na ca; aśanād indriyāṇīva sarvam arthāt pravartate; nidhānaṃ mātrayā kuryād anyathā vilayaṃ vrajet; evaṃ devi manuṣyāṇāṃ loke tv ājīvanaṃ prati; evaṃ yuktasya lokasya laukyaṃ vṛttaṃ punaḥ śṛṇu; dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargīyaṃ paramaṃ vacaḥ; trivarge ca yathā yuktaṃ sarveṣāṃ saṃvidhīyate

Das vierte [Viertel] soll er, o Schönlächelnde, für die Notlage zurücklegen: zum Fall der Herrschaft und Vernichtung, für die Hungersnot, o Schöne, zur Befreiung von großer Krankheit, und aus Grund des Alters, zur Vergeltung an den Feinden, auch aus Ingrimm mit Gewalttaten, beim Aufbruch ins fremde Land, bei der Befreiung von Nöten: mit solcher Absicht soll er sein Vermögen anlegen. Glück ist für die Vermögenden in der Welt die Befreiung von Bedrängnissen; wer nichts an Vermögen hat, für den gibt es keine beiden Welten. Wie die Sinne von der Nahrung, so hängt alles vom Vermögen ab. Den Vorrat soll er mit Maß anlegen, sonst ginge er zugrunde. So, o Göttin, [ist] der Lebensunterhalt der Menschen in der Welt. Höre nun weiter das weltliche Verhalten für einen so ausgerichteten Menschen: das Wort ist erhabenes, Reichtum bringendes, ruhmvolles, langlebiges, himmlisches; und wie es bei den drei Lebenszielen für alle geordnet wird, so [sollen sie es befolgen],

Wort für Wort
caturthaṃ saṃnidadhyāc ca āpadarthaṃ śucismite
das vierte (Akk.), zurücklegen soll er (Opt.), und, für die Not (Adv.), o Reinlächelnde (Vok.)
rājyabhraṃśavināśārthaṃ durbhikṣārthaṃ ca śobhane
für Sturz und Untergang der Herrschaft (Adv.), für Hungersnot (Adv.), und, o Schöne (Vok.)
mahāvyādhivimokṣārthaṃ vārddhakasyaiva kāraṇāt
zur Befreiung von großer Krankheit (Adv.), wegen des Alters (Gen.), eben, aus Grund (Abl.)
śatrūṇāṃ pratikārāya sāhasaiś cāpy amarṣaṇāt
der Feinde (Gen.Pl.), zur Vergeltung (Dat.), mit Gewalttaten (Instr.Pl.), und auch, aus Ingrimm (Abl.)
prasthāne cānyadeśārtham āpadāṃ vipramokṣaṇe
beim Aufbruch (Lok.), und, ins andere Land (Adv.), bei Befreiung von Nöten (Lok.)
evamādi samuddiśya saṃnidadhyāt svakaṃ dhanam
solches und dergleichen (Akk.), im Auge habend (Abs.), anlegen soll er (Opt.), eigenes (Akk.), Vermögen (Akk.)
sukham arthavatāṃ loke kṛcchrāṇāṃ vipramokṣaṇam
Glück (Nom.), der Vermögenden (Gen.Pl.), in der Welt (Lok.), von Bedrängnissen (Gen.Pl.), Befreiung (Nom.)
yasya nāsti dhanaṃ kiṃ cit tasya lokadvayaṃ na ca
wessen (Gen.), nicht ist, Vermögen (Nom.), etwas (Nom.), dessen (Gen.), die beiden Welten (Nom.), nicht, und
aśanād indriyāṇīva sarvam arthāt pravartate
von der Nahrung (Abl.), die Sinne (Nom.Pl.), gleichsam, alles (Nom.), vom Vermögen (Abl.), geht aus (3.Sg.)
nidhānaṃ mātrayā kuryād anyathā vilayaṃ vrajet
den Vorrat (Akk.), mit Maß (Instr.), anlegen soll er (Opt.), sonst (Adv.), Untergang (Akk.), ginge er (Opt.)
evaṃ devi manuṣyāṇāṃ loke tv ājīvanaṃ prati
so, o Göttin (Vok.), der Menschen (Gen.Pl.), in der Welt (Lok.), aber, was den Lebensunterhalt betrifft (Postp.)
evaṃ yuktasya lokasya laukyaṃ vṛttaṃ punaḥ śṛṇu
so, verbundenen (Gen.), Menschen (Gen.), weltliches (Akk.), Verhalten (Akk.), weiter, höre (Imp.)
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargīyaṃ paramaṃ vacaḥ
Reichtum bringend (Nom.), ruhmvoll (Nom.), langlebig (Nom.), himmlisch (Nom.), höchstes (Nom.), Wort (Nom.)
trivarge ca yathā yuktaṃ sarveṣāṃ saṃvidhīyate
bei den drei Lebenszielen (Lok.), und, wie, angemessen (Nom.), für alle (Gen.Pl.), wird geordnet (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚śucismite‘ wörtlich ‚Reinlächelnde‘; v. 13–14 (dhanyaṃ … vacaḥ) syntaktisch locker, Satz setzt sich in 164 fort (tathā saṃvartamānās…).

tathā saṃvartamānās tu lokayor hitam āpnuyuḥ; kālyotthānaṃ ca śaucaṃ ca devabrāhmaṇabhaktatā; gurūṇām eva śuśrūṣā brāhmaṇeṣv abhivādanam; pratyutthānaṃ ca vṛddhānāṃ devasthānapraṇāmanam; ābhimukhyaṃ puraskṛtya atithīnāṃ ca bhojanam; vṛddhopadeśakaraṇaṃ śravaṇaṃ hitapathyayoḥ; poṣaṇaṃ bhṛtyavargasya sāntvadānaparigrahaiḥ; nyāyataḥ karmakaraṇam anyāyāhitavarjanam; samyag vṛttaṃ svadāreṣu doṣāṇāṃ pratiṣedhanam; putrāṇāṃ vinayaṃ kuryāt tattatkārye niyojayet; varjanaṃ cāśubhārthānāṃ śubhānāṃ joṣaṇaṃ tathā; kulocitānāṃ dharmāṇāṃ yathāvat paripālanam; varjanaṃ kalahādīnāṃ bhaktyā saṃśamanaṃ tathā; satāṃ vyasanasaṃyoge svaśaktyābhyavapattitā; dīnānāṃ saṃgrahaṃ caiva nānṛśaṃsyavyapekṣayā

so verhalten sie sich, und sie mögen das Heil in beiden Welten erlangen: Frühes Aufstehen und Reinheit, Verehrung von Göttern und Brahmanen, Dienst an den Lehrern, Begrüßung der Brahmanen, das Aufstehen [zum Gruß] vor den Alten, das Verneigen an Götterstätten, das Speisen der Gäste, indem man Zuwendung voranstellt, das Befolgen der Ratschläge der Alten, das Hören auf das Heilsame und Zuträgliche, das Ernähren der Dienerschaft mit Freundlichkeit, Gaben und Aufnahme, gemäßes Ausführen der Werke und Meiden des Unrechten und Schädlichen, rechtes Verhalten gegenüber den eigenen Frauen und das Abwehren von Fehlern; er soll die Söhne erziehen und sie zu ihren jeweiligen Aufgaben einsetzen, das Meiden von Unheilvollem und das Pflegen des Heilsamen, das gebührende Bewahren der familiengemäßen Dharmas, das Meiden von Streit und dergleichen und das Schlichten mit Ergebenheit, Beistand für die Guten im Unglück nach eigener Kraft, und die Aufnahme der Elenden, aus Rücksicht auf Mitgefühl [?],

Wort für Wort
tathā saṃvartamānās tu lokayor hitam āpnuyuḥ
so, sich verhaltend (Nom.Pl.), aber, der beiden Welten (Gen.Du.), Heil (Akk.), erlangen mögen sie (Opt.)
kālyotthānaṃ ca śaucaṃ ca devabrāhmaṇabhaktatā
frühes Aufstehen (Nom.), und, Reinheit (Nom.), und, Verehrung von Göttern und Brahmanen (Nom.)
gurūṇām eva śuśrūṣā brāhmaṇeṣv abhivādanam
der Lehrer (Gen.Pl.), eben, Dienst (Nom.), gegenüber Brahmanen (Lok.Pl.), Begrüßung (Nom.)
pratyutthānaṃ ca vṛddhānāṃ devasthānapraṇāmanam
Aufstehen (Nom.), und, der Alten (Gen.Pl.), Verneigung an Götterstätten (Nom.)
ābhimukhyaṃ puraskṛtya atithīnāṃ ca bhojanam
Zuwendung (Akk.), voranstellend (Abs.), der Gäste (Gen.Pl.), und, Speisung (Nom.)
vṛddhopadeśakaraṇaṃ śravaṇaṃ hitapathyayoḥ
Befolgen der Ratschläge der Alten (Nom.), Hören (Nom.), des Heilsamen und Zuträglichen (Gen.Du.)
poṣaṇaṃ bhṛtyavargasya sāntvadānaparigrahaiḥ
Ernährung (Nom.), der Dienerschaft (Gen.), mit Freundlichkeit, Gaben, Aufnahme (Instr.Pl.)
nyāyataḥ karmakaraṇam anyāyāhitavarjanam
rechtmäßig (Adv.), Werkverrichten (Nom.), Meiden des Unrechten und Schädlichen (Nom.)
samyag vṛttaṃ svadāreṣu doṣāṇāṃ pratiṣedhanam
rechtes (Nom.), Verhalten (Nom.), gegenüber den eigenen Frauen (Lok.Pl.), von Fehlern (Gen.Pl.), Abwehr (Nom.)
putrāṇāṃ vinayaṃ kuryāt tattatkārye niyojayet
der Söhne (Gen.Pl.), Erziehung (Akk.), üben soll er (Opt.), zu der jeweiligen Aufgabe (Lok.), einsetzen soll er (Opt.Kaus.)
varjanaṃ cāśubhārthānāṃ śubhānāṃ joṣaṇaṃ tathā
Meiden (Nom.), und, von Unheilvollem (Gen.Pl.), von Heilsamem (Gen.Pl.), Pflegen (Nom.), ebenso
kulocitānāṃ dharmāṇāṃ yathāvat paripālanam
der familiengemäßen (Gen.Pl.), Dharmas (Gen.Pl.), gebührend (Adv.), Bewahren (Nom.)
varjanaṃ kalahādīnāṃ bhaktyā saṃśamanaṃ tathā
Meiden (Nom.), von Streit und dergleichen (Gen.Pl.), mit Ergebenheit (Instr.), Schlichten (Nom.), ebenso
satāṃ vyasanasaṃyoge svaśaktyābhyavapattitā
der Guten (Gen.Pl.), beim Zusammentreffen mit Unglück (Lok.), mit eigener Kraft (Instr.), Beistand (Nom.)
dīnānāṃ saṃgrahaṃ caiva nānṛśaṃsyavyapekṣayā
der Elenden (Gen.Pl.), Aufnahme (Nom.), und, aus Rücksicht auf Nicht-Grausamkeit (Instr.) [?]

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; lange Aufzählung von Nominalen ohne Verb; ‚nānṛśaṃsyavyapekṣayā‘ unsicher (aus Rücksicht auf Mitgefühl/Nicht-Grausamkeit).

abaddhānṛtaghorāṇāṃ vacanānāṃ vivarjanam; kulasaṃdhāraṇaṃ caiva pauruṣeṇaiva sarvaśaḥ; evamādi śubhaṃ sarvaṃ tasya vṛttam iti smṛtam; vṛddhasevī bhaven nityaṃ hitārthaṃ jñānakāṅkṣayā; parārthaṃ nāhared dravyam anāmantrya tu sarvadā; na yāceta parān dhīraḥ svabāhubalam āśrayet; svaśarīraṃ sadā rakṣed āhārācārayor api; hitaṃ pathyaṃ sadāhāraṃ jīrṇaṃ bhuñjīta mātrayā; devatātithisatkāraṃ kṛtvā sarvaṃ yathāvidhi; śeṣaṃ bhuñjec chucir bhūtvā na ca bhāṣeta vipriyam; pratiśrayaṃ ca pānīyaṃ baliṃ bhikṣāṃ ca sarvaśaḥ; gṛhasthaḥ pravahed dadyād gāś ca vatsāṃś ca poṣayet; bahir niṣkramaṇaṃ caiva kuryāt kāraṇato divā; madhyāhne vārdharātre vā gamanaṃ naiva rocayet

das Meiden zusammenhangloser, unwahrer und schrecklicher Reden, und in jeder Hinsicht das Aufrechterhalten der Familie durch eigene Mannestat: dies und dergleichen alles Gute gilt als sein Verhalten. Er soll stets den Alten dienen, zum eigenen Wohl, aus dem Verlangen nach Erkenntnis. Fremdes Gut soll er nie nehmen, ohne dazu aufgefordert zu sein; er soll als Standhafter andere nicht bitten, sondern sich auf die Kraft seiner eigenen Arme stützen. Seinen Körper soll er stets schützen, auch in Speise und Lebensführung; Heilsames, Zuträgliches, [nach Verdauung des Früheren] soll er stets Speise mit Maß essen. Nachdem er den Göttern und Gästen alles nach Vorschrift Ehre erwiesen hat, soll er den Rest essen, rein geworden, und nichts Unangenehmes reden. Obdach, Wasser, Opfergabe und Almosen soll der Hausherr überall spenden [?], Kühe und Kälber soll er hegen. Aus dem Haus soll er nur aus Grund und bei Tag gehen; am Mittag oder um Mitternacht soll er das Gehen nicht gutheißen,

Wort für Wort
abaddhānṛtaghorāṇāṃ vacanānāṃ vivarjanam
zusammenhangloser, unwahrer, schrecklicher (Gen.Pl.), Reden (Gen.Pl.), Meiden (Nom.)
kulasaṃdhāraṇaṃ caiva pauruṣeṇaiva sarvaśaḥ
Erhaltung der Familie (Nom.), und, durch Mannestat (Instr.), eben, in jeder Hinsicht
evamādi śubhaṃ sarvaṃ tasya vṛttam iti smṛtam
solches und dergleichen (Nom.), Gutes (Nom.), alles, sein (Gen.), Verhalten (Nom.), so, gilt (Part.)
vṛddhasevī bhaven nityaṃ hitārthaṃ jñānakāṅkṣayā
den Alten dienend (Nom.), sei er (Opt.), stets, zum Wohl (Adv.), aus Wunsch nach Erkenntnis (Instr.)
parārthaṃ nāhared dravyam anāmantrya tu sarvadā
fremdes (Akk.), nicht nehmen soll er (Opt.), Gut (Akk.), nicht aufgefordert (Abs.), aber, stets
na yāceta parān dhīraḥ svabāhubalam āśrayet
nicht bitten soll er (Opt.), andere (Akk.Pl.), der Standhafte (Nom.), die Kraft der eigenen Arme (Akk.), stützen soll er sich auf (Opt.)
svaśarīraṃ sadā rakṣed āhārācārayor api
den eigenen Körper (Akk.), stets, schützen soll er (Opt.), in Speise und Lebensführung (Lok.Du.), auch
hitaṃ pathyaṃ sadāhāraṃ jīrṇaṃ bhuñjīta mātrayā
Heilsames (Akk.), Zuträgliches (Akk.), stets, Speise (Akk.), nach Verdauung (Akk.Part.) [?], essen soll er (Opt.), mit Maß (Instr.)
devatātithisatkāraṃ kṛtvā sarvaṃ yathāvidhi
Ehrung der Götter und Gäste (Akk.), getan habend (Abs.), alles (Akk.), nach Vorschrift (Adv.)
śeṣaṃ bhuñjec chucir bhūtvā na ca bhāṣeta vipriyam
den Rest (Akk.), essen soll er (Opt.), rein (Nom.), geworden (Abs.), und nicht, reden soll er (Opt.), Unangenehmes (Akk.)
pratiśrayaṃ ca pānīyaṃ baliṃ bhikṣāṃ ca sarvaśaḥ
Obdach (Akk.), und, Wasser (Akk.), Opfergabe (Akk.), Almosen (Akk.), und, überall (Adv.)
gṛhasthaḥ pravahed dadyād gāś ca vatsāṃś ca poṣayet
Hausherr (Nom.), gewähren soll er [?] (Opt.), geben soll er (Opt.), Kühe (Akk.Pl.), und Kälber (Akk.Pl.), hegen soll er (Opt.)
bahir niṣkramaṇaṃ caiva kuryāt kāraṇato divā
nach draußen (Adv.), das Hinausgehen (Akk.), und, tun soll er (Opt.), aus Grund (Abl.), bei Tag (Adv.)
madhyāhne vārdharātre vā gamanaṃ naiva rocayet
am Mittag (Lok.), oder um Mitternacht (Lok.), das Gehen (Akk.), keineswegs, gutheißen soll er (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; ‚jīrṇam‘ (v. 8) wohl ‚nach Verdauung [der vorigen Mahlzeit]‘, unsicher; ‚pravahet‘ (v. 12) unsicher (etwa: unterhalten, gewähren).

viṣamān nāvagāheta svaśaktyā samam ācaret; yathāyavyayatā loke gṛhasthānāṃ prapūjitā; ayaśaskaram arthaghnaṃ karma yat parapīḍanam; bhayād vā yadi vā lobhān na kurvīta kadā cana; buddhipūrvaṃ samālokya dūrato guṇadoṣataḥ; ārabheta tadā karma śubhaṃ vā yadi vetarat; ātmā sākṣī bhaven nityam ātmanas tu śubhāśubhe; umā; manasā karmaṇā vācā na ca kāṅkṣeta pātakam; bhagavan bhaganetraghna kālasūdana śaṃkara; ime tu varṇāś catvāro vihitāḥ svit svabhāvataḥ; utāho kriyayā varṇāḥ saṃbhavanti maheśvara; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayapraśnas taṃ me chettuṃ tvam arhasi; svabhāvād eva vidyante catvāro brāhmaṇādayaḥ; ekajātyāḥ suduṣprāpam anyavarṇatvam āgatam

In Unebenes soll er nicht hineingeraten; nach eigener Kraft soll er Gleichmäßiges tun. Die Ausrichtung der Ausgaben nach den Einnahmen ist unter Hausvätern in der Welt hochgeschätzt. Ein Werk, das Schande bringt, den Nutzen zerstört und andere quält, soll er niemals tun, weder aus Furcht noch aus Gier. Nachdem er mit Verstand und von fern nach Vorzügen und Mängeln geprüft hat, soll er dann ein Werk beginnen, sei es gut oder anderes. Das Selbst sei stets Zeuge für das Gute und Schlechte des Selbst. Umā [sprach]: „Mit Geist, Tat und Wort soll man keine Sünde begehren.“ „Erhabener, Vernichter der Augen des Bhaga, Bezwinger des Kāla, Śaṃkara: Sind diese vier Stände von Natur bestimmt, oder entstehen die Stände durch das Tun, o Maheśvara?“ Maheśvara [sprach]: „Dies ist meine zweifelnde Frage; du solltest sie mir lösen.“ „Von Natur aus gibt es die vier, die Brahmanen und die übrigen; [wer] von einer einzigen Geburt [ist], für den ist die Zugehörigkeit zu einem anderen Stand schwer zu erreichen und dennoch eingetreten [?].“

Wort für Wort
viṣamān nāvagāheta svaśaktyā samam ācaret
in Unebenes (Akk.Pl.), nicht eintauchen soll er (Opt.), nach eigener Kraft (Instr.), Gleichmäßiges (Akk.), tun soll er (Opt.)
yathāyavyayatā loke gṛhasthānāṃ prapūjitā
Ausgabe nach Einnahme (Nom.), in der Welt (Lok.), bei Hausvätern (Gen.Pl.), hochgeschätzt (Part.)
ayaśaskaram arthaghnaṃ karma yat parapīḍanam
schandebringend (Akk.), nutzenzerstörend (Akk.), Werk (Akk.), das (Nom.), Quälen anderer (Nom.)
bhayād vā yadi vā lobhān na kurvīta kadā cana
aus Furcht (Abl.), oder, oder aus Gier (Abl.), nicht tun soll er (Opt.), niemals
buddhipūrvaṃ samālokya dūrato guṇadoṣataḥ
mit Verstand (Adv.), geprüft habend (Abs.), von fern (Adv.), nach Vorzügen und Mängeln (Abl.)
ārabheta tadā karma śubhaṃ vā yadi vetarat
beginnen soll er (Opt.), dann, Werk (Akk.), gutes (Akk.), oder, oder anderes (Akk.)
ātmā sākṣī bhaven nityam ātmanas tu śubhāśubhe
das Selbst (Nom.), Zeuge (Nom.), sei (Opt.), stets, des Selbst (Gen.), aber, bei Gutem und Schlechtem (Lok.Du.)
umā; manasā karmaṇā vācā na ca kāṅkṣeta pātakam
Umā; mit Geist (Instr.), Tat (Instr.), Wort (Instr.), und nicht, begehren soll man (Opt.), Sünde (Akk.)
bhagavan bhaganetraghna kālasūdana śaṃkara
o Erhabener (Vok.), Vernichter der Augen des Bhaga (Vok.), Kāla-Bezwinger (Vok.), Śaṃkara (Vok.)
ime tu varṇāś catvāro vihitāḥ svit svabhāvataḥ
diese (Nom.Pl.), aber, Stände (Nom.Pl.), vier (Nom.), bestimmt (Part.Pl.), etwa, von Natur (Abl.)
utāho kriyayā varṇāḥ saṃbhavanti maheśvara
oder (Part.), durch Tun (Instr.), Stände (Nom.Pl.), entstehen (3.Pl.), o Maheśvara (Vok.)
maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayapraśnas taṃ me chettuṃ tvam arhasi
Maheśvara; dies (Nom.), meine (Gen.), Zweifelsfrage (Nom.), diese (Akk.), mir (Dat./Gen.), zu lösen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
svabhāvād eva vidyante catvāro brāhmaṇādayaḥ
aus Natur (Abl.), eben, es gibt (Pass.), vier (Nom.Pl.), Brahmanen und die übrigen (Nom.Pl.)
ekajātyāḥ suduṣprāpam anyavarṇatvam āgatam
einer einzigen Geburt (Gen./Abl.) [?], sehr schwer zu erreichen (Nom.), Zugehörigkeit zu anderem Stand (Nom.), gelangt (Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben verschoben (die Frage ‚eṣa me saṃśayapraśnaḥ …‘ gehört inhaltlich Umā), hier wörtlich übernommen; v. 14 (ekajātyāḥ suduṣprāpam anyavarṇatvam āgatam) syntaktisch unsicher.

tac ca karma viśeṣeṇa punarjanmani jāyate; tasmāt te saṃpravakṣyāmi tat sarvaṃ karma pākataḥ; brāhmaṇas tu naro bhūtvā svajātim anupālayet; dṛḍhaṃ brāhmaṇakarmāṇi vedoktāni samācaret; satyārjavaparo bhūtvā dānayajñaparas tathā; tasyāṃ jātyāṃ samudito jātidharmān na hāpayet; evaṃ saṃvartamānas tu kāladharmaṃ gataḥ punaḥ; svarloke cābhijāyeta svargabhogāya bhāmini; tatkṣaye brāhmaṇo bhūtvā tathaiva nṛṣu jāyate; evaṃ svakarmaṇā martyaḥ svajātiṃ labhate punaḥ; aparas tu tathā kaś cid brahmayonisamudbhavaḥ; avamatyaiva tāṃ jātim ajñānatamasāvṛtaḥ; anyathā vartamānas tu jātikarmāṇi varjayet; śūdravad vicarel loke śūdrakarmābhilāṣayā; śūdraiḥ saha caran nityaṃ śaucamaṅgalavarjitaḥ

Und dieses Werk [Karma] wirkt besonders in einer Wiedergeburt. Darum will ich dir all dies, [nämlich] das Karma nach seiner Reifung, darlegen: Ein Mann, der als Brahmane [geboren] ist, soll seine Geburtsstellung bewahren; fest soll er die im Veda gelehrten Brahmanenwerke ausüben, auf Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit bedacht und ebenso auf Gabe und Opfer bedacht; in dieser Geburt emporgekommen, soll er die Standespflichten nicht versäumen. Wer sich so verhält und dann stirbt, wird in der Himmelswelt geboren, zum Genuss des Himmels, o Zornige; nach dessen Ende wird er wieder als Brahmane unter den Menschen geboren. So gewinnt der Sterbliche durch sein eigenes Tun die eigene Geburtsstellung wieder. Ein anderer aber, aus dem Schoß eines Brahmanen entstanden, der jene Geburt missachtet, von der Finsternis der Unwissenheit umhüllt, anders handelt und die Werke seiner Geburt meidet, wandelt wie ein Śūdra in der Welt, im Verlangen nach Śūdra-Werken, stets mit Śūdras zusammen, ohne Reinheit und Glücksbräuche.

Wort für Wort
tac ca karma viśeṣeṇa punarjanmani jāyate
dieses (Nom.), und, Werk (Nom.), besonders (Instr.), in der Wiedergeburt (Lok.), entsteht/wirkt (3.Sg.)
tasmāt te saṃpravakṣyāmi tat sarvaṃ karma pākataḥ
deshalb, dir (Dat.), werde darlegen (1.Sg.Fut.), das alles (Akk.), Werk (Akk.), nach der Reifung (Abl.)
brāhmaṇas tu naro bhūtvā svajātim anupālayet
als Brahmane (Nom.), aber, Mann (Nom.), geworden (Abs.), die eigene Geburtsstellung (Akk.), bewahren soll er (Opt.)
dṛḍhaṃ brāhmaṇakarmāṇi vedoktāni samācaret
fest (Adv.), Brahmanenwerke (Akk.Pl.), im Veda gelehrte (Akk.Pl.), ausüben soll er (Opt.)
satyārjavaparo bhūtvā dānayajñaparas tathā
auf Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit bedacht (Nom.), geworden (Abs.), auf Gabe und Opfer bedacht (Nom.), ebenso
tasyāṃ jātyāṃ samudito jātidharmān na hāpayet
in dieser (Lok.), Geburt (Lok.), emporgekommen (Nom.), Standespflichten (Akk.Pl.), nicht versäumen soll er (Opt.Kaus.)
evaṃ saṃvartamānas tu kāladharmaṃ gataḥ punaḥ
so, sich verhaltend (Nom.), aber, zum Todesgesetz (Akk.), gegangen (Nom.), wieder
svarloke cābhijāyeta svargabhogāya bhāmini
in der Himmelswelt (Lok.), und, wird geboren (Opt.), zum Genuss des Himmels (Dat.), o Zornige (Vok.)
tatkṣaye brāhmaṇo bhūtvā tathaiva nṛṣu jāyate
bei dessen Ende (Lok.), als Brahmane (Nom.), geworden (Abs.), ebenso, unter Menschen (Lok.Pl.), wird geboren (3.Sg.)
evaṃ svakarmaṇā martyaḥ svajātiṃ labhate punaḥ
so, durch eigenes Tun (Instr.), der Sterbliche (Nom.), eigene Geburtsstellung (Akk.), gewinnt (3.Sg.), wieder
aparas tu tathā kaś cid brahmayonisamudbhavaḥ
ein anderer (Nom.), aber, so, irgendeiner (Nom.), aus Brahmanenschoß entstanden (Nom.)
avamatyaiva tāṃ jātim ajñānatamasāvṛtaḥ
missachtend (Abs.), jene (Akk.), Geburt (Akk.), von der Finsternis der Unwissenheit umhüllt (Nom.)
anyathā vartamānas tu jātikarmāṇi varjayet
anders (Adv.), handelnd (Nom.), aber, Geburtswerke (Akk.Pl.), meidet er (Opt.)
śūdravad vicarel loke śūdrakarmābhilāṣayā
wie ein Śūdra (Adv.), wandelt er (Opt.), in der Welt (Lok.), aus Verlangen nach Śūdra-Werken (Instr.)
śūdraiḥ saha caran nityaṃ śaucamaṅgalavarjitaḥ
mit Śūdras (Instr.Pl.), zusammen, lebend (Nom.), stets, ohne Reinheit und Glücksbräuche (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Modus in v. 12–14 wechselt zu Optativen mit beschreibender Funktion; Satz setzt sich in 168 fort.

sa cāpi kāladharmastho yamalokeṣu daṇḍitaḥ; yadi jāyeta martyeṣu śūdra evābhijāyate; śūdra eva bhaved devi brāhmaṇo 'pi svakarmaṇā; tathaiva śūdras tv aparaḥ śūdrakarmāṇi varjayan; satyārjavaparo bhūtvā dānadharmaparas tathā; mantrabrāhmaṇasatkartā manasā brāhmaṇapriyaḥ; evaṃyuktasamācāraḥ śūdro 'pi maraṇaṃ gataḥ; svargaloke 'bhijāyeta tatkṣaye nṛṣu jāyate; brāhmaṇānāṃ kule mukhye vedasvādhyāyasaṃyute; evam eva sadā loke śūdro brāhmaṇyam āpnuyāt; evaṃ kṣatriyavaiśyāś ca jātidharmeṇa saṃyutāḥ; svakarmaṇaiva jāyante viśiṣṭeṣv adhameṣu ca; evaṃ jātiviparyāsaḥ pretyabhāve bhaven nṛṇām; anyathā tu na śakyante lokasaṃsthitikāraṇāt; tasmāj jātiṃ viśiṣṭāṃ tu kathaṃ cit prāpya paṇḍitaḥ

Auch er, im Tod angelangt, wird in Yamas Welten bestraft; wenn er dann unter den Sterblichen geboren wird, wird er eben als Śūdra geboren. Ein Śūdra wird er, o Göttin, auch wenn er ein Brahmane war, durch sein eigenes Tun. Ebenso ein anderer, ein Śūdra, der die Werke eines Śūdra meidet, auf Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit bedacht und ebenso auf Gabe und Dharma bedacht ist, der Mantras und Brahmanen ehrt und im Geist den Brahmanen zugetan ist: Wer so beschaffenen Wandel hat, wird als Śūdra, wenn er gestorben ist, in der Himmelswelt geboren; nach dessen Ende wird er unter Menschen geboren, in einer vornehmen Brahmanenfamilie, die dem Vedastudium ergeben ist. So erlangt in der Welt ein Śūdra stets die Brahmanenschaft. Ebenso werden Kṣatriyas und Vaiśyas, wenn sie ihre Standespflicht üben, durch ihr eigenes Tun in höhere und niedere [Stände] geboren. So kommt bei den Menschen im Jenseitsdasein ein Wechsel der Geburtsstellung zustande; anders ist es nicht möglich, wegen der Erhaltung der Weltordnung [?]. Darum soll ein Weiser, der irgendwie eine vorzügliche Geburt erlangt hat,

Wort für Wort
sa cāpi kāladharmastho yamalokeṣu daṇḍitaḥ
er (Nom.), und auch, im Tod befindlich (Nom.), in Yamas Welten (Lok.Pl.), bestraft (Part.)
yadi jāyeta martyeṣu śūdra evābhijāyate
wenn er geboren wird (Opt.), unter Sterblichen (Lok.Pl.), als Śūdra (Nom.), eben, wird geboren (3.Sg.)
śūdra eva bhaved devi brāhmaṇo 'pi svakarmaṇā
Śūdra (Nom.), eben, wird er (Opt.), o Göttin (Vok.), Brahmane (Nom.), auch, durch eigenes Tun (Instr.)
tathaiva śūdras tv aparaḥ śūdrakarmāṇi varjayan
ebenso, Śūdra (Nom.), aber, ein anderer (Nom.), Śūdra-Werke (Akk.Pl.), meidend (Part.)
satyārjavaparo bhūtvā dānadharmaparas tathā
auf Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit bedacht (Nom.), geworden (Abs.), auf Gabe und Dharma bedacht (Nom.), ebenso
mantrabrāhmaṇasatkartā manasā brāhmaṇapriyaḥ
Mantras und Brahmanen ehrend (Nom.), im Geist (Instr.), den Brahmanen lieb (Nom.)
evaṃyuktasamācāraḥ śūdro 'pi maraṇaṃ gataḥ
so beschaffenen Wandel habend (Nom.), Śūdra (Nom.), auch, zum Tod (Akk.), gegangen (Part.)
svargaloke 'bhijāyeta tatkṣaye nṛṣu jāyate
in der Himmelswelt (Lok.), wird geboren (Opt.), bei dessen Ende (Lok.), unter Menschen (Lok.Pl.), wird geboren (3.Sg.)
brāhmaṇānāṃ kule mukhye vedasvādhyāyasaṃyute
der Brahmanen (Gen.Pl.), in der Familie (Lok.), vornehmen (Lok.), dem Vedastudium verbundenen (Lok.)
evam eva sadā loke śūdro brāhmaṇyam āpnuyāt
so eben, stets, in der Welt (Lok.), der Śūdra (Nom.), Brahmanenschaft (Akk.), erlangt (Opt.)
evaṃ kṣatriyavaiśyāś ca jātidharmeṇa saṃyutāḥ
so, Kṣatriyas und Vaiśyas (Nom.Pl.), und, mit der Standespflicht verbunden (Nom.Pl.)
svakarmaṇaiva jāyante viśiṣṭeṣv adhameṣu ca
durch eigenes Tun (Instr.), eben, werden geboren (3.Pl.), in höhere (Lok.Pl.), und niedere (Lok.Pl.), und
evaṃ jātiviparyāsaḥ pretyabhāve bhaven nṛṇām
so, Wechsel der Geburtsstellung (Nom.), im Jenseitsdasein (Lok.), sei (Opt.), der Menschen (Gen.Pl.)
anyathā tu na śakyante lokasaṃsthitikāraṇāt
anders (Adv.), aber, nicht sind möglich (3.Pl.Pass.), wegen der Erhaltung der Weltordnung (Abl.)
tasmāj jātiṃ viśiṣṭāṃ tu kathaṃ cit prāpya paṇḍitaḥ
deshalb, eine Geburtsstellung (Akk.), vorzügliche (Akk.), aber, irgendwie, erlangt habend (Abs.), der Weise (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; v. 2–3 syntaktisch verkürzt; v. 14 (anyathā tu na śakyante lokasaṃsthitikāraṇāt) unsicher. Satz setzt sich in 169 fort.

sarvathā tāṃ tato rakṣen na punar bhraśyate yathā; umā; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; janmaprabhṛti kaiḥ śuddho labhej janmaphalaṃ naraḥ; maheśvaraḥ; śobhanāśobhanaṃ sarvam adhikāravaśāt svayam; karma kurvan na lipyeta ārjavena samācaran; ātmaiva tac chubhaṃ kuryād aśubhe naiva yojayet; śaṭheṣu śaṭhavat kuryād āryeṣv ṛjuvad ācaret; āpatsu nāvasīdec ca ghorān saṃkrāmayet parān; sāmnaiva sarvakāryāṇi kartuṃ pūrvaṃ samārabhet; anarthādharmaśokāṃs tu yathā na prāpnuyāt svayam; prayateta tathā kartum etad vṛttaṃ samāsataḥ; etad vṛttaṃ samāsādya gṛham āśritya mānavāḥ; nirābādhā nirudvegāḥ prāpnuvanty uttamāṃ gatim; etaj janmaphalaṃ nityaṃ sarveṣāṃ gṛhavāsinām

soll sie in jeder Hinsicht bewahren, damit er nicht wieder abfällt. Umā [sprach]: „So ist dir, o Göttin, gesagt; was möchtest du weiter hören? Durch welche [Mittel] erlangt ein Mann, von Geburt an rein, die Frucht der Geburt?“ Maheśvara [sprach]: „Alles Gute und Schlechte [geschieht] von selbst kraft der Zuständigkeit. Wer handelt, wird nicht befleckt, wenn er mit Aufrichtigkeit verfährt: er selbst soll das Gute tun, nicht aber im Schlechten mit [anderen] verbinden. Gegenüber Falschen soll er falsch handeln, gegenüber Edlen aufrichtig verfahren; in Notlagen soll er nicht verzagen und die schrecklichen [Nöte] auf andere übertragen. Durch Güte allein soll er zuerst beginnen, alle Aufgaben zu erfüllen; er soll sich bemühen, so zu handeln, dass er nicht selbst zu Unheil, Adharma und Kummer gelangt: dies ist das Verhalten in Kürze. Wenn sie dieses Verhalten erlangt und sich dem Haus [Hausstand] zugewandt haben, erreichen die Menschen frei von Bedrängnis und frei von Unruhe den höchsten Weg. Dies ist die stete Frucht der Geburt für alle Hausbewohner.

Wort für Wort
sarvathā tāṃ tato rakṣen na punar bhraśyate yathā
in jeder Hinsicht (Adv.), sie (Akk.), dann, bewahren soll er (Opt.), nicht wieder, abfällt er (3.Sg.), damit
umā; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā; so, dir, gesagt (Part.), o Göttin (Vok.), weiter, zu hören (Inf.), was wünschst du (2.Sg.)
janmaprabhṛti kaiḥ śuddho labhej janmaphalaṃ naraḥ
von Geburt an (Adv.), durch welche (Instr.Pl.), rein (Nom.), erlangen würde (Opt.), Geburtsfrucht (Akk.), Mann (Nom.)
maheśvaraḥ; śobhanāśobhanaṃ sarvam adhikāravaśāt svayam
Maheśvara; Gutes und Schlechtes (Nom.), alles, kraft der Zuständigkeit (Abl.), von selbst
karma kurvan na lipyeta ārjavena samācaran
Werk (Akk.), tuend (Nom.), nicht wird befleckt (Opt.Pass.), mit Aufrichtigkeit (Instr.), verfahrend (Nom.)
ātmaiva tac chubhaṃ kuryād aśubhe naiva yojayet
selbst (Nom.), dieses Gute (Akk.), tun soll er (Opt.), im Schlechten (Lok.), keineswegs, verbinden soll er (Opt.Kaus.)
śaṭheṣu śaṭhavat kuryād āryeṣv ṛjuvad ācaret
gegenüber Falschen (Lok.Pl.), wie ein Falscher (Adv.), handeln soll er (Opt.), gegenüber Edlen (Lok.Pl.), wie ein Aufrichtiger, verfahren soll er (Opt.)
āpatsu nāvasīdec ca ghorān saṃkrāmayet parān
in Notlagen (Lok.Pl.), nicht verzagen soll er (Opt.), und, schreckliche (Akk.Pl.), übertragen soll er (Opt.Kaus.), auf andere (Akk.Pl.)
sāmnaiva sarvakāryāṇi kartuṃ pūrvaṃ samārabhet
durch Güte (Instr.), allein, alle Aufgaben (Akk.Pl.), zu tun (Inf.), zuerst, beginnen soll er (Opt.)
anarthādharmaśokāṃs tu yathā na prāpnuyāt svayam
Unheil, Adharma, Kummer (Akk.Pl.), aber, damit, nicht erlange (Opt.), selbst
prayateta tathā kartum etad vṛttaṃ samāsataḥ
sich bemühen soll er (Opt.), so, zu tun (Inf.), dies (Nom.), Verhalten (Nom.), in Kürze (Abl.)
etad vṛttaṃ samāsādya gṛham āśritya mānavāḥ
dieses Verhalten (Akk.), erlangt habend (Abs.), das Haus (Akk.), sich zugewandt habend (Abs.), Menschen (Nom.Pl.)
nirābādhā nirudvegāḥ prāpnuvanty uttamāṃ gatim
frei von Bedrängnis (Nom.Pl.), frei von Unruhe (Nom.Pl.), erlangen (3.Pl.), den höchsten (Akk.), Weg (Akk.)
etaj janmaphalaṃ nityaṃ sarveṣāṃ gṛhavāsinām
dies (Nom.), Geburtsfrucht (Nom.), stets, aller (Gen.Pl.), Hausbewohner (Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben (Umā/Maheśvara) wörtlich übernommen; ‚adhikāravaśāt‘ unsicher (kraft Zuständigkeit/Amt). Halbvers ‚ātmaiva tac chubhaṃ kuryād aśubhe naiva yojayet‘ vgl. Einheit 129.

evaṃ gṛhagatair nityaṃ vartitavyam iti sthitiḥ; etat sarvaṃ mayā proktaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; umā; surāsurapate deva varada prītivardhana; mānuṣeṣv eva ye ke cid āḍhyāḥ kleśavivarjitāḥ; bhuñjānā vividhān bhogān dṛśyante nirupadravāḥ; apare kleśasaṃyuktā daridrā bhogavarjitāḥ; kimarthaṃ mānuṣe loke na samatvena kalpitāḥ; maheśvaraḥ; etac chrotuṃ mahādeva kautūhalam atīva me; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini; śṛṇu tat sarvam akhilaṃ mānuṣāṇāṃ hitaṃ vacaḥ; ādisarge purā brahmā samatvenāsṛjat prajāḥ; nityaṃ na bhavato hy asya rāgadveṣau prajāpateḥ; tadā tasmāt samāḥ sarve babhūvuḥ sarvato narāḥ; evaṃ saṃvartamāne tu yuge kālaviparyayāt

So soll von den Hausbewohnern stets verfahren werden: das ist die Ordnung. Dies alles ist von mir gesagt; was möchtest du weiter hören?“ Umā [sprach]: „Herr der Götter und Asuras, Gott, Wunschgewährer, Mehrer der Freude: Unter den Menschen sieht man einige, die reich und frei von Mühsal sind, verschiedene Genüsse genießen und ohne Plage sind; andere, mit Mühsal verbunden, arm und ohne Genüsse. Warum sind sie in der Menschenwelt nicht als gleich bestimmt?“ Maheśvara [sprach]: „Große Neugier habe ich, dies zu hören, o Mahādeva. Nach dem Recht willst du hören, du Hochbeglückte, du Zornige. Höre all dies, das für die Menschen heilsame Wort: In der ersten Schöpfung schuf Brahmā einst die Geschöpfe gleich; bei diesem Prajāpati sind Neigung und Abneigung niemals [vorhanden]. Damals waren deshalb alle Männer überall gleich. Als das Zeitalter sich so entwickelte, durch den Wandel der Zeit,

Wort für Wort
evaṃ gṛhagatair nityaṃ vartitavyam iti sthitiḥ
so, von den im Haus Befindlichen (Instr.Pl.), stets, zu verfahren (Ger.Impers.), so, Ordnung (Nom.)
etat sarvaṃ mayā proktaṃ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
dies alles (Nom.), von mir (Instr.), gesagt (Part.), was (Akk.), weiter, zu hören (Inf.), wünschst du (2.Sg.)
umā; surāsurapate deva varada prītivardhana
Umā; Herr der Götter und Asuras (Vok.), Gott (Vok.), Wunschgewährer (Vok.), Mehrer der Freude (Vok.)
mānuṣeṣv eva ye ke cid āḍhyāḥ kleśavivarjitāḥ
unter den Menschen (Lok.Pl.), eben, welche irgendwelche (Nom.Pl.), reich (Nom.Pl.), frei von Mühsal (Nom.Pl.)
bhuñjānā vividhān bhogān dṛśyante nirupadravāḥ
genießend (Nom.Pl.), verschiedene Genüsse (Akk.Pl.), werden gesehen (Pass.), ohne Plage (Nom.Pl.)
apare kleśasaṃyuktā daridrā bhogavarjitāḥ
andere (Nom.Pl.), mit Mühsal verbunden (Nom.Pl.), arm (Nom.Pl.), ohne Genüsse (Nom.Pl.)
kimarthaṃ mānuṣe loke na samatvena kalpitāḥ
warum (Adv.), in der Menschenwelt (Lok.), nicht, mit Gleichheit (Instr.), bestimmt (Part.Pl.)
maheśvaraḥ; etac chrotuṃ mahādeva kautūhalam atīva me
Maheśvara; dies, zu hören (Inf.), o Mahādeva (Vok.), Neugier (Nom.), sehr (Adv.), mir (Gen.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini
nach dem Recht (Adv.), du (Nom.), o Hochbeglückte (Vok.), hörbegierig bist (2.Sg.), o Zornige (Vok.)
śṛṇu tat sarvam akhilaṃ mānuṣāṇāṃ hitaṃ vacaḥ
höre (Imp.), dies alles (Akk.), ganz (Akk.), der Menschen (Gen.Pl.), heilsames (Akk.), Wort (Akk.)
ādisarge purā brahmā samatvenāsṛjat prajāḥ
in der Ursprungsschöpfung (Lok.), einst (Adv.), Brahmā (Nom.), mit Gleichheit (Instr.), erschuf (3.Sg.Impf.), die Geschöpfe (Akk.Pl.)
nityaṃ na bhavato hy asya rāgadveṣau prajāpateḥ
stets (Adv.), nicht sind (3.Du.), ja, bei diesem (Gen.), Neigung und Abneigung (Nom.Du.), bei Prajāpati (Gen.)
tadā tasmāt samāḥ sarve babhūvuḥ sarvato narāḥ
damals (Adv.), deshalb, gleich (Nom.Pl.), alle (Nom.Pl.), waren (3.Pl.Perf.), überall (Adv.), Männer (Nom.Pl.)
evaṃ saṃvartamāne tu yuge kālaviparyayāt
so, sich entwickelnd (Lok.abs.), aber, im Zeitalter (Lok.), durch Wandel der Zeit (Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben mitten in den Versen und teils verschoben (‚etac chrotuṃ …‘ wäre inhaltlich Umā); wörtlich übernommen. Satz setzt sich in 171 fort.

ke cit prapedire tatra viṣamaṃ buddhimohitāḥ; teṣāṃ hāniṃ tato dṛṣṭvā tulyānām eva bhāmini; brahmāṇaṃ te samājagmus tatkāraṇanivedakāḥ; kartuṃ nārhasi deveśa pakṣapātaṃ tvam īdṛśam; putrabhāve same deva kimarthaṃ no bhavet kaliḥ; ity evaṃ tair upālabdho brahmā vacanam abravīt; yūyaṃ mā kārṣṭa me roṣaṃ svakṛtaṃ smarata prajāḥ; yuṣmābhir eva yuṣmākaṃ grathitaṃ hi śubhāśubham; yādṛśaṃ kurute karma tādṛśaṃ phalam aśnute; svakṛtasya phalaṃ bhuṅkte nānyas tad bhoktum arhati; evaṃ saṃbodhitās tena lokakartrā svayaṃbhuvā; punar nivṛtya karmāṇi śubhāny eva prapedire; evaṃ vijñātatattvās te dānadharmaparāyaṇāḥ; śubhāni vidhivat kṛtvā kāladharmagatāḥ punaḥ

gerieten einige dort, von Verblendung des Verstandes betört, in Ungleichheit. Als sie ihren Verlust sah, obwohl sie [doch] gleich [erschaffen] waren, o Zornige, kamen sie zu Brahmā und meldeten ihm den Grund: „Du solltest, Herr der Götter, keine solche Parteilichkeit üben. Warum soll uns, bei gleichem Sohnesverhältnis, o Gott, Zwist sein?“ So von ihnen getadelt, sprach Brahmā das Wort: „Erregt nicht meinen Zorn; erinnert euch, ihr Geschöpfe, an das von euch selbst Getane. Von euch selbst ist euer Gutes und Schlechtes geknüpft; wie das Werk, das einer tut, so ist die Frucht, die er isst. Er genießt die Frucht des selbst Getanen; kein anderer darf sie genießen.“ So von dem Weltenschöpfer, dem Selbstgewordenen, belehrt, kehrten sie von [ihren Wegen] um und wandten sich wieder allein guten Werken zu. So, da sie die Wahrheit erkannt hatten, ganz ergeben der Gabe und dem Dharma, taten sie Gutes nach Vorschrift und gingen wieder in die Todeszeit,

Wort für Wort
ke cit prapedire tatra viṣamaṃ buddhimohitāḥ
einige (Nom.Pl.), gerieten in (3.Pl.Perf.Med.), dort, in Ungleichheit (Akk.), vom Verstand betört (Nom.Pl.)
teṣāṃ hāniṃ tato dṛṣṭvā tulyānām eva bhāmini
deren (Gen.Pl.), den Verlust (Akk.), dann, gesehen habend (Abs.), gleicher (Gen.Pl.), doch, o Zornige (Vok.)
brahmāṇaṃ te samājagmus tatkāraṇanivedakāḥ
zu Brahmā (Akk.), sie (Nom.Pl.), kamen (3.Pl.Perf.), den Grund davon meldend (Nom.Pl.)
kartuṃ nārhasi deveśa pakṣapātaṃ tvam īdṛśam
zu tun (Inf.), nicht solltest du (2.Sg.), o Herr der Götter (Vok.), Parteilichkeit (Akk.), du (Nom.), solche (Akk.)
putrabhāve same deva kimarthaṃ no bhavet kaliḥ
im Sohnesverhältnis (Lok.), gleichem (Lok.), o Gott (Vok.), warum, uns (Dat.), sei (Opt.), Streit/Unheil (Nom.)
ity evaṃ tair upālabdho brahmā vacanam abravīt
so (Adv.), von ihnen (Instr.Pl.), getadelt (Part.), Brahmā (Nom.), das Wort (Akk.), sprach (3.Sg.Impf.)
yūyaṃ mā kārṣṭa me roṣaṃ svakṛtaṃ smarata prajāḥ
ihr (Nom.), nicht sollt ihr erregen (Aor.Inj.), mir (Gen.), Zorn (Akk.), das selbst Getane (Akk.), erinnert euch (Imp.), Geschöpfe (Vok.)
yuṣmābhir eva yuṣmākaṃ grathitaṃ hi śubhāśubham
von euch (Instr.), selbst, euer (Gen.), geknüpft (Part.), ja, Gutes und Schlechtes (Nom.)
yādṛśaṃ kurute karma tādṛśaṃ phalam aśnute
von welcher Art (Akk.), tut er (3.Sg.), Werk (Akk.), von solcher Art (Akk.), Frucht (Akk.), isst/erlangt er (3.Sg.)
svakṛtasya phalaṃ bhuṅkte nānyas tad bhoktum arhati
des selbst Getanen (Gen.), Frucht (Akk.), genießt er (3.Sg.), nicht ein anderer (Nom.), dies, zu genießen (Inf.), verdient (3.Sg.)
evaṃ saṃbodhitās tena lokakartrā svayaṃbhuvā
so, belehrt (Nom.Pl.), von diesem (Instr.), Weltenschöpfer (Instr.), Selbstgewordenen (Instr.)
punar nivṛtya karmāṇi śubhāny eva prapedire
wieder, umgekehrt (Abs.), Werke (Akk.Pl.), gute (Akk.Pl.), nur, wandten sich zu (3.Pl.Perf.)
evaṃ vijñātatattvās te dānadharmaparāyaṇāḥ
so, die Wahrheit erkannt habend (Nom.Pl.), sie (Nom.Pl.), der Gabe und dem Dharma ganz ergeben (Nom.Pl.)
śubhāni vidhivat kṛtvā kāladharmagatāḥ punaḥ
Gutes (Akk.Pl.), regelgemäß (Adv.), getan habend (Abs.), zum Todesgesetz gegangen (Nom.Pl.), wieder

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Anrede ‚teṣāṃ … tulyānām‘ (Gen.Pl.) ist elliptisch; ‚kaliḥ‘ = Streit/Unheil; ‚mā kārṣṭa‘ als Prohibitiv gefasst. Satz setzt sich in 172 fort.

tāni dānaphalāny eva bhuñjate sukhabhoginaḥ; svakṛtaṃ tu naras tasmāt svayam eva prapadyate; apare dharmakāryebhyo nivṛttās tu śubhekṣaṇe; kadaryā niranukrośāḥ prāyeṇātmaparāyaṇāḥ; tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane; umā; daridrāḥ kleśasaṃyuktā bhavanty eva na saṃśayaḥ; mānuṣeṣv eva ye ke cid dhanadhānyasamanvitāḥ; bhogahīnāḥ pradṛśyante sarvabhogeṣu satsv api; maheśvaraḥ; na bhuñjate kimarthaṃ te tan me śaṃsitum arhasi; paraiḥ saṃcoditā dharmaṃ kurvate na svakāmataḥ; svayaṃ śraddhāṃ bahiṣkṛtya kurvanti ca rudanti ca; tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane; phalāni tāni saṃprāpya bhuñjate na kadā cana; umā; rakṣanto vardhayantaś ca āsate nidhipālavat

[und] genießen jene Früchte der Gaben, glücklich Genießende. Das selbst Getane erlangt der Mensch also selbst. Andere aber, o Schönäugige, sind von Werken des Dharma abgekehrt: geizig, ohne Erbarmen, meist auf sich selbst allein bedacht; solche, wenn sie gestorben sind, [werden] bei der Wiedergeburt, o Schöne, [so]. Umā [sprach]: „Arm und mit Mühsal verbunden werden sie, ohne Zweifel. Einige unter den Menschen, die mit Geld und Getreide ausgestattet sind, sieht man frei von Genüssen, obwohl alle Genüsse vorhanden sind.“ Maheśvara [sprach]: „Warum genießen sie nicht? Das solltest du mir sagen.“ „Von anderen angetrieben, üben sie das Dharma aus, nicht aus eigenem Wunsch; sie schieben selbst den Glauben beiseite, tun es und weinen. Solche, wenn sie gestorben sind, [werden] bei der Wiedergeburt, o Schöne, [so]: Sie erlangen jene Früchte und genießen sie niemals.“ Umā [sprach]: „Sie hüten und mehren [es] und sitzen wie Schatzwächter.“

Wort für Wort
tāni dānaphalāny eva bhuñjate sukhabhoginaḥ
jene (Akk.Pl.), Früchte der Gaben (Akk.Pl.), eben, genießen (3.Pl.), Glück genießend (Nom.Pl.)
svakṛtaṃ tu naras tasmāt svayam eva prapadyate
das selbst Getane (Akk.), aber, der Mensch (Nom.), deshalb, selbst, eben, erlangt (3.Sg.)
apare dharmakāryebhyo nivṛttās tu śubhekṣaṇe
andere (Nom.Pl.), von Dharma-Werken (Abl.Pl.), abgekehrt (Nom.Pl.), aber, o Schönäugige (Vok.)
kadaryā niranukrośāḥ prāyeṇātmaparāyaṇāḥ
geizig (Nom.Pl.), ohne Erbarmen (Nom.Pl.), meist (Instr.), auf sich selbst bedacht (Nom.Pl.)
tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane
solche (Nom.Pl.), Tod (Akk.), erreicht habend (Part.), bei Wiedergeburt (Lok.), o Schöne (Vok.)
umā; daridrāḥ kleśasaṃyuktā bhavanty eva na saṃśayaḥ
Umā; arm (Nom.Pl.), mit Mühsal verbunden (Nom.Pl.), werden (3.Pl.), eben, nicht Zweifel (Nom.)
mānuṣeṣv eva ye ke cid dhanadhānyasamanvitāḥ
unter Menschen (Lok.Pl.), eben, welche irgendwelche (Nom.Pl.), mit Geld und Getreide ausgestattet (Nom.Pl.)
bhogahīnāḥ pradṛśyante sarvabhogeṣu satsv api
frei von Genüssen (Nom.Pl.), werden gesehen (Pass.), bei allen Genüssen (Lok.Pl.), vorhandenen (Lok.Pl.), auch
maheśvaraḥ; na bhuñjate kimarthaṃ te tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara; nicht genießen sie (3.Pl.), warum, sie (Nom.Pl.), das, mir, zu sagen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
paraiḥ saṃcoditā dharmaṃ kurvate na svakāmataḥ
von anderen (Instr.Pl.), angetrieben (Nom.Pl.), Dharma (Akk.), tun (3.Pl.), nicht aus eigenem Wunsch (Abl.)
svayaṃ śraddhāṃ bahiṣkṛtya kurvanti ca rudanti ca
selbst, Glauben (Akk.), beiseite gesetzt habend (Abs.), tun (3.Pl.), und, weinen (3.Pl.), und
tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane
solche (Nom.Pl.), Tod (Akk.), erreicht (Part.), bei Wiedergeburt (Lok.), o Schöne (Vok.)
phalāni tāni saṃprāpya bhuñjate na kadā cana
Früchte (Akk.Pl.), jene (Akk.Pl.), erlangt habend (Abs.), genießen (3.Pl.), nicht, niemals
umā; rakṣanto vardhayantaś ca āsate nidhipālavat
Umā; hütend (Nom.Pl.), und mehrend (Nom.Pl.), sitzen (3.Pl.), wie Schatzwächter (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben mitten in den Versen und verschoben (v. 6 ‚daridrāḥ … na saṃśayaḥ‘ gehört inhaltlich noch zu Śivas Antwort, der Vers ‚mānuṣeṣv eva …‘ ist Umās Frage); ‚tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane‘ ist elliptisch (Prädikat fehlt).

ke cid dhanaviyuktāś ca bhogayuktā maheśvara; maheśvaraḥ; mānuṣāḥ saṃpradṛśyante tan me śaṃsitum arhasi; ānṛśaṃsyaparā ye tu dharmakāmāś ca durgatāḥ; paropakāraṃ kurvanti dīnānugrahakāraṇāt; pratidadyuḥ paradhanaṃ naṣṭaṃ vānyair hṛtaṃ dhanam; nityaṃ ye dātumanaso narā vitteṣv asatsv api; kāladharmavaśaṃ prāptāḥ punarjanmani te narāḥ; ete dhanaviyuktāś ca bhogayuktā bhavanty uta; dharmadānopadeśaṃ vā kartavyam iti niścayaḥ; umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa triyakṣa vṛṣabhadhvaja; mānuṣās trividhā deva dṛśyante satataṃ vibho; āsīnā eva bhuñjante sthānaiśvaryaparigrahaiḥ; apare yatnapūrvaṃ tu labhante bhogasaṃgraham

Einige sind ohne Vermögen und [doch] mit Genüssen versehen, o Maheśvara. Maheśvara [sprach]: „Menschen erscheinen [so]; das sollst du mir sagen.“ „Die aber, die auf Mitgefühl bedacht sind, das Dharma lieben und in Not geraten sind, die aus Mitgefühl mit den Elenden anderen Gutes tun, die fremdes Gut zurückgeben würden, das verloren oder von anderen geraubt ist, und die Männer, die stets zum Geben gesinnt sind, auch wenn Vermögen fehlt, diese Männer, die in die Gewalt des Todesgesetzes gelangt sind, sind bei der Wiedergeburt ohne Vermögen und dabei mit Genüssen ausgestattet; so ist gewiss der Entschluss, Dharma und Gaben zu lehren oder zu tun.“ Umā [sprach]: „So ist dir, o Göttin, gesagt; was möchtest du weiter hören?“ „Erhabener, Herr der Götter, Dreiäugiger, Stierbannerträger: Die Menschen sieht man, o Gott, stets als dreierlei, o Herr: Die einen genießen sitzend durch den Besitz von Stellung und Herrschaft; andere aber erlangen den Besitz von Genüssen erst durch Anstrengung;

Wort für Wort
ke cid dhanaviyuktāś ca bhogayuktā maheśvara
einige (Nom.Pl.), ohne Vermögen (Nom.Pl.), und, mit Genüssen verbunden (Nom.Pl.), o Maheśvara (Vok.)
maheśvaraḥ; mānuṣāḥ saṃpradṛśyante tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara; Menschen (Nom.Pl.), werden gesehen (Pass.), das, mir, zu sagen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
ānṛśaṃsyaparā ye tu dharmakāmāś ca durgatāḥ
auf Mitgefühl bedacht (Nom.Pl.), welche, aber, das Dharma liebend (Nom.Pl.), und, in Not geraten (Nom.Pl.)
paropakāraṃ kurvanti dīnānugrahakāraṇāt
Wohltat für andere (Akk.), tun (3.Pl.), aus Mitgefühl mit den Elenden (Abl.)
pratidadyuḥ paradhanaṃ naṣṭaṃ vānyair hṛtaṃ dhanam
zurückgeben würden (Opt.), fremdes Gut (Akk.), verloren (Akk.), oder, von anderen (Instr.Pl.), geraubtes (Akk.), Vermögen (Akk.)
nityaṃ ye dātumanaso narā vitteṣv asatsv api
stets (Adv.), welche, zum Geben gesinnt (Nom.Pl.), Männer (Nom.Pl.), bei Vermögen (Lok.Pl.), nicht vorhandenem (Lok.Pl.), auch
kāladharmavaśaṃ prāptāḥ punarjanmani te narāḥ
in die Gewalt des Todesgesetzes (Akk.), gelangt (Nom.Pl.), bei Wiedergeburt (Lok.), diese (Nom.Pl.), Männer (Nom.Pl.)
ete dhanaviyuktāś ca bhogayuktā bhavanty uta
diese (Nom.Pl.), ohne Vermögen (Nom.Pl.), und, mit Genüssen verbunden (Nom.Pl.), werden (3.Pl.), fürwahr
dharmadānopadeśaṃ vā kartavyam iti niścayaḥ
Belehrung in Dharma und Gabe (Nom./Akk.), oder, zu tun (Ger.), so, Entschluss (Nom.)
umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā; so, dir, gesagt (Part.), o Göttin (Vok.), was, weiter, zu hören (Inf.), wünschst du (2.Sg.)
bhagavan devadeveśa triyakṣa vṛṣabhadhvaja
o Erhabener (Vok.), Herr der Götter der Götter (Vok.), Dreiäugiger (Vok.), Stierbannerträger (Vok.)
mānuṣās trividhā deva dṛśyante satataṃ vibho
Menschen (Nom.Pl.), dreierlei (Nom.Pl.), o Gott (Vok.), werden gesehen (Pass.), stets, o Herr (Vok.)
āsīnā eva bhuñjante sthānaiśvaryaparigrahaiḥ
sitzend (Nom.Pl.), eben, genießen (3.Pl.), durch Besitz von Stellung und Herrschaft (Instr.Pl.)
apare yatnapūrvaṃ tu labhante bhogasaṃgraham
andere (Nom.Pl.), mit Anstrengung zuvor (Adv.), aber, erlangen (3.Pl.), Erwerb von Genüssen (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben verschoben und wörtlich übernommen; ‚dharmadānopadeśaṃ vā kartavyam iti niścayaḥ‘ syntaktisch unsicher; ‚triyakṣa‘ = tryakṣa (Dreiäugiger).

apare yatamānās tu labhante na tu kiṃ cana; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini; ye loke mānuṣā devi dānadharmaparāyaṇāḥ; pātrāṇi vidhivaj jñātvā dūrato hy anumānataḥ; abhigamya svayaṃ tatra grāhayanti prasādya ca; dānāni ceṅgitair eva tair avijñātam eva vā; punarjanmani deveśi tādṛśāḥ śobhanā narāḥ; ayatnatas tu tāny eva phalāni prāpnuvanty uta; āsīnā eva bhuñjante bhogān sukṛtabhoginaḥ; apare ye ca dānāni dadaty eva prayācitāḥ; yathā yathā te dīnatvāt punar dāsyanti yācitāḥ; tāvat kālaṃ tathā devi punarjanmani te narāḥ; yatnataḥ śramasaṃyuktāḥ punas tāny āpnuvanty uta; yācitā api ye ke cin na dadaty eva kiṃ cana

andere wieder mühen sich und erlangen doch nichts. Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung des Karma [ist das]? Das sollst du mir sagen; nach dem Recht willst du hören, du Hochbeglückte, du Zornige. Die Menschen in der Welt, o Göttin, die der Gabe und dem Dharma ergeben sind, die die Würdigen nach Vorschrift erkannt haben, schon von fern, durch Schlussfolgerung, und ihnen dann selbst entgegengegangen sind und sie durch Freundlichkeit dazu gebracht haben, [die Gaben] anzunehmen, und die Gaben durch bloße Zeichen [gegeben haben], auch ohne dass jene es bemerkten [?]: solche Menschen sind bei der Wiedergeburt, o Herrin der Götter, glücklich; sie erlangen eben diese Früchte ohne Mühe und genießen sitzend die Genüsse als Genießer des Guten, das sie getan haben. Andere aber, die Gaben nur geben, wenn sie darum gebeten werden, so oft und so lange sie, aus Mitleid gebeten, wiederholt geben werden, so lange, o Göttin, erlangen diese Männer bei der Wiedergeburt jene [Früchte] wieder, [nur] mit Mühe und Anstrengung. Die aber, die, auch gebeten, überhaupt nichts geben,

Wort für Wort
apare yatamānās tu labhante na tu kiṃ cana
andere (Nom.Pl.), sich mühend (Nom.Pl.), aber, erlangen (3.Pl.), nicht, aber, irgendetwas
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara; durch welche Reifung (Instr.), des Karma (Instr.), das, mir, zu sagen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi bhāmini
nach dem Recht (Adv.), du (Nom.), o Hochbeglückte (Vok.), hörbegierig bist (2.Sg.), o Zornige (Vok.)
ye loke mānuṣā devi dānadharmaparāyaṇāḥ
welche (Nom.Pl.), in der Welt (Lok.), Menschen (Nom.Pl.), o Göttin (Vok.), der Gabe und dem Dharma ergeben (Nom.Pl.)
pātrāṇi vidhivaj jñātvā dūrato hy anumānataḥ
Würdige (Akk.Pl.), nach Vorschrift (Adv.), erkannt habend (Abs.), von fern (Adv.), ja, durch Schlussfolgerung (Abl.)
abhigamya svayaṃ tatra grāhayanti prasādya ca
entgegengegangen (Abs.), selbst, dort, lassen annehmen (3.Pl.Kaus.), und günstig gestimmt habend (Abs.)
dānāni ceṅgitair eva tair avijñātam eva vā
Gaben (Akk.Pl.), und, durch Zeichen (Instr.Pl.), eben, von jenen (Instr.Pl.), nicht bemerkt (Part.), eben, oder [?]
punarjanmani deveśi tādṛśāḥ śobhanā narāḥ
bei der Wiedergeburt (Lok.), o Herrin der Götter (Vok.), solche (Nom.Pl.), glückliche (Nom.Pl.), Männer (Nom.Pl.)
ayatnatas tu tāny eva phalāni prāpnuvanty uta
ohne Mühe (Abl.), aber, eben diese (Akk.Pl.), Früchte (Akk.Pl.), erlangen (3.Pl.), fürwahr
āsīnā eva bhuñjante bhogān sukṛtabhoginaḥ
sitzend (Nom.Pl.), eben, genießen (3.Pl.), Genüsse (Akk.Pl.), Genießer des Guten (Nom.Pl.)
apare ye ca dānāni dadaty eva prayācitāḥ
andere (Nom.Pl.), welche, und, Gaben (Akk.Pl.), geben (3.Pl.), nur, gebeten (Nom.Pl.)
yathā yathā te dīnatvāt punar dāsyanti yācitāḥ
so oft (Adv.), sie (Nom.Pl.), aus Mitleid (Abl.), wiederum, werden geben (3.Pl.Fut.), gebeten (Nom.Pl.)
tāvat kālaṃ tathā devi punarjanmani te narāḥ
so lange (Akk.), Zeit (Akk.), so, o Göttin (Vok.), bei Wiedergeburt (Lok.), diese (Nom.Pl.), Männer (Nom.Pl.)
yatnataḥ śramasaṃyuktāḥ punas tāny āpnuvanty uta
mit Anstrengung (Abl.), mit Mühe verbunden (Nom.Pl.), wieder, jene (Akk.Pl.), erlangen (3.Pl.), fürwahr
yācitā api ye ke cin na dadaty eva kiṃ cana
gebeten (Nom.Pl.), auch, welche irgendwelche (Nom.Pl.), nicht geben (3.Pl.), überhaupt, irgendetwas

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; v. 7 (dānāni ceṅgitair eva … avijñātam eva vā) syntaktisch unsicher; v. 11–13 (yathā yathā … tāvat kālam) elliptisch. Satz setzt sich in 175 fort.

abhyasūyāparā martyā lobhopahatacetasaḥ; te punarjanmani śubhe yatante bahudhā narāḥ; na prāpnuvanti manujā mārgantas te 'pi kiṃ cana; nānuptaṃ rohate sasyaṃ tadvad dānaphalaṃ viduḥ; yad yad dadāti puruṣas tat tat prāpnoti kevalam; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; umā; bhagavan bhaganetraghna ke cid vārddhakasaṃyutāḥ; abhogayogyakāle tu bhogāṃś caiva dhanāni ca; labhante sthavirā bhūtvā bhogaiśvaryaṃ yatas tataḥ; yena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā; dharmakāryaṃ ciraṃ kālaṃ vismṛtya dhanasaṃyutāḥ; prāṇāntakāle saṃprāpte vyādhibhiś ca nipīḍitāḥ; ārabhante punar dharmaṃ dātuṃ dānāni vā narāḥ

neidisch, im Geist von Gier heimgesucht: diese Sterblichen bemühen sich bei der glücklichen Wiedergeburt auf vielerlei Weise, [aber] jene Menschen erlangen, obwohl sie suchen, überhaupt nichts. Nicht Ausgesätes sprießt als Saat; ebenso, so wissen sie, [verhält es sich mit] der Frucht der Gabe: Was immer ein Mann gibt, genau das erlangt er. So ist dir, o Göttin, gesagt; was möchtest du weiter hören?“ Umā [sprach]: „Erhabener, Vernichter der Augen des Bhaga, einige, mit hohem Alter verbunden, erlangen zu einer Zeit, in der sie zum Genießen nicht geeignet sind, als Greise Genüsse und Reichtümer, irgendwie Genuss und Herrschaft. Durch welche Reifung des Karma [ist das]? Das sollst du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Wohlan, ich will es dir sagen; höre es, du Aufmerksame: Sie haben lange Zeit das Werk des Dharma vergessen und sind mit Vermögen versehen; wenn die Todeszeit gekommen ist und sie von Krankheiten bedrängt sind, beginnen die Menschen wieder, Dharma zu üben oder Gaben zu geben.

Wort für Wort
abhyasūyāparā martyā lobhopahatacetasaḥ
neidisch (Nom.Pl.), Sterbliche (Nom.Pl.), vom Geiz im Geist getroffen (Nom.Pl.)
te punarjanmani śubhe yatante bahudhā narāḥ
sie (Nom.Pl.), bei der glücklichen Wiedergeburt (Lok.), mühen sich (3.Pl.Med.), vielfach (Adv.), Männer (Nom.Pl.)
na prāpnuvanti manujā mārgantas te 'pi kiṃ cana
nicht erlangen (3.Pl.), Menschen (Nom.Pl.), suchend (Nom.Pl.), sie, auch, irgendetwas
nānuptaṃ rohate sasyaṃ tadvad dānaphalaṃ viduḥ
nicht Ungesätes (Nom.), sprießt (3.Sg.), Saat (Nom.), ebenso (Adv.), Gabenfrucht (Akk.), wissen sie (3.Pl.)
yad yad dadāti puruṣas tat tat prāpnoti kevalam
was immer (Akk.), gibt (3.Sg.), der Mann (Nom.), dieses (Akk.), erlangt (3.Sg.), allein (Adv.)
iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
so, dir, gesagt (Part.), o Göttin (Vok.), weiter, zu hören (Inf.), was wünschst du (2.Sg.)
umā; bhagavan bhaganetraghna ke cid vārddhakasaṃyutāḥ
Umā; o Erhabener (Vok.), Vernichter der Augen des Bhaga (Vok.), einige (Nom.Pl.), mit Alter verbunden (Nom.Pl.)
abhogayogyakāle tu bhogāṃś caiva dhanāni ca
in einer Zeit, die zum Genuss nicht geeignet ist (Lok.), aber, Genüsse (Akk.Pl.), und, Reichtümer (Akk.Pl.), und
labhante sthavirā bhūtvā bhogaiśvaryaṃ yatas tataḥ
erlangen (3.Pl.), Greise (Nom.Pl.), geworden (Abs.), Genuss und Herrschaft (Akk.), woher auch immer (Adv.)
yena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche (Instr.), Reifung des Karma (Instr.), das, mir, zu sagen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
maheśvaraḥ; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
Maheśvara; wohlan (Part.), dir, werde sagen (1.Sg.Fut.), höre (Imp.), das, du (Nom.), aufmerksam (Nom.f.)
dharmakāryaṃ ciraṃ kālaṃ vismṛtya dhanasaṃyutāḥ
Werk des Dharma (Akk.), lange (Akk.), Zeit (Akk.), vergessen habend (Abs.), mit Vermögen versehen (Nom.Pl.)
prāṇāntakāle saṃprāpte vyādhibhiś ca nipīḍitāḥ
zur Zeit des Lebensendes (Lok.), wenn gekommen (Lok.abs.), von Krankheiten (Instr.Pl.), und, bedrängt (Nom.Pl.)
ārabhante punar dharmaṃ dātuṃ dānāni vā narāḥ
beginnen (3.Pl.), wieder, Dharma (Akk.), zu geben (Inf.), Gaben (Akk.Pl.), oder, Männer (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben wörtlich übernommen; v. 3 (mārgantas te ‘pi kiṃ cana) und v. 9 (bhogaiśvaryaṃ yatas tataḥ) unsicher; ‚nānuptaṃ rohate sasyam‘ als Bild: ohne Aussaat keine Ernte.

te punarjanmani śubhe bhūtvā duḥkhapariplutāḥ; atītayauvane kāle sthaviratvam upāgatāḥ; labhante pūrvadattānāṃ phalāni śubhalakṣaṇe; evaṃ karmaphalaṃ devi kālayogād bhavaty uta; umā; bhogayuktā mahādeva ke cid vyādhipariplutāḥ; maheśvaraḥ; asamarthāś ca tān bhoktuṃ bhavanti kim u kāraṇam; vyādhiyogaparikliṣṭā ye nirāśāḥ svajīvite; ārabhante tadā kartuṃ dānāni śubhalakṣaṇe; te punarjanmani śubhe prāpya tāni phalāny uta; umā; asamarthāś ca tān bhoktuṃ vyādhitās te bhavanty uta; bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana; rūpayuktāḥ pradṛśyante śubhāṅgā priyadarśanāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā

Diese Männer werden bei der glücklichen Wiedergeburt von Leid überflutet, nachdem die Jugendzeit vergangen ist, und gelangen zum Greisenalter; sie erlangen, o Glückverheißende, die Früchte des früher Gegebenen. So entsteht die Frucht des Karma, o Göttin, durch die Verbindung mit der Zeit. Umā [sprach]: „Einige, mit Genüssen verbunden, o Mahādeva, sind von Krankheit überflutet.“ Maheśvara [sprach]: „Sie sind unfähig, diese zu genießen: was ist der Grund?“ „Die, die von der Verbindung mit Krankheit gequält sind und an ihrem Leben verzweifelt, beginnen dann, o Glückverheißende, Gaben zu geben; sie erlangen bei der glücklichen Wiedergeburt jene Früchte.“ Umā [sprach]: „Sie werden unfähig, diese zu genießen, weil sie krank sind. Erhabener, Herr der Götter der Götter: Einige unter den Menschen sieht man mit Schönheit versehen, schöngliedrig, lieblich anzuschauen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung des Karma [ist das]? Das sollst du mir sagen.“ „Wohlan, ich will es dir sagen; höre es, du Aufmerksame.

Wort für Wort
te punarjanmani śubhe bhūtvā duḥkhapariplutāḥ
diese (Nom.Pl.), bei Wiedergeburt (Lok.), glücklicher (Lok.), geworden (Abs.), von Leid überflutet (Nom.Pl.)
atītayauvane kāle sthaviratvam upāgatāḥ
als die Jugend vergangen ist (Lok.), zur Zeit (Lok.), Greisenalter (Akk.), erreicht habend (Nom.Pl.)
labhante pūrvadattānāṃ phalāni śubhalakṣaṇe
erlangen (3.Pl.), des früher Gegebenen (Gen.Pl.), Früchte (Akk.Pl.), o Glückverheißende (Vok.)
evaṃ karmaphalaṃ devi kālayogād bhavaty uta
so, Karma-Frucht (Nom.), o Göttin (Vok.), durch Verbindung mit der Zeit (Abl.), entsteht (3.Sg.), fürwahr
umā; bhogayuktā mahādeva ke cid vyādhipariplutāḥ
Umā; mit Genüssen verbunden (Nom.Pl.), o Mahādeva (Vok.), einige (Nom.Pl.), von Krankheit überflutet (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; asamarthāś ca tān bhoktuṃ bhavanti kim u kāraṇam
Maheśvara; unfähig (Nom.Pl.), und, diese (Akk.Pl.), zu genießen (Inf.), sind (3.Pl.), was denn, Grund (Nom.)
vyādhiyogaparikliṣṭā ye nirāśāḥ svajīvite
von der Verbindung mit Krankheit gequält (Nom.Pl.), welche, hoffnungslos (Nom.Pl.), am eigenen Leben (Lok.)
ārabhante tadā kartuṃ dānāni śubhalakṣaṇe
beginnen (3.Pl.), dann, zu tun (Inf.), Gaben (Akk.Pl.), o Glückverheißende (Vok.)
te punarjanmani śubhe prāpya tāni phalāny uta
sie (Nom.Pl.), bei Wiedergeburt (Lok.), glücklicher (Lok.), erlangt habend (Abs.), jene (Akk.Pl.), Früchte (Akk.Pl.), fürwahr
umā; asamarthāś ca tān bhoktuṃ vyādhitās te bhavanty uta
Umā; unfähig (Nom.Pl.), und, diese (Akk.Pl.), zu genießen (Inf.), krank (Nom.Pl.), sie (Nom.Pl.), werden (3.Pl.), fürwahr
bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana
o Erhabener (Vok.), Herr der Götter der Götter (Vok.), unter Menschen (Lok.Pl.), eben, einige (Nom.Pl.)
rūpayuktāḥ pradṛśyante śubhāṅgā priyadarśanāḥ
mit Schönheit versehen (Nom.Pl.), werden gesehen (Pass.), schöngliedrig (Nom.Pl.), lieblich anzuschauen (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara; durch welche (Instr.), Reifung des Karma (Instr.), das, mir, zu sagen (Inf.), du solltest (2.Sg.)
hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
wohlan (Part.), dir, werde sagen (1.Sg.Fut.), höre (Imp.), das, du (Nom.), aufmerksam (Nom.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sprecherangaben (Umā/Maheśvara) mitten in Versen und teils verschoben, wörtlich übernommen; v. 6/7 (‚asamarthāś ca tān bhoktuṃ …‘) und die Antwort folgen einander mit vertauschten Rollen.

ye purā manujā devi lajjāyuktāḥ priyaṃvadāḥ; śaktāḥ sumadhurā nityaṃ bhūtvā caiva svabhāvataḥ; amāṃsabhojinaś caiva sadā prāṇidayāyutāḥ; pratikarmapradā vāpi vastradā dharmakāraṇāt; bhūmiśuddhikarā vāpi kāraṇād agnipūjakāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani te narāḥ; umā; rūpeṇa spṛhaṇīyās tu bhavanty eva na saṃśayaḥ; virūpāś ca pradṛśyante mānuṣeṣv eva ke cana; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; rūpayogāt purā martyā darpāhaṃkārasaṃyutāḥ; virūpahāsakāś caiva stutinindādibhir bhṛśam; paropatāpinaś caiva māṃsādāś ca tathaiva ca; abhyasūyāparāś caiva aśuddhāś ca tathaiva ca; evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ

Die Menschen, o Göttin, die einst schamhaft und lieblich redend waren, kraftvoll und von Natur aus stets sehr süß [im Wesen], die kein Fleisch aßen und stets von Mitleid mit den Lebewesen erfüllt waren, die um des Dharma willen Gegenleistungen gewährten oder Kleidung schenkten, die den Boden reinigten und aus Grund [Verehrer] des Feuers waren – Menschen mit solchem Verhalten [werden] in der Wiedergeburt [schön]. Umā [sprach]: „An Gestalt sind sie zweifellos begehrenswert; doch manche sieht man unter den Menschen missgestaltet. Durch welche Reifung der Taten [geschieht] das? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Das will ich dir verkünden; höre, Glückverheißende, den Grund: Einst waren Sterbliche wegen ihrer Schönheit von Stolz und Ichbezogenheit erfüllt, spotteten heftig über Missgestaltete, [taten dies] durch Lob, Tadel und dergleichen, quälten andere, aßen Fleisch, waren missgünstig und unrein. Menschen mit solchem Verhalten wurden in der Welt Yamas hart bestraft.“

Wort für Wort
ye purā manujā devi
die, die einst als Menschen, o Göttin (Nom.Pl./Vok.Sg.)
lajjāyuktāḥ priyaṃvadāḥ
schamhaft, lieb redend (Nom.Pl.)
śaktāḥ sumadhurā nityaṃ bhūtvā caiva svabhāvataḥ
kraftvoll, sehr süß, stets geworden, und von Natur aus (Nom.Pl./Abs./Abl.)
amāṃsabhojinaś ca sadā prāṇidayāyutāḥ
kein Fleisch essend und stets mitleidig gegen Lebewesen (Nom.Pl.)
pratikarmapradā vā vastradā dharmakāraṇāt
Gegenleistung gebend oder Kleidung gebend um des Dharma willen (Nom.Pl./Abl.)
bhūmiśuddhikarā vā kāraṇād agnipūjakāḥ
den Boden Reinigende oder aus Grund Feuerverehrer (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani te narāḥ
so gearteten Verhaltens, in der Wiedergeburt jene Menschen (Nom.Pl./Lok.Sg.)
umā; rūpeṇa spṛhaṇīyās tu bhavanty eva na saṃśayaḥ
Umā: an Gestalt begehrenswert werden sie gewiss, kein Zweifel (Instr./Nom.Pl.)
virūpāś ca pradṛśyante mānuṣeṣv eva ke cana
und missgestaltet sieht man manche unter den Menschen (Nom.Pl./3.Pl.Pass.Präs./Lok.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr.Sg./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
das werde ich dir verkünden, höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)
rūpayogāt purā martyā darpāhaṃkārasaṃyutāḥ
durch Schönheit einst Sterbliche, mit Stolz und Ichbezogenheit verbunden (Abl./Nom.Pl.)
virūpahāsakāś ca stutinindādibhir bhṛśam
Verspotter Missgestalteter, durch Lob, Tadel usw. heftig (Nom.Pl./Instr.Pl.)
paropatāpinaś ca māṃsādāś ca tathaiva ca
Quäler anderer und Fleischesser ebenso (Nom.Pl.)
abhyasūyāparāś ca aśuddhāś ca tathaiva ca
missgünstig und unrein ebenso (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ
so gearteten Verhaltens in Yamas Welt hart bestraft (Nom.Pl./Lok.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te rūpavarjitāḥ; virūpāḥ saṃbhavanty eva nāsti tatra vicāraṇā; umā; bhagavan devadeveśa ke cit saubhāgyasaṃyutāḥ; rūpabhogavihīnāś ca dṛśyante pramadāpriyāḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi saumyaśīlāḥ priyaṃvadāḥ; svadārair eva saṃtuṣṭā dāreṣu samavṛttayaḥ; dākṣiṇyenaiva vartante pramadāsv apriyāsv api; na tu pratyādiśanty eva strīdoṣān guhyasaṃśritān; annapānīyadāḥ kāle nṛṇāṃ svādupradāś ca ye; svadāravartinaś caiva dhṛtimanto niratyayāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; mānuṣās te bhavanty eva satataṃ subhagā bhṛśam; arthād ṛte 'pi te devi bhavanti pramadāpriyāḥ

Nachdem sie irgendwie das Menschsein erlangt haben, sind sie dort aller Schönheit beraubt; sie werden zweifellos missgestaltet – darüber gibt es keine Erwägung. Umā [sprach]: „Herr, Gott der Götter, manche [sind] mit Glück ausgestattet, doch ohne Schönheit und Genuss sieht man [sie als] Geliebte der Frauen. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die einst sanften Wesens und lieblich redend waren, allein mit ihren eigenen Frauen zufrieden, gegenüber [fremden] Frauen gleichmütig, die aus bloßer Zuvorkommenheit auch gegenüber unliebsamen Frauen [höflich] verfahren, die nicht die verborgenen Fehler der Frauen [öffentlich] zurückweisen, die zur rechten Zeit den Menschen Speise und Trank geben und Wohlschmeckendes schenken, ihren eigenen Frauen zugetan, standhaft und ohne Übertretung – mit solchem Verhalten, Glückverheißende, werden diese in der Wiedergeburt gewiss als Menschen stets überaus glücklich [in der Liebe]. Auch ohne Reichtum, o Göttin, werden sie Geliebte der Frauen.“

Wort für Wort
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te rūpavarjitāḥ
irgendwie Menschsein erlangt, dort sie der Schönheit beraubt (Abs./Nom.Pl.)
virūpāḥ saṃbhavanty eva nāsti tatra vicāraṇā
missgestaltet werden sie gewiss, dort gibt es keine Erwägung (3.Pl.Präs./Nom.Sg.)
umā; bhagavan devadeveśa ke cit saubhāgyasaṃyutāḥ
Umā: Herr, Gott der Götter, manche mit Glück ausgestattet (Vok./Nom.Pl.)
rūpabhogavihīnāś ca dṛśyante pramadāpriyāḥ
ohne Schönheit und Genuss werden sie gesehen, Frauenlieblinge (Nom.Pl./Pass.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi saumyaśīlāḥ priyaṃvadāḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, o Göttin, sanften Wesens, lieb redend (Nom.Pl.)
svadārair eva saṃtuṣṭā dāreṣu samavṛttayaḥ
mit eigenen Frauen zufrieden, gegenüber Frauen gleichmütig (Instr.Pl./Lok.Pl.)
dākṣiṇyenaiva vartante pramadāsv apriyāsv api
aus bloßer Zuvorkommenheit verhalten sie sich auch bei unliebsamen Frauen (Instr./3.Pl.Präs./Lok.Pl.)
na tu pratyādiśanty eva strīdoṣān guhyasaṃśritān
nicht aber weisen sie zurück die Fehler der Frauen, die im Verborgenen liegen (3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
annapānīyadāḥ kāle nṛṇāṃ svādupradāś ca ye
Speise und Trank zur rechten Zeit gebend den Menschen und Wohlschmeckendes schenkend (Nom.Pl./Lok./Gen.Pl.)
svadāravartinaś ca dhṛtimanto niratyayāḥ
den eigenen Frauen zugetan, standhaft, ohne Übertretung (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok./Vok.)
mānuṣās te bhavanty eva satataṃ subhagā bhṛśam
als Menschen werden sie gewiss stets sehr glücklich (Nom.Pl.)
arthād ṛte 'pi te devi bhavanti pramadāpriyāḥ
auch ohne Reichtum, Göttin, werden sie Frauenlieblinge (Abl./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

umā; durbhagāḥ saṃpradṛśyante āḍhyā bhogayutā api; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā; ye purā manujā devi svadāreṣv anapekṣayā; yatheṣṭavṛttayaś caiva nirlajjā vītasaṃbhramāḥ; pareṣāṃ vipriyakarā vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ; nirāśrayā nirannādyāḥ strīṇāṃ hṛdayakopanāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani te narāḥ; durbhagāḥ saṃbhavanty eva strīṇāṃ hṛdayavipriyāḥ; umā; nāsti teṣāṃ ratisukhaṃ svadāreṣv api kiṃ cana; bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana; jñānavijñānasaṃpannā buddhimanto vicakṣaṇāḥ; durgatās tu pradṛśyante yatamānā yathāvidhi; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi

Umā [sprach]: „Man sieht [Menschen] unglücklich [in der Liebe], obwohl sie wohlhabend und im Besitz von Genüssen sind.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Das will ich dir verkünden; höre alles aufmerksam. Die Menschen, o Göttin, die einst gegenüber ihren eigenen Frauen achtlos waren, nach Belieben lebten, schamlos und ohne Scheu, die anderen durch Werke des Wortes, des Denkens und des Leibes Unliebes taten, ohne Zuflucht [und] ohne Nahrung, die das Herz der Frauen erzürnten – Menschen mit solchem Verhalten werden in der Wiedergeburt zweifellos unglücklich, den Frauen im Herzen unlieb.“ Umā [sprach]: „Für sie gibt es nicht das geringste Liebesvergnügen, selbst mit den eigenen Frauen. Herr, Gott der Götter, manche unter den Menschen, mit Wissen und Erkenntnis begabt, verständig, scharfsinnig, werden dennoch in Not gesehen, obwohl sie sich der Vorschrift gemäß bemühen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“

Wort für Wort
umā; durbhagāḥ saṃpradṛśyante āḍhyā bhogayutā api
Umā: unglücklich sieht man sie, obwohl reich und genussbegabt (Nom.Pl./Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā
das werde ich dir verkünden, höre alles gesammelt (1.Sg.Fut./Imp./Nom.f.)
ye purā manujā devi svadāreṣv anapekṣayā
die einst als Menschen, Göttin, aus Rücksichtslosigkeit gegen die eigenen Frauen (Nom.Pl./Lok.Pl./Instr.)
yatheṣṭavṛttayaś ca nirlajjā vītasaṃbhramāḥ
nach Belieben lebend, schamlos, ohne Scheu (Nom.Pl.)
pareṣāṃ vipriyakarā vāṅmanaḥkāyakarmabhiḥ
anderen Unliebes tuend durch Taten in Wort, Sinn und Leib (Nom.Pl./Instr.Pl.)
nirāśrayā nirannādyāḥ strīṇāṃ hṛdayakopanāḥ
ohne Zuflucht, ohne Speise, der Frauen Herz erzürnend (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani te narāḥ
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt jene Männer (Nom.Pl./Lok.)
durbhagāḥ saṃbhavanty eva strīṇāṃ hṛdayavipriyāḥ
unglücklich werden sie, den Frauen im Herzen unlieb (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
umā; nāsti teṣāṃ ratisukhaṃ svadāreṣv api kiṃ cana
Umā: für sie gibt es keine Liebesfreude, auch bei den eigenen Frauen nicht im Geringsten (Gen.Pl./Lok.Pl.)
bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana
Herr, Gott der Götter, unter den Menschen manche (Vok./Lok.Pl.)
jñānavijñānasaṃpannā buddhimanto vicakṣaṇāḥ
mit Wissen und Erkenntnis begabt, verständig, scharfsinnig (Nom.Pl.)
durgatās tu pradṛśyante yatamānā yathāvidhi
in Not gesehen, obwohl sie sich der Vorschrift gemäß bemühend (Nom.Pl./Part.Med.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rollenverteilung der Sprecher ist in dieser Zusatzpassage teils uneindeutig; die Sprecherangaben folgen dem Text.

tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; ye purā manujā devi śrutavanto 'pi kevalam; nirāśrayā nirannādyā bhṛśam ātmaparāyaṇāḥ; te punarjanmani śubhe jñānabuddhiyutā api; niṣkiṃcanā bhavanty eva anuptaṃ na hi rohati; umā; mūrkhā loke pradṛśyante dṛḍhaṃ mūḍhā vicetasaḥ; jñānavijñānarahitāḥ samṛddhāś ca samantataḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi bāliśā api sarvataḥ; samācaranti dānāni dīnānugrahakāraṇāt; abuddhipūrvaṃ vadatāṃ dadaty eva yatas tataḥ; te punarjanmani śubhe prāpnuvanty eva tat tathā; paṇḍito 'paṇḍito vāpi bhuṅkte dānaphalaṃ naraḥ; umā; buddhyānapekṣitaṃ dānaṃ sarvathā tat phalaty uta

„Das will ich dir verkünden; höre, Glückverheißende, den Grund. Die Menschen, o Göttin, die einst zwar nur gelehrt waren, ohne Zuflucht, ohne Nahrung, sehr auf sich selbst bedacht: Sie werden in der Wiedergeburt, Schöne, obwohl mit Wissen und Verstand begabt, [dennoch] besitzlos – denn was nicht gesät wurde, wächst nicht.“ Umā [sprach]: „Auf der Welt sieht man Törichte, fest verblendet, ohne Verstand, ohne Wissen und Erkenntnis, [und doch] ringsum wohlhabend. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die einst zwar in jeder Hinsicht einfältig waren, [aber] aus Erbarmen mit den Armen Gaben spendeten und, ohne Vorbedacht redenden [Bittenden] überall dorthin gaben – sie erlangen in der Wiedergeburt, Schöne, genau dies. Ob gelehrt oder ungelehrt, der Mensch genießt die Frucht der Gabe.“ Umā [sprach]: „Die ohne Verstandesprüfung gegebene Gabe trägt in jeder Hinsicht doch Frucht.“

Wort für Wort
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
das werde ich dir verkünden, höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)
ye purā manujā devi śrutavanto 'pi kevalam
die einst Menschen, Göttin, nur gelehrt (Nom.Pl.)
nirāśrayā nirannādyā bhṛśam ātmaparāyaṇāḥ
ohne Zuflucht, ohne Speise, sehr selbstbezogen (Nom.Pl.)
te punarjanmani śubhe jñānabuddhiyutā api
sie in der Wiedergeburt, Schöne, auch mit Wissen und Verstand begabt (Lok./Vok./Nom.Pl.)
niṣkiṃcanā bhavanty eva anuptaṃ na hi rohati
besitzlos werden sie gewiss; Ungesätes wächst nicht (Nom.Pl./Part.Pass.)
umā; mūrkhā loke pradṛśyante dṛḍhaṃ mūḍhā vicetasaḥ
Umā: Törichte sieht man in der Welt, fest verblendet, verstandlos (Nom.Pl./Pass.)
jñānavijñānarahitāḥ samṛddhāś ca samantataḥ
ohne Wissen und Erkenntnis und doch ringsum wohlhabend (Nom.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi bāliśā api sarvataḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, Göttin, in jeder Hinsicht einfältig (Nom.Pl.)
samācaranti dānāni dīnānugrahakāraṇāt
üben Gaben aus aus Erbarmen mit Armen (3.Pl.Präs./Akk.Pl./Abl.)
abuddhipūrvaṃ vadatāṃ dadaty eva yatas tataḥ
ohne Vorbedacht Redenden geben sie überallhin (Adv./Gen.Pl.Part./3.Pl.Präs.)
te punarjanmani śubhe prāpnuvanty eva tat tathā
sie in der Wiedergeburt, Schöne, erlangen eben dies so (3.Pl.Präs.)
paṇḍito 'paṇḍito vāpi bhuṅkte dānaphalaṃ naraḥ
gelehrt oder ungelehrt genießt der Mensch die Frucht der Gabe (3.Sg.Präs.)
umā; buddhyānapekṣitaṃ dānaṃ sarvathā tat phalaty uta
Umā: die vom Verstand nicht beachtete Gabe, sie trägt in jeder Weise Frucht (Instr./Part.Pass./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana; medhāvinaḥ śrutidharā bhavanti viśadākṣarāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi guruśuśrūṣakā bhṛśam; jñānārthaṃ te tu saṃgṛhya tīrthato vidhipūrvakam; vidhinaiva parāṃś caiva grāhayanti na cānyathā; aślāghamānā jñānena praśāntā yatavācakāḥ; vidyāsthānāni ye loke sthāpayanti ca yatnataḥ; tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane; umā; medhāvinaḥ śrutidharā bhavanti viśadākṣarāḥ; apare mānuṣā deva yatnato 'pi yatas tataḥ; bahiṣkṛtāḥ pradṛśyante śrutavijñānabuddhibhiḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi jñānadarpasamanvitāḥ

„Herr, Gott der Götter, manche unter den Menschen werden einsichtig, Kenner des Überlieferten, mit klarer Aussprache.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen. Die Menschen, o Göttin, die einst ihren Lehrern sehr dienten, die zum Wissen [gelangen wollten], es von einer Furt [heiligen Lehrstätte] her der Vorschrift gemäß aufnahmen, die auch andere allein nach der Regel [es] aufnehmen ließen und nicht anders, die sich des Wissens nicht rühmten, friedlich waren, ihre Rede zügelten, und die in der Welt eifrig Lehrstätten des Wissens gründeten – solche, die gestorben sind, [werden] in der Wiedergeburt, Schöne, [so].“ Umā [sprach]: „[Manche] sind einsichtig, Kenner des Überlieferten, mit klarer Aussprache. Andere Menschen aber, o Gott, sieht man, obwohl sie sich hierhin und dorthin bemühen, von Gelehrsamkeit, Erkenntnis und Verstand ausgeschlossen. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die einst von Stolz auf ihr Wissen erfüllt waren –

Wort für Wort
bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana
Herr, Gott der Götter, unter den Menschen manche (Vok./Lok.Pl.)
medhāvinaḥ śrutidharā bhavanti viśadākṣarāḥ
einsichtig, Überlieferungsträger, klar in der Aussprache werden sie (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi guruśuśrūṣakā bhṛśam
die einst Menschen, Göttin, den Lehrern sehr Dienende (Nom.Pl.)
jñānārthaṃ te tu saṃgṛhya tīrthato vidhipūrvakam
um des Wissens willen es aufgenommen habend von einer Furt her, vorschriftsmäßig (Abs.)
vidhinaiva parāṃś ca grāhayanti na cānyathā
allein nach der Regel lassen sie auch andere es aufnehmen, nicht anders (3.Pl.Kaus.Präs.)
aślāghamānā jñānena praśāntā yatavācakāḥ
sich des Wissens nicht rühmend, friedlich, die Rede zügelnd (Nom.Pl.)
vidyāsthānāni ye loke sthāpayanti ca yatnataḥ
und die in der Welt Stätten des Wissens sorgfältig gründen (Akk.Pl./3.Pl.Kaus.Präs.)
tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane
solche, zum Tod gelangt, in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Part.Pass./Lok.)
umā; medhāvinaḥ śrutidharā bhavanti viśadākṣarāḥ
Umā: einsichtig, Überlieferungsträger, klar in der Aussprache werden sie (Nom.Pl.)
apare mānuṣā deva yatnato 'pi yatas tataḥ
andere Menschen, o Gott, auch bei Bemühen hierhin und dorthin (Nom.Pl./Vok./Abl.)
bahiṣkṛtāḥ pradṛśyante śrutavijñānabuddhibhiḥ
ausgeschlossen werden sie gesehen von Gelehrsamkeit, Erkenntnis, Verstand (Part.Pass./Instr.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi jñānadarpasamanvitāḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, Göttin, von Wissensstolz erfüllt (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ślāghamānāś ca tat prāpya jñānāhaṃkāramohitāḥ; tapanti ye parān nityaṃ jñānādhikyena darpitāḥ; jñānād asūyāṃ kurvanti na sahanty eva cāparān; tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane; mānuṣyaṃ suciraṃ prāpya tatra bodhavivarjitāḥ; umā; bhavanti satataṃ devi yatanto hīnamedhasaḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cit sarvakalyāṇasaṃyutāḥ; putrair dārair guṇayutair dāsīdāsaparicchadaiḥ; paraspararddhisaṃyuktāḥ sthānaiśvaryaparigrahaiḥ; vyādhihīnā nirābādhā rūpārogyabalair yutāḥ; dhanadhānyena saṃpannāḥ prāsādair yānavāhanaiḥ; sarvopabhogasaṃyuktā nānācitrair manoharaiḥ; jñātibhiḥ saha modante avighnaṃ tu dine dine; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi

[Die] sich rühmten, als sie es erlangt hatten, [und] von Wissens-Ichbezogenheit verblendet waren, die andere stets quälen, stolz durch ihr Mehr an Wissen, aus Wissen Missgunst hegen und andere nicht ertragen – solche, die gestorben sind, [werden] in der Wiedergeburt, Schöne, [so]: Nachdem sie sehr lange Menschsein erlangt haben, sind sie dort ohne Einsicht. Umā [sprach]: „Sie werden, o Göttin, stets, obwohl sie sich mühen, geistig schwach. Herr, manche Menschen sind mit allem Glück verbunden: mit Söhnen, tugendreichen Frauen, mit Dienerinnen und Dienern samt Gefolge, untereinander an Wohlstand verbunden, im Besitz von Ämtern und Herrschaft, ohne Krankheit, ohne Leid, mit Schönheit, Gesundheit und Kraft ausgestattet, mit Besitz und Getreide gesegnet, mit Palästen, Wagen und Zugtieren, mit allen Genüssen verbunden, mit mannigfaltigen, bunten, herzerfreuenden [Dingen]; mit den Verwandten freuen sie sich ungehindert Tag für Tag.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“

Wort für Wort
ślāghamānāś ca tat prāpya jñānāhaṃkāramohitāḥ
sich rühmend, als sie es erlangt, von Wissensdünkel verblendet (Part.Med./Abs./Nom.Pl.)
tapanti ye parān nityaṃ jñānādhikyena darpitāḥ
die andere stets quälen, stolz durch Überlegenheit im Wissen (3.Pl.Präs./Akk.Pl./Instr.)
jñānād asūyāṃ kurvanti na sahanty eva cāparān
aus Wissen Missgunst üben sie und ertragen andere nicht (3.Pl.Präs.)
tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane
solche, zum Tod gelangt, in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok./Vok.)
mānuṣyaṃ suciraṃ prāpya tatra bodhavivarjitāḥ
Menschsein sehr lange erlangt, dort ohne Einsicht (Abs./Nom.Pl.)
umā; bhavanti satataṃ devi yatanto hīnamedhasaḥ
Umā: sie werden stets, Göttin, obwohl sie sich mühen, geistesschwach (3.Pl.Präs./Part./Nom.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit sarvakalyāṇasaṃyutāḥ
Herr, manche Menschen, mit allem Heil verbunden (Vok./Nom.Pl.)
putrair dārair guṇayutair dāsīdāsaparicchadaiḥ
mit Söhnen, tugendreichen Frauen, Dienerinnen, Dienern und Gefolge (Instr.Pl.)
paraspararddhisaṃyuktāḥ sthānaiśvaryaparigrahaiḥ
untereinander an Wohlstand verbunden, mit Ämtern und Herrschaft im Besitz (Nom.Pl./Instr.Pl.)
vyādhihīnā nirābādhā rūpārogyabalair yutāḥ
ohne Krankheit, ohne Leid, mit Schönheit, Gesundheit, Kraft begabt (Nom.Pl./Instr.Pl.)
dhanadhānyena saṃpannāḥ prāsādair yānavāhanaiḥ
mit Geld und Getreide gesegnet, mit Palästen, Wagen, Zugtieren (Instr./Nom.Pl.)
sarvopabhogasaṃyuktā nānācitrair manoharaiḥ
mit allen Genüssen verbunden, mit vielerlei bunten, herzgewinnenden [Dingen] (Nom.Pl./Instr.Pl.)
jñātibhiḥ saha modante avighnaṃ tu dine dine
mit Verwandten freuen sie sich ungehindert Tag für Tag (Instr.Pl./3.Pl.Präs.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherzuweisung am Ende (maheśvaraḥ nach der Frage) folgt dem überlieferten Text; sachlich ist die Frage Umās.

tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā; ye purā manujā devi āḍhyā vā itare 'pi vā; śrutavṛttasamāyuktā dānakāmāḥ śrutapriyāḥ; pareṅgitaparā nityaṃ dātavyam iti niścitāḥ; satyasaṃdhāḥ kṣamāśīlā lobhamohavivarjitāḥ; dātāraḥ pātrato dānaṃ vratair niyamasaṃyutāḥ; svaduḥkham iva saṃsmṛtya paraduḥkhaṃ mahātmanaḥ; saumyaśīlāḥ śubhācārā devabrāhmaṇapūjakāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; divi vā bhuvi vā devi jāyante karmabhoginaḥ; mānuṣeṣv api ye jātās tādṛśāḥ saṃbhavanti te; yādṛśās tu tvayā proktāḥ sarve kalyāṇasaṃyutāḥ; rūpaṃ dravyaṃ balaṃ cāyur bhogaiśvaryaṃ kulaṃ śrutam; ity etat sarvasādguṇyaṃ dānād bhavati nānyathā; umā; tapodānamayaṃ sarvam iti viddhi śubhānane

„Das will ich dir verkünden; höre alles aufmerksam. Die Menschen, o Göttin, die einst, seien sie wohlhabend oder anders, mit Kenntnis der Überlieferung und gutem Wandel begabt waren, Gaben begehrten und dem Gehörten zugetan waren, stets auf die Winke anderer bedacht, fest entschlossen: ‚Man muss geben‘, wahrhaft im Wort, nachsichtig, frei von Gier und Verblendung, die dem Würdigen Gaben spendeten, durch Gelübde und Regeln gebunden, die das fremde Leid wie das eigene bedachten, groß gesinnt, sanften Wesens, guten Wandels, Verehrer der Götter und Brahmanen – Menschen mit solchem Verhalten werden in der Wiedergeburt, Schöne, im Himmel oder auf Erden geboren, als Genießer ihrer Taten. Und die unter den Menschen Geborenen sind so beschaffen, wie du sie beschrieben hast, mit allem Heil verbunden: Schönheit, Besitz, Kraft, langes Leben, Genüsse, Herrschaft, Geschlecht, Gelehrsamkeit – diese ganze Vollkommenheit entsteht aus dem Geben, nicht anders.“ Umā [sprach]: „So wisse, Schönantlitzige: alles besteht aus Askese und Gabe.“

Wort für Wort
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā
das werde ich dir verkünden, höre alles gesammelt (1.Sg.Fut./Imp.)
ye purā manujā devi āḍhyā vā itare 'pi vā
die einst als Menschen, Göttin, reich oder auch andere (Nom.Pl.)
śrutavṛttasamāyuktā dānakāmāḥ śrutapriyāḥ
mit Überlieferung und gutem Wandel begabt, gabenbegierig, dem Gehörten zugetan (Nom.Pl.)
pareṅgitaparā nityaṃ dātavyam iti niścitāḥ
stets auf die Winke anderer bedacht, entschlossen „man muss geben“ (Nom.Pl./Gerundiv)
satyasaṃdhāḥ kṣamāśīlā lobhamohavivarjitāḥ
wahrhaft im Versprechen, nachsichtigen Wesens, ohne Gier und Verblendung (Nom.Pl.)
dātāraḥ pātrato dānaṃ vratair niyamasaṃyutāḥ
Geber der Gabe an den Würdigen, mit Gelübden und Regeln verbunden (Nom.Pl./Abl./Instr.Pl.)
svaduḥkham iva saṃsmṛtya paraduḥkhaṃ mahātmanaḥ
fremdes Leid wie eigenes bedenkend, Hochgesinnte (Abs./Nom.Pl.)
saumyaśīlāḥ śubhācārā devabrāhmaṇapūjakāḥ
sanften Wesens, guten Wandels, Götter- und Brahmanenverehrer (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok./Vok.)
divi vā bhuvi vā devi jāyante karmabhoginaḥ
im Himmel oder auf Erden, Göttin, werden sie geboren als Tatenfrüchte-Genießer (Lok./3.Pl.Präs.)
mānuṣeṣv api ye jātās tādṛśāḥ saṃbhavanti te
auch unter Menschen Geborene werden so beschaffen (Lok.Pl./Part.Pass./3.Pl.Präs.)
yādṛśās tu tvayā proktāḥ sarve kalyāṇasaṃyutāḥ
wie du sie geschildert hast, alle mit Heil verbunden (Instr./Part.Pass.)
rūpaṃ dravyaṃ balaṃ cāyur bhogaiśvaryaṃ kulaṃ śrutam
Schönheit, Besitz, Kraft, Leben, Genuss, Herrschaft, Geschlecht, Gelehrsamkeit (Nom.Sg.)
ity etat sarvasādguṇyaṃ dānād bhavati nānyathā
diese ganze Vollkommenheit entsteht aus Geben, nicht anders (Abl./3.Sg.Präs.)
umā; tapodānamayaṃ sarvam iti viddhi śubhānane
Umā: aus Askese und Gabe bestehend ist alles, so wisse, Schönantlitzige (Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

atha ke cit pradṛśyante mānuṣeṣv eva mānuṣāḥ; durgatāḥ kleśabhūyiṣṭhā dānabhogavivarjitāḥ; bhayais tribhiḥ sadā juṣṭā vyādhikṣudbhayapīḍitāḥ; duṣkalatrābhibhūtāś ca satataṃ vighnadarśakāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ; krodhalobharatā nityaṃ nirannādyāś ca niṣkriyāḥ; nāstikāś caiva dhūrtāś ca mūrkhāś cātmaparāyaṇāḥ; paropatāpino devi prāyaśaḥ prāṇinirdayāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te duḥkhapīḍitāḥ; sarvataḥ saṃbhavanty eva pūrvam ātmapramādataḥ; yathā te pūrvakathitaṃ tathā te saṃbhavanty uta; śubhāśubhaṃ kṛtaṃ karma sukhaduḥkhaphalodayam

„Doch manche Menschen sieht man unter den Menschen selbst: in Not, von Leiden erfüllt, ohne Gaben und Genuss, stets von drei Ängsten heimgesucht, von Krankheit und Hunger und Furcht gequält, von einer schlechten Frau überwältigt und stets Hindernisse sehend.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ [Umā:] „Die Menschen, o Göttin, die einst an dämonischer Gesinnung festhielten, stets an Zorn und Gier hängend, ohne Nahrung, untätig, Leugner, Betrüger, Törichte, auf sich selbst bedacht, andere quälend, o Göttin, meist erbarmungslos gegen Lebewesen – Menschen mit solchem Verhalten werden, Schöne, in der Wiedergeburt, wenn sie irgendwie Menschsein erlangt haben, dort von Leid geplagt, allseits geboren, wegen ihrer früheren Achtlosigkeit; wie es dir zuvor gesagt wurde, so entstehen sie. Die getane gute und schlechte Tat lässt Frucht in Glück und Leid aufgehen.“

Wort für Wort
atha ke cit pradṛśyante mānuṣeṣv eva mānuṣāḥ
ferner sieht man manche unter den Menschen selbst (Pass./Lok.Pl./Nom.Pl.)
durgatāḥ kleśabhūyiṣṭhā dānabhogavivarjitāḥ
in Not, voller Leiden, ohne Gabe und Genuss (Nom.Pl.)
bhayais tribhiḥ sadā juṣṭā vyādhikṣudbhayapīḍitāḥ
von drei Ängsten stets heimgesucht, von Krankheit, Hunger und Furcht gequält (Instr.Pl./Part.Pass.)
duṣkalatrābhibhūtāś ca satataṃ vighnadarśakāḥ
von schlechter Ehefrau überwältigt und stets Hindernisse sehend (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ
die einst als Menschen, Göttin, dämonische Gesinnung angenommen (Akk.Sg./Part.Pass.)
krodhalobharatā nityaṃ nirannādyāś ca niṣkriyāḥ
an Zorn und Gier hängend, stets ohne Nahrung, untätig (Nom.Pl.)
nāstikāś caiva dhūrtāś ca mūrkhāś cātmaparāyaṇāḥ
Leugner, Betrüger, Törichte, selbstbezogen (Nom.Pl.)
paropatāpino devi prāyaśaḥ prāṇinirdayāḥ
andere Quälende, Göttin, meist erbarmungslos gegen Lebewesen (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te duḥkhapīḍitāḥ
irgendwie Menschsein erlangt, dort sie leidgeplagt (Abs./Nom.Pl.)
sarvataḥ saṃbhavanty eva pūrvam ātmapramādataḥ
allseits entstehen sie, wegen früherer eigener Achtlosigkeit (3.Pl.Präs./Abl.)
yathā te pūrvakathitaṃ tathā te saṃbhavanty uta
wie dir zuvor gesagt, so entstehen sie (Part.Pass./3.Pl.Präs.)
śubhāśubhaṃ kṛtaṃ karma sukhaduḥkhaphalodayam
getane gute und schlechte Tat, deren Frucht in Glück und Leid aufgeht (Part.Pass./Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuweisung der Redeteile (Umā-Frage, Maheśvara-Antwort) ist in dieser Zusatzpassage nicht durchgehend sauber markiert.

umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa mama prītivivardhana; jātyandhāś caiva dṛśyante jātā vā naṣṭacakṣuṣaḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; ye purā kāmarāgeṇa paraveśmasu lolupāḥ; parastriyo 'bhivīkṣante duṣṭenaiva svacakṣuṣā; andhīkurvanti ye martyān krodhalobhasamanvitāḥ; lakṣaṇajñāś ca rūpeṣu ayathāvat pradarśakāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ kāladharmagatās tu te; daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs tādṛśā narāḥ; svabhāvato vā jātā vā andhā eva bhavanti te; akṣirogayutā vāpi nāsti tatra vicāraṇā; umā; mukharogayutāḥ ke cit kliśyante satataṃ narāḥ

Umā [sprach]: „So ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ [Umā:] „Herr, Gott der Götter, Mehrer meiner Freude, man sieht Blindgeborene oder solche, deren Augen zugrunde gegangen sind.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Wohlan, ich will es dir sagen; höre, Glückverheißende, den Grund: Die einst aus Liebesgier in fremden Häusern lüstern waren, die mit böse gesinntem eigenem Auge fremde Frauen ansahen, die Menschen blind machten, von Zorn und Gier erfüllt, und die, der Merkmale in den Gestalten kundig, sie unzutreffend zeigten – so Handelnde, zum Tod gelangt, wurden mit Yamas Stock gestraft und weilten lange in der Hölle, Liebe. Wenn solche Menschen eine menschliche Geburt erlangen, werden sie entweder von Natur oder durch Geburt blind – oder mit Augenleiden behaftet; darüber gibt es keine Erwägung.“ Umā [sprach]: „Manche Menschen leiden ständig an Mundkrankheiten.“

Wort für Wort
umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: so ist es dir gesagt, Göttin; was willst du weiter hören? (Part.Pass./Inf./2.Sg.Präs.)
bhagavan devadeveśa mama prītivivardhana
Herr, Gott der Götter, meine Freude Mehrender (Vok.)
jātyandhāś caiva dṛśyante jātā vā naṣṭacakṣuṣaḥ
von Geburt Blinde sieht man, oder Geborene mit verlorenen Augen (Nom.Pl./Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
wohlan, ich werde es dir sagen; höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp.)
ye purā kāmarāgeṇa paraveśmasu lolupāḥ
die einst aus Liebesgier in fremden Häusern begehrlich (Instr./Lok.Pl./Nom.Pl.)
parastriyo 'bhivīkṣante duṣṭenaiva svacakṣuṣā
fremde Frauen betrachten sie mit eben ihrem bösen eigenen Auge (3.Pl.Präs./Instr.)
andhīkurvanti ye martyān krodhalobhasamanvitāḥ
die Sterbliche blind machen, von Zorn und Gier erfüllt (3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
lakṣaṇajñāś ca rūpeṣu ayathāvat pradarśakāḥ
der Merkmale in den Gestalten kundig, [sie] unzutreffend zeigend (Nom.Pl./Lok.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ kāladharmagatās tu te
so gearteten Verhaltens, zum Tod gegangen, sie (Nom.Pl.)
daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye
mit Yamas Stock gestraft, lange in der Hölle weilend, Liebe (Part.Pass./Vok.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs tādṛśā narāḥ
wenn solche Männer menschliche Geburt erlangten (3.Pl.Opt.)
svabhāvato vā jātā vā andhā eva bhavanti te
von Natur oder durch Geburt blind werden sie (Nom.Pl.)
akṣirogayutā vāpi nāsti tatra vicāraṇā
oder mit Augenleiden behaftet; dabei gibt es keine Erwägung (Nom.Pl.)
umā; mukharogayutāḥ ke cit kliśyante satataṃ narāḥ
Umā: mit Mundleiden behaftet, manche Männer leiden ständig (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

dantakarṇakapolasthair vyādhibhir bahupīḍitāḥ; ādiprabhṛti martyā vā jātā vāpy atha kāraṇāt; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; kuvaktāras tu ye devi jihvayā kaṭukaṃ bhṛśam; asatyaṃ paruṣaṃ ghoraṃ gurūn prati parān prati; jihvābādhāṃ tathānyeṣāṃ kurvate kopakāraṇāt; prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā narāḥ kāryavaśena vā; teṣāṃ jihvāpradeśasthā vyādhayaḥ saṃbhavanti te; kuśrotāras tu ye cārthaṃ pareṣāṃ karṇanāśakāḥ; karṇarogān bahuvidhāṃl labhante te punarbhave; dantarogaśirorogakarṇarogās tathaiva ca; umā; anye mukhāśritā doṣāḥ sarve cātmakṛtaṃ phalam; pīḍyante satataṃ deva mānuṣeṣv eva ke cana

[Sie leiden] an vielen Krankheiten, die in den Zähnen, Ohren und Wangen sitzen, [mit Leiden] von Anfang an, ob als Sterbliche geboren oder aus irgendeinem Grund. Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Wohlan, ich sage es dir; höre, Göttin, aufmerksam: Die schlechte Redner sind, Göttin, mit der Zunge sehr Bitteres reden, Unwahres, Hartes, Furchtbares gegenüber Lehrern und anderen, die aus Zorn anderen die Zunge verletzen, meist voller Lügen, oder aus Zweckmäßigkeit [lügend] – bei ihnen entstehen Krankheiten in der Zungengegend. Die schlechten Hörer aber, die anderen das Ohr um ihrer Sache willen zerstören, bekommen in der nächsten Existenz vielerlei Ohrenleiden – Zahnleiden, Kopfleiden und Ohrenleiden ebenso.“ Umā [sprach]: „Andere sind Übel, die im Mund sitzen; alles ist die selbst getane Frucht. Sie werden ständig geplagt, o Gott, manche unter den Menschen.“

Wort für Wort
dantakarṇakapolasthair vyādhibhir bahupīḍitāḥ
von Krankheiten in Zähnen, Ohren, Wangen sehr geplagt (Instr.Pl./Nom.Pl.)
ādiprabhṛti martyā vā jātā vāpy atha kāraṇāt
von Anfang an, Sterbliche, oder geboren oder aus Grund (Nom.Pl./Abl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
wohlan, ich sage es dir; höre, Göttin, gesammelt (1.Sg.Fut./Imp.)
kuvaktāras tu ye devi jihvayā kaṭukaṃ bhṛśam
die schlechte Redner, Göttin, mit der Zunge sehr Bitteres (Nom.Pl./Instr./Akk.)
asatyaṃ paruṣaṃ ghoraṃ gurūn prati parān prati
Unwahres, Hartes, Furchtbares gegen Lehrer, gegen andere (Akk.Sg.n./Akk.Pl.)
jihvābādhāṃ tathānyeṣāṃ kurvate kopakāraṇāt
Zungenverletzung anderer bewirken sie aus Zorn (3.Pl.Med.Präs./Abl.)
prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā narāḥ kāryavaśena vā
meist Lügenreiche, Männer, oder aus Zweckmäßigkeit (Nom.Pl./Instr.)
teṣāṃ jihvāpradeśasthā vyādhayaḥ saṃbhavanti te
bei ihnen entstehen Krankheiten in der Zungenregion (Gen.Pl./Nom.Pl.)
kuśrotāras tu ye cārthaṃ pareṣāṃ karṇanāśakāḥ
schlechte Hörer, die zugleich anderer Anliegen das Gehör zerstören (Nom.Pl.)
karṇarogān bahuvidhāṃl labhante te punarbhave
vielerlei Ohrenleiden erlangen sie in der Wiedergeburt (Akk.Pl./Lok.)
dantarogaśirorogakarṇarogās tathaiva ca
Zahn-, Kopf- und Ohrenleiden ebenso (Nom.Pl.)
umā; anye mukhāśritā doṣāḥ sarve cātmakṛtaṃ phalam
Umā: andere Mängel im Mund; alles ist selbstgetane Frucht (Nom.Pl.)
pīḍyante satataṃ deva mānuṣeṣv eva ke cana
sie werden ständig geplagt, o Gott, manche unter Menschen (3.Pl.Pass./Vok./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kukṣipakṣāśritair doṣair vyādhibhiś codarāśritaiḥ; tīkṣṇaśūlaiś ca pīḍyante narā duḥkhapariplutāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi kāmakrodhayutā bhṛśam; ātmārtham eva cāhāraṃ bhuñjate nirapekṣakāḥ; abhakṣyāhāradāś caiva viśvastānāṃ viṣapradāḥ; abhakṣyabhakṣyadāś caiva śaucamaṅgalavarjitāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te vyādhipīḍitāḥ; tais tair bahuvidhākārair vyādhibhir duḥkhapīḍitāḥ; umā; bhavanty eva tathā devi yathā yena kṛtaṃ purā; dṛśyante satataṃ deva vyādhibhir mehanāśritaiḥ; pīḍyamānās tathā martyā aśmarīśarkarādibhiḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi

[Sie werden] durch Übel, die in Bauch und Seiten sitzen, durch Krankheiten, die im Unterleib sitzen, und durch scharfe Stiche geplagt, die Menschen, in Leid versunken. Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst von Begierde und Zorn sehr erfüllt waren, nur zu eigenem Zweck Speise verzehrten, rücksichtslos, die Ungenießbares gaben, den Vertrauenden Gift gaben, Ungenießbares zum Essen gaben, ohne Reinheit und Glück verheißende [Bräuche] – so Handelnde werden, Schöne, in der Wiedergeburt, wenn sie irgendwie Menschsein erlangt haben, dort von Krankheiten geplagt, durch vielerlei Krankheitsformen, leidgeplagt.“ Umā [sprach]: „Sie werden gewiss so, Göttin, wie einer früher gehandelt hat. Man sieht, o Gott, ständig [Menschen] von Krankheiten geplagt, die im Harnorgan sitzen, gequält von Blasenstein, Nierengrieß und dergleichen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“

Wort für Wort
kukṣipakṣāśritair doṣair vyādhibhiś codarāśritaiḥ
durch in Bauch und Seiten sitzende Übel und durch im Unterleib sitzende Krankheiten (Instr.Pl.)
tīkṣṇaśūlaiś ca pīḍyante narā duḥkhapariplutāḥ
und durch scharfe Stiche geplagt werden Männer, leiddurchflutet (Instr.Pl./3.Pl.Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi kāmakrodhayutā bhṛśam
die einst als Menschen, Göttin, von Begierde und Zorn sehr erfüllt (Nom.Pl.)
ātmārtham eva cāhāraṃ bhuñjate nirapekṣakāḥ
nur zum eigenen Zweck Nahrung essend, rücksichtslos (3.Pl.Med.Präs.)
abhakṣyāhāradāś caiva viśvastānāṃ viṣapradāḥ
Ungenießbares als Nahrung Gebende, den Vertrauenden Gift Gebende (Nom.Pl./Gen.Pl.)
abhakṣyabhakṣyadāś caiva śaucamaṅgalavarjitāḥ
Ungenießbares zum Essen Gebende, ohne Reinheit und Heilsbräuche (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te vyādhipīḍitāḥ
irgendwie Menschsein erlangt, dort krankheitsgeplagt (Abs./Nom.Pl.)
tais tair bahuvidhākārair vyādhibhir duḥkhapīḍitāḥ
durch jene vielgestaltigen Krankheiten leidgeplagt (Instr.Pl.)
umā; bhavanty eva tathā devi yathā yena kṛtaṃ purā
Umā: sie werden so, Göttin, wie von wem früher getan (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
dṛśyante satataṃ deva vyādhibhir mehanāśritaiḥ
man sieht ständig, o Gott, [sie] mit im Harnorgan sitzenden Krankheiten (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
pīḍyamānās tathā martyā aśmarīśarkarādibhiḥ
geplagt so die Sterblichen von Blasenstein, Grieß und Ähnlichem (Part.Pass./Instr.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben in diesem Abschnitt sind offenbar teilweise vertauscht; die Zuweisung folgt dem Text.

ye purā manujā devi paradārapradharṣakāḥ; tiryagyoniṣu dhūrtā vai maithunārthaṃ caranti ca; kāmadoṣeṇa ye dhūrtāḥ kanyāsu vidhavāsu ca; balātkāreṇa gacchanti rūpadarpadhanānvitāḥ; tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; umā; tatra mehanajair ghoraiḥ pīḍyante vyādhibhiḥ priye; bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante śoṣiṇaḥ kṛśāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi māṃsalubdhāḥ sulolupāḥ; ātmārthaṃ svādugṛddhāś ca parabhogopatāpinaḥ; abhyasūyāparāś caiva parabhogeṣu ye narāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; śoṣavyādhiyutās tatra narā dhamanisaṃtatāḥ

„Die Menschen, o Göttin, die einst fremde Frauen bedrängten, die als Betrüger unter Tierarten zum Zweck der Begattung umherstreiften, die aus Fehler der Begierde Betrüger waren gegenüber Mädchen und Witwen, die mit Gewalt zu ihnen gingen, durch Schönheit, Stolz und Reichtum [aufgeblasen] – solche, zum Tod gelangt, [werden] in der Wiedergeburt, Schöne, wenn sie ein solches Menschenleben erlangen: dort werden sie, Liebe, von furchtbaren Krankheiten der Harnwege geplagt.“ Umā [sprach]: „Herr, manche Menschen sieht man abgezehrt und mager.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen. Die Menschen, o Göttin, die einst fleischgierig und sehr lüstern waren, aus Eigennutz nach Wohlgeschmack gierig, die andere durch ihren Genuss quälten, die Menschen, die auf den Besitz anderer missgünstig waren – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: dort sind sie mit Auszehrung und Krankheit behaftet, Menschen, deren Adern hervortreten.“

Wort für Wort
ye purā manujā devi paradārapradharṣakāḥ
die einst als Menschen, Göttin, fremde Frauen Bedrängende (Nom.Pl.)
tiryagyoniṣu dhūrtā vai maithunārthaṃ caranti ca
unter Tiergeburten, betrügerisch, zum Zweck der Paarung streifen sie umher (Lok.Pl./3.Pl.Präs.)
kāmadoṣeṇa ye dhūrtāḥ kanyāsu vidhavāsu ca
die aus Fehler der Begierde betrügerisch gegen Mädchen und Witwen (Instr./Lok.Pl.)
balātkāreṇa gacchanti rūpadarpadhanānvitāḥ
mit Gewalt gehen sie, mit Schönheit, Stolz und Reichtum versehen (Instr./3.Pl.Präs.)
tādṛśā maraṇaṃ prāptāḥ punarjanmani śobhane
solche, zum Tod gelangt, in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangten (3.Pl.Opt.)
umā; tatra mehanajair ghoraiḥ pīḍyante vyādhibhiḥ priye
Umā: dort werden sie von furchtbaren, vom Harnorgan ausgehenden Krankheiten geplagt, Liebe (Instr.Pl./3.Pl.Pass.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante śoṣiṇaḥ kṛśāḥ
Herr, manche Menschen sieht man ausgezehrt, mager (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi māṃsalubdhāḥ sulolupāḥ
die einst als Menschen, Göttin, fleischgierig, sehr lüstern (Nom.Pl.)
ātmārthaṃ svādugṛddhāś ca parabhogopatāpinaḥ
zum Eigennutz, nach Wohlgeschmack gierig, fremden Genuss beeinträchtigend (Nom.Pl.)
abhyasūyāparāś caiva parabhogeṣu ye narāḥ
und Männer, die auf fremde Genüsse missgünstig sind (Lok.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl.)
śoṣavyādhiyutās tatra narā dhamanisaṃtatāḥ
mit Auszehrungskrankheit behaftet dort Männer, geädert (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „tiryagyoniṣu dhūrtā vai maithunārthaṃ caranti ca“ ist syntaktisch nicht ganz klar (zoophile Anspielung oder Vergleich mit Tieren); Wiedergabe wortnah.

umā; bhavanty eva narā devi pāpakarmopabhoginaḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cit kliśyante kuṣṭharogiṇaḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi pareṣāṃ rūpanāśakāḥ; āghātavadhabandhaiś ca vṛthādaṇḍena mohitāḥ; iṣṭanāśakarā ye tu apathyāhāradā narāḥ; cikitsakā vā duṣṭāś ca lobhamohasamanvitāḥ; nirdayāḥ prāṇihiṃsāyāṃ maladāś cittanāśakāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; yadi vai mānuṣaṃ janma labheraṃs te suduḥkhitāḥ; atra te kleśasaṃyuktāḥ kuṣṭharogasamanvitāḥ; ke cit tvagdoṣasaṃyuktā vraṇakuṣṭhaiś ca saṃyutāḥ; śvitrakuṣṭhayutā vāpi bahudhā kuṣṭhasaṃyutāḥ; umā; bhavanty eva narā devi yathā yena kṛtaṃ phalam

Umā [sprach]: „Solche Menschen, o Göttin, werden Genießer ihrer bösen Taten.“ – „Herr, manche Menschen leiden, mit Aussatz behaftet.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst andere in ihrer Gestalt zerstörten, die durch Schläge, Tötung und Fesselung, durch grundlose Strafe verblendet waren, die Gewünschtes vernichteten, Unbekömmliches als Nahrung gaben, oder als böse Ärzte von Gier und Verblendung erfüllt waren, erbarmungslos im Verletzen von Lebewesen, [andere] mit Schmutz [beschmierten] und ihren Sinn zerstörten – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: Wenn sie menschliche Geburt erlangen, sind sie sehr leidend, mit Qualen verbunden, mit Aussatz behaftet. Manche haben Hautfehler und tragen Geschwüre und Aussatz, oder sie sind mit weißem Aussatz behaftet, auf vielerlei Weise mit Aussatz.“ Umā [sprach]: „Sie werden, o Göttin, so, wie jeder die Frucht getan hat.“

Wort für Wort
umā; bhavanty eva narā devi pāpakarmopabhoginaḥ
Umā: sie werden, Göttin, gewiss Männer, die Böses als Tatenfrucht genießen (Nom.Pl./Vok.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit kliśyante kuṣṭharogiṇaḥ
Herr, manche Menschen leiden, aussätzig (Vok./3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi pareṣāṃ rūpanāśakāḥ
die einst als Menschen, Göttin, anderer Gestalt Zerstörende (Gen.Pl./Nom.Pl.)
āghātavadhabandhaiś ca vṛthādaṇḍena mohitāḥ
durch Schläge, Tötung, Fesseln und nutzlose Strafe verblendet (Instr.Pl./Instr.Sg./Part.Pass.)
iṣṭanāśakarā ye tu apathyāhāradā narāḥ
Gewünschtes vernichtend und Unbekömmliches als Speise gebend (Nom.Pl.)
cikitsakā vā duṣṭāś ca lobhamohasamanvitāḥ
oder böse Ärzte, von Gier und Verblendung erfüllt (Nom.Pl.)
nirdayāḥ prāṇihiṃsāyāṃ maladāś cittanāśakāḥ
erbarmungslos beim Verletzen von Lebewesen, Schmutz gebend, den Geist zerstörend (Nom.Pl./Lok.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
yadi vai mānuṣaṃ janma labheraṃs te suduḥkhitāḥ
wenn sie menschliche Geburt erlangten, sind sie sehr leidend (3.Pl.Opt.)
atra te kleśasaṃyuktāḥ kuṣṭharogasamanvitāḥ
hier sie mit Qualen verbunden, mit Aussatz behaftet (Nom.Pl.)
ke cit tvagdoṣasaṃyuktā vraṇakuṣṭhaiś ca saṃyutāḥ
manche mit Hautübeln, mit Geschwür und Aussatz verbunden (Nom.Pl./Instr.Pl.)
śvitrakuṣṭhayutā vāpi bahudhā kuṣṭhasaṃyutāḥ
oder mit weißem Aussatz behaftet, vielfach mit Aussatz verbunden (Nom.Pl.)
umā; bhavanty eva narā devi yathā yena kṛtaṃ phalam
Umā: es werden Männer, Göttin, wie von wem die Frucht [der Tat] getan (3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhagavan mānuṣāḥ ke cid aṅgahīnāś ca paṅgavaḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi lobhamohasamāvṛtāḥ; prāṇināṃ prāṇahiṃsārtham aṅgahīnaṃ prakurvate; śastreṇotkṛtya vā devi prāṇināṃ ceṣṭanāśakāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; tadaṅgahīnā vai pretya bhavanty eva na saṃśayaḥ; umā; svabhāvato vā jātā vā paṅgavas tu bhavanti te; bhagavan mānuṣāḥ ke cid granthibhiḥ piṭakais tathā; maheśvaraḥ; kliśyamānāḥ pradṛśyante tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi granthibhedakarā nṛṇām; muṣṭiprahāraparuṣā nṛśaṃsāḥ pāpakāriṇaḥ; pāṭakās todakāś caiva śūlatunnās tathaiva ca; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane

„Herr, manche Menschen sind an Gliedern verstümmelt und lahm. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die einst von Gier und Verblendung umhüllt waren, die zum Zweck des Tötens von Lebewesen Glieder verstümmelten, oder, o Göttin, [ihnen] mit der Waffe [Glieder] abschnitten und den Lebewesen die Bewegungsfähigkeit zerstörten – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: Ohne Zweifel sind sie nach dem Tod an denselben Gliedern verstümmelt.“ Umā [sprach]: „Von Natur oder durch Geburt werden sie lahm.“ – „Herr, manche Menschen [sieht man] mit Knoten und Beulen.“ Maheśvara [sprach]: „Man sieht sie leiden; das mögest du mir sagen. Die Menschen, o Göttin, die die Knoten der Menschen aufbrachen, durch Faustschläge Hartherzige, Grausame, Übeltäter, Aufreißer, Stecher und von Spießen Gestochene – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt.“

Wort für Wort
bhagavan mānuṣāḥ ke cid aṅgahīnāś ca paṅgavaḥ
Herr, manche Menschen sind gliedlos und lahm (Nom.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi lobhamohasamāvṛtāḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, Göttin, von Gier und Verblendung umhüllt (Nom.Pl.)
prāṇināṃ prāṇahiṃsārtham aṅgahīnaṃ prakurvate
zum Zweck der Tötung von Lebewesen machen sie [sie] gliedlos (Gen.Pl./3.Pl.Med.Präs.)
śastreṇotkṛtya vā devi prāṇināṃ ceṣṭanāśakāḥ
oder mit der Waffe abgeschnitten, Göttin, der Lebewesen Bewegung Zerstörende (Instr./Abs./Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
tadaṅgahīnā vai pretya bhavanty eva na saṃśayaḥ
an eben diesem Glied verstümmelt nach dem Tod werden sie, kein Zweifel (Nom.Pl./Abs.)
umā; svabhāvato vā jātā vā paṅgavas tu bhavanti te
Umā: von Natur oder von Geburt werden sie lahm (Nom.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid granthibhiḥ piṭakais tathā
Herr, manche Menschen mit Knoten und Beulen (Instr.Pl.)
maheśvaraḥ; kliśyamānāḥ pradṛśyante tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: leidend sieht man sie; das mögest du mir sagen (Part.Pass./Inf.)
ye purā manujā devi granthibhedakarā nṛṇām
die einst als Menschen, Göttin, Knoten der Menschen Aufbrechende (Nom.Pl./Gen.Pl.)
muṣṭiprahāraparuṣā nṛśaṃsāḥ pāpakāriṇaḥ
hart durch Faustschläge, grausam, Böses tuend (Nom.Pl.)
pāṭakās todakāś caiva śūlatunnās tathaiva ca
Aufreißer, Stecher und von Spießen Gestochene ebenso (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „śūlatunnāḥ“ (von Spießen gestochen / Spieß-Stecher) und „pāṭakāḥ“ sind schwer eindeutig zu fassen; „todakāḥ“ als Stecher/Stoßer.

umā; granthibhiḥ piṭakaiś caiva kliśyante bhṛśaduḥkhitāḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cit pādarogasamanvitāḥ; maheśvaraḥ; dṛśyante satataṃ deva tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi krodhalobhasamanvitāḥ; manujā devatāsthānaṃ svapādair bhraṃśayanty uta; jānubhiḥ pārṣṇibhiś caiva prāṇihiṃsāṃ prakurvate; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; umā; pādarogair bahuvidhair bādhyante ślīpadādibhiḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante bahavo bhuvi; vātajaiḥ pittajai rogair yugapat sāṃnipātikaiḥ; rogair bahuvidhair deva kliśyamānāḥ suduḥkhitāḥ; asamastaiḥ samastaiś ca āḍhyā vā durgatās tathā; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam

Umā [sprach]: „Sie werden von Knoten und Beulen sehr leidend geplagt. Herr, manche Menschen sind mit Fußleiden behaftet.“ Maheśvara [sprach]: „Man sieht sie ständig, o Gott; das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst von Zorn und Gier erfüllt waren, die die Götterstätte mit ihren Füßen zu Fall brachten, [und] mit Knien und Fersen Lebewesen verletzten – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt [werden so].“ Umā [sprach]: „Von vielerlei Fußleiden, von Elefantenfuß und dergleichen werden sie bedrängt. Herr, viele Menschen sieht man auf Erden, die zugleich von windbedingten und gallebedingten Krankheiten und solchen der Säftemischung befallen sind, von vielerlei Krankheiten, o Gott, geplagt, sehr leidend; von einzelnen und von allen zusammen, ob reich oder in Not. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Das will ich dir verkünden; höre, Glückverheißende, den Grund.“

Wort für Wort
umā; granthibhiḥ piṭakaiś caiva kliśyante bhṛśaduḥkhitāḥ
Umā: durch Knoten und Beulen leiden sie, sehr geplagt (Instr.Pl./3.Pl.Pass.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit pādarogasamanvitāḥ
Herr, manche Menschen mit Fußleiden behaftet (Vok./Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; dṛśyante satataṃ deva tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: man sieht sie ständig, o Gott; das mögest du mir sagen (3.Pl.Pass./Inf.)
ye purā manujā devi krodhalobhasamanvitāḥ
die einst als Menschen, Göttin, von Zorn und Gier erfüllt (Nom.Pl.)
manujā devatāsthānaṃ svapādair bhraṃśayanty uta
Menschen, die Götterstätte mit den eigenen Füßen zu Fall bringen (3.Pl.Kaus.Präs.)
jānubhiḥ pārṣṇibhiś caiva prāṇihiṃsāṃ prakurvate
mit Knien und Fersen Verletzen von Lebewesen begehen sie (Instr.Pl./3.Pl.Med.Präs.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
umā; pādarogair bahuvidhair bādhyante ślīpadādibhiḥ
Umā: von vielerlei Fußleiden, Elefantiasis und ähnlichen werden sie bedrängt (Instr.Pl./3.Pl.Pass.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante bahavo bhuvi
Herr, manche Menschen, viele, sieht man auf Erden (Nom.Pl./Lok.)
vātajaiḥ pittajai rogair yugapat sāṃnipātikaiḥ
von windbedingten, gallebedingten Krankheiten, zugleich von solchen der Säftemischung (Instr.Pl.)
rogair bahuvidhair deva kliśyamānāḥ suduḥkhitāḥ
von vielerlei Krankheiten, o Gott, geplagt, sehr leidend (Instr.Pl./Vok.)
asamastaiḥ samastaiś ca āḍhyā vā durgatās tathā
von einzelnen und von zusammengefassten; reich oder in Not (Instr.Pl./Nom.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
Maheśvara: das werde ich dir sagen, höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „devatāsthānaṃ … bhraṃśayanti“ ist unsicher (Götterstätte/Kultplatz mit Füßen zu Fall bringen bzw. entweihen). Die Rollenzuweisung der Sprecher ist an dieser Stelle im Text unstimmig.

ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ; svavaśāḥ kopanaparā guruvidveṣiṇas tathā; pareṣāṃ duḥkhajanakā manovākkāyakarmabhiḥ; chindan bhindaṃs tudann eva nityaṃ prāṇiṣu nirdayāḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; yadi vai mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; tatra te bahubhir ghorais tapyante vyādhibhiḥ priye; ke cic chlīpadasaṃyuktāḥ ke cit kāsasamanvitāḥ; jvarātisāratṛṣṇābhiḥ pīḍyamānās tathāpare; vātagulmaiś ca bahubhiḥ śophodarasamanvitāḥ; pādarogaiś ca vividhair vraṇakuṣṭhabhagaṃdaraiḥ; āḍhyā vā durgatā vāpi dṛśyante vyādhipīḍitāḥ; evam ātmakṛtaṃ karma bhuñjate tatra tatra vai; gūhituṃ na ca śakyaṃ vai kena cit svakṛtaṃ phalam

„Die Menschen, o Göttin, die einst an dämonischer Gesinnung festhielten, eigenwillig, zornig, Lehrerhasser, anderen durch Werke des Sinnes, der Rede und des Leibes Leid bereitend, die stets erbarmungslos gegen Lebewesen schnitten, spalteten und stachen – Menschen mit solchem Verhalten, Schöne, in der Wiedergeburt: Wenn sie menschliche Geburt erlangen, so beschaffen, werden sie dort, Liebe, von vielen furchtbaren Krankheiten gepeinigt. Manche mit Elefantenfuß, manche mit Husten behaftet; andere von Fieber, Durchfall und Durst gequält; mit vielen Windgeschwülsten, mit Wassersucht samt Schwellung; mit vielerlei Fußleiden, mit Geschwüren, Aussatz und Mastdarmfisteln. Ob reich oder in Not, man sieht sie krankheitsgeplagt. So genießen sie hier und dort die selbst getane Tat. Niemand kann die eigene Tatfrucht verbergen.“

Wort für Wort
ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ
die einst als Menschen, Göttin, dämonische Gesinnung angenommen (Akk.Sg./Part.Pass.)
svavaśāḥ kopanaparā guruvidveṣiṇas tathā
eigenmächtig, zornig, Lehrerhasser ebenso (Nom.Pl.)
pareṣāṃ duḥkhajanakā manovākkāyakarmabhiḥ
anderen Leid erzeugend durch Werke des Sinnes, der Rede, des Leibes (Gen.Pl./Instr.Pl.)
chindan bhindaṃs tudann eva nityaṃ prāṇiṣu nirdayāḥ
schneidend, spaltend, stechend, stets erbarmungslos gegen Lebewesen (Part.Präs./Lok.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
yadi vai mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
tatra te bahubhir ghorais tapyante vyādhibhiḥ priye
dort werden sie von vielen furchtbaren Krankheiten gepeinigt, Liebe (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
ke cic chlīpadasaṃyuktāḥ ke cit kāsasamanvitāḥ
manche mit Elefantenfuß, manche mit Husten behaftet (Nom.Pl.)
jvarātisāratṛṣṇābhiḥ pīḍyamānās tathāpare
von Fieber, Durchfall, Durst gequält, andere ebenso (Instr.Pl./Part.Pass.)
vātagulmaiś ca bahubhiḥ śophodarasamanvitāḥ
mit vielen Windgeschwülsten, mit Schwellung und Wassersucht behaftet (Instr.Pl.)
pādarogaiś ca vividhair vraṇakuṣṭhabhagaṃdaraiḥ
mit vielerlei Fußleiden, Geschwüren, Aussatz, Fisteln (Instr.Pl.)
āḍhyā vā durgatā vāpi dṛśyante vyādhipīḍitāḥ
ob reich oder arm sieht man sie krankheitsgeplagt (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
evam ātmakṛtaṃ karma bhuñjate tatra tatra vai
so genießen sie die selbst getane Tat hier und dort (3.Pl.Med.Präs.)
gūhituṃ na ca śakyaṃ vai kena cit svakṛtaṃ phalam
verbergen kann niemand die selbst getane Frucht (Inf./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa bhūtapāla namo 'stu te; hrasvāṅgāś caiva vakrāṅgāḥ kubjā vāmanakās tathā; apare mānuṣā deva dṛśyante kuṇibāhavaḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi lobhamohasamanvitāḥ; dhānyamānān vikurvanti krayavikrayakāraṇāt; tulādoṣaṃ tathā devi dhṛtamāneṣu nityaśaḥ; arghāpakaraṇaṃ caiva sarveṣāṃ krayavikraye; aṅgadoṣakarā ye tu pareṣāṃ kopakāraṇāt; māṃsādāś caiva ye mūrkhā ayathāvad vṛthā sadā; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; umā; hrasvāṅgā vāmanāś caiva kubjāś caiva bhavanti te; bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante mānuṣeṣu vai; unmattāś ca piśācāś ca paryaṭanto yatas tataḥ

Umā [sprach]: „So ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ [Maheśvara:] „Herr, Gott der Götter, Beschützer der Wesen, Verehrung sei dir! Kurzgliedrige, Krummgliedrige, Buckelige und Zwerge, und andere Menschen, o Gott, sieht man mit verkrüppelten Armen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst von Gier und Verblendung erfüllt waren, die Getreidemaße fälschten wegen Kauf und Verkauf, ebenso, Göttin, den Fehler an der Waage bei Gewichten stets, die Preisverfälschung bei allem im Kauf und Verkauf; die aus Zorn anderen Fehler an Gliedern zufügten; die als Törichte Fleisch aßen, unrichtig, nutzlos, stets – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt.“ Umā [sprach]: „Sie werden kurzgliedrig, zwergwüchsig und bucklig.“ – „Herr, manche Menschen sieht man unter den Menschen: Wahnsinnige und Pisācas, die hierhin und dorthin umherlaufen.“

Wort für Wort
umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: so ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören? (Part.Pass./Inf.)
bhagavan devadeveśa bhūtapāla namo 'stu te
Herr, Gott der Götter, Wesenbeschützer, Verehrung dir (Vok./Nom./Dat.)
hrasvāṅgāś caiva vakrāṅgāḥ kubjā vāmanakās tathā
kurzgliedrig, krummgliedrig, buckelig, zwergig ebenso (Nom.Pl.)
apare mānuṣā deva dṛśyante kuṇibāhavaḥ
andere Menschen, o Gott, sieht man mit verkrüppelten Armen (Nom.Pl./3.Pl.Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi lobhamohasamanvitāḥ
die einst als Menschen, Göttin, von Gier und Verblendung erfüllt (Nom.Pl.)
dhānyamānān vikurvanti krayavikrayakāraṇāt
Getreidemaße verfälschen sie wegen Kauf und Verkauf (Akk.Pl./3.Pl.Präs./Abl.)
tulādoṣaṃ tathā devi dhṛtamāneṣu nityaśaḥ
den Fehler der Waage, Göttin, bei den Gewichten stets (Akk.Sg./Lok.Pl.)
arghāpakaraṇaṃ caiva sarveṣāṃ krayavikraye
und die Preisverfälschung bei allen im Kauf und Verkauf (Akk.Sg./Lok.)
aṅgadoṣakarā ye tu pareṣāṃ kopakāraṇāt
die Fehler an Gliedern anderer aus Zorn bewirken (Nom.Pl.)
māṃsādāś caiva ye mūrkhā ayathāvad vṛthā sadā
und törichte Fleischesser, unrichtig, nutzlos, stets (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
umā; hrasvāṅgā vāmanāś caiva kubjāś caiva bhavanti te
Umā: kurzgliedrig, zwergig und bucklig werden sie (Nom.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid dṛśyante mānuṣeṣu vai
Herr, manche Menschen sieht man unter den Menschen (Nom.Pl./Lok.Pl.)
unmattāś ca piśācāś ca paryaṭanto yatas tataḥ
wahnsinnig und pisācahaft, umherlaufend hierhin und dorthin (Nom.Pl./Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi darpāhaṃkārasaṃyutāḥ; bahudhā pralapanty eva prahasanti parān bhṛśam; mohayanti parān bhogair madanair lobhakāraṇāt; vṛddhān gurūṃś ca ye mūrkhā vṛthaivāpahasanti ca; śauṇḍā vidagdhāḥ śāstreṣu tathaivānṛtavādinaḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; unmattāś ca piśācāś ca bhavanty eva na saṃśayaḥ; umā; bhagavan mānuṣāḥ ke cin nirapatyāḥ suduḥkhitāḥ; yatanto na labhanty eva apatyāni yatas tataḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi sarvaprāṇiṣu nirdayāḥ; ghnanti bālāṃś ca bhuñjante mṛgāṇāṃ pakṣiṇām api; guruvidveṣiṇaś caiva paraputrābhyasūyakāḥ

Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst von Stolz und Ichbezogenheit erfüllt waren, die vielfach schwatzten, andere heftig auslachten, andere durch Genüsse und Rauschmittel aus Gier verwirrten, die Alten und Lehrer als Törichte grundlos verlachten, betrunken, in den Lehrschriften spitzfindig, und ebenso Lügenredner – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: Wahnsinnige und Pisācas werden sie, kein Zweifel.“ Umā [sprach]: „Herr, manche Menschen sind kinderlos und sehr leidend. Sie bemühen sich, erlangen aber nirgendwoher Nachkommen. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die gegen alle Lebewesen erbarmungslos waren, die Kinder [von Tieren] töteten und [sie] aßen, von Tieren und Vögeln, [die] Lehrerhasser und Missgünstige gegenüber den Söhnen anderer –“

Wort für Wort
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi darpāhaṃkārasaṃyutāḥ
die einst als Menschen, Göttin, mit Stolz und Ichbezogenheit verbunden (Nom.Pl.)
bahudhā pralapanty eva prahasanti parān bhṛśam
vielfach schwatzen sie, verlachen andere heftig (3.Pl.Präs.)
mohayanti parān bhogair madanair lobhakāraṇāt
verwirren andere durch Genüsse und Rauschmittel aus Gier (3.Pl.Kaus.Präs./Instr.Pl.)
vṛddhān gurūṃś ca ye mūrkhā vṛthaivāpahasanti ca
Alte und Lehrer, die Toren, grundlos verlachen sie (Akk.Pl./3.Pl.Präs.)
śauṇḍā vidagdhāḥ śāstreṣu tathaivānṛtavādinaḥ
betrunken, in den Lehrschriften spitzfindig, ebenso Lügenredner (Nom.Pl./Lok.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
unmattāś ca piśācāś ca bhavanty eva na saṃśayaḥ
Wahnsinnige und Pisācas werden sie, kein Zweifel (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
umā; bhagavan mānuṣāḥ ke cin nirapatyāḥ suduḥkhitāḥ
Umā: Herr, manche Menschen kinderlos, sehr leidend (Vok./Nom.Pl.)
yatanto na labhanty eva apatyāni yatas tataḥ
obwohl sie sich mühen, erlangen sie nirgends Nachkommen (Part./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi sarvaprāṇiṣu nirdayāḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, Göttin, gegen alle Wesen erbarmungslos (Lok.Pl./Nom.Pl.)
ghnanti bālāṃś ca bhuñjante mṛgāṇāṃ pakṣiṇām api
sie töten Junge und verzehren [sie] von Tieren und auch von Vögeln (3.Pl.Präs./Akk.Pl./Gen.Pl.)
guruvidveṣiṇaś caiva paraputrābhyasūyakāḥ
Lehrerhasser und Missgönner fremder Söhne (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz bricht am Einheitsende ab und wird in der folgenden Einheit fortgesetzt.

pitṛpūjāṃ na kurvanti yathoktaṃ cāṣṭakādibhiḥ; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; mānuṣyaṃ sucirāt prāpya nirapatyā bhavanti te; umā; putraśokayutā vāpi nāsti tatra vicāraṇā; bhagavan mānuṣāḥ ke cit pradṛśyante suduḥkhitāḥ; udvegavāsaniratāḥ sodvegāś ca yatas tataḥ; nityaśokasamāviṣṭā durgatāś ca tathaiva ca; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā nityam utkocanaparāyaṇāḥ; bhīṣayanti parān nityaṃ vikurvanti tathaiva ca; ṛṇair vṛddhiṃ ca ye kṛtvā daridrebhyo yatheṣṭataḥ; ṛṇārtham abhigacchanti satataṃ vṛddhirūpakāḥ; udvijante hi tān dṛṣṭvā dhārakās tv atha kāraṇāt; ativṛddhir na kartavyā daridrebhyaś ca dharmataḥ

[Sie,] die die Ahnenverehrung nicht vollziehen, wie sie bei der Aṣṭakā und dergleichen vorgeschrieben ist – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: Nachdem sie erst nach langer Zeit das Menschsein erlangt haben, bleiben sie kinderlos. Umā [sprach]: „Auch mit Sohnestrauer behaftet [sind manche]; darüber gibt es keine Erwägung. Herr, manche Menschen sieht man sehr leidend: dem Leben in Unruhe zugetan, überall voll Unruhe, ständig von Kummer überwältigt und in Not.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, die einst stets auf Erpressung aus waren, andere ständig einschüchterten und ebenso [betrogen], die durch Darlehen Zins nahmen [und] von den Armen nach Belieben, die wegen der Schulden fortwährend Zinshändler [wie] Gestalten des Zinses aufsuchten; die Gläubiger erschrecken, wenn sie diese sehen, aus einem Grund. Übermäßiger Zins soll nicht genommen werden, und von Armen erst recht nicht nach dem Dharma.“

Wort für Wort
pitṛpūjāṃ na kurvanti yathoktaṃ cāṣṭakādibhiḥ
Ahnenverehrung vollziehen sie nicht, wie sie bei der Aṣṭakā usw. vorgeschrieben ist (Akk.Sg./3.Pl.Präs./Instr.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
mānuṣyaṃ sucirāt prāpya nirapatyā bhavanti te
Menschsein nach langer Zeit erlangt, werden sie kinderlos (Abs./Abl./Nom.Pl.)
umā; putraśokayutā vāpi nāsti tatra vicāraṇā
Umā: oder mit Sohnestrauer behaftet; dabei keine Erwägung (Nom.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit pradṛśyante suduḥkhitāḥ
Herr, manche Menschen sieht man sehr leidend (Vok./Nom.Pl.)
udvegavāsaniratāḥ sodvegāś ca yatas tataḥ
dem Leben in Unruhe hingegeben und überall voller Unruhe (Nom.Pl.)
nityaśokasamāviṣṭā durgatāś ca tathaiva ca
von ständigem Kummer erfasst und in Not ebenso (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā nityam utkocanaparāyaṇāḥ
die einst als Menschen stets auf Bestechung/Erpressung aus (Nom.Pl.)
bhīṣayanti parān nityaṃ vikurvanti tathaiva ca
sie schüchtern andere ständig ein und verfälschen ebenso (3.Pl.Kaus.Präs.)
ṛṇair vṛddhiṃ ca ye kṛtvā daridrebhyo yatheṣṭataḥ
die durch Darlehen Zins gemacht haben, bei Armen nach Belieben (Instr.Pl./Abs./Abl.)
ṛṇārtham abhigacchanti satataṃ vṛddhirūpakāḥ
wegen der Schuld suchen sie ständig auf, zinsförmig (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
udvijante hi tān dṛṣṭvā dhārakās tv atha kāraṇāt
die Schuldner erschrecken, wenn sie sie sehen, aus einem Grund (3.Pl.Med.Präs./Abs.)
ativṛddhir na kartavyā daridrebhyaś ca dharmataḥ
übermäßiger Zins ist nicht zu nehmen, von Armen dem Dharma gemäß (Gerundiv/Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Abschnitt über den Zins (ṛṇair vṛddhiṃ … vṛddhirūpakāḥ) ist syntaktisch und inhaltlich verderbt und nur vorsichtig wiedergegeben; „dhārakāḥ“ als Schuldner/Gläubiger unsicher.

ye śvabhiḥ krīḍamānāś ca trāsayanti vane mṛgān; prāṇihiṃsāṃ tathā devi kurvanti ca yatas tataḥ; yeṣāṃ gṛheṣu vai śvānas trāsayanti vṛthā narān; evaṃyuktasamācārāḥ kāladharmagatāḥ punaḥ; pīḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye; kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te duḥkhasaṃyutāḥ; kudeśe duḥkhabhūyiṣṭhe vyāghātaśatasaṃkule; umā; jāyante tatra śocantaḥ sodvegāś ca yatas tataḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cid aiśvaryasthānasaṃyutāḥ; mlecchabhūmiṣu dṛśyante mlecchaiśvaryasamanvitāḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; ye purā manujā devi dhanadhānyasamanvitāḥ; ayathāvat prayacchanti śraddhāvarjitam eva vā; apātrebhyaś ca ye dānaṃ śaucamaṅgalavarjitāḥ

[Solche,] die mit Hunden spielten und die Tiere im Wald aufschreckten und, Göttin, hierhin und dorthin Lebewesen töteten, in deren Häusern Hunde grundlos die Menschen erschreckten – so Handelnde, wieder zum Tod gegangen, wurden mit Yamas Stock gequält und weilten lange in der Hölle, Liebe. Nachdem sie irgendwie das Menschsein erlangt haben, sind sie dort leiderfüllt, in einem üblen Land, das voller Leid und von hundert Widerwärtigkeiten erfüllt ist. Umā [sprach]: „Sie werden dort geboren, klagend und überall unruhig. Herr, manche Menschen sieht man im Besitz von Herrschaft und Ämtern in Barbarenländern, mit barbarischer Herrschaft ausgestattet. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Die Menschen, o Göttin, die einst mit Geld und Getreide gesegnet waren, unangemessen gaben oder ohne Glauben, und den Unwürdigen Gaben gaben, ohne Reinheit und Heilsbräuche –

Wort für Wort
ye śvabhiḥ krīḍamānāś ca trāsayanti vane mṛgān
die, mit Hunden spielend, im Wald Tiere aufschrecken (Instr.Pl./Part./3.Pl.Kaus.Präs.)
prāṇihiṃsāṃ tathā devi kurvanti ca yatas tataḥ
und Verletzen von Lebewesen, Göttin, begehen sie hierhin und dorthin (Akk.Sg.)
yeṣāṃ gṛheṣu vai śvānas trāsayanti vṛthā narān
in deren Häusern Hunde grundlos Menschen erschrecken (Gen./Lok.Pl./Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ kāladharmagatāḥ punaḥ
so gearteten Verhaltens, wieder zum Tode gegangen (Nom.Pl.)
pīḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye
von Yamas Stock gequält, lange in der Hölle, Liebe (Part.Pass./Vok.)
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te duḥkhasaṃyutāḥ
irgendwie Menschsein erlangt, dort sie leidbehaftet (Abs./Nom.Pl.)
kudeśe duḥkhabhūyiṣṭhe vyāghātaśatasaṃkule
in schlechtem Land, leidreich, von hundert Widrigkeiten erfüllt (Lok.Sg.)
umā; jāyante tatra śocantaḥ sodvegāś ca yatas tataḥ
Umā: sie werden dort geboren, klagend und überall unruhig (3.Pl.Med.Präs./Part.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid aiśvaryasthānasaṃyutāḥ
Herr, manche Menschen mit Herrschaft und Ämtern verbunden (Nom.Pl.)
mlecchabhūmiṣu dṛśyante mlecchaiśvaryasamanvitāḥ
in Barbarenländern sieht man sie, mit Barbarenherrschaft versehen (Lok.Pl./Nom.Pl.)
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
maheśvaraḥ; ye purā manujā devi dhanadhānyasamanvitāḥ
Maheśvara: die einst als Menschen, Göttin, mit Geld und Getreide versehen (Nom.Pl.)
ayathāvat prayacchanti śraddhāvarjitam eva vā
unangemessen geben sie oder ohne Glauben (3.Pl.Präs.)
apātrebhyaś ca ye dānaṃ śaucamaṅgalavarjitāḥ
und den Unwürdigen Gabe, ohne Reinheit und Heilsbräuche (Dat.Pl./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

dadaty eva ca ye mūrkhāḥ ślāghayāvajñayāpi vā; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; kudeśe mlecchabhūyiṣṭhe durgame vanasaṃkaṭe; umā; mlecchādhipatyaṃ saṃprāpya jāyante tatra tatra vai; bhagavan bhaganetraghna mānuṣeṣv eva ke cana; klībā napuṃsakāś caiva dṛśyante paṇḍakās tathā; nīcakarmaratā nīcā nīcasaukhyās tathā bhuvi; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; ye purā manujā bhūtvā ghorakarmaratās tathā; paśupuṃstvopaghātena jīvanti ca ramanti ca; puṃstvopaghātinaś caiva narāṇāṃ kopakāraṇāt; ye dhūrtāḥ strīṣu gacchanti ayathāvad yatheṣṭataḥ; kāmavighnakarā ye tu dveṣapaiśunyakāraṇāt

[Die] geben, obwohl sie Törichte sind, aus Prahlerei oder aus Geringschätzung – so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: In einem schlechten Land, das von Barbaren erfüllt, schwer zugänglich und von Waldverhau bedrängt ist. Umā [sprach]: „Nachdem sie die Herrschaft über Barbaren erlangt haben, werden sie dort und dort geboren.“ – „Herr, Zerstörer des Bhaga-Auges, manche Menschen unter den Menschen sieht man unfruchtbar, Eunuchen und Impotente, niedrige Arbeit liebend, gemein, von niederem Wohlergehen auf Erden. Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Das will ich dir verkünden; höre, Glückliche, den Grund: Die Menschen, die einst zu Menschen wurden, aber an furchtbaren Taten Gefallen fanden, die durch Verstümmeln der Männlichkeit von Tieren leben und sich vergnügen, die aus Zorn gegenüber Männern deren Männlichkeit verletzten, die als Betrüger nach Belieben und unziemlich zu Frauen gingen, die dem Liebesgenuss aus Hass und Verleumdung Hindernisse bereiteten –

Wort für Wort
dadaty eva ca ye mūrkhāḥ ślāghayāvajñayāpi vā
und die geben, obwohl Törichte, aus Prahlerei oder Geringschätzung (3.Sg./Nom.Pl./Instr.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
kudeśe mlecchabhūyiṣṭhe durgame vanasaṃkaṭe
in schlechtem Land, barbarenreich, unzugänglich, von Wald bedrängt (Lok.Sg.)
umā; mlecchādhipatyaṃ saṃprāpya jāyante tatra tatra vai
Umā: Herrschaft über Barbaren erlangt, werden sie dort und dort geboren (Abs./3.Pl.Med.Präs.)
bhagavan bhaganetraghna mānuṣeṣv eva ke cana
Herr, Zerstörer von Bhagas Auge, unter Menschen manche (Vok./Lok.Pl.)
klībā napuṃsakāś caiva dṛśyante paṇḍakās tathā
Unfruchtbare, Eunuchen und Impotente sieht man ebenso (Nom.Pl.)
nīcakarmaratā nīcā nīcasaukhyās tathā bhuvi
niedrige Arbeit liebend, gemein, von niederem Glück auf Erden (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
das werde ich dir verkünden, höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp.)
ye purā manujā bhūtvā ghorakarmaratās tathā
die einst, Menschen geworden, an furchtbaren Taten Gefallen fanden (Abs./Nom.Pl.)
paśupuṃstvopaghātena jīvanti ca ramanti ca
durch Verstümmelung der Männlichkeit von Tieren leben und vergnügen sie sich (Instr./3.Pl.Präs.)
puṃstvopaghātinaś caiva narāṇāṃ kopakāraṇāt
und Männlichkeitsverletzer von Männern aus Zorn (Nom.Pl./Gen.Pl./Abl.)
ye dhūrtāḥ strīṣu gacchanti ayathāvad yatheṣṭataḥ
die als Betrüger zu Frauen gehen, unziemlich, nach Belieben (Lok.Pl./3.Pl.Präs.)
kāmavighnakarā ye tu dveṣapaiśunyakāraṇāt
die dem Liebesgenuss Hindernisse schaffen aus Hass und Verleumdung (Nom.Pl./Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „klībā varṣavarāś“ und „napuṃsaka/paṇḍaka“ bezeichnen verschiedene Arten Geschlechtsloser bzw. Impotenter; „klība“ hier nur allgemein wiedergegeben.

evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; klībā varṣavarāś caiva paṇḍakāś ca bhavanti te; nīcakarmaratā loke nirlajjā vītasaṃbhramāḥ; paranindāṃ puraskṛtya te bhavanti svakarmaṇā; yadi cet saṃvimṛśyeraṃs te mucyante hi kilbiṣāt; tatrāpi te pramādyeyuḥ patanti narakālaye; strīṇām api tathā devi yathā puṃsāṃ tu karmajam; umā; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan devadeveśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja; puṃścalya iti yāḥ strīṣu nīcavṛttaratāḥ smṛtāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; yāḥ purā pramadā devi buddhimohasamanvitāḥ

– so Handelnde, Schöne, in der Wiedergeburt: Mit Yamas Stock gestraft, weilten sie lange in der Hölle, Liebe. Wenn Solche eine menschliche Geburt erlangen, werden sie Impotente, Kämmerer und Nichtmänner, niedrige Arbeit liebend in der Welt, schamlos und ohne Scheu. Indem sie die Schmähung anderer voranstellen, werden sie [so] durch ihre eigene Tat. Wenn sie [es] erwägen würden, würden sie von der Sünde frei; wenn sie aber dennoch nachlässig wären, fielen sie in die Hölle. Bei Frauen gilt es ebenso, Göttin, wie bei Männern, [soweit] es aus Taten hervorgeht. Umā [sprach]: „So ist es dir gesagt, Göttin; was willst du weiter hören?“ – „Herr, Gott der Götter, Speerträger, Stierbannerträger, [die] Frauen, die als ‚Buhlerinnen‘ gelten und niedrigen Wandel lieben.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Frauen, o Göttin, die einst, von Verblendung des Verstandes erfüllt,

Wort für Wort
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye
mit Yamas Stock gestraft, lange in der Hölle, Liebe (Part.Pass./Vok.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
klībā varṣavarāś caiva paṇḍakāś ca bhavanti te
Unfruchtbare, Kämmerer und Impotente werden sie (Nom.Pl.)
nīcakarmaratā loke nirlajjā vītasaṃbhramāḥ
niedrige Arbeit liebend in der Welt, schamlos, ohne Scheu (Nom.Pl./Lok.)
paranindāṃ puraskṛtya te bhavanti svakarmaṇā
Schmähung anderer voranstellend, werden sie durch eigene Tat [so] (Abs./Instr.)
yadi cet saṃvimṛśyeraṃs te mucyante hi kilbiṣāt
wenn sie erwägen würden, werden sie von der Sünde befreit (3.Pl.Opt./3.Pl.Pass./Abl.)
tatrāpi te pramādyeyuḥ patanti narakālaye
wenn sie auch dann nachlässig wären, fallen sie in die Hölle (3.Pl.Opt./3.Pl.Präs./Lok.)
strīṇām api tathā devi yathā puṃsāṃ tu karmajam
bei Frauen ebenso, Göttin, wie bei Männern das aus Taten Entstandene (Gen.Pl./Nom.Sg.n.)
umā; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā: so ist es dir gesagt, Göttin; was willst du weiter hören? (Part.Pass./Inf.)
bhagavan devadeveśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja
Herr, Gott der Götter, Speerträger, Stierbanner (Vok.)
puṃścalya iti yāḥ strīṣu nīcavṛttaratāḥ smṛtāḥ
„Buhlerinnen“, so die unter den Frauen, die als niedrigen Wandel liebend gelten (Nom.Pl./Part.Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
yāḥ purā pramadā devi buddhimohasamanvitāḥ
die einst Frauen, Göttin, von Verblendung des Verstandes erfüllt (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „yāḥ purā pramadā … samanvitāḥ“ wird in der folgenden Einheit fortgesetzt.

kāmarāgasamāyuktāḥ patīn apacaranti vai; pratikūlaparā yās tu patīn prati yathā tathā; śaucaṃ lajjāṃ tu vismṛtya yatheṣṭaparicārakāḥ; evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs tās tathāvidhāḥ; bahusādhāraṇā evaṃ puṃścalyaś ca bhavanti tāḥ; pauṃścalyaṃ yat tu tad vṛttaṃ strīṇāṃ kaṣṭatamaṃ smṛtam; tataḥprabhṛti tā devi patanty eva na saṃśayaḥ; umā; śocanti cet tu tad vṛttaṃ manasā hitam āpnuyuḥ; bhagavan devadeveśa pramadā vidhavā bhṛśam; dṛśyante mānuṣe loke sarvakalyāṇavarjitāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; yā purā pramadā devi buddhimohasamanvitāḥ; kuṭumbaṃ tatra vai patyur nāśayanti vṛthā tathā

[die,] von Liebesleidenschaft erfüllt, ihre Gatten betrügen, die den Gatten gegenüber stets widerspenstig sind, so oder so, die Reinheit und Scham vergessen und nach Belieben Diener [Liebhaber] halten – so Handelnde wurden in Yamas Welt hart bestraft. Wenn sie eine menschliche Geburt erlangen, so beschaffen, werden sie so zu Frauen vieler [Männer] und Buhlerinnen. Das, was Buhlerei ist, gilt als der schlimmste Wandel der Frauen; von da an, Göttin, fallen sie ohne Zweifel. Wenn sie es aber bereuen, könnten sie im Geiste Heil erlangen. Umā [sprach]: „Herr, Gott der Götter, Frauen sieht man in der Menschenwelt sehr [als] Witwen, jeden Heils beraubt.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Frauen, o Göttin, die einst, von Verblendung des Verstandes erfüllt, die Familie ihres Gatten dort grundlos ruinierten –

Wort für Wort
kāmarāgasamāyuktāḥ patīn apacaranti vai
von Liebesleidenschaft erfüllt, hintergehen sie die Gatten (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
pratikūlaparā yās tu patīn prati yathā tathā
die den Gatten gegenüber widerspenstig sind, so oder so (Nom.Pl.)
śaucaṃ lajjāṃ tu vismṛtya yatheṣṭaparicārakāḥ
Reinheit und Scham vergessen habend, Diener nach Belieben habend (Abs./Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ
so gearteten Verhaltens in Yamas Welt hart bestraft (Nom.Pl./Lok.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs tās tathāvidhāḥ
wenn diese, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
bahusādhāraṇā evaṃ puṃścalyaś ca bhavanti tāḥ
vielen gemeinsam und Buhlerinnen werden sie so (Nom.Pl.)
pauṃścalyaṃ yat tu tad vṛttaṃ strīṇāṃ kaṣṭatamaṃ smṛtam
die Buhlerei, dieser Wandel gilt bei Frauen als der schlimmste (Nom.Sg./Sup.)
tataḥprabhṛti tā devi patanty eva na saṃśayaḥ
von da an fallen sie, Göttin, ohne Zweifel (3.Pl.Präs.)
umā; śocanti cet tu tad vṛttaṃ manasā hitam āpnuyuḥ
Umā: wenn sie jenen Wandel bereuen, könnten sie im Geist Heilsames erlangen (3.Pl.Präs./3.Pl.Opt.)
bhagavan devadeveśa pramadā vidhavā bhṛśam
Herr, Gott der Götter, Frauen sehr Witwen (Vok./Nom.Pl.)
dṛśyante mānuṣe loke sarvakalyāṇavarjitāḥ
man sieht sie in der Menschenwelt, jeden Heils beraubt (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
yā purā pramadā devi buddhimohasamanvitāḥ
die einst Frauen, Göttin, von Verblendung des Verstandes erfüllt (Nom.Pl.)
kuṭumbaṃ tatra vai patyur nāśayanti vṛthā tathā
dort des Gatten Familie ruinieren sie grundlos ebenso (Akk.Sg./Gen./3.Pl.Kaus.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „śocanti cet tu tad vṛttaṃ manasā hitam āpnuyuḥ“ ist knapp und leicht verderbt; Wiedergabe sinngemäß.

viṣadāś cāgnidāś caiva patīn prati sunirdayāḥ; anyāsāṃ hi patīn yānti svapatidveṣakāraṇāt; evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ; nirayasthāś ciraṃ kālaṃ kathaṃ cit prāpya mānuṣam; umā; tatra tā bhogarahitā vidhavās tu bhavanti vai; bhagavan pramadās tv anyāḥ patau jñātiṣu satsv api; liṅginyaḥ saṃpradṛśyante pāṣaṇḍaṃ dharmam āśritāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; yāḥ purā bhāvadoṣeṇa lobhamohasamanvitāḥ; paradravyaparā lobhāt pareṣāṃ dravyahārakāḥ; abhyasūyāparā yās tu sapatnīnāṃ pradūṣakāḥ; īrṣyāparāḥ kopanāś ca bandhūnāṃ viphalāḥ sadā; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani tāḥ priye; apalakṣaṇasaṃpannāḥ pāṣaṇḍaṃ dharmam āśritāḥ

[Sie,] die gegenüber ihren Gatten sehr erbarmungslos waren, mit Gift und Feuer, die zu anderen [Männern] gingen aus Hass auf den eigenen Gatten – so Handelnde wurden in Yamas Welt hart bestraft und weilten lange in der Hölle; wenn sie irgendwie Menschsein erlangen: dort werden sie ohne Genüsse, Witwen. Umā [sprach]: „Herr, andere Frauen sieht man, obwohl der Gatte und Verwandte da sind, mit äußeren Zeichen [der Askese] versehen, an einer Irrlehre als Dharma festhaltend.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Frauen, die einst durch Fehler der Gesinnung, von Gier und Verblendung erfüllt, auf fremdes Gut aus waren und aus Gier fremden Besitz raubten, die auf Missgunst aus waren und die Nebenfrauen verleumdeten, neidisch, zornig, den Verwandten stets nutzlos – so Handelnde, Liebe, in der Wiedergeburt: Mit unglückverheißenden Merkmalen versehen, halten sie an einer Irrlehre als Dharma fest.“

Wort für Wort
viṣadāś cāgnidāś caiva patīn prati sunirdayāḥ
Giftgeberinnen und Feuergeberinnen, gegen die Gatten sehr erbarmungslos (Nom.Pl.)
anyāsāṃ hi patīn yānti svapatidveṣakāraṇāt
anderer Männer gehen sie zu, aus Hass auf den eigenen Gatten (3.Pl.Präs./Abl.)
evaṃyuktasamācārā yamaloke sudaṇḍitāḥ
so gearteten Verhaltens in Yamas Welt hart bestraft (Nom.Pl.)
nirayasthāś ciraṃ kālaṃ kathaṃ cit prāpya mānuṣam
lange Zeit in der Hölle, irgendwie Menschsein erlangt (Abs.)
umā; tatra tā bhogarahitā vidhavās tu bhavanti vai
Umā: dort werden sie ohne Genüsse Witwen (Nom.Pl.)
bhagavan pramadās tv anyāḥ patau jñātiṣu satsv api
Herr, andere Frauen, obwohl Gatte und Verwandte da sind (Lok.abs.)
liṅginyaḥ saṃpradṛśyante pāṣaṇḍaṃ dharmam āśritāḥ
mit äußeren Zeichen versehen sieht man sie, eine Irrlehre als Dharma festhaltend (Nom.Pl./Part.Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
yāḥ purā bhāvadoṣeṇa lobhamohasamanvitāḥ
die einst durch Fehler der Gesinnung, von Gier und Verblendung erfüllt (Instr./Nom.Pl.)
paradravyaparā lobhāt pareṣāṃ dravyahārakāḥ
auf fremdes Gut aus, aus Gier fremden Besitz Raubende (Nom.Pl./Abl.)
abhyasūyāparā yās tu sapatnīnāṃ pradūṣakāḥ
missgünstig eingestellt, der Nebenfrauen Verleumderinnen (Nom.Pl./Gen.Pl.)
īrṣyāparāḥ kopanāś ca bandhūnāṃ viphalāḥ sadā
neidisch, zornig, den Verwandten stets nutzlos (Nom.Pl./Gen.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani tāḥ priye
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt jene, Liebe (Nom.Pl./Vok.)
apalakṣaṇasaṃpannāḥ pāṣaṇḍaṃ dharmam āśritāḥ
mit üblen Merkmalen ausgestattet, eine Irrlehre als Dharma haltend (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „viphalāḥ bandhūnām“ knapp; hier als „den Verwandten nutzlos“ gefasst.

umā; striyaḥ pravrājaśīlāś ca bhavanty eva na saṃśayaḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cit kāruvṛttiṃ samāśritāḥ; pradṛśyante manuṣyeṣu nīcakarmaratā janāḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi stabdhā mānayutā bhṛśam; darpāhaṃkārasaṃyuktāḥ kevalātmaparāyaṇāḥ; tādṛśā manujā devi punarjanmani śobhane; kāravo naṭagandharvāḥ saṃbhavanti yathā tathā; nāpitā bandinaś caiva tathā vaitālikāḥ priye; evaṃbhūtās tv adhovṛttiṃ jīvanty āśritya mānavāḥ; paraprasādanakarās te paraiḥ kṛtavetanāḥ; umā; parāvamānasya phalaṃ bhuñjate paurvadehikam; bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana; dāsabhūtāḥ pradṛśyante sarvakarmakarā bhṛśam

Umā [sprach]: „Frauen werden ohne Zweifel Wanderasketinnen. Herr, manche Menschen leben von Handwerk, [und] man sieht Menschen, die niedriger Arbeit zugetan sind.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst starr, sehr auf Ehre bedacht, von Stolz und Ichbezogenheit erfüllt und nur auf sich selbst bedacht waren – solche Menschen, o Göttin, werden in der Wiedergeburt, Schöne, Handwerker, Schauspieler und Gandharvas [Musikanten], so und so; Barbiere, Barden und Hofsänger, Liebe. So beschaffene Menschen leben in niedrigem Stand: Sie stellen andere zufrieden, [und] von anderen erhalten sie Lohn. Die Frucht der Geringschätzung anderer genießen sie aus dem früheren Körper.“ Umā [sprach]: „Herr, Gott der Götter, manche Menschen sieht man als Knechte, die allerlei Dienste sehr verrichten,

Wort für Wort
umā; striyaḥ pravrājaśīlāś ca bhavanty eva na saṃśayaḥ
Umā: Frauen, dem Wanderasketentum zugeneigt, werden es gewiss, kein Zweifel (Nom.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit kāruvṛttiṃ samāśritāḥ
Herr, manche Menschen, das Handwerk als Lebensweise ergriffen (Vok./Akk.Sg.)
pradṛśyante manuṣyeṣu nīcakarmaratā janāḥ
man sieht unter den Menschen Leute, niedriger Arbeit zugetan (3.Pl.Pass./Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi stabdhā mānayutā bhṛśam
die einst als Menschen, Göttin, starr, sehr auf Ehre bedacht (Nom.Pl.)
darpāhaṃkārasaṃyuktāḥ kevalātmaparāyaṇāḥ
mit Stolz und Ichbezogenheit verbunden, nur auf sich selbst bedacht (Nom.Pl.)
tādṛśā manujā devi punarjanmani śobhane
solche Menschen, Göttin, in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
kāravo naṭagandharvāḥ saṃbhavanti yathā tathā
Handwerker, Schauspieler und Gandharvas werden sie, so oder so (Nom.Pl.)
nāpitā bandinaś caiva tathā vaitālikāḥ priye
Barbiere, Barden und Hofsänger, Liebe (Nom.Pl./Vok.)
evaṃbhūtās tv adhovṛttiṃ jīvanty āśritya mānavāḥ
so beschaffen leben Menschen, niedrigen Stand ergreifend (Nom.Pl./Abs.)
paraprasādanakarās te paraiḥ kṛtavetanāḥ
andere zufriedenstellend, von anderen Lohn erhaltend (Nom.Pl./Instr.Pl.)
umā; parāvamānasya phalaṃ bhuñjate paurvadehikam
Umā: die Frucht der Geringschätzung anderer, aus dem früheren Körper, genießen sie (3.Pl.Präs.)
bhagavan devadeveśa mānuṣeṣv eva ke cana
Herr, Gott der Götter, unter den Menschen manche (Vok./Lok.Pl.)
dāsabhūtāḥ pradṛśyante sarvakarmakarā bhṛśam
als Knechte gesehen, alle Arbeit verrichtend, sehr (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind teilweise verschoben; „paurvadehikam“ hier als Attribut zu „phalam“ gefasst.

āghātabhartsanasahāḥ pīḍyamānāś ca sarvaśaḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; ye purā manujā devi pareṣāṃ vittahārakāḥ; ṛṇavṛddhikaraṃ kuryān nyāsadattaṃ tathaiva ca; nikṣepakāraṇād dattaṃ pareṣāṃ dravyahāriṇaḥ; pramādād vismṛtaṃ naṣṭaṃ pareṣāṃ dhanahārakāḥ; vadhabandhaparikleśair dāsatve kurvate 'parān; tādṛśā maraṇaṃ prāptā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ; kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te devi sarvathā; dāsabhūtā bhavanty eva janmaprabhṛti mānavāḥ; teṣāṃ karmāṇi kurvanti yeṣāṃ te dhanahārakāḥ; ā samāpteḥ svapāpasya kurvantīti viniścayaḥ; paśubhūtās tathā cānye bhavanti dhanahārakāḥ

[die,] Schläge und Beschimpfungen ertragen und von allen Seiten gequält werden.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Das will ich dir verkünden; höre, Glückverheißende, den Grund: Die Menschen, o Göttin, die einst anderer Vermögen raubten, die Zinserhöhung bewirkten und ebenso mit [bei ihnen] hinterlegten Pfändern, die wegen Hinterlegung Gegebenes, den Besitz anderer wegnahmen, die aus Nachlässigkeit Vergessenes und Verlorenes, das Geld anderer, einbehielten, und andere durch Tötung, Fesselung und Qual zu Knechten machten – so, wie sie waren, zum Tod gelangt, wurden sie durch Yamas Gebote bestraft. Nachdem sie irgendwie Menschsein erlangt haben, Göttin, werden sie in jeder Hinsicht von Geburt an Knechte. Sie verrichten die Arbeiten für die, deren Geld sie geraubt haben, bis zum Ende ihrer Sünde – das ist gewiss. Andere, die Geld geraubt haben, werden auch zu Tieren.“

Wort für Wort
āghātabhartsanasahāḥ pīḍyamānāś ca sarvaśaḥ
Schläge und Schelte ertragend und von allen Seiten gequält (Nom.Pl./Part.Pass.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
das werde ich dir verkünden, höre, Glückliche, den Grund (1.Sg.Fut./Imp.)
ye purā manujā devi pareṣāṃ vittahārakāḥ
die einst als Menschen, Göttin, anderer Vermögen Raubende (Nom.Pl.)
ṛṇavṛddhikaraṃ kuryān nyāsadattaṃ tathaiva ca
Zinssteigerung sollte man bewirken und ebenso das als Pfand Gegebene (Opt./Part.Pass.)
nikṣepakāraṇād dattaṃ pareṣāṃ dravyahāriṇaḥ
wegen Hinterlegung Gegebenes, [bei] anderen Güter Raubende (Abl./Nom.Pl.)
pramādād vismṛtaṃ naṣṭaṃ pareṣāṃ dhanahārakāḥ
aus Nachlässigkeit Vergessenes, Verlorenes, anderer Vermögen Wegnehmende (Abl./Part.Pass.)
vadhabandhaparikleśair dāsatve kurvate 'parān
durch Tötung, Fesselung und Qual machen sie andere zu Knechten (Instr.Pl./Lok./3.Pl.Med.Präs.)
tādṛśā maraṇaṃ prāptā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ
solche, zum Tod gelangt, durch Yamas Gebote bestraft (Nom.Pl./Instr.Pl.)
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ tatra te devi sarvathā
irgendwie Menschsein erlangt, dort sie, Göttin, in jeder Hinsicht (Abs.)
dāsabhūtā bhavanty eva janmaprabhṛti mānavāḥ
Knechte werden sie gewiss, Menschen, von Geburt an (Nom.Pl.)
teṣāṃ karmāṇi kurvanti yeṣāṃ te dhanahārakāḥ
deren Arbeiten verrichten sie, deren Vermögen sie geraubt haben (Gen.Pl.)
ā samāpteḥ svapāpasya kurvantīti viniścayaḥ
bis zum Ende der eigenen Sünde verrichten sie [sie], so ist es gewiss (Abl./Nom.)
paśubhūtās tathā cānye bhavanti dhanahārakāḥ
auch zu Tieren werden andere Vermögensräuber (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zeile „ṛṇavṛddhikaraṃ kuryān nyāsadattaṃ tathaiva ca“ ist grammatisch unstimmig (Opt. im Relativsatz) und nur sinngemäß wiedergegeben.

tat tathā kṣīyate karma teṣāṃ pūrvāparādhajam; ato 'nyathā na tac chakyaṃ karma hātuṃ surāsuraiḥ; kiṃ tu mokṣavidhis teṣāṃ sarvathā tatprasādanam; ayathāvan mokṣakāmaḥ punarjanmani ceṣyate; mokṣakāmī yathānyāyaṃ kurvan karmāṇi sarvaśaḥ; bhartuḥ prasādam ākāṅkṣed āghātān sarvadā sahan; prītipūrvaṃ tu yo bhartrā mukto muktaḥ svapāpataḥ; tathābhūtān karmakarān sadā saṃpoṣayet patiḥ; yathārhaṃ kārayet karma daṇḍaṃ kāraṇataḥ kṣipet; vṛddhān bālāṃs tathā kṣīṇān pālayan dharmam āpnuyāt; umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan mānuṣeṣv eva mānuṣāḥ samadarśanāḥ; caṇḍālā iva dṛśyante sparśamātreṇa dūṣakāḥ; nīcakarmakarā deva sarveṣāṃ malahārakāḥ

„Dadurch wird jene Tat, die aus früherem Vergehen entstand, aufgezehrt; anders ist diese Tat nicht abzulegen, nicht einmal von Göttern und Asuras. Doch das Mittel zur Befreiung ist für sie in jeder Hinsicht, den [Herrn] zufriedenzustellen; ein Befreiungswilliger, der [dies] nicht recht tut, wird in der Wiedergeburt [wieder gebunden] sein. Wer Befreiung will, soll, indem er alle Werke in gehöriger Weise verrichtet, die Gunst des Herrn erstreben und stets Schläge ertragen. Wer von seinem Herrn mit Zuneigung befreit ist, ist frei von der eigenen Sünde. Solche Dienenden soll der Herr stets gut unterhalten; er soll die Arbeit angemessen verrichten lassen und nur aus Grund strafen; Alte, Kinder und Schwache beschützend, erlangt er das Dharma.“ Umā [sprach]: „So ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ – „Herr, unter Menschen sieht man Menschen, [die] alle gleich sehen, [als] Caṇḍālas, die durch bloße Berührung verunreinigen, niedrige Arbeit tun, den Unrat aller wegtragen.“

Wort für Wort
tat tathā kṣīyate karma teṣāṃ pūrvāparādhajam
so wird jene Tat von ihnen aufgezehrt, die aus früherem Vergehen entstand (3.Sg.Pass.)
ato 'nyathā na tac chakyaṃ karma hātuṃ surāsuraiḥ
anders ist jene Tat nicht abzulegen, auch nicht von Göttern und Asuras (Inf./Instr.Pl.)
kiṃ tu mokṣavidhis teṣāṃ sarvathā tatprasādanam
doch die Vorschrift der Befreiung ist für sie in jeder Hinsicht dessen Zufriedenstellung (Nom.)
ayathāvan mokṣakāmaḥ punarjanmani ceṣyate
ein Befreiungswilliger, unrecht handelnd, wird in der Wiedergeburt [gebunden] gesehen (Nom./Lok.)
mokṣakāmī yathānyāyaṃ kurvan karmāṇi sarvaśaḥ
der Befreiungswillige, gemäß der Regel alle Werke tuend (Part.Präs.)
bhartuḥ prasādam ākāṅkṣed āghātān sarvadā sahan
des Herrn Gunst soll er erstreben, Schläge stets ertragend (Opt./Part.Präs.)
prītipūrvaṃ tu yo bhartrā mukto muktaḥ svapāpataḥ
wer mit Zuneigung vom Herrn befreit ist, ist frei von eigener Sünde (Part.Pass./Instr.)
tathābhūtān karmakarān sadā saṃpoṣayet patiḥ
solche Arbeiter soll der Herr stets gut ernähren (Akk.Pl./Opt.Kaus.)
yathārhaṃ kārayet karma daṇḍaṃ kāraṇataḥ kṣipet
angemessen soll er Arbeit verrichten lassen, Strafe aus Grund verhängen (Opt.)
vṛddhān bālāṃs tathā kṣīṇān pālayan dharmam āpnuyāt
Alte, Kinder und Schwache beschützend, erlangt er das Dharma (Part.Präs./Opt.)
umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: so ist es dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?
bhagavan mānuṣeṣv eva mānuṣāḥ samadarśanāḥ
Herr, unter den Menschen Menschen, gleich sehend (Lok.Pl./Nom.Pl.)
caṇḍālā iva dṛśyante sparśamātreṇa dūṣakāḥ
wie Caṇḍālas sieht man sie, durch bloße Berührung verunreinigend (Instr./Nom.Pl.)
nīcakarmakarā deva sarveṣāṃ malahārakāḥ
niedrige Arbeit tuend, o Gott, aller Unrat Wegtragende (Vok./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „samadarśanāḥ“ ist im Zusammenhang unklar (gleichgültig/„gleich anzusehen“?); „ayathāvan mokṣakāmaḥ punarjanmani ceṣyate“ nur sinngemäß.

durgatāḥ kleśabhūyiṣṭhā virūpā duṣṭacetasaḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi tvam ekāgramanāḥ śṛṇu; ye purā manujā ghorā atimānayutā bhṛśam; ātmasaṃbhāvanāyuktāḥ stabdhā darpasamanvitāḥ; praṇāmaṃ na tu kurvanti gurūṇām api pāpakāḥ; ye svadharmārpaṇaṃ kāryam atimānān na kurvate; parān saṃnāmayanty eva ājñayātmani ye balāt; ṛddhiyogāt parān nityam avamanyanti mānavān; pānapāḥ sarvabhakṣāś ca paruṣāḥ kaṭukā narāḥ; evaṃyuktasamācārā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ; kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ caṇḍālāḥ saṃbhavanti te; nīcakarmaratāś caiva sarveṣāṃ malahārakāḥ; pareṣāṃ vandanaparās te bhavanty avamānitāḥ; virūpāḥ pāpayonisthāḥ sparśanād api varjitāḥ

[Menschen,] in Not, voller Leiden, missgestaltet, böswillig. Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Das will ich dir verkünden; höre du mit gesammeltem Sinn: Die furchtbaren Menschen, die einst über die Maßen stolz waren, erfüllt von Selbstdünkel, starr und voller Hochmut, die sich nicht einmal vor Lehrern verneigten, die Sünder, die aus Übermut die Pflichterfüllung nicht ausführten, andere gewaltsam auf ihren Befehl beugten, Menschen, die durch Reichtum stets andere verachteten, Trinker, Allesesser, harte, bittere Menschen – so Handelnde, durch Yamas Gebote bestraft, werden, wenn sie irgendwie Menschsein erlangen, Caṇḍālas, niedrige Arbeit liebend, aller Unrat Wegträger. Sie sind darauf aus, anderen ihre Ehrerbietung zu erweisen, und werden verachtet; missgestaltet, in sündiger Geburt stehend, auch von Berührung ausgeschlossen.“

Wort für Wort
durgatāḥ kleśabhūyiṣṭhā virūpā duṣṭacetasaḥ
in Not, leidreich, missgestaltet, böswillig (Nom.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi tvam ekāgramanāḥ śṛṇu
das werde ich dir verkünden; du, gesammelten Sinnes, höre (1.Sg.Fut./Imp.)
ye purā manujā ghorā atimānayutā bhṛśam
die einst Menschen, furchtbar, sehr übermäßig stolz (Nom.Pl.)
ātmasaṃbhāvanāyuktāḥ stabdhā darpasamanvitāḥ
mit Selbstdünkel behaftet, starr, von Hochmut erfüllt (Nom.Pl.)
praṇāmaṃ na tu kurvanti gurūṇām api pāpakāḥ
Verneigung machen sie nicht, auch nicht vor Lehrern, die Sünder (3.Pl.Präs./Gen.Pl.)
ye svadharmārpaṇaṃ kāryam atimānān na kurvate
die die Ausführung der eigenen Pflicht aus Übermut nicht vollbringen (Abl./3.Pl.Med.Präs.)
parān saṃnāmayanty eva ājñayātmani ye balāt
andere beugen sie durch Befehl gegenüber sich mit Gewalt (3.Pl.Kaus.Präs./Instr.)
ṛddhiyogāt parān nityam avamanyanti mānavān
durch Reichtum verachten sie stets andere Menschen (Abl./3.Pl.Präs.)
pānapāḥ sarvabhakṣāś ca paruṣāḥ kaṭukā narāḥ
Trinker, Allesesser, harte, bittere Männer (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ
so gearteten Verhaltens, durch Yamas Gebote bestraft (Nom.Pl./Instr.Pl.)
kathaṃ cit prāpya mānuṣyaṃ caṇḍālāḥ saṃbhavanti te
irgendwie Menschsein erlangt, werden sie Caṇḍālas (Abs./Nom.Pl.)
nīcakarmaratāś caiva sarveṣāṃ malahārakāḥ
niedrige Arbeit liebend und aller Unrat Wegträger (Nom.Pl.)
pareṣāṃ vandanaparās te bhavanty avamānitāḥ
anderen Verehrung erweisend, werden sie verachtet (Gen.Pl./Part.Pass.)
virūpāḥ pāpayonisthāḥ sparśanād api varjitāḥ
missgestaltet, in sündiger Geburt stehend, auch von Berührung ausgeschlossen (Nom.Pl./Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „svadharmārpaṇaṃ kāryam“ ist unsicher; als „Ausführung/Darbringung der eigenen Pflicht“ gefasst.

kuvṛttim upajīvanti bhūtvā te rajakādayaḥ; purātimānadoṣāt tu bhuñjate svakṛtaṃ phalam; tān apy avasthākṛpaṇāṃś caṇḍālān api buddhimān; na ca ninden nātikupyed bhuñjate svakṛtaṃ phalam; umā; caṇḍālā api tāṃ jātiṃ śocantaḥ śuddhim āpnuyuḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cid āśāpāśaśatair vṛtāḥ; pareṣāṃ dvāri tiṣṭhanti pratiṣiddhāḥ praveśane; draṣṭuṃ jñāpayituṃ caiva na labhante ca yatnataḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi aiśvaryasthānasaṃyutāḥ; saṃvidaṃ tu na kurvanti parair aiśvaryamohitāḥ; dvārāṇi na dadaty eva dveṣalobhādibhir vṛtāḥ; avasthāmohasaṃyuktāḥ svārthamātraparāyaṇāḥ; lubdhā bhogayutā vāpi sarveṣāṃ niṣphalā bhṛśam

Sie leben von schlechtem Gewerbe, indem sie [zum Beispiel] Wäscher und dergleichen werden; durch den Fehler früheren Übermuts genießen sie die selbst getane Frucht. Auch diese, durch ihre Lage bemitleidenswerten Caṇḍālas soll ein Verständiger weder tadeln noch zu sehr erzürnen: sie genießen die selbst getane Frucht. Umā [sprach]: „Auch Caṇḍālas könnten Reinheit erlangen, wenn sie diese Geburt bereuen. Herr, manche Menschen, von hundert Fesseln der Hoffnung umschlossen, stehen an der Tür anderer, am Eintritt gehindert, und können, so sehr sie sich bemühen, weder zu sehen noch sich melden zu lassen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst in Ämtern und Herrschaft standen, die mit anderen keine Verabredung trafen, von Herrschaft verblendet, die Türen nicht öffneten, von Hass, Gier und dergleichen umgeben, von Verblendung ihrer Lage erfüllt, nur auf ihren eigenen Zweck aus, gierig oder genussreich, für alle sehr erfolglos –

Wort für Wort
kuvṛttim upajīvanti bhūtvā te rajakādayaḥ
von schlechtem Gewerbe leben sie, Wäscher und dergleichen geworden (3.Pl.Präs./Abs.)
purātimānadoṣāt tu bhuñjate svakṛtaṃ phalam
wegen des Fehlers früheren Übermuts genießen sie die selbst getane Frucht (Abl./3.Pl.Med.Präs.)
tān apy avasthākṛpaṇāṃś caṇḍālān api buddhimān
auch diese, wegen ihrer Lage jammervollen Caṇḍālas, der Verständige (Akk.Pl./Nom.)
na ca ninden nātikupyed bhuñjate svakṛtaṃ phalam
soll weder tadeln noch übermäßig zürnen: sie genießen die selbst getane Frucht (Opt.)
umā; caṇḍālā api tāṃ jātiṃ śocantaḥ śuddhim āpnuyuḥ
Umā: auch Caṇḍālas könnten, diese Geburt bereuend, Reinheit erlangen (Part./3.Pl.Opt.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid āśāpāśaśatair vṛtāḥ
Herr, manche Menschen, von hundert Fesseln der Hoffnung umgeben (Instr.Pl./Part.Pass.)
pareṣāṃ dvāri tiṣṭhanti pratiṣiddhāḥ praveśane
an der Tür anderer stehen sie, am Eintritt gehindert (Lok./Part.Pass./Lok.)
draṣṭuṃ jñāpayituṃ caiva na labhante ca yatnataḥ
zu sehen und melden zu lassen erlangen sie nicht, trotz Bemühen (Inf./Kaus.Inf.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi aiśvaryasthānasaṃyutāḥ
die einst als Menschen, Göttin, mit Herrschaft und Ämtern verbunden (Nom.Pl.)
saṃvidaṃ tu na kurvanti parair aiśvaryamohitāḥ
mit anderen trafen sie keine Verabredung, von Herrschaft verblendet (Akk.Sg./Instr.Pl.)
dvārāṇi na dadaty eva dveṣalobhādibhir vṛtāḥ
die Türen gaben sie nicht frei, von Hass, Gier usw. umgeben (Akk.Pl./Instr.Pl.)
avasthāmohasaṃyuktāḥ svārthamātraparāyaṇāḥ
von Verblendung ihrer Lage erfüllt, nur auf den eigenen Zweck aus (Nom.Pl.)
lubdhā bhogayutā vāpi sarveṣāṃ niṣphalā bhṛśam
gierig oder genussreich, für alle sehr erfolglos (Nom.Pl./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

api śaktā na kuryur ye parānugrahakāraṇāt; nirdayāś caiva nirdvārā bhogaiśvaryagatiṃ prati; evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; durgatā duravasthāś ca karmavyākṣepasaṃyutāḥ; abhidhāvanti te sarve tam artham abhivedinaḥ; rājñāṃ vā rājamātrāṇāṃ dvāri tiṣṭhanti vāritāḥ; karma vijñāpituṃ bhadre na labhante kathaṃ cana; umā; praveṣṭum api te dvāri bahis tiṣṭhanti kāṅkṣayā; bhagavan mānuṣe loke mānuṣeṣu bahuṣv api; sahasā naṣṭasarvasvā bhraṣṭakośaparigrahāḥ; dṛśyante mānuṣāḥ ke cid rājacorodakādibhiḥ; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ

[Sie,] die, obwohl sie es vermöchten, aus Gunst gegenüber anderen nicht [helfen] – erbarmungslos und ohne Tür [für andere] im Streben nach Genuss und Herrschaft – so Handelnde, in der Wiedergeburt, Schöne: Wenn sie menschliche Geburt erlangen, so beschaffen, sind sie in Not, in übler Lage, mit Behinderung ihres Werkes verbunden. Sie alle laufen dem Ziel nach, das sie zu erfahren suchen; sie stehen abgewiesen an der Tür von Königen und Ministern und können, Edle, ihr Anliegen nie vortragen. Umā [sprach]: „Sie stehen vor der Tür, in der Hoffnung, auch nur einzutreten. Herr, in der Menschenwelt unter vielen Menschen sieht man manche plötzlich, [die] ihr ganzes Gut verloren haben, ihres Schatzes und Besitzes beraubt, durch König, Diebe, Wasser und dergleichen.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst an dämonischer Gesinnung festhielten –“

Wort für Wort
api śaktā na kuryur ye parānugrahakāraṇāt
die, obwohl fähig, es nicht täten um der Gunst anderer willen (Nom.Pl./Opt./Abl.)
nirdayāś caiva nirdvārā bhogaiśvaryagatiṃ prati
erbarmungslos und ohne Tür, im Hinblick auf Genuss und Herrschaft (Nom.Pl./Akk.)
evaṃyuktasamācārāḥ punarjanmani śobhane
so gearteten Verhaltens in der Wiedergeburt, Schöne (Nom.Pl./Lok.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
durgatā duravasthāś ca karmavyākṣepasaṃyutāḥ
in Not, in schlechter Lage, mit Behinderung des Werkes verbunden (Nom.Pl.)
abhidhāvanti te sarve tam artham abhivedinaḥ
sie alle laufen jenem Ziel nach, es zu erfahren suchend (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
rājñāṃ vā rājamātrāṇāṃ dvāri tiṣṭhanti vāritāḥ
an der Tür von Königen oder Ministern stehen sie abgewiesen (Gen.Pl./Lok./Part.Pass.)
karma vijñāpituṃ bhadre na labhante kathaṃ cana
ihr Anliegen vorzutragen erlangen sie, Edle, nie (Inf./Vok.)
umā; praveṣṭum api te dvāri bahis tiṣṭhanti kāṅkṣayā
Umā: auch einzutreten, an der Tür draußen stehen sie in Erwartung (Inf./Instr.)
bhagavan mānuṣe loke mānuṣeṣu bahuṣv api
Herr, in der Menschenwelt unter vielen Menschen (Lok.)
sahasā naṣṭasarvasvā bhraṣṭakośaparigrahāḥ
plötzlich ihr ganzes Gut verloren, ihres Schatzes und Besitzes beraubt (Nom.Pl.)
dṛśyante mānuṣāḥ ke cid rājacorodakādibhiḥ
man sieht manche Menschen durch König, Diebe, Wasser usw. [so] (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi āsuraṃ bhāvam āśritāḥ
die einst als Menschen, Göttin, dämonische Gesinnung angenommen (Nom.Pl./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „api śaktā na kuryur ye parānugrahakāraṇāt“ ist knapp; ergänzt „[zu helfen]“.

pareṣāṃ vṛttināśaṃ tu kurvate dveṣalobhataḥ; utkocanaparāś caiva piśunāś ca tathāvidhāḥ; paradravyaharā ghorāś cauryād vānyena karmaṇā; nirdayā niranukrośāḥ pareṣāṃ vṛttināśakāḥ; nāstikānṛtabhūyiṣṭhāḥ paradravyāpahāriṇaḥ; evaṃyuktasamācārā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ; nirayasthāś ciraṃ kālaṃ tatra duḥkhasamanvitāḥ; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; tatrasthāḥ prāpnuvanty eva sahasā dravyanāśanam; kaṣṭaṃ ca prāpnuvanty eva kāraṇākāraṇād api; umā; nāśaṃ vināśaṃ dravyāṇām upaghātāṃś ca sarvaśaḥ; bhagavan mānuṣāḥ ke cid bāndhavaiḥ sahasā pṛthak; kāraṇākāraṇād eva sahasā prāṇanāśanam; śastreṇa vānyathā vāpi prāpnuvanti vadhaṃ narāḥ; maheśvaraḥ

[die] anderen aus Hass und Gier die Lebensgrundlage zerstören, Erpresser und Verleumder, so beschaffen; furchtbare Räuber fremden Guts durch Diebstahl oder andere Tat, erbarmungslos, mitleidlos, Zerstörer der Lebensgrundlage anderer, voller Leugnung und Lüge, Räuber fremden Guts – so Handelnde, durch Yamas Gebote bestraft, lange Zeit in der Hölle, dort leidbehaftet; wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen: dort erfahren sie plötzlich Vermögensverlust und erleiden Qual, mit oder ohne Anlass. Umā [sprach]: „Verlust, Zerstörung und Schädigung des Besitzes in jeder Hinsicht. Herr, manche Menschen [werden] von Verwandten plötzlich getrennt, mit plötzlichem Lebensverlust, mit oder ohne Grund; durch Waffe oder auf andere Weise erleiden Männer den Tod.“ Maheśvara [sprach]:

Wort für Wort
pareṣāṃ vṛttināśaṃ tu kurvate dveṣalobhataḥ
anderen Lebensunterhalt zerstören sie aus Hass und Gier (Akk.Sg./3.Pl.Med.Präs.)
utkocanaparāś caiva piśunāś ca tathāvidhāḥ
Erpresser und Verleumder, so beschaffen (Nom.Pl.)
paradravyaharā ghorāś cauryād vānyena karmaṇā
furchtbare Räuber fremden Guts durch Diebstahl oder andere Tat (Nom.Pl./Abl./Instr.)
nirdayā niranukrośāḥ pareṣāṃ vṛttināśakāḥ
erbarmungslos, mitleidlos, anderer Lebensunterhalt zerstörend (Nom.Pl.)
nāstikānṛtabhūyiṣṭhāḥ paradravyāpahāriṇaḥ
voller Leugnung und Lüge, Räuber fremden Guts (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārā daṇḍitā yamaśāsanaiḥ
so gearteten Verhaltens, durch Yamas Gebote bestraft (Nom.Pl./Instr.Pl.)
nirayasthāś ciraṃ kālaṃ tatra duḥkhasamanvitāḥ
lange Zeit in der Hölle, dort leidbehaftet (Nom.Pl.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
tatrasthāḥ prāpnuvanty eva sahasā dravyanāśanam
dort weilend erfahren sie plötzlich Vermögensverlust (Nom.Pl./Akk.Sg.)
kaṣṭaṃ ca prāpnuvanty eva kāraṇākāraṇād api
und Not erleiden sie, mit oder ohne Anlass (Akk.Sg./Abl.)
umā; nāśaṃ vināśaṃ dravyāṇām upaghātāṃś ca sarvaśaḥ
Umā: Verlust, Zerstörung der Güter und Schädigungen in jeder Hinsicht (Akk.Sg./Gen.Pl./Akk.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid bāndhavaiḥ sahasā pṛthak
Herr, manche Menschen von Verwandten plötzlich getrennt (Vok./Instr.Pl./Adv.)
kāraṇākāraṇād eva sahasā prāṇanāśanam
mit oder ohne Grund plötzlicher Lebensverlust (Abl./Akk.Sg.)
śastreṇa vānyathā vāpi prāpnuvanti vadhaṃ narāḥ
durch Waffe oder auf andere Weise erleiden Männer den Tod (Instr./3.Pl.Präs.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [spricht] (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz „bāndhavaiḥ sahasā pṛthak“ (Verwandte) ist knapp; Konstruktion ergänzt.

kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi ghorakarmaratā narāḥ; āsurāḥ prāyaśo mūrkhāḥ prāṇihiṃsāpriyā bhṛśam; nirdayāḥ prāṇihiṃsāyāṃ tathā prāṇavighātakāḥ; viśvastaghātakāś caiva tathā suptavighātakāḥ; prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā nāstikā māṃsabhojinaḥ; evaṃyuktasamācārāḥ prāṇidharmagatāḥ punaḥ; daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye; tiryagyoniṃ punaḥ prāpya tatra duḥkhaparikṣayāt; yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ; tatra te prāpnuvanty eva vadhabandhān yathā tathā; āḍhyā vā durgatā vāpi bhuñjate svakṛtaṃ phalam; suptā mattāś ca viśvastās tathā te prāpnuvanty uta; prāṇābādhakṛtaṃ duḥkhaṃ bāndhavaiḥ sahasā pṛthak

„Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen. Die Menschen, o Göttin, die einst furchtbaren Taten zugetan waren, dämonische, meist Törichte, der Tötung von Lebewesen sehr zugeneigt, erbarmungslos im Verletzen von Lebewesen und Lebensvernichter, Mörder von Vertrauenden und Mörder von Schlafenden, meist voller Lüge, Leugner, Fleischesser – so Handelnde, der Art der Lebewesen [nach dem Tod] folgend, wurden mit Yamas Stock gestraft und weilten lange in der Hölle, Liebe. Nachdem sie wieder in eine Tiergeburt gelangt sind und dort ihr Leid aufgezehrt haben, erleiden sie, wenn sie menschliche Geburt erlangen, so beschaffen, dort Tötung und Fesselung, wie es sich fügt. Ob reich oder in Not, sie genießen die selbst getane Frucht: Im Schlaf, im Rausch und im Vertrauen erleiden sie so das durch Lebensbedrängung verursachte Leid, plötzlich, getrennt von den Verwandten.“

Wort für Wort
kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi ghorakarmaratā narāḥ
die einst als Menschen, Göttin, an furchtbaren Taten Gefallen fanden (Nom.Pl.)
āsurāḥ prāyaśo mūrkhāḥ prāṇihiṃsāpriyā bhṛśam
dämonisch, meist Törichte, dem Töten von Lebewesen sehr zugeneigt (Nom.Pl.)
nirdayāḥ prāṇihiṃsāyāṃ tathā prāṇavighātakāḥ
erbarmungslos im Verletzen von Lebewesen und Lebenszerstörer (Nom.Pl./Lok.)
viśvastaghātakāś caiva tathā suptavighātakāḥ
Mörder Vertrauender und Mörder Schlafender (Nom.Pl.)
prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā nāstikā māṃsabhojinaḥ
meist lügenreich, Leugner, Fleischesser (Nom.Pl.)
evaṃyuktasamācārāḥ prāṇidharmagatāḥ punaḥ
so gearteten Verhaltens, wieder zur Daseinsweise der Lebewesen gegangen (Nom.Pl.)
daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye
mit Yamas Stock gestraft, lange in der Hölle, Liebe (Part.Pass./Vok.)
tiryagyoniṃ punaḥ prāpya tatra duḥkhaparikṣayāt
in Tiergeburt wieder gelangt, dort nach Aufzehrung des Leids (Abs./Abl.)
yadi cen mānuṣaṃ janma labheraṃs te tathāvidhāḥ
wenn sie, so beschaffen, menschliche Geburt erlangen (3.Pl.Opt.)
tatra te prāpnuvanty eva vadhabandhān yathā tathā
dort erleiden sie Tötung und Fesselung, wie es sich fügt (3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
āḍhyā vā durgatā vāpi bhuñjate svakṛtaṃ phalam
ob reich oder in Not, sie genießen die selbst getane Frucht (3.Pl.Med.Präs.)
suptā mattāś ca viśvastās tathā te prāpnuvanty uta
schlafend, berauscht und vertrauend erleiden sie so [es] (Nom.Pl.)
prāṇābādhakṛtaṃ duḥkhaṃ bāndhavaiḥ sahasā pṛthak
das durch Lebensbedrängung verursachte Leid, plötzlich, von Verwandten getrennt (Akk.Sg./Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „prāṇidharmagatāḥ“ (wörtl. „zur Wesensart der Lebewesen gegangen“, wohl: gestorben) unsicher.

umā; putradāravināśaṃ vā śastreṇānyena vā vadham; bhagavan mānuṣāḥ ke cid rājabhir nītikovidaiḥ; daṇḍyante mānuṣe loke mānuṣāḥ satataṃ bhuvi; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi manujāṃś cetarāṃś ca vā; kliṣṭaghātena nighnanti prāṇān prāṇiṣu nirdayāḥ; asurā ghorakarmāṇaḥ krūradaṇḍavadhapriyāḥ; ye daṇḍayanty adaṇḍyāṃs tu rājānaḥ kopamohitāḥ; hiṃsāvihārāḥ puruṣā māṃsādā nāstikāḥ śubhe; ke cit strīpuruṣaghnāś ca gurughnāś ca tathā priye; evaṃyuktasamācārāḥ prāṇidharmagatāḥ punaḥ; daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye; pūrvadehakṛtaṃ karma bhuñjate tad iha prajāḥ; ihaiva yat kṛtaṃ karma tat paratra phalaty uta

Umā [sprach]: „Auch Verlust von Söhnen und Frauen oder Tod durch Waffe oder auf andere Weise. Herr, manche Menschen werden in der Menschenwelt auf Erden ständig von Königen, die des Rechten Kundige sind, bestraft.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst Menschen und andere Wesen durch quälende Tötung [ihres Lebens] beraubten, erbarmungslose [Mörder] von Lebewesen, Asuras, furchtbarer Taten, grausamer Strafe und Tötung zugetan; die Könige, die, von Zorn verblendet, Unbestrafbare strafen; Menschen, an Gewalt sich ergötzend, Fleischesser, Leugner, Schöne; manche Mörder von Frauen und Männern und Lehrermörder, Liebe – so Handelnde, wieder zur Daseinsweise der Lebewesen gegangen, durch Yamas Stock gestraft, weilten lange in der Hölle, Liebe. Die im früheren Körper getane Tat genießen die Geschöpfe hier; was hier getan wird, trägt im Jenseits Frucht.“

Wort für Wort
umā; putradāravināśaṃ vā śastreṇānyena vā vadham
Umā: Verlust von Söhnen und Frauen oder Tötung durch Waffe oder anderes (Akk.Sg./Instr.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cid rājabhir nītikovidaiḥ
Herr, manche Menschen von Königen, in der Rechtspolitik bewandert (Instr.Pl.)
daṇḍyante mānuṣe loke mānuṣāḥ satataṃ bhuvi
werden bestraft in der Menschenwelt, Menschen, ständig auf Erden (3.Pl.Pass./Lok.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi manujāṃś cetarāṃś ca vā
die einst als Menschen, Göttin, Menschen und andere (Akk.Pl.)
kliṣṭaghātena nighnanti prāṇān prāṇiṣu nirdayāḥ
durch quälende Tötung rauben sie das Leben, erbarmungslos gegen Lebewesen (Instr./3.Pl.Präs./Akk.Pl.)
asurā ghorakarmāṇaḥ krūradaṇḍavadhapriyāḥ
Asuras, furchtbarer Taten, grausamer Strafe und Tötung zugetan (Nom.Pl.)
ye daṇḍayanty adaṇḍyāṃs tu rājānaḥ kopamohitāḥ
die Unbestrafbare strafen, Könige, von Zorn verblendet (3.Pl.Kaus.Präs./Akk.Pl./Nom.Pl.)
hiṃsāvihārāḥ puruṣā māṃsādā nāstikāḥ śubhe
an Gewalt sich ergötzend, Männer, Fleischesser, Leugner, Schöne (Nom.Pl./Vok.)
ke cit strīpuruṣaghnāś ca gurughnāś ca tathā priye
manche Frauen- und Männermörder und Lehrermörder, Liebe (Nom.Pl./Vok.)
evaṃyuktasamācārāḥ prāṇidharmagatāḥ punaḥ
so gearteten Verhaltens, wieder zur Daseinsweise der Lebewesen gegangen (Nom.Pl.)
daṇḍitā yamadaṇḍena nirayasthāś ciraṃ priye
mit Yamas Stock gestraft, lange in der Hölle, Liebe (Part.Pass./Vok.)
pūrvadehakṛtaṃ karma bhuñjate tad iha prajāḥ
die im früheren Körper getane Tat genießen hier die Geschöpfe (Part.Pass./3.Pl.Präs.)
ihaiva yat kṛtaṃ karma tat paratra phalaty uta
was hier getan wird, das trägt im Jenseits Frucht (Part.Pass./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

eṣā vyavasthitir devi mānuṣeṣv eva dṛśyate; na ṛṣīṇāṃ na devānām amaratvāt tapobalāt; tair ekena śarīreṇa bhujyate karmaṇaḥ phalam; umā; na tathā mānuṣāṇāṃ syād antardhāya bhaved dhi tam; kimarthaṃ mānuṣā loke daṇḍyante pṛthivīśvaraiḥ; kṛtāparādham uddiśya hantā hartāyam ity uta; putrārthī putrakāmeṣṭyā ihaiva labhate sutān; tenaiva hi śarīreṇa bhuñjānāḥ karmaṇāṃ phalam; dṛśyante mānuṣe loke tad bhavān anumanyate; maheśvaraḥ; etan me saṃśayasthānaṃ tat tvaṃ śaṃsitum arhasi; sthāne saṃśayitaṃ devi tat tvaṃ śṛṇu samāhitā; karma karmaphalaṃ ceti yugapad bhuvi neṣyate; yat tvayābhihitaṃ devi hantā hartāyam ity api; teṣāṃ tatpūrvakaṃ karma daṇḍyate yatra rājabhiḥ

„Diese Ordnung, Göttin, sieht man nur bei den Menschen; nicht bei Ṛṣis, nicht bei Göttern, wegen [ihrer] Unsterblichkeit und Askesekraft: Sie genießen mit einem einzigen Körper die Frucht der Tat.“ Umā [sprach]: „Nicht so wäre es bei den Menschen; nach dem Verschwinden würde es sich zeigen. Weshalb werden Menschen in der Welt von den Erdenherrschern bestraft im Hinblick auf ein begangenes Vergehen: ‚Dieser ist ein Töter, dieser ein Dieb‘? Wer einen Sohn wünscht, erlangt durch das Söhnewunsch-Opfer hier Söhne; mit eben diesem Körper genießend die Frucht der Taten sieht man sie in der Menschenwelt; das billigst du.“ Maheśvara [sprach]: „Dies ist mein Zweifelspunkt; das mögest du mir sagen.“ – „Zu Recht, Göttin, hast du gezweifelt; höre das aufmerksam: Tat und Tatfrucht werden auf Erden nicht zugleich angenommen. Was du gesagt hast, Göttin: ‚Dieser ist Töter, dieser Dieb‘ – deren frühere Tat, bei der sie von Königen bestraft werden –

Wort für Wort
eṣā vyavasthitir devi mānuṣeṣv eva dṛśyate
diese Ordnung, Göttin, sieht man nur bei Menschen (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
na ṛṣīṇāṃ na devānām amaratvāt tapobalāt
nicht bei Ṛṣis, nicht bei Göttern, wegen Unsterblichkeit, aus Askesekraft (Gen.Pl./Abl.)
tair ekena śarīreṇa bhujyate karmaṇaḥ phalam
von ihnen mit einem Körper wird die Tatfrucht genossen (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
umā; na tathā mānuṣāṇāṃ syād antardhāya bhaved dhi tam
Umā: nicht so wäre es bei Menschen; nach dem Verschwinden würde es sich zeigen (Opt./Abs.)
kimarthaṃ mānuṣā loke daṇḍyante pṛthivīśvaraiḥ
weshalb werden Menschen in der Welt von Erdenherrschern bestraft (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
kṛtāparādham uddiśya hantā hartāyam ity uta
im Hinblick auf ein begangenes Vergehen: „dieser ist Töter, dieser Dieb“ (Abs./Nom.)
putrārthī putrakāmeṣṭyā ihaiva labhate sutān
der Sohnwünschende erlangt durch das Söhnewunsch-Opfer hier Söhne (Instr./3.Sg.Präs.)
tenaiva hi śarīreṇa bhuñjānāḥ karmaṇāṃ phalam
mit eben diesem Körper die Frucht der Taten genießend (Instr./Part.Med.)
dṛśyante mānuṣe loke tad bhavān anumanyate
sie werden in der Menschenwelt gesehen, das billigst du (3.Pl.Pass./3.Sg.Med.Präs.)
maheśvaraḥ; etan me saṃśayasthānaṃ tat tvaṃ śaṃsitum arhasi
Maheśvara: dies ist mein Zweifelspunkt, das mögest du mir sagen (Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi tat tvaṃ śṛṇu samāhitā
zu Recht gezweifelt, Göttin; das höre aufmerksam (Part.Pass./Imp.)
karma karmaphalaṃ ceti yugapad bhuvi neṣyate
Tat und Tatfrucht werden auf Erden nicht zugleich angenommen (3.Sg.Pass.)
yat tvayābhihitaṃ devi hantā hartāyam ity api
was von dir gesagt wurde, Göttin: „dieser Töter, dieser Dieb“ (Instr./Part.Pass.)
teṣāṃ tatpūrvakaṃ karma daṇḍyate yatra rājabhiḥ
deren frühere Tat, bei der sie von Königen bestraft werden (Gen.Pl./3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rollenverteilung ist hier vertauscht (Maheśvara spricht die Zweifelsfrage aus, Umā antwortet nicht); der Text wird wie überliefert wiedergegeben. „antardhāya bhaved dhi tam“ ist unsicher.

daihikaṃ duṣkṛtaṃ teṣāṃ hetur bhavati śāsane; aparādhāpadeśena rājā daṇḍayati prajāḥ; ihaloke vyavasthārthaṃ rājabhir daṇḍanaṃ smṛtam; udvejanārthaṃ śeṣāṇām aparādhaṃ tam uddiśan; purākṛtaphalaṃ daṇḍo daṇḍyamānasya tad dhruvam; umā; prāg eva ca mayā proktaṃ tatra niḥsaṃśayā bhava; bhagavan bhuvi martyānāṃ daṇḍitānāṃ nareśvaraiḥ; daṇḍenaiva tu teneha pāpanāśo bhaven na vā; maheśvaraḥ; etan mayā saṃśayitaṃ tad bhavāṃś chettum arhati; sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā; ye nṛpair daṇḍitā bhūmāv aparādhāpadeśataḥ; yamaloke na daṇḍyante tatra te yamadaṇḍanaiḥ; adaṇḍitā vā ye mithyā martyā vā daṇḍitā bhuvi; tān yamo daṇḍayaty eva sa hi veda kṛtākṛtam

Ihre in einem [früheren] Körper begangene Untat ist bei der Bestrafung der Grund. Unter dem Vorwand eines Vergehens straft der König die Untertanen; in dieser Welt gilt die Strafe der Könige der Ordnung wegen; zur Abschreckung der übrigen, indem er auf jenes Vergehen verweist. Die Strafe ist die Frucht der früher getanen Tat des Bestraften; das ist gewiss.“ Umā [sprach]: „Das habe ich dir schon früher gesagt; sei darüber frei von Zweifel. Herr, ob die von Königen bestraften Sterblichen auf Erden durch eben diese Strafe hier von der Sünde befreit werden oder nicht.“ Maheśvara [sprach]: „Dies habe ich bezweifelt; das mögest du entscheiden.“ – „Zu Recht gezweifelt, Göttin; höre du aufmerksam: Die von Königen auf Erden unter dem Vorwand eines Vergehens Bestraften werden in Yamas Welt dort nicht durch Yamas Strafen bestraft. Die aber unbestraft [blieben] oder als Sterbliche zu Unrecht auf Erden bestraft wurden, die straft Yama gewiss; denn er kennt Getanes und Ungetanes.“

Wort für Wort
daihikaṃ duṣkṛtaṃ teṣāṃ hetur bhavati śāsane
die körperliche/frühere Untat von ihnen ist der Grund bei der Bestrafung (Nom.Sg./Lok.)
aparādhāpadeśena rājā daṇḍayati prajāḥ
unter dem Vorwand des Vergehens straft der König die Untertanen (Instr./3.Sg.Kaus.Präs.)
ihaloke vyavasthārthaṃ rājabhir daṇḍanaṃ smṛtam
in dieser Welt zur Ordnung gilt die Strafe der Könige (Lok./Instr.Pl./Part.Pass.)
udvejanārthaṃ śeṣāṇām aparādhaṃ tam uddiśan
zur Abschreckung der übrigen, auf jenes Vergehen hinweisend (Gen.Pl./Part.Präs.)
purākṛtaphalaṃ daṇḍo daṇḍyamānasya tad dhruvam
die Strafe ist die Frucht früher Getanen des Bestraften, das ist gewiss (Gen.Sg.)
umā; prāg eva ca mayā proktaṃ tatra niḥsaṃśayā bhava
Umā: schon früher wurde von mir gesagt; sei dort ohne Zweifel (Instr./Imp.)
bhagavan bhuvi martyānāṃ daṇḍitānāṃ nareśvaraiḥ
Herr, unter den auf Erden von Königen bestraften Sterblichen (Gen.Pl./Instr.Pl.)
daṇḍenaiva tu teneha pāpanāśo bhaven na vā
durch eben diese Strafe hier ob Sündenvernichtung sei oder nicht (Instr./Opt.)
maheśvaraḥ; etan mayā saṃśayitaṃ tad bhavāṃś chettum arhati
Maheśvara: dies wurde von mir bezweifelt, das mögest du entscheiden (Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
zu Recht gezweifelt, Göttin; höre du aufmerksam (Part.Pass./Imp.)
ye nṛpair daṇḍitā bhūmāv aparādhāpadeśataḥ
die von Königen auf Erden Bestraften unter dem Vorwand des Vergehens (Instr.Pl./Lok./Abl.)
yamaloke na daṇḍyante tatra te yamadaṇḍanaiḥ
in Yamas Welt werden sie dort nicht durch Yamas Strafen bestraft (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
adaṇḍitā vā ye mithyā martyā vā daṇḍitā bhuvi
oder Unbestrafte, oder die zu Unrecht bestraften Sterblichen auf Erden (Nom.Pl.)
tān yamo daṇḍayaty eva sa hi veda kṛtākṛtam
die straft Yama gewiss, denn er kennt Getanes und Ungetanes (3.Sg.Kaus.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „daihikaṃ duṣkṛtam“ (körperliche/früher im Körper begangene Untat) ist knapp; Sprecherwechsel (Umā/Maheśvara) wie überliefert.

nātikramed yamaṃ kaś cit karma kṛtveha mānuṣaḥ; rājā yamaś ca kurvāte daṇḍamātraṃ tu śobhane; ubhābhyāṃ yamarājabhyāṃ daṇḍito 'daṇḍito 'pi vā; paścāt karmaphalaṃ bhuṅkte narake mānuṣeṣu vā; nāsti karmaphalacchettā kaś cil lokatraye 'pi ca; umā; iti te kathitaṃ sarvaṃ nirviśaṅkā bhava priye; kimarthaṃ duṣkṛtaṃ kṛtvā mānuṣā bhuvi nityaśaḥ; punas tatkarmanāśāya prāyaścittāni kurvate; sarvapāpaharaṃ ceti hayamedhaṃ vadanti ca; prāyaścittāni cānyāni pāpanāśāya kurvate; maheśvaraḥ; tasmān me saṃśayo jātas tvaṃ taṃ chettum ihārhasi; sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā; saṃśayo hi mahān eṣa pūrveṣāṃ ca manīṣiṇām; dvidhā tu kriyate pāpaṃ sadbhiś cāsadbhir eva ca

„Niemand, der hier als Mensch eine Tat begangen hat, entgeht Yama. König und Yama üben, Schöne, [beide] nur Strafe aus: Von beiden, Yama und König, bestraft oder unbestraft, genießt er danach die Tatfrucht in der Hölle oder unter den Menschen. Niemand in den drei Welten kann die Tatfrucht abschneiden.“ Umā [sprach]: „So ist dir alles gesagt; sei ohne Zweifel, Liebe.“ – „Weshalb, nachdem die Menschen auf Erden ständig Untat begangen haben, vollziehen sie wieder Sühnen, um die Tat zu tilgen? Man sagt, das Rossopfer nehme alle Sünde weg, und sie vollziehen zur Sündentilgung auch andere Sühnen.“ Maheśvara [sprach]: „Daher ist mir ein Zweifel entstanden; den mögest du hier entscheiden.“ – „Zu Recht gezweifelt, Göttin; höre du aufmerksam: Dieser Zweifel ist groß, auch für die Weisen der Vorzeit. Auf zweierlei Weise wird Sünde begangen, von Guten und von Schlechten.“

Wort für Wort
nātikramed yamaṃ kaś cit karma kṛtveha mānuṣaḥ
nicht entgeht Yama irgendein Mensch, der hier eine Tat begangen hat (Opt./Abs.)
rājā yamaś ca kurvāte daṇḍamātraṃ tu śobhane
König und Yama üben nur Strafe aus, Schöne (3.Du.Med.Präs.)
ubhābhyāṃ yamarājabhyāṃ daṇḍito 'daṇḍito 'pi vā
von beiden, Yama und König, bestraft oder unbestraft (Instr.Du.)
paścāt karmaphalaṃ bhuṅkte narake mānuṣeṣu vā
danach genießt er die Tatfrucht in der Hölle oder unter Menschen (3.Sg.Präs.)
nāsti karmaphalacchettā kaś cil lokatraye 'pi ca
es gibt keinen Zerschneider der Tatfrucht, auch nicht in den drei Welten (Nom.Sg.)
umā; iti te kathitaṃ sarvaṃ nirviśaṅkā bhava priye
Umā: so ist dir alles gesagt, sei ohne Zweifel, Liebe (Imp./Vok.)
kimarthaṃ duṣkṛtaṃ kṛtvā mānuṣā bhuvi nityaśaḥ
weshalb, nachdem Menschen auf Erden ständig Untat begangen haben (Abs.)
punas tatkarmanāśāya prāyaścittāni kurvate
vollziehen sie wieder zur Tilgung dieser Tat Sühnen (Dat./Akk.Pl./3.Pl.Med.Präs.)
sarvapāpaharaṃ ceti hayamedhaṃ vadanti ca
und sie sagen, das Rossopfer nehme alle Sünde weg (Akk.Sg./3.Pl.Präs.)
prāyaścittāni cānyāni pāpanāśāya kurvate
und andere Sühnen tun sie zur Tilgung der Sünde (Dat.)
maheśvaraḥ; tasmān me saṃśayo jātas tvaṃ taṃ chettum ihārhasi
Maheśvara: daher ist mir ein Zweifel entstanden; den mögest du hier entscheiden (Part.Pass./Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
zu Recht gezweifelt, Göttin; höre du aufmerksam (Part.Pass./Imp.)
saṃśayo hi mahān eṣa pūrveṣāṃ ca manīṣiṇām
dieser Zweifel ist groß, auch für die Weisen der Vorzeit (Nom.Sg./Gen.Pl.)
dvidhā tu kriyate pāpaṃ sadbhiś cāsadbhir eva ca
auf zweierlei Weise wird Sünde begangen, von Guten und von Schlechten (Adv./3.Sg.Pass./Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Sprecherwechsel „umā“ vor „iti te kathitaṃ“ bzw. „maheśvaraḥ“ vor dem Zweifel ist im Text vertauscht; die überlieferte Zuordnung bleibt.

abhisaṃdhāya vā nityam anyathā vā yadṛcchayā; kevalaṃ cābhisaṃdhāya saṃrambhāc ca karoti yat; karmaṇas tasya nāśas tu na kathaṃ cana vidyate; abhisaṃdhikṛtasyeha naiva nāśo 'sti karmaṇaḥ; aśvamedhasahasrair vā prāyaścittaśatair api; anyathā yat kṛtaṃ pāpaṃ pramādād vā yadṛcchayā; prāyaścittāśvamedhābhyāṃ śodhanāt tu praṇaśyati; lokasaṃvyavahārārthaṃ prāyaścittādir iṣyate; viddhy evaṃ pāpake kārye nirviśaṅkā bhava priye; umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan devadeveśa mānuṣāś cetarā api; mriyante bahudhā loke kāraṇākāraṇād api; maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi; ye purā manujā devi kāraṇākāraṇād api

[Sie wird begangen] entweder mit Vorsatz oder anders, aus Zufall. Was jemand allein mit Vorsatz und aus Heftigkeit tut, dessen Tat wird auf keine Weise vernichtet; die vorsätzlich begangene Tat wird hier gewiss nicht getilgt, auch nicht durch tausend Rossopfer oder hundert Sühnen. Die Sünde aber, die anders begangen wurde, aus Nachlässigkeit oder zufällig, vergeht durch Sühne und Rossopfer, durch Reinigung. Zur Regelung des Weltverkehrs sind Sühne und dergleichen erwünscht. Wisse es so bei der Sündentat; sei ohne Zweifel, Liebe.“ Umā [sprach]: „So ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ – „Herr, Gott der Götter, Menschen und andere sterben auf vielerlei Weise in der Welt, mit oder ohne Anlass.“ Maheśvara [sprach]: „Durch welche Reifung der Taten [ist das]? Das mögest du mir sagen.“ – „Die Menschen, o Göttin, die einst mit oder ohne Anlass –

Wort für Wort
abhisaṃdhāya vā nityam anyathā vā yadṛcchayā
entweder mit Vorsatz stets oder anders, aus Zufall (Abs./Instr.)
kevalaṃ cābhisaṃdhāya saṃrambhāc ca karoti yat
und was man allein mit Vorsatz und aus Heftigkeit tut (Abs./Abl.)
karmaṇas tasya nāśas tu na kathaṃ cana vidyate
für diese Tat gibt es Vernichtung auf keine Weise (Gen./Nom.Sg.)
abhisaṃdhikṛtasyeha naiva nāśo 'sti karmaṇaḥ
für vorsätzlich Getanes gibt es hier keine Vernichtung der Tat (Gen.)
aśvamedhasahasrair vā prāyaścittaśatair api
auch nicht durch tausend Rossopfer oder hundert Sühnen (Instr.Pl.)
anyathā yat kṛtaṃ pāpaṃ pramādād vā yadṛcchayā
die Sünde, die anders getan wurde, aus Nachlässigkeit oder Zufall (Part.Pass./Abl./Instr.)
prāyaścittāśvamedhābhyāṃ śodhanāt tu praṇaśyati
durch Sühne und Rossopfer vergeht sie durch Reinigung (Instr.Du./Abl./3.Sg.Präs.)
lokasaṃvyavahārārthaṃ prāyaścittādir iṣyate
zum Weltverkehr sind Sühne usw. erwünscht (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
viddhy evaṃ pāpake kārye nirviśaṅkā bhava priye
wisse es so bei der Sündentat; sei ohne Zweifel, Liebe (Imp.)
umā; iti te kathitaṃ devi kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: so ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?
bhagavan devadeveśa mānuṣāś cetarā api
Herr, Gott der Götter, Menschen und auch andere (Nom.Pl.)
mriyante bahudhā loke kāraṇākāraṇād api
sterben auf vielerlei Weise in der Welt, mit oder ohne Anlass (3.Pl.Med.Präs.)
maheśvaraḥ; kena karmavipākena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: durch welche Tatenreife, das mögest du mir sagen (Instr./Inf.)
ye purā manujā devi kāraṇākāraṇād api
die einst Menschen, Göttin, mit oder ohne Anlass (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „abhisaṃdhāya vā nityam“ unklar (nityam wohl verderbt); Satzbau ergänzt.

yathāsubhir viyojyante prāṇinaḥ prāṇinirdayaiḥ; tathaiva te prāpnuvanti yathaivātmakṛtaṃ phalam; viṣadas tu viṣeṇaiva śastraiḥ śastreṇa ghātakaḥ; evam eva yathā loke mānuṣā ghnanti mānuṣān; kāraṇair eva te tena tathā svaprāṇanāśanam; prāpnuvanti punar devi nāsti tatra vicāraṇā; iti te kathitaṃ sarvaṃ pāpakarmaphalaṃ priye; bhūyas tava samāsena kathayiṣyāmi tac chṛṇu; satyapramāṇakaraṇaṃ nityam avyabhicāri ca; yaiḥ purā manujair devi yasmin kāle yathā kṛtam; yenaiva kāraṇenāpi karma yat tu śubhāśubham; tasmin kāle tathā devi tenaiva karaṇena te; prāpnuvanti narāḥ pretya niḥsaṃdehaṃ śubhāśubham; iti satyaṃ vijānīhi lokatantravidhiṃ prati; karma kṛtvā naro bhoktā sa nāsti divi vā bhuvi

[Wie] Lebewesen von erbarmungslosen Wesen des Lebens beraubt werden, so erleiden sie, wie sie es selbst getan haben, die Frucht: der Giftgeber durch Gift, der Mörder durch Waffen. So auch, wie in der Welt Menschen Menschen töten, so erleiden sie aus denselben Gründen und auf dieselbe Weise den Verlust des eigenen Lebens wieder, Göttin; darüber gibt es keine Erwägung. So ist dir alles über die Frucht sündiger Taten gesagt, Liebe. Weiter will ich dir in Kürze sagen; höre es: Das Prinzip der Wahrheit als Maßstab ist stets untrüglich. Was Menschen früher, Göttin, zu welcher Zeit und auf welche Weise getan haben, durch welchen Grund auch immer, sei die Tat gut oder schlecht, zu jener Zeit, Göttin, und durch eben dasselbe Mittel erlangen die Männer nach dem Tod zweifelsfrei Gutes und Schlechtes. Erkenne dies als Wahrheit im Hinblick auf die Ordnung der Welt. Wer eine Tat begangen hat, ist der Genießer; es gibt keinen [der ihr entgeht] im Himmel oder auf Erden.“

Wort für Wort
yathāsubhir viyojyante prāṇinaḥ prāṇinirdayaiḥ
wie Lebewesen durch lebenserbarmungslose [Wesen] vom Leben getrennt werden (3.Pl.Pass./Instr.Pl.)
tathaiva te prāpnuvanti yathaivātmakṛtaṃ phalam
ebenso erleiden sie, wie sie selbst die Frucht getan haben (3.Pl.Präs.)
viṣadas tu viṣeṇaiva śastraiḥ śastreṇa ghātakaḥ
der Giftgeber durch Gift, der Mörder durch Waffen (Nom./Instr.)
evam eva yathā loke mānuṣā ghnanti mānuṣān
ebenso, wie in der Welt Menschen Menschen töten (3.Pl.Präs.)
kāraṇair eva te tena tathā svaprāṇanāśanam
aus denselben Gründen erleiden sie so den Verlust des eigenen Lebens (Instr.Pl.)
prāpnuvanti punar devi nāsti tatra vicāraṇā
wieder erlangen sie, Göttin; dort gibt es keine Erwägung (3.Pl.Präs.)
iti te kathitaṃ sarvaṃ pāpakarmaphalaṃ priye
so ist dir alles über die Frucht der Sündentat gesagt, Liebe (Part.Pass.)
bhūyas tava samāsena kathayiṣyāmi tac chṛṇu
weiter will ich dir in Kürze sagen; höre das (1.Sg.Fut./Imp.)
satyapramāṇakaraṇaṃ nityam avyabhicāri ca
das Prinzip der Wahrheit als Maßstab, stets untrüglich (Nom.Sg.)
yaiḥ purā manujair devi yasmin kāle yathā kṛtam
was von Menschen früher, Göttin, zu welcher Zeit und wie getan wurde (Instr.Pl./Lok.)
yenaiva kāraṇenāpi karma yat tu śubhāśubham
durch welchen Grund auch immer, die Tat, ob gut oder schlecht (Instr.)
tasmin kāle tathā devi tenaiva karaṇena te
zu jener Zeit ebenso, Göttin, durch eben dasselbe Mittel sie (Lok./Instr.)
prāpnuvanti narāḥ pretya niḥsaṃdehaṃ śubhāśubham
erlangen Männer nach dem Tod zweifelsfrei Gutes und Schlechtes (3.Pl.Präs./Abs.)
iti satyaṃ vijānīhi lokatantravidhiṃ prati
so erkenne es als wahr im Hinblick auf die Ordnung der Welt (Imp.)
karma kṛtvā naro bhoktā sa nāsti divi vā bhuvi
wer die Tat begangen hat, ist der Genießer; einen [der entgeht] gibt es nicht im Himmel oder auf Erden (Abs./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „satyapramāṇakaraṇam“ und der letzte Halbvers („sa nāsti …“) sind knapp und nur sinngemäß gefasst.

na śakyaṃ karma cābhoktuṃ sadevāsuramānuṣaiḥ; karmaṇā grathito loka ādiprabhṛti vartate; etad uddeśataḥ proktaṃ karmapākaphalaṃ priye; yad anyac ca mayā noktaṃ yasmiṃs te karmasaṃgrahe; buddhitarkeṇa tat sarvaṃ tathā veditum arhasi; umā; kathitaṃ śrotukāmāyāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi; bhagavan sarvalokeśa lokapālanamaskṛta; prasādāt te mahādeva śrutā me karmaṇāṃ gatiḥ; saṃgṛhītaṃ ca tat sarvaṃ tattvato 'mṛtasaṃnibham; karmaṇā grathitaṃ sarvam iti vedmi śubhāśubham; govatsavac ca jananīṃ nimnaṃ salilavat tathā; kartāraṃ svakṛtaṃ karma nityaṃ tam anudhāvati; kṛtasya karmaṇaś ceha na nāśo 'stīti niścayaḥ; aśubhasya śubhasyāpi tad apy avagataṃ mayā

Man kann die Tat nicht ungenossen lassen, nicht [einmal] mit Göttern, Asuras und Menschen. Durch die Tat ist die Welt geknüpft; von Anfang an besteht sie so. Dies ist in Kürze die Tatreife-Frucht gesagt, Liebe; was ich sonst nicht gesagt habe, in dieser Zusammenfassung der Taten, das sollst du durch Verstandesüberlegung ebenso zu erkennen vermögen.“ Umā [sprach]: „Der Hörbegierigen ist gesagt; was willst du noch hören? Herr, Herr aller Welten, von den Weltenhütern verehrt! Durch deine Gnade, o Mahādeva, habe ich den Weg der Taten gehört; und alles ist der Wahrheit gemäß erfasst, dem Nektar gleich. Ich weiß: Durch die Tat ist alles geknüpft, Gutes und Schlechtes. Wie das Kalb der Mutter und wie Wasser der Niederung, so folgt dem Täter stets seine selbst getane Tat. Für getane Tat gibt es hier keine Vernichtung; das ist gewiss, für Schlechtes wie für Gutes; auch das habe ich verstanden.“

Wort für Wort
na śakyaṃ karma cābhoktuṃ sadevāsuramānuṣaiḥ
und man kann die Tat nicht ungenossen lassen, samt Göttern, Asuras, Menschen (Inf./Instr.Pl.)
karmaṇā grathito loka ādiprabhṛti vartate
durch die Tat geknüpft besteht die Welt von Anfang an (Part.Pass./3.Sg.Med.Präs.)
etad uddeśataḥ proktaṃ karmapākaphalaṃ priye
dies ist in Kürze gesagt, die Frucht der Tatreife, Liebe (Part.Pass./Vok.)
yad anyac ca mayā noktaṃ yasmiṃs te karmasaṃgrahe
was sonst von mir nicht gesagt wurde, in dieser Zusammenfassung der Taten für dich (Instr.Sg./Lok.)
buddhitarkeṇa tat sarvaṃ tathā veditum arhasi
durch Verstandesüberlegung sollst du das alles ebenso erkennen können (Instr./Inf.)
umā; kathitaṃ śrotukāmāyāḥ kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi
Umā: der Hörbegierigen ist gesagt; was willst du noch hören? (Part.Pass./Gen.f.)
bhagavan sarvalokeśa lokapālanamaskṛta
Herr, Herr aller Welten, von den Weltenhütern verehrt (Vok.)
prasādāt te mahādeva śrutā me karmaṇāṃ gatiḥ
durch deine Gnade, Mahādeva, ist von mir der Gang der Taten gehört (Abl./Part.Pass.)
saṃgṛhītaṃ ca tat sarvaṃ tattvato 'mṛtasaṃnibham
und alles ist erfasst, der Wahrheit gemäß, nektargleich (Part.Pass./Abl.)
karmaṇā grathitaṃ sarvam iti vedmi śubhāśubham
durch Tat ist alles geknüpft, so weiß ich, Gutes und Schlechtes (1.Sg.Präs.)
govatsavac ca jananīṃ nimnaṃ salilavat tathā
wie das Kalb die Mutter und wie Wasser die Niederung (Akk.)
kartāraṃ svakṛtaṃ karma nityaṃ tam anudhāvati
den Täter, die selbst getane Tat, folgt sie stets (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
kṛtasya karmaṇaś ceha na nāśo 'stīti niścayaḥ
für die getane Tat gibt es hier keine Vernichtung, das ist gewiss (Gen.)
aśubhasya śubhasyāpi tad apy avagataṃ mayā
für Schlechtes wie für Gutes; auch das ist von mir verstanden (Part.Pass./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhūya eva mahādeva varada prītivardhana; karmaṇāṃ gatim āśritya saṃśayān moktum arhasi; maheśvaraḥ; yat te vivakṣitaṃ devi guhyam apy asitekṣaṇe; umā; tat sarvaṃ nirviśaṅkā tvaṃ pṛccha māṃ śubhalakṣaṇe; evaṃ vyavasthite loke karmaṇā vṛṣabhadhvaja; kṛtvā tat puruṣaḥ karma śubhaṃ vā yadi vetarat; karmaṇaḥ svakṛtasyeha kadā bhuṅkte phalaṃ punaḥ; maheśvaraḥ; iha vā pretya vā deva tan me śaṃsitum arhasi; sthāne saṃśayitaṃ devi tad dhi guhyatamaṃ śṛṇu; tvatpriyārthaṃ pravakṣyāmi devaguhyaṃ śubhānane; pūrvadehakṛtaṃ karma bhuñjate tad iha prajāḥ; ihaiva yat kṛtaṃ puṃsāṃ tat paratra phaliṣyati; eṣā vyavasthitir devi mānuṣeṣv eva dṛśyate; devānām asurāṇāṃ ca amaratvāt tapobalāt

„Weiter noch, Mahādeva, Gnadenspender, Mehrer der Freude: Im Hinblick auf den Gang der Taten mögest du mich von Zweifeln befreien.“ Maheśvara [sprach]: „Was du, Göttin, noch zu sagen wünschst, selbst Verborgenes, Schwarzäugige –“ Umā [sprach]: „Frage mich das alles ohne Scheu, Glückverheißende.“ – „Wenn die Welt so durch die Tat geordnet ist, Stierbannerträger: Wann genießt ein Mann, der eine Tat getan hat, sei sie gut oder anders, die Frucht seiner selbst getanen Tat wieder – hier oder nach dem Tod, o Gott? Das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Zu Recht gezweifelt, Göttin; höre das Allergeheimste. Dir zuliebe will ich es sagen, das Götter-Geheimnis, Schönantlitzige: Die im früheren Körper getane Tat genießen hier die Geschöpfe; was hier von den Männern getan wird, wird im Jenseits Frucht tragen. Diese Ordnung, Göttin, sieht man nur bei den Menschen; bei Göttern und Asuras [nicht], wegen der Unsterblichkeit und der Askesekraft.“

Wort für Wort
bhūya eva mahādeva varada prītivardhana
weiter noch, Mahādeva, Gnadenspender, Freudemehrer (Vok.)
karmaṇāṃ gatim āśritya saṃśayān moktum arhasi
im Hinblick auf den Gang der Taten sollst du von Zweifeln befreien (Abs./Inf.)
maheśvaraḥ; yat te vivakṣitaṃ devi guhyam apy asitekṣaṇe
Maheśvara: was du zu sagen wünschst, Göttin, auch Verborgenes, Schwarzäugige (Part.Pass./Vok.)
umā; tat sarvaṃ nirviśaṅkā tvaṃ pṛccha māṃ śubhalakṣaṇe
Umā: alles das frage du ohne Scheu mich, Glückverheißende (Imp.)
evaṃ vyavasthite loke karmaṇā vṛṣabhadhvaja
wenn die Welt so durch Tat geordnet ist, Stierbanner (Lok.abs./Vok.)
kṛtvā tat puruṣaḥ karma śubhaṃ vā yadi vetarat
nachdem der Mann die Tat getan hat, gut oder anders (Abs.)
karmaṇaḥ svakṛtasyeha kadā bhuṅkte phalaṃ punaḥ
wann genießt er die Frucht der selbst getanen Tat wieder? (Gen./3.Sg.Präs.)
maheśvaraḥ; iha vā pretya vā deva tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: hier oder nach dem Tod, o Gott? das mögest du mir sagen (Abs./Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi tad dhi guhyatamaṃ śṛṇu
zu Recht gezweifelt, Göttin; höre jenes Allergeheimste (Part.Pass./Imp.)
tvatpriyārthaṃ pravakṣyāmi devaguhyaṃ śubhānane
dir zuliebe will ich sagen das Götter-Geheimnis, Schönantlitzige (1.Sg.Fut./Vok.)
pūrvadehakṛtaṃ karma bhuñjate tad iha prajāḥ
die im früheren Körper getane Tat genießen hier die Geschöpfe (3.Pl.Präs.)
ihaiva yat kṛtaṃ puṃsāṃ tat paratra phaliṣyati
was hier von Männern getan wird, wird im Jenseits Frucht tragen (Fut.)
eṣā vyavasthitir devi mānuṣeṣv eva dṛśyate
diese Ordnung, Göttin, sieht man nur bei Menschen (3.Sg.Pass.)
devānām asurāṇāṃ ca amaratvāt tapobalāt
bei Göttern und Asuras [nicht], wegen Unsterblichkeit und Askesekraft (Gen.Pl./Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind hier teils vertauscht; der Halbvers „devānām asurāṇāṃ … tapobalāt“ ist elliptisch (Ergänzung „[nicht]“).

ekenaiva śarīreṇa bhujyate karmaṇāṃ phalam; umā; mānuṣair na tathā devi antaraṃ tv etad iṣyate; bhagavan bhaganetraghna mānuṣāṇāṃ viceṣṭitam; sarvam ātmakṛtaṃ ceti śrutaṃ me bhagavanmatam; loke grahakṛtaṃ sarvaṃ matvā karma śubhāśubham; sadaiva grahanakṣatraṃ prāyaśaḥ paryupāsate; maheśvaraḥ; etaṃ me saṃśayaṃ deva tadgataṃ chettum arhasi; sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tattvaviniścayam; nakṣatrāṇi grahāś caiva śubhāśubhanivedakāḥ; mānavānāṃ mahābhāge na tu karmakarāḥ svayam; prajānāṃ tu hitārthāya śubhāśubhavidhiṃ prati; anāgatam atikrāntaṃ jyotiścakreṇa bodhyate; kiṃ tu tatra śubhaṃ karma sugrahais tan nivedyate; duṣkṛtasyāśubhair eva samavāyo bhaved iti

[Sie genießen] die Frucht der Taten mit einem einzigen Körper.“ Umā [sprach]: „Bei den Menschen, Göttin, ist es nicht so; man nimmt hier einen Unterschied an.“ – „Herr, Zerstörer von Bhagas Auge, das Tun der Menschen – alles sei selbst getan: so ist von mir die Meinung des Herrn gehört worden. Doch in der Welt hält man alles Gute und Schlechte der Tat für von den Planeten bewirkt; man verehrt Planeten und Sternbilder meistens stets. Diesen meinen Zweifel, Gott, mögest du im Hinblick darauf zerschneiden.“ Maheśvara [sprach]: „Zu Recht gezweifelt, Göttin; höre die Feststellung der Wahrheit: Sternbilder und Planeten sind [bloße] Anzeiger von Gutem und Schlechtem für die Menschen, Hochbeglückte; nicht sind sie selbst Täter der Taten. Zum Wohl der Geschöpfe wird im Hinblick auf die Ordnung von Gutem und Schlechtem Künftiges und Vergangenes durch den Kreis der Gestirne angezeigt. Doch dabei wird gute Tat durch gute Planeten angezeigt; die Verbindung mit Schlechtem hängt mit Untat zusammen.“

Wort für Wort
ekenaiva śarīreṇa bhujyate karmaṇāṃ phalam
mit einem einzigen Körper wird die Frucht der Taten genossen (3.Sg.Pass.)
umā; mānuṣair na tathā devi antaraṃ tv etad iṣyate
Umā: bei Menschen ist es nicht so, Göttin; dieser Unterschied wird angenommen (3.Sg.Pass.)
bhagavan bhaganetraghna mānuṣāṇāṃ viceṣṭitam
Herr, Zerstörer von Bhagas Auge, das Tun der Menschen (Vok./Gen.Pl.)
sarvam ātmakṛtaṃ ceti śrutaṃ me bhagavanmatam
alles sei selbst getan, so ist von mir des Herrn Meinung gehört (Part.Pass.)
loke grahakṛtaṃ sarvaṃ matvā karma śubhāśubham
in der Welt hält man alles Gute und Schlechte der Tat für planetenbewirkt (Abs.)
sadaiva grahanakṣatraṃ prāyaśaḥ paryupāsate
stets verehrt man Planeten und Sternbilder meistens (3.Pl.Präs.)
maheśvaraḥ; etaṃ me saṃśayaṃ deva tadgataṃ chettum arhasi
Maheśvara: diesen meinen Zweifel, Gott, sollst du darauf bezogen zerschneiden (Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu tattvaviniścayam
zu Recht gezweifelt, Göttin; höre die Feststellung der Wahrheit (Imp.)
nakṣatrāṇi grahāś caiva śubhāśubhanivedakāḥ
Sternbilder und Planeten sind Anzeiger von Gutem und Schlechtem (Nom.Pl.)
mānavānāṃ mahābhāge na tu karmakarāḥ svayam
für die Menschen, Hochbeglückte, nicht aber selbst Täter der Taten (Gen.Pl./Vok.)
prajānāṃ tu hitārthāya śubhāśubhavidhiṃ prati
zum Wohl der Geschöpfe im Hinblick auf die Ordnung von Gut und Schlecht (Gen.Pl.)
anāgatam atikrāntaṃ jyotiścakreṇa bodhyate
Künftiges und Vergangenes wird durch den Sternenkreis angezeigt (Part.Pass./Instr./3.Sg.Pass.)
kiṃ tu tatra śubhaṃ karma sugrahais tan nivedyate
doch dabei wird gute Tat durch gute Planeten angezeigt (3.Sg.Pass.)
duṣkṛtasyāśubhair eva samavāyo bhaved iti
mit Untat ist die Verbindung nur durch schlechte [Planeten] (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Schlussvers (duṣkṛtasyāśubhair eva samavāyo bhaved iti) ist knapp; Sinn: schlechte Planeten begleiten schlechte Taten als Anzeichen.

tasmād dhi grahavaiṣamye vaiṣamyaṃ kurute janaḥ; grahasāmye śubhaṃ kuryāj jātyāṃ jātyāṃ purākṛtam; kevalaṃ grahanakṣatraṃ na karoti śubhāśubham; sarvam ātmakṛtaṃ karma lokavādo grahā iti; pṛthag grahāḥ pṛthak kartā kartrā svaṃ bhujyate phalam; umā; iti te kathitaṃ sarvaṃ viśaṅkāṃ jahi śobhane; bhagavan vividhaṃ karma kṛtvā jantuḥ śubhāśubham; kiṃ tayoḥ pūrvakataraṃ bhuṅkte janmāntare punaḥ; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva taṃ me chettum ihārhasi; sthāne saṃśayitaṃ devi tat te vakṣyāmi tattvataḥ; aśubhaṃ pūrvam ity āhur apare śubham ity api; mithyā tad ubhayaṃ proktaṃ kevalaṃ tad bravīmi te; mānuṣe tu pade karma yugapad bhujyate sadā; yathākṛtaṃ yathāyogam ubhayaṃ bhujyate kramāt

Deshalb handelt der Mensch bei ungünstiger Planetenstellung ungünstig; bei günstiger Planetenlage möge er das Gute [tun], das er von früher her in Geburt um Geburt getan hat. Allein Planeten und Sternbilder bewirken nichts Gutes oder Schlechtes; alles ist selbst getane Tat; ‚Planeten‘ ist [nur] Weltrede. Getrennt sind die Planeten, getrennt der Täter; vom Täter selbst wird die Frucht genossen.“ Umā [sprach]: „So ist dir alles gesagt; wirf den Zweifel ab, Schöne.“ – „Herr, nachdem ein Geschöpf vielerlei gute und schlechte Tat getan hat, welche von beiden genießt es früher in der nächsten Geburt?“ Maheśvara [sprach]: „Das ist mein Zweifel, Gott; den mögest du mir hier entscheiden.“ – „Zu Recht gezweifelt, Göttin; das will ich dir der Wahrheit gemäß sagen: Manche sagen, das Schlechte zuerst, andere: das Gute. Beides ist falsch gesagt; ich sage dir allein dies: Auf der menschlichen Stufe wird die Tat stets zugleich genossen; wie sie getan wurde und wie es passt, wird beides der Reihe nach genossen.“

Wort für Wort
tasmād dhi grahavaiṣamye vaiṣamyaṃ kurute janaḥ
deshalb tut der Mensch bei ungünstiger Planetenlage Ungünstiges (Lok./3.Sg.Med.Präs.)
grahasāmye śubhaṃ kuryāj jātyāṃ jātyāṃ purākṛtam
bei günstiger Lage möge er Gutes tun, das in Geburt um Geburt früher Getane (Lok./Opt.)
kevalaṃ grahanakṣatraṃ na karoti śubhāśubham
allein Planeten und Sternbild bewirken nicht Gutes oder Schlechtes (3.Sg.Präs.)
sarvam ātmakṛtaṃ karma lokavādo grahā iti
alles ist selbst getane Tat; „Planeten“ ist Weltrede (Nom.)
pṛthag grahāḥ pṛthak kartā kartrā svaṃ bhujyate phalam
getrennt die Planeten, getrennt der Täter; vom Täter wird die eigene Frucht genossen (3.Sg.Pass.)
umā; iti te kathitaṃ sarvaṃ viśaṅkāṃ jahi śobhane
Umā: so ist dir alles gesagt; wirf den Zweifel ab, Schöne (Imp.)
bhagavan vividhaṃ karma kṛtvā jantuḥ śubhāśubham
Herr, nachdem ein Geschöpf vielerlei Gutes und Schlechtes getan hat (Abs.)
kiṃ tayoḥ pūrvakataraṃ bhuṅkte janmāntare punaḥ
welche von beiden genießt es früher in der nächsten Geburt? (Gen.Du./Kompar.)
maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva taṃ me chettum ihārhasi
Maheśvara: das ist mein Zweifel, Gott; den mögest du mir hier entscheiden (Inf.)
sthāne saṃśayitaṃ devi tat te vakṣyāmi tattvataḥ
zu Recht gezweifelt, Göttin; das sage ich dir der Wahrheit gemäß (1.Sg.Fut.)
aśubhaṃ pūrvam ity āhur apare śubham ity api
das Schlechte zuerst, sagen manche; andere: das Gute (3.Pl.Perf.)
mithyā tad ubhayaṃ proktaṃ kevalaṃ tad bravīmi te
beides ist falsch gesagt; allein dies sage ich dir (Part.Pass./1.Sg.Präs.)
mānuṣe tu pade karma yugapad bhujyate sadā
auf der menschlichen Stufe wird die Tat stets zugleich genossen (Lok./3.Sg.Pass.)
yathākṛtaṃ yathāyogam ubhayaṃ bhujyate kramāt
wie getan, wie es passt, wird beides der Reihe nach genossen (3.Sg.Pass./Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Sprecherwechsel „maheśvaraḥ“ vor „eṣa me saṃśayo“ ist wie überliefert übernommen (Frage und Antwort sind vertauscht).

bhuñjānāś caiva dṛśyante kramaśo bhuvi mānavāḥ; ṛddhiṃ hāniṃ sukhaṃ duḥkham abhayaṃ bhayam eva ca; duḥkhāny anubhavanty āḍhyā daridrāś ca sukhāni ca; yaugapadyāc ca bhuñjānā dṛśyante lokasākṣikam; narake svargaloke ca na tathā saṃsthitiḥ priye; nityaṃ duḥkhaṃ hi narake svarge nityaṃ sukhaṃ tathā; śubhāśubhānām ādhikyāt karmaṇā tatra sevyate; nirantaraṃ sukhaṃ duḥkhaṃ svarge ca narake bhavet; tatrāpi sumahat kṛtvā pūrvam alpaṃ punaḥ śubhe; umā; etat te sarvam ākhyātaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan prāṇino loke mriyante kena hetunā; jātā jātā na tiṣṭhanti tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tattvaṃ samāhitā; ātmakarmakṣayād dehaṃ yathā muñcanti tac chṛṇu

Und man sieht die Menschen auf Erden der Reihe nach genießen: Aufstieg, Verlust, Glück, Leid, Furchtlosigkeit und Furcht. Auch Reiche erfahren Leiden, und Arme Freuden; und weil sie zugleich genießen, sieht man es, wie die Welt bezeugt. In der Hölle und im Himmel ist die Lage nicht so, Liebe: In der Hölle herrscht beständig Leid, im Himmel ebenso beständig Glück; wegen des Übergewichts von Gutem oder Schlechtem wird es dort durch die Tat erfahren. Ununterbrochen ist Glück im Himmel und Leid in der Hölle; doch auch dort, nachdem man erst sehr viel [Schlechtes] getan hat, danach wenig, [ist es] im Guten wieder [anders]. Umā [sprach]: „Das ist dir alles gesagt; was willst du noch hören?“ – „Herr, aus welchem Grunde sterben die Wesen in der Welt? Sie werden geboren und bleiben nicht; das mögest du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Das will ich dir verkünden; höre die Wahrheit aufmerksam: Wie sie, wenn die Tat der Seele erschöpft ist, den Körper verlassen, das höre.“

Wort für Wort
bhuñjānāś caiva dṛśyante kramaśo bhuvi mānavāḥ
und genießend sieht man die Menschen auf Erden der Reihe nach (Part.Med./Adv.)
ṛddhiṃ hāniṃ sukhaṃ duḥkham abhayaṃ bhayam eva ca
Aufstieg, Verlust, Glück, Leid, Furchtlosigkeit und Furcht (Akk.Sg.)
duḥkhāny anubhavanty āḍhyā daridrāś ca sukhāni ca
Leiden erfahren die Reichen, und Arme Freuden (3.Pl.Präs.)
yaugapadyāc ca bhuñjānā dṛśyante lokasākṣikam
und wegen der Gleichzeitigkeit sieht man sie genießen, die Welt als Zeugen (Abl./Adv.)
narake svargaloke ca na tathā saṃsthitiḥ priye
in Hölle und Himmelswelt ist der Zustand nicht so, Liebe (Lok./Nom.Sg.)
nityaṃ duḥkhaṃ hi narake svarge nityaṃ sukhaṃ tathā
in der Hölle beständig Leid, im Himmel ebenso beständig Glück (Lok.)
śubhāśubhānām ādhikyāt karmaṇā tatra sevyate
wegen des Übergewichts von Gutem und Schlechtem wird es dort durch die Tat erfahren (Abl./3.Sg.Pass.)
nirantaraṃ sukhaṃ duḥkhaṃ svarge ca narake bhavet
ununterbrochen sei Glück und Leid im Himmel und in der Hölle (Opt.)
tatrāpi sumahat kṛtvā pūrvam alpaṃ punaḥ śubhe
auch dort, nachdem zuerst sehr viel getan, danach wenig, im Guten wieder (Abs./Lok.)
umā; etat te sarvam ākhyātaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā: dies ist dir alles gesagt; was willst du noch hören? (Part.Pass./Inf.)
bhagavan prāṇino loke mriyante kena hetunā
Herr, die Wesen in der Welt sterben aus welchem Grund? (3.Pl.Med.Präs./Instr.)
jātā jātā na tiṣṭhanti tan me śaṃsitum arhasi
geboren, geboren bleiben sie nicht; das mögest du mir sagen (Part.Pass./3.Pl.Präs.)
maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tattvaṃ samāhitā
Maheśvara: das werde ich dir sagen; höre die Wahrheit gesammelt (1.Sg.Fut.)
ātmakarmakṣayād dehaṃ yathā muñcanti tac chṛṇu
wie sie nach Erschöpfung der Tat der Seele den Körper verlassen, das höre (Abl./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „tatrāpi sumahat kṛtvā pūrvam alpaṃ punaḥ śubhe“ ist knapp und vermutlich verderbt; Wiedergabe sinngemäß mit Vorbehalt [?].

śarīrātmasamāhāro jantur ity abhidhīyate; tatrātmānaṃ nityam āhur anityaṃ kṣetram ucyate; tat tu kālavaśāl loke jīrṇaṃ bhavati śobhane; kālaś chinatti cāyūṃṣi dinamāsartuhāyanaiḥ; kālaḥ pacati bhūtāni kālenākulitaṃ jagat; kālaṃ nātikrameran hi sadevāsuramānavāḥ; yathākāśe na tiṣṭheta dravyaṃ kiṃ cid acetanam; tathā dhāvati kālo 'yaṃ kṣaṇaṃ kiṃ cin na tiṣṭhati; evaṃ kālena saṃkrāntaṃ śarīraṃ jarjarīkṛtam; akarmayogyaṃ saṃśīrṇaṃ tyaktvā dehī tato vrajet; nityasyānityasaṃtyāgāl loke tan maraṇaṃ viduḥ; na ca nityasya jīvasya vināśo vidyate śubhe; sa punar jāyate 'nyatra śarīraṃ navam āviśan; umā; evaṃ lokagatir nityam ādiprabhṛti vartate; bhagavan prāṇināṃ bālā dṛśyante maraṇaṃ gatāḥ

„‚Lebewesen‘ nennt man die Verbindung von Körper und Seele. Dabei nennt man die Seele ewig, das Feld [den Körper] vergänglich. Dieses wird, Schöne, durch die Macht der Zeit in der Welt alt. Die Zeit schneidet die Lebensjahre ab, durch Tage, Monate, Jahreszeiten und Halbjahre; die Zeit reift die Wesen; von der Zeit ist die Welt bedrängt. Der Zeit können Götter, Asuras und Menschen nicht entgehen. Wie kein unbelebtes Ding im Himmelsraum stehen bleiben kann, so läuft diese Zeit, und nicht einen Augenblick steht sie. So wird der von der Zeit ergriffene Körper morsch, zum Handeln untauglich, zerfallen; ihn verlässt der Verkörperte und geht davon. Wegen der Trennung des Ewigen vom Vergänglichen nennt man das Tod. Und für die ewige Seele, Schöne, gibt es keine Vernichtung; sie wird anderswo neu geboren, indem sie in einen neuen Körper eingeht.“ Umā [sprach]: „So besteht der Gang der Welt beständig von Anfang an. Herr, man sieht Kinder von den Wesen gestorben.“

Wort für Wort
śarīrātmasamāhāro jantur ity abhidhīyate
die Verbindung von Körper und Seele heißt „Lebewesen“ (Nom.Sg./3.Sg.Pass.)
tatrātmānaṃ nityam āhur anityaṃ kṣetram ucyate
dabei nennt man die Seele ewig, das Feld vergänglich (Akk./3.Pl.Perf./3.Sg.Pass.)
tat tu kālavaśāl loke jīrṇaṃ bhavati śobhane
dieses wird durch Zeit-Macht in der Welt alt, Schöne (Abl./Nom.)
kālaś chinatti cāyūṃṣi dinamāsartuhāyanaiḥ
die Zeit schneidet die Lebensjahre ab durch Tage, Monate, Jahreszeiten, Halbjahre (Akk.Pl./Instr.Pl.)
kālaḥ pacati bhūtāni kālenākulitaṃ jagat
die Zeit reift die Wesen; von der Zeit bedrängt ist die Welt (3.Sg.Präs./Part.Pass.)
kālaṃ nātikrameran hi sadevāsuramānavāḥ
der Zeit können nicht entgehen Götter, Asuras, Menschen (Opt.)
yathākāśe na tiṣṭheta dravyaṃ kiṃ cid acetanam
wie im Raum nicht stehen bleiben könnte irgendein unbelebtes Ding (Opt.)
tathā dhāvati kālo 'yaṃ kṣaṇaṃ kiṃ cin na tiṣṭhati
so läuft diese Zeit und steht keinen Augenblick (3.Sg.Präs.)
evaṃ kālena saṃkrāntaṃ śarīraṃ jarjarīkṛtam
so vom Zeitlauf erfasst, der Körper morsch gemacht (Part.Pass.)
akarmayogyaṃ saṃśīrṇaṃ tyaktvā dehī tato vrajet
zum Handeln untauglich, zerfallen, verlassen habend, geht der Verkörperte dann (Abs./Opt.)
nityasyānityasaṃtyāgāl loke tan maraṇaṃ viduḥ
wegen der Trennung des Ewigen vom Vergänglichen nennt man das Tod (Abl./3.Pl.Perf.)
na ca nityasya jīvasya vināśo vidyate śubhe
und für die ewige Seele gibt es keine Vernichtung, Schöne (Gen./3.Sg.Pass.)
sa punar jāyate 'nyatra śarīraṃ navam āviśan
sie wird wieder anderswo geboren, in einen neuen Körper eintretend (Part.Präs.)
umā; evaṃ lokagatir nityam ādiprabhṛti vartate
Umā: so besteht der Gang der Welt beständig von Anfang an (3.Sg.Med.Präs.)
bhagavan prāṇināṃ bālā dṛśyante maraṇaṃ gatāḥ
Herr, von den Wesen sieht man Kinder gestorben (Gen.Pl./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ativṛddhāś ca jīvanto dṛśyante cirajīvinaḥ; kevalaṃ kālamaraṇaṃ na pramāṇaṃ maheśvara; maheśvaraḥ; tasmān me saṃśayaṃ brūhi prāṇināṃ jīvakāraṇam; śṛṇu tatkāraṇaṃ devi nirṇayas tv eka eva saḥ; jīrṇatvamātraṃ kurute kālo dehaṃ na pātayet; jīrṇe karmaṇi saṃghātaḥ svayam eva viśīryate; pūrvakarmapramāṇena jīvitaṃ mṛtyur eva vā; yāvat pūrvakṛtaṃ karma tāvaj jīvati mānavaḥ; tadvat kālavaśād bālā mriyante bhogasaṃkṣayāt; jīvanti ciravṛddhāś ca tathā karmapramāṇataḥ; umā; iti te kathitaṃ devi nirviśaṅkā bhava priye; bhagavan kena vṛttena bhavanti cirajīvinaḥ; maheśvaraḥ; alpāyuṣo narāḥ kena tan me śaṃsitum arhasi; śṛṇu tat sarvam akhilaṃ guhyaṃ pathyataraṃ nṛṇām

Und man sieht sehr Alte lange leben. Nur der Zeit-Tod ist [also] nicht der Maßstab, Maheśvara. Maheśvara [sprach]: „Deshalb sage mir den Zweifel, die Ursache des Lebens der Wesen.“ – „Höre den Grund, Göttin; es gibt nur eine einzige Entscheidung: Die Zeit bewirkt nur das Altern des Körpers; sie stürzt ihn nicht. Wenn die Tat erschöpft ist, zerfällt die Verbindung von selbst. Nach dem Maß der früheren Tat [gibt es] Leben oder Tod: Solange die früher getane Tat währt, so lange lebt der Mensch. Ebenso sterben durch die Macht der Zeit Kinder wegen Erschöpfung ihres Genusses, und lange lebende Greise leben nach dem Maß der Tat.“ Umā [sprach]: „So ist dir gesagt, Göttin; sei ohne Zweifel, Liebe. Herr, durch welchen Wandel werden Menschen langlebig?“ Maheśvara [sprach]: „Und durch welchen [Wandel] werden Menschen kurzlebig? Das mögest du mir sagen.“ – „Höre das alles vollständig, das Geheimnis, das den Menschen sehr zuträglich ist.“

Wort für Wort
ativṛddhāś ca jīvanto dṛśyante cirajīvinaḥ
und sehr Alte sieht man, lebend, langlebig (Nom.Pl./Part.Präs.)
kevalaṃ kālamaraṇaṃ na pramāṇaṃ maheśvara
nur der Zeit-Tod ist nicht der Maßstab, Maheśvara (Nom.Sg./Vok.)
maheśvaraḥ; tasmān me saṃśayaṃ brūhi prāṇināṃ jīvakāraṇam
Maheśvara: darum sage mir den Zweifel, die Ursache des Lebens der Wesen (Imp.)
śṛṇu tatkāraṇaṃ devi nirṇayas tv eka eva saḥ
höre diesen Grund, Göttin; die Entscheidung ist nur eine einzige (Imp.)
jīrṇatvamātraṃ kurute kālo dehaṃ na pātayet
nur das Altern bewirkt die Zeit; den Körper soll sie nicht stürzen (3.Sg.Med.Präs./Opt.)
jīrṇe karmaṇi saṃghātaḥ svayam eva viśīryate
wenn die Tat erschöpft ist, zerfällt die Verbindung von selbst (Lok.abs./3.Sg.Pass.)
pūrvakarmapramāṇena jīvitaṃ mṛtyur eva vā
nach dem Maß der früheren Tat Leben oder Tod (Instr.)
yāvat pūrvakṛtaṃ karma tāvaj jīvati mānavaḥ
solange die früher getane Tat währt, so lange lebt der Mensch (3.Sg.Präs.)
tadvat kālavaśāt bālā mriyante bhogasaṃkṣayāt
ebenso sterben durch Zeitmacht Kinder wegen Erschöpfung ihres Genusses (Abl.)
jīvanti ciravṛddhāś ca tathā karmapramāṇataḥ
und lange gealterte leben, ebenso nach dem Maß der Tat (Abl.)
umā; iti te kathitaṃ devi nirviśaṅkā bhava priye
Umā: so ist dir gesagt, Göttin; sei ohne Zweifel, Liebe (Imp.)
bhagavan kena vṛttena bhavanti cirajīvinaḥ
Herr, durch welchen Wandel werden sie langlebig? (Instr./3.Pl.Präs.)
maheśvaraḥ; alpāyuṣo narāḥ kena tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: und kurzlebige Männer durch was? das mögest du mir sagen (Nom.Pl./Inf.)
śṛṇu tat sarvam akhilaṃ guhyaṃ pathyataraṃ nṛṇām
höre das alles vollständig, das Geheimnis, den Menschen sehr zuträglich (Imp./Kompar.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherzuweisungen sind an mehreren Stellen vertauscht (Maheśvara stellt Fragen); der überlieferte Wortlaut wird beibehalten.

ye narā vṛttasaṃpannā bhavanti cirajīvinaḥ; ahiṃsā satyavacanam akrodhaḥ kṣāntir ārjavam; gurūṇāṃ nityaśuśrūṣā vṛddhānām api pūjanam; śaucaṃ cākāryasaṃtyāgaḥ sadā pathyasya bhojanam; evamādi śubhaṃ vṛttaṃ narāṇāṃ dīrghajīvinām; tapasā brahmacaryeṇa rasāyananiṣevaṇāt; udagrasattvā balino bhavanti cirajīvinaḥ; svarge vā mānuṣe vāpi ciraṃ tiṣṭhanti dhārmikāḥ; apare pāpakarmāṇaḥ prāyaśo 'nṛtavādinaḥ; hiṃsāpriyā gurudviṣṭā niṣkriyāḥ śaucavarjitāḥ; nāstikā ghorakarmāṇaḥ satataṃ māṃsapānapāḥ; pāpācārā gurudveṣāḥ kopanāḥ kalahapriyāḥ; evam evāśubhācārās tiṣṭhanti niraye ciram; tiryagyonau tathātyantam alpaṃ tiṣṭhanti mānuṣe; tasmād alpāyuṣo martyās tādṛśāḥ saṃbhavanti te

„Die Menschen, die reich an gutem Wandel sind, werden langlebig: Gewaltlosigkeit, wahre Rede, Zornlosigkeit, Nachsicht, Aufrichtigkeit, ständiger Dienst an den Lehrern und Verehrung der Alten, Reinheit, Meiden des Unerlaubten, stets bekömmliche Nahrung – dergleichen guter Wandel [gehört] zu langlebigen Menschen. Durch Askese, Keuschheit und Anwendung von Verjüngungsmitteln werden sie von hoher Kraft, stark und langlebig; im Himmel oder auch unter Menschen bleiben die Rechtschaffenen lange. Andere aber, die Böses tun, meist Lügenredner, an Gewalt sich ergötzend, von Lehrern gehasst, untätig, ohne Reinheit, Leugner, furchtbarer Taten, stets Fleischesser und Trinker, sündigen Wandels, Lehrerhasser, zornig, streitsüchtig – so ungünstigen Wandels bleiben sie lange in der Hölle; in Tiergeburt sehr [lange], unter den Menschen nur kurz. Darum werden solche Sterbliche kurzlebig.“

Wort für Wort
ye narā vṛttasaṃpannā bhavanti cirajīvinaḥ
die Männer, die reich an gutem Wandel sind, werden langlebig (Nom.Pl.)
ahiṃsā satyavacanam akrodhaḥ kṣāntir ārjavam
Gewaltlosigkeit, wahre Rede, Zornlosigkeit, Nachsicht, Aufrichtigkeit (Nom.Sg.)
gurūṇāṃ nityaśuśrūṣā vṛddhānām api pūjanam
ständiger Dienst an den Lehrern und Verehrung der Alten (Gen.Pl.)
śaucaṃ cākāryasaṃtyāgaḥ sadā pathyasya bhojanam
Reinheit, Meiden des Unziemlichen, stets Genuss des Bekömmlichen (Gen.)
evamādi śubhaṃ vṛttaṃ narāṇāṃ dīrghajīvinām
derartiger guter Wandel der langlebigen Männer (Gen.Pl.)
tapasā brahmacaryeṇa rasāyananiṣevaṇāt
durch Askese, Keuschheit, Anwendung von Verjüngungsmitteln (Instr./Abl.)
udagrasattvā balino bhavanti cirajīvinaḥ
von hoher Lebenskraft, stark, werden sie langlebig (Nom.Pl.)
svarge vā mānuṣe vāpi ciraṃ tiṣṭhanti dhārmikāḥ
im Himmel oder unter Menschen bleiben Rechtschaffene lange (Lok./3.Pl.Präs.)
apare pāpakarmāṇaḥ prāyaśo 'nṛtavādinaḥ
andere, Böses Tuende, meist Lügenredner (Nom.Pl.)
hiṃsāpriyā gurudviṣṭā niṣkriyāḥ śaucavarjitāḥ
gewaltliebend, von Lehrern gehasst, untätig, ohne Reinheit (Nom.Pl.)
nāstikā ghorakarmāṇaḥ satataṃ māṃsapānapāḥ
Leugner, furchtbarer Taten, stets Fleischesser und Trinker (Nom.Pl.)
pāpācārā gurudveṣāḥ kopanāḥ kalahapriyāḥ
sündigen Wandels, Lehrerhasser, zornig, streitliebend (Nom.Pl.)
evam evāśubhācārās tiṣṭhanti niraye ciram
ebenso schlechten Wandels bleiben sie lange in der Hölle (Lok.)
tiryagyonau tathātyantam alpaṃ tiṣṭhanti mānuṣe
in Tiergeburt überaus lange, nur kurz im Menschsein (Lok.)
tasmād alpāyuṣo martyās tādṛśāḥ saṃbhavanti te
darum werden solche Sterbliche kurzlebig (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „tiryagyonau tathātyantam alpaṃ tiṣṭhanti mānuṣe“ ist knapp: Kontrast lange Tiergeburt / kurzes Menschsein; „gurudviṣṭāḥ“ (von Lehrern gehasst) und „gurudveṣāḥ“ (Lehrerhasser) beide wiedergegeben.

agamyadeśagamanād apathyānāṃ ca bhojanāt; āyuḥkṣayo bhaven nṝṇām āyuḥkṣayakarā hi te; bhavanty alpāyuṣas tais tair anyathā cirajīvinaḥ; umā; etat te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan devadeveśa śrutaṃ me paramaṃ hitam; ātmano jātisaṃbandhaṃ brūhi strīpuruṣāntare; strīprāṇaḥ puruṣaprāṇa ekaḥ sa pṛthag eva vā; maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva taṃ me chettuṃ tvam arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā; puṃstvaṃ strītvam iti prāṇe sthitir nāsti śubhekṣaṇe; nirvikārī sadaivātmā strītvaṃ puṃstvaṃ na cātmani; karmaprakāreṇa tathā jātyāṃ jātyāṃ prajāyate; akartā cāvikārī ca nityaś ca puruṣaḥ smṛtaḥ; strīśarīrakṛtaṃ karma strībhāvenopabhujyate

Durch Gehen in verbotene Gegenden und durch Verzehr von Unbekömmlichem kommt bei Menschen Lebensverkürzung zustande, denn diese [Dinge] bewirken Lebensverkürzung. Durch dies und jenes werden sie kurzlebig, sonst langlebig. Umā [sprach]: „Dies ist dir alles gesagt; was willst du noch hören?“ – „Herr, Gott der Götter, das höchste Heil ist von mir gehört. Sage mir die Verwandtschaft der Seele durch die Geburt, im Unterschied von Frau und Mann: Ist der Lebenshauch der Frau und der des Mannes ein und derselbe, oder gesondert?“ Maheśvara [sprach]: „Dies ist mein Zweifel, Gott; den mögest du mir entscheiden.“ – „Das will ich dir verkünden; höre alles aufmerksam: Männlichkeit, Weiblichkeit – ein solcher Bestand ist im Lebenshauch nicht, Schönäugige. Die Seele ist stets unveränderlich; Weiblichkeit und Männlichkeit sind nicht in der Seele. Nach der Art der Tat wird sie in Geburt um Geburt [so] geboren. Der Puruṣa gilt als Nicht-Täter, unveränderlich und ewig; die im weiblichen Körper getane Tat wird im weiblichen Zustand genossen;

Wort für Wort
agamyadeśagamanād apathyānāṃ ca bhojanāt
durch Gehen in verbotene Gegenden und Verzehr von Unbekömmlichem (Abl.)
āyuḥkṣayo bhaven nṝṇām āyuḥkṣayakarā hi te
Lebensverkürzung entsteht bei Menschen, denn diese bewirken Lebensverkürzung (Opt./Nom.Pl.)
bhavanty alpāyuṣas tais tair anyathā cirajīvinaḥ
durch dies und jenes werden sie kurzlebig, sonst langlebig (3.Pl.Präs./Instr.Pl.)
umā; etat te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā: dies ist dir alles gesagt; was willst du noch hören?
bhagavan devadeveśa śrutaṃ me paramaṃ hitam
Herr, Gott der Götter, das höchste Heil ist von mir gehört (Part.Pass.)
ātmano jātisaṃbandhaṃ brūhi strīpuruṣāntare
sage die Verbindung der Seele mit der Geburt im Unterschied von Frau und Mann (Imp./Lok.)
strīprāṇaḥ puruṣaprāṇa ekaḥ sa pṛthag eva vā
ist der Lebenshauch der Frau und des Mannes einer oder gesondert? (Nom.Sg.)
maheśvaraḥ; eṣa me saṃśayo deva taṃ me chettuṃ tvam arhasi
Maheśvara: das ist mein Zweifel, Gott; den sollst du mir entscheiden (Inf.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu sarvaṃ samāhitā
das werde ich dir sagen; höre alles gesammelt (1.Sg.Fut./Imp.)
puṃstvaṃ strītvam iti prāṇe sthitir nāsti śubhekṣaṇe
„Männlichkeit, Weiblichkeit“: ein Bestand im Lebenshauch ist nicht, Schönäugige (Nom./Lok.)
nirvikārī sadaivātmā strītvaṃ puṃstvaṃ na cātmani
die Seele ist stets unveränderlich; Weiblichkeit und Männlichkeit nicht in der Seele (Nom./Lok.)
karmaprakāreṇa tathā jātyāṃ jātyāṃ prajāyate
nach der Art der Tat wird sie ebenso in Geburt um Geburt geboren (Instr./3.Sg.Med.Präs.)
akartā cāvikārī ca nityaś ca puruṣaḥ smṛtaḥ
als Nicht-Täter, unveränderlich und ewig gilt der Puruṣa (Part.Pass.)
strīśarīrakṛtaṃ karma strībhāvenopabhujyate
die im weiblichen Körper getane Tat wird im weiblichen Zustand genossen (Part.Pass./Instr./3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherzuweisung von „maheśvaraḥ“ (Frage/Antwort) ist an dieser Stelle vertauscht; wortnah übernommen.

puruṣeṇa kṛtaṃ karma puruṣeṇaiva bhujyate; evaṃ prasajyate loke bhāvaikatvena bhūyaśaḥ; śarīraṃ karmanānātvād dṛśyate viparītavat; kṛtvā tu pauruṣaṃ karma strī pumān api jāyate; umā; strībhāvayuk pumān kṛtvā karmaṇā pramadā bhavet; bhagavan sarvalokeśa karmātmā na karoti cet; maheśvaraḥ; ko 'nyaḥ karmakaras tatra dehe tad vaktum arhasi; śṛṇu bhāmini kartāram ātmā hi na ca karmakṛt; prakṛtyā guṇayuktena kriyate karma nityaśaḥ; śarīraṃ prāṇināṃ loke yathā pittakaphānilaiḥ; vyāptam eva tribhir doṣais tathā vyāptaṃ guṇais tribhiḥ; sattvaṃ rajas tama iti guṇās tv ete śarīriṇaḥ; prakāśātmakam eteṣāṃ sattvaṃ satatam iṣyate; rajo duḥkhātmakaṃ tatra tamo mohātmakaṃ smṛtam

die vom Mann getane Tat wird vom Mann genossen. So verhält es sich in der Welt öfter durch Einheit des Zustands; der Körper erscheint wegen der Verschiedenheit der Taten wie umgekehrt: Nachdem er eine männliche Tat getan hat, wird auch eine Frau ein Mann; [und] Umā [sprach]: „Ein Mann, mit weiblicher Anlage begabt, kann durch Tat zur Frau werden. Herr, Herr aller Welten: Wenn die Seele nicht handelt –“ Maheśvara [sprach]: „Wer sonst ist dann der Täter im Körper? Das mögest du sagen.“ – „Höre, Bhāminī: Die Seele ist nicht Täter der Tat; durch die mit den Gunas versehene Natur (prakṛti) wird die Tat stets vollbracht. Wie der Körper der Wesen in der Welt von den drei Säften – Galle, Schleim, Wind – durchdrungen ist, so ist er von den drei Gunas durchdrungen: Sattva, Rajas, Tamas – diese sind die Gunas des Verkörperten. Unter ihnen gilt Sattva stets als lichtwesenhaft; Rajas ist leidwesenhaft; Tamas gilt als verblendungswesenhaft.“

Wort für Wort
puruṣeṇa kṛtaṃ karma puruṣeṇaiva bhujyate
die vom Mann getane Tat wird vom Mann genossen (Instr./3.Sg.Pass.)
evaṃ prasajyate loke bhāvaikatvena bhūyaśaḥ
so verhält es sich in der Welt öfter durch Einheit des Zustands (3.Sg.Pass./Instr.)
śarīraṃ karmanānātvād dṛśyate viparītavat
der Körper erscheint wegen der Verschiedenheit der Taten wie umgekehrt (Abl./3.Sg.Pass.)
kṛtvā tu pauruṣaṃ karma strī pumān api jāyate
nachdem sie eine männliche Tat getan hat, wird auch eine Frau ein Mann (Abs./3.Sg.Med.Präs.)
umā; strībhāvayuk pumān kṛtvā karmaṇā pramadā bhavet
Umā: ein Mann, der weiblichen Zustand verbunden hat, kann durch Tat zur Frau werden (Nom./Opt.)
bhagavan sarvalokeśa karmātmā na karoti cet
Herr, Herr aller Welten: wenn die Seele die Tat nicht tut (Vok./3.Sg.Präs.)
maheśvaraḥ; ko 'nyaḥ karmakaras tatra dehe tad vaktum arhasi
Maheśvara: wer sonst ist der Täter der Tat dort im Körper? das mögest du sagen (Inf.)
śṛṇu bhāmini kartāram ātmā hi na ca karmakṛt
höre, Bhāminī: die Seele ist nicht Täter der Tat (Imp./Vok.)
prakṛtyā guṇayuktena kriyate karma nityaśaḥ
durch die mit Gunas versehene Natur wird die Tat stets vollbracht (Instr./3.Sg.Pass.)
śarīraṃ prāṇināṃ loke yathā pittakaphānilaiḥ
der Körper der Wesen in der Welt wie durch Galle, Schleim und Wind (Instr.Pl.)
vyāptam eva tribhir doṣais tathā vyāptaṃ guṇais tribhiḥ
durchdrungen von den drei Säften, so durchdrungen von den drei Gunas (Part.Pass./Instr.Pl.)
sattvaṃ rajas tama iti guṇās tv ete śarīriṇaḥ
Sattva, Rajas, Tamas: dies sind die Gunas des Verkörperten (Nom.Pl./Gen.)
prakāśātmakam eteṣāṃ sattvaṃ satatam iṣyate
lichtwesenhaft gilt von diesen Sattva stets (Nom.Sg.n./3.Sg.Pass.)
rajo duḥkhātmakaṃ tatra tamo mohātmakaṃ smṛtam
Rajas ist leidwesenhaft, Tamas gilt als verblendungswesenhaft (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist am Anfang syntaktisch verwickelt und inhaltlich (Geschlechtswechsel durch Taten) knapp; „bhāmini“ (Vok., Anrede an die Göttin: „Zornige/Leidenschaftliche“) wird als „Bhāminī“ wiedergegeben.

tribhir etair guṇaiḥ sarvaṃ loke karma pravartate; satyaṃ prāṇidayā śaucaṃ śreyaḥ prītiḥ kṣamā damaḥ; evamādi tathānyac ca karma sāttvikam iṣyate; dākṣyaṃ karmaparatvaṃ ca lobho bhogavidhiṃ prati; kalatrasaṅgo mādhuryaṃ nityam aiśvaryalubdhatā; rajasaś codbhavaṃ caitat karma nānāvidhaṃ sadā; anṛtaṃ caiva pāruṣyaṃ śrutividveṣatā bhṛśam; hiṃsāparatvaṃ nāstikyaṃ nidrālasyabhayāni ca; tamasaś codbhavaṃ caitat karma pāpayutaṃ sadā; tasmād guṇamayaḥ sarvaḥ kāryārambhaḥ śubhāśubhaḥ; tasmād ātmānam avyagraṃ viddhy akartāram avyayam; sāttvikāḥ puṇyalokeṣu rājasā mānuṣe pade; umā; tiryagyonau ca narake tiṣṭheyus tāmasā narāḥ; kimartham ātmā bhedyaḥ sandehe śastreṇa vā hate

Durch diese drei Guṇas kommt alles Handeln in der Welt in Gang. Wahrhaftigkeit, Mitgefühl mit den Lebewesen, Reinheit, Heilsames, Zuneigung, Nachsicht, Selbstbezähmung – dies und anderes Derartiges gilt als sattvisches Handeln. Tüchtigkeit, Hingabe ans Tun, Gier im Hinblick auf Genussordnung, Anhänglichkeit an Frauen, Lieblichkeit, stets Gier nach Herrschermacht – dies ist aus Rajas entstanden, ein stets vielfältiges Handeln. Unwahrheit und Rauheit, starke Abneigung gegen die Śruti, Hingabe an Gewalttat, Nihilismus, Schlaf, Trägheit und Furcht – dies ist aus Tamas entstanden, ein stets sündhaftes Handeln. Darum ist jedes Beginnen eines Werkes, ob heilvoll oder unheilvoll, aus den Guṇas gemacht; darum erkenne das Selbst als ungestört, als Nicht-Täter, als unvergänglich. Die Sattvischen [gelangen] in die Welten der Verdienstvollen, die Rajasischen auf die Stufe der Menschen. Umā [sprach]: „Die Tamasischen unter den Menschen werden im Tierschoß und in der Hölle verweilen. Weshalb soll das Selbst gespalten werden, wenn im Zweifel [der Körper] durch eine Waffe getötet ist, o Maheśvara –

Wort für Wort
tribhir etair guṇaiḥ sarvaṃ loke karma pravartate
durch diese drei Guṇas kommt alles Handeln in der Welt in Gang (Instr.Pl.; Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
satyaṃ prāṇidayā śaucaṃ śreyaḥ prītiḥ kṣamā damaḥ
Wahrhaftigkeit, Mitgefühl mit Lebewesen, Reinheit, Heil, Zuneigung, Nachsicht, Selbstbezähmung (Nom.)
evamādi tathānyac ca karma sāttvikam iṣyate
dies und anderes Derartiges gilt als sattvisches Handeln (Nom.; Pass.Präs.)
dākṣyaṃ karmaparatvaṃ ca lobho bhogavidhiṃ prati
Tüchtigkeit, Hingabe ans Tun und Gier hinsichtlich der Genussordnung (Nom.; Akk. mit prati)
kalatrasaṅgo mādhuryaṃ nityam aiśvaryalubdhatā
Anhänglichkeit an Frauen, Lieblichkeit, ständige Gier nach Herrschermacht (Nom.)
rajasaś codbhavaṃ caitat karma nānāvidhaṃ sadā
und dies, aus Rajas entstanden, ist stets vielfältiges Handeln (Abl./Gen.; Nom.)
anṛtaṃ caiva pāruṣyaṃ śrutividveṣatā bhṛśam
Unwahrheit, Rauheit, starke Abneigung gegen die Śruti (Nom.; Adv.)
hiṃsāparatvaṃ nāstikyaṃ nidrālasyabhayāni ca
Hingabe an Gewalt, Nihilismus, Schlaf, Trägheit und Furcht (Nom.)
tamasaś codbhavaṃ caitat karma pāpayutaṃ sadā
dies, aus Tamas entstanden, ist stets sündbehaftetes Handeln (Nom.)
tasmād guṇamayaḥ sarvaḥ kāryārambhaḥ śubhāśubhaḥ
darum ist jedes Werkbeginnen aus Guṇas gemacht, heilvoll oder unheilvoll (Abl.; Nom.)
tasmād ātmānam avyagraṃ viddhy akartāram avyayam
darum erkenne das Selbst als ungestört, Nicht-Täter, unvergänglich (Imp.2.Sg.; Akk.)
sāttvikāḥ puṇyalokeṣu rājasā mānuṣe pade
die Sattvischen in Verdienstwelten, die Rajasischen auf der Menschenstufe (Nom.Pl.; Lok.)
umā
Umā [spricht] (Nom.)
tiryagyonau ca narake tiṣṭheyus tāmasā narāḥ
im Tierschoß und in der Hölle würden die tamasischen Menschen verweilen (Lok.; Opt.3.Pl.)
kimartham ātmā bhedyaḥ sandehe śastreṇa vā hate
weshalb soll das Selbst gespalten werden, im Zweifel oder wenn durch Waffe getötet (Nom.; Gerundiv; Lok.abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe maheśvaraḥ am Anfang von Einheit 226 ist als Vokativ zu Einheit 225 gezogen; der Satz läuft in 226 weiter.

maheśvaraḥ; svayaṃ praṇaśyate dehī tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam; etan naiyāyikaiś cāpi muhyate sūkṣmabuddhibhiḥ; karmakṣaye tu saṃprāpte prāṇināṃ dehadhāriṇām; upadravo bhaved dehe yena kenāpi hetunā; tannimittaṃ śarīrī tu śarīraṃ prāptasaṃkṣayam; apayāti parityajya tataḥ karmavaśena saḥ; dehakṣate 'pi naivātmā vedanābhir na cālyate; tiṣṭhet karmaphalaṃ yāvad vrajet karmakṣaye punaḥ; ādiprabhṛti loke 'sminn evam ātmagatiḥ sadā; umā; etat te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan devadeveśa karmaṇaiva śubhāśubham; yathāyogaṃ phalaṃ jantuḥ prāpnotīti viniścayaḥ; pareṣāṃ vipriyaṃ kurvan yathā saṃprāpnuyāc chubham

o Maheśvara! Oder geht der Verkörperte von selbst zugrunde? Das mußt du mir sagen.“ Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir den Grund nennen; höre, Heilvolle. Selbst die Logiker mit feinem Verstand irren hierüber. Ist aber der Handlungsvorrat der Verkörperten aufgebraucht, dann entsteht im Körper irgendeine Störung, aus irgendeinem Grund. Deswegen verläßt der Körperträger den erschöpften Körper und geht davon, unter der Gewalt der Tat. Auch bei Verwundung des Körpers wird das Selbst durch die Schmerzen keineswegs bewegt. Solange die Frucht der Tat währt, bleibt es; ist die Tat erschöpft, geht es wieder fort. Von Anfang an ist in dieser Welt so stets der Weg des Selbst.“ Umā [sprach]: „Dies wurde dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ [Umā:] „Herr, Gott der Götter, Heil und Unheil [entstehen] allein durch Handeln; die Gewißheit ist, daß das Geschöpf die Frucht entsprechend der Verbindung [mit dem Handeln] erlangt. Wie erlangt einer Heil, der anderen Leid zufügt?“

Wort für Wort
maheśvaraḥ svayaṃ praṇaśyate dehī
o Maheśvara – geht der Verkörperte von selbst zugrunde? (Vok.; 3.Sg.Präs.Med.; Nom.)
tan me śaṃsitum arhasi
das mußt du mir sagen (Akk.; Dat.; Inf.; 2.Sg.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu kalyāṇi kāraṇam
ich werde dir den Grund nennen, höre, Heilvolle (1.Sg.Fut.; Imp.; Vok.f.)
etan naiyāyikaiś cāpi muhyate sūkṣmabuddhibhiḥ
hierüber irren selbst Logiker mit feinem Verstand (Instr.; 3.Sg.Pass.)
karmakṣaye tu saṃprāpte prāṇināṃ dehadhāriṇām
wenn aber die Tatenerschöpfung der körpertragenden Lebewesen eingetreten ist (Lok.abs.; Gen.Pl.)
upadravo bhaved dehe yena kenāpi hetunā
entsteht im Körper eine Störung durch irgendeinen Grund (Nom.; Opt.; Lok.; Instr.)
tannimittaṃ śarīrī tu śarīraṃ prāptasaṃkṣayam
deswegen [verläßt] der Verkörperte den Körper, der Vernichtung erlangt hat (Nom.; Akk.)
apayāti parityajya tataḥ karmavaśena saḥ
er geht davon, nachdem er ihn verlassen hat, unter der Gewalt der Tat (3.Sg.Präs.; Abs.; Instr.)
dehakṣate 'pi naivātmā vedanābhir na cālyate
auch bei Körperverletzung wird das Selbst durch Schmerzen nicht bewegt (Lok.; Instr.Pl.; Pass.)
tiṣṭhet karmaphalaṃ yāvad vrajet karmakṣaye punaḥ
es bleibe, solange die Tatfrucht [währt]; bei Tatenerschöpfung gehe es wieder (Opt.)
ādiprabhṛti loke 'sminn evam ātmagatiḥ sadā
von Anfang an ist in dieser Welt so stets der Weg des Selbst (Nom.)
umā etat te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā: dies ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören? (Part.Pass.; Vok.; Inf.)
bhagavan devadeveśa karmaṇaiva śubhāśubham
Herr, Gott der Götter – Heil und Unheil allein durch Handeln (Vok.; Instr.)
yathāyogaṃ phalaṃ jantuḥ prāpnotīti viniścayaḥ
das Geschöpf erlangt die Frucht gemäß der Verbindung – das ist die Gewißheit (Adv.; Nom.)
pareṣāṃ vipriyaṃ kurvan yathā saṃprāpnuyāc chubham
wie erlangt einer Heil, der anderen Leid zufügt? (Gen.; Part.Präs.; Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind in dieser Zusatzpassage teils verschoben; die Rede Umās beginnt inhaltlich bei bhagavan devadeveśa. Der Ausdruck yathāyogam ist knapp und daher wörtlich gefaßt.

maheśvaraḥ; yady etad asti ced deva tan me śaṃsitum arhasi; tad apy asti mahābhāge abhisaṃdhiphalaṃ nṛṇām; hitārthaṃ duḥkham anyeṣāṃ kṛtvāśubham avāpnuyāt; daṇḍayan bhartsayan rājā prajāḥ puṇyam avāpnuyāt; guruḥ saṃtarjayañ śiṣyān bhartā bhṛtyajanaṃ svakam; unmārgapratipannāṃś ca śāstā dharmaphalaṃ labhet; cikitsakaś ca duḥkhāni janayan hitam āpnuyāt; yajñārthaṃ paśuhiṃsāṃ ca kurvann api na hiṃsakaḥ; evam anye sumanaso hiṃsakāḥ svargam āpnuyuḥ; ekasmin nihate 'bhadre bahavaḥ sukham āpnuyuḥ; tasmin hate bhaved dharmaḥ kuta eva tu pāpakam; abhisaṃdher ajihmatvāc chuddhe dharmasya gauravāt; umā; etat kṛtvā tu pāpiṣṭhān doṣān na prāpnuyāt kva cit

Maheśvara [sprach]: „Wenn dies so ist, Gott, mußt du es mir sagen.“ [Maheśvara:] „Auch das gibt es, Hochbeglückte: die Frucht der [jeweiligen] Absicht bei den Menschen. Wer zu [ihrem] Wohl anderen Leid zufügt, erlangt kein Unheil [?]. Ein König, der die Untertanen bestraft und schilt, erlangt Verdienst. Ein Lehrer, der die Schüler tadelt, ein Herr sein eigenes Gesinde, der Züchtiger derer, die auf Abwege geraten sind, erlangt die Frucht des Dharma. Der Arzt, der Schmerzen verursacht, erlangt Gutes. Auch wer um des Opfers willen Tiere tötet, ist kein Töter. So erlangen andere Wohlgesinnte, obwohl sie töten, den Himmel. Ist ein Übler erschlagen, erlangen viele Glück. Wenn dieser erschlagen ist, entsteht Dharma – woher dann Sünde? Wegen der Geradheit der Absicht, da sie lauter ist, und wegen der Gewichtigkeit des Dharma erlangt einer, [Umā:] „...Wer dies tut, erlangt nirgends die schlimmsten Fehler.“

Wort für Wort
maheśvaraḥ yady etad asti ced deva tan me śaṃsitum arhasi
Maheśvara: wenn dies so ist, Gott, mußt du es mir sagen (Nom.; Vok.)
tad apy asti mahābhāge abhisaṃdhiphalaṃ nṛṇām
auch das gibt es, Hochbeglückte: die Frucht der Absicht bei den Menschen (Vok.f.; Gen.Pl.)
hitārthaṃ duḥkham anyeṣāṃ kṛtvāśubham avāpnuyāt
wer zum Wohl anderen Leid zufügt, erlangt [kein] Unheil [?] (Abs.; Opt.)
daṇḍayan bhartsayan rājā prajāḥ puṇyam avāpnuyāt
ein König, der die Untertanen bestraft und schilt, erlangt Verdienst (Part.Präs.; Opt.)
guruḥ saṃtarjayañ śiṣyān bhartā bhṛtyajanaṃ svakam
ein Lehrer, der Schüler tadelt, ein Herr, der sein Gesinde [tadelt] (Nom.; Akk.)
unmārgapratipannāṃś ca śāstā dharmaphalaṃ labhet
und der Züchtiger derer, die auf Abwege gerieten, erlangt Dharma-Frucht (Akk.Pl.; Nom.; Opt.)
cikitsakaś ca duḥkhāni janayan hitam āpnuyāt
der Arzt, der Schmerzen verursacht, erlangt Gutes (Part.Präs.)
yajñārthaṃ paśuhiṃsāṃ ca kurvann api na hiṃsakaḥ
auch wer Tiertötung um des Opfers willen vollzieht, ist kein Töter (Part.Präs.; Nom.)
evam anye sumanaso hiṃsakāḥ svargam āpnuyuḥ
so erlangen andere Wohlgesinnte, obwohl Tötende, den Himmel (Opt.3.Pl.)
ekasmin nihate 'bhadre bahavaḥ sukham āpnuyuḥ
ist ein Übler erschlagen, erlangen viele Glück (Lok.abs.; Nom.Pl.)
tasmin hate bhaved dharmaḥ kuta eva tu pāpakam
ist dieser erschlagen, entsteht Dharma – woher gar Sünde? (Lok.abs.; Opt.)
abhisaṃdher ajihmatvāc chuddhe dharmasya gauravāt
wegen der Geradheit der Absicht, weil sie lauter ist, und wegen der Gewichtigkeit des Dharma (Abl.)
umā etat kṛtvā tu pāpiṣṭhān doṣān na prāpnuyāt kva cit
Umā [Einschub]: wer dies getan hat, erlangt nirgends die schlimmsten Fehler (Abs.; Akk.Pl.; Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherverteilung der Zusatzpassage ist verworren (maheśvaraḥ steht als Sprecher vor einer Rede, die inhaltlich Śiva gehört); der Schluss etat kṛtvā tu … na prāpnuyāt ist als Aussage Śivas („…erlangt nicht“) zu lesen, das umā davor ist mitten im Satz eingesprengt. Das Fehlen von na bei avāpnuyāt (hitārthaṃ … avāpnuyāt) ist vermutlich Avagraha-Verlust; unsicher [?].

bhagavan sarvamartyānāṃ jñānī bhavati sattamaḥ; kim avekṣya tad utpannaṃ jñānaṃ tasya phalaṃ ca yat; nāradaḥ*; kṛtrimaṃ tat svabhāvaṃ vā tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; etac chrutvā mahādevo jagau jñānasya saṃbhavam; sthāvaraṃ jaṃgamaṃ ceti jagad dvividham ucyate; catasro jātayas tatra prajānāṃ kramaśo yathā; teṣām udbhedajā vṛkṣā latā vallyaś ca vīrudhaḥ; daṃśayūkādayaś cānye svedajāḥ kṛmijātayaḥ; pakṣiṇaś chidrakarṇāś ca prāṇinas tv aṇḍajāḥ smṛtāḥ; mṛgavyālamanuṣyāṃś ca viddhi teṣāṃ jarāyujān; evaṃ caturvidhāṃ jātim ātmā saṃśritya tiṣṭhati; sparśenaikendriyeṇātmā tiṣṭhaty udbhedajeṣu vai; śarīrasparśarūpābhyāṃ kledajeṣv api tiṣṭhati; pañcabhiś cendriyadvārair jīvanty aṇḍajarāyujāḥ

„Herr, unter allen Sterblichen wird der Beste ein Wissender. Worauf blickend entsteht jenes Wissen, und was ist seine Frucht? Ist es Erworbenes oder naturgegeben? Das mußt du mir sagen.“ [Zwischenruf: Nārada] Maheśvara: Als Mahādeva dies gehört hatte, verkündete er die Entstehung des Wissens. „Die Welt heißt zweifach: Unbewegtes und Bewegtes. Vier Arten von Geschöpfen gibt es darin der Reihe nach. Aus ihnen sind die aus Keimen Geborenen: Bäume, Sträucher, Ranken und Kräuter. Andere, wie Stechfliegen und dergleichen, sind schweiß-geboren, [dazu] Würmerarten. Die Vögel und die mit Öffnungen an den Ohren [?] gelten als eier-geborene Lebewesen. Rechne ihnen Tiere, Raubtiere und Menschen als lebend-geboren zu. In diesen vier Geburtsarten weilt das Selbst. Durch Berührung, mit einem einzigen Sinn, weilt das Selbst in den aus Keimen Geborenen. Durch Berührung und Gestalt des Körpers weilt es auch in den feucht-geborenen. Durch die fünf Tore der Sinne leben die Eier- und Lebendgeborenen.

Wort für Wort
bhagavan sarvamartyānāṃ jñānī bhavati sattamaḥ
Herr, unter allen Sterblichen wird der Beste ein Wissender (Vok.; Gen.Pl.; Nom.Superl.)
kim avekṣya tad utpannaṃ jñānaṃ tasya phalaṃ ca yat
worauf blickend entsteht jenes Wissen, und was ist dessen Frucht (Abs.; Part.Pass.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.; verirrte Sprecherangabe)
kṛtrimaṃ tat svabhāvaṃ vā tan me śaṃsitum arhasi
ist es künstlich oder naturgegeben? Das mußt du mir sagen (Nom.n.)
maheśvaraḥ etac chrutvā mahādevo jagau jñānasya saṃbhavam
Maheśvara: nachdem Mahādeva dies gehört, verkündete er die Entstehung des Wissens (Abs.; Perf.)
sthāvaraṃ jaṃgamaṃ ceti jagad dvividham ucyate
Unbewegtes und Bewegtes: die Welt heißt zweifach (Nom.; Pass.)
catasro jātayas tatra prajānāṃ kramaśo yathā
vier Arten der Geschöpfe darin, der Reihe nach (Nom.Pl.f.; Gen.Pl.)
teṣām udbhedajā vṛkṣā latā vallyaś ca vīrudhaḥ
unter ihnen die Keimgeborenen: Bäume, Schlingen, Ranken, Kräuter (Nom.Pl.)
daṃśayūkādayaś cānye svedajāḥ kṛmijātayaḥ
andere wie Stechfliegen und Läuse sind schweißgeboren, Wurmarten (Nom.Pl.)
pakṣiṇaś chidrakarṇāś ca prāṇinas tv aṇḍajāḥ smṛtāḥ
Vögel und ,Lochohrige‘ [?] gelten als eiergeborene Lebewesen (Nom.Pl.; Part.Pass.)
mṛgavyālamanuṣyāṃś ca viddhi teṣāṃ jarāyujān
Tiere, Raubtiere, Menschen rechne zu den Lebendgeborenen (Akk.Pl.; Imp.)
evaṃ caturvidhāṃ jātim ātmā saṃśritya tiṣṭhati
so weilt das Selbst, die vierfache Geburtsart bezogen habend (Akk.; Abs.)
sparśenaikendriyeṇātmā tiṣṭhaty udbhedajeṣu vai
durch Berührung, mit einem Sinn, weilt das Selbst in Keimgeborenen (Instr.; Lok.Pl.)
śarīrasparśarūpābhyāṃ kledajeṣv api tiṣṭhati
durch Körperberührung und Gestalt weilt es auch in Feuchtgeborenen (Instr.Du.; Lok.Pl.)
pañcabhiś cendriyadvārair jīvanty aṇḍajarāyujāḥ
durch die fünf Sinnestore leben Eier- und Lebendgeborene (Instr.Pl.; 3.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind verschoben (nāradaḥ* steht mitten in der Rede Umās). chidrakarṇāḥ ist unsicher; wörtlich ,Lochohren‘ [?].

tathā bhūmyambusaṃyogād bhavanty udbhedajāḥ priye; śītoṣṇayos tu saṃyogāj jāyante kledajāḥ priye; aṇḍajāś cāpi saṃyogāj jāyante kṣetrabījayoḥ; śuklaśoṇitasaṃyogāt saṃbhavanti jarāyujāḥ; jarāyujānāṃ sarveṣāṃ mānuṣaṃ padam uttamam; sakalair indriyair martyāḥ saṃyuktā jalpinas tathā; bhayaṃ ratiś ca cittaṃ tad vidyate mṛgapakṣiṣu; dharmādharmau ca vijñānaṃ naiva pakṣimṛgādiṣu; buddhiḥ sattvaṃ dhṛtir lajjā jñānaṃ vijñānam eva ca; ūhāpohau ca martyeṣu guṇā nānāvidhāḥ smṛtāḥ; mānuṣaṃ hi padaṃ tasmād viśiṣṭam iha lakṣyate; mahatā dharmakāryeṇa prāpyate janma mānuṣam; ataḥ paraṃ tamotpattiṃ śṛṇu devi samāhitā; dvividhaṃ hi tamo loke śārvaraṃ dehajaṃ tathā

So, Liebe, entstehen die Keimgeborenen aus der Verbindung von Erde und Wasser. Durch die Verbindung von Kälte und Hitze, Liebe, werden die Feuchtgeborenen geboren. Auch die Eiergeborenen werden durch die Verbindung von Feld und Samen geboren; die Lebendgeborenen entstehen aus der Verbindung von Sperma und Blut. Unter allen Lebendgeborenen ist der Stand des Menschen der höchste. Die Sterblichen sind mit allen Sinnen ausgestattet und [zudem] sprachbegabt. Furcht, Lust und Denken gibt es bei Tieren und Vögeln; Dharma und Adharma und Unterscheidungserkenntnis dagegen keineswegs bei Vögeln, Tieren und dergleichen. Verstand, Wesenskraft, Standhaftigkeit, Scham, Wissen und Erkenntnis, Erwägen und Verwerfen: vielfältige Eigenschaften gelten als bei den Sterblichen [vorhanden]. Daher erscheint der Stand des Menschen hier als hervorragend. Durch große Dharma-Tat wird die Geburt als Mensch erlangt. Höre nun weiter, Göttin, aufmerksam, den Ursprung der Finsternis: Zweifach ist die Finsternis in der Welt, die der Nacht und die aus dem Körper geborene.

Wort für Wort
tathā bhūmyambusaṃyogād bhavanty udbhedajāḥ priye
so entstehen aus Verbindung von Erde und Wasser die Keimgeborenen, Liebe (Abl.; Vok.)
śītoṣṇayos tu saṃyogāj jāyante kledajāḥ priye
aus Verbindung von Kälte und Hitze werden Feuchtgeborene geboren (Gen.Du.; Abl.)
aṇḍajāś cāpi saṃyogāj jāyante kṣetrabījayoḥ
auch Eiergeborene aus Verbindung von Feld und Samen (Gen.Du.)
śuklaśoṇitasaṃyogāt saṃbhavanti jarāyujāḥ
aus Verbindung von Sperma und Blut entstehen die Lebendgeborenen (Abl.)
jarāyujānāṃ sarveṣāṃ mānuṣaṃ padam uttamam
unter allen Lebendgeborenen ist der menschliche Stand der höchste (Gen.Pl.; Nom.)
sakalair indriyair martyāḥ saṃyuktā jalpinas tathā
die Sterblichen sind mit allen Sinnen versehen und sprechend (Instr.Pl.; Part.Pass.; Nom.)
bhayaṃ ratiś ca cittaṃ tad vidyate mṛgapakṣiṣu
Furcht, Lust und Denken gibt es bei Tieren und Vögeln (Nom.; Lok.Pl.)
dharmādharmau ca vijñānaṃ naiva pakṣimṛgādiṣu
Dharma und Adharma und Erkenntnis gibt es bei Vögeln und Tieren keineswegs (Nom.Du.; Lok.Pl.)
buddhiḥ sattvaṃ dhṛtir lajjā jñānaṃ vijñānam eva ca
Verstand, Wesenskraft, Standhaftigkeit, Scham, Wissen und Erkenntnis (Nom.)
ūhāpohau ca martyeṣu guṇā nānāvidhāḥ smṛtāḥ
Erwägen und Verwerfen: vielfältige Eigenschaften gelten bei Sterblichen (Nom.Du./Pl.; Part.Pass.)
mānuṣaṃ hi padaṃ tasmād viśiṣṭam iha lakṣyate
daher erscheint der Menschenstand hier hervorragend (Abl.; Pass.)
mahatā dharmakāryeṇa prāpyate janma mānuṣam
durch große Dharma-Tat wird Menschengeburt erlangt (Instr.; Pass.)
ataḥ paraṃ tamotpattiṃ śṛṇu devi samāhitā
hiernach höre die Entstehung der Finsternis, Göttin, gesammelt (Imp.; Vok.; Part.)
dvividhaṃ hi tamo loke śārvaraṃ dehajaṃ tathā
zweifach ist die Finsternis in der Welt: nächtliche und körpergeborene (Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jyotirbhiś cāgninā loke nāśaṃ gacchati śārvaram; dehajaṃ tu tamo ghoraṃ taiḥ samastair na śāmyati; tamasas tasya nāśārthaṃ nopāyam adhijagmivān; tapaś cakāra vipulaṃ lokakartā pitāmahaḥ; caturas tu samudbhūtā vedāḥ sāṅgāḥ sahottarāḥ; tāṃl labdhvā mumude brahmā lokānāṃ hitakāraṇāt; dehajaṃ tat tamo ghoram abhūt tenaiva nāśitam; kāryākāryam idaṃ ceti vācyāvācyam idaṃ tv iti; yadi cen na bhavel loke śrutaṃ cāritradeśikam; paśubhir nirviśeṣaṃ tu ceṣṭante mānuṣās tv iti; yajñādīnāṃ samārambhaḥ śrutenaiva vidhīyate; yajñasya phalayogena devalokaḥ samṛdhyate; prītiyuktāḥ punar devā mānuṣāṇāṃ phalanty uta; evaṃ nityaṃ pravardhete rodasī ca parasparam

Die nächtliche Finsternis geht in der Welt durch Lichter und Feuer zugrunde. Die aus dem Körper geborene Finsternis aber ist furchtbar und wird durch all jene nicht besänftigt. Zur Vernichtung dieser Finsternis fand [Brahmā] kein Mittel; da vollzog der Weltenschöpfer, der Großvater, gewaltige Askese. Es entstanden die vier Veden, mit den Gliedern und mit den Upaniṣaden. Als er sie erlangt hatte, freute sich Brahmā um des Wohls der Welten willen. Jene furchtbare körpergeborene Finsternis ward eben dadurch vernichtet: „Dies ist zu tun, dies nicht zu tun; dies ist auszusprechen, dies nicht.“ Gäbe es in der Welt nicht das Gehörte [Śruti] als Lehrer des rechten Wandels, würden die Menschen sich von Tieren nicht unterscheiden. Der Beginn von Opfern und dergleichen wird allein durch die Śruti geregelt. Durch die Verbindung mit der Frucht des Opfers gedeiht die Götterwelt. Erfreut, tragen die Götter wiederum den Menschen Früchte. So gedeihen Himmel und Erde stets gegenseitig.

Wort für Wort
jyotirbhiś cāgninā loke nāśaṃ gacchati śārvaram
durch Lichter und Feuer geht in der Welt die nächtliche [Finsternis] zugrunde (Instr.; Akk.; 3.Sg.)
dehajaṃ tu tamo ghoraṃ taiḥ samastair na śāmyati
die körpergeborene Finsternis ist furchtbar und wird durch all diese nicht gestillt (Nom.; Instr.Pl.)
tamasas tasya nāśārthaṃ nopāyam adhijagmivān
zur Vernichtung dieser Finsternis fand er kein Mittel (Gen.; Perf.Part.)
tapaś cakāra vipulaṃ lokakartā pitāmahaḥ
gewaltige Askese vollzog der Weltenschöpfer, der Großvater (Perf.3.Sg.)
caturas tu samudbhūtā vedāḥ sāṅgāḥ sahottarāḥ
vier Veden entstanden, samt Gliedern und samt Upaniṣaden (Nom.Pl.)
tāṃl labdhvā mumude brahmā lokānāṃ hitakāraṇāt
nachdem er sie erlangt, freute sich Brahmā um des Wohls der Welten willen (Abs.; Perf.)
dehajaṃ tat tamo ghoram abhūt tenaiva nāśitam
jene furchtbare körpergeborene Finsternis ward eben dadurch vernichtet (Kaus.Part.Pass.)
kāryākāryam idaṃ ceti vācyāvācyam idaṃ tv iti
dies ist zu tun, dies nicht; dies ist zu sagen, dies nicht (Gerundiv)
yadi cen na bhavel loke śrutaṃ cāritradeśikam
wenn es in der Welt nicht die Śruti gäbe als Weiser des Wandels (Opt.; Nom.)
paśubhir nirviśeṣaṃ tu ceṣṭante mānuṣās tv iti
würden die Menschen sich von Tieren nicht unterscheidend verhalten (Instr.Pl.; 3.Pl.)
yajñādīnāṃ samārambhaḥ śrutenaiva vidhīyate
der Beginn von Opfern usw. wird allein durch Śruti geregelt (Gen.; Instr.; Pass.)
yajñasya phalayogena devalokaḥ samṛdhyate
durch die Verbindung mit der Opferfrucht gedeiht die Götterwelt (Instr.; Pass.)
prītiyuktāḥ punar devā mānuṣāṇāṃ phalanty uta
erfreut, bringen die Götter den Menschen wiederum Früchte (Nom.Pl.; Gen.)
evaṃ nityaṃ pravardhete rodasī ca parasparam
so gedeihen beide Welten stets gegenseitig (Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das Subjekt von nopāyam adhijagmivān ist aus dem Zusammenhang Brahmā.

lokasaṃdhāraṇaṃ tasmāc chrutam ity avadhāraya; jñānād viśiṣṭaṃ jantūnāṃ nāsti lokatraye 'pi ca; sahajaṃ tat pradhānaṃ syād aparaṃ kṛtrimaṃ śrutam; ubhayaṃ yatra saṃpannaṃ bhavet tatra tu śobhanam; saṃpragṛhya śrutaṃ sarvaṃ kṛtakṛtyā bhavanty uta; uparīva ca martyānāṃ devavat saṃprakāśate; kāmaṃ krodhaṃ bhayaṃ darpam ajñānaṃ caiva buddhijam; tac chrutaṃ nudati kṣipraṃ yathā vāyur balāhakān; alpamātraṃ kṛto dharmo bhavej jñānavatāṃ mahān; mahān api kṛto dharmo hy ajñānān niṣphalo bhavet; parāvarajño bhūtānāṃ jñānavāṃs tattvavid bhavet; umā; evaṃ śrutaphalaṃ sarvaṃ kathitaṃ te śubhekṣaṇe; bhagavan mānuṣāḥ ke cij jātismaraṇasaṃyutāḥ; kimarthaṃ te 'bhijāyante jānantaḥ paurvadehikam

„Darum begreife: das Gehörte ist der Träger der Welt. Nichts ist in den drei Welten den Geschöpfen vorzüglicher als Wissen. Angeborenes sei das Wichtigste, das andere ist das erworbene Gehörte. Wo beides vorhanden ist, ist es herrlich. Wer alles Gehörte erfaßt hat, hat sein Ziel erreicht und leuchtet über den Sterblichen wie ein Gott. Verlangen, Zorn, Furcht, Hochmut, Unwissen, das aus dem Verstand [Entstehende]: dies vertreibt das Gehörte rasch, wie der Wind die Wolken. Ein nur wenig geübter Dharma wird bei Wissenden groß; auch ein großer, geübter Dharma wird aus Unwissenheit fruchtlos. Wer Höheres und Niederes der Wesen kennt, der Wissende, wird ein Kenner der Wahrheit.“ Umā [sprach]: „So ist dir die ganze Frucht des Gehörten gesagt, Schönäugige.“ [Umā:] „Herr, manche Menschen sind mit Erinnerung an frühere Geburten verbunden. Weshalb werden sie geboren, obgleich sie [ihr] früheres Körperleben kennen?“

Wort für Wort
lokasaṃdhāraṇaṃ tasmāc chrutam ity avadhāraya
darum begreife: das Gehörte ist Weltenträger (Nom.n.; Imp.)
jñānād viśiṣṭaṃ jantūnāṃ nāsti lokatraye 'pi ca
Vorzüglicheres als Wissen gibt es für Geschöpfe auch in den drei Welten nicht (Abl.; Gen.Pl.; Lok.)
sahajaṃ tat pradhānaṃ syād aparaṃ kṛtrimaṃ śrutam
Angeborenes sei das Wichtigste, das andere ist das erworbene Gehörte (Opt.)
ubhayaṃ yatra saṃpannaṃ bhavet tatra tu śobhanam
wo beides zusammentrifft, ist es herrlich (Part.Pass.; Opt.)
saṃpragṛhya śrutaṃ sarvaṃ kṛtakṛtyā bhavanty uta
alles Gehörte erfaßt habend, sind sie am Ziel (Abs.; Nom.Pl.)
uparīva ca martyānāṃ devavat saṃprakāśate
und über den Sterblichen leuchtet er gleichsam wie ein Gott (Gen.; 3.Sg.)
kāmaṃ krodhaṃ bhayaṃ darpam ajñānaṃ caiva buddhijam
Verlangen, Zorn, Furcht, Hochmut, Unwissen und das Verstandesgeborene (Akk.)
tac chrutaṃ nudati kṣipraṃ yathā vāyur balāhakān
dieses Gehörte vertreibt es rasch, wie der Wind die Wolken (3.Sg.; Akk.Pl.)
alpamātraṃ kṛto dharmo bhavej jñānavatāṃ mahān
ein nur wenig geübter Dharma wird bei Wissenden groß (Gen.Pl.; Opt.)
mahān api kṛto dharmo hy ajñānān niṣphalo bhavet
auch großer geübter Dharma wird aus Unwissen fruchtlos (Abl.)
parāvarajño bhūtānāṃ jñānavāṃs tattvavid bhavet
wer Höheres und Niederes der Wesen kennt, der Wissende, wird Wahrheitskenner (Opt.)
umā evaṃ śrutaphalaṃ sarvaṃ kathitaṃ te śubhekṣaṇe
Umā: so ist dir die ganze Frucht des Gehörten gesagt, Schönäugige (Vok.f.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cij jātismaraṇasaṃyutāḥ
Herr, manche Menschen sind mit Erinnerung an frühere Geburt verbunden (Vok.; Nom.Pl.)
kimarthaṃ te 'bhijāyante jānantaḥ paurvadehikam
weshalb werden sie geboren, das Frühere des Körpers kennend (3.Pl.Pass.; Part.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherzuweisung ist auch hier vertauscht: der Satz evaṃ śrutaphalaṃ … te śubhekṣaṇe gehört inhaltlich Śiva an Umā; die Frage bhagavan mānuṣāḥ … stammt von Umā.

maheśvaraḥ; etan me tattvato deva mānuṣeṣu vadasva bhoḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi kāraṇaṃ śṛṇu śobhane; ye mṛtāḥ sahasā martyā jāyante sahasā punaḥ; teṣāṃ paurāṇiko 'bhyāsaḥ kaṃ cit kālaṃ sa tiṣṭhati; tasmāj jātismarā loke jāyante bodhasaṃyutāḥ; teṣāṃ vivardhatāṃ saṃjñā svapnavat sā praṇaśyati; umā; paralokasya cāstitve mūḍhānāṃ kāraṇaṃ ca tat; bhagavan mānuṣāḥ ke cin mṛtā bhūtvā hi saṃprati; nivartamānā dṛśyante deheṣv eva punar narāḥ; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi kāraṇaṃ śṛṇu śobhane; prāṇair viyojyamānānāṃ bahutvāt prāṇināṃ kṣaye; tathaiva nāmasāmānyād yamadūtā nṛṇāṃ bhuvi; vahanti te kva cin mohād anyāṃs ta iti yāmikāḥ; nirvikāraṃ hi tat sarvaṃ yamo veda kṛtākṛtam

Maheśvara [sprach]: „Dies sage mir wahrhaftig, Gott, [über] die Menschen.“ [Śiva:] „Ich werde dir den Grund nennen; höre, Strahlende. Die Menschen, die plötzlich sterben und plötzlich wieder geboren werden: bei ihnen bleibt die alte Übung eine Zeitlang bestehen. Daher werden in der Welt Erinnerungsbegabte mit Bewußtsein geboren. Wenn sie heranwachsen, vergeht jene Erinnerung wie ein Traum.“ Umā [sprach]: „Und dies ist ein Grund für die Torheit derer, die die Existenz der Jenseitswelt [bezweifeln]. Herr, manche Menschen erscheinen jetzt, nachdem sie gestorben sind, wieder in denselben Körpern, wenn sie zurückkehren.“ Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir den Grund nennen; höre, Strahlende. Wenn beim Schwinden der Lebewesen wegen ihrer Vielzahl [manche] vom Leben getrennt werden, und ebenso wegen der Gleichheit der Namen, führen Yamas Boten hier auf Erden mitunter aus Verwirrung Menschen fort, die [eigentlich] andere sind – so die Yama-Diener. Denn Yama ist unveränderlich, er kennt alles Getane und Nichtgetane.

Wort für Wort
maheśvaraḥ etan me tattvato deva mānuṣeṣu vadasva bhoḥ
Maheśvara: dies sage mir wahrhaft, Gott, über die Menschen (Adv.; Imp.Med.; Lok.Pl.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi kāraṇaṃ śṛṇu śobhane
ich nenne dir den Grund; höre, Strahlende (Fut.; Imp.; Vok.f.)
ye mṛtāḥ sahasā martyā jāyante sahasā punaḥ
die plötzlich gestorbenen Sterblichen, die plötzlich wieder geboren werden (Part.Pass.; 3.Pl.Pass.)
teṣāṃ paurāṇiko 'bhyāsaḥ kaṃ cit kālaṃ sa tiṣṭhati
bei ihnen bleibt die alte Übung eine Zeit lang (Nom.; Akk.)
tasmāj jātismarā loke jāyante bodhasaṃyutāḥ
daher werden Erinnerungsbegabte in der Welt, mit Bewußtsein verbunden, geboren (Abl.; Nom.Pl.)
teṣāṃ vivardhatāṃ saṃjñā svapnavat sā praṇaśyate
wenn sie heranwachsen, vergeht ihnen jene Erinnerung wie ein Traum (Gen.abs.; 3.Sg.)
umā paralokasya cāstitve mūḍhānāṃ kāraṇaṃ ca tat
Umā: und dies ist Grund für die Betörten hinsichtlich des Jenseits-Seins (Lok.; Gen.Pl.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cin mṛtā bhūtvā hi saṃprati
Herr, manche Menschen, gestorben seiend, jetzt (Vok.; Abs.)
nivartamānā dṛśyante deheṣv eva punar narāḥ
sieht man zurückkehrend wieder in denselben Körpern (Part.Präs.; Pass.)
maheśvaraḥ tad ahaṃ te pravakṣyāmi kāraṇaṃ śṛṇu śobhane
Maheśvara: ich nenne dir den Grund; höre (Fut.; Imp.)
prāṇair viyojyamānānāṃ bahutvāt prāṇināṃ kṣaye
wenn Lebewesen vom Leben getrennt werden, beim Schwinden wegen Vielzahl (Gen.Pl.Pass.Part.; Abl.; Lok.)
tathaiva nāmasāmānyād yamadūtā nṛṇāṃ bhuvi
ebenso wegen Namensgleichheit die Yama-Boten bei den Menschen auf Erden (Abl.; Nom.Pl.)
vahanti te kva cin mohād anyāṃs ta iti yāmikāḥ
sie führen mitunter aus Verwirrung andere fort, sie, die Yama-Diener (3.Pl.; Abl.; Akk.Pl.)
nirvikāraṃ hi tat sarvaṃ yamo veda kṛtākṛtam
denn Yama, unveränderlich, kennt alles Getane und Ungetane (Perf.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text und Syntax von tathaiva … vahanti te sind verdichtet und nicht ganz sicher [?]; die Zeile ta iti yāmikāḥ ist knapp.

tasmāt saṃyaminīṃ prāpya yamenaite vimokṣitāḥ; punar eva nivartante śeṣaṃ bhoktuṃ svakarmaṇaḥ; umā; svakarmaṇy asamāpte tu na mriyante hi mānavāḥ; bhagavan suptamātrāṇāṃ martyānāṃ svapnadarśanam; maheśvaraḥ; kiṃ tat svabhāvam anyad vā tan me śaṃsitum arhasi; suptānāṃ tu punaś ceṣṭā svapna ity abhidhīyate; anāgatam atikrāntaṃ paśyate saṃcaran manaḥ; nimittaṃ ca bhavet tasmāt prāṇināṃ svapnadarśanam; umā; evaṃ te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan sarvabhūteśa loke karmakriyāpathe; daivāt pravartate sarvam iti ke cid vyavasthitāḥ; apare ceṣṭayā ceti dṛṣṭvā pratyakṣataḥ kriyām; pakṣabhede dvidhā cāsmin saṃśayasthaṃ mano mama; tattvaṃ vada mahādeva śrotuṃ kautūhalaṃ hi me

Daher werden diese, wenn sie in Yamas Reich gelangt sind, von Yama freigelassen; sie kehren wieder zurück, um den Rest ihres [eigenen] Handelns zu genießen.“ Umā [sprach]: „Solange ihr eigenes Handeln nicht erschöpft ist, sterben Menschen ja nicht. Herr, wie steht es mit dem Traumschauen der Sterblichen, sobald sie eingeschlafen sind?“ Maheśvara [sprach]: „Ist es [von] eigener Natur oder anders? Das mußt du mir sagen.“ [Śiva:] „Das Wirken der Schlafenden wiederum wird Traum genannt: das Denken, umherwandernd, sieht Künftiges und Vergangenes. Daher kann es für die Lebewesen ein Anzeichen sein, das Traumschauen.“ Umā [sprach]: „So ist dir alles gesagt; was willst du noch hören? Herr, Herr aller Wesen, auf dem Pfad des Handelns in der Welt: manche behaupten, alles komme durch das Schicksal in Gang; andere, durch Bemühen, da sie das Handeln unmittelbar sehen. In diesen zwei Lagern der Meinung ist mein Geist zweifelnd. Sage die Wahrheit, großer Gott; ich habe ja Neugier zu hören.“

Wort für Wort
tasmāt saṃyaminīṃ prāpya yamenaite vimokṣitāḥ
daher, in Yamas Reich gelangt, werden diese von Yama freigelassen (Abs.; Instr.; Part.Kaus.Pass.)
punar eva nivartante śeṣaṃ bhoktuṃ svakarmaṇaḥ
sie kehren wieder zurück, den Rest ihres eigenen Handelns zu genießen (3.Pl.; Inf.; Gen.)
umā svakarmaṇy asamāpte tu na mriyante hi mānavāḥ
Umā: solange eigenes Handeln nicht erschöpft ist, sterben Menschen nicht (Lok.abs.; 3.Pl.Pass.)
bhagavan suptamātrāṇāṃ martyānāṃ svapnadarśanam
Herr, das Traumschauen der kaum Eingeschlafenen unter den Sterblichen (Vok.; Gen.Pl.; Nom.)
maheśvaraḥ kiṃ tat svabhāvam anyad vā tan me śaṃsitum arhasi
ist es eigener Natur oder anders? Das sag mir (Nom.n.)
suptānāṃ tu punaś ceṣṭā svapna ity abhidhīyate
das Wirken der Schlafenden heißt Traum (Gen.Pl.; Nom.; Pass.)
anāgatam atikrāntaṃ paśyate saṃcaran manaḥ
Künftiges und Vergangenes sieht das umherwandernde Denken (Akk.; Part.Präs.; Nom.)
nimittaṃ ca bhavet tasmāt prāṇināṃ svapnadarśanam
daher mag das Traumschauen für Lebewesen ein Anzeichen sein (Opt.; Abl.)
umā evaṃ te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Umā: so ist dir alles gesagt; was willst du noch hören? (Part.Pass.; Inf.)
bhagavan sarvabhūteśa loke karmakriyāpathe
Herr, Herr aller Wesen, auf dem Weg des Handelns in der Welt (Vok.; Lok.)
daivāt pravartate sarvam iti ke cid vyavasthitāḥ
alles kommt durch Schicksal in Gang, so halten manche fest (Abl.; Nom.Pl.)
apare ceṣṭayā ceti dṛṣṭvā pratyakṣataḥ kriyām
andere sagen: durch Bemühen, da sie das Handeln unmittelbar sehen (Instr.; Abs.)
pakṣabhede dvidhā cāsmin saṃśayasthaṃ mano mama
bei dieser Zweiteilung der Lager ist mein Geist im Zweifel (Lok.; Nom.n.)
tattvaṃ vada mahādeva śrotuṃ kautūhalaṃ hi me
sage die Wahrheit, Mahādeva; ich habe Neugier zu hören (Imp.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verschoben: kiṃ tat svabhāvam anyad vā … ist Frage Umās; suptānāṃ tu … Antwort Śivas.

maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā; na daivaṃ kurute karma loke devi śubhāśubham; lakṣyate dvividhaṃ karma mānuṣāṇāṃ śubhānane; purākṛtaṃ tayor ekam aihikaṃ ca paraṃ tathā; adṛṣṭaṃ paurvikaṃ karma tad daivam iti lakṣyate; aihikaṃ dṛṣṭakaraṇaṃ tan mānuṣam iti smṛtam; mānuṣaṃ ca kriyāmātraṃ daivāt saṃbhavate phalam; evaṃ tad ubhayaṃ sarvaṃ mānuṣaṃ vidyate nṛṣu; laukikaṃ tat pravakṣyāmi daivamānuṣanirmitam; kṛṣau tu dṛśyate karma karṣaṇaṃ vapanaṃ tathā; ropaṇaṃ caiva lavanaṃ yac cānyat pauruṣaṃ smṛtam; kāle vṛṣṭiḥ suvāpaś ca prarohaḥ paktir eva ca; evamādi tu yac cānyat tad daivatam iti smṛtam; pravāpaḥ pauruṣaṃ karma siddhir daivam iti smṛtam

Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir dies nennen; höre gesammelt. Nicht das Schicksal [allein] vollbringt in der Welt, Göttin, das heilvolle oder unheilvolle Handeln. Zweifach, Schönantlitzige, zeigt sich das Handeln der Menschen: eines ist früher getan, das andere gehört zu diesem Leben. Das unsichtbare, frühere Handeln gilt als ‚Schicksal‘. Das hiesige, das sichtbare Mittel, gilt als ‚menschlich‘. Auch das menschliche Handeln ist nur Tun; aus dem Schicksal entsteht die Frucht. So ist beides bei den Menschen vorhanden. Ich sage dir Weltliches, aus Schicksal und Menschentun Gebildetes: Beim Ackerbau sieht man Handeln: Pflügen, Säen, Pflanzen und Ernten und was sonst als Menschenwerk gilt. Regen zur rechten Zeit, gutes Gedeihen, Sprießen und Reifen: dies und was sonst gilt als ‚göttlich‘. Das Säen ist Menschenwerk, der Erfolg gilt als Schicksal.

Wort für Wort
maheśvaraḥ tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
Maheśvara: ich nenne dir das; höre du gesammelt (Fut.; Imp.)
na daivaṃ kurute karma loke devi śubhāśubham
nicht das Schicksal [allein] wirkt in der Welt heil- oder unheilvolles Handeln (3.Sg.Med.; Vok.)
lakṣyate dvividhaṃ karma mānuṣāṇāṃ śubhānane
zweifach zeigt sich das Handeln der Menschen, Schönantlitzige (Pass.; Gen.Pl.; Vok.)
purākṛtaṃ tayor ekam aihikaṃ ca paraṃ tathā
von beiden ist eines früher getan, das andere hiesig (Part.Pass.; Nom.n.)
adṛṣṭaṃ paurvikaṃ karma tad daivam iti lakṣyate
das unsichtbare frühere Handeln gilt als Schicksal (Pass.)
aihikaṃ dṛṣṭakaraṇaṃ tan mānuṣam iti smṛtam
das hiesige, mit sichtbarem Mittel, gilt als menschlich (Part.Pass.)
mānuṣaṃ ca kriyāmātraṃ daivāt saṃbhavate phalam
das Menschliche ist bloßes Tun; aus dem Schicksal entsteht die Frucht (Abl.; 3.Sg.)
evaṃ tad ubhayaṃ sarvaṃ mānuṣaṃ vidyate nṛṣu
so ist dies beides bei den Menschen vorhanden (Lok.Pl.)
laukikaṃ tat pravakṣyāmi daivamānuṣanirmitam
Weltliches sage ich dir, aus Schicksal und Menschentun gebildet (Part.Pass.)
kṛṣau tu dṛśyate karma karṣaṇaṃ vapanaṃ tathā
beim Ackerbau sieht man Handeln: Pflügen, Säen (Lok.; Pass.)
ropaṇaṃ caiva lavanaṃ yac cānyat pauruṣaṃ smṛtam
Pflanzen, Ernten und was sonst als Menschenwerk gilt (Nom.n.)
kāle vṛṣṭiḥ suvāpaś ca prarohaḥ paktir eva ca
Regen zur Zeit, gute Saat, Sprießen und Reifen (Lok.; Nom.)
evamādi tu yac cānyat tad daivatam iti smṛtam
dies und anderes gilt als ‚göttlich‘ (Nom.n.)
pravāpaḥ pauruṣaṃ karma siddhir daivam iti smṛtam
das Säen ist Menschenwerk, das Gelingen gilt als Schicksal (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). suvāpaḥ (gute Saat) ist möglich, auch als ,gutes Ausstreuen‘; die Zuordnung zu daiva ist hier als Bedingung des Gedeihens aufgefaßt.

daivād asiddhiś ca bhaved duṣkṛtaṃ cāsti pauruṣe; suyatnāl labhate kīrtiṃ duryatnād ayaśas tathā; umā; evaṃ lokagatir devi ādiprabhṛti vartate; bhagavan sarvabhūteśa surāsuranamaskṛta; katham ātmā sadā garbhaṃ saṃviśet karmakāraṇāt; maheśvaraḥ; tan me vada mahādeva tad dhi guhyaṃ paraṃ mama; śṛṇu bhāmini tad guhyaṃ guhyānāṃ paramaṃ priye; devaguhyād api param ātmaguhyam iti smṛtam; devāsurās tan na vidur ātmano hi gatāgatam; adṛśyo hi sa devānāṃ śaighryāt saukṣmyān nirāśrayāt; atimātrātimāyānām ātmamāyā sadeṣyate; so 'yaṃ caturvidhāṃ jātiṃ saṃviśaty ātmamāyayā; maithunaṃ śoṇitaṃ bījaṃ daivaṃ cāpy atra kāraṇam; bījaśoṇitasaṃyogo yadā saṃbhavate śubhe

„Aus Schicksal kann Mißerfolg entstehen; und im Menschenwerk gibt es auch Fehlerhaftes. Durch gutes Bemühen erlangt man Ruhm, durch schlechtes Bemühen Schande.“ Umā [sprach]: „So, Göttin, verläuft der Weg der Welt von Anfang an.“ [Umā:] „Herr, Herr aller Wesen, von Göttern und Asuras verehrt: wie tritt das Selbst stets in einen Mutterleib ein, wegen des Handelns?“ Maheśvara [sprach]: „Das sage mir, Mahādeva; denn das ist mein höchstes Geheimnis.“ [Śiva:] „Höre, Geliebte, dies Geheimnis, das höchste der Geheimnisse, Liebe. Noch über dem Götter-Geheimnis steht das Selbst-Geheimnis, so heißt es. Götter und Asuras kennen es nicht, das Kommen und Gehen des Selbst. Denn es ist für die Götter unsichtbar, wegen der Schnelligkeit, Feinheit und Haltlosigkeit. Bei denen, die übermäßig von Māyā erfüllt sind, wird stets die Māyā des Selbst angenommen. Dieses Selbst tritt durch seine Selbst-Māyā in die vierfache Geburtsart ein. Beischlaf, Blut, Samen und auch das Schicksal sind hierbei die Ursache. Wenn die Verbindung von Samen und Blut eintritt, Heilvolle,

Wort für Wort
daivād asiddhiś ca bhaved duṣkṛtaṃ cāsti pauruṣe
aus Schicksal kann Mißerfolg sein, und im Menschenwerk gibt es Fehlerhaftes (Abl.; Opt.; Lok.)
suyatnāl labhate kīrtiṃ duryatnād ayaśas tathā
durch gutes Bemühen erlangt man Ruhm, durch schlechtes Schande (Abl.; 3.Sg.Med.)
umā evaṃ lokagatir devi ādiprabhṛti vartate
Umā: so verläuft der Weltenlauf von Anfang an, Göttin (Nom.; 3.Sg.)
bhagavan sarvabhūteśa surāsuranamaskṛta
Herr, Herr aller Wesen, von Göttern und Asuras verehrt (Vok.)
katham ātmā sadā garbhaṃ saṃviśet karmakāraṇāt
wie tritt das Selbst stets in den Mutterleib ein, wegen des Handelns? (Opt.; Abl.)
maheśvaraḥ tan me vada mahādeva tad dhi guhyaṃ paraṃ mama
das sage mir, Mahādeva; denn das ist mein höchstes Geheimnis (Imp.; Nom.n.)
śṛṇu bhāmini tad guhyaṃ guhyānāṃ paramaṃ priye
höre, Zornige, dies Geheimnis, das höchste der Geheimnisse, Liebe (Vok.f.)
devaguhyād api param ātmaguhyam iti smṛtam
noch über dem Götter-Geheimnis: das Selbst-Geheimnis, so heißt es (Abl.; Part.Pass.)
devāsurās tan na vidur ātmano hi gatāgatam
Götter und Asuras kennen das nicht, das Kommen und Gehen des Selbst (Perf.3.Pl.; Gen.)
adṛśyo hi sa devānāṃ śaighryāt saukṣmyān nirāśrayāt
denn er ist für die Götter unsichtbar wegen Schnelligkeit, Feinheit, Haltlosigkeit (Abl.)
atimātrātimāyānām ātmamāyā sadeṣyate
bei denen von übermäßiger Māyā gilt stets die Selbst-Māyā (Gen.Pl.; Pass.)
so 'yaṃ caturvidhāṃ jātiṃ saṃviśaty ātmamāyayā
dieser tritt durch Selbst-Māyā in die vierfache Geburtsart ein (Akk.; Instr.)
maithunaṃ śoṇitaṃ bījaṃ daivaṃ cāpy atra kāraṇam
Beischlaf, Blut, Samen und auch das Schicksal sind hierbei Ursache (Nom.)
bījaśoṇitasaṃyogo yadā saṃbhavate śubhe
wenn die Verbindung von Samen und Blut eintritt, Heilvolle (Vok.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verschoben und wiederholt (maheśvaraḥ vor tan me vada …); die Rede tan me vada mahādeva ist Umā zuzuweisen.

tadātmā viśate garbham evam aṇḍajarāyuje; śītoṣṇayos tu saṃyoge kledajeṣv avatiṣṭhati; bījabhūmijalānāṃ tu yogād udbhedajeṣu ca; evaṃ saṃyogakāle tu ātmā garbhatvam eyivān; kalalāj jāyate piṇḍaṃ piṇḍāt peśyarbudaṃ bhavet; vyaktibhāvaṃ gate caiva karma tv āśrayate kramāt; evaṃ strīpuruṣasaṃyogaṃ pauruṣaṃ viddhi bhāmini; apatyalābho yac cānyat tad daivam iti saṃsmṛtam; evaṃ vivardhamānena karmātmā saha vartate; evam ātmagatiṃ viddhi yan māṃ pṛcchasi suvrate; pañcabhūtasthitiś caiva jyotiṣām ayanaṃ tathā; abuddhigamyaṃ yan martyair hetubhir vā na vidyate; tādṛśaṃ kāraṇaṃ daivaṃ śubhaṃ vā yadi vetarat; yādṛśaṃ cātmanā śakyaṃ tat pauruṣam iti smṛtam

„dann tritt das Selbst in den Mutterleib ein, so bei Eiergeborenen und Lebendgeborenen. Bei der Verbindung von Kälte und Hitze bleibt es in den Feuchtgeborenen. Durch das Zusammentreffen von Samen, Erde und Wasser [geschieht es] bei den Keimgeborenen. So gelangt das Selbst zur Zeit der Verbindung in den Zustand des Keimes. Aus dem Kalala entsteht der Klumpen, aus dem Klumpen die Fleischknospe. Ist die Gestalt sichtbar geworden, hängt sich das Handeln der Reihe nach an. So erkenne, Zornige, die Vereinigung von Frau und Mann als Menschenwerk; der Gewinn eines Kindes und was sonst gilt als Schicksal. So wächst das Handeln zusammen mit dem Selbst heran. So erkenne den Weg des Selbst, wonach du mich fragst, Wohlgelobte. Der Bestand der fünf Elemente und der Lauf der Gestirne, was den Sterblichen nicht durch Verstand zugänglich ist oder durch Gründe nicht gefunden wird: solche Ursache ist Schicksal, gut oder anders. Was aber durch das Selbst vermag sein, gilt als Menschenwerk.

Wort für Wort
tadātmā viśate garbham evam aṇḍajarāyuje
dann tritt das Selbst in den Mutterleib ein, so bei Eier- und Lebendgeborenen (3.Sg.; Lok.)
śītoṣṇayos tu saṃyoge kledajeṣv avatiṣṭhati
bei Verbindung von Kälte und Hitze bleibt es in Feuchtgeborenen (Lok.; 3.Sg.)
bījabhūmijalānāṃ tu yogād udbhedajeṣu ca
und durch das Zusammentreffen von Samen, Erde, Wasser bei Keimgeborenen (Gen.Pl.; Abl.)
evaṃ saṃyogakāle tu ātmā garbhatvam eyivān
so gelangt das Selbst zur Zeit der Verbindung in den Keimzustand (Perf.Part.)
kalalāj jāyate piṇḍaṃ piṇḍāt peśyarbudaṃ bhavet
aus dem Kalala entsteht der Klumpen, aus dem Klumpen die Fleischknospe (Abl.; Opt.)
vyaktibhāvaṃ gate caiva karma tv āśrayate kramāt
ist Sichtbarkeit erreicht, hängt sich das Handeln der Reihe nach an (Lok.abs.; 3.Sg.)
evaṃ strīpuruṣasaṃyogaṃ pauruṣaṃ viddhi bhāmini
so erkenne die Vereinigung von Frau und Mann als Menschenwerk, Zornige (Imp.; Vok.)
apatyalābho yac cānyat tad daivam iti saṃsmṛtam
der Kindergewinn und was sonst, gilt als Schicksal (Nom.; Part.Pass.)
evaṃ vivardhamānena karmātmā saha vartate
so besteht das Handeln zusammen mit dem wachsenden Selbst fort (Instr.; 3.Sg.)
evam ātmagatiṃ viddhi yan māṃ pṛcchasi suvrate
so erkenne den Weg des Selbst, wonach du mich fragst, Wohlgelobte (Akk.; Vok.f.)
pañcabhūtasthitiś caiva jyotiṣām ayanaṃ tathā
der Bestand der fünf Elemente und der Lauf der Gestirne (Nom.; Gen.Pl.)
abuddhigamyaṃ yan martyair hetubhir vā na vidyate
was den Sterblichen durch Verstand nicht erreichbar ist oder durch Gründe nicht gefunden wird (Instr.Pl.)
tādṛśaṃ kāraṇaṃ daivaṃ śubhaṃ vā yadi vetarat
solche Ursache ist Schicksal, gut oder sonst wie (Nom.n.)
yādṛśaṃ cātmanā śakyaṃ tat pauruṣam iti smṛtam
was aber durch das Selbst möglich ist, gilt als Menschenwerk (Instr.; Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). peśyarbudam ist die Fleischknospe (Embryonalstadium); die Reihenfolge kalala – piṇḍa – peśī – arbuda ist die übliche Embryologie.

kevalaṃ phalaniṣpattir ekena na tu śakyate; pauruṣeṇa ca daivena yugapad grathitaṃ priye; tayoḥ samāhitaṃ karma śītoṣṇaṃ yugapat tathā; pauruṣaṃ tu tayoḥ pūrvam ārabdhavyaṃ vijānatā; ātmanā naiva śakyaṃ hi na tathā kīrtim āpnuyāt; khananān mathanāl loke jalāgniprāpaṇaṃ yathā; tathā puruṣakāre tu daivasaṃpat samāhitā; narasyākurvataḥ karma daivasaṃpan na labhyate; tasmāt sarvasamārambho daivamānuṣanirmitaḥ; asurā rākṣasāś caiva manyante lokanāyakāḥ; na paśyante ca te pāpāḥ kevalaṃ māṃsabhakṣakāḥ; pracchāditaṃ hi tat sarvaṃ guhyakāmā hi devatāḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi devaguhyaṃ purātanam; ādikāle prajāḥ sarvāḥ kṛtvā karma śubhāśubham; bhuñjate paśyamānās te vṛttāntaṃ lokayor dvayoḥ

„Allein durch das Eine ist die Entstehung einer Frucht nicht möglich; durch Menschenwerk und Schicksal zugleich ist sie verknüpft, Liebe. Das Handeln beider ist verbunden, wie Kälte und Hitze zugleich. Von beiden aber ist das Menschenwerk zuerst vom Wissenden zu beginnen. Durch das Selbst allein ist es nicht möglich, und so erlangte man keinen Ruhm. Wie in der Welt durch Graben und Reiben Wasser und Feuer erlangt werden, so ist beim Menschentun der Schicksalserfolg damit verbunden. Für den Menschen, der nichts tut, wird der Schicksalserfolg nicht erlangt. Daher ist jedes Unternehmen aus Schicksal und Menschentun gebildet. Asuras und Rākṣasas halten sich für Herren der Welt; die Sünder aber, die bloßen Fleischesser, sehen es nicht. Denn all dies ist verhüllt, da die Götter Geheimes lieben. Darum will ich dir das alte Götter-Geheimnis nennen. In der Urzeit haben alle Geschöpfe, nachdem sie heilvolles und unheilvolles Handeln getan hatten, [die Frucht] genossen, indem sie den Verlauf beider Welten sahen –

Wort für Wort
kevalaṃ phalaniṣpattir ekena na tu śakyate
die Entstehung der Frucht ist allein durch eines nicht möglich (Nom.; Instr.; Pass.)
pauruṣeṇa ca daivena yugapad grathitaṃ priye
durch Menschenwerk und Schicksal zugleich verknüpft, Liebe (Instr.; Part.Pass.)
tayoḥ samāhitaṃ karma śītoṣṇaṃ yugapat tathā
das Handeln beider ist verbunden, wie Kälte und Hitze zugleich (Gen.Du.; Part.Pass.)
pauruṣaṃ tu tayoḥ pūrvam ārabdhavyaṃ vijānatā
von beiden ist das Menschenwerk zuerst zu beginnen vom Wissenden (Gerundiv; Part.Instr.)
ātmanā naiva śakyaṃ hi na tathā kīrtim āpnuyāt
durch das Selbst allein ist es nicht möglich, und so erlangte man keinen Ruhm (Instr.; Opt.)
khananān mathanāl loke jalāgniprāpaṇaṃ yathā
wie in der Welt durch Graben und Reiben Wasser und Feuer erlangt werden (Abl.)
tathā puruṣakāre tu daivasaṃpat samāhitā
so ist beim Menschentun der Schicksalserfolg verbunden (Lok.; Nom.f.)
narasyākurvataḥ karma daivasaṃpan na labhyate
für den Mann, der nicht handelt, wird Schicksalserfolg nicht erlangt (Gen.; Part.Präs.; Pass.)
tasmāt sarvasamārambho daivamānuṣanirmitaḥ
daher ist jedes Unternehmen aus Schicksal und Menschentun gebildet (Abl.; Part.Pass.)
asurā rākṣasāś caiva manyante lokanāyakāḥ
Asuras und Rākṣasas halten sich für Weltenherren (3.Pl.; Nom.Pl.)
na paśyante ca te pāpāḥ kevalaṃ māṃsabhakṣakāḥ
aber diese Sünder, bloße Fleischesser, sehen es nicht (3.Pl.Med.)
pracchāditaṃ hi tat sarvaṃ guhyakāmā hi devatāḥ
denn all das ist verhüllt; die Götter lieben Geheimes (Part.Pass.; Nom.Pl.)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi devaguhyaṃ purātanam
daher nenne ich dir das alte Götter-Geheimnis (Fut.)
ādikāle prajāḥ sarvāḥ kṛtvā karma śubhāśubham
in der Urzeit alle Geschöpfe, nachdem sie heilvolles und unheilvolles Handeln getan (Lok.; Abs.)
bhuñjate paśyamānās te vṛttāntaṃ lokayor dvayoḥ
sie genossen, den Verlauf beider Welten sehend (3.Pl.Med.; Part.Präs.; Gen.Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz bhuñjate … läuft in 238 weiter (yathaiva …).

yathaivātmakṛtaṃ vidyur deśāntaragatā narāḥ; vidyus tathaivāntakāle svakṛtaṃ paurvadehikam; evaṃ vyavasthite loke sarve dharmaparābhavan; acireṇaiva kālena svargaḥ saṃpūritas tadā; devānām api saṃbādhaṃ dṛṣṭvā brahmāpy acintayat; saṃcarante kathaṃ devā mānuṣāḥ praviśanti hi; ity evam anucintyaiṣa mānuṣān samamohayat; tadāprabhṛti te martyā na vidus te purātanam; kāmakrodhau ca tatkāle mānuṣeṣu nyapātayat; tābhyām abhihatā martyāḥ svargalokaṃ na lebhire; purākṛtasyāvijñānāt kāmakrodhābhipīḍanāt; naitad astīti manvānā vikārāṃś cakrire punaḥ; akāryādīn mahādoṣān ārabhantātmakāraṇāt; vismṛtya dharmakāryāṇi paralokabhayaṃ tathā; evaṃ vyavasthite loke kaśmalaṃ samapadyata

„so wie Menschen, die an einen anderen Ort gegangen sind, das selbst Getane [dort] wissen, so wußten sie zur Todeszeit das selbst Getane des früheren Körperlebens. Als die Welt so bestand, übten alle den Dharma; in kurzer Zeit war der Himmel gefüllt. Als Brahmā auch die Enge der Götter sah, überlegte er: ‚Wie sollen die Götter sich bewegen, wo doch Menschen eintreten?‘ Nachdem er so nachgedacht hatte, verwirrte er die Menschen. Von da an kannten die Sterblichen ihr Früheres nicht mehr. Zu jener Zeit ließ er Verlangen und Zorn auf die Menschen fallen. Von diesen beiden geschlagen, erlangten die Sterblichen nicht die Himmelswelt. Aus Unkenntnis des früher Getanen und aus Bedrängnis durch Verlangen und Zorn, im Glauben ‚dies gibt es nicht‘, taten sie wieder Verkehrtes. Sie begannen um ihrer selbst willen Untaten und andere schwere Fehler, vergaßen die Werke des Dharma und die Furcht vor der Jenseitswelt. Als die Welt so bestand, entstand Verwirrung

Wort für Wort
yathaivātmakṛtaṃ vidyur deśāntaragatā narāḥ
wie Menschen, die an einen anderen Ort gegangen sind, das selbst Getane wüßten (Opt.; Part.Pass.)
vidyus tathaivāntakāle svakṛtaṃ paurvadehikam
so wüßten sie zur Todeszeit das selbst Getane des früheren Körpers (Opt.; Lok.)
evaṃ vyavasthite loke sarve dharmaparābhavan
als die Welt so bestand, waren alle dem Dharma ergeben (Lok.abs.; Impf.)
acireṇaiva kālena svargaḥ saṃpūritas tadā
in kurzer Zeit wurde der Himmel dann gefüllt (Instr.; Part.Pass.)
devānām api saṃbādhaṃ dṛṣṭvā brahmāpy acintayat
auch die Enge der Götter sehend, dachte Brahmā nach (Abs.; Impf.)
saṃcarante kathaṃ devā mānuṣāḥ praviśanti hi
wie sollen Götter sich bewegen, da Menschen eintreten? (3.Pl.Med.; 3.Pl.)
ity evam anucintyaiṣa mānuṣān samamohayat
so nachgedacht, verwirrte dieser die Menschen (Abs.; Impf.)
tadāprabhṛti te martyā na vidus te purātanam
von da an kannten jene Sterblichen ihr Früheres nicht (Perf.3.Pl.)
kāmakrodhau ca tatkāle mānuṣeṣu nyapātayat
Verlangen und Zorn ließ er zu jener Zeit auf die Menschen fallen (Akk.Du.; Impf.)
tābhyām abhihatā martyāḥ svargalokaṃ na lebhire
von beiden geschlagen, erlangten die Sterblichen die Himmelswelt nicht (Instr.Du.; Perf.)
purākṛtasyāvijñānāt kāmakrodhābhipīḍanāt
wegen Unkenntnis des früher Getanen, wegen Bedrängnis durch Verlangen und Zorn (Abl.)
naitad astīti manvānā vikārāṃś cakrire punaḥ
‚dies gibt es nicht‘ meinend, taten sie wieder Verkehrtes (Part.Med.; Perf.)
akāryādīn mahādoṣān ārabhantātmakāraṇāt
sie begannen Nichtzutuendes und große Fehler um ihrer selbst willen (Akk.Pl.; Impf.Med.)
vismṛtya dharmakāryāṇi paralokabhayaṃ tathā
Dharma-Werke und Jenseitsfurcht vergessend (Abs.)
evaṃ vyavasthite loke kaśmalaṃ samapadyata
als die Welt so bestand, entstand Verwirrung (Lok.abs.; Impf.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das ,er‘ in samamohayat und nyapātayat ist Brahmā (Subjekt aus dem Zusammenhang).

lokānāṃ caiva vedānāṃ kṣayāyaiva tadā priye; narakāḥ pūritāś cāsan prāṇibhiḥ pāpakāribhiḥ; punar eva tu tad dṛṣṭvā lokakartā pitāmahaḥ; acintayat tam evārthaṃ lokānāṃ hitakāraṇāt; samatvena kathaṃ loko varteteti muhur muhuḥ; cintayitvā tadā brahmā jñānena tapasā priye; umā; akaroj jñānadṛśyaṃ tu paralokaṃ na cakṣuṣā; bhagavan mṛtamātras tu yo 'yaṃ jāta iti smṛtaḥ; tathaiva dṛśyate jātas tatrātmā tu kathaṃ bhavet; garbhādāv eva saṃviṣṭa ātmeti bhagavanmatam; eṣa me saṃśayo deva tan me chettuṃ tvam arhasi; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā; anyo garbhagato bhūtvā tatraiva nidhanaṃ gataḥ; punar anyac charīraṃ tadāviśya bhuvi jāyate

„zum Untergang der Welten und der Veden, Liebe. Die Höllen wurden von sündigen Lebewesen gefüllt. Als der Weltenschöpfer, der Großvater, dies wieder sah, überlegte er dieselbe Sache um des Wohls der Welten willen: ‚Wie soll die Welt in Gleichmaß bestehen?‘ – so wieder und wieder. Nachdem Brahmā dann, Liebe, mit Wissen und Askese nachgedacht hatte, machte er die Jenseitswelt nur durch Wissen sichtbar, nicht durch das Auge.“ Umā [sprach]: „Herr, wer eben gestorben ist, von dem heißt es: ‚er ist geboren‘. Ebenso sieht man ihn geboren; wie kann dann dort das Selbst sein? ‚Das Selbst ist schon von der Empfängnis an eingetreten‘ – so ist die Lehre des Herrn. Dies ist mein Zweifel, Gott; den mußt du mir lösen.“ Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir dies nennen; höre gesammelt. Ein anderes, das in den Mutterleib gegangen ist, findet gerade dort sein Ende; ein anderer Körper wird dann [vom Selbst] betreten und es wird auf Erden geboren.

Wort für Wort
lokānāṃ caiva vedānāṃ kṣayāyaiva tadā priye
zum Untergang der Welten und der Veden damals, Liebe (Gen.Pl.; Dat.)
narakāḥ pūritāś cāsan prāṇibhiḥ pāpakāribhiḥ
die Höllen waren gefüllt mit sündigen Lebewesen (Nom.Pl.; Instr.Pl.)
punar eva tu tad dṛṣṭvā lokakartā pitāmahaḥ
dies wieder sehend, der Weltenschöpfer, der Großvater (Abs.)
acintayat tam evārthaṃ lokānāṃ hitakāraṇāt
dachte er über dieselbe Sache nach um des Weltenwohls willen (Impf.)
samatvena kathaṃ loko varteteti muhur muhuḥ
wie soll die Welt in Gleichmaß bestehen – wieder und wieder (Instr.; Opt.)
cintayitvā tadā brahmā jñānena tapasā priye
nachdem Brahmā mit Wissen und Askese nachgedacht hatte, Liebe (Abs.; Instr.)
umā akaroj jñānadṛśyaṃ tu paralokaṃ na cakṣuṣā
machte er die Jenseitswelt durch Wissen sichtbar, nicht durch das Auge (Impf.; Instr.)
bhagavan mṛtamātras tu yo 'yaṃ jāta iti smṛtaḥ
Herr, wer eben gestorben ist, von dem heißt es ‚geboren‘ (Nom.; Part.Pass.)
tathaiva dṛśyate jātas tatrātmā tu kathaṃ bhavet
ebenso sieht man ihn geboren; wie sollte das Selbst dort sein? (Opt.)
garbhādāv eva saṃviṣṭa ātmeti bhagavanmatam
‚das Selbst ist schon beim Beginn im Mutterleib eingetreten‘ – die Lehre des Herrn (Part.Pass.)
eṣa me saṃśayo deva tan me chettuṃ tvam arhasi
dies ist mein Zweifel, Gott; den mußt du lösen (Inf.)
maheśvaraḥ tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu tat tvaṃ samāhitā
ich nenne dir das; höre gesammelt (Fut.; Imp.)
anyo garbhagato bhūtvā tatraiva nidhanaṃ gataḥ
ein anderer, in den Mutterleib gegangen, dort selbst gestorben (Abs.; Part.Pass.)
punar anyac charīraṃ tadāviśya bhuvi jāyate
dann wieder in einen anderen Körper eingegangen, wird er auf Erden geboren (Abs.; Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuordnung der Sprecher ist verschoben; akaroj jñānadṛśyaṃ … paralokaṃ na cakṣuṣā gehört noch zur Rede Śivas, umā davor ist Einschub.

tat kva cin naiva sarvatra daivayogaṃ tu tad bhavet; sūtikāyā hitārthaṃ ca mohanārthaṃ ca dehinām; yamakarmavidhānaṃ tad ity evaṃ viddhi śobhane; kaukṣamātraṃ tu narakaṃ bhuktvā ke cit prayānti hi; māyā sā yāmikā nāma yaj janmamaraṇāntare; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; umā; bhagavan sarvabhūteśa lokanātha vṛṣadhvaja; nāsty ātmā karmabhokteti mṛto jantur na jāyate; svabhāvāj jāyate sarvaṃ yathā vṛkṣaphalaṃ tathā; yathormayaḥ saṃbhavanti tathaiva jagadākṛtiḥ; tapodānādi yat karma tatrātmā dṛśyate vṛthā; nāsti paunarbhavaṃ janma iti ke cid vyavasthitāḥ; parokṣavacanaṃ śrutvā na pratyakṣasya darśanāt; tat sarvaṃ nāsti vāstīti saṃśayasthās tathāpare

„Dies gilt nicht überall, dies geschieht durch Fügung des Schicksals. Zum Wohl der Gebärenden und zur Betörung der Verkörperten – dies ist die Einrichtung des Yama-Werkes, so erkenne, Strahlende. Manche gehen, nachdem sie nur eine Höllenzeit im Mutterleib [?] durchlebt haben; jene Māyā, ‚Yāmikā‘ genannt, [wirkt] zwischen Geburt und Tod. So ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören?“ Umā [sprach]: „Herr, Herr aller Wesen, Herr der Welt, mit dem Stier im Banner: ‚Es gibt kein Selbst als Genießer der Taten; wer stirbt, das Geschöpf, wird nicht [wieder] geboren. Aus der Eigennatur wird alles geboren, wie die Frucht am Baum; wie Wellen entstehen, so ist die Gestalt der Welt. Beim Handeln wie Askese und Gabe wird das Selbst vergeblich gesehen. Es gibt keine Wiedergeburt‘ – so halten manche fest. Nach bloßem Hörensagen und nicht aus unmittelbarem Sehen [urteilen sie]; ‚das alles gibt es nicht‘ oder ‚es gibt es‘ – so zweifeln wiederum andere.

Wort für Wort
tat kva cin naiva sarvatra daivayogaṃ tu tad bhavet
das gilt nicht überall; es geschieht durch Fügung des Schicksals (Opt.)
sūtikāyā hitārthaṃ ca mohanārthaṃ ca dehinām
zum Wohl der Gebärenden und zur Betörung der Verkörperten (Gen.; Gen.Pl.)
yamakarmavidhānaṃ tad ity evaṃ viddhi śobhane
das ist die Yama-Werk-Einrichtung, so erkenne, Strahlende (Imp.; Vok.f.)
kaukṣamātraṃ tu narakaṃ bhuktvā ke cit prayānti hi
manche gehen, nur einen Mutterleibs-Höllenzustand [?] genossen habend (Abs.; 3.Pl.)
māyā sā yāmikā nāma yaj janmamaraṇāntare
jene Māyā heißt Yāmikā, die zwischen Geburt und Tod [wirkt] (Nom.f.; Lok.)
iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
so ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören? (Part.Pass.; Inf.)
umā bhagavan sarvabhūteśa lokanātha vṛṣadhvaja
Umā: Herr, Herr aller Wesen, Herr der Welt, Stierbanner (Vok.)
nāsty ātmā karmabhokteti mṛto jantur na jāyate
es gibt kein Selbst als Tatengenießer; der gestorbene Mensch wird nicht geboren (Nom.; Part.Pass.)
svabhāvāj jāyate sarvaṃ yathā vṛkṣaphalaṃ tathā
aus Eigennatur entsteht alles, wie die Baumfrucht (Abl.)
yathormayaḥ saṃbhavanti tathaiva jagadākṛtiḥ
wie Wellen entstehen, so die Gestalt der Welt (Nom.Pl.)
tapodānādi yat karma tatrātmā dṛśyate vṛthā
bei Handeln wie Askese und Gabe wird das Selbst vergeblich gesehen (Pass.)
nāsti paunarbhavaṃ janma iti ke cid vyavasthitāḥ
‚Wiedergeburt gibt es nicht‘, so halten manche fest (Part.Pass.)
parokṣavacanaṃ śrutvā na pratyakṣasya darśanāt
nach dem Wort des Unsichtbaren gehört habend, nicht aus Sehen des Sichtbaren (Abs.; Abl.)
tat sarvaṃ nāsti vāstīti saṃśayasthās tathāpare
‚das alles gibt es nicht‘ oder ‚es gibt es‘: so im Zweifel andere (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). kaukṣamātraṃ narakam ist unsicher [?]; wörtlich etwa ,nur die Höllenzeit im Leib‘. Die Zuordnung der Wechselreden (etwa iti te kathitaṃ devi …) folgt der Überlieferung.

pakṣabhedāntare cāsmiṃs tattvaṃ me vaktum arhasi; nāradaḥ; uktaṃ bhagavatā yat tu tat tu lokasya saṃsthitiḥ; praśnam etaṃ tu pṛcchantyāṃ rudrāṇyāṃ pariṣat tadā; maheśvaraḥ; kautūhalayutā śrotuṃ samāhitamanābhavat; naitad asti mahābhāge yad vadantīha nāstikāḥ; etad evābhiśastānāṃ śrutividveṣiṇāṃ matam; sarvam arthaṃ śrutaṃ dṛṣṭaṃ yat prāg uktaṃ mayā tava; tadāprabhṛti martyānāṃ śrutam āśritya paṇḍitāḥ; kāmān saṃchindya parighān dhṛtyā vai paramāsinā; abhiyānty eva te svargaṃ paśyantaḥ karmaṇāṃ phalam; evaṃ śraddhāphalaṃ loke parataḥ sumahat phalam; buddhiḥ śraddhā ca śuśrūṣā kāraṇāni hitaiṣiṇām; tasmāt svargābhigantāraḥ kati cit tv abhavan narāḥ

„Über diese Meinungsverschiedenheit mußt du mir die Wahrheit sagen.“ Nārada [sprach]: „Was der Herr gesagt hat, ist die Ordnung der Welt.“ Als Rudrāṇī diese Frage stellte, war die Versammlung damals voll Neugier zu hören und gesammelten Geistes. Maheśvara [sprach]: „Dies ist nicht so, Hochbeglückte, was die Nihilisten hier behaupten; dies ist allein die Meinung der Verfluchten, die die Śruti hassen. Der ganze Sinn ist Gehörtes und Gesehenes, was ich dir zuvor gesagt habe. Seit damals stützen sich die Weisen der Menschen auf das Gehörte. Nachdem sie mit Standhaftigkeit, dem besten Schwert, die Verlangen als Riegel zerschlagen haben, gehen sie ganz gewiß in den Himmel und sehen die Frucht der Taten. So gibt es in der Welt eine überaus große Frucht des Glaubens im Jenseits. Verstand, Glaube und Dienstbereitschaft sind die Ursachen bei denen, die das Wohl suchen. Darum wurden einige Menschen Himmelsgänger.

Wort für Wort
pakṣabhedāntare cāsmiṃs tattvaṃ me vaktum arhasi
in dieser Lagerverschiedenheit mußt du mir die Wahrheit sagen (Lok.; Inf.)
nāradaḥ uktaṃ bhagavatā yat tu tat tu lokasya saṃsthitiḥ
Nārada: was der Herr gesagt hat, das ist die Ordnung der Welt (Part.Pass.; Instr.)
praśnam etaṃ tu pṛcchantyāṃ rudrāṇyāṃ pariṣat tadā
als Rudrāṇī diese Frage stellte, [war] damals die Versammlung (Lok.abs.f.)
maheśvaraḥ kautūhalayutā śrotuṃ samāhitamanābhavat
voll Neugier, zu hören, war sie gesammelten Geistes (Inf.; Impf.)
naitad asti mahābhāge yad vadantīha nāstikāḥ
das ist nicht so, Hochbeglückte, was Nihilisten hier sagen (Vok.f.; 3.Pl.)
etad evābhiśastānāṃ śrutividveṣiṇāṃ matam
dies ist die Meinung der Verfluchten, die die Śruti hassen (Gen.Pl.)
sarvam arthaṃ śrutaṃ dṛṣṭaṃ yat prāg uktaṃ mayā tava
jeder Sinn ist Gehörtes und Gesehenes, was ich dir zuvor gesagt (Instr.)
tadāprabhṛti martyānāṃ śrutam āśritya paṇḍitāḥ
seit damals die Weisen der Menschen, sich auf das Gehörte stützend (Abs.)
kāmān saṃchindya parighān dhṛtyā vai paramāsinā
die Verlangen wie Riegel zerschlagen mit dem besten Schwert der Standhaftigkeit (Abs.; Instr.)
abhiyānty eva te svargaṃ paśyantaḥ karmaṇāṃ phalam
sie gehen wahrlich zum Himmel, die Frucht der Taten sehend (3.Pl.; Part.Präs.)
evaṃ śraddhāphalaṃ loke parataḥ sumahat phalam
so ist die Frucht des Glaubens in der Welt jenseits sehr groß (Nom.)
buddhiḥ śraddhā ca śuśrūṣā kāraṇāni hitaiṣiṇām
Verstand, Glaube, Dienstbereitschaft sind die Ursachen für Wohlsuchende (Gen.Pl.)
tasmāt svargābhigantāraḥ kati cit tv abhavan narāḥ
darum wurden einige Menschen Himmelsgänger (Nom.Pl.; Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). parighān ,Riegel‘ als Bild der Begierden (kāmān) ist unsicher [?]. Sprecherangaben verschoben: die Rede uktaṃ bhagavatā … ist Nāradas, praśnam etaṃ … gehört zur Erzählung.

anye karaṇahīnatvān nāstikyaṃ bhāvam āśritāḥ; śrutavidveṣiṇo mūrkhā nāstikā dṛḍhaniścayāḥ; niṣkriyāś ca nirannādyāḥ patanty evādhamāṃ gatim; nāstīti vai punarjanma kavayo 'py atra mohitāḥ; nādhigacchanti tan nityaṃ hetuvādaśatair api; eṣā brahmakṛtā māyā durvijñeyā surāsuraiḥ; kiṃ punar mānuṣair loke jñātukāmaiḥ svakarmabhiḥ; kevalaṃ śraddhayā devi śrutimātraniviṣṭayā; tad astīty eva mantavyaṃ tathā hi tam avāpnuyāt; vedaguhyeṣu cānyeṣu hetur devi nirarthakaḥ; badhirāndhavad evātra vartitavyaṃ hitaiṣiṇā; etat te kathitaṃ sarvaṃ devaguhyaṃ prajāhitam; tvatprītyartham idaṃ guhyam avācyam api bhāṣitam; umā; bhagavan sarvabhūteśa tripurārdana śaṃkara

„Andere, wegen Mangels an Werkzeugen [zum Handeln], nahmen die Haltung des Nihilismus an: Törichte, die die Śruti hassen, Nihilisten mit festem Entschluß. Untätig und ohne Speiseopfer fallen sie geradewegs in den niedrigsten Zustand. ‚Es gibt keine Wiedergeburt‘: hierin sind sogar Dichter-Weise verwirrt. Sie erreichen dies niemals, selbst nicht mit Hunderten von Begründungen. Diese von Brahmā geschaffene Māyā ist von Göttern und Asuras schwer zu durchschauen – wie viel mehr von Menschen in der Welt, die durch eigenes Handeln erkennen wollen! Allein durch Glauben, Göttin, der auf das bloße Gehörte gerichtet ist, ist es so zu denken: ‚Es gibt es.‘ So nämlich erlangt man es. In den übrigen Geheimnissen des Veda ist die Beweisführung sinnlos; hier soll sich der Wohlsuchende wie ein Tauber und Blinder verhalten. Dies ist dir alles gesagt, das Götter-Geheimnis zum Wohl der Geschöpfe; dir zuliebe ist dies Geheimnis, obwohl unsagbar, gesprochen.“ Umā [sprach]: „Herr, Herr aller Wesen, Zerstörer der Tripura, Śaṃkara,

Wort für Wort
anye karaṇahīnatvān nāstikyaṃ bhāvam āśritāḥ
andere, wegen Mangels an Werkzeugen, nahmen den Zustand des Nihilismus an (Abl.; Part.Pass.)
śrutavidveṣiṇo mūrkhā nāstikā dṛḍhaniścayāḥ
Śruti-Hasser, Törichte, Nihilisten mit festem Entschluß (Nom.Pl.)
niṣkriyāś ca nirannādyāḥ patanty evādhamāṃ gatim
untätig und ohne Speise, fallen sie in den niedrigsten Zustand (3.Pl.; Akk.)
nāstīti vai punarjanma kavayo 'py atra mohitāḥ
‚keine Wiedergeburt‘: hierin sind selbst Dichter-Weise verwirrt (Part.Pass.)
nādhigacchanti tan nityaṃ hetuvādaśatair api
sie erreichen dies nie, auch nicht mit Hunderten Begründungen (Instr.Pl.)
eṣā brahmakṛtā māyā durvijñeyā surāsuraiḥ
diese von Brahmā gemachte Māyā ist von Göttern und Asuras schwer zu erkennen (Gerundiv; Instr.Pl.)
kiṃ punar mānuṣair loke jñātukāmaiḥ svakarmabhiḥ
wie erst von Menschen in der Welt, die durch eigene Taten erkennen wollen (Instr.Pl.)
kevalaṃ śraddhayā devi śrutimātraniviṣṭayā
allein durch Glauben, Göttin, der auf bloßes Gehörtes gerichtet ist (Instr.f.)
tad astīty eva mantavyaṃ tathā hi tam avāpnuyāt
‚es gibt es‘ ist so zu denken; so nämlich erlangt man es (Gerundiv; Opt.)
vedaguhyeṣu cānyeṣu hetur devi nirarthakaḥ
bei den anderen Veda-Geheimnissen ist Beweisgrund sinnlos, Göttin (Lok.Pl.)
badhirāndhavad evātra vartitavyaṃ hitaiṣiṇā
hier ist wie ein Tauber und Blinder zu verfahren vom Wohlsuchenden (Gerundiv; Instr.)
etat te kathitaṃ sarvaṃ devaguhyaṃ prajāhitam
dies alles ist dir gesagt, das Götter-Geheimnis zum Wohl der Geschöpfe (Part.Pass.)
tvatprītyartham idaṃ guhyam avācyam api bhāṣitam
dir zuliebe ist dies Geheimnis, obwohl unsagbar, gesprochen (Part.Pass.)
umā bhagavan sarvabhūteśa tripurārdana śaṃkara
Umā: Herr, Herr aller Wesen, Tripura-Quäler, Śaṃkara (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). nirannādyāḥ (nirannādya) ist als ,ohne Speiseopfer/Speise‘ gefaßt; wörtlich unsicher [?].

kīdṛśā yamadaṇḍās te kīdṛśāḥ paricārakāḥ; kathaṃ mṛtās te gacchanti prāṇino yamasādanam; kīdṛśaṃ bhavanaṃ tasya kathaṃ daṇḍayati prajāḥ; maheśvaraḥ; etat sarvaṃ mahādeva śrotum icchāmy ahaṃ prabho; śṛṇu kalyāṇi tat sarvaṃ yat tad devi manaḥpriyam; dakṣiṇasyāṃ diśi śubhe yamasya sadanaṃ mahat; vicitraṃ ramaṇīyaṃ ca nānābhāvasamanvitam; pitṛbhiḥ pretasaṃghaiś ca yamadūtaiś ca saṃtatam; prāṇisaṃghaiḥ subahubhiḥ karmavaśyais tu pūritam; tatrāste daṇḍayan nityaṃ yamo lokahite rataḥ; māyayā satataṃ vetti prāṇināṃ yac chubhāśubham; māyayā saṃharaṃs tatra prāṇisaṃghān yatas tataḥ; tasya māyāmayāḥ pāśā na vedyante surāsuraiḥ; ko hi mānuṣamātras tu vettā tac caritaṃ mahat

„wie sind deine Yama-Stäbe, wie sind [Yamas] Diener? Wie gehen die gestorbenen Lebewesen zu Yamas Sitz? Wie ist seine Wohnstatt, wie straft er die Geschöpfe?“ Maheśvara [sprach]: „Dies alles, Mahādeva, will ich hören, Herr.“ [Śiva:] „Höre, Heilvolle, all dies, was dir, Göttin, lieb ist. Im Süden, Glückliche, liegt Yamas große Wohnstatt, bunt und reizvoll, mit vielerlei Empfindungen versehen; stets erfüllt von den Ahnen, Totenscharen und Yama-Boten, überfüllt von sehr vielen Lebewesen-Scharen, die unter der Gewalt ihres Handelns stehen. Dort weilt Yama, stets strafend, am Wohl der Welt erfreut. Durch Māyā weiß er ständig, was die Lebewesen Gutes und Böses getan haben. Durch Māyā rafft er dort, woher auch immer, die Scharen der Wesen zusammen. Seine aus Māyā gemachten Schlingen werden von Göttern und Asuras nicht erkannt. Wie könnte ein bloßer Mensch jenes große Treiben erkennen?

Wort für Wort
kīdṛśā yamadaṇḍās te kīdṛśāḥ paricārakāḥ
wie sind deine Yama-Stäbe, wie die Diener? (Nom.Pl.)
kathaṃ mṛtās te gacchanti prāṇino yamasādanam
wie gehen die gestorbenen Lebewesen zu Yamas Sitz? (3.Pl.; Akk.)
kīdṛśaṃ bhavanaṃ tasya kathaṃ daṇḍayati prajāḥ
wie ist seine Wohnstatt, wie straft er die Geschöpfe? (3.Sg.)
maheśvaraḥ etat sarvaṃ mahādeva śrotum icchāmy ahaṃ prabho
dies alles möchte ich hören, Mahādeva, Herr (Inf.; Vok.)
śṛṇu kalyāṇi tat sarvaṃ yat tad devi manaḥpriyam
höre, Heilvolle, all dies, was dir lieb ist (Imp.; Vok.f.)
dakṣiṇasyāṃ diśi śubhe yamasya sadanaṃ mahat
im Süden, Glückliche, Yamas große Wohnstatt (Lok.; Nom.n.)
vicitraṃ ramaṇīyaṃ ca nānābhāvasamanvitam
bunt, reizvoll, mit vielerlei Empfindungen versehen (Adj.)
pitṛbhiḥ pretasaṃghaiś ca yamadūtaiś ca saṃtatam
stets von Ahnen, Totenscharen und Yama-Boten [erfüllt] (Instr.Pl.)
prāṇisaṃghaiḥ subahubhiḥ karmavaśyais tu pūritam
voll von sehr vielen Wesen-Scharen, die dem Handeln unterworfen sind (Instr.Pl.; Part.Pass.)
tatrāste daṇḍayan nityaṃ yamo lokahite rataḥ
dort weilt Yama, stets strafend, am Wohl der Welt erfreut (3.Sg.Med.; Part.Präs.)
māyayā satataṃ vetti prāṇināṃ yac chubhāśubham
durch Māyā weiß er stets, was Lebewesen Gutes und Böses [getan] (Instr.; 3.Sg.)
māyayā saṃharaṃs tatra prāṇisaṃghān yatas tataḥ
durch Māyā dort zusammenraffend die Scharen der Wesen, woher auch immer (Part.Präs.)
tasya māyāmayāḥ pāśā na vedyante surāsuraiḥ
seine māyagemachten Schlingen werden von Göttern und Asuras nicht erkannt (Pass.)
ko hi mānuṣamātras tu vettā tac caritaṃ mahat
wer, bloß Mensch, könnte jenes große Treiben erkennen? (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherverteilung ist gestört: die Fragen kīdṛśā … stammen von Umā, etat sarvaṃ … (Bitte um Auskunft) ist Umās Antwort auf Śivas Einleitung; śṛṇu kalyāṇi … beginnt Śivas Rede.

evaṃ hi śāsatas tasya yamasya paricārakāḥ; gṛhītvā saṃnayanty eva prāṇinaḥ kṣīṇakarmiṇaḥ; yena kenāpadeśena apadeśas tadudbhavaḥ; karmaṇā prāṇino loka uttamādhamamadhyamāḥ; yathārhaṃ tān samādāya nayanti yamasādanam; dhārmikān uttamān viddhi svargīyās te yathāmarāḥ; nṛṣu janma labhante ye karmaṇā madhyamāḥ smṛtāḥ; tiryaṅnarakagantāro hy adhamās te narādhamāḥ; panthānas trividhā dṛṣṭā sarveṣāṃ gatijīvinām; ramaṇīyaṃ nirābādhaṃ durdarśam iti nāmataḥ; ramaṇīyaṃ tu sanmārgaṃ patākādhvajasaṃkulam; dhūpitaṃ siktasaṃmṛṣṭaṃ puṣpamālābhisaṃkulam; manoharaṃ sukhasparśaṃ gacchatām eva tad bhavet; nirābādhaṃ yathā loke supraśastaṃ tathā bhavet; tṛtīyaṃ tat tu durdarśaṃ durgandhi tamasāvṛtam

„So sind es, während er herrscht, Yamas Diener, die die Lebewesen, deren Taten erschöpft sind, ergreifen und herbeiführen. Mit welchem Vorwand auch immer – der Vorwand ist Folge des Handelns –, die Lebewesen in der Welt, die besten, schlechtesten und mittleren, führen sie, jedem gemäß, ergriffen zu Yamas Sitz. Die Gerechten und Besten, wisse, gehören dem Himmel an, wie die Götter. Die, die durch Handeln als mittlere gelten, erlangen Geburt unter Menschen. Die Tier- und Höllengänger sind die niedrigsten, die Menschenniedrigsten. Drei Wege sind für alle zu sehen, die im Gang [der Wanderung] leben: ‚der reizvolle‘, ‚der ungehinderte‘ und ‚der schwer zu sehende‘, so heißen sie. Der reizvolle ist ein guter Weg, voller Fahnen und Wimpel, beräuchert, besprengt und gekehrt, voll Blumenkränzen, herzerfreuend, angenehm anzufassen für die, die ihn gehen. Der ‚ungehinderte‘ [ist] wie in der Welt, sehr preiswürdig. Der dritte aber ist der schwer zu sehende, übelriechende, von Finsternis bedeckt,

Wort für Wort
evaṃ hi śāsatas tasya yamasya paricārakāḥ
so sind, während er herrscht, Yamas Diener (Gen.Part.; Nom.Pl.)
gṛhītvā saṃnayanty eva prāṇinaḥ kṣīṇakarmiṇaḥ
sie ergreifen und führen herbei die Lebewesen mit erschöpften Taten (Abs.; 3.Pl.)
yena kenāpadeśena apadeśas tadudbhavaḥ
mit welchem Vorwand auch immer; der Vorwand ist daraus entstanden (Instr.)
karmaṇā prāṇino loka uttamādhamamadhyamāḥ
nach Handeln die Lebewesen in der Welt: beste, schlechteste, mittlere (Instr.; Nom.Pl.)
yathārhaṃ tān samādāya nayanti yamasādanam
jedem gemäß, sie ergriffen, führen sie zu Yamas Sitz (Adv.; Abs.)
dhārmikān uttamān viddhi svargīyās te yathāmarāḥ
die Gerechten, Besten: wisse, sie gehören dem Himmel an wie Götter (Imp.)
nṛṣu janma labhante ye karmaṇā madhyamāḥ smṛtāḥ
die durch Handeln als mittlere gelten, erlangen Geburt unter Menschen (3.Pl.Med.)
tiryaṅnarakagantāro hy adhamās te narādhamāḥ
die Tier- und Höllengänger sind die Niedrigsten, Menschenniedrigsten (Nom.Pl.)
panthānas trividhā dṛṣṭā sarveṣāṃ gatijīvinām
drei Arten von Wegen sind für alle Wanderungslebenden gesehen (Nom.Pl.; Gen.Pl.)
ramaṇīyaṃ nirābādhaṃ durdarśam iti nāmataḥ
‚reizvoll‘, ‚ungehindert‘, ‚schwer zu sehen‘, so dem Namen nach (Nom.n.)
ramaṇīyaṃ tu sanmārgaṃ patākādhvajasaṃkulam
der reizvolle ist ein guter Weg, voll Fahnen und Wimpeln (Adj.)
dhūpitaṃ siktasaṃmṛṣṭaṃ puṣpamālābhisaṃkulam
beräuchert, besprengt, gekehrt, voll Blumenkränzen (Part.Pass.)
manoharaṃ sukhasparśaṃ gacchatām eva tad bhavet
herzerfreuend, angenehm zu berühren, für die, die ihn gehen (Gen.Pl.Part.; Opt.)
nirābādhaṃ yathā loke supraśastaṃ tathā bhavet
der ungehinderte sei wie in der Welt, sehr preiswürdig (Opt.)
tṛtīyaṃ tat tu durdarśaṃ durgandhi tamasāvṛtam
der dritte aber: schwer zu sehen, übelriechend, von Finsternis bedeckt (Instr.; Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). panthānas ist als Plural (Wegearten) gefaßt; trividhā steht in der Überlieferung als Plural-Femininum, Kongruenz ungenau.

paruṣaṃ śarkarākīrṇaṃ śvadaṃṣṭrābahulaṃ bhṛśam; kṛmikīṭasamākīrṇaṃ gacchatām atidurgamam; mārgair ebhis tribhir nityam uttamādhamamadhyamān; saṃnayanti yathā kāle tan me śṛṇu śucismite; uttamān antakāle tu yamadūtāḥ susaṃyatāḥ; umā; nayanti sukham ādāya ramaṇīyapathena vai; bhagavaṃs tatra cātmānaṃ tyaktadehaṃ nirāśrayam; maheśvaraḥ; adṛśyaṃ katham ādāya saṃnayanti yamāntikam; śṛṇu bhāmini tat sarvaṃ trividhaṃ dehadhāraṇam; karmavaśyaṃ bhogavaśyaṃ duḥkhavaśyam iti priye; mānuṣaṃ karmavaśyaṃ syāt svargīyaṃ bhogasādhanam; tṛtīyaṃ yātanāvaśyaṃ śarīraṃ māyayā kṛtam; yamaloke na cānyatra dṛśyate yātanāyutam; śarīrair yātanāvaśyair jīvam āmucya bhāmini

„rauh, voll Kies, sehr reich an Hundezähnen, voll Würmern und Gewürm, für die, die ihn gehen, überaus schwer gangbar. Auf diesen drei Wegen führen sie stets die Besten, Schlechtesten und Mittleren zur rechten Zeit, so höre von mir, Reinlächelnde. Die Besten führen Yamas wohlgezügelte Boten zur Todeszeit“ – Umā [sprach]: „auf dem reizvollen Weg, in Glück, mit sich.“ [Umā:] „Herr, wie wird das Selbst, das den Körper verlassen hat und ohne Halt ist, unsichtbar fortgeführt?“ Maheśvara [sprach]: „Zu Yama hin führen sie es. Höre, Zornige, all dies: der Körper, den man trägt, ist dreifach: unter der Gewalt des Handelns, unter der Gewalt des Genusses, unter der Gewalt der Qual, Liebe. Der menschliche ist unter der Gewalt des Handelns, der himmlische ist Mittel zum Genuß, der dritte ist unter der Gewalt der Qual, ein durch Māyā gemachter Körper; er wird nur in Yamas Welt gesehen, nirgends sonst, mit Qualen versehen. Mit den der Qual unterworfenen Körpern die Lebensseele [aus dem alten] lösend, Zornige,

Wort für Wort
paruṣaṃ śarkarākīrṇaṃ śvadaṃṣṭrābahulaṃ bhṛśam
rauh, voll Kies, sehr reich an Hundezähnen (Adj.; Adv.)
kṛmikīṭasamākīrṇaṃ gacchatām atidurgamam
voll von Würmern und Insekten, für Gehende überaus schwer gangbar (Gen.Pl.)
mārgair ebhis tribhir nityam uttamādhamamadhyamān
auf diesen drei Wegen stets die Besten, Schlechtesten, Mittleren (Instr.Pl.; Akk.Pl.)
saṃnayanti yathā kāle tan me śṛṇu śucismite
sie führen zur rechten Zeit; höre das von mir, Reinlächelnde (Vok.f.)
uttamān antakāle tu yamadūtāḥ susaṃyatāḥ
die Besten zur Todeszeit [führen] Yamas wohlgezügelte Boten (Nom.Pl.)
umā nayanti sukham ādāya ramaṇīyapathena vai
Umā: sie führen sie auf reizvollem Weg, in Glück (Abs.; Instr.)
bhagavaṃs tatra cātmānaṃ tyaktadehaṃ nirāśrayam
Herr, wie [wird] das Selbst dort, das den Körper aufgegeben hat, haltlos (Akk.; Part.)
maheśvaraḥ adṛśyaṃ katham ādāya saṃnayanti yamāntikam
wie führen sie es unsichtbar ergriffen zu Yama hin? (Abs.; 3.Pl.)
śṛṇu bhāmini tat sarvaṃ trividhaṃ dehadhāraṇam
höre, Zornige, all dies: die Körperannahme ist dreifach (Imp.; Nom.n.)
karmavaśyaṃ bhogavaśyaṃ duḥkhavaśyam iti priye
handlungsgebunden, genußgebunden, qualgebunden, Liebe (Nom.n.)
mānuṣaṃ karmavaśyaṃ syāt svargīyaṃ bhogasādhanam
der menschliche sei handlungsgebunden; der himmlische Mittel des Genusses (Opt.)
tṛtīyaṃ yātanāvaśyaṃ śarīraṃ māyayā kṛtam
der dritte ist qualgebunden, ein durch Māyā gemachter Körper (Instr.; Part.Pass.)
yamaloke na cānyatra dṛśyate yātanāyutam
in Yamas Welt und nirgends sonst wird er gesehen, mit Qualen versehen (Lok.; Pass.)
śarīrair yātanāvaśyair jīvam āmucya bhāmini
mit den qualgebundenen Körpern die Lebensseele lösend, Zornige (Instr.Pl.; Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Verse sind syntaktisch verzahnt; Umās Einschübe sind aus den Sprecherangaben der Zusatzpassage übernommen. Der letzte Satz läuft in 246 weiter (nayanti).

nayanti yāmikās tatra prāṇino māyayā mṛtān; madhyamān atha veṣeṇa madhyamena pathā tathā; caṇḍālaveṣās tv adhamān gṛhītvā bhartsya tarjanaiḥ; ākarṣantas tathā pāśair durdarśena nayanti tān; trividhān evam ādāya nayanti yamasādanam; dharmāsanagataṃ dakṣaṃ bhrājamānaṃ svatejasā; lokapālaṃ sabhādhyakṣaṃ tathaiva pariṣadgatam; darśayanti mahābhāge yāmikās tān nivedya te; pūjayan daṇḍayan kāṃś cit teṣāṃ śṛṇvañ śubhāśubham; vyāpṛto bahusāhasrais tatrāste satataṃ yamaḥ; gatānāṃ tu yamas teṣām uttamān abhipūjayā; abhisaṃgamya vidhivat pṛṣṭvā svāgatakauśalam; prastutya satkathāṃ teṣāṃ lokaṃ saṃdiśate yamaḥ; yamenaivam anujñātā yānti paścān triviṣṭapam

„führen die Yama-Diener dort die durch Māyā gestorbenen Lebewesen. Die Mittleren führen sie in mittlerem Aufzug auf mittlerem Weg, die Niedrigsten in Caṇḍāla-Gestalt, sie mit Schelten und Drohungen ergreifend und mit Schlingen zerrend auf dem schwer zu sehenden Weg. So führen sie die Dreierlei ergreifend zu Yamas Sitz. Dann zeigen sie, Hochbeglückte, nachdem sie [sie] gemeldet haben, dem Yama, der auf dem Dharma-Sitz sitzt, tüchtig, von eigenem Glanz strahlend, dem Hüter der Welt, Vorsteher der Versammlung, ebenso in der Ratsversammlung anwesend – die Yama-Diener. Manche ehrend, manche strafend, ihr Gutes und Böses anhörend, ist Yama dort ständig von vielen Tausenden umgeben. Von den Angekommenen begrüßt Yama die Besten mit Ehrung; er nähert sich ihnen ordnungsgemäß, fragt nach ihrem Wohlbefinden, spricht gute Worte über sie und weist ihnen ihre Welt zu. So von Yama entlassen, gehen sie danach in den Himmel.

Wort für Wort
nayanti yāmikās tatra prāṇino māyayā mṛtān
dort führen die Yama-Diener die durch Māyā gestorbenen Lebewesen (3.Pl.; Akk.Pl.)
madhyamān atha veṣeṇa madhyamena pathā tathā
die Mittleren dann in mittlerem Aufzug und auf mittlerem Weg (Akk.Pl.; Instr.)
caṇḍālaveṣās tv adhamān gṛhītvā bhartsya tarjanaiḥ
in Caṇḍāla-Gestalt die Niedrigsten ergreifend, mit Schelten und Drohungen (Abs.; Instr.Pl.)
ākarṣantas tathā pāśair durdarśena nayanti tān
und mit Schlingen zerrend, führen sie sie auf schwer zu sehendem Weg (Part.Präs.; Instr.)
trividhān evam ādāya nayanti yamasādanam
so die Dreierlei ergreifend führen sie zu Yamas Sitz (Abs.)
dharmāsanagataṃ dakṣaṃ bhrājamānaṃ svatejasā
zu dem auf dem Dharma-Sitz Sitzenden, Tüchtigen, durch eigenen Glanz Strahlenden (Akk.)
lokapālaṃ sabhādhyakṣaṃ tathaiva pariṣadgatam
dem Welthüter, Versammlungsvorsteher, ebenso in der Ratsversammlung Anwesenden (Akk.)
darśayanti mahābhāge yāmikās tān nivedya te
sie zeigen sie, Hochbeglückte, die Yama-Diener, nachdem sie gemeldet haben (Vok.f.; Abs.)
pūjayan daṇḍayan kāṃś cit teṣāṃ śṛṇvañ śubhāśubham
manche ehrend, manche strafend, ihr Gutes und Böses hörend (Part.Präs.)
vyāpṛto bahusāhasrais tatrāste satataṃ yamaḥ
von vielen Tausenden umgeben weilt dort Yama beständig (Part.Pass.; Instr.Pl.)
gatānāṃ tu yamas teṣām uttamān abhipūjayā
von den Angekommenen [ehrt] Yama die Besten mit Verehrung (Gen.Pl.; Instr.)
abhisaṃgamya vidhivat pṛṣṭvā svāgatakauśalam
ordnungsgemäß sich nähernd, nach Willkommen und Wohl fragend (Abs.)
prastutya satkathāṃ teṣāṃ lokaṃ saṃdiśate yamaḥ
nach guter Rede über sie weist Yama ihnen ihre Welt zu (Abs.; 3.Sg.Med.)
yamenaivam anujñātā yānti paścān triviṣṭapam
so von Yama entlassen, gehen sie danach in den Himmel (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Text von 246 mit sabhādhyakṣam/pariṣadgatam als Attributen Yamas gefaßt; die Konstruktion darśayanti … tān nivedya te ist knapp.

madhyamānāṃ yamas teṣāṃ śrutvā karma yathātatham; jāyantāṃ mānuṣeṣv eva iti saṃdiśate ca tān; adhamān pāpasaṃyuktān yamo nāvekṣate ''gatān; yamasya puruṣā ghorāś caṇḍālasamadarśanāḥ; yātanā yāpayanty etāṃl lokapālasya śāsanāt; chindantaś ca nudantaś ca prakarṣante yatas tataḥ; krośataḥ pātayanty etān mitho garteṣv avāṅmukhān; saṃghātinyaḥ śilāś caiṣāṃ patanti śirasi priye; ayomukhāḥ kākabalā bhakṣayanti sudāruṇāḥ; asipatravane ghore cārayanti tathāparān; tīkṣṇadaṃṣṭrās tathā śvānaḥ kāṃś cit tatra daśanti vai; tatra vaitaraṇī nāma nadī grāhasamākulā; duṣpraveśā ca ghorā ca mūtraśoṇitavāhinī; tasyāṃ saṃmajjayanty etāṃs tṛṣitān pāyayanti tān; āropayanti vai kāṃś cit tatra kaṇṭakaśalmalīm

„Von den Mittleren hört Yama, wie es um ihr Handeln bestellt ist, und weist sie an: ‚Werdet unter Menschen geboren.‘ Die Niedrigen, mit Sünde behaftet, Angekommenen, beachtet Yama nicht. Yamas Männer, furchtbar, dem Anblick von Caṇḍālas gleichend, lassen diese auf Befehl des Welthüters Qualen erleiden. Sie zerhacken sie, stoßen sie, schleifen sie hierhin und dorthin; die Schreienden lassen sie mit gesenkten Gesichtern gegenseitig in Gruben stürzen. Vernichtende Felsen fallen auf ihr Haupt, Liebe. Eisenmäulige Krähen fressen sie, sehr grausam. Andere lassen sie im grausigen Schwertblattwald umherlaufen. Scharfzahnige Hunde beißen dort manche. Dort ist der Fluß namens Vaitaraṇī, voller Krokodile, schwer zu betreten und furchtbar, Urin und Blut führend. Darin tauchen sie diese unter; die Durstigen lassen sie daraus trinken. Manche lassen sie dort auf den Dornen-Seidenwollbaum steigen,

Wort für Wort
madhyamānāṃ yamas teṣāṃ śrutvā karma yathātatham
von den Mittleren hört Yama das Handeln der Wahrheit gemäß (Gen.Pl.; Abs.)
jāyantāṃ mānuṣeṣv eva iti saṃdiśate ca tān
‚werdet unter Menschen geboren‘, so weist er sie an (Imp.Pass.; 3.Sg.Med.)
adhamān pāpasaṃyuktān yamo nāvekṣate ''gatān
die Niedrigen, sündbehaftet, Angekommenen beachtet Yama nicht (Akk.Pl.)
yamasya puruṣā ghorā caṇḍālasamadarśanāḥ
Yamas Männer, furchtbar, Caṇḍālas gleichend im Anblick (Nom.Pl.)
yātanā yāpayanty etāṃl lokapālasya śāsanāt
sie lassen diese Qualen [erleiden] auf Befehl des Welthüters (Kaus.; Abl.)
chindantaś ca nudantaś ca prakarṣante yatas tataḥ
zerhackend, stoßend, schleifen sie hierhin und dorthin (Part.Präs.)
krośataḥ pātayanty etān mitho garteṣv avāṅmukhān
die Schreienden lassen sie einander in Gruben stürzen, mit gesenkten Gesichtern (Kaus.)
saṃghātinyaḥ śilāś caiṣāṃ patanti śirasi priye
zerschmetternde Felsen fallen auf ihr Haupt, Liebe (Nom.Pl.f.; Lok.)
ayomukhāḥ kākabalā bhakṣayanti sudāruṇāḥ
eisenmäulige, sehr grausame Krähen fressen [sie] (Nom.Pl.)
asipatravane ghore cārayanti tathāparān
und andere lassen sie im grausigen Schwertblattwald umhergehen (Lok.; Kaus.)
tīkṣṇadaṃṣṭrās tathā śvānaḥ kāṃś cit tatra daśanti vai
scharfzahnige Hunde beißen dort manche (Nom.Pl.)
tatra vaitaraṇī nāma nadī grāhasamākulā
dort ist der Fluß namens Vaitaraṇī, krokodilvoll (Nom.f.)
duṣpraveśā ca ghorā ca mūtraśoṇitavāhinī
schwer zu betreten, furchtbar, Urin und Blut führend (Nom.f.)
tasyāṃ saṃmajjayanty etāṃs tṛṣitān pāyayanti tān
darin tauchen sie diese unter; die Durstigen lassen sie trinken (Lok.; Kaus.)
āropayanti vai kāṃś cit tatra kaṇṭakaśalmalīm
manche lassen sie dort den Dornen-Seidenwollbaum besteigen (Kaus.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ādāya bzw. ''gatān: die Lesung nāvekṣate ''gatān ist Sandhi aus nāvekṣate āgatān.

yantracakreṣu tilavat pīḍyante tatra ke cana; aṅgāreṣu ca dahyante tathā duṣkṛtakāriṇaḥ; kumbhīpākeṣu pacyante bharjyante saghṛteṣu vai; pāṭyante taruvac chastraiḥ pīḍyante locanādiṣu; bhidyante 'thāṅgaśaḥ śūlais tudyante sūkṣmasūcibhiḥ; evaṃ tvayā kṛto doṣas tadarthaṃ daṇḍanaṃ tv idam; vācaivaṃ ghoṣayanti sma daṇḍyamānān samantataḥ; evaṃ te yātanāḥ prāpya śarīrair yātanāvaśaiḥ; prasahantaś ca tad duḥkhaṃ smarantaḥ svāparādhajam; krośantaś ca rudantaś ca na mucyante kathaṃ cana; smarantas tatra tapyante pāpam ātmakṛtaṃ phalam; evaṃ bahuvidhā daṇḍā bhujyante pāpakāribhiḥ; yātanāś ca tathā bhuktvā pacyante narake punaḥ; apare yātanā bhuktvā mucyante tatra kilbiṣāt

„Im Marterrad werden manche dort wie Sesam gepreßt; in Kohlen werden die Übeltäter verbrannt. In Topfhöllen werden sie gekocht, in Schmalz gebraten; wie Bäume werden sie mit Waffen gespalten, an Augen und dergleichen gequält; Glied für Glied werden sie mit Spießen zerteilt, mit feinen Nadeln gestochen. ‚Diesen Fehler hast du begangen; dafür ist diese Strafe‘ – so rufen sie es, während sie sie ringsum strafen. So ertragen sie, wenn sie Qualen erlangt haben, in den der Qual unterworfenen Körpern jenen Schmerz, sich der eigenen Verfehlung erinnernd; schreiend und weinend werden sie auf keine Weise freigelassen. Dort erinnernd, brennen sie im Schmerz, denn die Sünde ist selbstgetan, [dies ihre] Frucht. So werden vielfältige Strafen von den Übeltätern erlitten; und nachdem sie so die Qualen erlitten haben, werden sie wieder in der Hölle gekocht. Andere werden, nachdem sie Qualen erlitten haben, dort vom Frevel befreit,

Wort für Wort
yantracakreṣu tilavat pīḍyante tatra ke cana
in Marterrädern werden manche dort wie Sesam gepreßt (Lok.Pl.; Pass.)
aṅgāreṣu ca dahyante tathā duṣkṛtakāriṇaḥ
in Kohlen werden ebenso Übeltäter verbrannt (Pass.)
kumbhīpākeṣu pacyante bharjyante saghṛteṣu vai
in Topfhöllen werden sie gekocht, in Schmalz gebraten (Pass.)
pāṭyante taruvac chastraiḥ pīḍyante locanādiṣu
wie Bäume mit Waffen gespalten, an Augen usw. gequält (Instr.Pl.; Lok.)
bhidyante 'thāṅgaśaḥ śūlais tudyante sūkṣmasūcibhiḥ
Glied für Glied durch Spieße zerteilt, mit feinen Nadeln gestochen (Adv.; Instr.Pl.)
evaṃ tvayā kṛto doṣas tadarthaṃ daṇḍanaṃ tv idam
‚diesen Fehler hast du getan; dafür ist diese Strafe‘ (Instr.; Part.Pass.)
vācaivaṃ ghoṣayanti sma daṇḍyamānān samantataḥ
so rufen sie mit Worten, die ringsum Gestraften betreffend (Impf.-Sinn; Part.Pass.)
evaṃ te yātanāḥ prāpya śarīrair yātanāvaśaiḥ
so, diese Qualen erlangt habend, in den qualunterworfenen Körpern (Abs.; Instr.Pl.)
prasahantaś ca tad duḥkhaṃ smarantaḥ svāparādhajam
ertragen sie jenes Leid, sich des aus eigener Schuld [Entstandenen] erinnernd (Part.Präs.)
krośantaś ca rudantaś ca na mucyante kathaṃ cana
schreiend und weinend werden sie auf keine Weise freigelassen (Pass.)
smarantas tatra tapyante pāpam ātmakṛtaṃ phalam
dort erinnernd, brennen sie: die Sünde ist selbstgetan [ihre] Frucht (Pass.; Nom.)
evaṃ bahuvidhā daṇḍā bhujyante pāpakāribhiḥ
so werden vielfältige Strafen von den Sündern erlitten (Pass.; Instr.Pl.)
yātanāś ca tathā bhuktvā pacyante narake punaḥ
und nach den Qualen ebenso werden sie wieder in der Hölle gekocht (Abs.; Pass.)
apare yātanā bhuktvā mucyante tatra kilbiṣāt
andere, Qualen erlitten, werden dort vom Frevel befreit (Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das Gerundium prāpya + bhuktvā ist in der Zusatzpassage wechselnd verwendet; 'sma' bei ghoṣayanti dient der Vergangenheits-/Erzählfärbung, hier präsentisch wiedergegeben.

pāpadoṣakṣayakarā yātanā saṃsmṛtā nṛṇām; umā; bahutaptaṃ yathā lohaṃ nirmalaṃ tat tathā bhavet; bhagavaṃs te kathaṃ tatra daṇḍyante narakeṣu vai; maheśvaraḥ; kati te nirayā ghorāḥ kīdṛśās te maheśvara; śṛṇu bhāmini tat sarvaṃ pañcaite narakāhvayāḥ; bhūmer adhastād vihitā ghorā duṣkṛtakarmaṇām; prathamaṃ rauravaṃ nāma śatayojanam āyatam; tāvat pramāṇaṃ vistīrṇaṃ tāmasaṃ pāpapīḍitam; bhṛśaṃ durgandhi paruṣaṃ kṛmibhir dāruṇair yutam; atighoram anirdeśyaṃ pratikūlaṃ yatas tataḥ; te ciraṃ tatra tiṣṭhanti na tatra śayanāsane; kṛmibhir bhakṣyamāṇāś ca visragandhasamāyutāḥ; evaṃpramāṇam udvignā yānti tiṣṭhanti tatra te; yātanābhyo daśaguṇaṃ narake duḥkham iṣyate

„denn die Qualen gelten bei den Menschen als das, was die Schuld der Sünde aufzehrt.“ Umā [sprach]: „Wie viel erhitztes Eisen wird rein, so wird es dort. Herr, wie werden sie dort in den Höllen gestraft?“ Maheśvara [sprach]: „Wie viele Höllen gibt es, furchtbare, und wie sind sie, Maheśvara?“ [Śiva:] „Höre, Zornige, all dies: fünf gibt es, die ‚Höllen‘ heißen. Unter der Erde sind sie eingerichtet, furchtbar, für Übeltäter. Die erste heißt Raurava, hundert Yojanas lang; ebenso weit ausgedehnt, finster, von Sünde gequält, sehr übelriechend, rauh, mit grausigen Würmern versehen, überaus furchtbar, unbeschreiblich, überall ungünstig. Lange bleiben sie dort, ohne Lager und Sitz, von Würmern gefressen, mit Aasgestank behaftet. Von solcher Ausdehnung [ist sie]; angstvoll gehen und bleiben sie dort. Der Schmerz in der Hölle gilt als zehnfach gegenüber den Qualen.

Wort für Wort
pāpadoṣakṣayakarā yātanā saṃsmṛtā nṛṇām
die Qualen gelten bei Menschen als die Sündenschuld-Vernichtenden (Nom.f.; Part.Pass.)
umā bahutaptaṃ yathā lohaṃ nirmalaṃ tat tathā bhavet
Umā: wie viel erhitztes Eisen rein wird, so würde es sein (Opt.)
bhagavaṃs te kathaṃ tatra daṇḍyante narakeṣu vai
Herr, wie werden sie dort in den Höllen gestraft? (Pass.)
maheśvaraḥ kati te nirayā ghorāḥ kīdṛśās te maheśvara
wie viele Höllen gibt es, wie sind sie, Maheśvara? (Nom.Pl.; Vok.)
śṛṇu bhāmini tat sarvaṃ pañcaite narakāhvayāḥ
höre, Zornige, all dies: fünf sind diese, ‚Hölle‘ genannt (Nom.Pl.)
bhūmer adhastād vihitā ghorā duṣkṛtakarmaṇām
unter der Erde eingerichtet, furchtbar, für Übeltäter (Abl.; Part.Pass.; Gen.Pl.)
prathamaṃ rauravaṃ nāma śatayojanam āyatam
die erste heißt Raurava, hundert Yojanas lang (Nom.n.)
tāvat pramāṇaṃ vistīrṇaṃ tāmasaṃ pāpapīḍitam
ebenso weit ausgedehnt, finster, sündengequält (Adj.)
bhṛśaṃ durgandhi paruṣaṃ kṛmibhir dāruṇair yutam
sehr übelriechend, rauh, mit grausigen Würmern versehen (Instr.Pl.)
atighoram anirdeśyaṃ pratikūlaṃ yatas tataḥ
überaus furchtbar, unbeschreiblich, überall widrig (Adj.)
te ciraṃ tatra tiṣṭhanti na tatra śayanāsane
lange bleiben sie dort, dort gibt es weder Lager noch Sitz (3.Pl.; Nom.Du.n.)
kṛmibhir bhakṣyamāṇāś ca visragandhasamāyutāḥ
von Würmern gefressen und mit Aasgestank behaftet (Part.Pass.)
evaṃpramāṇam udvignā yānti tiṣṭhanti tatra te
von solcher Größe: angstvoll gehen und bleiben sie dort (Part.Pass.)
yātanābhyo daśaguṇaṃ narake duḥkham iṣyate
gegenüber den Qualen gilt der Schmerz in der Hölle als zehnfach (Abl.; Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecher und Fragen sind verschoben (kati te nirayā … ist Umās Frage; die Angabe maheśvaraḥ davor ist stehengeblieben).

tatra cātyantikaṃ duḥkham iti viddhi śubhekṣaṇe; krośantaś ca rudantaś ca vedanās tatra bhuñjate; bhramanti duḥkhamokṣārthaṃ trātā kaś cin na vidyate; duḥkhasyāntaramātraṃ tu dvāraṃ vā na ca labhyate; mahārauravasaṃjñaṃ tu dvitīyaṃ narakaṃ priye; tasmād dviguṇitaṃ viddhi māne duḥkhe ca rauravāt; tṛtīyaṃ narakaṃ tatra kaṇṭakāvanasaṃjñitam; tato dviguṇitaṃ taṃ ca pūrvābhyāṃ duḥkhamānayoḥ; mahāpātakasaṃyuktā ghorās tasmin viśanti hi; agnikuṇḍam iti khyātaṃ caturthaṃ narakaṃ priye; etad dviguṇitaṃ tasmād yathāniṣṭasukhaṃ tathā; tatra duḥkhaṃ hi sumahad amānuṣam iti smṛtam; bhuñjate tatra tatraiva duḥkhaṃ duṣkṛtakāriṇaḥ; pañcakaṣṭam iti khyātaṃ pañcamaṃ narakaṃ priye

„Dort ist, wisse, Schönäugige, unendlicher Schmerz. Schreiend und weinend erleiden sie dort Qualen; sie irren umher, um vom Schmerz frei zu kommen, doch es gibt keinen Retter. Nicht einmal eine Pause vom Schmerz oder ein Tor wird gefunden. Die zweite Hölle, Liebe, heißt Mahāraurava; wisse, sie ist gegenüber Raurava an Ausdehnung und Schmerz doppelt. Die dritte Hölle dort heißt Kaṇṭakāvana; sie ist an Schmerz und Ausmaß doppelt gegenüber den beiden früheren. Mit schweren Sünden Behaftete, Furchtbare, treten in sie ein. Feuergrube heißt die vierte Hölle, Liebe; sie ist gegenüber ihr [der dritten] doppelt, [und sie ist so] wie es den Unglücklichen und Glücklichen entspricht [?]. Dort ist der Schmerz sehr groß, er gilt als nicht menschlich. Dort erleiden die Übeltäter [ihn] fortwährend. Panca-kaṣṭa ist die fünfte Hölle genannt, Liebe.

Wort für Wort
tatra cātyantikaṃ duḥkham iti viddhi śubhekṣaṇe
dort ist unendlicher Schmerz, wisse, Schönäugige (Imp.; Vok.f.)
krośantaś ca rudantaś ca vedanās tatra bhuñjate
schreiend und weinend erleiden sie dort Schmerzen (3.Pl.Med.)
bhramanti duḥkhamokṣārthaṃ trātā kaś cin na vidyate
sie irren umher, um dem Schmerz zu entkommen; kein Retter ist da (3.Pl.)
duḥkhasyāntaramātraṃ tu dvāraṃ vā na ca labhyate
nicht einmal eine Pause vom Schmerz oder ein Tor wird gefunden (Pass.)
mahārauravasaṃjñaṃ tu dvitīyaṃ narakaṃ priye
die zweite Hölle, Mahāraurava genannt, Liebe (Nom.n.; Vok.)
tasmād dviguṇitaṃ viddhi māne duḥkhe ca rauravāt
wisse, sie ist gegenüber Raurava an Maß und Schmerz doppelt (Lok.)
tṛtīyaṃ narakaṃ tatra kaṇṭakāvanasaṃjñitam
die dritte Hölle dort heißt Kaṇṭakāvana (Part.Pass.)
tato dviguṇitaṃ taṃ ca pūrvābhyāṃ duḥkhamānayoḥ
sie ist doppelt gegenüber den beiden früheren an Schmerz und Maß (Abl.Du.; Lok.Du.)
mahāpātakasaṃyuktā ghorās tasmin viśanti hi
mit schweren Sünden Behaftete, Furchtbare, treten darin ein (3.Pl.)
agnikuṇḍam iti khyātaṃ caturthaṃ narakaṃ priye
‚Feuergrube‘ genannt: die vierte Hölle, Liebe (Part.Pass.)
etad dviguṇitaṃ tasmād yathāniṣṭasukhaṃ tathā
diese ist doppelt gegenüber jener; ‚so wie Glück und Unglück…‘ [?] (Abl.)
tatra duḥkhaṃ hi sumahad amānuṣam iti smṛtam
dort ist der Schmerz sehr groß, gilt als nicht menschlich (Part.Pass.)
bhuñjate tatra tatraiva duḥkhaṃ duṣkṛtakāriṇaḥ
dort erleiden die Übeltäter den Schmerz stets aufs neue (3.Pl.Med.)
pañcakaṣṭam iti khyātaṃ pañcamaṃ narakaṃ priye
‚Fünffachqual‘ genannt ist die fünfte Hölle, Liebe (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). yathāniṣṭasukhaṃ tathā ist unklar (evtl. ,je nach Unglück und Glück‘ oder korrupt) [?].

tatra duḥkham anirdeśyaṃ mahāghoraṃ yathātatham; pañcendriyair asahyatvāt pañcakaṣṭam iti smṛtam; bhuñjate tatra tatraiva duḥkhaṃ duṣkṛtakāriṇaḥ; amānuṣārhaṃ tad duḥkhaṃ mahābhūtais tu bhujyate; atighoraṃ ciraṃ kṛtvā mahābhūtāni yānti tam; pañcakaṣṭena hi samaṃ nāsti duḥkhaṃ tathāvidham; duḥkhasyāntam iti prāhuḥ pañcakaṣṭaṃ sadā priye; evaṃ te teṣu tiṣṭhanti prāṇino duḥkhabhāginaḥ; anye ca narakāḥ santi avīcipramukhāḥ priye; krośantaś ca rudantaś ca vedanārtā bhṛśāturāḥ; ke cid bhramanti veṣṭante ke cid dhāvanti cāturāḥ; ādhāvante nivāryante śūlahastair yatas tataḥ; rujārditās tṛṣāyuktāḥ prāṇinaḥ pāpakāriṇaḥ; krośantaś ca nadantaś ca na mucyante kathaṃ cana

„Dort ist Schmerz unbeschreiblich, überaus furchtbar, der Wahrheit gemäß; da die fünf Sinne ihn nicht ertragen können, heißt es ‚Panca-kaṣṭa‘. Dort erleiden die Übeltäter [ihn] fort und fort. Dieser nicht menschengemäße Schmerz wird von den großen Elementen erlitten. Nachdem sie lange Zeit überaus Furchtbares durchgemacht haben, gehen die großen Elemente in sie ein. Dem Panca-kaṣṭa gleicht kein Schmerz solcher Art. ‚Ende des Schmerzes‘ nennen sie das Panca-kaṣṭa stets, Liebe. So bleiben dort die Lebewesen, die Schmerz erleiden. Auch andere Höllen gibt es, Liebe, mit Avīci an der Spitze. Schreiend und weinend, von Qual bedrängt, überaus bedrückt, irren manche umher und winden sich, manche laufen, bedrängt, herbei, sie rennen und werden von Speerträgern hierhin und dorthin zurückgehalten; von Krankheit gepeinigt, von Durst erfaßt sind die sündigen Lebewesen; schreiend und brüllend werden sie auf keine Weise freigelassen.

Wort für Wort
tatra duḥkham anirdeśyaṃ mahāghoraṃ yathātatham
dort ist der Schmerz unbeschreiblich, sehr furchtbar, wahrheitsgemäß (Adj.; Adv.)
pañcendriyair asahyatvāt pañcakaṣṭam iti smṛtam
wegen der Unerträglichkeit für die fünf Sinne heißt es Pañcakaṣṭa (Abl.; Instr.Pl.)
bhuñjate tatra tatraiva duḥkhaṃ duṣkṛtakāriṇaḥ
dort erleiden die Übeltäter den Schmerz stets aufs neue (3.Pl.Med.)
amānuṣārhaṃ tad duḥkhaṃ mahābhūtais tu bhujyate
dieser übermenschliche Schmerz wird von den großen Elementen erlitten (Pass.)
atighoraṃ ciraṃ kṛtvā mahābhūtāni yānti tam
nachdem sie lange Überfurchtbares getan/erlitten, gehen die großen Elemente in ihn (Abs.)
pañcakaṣṭena hi samaṃ nāsti duḥkhaṃ tathāvidham
denn dem Pañcakaṣṭa gleich gibt es keinen solchen Schmerz (Instr.)
duḥkhasyāntam iti prāhuḥ pañcakaṣṭaṃ sadā priye
‚Ende des Schmerzes‘ nennen sie das Pañcakaṣṭa stets, Liebe (Perf.3.Pl.)
evaṃ te teṣu tiṣṭhanti prāṇino duḥkhabhāginaḥ
so bleiben dort die Lebewesen, die Schmerz erleiden (Nom.Pl.)
anye ca narakāḥ santi avīcipramukhāḥ priye
und andere Höllen gibt es, Avīci an der Spitze, Liebe (Nom.Pl.)
krośantaś ca rudantaś ca vedanārtā bhṛśāturāḥ
schreiend, weinend, schmerzgequält, sehr bedrängt (Nom.Pl.)
ke cid bhramanti veṣṭante ke cid dhāvanti cāturāḥ
manche irren, winden sich, manche laufen bedrängt (3.Pl.)
ādhāvante nivāryante śūlahastair yatas tataḥ
sie rennen herbei und werden von Speerträgern hierhin und dorthin abgewehrt (Pass.)
rujārditās tṛṣāyuktāḥ prāṇinaḥ pāpakāriṇaḥ
von Krankheit gepeinigt, von Durst erfaßt, sündige Lebewesen (Nom.Pl.)
krośantaś ca nadantaś ca na mucyante kathaṃ cana
schreiend und brüllend werden sie auf keine Weise freigelassen (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Wendung mahābhūtāni yānti tam (Einzug der großen Elemente) ist unsicher [?]: möglich ist auch, daß die Elemente als Träger des Schmerzes gemeint sind.

kṛmibhir bhakṣyamāṇāś ca vedanārtās tṛṣānvitāḥ; saṃsmarantaḥ svakaṃ karma kṛtam ātmāparādhajam; śocantas tatra tiṣṭhanti yāvat pāpakṣayaṃ priye; evaṃ bhuktvā tu narakaṃ mucyante pāpasaṃkṣayāt; umā; bhagavan katikālaṃ te tiṣṭhante narakeṣu vai; maheśvaraḥ; etad veditum icchāmi tan me brūhi maheśvara; śataṃ sahasraṃ varṣāṇām ādiṃ kṛtvā hi jantavaḥ; umā; tiṣṭhanti narakāvāsāḥ pralayāntam iti sthitiḥ; maheśvaraḥ; bhagavaṃs teṣu te kutra tiṣṭhantīti vada prabho; raurave śatasāhasraṃ varṣāṇām iti saṃsthitiḥ; mānuṣaghnāḥ kṛtaghnāś ca tathaivānṛtavādinaḥ; jāracorāś ca nārī ca sarvataś cāpacāriṇī; utkocakāś ca piśunā varṇasaṃbhedakārakāḥ; tādṛśāḥ paripacyante raurave narake narāḥ

„Von Würmern gefressen, von Schmerz gequält und durstig, sich des eigenen Tuns erinnernd, das aus der eigenen Schuld getan ist, verharren sie dort klagend, Liebe, bis die Sünde aufgezehrt ist. So, nachdem sie die Hölle erlitten haben, werden sie durch Vernichtung der Sünde freigelassen.“ Umā [sprach]: „Herr, wie lange bleiben sie in den Höllen?“ Maheśvara [sprach]: „Dies möchte ich wissen; sage mir das, Maheśvara.“ [Śiva:] „Hundert- bis tausendjährig, von einem Anfang ausgehend, die Wesen“ – Umā [sprach]: „bleiben in den Höllenwohnungen bis zum Weltuntergang, so ist die Festsetzung.“ Maheśvara [sprach]: „Herr, wo bleiben sie in diesen? Sage es, Herr.“ [Śiva:] „In Raurava beträgt die festgesetzte Dauer hunderttausend Jahre: Menschenmörder, Undankbare, ebenso Lügner, Ehebrecher und Diebe, und die Frau, die überall untreu ist; Bestechungsnehmer, Verleumder, Vermischer der Stände: solche Menschen werden in der Raurava-Hölle gekocht.

Wort für Wort
kṛmibhir bhakṣyamāṇāś ca vedanārtās tṛṣānvitāḥ
von Würmern gefressen, schmerzgequält, durstig (Part.Pass.)
saṃsmarantaḥ svakaṃ karma kṛtam ātmāparādhajam
sich des eigenen Tuns erinnernd, das aus eigener Schuld getan (Part.Präs.)
śocantas tatra tiṣṭhanti yāvat pāpakṣayaṃ priye
klagend bleiben sie dort, bis die Sünde vernichtet ist, Liebe (Part.Präs.)
evaṃ bhuktvā tu narakaṃ mucyante pāpasaṃkṣayāt
so, die Hölle erlitten, werden sie durch Sündenvernichtung freigelassen (Abs.; Abl.)
umā bhagavan katikālaṃ te tiṣṭhante narakeṣu vai
Umā: Herr, wie lange bleiben sie in den Höllen? (Adv.; Lok.Pl.)
maheśvaraḥ etad veditum icchāmi tan me brūhi maheśvara
dies möchte ich wissen; sage mir das, Maheśvara (Inf.; Imp.)
śataṃ sahasraṃ varṣāṇām ādiṃ kṛtvā hi jantavaḥ
hundert bis tausend Jahre, von einem Anfang ausgehend, die Geschöpfe (Gen.Pl.; Abs.)
umā tiṣṭhanti narakāvāsāḥ pralayāntam iti sthitiḥ
Umā: sie bleiben in den Höllenwohnstätten bis Weltende, das ist die Festsetzung (Nom.f.)
maheśvaraḥ bhagavaṃs teṣu te kutra tiṣṭhantīti vada prabho
Herr, wo bleiben sie in diesen? Sag es, Herr (Vok.)
raurave śatasāhasraṃ varṣāṇām iti saṃsthitiḥ
in Raurava ist hunderttausend Jahre die Festsetzung (Lok.; Nom.)
mānuṣaghnāḥ kṛtaghnāś ca tathaivānṛtavādinaḥ
Menschenmörder, Undankbare, ebenso Lügner (Nom.Pl.)
jāracorāś ca nārī ca sarvataś cāpacāriṇī
Ehebrecher, Diebe und die Frau, die überall untreu ist (Nom.)
utkocakāś ca piśunā varṇasaṃbhedakārakāḥ
Bestechungsnehmer, Verleumder, Stände-Vermischer (Nom.Pl.)
tādṛśāḥ paripacyante raurave narake narāḥ
solche Menschen werden in Raurava-Hölle gekocht (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben durcheinander (maheśvaraḥ vor etad veditum icchāmi; umā vor tiṣṭhanti): die Frage stammt von Umā, die Antwort von Śiva. Bei śataṃ sahasraṃ varṣāṇām ādiṃ kṛtvā ist die Bedeutung ,von 100–1000 Jahren an aufwärts‘ unsicher [?].

deśaghnāś caiva rājaghnāḥ pitṛmātṛvighātinaḥ; rājā cānyāyataḥ śāstā sākṣitve 'nṛtavādinaḥ; bahughnāś ca kulaghnāś ca bhrūṇaghnā gurughātinaḥ; viśvastaghātakāś caivam ātmaghnāḥ kopakāraṇāt; patighnyaḥ pramadā mohād yajñavighnakarāś ca ye; dvitīye dviguṇaṃ kālaṃ pacyante tādṛśāḥ narāḥ; mahāpātakayuktās tu tṛtīye duḥkham āpnuyuḥ; etāvan mānuṣasahaṃ param anyeṣu lakṣyate; yakṣā vidyādharāś caiva kādraveyāś ca kiṃnarāḥ; gandharvā bhūtasaṃghāś ca teṣāṃ pāpayutā bhṛśam; caturthe paripacyante yāvad yugaviparyayaḥ; sahantas tādṛśaṃ ghoraṃ pañcakaṣṭe ca yādṛśam; tādṛgvidhasya duḥkhasya ayogyān viddhi mānuṣān; evaṃ te narakān bhuktvā tatra kṣapitakalmaṣāḥ

„Landesmörder, Königsmörder, Mörder der Eltern; ein König, der ungerecht straft, Lügner als Zeugen, Mörder vieler, Geschlechtsmörder, Embryotöter, Lehrermörder, Vertrauensmörder, ebenso Selbstmörder aus Zorn, Frauen, die aus Verblendung den Gatten töten, und die, die das Opfer stören – solche Menschen werden im zweiten [Höllenreich] doppelt so lange gekocht. Wer mit schweren Sünden behaftet ist, erleidet Schmerz im dritten. Soweit ist es für Menschen erträglich; Weiteres zeigt sich bei anderen. Yakṣas, Vidyādharas, Kādraveyas [Schlangen] und Kiṃnaras, Gandharvas und Geisterscharen, die überaus sündbehaftet sind, werden im vierten gekocht, bis die Zeitalter wechseln; sie erleiden solchen furchtbaren [Schmerz], wie im Pañcakaṣṭa. Für solchen Schmerz sind Menschen untauglich, wisse. So, nachdem sie die Höllen erlitten haben und dort ihre Schuld getilgt ist,

Wort für Wort
deśaghnāś caiva rājaghnāḥ pitṛmātṛvighātinaḥ
Landesmörder, Königsmörder, Mörder von Vater und Mutter (Nom.Pl.)
rājā cānyāyataḥ śāstā sākṣitve 'nṛtavādinaḥ
ein König, der ungerecht straft; Lügner beim Zeugnis (Nom.; Lok.)
bahughnāś ca kulaghnāś ca bhrūṇaghnā gurughātinaḥ
Mörder vieler, Geschlechtsvernichter, Embryotöter, Lehrermörder (Nom.Pl.)
viśvastaghātakāś caivam ātmaghnāḥ kopakāraṇāt
Vertrauensmörder, ebenso Selbstmörder aus Zorn (Nom.Pl.; Abl.)
patighnyaḥ pramadā mohād yajñavighnakarāś ca ye
gattenmordende Frauen aus Verblendung und die, die das Opfer stören (Nom.Pl.f.; Abl.)
dvitīye dviguṇaṃ kālaṃ pacyante tādṛśāḥ narāḥ
im zweiten werden solche Menschen doppelt so lange gekocht (Lok.; Pass.)
mahāpātakayuktās tu tṛtīye duḥkham āpnuyuḥ
die mit schweren Sünden Behafteten erlangen im dritten Schmerz (Opt.)
etāvan mānuṣasahaṃ param anyeṣu lakṣyate
soweit ist es für Menschen erträglich; Weiteres zeigt sich bei anderen (Pass.)
yakṣā vidyādharāś caiva kādraveyāś ca kiṃnarāḥ
Yakṣas, Vidyādharas, Kādraveyas, Kiṃnaras (Nom.Pl.)
gandharvā bhūtasaṃghāś ca teṣāṃ pāpayutā bhṛśam
Gandharvas und Geisterscharen, von diesen die überaus sündbehafteten (Gen.)
caturthe paripacyante yāvad yugaviparyayaḥ
im vierten werden sie gekocht, bis die Zeitalter wechseln (Lok.)
sahantas tādṛśaṃ ghoraṃ pañcakaṣṭe ca yādṛśam
solch Furchtbares ertragend, wie es im Pañcakaṣṭa ist (Part.Präs.)
tādṛgvidhasya duḥkhasya ayogyān viddhi mānuṣān
für solchen Schmerz sind Menschen untauglich, wisse (Gen.; Akk.Pl.)
evaṃ te narakān bhuktvā tatra kṣapitakalmaṣāḥ
so, die Höllen erlitten, dort mit getilgter Schuld (Abs.; Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Zuordnung der Höllen zu den Sündenklassen folgt dem Wortlaut; mahāpātaka im dritten und Nicht-Menschen im vierten ist textlich wenig sicher [?].

narakebhyo vimuktāś ca jāyante kṛmijātiṣu; udbhedajeṣu vā ke cit tatrāpi kṣīṇakalmaṣāḥ; punar eva prajāyante mṛgapakṣiṣu śobhane; umā; mṛgapakṣiṣu tad bhuktvā labhante mānuṣaṃ padam; nānājātiṣu kenaiva jāyante pāpakāriṇaḥ; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi yat tvam icchasi bhāmini; sarvathātmā karmavaśān nānājātiṣu dṛśyate; yaś ca māṃsapriyo nityaṃ kaṅkagṛdhrān sa saṃspṛśet; surāpaḥ satataṃ martyaḥ sūkaratvaṃ vrajed dhruvam; abhakṣyabhakṣaṇo martyaḥ kākajātiṣu saṃspṛśet; parodvegakaro nityaṃ vyālajātiṣu jāyate; ātmaghno yo naraḥ kopāt pretajātiṣu tiṣṭhati; paiśunyāt parivādāc ca kukkuṭatvaṃ samaśnuyāt; nāstikaś caiva yo mūrkho mṛgajātiṃ sa gacchati

„werden sie aus den Höllen befreit und in Wurmarten geboren, manche in Keimgeborenen; dort, mit vernichteter Schuld, werden sie wieder in Tieren und Vögeln geboren, Strahlende.“ Umā [sprach]: „Nachdem sie das in Tieren und Vögeln erlitten haben, erlangen sie den Menschenstand. Durch welches [Handeln] werden die Übeltäter in verschiedenen Geburtsarten geboren?“ Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir sagen, was du wünschst, Zornige. Auf jede Weise wird das Selbst je nach dem Handeln in verschiedenen Geburtsarten gesehen. Wer stets Fleisch liebt, kommt mit Reihern und Geiern in Berührung. Der stets Branntwein trinkende Mensch geht gewiß in den Zustand des Schweines ein. Wer Ungenießbares ißt, gelangt in Krähen-Geburten. Wer stets andere in Schrecken versetzt, wird in Raubtierarten geboren. Der Mensch, der sich aus Zorn selbst tötet, bleibt in Totengeist-Arten. Aus Verleumdung und Tadel erlangt er das Hahnsein. Der törichte Nihilist geht in die Tierart.

Wort für Wort
narakebhyo vimuktāś ca jāyante kṛmijātiṣu
aus den Höllen befreit, werden sie in Wurmarten geboren (Part.Pass.; Lok.Pl.)
udbhedajeṣu vā ke cit tatrāpi kṣīṇakalmaṣāḥ
oder manche in Keimgeborenen; auch dort mit erschöpfter Schuld (Part.Pass.)
punar eva prajāyante mṛgapakṣiṣu śobhane
wieder werden sie in Tieren und Vögeln geboren, Strahlende (Vok.f.)
umā mṛgapakṣiṣu tad bhuktvā labhante mānuṣaṃ padam
Umā: dies in Tieren und Vögeln durchlebt, erlangen sie den Menschenstand (Abs.)
nānājātiṣu kenaiva jāyante pāpakāriṇaḥ
wodurch werden die Übeltäter in verschiedenen Arten geboren? (Instr.)
maheśvaraḥ tad ahaṃ te pravakṣyāmi yat tvam icchasi bhāmini
ich nenne dir, was du wünschst, Zornige (Fut.; Vok.f.)
sarvathātmā karmavaśān nānājātiṣu dṛśyate
in jeder Hinsicht wird das Selbst, je nach Handeln, in verschiedenen Arten gesehen (Abl.)
yaś ca māṃsapriyo nityaṃ kaṅkagṛdhrān sa saṃspṛśet
wer stets Fleisch liebt, kommt mit Reihern und Geiern in Berührung (Opt.)
surāpaḥ satataṃ martyaḥ sūkaratvaṃ vrajed dhruvam
der stets Branntwein trinkende Mensch geht gewiß ins Schweinsein (Opt.)
abhakṣyabhakṣaṇo martyaḥ kākajātiṣu saṃspṛśet
wer Ungenießbares ißt, gelangt in Krähenarten (Lok.Pl.)
parodvegakaro nityaṃ vyālajātiṣu jāyate
wer stets andere in Schrecken versetzt, wird in Raubtierarten geboren (Pass.)
ātmaghno yo naraḥ kopāt pretajātiṣu tiṣṭhati
der Mensch, der aus Zorn sich selbst tötet, bleibt in Totengeistarten (Lok.Pl.)
paiśunyāt parivādāc ca kukkuṭatvaṃ samaśnuyāt
aus Verleumdung und Tadel erlangt er das Hahnsein (Opt.)
nāstikaś caiva yo mūrkho mṛgajātiṃ sa gacchati
und der törichte Nihilist geht in die Tierart (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherverteilung ist verschoben (umā vor mṛgapakṣiṣu tad bhuktvā …). In Vers 1 ist die Lesung mṛgapakṣiṣu … labhante mānuṣaṃ padam eine Aussage Śivas.

hiṃsāvihāras tu naraḥ kṛmikīṭeṣu jāyate; atra mānayuto nityaṃ pretya gardabhatāṃ vrajet; asatyaṃ paruṣaṃ vākyaṃ yo vaden matsyatāṃ vrajet; agamyāgamanāc caiva paradārābhimarśanāt; mūṣikatvaṃ vrajen martyo nāsti tatra vicāraṇā; kṛtaghno mitraghātī ca sṛgālavṛkajātiṣu; gurughnaḥ pitṛghātī ca sthāvareṣv avatiṣṭhati; vācikaiḥ pakṣimṛgatāṃ mānasair anyajātitām; śarīrajaiḥ karmadoṣair yāti sthāvaratāṃ naraḥ; evamādy aśubhaṃ kṛtvā narā nirayam āśritāḥ; tāṃs tān bhāvān prapadyante svakṛtasyaiva kāraṇāt; evaṃ jātiṣu nirdagdhāḥ prāṇinaḥ pāpakāriṇaḥ; kathaṃ cit punar utpadya labhante mānuṣaṃ padam; bahukṛtvo 'tisaṃtaptaṃ lohaṃ śucitamaṃ yathā; bahuduḥkhābhisaṃtaptas tathātmā śudhyate malāt

„Der Mensch, der sich der Gewalt hingibt, wird unter Würmern und Insekten geboren. Wer hier stets hochmütig ist, geht nach dem Tod in den Zustand des Esels ein. Wer Unwahres und Rauhes spricht, geht in den Fischzustand. Wer wegen unerlaubten Beischlafs und Berührung fremder Frauen [handelt], wird ein Mäuserich – daran gibt es keinen Zweifel. Der Undankbare und Freundesmörder [gelangt] in Schakal- und Wolfsarten; der Lehrermörder und Vatermörder bleibt unter den Unbewegten. Durch Verfehlungen der Rede [gelangt er] in den Zustand von Vögeln und Tieren, durch geistige in anderen Arten, durch körperliche Verfehlungen des Handelns geht der Mensch in den Zustand des Unbewegten. So, nachdem sie Ähnliches Unheilvolles getan haben, gelangen Menschen in die Hölle; sie gehen in diese und jene Zustände ein, wegen des selbst Getanen. So in Geburtsarten durchglüht, erlangen die sündigen Lebewesen irgendwie wieder geboren den Menschenstand. Wie oftmals stark erhitztes Eisen sehr rein wird, so wird das Selbst durch vielen Schmerz erhitzt und vom Schmutz gereinigt.

Wort für Wort
hiṃsāvihāras tu naraḥ kṛmikīṭeṣu jāyate
der der Gewalt hingegebene Mensch wird unter Würmern und Insekten geboren (Lok.Pl.)
atra mānayuto nityaṃ pretya gardabhatāṃ vrajet
wer hier stets stolz ist, geht nach dem Tod in Eselsein (Abs.; Opt.)
asatyaṃ paruṣaṃ vākyaṃ yo vaden matsyatāṃ vrajet
wer Unwahres, Rauhes spricht, geht ins Fischsein (Opt.)
agamyāgamanāc caiva paradārābhimarśanāt
durch unerlaubten Beischlaf und Berühren fremder Frauen (Abl.)
mūṣikatvaṃ vrajen martyo nāsti tatra vicāraṇā
der Mensch geht ins Mäusesein; da gibt es keine Erwägung (Opt.)
kṛtaghno mitraghātī ca sṛgālavṛkajātiṣu
der Undankbare und Freundesmörder in Schakal-Wolf-Arten (Lok.Pl.)
gurughnaḥ pitṛghātī ca sthāvareṣv avatiṣṭhati
Lehrermörder und Vatermörder bleibt unter Unbewegten (Lok.Pl.)
vācikaiḥ pakṣimṛgatāṃ mānasair anyajātitām
durch Rede-Verfehlungen Vogel-Tierheit, durch geistige andere Art (Instr.Pl.)
śarīrajaiḥ karmadoṣair yāti sthāvaratāṃ naraḥ
durch körperliche Tatfehler geht der Mensch ins Unbewegtsein (Instr.Pl.)
evamādy aśubhaṃ kṛtvā narā nirayam āśritāḥ
so und dergleichen Unheil getan, sind Menschen in die Hölle geraten (Abs.; Part.Pass.)
tāṃs tān bhāvān prapadyante svakṛtasyaiva kāraṇāt
sie gehen in diese und jene Zustände ein, wegen des selbst Getanen (3.Pl.Med.)
evaṃ jātiṣu nirdagdhāḥ prāṇinaḥ pāpakāriṇaḥ
so in den Geburtsarten durchglüht, sündige Lebewesen (Part.Pass.)
kathaṃ cit punar utpadya labhante mānuṣaṃ padam
irgendwie wieder geboren, erlangen sie den Menschenstand (Abs.)
bahukṛtvo 'tisaṃtaptaṃ lohaṃ śucitamaṃ yathā
wie vielfach erhitztes Eisen ganz rein wird (Adv.)
bahuduḥkhābhisaṃtaptas tathātmā śudhyate malāt
so wird das Selbst, durch viel Schmerz erhitzt, vom Schmutz gereinigt (Pass.; Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). atra mānayutaḥ ist unsicher (evtl. ,hier‘ = in diesem Leben); die Zuordnung der Vergehensarten (vācikaiḥ pakṣimṛgatām …) folgt dem Wortlaut.

umā; tasmāt sudurlabhaṃ ceti viddhi janma sumānuṣam; bhagavan devadeveśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja; śrutaṃ me paramaṃ guhyaṃ prasādāt te varaprada; śrotuṃ bhūyo 'ham icchāmi prajānāṃ hitakāraṇāt; śubhāśubham iti proktaṃ karma sarvaṃ samāsataḥ; tan me vistaraśo brūhi śubhāśubhavidhiṃ prati; aśubhaṃ kīdṛśaṃ karma prāṇino 'dho nipātayet; śubhaṃ karma kathaṃ deva prajānām ūrdhvato nayet; etan me vada deveśa śrotukāmāsmi kīrtaya; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi tat sarvaṃ śṛṇu śobhane; sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ceti dvividhaḥ karmavistaraḥ; tayor yad duṣkṛtaṃ karma tac ca saṃjāyate tridhā; manasā karmaṇā vācā buddhimohasamudbhavam; manaḥpūrvaṃ tu vākkarma vartate vāṅmayaṃ tataḥ

Umā [sprach]: „Darum wisse, daß die gute Menschengeburt überaus schwer zu erlangen ist.“ [Umā:] „Herr, Gott der Götter, Speerträger, mit dem Stier im Banner: Ich habe das höchste Geheimnis gehört, durch deine Gnade, Wunschgeber. Ich möchte noch mehr hören, zum Wohl der Geschöpfe. Heilvolles und Unheilvolles Handeln ist kurz gesagt; das sage mir ausführlich, hinsichtlich der Regel von Heilvollem und Unheilvollem. Welches unheilvolle Handeln läßt das Lebewesen nach unten fallen? Wie führt heilvolles Handeln die Geschöpfe nach oben? Das sage mir, Herr der Götter; ich will es hören, verkünde es.“ Maheśvara [sprach]: „Ich werde dir dies alles sagen; höre, Strahlende. Gutes und Böses Tun: so ist die Ausbreitung des Handelns zweifach. Davon entsteht das böse Handeln dreifach: durch Geist, Tat und Rede, aus Verblendung des Verstandes. Das Handeln der Rede hat den Geist zum Vorläufer; dann besteht es aus Rede.

Wort für Wort
umā tasmāt sudurlabhaṃ ceti viddhi janma sumānuṣam
Umā: darum wisse, die gute Menschengeburt ist sehr schwer zu erlangen (Imp.)
bhagavan devadeveśa śūlapāṇe vṛṣadhvaja
Herr, Gott der Götter, Speerhändiger, Stierbanner (Vok.)
śrutaṃ me paramaṃ guhyaṃ prasādāt te varaprada
von mir ist das höchste Geheimnis gehört, durch deine Gnade, Wunschgeber (Part.Pass.; Vok.)
śrotuṃ bhūyo 'ham icchāmi prajānāṃ hitakāraṇāt
noch mehr will ich hören, zum Wohl der Geschöpfe (Inf.; Abl.)
śubhāśubham iti proktaṃ karma sarvaṃ samāsataḥ
Gutes und Böses: alles Handeln ist kurz gesagt (Part.Pass.; Adv.)
tan me vistaraśo brūhi śubhāśubhavidhiṃ prati
das sage mir ausführlich hinsichtlich der Regel von Gut und Böse (Imp.; Akk. mit prati)
aśubhaṃ kīdṛśaṃ karma prāṇino 'dho nipātayet
welches unheilvolle Handeln läßt das Lebewesen nach unten fallen? (Kaus.Opt.)
śubhaṃ karma kathaṃ deva prajānām ūrdhvato nayet
wie führt heilvolles Handeln die Geschöpfe nach oben? (Opt.)
etan me vada deveśa śrotukāmāsmi kīrtaya
das sage mir, Götterherr; ich will hören, verkünde (Imp.; Adj.f.)
maheśvaraḥ tad ahaṃ te pravakṣyāmi tat sarvaṃ śṛṇu śobhane
ich sage dir dies alles; höre, Strahlende (Fut.; Imp.)
sukṛtaṃ duṣkṛtaṃ ceti dvividhaḥ karmavistaraḥ
Gutes und Böses: so ist die Handlungsausbreitung zweifach (Nom.)
tayor yad duṣkṛtaṃ karma tac ca saṃjāyate tridhā
von beiden entsteht das böse Handeln dreifach (Gen.Du.; 3.Sg.)
manasā karmaṇā vācā buddhimohasamudbhavam
durch Geist, Tat und Rede, aus Verstandesverblendung entstanden (Instr.)
manaḥpūrvaṃ tu vākkarma vartate vāṅmayaṃ tataḥ
das Redehandeln hat den Geist zum Vorläufer, dann besteht es aus Rede (3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jāyate vai kriyāyogam evaṃ ceṣṭākramaṃ priye; abhidroho 'bhyasūyā ca parārthe cakṣuṣā spṛhā; śubhāśubhānāṃ martyānāṃ vartanaṃ viparītataḥ; dharmakārye yad aśraddhā pāpakarmaṇi harṣaṇam; evamādy aśubhaṃ karma manasā pāpam ucyate; anṛtaṃ yac ca paruṣam abaddhavacanaṃ kaṭu; asatyaṃ parivādaś ca pāpam etat tu vāṅmayam; agamyāgamanaṃ caiva paradāraniṣevaṇam; vadhabandhaparikleśaiḥ paraprāṇopatāpanam; cauryaṃ pareṣāṃ dravyāṇāṃ haraṇaṃ nāśanaṃ tathā; abhakṣyabhakṣaṇaṃ caiva vyasaneṣv abhiṣaṅgatā; darpāt stambhābhimānāc ca pareṣām upatāpanam; akāryāṇāṃ ca karaṇam aśaucaṃ pānam eva ca; dauḥśīlyaṃ kṣudrasaṃparkaḥ sāhāyyaṃ pāpakarmaṇi; adharmyam ayaśasyaṃ ca kāryaṃ tasya niṣevaṇam

„Es entsteht [dann] durch Verbindung mit dem Tun; so, Liebe, ist der Gang des Wirkens. Feindschaft und Mißgunst, Begierde des Auges nach fremdem Besitz, das Verhalten der Menschen gegenläufig zu Heilvollem und Unheilvollem, Unglaube im Dharma-Werk und Freude an sündigem Handeln: dies und Ähnliches böses Handeln gilt durch den Geist als Sünde. Unwahres und Rauhes, unzusammenhängende Rede, bitter, Unwahrheit und Tadel: dies ist Sünde der Rede. Unerlaubter Beischlaf und Umgang mit fremden Frauen, Töten, Fesseln und Quälen, Quälerei fremden Lebens, Diebstahl von fremdem Besitz, Wegnahme und Zerstörung, Verzehr von Ungenießbarem, Hingabe an Laster, Quälerei anderer aus Hochmut, Starrheit und Dünkel, das Tun von Nichtzutuendem, Unreinheit und Trinken, Schlechtes Betragen, Umgang mit Gemeinen, Beistand bei sündigem Tun, Ungerechtes und Rufschädigendes: das Ausüben davon.

Wort für Wort
jāyate vai kriyāyogam evaṃ ceṣṭākramaṃ priye
es entsteht durch Verbindung mit dem Tun; so der Gang des Wirkens, Liebe (3.Sg.Pass.; Akk.)
abhidroho 'bhyasūyā ca parārthe cakṣuṣā spṛhā
Feindschaft, Mißgunst, Begierde des Auges nach fremdem Gut (Nom.; Instr.; Lok.)
śubhāśubhānāṃ martyānāṃ vartanaṃ viparītataḥ
das Verhalten der Menschen gegenläufig zu Gutem und Schlechtem (Gen.; Adv.)
dharmakārye yad aśraddhā pāpakarmaṇi harṣaṇam
Unglaube im Dharma-Werk und Freude am Sündentun (Lok.)
evamādy aśubhaṃ karma manasā pāpam ucyate
dies und Ähnliches gilt durch den Geist als sündiges Handeln (Instr.; Pass.)
anṛtaṃ yac ca paruṣam abaddhavacanaṃ kaṭu
Unwahres, Rauhes, unzusammenhängendes, bitteres Reden (Nom.n.)
asatyaṃ parivādaś ca pāpam etat tu vāṅmayam
Unwahrheit und Tadel: dies ist Sünde der Rede (Nom.)
agamyāgamanaṃ caiva paradāraniṣevaṇam
unerlaubter Beischlaf und Umgang mit fremden Frauen (Nom.n.)
vadhabandhaparikleśaiḥ paraprāṇopatāpanam
Quälen fremden Lebens durch Töten, Fesseln, Plagen (Instr.Pl.; Nom.n.)
cauryaṃ pareṣāṃ dravyāṇāṃ haraṇaṃ nāśanaṃ tathā
Diebstahl, Wegnahme und Zerstörung fremder Güter (Gen.Pl.)
abhakṣyabhakṣaṇaṃ caiva vyasaneṣv abhiṣaṅgatā
Essen von Ungenießbarem, Hingabe an Laster (Lok.Pl.)
darpāt stambhābhimānāc ca pareṣām upatāpanam
aus Hochmut, Starrheit und Dünkel das Quälen anderer (Abl.)
akāryāṇāṃ ca karaṇam aśaucaṃ pānam eva ca
Tun von Nichtzutuendem, Unreinheit und Trinken (Gen.Pl.)
dauḥśīlyaṃ kṣudrasaṃparkaḥ sāhāyyaṃ pāpakarmaṇi
schlechtes Betragen, Umgang mit Gemeinen, Beistand bei Sündentat (Lok.)
adharmyam ayaśasyaṃ ca kāryaṃ tasya niṣevaṇam
Ungerechtes und Rufschädigendes: das Ausüben davon (Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der letzte Pāda adharmyam ayaśasyaṃ ca kāryaṃ tasya niṣevaṇam ist syntaktisch knapp und in der Überlieferung wohl gestört [?].

evamādy aśubhaṃ cānyac charīraṃ pāpam ucyate; mānasād vāṅmayaṃ pāpaṃ viśiṣṭam iti vakṣyate; vāṅmayād api vai pāpaṃ śārīraṃ gaṇyate bahu; evaṃ pāpayutaṃ karma pātayet trividhaṃ naram; paropatāpajananam atyantaṃ pāpakaṃ smṛtam; dvividhaṃ tat kṛtaṃ pāpaṃ kartāraṃ narakaṃ nayet; pātakaṃ tv api yat karma karaṇād buddhipūrvakam; sāpadeśam avaśyaṃ tu kartavyam iti yat kṛtam; kathaṃ cit tat kṛtam api kartā tena na lipyate; umā; avaśyabhāvadeśena pratihanyeta kāraṇam; bhagavan pāpakaṃ karma yathā kṛtvā na lipyate; maheśvaraḥ; anṛtaṃ dharmayuktaṃ ca tan me śaṃsitum arhasi; yo naro 'naparādhī sann ātmaprāṇasya rakṣaṇāt; śatrum udyataśastraṃ vā pūrvaṃ tena hato 'pi vā

„Dies und anderes Unheilvolle gilt als Sünde des Körpers. Die Sünde der Rede gilt als gewichtiger als die des Geistes, so wird gesagt; auch als die der Rede wird die Sünde des Körpers als beträchtlich gerechnet. So läßt sündbehaftetes Handeln, dreifach, den Menschen fallen. Das Quälen anderer gilt als äußerst sündhaft. Die zweifach getane Sünde führt den Täter in die Hölle. Auch eine Tat, die zur Sündenklasse gehört, wenn sie [zwar] absichtlich getan wurde – dort, wo sie mit Grund als notwendig zu tun getan ist, befleckt sie den Täter irgendwie nicht.“ Umā [sprach]: „Durch die Notwendigkeit wird die Ursache abgewehrt. Herr, wie tut man sündige Tat und wird nicht befleckt?“ Maheśvara [sprach]: „Auch Unwahres, das dem Dharma dient – das mußt du mir sagen.“ [Śiva:] „Ein Mann, der schuldlos ist, um das eigene Leben zu schützen, oder wenn ein Feind mit erhobener Waffe [kommt] oder er zuerst von ihm getroffen ist,

Wort für Wort
evamādy aśubhaṃ cānyac charīraṃ pāpam ucyate
dies und anderes Unheilvolle gilt als Körpersünde (Pass.)
mānasād vāṇmayaṃ pāpaṃ viśiṣṭam iti vakṣyate
die Redesünde gilt als gewichtiger als die geistige, so heißt es (Abl.; Fut.Pass.)
vāṅmayād api vai pāpaṃ śārīraṃ gaṇyate bahu
auch als die der Rede wird die Körpersünde als viel gerechnet (Pass.)
evaṃ pāpayutaṃ karma pātayet trividhaṃ naram
so läßt sündbehaftetes, dreifaches Handeln den Menschen fallen (Kaus.Opt.)
paropatāpajananam atyantaṃ pāpakaṃ smṛtam
das Quälen anderer gilt als äußerst sündig (Part.Pass.)
dvividhaṃ tat kṛtaṃ pāpaṃ kartāraṃ narakaṃ nayet
die zweifach getane Sünde führt den Täter in die Hölle (Opt.)
pātakaṃ tv api yat karma karaṇād buddhipūrvakam
auch eine Tat, die zur Sündenklasse gehört, aus absichtlichem Tun (Abl.)
sāpadeśam avaśyaṃ tu kartavyam iti yat kṛtam
die mit Vorwand als notwendig zu tun getan ist (Gerundiv; Part.Pass.)
kathaṃ cit tat kṛtam api kartā tena na lipyate
auch wenn irgendwie getan, wird der Täter dadurch nicht befleckt (Pass.)
umā avaśyabhāvadeśena pratihanyeta kāraṇam
Umā: durch die Bestimmung der Notwendigkeit wird die Ursache abgewehrt (Instr.; Opt.Pass.)
bhagavan pāpakaṃ karma yathā kṛtvā na lipyate
Herr, wie wird man, sündige Tat getan, nicht befleckt? (Abs.)
maheśvaraḥ anṛtaṃ dharmayuktaṃ ca tan me śaṃsitum arhasi
auch Unwahres, dharmagemäß: das mußt du mir sagen (Inf.)
yo naro 'naparādhī sann ātmaprāṇasya rakṣaṇāt
wer als Schuldloser das eigene Leben schützt (Part.Präs.; Abl.)
śatrum udyataśastraṃ vā pūrvaṃ tena hato 'pi vā
oder einen Feind mit erhobener Waffe, oder er ist zuerst von ihm getroffen (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rede ist syntaktisch schwer gegliedert; avaśyabhāvadeśena … kāraṇam ist unsicher [?]. Der Satz yo naro … setzt sich in 259 fort.

pratigatya naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate; corāṭavikasaṃtrastās tatpratīkāraceṣṭayā; tān pratighnan naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate; vṛttighnaṃ tu naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate; grāmārthaṃ bhartṛpiṇḍārthaṃ dīnānugrahakāraṇāt; vadhabandhaparikleśān kurvan pāpāt pramucyate; durbhikṣe cātmavṛttyartham ekāyanagatas tathā; akāryaṃ vāpy abhakṣyaṃ vā kṛtvā pāpair na lipyate; vyādhito rogamokṣārtham abhakṣyeṇa na lipyate; anṛtaṃ dharmayuktaṃ ca dākṣiṇyāt strīṣu bhāṣitam; ātmaprāṇabhayād uktaṃ mokṣārthaṃ cāpy adhārmikāt; vivāhakaraṇe caiva laukikenānṛtaṃ bruvan; saṃstambhanārthaṃ trastānām anṛtena na lipyate; vidhir eṣa gṛhasthānāṃ prāyeṇaivopadiśyate

„wenn er wiederum gegen ihn vorgeht und [ihn] tötet, wird er von der Sünde nicht befleckt. Wer, von Räubern und Waldbewohnern bedrängt, aus Abwehrstreben Angreifer tötet, wird von Sünde nicht befleckt. Wer einen Mann tötet, der ihm den Lebensunterhalt nimmt, wird von Sünde nicht befleckt. Wer um des Dorfes willen, des Herrn und seiner Nahrung willen, aus Mitgefühl mit Elenden, Töten, Fesseln und Quälen ausübt, wird von Sünde frei. Wer in Hungersnot um des eigenen Lebensunterhalts willen, ohne anderen Ausweg, Unerlaubtes oder Ungenießbares getan hat, wird von Sünden nicht befleckt. Der Kranke wird durch Verzehr von Ungenießbarem zur Heilung nicht befleckt. Unwahres, das dem Dharma dient, aus Höflichkeit zu Frauen gesprochen, aus Furcht ums Leben oder zur Befreiung von einem Ungerechten gesagt, und wer bei einer Hochzeit nach Weltbrauch Unwahres sagt: wer durch Unwahrheit Verängstigte beruhigt, wird nicht befleckt. Diese Regel gilt vorwiegend für Hausväter.

Wort für Wort
pratigatya naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate
der Mann, gegen ihn gegangen, tötet ihn: er wird von Sünde nicht befleckt (Abs.; Opt.; Pass.)
corāṭavikasaṃtrastās tatpratīkāraceṣṭayā
von Räubern und Waldbewohnern bedrängt, mit Abwehrbemühen (Part.Pass.; Instr.)
tān pratighnan naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate
wer sie zurückschlagend tötet, wird von Sünde nicht befleckt (Part.Präs.)
vṛttighnaṃ tu naro hiṃsyān na sa pāpena lipyate
wer den, der ihm den Lebensunterhalt nimmt, tötet, wird nicht befleckt (Akk.)
grāmārthaṃ bhartṛpiṇḍārthaṃ dīnānugrahakāraṇāt
um des Dorfes, um der Nahrung des Herrn, aus Mitgefühl mit Elenden (Adv.; Abl.)
vadhabandhaparikleśān kurvan pāpāt pramucyate
Töten, Fesseln, Plagen ausübend, wird er von Sünde frei (Part.Präs.; Abl.)
durbhikṣe cātmavṛttyartham ekāyanagatas tathā
in Hungersnot um des eigenen Lebensunterhalts, ohne anderen Ausweg (Lok.)
akāryaṃ vāpy abhakṣyaṃ vā kṛtvā pāpair na lipyate
Nichtzutuendes oder Ungenießbares getan habend, wird er von Sünden nicht befleckt (Abs.)
vyādhito rogamokṣārtham abhakṣyeṇa na lipyate
der Kranke wird zur Heilung durch Ungenießbares nicht befleckt (Instr.)
anṛtaṃ dharmayuktaṃ ca dākṣiṇyāt strīṣu bhāṣitam
dharmagemäßes Unwahres, aus Höflichkeit zu Frauen gesprochen (Abl.; Lok.Pl.)
ātmaprāṇabhayād uktaṃ mokṣārthaṃ cāpy adhārmikāt
aus Furcht ums Leben gesagt und zur Befreiung von einem Ungerechten (Abl.)
vivāhakaraṇe caiva laukikenānṛtaṃ bruvan
und bei einer Hochzeit nach Weltbrauch Unwahres redend (Lok.; Part.Präs.)
saṃstambhanārthaṃ trastānām anṛtena na lipyate
zur Beruhigung der Verängstigten wird er durch Unwahrheit nicht befleckt (Gen.Pl.; Instr.)
vidhir eṣa gṛhasthānāṃ prāyeṇaivopadiśyate
diese Regel wird für Hausväter meist gelehrt (Gen.Pl.; Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ekāyanagataḥ wörtlich ,auf einem einzigen Weg gegangen‘, d. h. ohne anderen Ausweg.

avācyaṃ vāpy akāryaṃ vā deśakālavaśena tu; buddhipūrvaṃ naraḥ kurvaṃs tat prayojanamātrayā; kiṃ cid vā lipyate pāpair atha vā na ca lipyate; umā; evaṃ devi vijānīhi nāsti tatra vicāraṇā; bhagavan pānadoṣāṃś ca peyāpeyatvakāraṇam; maheśvaraḥ; etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me vada maheśvara; hanta te kathayiṣyāmi pānotpattiṃ śucismite; purā sarve 'bhavan martyā buddhimanto nayānugāḥ; śucayaḥ subhagācārāḥ sarve sumanasaḥ priye; evaṃbhūte tadā loke preṣyatvaṃ na parasparam; preṣyābhāvān manuṣyāṇāṃ karmārambho nanāśa ha; ubhayor lokayor nāśaṃ dṛṣṭvā karmakṣayāt prabhuḥ; yajñakarma kathaṃ loke varteteti pitāmahaḥ; ājñāpayat surān devi mohayasveti mānuṣān

„Ob Unsagbares oder Nichtzutuendes, je nach Ort und Zeit, absichtlich getan, allein zu diesem Zweck, wird der Mensch entweder ein wenig mit Sünde befleckt oder gar nicht. So, Göttin, erkenne es; dabei gibt es keine Erwägung.“ Umā [sprach]: „Herr, [sage mir] über die Fehler des Trinkens und den Grund von Trinkbarem und Nichttrinkbarem.“ Maheśvara [sprach]: „Ich will dies hören; sage es mir, Maheśvara.“ [Śiva:] „Wohlan, ich werde dir vom Ursprung des Trinkens erzählen, Reinlächelnde. Einst waren alle Menschen verständig, der Regel folgend, rein, von glücklichem Wandel, alle wohlgesinnt, Liebe. Als die Welt so war, gab es keine Dienstleistung untereinander. Da es keine Diener gab, kam bei den Menschen das Werkbeginnen zum Erliegen. Als der Herr den Untergang beider Welten wegen Erlöschens des Handelns sah, [überlegte er:] ‚Wie soll das Opferwerk in der Welt bestehen?‘ Der Großvater befahl den Göttern, Göttin: ‚Verwirrt die Menschen!‘

Wort für Wort
avācyaṃ vāpy akāryaṃ vā deśakālavaśena tu
Unsagbares oder Nichtzutuendes, je nach Ort und Zeit (Instr.)
buddhipūrvaṃ naraḥ kurvaṃs tat prayojanamātrayā
der Mensch, es absichtlich tuend, allein nach Zweck (Part.Präs.; Instr.)
kiṃ cid vā lipyate pāpair atha vā na ca lipyate
wird entweder ein wenig von Sünden befleckt oder gar nicht (Pass.)
umā evaṃ devi vijānīhi nāsti tatra vicāraṇā
Umā: so erkenne, Göttin; dabei gibt es keine Erwägung (Imp.)
bhagavan pānadoṣāṃś ca peyāpeyatvakāraṇam
Herr, [über] die Fehler des Trinkens und den Grund von Trink- und Nichttrinkbarkeit (Akk.Pl.)
maheśvaraḥ etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me vada maheśvara
dies will ich hören; sage es mir, Maheśvara (Inf.)
hanta te kathayiṣyāmi pānotpattiṃ śucismite
wohlan, ich werde dir den Ursprung des Trinkens erzählen, Reinlächelnde (Fut.)
purā sarve 'bhavan martyā buddhimanto nayānugāḥ
einst waren alle Menschen verständig, der Regel folgend (Impf.)
śucayaḥ subhagācārāḥ sarve sumanasaḥ priye
rein, von glücklichem Wandel, alle wohlgesinnt, Liebe (Nom.Pl.)
evaṃbhūte tadā loke preṣyatvaṃ na parasparam
als die Welt so war, gab es gegenseitige Dienstbarkeit nicht (Lok.abs.)
preṣyābhāvān manuṣyāṇāṃ karmārambho nanāśa ha
wegen Fehlens von Dienern verschwand bei den Menschen das Werkbeginnen (Abl.; Perf.)
ubhayor lokayor nāśaṃ dṛṣṭvā karmakṣayāt prabhuḥ
der Herr, den Untergang beider Welten wegen Handlungsschwundes sehend (Abs.; Abl.)
yajñakarma kathaṃ loke varteteti pitāmahaḥ
‚wie soll Opferwerk in der Welt bestehen?‘ [dachte] der Großvater (Opt.)
ājñāpayat surān devi mohayasveti mānuṣān
er befahl den Göttern, Göttin: ‚verwirrt die Menschen‘ (Impf.; Imp.Kaus.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecher zugeordnet wie in der Überlieferung; ,wohlan‘ (hanta) markiert Śivas Antwort.

tamasaḥ sāram uddhṛtya pānaṃ buddhipraṇāśanam; nyapātayan manuṣyeṣu pāpadoṣāvahaṃ priye; tadāprabhṛti tat pītvā mumuhur mānuṣā bhuvi; kāryākāryam ajānanto vācyāvācyaṃ guṇāguṇam; ke cid dhasanti tat pītvā prarudanti tathā pare; nṛtyanti muditāḥ ke cid gāyanti ca śubhāśubham; kalahaṃ kurvate 'bhīkṣṇaṃ praharanti parasparam; ke cid dhāvanti sahasā praskhalanti patanti ca; ayuktaṃ bahu bhāṣante yatrakvacana śerate; nagnā vikṣipya gātrāṇi naṣṭasaṃjñā mṛtā iva; evaṃ bahuvidhān pāpān kurvanti hṛtacetasaḥ; ye pibanti mahāmohaṃ pānaṃ pāpayutā narāḥ; dhṛtiṃ lajjāṃ ca buddhiṃ ca pānaṃ pītaṃ praṇāśayet; tasmān narāḥ saṃbhavanti nirlajjā nirapatrapāḥ; buddhisattvaiḥ parikṣīṇās tejohīnā malānvitāḥ

„Sie zogen das Wesentliche der Finsternis heraus, das Trinken, das den Verstand zerstört, und ließen es unter die Menschen fallen, das Sünde und Fehler herbeiführt, Liebe. Seit damals, nachdem sie es getrunken, wurden die Menschen auf Erden verwirrt und wußten nicht, was zu tun und nicht zu tun, was zu sagen und nicht zu sagen, was Vorzug und was Fehler ist. Manche lachen, wenn sie es getrunken haben, andere weinen; manche tanzen erfreut, manche singen Gutes und Schlechtes; sie streiten beständig, schlagen einander; manche rennen plötzlich, stolpern und fallen; sie reden viel Unpassendes und legen sich hin, wo es sich trifft; nackt, die Glieder von sich werfend, ohne Bewußtsein, wie Tote. So tun sie vielerlei Sünden, ihres Verstandes beraubt, die sündigen Menschen, die das große Betörende, das Getränk, trinken. Standhaftigkeit, Scham und Verstand vernichtet das getrunkene Getränk; daher werden Menschen schamlos, ohne Scheu, an Verstand und Wesenskraft erschöpft, ohne Glanz, schmutzbehaftet,

Wort für Wort
tamasaḥ sāram uddhṛtya pānaṃ buddhipraṇāśanam
das Wesentliche der Finsternis herausgezogen habend, das verstandeszerstörende Getränk (Abs.)
nyapātayan manuṣyeṣu pāpadoṣāvahaṃ priye
ließen sie es unter Menschen fallen, sünden- und fehlerbringend, Liebe (Impf.)
tadāprabhṛti tat pītvā mumuhur mānuṣā bhuvi
seitdem, es getrunken, wurden die Menschen auf Erden verwirrt (Abs.; Perf.)
kāryākāryam ajānanto vācyāvācyaṃ guṇāguṇam
Tun und Nichttun, Sagbares und Unsagbares, Vorzug und Fehler nicht kennend (Part.Präs.)
ke cid dhasanti tat pītvā prarudanti tathā pare
manche lachen, es getrunken, andere weinen ebenso (3.Pl.)
nṛtyanti muditāḥ ke cid gāyanti ca śubhāśubham
manche tanzen erfreut, singen Gutes und Schlechtes (3.Pl.)
kalahaṃ kurvate 'bhīkṣṇaṃ praharanti parasparam
sie streiten ständig, schlagen einander (Med.; 3.Pl.)
ke cid dhāvanti sahasā praskhalanti patanti ca
manche rennen plötzlich, stolpern und fallen (3.Pl.)
ayuktaṃ bahu bhāṣante yatrakvacana śerate
viel Unpassendes reden sie und liegen, wo es sich trifft (3.Pl.Med.)
nagnā vikṣipya gātrāṇi naṣṭasaṃjñā mṛtā iva
nackt, die Glieder von sich werfend, bewußtlos wie Tote (Abs.; Part.Pass.)
evaṃ bahuvidhān pāpān kurvanti hṛtacetasaḥ
so tun sie vielerlei Sünden, des Verstandes beraubt (Part.Pass.)
ye pibanti mahāmohaṃ pānaṃ pāpayutā narāḥ
die Menschen, die das große Betörende trinken, sündbehaftet (3.Pl.)
dhṛtiṃ lajjāṃ ca buddhiṃ ca pānaṃ pītaṃ praṇāśayet
Standhaftigkeit, Scham, Verstand vernichtet das getrunkene Getränk (Kaus.Opt.)
tasmān narāḥ saṃbhavanti nirlajjā nirapatrapāḥ
daher werden Menschen schamlos, ohne Scheu (Nom.Pl.)
buddhisattvaiḥ parikṣīṇās tejohīnā malānvitāḥ
an Verstand und Kraft erschöpft, glanzlos, schmutzbehaftet (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

pītvā pītvā tṛṣāyuktāḥ pānapāḥ saṃbhavanti ca; pānakāmāḥ pānakathāḥ pānakālābhikāṅkṣiṇaḥ; pānārthaṃ karmavaśyās te saṃbhavanti narādhamāḥ; pānakāmās tṛṣāyogād buddhisattvaparikṣayāt; pānapānāṃ preṣyakarāḥ pānapās tv abhavan bhṛśam; tadāprabhṛti vai loke nīcaiḥ pānavaśair naraiḥ; kārayanti ca karmāṇi buddhimantas tv apānapāḥ; kārutvam atha dāsatvaṃ preṣyatām etya pānapāḥ; sarvakarmakarāś cāsan paśuvad rajjubandhitāḥ; pānapās tu madāndhatvāt tadā buddhipraṇāśanāt; kāryākāryasya cājñānād yatheṣṭakaraṇāt svayam; viduṣām avidheyatvāt pāpam evābhipadyate; paribhūto bhavel loke madyapo mitrabhedakaḥ; sarvakālam aśuddhaś ca sarvabhakṣas tathābhavat

„werden sie, immer wieder trinkend, durstig, Trinker: nach Trank verlangend, vom Trank redend, auf die Trinkzeit begierig. Um des Trinkens willen werden sie zu Dienern des Handelns, die niedrigsten Menschen. Durch Trinklust, durch Durst, durch Schwund an Verstand und Wesenskraft wurden die Trinker sehr zu Dienern der Nichttrinker. Seit damals lassen in der Welt die Verständigen, die nicht trinken, von niedrigen, dem Trank unterworfenen Menschen Arbeiten verrichten. Die Trinker wurden zu Handwerkern und Knechten, zu Dienern geworden; sie wurden zu allen Werk-Tuenden, wie Vieh am Strick gebunden. Die Trinker aber [gelangen] durch Trunkenblindheit, dann durch Verstandeszerstörung, durch Unkenntnis von Tun und Nichttun und durch selbstbestimmtes Handeln, weil sie den Wissenden nicht gehorsam sind, nur zur Sünde. Verachtet wird in der Welt der Trinker, der Freundschaft zerstört; zu jeder Zeit ist er unrein und ißt alles.

Wort für Wort
pītvā pītvā tṛṣāyuktāḥ pānapāḥ saṃbhavanti ca
immer wieder trinkend werden sie durstig, Trinker (Abs.; 3.Pl.)
pānakāmāḥ pānakathāḥ pānakālābhikāṅkṣiṇaḥ
trinklüstern, vom Trank redend, der Trinkzeit begehrend (Nom.Pl.)
pānārthaṃ karmavaśyās te saṃbhavanti narādhamāḥ
um des Trinkens willen werden diese, dem Handeln unterworfen, niedrigste Menschen (Nom.Pl.)
pānakāmās tṛṣāyogād buddhisattvaparikṣayāt
trinklüstern, durch Durst, durch Schwund von Verstand und Wesenskraft (Abl.)
pānapānāṃ preṣyakarāḥ pānapās tv abhavan bhṛśam
die Trinker wurden sehr zu Dienern der Nichttrinker (Gen.Pl.; Impf.)
tadāprabhṛti vai loke nīcaiḥ pānavaśair naraiḥ
seitdem in der Welt durch niedrige, trankunterworfene Menschen (Instr.Pl.)
kārayanti ca karmāṇi buddhimantas tv apānapāḥ
lassen die Verständigen, Nichttrinker, Arbeiten verrichten (Kaus.)
kārutvam atha dāsatvaṃ preṣyatām etya pānapāḥ
Handwerkertum, Sklaventum, Dienerschaft erlangend, die Trinker (Abs.)
sarvakarmakarāś cāsan paśuvad rajjubandhitāḥ
sie wurden zu Allarbeitern, wie Vieh am Strick gebunden (Impf.; Part.Pass.)
pānapās tu madāndhatvāt tadā buddhipraṇāśanāt
die Trinker aber wegen Rauschblindheit, dann wegen Verstandeszerstörung (Abl.)
kāryākāryasya cājñānād yatheṣṭakaraṇāt svayam
wegen Unkenntnis von Tun und Nichttun und eigenwilligen Handelns (Abl.)
viduṣām avidheyatvāt pāpam evābhipadyate
weil sie den Wissenden nicht gehorsam sind, geraten sie nur in Sünde (Abl.; 3.Sg.Med.)
paribhūto bhavel loke madyapo mitrabhedakaḥ
verachtet wird in der Welt der Branntweintrinker, Freundschaftszerstörer (Part.Pass.; Opt.)
sarvakālam aśuddhaś ca sarvabhakṣas tathābhavat
zu jeder Zeit unrein und alles essend war er (Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Wechsel zwischen Präsens und Vergangenheit (abhavan, āsan) und dem Singular am Ende folgt der Überlieferung; die Passage ist stellenweise knapp.

viśiṣṭair jñātibhir dveṣyaḥ satataṃ kalibhāvanaḥ; kaṭukaṃ paruṣaṃ ghoraṃ vākyaṃ vadati sarvataḥ; gurūn ativaden mattaḥ paradārān pradharṣayet; saṃvidaṃ kurute śauṇḍair na śṛṇoti hitaṃ kva cit; evaṃ bahuvidhā doṣāḥ pānape santi śobhane; kevalaṃ narakaṃ yānti nāsti tatra vicāraṇā; tasmāt tad varjitaṃ sadbhiḥ pānam ātmahitaiṣibhiḥ; yadi pānaṃ na varjeran santaś cāritrakāraṇāt; bhaved evaṃ jagat sarvaṃ nirmaryādaṃ ca niṣkriyam; tasmād buddher hi rakṣārthaṃ sadbhiḥ pānaṃ vivarjitam; iti te duṣkṛtaṃ sarvaṃ trividhaṃ kathitaṃ priye; maheśvaraḥ; vidhānaṃ sukṛtasyāpi bhūyaḥ śṛṇu śucismite; procyate tat tridhā devi sukṛta ca samāsataḥ; yad auparamikaṃ caiva sukṛtaṃ nirupadravam

„Von vornehmen Verwandten wird er gehaßt, stets ein Streitstifter. Bitteres, Rauhes, Furchtbares sagt er überall. Trunken beschimpft er Ältere, vergewaltigt fremde Frauen, schließt Abmachungen mit Trunkenbolden und hört nirgends auf das Heilsame. So gibt es vielfältige Fehler beim Trinker, Strahlende; er geht allein in die Hölle, darüber gibt es keine Erwägung. Darum wird der Trank von den Guten gemieden, die ihr eigenes Wohl suchen. Würden die Guten ihn nicht meiden, um des Wandels willen, so würde die ganze Welt ohne Schranken und untätig sein. Daher wird zum Schutz des Verstandes das Getränk von den Guten gemieden. So ist dir das Böse, das dreifache, ganz gesagt, Liebe.“ Maheśvara [sprach]: „Auch die Ordnung des Guten höre weiter, Reinlächelnde. Sie wird, Göttin, dreifach verkündet, [das Gute] kurz gefaßt; und das ‚Auparamika‘-Gute, das ungefährdet ist,

Wort für Wort
viśiṣṭair jñātibhir dveṣyaḥ satataṃ kalibhāvanaḥ
von vornehmen Verwandten gehaßt, stets Streit stiftend (Instr.Pl.; Gerundiv)
kaṭukaṃ paruṣaṃ ghoraṃ vākyaṃ vadati sarvataḥ
Bitteres, Rauhes, Furchtbares sagt er überall (3.Sg.)
gurūn ativaden mattaḥ paradārān pradharṣayet
trunken beschimpfe er Ältere, vergewaltige fremde Frauen (Opt.)
saṃvidaṃ kurute śauṇḍair na śṛṇoti hitaṃ kva cit
er schließt Abmachung mit Trunkenbolden, hört nirgends aufs Heilsame (3.Sg.)
evaṃ bahuvidhā doṣāḥ pānape santi śobhane
so gibt es vielfache Fehler beim Trinker, Strahlende (Lok.; Vok.f.)
kevalaṃ narakaṃ yānti nāsti tatra vicāraṇā
sie gehen allein in die Hölle; darüber gibt es keine Erwägung (3.Pl.)
tasmāt tad varjitaṃ sadbhiḥ pānam ātmahitaiṣibhiḥ
daher wird der Trank von den Guten, die das eigene Wohl suchen, gemieden (Part.Pass.; Instr.Pl.)
yadi pānaṃ na varjeran santaś cāritrakāraṇāt
wenn die Guten den Trank nicht mieden um des Wandels willen (Opt.)
bhaved evaṃ jagat sarvaṃ nirmaryādaṃ ca niṣkriyam
so wäre die ganze Welt ohne Schranken und untätig (Opt.)
tasmād buddher hi rakṣārthaṃ sadbhiḥ pānaṃ vivarjitam
daher wird zum Schutz des Verstandes der Trank von den Guten gemieden (Gen.; Part.Pass.)
iti te duṣkṛtaṃ sarvaṃ trividhaṃ kathitaṃ priye
so ist dir das Böse, dreifach, ganz gesagt, Liebe (Part.Pass.)
maheśvaraḥ vidhānaṃ sukṛtasyāpi bhūyaḥ śṛṇu śucismite
Maheśvara: auch die Ordnung des Guten höre weiter, Reinlächelnde (Imp.; Vok.f.)
procyate tat tridhā devi sukṛta ca samāsataḥ
sie wird dreifach verkündet, Göttin, das Gute in Kürze (Pass.)
yad auparamikaṃ caiva sukṛtaṃ nirupadravam
und das ‚Auparamika‘-Gute, das ungefährdet ist (Adj.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sukṛta ca in procyate tat tridhā devi sukṛta ca samāsataḥ ist wohl für sukṛtaṃ ca verschrieben; auparamika ist ,das Ablassen (von Bösem) betreffend‘ und wird in 264 erklärt.

tathaiva sopakaraṇaṃ tāvatā sukṛtaṃ viduḥ; nivṛttiḥ pāpakarmabhyas tad auparamikaṃ priye; manovākkāyajā doṣāḥ śṛṇu me varjanāc chubham; traividhyadoṣoparame yas tu doṣavyapekṣayā; sa tu prāpnoti sakalaṃ sarvaduṣkṛtavarjanāt; vratavad varjayed doṣān yugapat pṛthag eva vā; tathā dharmam avāpnoti doṣatyāgo hi duṣkaraḥ; doṣasākalyasaṃtyāgān munir bhavati mānavaḥ; saukaryaṃ paradharmasya kāryārambhād ṛte 'pi ca; ātmanā sthāpanāmātrāl labhyate sukṛtaṃ param; aho nṛśaṃsāḥ pacyante mānuṣāḥ svalpabuddhayaḥ; ye tādṛśaṃ na budhyante ātmādhīnaṃ ca nirvyayam; duṣkṛtatyāgamātreṇa padam ūrdhvaṃ hi labhyate; pāpabhīrutvamātreṇa doṣāṇāṃ parivarjanāt; suśobhanaṃ bhaved devi kim u dharmavyapekṣayā

„und das Gute mit Hilfsmitteln: so viel gilt als Gutes, wissen sie. Das Ablassen von sündigen Taten ist das Auparamika, Liebe. Höre von mir: Fehler, die aus Geist, Rede und Körper entstehen; durch ihr Meiden entsteht Gutes. Wer bei Aufhören der dreifachen Fehler im Hinblick auf die Fehler [nur meidet], erlangt das Ganze durch das Meiden aller Übel. Wie ein Gelübde soll man die Fehler meiden, zugleich oder einzeln; so erlangt man Dharma; das Aufgeben der Fehler ist schwer. Durch das Aufgeben aller Fehler wird der Mensch zum Weisen. Die Leichtigkeit des Dharma eines anderen, auch ohne Beginn eines Werkes, und schon durch bloßes Sich-Aufstellen [in diesem Zustand] wird das höchste Gute erlangt. Ach, grausam werden Menschen mit geringem Verstand gekocht, die solches nicht verstehen, das vom Selbst abhängt und nichts kostet. Schon durch bloßes Aufgeben des Bösen wird der obere Stand erlangt, durch bloße Sündenfurcht, durch Meiden der Fehler; sehr gut wäre es, Göttin – wie erst mit Blick auf den Dharma!

Wort für Wort
tathaiva sopakaraṇaṃ tāvatā sukṛtaṃ viduḥ
und ebenso das mit Hilfsmitteln versehene: so viel gilt als Gutes (Adj.; Perf.3.Pl.)
nivṛttiḥ pāpakarmabhyas tad auparamikaṃ priye
Ablassen von sündigen Taten ist das Auparamika, Liebe (Abl.Pl.)
manovākkāyajā doṣāḥ śṛṇu me varjanāc chubham
Fehler aus Geist, Rede, Körper; höre: durch Meiden Gutes (Nom.Pl.; Abl.)
traividhyadoṣoparame yas tu doṣavyapekṣayā
wer aber beim Aufhören der dreifachen Fehler, im Hinblick auf die Fehler (Lok.; Instr.)
sa tu prāpnoti sakalaṃ sarvaduṣkṛtavarjanāt
der erlangt das Ganze durch Meiden aller Übel (Abl.)
vratavad varjayed doṣān yugapat pṛthag eva vā
wie ein Gelübde meide man die Fehler, zugleich oder einzeln (Opt.)
tathā dharmam avāpnoti doṣatyāgo hi duṣkaraḥ
so erlangt man Dharma; Fehler-Aufgeben ist schwer (3.Sg.)
doṣasākalyasaṃtyāgān munir bhavati mānavaḥ
durch Aufgeben der Fehlergesamtheit wird der Mensch zum Weisen (Abl.)
saukaryaṃ paradharmasya kāryārambhād ṛte 'pi ca
die Leichtigkeit fremden Dharmas auch ohne Werkbeginn (Abl.)
ātmanā sthāpanāmātrāl labhyate sukṛtaṃ param
durch bloßes Sichaufstellen wird das höchste Gute erlangt (Instr.; Abl.)
aho nṛśaṃsāḥ pacyante mānuṣāḥ svalpabuddhayaḥ
ach, grausam werden Menschen mit geringem Verstand gekocht (Nom.Pl.)
ye tādṛśaṃ na budhyante ātmādhīnaṃ ca nirvyayam
die solches nicht verstehen, vom Selbst abhängig und kostenlos (3.Pl.Med.)
duṣkṛtatyāgamātreṇa padam ūrdhvaṃ hi labhyate
durch bloßes Aufgeben des Bösen wird der obere Stand erlangt (Instr.)
pāpabhīrutvamātreṇa doṣāṇāṃ parivarjanāt
durch bloße Sündenfurcht, Meiden der Fehler (Abl.)
suśobhanaṃ bhaved devi kim u dharmavyapekṣayā
sehr schön wäre es, Göttin; wie erst mit Rücksicht auf Dharma? (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Passus ist textlich schwierig (saukaryaṃ paradharmasya …; traividhyadoṣoparame …); die Wiedergabe ist vorsichtig und teils unsicher [?].

ity auparamikaṃ devi sukṛtaṃ kathitaṃ tava; śrutāc ca vṛddhasaṃyogād indriyāṇāṃ ca nigrahāt; saṃtoṣāc ca dhṛteś caiva śakyate doṣavarjanam; tad eva yama ity āhur doṣasaṃyamanaṃ priye; yamadharmeṇa dharmo 'sti nānyaḥ śubhataraḥ śubhe; yamadharmeṇa yatayaḥ prāpnuvanty uttamāṃ gatim; īśvarāṇāṃ prabhavatāṃ daridrāṇāṃ ca vai nṛṇām; saphalo doṣasaṃtyāgo dānād api śubhād api; tapo dānaṃ mahādevi doṣam alpaṃ vinirdahet; sukṛtaṃ yāmikaṃ proktaṃ pathyaṃ nirupasādhanam; sukhābhisaṃdhir lokānāṃ satyaṃ śaucam athārjavam; vratopavāsaḥ prītiś ca brahmacaryaṃ damaḥ śamaḥ; evamādi śubhaṃ karma sukṛtaṃ niyamāśritam; śṛṇu teṣāṃ viśeṣāṃś ca kīrtayiṣyāmi bhāmini

„So ist das Auparamika-Gute, Göttin, dir gesagt. Durch das Gehörte, durch Umgang mit Alten, durch Zügelung der Sinne, durch Zufriedenheit und Standhaftigkeit ist Fehlermeiden möglich. Dies Fehlerzügeln nennen sie ‚Yama‘, Liebe. Durch Yama-Dharma gibt es keinen anderen, besseren Dharma, Heilvolle. Durch Yama-Dharma erreichen die Asketen das höchste Ziel. Für Herrscher, Mächtige und für Arme ist das Fehleraufgeben fruchtbar, mehr als Gabe, mehr als Gutes. Askese und Gabe, große Göttin, verbrennen einen kleinen Fehler. Das ‚Yāmika‘-Gute ist als bekömmlich, ohne Hilfsmittel [gesagt]: der Wunsch nach Wohl der Welten, Wahrheit, Reinheit und Geradheit, Gelübde und Fasten, Zuneigung, Keuschheit, Selbstbezähmung, Ruhe: dies und ähnliches heilvolles Handeln, das an feste Regeln gebunden ist, ist das Gute. Höre von mir ihre Besonderheiten, Zornige; ich werde sie verkünden.

Wort für Wort
ity auparamikaṃ devi sukṛtaṃ kathitaṃ tava
so ist das Auparamika-Gute dir gesagt, Göttin (Part.Pass.)
śrutāc ca vṛddhasaṃyogād indriyāṇāṃ ca nigrahāt
durch Gehörtes, Umgang mit Alten, Zügelung der Sinne (Abl.)
saṃtoṣāc ca dhṛteś caiva śakyate doṣavarjanam
durch Zufriedenheit und Standhaftigkeit ist Fehlermeiden möglich (Abl.; Pass.)
tad eva yama ity āhur doṣasaṃyamanaṃ priye
dies nennen sie ‚Yama‘, Fehlerzügelung, Liebe (Perf.3.Pl.)
yamadharmeṇa dharmo 'sti nānyaḥ śubhataraḥ śubhe
neben Yama-Dharma gibt es keinen anderen besseren Dharma, Heilvolle (Instr.)
yamadharmeṇa yatayaḥ prāpnuvanty uttamāṃ gatim
durch Yama-Dharma erlangen die Asketen das höchste Ziel (Nom.Pl.)
īśvarāṇāṃ prabhavatāṃ daridrāṇāṃ ca vai nṛṇām
für Herrscher, Mächtige und für arme Menschen (Gen.Pl.)
saphalo doṣasaṃtyāgo dānād api śubhād api
das Fehleraufgeben ist fruchtbar, mehr als Gabe, mehr als Gutes (Abl.)
tapo dānaṃ mahādevi doṣam alpaṃ vinirdahet
Askese und Gabe, große Göttin, verbrennen einen kleinen Fehler (Opt.)
sukṛtaṃ yāmikaṃ proktaṃ pathyaṃ nirupasādhanam
das Yāmika-Gute ist gesagt: bekömmlich, ohne Hilfsmittel (Part.Pass.)
sukhābhisaṃdhir lokānāṃ satyaṃ śaucam athārjavam
Wunsch nach Wohl der Welten, Wahrheit, Reinheit, Geradheit (Nom.)
vratopavāsaḥ prītiś ca brahmacaryaṃ damaḥ śamaḥ
Gelübde und Fasten, Zuneigung, Keuschheit, Bezähmung, Ruhe (Nom.)
evamādi śubhaṃ karma sukṛtaṃ niyamāśritam
dies und ähnlich heilvolles Handeln ist das Gute, das an Regeln gebunden ist (Part.Pass.)
śṛṇu teṣāṃ viśeṣāṃś ca kīrtayiṣyāmi bhāmini
höre ihre Besonderheiten; ich werde sie verkünden, Zornige (Imp.; Fut.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sukhābhisaṃdhiḥ lokānām ist als ,Streben nach dem Wohl der Welten‘ wiedergegeben; unsicher [?].

satyaṃ svargasya sopānaṃ pārāvārasya naur iva; nāsti satyāt paraṃ dānaṃ nāsti satyāt paraṃ tapaḥ; yathā śrutaṃ yathā dṛṣṭam ātmanā yad yathā kṛtam; tathā tasyāvikāreṇa vacanaṃ satyalakṣaṇam; yac chalenābhisaṃyuktaṃ satyarūpaṃ mṛṣaiva tat; nityam eva pravaktavyaṃ pārāvaryaṃ vijānatā; dīrghāyuś ca bhavet satyāt kulasaṃtānapālakaḥ; lokasaṃsthitipālaś ca bhavet satyena mānavaḥ; umā; maheśvaraḥ; kathaṃ saṃdhārayan martyo vrataṃ śubham avāpnuyāt; pūrvam uktaṃ tu yat pāpaṃ manovākkāyakarmabhiḥ; vratavat tasya saṃtyāgas tad auparamikaṃ vratam; tena dharmam avāpnoti vratavat paripālayan; maṅgalaṃ śubhakarmāṇi vratenaiva samācaret; naro dharmam avāpnoti śubhasaṃjoṣaṇaṃ vratam

„Wahrheit ist die Treppe zum Himmel, wie ein Schiff zum jenseitigen Ufer. Es gibt keine höhere Gabe als Wahrheit, keine höhere Askese als Wahrheit. Wie es gehört, wie es gesehen, wie es vom Selbst getan wurde, so, unverändert, ist Reden das Merkmal der Wahrheit. Was mit Trug verbunden ist, ist eine Wahrheit der Gestalt, in Wirklichkeit Lüge. Stets sollte es der sagen, der Höheres und Niederes kennt. Durch Wahrheit wird man langlebig, Bewahrer der Geschlechterfolge und Wahrer der Weltordnung wird der Mensch.“ Umā [sprach]: „Wie kann ein Sterblicher, indem er ein Gelübde hält, Gutes erlangen?“ Maheśvara [sprach]: „Die früher genannte Sünde, durch Geist, Rede, Körperhandeln: ihr Aufgeben wie ein Gelübde ist das Auparamika-Gelübde. Dadurch erlangt man Dharma, wenn man wie ein Gelübde [darauf] achtet. Heil, heilvolle Taten soll man durch Gelübde vollziehen; der Mensch erlangt Dharma; das Gelübde ist das Pflegen von Gutem.

Wort für Wort
satyaṃ svargasya sopānaṃ pārāvārasya naur iva
Wahrheit ist die Treppe zum Himmel, wie das Schiff zum anderen Ufer (Gen.; Nom.)
nāsti satyāt paraṃ dānaṃ nāsti satyāt paraṃ tapaḥ
keine Gabe ist höher als Wahrheit, keine Askese höher als Wahrheit (Abl.)
yathā śrutaṃ yathā dṛṣṭam ātmanā yad yathā kṛtam
wie gehört, wie gesehen, wie durch das Selbst getan (Part.Pass.; Instr.)
tathā tasyāvikāreṇa vacanaṃ satyalakṣaṇam
so, unverändert, das Sprechen ist das Merkmal der Wahrheit (Instr.)
yac chalenābhisaṃyuktaṃ satyarūpaṃ mṛṣaiva tat
was mit Trug verbunden ist, ist bloß wahrheitsförmig, in Wahrheit Lüge (Instr.)
nityam eva pravaktavyaṃ pārāvaryaṃ vijānatā
stets ist es zu sagen vom Kenner des Höheren und Niederen (Gerundiv; Instr.)
dīrghāyuś ca bhavet satyāt kulasaṃtānapālakaḥ
langlebig wird man durch Wahrheit, Wahrer der Geschlechterfolge (Abl.)
lokasaṃsthitipālaś ca bhavet satyena mānavaḥ
und Wahrer der Weltordnung wird der Mensch durch Wahrheit (Instr.)
umā maheśvaraḥ kathaṃ saṃdhārayan martyo vrataṃ śubham avāpnuyāt
wie könnte ein Sterblicher, ein Gelübde haltend, Gutes erlangen? (Part.Präs.; Opt.)
pūrvam uktaṃ tu yat pāpaṃ manovākkāyakarmabhiḥ
die früher genannte Sünde durch Geist-, Rede-, Körperhandeln (Instr.Pl.)
vratavat tasya saṃtyāgas tad auparamikaṃ vratam
wie ein Gelübde ihr Aufgeben ist das Auparamika-Gelübde (Nom.)
tena dharmam avāpnoti vratavat paripālayan
dadurch erlangt man Dharma, wie ein Gelübde beachtend (Part.Präs.)
maṅgalaṃ śubhakarmāṇi vratenaiva samācaret
Heil und heilvolle Taten soll man durch Gelübde vollziehen (Opt.)
naro dharmam avāpnoti śubhasaṃjoṣaṇaṃ vratam
der Mensch erlangt Dharma; Gelübde ist Pflege des Guten (Nom.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben umā; maheśvaraḥ stehen hier nebeneinander: kathaṃ saṃdhārayan … ist Umās Frage.

yad yad ātmapriyaṃ nityaṃ manovākkāyakarmabhiḥ; vratavat tasya saṃtyāgas tapovratam iti sthitam; tyājyaṃ vā yadi vā joṣyam avratena vṛthā caran; tathā phalaṃ na labhate tasmād dharmaṃ vratāc caret; śuddhakāyo naro bhūtvā snātvā tīrthe yathāvidhi; pañca bhūtāni candrārkau saṃdhye dharmaṃ yamaṃ pitṝn; ātmanaivaṃ tathātmānaṃ nivedya vratavac caret; vratamā maraṇād vāpi kālacchedena vā caret; śākādiṣu vrataṃ kuryāt tathā puṣpaphalādiṣu; brahmacaryaṃ vrataṃ kuryād upavāsaṃ tathā vratam; evam anyeṣu bahuṣu vrataṃ kāryaṃ hitaiṣiṇā; vratabhaṅgo yathā na syād rakṣitavyaṃ tathā budhaiḥ; vratabhaṅgo mahat pāpam iti viddhi śubhekṣaṇe; auṣadhārthaṃ yad ajñānād gurūṇāṃ vacanād api

„Was einem stets lieb ist, durch Geist, Rede und Körperhandeln: dessen Aufgeben wie ein Gelübde ist als Askese-Gelübde festgelegt. Man mag verzichten oder genießen, doch wer ohne Gelübde vergeblich lebt, erlangt so keine Frucht; darum soll man den Dharma durch Gelübde üben. Nachdem der Mensch am Körper rein geworden ist und an einer heiligen Furt ordnungsgemäß gebadet hat, [soll er], den fünf Elementen, Mond und Sonne, der Dämmerung, dem Dharma, Yama und den Ahnen sich selbst durch sich selbst hingebend, das Gelübde einhalten. Das Gelübde bis zum Tode oder für eine Zeitspanne soll er einhalten: bei Gemüse und dergleichen ein Gelübde halten, ebenso bei Blumen und Früchten; Keuschheit als Gelübde üben, ebenso Fasten als Gelübde. So ist auch in vielen anderen Dingen das Gelübde vom Wohlsuchenden zu üben. Daß der Gelübdebruch nicht geschehe, muß von den Weisen bewahrt werden. Gelübdebruch ist große Sünde, wisse, Schönäugige. Wegen Arznei, aus Unwissenheit oder auf Wort von Ältesten,

Wort für Wort
yad yad ātmapriyaṃ nityaṃ manovākkāyakarmabhiḥ
was immer stets dem Selbst lieb ist, durch Geist, Rede, Körperhandeln (Instr.Pl.)
vratavat tasya saṃtyāgas tapovratam iti sthitam
wie ein Gelübde dessen Aufgeben ist als Askese-Gelübde festgelegt (Part.Pass.)
tyājyaṃ vā yadi vā joṣyam avratena vṛthā caran
ob zu verlassen oder zu genießen: wer ohne Gelübde vergeblich wandelt (Gerundiv; Part.Präs.)
tathā phalaṃ na labhate tasmād dharmaṃ vratāc caret
so erlangt er keine Frucht; darum übe man Dharma durch Gelübde (Abl.; Opt.)
śuddhakāyo naro bhūtvā snātvā tīrthe yathāvidhi
am Körper rein geworden, an einer Furt ordnungsgemäß gebadet (Abs.)
pañca bhūtāni candrārkau saṃdhye dharmaṃ yamaṃ pitṝn
die fünf Elemente, Mond und Sonne, beide Dämmerungen, Dharma, Yama, die Ahnen (Akk.)
ātmanaivaṃ tathātmānaṃ nivedya vratavac caret
durch sich selbst so sich selbst darbringend, halte er das Gelübde (Abs.; Opt.)
vratamā maraṇād vāpi kālacchedena vā caret
bis zum Tode oder für eine Zeitspanne halte er es (Opt.)
śākādiṣu vrataṃ kuryāt tathā puṣpaphalādiṣu
bei Gemüse usw. übe er Gelübde, ebenso bei Blumen und Früchten (Opt.)
brahmacaryaṃ vrataṃ kuryād upavāsaṃ tathā vratam
Keuschheit als Gelübde und Fasten als Gelübde halte er (Opt.)
evam anyeṣu bahuṣu vrataṃ kāryaṃ hitaiṣiṇā
so auch in vielem anderen ist das Gelübde vom Wohlsuchenden zu üben (Gerundiv)
vratabhaṅgo yathā na syād rakṣitavyaṃ tathā budhaiḥ
daß es zum Gelübdebruch nicht komme, ist von den Weisen zu bewahren (Opt.; Gerundiv)
vratabhaṅgo mahat pāpam iti viddhi śubhekṣaṇe
Gelübdebruch ist große Sünde, wisse, Schönäugige (Imp.)
auṣadhārthaṃ yad ajñānād gurūṇāṃ vacanād api
wegen Arznei, aus Unwissenheit, auch auf Wort der Älteren (Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). vratamā maraṇāt ist wohl vrataṃ ā maraṇāt (Sandhi): ,ein Gelübde bis zum Tode‘.

anugrahārthaṃ bandhūnāṃ vratabhaṅgo na duṣyate; vratāpavargakāleṣu devabrāhmaṇapūjanam; umā; nareṇa tu yathāśakti kāryaṃ siddhiṃ tathāpnuyāt; maheśvaraḥ; kathaṃ śaucavidhis tatra tan me śaṃsitum arhasi; bāhyam ābhyantaraṃ ceti dvividhaṃ śaucam iṣyate; mānasaṃ sukṛtaṃ yat tac chaucam ābhyantaraṃ smṛtam; sadāhāraviśuddhiś ca kāyaprakṣālanaṃ ca yat; bāhyaṃ śaucaṃ bhaved etat tathaivācamanādi ca; mṛc caiva śuddhadeśasthā gośakṛnmūtram eva ca; dravyāṇi gandhayuktāni yāni puṣṭikarāṇi ca; etaiḥ saṃmārjayet kāyam ambhasā ca punaḥ punaḥ; akṣobhyaṃ yat prakīrṇaṃ ca nityasrotaś ca yaj jalam; prāyaśas tādṛśe majjed anyathā cāpi varjayet; trir ācamanakaṃ śreṣṭhaṃ niṣphenair nirmalair jalaiḥ

„oder aus Gnade gegenüber Verwandten [begangen], wird der Gelübdebruch nicht als Fehler angerechnet. Zu den Zeiten der Gelübdeabschlüsse sind Götter und Brahmanen zu ehren.“ Umā [sprach]: „Der Mensch soll es nach Kräften tun, so erlangt er Erfolg.“ Maheśvara [sprach]: „Wie ist die Regel der Reinheit dabei? Das mußt du mir sagen.“ [Śiva:] „Zweifach gilt die Reinheit: äußere und innere. Das Gute, das im Geist besteht, gilt als innere Reinheit. Und die Reinheit der guten Nahrung sowie das Waschen des Körpers ist äußere Reinheit, ebenso das Mundspülen und dergleichen. Erde aus reinem Ort, Kuhmist und Kuhurin, wohlriechende und nährende Stoffe: mit diesen soll man den Körper reinigen und wiederholt mit Wasser. Wasser, das unaufgewühlt, verstreut und ständig fließend ist – in solchem soll man meist baden; sonst meide man es. Das dreimalige Mundspülen mit schaumlosem, sauberem Wasser ist das beste.

Wort für Wort
anugrahārthaṃ bandhūnāṃ vratabhaṅgo na duṣyate
zur Gnade an Verwandten wird der Gelübdebruch nicht als Fehler angesehen (Gen.Pl.; Pass.)
vratāpavargakāleṣu devabrāhmaṇapūjanam
zu den Zeiten des Gelübdeabschlusses ist Götter- und Brahmanenverehrung [zu leisten] (Lok.Pl.)
umā nareṇa tu yathāśakti kāryaṃ siddhiṃ tathāpnuyāt
nach Kräften ist es vom Menschen zu tun; so erlangt er Erfolg (Gerundiv; Opt.)
maheśvaraḥ kathaṃ śaucavidhis tatra tan me śaṃsitum arhasi
wie ist dabei die Reinheitsregel? Das mußt du mir sagen (Inf.)
bāhyam ābhyantaraṃ ceti dvividhaṃ śaucam iṣyate
äußere und innere: zweifach gilt die Reinheit (Pass.)
mānasaṃ sukṛtaṃ yat tac chaucam ābhyantaraṃ smṛtam
das geistige Gute gilt als innere Reinheit (Part.Pass.)
sadāhāraviśuddhiś ca kāyaprakṣālanaṃ ca yat
die Reinheit guter Nahrung und das Waschen des Körpers (Nom.)
bāhyaṃ śaucaṃ bhaved etat tathaivācamanādi ca
dies ist äußere Reinheit, ebenso Mundspülen und dergleichen (Opt.)
mṛc caiva śuddhadeśasthā gośakṛnmūtram eva ca
Erde von reinem Ort, Kuhmist und Kuhurin (Nom.)
dravyāṇi gandhayuktāni yāni puṣṭikarāṇi ca
wohlriechende und nährende Stoffe (Nom.Pl.)
etaiḥ saṃmārjayet kāyam ambhasā ca punaḥ punaḥ
mit diesen soll er den Körper reinigen und mit Wasser wiederholt (Opt.)
akṣobhyaṃ yat prakīrṇaṃ ca nityasrotaś ca yaj jalam
Wasser, das unaufgewühlt, ausgebreitet und stets fließend ist (Nom.n.)
prāyaśas tādṛśe majjed anyathā cāpi varjayet
meist bade man in solchem, sonst meide man es (Opt.)
trir ācamanakaṃ śreṣṭhaṃ niṣphenair nirmalair jalaiḥ
dreimaliges Mundspülen mit schaumlosem, reinem Wasser ist das beste (Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verschoben: kathaṃ śaucavidhis … ist Umās Frage. akṣobhyaṃ prakīrṇaṃ ist nicht ganz sicher [?].

tathā viṇmūtrayoḥ śuddhir adbhir bahumṛdā bhavet; tadaiva jalasaṃśuddhir yat saṃśuddhaṃ tu saṃspṛśet; śakṛtā bhūmiśuddhiḥ syāl lohānāṃ bhasmanā smṛtā; takṣaṇaṃ gharṣaṇaṃ caiva dāravāṇāṃ viśodhanam; dahanaṃ mṛnmayānāṃ ca martyānāṃ kṛcchradhāraṇam; śeṣāṇāṃ devi sarveṣām ātapena jalena ca; brāhmaṇānāṃ ca vākyena sadā saṃśodhanaṃ bhavet; aduṣṭam adbhir nirṇiktaṃ yac ca vācā praśasyate; evam āpadi saṃśuddhir evaṃ śaucaṃ vidhīyate; umā; maheśvaraḥ; āhāraśuddhis tu kathaṃ tan me vada mahāprabho; amāṃsamadyam akledyam aparyuṣitam eva ca; atikaṭvamlalavaṇair hīnaṃ ca śubhagandhi ca; kṛmikīṭamalair hīnaṃ saṃbhṛtaṃ śuddhabhājane; evaṃvidhaṃ sadāhāraṃ devabrāhmaṇasatkṛtam

„Ebenso wird die Reinheit von Kot und Urin durch Wasser und viel Erde erreicht; sofort ist das Wasser rein, wenn es das Gereinigte berührt. Durch Mist wird der Boden rein; bei Metallen gilt Asche als Mittel; Hobeln und Reiben, das ist die Reinigung von Holzdingen; Verbrennen bei Tongefäßen; bei Menschen [durch] strenge Zucht; bei allen übrigen [Dingen], Göttin, durch Sonnenhitze und Wasser; und durch das Wort von Brahmanen soll stets Reinigung geschehen. Was unverdorben, mit Wasser gewaschen, und was durch Wort gerühmt wird: so erfolgt in Notfällen Reinigung, so wird die Reinheit geregelt.“ Umā [sprach]: „Wie aber die Reinheit der Nahrung?“ Maheśvara [sprach]: „Das sage mir, großer Herr.“ [Śiva:] „Ohne Fleisch und Branntwein, nicht angefeuchtet, nicht altbacken, ohne allzu Scharfes, Saures, Salziges, wohlriechend, frei von Würmern, Insekten und Schmutz, in reinem Gefäß aufbewahrt, von Göttern und Brahmanen geehrt: eine solche gute Nahrung

Wort für Wort
tathā viṇmūtrayoḥ śuddhir adbhir bahumṛdā bhavet
ebenso wird die Reinheit von Kot und Urin durch Wasser und viel Erde [erreicht] (Instr.Pl.; Opt.)
tadaiva jalasaṃśuddhir yat saṃśuddhaṃ tu saṃspṛśet
sofort ist das Wasser rein, wenn es Gereinigtes berührt (Opt.)
śakṛtā bhūmiśuddhiḥ syāl lohānāṃ bhasmanā smṛtā
durch Mist wird der Boden rein; bei Metallen gilt Asche (Instr.; Gen.Pl.)
takṣaṇaṃ gharṣaṇaṃ caiva dāravāṇāṃ viśodhanam
Hobeln und Reiben ist die Reinigung von Holzdingen (Gen.Pl.)
dahanaṃ mṛnmayānāṃ ca martyānāṃ kṛcchradhāraṇam
Verbrennen bei Tongefäßen, bei Menschen strenge Zucht (Gen.Pl.)
śeṣāṇāṃ devi sarveṣām ātapena jalena ca
bei allen übrigen, Göttin, durch Sonnenhitze und Wasser (Instr.)
brāhmaṇānāṃ ca vākyena sadā saṃśodhanaṃ bhavet
und durch das Wort der Brahmanen geschehe stets Reinigung (Opt.)
aduṣṭam adbhir nirṇiktaṃ yac ca vācā praśasyate
was unverdorben, mit Wasser gewaschen und mit Worten gepriesen wird (Part.Pass.)
evam āpadi saṃśuddhir evaṃ śaucaṃ vidhīyate
so in Notlage Reinigung, so wird die Reinheit geregelt (Lok.; Pass.)
umā maheśvaraḥ āhāraśuddhis tu kathaṃ tan me vada mahāprabho
wie aber die Nahrungsreinheit? Das sage mir, großer Herr (Vok.)
amāṃsamadyam akledyam aparyuṣitam eva ca
ohne Fleisch und Branntwein, nicht feucht, nicht altbacken (Adj.)
atikaṭvamlalavaṇair hīnaṃ ca śubhagandhi ca
ohne übermäßig Scharfes, Saures, Salziges, wohlriechend (Instr.Pl.)
kṛmikīṭamalair hīnaṃ saṃbhṛtaṃ śuddhabhājane
frei von Würmern, Insekten, Schmutz, in reinem Gefäß aufbewahrt (Part.Pass.)
evaṃvidhaṃ sadāhāraṃ devabrāhmaṇasatkṛtam
solche gute Nahrung, von Göttern und Brahmanen geehrt (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). akledyam ist als ,nicht angefeuchtet/verdorben‘ gefaßt; unsicher [?]. Der Satz evaṃvidhaṃ … setzt sich in 270 fort.

śuddham ity eva vijñeyam anyathā tv aśubhaṃ bhavet; grāmyād āraṇyakaiḥ siddhaṃ śuddham ity avadhāraya; atimātragṛhītāt tu alpadattaṃ bhavec chuci; yajñaśeṣaṃ haviḥśeṣaṃ pitṛśeṣaṃ ca nirmalam; umā; iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhakṣayanty apare māṃsaṃ varjayanty apare bhuvi; maheśvaraḥ; tan me vada mahādeva bhakṣyābhakṣyasya kāraṇam; māṃsasya bhakṣaṇe doṣo yaś cāsyābhakṣaṇe guṇaḥ; tad ahaṃ kīrtayiṣyāmi tan nibodha yathātatham; iṣṭaṃ dattam adhītaṃ ca kratavaś ca sadakṣiṇāḥ; amāṃsabhakṣaṇasyaite kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm; ātmārthaṃ yaḥ paraprāṇān hiṃsyāt svāduphalepsayā; vyālagṛdhrasṛgālaiś ca rākṣasaiś ca samas tu saḥ; yo vṛthānityamāṃsāśī sa pumān adhamo bhavet

„ist als rein zu erkennen; anders wäre sie unheilvoll. Was von Dorfprodukten mit Waldprodukten zubereitet ist, das halte für rein. Was im Übermaß entgegengenommen wurde, wird durch nur wenig Gegebenes rein. Opferrest, Havis-Rest und Ahnen-Rest sind makellos.“ Umā [sprach]: „So ist dir, Göttin, gesagt; was willst du noch hören? Die einen essen Fleisch, andere meiden es auf Erden.“ Maheśvara [sprach]: „Das sage mir, Mahādeva: den Grund von Eßbarem und Nichteßbarem; den Fehler beim Fleischessen und den Vorzug im Nichtessen.“ [Śiva:] „Ich werde es dir verkünden; wisse es der Wahrheit gemäß: Opfer, Gaben, Studium und Riten mit Opferlohn kommen an den sechzehnten Teil des Fleischverzichts nicht heran. Wer um seiner selbst willen fremdes Leben tötet aus Gier nach Geschmack, ist gleich den Raubtieren, Geiern, Schakalen und Rākṣasas. Wer vergeblich stets Fleisch ißt, wird ein niedrigster Mensch.

Wort für Wort
śuddham ity eva vijñeyam anyathā tv aśubhaṃ bhavet
als rein ist es zu erkennen; anders wäre es unheilvoll (Gerundiv; Opt.)
grāmyād āraṇyakaiḥ siddhaṃ śuddham ity avadhāraya
was von Dorfprodukten mit Waldprodukten zubereitet, halte für rein (Abl.; Instr.Pl.)
atimātragṛhītāt tu alpadattaṃ bhavec chuci
vom im Übermaß Genommenen wird durch wenig Gegebenes rein (Abl.; Opt.)
yajñaśeṣaṃ haviḥśeṣaṃ pitṛśeṣaṃ ca nirmalam
Opferrest, Havis-Rest, Ahnen-Rest sind makellos (Nom.)
umā iti te kathitaṃ devi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
so ist dir gesagt, Göttin; was willst du noch hören? (Inf.)
bhakṣayanty apare māṃsaṃ varjayanty apare bhuvi
die einen essen Fleisch, andere meiden es auf Erden (3.Pl.)
maheśvaraḥ tan me vada mahādeva bhakṣyābhakṣyasya kāraṇam
das sage mir, Mahādeva: den Grund von Eßbarem und Nichteßbarem (Gen.)
māṃsasya bhakṣaṇe doṣo yaś cāsyābhakṣaṇe guṇaḥ
den Fehler beim Fleischessen und den Vorzug im Nichtessen (Lok.)
tad ahaṃ kīrtayiṣyāmi tan nibodha yathātatham
ich werde es dir verkünden; wisse es der Wahrheit gemäß (Fut.; Imp.)
iṣṭaṃ dattam adhītaṃ ca kratavaś ca sadakṣiṇāḥ
Opfer, Gaben, Studium und Riten samt Lohn (Part.Pass.; Nom.Pl.)
amāṃsabhakṣaṇasyaite kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm
diese reichen an den sechzehnten Teil des Fleischverzichts nicht heran (3.Pl.)
ātmārthaṃ yaḥ paraprāṇān hiṃsyāt svāduphalepsayā
wer um seiner selbst willen fremdes Leben tötet, aus Geschmacksgier (Opt.; Instr.)
vyālagṛdhrasṛgālaiś ca rākṣasaiś ca samas tu saḥ
der gleicht Raubtieren, Geiern, Schakalen und Rākṣasas (Instr.Pl.)
yo vṛthānityamāṃsāśī sa pumān adhamo bhavet
wer vergeblich stets Fleisch ißt, wird ein niedrigster Mann (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). amāṃsabhakṣaṇasya kalāṃ ṣoḍaśīm: klassischer Vergleich mit dem 16. Teil; Sprecher wieder vertauscht (bhakṣayanty apare … ist Umās Frage).

tataḥ kaṣṭataraṃ nāsti svayam āhṛtya bhakṣaṇāt; svamāṃsaṃ paramāṃsena yo vardhayitum icchati; udvignavāsaṃ labhate yatra yatropajāyate; saṃchedanaṃ svamāṃsasya yathā saṃjanayed rujam; tathaiva paramāṃse 'pi veditavyaṃ vijānatā; yas tu sarvāṇi māṃsāni yāvajjīvaṃ na bhakṣayet; sa svarge vipulaṃ sthānaṃ labhate nātra saṃśayaḥ; yas tu varṣaśataṃ pūrṇaṃ tapyate paramaṃ tapaḥ; yaś cāpi varjayen māṃsaṃ samam etan na vā samam; na hi prāṇaiḥ priyatamaṃ loke kiṃ cana vidyate; tasmāt prāṇidayā kāryā yathātmani tathā pare; sarve yajñā na tat kuryuḥ sarve vedāś ca bhāmini; yan māṃsarasam āsvādya punar māṃsāni varjayet; dharmyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ svastyayanaṃ mahat

„Nichts ist schlimmer, als selbst herbeizuholen und zu essen. Wer sein eigenes Fleisch durch fremdes Fleisch mehren will, findet, wo er auch geboren wird, ein angstvolles Leben. Wie das Zerschneiden des eigenen Fleisches Schmerz erzeugt, so ist es auch beim fremden Fleisch zu verstehen, vom Wissenden. Wer aber zeitlebens kein Fleisch irgendwelcher Art ißt, erlangt im Himmel einen weiten Platz; darüber ist kein Zweifel. Wer ein volles Jahrhundert höchste Askese übt und wer Fleisch meidet, ist dem gleich oder nicht gleich. Denn nichts ist auf der Welt dem Leben teurer; darum soll Mitgefühl mit den Lebewesen geübt werden: wie mit sich selbst, so mit anderen. Alle Opfer täten das nicht, alle Veden nicht, Zornige: wer, nachdem er den Saft des Fleisches gekostet hat, wieder Fleisch meidet – [das ist] dharmagemäß, rühmlich, lebensverlängernd, himmlisch, ein großer Segen.

Wort für Wort
tataḥ kaṣṭataraṃ nāsti svayam āhṛtya bhakṣaṇāt
nichts ist schlimmer, als selbst herbeizuholen und zu essen (Abl.; Abs.)
svamāṃsaṃ paramāṃsena yo vardhayitum icchati
wer sein eigenes Fleisch durch fremdes Fleisch mehren will (Instr.; Inf.)
udvignavāsaṃ labhate yatra yatropajāyate
erlangt ein angstvolles Leben, wo immer er geboren wird (Pass.)
saṃchedanaṃ svamāṃsasya yathā saṃjanayed rujam
wie Zerschneiden des eigenen Fleisches Schmerz erzeugt (Opt.Kaus.)
tathaiva paramāṃse 'pi veditavyaṃ vijānatā
so ist es auch beim fremden Fleisch zu verstehen, vom Wissenden (Gerundiv)
yas tu sarvāṇi māṃsāni yāvajjīvaṃ na bhakṣayet
wer aber zeitlebens keinerlei Fleisch ißt (Opt.)
sa svarge vipulaṃ sthānaṃ labhate nātra saṃśayaḥ
der erlangt im Himmel weiten Platz; kein Zweifel (3.Sg.Med.)
yas tu varṣaśataṃ pūrṇaṃ tapyate paramaṃ tapaḥ
wer ein volles Jahrhundert höchste Askese übt (3.Sg.Pass.)
yaś cāpi varjayen māṃsaṃ samam etan na vā samam
und wer Fleisch meidet: das ist gleich oder nicht gleich (Opt.)
na hi prāṇaiḥ priyatamaṃ loke kiṃ cana vidyate
nichts ist auf der Welt lieber als das Leben (Instr.)
tasmāt prāṇidayā kāryā yathātmani tathā pare
darum ist Mitgefühl mit Lebewesen zu üben: wie im eigenen, so im anderen (Gerundiv)
sarve yajñā na tat kuryuḥ sarve vedāś ca bhāmini
alle Opfer täten das nicht, alle Veden nicht, Zornige (Opt.)
yan māṃsarasam āsvādya punar māṃsāni varjayet
wer, den Saft des Fleisches gekostet, wieder Fleisch meidet (Abs.; Opt.)
dharmyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ svastyayanaṃ mahat
dharmagemäß, rühmlich, lebensverlängernd, himmlisch, großer Segen (Adj.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz sarve yajñā na tat kuryuḥ … yan māṃsarasam āsvādya ist elliptisch; die Verbindung ist vorsichtig wiedergegeben [?].

ity evaṃ munayaḥ prāhur māṃsasyābhakṣaṇe guṇān; evaṃ bahuguṇaṃ devi nṛṇāṃ māṃsavivarjanam; na śaknuyād yadā jīvaṃs tyaktuṃ māṃsaṃ kathaṃ cana; tripuṇyamāsamātraṃ vā varjanīyaṃ viśeṣataḥ; na śaknuyād api tathā kaumudīmāsam eva ca; janmanakṣatratithiṣu sadā parvasu rātriṣu; varjanīyaṃ tathā māṃsaṃ paratra hitam icchatā; aśaktaḥ kāraṇān martyo bhoktum icched vidhiṃ śṛṇu; anena vidhinā khādan kalmaṣeṇa na lipyate; sūnāyāṃ ca gataprāṇaṃ krītvā nyāyena bhāmini; brāhmaṇātithipūjārthaṃ bhoktavyaṃ hitam icchatā; bhaiṣajyakāraṇād vyādhau khādan pāpair na lipyate; pitṛśeṣaṃ tathaivāśnan māṃsaṃ nāśubham ṛcchati; umā; maheśvaraḥ; gurupūjā kathaṃ deva kriyate dharmakāṅkṣibhiḥ

„So verkünden die Weisen die Vorzüge des Fleischverzichts. So bringt Fleischmeiden Menschen viele Vorzüge, Göttin. Wenn einer Fleisch auf keine Weise ganz aufgeben kann, so soll er besonders in den drei Verdienstmonaten [es] meiden; kann er auch das nicht, dann wenigstens im Kaumudī-Monat; an Geburtssternen und -tagen, an Parvan-Tagen und -Nächten soll man Fleisch meiden, wenn man Wohl im Jenseits wünscht. Wenn einer aus einem Grund nicht enthaltsam sein kann und essen möchte, höre die Regel: Wer nach dieser Regel ißt, wird von Schuld nicht befleckt. [Fleisch] eines Tieres, das im Schlachthaus getötet, von der Sünde nach Gebühr gekauft ist, soll, Zornige, zur Verehrung von Brahmanen und Gästen gegessen werden von dem, der Wohl wünscht. Wer aus Heilgründen bei Krankheit ißt, wird von Sünden nicht befleckt; wer ebenso Ahnenrest ißt, erlangt nichts Unheilvolles.“ Umā [sprach]: „Wie wird die Verehrung der Älteren von denen vollzogen, die Dharma erstreben, Gott?“

Wort für Wort
ity evaṃ munayaḥ prāhur māṃsasyābhakṣaṇe guṇān
so verkünden die Weisen die Vorzüge des Fleischverzichts (Perf.3.Pl.; Akk.Pl.)
evaṃ bahuguṇaṃ devi nṛṇāṃ māṃsavivarjanam
so ist Fleischmeiden für Menschen sehr vorzüglich, Göttin (Nom.n.)
na śaknuyād yadā jīvaṃs tyaktuṃ māṃsaṃ kathaṃ cana
wenn einer lebend Fleisch auf keine Weise aufgeben kann (Opt.; Inf.)
tripuṇyamāsamātraṃ vā varjanīyaṃ viśeṣataḥ
so ist es doch besonders in den Verdienstmonaten zu meiden (Gerundiv)
na śaknuyād api tathā kaumudīmāsam eva ca
kann er auch das nicht, dann im Kaumudī-Monat (Opt.)
janmanakṣatratithiṣu sadā parvasu rātriṣu
an Geburtssternen und -tagen, an Parvan und Nächten stets (Lok.Pl.)
varjanīyaṃ tathā māṃsaṃ paratra hitam icchatā
ist Fleisch zu meiden von dem, der Wohl im Jenseits wünscht (Gerundiv; Part.Instr.)
aśaktaḥ kāraṇān martyo bhoktum icched vidhiṃ śṛṇu
wer aus einem Grund nicht enthaltsam sein kann und essen will, höre die Regel (Abl.; Inf.)
anena vidhinā khādan kalmaṣeṇa na lipyate
nach dieser Regel essend, wird er von Schuld nicht befleckt (Part.Präs.)
sūnāyāṃ ca gataprāṇaṃ krītvā nyāyena bhāmini
das im Schlachthaus Getötete, nach Recht gekauft, Zornige (Lok.; Abs.)
brāhmaṇātithipūjārthaṃ bhoktavyaṃ hitam icchatā
zur Verehrung von Brahmanen und Gästen ist es zu essen von dem, der Wohl wünscht (Gerundiv)
bhaiṣajyakāraṇād vyādhau khādan pāpair na lipyate
aus Heilgründen bei Krankheit essend, wird er von Sünden nicht befleckt (Abl.; Lok.)
pitṛśeṣaṃ tathaivāśnan māṃsaṃ nāśubham ṛcchati
ebenso Ahnenrest-Fleisch essend, gerät er nicht ins Unheilvolle (Part.Präs.)
umā gurupūjā kathaṃ deva kriyate dharmakāṅkṣibhiḥ
wie wird Verehrung der Älteren von den Dharma-Strebenden vollzogen, Gott? (Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). tripuṇyamāsa ist unsicher (die ,drei Verdienstmonate‘ meist Kārttika, Māgha, Caitra o. ä.) [?]; die Sprecherangabe am Schluss ist verkürzt (umā; maheśvaraḥ), die Frage gehört Umā.

gurupūjāṃ pravakṣyāmi yathāvat tava śobhane; kṛtajñānāṃ paro dharma iti vedānuśāsanam; tasmāt svaguravaḥ pūjyās te hi pūrvopakāriṇaḥ; gurūṇāṃ ca garīyāṃsas trayo lokeṣu pūjitāḥ; upādhyāyaḥ pitā mātā saṃpūjyās te viśeṣataḥ; ye pitṛbhrātaro jyeṣṭhā ye ca tasyānujās tathā; pituḥ pitā ca sarve te pūjanīyā yathā pitā; mātur yā bhaginī jyeṣṭhā mātur yā ca yavīyasī; mātāmahī ca dhātrī ca sarvās tā mātaraḥ smṛtāḥ; upādhyāyasya yaḥ putro yaś ca tasya bhaved guruḥ; ṛtvig guruḥ pitā ceti guravaḥ parikīrtitāḥ; jyeṣṭho bhrātā narendraś ca mātulaḥ śvaśuras tathā; bhayatrātā ca bhartā ca guravas te prakīrtitāḥ; ity eṣa kathitaḥ svargyo gurūṇāṃ sarvasaṃgrahaḥ

Die Verehrung der Lehrer will ich dir der Ordnung gemäß darlegen, Schöne. „Höchste Pflicht der Dankbaren [ist dies]“ – so lautet die Weisung des Veda. Darum sind die eigenen Lehrer zu ehren, denn sie sind die früheren Wohltäter. Unter den Lehrern sind drei die gewichtigeren, in den Welten [besonders] geehrten: der Lehrer (Upādhyāya), der Vater, die Mutter; diese sind besonders zu verehren. Die älteren Brüder des Vaters und ebenso dessen jüngere [Brüder], und der Vater des Vaters – alle diese sind zu ehren wie der Vater. Die ältere Schwester der Mutter und die jüngere [Schwester] der Mutter, die Mutter der Mutter und die Amme: alle diese gelten als Mütter. Der Sohn des Lehrers und wer sein [des Lehrers] Lehrer sein mag, [ferner] Opferpriester, Lehrer und Vater: so werden die Gurus benannt. Der ältere Bruder, der König, der Mutterbruder und ebenso der Schwiegervater, der Retter aus Furcht und der Gatte/Erhalter: diese sind als Gurus verkündet. So ist dies, zum Himmel führend, die vollständige Zusammenfassung der Lehrer dargelegt.

Wort für Wort
gurupūjāṃ pravakṣyāmi yathāvat tava śobhane
Die Verehrung der Lehrer will ich dir der Ordnung gemäß darlegen, Schöne. (gurupūjām Akk.Sg., pravakṣyāmi 1.Sg.Fut., śobhane Vok.Sg.f.)
kṛtajñānāṃ paro dharma iti vedānuśāsanam
„Höchste Pflicht der Dankbaren [ist dies]“ – so lautet die Weisung des Veda. (kṛtajñānām Gen.Pl., paraḥ dharmaḥ Nom.Sg., vedānuśāsanam Nom.Sg.n.)
tasmāt svaguravaḥ pūjyās te hi pūrvopakāriṇaḥ
Darum sind die eigenen Lehrer zu ehren, denn sie sind die früheren Wohltäter. (svaguravaḥ Nom.Pl., pūjyāḥ Gerundiv Nom.Pl., pūrvopakāriṇaḥ Nom.Pl.)
gurūṇāṃ ca garīyāṃsas trayo lokeṣu pūjitāḥ
Unter den Lehrern sind drei die gewichtigeren, in den Welten [besonders] geehrten: (gurūṇām Gen.Pl., garīyāṃsaḥ Komp. Nom.Pl., trayaḥ Nom.Pl., pūjitāḥ Part. Nom.Pl.)
upādhyāyaḥ pitā mātā saṃpūjyās te viśeṣataḥ
der Lehrer (Upādhyāya), der Vater, die Mutter; diese sind besonders zu verehren. (Nom.Sg. ×3, saṃpūjyāḥ Gerundiv Nom.Pl., viśeṣataḥ Adv.)
ye pitṛbhrātaro jyeṣṭhā ye ca tasyānujās tathā
Die älteren Brüder des Vaters und ebenso dessen jüngere [Brüder], (pitṛbhrātaraḥ Nom.Pl., jyeṣṭhāḥ Nom.Pl., anujāḥ Nom.Pl.)
pituḥ pitā ca sarve te pūjanīyā yathā pitā
und der Vater des Vaters – alle diese sind zu ehren wie der Vater. (pituḥ Gen.Sg., pūjanīyāḥ Gerundiv Nom.Pl.)
mātur yā bhaginī jyeṣṭhā mātur yā ca yavīyasī
Die ältere Schwester der Mutter und die jüngere [Schwester] der Mutter, (mātuḥ Gen.Sg., bhaginī Nom.Sg.f., jyeṣṭhā, yavīyasī Nom.Sg.f.)
mātāmahī ca dhātrī ca sarvās tā mātaraḥ smṛtāḥ
die Mutter der Mutter und die Amme: alle diese gelten als Mütter. (mātāmahī, dhātrī Nom.Sg.f., mātaraḥ Nom.Pl., smṛtāḥ Part. Nom.Pl.)
upādhyāyasya yaḥ putro yaś ca tasya bhaved guruḥ
Der Sohn des Lehrers und wer sein [des Lehrers] Lehrer sein mag, (upādhyāyasya Gen.Sg., putraḥ Nom.Sg., bhavet 3.Sg.Opt.)
ṛtvig guruḥ pitā ceti guravaḥ parikīrtitāḥ
[ferner] Opferpriester, Lehrer und Vater: so werden die Gurus benannt. (ṛtvij Nom.Sg., guravaḥ Nom.Pl., parikīrtitāḥ Part. Nom.Pl.)
jyeṣṭho bhrātā narendraś ca mātulaḥ śvaśuras tathā
Der ältere Bruder, der König, der Mutterbruder und ebenso der Schwiegervater, (Nom.Sg. ×4, narendraḥ Nom.Sg.)
bhayatrātā ca bhartā ca guravas te prakīrtitāḥ
der Retter aus Furcht und der Gatte/Erhalter: diese sind als Gurus verkündet. (bhayatrātā, bhartā Nom.Sg., prakīrtitāḥ Part. Nom.Pl.)
ity eṣa kathitaḥ svargyo gurūṇāṃ sarvasaṃgrahaḥ
So ist dies, zum Himmel führend, die vollständige Zusammenfassung der Lehrer dargelegt. (kathitaḥ Part. Nom.Sg., svargyaḥ Nom.Sg., sarvasaṃgrahaḥ Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

anuvṛttiṃ ca pūjāṃ ca teṣām api nibodha me; avadhyau mātṛpitarau upādhyāyas tathaiva ca; kathaṃ cin nāvamantavyā nareṇa hitam icchatā; yena prīṇāti ca pitā tena prītaḥ prajāpatiḥ; yena prīṇāti cen mātā prītāḥ syur devamātaraḥ; yena prīṇāty upādhyāyo brahmā tenābhipūjitaḥ; aprīteṣu punas teṣu naro narakam eti hi; gurūṇāṃ vairanirbandho na kartavyaḥ kathaṃ cana; narakaṃ sa guruprītyā manasāpi na gacchati; na brūyād vipriyaṃ teṣām aniṣṭe na pravartayet; vigṛhya na vadet teṣāṃ samīpe spardhayā kva cit; yad yad icchanti te kartum asvatantras tad ācaret; vedānuśāsanasamaṃ guruśāsanam iṣyate; kalahāṃś ca vivādāṃś ca gurubhiḥ saha varjayet; kaitavaṃ parihāsāṃś ca manyukāmāśrayāḥ kathāḥ

Höre von mir auch [über] den gebührenden Umgang mit ihnen und die Verehrung. Mutter und Vater sind unantastbar [nicht zu töten/zu kränken], ebenso der Lehrer. Auf keine Weise dürfen sie von einem Mann, der Heil wünscht, missachtet werden. Wodurch der Vater erfreut wird, dadurch ist Prajāpati erfreut. Wodurch die Mutter erfreut wird, dadurch wären die Göttermütter erfreut. Wodurch der Lehrer erfreut wird, dadurch ist Brahmā geehrt. Sind jene aber unzufrieden, so geht der Mensch fürwahr in die Hölle. Feindseliges Beharren gegen Lehrer darf auf keine Weise betrieben werden. Durch die Zufriedenheit der Lehrer geht er auch in Gedanken nicht in die Hölle. Er soll ihnen nichts Unliebes sagen und sie nicht zu Unerwünschtem antreiben. Nie soll er in ihrer Nähe streitend aus Wetteifer reden. Was immer sie getan haben wollen, das soll er, nicht selbständig, ausführen. Die Weisung des Lehrers gilt als der Weisung des Veda gleich. Zank und Streit mit Lehrern soll er meiden. [auch] Täuschung, Scherze und Reden, die auf Zorn oder Begierde beruhen.

Wort für Wort
anuvṛttiṃ ca pūjāṃ ca teṣām api nibodha me
Höre von mir auch [über] den gebührenden Umgang mit ihnen und die Verehrung. (anuvṛttim, pūjām Akk.Sg., nibodha Imp.2.Sg.)
avadhyau mātṛpitarau upādhyāyas tathaiva ca
Mutter und Vater sind unantastbar [nicht zu töten/zu kränken], ebenso der Lehrer. (avadhyau Dual Nom., mātṛpitarau Dvandva Dual)
kathaṃ cin nāvamantavyā nareṇa hitam icchatā
Auf keine Weise dürfen sie von einem Mann, der Heil wünscht, missachtet werden. (avamantavyāḥ Gerundiv Nom.Pl., nareṇa Instr., icchatā Part. Instr.)
yena prīṇāti ca pitā tena prītaḥ prajāpatiḥ
Wodurch der Vater erfreut wird, dadurch ist Prajāpati erfreut. (prīṇāti 3.Sg.Präs.Pass., prītaḥ Part. Nom.Sg.)
yena prīṇāti cen mātā prītāḥ syur devamātaraḥ
Wodurch die Mutter erfreut wird, dadurch wären die Göttermütter erfreut. (prītāḥ syuḥ 3.Pl.Opt., devamātaraḥ Nom.Pl.)
yena prīṇāty upādhyāyo brahmā tenābhipūjitaḥ
Wodurch der Lehrer erfreut wird, dadurch ist Brahmā geehrt. (abhipūjitaḥ Part. Nom.Sg.)
aprīteṣu punas teṣu naro narakam eti hi
Sind jene aber unzufrieden, so geht der Mensch fürwahr in die Hölle. (aprīteṣu Lok.abs.Pl., eti 3.Sg.Präs.)
gurūṇāṃ vairanirbandho na kartavyaḥ kathaṃ cana
Feindseliges Beharren gegen Lehrer darf auf keine Weise betrieben werden. (vairanirbandhaḥ Nom.Sg., kartavyaḥ Gerundiv)
narakaṃ sa guruprītyā manasāpi na gacchati
Durch die Zufriedenheit der Lehrer geht er auch in Gedanken nicht in die Hölle. (guruprītyā Instr.Sg., gacchati 3.Sg.)
na brūyād vipriyaṃ teṣām aniṣṭe na pravartayet
Er soll ihnen nichts Unliebes sagen und sie nicht zu Unerwünschtem antreiben. (brūyāt 3.Sg.Opt., pravartayet Kaus.Opt.)
vigṛhya na vadet teṣāṃ samīpe spardhayā kva cit
Nie soll er in ihrer Nähe streitend aus Wetteifer reden. (vigṛhya Abs., vadet Opt., spardhayā Instr.)
yad yad icchanti te kartum asvatantras tad ācaret
Was immer sie getan haben wollen, das soll er, nicht selbständig, ausführen. (icchanti 3.Pl., kartum Inf., asvatantraḥ Nom.Sg., ācaret Opt.)
vedānuśāsanasamaṃ guruśāsanam iṣyate
Die Weisung des Lehrers gilt als der Weisung des Veda gleich. (samam Nom.Sg.n., iṣyate 3.Sg.Pass.)
kalahāṃś ca vivādāṃś ca gurubhiḥ saha varjayet
Zank und Streit mit Lehrern soll er meiden. (kalahān, vivādān Akk.Pl., varjayet Opt.)
kaitavaṃ parihāsāṃś ca manyukāmāśrayāḥ kathāḥ
[auch] Täuschung, Scherze und Reden, die auf Zorn oder Begierde beruhen. (kaitavam, parihāsān Akk., manyukāmāśrayāḥ kathāḥ Akk.Pl. (Fortsetzung von varjayet))

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

gurūṇāṃ yo 'nahaṃvādī karoty ājñām atandritaḥ; na tasmāt sarvamartyeṣu vidyate puṇyakṛttamaḥ; asūyām apavādāṃś ca gurūṇāṃ parivarjayet; teṣāṃ priyahitānveṣī bhūtvā paricaret sadā; na tad yajñaphalaṃ kuryāt tapo vācaritaṃ mahat; yat kuryāt puruṣasyeha gurupūjā sadā kṛtā; anuvṛtter vinā dharmo nāsti sarvāśrameṣv api; tasmāt samādṛtaḥ kāle guruvṛttiṃ samācaret; svam arthaṃ svaśarīraṃ ca gurvarthaṃ saṃtyajed budhaḥ; vivādaṃ dhanahetor vā mohād vā tair na rocayet; brahmacaryam ahiṃsā ca dānāni vividhāni ca; gurubhiḥ pratiṣiddhasya sarvam etad apārthakam; upādhyāyaṃ pitaraṃ mātaraṃ ca; ye 'bhidruhyur manasā karmaṇā vā; teṣāṃ pāpaṃ bhrūṇahatyāviśiṣṭaṃ

Wer, ohne sich zu überheben, unermüdlich den Befehl der Lehrer ausführt, dem gegenüber gibt es unter allen Sterblichen keinen, der mehr Verdienst erwirkt. Missgunst und Tadel gegen die Lehrer soll er ganz meiden. Als Sucher ihres Lieben und Heilsamen soll er ihnen stets dienen. Nicht so viel Opferfrucht bewirkt, noch auch große geübte Askese, wie die stets vollzogene Verehrung der Lehrer hier für einen Menschen bewirkt. Ohne gebührenden Gehorsam gibt es keine Rechtschaffenheit, auch in allen Lebensstufen nicht. Darum soll er, ehrerbietig, zur rechten Zeit den Dienst an den Lehrern üben. Sein Gut und seinen Leib soll der Weise um des Lehrers willen aufgeben. Streit mit ihnen soll er nicht wollen, weder um Besitzes willen noch aus Verblendung. Keuschheit, Gewaltlosigkeit und mannigfache Gaben – für einen, der von den Lehrern zurückgewiesen wurde, ist dies alles nutzlos. Den Lehrer, den Vater und die Mutter, die [jemand] in Gedanken oder durch Tat verletzt, deren Sünde übertrifft den Mord an einem Embryo

Wort für Wort
gurūṇāṃ yo 'nahaṃvādī karoty ājñām atandritaḥ
Wer, ohne sich zu überheben, unermüdlich den Befehl der Lehrer ausführt, (anahaṃvādī Nom.Sg., karoti 3.Sg., ājñām Akk., atandritaḥ Nom.Sg.)
na tasmāt sarvamartyeṣu vidyate puṇyakṛttamaḥ
dem gegenüber gibt es unter allen Sterblichen keinen, der mehr Verdienst erwirkt. (vidyate 3.Sg.Pass., puṇyakṛttamaḥ Superl. Nom.Sg.)
asūyām apavādāṃś ca gurūṇāṃ parivarjayet
Missgunst und Tadel gegen die Lehrer soll er ganz meiden. (asūyām, apavādān Akk., parivarjayet Opt.)
teṣāṃ priyahitānveṣī bhūtvā paricaret sadā
Als Sucher ihres Lieben und Heilsamen soll er ihnen stets dienen. (priyahitānveṣī Nom.Sg., bhūtvā Abs., paricaret Opt.)
na tad yajñaphalaṃ kuryāt tapo vācaritaṃ mahat
Nicht so viel Opferfrucht bewirkt, noch auch große geübte Askese, (yajñaphalam Akk., tapaḥ Nom., ācaritam Part., mahat)
yat kuryāt puruṣasyeha gurupūjā sadā kṛtā
wie die stets vollzogene Verehrung der Lehrer hier für einen Menschen bewirkt. (kuryāt 3.Sg.Opt., gurupūjā Nom.Sg.f., kṛtā Part.)
anuvṛtter vinā dharmo nāsti sarvāśrameṣv api
Ohne gebührenden Gehorsam gibt es keine Rechtschaffenheit, auch in allen Lebensstufen nicht. (anuvṛtteḥ vinā Abl., sarvāśrameṣu Lok.Pl.)
tasmāt samādṛtaḥ kāle guruvṛttiṃ samācaret
Darum soll er, ehrerbietig, zur rechten Zeit den Dienst an den Lehrern üben. (samādṛtaḥ Part., guruvṛttim Akk.Sg., samācaret Opt.)
svam arthaṃ svaśarīraṃ ca gurvarthaṃ saṃtyajed budhaḥ
Sein Gut und seinen Leib soll der Weise um des Lehrers willen aufgeben. (svam artham Akk., gurvartham Adv., saṃtyajet Opt., budhaḥ Nom.)
vivādaṃ dhanahetor vā mohād vā tair na rocayet
Streit mit ihnen soll er nicht wollen, weder um Besitzes willen noch aus Verblendung. (vivādam Akk., dhanahetoḥ Abl., mohāt Abl., rocayet Opt.)
brahmacaryam ahiṃsā ca dānāni vividhāni ca
Keuschheit, Gewaltlosigkeit und mannigfache Gaben – (Nom., dānāni Nom.Pl.n.)
gurubhiḥ pratiṣiddhasya sarvam etad apārthakam
für einen, der von den Lehrern zurückgewiesen wurde, ist dies alles nutzlos. (pratiṣiddhasya Part. Gen., apārthakam Nom.Sg.n.)
upādhyāyaṃ pitaraṃ mātaraṃ ca
Den Lehrer, den Vater und die Mutter, (Akk.Sg. ×3)
ye 'bhidruhyur manasā karmaṇā vā
die [jemand] in Gedanken oder durch Tat verletzt, (abhidruhyuḥ 3.Pl.Opt., manasā, karmaṇā Instr.)
teṣāṃ pāpaṃ bhrūṇahatyāviśiṣṭaṃ
deren Sünde übertrifft den Mord an einem Embryo (pāpam Nom.Sg.n., bhrūṇahatyāviśiṣṭam Nom. „[Sünde] die die Tötung eines Embryos übertrifft“)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz reicht in die nächste Einheit (Fortsetzung: ‚tebhyo nānyaḥ …‘).

tebhyo nānyaḥ pāpakṛd asti loke; umā; maheśvaraḥ; upavāsavidhiṃ tatra tan me śaṃsitum arhasi; śarīramalakārśyārtham indriyocchoṣaṇāya ca; ekabhuktopavāsais tu dhārayante vrataṃ narāḥ; labhante vipulaṃ dharmaṃ tathāhāraparikṣayāt; bahūnām uparodhaṃ tu na kuryād ātmakāraṇāt; jīvopaghātaṃ ca tathā dhānyaṃ saṃjīvyam iṣyate; tasmāt puṇyaṃ labhen martyaḥ svayam āhārakarśanāt; tad gṛhasthair yathāśakti kartavyam iti niścayaḥ; upavāsārdite kāya āpadarthaṃ payo jalam; umā; bhuñjan na vrataghātī syād brāhmaṇān anumānya ca; brahmacaryaṃ kathaṃ deva rakṣitavyaṃ vijānatā; maheśvaraḥ; tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; brahmacaryaṃ paraṃ śaucaṃ brahmacaryaṃ paraṃ tapaḥ

[und] keiner in der Welt ist ein größerer Sünder als diese. Umā [sprach]: Maheśvara [sprach]: Die Regel des Fastens dort – die mögest du mir darlegen. Zur Auszehrung des Körperschmutzes und zum Austrocknen der Sinne üben Menschen das Gelübde durch einmaliges Essen und Fasten aus; sie erlangen große Verdienstlichkeit durch das Abnehmen der Nahrung. Einer Vielzahl [von Wesen] soll man aber um seiner selbst willen keine Behinderung bereiten, ebenso keine Verletzung von Lebewesen; Getreide gilt als Lebensunterhalt. Darum erlangt der Sterbliche Verdienst durch eigenes Verringern der Nahrung. Das ist von Hausvätern nach Kraft zu tun: so ist die Festlegung. Ist der Körper vom Fasten bedrängt, [darf er] für den Notfall Milch [und] Wasser [nehmen], Umā [sprach]: wer isst, wird nicht zum Zerstörer des Gelübdes, sofern er die Brahmanen [zuvor] ehrt. Wie ist die Keuschheit, o Gott, von einem Kundigen zu bewahren? Maheśvara [sprach]: Das will ich dir darlegen: Höre, Göttin, gesammelt. Keuschheit ist die höchste Reinheit, Keuschheit die höchste Askese.

Wort für Wort
tebhyo nānyaḥ pāpakṛd asti loke
[und] keiner in der Welt ist ein größerer Sünder als diese. (tebhyaḥ Abl., pāpakṛt Nom.Sg.)
umā
Umā [sprach]: (Nom.Sg.f. (Sprecherangabe))
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Nom.Sg. (Sprecherangabe))
upavāsavidhiṃ tatra tan me śaṃsitum arhasi
Die Regel des Fastens dort – die mögest du mir darlegen. (upavāsavidhim Akk., śaṃsitum Inf., arhasi 2.Sg.)
śarīramalakārśyārtham indriyocchoṣaṇāya ca
Zur Auszehrung des Körperschmutzes und zum Austrocknen der Sinne (śarīramalakārśyārtham Adv., indriyocchoṣaṇāya Dat.)
ekabhuktopavāsais tu dhārayante vrataṃ narāḥ
üben Menschen das Gelübde durch einmaliges Essen und Fasten aus; (ekabhuktopavāsaiḥ Instr.Pl., dhārayante 3.Pl.Med., vratam Akk.)
labhante vipulaṃ dharmaṃ tathāhāraparikṣayāt
sie erlangen große Verdienstlichkeit durch das Abnehmen der Nahrung. (labhante 3.Pl.Med., āhāraparikṣayāt Abl.)
bahūnām uparodhaṃ tu na kuryād ātmakāraṇāt
Einer Vielzahl [von Wesen] soll man aber um seiner selbst willen keine Behinderung bereiten, (bahūnām Gen.Pl., uparodham Akk., kuryāt Opt.)
jīvopaghātaṃ ca tathā dhānyaṃ saṃjīvyam iṣyate
ebenso keine Verletzung von Lebewesen; Getreide gilt als Lebensunterhalt. (jīvopaghātam Akk., saṃjīvyam Gerundiv Nom.Sg.n., iṣyate)
tasmāt puṇyaṃ labhen martyaḥ svayam āhārakarśanāt
Darum erlangt der Sterbliche Verdienst durch eigenes Verringern der Nahrung. (puṇyam Akk., labhet Opt., āhārakarśanāt Abl.)
tad gṛhasthair yathāśakti kartavyam iti niścayaḥ
Das ist von Hausvätern nach Kraft zu tun: so ist die Festlegung. (gṛhasthaiḥ Instr.Pl., kartavyam Gerundiv, niścayaḥ Nom.)
upavāsārdite kāya āpadarthaṃ payo jalam
Ist der Körper vom Fasten bedrängt, [darf er] für den Notfall Milch [und] Wasser [nehmen], (upavāsārdite kāye Lok.abs., āpadartham Adv., payaḥ jalam Akk./Nom.n.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
bhuñjan na vrataghātī syād brāhmaṇān anumānya ca
wer isst, wird nicht zum Zerstörer des Gelübdes, sofern er die Brahmanen [zuvor] ehrt. (bhuñjan Part. Nom., vrataghātī Nom.Sg., syāt Opt., anumānya Abs.)
brahmacaryaṃ kathaṃ deva rakṣitavyaṃ vijānatā
Wie ist die Keuschheit, o Gott, von einem Kundigen zu bewahren? (brahmacaryam Nom.Sg.n., rakṣitavyam Gerundiv, vijānatā Part. Instr.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
Das will ich dir darlegen: Höre, Göttin, gesammelt. (pravakṣyāmi Fut., śṛṇu Imp., samāhitā Part. Nom.Sg.f.)
brahmacaryaṃ paraṃ śaucaṃ brahmacaryaṃ paraṃ tapaḥ
Keuschheit ist die höchste Reinheit, Keuschheit die höchste Askese. (paraṃ śaucam, paraṃ tapaḥ Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben ‚umā‘ steht hier mitten im Satz (nach ‚payo jalam‘), offenbar verstellt; Satzzusammenhang bleibt ‚… Milch [und] Wasser [nehmend]; wer isst, …‘. Erster Halbvers gehört noch zum vorigen Vers.

kevalaṃ brahmacaryeṇa prāpyate paramaṃ padam; saṃkalpād darśanāc caiva tad yuktavacanād api; saṃsparśād atha saṃyogāt pañcadhā rakṣitaṃ param; vratavad dhāritaṃ caiva brahmacaryam akalmaṣam; nityasaṃrakṣaṇaṃ tasya naiṣṭhikānāṃ vidhīyate; tad iṣyate gṛhasthānāṃ kālam uddiśya kāraṇam; janmanakṣatrayogeṣu puṇyavāseṣu parvasu; devatādharmakāryeṣu brahmacaryavrataṃ caret; brahmacaryavrataphalaṃ labhed dāravratī sadā; śaucam āyus tathārogyaṃ labhyate brahmacāribhiḥ; umā; tīrthacaryā kathaṃ deva kriyate dharmakāṅkṣibhiḥ; maheśvaraḥ; kāni tīrthāni lokeśa tan me śaṃsitum arhasi; hanta te kathayiṣyāmi tīrthasnānavidhiṃ priye; pāvanārthaṃ ca śaucārthaṃ brahmaṇā nirmitāḥ purā

Allein durch Keuschheit wird die höchste Stätte erreicht. Durch Vorsatz, durch Anblick, durch damit verbundene Rede, durch Berührung und durch Vereinigung: in fünffacher Weise bewahrt [wird es] höchst. Wie ein Gelübde beobachtet, ist die Keuschheit makellos. Dauerndes Bewahren desselben wird für die lebenslang Enthaltsamen vorgeschrieben; für Hausväter gilt es mit Blick auf Zeiten und Anlass. An Tagen des Geburtssterns, an heiligen Aufenthalten [Tagen], an Parvan-Tagen, bei Gottesdiensten und Pflichtwerken soll er das Keuschheitsgelübde halten. Die Frucht des Keuschheitsgelübdes erlangt der der Ehefrau [allein] Treue [dāravratī] stets. Reinheit, Lebensdauer und Gesundheit werden von Keuschen erlangt. Umā [sprach]: Wie wird der Tīrtha-Besuch, o Gott, von Rechtschaffenheit Wünschenden ausgeführt? Maheśvara [sprach]: Welche Tīrthas [gibt es], Herr der Welt? Das mögest du mir darlegen. Wohlan, ich will dir die Regel des Tīrtha-Badens erzählen, Liebe. Zur Läuterung und zur Reinheit wurden sie einst von Brahmā geschaffen.

Wort für Wort
kevalaṃ brahmacaryeṇa prāpyate paramaṃ padam
Allein durch Keuschheit wird die höchste Stätte erreicht. (brahmacaryeṇa Instr., prāpyate Pass., paramam padam Nom.Sg.n.)
saṃkalpād darśanāc caiva tad yuktavacanād api
Durch Vorsatz, durch Anblick, durch damit verbundene Rede, (saṃkalpāt, darśanāt, yuktavacanāt Abl.)
saṃsparśād atha saṃyogāt pañcadhā rakṣitaṃ param
durch Berührung und durch Vereinigung: in fünffacher Weise bewahrt [wird es] höchst. (saṃsparśāt, saṃyogāt Abl., pañcadhā Adv., rakṣitam Part., param)
vratavad dhāritaṃ caiva brahmacaryam akalmaṣam
Wie ein Gelübde beobachtet, ist die Keuschheit makellos. (vratavat Adv., dhāritam Part., akalmaṣam Nom.Sg.n.)
nityasaṃrakṣaṇaṃ tasya naiṣṭhikānāṃ vidhīyate
Dauerndes Bewahren desselben wird für die lebenslang Enthaltsamen vorgeschrieben; (nityasaṃrakṣaṇam Nom.Sg.n., naiṣṭhikānām Gen.Pl., vidhīyate Pass.)
tad iṣyate gṛhasthānāṃ kālam uddiśya kāraṇam
für Hausväter gilt es mit Blick auf Zeiten und Anlass. (iṣyate Pass., gṛhasthānām Gen.Pl., kālam uddiśya Abs., kāraṇam Akk.)
janmanakṣatrayogeṣu puṇyavāseṣu parvasu
An Tagen des Geburtssterns, an heiligen Aufenthalten [Tagen], an Parvan-Tagen, (Lok.Pl. ×3)
devatādharmakāryeṣu brahmacaryavrataṃ caret
bei Gottesdiensten und Pflichtwerken soll er das Keuschheitsgelübde halten. (devatādharmakāryeṣu Lok.Pl., brahmacaryavratam Akk., caret Opt.)
brahmacaryavrataphalaṃ labhed dāravratī sadā
Die Frucht des Keuschheitsgelübdes erlangt der der Ehefrau [allein] Treue [dāravratī] stets. (phalam Akk., labhet Opt., dāravratī Nom.Sg.)
śaucam āyus tathārogyaṃ labhyate brahmacāribhiḥ
Reinheit, Lebensdauer und Gesundheit werden von Keuschen erlangt. (labhyate Pass., brahmacāribhiḥ Instr.Pl.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
tīrthacaryā kathaṃ deva kriyate dharmakāṅkṣibhiḥ
Wie wird der Tīrtha-Besuch, o Gott, von Rechtschaffenheit Wünschenden ausgeführt? (tīrthacaryā Nom.Sg.f., kriyate Pass., dharmakāṅkṣibhiḥ Instr.Pl.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
kāni tīrthāni lokeśa tan me śaṃsitum arhasi
Welche Tīrthas [gibt es], Herr der Welt? Das mögest du mir darlegen. (kāni tīrthāni Nom.Pl.n., lokeśa Vok.)
hanta te kathayiṣyāmi tīrthasnānavidhiṃ priye
Wohlan, ich will dir die Regel des Tīrtha-Badens erzählen, Liebe. (hanta Interj., kathayiṣyāmi Fut., tīrthasnānavidhim Akk., priye Vok.)
pāvanārthaṃ ca śaucārthaṃ brahmaṇā nirmitāḥ purā
Zur Läuterung und zur Reinheit wurden sie einst von Brahmā geschaffen. (pāvanārtham, śaucārtham Adv., brahmaṇā Instr., nirmitāḥ Part. Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben ‚umā‘ und ‚maheśvaraḥ‘ stehen als eigene Segmente. ‚dāravratī‘: wörtlich ‚wer das Gelübde (der Treue) zur Gattin hält‘ [?].

yās tu loke mahānadyas tāḥ sarvās tīrthasaṃjñitāḥ; tāsāṃ prāk srotasaḥ śreṣṭhāḥ saṃgamaś ca parasparam; tāsāṃ sāgarasaṃyogo variṣṭhaś ceti vidyate; tāsām ubhayataḥ kūlaṃ yatra tatra maharṣibhiḥ; devair vā sevitaṃ devi tat tīrthaṃ paramaṃ smṛtam; samudraś ca mahātīrthaṃ pāvanaṃ paramaṃ śubham; tasya kūlagatās tīrthā mahadbhiś ca samāplutāḥ; srotasāṃ parvatānāṃ ca joṣitānāṃ maharṣibhiḥ; api kūpataṭākaṃ vā munibhiḥ sevitaṃ priye; tat tu tīrtham iti jñeyaṃ prabhāvāt tu tapasvinām; tadāprabhṛti tīrthatvaṃ lebhe lokahitāya vai; evaṃ tīrthodbhavaṃ viddhi tasya snānavidhiṃ śṛṇu; tanmanā vratabhūyiṣṭho gatvā tīrthābhikāṅkṣayā; upavāsatrayaṃ kuryād ekaṃ vā niyamānvitaḥ

Was in der Welt große Flüsse sind, alle diese heißen Tīrthas. Von ihnen sind die nach Osten fließenden Ströme die besten, und die Zusammenflüsse untereinander, und unter diesen gilt die Vereinigung mit dem Meer als die vorzüglichste. Wo immer an beiden Ufern von ihnen [diese] von großen Sehern, oder von Göttern aufgesucht sind, o Göttin, gilt jenes Tīrtha als höchstes. Auch das Meer ist ein großes Tīrtha, läuternd, höchst und heilvoll. Die an seinem Ufer gelegenen Tīrthas, von Großen zudem besucht [wörtl. überflutet], ebenso Ströme und Berge, von großen Sehern gepflegt, auch ein Brunnen oder Teich, von Weisen aufgesucht, Liebe, das ist als Tīrtha zu erkennen, durch die Macht der Asketen. Von da an erlangte es den Tīrtha-Status zum Wohl der Welt. So wisse den Ursprung der Tīrthas; höre die Regel des Badens darin. In Gedanken darauf gerichtet, dem Gelübde ganz ergeben, [dorthin] gehend aus Verlangen nach dem Tīrtha, soll er drei Fasttage halten oder einen, mit Selbstzucht ausgestattet.

Wort für Wort
yās tu loke mahānadyas tāḥ sarvās tīrthasaṃjñitāḥ
Was in der Welt große Flüsse sind, alle diese heißen Tīrthas. (mahānadyaḥ Nom.Pl.f., tīrthasaṃjñitāḥ Part. Nom.Pl.)
tāsāṃ prāk srotasaḥ śreṣṭhāḥ saṃgamaś ca parasparam
Von ihnen sind die nach Osten fließenden Ströme die besten, und die Zusammenflüsse untereinander, (prāk Adv., srotasaḥ Nom.Pl.n., saṃgamaḥ Nom.Sg.)
tāsāṃ sāgarasaṃyogo variṣṭhaś ceti vidyate
und unter diesen gilt die Vereinigung mit dem Meer als die vorzüglichste. (sāgarasaṃyogaḥ Nom.Sg., variṣṭhaḥ Superl., vidyate)
tāsām ubhayataḥ kūlaṃ yatra tatra maharṣibhiḥ
Wo immer an beiden Ufern von ihnen [diese] von großen Sehern, (ubhayataḥ Adv., kūlam Akk./Nom.n., maharṣibhiḥ Instr.Pl.)
devair vā sevitaṃ devi tat tīrthaṃ paramaṃ smṛtam
oder von Göttern aufgesucht sind, o Göttin, gilt jenes Tīrtha als höchstes. (devaiḥ Instr.Pl., sevitam Part., smṛtam Part.)
samudraś ca mahātīrthaṃ pāvanaṃ paramaṃ śubham
Auch das Meer ist ein großes Tīrtha, läuternd, höchst und heilvoll. (samudraḥ Nom.Sg., mahātīrtham Nom.Sg.n.)
tasya kūlagatās tīrthā mahadbhiś ca samāplutāḥ
Die an seinem Ufer gelegenen Tīrthas, von Großen zudem besucht [wörtl. überflutet], (kūlagatāḥ Part. Nom.Pl., tīrthāḥ, mahadbhiḥ Instr.Pl., samāplutāḥ Part.)
srotasāṃ parvatānāṃ ca joṣitānāṃ maharṣibhiḥ
ebenso Ströme und Berge, von großen Sehern gepflegt, (srotasām, parvatānām Gen.Pl., joṣitānām Part. Gen.Pl.)
api kūpataṭākaṃ vā munibhiḥ sevitaṃ priye
auch ein Brunnen oder Teich, von Weisen aufgesucht, Liebe, (kūpataṭākam Nom.Sg.n., munibhiḥ Instr.Pl.)
tat tu tīrtham iti jñeyaṃ prabhāvāt tu tapasvinām
das ist als Tīrtha zu erkennen, durch die Macht der Asketen. (jñeyam Gerundiv, prabhāvāt Abl., tapasvinām Gen.Pl.)
tadāprabhṛti tīrthatvaṃ lebhe lokahitāya vai
Von da an erlangte es den Tīrtha-Status zum Wohl der Welt. (tadāprabhṛti Adv., tīrthatvam Akk., lebhe 3.Sg.Perf.Med., lokahitāya Dat.)
evaṃ tīrthodbhavaṃ viddhi tasya snānavidhiṃ śṛṇu
So wisse den Ursprung der Tīrthas; höre die Regel des Badens darin. (tīrthodbhavam Akk., viddhi Imp., snānavidhim Akk.)
tanmanā vratabhūyiṣṭho gatvā tīrthābhikāṅkṣayā
In Gedanken darauf gerichtet, dem Gelübde ganz ergeben, [dorthin] gehend aus Verlangen nach dem Tīrtha, (tanmanāḥ, vratabhūyiṣṭhaḥ Nom.Sg., gatvā Abs., tīrthābhikāṅkṣayā Instr.)
upavāsatrayaṃ kuryād ekaṃ vā niyamānvitaḥ
soll er drei Fasttage halten oder einen, mit Selbstzucht ausgestattet. (upavāsatrayam Akk., kuryāt Opt., niyamānvitaḥ Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

puṇyamāsayute kāle paurṇamāsyāṃ yathāvidhi; bahir eva śucir bhūtvā tat tīrthaṃ tanmanāviśet; trir āplutya jalābhyāśe dattvā brāhmaṇadakṣiṇām; abhyarcya devāyatanaṃ tataḥ prāyād yathāgatam; etad vidhānaṃ sarveṣāṃ tīrthaṃ tīrthaṃ prati priye; samīpatīrthasnānāt tu dūratīrthaṃ supūjitam; ādiprabhṛti śuddhasya tīrthasnānaṃ śubhaṃ bhavet; taporthaṃ pāpanāśārthaṃ śaucārthaṃ tīrthagāhanam; evaṃ puṇyeṣu māseṣu tīrthasnānaṃ śubhaṃ bhavet; maheśvaraḥ; etan naiyamikaṃ sarvaṃ sukṛtaṃ kathitaṃ tava; dānāni devapūjāṃ ca pitṛpūjāṃ tathaiva ca; anyāni dharmakāryāṇi sukṛtaṃ sopasādhanam; tat sarvaṃ śṛṇu kalyāṇi prajānāṃ hitakāmyayā; cetanācetanair yuktaṃ yal loke vidyate dhanam

In einer mit einem heiligen Monat verbundenen Zeit, am Vollmondtag, regelgemäß, soll er, schon draußen gereinigt, in jenes Tīrtha eintreten, den Sinn darauf gerichtet. Nachdem er dreimal im Wasser untergetaucht ist und den Brahmanen ein Ehrengeschenk gegeben hat, soll er den Götterschrein verehren und dann den Weg zurückgehen, den er kam. Dies ist die Vorschrift für alle, bei jedem einzelnen Tīrtha, Liebe. Ein fernes Tīrtha ist höher geschätzt als das Baden in einem nahen. Für einen von Anfang an Gereinigten ist das Tīrtha-Baden heilvoll. Zur Askese, zur Sündentilgung, zur Reinheit [dient] das Eintauchen in Tīrthas. So ist in heiligen Monaten das Tīrtha-Baden heilvoll. Maheśvara [sprach]: Dies alles, das Gelübdegemäße und Verdienstliche, ist dir dargelegt. Gaben, Götterverehrung und ebenso Ahnenverehrung, und andere Pflichtwerke, verdienstvoll samt ihren Mitteln: all dies höre, Segensreiche, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe. Was an Besitz in der Welt vorhanden ist, verbunden mit Belebtem und Unbelebtem –

Wort für Wort
puṇyamāsayute kāle paurṇamāsyāṃ yathāvidhi
In einer mit einem heiligen Monat verbundenen Zeit, am Vollmondtag, regelgemäß, (puṇyamāsayute kāle Lok.Sg., paurṇamāsyām Lok.Sg.f.)
bahir eva śucir bhūtvā tat tīrthaṃ tanmanāviśet
soll er, schon draußen gereinigt, in jenes Tīrtha eintreten, den Sinn darauf gerichtet. (bahiḥ Adv., śuciḥ bhūtvā Abs., āviśet Opt., tanmanāḥ)
trir āplutya jalābhyāśe dattvā brāhmaṇadakṣiṇām
Nachdem er dreimal im Wasser untergetaucht ist und den Brahmanen ein Ehrengeschenk gegeben hat, (trir Adv., āplutya Abs., dattvā Abs., brāhmaṇadakṣiṇām Akk.)
abhyarcya devāyatanaṃ tataḥ prāyād yathāgatam
soll er den Götterschrein verehren und dann den Weg zurückgehen, den er kam. (abhyarcya Abs., devāyatanam Akk., prāyāt Opt., yathāgatam Adv.)
etad vidhānaṃ sarveṣāṃ tīrthaṃ tīrthaṃ prati priye
Dies ist die Vorschrift für alle, bei jedem einzelnen Tīrtha, Liebe. (vidhānam Nom.Sg.n., sarveṣām Gen.Pl., prati Postp.)
samīpatīrthasnānāt tu dūratīrthaṃ supūjitam
Ein fernes Tīrtha ist höher geschätzt als das Baden in einem nahen. (samīpatīrthasnānāt Abl., dūratīrtham, supūjitam Part.)
ādiprabhṛti śuddhasya tīrthasnānaṃ śubhaṃ bhavet
Für einen von Anfang an Gereinigten ist das Tīrtha-Baden heilvoll. (śuddhasya Part. Gen., tīrthasnānam Nom.Sg.n., bhavet)
taporthaṃ pāpanāśārthaṃ śaucārthaṃ tīrthagāhanam
Zur Askese, zur Sündentilgung, zur Reinheit [dient] das Eintauchen in Tīrthas. (taporthaṃ [=tapo’rtham], pāpanāśārtham, śaucārtham Adv., tīrthagāhanam Nom.Sg.n.)
evaṃ puṇyeṣu māseṣu tīrthasnānaṃ śubhaṃ bhavet
So ist in heiligen Monaten das Tīrtha-Baden heilvoll. (puṇyeṣu māseṣu Lok.Pl.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
etan naiyamikaṃ sarvaṃ sukṛtaṃ kathitaṃ tava
Dies alles, das Gelübdegemäße und Verdienstliche, ist dir dargelegt. (naiyamikam Nom.Sg.n., sukṛtam Nom., kathitam Part.)
dānāni devapūjāṃ ca pitṛpūjāṃ tathaiva ca
Gaben, Götterverehrung und ebenso Ahnenverehrung, (dānāni Akk.Pl.n., devapūjām, pitṛpūjām Akk.Sg.f.)
anyāni dharmakāryāṇi sukṛtaṃ sopasādhanam
und andere Pflichtwerke, verdienstvoll samt ihren Mitteln: (dharmakāryāṇi Akk.Pl.n., sopasādhanam)
tat sarvaṃ śṛṇu kalyāṇi prajānāṃ hitakāmyayā
all dies höre, Segensreiche, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Geschöpfe. (śṛṇu Imp., kalyāṇi Vok., prajānām Gen.Pl., hitakāmyayā Instr.)
cetanācetanair yuktaṃ yal loke vidyate dhanam
Was an Besitz in der Welt vorhanden ist, verbunden mit Belebtem und Unbelebtem – (cetanācetanaiḥ Instr.Pl., yuktam Part., dhanam Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

umā; etad artham avāpnoti naraḥ pretya śubhekṣaṇe; lokasiddhaṃ tu yad dravyaṃ sarvasādhāraṇaṃ bhavet; tad dadat sarvasāmānyaṃ kathaṃ dharmaṃ labhen naraḥ; maheśvaraḥ; evaṃ sādhāraṇe dravye kasya svatvaṃ kathaṃ bhavet; loke bhūtamayaṃ dravyaṃ sarvasādhāraṇaṃ tathā; yathaiva tad dadan martyo bhavet puṇyaṃ hi tac chṛṇu; dātā pratigrahītā ca deyaṃ sopakramaṃ tathā; deśakālau ca yat tv etad dānaṃ ṣaḍguṇam ucyate; teṣāṃ saṃpadviśeṣāṃś ca kīrtyamānān nibodha me; ādiprabhṛti yaḥ śuddho manovākkāyakarmabhiḥ; satyavādī jitakrodhas tv alubdho nānasūyakaḥ; śraddhāvān āstikaś caiva evaṃ dātā praśasyate; śuddho dānto jitakrodhas tathoditakulodbhavaḥ; śrutacāritrasaṃpannas tathā bahukalatravān

Umā [sprach]: Dafür erlangt der Mensch [Lohn] nach dem Tod, o Schönäugige. Was aber ein durch die Welt [allgemein] anerkanntes Gut ist, allen gemeinsam, wie erlangt ein Mensch Verdienst, wenn er dies allen Gemeinsame gibt? Maheśvara [sprach]: So – bei einem gemeinsamen Gut: wessen Eigentum wäre es, und wie? In der Welt ist ein aus Elementen bestehendes Gut allen gemeinsam. Wie ein Sterblicher, der dies gibt, Verdienst erlangt, das höre. Geber und Empfänger, die Gabe samt der Art des Vorgehens, sowie Ort und Zeit: eine Gabe mit diesen sechs Eigenschaften wird [vollkommen] genannt. Höre von mir die besonderen Vorzüge dieser, wie sie [jetzt] aufgezählt werden. Wer von Anfang an rein ist in Denken, Reden und Tun des Leibes, wahrhaftig redend, den Zorn besiegt, nicht gierig, nicht missgünstig, gläubig und an das Jenseits glaubend: ein solcher Geber wird gelobt. Rein, selbstbeherrscht, den Zorn besiegt, ebenso aus berühmtem Geschlecht entsprossen, mit Gelehrsamkeit und Wandel ausgestattet, ebenso mit vielen Frauen [oder: Familie]

Wort für Wort
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
etad artham avāpnoti naraḥ pretya śubhekṣaṇe
Dafür erlangt der Mensch [Lohn] nach dem Tod, o Schönäugige. (avāpnoti 3.Sg., pretya Abs., śubhekṣaṇe Vok.f.)
lokasiddhaṃ tu yad dravyaṃ sarvasādhāraṇaṃ bhavet
Was aber ein durch die Welt [allgemein] anerkanntes Gut ist, allen gemeinsam, (lokasiddham Nom.Sg.n., sarvasādhāraṇam, bhavet)
tad dadat sarvasāmānyaṃ kathaṃ dharmaṃ labhen naraḥ
wie erlangt ein Mensch Verdienst, wenn er dies allen Gemeinsame gibt? (dadat Part. Nom.Sg., sarvasāmānyam Akk., labhet Opt.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
evaṃ sādhāraṇe dravye kasya svatvaṃ kathaṃ bhavet
So – bei einem gemeinsamen Gut: wessen Eigentum wäre es, und wie? (sādhāraṇe dravye Lok.abs., kasya Gen., svatvam Nom.Sg.n.)
loke bhūtamayaṃ dravyaṃ sarvasādhāraṇaṃ tathā
In der Welt ist ein aus Elementen bestehendes Gut allen gemeinsam. (bhūtamayam Nom.Sg.n., sarvasādhāraṇam)
yathaiva tad dadan martyo bhavet puṇyaṃ hi tac chṛṇu
Wie ein Sterblicher, der dies gibt, Verdienst erlangt, das höre. (dadan Part. Nom.Sg., bhavet, puṇyam)
dātā pratigrahītā ca deyaṃ sopakramaṃ tathā
Geber und Empfänger, die Gabe samt der Art des Vorgehens, (dātā, pratigrahītā Nom.Sg., deyam Gerundiv Nom.Sg.n., sopakramam)
deśakālau ca yat tv etad dānaṃ ṣaḍguṇam ucyate
sowie Ort und Zeit: eine Gabe mit diesen sechs Eigenschaften wird [vollkommen] genannt. (deśakālau Dual Nom., dānam Nom.Sg.n., ṣaḍguṇam, ucyate)
teṣāṃ saṃpadviśeṣāṃś ca kīrtyamānān nibodha me
Höre von mir die besonderen Vorzüge dieser, wie sie [jetzt] aufgezählt werden. (teṣām Gen.Pl., saṃpadviśeṣān Akk.Pl., kīrtyamānān Part.Pass., nibodha Imp.)
ādiprabhṛti yaḥ śuddho manovākkāyakarmabhiḥ
Wer von Anfang an rein ist in Denken, Reden und Tun des Leibes, (śuddhaḥ Nom.Sg., manovākkāyakarmabhiḥ Instr.Pl.)
satyavādī jitakrodhas tv alubdho nānasūyakaḥ
wahrhaftig redend, den Zorn besiegt, nicht gierig, nicht missgünstig, (satyavādī, jitakrodhaḥ, alubdhaḥ, anasūyakaḥ Nom.Sg.)
śraddhāvān āstikaś caiva evaṃ dātā praśasyate
gläubig und an das Jenseits glaubend: ein solcher Geber wird gelobt. (śraddhāvān, āstikaḥ Nom.Sg., praśasyate Pass.)
śuddho dānto jitakrodhas tathoditakulodbhavaḥ
Rein, selbstbeherrscht, den Zorn besiegt, ebenso aus berühmtem Geschlecht entsprossen, (dāntaḥ, uditakulodbhavaḥ Nom.Sg.)
śrutacāritrasaṃpannas tathā bahukalatravān
mit Gelehrsamkeit und Wandel ausgestattet, ebenso mit vielen Frauen [oder: Familie] (śrutacāritrasaṃpannaḥ, bahukalatravān Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Einheit ist Teil einer langen Zusatzpassage; der Satz ‚śuddho dānto … bahukalatravān‘ setzt sich in der nächsten Einheit fort.

pañcayajñaparo nityaṃ nirvikāraśarīravān; etān pātraguṇān viddhi tādṛk pātraṃ praśasyate; pitṛdevāgnikāryeṣu tasya dattaṃ mahat phalam; yad yad arhati yo loke pātraṃ tasya bhavec ca saḥ; mucyetāpadam āpanno yena pātraṃ sa tasya tu; annasya kṣudhitaḥ pātraṃ tṛṣitas tu jalasya vai; evaṃ pātreṣu nānātvam iṣyate puruṣaṃ prati; jāraś coraś ca ṣaṇḍaś ca hiṃsraḥ samayabhedakaḥ; lokavighnakarāś cānye varjitāḥ sarvaśaḥ priye; paropaghātād yad dravyaṃ cauryād vā labhyate nṛbhiḥ; nindayā labhyate yac ca dhūrtabhāvena vā tathā; adharmād atha mohād vā bahūnām uparodhanāt; labhyate yad dhanaṃ devi tad anyad vā hṛtaṃ bhavet; tādṛśena kṛtaṃ dharmaṃ niṣphalaṃ viddhi bhāmini

der ständig den fünf Opfern ergeben und von unversehrtem Körper ist: Wisse: dies sind die Eigenschaften eines würdigen Empfängers; ein solcher Empfänger wird gelobt. Bei Ahnen-, Götter- und Feuerwerken hat das ihm Gegebene große Frucht. Wer immer in der Welt für etwas empfangswürdig ist, für den wird jener [der Gebende] Geber des Passenden sein. Wodurch ein in Not Geratener befreit wird, dafür ist er dessen [des Gebers] Empfänger. Für Speise ist ein Hungriger der Empfänger, für Wasser ein Durstiger. So gilt bei Empfängern eine Verschiedenheit je nach Person. Ehebrecher, Dieb, Eunuch, Gewalttäter, Vertragsbrecher und andere, die der Welt Hindernisse schaffen, sind völlig zu meiden, Liebe. Was von Menschen durch Verletzung anderer oder durch Diebstahl erlangt wird, und was durch Schmähung oder durch Betrug erlangt wird, aus Unrecht oder Verblendung, durch Bedrängung vieler, welches Gut, Göttin, so erlangt wird oder das von anderen geraubt ist: ein damit vollzogenes Verdienstwerk wisse als fruchtlos, Zornige.

Wort für Wort
pañcayajñaparo nityaṃ nirvikāraśarīravān
der ständig den fünf Opfern ergeben und von unversehrtem Körper ist: (pañcayajñaparaḥ, nirvikāraśarīravān Nom.Sg.)
etān pātraguṇān viddhi tādṛk pātraṃ praśasyate
Wisse: dies sind die Eigenschaften eines würdigen Empfängers; ein solcher Empfänger wird gelobt. (etān pātraguṇān Akk.Pl., viddhi Imp., tādṛk Nom., pātram, praśasyate)
pitṛdevāgnikāryeṣu tasya dattaṃ mahat phalam
Bei Ahnen-, Götter- und Feuerwerken hat das ihm Gegebene große Frucht. (pitṛdevāgnikāryeṣu Lok.Pl., dattam Part., phalam)
yad yad arhati yo loke pātraṃ tasya bhavec ca saḥ
Wer immer in der Welt für etwas empfangswürdig ist, für den wird jener [der Gebende] Geber des Passenden sein. (arhati 3.Sg., pātram, bhavet Opt.)
mucyetāpadam āpanno yena pātraṃ sa tasya tu
Wodurch ein in Not Geratener befreit wird, dafür ist er dessen [des Gebers] Empfänger. (mucyeta Pass.Opt., āpadam āpannaḥ Part., yena Instr.)
annasya kṣudhitaḥ pātraṃ tṛṣitas tu jalasya vai
Für Speise ist ein Hungriger der Empfänger, für Wasser ein Durstiger. (annasya, jalasya Gen., kṣudhitaḥ, tṛṣitaḥ Part.)
evaṃ pātreṣu nānātvam iṣyate puruṣaṃ prati
So gilt bei Empfängern eine Verschiedenheit je nach Person. (pātreṣu Lok.Pl., nānātvam, iṣyate, puruṣam prati)
jāraś coraś ca ṣaṇḍaś ca hiṃsraḥ samayabhedakaḥ
Ehebrecher, Dieb, Eunuch, Gewalttäter, Vertragsbrecher (Nom.Sg. ×5)
lokavighnakarāś cānye varjitāḥ sarvaśaḥ priye
und andere, die der Welt Hindernisse schaffen, sind völlig zu meiden, Liebe. (lokavighnakarāḥ Nom.Pl., varjitāḥ Part.)
paropaghātād yad dravyaṃ cauryād vā labhyate nṛbhiḥ
Was von Menschen durch Verletzung anderer oder durch Diebstahl erlangt wird, (paropaghātāt, cauryāt Abl., labhyate Pass., nṛbhiḥ Instr.Pl.)
nindayā labhyate yac ca dhūrtabhāvena vā tathā
und was durch Schmähung oder durch Betrug erlangt wird, (nindayā, dhūrtabhāvena Instr.)
adharmād atha mohād vā bahūnām uparodhanāt
aus Unrecht oder Verblendung, durch Bedrängung vieler, (adharmāt, mohāt, uparodhanāt Abl.)
labhyate yad dhanaṃ devi tad anyad vā hṛtaṃ bhavet
welches Gut, Göttin, so erlangt wird oder das von anderen geraubt ist: (dhanam Nom.Sg.n., hṛtam Part.)
tādṛśena kṛtaṃ dharmaṃ niṣphalaṃ viddhi bhāmini
ein damit vollzogenes Verdienstwerk wisse als fruchtlos, Zornige. (tādṛśena Instr., dharmam, niṣphalam, bhāmini Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tasmān nyāyāgatenaiva dātavyaṃ śubham icchatā; yad yad ātmapriyaṃ nityaṃ tat tad deyam iti sthitiḥ; upakramam imaṃ viddhi dātṝṇāṃ paramaṃ hitam; pātrabhūtaṃ tu dūrastham abhigamya prasādya ca; dātā dānaṃ tathā dadyād yathā tuṣyeta tena saḥ; eṣa dānavidhiḥ śreṣṭhaḥ samāhūya tu madhyamaḥ; pūrvaṃ ca pātratāṃ jñātvā samāhūya nivedya ca; śaucārcanasamāyuktaṃ dātavyaṃ śraddhayā priye; yācitṝṇāṃ tu paramam ābhimukhyapuraskṛtam; saṃmānapūrvaṃ saṃgṛhya dātavyaṃ deśakālayoḥ; apātrebhyo 'pi cānyebhyo dātavyaṃ bhūtim icchatā; pātrāṇi saṃparīkṣyaiva dātā vai dānamātrayoḥ; atiśaktyā paraṃ dānaṃ yathāśakti tu madhyamam; tṛtīyaṃ cāparaṃ dānaṃ nānurūpam ivātmanaḥ

Darum ist von einem, der Heil wünscht, nur mit rechtmäßig Erworbenem zu geben. Was immer einem selbst lieb ist, das ist zu geben: so lautet die Regel. Wisse: diese Vorgehensweise ist für Geber das höchste Heil. Einen würdigen, aber fernen Empfänger soll man aufsuchen und gewinnen, der Geber soll die Gabe so geben, dass jener dadurch zufrieden wird. Das ist die beste Regel der Gabe; mittlere [Regel]: nach Herbeirufen. Nachdem man zuvor die Würdigkeit erkannt, [ihn] gerufen und [die Gabe] angeboten hat, ist [sie] mit Reinigung und Verehrung verbunden, mit Glauben zu geben, Liebe. Das Höchste aber für Bittende ist [das], was ihnen zugewandt und mit Vorrang [gegeben wird]; mit Ehrerweisung [ihn] aufnehmend ist zu geben, an passendem Ort und zu passender Zeit. Auch an andere, nicht Würdige, ist von einem, der Wohlergehen wünscht, zu geben. Der Geber, [nachdem er] die Empfänger genau geprüft hat, [gibt] das Maß der Gabe. Eine Gabe über die Kraft hinaus ist die höchste, nach Kraft aber die mittlere; und eine dritte, geringere Gabe ist eine, die dem eigenen [Vermögen] gleichsam nicht entspricht.

Wort für Wort
tasmān nyāyāgatenaiva dātavyaṃ śubham icchatā
Darum ist von einem, der Heil wünscht, nur mit rechtmäßig Erworbenem zu geben. (nyāyāgatena Instr.Sg.n., dātavyam Gerundiv, icchatā Part.)
yad yad ātmapriyaṃ nityaṃ tat tad deyam iti sthitiḥ
Was immer einem selbst lieb ist, das ist zu geben: so lautet die Regel. (ātmapriyam, deyam Gerundiv, sthitiḥ Nom.Sg.f.)
upakramam imaṃ viddhi dātṝṇāṃ paramaṃ hitam
Wisse: diese Vorgehensweise ist für Geber das höchste Heil. (upakramam Akk., dātṝṇām Gen.Pl., paramam hitam)
pātrabhūtaṃ tu dūrastham abhigamya prasādya ca
Einen würdigen, aber fernen Empfänger soll man aufsuchen und gewinnen, (pātrabhūtam, dūrastham Akk., abhigamya, prasādya Abs.)
dātā dānaṃ tathā dadyād yathā tuṣyeta tena saḥ
der Geber soll die Gabe so geben, dass jener dadurch zufrieden wird. (dadyāt Opt., tuṣyeta Opt.)
eṣa dānavidhiḥ śreṣṭhaḥ samāhūya tu madhyamaḥ
Das ist die beste Regel der Gabe; mittlere [Regel]: nach Herbeirufen. (dānavidhiḥ Nom., samāhūya Abs., madhyamaḥ)
pūrvaṃ ca pātratāṃ jñātvā samāhūya nivedya ca
Nachdem man zuvor die Würdigkeit erkannt, [ihn] gerufen und [die Gabe] angeboten hat, (jñātvā, samāhūya, nivedya Abs.)
śaucārcanasamāyuktaṃ dātavyaṃ śraddhayā priye
ist [sie] mit Reinigung und Verehrung verbunden, mit Glauben zu geben, Liebe. (śaucārcanasamāyuktam, dātavyam, śraddhayā Instr.)
yācitṝṇāṃ tu paramam ābhimukhyapuraskṛtam
Das Höchste aber für Bittende ist [das], was ihnen zugewandt und mit Vorrang [gegeben wird]; (yācitṝṇām Gen.Pl., paramam, ābhimukhyapuraskṛtam Nom.Sg.n.)
saṃmānapūrvaṃ saṃgṛhya dātavyaṃ deśakālayoḥ
mit Ehrerweisung [ihn] aufnehmend ist zu geben, an passendem Ort und zu passender Zeit. (saṃmānapūrvam Adv., saṃgṛhya Abs., deśakālayoḥ Lok.Du.)
apātrebhyo 'pi cānyebhyo dātavyaṃ bhūtim icchatā
Auch an andere, nicht Würdige, ist von einem, der Wohlergehen wünscht, zu geben. (apātrebhyaḥ Dat.Pl., dātavyam, bhūtim Akk.)
pātrāṇi saṃparīkṣyaiva dātā vai dānamātrayoḥ
Der Geber, [nachdem er] die Empfänger genau geprüft hat, [gibt] das Maß der Gabe. (saṃparīkṣya Abs., dānamātrayoḥ Lok.Du. [?])
atiśaktyā paraṃ dānaṃ yathāśakti tu madhyamam
Eine Gabe über die Kraft hinaus ist die höchste, nach Kraft aber die mittlere; (atiśaktyā Instr., paraṃ dānam, madhyamam)
tṛtīyaṃ cāparaṃ dānaṃ nānurūpam ivātmanaḥ
und eine dritte, geringere Gabe ist eine, die dem eigenen [Vermögen] gleichsam nicht entspricht. (tṛtīyam, aparam, anurūpam Nom.Sg.n., ātmanaḥ Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Vers 134.…: Textstellen wie ‚dānamātrayoḥ‘ sind in der Zusatzpassage dunkel.

yathāsaṃbhāvitaṃ pūrvaṃ dātavyaṃ tat tathaiva ca; puṇyakṣetreṣu yad dattaṃ puṇyakāleṣu vā tathā; umā; tac chobhanataraṃ viddhi gauravād deśakālayoḥ; yaś ca puṇyatamo deśas tathā kālaś ca śaṃsa me; maheśvaraḥ; kurukṣetraṃ mahānadyo yac ca devarṣisevitam; girir varaś ca tīrthāni deśabhāgena pūjitāḥ; grahītur īpsito yaś ca tatra dattaṃ mahat phalam; śaradvasantakālaś ca puṇyamāsas tathaiva ca; śuklapakṣaś ca pakṣāṇāṃ paurṇamāsī ca parvasu; pitṛdaivatanakṣatraṃ nirmalā divasās tathā; tac chobhanataraṃ viddhi candrasūryagrahaṃ tathā; pratigrahītur yaḥ kālo manasā kīrtitaḥ śubhe; evamādiṣu kāleṣu dattaṃ dānaṃ mahad bhavet; dātā deyaṃ ca pātraṃ ca upakramayutā kriyā

Was zuvor [wie in Aussicht gestellt] zugesagt wurde, das ist ebenso zu geben. Was an heiligen Stätten gegeben wird oder ebenso zu heiligen Zeiten, Umā [sprach]: das wisse als noch vorzüglicher wegen der Würde von Ort und Zeit. Welcher Ort und welche Zeit die heiligsten sind, das sage mir. Maheśvara [sprach]: Kurukṣetra, die großen Flüsse und was von Götterseher-Weisen aufgesucht ist, ein vortrefflicher Berg und Tīrthas sind als Teile [heiliger] Orte geehrt. Und wo der Empfänger es [dem Geber] wünscht, hat dort Gegebenes große Frucht. Auch die Herbst- und Frühlingszeit und ein heiliger Monat, von den Monatshälften die helle Hälfte, und unter den Parvan-Tagen der Vollmond, das Ahnen- oder Götter-Mondhaus und ebenso reine Tage, das wisse als noch vorzüglicher, ebenso die Mond- und Sonnenfinsternis. Auch die Zeit, die der Empfänger im Geiste [als passend] genannt hat, Heilvolle, in solchen und ähnlichen Zeiten wird eine gegebene Gabe groß. Geber, Gabe und Empfänger, dazu die mit Vorgehen verbundene Handlung,

Wort für Wort
yathāsaṃbhāvitaṃ pūrvaṃ dātavyaṃ tat tathaiva ca
Was zuvor [wie in Aussicht gestellt] zugesagt wurde, das ist ebenso zu geben. (yathāsaṃbhāvitam Part., dātavyam)
puṇyakṣetreṣu yad dattaṃ puṇyakāleṣu vā tathā
Was an heiligen Stätten gegeben wird oder ebenso zu heiligen Zeiten, (puṇyakṣetreṣu, puṇyakāleṣu Lok.Pl.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
tac chobhanataraṃ viddhi gauravād deśakālayoḥ
das wisse als noch vorzüglicher wegen der Würde von Ort und Zeit. (śobhanataram Kompar., gauravāt Abl., deśakālayoḥ Gen.Du.)
yaś ca puṇyatamo deśas tathā kālaś ca śaṃsa me
Welcher Ort und welche Zeit die heiligsten sind, das sage mir. (puṇyatamaḥ Superl., deśaḥ, kālaḥ, śaṃsa Imp.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
kurukṣetraṃ mahānadyo yac ca devarṣisevitam
Kurukṣetra, die großen Flüsse und was von Götterseher-Weisen aufgesucht ist, (kurukṣetram, mahānadyaḥ Nom., sevitam Part.)
girir varaś ca tīrthāni deśabhāgena pūjitāḥ
ein vortrefflicher Berg und Tīrthas sind als Teile [heiliger] Orte geehrt. (giriḥ, varaḥ Nom., deśabhāgena Instr., pūjitāḥ Part.)
grahītur īpsito yaś ca tatra dattaṃ mahat phalam
Und wo der Empfänger es [dem Geber] wünscht, hat dort Gegebenes große Frucht. (grahītuḥ Gen., īpsitaḥ Part.)
śaradvasantakālaś ca puṇyamāsas tathaiva ca
Auch die Herbst- und Frühlingszeit und ein heiliger Monat, (śaradvasantakālaḥ Nom.Sg., puṇyamāsaḥ)
śuklapakṣaś ca pakṣāṇāṃ paurṇamāsī ca parvasu
von den Monatshälften die helle Hälfte, und unter den Parvan-Tagen der Vollmond, (śuklapakṣaḥ, pakṣāṇām Gen.Pl., paurṇamāsī Nom.Sg.f., parvasu Lok.Pl.)
pitṛdaivatanakṣatraṃ nirmalā divasās tathā
das Ahnen- oder Götter-Mondhaus und ebenso reine Tage, (pitṛdaivatanakṣatram Nom.Sg.n., nirmalāḥ divasāḥ)
tac chobhanataraṃ viddhi candrasūryagrahaṃ tathā
das wisse als noch vorzüglicher, ebenso die Mond- und Sonnenfinsternis. (candrasūryagraham Akk.)
pratigrahītur yaḥ kālo manasā kīrtitaḥ śubhe
Auch die Zeit, die der Empfänger im Geiste [als passend] genannt hat, Heilvolle, (pratigrahītuḥ Gen., kālaḥ, kīrtitaḥ Part.)
evamādiṣu kāleṣu dattaṃ dānaṃ mahad bhavet
in solchen und ähnlichen Zeiten wird eine gegebene Gabe groß. (evamādiṣu kāleṣu Lok.Pl., mahat, bhavet)
dātā deyaṃ ca pātraṃ ca upakramayutā kriyā
Geber, Gabe und Empfänger, dazu die mit Vorgehen verbundene Handlung, (dātā, deyam, pātram Nom., upakramayutā kriyā Nom.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

deśaḥ kālaś ca ity eṣāṃ saṃpacchuddhiḥ prakīrtitā; yatraiva yugapat saṃpat tatra śuddhir mahad bhavet; atyalpam api yad dānam ebhiḥ ṣaḍbhir guṇair yutam; bhūtvānantaṃ nayet svargaṃ dātāraṃ doṣavarjitam; sumahad vāpi yad dānaṃ guṇair ebhir vinākṛtam; umā; atyalpaphalaniryogam aphalaṃ vā bhaved dhi tat; evaṃ guṇayutaṃ dānaṃ dattaṃ tv aphalatāṃ vrajet; maheśvaraḥ; tad asti cen mahādeva tan me śaṃsitum arhasi; tad apy asti mahābhāge narāṇāṃ bhavadoṣataḥ; kṛtvā tu dharmaṃ vidhivat paścāttāpaṃ karoti cet; ślāghayā vā yadi brūyād vṛthā saṃsadi yat kṛtam; prakalpayec ca manasā tatphalaṃ pretyabhāvataḥ; dharmakāryaṃ kṛtaṃ yac ca satataṃ phalakāṅkṣayā

Ort und Zeit: von diesen wird die Vollkommenheit als Reinheit verkündet. Wo eben zugleich Vollkommenheit [aller] vorliegt, dort wird die Reinheit groß. Selbst eine sehr kleine Gabe, die mit diesen sechs Eigenschaften verbunden ist, wird unendlich und führt den fehlerfreien Geber in den Himmel. Auch eine sehr große Gabe, die ohne diese Eigenschaften gegeben ist, Umā [sprach]: wird nur sehr geringe Frucht bringen oder gar fruchtlos sein. Doch auch eine so mit Eigenschaften versehene, gegebene Gabe kann fruchtlos werden. Maheśvara [sprach]: Wenn das so ist, Mahādeva, so mögest du mir das darlegen. Auch das gibt es, Hochbeglückte, wegen eines Fehlers der Menschen im Dasein [?]. Wenn jemand, nachdem er ein Verdienstwerk regelgemäß vollbracht hat, hinterher Reue empfindet, oder wenn er in der Versammlung nutzlos prahlend redet über das, was er getan hat, und im Geiste die Frucht dafür für das Jenseits ausmalt [oder berechnet], und wer ein Pflichtwerk stets aus Verlangen nach Frucht vollbracht hat:

Wort für Wort
deśaḥ kālaś ca ity eṣāṃ saṃpacchuddhiḥ prakīrtitā
Ort und Zeit: von diesen wird die Vollkommenheit als Reinheit verkündet. (saṃpat, śuddhiḥ Nom.Sg.f., prakīrtitā Part.)
yatraiva yugapat saṃpat tatra śuddhir mahad bhavet
Wo eben zugleich Vollkommenheit [aller] vorliegt, dort wird die Reinheit groß. (yugapat Adv., saṃpat, bhavet)
atyalpam api yad dānam ebhiḥ ṣaḍbhir guṇair yutam
Selbst eine sehr kleine Gabe, die mit diesen sechs Eigenschaften verbunden ist, (atyalpam, yutam Part., ṣaḍbhiḥ guṇaiḥ Instr.Pl.)
bhūtvānantaṃ nayet svargaṃ dātāraṃ doṣavarjitam
wird unendlich und führt den fehlerfreien Geber in den Himmel. (bhūtvā Abs., anantam, nayet Opt., doṣavarjitam)
sumahad vāpi yad dānaṃ guṇair ebhir vinākṛtam
Auch eine sehr große Gabe, die ohne diese Eigenschaften gegeben ist, (sumahat, guṇaiḥ Instr., vinākṛtam Part.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
atyalpaphalaniryogam aphalaṃ vā bhaved dhi tat
wird nur sehr geringe Frucht bringen oder gar fruchtlos sein. (atyalpaphalaniryogam, aphalam)
evaṃ guṇayutaṃ dānaṃ dattaṃ tv aphalatāṃ vrajet
Doch auch eine so mit Eigenschaften versehene, gegebene Gabe kann fruchtlos werden. (guṇayutam, dattam Part., aphalatām Akk., vrajet)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
tad asti cen mahādeva tan me śaṃsitum arhasi
Wenn das so ist, Mahādeva, so mögest du mir das darlegen. (asti 3.Sg., cet, mahādeva Vok.)
tad apy asti mahābhāge narāṇāṃ bhavadoṣataḥ
Auch das gibt es, Hochbeglückte, wegen eines Fehlers der Menschen im Dasein [?]. (mahābhāge Vok.f., narāṇām Gen.Pl., bhavadoṣataḥ Abl.)
kṛtvā tu dharmaṃ vidhivat paścāttāpaṃ karoti cet
Wenn jemand, nachdem er ein Verdienstwerk regelgemäß vollbracht hat, hinterher Reue empfindet, (kṛtvā Abs., dharmam, paścāttāpam Akk., karoti)
ślāghayā vā yadi brūyād vṛthā saṃsadi yat kṛtam
oder wenn er in der Versammlung nutzlos prahlend redet über das, was er getan hat, (ślāghayā Instr., brūyāt Opt., saṃsadi Lok.)
prakalpayec ca manasā tatphalaṃ pretyabhāvataḥ
und im Geiste die Frucht dafür für das Jenseits ausmalt [oder berechnet], (prakalpayet Opt., tatphalam, pretyabhāvataḥ Abl.)
dharmakāryaṃ kṛtaṃ yac ca satataṃ phalakāṅkṣayā
und wer ein Pflichtwerk stets aus Verlangen nach Frucht vollbracht hat: (dharmakāryam Nom.Sg.n., phalakāṅkṣayā Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

evaṃ kṛtaṃ vā dattaṃ vā paratra viphalaṃ bhavet; ete doṣā vivarjyāś ca dātṛbhiḥ puṇyakāṅkṣibhiḥ; sanātanam idaṃ vṛttaṃ sadbhir ācaritaṃ tathā; anugrahaḥ pareṣāṃ tu gṛhasthānām ṛṇaṃ hi tat; ity evaṃ mana āveśya dātavyaṃ satataṃ budhaiḥ; evam eva kṛtaṃ nityaṃ sukṛtaṃ tad bhaven mahat; umā; sarvasādhāraṇaṃ dravyam evaṃ dattvā mahat phalam; bhagavan kāni deyāni dharmam uddiśya mānavaiḥ; maheśvaraḥ; tāny ahaṃ śrotum icchāmi tan me śaṃsitum arhasi; ajasraṃ dharmakāryaṃ ca tathā naimittikaṃ priye; annaṃ pratiśrayo dīpaḥ pānīyaṃ tṛṇam indhanam; sneho gandhaś ca bhaiṣajyaṃ tilāś ca lavaṇaṃ tathā; evamādi tathānyac ca dānam ājasram ucyate; ajasradānāt satatam ājasram iti niścitam

So Getanes oder Gegebenes wird im Jenseits fruchtlos. Diese Fehler sind von Gebern, die Verdienst wünschen, zu meiden. Dies ist ein uraltes Verhalten, ebenso von Guten geübt. Die Förderung anderer ist für Hausväter eine Schuld [Verpflichtung]. In diesem Sinne, den Geist darauf richtend, ist von den Weisen stets zu geben. So allein Getanes wird ständig ein großes Verdienst. Umā [sprach]: Ein allen gemeinsames Gut so gegeben, [bringt] große Frucht. Herr, was ist von Menschen im Hinblick auf das Recht zu geben? Maheśvara [sprach]: [Umā:] Dies möchte ich hören; das mögest du mir darlegen. Ständiges Pflichtwerk und ebenso anlassgebundenes, Liebe: Speise, Obdach, Lampe, Trinkwasser, Gras, Brennholz, Öl, Duft, Arznei, Sesam und Salz – dies und Ähnliches heißt ständige Gabe. Wegen der beständigen Gabe ist ‚ājasra‘ [„ständig“] so festgelegt.

Wort für Wort
evaṃ kṛtaṃ vā dattaṃ vā paratra viphalaṃ bhavet
So Getanes oder Gegebenes wird im Jenseits fruchtlos. (kṛtam, dattam Part., viphalam, bhavet)
ete doṣā vivarjyāś ca dātṛbhiḥ puṇyakāṅkṣibhiḥ
Diese Fehler sind von Gebern, die Verdienst wünschen, zu meiden. (doṣāḥ Nom.Pl., vivarjyāḥ Gerundiv, dātṛbhiḥ Instr.Pl.)
sanātanam idaṃ vṛttaṃ sadbhir ācaritaṃ tathā
Dies ist ein uraltes Verhalten, ebenso von Guten geübt. (sanātanam, vṛttam Nom.Sg.n., sadbhiḥ Instr.Pl., ācaritam)
anugrahaḥ pareṣāṃ tu gṛhasthānāṃ ṛṇaṃ hi tat
Die Förderung anderer ist für Hausväter eine Schuld [Verpflichtung]. (anugrahaḥ Nom., pareṣām Gen.Pl., ṛṇam)
ity evaṃ mana āveśya dātavyaṃ satataṃ budhaiḥ
In diesem Sinne, den Geist darauf richtend, ist von den Weisen stets zu geben. (āveśya Abs., dātavyam, budhaiḥ Instr.Pl.)
evam eva kṛtaṃ nityaṃ sukṛtaṃ tad bhaven mahat
So allein Getanes wird ständig ein großes Verdienst. (kṛtam, sukṛtam, mahat, bhavet)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
sarvasādhāraṇaṃ dravyam evaṃ dattvā mahat phalam
Ein allen gemeinsames Gut so gegeben, [bringt] große Frucht. (dattvā Abs., mahat phalam)
bhagavan kāni deyāni dharmam uddiśya mānavaiḥ
Herr, was ist von Menschen im Hinblick auf das Recht zu geben? (bhagavan Vok., deyāni Gerundiv Nom.Pl.n., mānavaiḥ Instr.Pl.)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
tāny ahaṃ śrotum icchāmi tan me śaṃsitum arhasi
[Umā:] Dies möchte ich hören; das mögest du mir darlegen. (śrotum Inf., icchāmi 1.Sg.)
ajasraṃ dharmakāryaṃ ca tathā naimittikaṃ priye
Ständiges Pflichtwerk und ebenso anlassgebundenes, Liebe: (ajasram, dharmakāryam Nom.Sg.n., naimittikam)
annaṃ pratiśrayo dīpaḥ pānīyaṃ tṛṇam indhanam
Speise, Obdach, Lampe, Trinkwasser, Gras, Brennholz, (Nom.Sg.)
sneho gandhaś ca bhaiṣajyaṃ tilāś ca lavaṇaṃ tathā
Öl, Duft, Arznei, Sesam und Salz – (snehaḥ, gandhaḥ, bhaiṣajyam, tilāḥ, lavaṇam Nom.)
evamādi tathānyac ca dānam ājasram ucyate
dies und Ähnliches heißt ständige Gabe. (evamādi, dānam ājasram, ucyate)
ajasradānāt satatam ājasram iti niścitam
Wegen der beständigen Gabe ist ‚ājasra‘ [„ständig“] so festgelegt. (ajasradānāt Abl., niścitam Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zuweisung der Sprecher: das Segment ‚tāny ahaṃ śrotum icchāmi…‘ steht nach ‚maheśvaraḥ‘, ist inhaltlich aber Rede Umās (Sprecherangaben wohl verstellt).

sāmānyaṃ sarvavarṇānāṃ dānaṃ śṛṇu samāhitā; annaṃ prāṇā manuṣyāṇām annadaḥ prāṇado bhavet; tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātum icchanti mānavāḥ; brāhmaṇāyābhirūpāya yo dadyād annam īpsitam; nidadhāti nidhiṃ śreṣṭhaṃ so 'nantaṃ pāralaukikam; śrāntam adhvapariśrāntam atithiṃ gṛham āgatam; arcayīta prayatnena sa hi yajño varaḥ smṛtaḥ; kṛtvā tu pāpakaṃ karma yo dadyād annam arthinām; brāhmaṇānāṃ viśeṣeṇa so 'pahanti svakaṃ tamaḥ; pitaras tasya nandanti suvṛṣṭyā karṣakā iva; putro vā yasya pautro vā śrotriyān bhojayiṣyati; api caṇḍālaśūdrāṇām annadānān na garhyate; tasmāt sarvaprayatnena dadyād annam amatsaraḥ; kalatraṃ pīḍayitvāpi poṣayed atithīn sadā; janmāpi mānuṣe loke tadarthaṃ hi vidhīyate

Die für alle Stände gemeinsame Gabe höre, gesammelt. Speise ist der Lebenshauch der Menschen; wer Speise gibt, wird Lebensgeber. Darum wollen Menschen besonders Speise geben. Wer einem würdigen Brahmanen erwünschte Speise gibt, der legt einen besten, unendlichen Schatz für das Jenseits nieder. Einen erschöpften, vom Weg ermüdeten Gast, der ins Haus gekommen ist, soll man mit Eifer ehren; denn das gilt als vorzügliches Opfer. Wer nach böser Tat den Bittenden Speise gibt, besonders den Brahmanen, der vertreibt seine eigene Finsternis. Seine Ahnen freuen sich wie Bauern über guten Regen. Dessen Sohn oder Enkel, der Veda-Kundige speist, [und] auch bei Speisegaben an Caṇḍālas und Śūdras wird er nicht getadelt. Darum soll man mit allem Eifer Speise geben, ohne Neid. Selbst die Ehefrau bedrängend, soll man stets Gäste nähren. Selbst die Geburt in der Menschenwelt ist ja dafür bestimmt.

Wort für Wort
sāmānyaṃ sarvavarṇānāṃ dānaṃ śṛṇu samāhitā
Die für alle Stände gemeinsame Gabe höre, gesammelt. (sāmānyam, dānam Akk., sarvavarṇānām Gen.Pl.)
annaṃ prāṇā manuṣyāṇām annadaḥ prāṇado bhavet
Speise ist der Lebenshauch der Menschen; wer Speise gibt, wird Lebensgeber. (annam, prāṇāḥ Nom., annadaḥ, prāṇadaḥ Nom.Sg.)
tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātum icchanti mānavāḥ
Darum wollen Menschen besonders Speise geben. (dātum Inf., icchanti 3.Pl.)
brāhmaṇāyābhirūpāya yo dadyād annam īpsitam
Wer einem würdigen Brahmanen erwünschte Speise gibt, (abhirūpāya Dat., dadyāt Opt., īpsitam Part.)
nidadhāti nidhiṃ śreṣṭhaṃ so 'nantaṃ pāralaukikam
der legt einen besten, unendlichen Schatz für das Jenseits nieder. (nidadhāti 3.Sg., nidhim Akk., pāralaukikam)
śrāntam adhvapariśrāntam atithiṃ gṛham āgatam
Einen erschöpften, vom Weg ermüdeten Gast, der ins Haus gekommen ist, (Akk.Sg.)
arcayīta prayatnena sa hi yajño varaḥ smṛtaḥ
soll man mit Eifer ehren; denn das gilt als vorzügliches Opfer. (arcayīta Opt.Med., yajñaḥ varaḥ Nom.Sg.)
kṛtvā tu pāpakaṃ karma yo dadyād annam arthinām
Wer nach böser Tat den Bittenden Speise gibt, (kṛtvā Abs., pāpakam karma, arthinām Gen.Pl.)
brāhmaṇānāṃ viśeṣeṇa so 'pahanti svakaṃ tamaḥ
besonders den Brahmanen, der vertreibt seine eigene Finsternis. (brāhmaṇānām Gen.Pl., apahanti 3.Sg., svakam tamaḥ)
pitaras tasya nandanti suvṛṣṭyā karṣakā iva
Seine Ahnen freuen sich wie Bauern über guten Regen. (pitaraḥ Nom.Pl., nandanti 3.Pl., suvṛṣṭyā Instr., karṣakāḥ)
putro vā yasya pautro vā śrotriyān bhojayiṣyati
Dessen Sohn oder Enkel, der Veda-Kundige speist, (putraḥ, pautraḥ Nom., śrotriyān Akk.Pl., bhojayiṣyati Kaus.Fut.)
api caṇḍālaśūdrāṇām annadānān na garhyate
[und] auch bei Speisegaben an Caṇḍālas und Śūdras wird er nicht getadelt. (caṇḍālaśūdrāṇām Gen.Pl., annadānāt Abl., garhyate Pass.)
tasmāt sarvaprayatnena dadyād annam amatsaraḥ
Darum soll man mit allem Eifer Speise geben, ohne Neid. (sarvaprayatnena Instr., dadyāt, amatsaraḥ Nom.)
kalatraṃ pīḍayitvāpi poṣayed atithīn sadā
Selbst die Ehefrau bedrängend, soll man stets Gäste nähren. (kalatram Akk., pīḍayitvā Abs., poṣayet Opt., atithīn Akk.Pl.)
janmāpi mānuṣe loke tadarthaṃ hi vidhīyate
Selbst die Geburt in der Menschenwelt ist ja dafür bestimmt. (janma Nom.Sg.n., mānuṣe loke Lok., tadartham, vidhīyate)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

annadānāc ca ye lokās tān pravakṣyāmy anindite; bhavanāni prakāśante divi teṣāṃ mahātmanām; anekaśatabhaumāni sāntarjalavanāni ca; vaiḍūryārciḥprakāśāni rukmarūpyanibhāni ca; nānāsaṃsthānarūpāṇi nānāratnamayāni ca; candramaṇḍalaśubhrāṇi kiṅkiṇījālavanti ca; taruṇādityavarṇāni sthāvarāṇi carāṇi ca; yatheṣṭabhakṣyabhojyāni śayanāsanavanti ca; sarvakāmaphalāś cātra vṛkṣā bhavanasaṃsthitāḥ; vāpyo bahvyaś ca kūpāś ca dīrghikāś ca sahasraśaḥ; arujāni viśokāni nityāni vividhāni ca; bhavanāni viviktāni prāṇadānāṃ triviṣṭape; vivasvataś ca somasya brahmaṇaś ca prajāpateḥ; viśanti lokāṃs te nityaṃ jagaty annodakapradāḥ; tatra te suciraṃ kālaṃ vihṛtyāpsarasāṃ gaṇaiḥ

Die Welten, die [aus] der Speisegabe [folgen], will ich dir nennen, Untadelige. Im Himmel leuchten die Paläste jener Hochgesinnten. mit vielen hundert Stockwerken und mit Wasser und Wäldern im Innern, strahlend im Glanz von Vaiḍūrya, gold- und silbergleich, von vielfältiger Gestalt und Form, aus vielerlei Edelsteinen, weiß wie die Mondscheibe, mit Glöckchennetzen, von der Farbe der jungen Sonne, feststehend und beweglich, mit nach Wunsch [vorhandenem] Essen und Speisen, mit Betten und Sitzen, und hier stehen an den Palästen Bäume, die alle Wünsche als Früchte tragen, viele Teiche, Brunnen und lange Wasserbecken zu Tausenden, krankheitsfrei, kummerlos, beständig und mannigfach: abgeschiedene Paläste im Himmel für die Lebensspender. Des Vivasvat, des Soma, des Brahmā und des Prajāpati Welten betreten sie beständig – die in der Welt Speise und Wasser Gebenden. Dort, nachdem sie sehr lange Zeit mit Scharen von Apsaras gespielt haben,

Wort für Wort
annadānāc ca ye lokās tān pravakṣyāmy anindite
Die Welten, die [aus] der Speisegabe [folgen], will ich dir nennen, Untadelige. (annadānāt Abl., lokāḥ Nom.Pl., pravakṣyāmi, anindite Vok.f.)
bhavanāni prakāśante divi teṣāṃ mahātmanām
Im Himmel leuchten die Paläste jener Hochgesinnten. (bhavanāni Nom.Pl.n., prakāśante 3.Pl.Med., divi Lok., mahātmanām Gen.Pl.)
anekaśatabhaumāni sāntarjalavanāni ca
mit vielen hundert Stockwerken und mit Wasser und Wäldern im Innern, (anekaśatabhaumāni, sāntarjalavanāni Nom.Pl.n.)
vaiḍūryārciḥprakāśāni rukmarūpyanibhāni ca
strahlend im Glanz von Vaiḍūrya, gold- und silbergleich, (vaiḍūryārciḥprakāśāni, rukmarūpyanibhāni)
nānāsaṃsthānarūpāṇi nānāratnamayāni ca
von vielfältiger Gestalt und Form, aus vielerlei Edelsteinen, (nānāsaṃsthānarūpāṇi, nānāratnamayāni)
candramaṇḍalaśubhrāṇi kiṅkiṇījālavanti ca
weiß wie die Mondscheibe, mit Glöckchennetzen, (candramaṇḍalaśubhrāṇi, kiṅkiṇījālavanti)
taruṇādityavarṇāni sthāvarāṇi carāṇi ca
von der Farbe der jungen Sonne, feststehend und beweglich, (taruṇādityavarṇāni, sthāvarāṇi, carāṇi)
yatheṣṭabhakṣyabhojyāni śayanāsanavanti ca
mit nach Wunsch [vorhandenem] Essen und Speisen, mit Betten und Sitzen, (yatheṣṭabhakṣyabhojyāni, śayanāsanavanti)
sarvakāmaphalāś cātra vṛkṣā bhavanasaṃsthitāḥ
und hier stehen an den Palästen Bäume, die alle Wünsche als Früchte tragen, (sarvakāmaphalāḥ, vṛkṣāḥ Nom.Pl., bhavanasaṃsthitāḥ)
vāpyo bahvyaś ca kūpāś ca dīrghikāś ca sahasraśaḥ
viele Teiche, Brunnen und lange Wasserbecken zu Tausenden, (vāpyaḥ, bahvyaḥ, kūpāḥ, dīrghikāḥ Nom.Pl.)
arujāni viśokāni nityāni vividhāni ca
krankheitsfrei, kummerlos, beständig und mannigfach: (arujāni, viśokāni, nityāni, vividhāni)
bhavanāni viviktāni prāṇadānāṃ triviṣṭape
abgeschiedene Paläste im Himmel für die Lebensspender. (viviktāni, prāṇadānām Gen.Pl., triviṣṭape Lok.)
vivasvataś ca somasya brahmaṇaś ca prajāpateḥ
Des Vivasvat, des Soma, des Brahmā und des Prajāpati (Gen.Sg.)
viśanti lokāṃs te nityaṃ jagaty annodakapradāḥ
Welten betreten sie beständig – die in der Welt Speise und Wasser Gebenden. (viśanti 3.Pl., lokān, annodakapradāḥ Nom.Pl.)
tatra te suciraṃ kālaṃ vihṛtyāpsarasāṃ gaṇaiḥ
Dort, nachdem sie sehr lange Zeit mit Scharen von Apsaras gespielt haben, (suciram, vihṛtya Abs., apsarasām gaṇaiḥ Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

jāyante mānuṣe loke sarvakalyāṇasaṃyutāḥ; balasaṃhananopetā nīrogāś cirajīvinaḥ; kulīnā matimantaś ca bhavanty annapradā narāḥ; tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātavyaṃ bhūtim icchatā; sarvakālaṃ ca sarvasya sarvatra ca sadaiva ca; suvarṇadānaṃ paramaṃ svargyaṃ svastyayanaṃ mahat; tasmāt tad varṇayiṣyāmi yathāvad anupūrvaśaḥ; api pāpaṃ kṛtaṃ krūraṃ dattaṃ rukmaṃ praṇāśayet; suvarṇaṃ ye prayacchanti śrotriyebhyaḥ sucetasaḥ; devatās te tarpayanti samastā iti vaidikam; agnir hi devatāḥ sarvāḥ suvarṇaṃ cāgnir ucyate; tasmāt suvarṇadānena dattāḥ syuḥ sarvadevatāḥ; agnyabhāve tu kurvanti vahnisthāneṣu kāñcanam; tasmāt suvarṇadātāraḥ sarvān kāmān avāpnuyuḥ; ādityasya hutāśasya lokān nānāvidhāñ śubhān

werden sie in der Menschenwelt geboren, mit allem Heil ausgestattet, mit Kraft und Körperbau begabt, gesund und langlebig. Aus gutem Geschlecht und klug werden Menschen, die Speise geben. Darum ist besonders Speise von einem, der Wohlergehen wünscht, zu geben, zu aller Zeit, an jeden, überall und immer. Die Goldgabe ist höchst, himmelsfördernd, ein großer Segen. Darum will ich sie dir beschreiben, der Ordnung gemäß der Reihe nach. Selbst eine begangene grausame Sünde tilgt gegebenes Gold. Die Wohlgesinnten, die Veda-Kundigen Gold geben, stellen alle Götter zufrieden: so ist es vedisch [überliefert]. Denn Agni ist alle Götter, und Gold heißt Agni. Darum wären durch die Goldgabe alle Götter beschenkt. Fehlt Feuer, so legt man Gold an die Feuerstellen. Darum erlangen Goldgeber alle Wünsche. [Auch] die mannigfachen, glückverheißenden Welten der Sonne und des Feuers

Wort für Wort
jāyante mānuṣe loke sarvakalyāṇasaṃyutāḥ
werden sie in der Menschenwelt geboren, mit allem Heil ausgestattet, (jāyante 3.Pl.Med., sarvakalyāṇasaṃyutāḥ Nom.Pl.)
balasaṃhananopetā nīrogāś cirajīvinaḥ
mit Kraft und Körperbau begabt, gesund und langlebig. (balasaṃhananopetāḥ, nīrogāḥ, cirajīvinaḥ)
kulīnā matimantaś ca bhavanty annapradā narāḥ
Aus gutem Geschlecht und klug werden Menschen, die Speise geben. (kulīnāḥ, matimantaḥ, bhavanti, annapradāḥ narāḥ)
tasmād annaṃ viśeṣeṇa dātavyaṃ bhūtim icchatā
Darum ist besonders Speise von einem, der Wohlergehen wünscht, zu geben, (dātavyam, bhūtim icchatā)
sarvakālaṃ ca sarvasya sarvatra ca sadaiva ca
zu aller Zeit, an jeden, überall und immer. (Adv.)
suvarṇadānaṃ paramaṃ svargyaṃ svastyayanaṃ mahat
Die Goldgabe ist höchst, himmelsfördernd, ein großer Segen. (suvarṇadānam Nom.Sg.n., svargyam, svastyayanam)
tasmāt tad varṇayiṣyāmi yathāvad anupūrvaśaḥ
Darum will ich sie dir beschreiben, der Ordnung gemäß der Reihe nach. (varṇayiṣyāmi Fut., anupūrvaśaḥ Adv.)
api pāpaṃ kṛtaṃ krūraṃ dattaṃ rukmaṃ praṇāśayet
Selbst eine begangene grausame Sünde tilgt gegebenes Gold. (pāpam, kṛtam, krūram, dattam rukmam Nom.Sg.n., praṇāśayet)
suvarṇaṃ ye prayacchanti śrotriyebhyaḥ sucetasaḥ
Die Wohlgesinnten, die Veda-Kundigen Gold geben, (prayacchanti, śrotriyebhyaḥ Dat.Pl., sucetasaḥ)
devatās te tarpayanti samastā iti vaidikam
stellen alle Götter zufrieden: so ist es vedisch [überliefert]. (tarpayanti 3.Pl.Kaus., samastāḥ, vaidikam)
agnir hi devatāḥ sarvāḥ suvarṇaṃ cāgnir ucyate
Denn Agni ist alle Götter, und Gold heißt Agni. (agniḥ, devatāḥ, suvarṇam, ucyate)
tasmāt suvarṇadānena dattāḥ syuḥ sarvadevatāḥ
Darum wären durch die Goldgabe alle Götter beschenkt. (suvarṇadānena Instr., dattāḥ syuḥ Pass.Opt.)
agnyabhāve tu kurvanti vahnisthāneṣu kāñcanam
Fehlt Feuer, so legt man Gold an die Feuerstellen. (agnyabhāve Lok., kurvanti, vahnisthāneṣu Lok.Pl., kāñcanam)
tasmāt suvarṇadātāraḥ sarvān kāmān avāpnuyuḥ
Darum erlangen Goldgeber alle Wünsche. (suvarṇadātāraḥ Nom.Pl., kāmān, avāpnuyuḥ Opt.)
ādityasya hutāśasya lokān nānāvidhāñ śubhān
[Auch] die mannigfachen, glückverheißenden Welten der Sonne und des Feuers (ādityasya, hutāśasya Gen., lokān, nānāvidhān, śubhān Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz läuft in die nächste Einheit weiter (‚kāñcanaṃ saṃpradāyāśu praviśanti…‘).

kāñcanaṃ saṃpradāyāśu praviśanti na saṃśayaḥ; alaṃkārakṛtaṃ cāpi kevalāt praviśiṣyate; sauvarṇair brāhmaṇān kāle tair alaṃkṛtya bhojayet; etat paramakaṃ dānaṃ dattvāsau varṇam adbhutam; dyutiṃ medhāṃ vapuḥ kīrtiṃ punar jāte labhed dhruvam; tasmāt svaśaktyā dātavyaṃ kāñcanaṃ bhuvi mānavaiḥ; na hy etasmāt paraṃ lokeṣv anyat pāvanam ucyate; ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi gavāṃ dānam anindite; na hi gobhyaḥ paraṃ dānaṃ vidyate jagati priye; lokān sisṛkṣuṇā pūrvaṃ gāvaḥ sṛṣṭāḥ svayaṃbhuvā; vṛttyarthaṃ sarvabhūtānāṃ tasmāt tā mātaraḥ smṛtāḥ; lokajyeṣṭhā lokavṛttyāṃ pravṛttā; mayy āyattāḥ somaviṣyandabhūtāḥ; saumyāḥ puṇyāḥ kāmadāḥ prāṇadāś ca; tasmāt pūjyāḥ puṇyakāmair manuṣyaiḥ

betreten sie rasch, wenn sie Gold gegeben haben; daran ist kein Zweifel. Auch zu Schmuck verarbeitetes [Gold] ist vorzüglicher als bloßes. Zur rechten Zeit soll man Brahmanen mit goldenem [Schmuck] schmücken und speisen. Diese höchste Gabe gegeben habend, [erlangt] jener eine wunderbare Farbe, Glanz, Verstand, Gestalt, Ruhm – in erneuter Geburt erlangt er sie gewiss. Darum ist Gold auf Erden von Menschen nach eigener Kraft zu geben. Denn nichts anderes in den Welten gilt als läuternder als dies. Weiter will ich die Gabe von Kühen darlegen, Untadelige. Denn es gibt in der Welt keine Gabe, die höher wäre als [die von] Kühen, Liebe. Als er einst die Welten erschaffen wollte, wurden die Kühe vom Selbstentstandenen geschaffen, für den Lebensunterhalt aller Wesen; darum gelten sie als Mütter. Sie, die ältesten der Welt, sind in das Leben der Welt eingetreten, von mir abhängig, gleichsam Ausfluss des Soma, sanft, heilig, wunscherfüllend und lebensspendend; darum sind sie von Menschen, die Verdienst wünschen, zu ehren.

Wort für Wort
kāñcanaṃ saṃpradāyāśu praviśanti na saṃśayaḥ
betreten sie rasch, wenn sie Gold gegeben haben; daran ist kein Zweifel. (kāñcanam, saṃpradāya Abs., āśu, praviśanti, saṃśayaḥ)
alaṃkārakṛtaṃ cāpi kevalāt praviśiṣyate
Auch zu Schmuck verarbeitetes [Gold] ist vorzüglicher als bloßes. (alaṃkārakṛtam Part., kevalāt Abl., praviśiṣyate Pass.)
sauvarṇair brāhmaṇān kāle tair alaṃkṛtya bhojayet
Zur rechten Zeit soll man Brahmanen mit goldenem [Schmuck] schmücken und speisen. (sauvarṇaiḥ, taiḥ Instr.Pl., alaṃkṛtya Abs., bhojayet)
etat paramakaṃ dānaṃ dattvāsau varṇam adbhutam
Diese höchste Gabe gegeben habend, [erlangt] jener eine wunderbare Farbe, (paramakam dānam, dattvā Abs., varṇam adbhutam)
dyutiṃ medhāṃ vapuḥ kīrtiṃ punar jāte labhed dhruvam
Glanz, Verstand, Gestalt, Ruhm – in erneuter Geburt erlangt er sie gewiss. (dyutim, medhām, vapuḥ, kīrtim Akk., jāte Lok., labhet)
tasmāt svaśaktyā dātavyaṃ kāñcanaṃ bhuvi mānavaiḥ
Darum ist Gold auf Erden von Menschen nach eigener Kraft zu geben. (svaśaktyā Instr., dātavyam)
na hy etasmāt paraṃ lokeṣv anyat pāvanam ucyate
Denn nichts anderes in den Welten gilt als läuternder als dies. (etasmāt Abl., param anyat pāvanam)
ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi gavāṃ dānam anindite
Weiter will ich die Gabe von Kühen darlegen, Untadelige. (gavām Gen.Pl., dānam)
na hi gobhyaḥ paraṃ dānaṃ vidyate jagati priye
Denn es gibt in der Welt keine Gabe, die höher wäre als [die von] Kühen, Liebe. (gobhyaḥ Abl.Pl., vidyate)
lokān sisṛkṣuṇā pūrvaṃ gāvaḥ sṛṣṭāḥ svayaṃbhuvā
Als er einst die Welten erschaffen wollte, wurden die Kühe vom Selbstentstandenen geschaffen, (sisṛkṣuṇā Instr., gāvaḥ, sṛṣṭāḥ Part. Pass., svayaṃbhuvā Instr.)
vṛttyarthaṃ sarvabhūtānāṃ tasmāt tā mātaraḥ smṛtāḥ
für den Lebensunterhalt aller Wesen; darum gelten sie als Mütter. (vṛttyartham, sarvabhūtānām, mātaraḥ)
lokajyeṣṭhā lokavṛttyāṃ pravṛttā
Sie, die ältesten der Welt, sind in das Leben der Welt eingetreten, (lokajyeṣṭhāḥ, lokavṛttyām Lok., pravṛttāḥ Part.)
mayy āyattāḥ somaviṣyandabhūtāḥ
von mir abhängig, gleichsam Ausfluss des Soma, (mayi Lok., āyattāḥ, somaviṣyandabhūtāḥ)
saumyāḥ puṇyāḥ kāmadāḥ prāṇadāś ca
sanft, heilig, wunscherfüllend und lebensspendend; (saumyāḥ, puṇyāḥ, kāmadāḥ, prāṇadāḥ)
tasmāt pūjyāḥ puṇyakāmair manuṣyaiḥ
darum sind sie von Menschen, die Verdienst wünschen, zu ehren. (pūjyāḥ Gerundiv, puṇyakāmaiḥ Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Verse ‚lokajyeṣṭhā … prāṇadāś ca‘ sind Rede des Sprechers (Śiva) in erster Person (‚mayy āyattāḥ‘).

dhenuṃ hi dattvā nibhṛtām arogāṃ; kalyāṇavatsāṃ ca payasvinīṃ ca; yāvanti lomāni bhavanti tasyās; tāvat samāḥ svargaphalāni bhuṅkte; prayacchate yaḥ kapilāṃ sacelāṃ; kāṃsyopadohāṃ kanakāgraśṛṅgīm; putrāṃś ca pautrāṃś ca kulaṃ ca sarvam; āsaptamaṃ tārayate paratra; antarjātāḥ krītakā dyūtalabdhāḥ; prāṇakrītāḥ sodakāś caujasā vā; kṛcchrotsṛṣṭāḥ poṣaṇārthāgatāś ca; dvārair etais tāḥ pralabdhāḥ pradadyāt; kṛśāya bahuputrāya śrotriyāyāhitāgnaye; pradāya nīrujāṃ dhenuṃ lokān prāpnoty anuttamān; nṛśaṃsasya kṛtaghnasya lubdhasyānṛtavādinaḥ; havyakavyavyapetasya na dadyād gāḥ kathaṃ cana; samānavatsāṃ yo dadyād dhenuṃ vipre payasvinīm; suvastrāṃ vastrasaṃdānāṃ somaloke mahīyate

Wer eine Milchkuh gibt, die ruhig und gesund ist, mit einem schönen Kalb und reich an Milch, so viele Haare sie hat, so viele Jahre genießt er die Früchte im Himmel. Wer eine rotbraune Kuh mit Tuch gibt, mit Bronzemelkgefäß, mit goldbeschlagenen Hörnern, Söhne und Enkel und das ganze Geschlecht rettet er bis zum siebten [Nachkommen] im Jenseits hinüber. Kühe, die im Haus geboren, gekauft, im Spiel gewonnen, für Leben erkauft, als Wassergabe [empfangen] oder durch Kraft [erworben], aus Not überlassen oder zum Aufziehen gekommen – auf diesen Wegen erworben, soll man sie geben. Einem Armen, Kinderreichen, Veda-Kundigen, Feuerhalter eine gesunde Kuh gebend, erlangt man unübertroffene Welten. Einem Grausamen, Undankbaren, Gierigen, Lügner, einem, der von Götter- und Ahnenopfer abgekommen ist, soll man auf keine Weise Kühe geben. Wer einem Brahmanen eine milchreiche Kuh samt Kalb gibt, gut bekleidet, mit Tuch überreicht, wird er in der Somawelt verehrt.

Wort für Wort
dhenuṃ hi dattvā nibhṛtām arogāṃ
Wer eine Milchkuh gibt, die ruhig und gesund ist, (dhenum Akk.Sg.f., dattvā Abs., nibhṛtām, arogām)
kalyāṇavatsāṃ ca payasvinīṃ ca
mit einem schönen Kalb und reich an Milch, (kalyāṇavatsām, payasvinīm)
yāvanti lomāni bhavanti tasyāḥ
so viele Haare sie hat, (yāvanti lomāni Nom.Pl.n., tasyāḥ Gen.f.)
tāvat samāḥ svargaphalāni bhuṅkte
so viele Jahre genießt er die Früchte im Himmel. (tāvat samāḥ Akk.Pl.f., svargaphalāni, bhuṅkte 3.Sg.Med.)
prayacchate yaḥ kapilāṃ sacelāṃ
Wer eine rotbraune Kuh mit Tuch gibt, (prayacchate 3.Sg., kapilām, sacelām)
kāṃsyopadohāṃ kanakāgraśṛṅgīm
mit Bronzemelkgefäß, mit goldbeschlagenen Hörnern, (kāṃsyopadohām, kanakāgraśṛṅgīm)
putrāṃś ca pautrāṃś ca kulaṃ ca sarvam
Söhne und Enkel und das ganze Geschlecht (putrān, pautrān, kulam Akk.)
āsaptamaṃ tārayate paratra
rettet er bis zum siebten [Nachkommen] im Jenseits hinüber. (āsaptamam Adv., tārayate 3.Sg.)
antarjātāḥ krītakā dyūtalabdhāḥ
Kühe, die im Haus geboren, gekauft, im Spiel gewonnen, (antarjātāḥ, krītakāḥ, dyūtalabdhāḥ Nom.Pl.)
prāṇakrītāḥ sodakāś caujasā vā
für Leben erkauft, als Wassergabe [empfangen] oder durch Kraft [erworben], (prāṇakrītāḥ, sodakāḥ, ojasā Instr.)
kṛcchrotsṛṣṭāḥ poṣaṇārthāgatāś ca
aus Not überlassen oder zum Aufziehen gekommen – (kṛcchrotsṛṣṭāḥ, poṣaṇārthāgatāḥ)
dvārair etais tāḥ pralabdhāḥ pradadyāt
auf diesen Wegen erworben, soll man sie geben. (dvāraiḥ Instr.Pl., pralabdhāḥ Part., pradadyāt Opt.)
kṛśāya bahuputrāya śrotriyāyāhitāgnaye
Einem Armen, Kinderreichen, Veda-Kundigen, Feuerhalter (kṛśāya, bahuputrāya, śrotriyāya, āhitāgnaye Dat.)
pradāya nīrujāṃ dhenuṃ lokān prāpnoty anuttamān
eine gesunde Kuh gebend, erlangt man unübertroffene Welten. (pradāya Abs., nīrujām, prāpnoti, anuttamān)
nṛśaṃsasya kṛtaghnasya lubdhasyānṛtavādinaḥ
Einem Grausamen, Undankbaren, Gierigen, Lügner, (Gen.Sg.)
havyakavyavyapetasya na dadyād gāḥ kathaṃ cana
einem, der von Götter- und Ahnenopfer abgekommen ist, soll man auf keine Weise Kühe geben. (havyakavyavyapetasya Part. Gen., dadyāt Opt., gāḥ Akk.Pl.)
samānavatsāṃ yo dadyād dhenuṃ vipre payasvinīm
Wer einem Brahmanen eine milchreiche Kuh samt Kalb gibt, (samānavatsām, vipre Lok./Dat.-Sinn, payasvinīm)
suvastrāṃ vastrasaṃdānāṃ somaloke mahīyate
gut bekleidet, mit Tuch überreicht, wird er in der Somawelt verehrt. (suvastrām, vastrasaṃdānām, somaloke Lok., mahīyate)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Anm.: Text und Konstruktion der Strophen sind teils elliptisch; ‚sodakāś‘ (‚mit Wasser [geschenkt]‘) und ‚pralabdhāḥ‘ (‚erlangt‘) sind unsicher [?].

samānavatsāṃ yo dhenuṃ kṛṣṇāṃ dadyāt payasvinīm; suvṛttāṃ vastrasaṃdānāṃ lokān prāpnoty apāṃ pateḥ; samānavatsāṃ yo dhenuṃ dadyād gaurīṃ payasvinīm; suvṛttāṃ vastrasaṃdānām agniloke mahīyate; hiraṇyavarṇāṃ piṅgākṣīṃ savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃdānāṃ yāti kauberasadma saḥ; vāyureṇusavarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām; pradāya vastrasaṃdānāṃ vāyuloke mahīyate; yuvānaṃ balinaṃ śyāmaṃ śatena saha yūthapam; gavendraṃ brāhmaṇendrāya bhūriśṛṅgam alaṃkṛtam; ṛṣabhaṃ ye prayacchanti śrotriyāṇāṃ mahātmanām; aiśvaryam abhijāyante jāyamānāḥ punaḥ punaḥ; gavāṃ mūtrapurīṣāṇi nodvijeta kadā cana; na cāsāṃ māṃsam aśnīyād goṣu bhaktaḥ sadā bhavet; grāsamuṣṭiṃ paragave dadyāt saṃvatsaraṃ śuciḥ

Wer eine schwarze, milchreiche Kuh samt Kalb gibt, von guter Art und mit Tuch beschenkt, erlangt die Welten des Herrn der Wasser. Wer eine helle, milchreiche Kuh samt Kalb gibt, von guter Art und mit Tuch beschenkt, wird in der Agni-Welt verehrt. Eine goldfarbene, braunäugige [Kuh] samt Kalb, mit Bronzemelkgefäß, gebend, mit Tuch beschenkt, geht er in den Wohnsitz Kuberas. Eine aber von der Farbe des Windstaubs, samt Kalb, mit Bronzemelkgefäß, gebend, mit Tuch beschenkt, wird er in der Windwelt verehrt. Einen jungen, starken, dunklen Leitstier zusammen mit hundert [Kühen], einen Stierfürsten mit vielen Hörnern [?], geschmückt, dem Brahmanenfürsten [gebend], und wer einen Stier den hochgesinnten Veda-Kundigen gibt, die erlangen Herrschaft, jedesmal wenn sie wieder geboren werden. Vor Urin und Kot der Kühe soll man nie zurückschrecken. Man soll ihr Fleisch nicht essen und den Kühen stets ergeben sein. Einer fremden Kuh soll man ein Jahr lang rein eine Handvoll Futter geben,

Wort für Wort
samānavatsāṃ yo dhenuṃ kṛṣṇāṃ dadyāt payasvinīm
Wer eine schwarze, milchreiche Kuh samt Kalb gibt, (kṛṣṇām, payasvinīm Akk.Sg.f.)
suvṛttāṃ vastrasaṃdānāṃ lokān prāpnoty apāṃ pateḥ
von guter Art und mit Tuch beschenkt, erlangt die Welten des Herrn der Wasser. (suvṛttām, apām pateḥ Gen.)
samānavatsāṃ yo dhenuṃ dadyād gaurīṃ payasvinīm
Wer eine helle, milchreiche Kuh samt Kalb gibt, (gaurīm Akk.Sg.f.)
suvṛttāṃ vastrasaṃdānām agniloke mahīyate
von guter Art und mit Tuch beschenkt, wird in der Agni-Welt verehrt. (agniloke Lok.)
hiraṇyavarṇāṃ piṅgākṣīṃ savatsāṃ kāṃsyadohanām
Eine goldfarbene, braunäugige [Kuh] samt Kalb, mit Bronzemelkgefäß, (hiraṇyavarṇām, piṅgākṣīm, savatsām, kāṃsyadohanām)
pradāya vastrasaṃdānāṃ yāti kauberasadma saḥ
gebend, mit Tuch beschenkt, geht er in den Wohnsitz Kuberas. (pradāya Abs., yāti, kauberasadma Akk.n.)
vāyureṇusavarṇāṃ tu savatsāṃ kāṃsyadohanām
Eine aber von der Farbe des Windstaubs, samt Kalb, mit Bronzemelkgefäß, (vāyureṇusavarṇām)
pradāya vastrasaṃdānāṃ vāyuloke mahīyate
gebend, mit Tuch beschenkt, wird er in der Windwelt verehrt. (vāyuloke Lok.)
yuvānaṃ balinaṃ śyāmaṃ śatena saha yūthapam
Einen jungen, starken, dunklen Leitstier zusammen mit hundert [Kühen], (yuvānam, balinam, śyāmam, yūthapam Akk.Sg.)
gavendraṃ brāhmaṇendrāya bhūriśṛṅgam alaṃkṛtam
einen Stierfürsten mit vielen Hörnern [?], geschmückt, dem Brahmanenfürsten [gebend], (gavendram Akk., brāhmaṇendrāya Dat., bhūriśṛṅgam, alaṃkṛtam)
ṛṣabhaṃ ye prayacchanti śrotriyāṇāṃ mahātmanām
und wer einen Stier den hochgesinnten Veda-Kundigen gibt, (ṛṣabham, prayacchanti, śrotriyāṇām Gen.Pl.(Dat.-Sinn))
aiśvaryam abhijāyante jāyamānāḥ punaḥ punaḥ
die erlangen Herrschaft, jedesmal wenn sie wieder geboren werden. (aiśvaryam Akk., abhijāyante, jāyamānāḥ Part.)
gavāṃ mūtrapurīṣāṇi nodvijeta kadā cana
Vor Urin und Kot der Kühe soll man nie zurückschrecken. (mūtrapurīṣāṇi Akk.Pl.n., udvijeta Opt.)
na cāsāṃ māṃsam aśnīyād goṣu bhaktaḥ sadā bhavet
Man soll ihr Fleisch nicht essen und den Kühen stets ergeben sein. (aśnīyāt Opt., goṣu Lok.Pl., bhaktaḥ)
grāsamuṣṭiṃ paragave dadyāt saṃvatsaraṃ śuciḥ
Einer fremden Kuh soll man ein Jahr lang rein eine Handvoll Futter geben, (grāsamuṣṭim Akk., paragave Dat., saṃvatsaram Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz ‚grāsamuṣṭiṃ … dadyāt‘ setzt sich in der nächsten Einheit fort.

akṛtvā svayam āhāraṃ vrataṃ tat sārvakāmikam; gavām ubhayataḥkāle nityaṃ svastyayanaṃ vadet; na cāsāṃ cintayet pāpam iti dharmavido viduḥ; gāvaḥ pavitraṃ paramaṃ goṣu lokāḥ pratiṣṭhitāḥ; kathaṃ cin nāvamantavyā gāvo lokasya mātaraḥ; tasmād eva gavāṃ dānaṃ viśiṣṭam iti kathyate; goṣu pūjā ca bhaktiś ca narasyāyuṣyam āvahet; ataḥ paraṃ pravakṣyāmi bhūmidānaṃ mahāphalam; bhūmidānasamaṃ dānaṃ na kilāstīti niścayaḥ; gṛhayuk kṣetrayug vāpi bhūmibhāgaḥ pradīyate; sukhabhogyaṃ nirākrośaṃ vāstupūrvaṃ prakalpya ca; grahītāram alaṃkṛtya vastrapuṣpānulepanaiḥ; sabhṛtyaṃ saparīvāraṃ bhojayitvā yatheṣṭataḥ; yo dadyād dakṣiṇākāle trir adbhir gṛhyatām iti; evaṃ bhūmyāṃ pradattāyāṃ śraddhayā vītamatsaraiḥ

ohne vorher selbst zu essen: das ist ein alle Wünsche erfüllendes Gelübde. Zu beiden Zeiten soll man täglich einen Segensspruch für die Kühe sprechen. Man soll auch nichts Böses gegen sie denken: so wissen es die Rechtskundigen. Kühe sind das höchste Reinigungsmittel; in den Kühen sind die Welten gegründet. Auf keine Weise dürfen die Kühe, die Mütter der Welt, missachtet werden. Darum eben heißt die Gabe von Kühen ausgezeichnet. Verehrung und Hingabe zu Kühen bringt dem Menschen Lebensdauer. Weiter will ich die Landgabe mit großer Frucht darlegen. Eine der Landgabe gleiche Gabe gibt es fürwahr nicht: so ist es gewiss. Ein Stück Land, mit Haus verbunden oder auch mit Feld, wird gegeben, bequem nutzbar, frei von Klage, nachdem man zuvor den Bauplatz hergerichtet hat, den Empfänger mit Kleidern, Blumen und Salben schmückend, ihn samt Dienern und Gefolge nach Wunsch speisend, wer zur Zeit des Opferlohns spricht: „Mit Wasser [nimm es], nimm es!“ [und] dreimal [gibt], wenn so das Land mit Glauben und neidlos gegeben ist:

Wort für Wort
akṛtvā svayam āhāraṃ vrataṃ tat sārvakāmikam
ohne vorher selbst zu essen: das ist ein alle Wünsche erfüllendes Gelübde. (akṛtvā Abs., āhāram, vratam, sārvakāmikam)
gavām ubhayataḥkāle nityaṃ svastyayanaṃ vadet
Zu beiden Zeiten soll man täglich einen Segensspruch für die Kühe sprechen. (ubhayataḥkāle Lok.Sg., svastyayanam, vadet)
na cāsāṃ cintayet pāpam iti dharmavido viduḥ
Man soll auch nichts Böses gegen sie denken: so wissen es die Rechtskundigen. (cintayet Opt., pāpam, dharmavidaḥ Nom.Pl.)
gāvaḥ pavitraṃ paramaṃ goṣu lokāḥ pratiṣṭhitāḥ
Kühe sind das höchste Reinigungsmittel; in den Kühen sind die Welten gegründet. (pavitram, goṣu Lok.Pl., pratiṣṭhitāḥ Part.)
kathaṃ cin nāvamantavyā gāvo lokasya mātaraḥ
Auf keine Weise dürfen die Kühe, die Mütter der Welt, missachtet werden. (avamantavyāḥ Gerundiv, lokasya Gen., mātaraḥ)
tasmād eva gavāṃ dānaṃ viśiṣṭam iti kathyate
Darum eben heißt die Gabe von Kühen ausgezeichnet. (viśiṣṭam, kathyate Pass.)
goṣu pūjā ca bhaktiś ca narasyāyuṣyam āvahet
Verehrung und Hingabe zu Kühen bringt dem Menschen Lebensdauer. (pūjā, bhaktiḥ Nom.Sg.f., āyuṣyam, āvahet Opt.)
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi bhūmidānaṃ mahāphalam
Weiter will ich die Landgabe mit großer Frucht darlegen. (bhūmidānam, mahāphalam)
bhūmidānasamaṃ dānaṃ na kilāstīti niścayaḥ
Eine der Landgabe gleiche Gabe gibt es fürwahr nicht: so ist es gewiss. (bhūmidānasamam, kila, niścayaḥ)
gṛhayuk kṣetrayug vāpi bhūmibhāgaḥ pradīyate
Ein Stück Land, mit Haus verbunden oder auch mit Feld, wird gegeben, (gṛhayuk, kṣetrayuk Nom.Sg., bhūmibhāgaḥ, pradīyate Pass.)
sukhabhogyaṃ nirākrośaṃ vāstupūrvaṃ prakalpya ca
bequem nutzbar, frei von Klage, nachdem man zuvor den Bauplatz hergerichtet hat, (sukhabhogyam, nirākrośam, vāstupūrvam, prakalpya Abs.)
grahītāram alaṃkṛtya vastrapuṣpānulepanaiḥ
den Empfänger mit Kleidern, Blumen und Salben schmückend, (grahītāram Akk., alaṃkṛtya Abs., vastrapuṣpānulepanaiḥ Instr.Pl.)
sabhṛtyaṃ saparīvāraṃ bhojayitvā yatheṣṭataḥ
ihn samt Dienern und Gefolge nach Wunsch speisend, (sabhṛtyam, saparīvāram, bhojayitvā Abs., yatheṣṭataḥ Adv.)
yo dadyād dakṣiṇākāle trir adbhir gṛhyatām iti
wer zur Zeit des Opferlohns spricht: „Mit Wasser [nimm es], nimm es!“ [und] dreimal [gibt], (dakṣiṇākāle Lok., trir Adv., adbhiḥ Instr.Pl., gṛhyatām Imp.Pass.)
evaṃ bhūmyāṃ pradattāyāṃ śraddhayā vītamatsaraiḥ
wenn so das Land mit Glauben und neidlos gegeben ist: (bhūmyām pradattāyām Lok.abs.f., śraddhayā, vītamatsaraiḥ Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚trir adbhir gṛhyatām iti‘ nur mit Vorbehalt verstanden [?]; der Satz führt in die nächste Einheit.

yāvat tiṣṭhati sā bhūmis tāvat tasya phalaṃ viduḥ; bhūmidaḥ svargam āruhya ramate śāśvatīḥ samāḥ; acalā hy akṣayā bhūmiḥ sarvān kāmān dudhukṣati; yad yac ca kurute pāpaṃ puruṣo vṛttikarśitaḥ; api gokarṇamātreṇa bhūmidānena mucyate; suvarṇarajataṃ vastraṃ maṇimuktāvasūni ca; sarvam etan mahāprājñe bhūmidāne pratiṣṭhitam; bhartur niḥśreyase yuktās tyaktātmāno raṇe hatāḥ; brahmalokāya saṃsiddhā nātikrāmanti bhūmidam; halakṛṣṭāṃ mahīṃ dadyād yaḥ sabījaphalānvitām; sakūpaśaraṇāṃ vāpi sā bhavet sarvakāmadā; niṣpannasasyāṃ pṛthivīṃ yo dadāti dvijanmanām; vimuktaḥ kaluṣaiḥ sarvaiḥ śakralokaṃ sa gacchati; yathā janitrī kṣīreṇa svaputram abhivardhayet

solange dieses Land besteht, so lange, wissen sie, währt seine Frucht. Der Landgeber, in den Himmel gestiegen, freut sich ewige Jahre. Die Erde, unbeweglich und unvergänglich, will alle Wünsche melken [gewähren]. Welche Sünde auch immer ein vom Lebensunterhalt Bedrängter begeht, davon wird er selbst durch eine Landgabe von der Größe eines Kuhohrs befreit. Gold, Silber, Kleider, Edelsteine, Perlen und Güter – all dies ist, Hochweise, in der Landgabe gegründet. Die dem Wohl des Herrn Ergebenen, die ihr Leben aufgegeben haben und im Kampf gefallen sind, diese, zur Brahmawelt vollendet, überschreiten den Landgeber nicht [d.h. übertreffen ihn nicht]. Wer ein mit dem Pflug bestelltes Land gibt, mit Saat und Früchten versehen, oder auch mit Brunnen und Unterkunft: das wird alle Wünsche gewährend. Wer den Brahmanen ein Land mit reifem Getreide gibt, der geht, von allen Makeln befreit, in die Welt Śakras. Wie eine Mutter mit Milch ihren Sohn wachsen lässt,

Wort für Wort
yāvat tiṣṭhati sā bhūmis tāvat tasya phalaṃ viduḥ
solange dieses Land besteht, so lange, wissen sie, währt seine Frucht. (yāvat–tāvat, tiṣṭhati, viduḥ 3.Pl.)
bhūmidaḥ svargam āruhya ramate śāśvatīḥ samāḥ
Der Landgeber, in den Himmel gestiegen, freut sich ewige Jahre. (bhūmidaḥ, āruhya Abs., ramate, śāśvatīḥ samāḥ Akk.Pl.f.)
acalā hy akṣayā bhūmiḥ sarvān kāmān dudhukṣati
Die Erde, unbeweglich und unvergänglich, will alle Wünsche melken [gewähren]. (acalā, akṣayā, dudhukṣati Desid.)
yad yac ca kurute pāpaṃ puruṣo vṛttikarśitaḥ
Welche Sünde auch immer ein vom Lebensunterhalt Bedrängter begeht, (kurute, puruṣaḥ, vṛttikarśitaḥ Part.)
api gokarṇamātreṇa bhūmidānena mucyate
davon wird er selbst durch eine Landgabe von der Größe eines Kuhohrs befreit. (gokarṇamātreṇa Instr., mucyate Pass.)
suvarṇarajataṃ vastraṃ maṇimuktāvasūni ca
Gold, Silber, Kleider, Edelsteine, Perlen und Güter – (Nom.Sg.n.)
sarvam etan mahāprājñe bhūmidāne pratiṣṭhitam
all dies ist, Hochweise, in der Landgabe gegründet. (mahāprājñe Vok., bhūmidāne Lok., pratiṣṭhitam)
bhartur niḥśreyase yuktās tyaktātmāno raṇe hatāḥ
Die dem Wohl des Herrn Ergebenen, die ihr Leben aufgegeben haben und im Kampf gefallen sind, (bhartuḥ Gen., niḥśreyase Dat., yuktāḥ, tyaktātmānaḥ, hatāḥ)
brahmalokāya saṃsiddhā nātikrāmanti bhūmidam
diese, zur Brahmawelt vollendet, überschreiten den Landgeber nicht [d.h. übertreffen ihn nicht]. (brahmalokāya Dat., saṃsiddhāḥ, atikrāmanti, bhūmidam Akk.)
halakṛṣṭāṃ mahīṃ dadyād yaḥ sabījaphalānvitām
Wer ein mit dem Pflug bestelltes Land gibt, mit Saat und Früchten versehen, (halakṛṣṭām mahīm, sabījaphalānvitām)
sakūpaśaraṇāṃ vāpi sā bhavet sarvakāmadā
oder auch mit Brunnen und Unterkunft: das wird alle Wünsche gewährend. (sakūpaśaraṇām, sarvakāmadā)
niṣpannasasyāṃ pṛthivīṃ yo dadāti dvijanmanām
Wer den Brahmanen ein Land mit reifem Getreide gibt, (niṣpannasasyām, dadāti, dvijanmanām Gen.Pl.)
vimuktaḥ kaluṣaiḥ sarvaiḥ śakralokaṃ sa gacchati
der geht, von allen Makeln befreit, in die Welt Śakras. (vimuktaḥ, kaluṣaiḥ Instr.Pl., śakralokam)
yathā janitrī kṣīreṇa svaputram abhivardhayet
Wie eine Mutter mit Milch ihren Sohn wachsen lässt, (janitrī, kṣīreṇa, abhivardhayet Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Vers ‚bhartur niḥśreyase…‘: Konstruktion elliptisch; Sinn: Selbst im Kampf für den Herrn Gefallene übertreffen den Landgeber nicht [?].

evaṃ sarvaphalair bhūmir dātāram abhivardhayet; brāhmaṇaṃ vṛttasaṃpannam āhitāgniṃ śucivratam; grāhayitvā nijāṃ bhūmiṃ na yāti yamasādanam; yathā candramaso vṛddhir ahany ahani dṛśyate; tathā bhūmikṛtaṃ dānaṃ sasye sasye vivardhate; yathā bījāni rohanti prakīrṇāni mahītale; tathā kāmāḥ prarohanti bhūmidānaguṇārjitāḥ; pitaraḥ pitṛlokasthā devatāś ca divi sthitāḥ; saṃtarpayanti bhogais taṃ yo dadāti vasuṃdharām; dīrghāyuṣṭvam arogatvaṃ sphītāṃ ca śriyam uttamām; paratra labhate martyaḥ saṃpradāya vasuṃdharām; etat sarvaṃ mayoddiṣṭaṃ bhūmidānasya yat phalam; śraddadhānair narair nityaṃ śrāvyam etat sanātanam; ataḥ paraṃ pravakṣyāmi kanyādānaṃ yathāvidhi

so lässt die Erde mit allen Früchten den Geber wachsen. Einen Brahmanen, der guten Wandel hat, Feuer hält, rein im Gelübde, dazu bringend, eigenes Land zu nehmen, geht man nicht in Yamas Wohnsitz. Wie das Wachstum des Mondes Tag für Tag gesehen wird, so wächst die auf Land bezogene Gabe mit jeder Ernte. Wie Samen auf dem Erdboden ausgestreut aufgehen, so sprießen Wünsche, erworben durch die Vorzüge der Landgabe. Die Ahnen in der Ahnenwelt und die Götter im Himmel erfreuen mit Genüssen den, der die Erde gibt. Langes Leben, Gesundheit und höchsten, reichen Wohlstand erlangt der Sterbliche im Jenseits, nachdem er Land gegeben hat. Dies alles habe ich als Frucht der Landgabe dargelegt. Von gläubigen Menschen ist dies uralte Wort stets zu hören. Weiter will ich die Gabe einer Tochter regelgemäß darlegen.

Wort für Wort
evaṃ sarvaphalair bhūmir dātāram abhivardhayet
so lässt die Erde mit allen Früchten den Geber wachsen. (sarvaphalaiḥ Instr.Pl., dātāram Akk.)
brāhmaṇaṃ vṛttasaṃpannam āhitāgniṃ śucivratam
Einen Brahmanen, der guten Wandel hat, Feuer hält, rein im Gelübde, (brāhmaṇam, vṛttasaṃpannam, āhitāgnim, śucivratam)
grāhayitvā nijāṃ bhūmiṃ na yāti yamasādanam
dazu bringend, eigenes Land zu nehmen, geht man nicht in Yamas Wohnsitz. (grāhayitvā Kaus.Abs., nijām bhūmim, yamasādanam Akk.)
yathā candramaso vṛddhir ahany ahani dṛśyate
Wie das Wachstum des Mondes Tag für Tag gesehen wird, (candramasaḥ Gen., vṛddhiḥ, ahany ahani Lok.)
tathā bhūmikṛtaṃ dānaṃ sasye sasye vivardhate
so wächst die auf Land bezogene Gabe mit jeder Ernte. (bhūmikṛtam dānam, sasye sasye Lok., vivardhate)
yathā bījāni rohanti prakīrṇāni mahītale
Wie Samen auf dem Erdboden ausgestreut aufgehen, (bījāni, rohanti, prakīrṇāni Part., mahītale Lok.)
tathā kāmāḥ prarohanti bhūmidānaguṇārjitāḥ
so sprießen Wünsche, erworben durch die Vorzüge der Landgabe. (kāmāḥ, prarohanti, bhūmidānaguṇārjitāḥ)
pitaraḥ pitṛlokasthā devatāś ca divi sthitāḥ
Die Ahnen in der Ahnenwelt und die Götter im Himmel (pitaraḥ, pitṛlokasthāḥ, devatāḥ, divi sthitāḥ)
saṃtarpayanti bhogais taṃ yo dadāti vasuṃdharām
erfreuen mit Genüssen den, der die Erde gibt. (saṃtarpayanti, bhogaiḥ Instr.Pl., vasuṃdharām Akk.)
dīrghāyuṣṭvam arogatvaṃ sphītāṃ ca śriyam uttamām
Langes Leben, Gesundheit und höchsten, reichen Wohlstand (dīrghāyuṣṭvam, arogatvam, sphītām śriyam uttamām)
paratra labhate martyaḥ saṃpradāya vasuṃdharām
erlangt der Sterbliche im Jenseits, nachdem er Land gegeben hat. (paratra, labhate, saṃpradāya Abs.)
etat sarvaṃ mayoddiṣṭaṃ bhūmidānasya yat phalam
Dies alles habe ich als Frucht der Landgabe dargelegt. (mayā uddiṣṭam Part., bhūmidānasya Gen., phalam)
śraddadhānair narair nityaṃ śrāvyam etat sanātanam
Von gläubigen Menschen ist dies uralte Wort stets zu hören. (śraddadhānaiḥ narair Instr.Pl., śrāvyam Gerundiv, sanātanam)
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi kanyādānaṃ yathāvidhi
Weiter will ich die Gabe einer Tochter regelgemäß darlegen. (kanyādānam, yathāvidhi)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kanyā deyā tathā devi pareṣām ātmano 'pi vā; kanyāṃ śuddhavratācārāṃ kularūpasamanvitām; yasmai ditsati pātrāya tenāpi bhṛśakāmitām; prathamaṃ tat samākalpya bandhubhiḥ kṛtaniścayam; kārayitvā gṛhaṃ pūrvaṃ dāsīdāsaparicchadaiḥ; gṛhopakaraṇaṃ caiva śuddhadhānyena saṃyutam; dārārthine tadarhāya kanyāṃ tāṃ samalaṃkṛtām; savivāhaṃ yathānyāyaṃ prayacched agnisākṣikam; vṛttyāyatiṃ tathā kṛtvā sadgṛhe tau niveśayet; evaṃ kṛtvā vadhūdānaṃ tasya dānasya gauravāt; pretyabhāve mahīyeta svargaloke yathāsukham; punarjātau ca saubhāgyaṃ kulavṛddhiṃ tathāpnuyāt; vidyādānaṃ tathā devi pātrabhūtāya vai dadat; pretyabhāve labhen martyo medhāṃ vṛddhiṃ dhṛtiṃ smṛtim

Ein Mädchen ist zu geben, Göttin, [aus] fremdem oder auch eigenem [Haus]. Ein Mädchen, das reines Gelübde und Wandel hat, mit Geschlecht und Schönheit ausgestattet, dem Empfänger, dem man es geben will – auch von ihm ist [sie] sehr begehrt [?]. Nachdem man dies zuvor bedacht und mit den Verwandten beschlossen hat, und zuvor ein Haus mit Dienerinnen und Dienern und Ausstattung hat errichten lassen, und Hausrat, mit reinem Getreide versehen, soll man dem, der eine Gattin wünscht und dessen würdig ist, jenes wohlgeschmückte Mädchen mit Hochzeit, rechtmäßig, vor dem Feuer als Zeugen geben. Nachdem man ihren Unterhalt für die Zukunft geregelt hat, soll man beide in einem guten Haus einsetzen. Wer so die Brautgabe vollzogen hat, wird wegen der Würde dieser Gabe im Jenseits in der Himmelswelt nach Belieben verehrt. In der Wiedergeburt erlangt er auch Glück und Mehrung des Geschlechts. Ebenso gibt, Göttin, einem würdigen Empfänger Wissen, der erlangt als Sterblicher im Jenseits Verstand, Wachstum, Festigkeit und Gedächtnis.

Wort für Wort
kanyā deyā tathā devi pareṣām ātmano 'pi vā
Ein Mädchen ist zu geben, Göttin, [aus] fremdem oder auch eigenem [Haus]. (kanyā deyā Gerundiv, pareṣām Gen.Pl., ātmanaḥ Gen.)
kanyāṃ śuddhavratācārāṃ kularūpasamanvitām
Ein Mädchen, das reines Gelübde und Wandel hat, mit Geschlecht und Schönheit ausgestattet, (kanyām, śuddhavratācārām, kularūpasamanvitām)
yasmai ditsati pātrāya tenāpi bhṛśakāmitām
dem Empfänger, dem man es geben will – auch von ihm ist [sie] sehr begehrt [?]. (yasmai Dat., ditsati Desid., tena Instr., bhṛśakāmitām)
prathamaṃ tat samākalpya bandhubhiḥ kṛtaniścayam
Nachdem man dies zuvor bedacht und mit den Verwandten beschlossen hat, (prathamam, samākalpya Abs., bandhubhiḥ, kṛtaniścayam)
kārayitvā gṛhaṃ pūrvaṃ dāsīdāsaparicchadaiḥ
und zuvor ein Haus mit Dienerinnen und Dienern und Ausstattung hat errichten lassen, (kārayitvā Abs., gṛham, dāsīdāsaparicchadaiḥ Instr.Pl.)
gṛhopakaraṇaṃ caiva śuddhadhānyena saṃyutam
und Hausrat, mit reinem Getreide versehen, (gṛhopakaraṇam, śuddhadhānyena Instr., saṃyutam)
dārārthine tadarhāya kanyāṃ tāṃ samalaṃkṛtām
soll man dem, der eine Gattin wünscht und dessen würdig ist, jenes wohlgeschmückte Mädchen (dārārthine Dat., tadarhāya Dat., samalaṃkṛtām)
savivāhaṃ yathānyāyaṃ prayacched agnisākṣikam
mit Hochzeit, rechtmäßig, vor dem Feuer als Zeugen geben. (savivāham, yathānyāyam, prayacchet Opt., agnisākṣikam)
vṛttyāyatiṃ tathā kṛtvā sadgṛhe tau niveśayet
Nachdem man ihren Unterhalt für die Zukunft geregelt hat, soll man beide in einem guten Haus einsetzen. (vṛttyāyatim, kṛtvā, sadgṛhe Lok., tau Akk.Du., niveśayet)
evaṃ kṛtvā vadhūdānaṃ tasya dānasya gauravāt
Wer so die Brautgabe vollzogen hat, wird wegen der Würde dieser Gabe (kṛtvā Abs., vadhūdānam, dānasya gauravāt Abl.)
pretyabhāve mahīyeta svargaloke yathāsukham
im Jenseits in der Himmelswelt nach Belieben verehrt. (mahīyeta Opt.Pass., yathāsukham)
punarjātau ca saubhāgyaṃ kulavṛddhiṃ tathāpnuyāt
In der Wiedergeburt erlangt er auch Glück und Mehrung des Geschlechts. (punarjātau Lok., saubhāgyam, kulavṛddhim, āpnuyāt)
vidyādānaṃ tathā devi pātrabhūtāya vai dadat
Ebenso gibt, Göttin, einem würdigen Empfänger Wissen, (vidyādānam, pātrabhūtāya Dat., dadat Part.)
pretyabhāve labhen martyo medhāṃ vṛddhiṃ dhṛtiṃ smṛtim
der erlangt als Sterblicher im Jenseits Verstand, Wachstum, Festigkeit und Gedächtnis. (labhet, medhām, vṛddhim, dhṛtim, smṛtim Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚bhṛśakāmitām‘ ist unsicher [?].

anurūpāya śiṣyāya svāṃ vidyāṃ yaḥ prayacchati; yathoktam asya dānasya phalam ānantyam ucyate; dāpanaṃ tv atha vidyānāṃ daridrebhyo 'rthavetanaiḥ; svayaṃdattena tulyaṃ syād iti viddhi śubhānane; evaṃ te kathitāny eva mahādānāni bhāmini; tvatpriyārthaṃ mahādevi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; umā; bhagavan devadeveśa kathaṃ deyaṃ tilānvitam; maheśvaraḥ; tasya tasya phalaṃ brūhi dattasya ca kṛtasya ca; tilakalpavidhiṃ devi tvaṃ me śṛṇu samāhitā; samṛddhair asamṛddhair vā tilā deyā viśeṣataḥ; tilāḥ pavitrāḥ pāpaghnāḥ supuṇyā iti saṃsmṛtāḥ; nyāyatas tu tilāñ śuddhān saṃbhṛtyātha svaśaktitaḥ; tilarāśiṃ punaḥ kuryāt parvatābhaṃ saratnakam; mahāntaṃ yadi vā stokaṃ nānādravyasamāyutam

Wer seinem passenden Schüler sein Wissen weitergibt, dessen Gabe hat, wie gesagt, unendliche Frucht. Das Erteilen von Wissen an Arme gegen Bezahlung von Gut [durch einen Dritten] gilt als dem selbst Gegebenen gleich: so wisse, Schönantlitzige. So sind dir die großen Gaben erzählt worden, Zornige. Um dir Freude zu machen, große Göttin: was willst du weiter hören? Umā [sprach]: Herr, Gott der Götter, wie ist Sesam-Gabe [wörtl.: mit Sesam Verbundenes] zu geben? Maheśvara [sprach]: Sage die jeweilige Frucht des Gegebenen und des Getanen. Die Vorschrift der Sesam-Riten, Göttin, höre du von mir gesammelt. Von Wohlhabenden oder Unbemittelten ist Sesam besonders zu geben. Sesam gilt als rein, sündentilgend, sehr heilsam. Nachdem man rechtmäßig reinen Sesam nach eigener Kraft gesammelt hat, soll man einen Sesamhaufen machen, bergartig, mit Edelsteinen, groß oder klein, mit vielerlei Dingen verbunden,

Wort für Wort
anurūpāya śiṣyāya svāṃ vidyāṃ yaḥ prayacchati
Wer seinem passenden Schüler sein Wissen weitergibt, (anurūpāya śiṣyāya Dat., svām vidyām, prayacchati)
yathoktam asya dānasya phalam ānantyam ucyate
dessen Gabe hat, wie gesagt, unendliche Frucht. (yathoktam, phalam, ānantyam)
dāpanaṃ tv atha vidyānāṃ daridrebhyo 'rthavetanaiḥ
Das Erteilen von Wissen an Arme gegen Bezahlung von Gut [durch einen Dritten] (dāpanam Nom.Sg.n., vidyānām Gen.Pl., daridrebhyaḥ Dat.Pl., arthavetanaiḥ Instr.Pl.)
svayaṃdattena tulyaṃ syād iti viddhi śubhānane
gilt als dem selbst Gegebenen gleich: so wisse, Schönantlitzige. (svayaṃdattena Instr., tulyam, syāt, śubhānane Vok.)
evaṃ te kathitāny eva mahādānāni bhāmini
So sind dir die großen Gaben erzählt worden, Zornige. (kathitāni Part. Nom.Pl.n., mahādānāni)
tvatpriyārthaṃ mahādevi bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
Um dir Freude zu machen, große Göttin: was willst du weiter hören? (tvatpriyārtham, mahādevi Vok., śrotum, icchasi)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
bhagavan devadeveśa kathaṃ deyaṃ tilānvitam
Herr, Gott der Götter, wie ist Sesam-Gabe [wörtl.: mit Sesam Verbundenes] zu geben? (bhagavan, devadeveśa Vok., deyam, tilānvitam)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
tasya tasya phalaṃ brūhi dattasya ca kṛtasya ca
Sage die jeweilige Frucht des Gegebenen und des Getanen. (tasya tasya Gen., brūhi Imp., dattasya, kṛtasya Gen.)
tilakalpavidhiṃ devi tvaṃ me śṛṇu samāhitā
Die Vorschrift der Sesam-Riten, Göttin, höre du von mir gesammelt. (tilakalpavidhim Akk., śṛṇu)
samṛddhair asamṛddhair vā tilā deyā viśeṣataḥ
Von Wohlhabenden oder Unbemittelten ist Sesam besonders zu geben. (samṛddhaiḥ, asamṛddhaiḥ Instr.Pl., tilāḥ deyāḥ)
tilāḥ pavitrāḥ pāpaghnāḥ supuṇyā iti saṃsmṛtāḥ
Sesam gilt als rein, sündentilgend, sehr heilsam. (tilāḥ, pavitrāḥ, pāpaghnāḥ, supuṇyāḥ, saṃsmṛtāḥ)
nyāyatas tu tilāñ śuddhān saṃbhṛtyātha svaśaktitaḥ
Nachdem man rechtmäßig reinen Sesam nach eigener Kraft gesammelt hat, (nyāyataḥ Adv., tilān śuddhān Akk.Pl., saṃbhṛtya Abs., svaśaktitaḥ)
tilarāśiṃ punaḥ kuryāt parvatābhaṃ saratnakam
soll man einen Sesamhaufen machen, bergartig, mit Edelsteinen, (tilarāśim, kuryāt, parvatābham, saratnakam)
mahāntaṃ yadi vā stokaṃ nānādravyasamāyutam
groß oder klein, mit vielerlei Dingen verbunden, (mahāntam, stokam, nānādravyasamāyutam)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

suvarṇarajatābhyāṃ ca maṇimuktāpravālakaiḥ; alaṃkṛtya yathāyogaṃ sapatākaṃ savedikam; sabhūṣaṇaṃ savastraṃ ca śayanāsanasaṃyutam; prāyaśaḥ kaumudīmāse paurṇamāsyāṃ viśeṣataḥ; bhojayitvā ca vidhivad brāhmaṇān arhato bahūn; svayaṃ kṛtvopavāsaṃ ca vṛttaśaucasamanvitaḥ; dadyāt pradakṣiṇīkṛtya tilarāśiṃ sadakṣiṇam; ekasya vā bahūnāṃ vā dātavyaṃ bhūtim icchatā; tasya dānaphalaṃ devi agniṣṭomena saṃmitam; kevalaṃ vā tilair eva bhūmau kṛtvā gavākṛtim; saratnakaṃ savastraṃ ca puṃsā godānakāṅkṣiṇā; tad arhāya pradātavyaṃ tasya godānavat phalam; śarāvāṃs tilasaṃpūrṇān sahiraṇyān sacampakān; jalair dadad brāhmaṇāya sa puṇyaphalabhāg bhavet; evaṃ tilamayaṃ deyaṃ nareṇa hitam icchatā

mit Gold und Silber, mit Edelsteinen, Perlen und Korallen schmückend, angemessen, mit Fahne und Altar, mit Schmuck und Kleidern, mit Bett und Sitz verbunden, meist im Kaumudī-Monat, besonders am Vollmondtag, nachdem man viele würdige Brahmanen regelgemäß gespeist hat, und selbst gefastet hat, mit gutem Wandel und Reinheit ausgestattet, soll man den Sesamhaufen, [ihn] umschreitend, samt Opferlohn geben. An einen oder an viele ist von dem, der Wohlergehen wünscht, zu geben. Die Frucht dieser Gabe, Göttin, ist dem Agniṣṭoma gleich. Oder allein aus Sesam auf dem Boden eine Kuhgestalt bildend, mit Edelsteinen und Kleidern, von einem Mann, der eine Kuhgabe wünscht, ist dem Würdigen zu geben; dessen Frucht ist wie bei der Kuhgabe. Schalen, mit Sesam gefüllt, mit Gold, mit Campaka-Blüten, mit Wasser einem Brahmanen gebend, hat er Anteil an der Frucht des Verdienstes. So ist das aus Sesam Bestehende von einem Mann zu geben, der Heil wünscht.

Wort für Wort
suvarṇarajatābhyāṃ ca maṇimuktāpravālakaiḥ
mit Gold und Silber, mit Edelsteinen, Perlen und Korallen (suvarṇarajatābhyām Instr.Du., maṇimuktāpravālakaiḥ Instr.Pl.)
alaṃkṛtya yathāyogaṃ sapatākaṃ savedikam
schmückend, angemessen, mit Fahne und Altar, (alaṃkṛtya Abs., yathāyogam, sapatākam, savedikam)
sabhūṣaṇaṃ savastraṃ ca śayanāsanasaṃyutam
mit Schmuck und Kleidern, mit Bett und Sitz verbunden, (sabhūṣaṇam, savastram, śayanāsanasaṃyutam)
prāyaśaḥ kaumudīmāse paurṇamāsyāṃ viśeṣataḥ
meist im Kaumudī-Monat, besonders am Vollmondtag, (kaumudīmāse Lok., paurṇamāsyām)
bhojayitvā ca vidhivad brāhmaṇān arhato bahūn
nachdem man viele würdige Brahmanen regelgemäß gespeist hat, (bhojayitvā Abs., brāhmaṇān arhataḥ Akk.Pl.)
svayaṃ kṛtvopavāsaṃ ca vṛttaśaucasamanvitaḥ
und selbst gefastet hat, mit gutem Wandel und Reinheit ausgestattet, (kṛtvā upavāsam, vṛttaśaucasamanvitaḥ)
dadyāt pradakṣiṇīkṛtya tilarāśiṃ sadakṣiṇam
soll man den Sesamhaufen, [ihn] umschreitend, samt Opferlohn geben. (dadyāt, pradakṣiṇīkṛtya Abs., tilarāśim, sadakṣiṇam)
ekasya vā bahūnāṃ vā dātavyaṃ bhūtim icchatā
An einen oder an viele ist von dem, der Wohlergehen wünscht, zu geben. (ekasya, bahūnām Gen., dātavyam)
tasya dānaphalaṃ devi agniṣṭomena saṃmitam
Die Frucht dieser Gabe, Göttin, ist dem Agniṣṭoma gleich. (dānaphalam, agniṣṭomena Instr., saṃmitam)
kevalaṃ vā tilair eva bhūmau kṛtvā gavākṛtim
Oder allein aus Sesam auf dem Boden eine Kuhgestalt bildend, (kevalam, tilaiḥ Instr.Pl., kṛtvā Abs., gavākṛtim Akk.)
saratnakaṃ savastraṃ ca puṃsā godānakāṅkṣiṇā
mit Edelsteinen und Kleidern, von einem Mann, der eine Kuhgabe wünscht, (puṃsā Instr., godānakāṅkṣiṇā Instr.)
tad arhāya pradātavyaṃ tasya godānavat phalam
ist dem Würdigen zu geben; dessen Frucht ist wie bei der Kuhgabe. (tadarhāya Dat., pradātavyam, godānavat)
śarāvāṃs tilasaṃpūrṇān sahiraṇyān sacampakān
Schalen, mit Sesam gefüllt, mit Gold, mit Campaka-Blüten, (śarāvān, tilasaṃpūrṇān, sahiraṇyān, sacampakān Akk.Pl.)
jalair dadad brāhmaṇāya sa puṇyaphalabhāg bhavet
mit Wasser einem Brahmanen gebend, hat er Anteil an der Frucht des Verdienstes. (jalaiḥ, dadat Part., brāhmaṇāya, puṇyaphalabhāj)
evaṃ tilamayaṃ deyaṃ nareṇa hitam icchatā
So ist das aus Sesam Bestehende von einem Mann zu geben, der Heil wünscht. (tilamayam, deyam, nareṇa)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

nānādānaphalaṃ bhūyaḥ śṛṇu devi samāhitā; balam āyuṣyam ārogyam annadānāl labhen naraḥ; pānīyadas tu saubhāgyaṃ rasajñānaṃ labhen naraḥ; vastradānād vapuḥśobhām alaṃkāraṃ labhen naraḥ; dīpado buddhivaimalyaṃ dyutiṃ śobhāṃ labhet punaḥ; rājapīḍāvimokṣaṃ tac chatrado labhate phalam; dāsīdāsapradānāt tu bhavet karmāntabhāṅ naraḥ; dāsīdāsaṃ ca vividhaṃ labhet pretya guṇānvitam; yānāni vāhanaṃ caiva tadarhāya dadan naraḥ; pādarogaparikleśān muktaś cotsāhavān bhavet; vicitraṃ ramaṇīyaṃ ca labhate yānavāhanam; pratiśrayapradānāc ca tadarhāya tad icchate; varṣakāle tu rātrau ca labhet pakṣabalaṃ śubham; setukūpataṭākānāṃ kartā tu labhate naraḥ; dīrghāyuṣṭvaṃ ca saubhāgyaṃ tathā pretyāyatīṃ śubhām

Die Frucht mannigfacher Gaben höre weiter, Göttin, gesammelt. Kraft, Lebensdauer und Gesundheit erlangt ein Mensch durch Speisegabe. Wer Trinkwasser gibt, erlangt Glück und Geschmackssinn. Durch Kleidergabe erlangt man Schönheit der Gestalt und Schmuck. Wer eine Lampe gibt, erlangt Klarheit des Verstandes, Glanz und Schönheit. Wer einen Schirm gibt, erlangt diese Frucht: Befreiung von Bedrängnis durch den König. Durch die Gabe von Dienerinnen und Dienern hat man Anteil an [erfolgreichen] Werkstätten. Man erlangt im Jenseits vielerlei Dienerinnen und Diener von guter Art. Wer Wagen und Reittiere einem Würdigen gibt, wird von Fußleiden und Plagen befreit und voller Tatkraft. Er erlangt wunderbare, schöne Wagen und Reittiere. Durch die Gabe von Obdach an einen Würdigen, der es wünscht, erlangt man in der Regenzeit und in der Nacht heilvolle Kraft durch Beistand [wörtl. Flügelkraft]. Wer Dämme, Brunnen und Teiche anlegt, erlangt langes Leben, Glück und ebenso eine heilvolle Zukunft im Jenseits.

Wort für Wort
nānādānaphalaṃ bhūyaḥ śṛṇu devi samāhitā
Die Frucht mannigfacher Gaben höre weiter, Göttin, gesammelt. (nānādānaphalam, bhūyaḥ, śṛṇu)
balam āyuṣyam ārogyam annadānāl labhen naraḥ
Kraft, Lebensdauer und Gesundheit erlangt ein Mensch durch Speisegabe. (balam, āyuṣyam, ārogyam, annadānāt Abl.)
pānīyadas tu saubhāgyaṃ rasajñānaṃ labhen naraḥ
Wer Trinkwasser gibt, erlangt Glück und Geschmackssinn. (pānīyadaḥ, saubhāgyam, rasajñānam)
vastradānād vapuḥśobhām alaṃkāraṃ labhen naraḥ
Durch Kleidergabe erlangt man Schönheit der Gestalt und Schmuck. (vastradānāt, vapuḥśobhām, alaṃkāram)
dīpado buddhivaimalyaṃ dyutiṃ śobhāṃ labhet punaḥ
Wer eine Lampe gibt, erlangt Klarheit des Verstandes, Glanz und Schönheit. (dīpadaḥ, buddhivaimalyam, dyutim, śobhām)
rājapīḍāvimokṣaṃ tac chatrado labhate phalam
Wer einen Schirm gibt, erlangt diese Frucht: Befreiung von Bedrängnis durch den König. (rājapīḍāvimokṣam, chatradaḥ, labhate)
dāsīdāsapradānāt tu bhavet karmāntabhāṅ naraḥ
Durch die Gabe von Dienerinnen und Dienern hat man Anteil an [erfolgreichen] Werkstätten. (dāsīdāsapradānāt, karmāntabhāj Nom.Sg.)
dāsīdāsaṃ ca vividhaṃ labhet pretya guṇānvitam
Man erlangt im Jenseits vielerlei Dienerinnen und Diener von guter Art. (dāsīdāsam, vividham, pretya, guṇānvitam)
yānāni vāhanaṃ caiva tadarhāya dadan naraḥ
Wer Wagen und Reittiere einem Würdigen gibt, (yānāni, vāhanam, tadarhāya, dadan)
pādarogaparikleśān muktaś cotsāhavān bhavet
wird von Fußleiden und Plagen befreit und voller Tatkraft. (pādarogaparikleśāt Abl., muktaḥ, utsāhavān)
vicitraṃ ramaṇīyaṃ ca labhate yānavāhanam
Er erlangt wunderbare, schöne Wagen und Reittiere. (vicitram, ramaṇīyam, yānavāhanam)
pratiśrayapradānāc ca tadarhāya tad icchate
Durch die Gabe von Obdach an einen Würdigen, der es wünscht, (pratiśrayapradānāt, tadarhāya, icchate Part. Dat.)
varṣakāle tu rātrau ca labhet pakṣabalaṃ śubham
erlangt man in der Regenzeit und in der Nacht heilvolle Kraft durch Beistand [wörtl. Flügelkraft]. (varṣakāle, rātrau Lok., pakṣabalam)
setukūpataṭākānāṃ kartā tu labhate naraḥ
Wer Dämme, Brunnen und Teiche anlegt, erlangt (setukūpataṭākānām Gen.Pl., kartā)
dīrghāyuṣṭvaṃ ca saubhāgyaṃ tathā pretyāyatīṃ śubhām
langes Leben, Glück und ebenso eine heilvolle Zukunft im Jenseits. (dīrghāyuṣṭvam, saubhāgyam, pretyāyatīm śubhām)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

vṛkṣapaṅktikaro yas tu cchāyāpuṣpaphalapradaḥ; pretyabhāve labhet puṇyam abhigamyo bhaven naraḥ; yas tu saṃkramakṛl loke nadīṣu jalatāriṇām; labhet puṇyaphalaṃ pretya vyasanebhyo vimokṣaṇam; mārgakṛt satataṃ martyo bhavet saṃtānavān punaḥ; kāyadoṣavimuktas tu tīrthakṛt satataṃ bhavet; auṣadhānāṃ pradātā ca satataṃ kṛpayānvitaḥ; bhaved vyādhivihīnaś ca dīrghāyuś ca viśeṣataḥ; anāthān poṣayed yas tu kṛpaṇāndhakapaṅgukān; sa tu puṇyaphalaṃ pretya labhate kṛcchramokṣaṇam; devagoṣṭhān sabhāḥ śālā bhikṣūṇāṃ ca pratiśrayam; yaḥ kuryāl labhate nityaṃ naraḥ pretya phalaṃ śubham; prāsādavāsaṃ vividhaṃ pakṣaśobhāṃ labhen naraḥ; vividhaṃ vividhākāraṃ bhakṣyabhojyaguṇānvitam

Wer Baumreihen pflanzt, Schatten, Blüten und Früchte spendend, erlangt im Jenseits Verdienst und wird ein Mann, dem man sich [gern] nähert. Wer in der Welt an Flüssen Übergänge für Wasserüberquerer baut, erlangt im Jenseits Verdienstfrucht und Befreiung aus Notlagen. Wer Wege anlegt, wird stets wieder ein Sterblicher mit Nachkommenschaft. Wer Tīrthas [Badestellen] anlegt, wird stets von Körperfehlern befreit. Wer Arzneien gibt, ständig von Mitleid erfüllt, wird frei von Krankheit und besonders langlebig. Wer Schutzlose nährt, Elende, Blinde und Lahme, der erlangt im Jenseits Verdienstfrucht und Erlösung aus Not. Götterstätten, Versammlungshallen, Häuser und Obdach für Bettelmönche wer solche errichtet, erlangt dauernd im Jenseits heilvolle Frucht. Er erlangt vielfältiges Wohnen in Palästen und Schönheit der Gefolgschaft [?]. mannigfach, vielgestaltig, mit Vorzügen an Speisen und Genüssen versehen.

Wort für Wort
vṛkṣapaṅktikaro yas tu cchāyāpuṣpaphalapradaḥ
Wer Baumreihen pflanzt, Schatten, Blüten und Früchte spendend, (vṛkṣapaṅktikaraḥ, chāyāpuṣpaphalapradaḥ)
pretyabhāve labhet puṇyam abhigamyo bhaven naraḥ
erlangt im Jenseits Verdienst und wird ein Mann, dem man sich [gern] nähert. (abhigamyaḥ Gerundiv)
yas tu saṃkramakṛl loke nadīṣu jalatāriṇām
Wer in der Welt an Flüssen Übergänge für Wasserüberquerer baut, (saṃkramakṛt, nadīṣu Lok.Pl., jalatāriṇām Gen.Pl.)
labhet puṇyaphalaṃ pretya vyasanebhyo vimokṣaṇam
erlangt im Jenseits Verdienstfrucht und Befreiung aus Notlagen. (puṇyaphalam, vyasanebhyaḥ Abl.Pl., vimokṣaṇam)
mārgakṛt satataṃ martyo bhavet saṃtānavān punaḥ
Wer Wege anlegt, wird stets wieder ein Sterblicher mit Nachkommenschaft. (mārgakṛt, saṃtānavān)
kāyadoṣavimuktas tu tīrthakṛt satataṃ bhavet
Wer Tīrthas [Badestellen] anlegt, wird stets von Körperfehlern befreit. (kāyadoṣavimuktaḥ, tīrthakṛt)
auṣadhānāṃ pradātā ca satataṃ kṛpayānvitaḥ
Wer Arzneien gibt, ständig von Mitleid erfüllt, (auṣadhānām, pradātā, kṛpayānvitaḥ)
bhaved vyādhivihīnaś ca dīrghāyuś ca viśeṣataḥ
wird frei von Krankheit und besonders langlebig. (vyādhivihīnaḥ, dīrghāyuḥ)
anāthān poṣayed yas tu kṛpaṇāndhakapaṅgukān
Wer Schutzlose nährt, Elende, Blinde und Lahme, (anāthān, kṛpaṇāndhakapaṅgukān Akk.Pl., poṣayet)
sa tu puṇyaphalaṃ pretya labhate kṛcchramokṣaṇam
der erlangt im Jenseits Verdienstfrucht und Erlösung aus Not. (kṛcchramokṣaṇam)
devagoṣṭhān sabhāḥ śālā bhikṣūṇāṃ ca pratiśrayam
Götterstätten, Versammlungshallen, Häuser und Obdach für Bettelmönche (devagoṣṭhān, sabhāḥ, śālāḥ Akk.Pl., bhikṣūṇām, pratiśrayam)
yaḥ kuryāl labhate nityaṃ naraḥ pretya phalaṃ śubham
wer solche errichtet, erlangt dauernd im Jenseits heilvolle Frucht. (kuryāt, labhate, phalam)
prāsādavāsaṃ vividhaṃ pakṣaśobhāṃ labhen naraḥ
Er erlangt vielfältiges Wohnen in Palästen und Schönheit der Gefolgschaft [?]. (prāsādavāsam, pakṣaśobhām)
vividhaṃ vividhākāraṃ bhakṣyabhojyaguṇānvitam
mannigfach, vielgestaltig, mit Vorzügen an Speisen und Genüssen versehen. (vividham, vividhākāram, bhakṣyabhojyaguṇānvitam)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist an mehreren Stellen (‚pakṣaśobhām‘, ‚pakṣabalam‘) unsicher [?]; ‚śālā‘ ist Nom./Akk.-Pl.-Form ungewöhnlich.

ramyaṃ sadaiva govāṭaṃ yaḥ kuryāl labhate naraḥ; pretyabhāve śubhāṃ jātiṃ vyādhimokṣaṃ tathaiva ca; umā; evaṃ nānāvidhaṃ dravyaṃ dātā kartā labhet phalam; kṛtaṃ dattaṃ yathā yāvat tasya yal labhate phalam; maheśvaraḥ; etan me vada deveśa tatra kautūhalaṃ mahat; pretyabhāve śṛṇu phalaṃ dattasya ca kṛtasya ca; dānaṃ vā ṣaḍguṇayutaṃ tadarhāya yathāvidhi; yathāvibhavato dānaṃ dātavyam iti mānavaiḥ; buddhim āyuṣyam ārogyaṃ kulaṃ bhāgyaṃ tathāgamam; rūpeṇa saptadhā bhūtvā mānuṣyaṃ phalati dhruvam; idaṃ dattam idaṃ me syād ity evaṃ phalakāṅkṣayā; yad dattaṃ tat tad eva syān na tu kiṃ cana labhyate; dhruvaṃ devy uttame dāne madhyame tv adhame phalam

Wer stets einen schönen Kuhstall errichtet, erlangt im Jenseits eine heilvolle Geburt und Befreiung von Krankheit. Umā [sprach]: So erlangt ein Geber oder Tuender Frucht aus mannigfachem Gut. Wie viel Getanes oder Gegebenes an Frucht dafür erlangt wird, Maheśvara [sprach]: das sage mir, Herr der Götter; darauf ist meine Neugier groß. Höre die Frucht des Gegebenen und Getanen im Jenseits. Eine mit den sechs Eigenschaften verbundene Gabe an einen Würdigen, regelgemäß, ist von Menschen nach Vermögen zu geben. Verstand, Lebensdauer, Gesundheit, Geschlecht, Glück und Gewinn [?], in Gestalt siebenfach werdend, trägt es beim Menschen sicher Frucht. „Dies ist gegeben, dies soll mir werden“ – so, aus Verlangen nach Frucht: was so gegeben wird, bleibt eben nur das; nichts weiter wird erlangt. Gewiss, Göttin, ist die Frucht bei einer höchsten, mittleren oder geringen Gabe [entsprechend].

Wort für Wort
ramyaṃ sadaiva govāṭaṃ yaḥ kuryāl labhate naraḥ
Wer stets einen schönen Kuhstall errichtet, erlangt (ramyam, govāṭam, kuryāt)
pretyabhāve śubhāṃ jātiṃ vyādhimokṣaṃ tathaiva ca
im Jenseits eine heilvolle Geburt und Befreiung von Krankheit. (śubhām jātim, vyādhimokṣam)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
evaṃ nānāvidhaṃ dravyaṃ dātā kartā labhet phalam
So erlangt ein Geber oder Tuender Frucht aus mannigfachem Gut. (nānāvidham dravyam, dātā, kartā, labhet)
kṛtaṃ dattaṃ yathā yāvat tasya yal labhate phalam
Wie viel Getanes oder Gegebenes an Frucht dafür erlangt wird, (kṛtam, dattam, yathā yāvat, labhate)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
etan me vada deveśa tatra kautūhalaṃ mahat
das sage mir, Herr der Götter; darauf ist meine Neugier groß. (vada Imp., deveśa Vok., kautūhalam)
pretyabhāve śṛṇu phalaṃ dattasya ca kṛtasya ca
Höre die Frucht des Gegebenen und Getanen im Jenseits. (phalam, dattasya, kṛtasya)
dānaṃ vā ṣaḍguṇayutaṃ tadarhāya yathāvidhi
Eine mit den sechs Eigenschaften verbundene Gabe an einen Würdigen, regelgemäß, (dānam, ṣaḍguṇayutam)
yathāvibhavato dānaṃ dātavyam iti mānavaiḥ
ist von Menschen nach Vermögen zu geben. (yathāvibhavataḥ Adv., dātavyam)
buddhim āyuṣyam ārogyaṃ kulaṃ bhāgyaṃ tathāgamam
Verstand, Lebensdauer, Gesundheit, Geschlecht, Glück und Gewinn [?], (Akk.Sg.n./f.)
rūpeṇa saptadhā bhūtvā mānuṣyaṃ phalati dhruvam
in Gestalt siebenfach werdend, trägt es beim Menschen sicher Frucht. (rūpeṇa Instr., saptadhā, bhūtvā, phalati)
idaṃ dattam idaṃ me syād ity evaṃ phalakāṅkṣayā
„Dies ist gegeben, dies soll mir werden“ – so, aus Verlangen nach Frucht: (dattam, syāt, phalakāṅkṣayā)
yad dattaṃ tat tad eva syān na tu kiṃ cana labhyate
was so gegeben wird, bleibt eben nur das; nichts weiter wird erlangt. (syāt, labhyate Pass.)
dhruvaṃ devy uttame dāne madhyame tv adhame phalam
Gewiss, Göttin, ist die Frucht bei einer höchsten, mittleren oder geringen Gabe [entsprechend]. (dhruvam, uttame, madhyame, adhame Lok.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind hier verstellt (‚etan me vada deveśa‘ ist Rede Umās). Der Sinn von ‚idaṃ dattam idaṃ me syād …‘ ist knapp; ‚tathāgamam‘ [?].

umā; bhagavan devadeveśa viśiṣṭaṃ yajñam ucyate; maheśvaraḥ; laukikaṃ vaidikaṃ caiva tan me śaṃsitum arhasi; devatānāṃ ca saṃpūjā yajñeṣv eva samāhitā; yajñā vedeṣv adhīnāś ca vedā brāhmaṇasaṃyutāḥ; idaṃ tu sakalaṃ dravyaṃ divi vā bhuvi vā priye; yajñārthaṃ viddhi tat sṛṣṭaṃ lokānāṃ hitakāmyayā; evaṃ vijñāya tatkartā sadāraḥ satataṃ dvijaḥ; pretyabhāve labhel lokān brahmakarmasamādhinā; brāhmaṇeṣv api tad brahma nityaṃ devi samāhitam; tasmād viprair yathāśāstraṃ vidhidṛṣṭena karmaṇā; yajñakarma kṛtaṃ sarvaṃ devatā abhitarpayet; brāhmaṇāḥ kṣatriyāś caiva yajñārhāḥ prāyaśaḥ smṛtāḥ; agniṣṭomādibhir yajñair vedeṣu parikalpitaiḥ; suśuddhair yajamānaiś ca ṛtvigbhiś ca yathāvidhi

Umā [sprach]: Herr, Gott der Götter: [welches] Opfer heißt das ausgezeichnete? Maheśvara [sprach]: Das weltliche und das vedische – das mögest du mir darlegen. Und die Verehrung der Götter ist in den Opfern [selbst] begriffen. Die Opfer sind von den Veden abhängig, die Veden mit den Brahmanen verbunden. Doch all dieses Gut, im Himmel oder auf Erden, Liebe, wisse: das ist zum Zweck des Opfers geschaffen, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welten. So erkennend, soll der Zweimalgeborene dies, mit seiner Gattin, stets tun. Im Jenseits erlangt er Welten durch Sammlung im Brahma-Werk [Vedawerk]. Auch in den Brahmanen ist jenes Brahman stets, Göttin, gesammelt. Darum soll von Brahmanen nach der Lehre, durch vorgeschriebenes Werk, das gesamte Opferwerk [so] vollbracht, die Götter zufriedenstellen. Brahmanen und Kṣatriyas gelten meist als opferberechtigt. durch Opfer wie Agniṣṭoma, in den Veden festgelegt, mit wohlgereinigten Opferherren und Priestern regelgemäß,

Wort für Wort
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
bhagavan devadeveśa viśiṣṭaṃ yajñam ucyate
Herr, Gott der Götter: [welches] Opfer heißt das ausgezeichnete? (bhagavan, devadeveśa Vok., viśiṣṭam yajñam, ucyate)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
laukikaṃ vaidikaṃ caiva tan me śaṃsitum arhasi
Das weltliche und das vedische – das mögest du mir darlegen. (laukikam, vaidikam)
devatānāṃ ca saṃpūjā yajñeṣv eva samāhitā
Und die Verehrung der Götter ist in den Opfern [selbst] begriffen. (devatānām Gen.Pl., saṃpūjā, yajñeṣu Lok.Pl., samāhitā)
yajñā vedeṣv adhīnāś ca vedā brāhmaṇasaṃyutāḥ
Die Opfer sind von den Veden abhängig, die Veden mit den Brahmanen verbunden. (yajñāḥ, vedeṣu Lok.Pl., adhīnāḥ, brāhmaṇasaṃyutāḥ)
idaṃ tu sakalaṃ dravyaṃ divi vā bhuvi vā priye
Doch all dieses Gut, im Himmel oder auf Erden, Liebe, (sakalam dravyam, divi, bhuvi Lok.)
yajñārthaṃ viddhi tat sṛṣṭaṃ lokānāṃ hitakāmyayā
wisse: das ist zum Zweck des Opfers geschaffen, aus dem Wunsch nach dem Wohl der Welten. (yajñārtham, sṛṣṭam, lokānām, hitakāmyayā)
evaṃ vijñāya tatkartā sadāraḥ satataṃ dvijaḥ
So erkennend, soll der Zweimalgeborene dies, mit seiner Gattin, stets tun. (vijñāya Abs., tatkartā, sadāraḥ, dvijaḥ)
pretyabhāve labhel lokān brahmakarmasamādhinā
Im Jenseits erlangt er Welten durch Sammlung im Brahma-Werk [Vedawerk]. (labhet, lokān, brahmakarmasamādhinā Instr.)
brāhmaṇeṣv api tad brahma nityaṃ devi samāhitam
Auch in den Brahmanen ist jenes Brahman stets, Göttin, gesammelt. (brāhmaṇeṣu Lok.Pl., brahma, samāhitam)
tasmād viprair yathāśāstraṃ vidhidṛṣṭena karmaṇā
Darum soll von Brahmanen nach der Lehre, durch vorgeschriebenes Werk, (viprair Instr.Pl., yathāśāstram, vidhidṛṣṭena karmaṇā Instr.)
yajñakarma kṛtaṃ sarvaṃ devatā abhitarpayet
das gesamte Opferwerk [so] vollbracht, die Götter zufriedenstellen. (yajñakarma, kṛtam, devatāḥ, abhitarpayet)
brāhmaṇāḥ kṣatriyāś caiva yajñārhāḥ prāyaśaḥ smṛtāḥ
Brahmanen und Kṣatriyas gelten meist als opferberechtigt. (brāhmaṇāḥ, kṣatriyāḥ, yajñārhāḥ)
agniṣṭomādibhir yajñair vedeṣu parikalpitaiḥ
durch Opfer wie Agniṣṭoma, in den Veden festgelegt, (agniṣṭomādibhiḥ yajñaiḥ Instr.Pl., parikalpitaiḥ)
suśuddhair yajamānaiś ca ṛtvigbhiś ca yathāvidhi
mit wohlgereinigten Opferherren und Priestern regelgemäß, (suśuddhaiḥ yajamānaiḥ, ṛtvigbhiḥ Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangabe ‚maheśvaraḥ‘ vor ‚laukikaṃ vaidikaṃ …‘ ist verstellt: der Satz ‚laukikaṃ vaidikaṃ … arhasi‘ ist Bitte Umās. Der Satz ‚suśuddhair yajamānaiś ca …‘ führt in die nächste Einheit (‚yaṣṭavyam‘).

śuddhair dravyopakaraṇair yaṣṭavyam iti niścayaḥ; tathā kṛteṣu yajñeṣu devānāṃ toṣaṇaṃ bhavet; tuṣṭeṣu devasaṃgheṣu yajvā yajñaphalaṃ labhet; devāḥ saṃtoṣitā yajñair lokān saṃvardhayanty uta; ubhayor lokayor bhūtir devi yajñaiḥ pradṛśyate; tasmād yajvā divaṃ gatvā amaraiḥ saha modate; nāsti yajñasamaṃ dānaṃ nāsti yajñasamo nidhiḥ; sarvadharmasamuddeśo devi yajñe samāhitaḥ; eṣā yajñakṛtā pūjā laukikīm aparāṃ śṛṇu; devasatkāram uddiśya kriyante laukikotsavāḥ; devagoṣṭhān hi saṃskṛtya cotsavaṃ yaḥ karoti vai; yāgān devopahārāṃś ca śucir bhūtvā yathāvidhi; devān saṃtoṣayitvā sa devi dharmam avāpnuyāt; gandhamālyaiś ca vividhaiḥ paramānnena dhūpanaiḥ

und mit reinen Gütern und Geräten ist zu opfern: so ist es festgelegt. Bei so vollzogenen Opfern kommt Befriedigung der Götter zustande. Sind die Göttermengen zufrieden, so erlangt der Opferer die Opferfrucht. Von den Opfern befriedigt, fördern die Götter die Welten. In beiden Welten zeigt sich, Göttin, Gedeihen durch Opfer. Darum freut sich der Opferer, in den Himmel gegangen, mit den Unsterblichen. Keine Gabe ist dem Opfer gleich, kein Schatz ist dem Opfer gleich. Die Gesamtheit aller Rechtspflichten ist, Göttin, im Opfer beschlossen. Dies ist die durch Opfer vollzogene Verehrung; höre nun die andere, weltliche. Im Hinblick auf Götterehrung werden weltliche Feste veranstaltet. Wer Götterstätten instand setzt und ein Fest veranstaltet, Opfer und Götter-Darbringungen [gibt], rein geworden, regelgemäß, und die Götter zufriedenstellend erlangt er, Göttin, Verdienst. mit vielfältigen Düften und Girlanden, mit bester Speise [Milchreis] und Räucherwerk,

Wort für Wort
śuddhair dravyopakaraṇair yaṣṭavyam iti niścayaḥ
und mit reinen Gütern und Geräten ist zu opfern: so ist es festgelegt. (śuddhaiḥ dravyopakaraṇaiḥ Instr.Pl., yaṣṭavyam Gerundiv, niścayaḥ)
tathā kṛteṣu yajñeṣu devānāṃ toṣaṇaṃ bhavet
Bei so vollzogenen Opfern kommt Befriedigung der Götter zustande. (kṛteṣu yajñeṣu Lok.abs., devānām, toṣaṇam)
tuṣṭeṣu devasaṃgheṣu yajvā yajñaphalaṃ labhet
Sind die Göttermengen zufrieden, so erlangt der Opferer die Opferfrucht. (tuṣṭeṣu Lok.abs., yajvā, yajñaphalam)
devāḥ saṃtoṣitā yajñair lokān saṃvardhayanty uta
Von den Opfern befriedigt, fördern die Götter die Welten. (saṃtoṣitāḥ Part., yajñaiḥ, saṃvardhayanti, uta)
ubhayor lokayor bhūtir devi yajñaiḥ pradṛśyate
In beiden Welten zeigt sich, Göttin, Gedeihen durch Opfer. (ubhayoḥ lokayoḥ Lok.Du., bhūtiḥ, pradṛśyate)
tasmād yajvā divaṃ gatvā amaraiḥ saha modate
Darum freut sich der Opferer, in den Himmel gegangen, mit den Unsterblichen. (yajvā, divam, gatvā Abs., amaraiḥ, modate)
nāsti yajñasamaṃ dānaṃ nāsti yajñasamo nidhiḥ
Keine Gabe ist dem Opfer gleich, kein Schatz ist dem Opfer gleich. (yajñasamam, nidhiḥ)
sarvadharmasamuddeśo devi yajñe samāhitaḥ
Die Gesamtheit aller Rechtspflichten ist, Göttin, im Opfer beschlossen. (sarvadharmasamuddeśaḥ, yajñe Lok.)
eṣā yajñakṛtā pūjā laukikīm aparāṃ śṛṇu
Dies ist die durch Opfer vollzogene Verehrung; höre nun die andere, weltliche. (yajñakṛtā pūjā, laukikīm aparām Akk.f.)
devasatkāram uddiśya kriyante laukikotsavāḥ
Im Hinblick auf Götterehrung werden weltliche Feste veranstaltet. (devasatkāram, kriyante Pass., laukikotsavāḥ)
devagoṣṭhān hi saṃskṛtya cotsavaṃ yaḥ karoti vai
Wer Götterstätten instand setzt und ein Fest veranstaltet, (devagoṣṭhān, saṃskṛtya Abs., utsavam, karoti)
yāgān devopahārāṃś ca śucir bhūtvā yathāvidhi
Opfer und Götter-Darbringungen [gibt], rein geworden, regelgemäß, (yāgān, devopahārān Akk.Pl., śuciḥ bhūtvā)
devān saṃtoṣayitvā sa devi dharmam avāpnuyāt
und die Götter zufriedenstellend erlangt er, Göttin, Verdienst. (saṃtoṣayitvā Kaus.Abs., dharmam, avāpnuyāt)
gandhamālyaiś ca vividhaiḥ paramānnena dhūpanaiḥ
mit vielfältigen Düften und Girlanden, mit bester Speise [Milchreis] und Räucherwerk, (gandhamālyaiḥ, vividhaiḥ, paramānnena, dhūpanaiḥ Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bahubhiḥ stutibhiś caiva stuvantaḥ prayatā narāḥ; nṛttair vādyaiś ca gāndharvair anyair dṛṣṭivilobhanaiḥ; devasatkāram uddiśya kurvate ye narā bhuvi; teṣāṃ bhaktikṛtenaiva satkāreṇābhipūjitāḥ; tathaiva toṣaṃ saṃyānti devi devās triviṣṭape; mānuṣair aparair vāpi śucibhis tatparāyaṇaiḥ; brahmacaryaparair etat kṛtaṃ dharmaphalaṃ bhavet; kevalaiḥ stutibhir devi gandhamālyasamāyutaiḥ; prayataiḥ śuddhagātrais tu śuddhadeśe supūjitāḥ; saṃtoṣaṃ yānti vai devā bhaktaiḥ saṃpūjitās tathā; umā; devān saṃtoṣayitvaiva devi dharmam avāpnuyāt; triviṣṭapasthā vai devā bhūmau mānuṣaceṣṭitam; maheśvaraḥ; kathaṃ jñāsyanti vividhaṃ tan me śaṃsitum arhasi; tad ahaṃ te pravakṣyāmi yathā tair vidyate priye

und mit vielen Lobliedern preisend, rein gesammelte Menschen, mit Tänzen, Musik, Gandharva-Gesängen und anderem, das die Augen erfreut, die Menschen, die auf Erden im Hinblick auf Götterehrung [so] handeln – von diesen, [nur] durch die aus Hingabe erwiesene Ehrung geehrt, gelangen ebenso zur Zufriedenheit, Göttin, die Götter im Himmel. Auch von anderen Menschen, reinen, ganz darauf Ausgerichteten, der Keuschheit Ergebenen, wird dies getan zur Verdienstfrucht. Allein durch Loblieder, Göttin, mit Düften und Girlanden verbunden, von Gesammelten mit reinem Körper an reinem Ort wohlverehrt, gelangen die Götter zur Zufriedenheit, von Ergebenen ebenso verehrt. Umā [sprach]: [Man erlangt] nur durch Zufriedenstellen der Götter, Göttin, Verdienst. Die im Himmel weilenden Götter [wissen] das Tun der Menschen auf Erden – Maheśvara [sprach]: wie werden sie das Vielfältige erkennen? Das mögest du mir darlegen. Das will ich dir darlegen, wie es von ihnen erkannt wird, Liebe.

Wort für Wort
bahubhiḥ stutibhiś caiva stuvantaḥ prayatā narāḥ
und mit vielen Lobliedern preisend, rein gesammelte Menschen, (bahubhiḥ stutibhiḥ Instr.Pl., stuvantaḥ Part., prayatāḥ narāḥ)
nṛttair vādyaiś ca gāndharvair anyair dṛṣṭivilobhanaiḥ
mit Tänzen, Musik, Gandharva-Gesängen und anderem, das die Augen erfreut, (nṛttaiḥ, vādyaiḥ, gāndharvaiḥ, dṛṣṭivilobhanaiḥ Instr.Pl.)
devasatkāram uddiśya kurvate ye narā bhuvi
die Menschen, die auf Erden im Hinblick auf Götterehrung [so] handeln – (kurvate, ye narāḥ, bhuvi)
teṣāṃ bhaktikṛtenaiva satkāreṇābhipūjitāḥ
von diesen, [nur] durch die aus Hingabe erwiesene Ehrung geehrt, (bhaktikṛtena satkāreṇa Instr., abhipūjitāḥ Part.)
tathaiva toṣaṃ saṃyānti devi devās triviṣṭape
gelangen ebenso zur Zufriedenheit, Göttin, die Götter im Himmel. (toṣam, saṃyānti, devāḥ, triviṣṭape)
mānuṣair aparair vāpi śucibhis tatparāyaṇaiḥ
Auch von anderen Menschen, reinen, ganz darauf Ausgerichteten, (mānuṣaiḥ aparaiḥ, śucibhiḥ, tatparāyaṇaiḥ Instr.Pl.)
brahmacaryaparair etat kṛtaṃ dharmaphalaṃ bhavet
der Keuschheit Ergebenen, wird dies getan zur Verdienstfrucht. (brahmacaryaparaiḥ, kṛtam, dharmaphalam)
kevalaiḥ stutibhir devi gandhamālyasamāyutaiḥ
Allein durch Loblieder, Göttin, mit Düften und Girlanden verbunden, (kevalaiḥ stutibhiḥ, gandhamālyasamāyutaiḥ)
prayataiḥ śuddhagātrais tu śuddhadeśe supūjitāḥ
von Gesammelten mit reinem Körper an reinem Ort wohlverehrt, (prayataiḥ, śuddhagātraiḥ, śuddhadeśe Lok., supūjitāḥ)
saṃtoṣaṃ yānti vai devā bhaktaiḥ saṃpūjitās tathā
gelangen die Götter zur Zufriedenheit, von Ergebenen ebenso verehrt. (saṃtoṣam, yānti, bhaktaiḥ, saṃpūjitāḥ)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
devān saṃtoṣayitvaiva devi dharmam avāpnuyāt
[Man erlangt] nur durch Zufriedenstellen der Götter, Göttin, Verdienst. (saṃtoṣayitvā Abs.)
triviṣṭapasthā vai devā bhūmau mānuṣaceṣṭitam
Die im Himmel weilenden Götter [wissen] das Tun der Menschen auf Erden – (triviṣṭapasthāḥ, bhūmau, mānuṣaceṣṭitam)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
kathaṃ jñāsyanti vividhaṃ tan me śaṃsitum arhasi
wie werden sie das Vielfältige erkennen? Das mögest du mir darlegen. (jñāsyanti Fut., vividham)
tad ahaṃ te pravakṣyāmi yathā tair vidyate priye
Das will ich dir darlegen, wie es von ihnen erkannt wird, Liebe. (pravakṣyāmi, vidyate Pass. [erkannt/gewusst])

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verstellt: ‚devān saṃtoṣayitvaiva…‘ und ‚kathaṃ jñāsyanti…‘ gehören inhaltlich zu Umā (Frage); ‚tad ahaṃ te pravakṣyāmi‘ zu Maheśvara. Der Satz ‚triviṣṭapasthā … mānuṣaceṣṭitam‘ ist unvollständig (Frage).

prāṇināṃ tu śarīreṣu antarātmā vyavasthitaḥ; ātmānaṃ paramaṃ devam iti viddhi śubhekṣaṇe; ātmā manovyavasthānāt sarvaṃ vetti śubhāśubham; ātmaiva devās tad vidyur avyagramanasaḥ kṛtam; satāṃ manovyavasthānāc chubhaṃ bhavati vai nṛṇām; tasmād devābhisaṃpūjā pitṛpūjā tathaiva ca; yajñāś ca dharmakāryāṇi gurupūjāś ca śobhane; śuddhagātrair vṛttayuktais tanmayais tatparāyaṇaiḥ; evaṃ vyavasthitair nityaṃ kartavyam iti niścayaḥ; evaṃ kṛtvā śubhākāṅkṣī paratreha ca modate; anyathā mana āveśya kṛtaṃ na phalati priye; umā; ṛte 'pi tu mano devi aśubhaṃ phalati dhruvam; pitṛmedhaḥ kathaṃ deva tan me śaṃsitum arhasi; sarveṣāṃ pitaraḥ pūjyāḥ sarvasaṃpatpradāyinaḥ

In den Körpern der Lebewesen ist der innere Selbst [Geist] gegenwärtig. Den Ātman wisse als höchsten Gott, Schönäugige. Der Ātman erkennt durch das Feststehen des Geistes alles, Heilvolles und Unheilvolles. Eben durch den Ātman wissen die Götter, mit ruhigem Geist, das Getane. Durch das Feststehen des Geistes der Guten entsteht Heil für die Menschen. Darum sind Götterverehrung und ebenso Ahnenverehrung, Opfer, Pflichtwerke und Lehrerverehrungen, Schöne, von Menschen mit reinem Körper, wohlgeordnetem Wandel, darin aufgehend und darauf ausgerichtet, so gefestigt stets zu tun: so ist es festgelegt. So handelnd freut sich der Heil Wünschende im Jenseits und hier. Anders [d.h. mit anderem Sinn] getan, trägt es, Liebe, keine Frucht. Umā [sprach]: Aber auch ohne [Tat] trägt der Geist, Göttin, Unheilvolles gewiss als Frucht. Wie [ist] die Ahnenopferfeier, o Gott? Das mögest du mir darlegen. Die Ahnen sind von allen zu ehren, sie, die alle Vollkommenheit verleihen.

Wort für Wort
prāṇināṃ tu śarīreṣu antarātmā vyavasthitaḥ
In den Körpern der Lebewesen ist der innere Selbst [Geist] gegenwärtig. (prāṇinām Gen.Pl., śarīreṣu Lok.Pl., antarātmā, vyavasthitaḥ Part.)
ātmānaṃ paramaṃ devam iti viddhi śubhekṣaṇe
Den Ātman wisse als höchsten Gott, Schönäugige. (ātmānam, paramam devam, viddhi)
ātmā manovyavasthānāt sarvaṃ vetti śubhāśubham
Der Ātman erkennt durch das Feststehen des Geistes alles, Heilvolles und Unheilvolles. (manovyavasthānāt Abl., vetti, śubhāśubham)
ātmaiva devās tad vidyur avyagramanasaḥ kṛtam
Eben durch den Ātman wissen die Götter, mit ruhigem Geist, das Getane. (ātmā eva, devāḥ, vidyuḥ Opt.3.Pl., avyagramanasaḥ, kṛtam)
satāṃ manovyavasthānāc chubhaṃ bhavati vai nṛṇām
Durch das Feststehen des Geistes der Guten entsteht Heil für die Menschen. (satām Gen.Pl., śubham, bhavati, nṛṇām)
tasmād devābhisaṃpūjā pitṛpūjā tathaiva ca
Darum sind Götterverehrung und ebenso Ahnenverehrung, (devābhisaṃpūjā, pitṛpūjā Nom.)
yajñāś ca dharmakāryāṇi gurupūjāś ca śobhane
Opfer, Pflichtwerke und Lehrerverehrungen, Schöne, (yajñāḥ, dharmakāryāṇi, gurupūjāḥ, śobhane)
śuddhagātrair vṛttayuktais tanmayais tatparāyaṇaiḥ
von Menschen mit reinem Körper, wohlgeordnetem Wandel, darin aufgehend und darauf ausgerichtet, (śuddhagātraiḥ, vṛttayuktaiḥ, tanmayaiḥ, tatparāyaṇaiḥ)
evaṃ vyavasthitair nityaṃ kartavyam iti niścayaḥ
so gefestigt stets zu tun: so ist es festgelegt. (vyavasthitaiḥ Part., kartavyam)
evaṃ kṛtvā śubhākāṅkṣī paratreha ca modate
So handelnd freut sich der Heil Wünschende im Jenseits und hier. (kṛtvā, śubhākāṅkṣī, paratra, iha)
anyathā mana āveśya kṛtaṃ na phalati priye
Anders [d.h. mit anderem Sinn] getan, trägt es, Liebe, keine Frucht. (anyathā, mana āveśya, kṛtam, phalati)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
ṛte 'pi tu mano devi aśubhaṃ phalati dhruvam
Aber auch ohne [Tat] trägt der Geist, Göttin, Unheilvolles gewiss als Frucht. (ṛte Präp., manaḥ, aśubham, phalati)
pitṛmedhaḥ kathaṃ deva tan me śaṃsitum arhasi
Wie [ist] die Ahnenopferfeier, o Gott? Das mögest du mir darlegen. (pitṛmedhaḥ, kathaṃ, deva Vok.)
sarveṣāṃ pitaraḥ pūjyāḥ sarvasaṃpatpradāyinaḥ
Die Ahnen sind von allen zu ehren, sie, die alle Vollkommenheit verleihen. (sarveṣām, pitaraḥ, pūjyāḥ, sarvasaṃpatpradāyinaḥ)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verstellt: ‚ṛte ’pi tu mano…‘ ist offenbar Rede Umās (Zweifel), ‚tasmād devābhisaṃpūjā …‘ der Beginn eines Satzes, der mit ‚kartavyam‘ endet.

maheśvaraḥ; pitṛmedhaṃ pravakṣyāmi yathāvat tanmanāḥ śṛṇu; deśakālau vidhānaṃ ca tatkriyāyāḥ śubhāśubham; lokeṣu pitaraḥ pūjyā devatānāṃ ca devatāḥ; śucayo nirmalāḥ puṇyā dakṣiṇāṃ diśam āśritāḥ; yathā vṛṣṭiṃ pratīkṣante bhūmiṣṭhāḥ sarvajantavaḥ; pitaraś ca tathā loke pitṛmedhaṃ śubhekṣaṇe; tasya deśāḥ kurukṣetraṃ gayā gaṅgā sarasvatī; prabhāsaṃ puṣkaraṃ ceti teṣu dattaṃ mahāphalam; tīrthāni saritaḥ puṇyā viviktāni vanāni ca; nadīnāṃ pulinānīti deśāḥ śrāddhasya pūjitāḥ; maghāprauṣṭhapadau māsau śrāddhakarmaṇi pūjitau; pakṣayoḥ kṛṣṇapakṣaś ca pūrvapakṣāt praśasyate; amāvāsyāṃ trayodaśyāṃ navamyāṃ pratipatsu ca; tithiṣv etāsu tuṣyanti datteneha pitāmahāḥ

Maheśvara [sprach]: Die Ahnenopferfeier will ich darlegen; höre gesammelt darauf. Ort und Zeit, die Vorschrift und, Heilvolles und Unheilvolles dieser Handlung, Die Ahnen sind in den Welten zu ehren, [sie sind] die Götter der Götter, rein, makellos, heilig, in die südliche Himmelsrichtung eingegangen. Wie alle auf der Erde weilenden Wesen auf Regen warten, so warten die Ahnen in der Welt auf die Ahnenopferfeier, Schönäugige. Ihre Orte sind Kurukṣetra, Gayā, die Gaṅgā, die Sarasvatī, Prabhāsa und Puṣkara; dort Gegebenes hat große Frucht. Tīrthas, heilige Flüsse, abgeschiedene Wälder und die Sandbänke der Flüsse: so sind die Orte für das Śrāddha gelobt. Die Monate Māgha und Proṣṭhapada [Bhādrapada] sind beim Śrāddha-Werk gelobt. Von den beiden Monatshälften wird die dunkle Hälfte über die frühere [helle] gelobt. Am Neumondtag, am dreizehnten, neunten und an den ersten Tagen, an diesen Mondtagen sind die Ahnen mit dem hier Gegebenen zufrieden.

Wort für Wort
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
pitṛmedhaṃ pravakṣyāmi yathāvat tanmanāḥ śṛṇu
Die Ahnenopferfeier will ich darlegen; höre gesammelt darauf. (pitṛmedham, pravakṣyāmi, tanmanāḥ, śṛṇu)
deśakālau vidhānaṃ ca tatkriyāyāḥ śubhāśubham
Ort und Zeit, die Vorschrift und, Heilvolles und Unheilvolles dieser Handlung, (deśakālau, vidhānam, tatkriyāyāḥ Gen., śubhāśubham)
lokeṣu pitaraḥ pūjyā devatānāṃ ca devatāḥ
Die Ahnen sind in den Welten zu ehren, [sie sind] die Götter der Götter, (pitaraḥ, pūjyāḥ, devatānām Gen.Pl., devatāḥ)
śucayo nirmalāḥ puṇyā dakṣiṇāṃ diśam āśritāḥ
rein, makellos, heilig, in die südliche Himmelsrichtung eingegangen. (śucayaḥ, nirmalāḥ, puṇyāḥ, dakṣiṇām diśam, āśritāḥ)
yathā vṛṣṭiṃ pratīkṣante bhūmiṣṭhāḥ sarvajantavaḥ
Wie alle auf der Erde weilenden Wesen auf Regen warten, (vṛṣṭim, pratīkṣante, bhūmiṣṭhāḥ, sarvajantavaḥ)
pitaraś ca tathā loke pitṛmedhaṃ śubhekṣaṇe
so warten die Ahnen in der Welt auf die Ahnenopferfeier, Schönäugige. (pitaraḥ, tathā, pitṛmedham)
tasya deśāḥ kurukṣetraṃ gayā gaṅgā sarasvatī
Ihre Orte sind Kurukṣetra, Gayā, die Gaṅgā, die Sarasvatī, (tasya Gen., deśāḥ Nom.Pl.)
prabhāsaṃ puṣkaraṃ ceti teṣu dattaṃ mahāphalam
Prabhāsa und Puṣkara; dort Gegebenes hat große Frucht. (prabhāsam, puṣkaram, teṣu Lok.Pl., dattam)
tīrthāni saritaḥ puṇyā viviktāni vanāni ca
Tīrthas, heilige Flüsse, abgeschiedene Wälder (tīrthāni, saritaḥ, puṇyāḥ, viviktāni vanāni)
nadīnāṃ pulinānīti deśāḥ śrāddhasya pūjitāḥ
und die Sandbänke der Flüsse: so sind die Orte für das Śrāddha gelobt. (nadīnām Gen.Pl., pulināni, deśāḥ, śrāddhasya)
maghāprauṣṭhapadau māsau śrāddhakarmaṇi pūjitau
Die Monate Māgha und Proṣṭhapada [Bhādrapada] sind beim Śrāddha-Werk gelobt. (maghāprauṣṭhapadau māsau Nom.Du.)
pakṣayoḥ kṛṣṇapakṣaś ca pūrvapakṣāt praśasyate
Von den beiden Monatshälften wird die dunkle Hälfte über die frühere [helle] gelobt. (pakṣayoḥ Gen.Du., kṛṣṇapakṣaḥ, pūrvapakṣāt Abl., praśasyate)
amāvāsyāṃ trayodaśyāṃ navamyāṃ pratipatsu ca
Am Neumondtag, am dreizehnten, neunten und an den ersten Tagen, (amāvāsyāṃ, trayodaśyāṃ, navamyāṃ, pratipatsu Lok.)
tithiṣv etāsu tuṣyanti datteneha pitāmahāḥ
an diesen Mondtagen sind die Ahnen mit dem hier Gegebenen zufrieden. (tithiṣu etāsu Lok.Pl., tuṣyanti, datteneha [dattena iha] Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Das Wort ‚pitāmahāḥ‘ steht hier für die Ahnen allgemein.

pūrvāhṇe śuklapakṣe vā rātrau janmadineṣu vā; yugmeṣv ahaḥsu ca śrāddhaṃ na ca kurvīta paṇḍitaḥ; eṣa kālo mayā proktaḥ pitṛmedhasya pūjitaḥ; yasmin vā brāhmaṇaṃ pātraṃ paśyet kālaḥ sa ca smṛtaḥ; apāṅkteyā dvijā varjyā grāhyās te paṅktipāvanāḥ; pūjayed yadi pāpiṣṭhāñ śrāddheṣu narakaṃ vrajet; vṛttaśrutakulopetān sakalatrān guṇānvitān; tadarhāñ śrotriyān viddhi brāhmaṇān ayujaḥ śubhe; etān nimantrayed vidvān pūrvedyuḥ prātar eva vā; tatra śrāddhakriyāṃ paścād ārabheta yathāvidhi; trīṇi śrāddhe pavitrāṇi dauhitraḥ kutapas tilāḥ; trīṇi cātra praśaṃsanti śaucam akrodham atvarām; kutapasya ca lomāni kuśā darbhās tilā madhu; nīlaśākaṃ gajacchāyā pavitraṃ śrāddhakarmasu

Am Vormittag, in der hellen Monatshälfte, in der Nacht oder an Geburtstagen, und an geraden Tagen soll der Kundige kein Śrāddha vollziehen. Diese von mir genannte Zeit ist für die Ahnenopferfeier gelobt. Oder in welcher [Zeit] man einen würdigen Brahmanen sieht, die gilt auch als [geeignete] Zeit. Nicht tischwürdige Brahmanen sind zu meiden; anzunehmen sind die, die die Tischreihe läutern. Ehrt man Sündige bei Śrāddhas, geht man in die Hölle. [Brahmanen,] mit Wandel, Gelehrsamkeit und Herkunft ausgestattet, verheiratet, tugendhaft, dazu passende Veda-Kundige: wisse, ungerade [an Zahl] Brahmanen, Heilvolle. Diese soll der Kundige einladen, am Vortag oder eben am Morgen. Dann soll er dort das Śrāddha-Werk regelgemäß beginnen. Drei Läuterndes gibt es beim Śrāddha: den Tochtersohn, [die Tageszeit] Kutapa, Sesam; und drei lobt man hier: Reinheit, Zornlosigkeit, Nicht-Eile. Kutapa-Haare [Ziegenhaar-Decke], Kuśa- und Darbha-Gras, Sesam, Honig, Nīla-Gemüse [?], Elefantenschatten [?] sind läuternd bei Śrāddha-Werken.

Wort für Wort
pūrvāhṇe śuklapakṣe vā rātrau janmadineṣu vā
Am Vormittag, in der hellen Monatshälfte, in der Nacht oder an Geburtstagen, (pūrvāhṇe, śuklapakṣe, rātrau Lok., janmadineṣu Lok.Pl.)
yugmeṣv ahaḥsu ca śrāddhaṃ na ca kurvīta paṇḍitaḥ
und an geraden Tagen soll der Kundige kein Śrāddha vollziehen. (yugmeṣu ahaḥsu Lok.Pl., śrāddham, kurvīta Opt.Med., paṇḍitaḥ)
eṣa kālo mayā proktaḥ pitṛmedhasya pūjitaḥ
Diese von mir genannte Zeit ist für die Ahnenopferfeier gelobt. (kālaḥ, proktaḥ Part., pūjitaḥ)
yasmin vā brāhmaṇaṃ pātraṃ paśyet kālaḥ sa ca smṛtaḥ
Oder in welcher [Zeit] man einen würdigen Brahmanen sieht, die gilt auch als [geeignete] Zeit. (yasmin Lok., pātram, paśyet, kālaḥ smṛtaḥ)
apāṅkteyā dvijā varjyā grāhyās te paṅktipāvanāḥ
Nicht tischwürdige Brahmanen sind zu meiden; anzunehmen sind die, die die Tischreihe läutern. (apāṅkteyāḥ, varjyāḥ Gerundiv, grāhyāḥ, paṅktipāvanāḥ)
pūjayed yadi pāpiṣṭhāñ śrāddheṣu narakaṃ vrajet
Ehrt man Sündige bei Śrāddhas, geht man in die Hölle. (pūjayet, pāpiṣṭhān Akk.Pl., narakam, vrajet)
vṛttaśrutakulopetān sakalatrān guṇānvitān
[Brahmanen,] mit Wandel, Gelehrsamkeit und Herkunft ausgestattet, verheiratet, tugendhaft, (vṛttaśrutakulopetān, sakalatrān, guṇānvitān)
tadarhāñ śrotriyān viddhi brāhmaṇān ayujaḥ śubhe
dazu passende Veda-Kundige: wisse, ungerade [an Zahl] Brahmanen, Heilvolle. (tadarhān śrotriyān, brāhmaṇān, ayujaḥ Akk.Pl.)
etān nimantrayed vidvān pūrvedyuḥ prātar eva vā
Diese soll der Kundige einladen, am Vortag oder eben am Morgen. (nimantrayet, vidvān, pūrvedyuḥ, prātaḥ)
tatra śrāddhakriyāṃ paścād ārabheta yathāvidhi
Dann soll er dort das Śrāddha-Werk regelgemäß beginnen. (śrāddhakriyām, ārabheta Opt.Med.)
trīṇi śrāddhe pavitrāṇi dauhitraḥ kutapas tilāḥ
Drei Läuterndes gibt es beim Śrāddha: den Tochtersohn, [die Tageszeit] Kutapa, Sesam; (pavitrāṇi, dauhitraḥ, kutapaḥ, tilāḥ)
trīṇi cātra praśaṃsanti śaucam akrodham atvarām
und drei lobt man hier: Reinheit, Zornlosigkeit, Nicht-Eile. (praśaṃsanti, śaucam, akrodham, atvarām)
kutapasya ca lomāni kuśā darbhās tilā madhu
Kutapa-Haare [Ziegenhaar-Decke], Kuśa- und Darbha-Gras, Sesam, Honig, (kutapasya Gen., lomāni, kuśāḥ, darbhāḥ, tilāḥ, madhu)
nīlaśākaṃ gajacchāyā pavitraṃ śrāddhakarmasu
Nīla-Gemüse [?], Elefantenschatten [?] sind läuternd bei Śrāddha-Werken. (nīlaśākam, gajacchāyā, pavitram, śrāddhakarmasu)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚kutapa‘ hier teils als Tageszeit, teils als Decke; ‚nīlaśākam‘ und ‚gajacchāyā‘ [?]; ‚dauhitra‘ = Tochtersohn; ‚paṅktipāvana‘ Fachterminus.

tilān avakiret tatra nānāvarṇān samantataḥ; aśuddhaṃ pitṛyajñeṣu tilaiḥ śudhyati śobhane; nīlakāṣāyavastraṃ ca bhinnakarṇaṃ navavraṇam; hīnāṅgam aśuciṃ vāpi varjayet tatra dūrataḥ; kukkuṭāṃś ca varāhāṃś ca nagnaṃ klībaṃ rajasvalām; āyasaṃ trapu sīsaṃ ca śrāddhakarmaṇi varjayet; māṃsaiḥ prīṇanti pitaro mudgamāṣayavair iha; śaśarauravamāṃsena ṣaṇmāsaṃ tṛptir iṣyate; saṃvatsaraṃ ca gavyena haviṣā pāyasena ca; vārdhrāṇasasya māṃsena tṛptir dvādaśavārṣikī; ānantyāya bhaved dattaṃ khaḍgamāṃsaṃ pitṛkṣaye; pāyasaṃ satilaṃ kṣaudraṃ khaḍgamāṃsena saṃmitam; mahāśaphariṇo matsyāś chāgo vā sarvalohitaḥ; kālaśākakam ity eva tadānantyaṃ prakīrtitam; sāpūpaṃ sāmiṣaṃ snigdham āhāram upakalpayet

Sesam soll man dort ringsum ausstreuen, verschiedenfarbigen. Unreines wird bei Ahnenopfern durch Sesam rein, Schöne. Ein Mann in blauem oder ockerfarbenem Gewand, mit gespaltenem Ohr, mit frischer Wunde, mit fehlendem Glied oder unrein: den soll man dort von fern meiden. Hähne, Eber, einen Nackten, einen Eunuchen, eine Menstruierende, Eisen, Zinn und Blei soll man beim Śrāddha-Werk meiden. Mit Fleisch und mit Mudga-Bohnen, Māṣa-Bohnen und Gerste erfreuen sich hier die Ahnen. Mit dem Fleisch von Hase und Ruru-Hirsch gilt Sättigung für sechs Monate. Ein Jahr lang [gilt sie] mit Kuh-Opferspeise und mit Milchreis. Mit dem Fleisch des Vārdhrāṇasa [wörtl. Langnase] zwölfjährige Sättigung. Nashornfleisch, am Ahnentag [Śrāddha] gegeben, führt zu Unendlichkeit. Milchreis mit Sesam und Honig ist dem Nashornfleisch gleich. Große Śaphara-Fische [?] oder ein ganz roter Ziegenbock, und ‚Kālaśāka‘ [Gemüse]: dies ist als unendliche [Wirkung] verkündet. Speise mit Kuchen, mit Fleisch, fettig soll man zubereiten.

Wort für Wort
tilān avakiret tatra nānāvarṇān samantataḥ
Sesam soll man dort ringsum ausstreuen, verschiedenfarbigen. (tilān, avakiret, nānāvarṇān, samantataḥ)
aśuddhaṃ pitṛyajñeṣu tilaiḥ śudhyati śobhane
Unreines wird bei Ahnenopfern durch Sesam rein, Schöne. (aśuddham, pitṛyajñeṣu, tilaiḥ, śudhyati)
nīlakāṣāyavastraṃ ca bhinnakarṇaṃ navavraṇam
Ein Mann in blauem oder ockerfarbenem Gewand, mit gespaltenem Ohr, mit frischer Wunde, (nīlakāṣāyavastram, bhinnakarṇam, navavraṇam)
hīnāṅgam aśuciṃ vāpi varjayet tatra dūrataḥ
mit fehlendem Glied oder unrein: den soll man dort von fern meiden. (hīnāṅgam, aśucim, varjayet)
kukkuṭāṃś ca varāhāṃś ca nagnaṃ klībaṃ rajasvalām
Hähne, Eber, einen Nackten, einen Eunuchen, eine Menstruierende, (kukkuṭān, varāhān, nagnam, klībam, rajasvalām Akk.)
āyasaṃ trapu sīsaṃ ca śrāddhakarmaṇi varjayet
Eisen, Zinn und Blei soll man beim Śrāddha-Werk meiden. (āyasam, trapu, sīsam)
māṃsaiḥ prīṇanti pitaro mudgamāṣayavair iha
Mit Fleisch und mit Mudga-Bohnen, Māṣa-Bohnen und Gerste erfreuen sich hier die Ahnen. (māṃsaiḥ, mudgamāṣayavaiḥ Instr.Pl., prīṇanti)
śaśarauravamāṃsena ṣaṇmāsaṃ tṛptir iṣyate
Mit dem Fleisch von Hase und Ruru-Hirsch gilt Sättigung für sechs Monate. (śaśarauravamāṃsena, ṣaṇmāsam, tṛptiḥ)
saṃvatsaraṃ ca gavyena haviṣā pāyasena ca
Ein Jahr lang [gilt sie] mit Kuh-Opferspeise und mit Milchreis. (saṃvatsaram, gavyena haviṣā, pāyasena Instr.)
vārdhrāṇasasya māṃsena tṛptir dvādaśavārṣikī
Mit dem Fleisch des Vārdhrāṇasa [wörtl. Langnase] zwölfjährige Sättigung. (vārdhrāṇasasya Gen., tṛptiḥ dvādaśavārṣikī)
ānantyāya bhaved dattaṃ khaḍgamāṃsaṃ pitṛkṣaye
Nashornfleisch, am Ahnentag [Śrāddha] gegeben, führt zu Unendlichkeit. (ānantyāya Dat., bhavet, dattam, khaḍgamāṃsam, pitṛkṣaye Lok.)
pāyasaṃ satilaṃ kṣaudraṃ khaḍgamāṃsena saṃmitam
Milchreis mit Sesam und Honig ist dem Nashornfleisch gleich. (pāyasam, satilam, kṣaudram, saṃmitam)
mahāśaphariṇo matsyāś chāgo vā sarvalohitaḥ
Große Śaphara-Fische [?] oder ein ganz roter Ziegenbock, (mahāśaphariṇaḥ matsyāḥ, chāgaḥ, sarvalohitaḥ)
kālaśākakam ity eva tadānantyaṃ prakīrtitam
und ‚Kālaśāka‘ [Gemüse]: dies ist als unendliche [Wirkung] verkündet. (kālaśākakam, ānantyam, prakīrtitam)
sāpūpaṃ sāmiṣaṃ snigdham āhāram upakalpayet
Speise mit Kuchen, mit Fleisch, fettig soll man zubereiten. (sāpūpam, sāmiṣam, snigdham, āhāram, upakalpayet)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Mehrere Tier- und Pflanzennamen (vārdhrāṇasa, mahāśaphari, kālaśāka) sind unsicher wiedergegeben [?].

upakalpya tadāhāraṃ brāhmaṇān arcayet tataḥ; śmaśrukarmaśiraḥsnātān samāropyāsanaṃ kramāt; sugandhamālyābharaṇaiḥ sragbhir etān vibhūṣayet; alaṃkṛtopaviṣṭāṃs tān piṇḍāvāpaṃ nivedayet; tataḥ prastīrya darbhāṇāṃ prastaraṃ dakṣiṇāmukhaḥ; tatsamīpe 'gnibhiddhvā ca svadhāṃ ca juhuyāt tataḥ; samīpe tv agnīṣomābhyāṃ pitṛbhyo juhuyāt tathā; tato darbheṣu piṇḍāṃs trīn nivaped dakṣiṇāmukham; apasavyam apāṅguṣṭhaṃ nāmadheyapuraskṛtam; etena vidhinā dattaṃ pitṝṇām akṣayaṃ bhavet; tato viprān yathākāmaṃ pūjayen niyataḥ śuciḥ; sadakṣiṇaṃ sasaṃbhāraṃ yathā tuṣyanti te dvijāḥ; yatra tat kriyate karma paitṛke brāhmaṇān prati; tat sarvam akhilaṃ kuryād vaiśvadevasya pūrvakam

Nachdem er diese Speise zubereitet hat, soll er dann die Brahmanen ehren. Die, die Bart, Haare [und Nägel] besorgt und den Kopf gebadet haben, auf Sitze der Reihe nach setzend, soll er diese mit wohlriechenden Kränzen, Schmuck und Girlanden zieren. Die geschmückt Sitzenden soll er zum Darbringen der Klöße einladen [?]. Dann breite er eine Streu aus Darbha-Gras aus, nach Süden gewandt, in deren Nähe, das Feuer entzündet, opfere er dann mit ‚Svadhā‘. In der Nähe soll er ebenso Agni-Soma und den Ahnen opfern. Dann streue er auf das Darbha drei Klöße, nach Süden gewandt. links herum [Ahnenweise], ohne den Daumen, mit vorangestelltem Namen [des Ahnen]. Nach dieser Regel Gegebenes wird für die Ahnen unvergänglich. Dann soll er die Brahmanen nach Wunsch ehren, zuchtvoll und rein. samt Opferlohn und Zubehör, so dass diese Zweimalgeborenen zufrieden sind. Wo immer dieses Werk vollzogen wird, beim Ahnenopfer in Bezug auf Brahmanen, das alles soll er vollständig tun, das Vaiśvadeva[-Opfer] vorausschickend.

Wort für Wort
upakalpya tadāhāraṃ brāhmaṇān arcayet tataḥ
Nachdem er diese Speise zubereitet hat, soll er dann die Brahmanen ehren. (upakalpya Abs., āhāram, arcayet)
śmaśrukarmaśiraḥsnātān samāropyāsanaṃ kramāt
Die, die Bart, Haare [und Nägel] besorgt und den Kopf gebadet haben, auf Sitze der Reihe nach setzend, (śmaśrukarmaśiraḥsnātān, samāropya Abs., āsanam, kramāt)
sugandhamālyābharaṇaiḥ sragbhir etān vibhūṣayet
soll er diese mit wohlriechenden Kränzen, Schmuck und Girlanden zieren. (sugandhamālyābharaṇaiḥ, sragbhiḥ, vibhūṣayet)
alaṃkṛtopaviṣṭāṃs tān piṇḍāvāpaṃ nivedayet
Die geschmückt Sitzenden soll er zum Darbringen der Klöße einladen [?]. (alaṃkṛtopaviṣṭān, piṇḍāvāpam, nivedayet)
tataḥ prastīrya darbhāṇāṃ prastaraṃ dakṣiṇāmukhaḥ
Dann breite er eine Streu aus Darbha-Gras aus, nach Süden gewandt, (prastīrya Abs., darbhāṇām, prastaram, dakṣiṇāmukhaḥ)
tatsamīpe 'gnibhiddhvā ca svadhāṃ ca juhuyāt tataḥ
in deren Nähe, das Feuer entzündet, opfere er dann mit ‚Svadhā‘. (agnibhiddhvā [?], svadhām, juhuyāt)
samīpe tv agnīṣomābhyāṃ pitṛbhyo juhuyāt tathā
In der Nähe soll er ebenso Agni-Soma und den Ahnen opfern. (agnīṣomābhyām Dat.Du., pitṛbhyaḥ Dat.Pl.)
tato darbheṣu piṇḍāṃs trīn nivaped dakṣiṇāmukham
Dann streue er auf das Darbha drei Klöße, nach Süden gewandt. (darbheṣu, piṇḍān trīn, nivapet)
apasavyam apāṅguṣṭhaṃ nāmadheyapuraskṛtam
links herum [Ahnenweise], ohne den Daumen, mit vorangestelltem Namen [des Ahnen]. (apasavyam, apāṅguṣṭham, nāmadheyapuraskṛtam)
etena vidhinā dattaṃ pitṝṇām akṣayaṃ bhavet
Nach dieser Regel Gegebenes wird für die Ahnen unvergänglich. (vidhinā, pitṝṇām, akṣayam)
tato viprān yathākāmaṃ pūjayen niyataḥ śuciḥ
Dann soll er die Brahmanen nach Wunsch ehren, zuchtvoll und rein. (viprān, pūjayet, niyataḥ śuciḥ)
sadakṣiṇaṃ sasaṃbhāraṃ yathā tuṣyanti te dvijāḥ
samt Opferlohn und Zubehör, so dass diese Zweimalgeborenen zufrieden sind. (sadakṣiṇam, sasaṃbhāram, tuṣyanti)
yatra tat kriyate karma paitṛke brāhmaṇān prati
Wo immer dieses Werk vollzogen wird, beim Ahnenopfer in Bezug auf Brahmanen, (kriyate Pass., paitṛke Lok., prati Postp.)
tat sarvam akhilaṃ kuryād vaiśvadevasya pūrvakam
das alles soll er vollständig tun, das Vaiśvadeva[-Opfer] vorausschickend. (sarvam akhilam, kuryāt, vaiśvadevasya Gen., pūrvakam)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚agnibhiddhvā‘ ist wohl fehlerhaft [?]; ‚apāṅguṣṭham‘: ohne Daumen (Nachahmung des Ritus).

aśrūn na pātayet tatra na jalpen na japen mithaḥ; niyamya vācaṃ dehaṃ ca śrāddhakarma samārabhet; tato nirvapaṇe vṛtte tān piṇḍāṃs tadantaram; brāhmaṇo 'gnirajo gaur vā bhakṣayed apsu vā kṣipet; patnīṃ vā madhyamaṃ piṇḍaṃ putrakāmo hi prāśayet; ādhatta pitaro garbhaṃ kumāraṃ puṣkarasrajam; tṛptān utthāpya tān viprān annaśeṣaṃ nivedayet; taccheṣaṃ bahubhiḥ paścāt sabhṛtyo bhakṣayen naraḥ; eṣa proktaḥ samāsena pitṛyajñaḥ sanātanaḥ; pitaras tena tuṣyanti kartā ca phalam āpnuyāt; ahany ahani vā kuryān māse māse 'tha vā punaḥ; saṃvatsarasya dviḥ kuryāc catur vāpi ca śaktitaḥ; dīrghāyuś ca bhavet svasthaḥ pitṛmedhena mānavaḥ; saputro bahubhṛtyaś ca prabhūtadhanadhānyavān

Tränen soll er dort nicht vergießen, nicht plaudern und nicht untereinander murmeln. Rede und Leib bezähmend, soll er das Śrāddha-Werk beginnen. Dann, wenn das Darbringen vollendet ist, diese Klöße hernach: ein Brahmane, Feuer, Ziege oder Kuh mag sie verzehren, oder man werfe sie ins Wasser. Oder die Gattin lasse er den mittleren Kloß essen, wenn er einen Sohn wünscht: „Setzt, Ahnen, einen Keim ein, einen Knaben, lotusbekränzt!“ Die gesättigten Brahmanen aufstehen lassend, soll er den Speiserest darbieten. Den Rest davon soll der Mann hernach mit vielen und mit seinen Dienern verzehren. Dies ist in Kürze das uralte Ahnenopfer dargelegt. Die Ahnen sind damit zufrieden, und der Vollzieher erlangt die Frucht. Täglich soll er es tun, oder Monat für Monat, oder im Jahr zweimal oder viermal nach Kraft. Durch die Ahnenopferfeier wird der Mensch langlebig und gesund. Er wird mit Sohn, vielen Dienern und reichlich Geld und Getreide begabt.

Wort für Wort
aśrūn na pātayet tatra na jalpen na japen mithaḥ
Tränen soll er dort nicht vergießen, nicht plaudern und nicht untereinander murmeln. (aśrūn, pātayet, jalpet, japet)
niyamya vācaṃ dehaṃ ca śrāddhakarma samārabhet
Rede und Leib bezähmend, soll er das Śrāddha-Werk beginnen. (niyamya Abs., vācam, deham, samārabhet)
tato nirvapaṇe vṛtte tān piṇḍāṃs tadantaram
Dann, wenn das Darbringen vollendet ist, diese Klöße hernach: (nirvapaṇe vṛtte Lok.abs., piṇḍān, tadantaram)
brāhmaṇo 'gnirajo gaur vā bhakṣayed apsu vā kṣipet
ein Brahmane, Feuer, Ziege oder Kuh mag sie verzehren, oder man werfe sie ins Wasser. (brāhmaṇaḥ, agniḥ, ajaḥ, gauḥ, bhakṣayet, apsu Lok., kṣipet)
patnīṃ vā madhyamaṃ piṇḍaṃ putrakāmo hi prāśayet
Oder die Gattin lasse er den mittleren Kloß essen, wenn er einen Sohn wünscht: (patnīm, madhyamam piṇḍam, putrakāmaḥ, prāśayet Kaus.)
ādhatta pitaro garbhaṃ kumāraṃ puṣkarasrajam
„Setzt, Ahnen, einen Keim ein, einen Knaben, lotusbekränzt!“ (ādhatta Imp.2.Pl.Med., pitaraḥ Vok., garbham, kumāram, puṣkarasrajam)
tṛptān utthāpya tān viprān annaśeṣaṃ nivedayet
Die gesättigten Brahmanen aufstehen lassend, soll er den Speiserest darbieten. (tṛptān, utthāpya Abs., annaśeṣam, nivedayet)
taccheṣaṃ bahubhiḥ paścāt sabhṛtyo bhakṣayen naraḥ
Den Rest davon soll der Mann hernach mit vielen und mit seinen Dienern verzehren. (taccheṣam, bahubhiḥ, sabhṛtyaḥ, bhakṣayet)
eṣa proktaḥ samāsena pitṛyajñaḥ sanātanaḥ
Dies ist in Kürze das uralte Ahnenopfer dargelegt. (proktaḥ, samāsena, pitṛyajñaḥ, sanātanaḥ)
pitaras tena tuṣyanti kartā ca phalam āpnuyāt
Die Ahnen sind damit zufrieden, und der Vollzieher erlangt die Frucht. (pitaraḥ, tuṣyanti, kartā, āpnuyāt)
ahany ahani vā kuryān māse māse 'tha vā punaḥ
Täglich soll er es tun, oder Monat für Monat, (ahany ahani, māse māse, kuryāt)
saṃvatsarasya dviḥ kuryāc catur vāpi ca śaktitaḥ
oder im Jahr zweimal oder viermal nach Kraft. (saṃvatsarasya, dviḥ, caturvāram, śaktitaḥ)
dīrghāyuś ca bhavet svasthaḥ pitṛmedhena mānavaḥ
Durch die Ahnenopferfeier wird der Mensch langlebig und gesund. (dīrghāyuḥ, svasthaḥ, pitṛmedhena Instr.)
saputro bahubhṛtyaś ca prabhūtadhanadhānyavān
Er wird mit Sohn, vielen Dienern und reichlich Geld und Getreide begabt. (saputraḥ, bahubhṛtyaḥ, prabhūtadhanadhānyavān)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚brāhmaṇo ’gnirajo gaur vā‘: Lesart [?] – Aufzählung mit ‚Ziege‘ (aja) und ‚Kuh‘; ‚dviḥ … catur vāpi‘ ergänzt.

śrāddhadaḥ svargam āpnoti nirmalaṃ vividhādbhutam; apsarogaṇasaṃghuṣṭaṃ virajaskam anantakam; śrāddhāni puṣṭikāmā ye prakurvanti ca paṇḍitāḥ; teṣāṃ puṣṭiṃ prajāś caiva dāsyanti pitaraḥ sadā; dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ śatruvināśanam; umā; kulasaṃdhāraṇaṃ ceti śrāddham āhur manīṣiṇaḥ; bhagavan devadeveśa mṛtās te bhuvi jantavaḥ; nānājātiṣu jāyante śīghraṃ karmavaśāt punaḥ; pitaras tv iti te tatra kathaṃ tiṣṭhanti devavat; pitṝṇāṃ katamo deśaḥ piṇḍān aśnanti te katham; anne datte mṛtānāṃ tu katham āpyāyanaṃ bhavet; nāradaḥ; evaṃ mayā saṃśayitaṃ bhagavañ chettum arhasi; etad viruddhaṃ rudrāṇyāṃ pṛcchantyāṃ pariṣad bhṛśam; maheśvaraḥ; babhūva sarvā muditā śrotuṃ paramakaṃ hi tat

Wer ein Śrāddha gibt, erlangt einen makellosen Himmel, vielfältig wunderbar, von Apsaras-Scharen widerhallend, staubfrei und endlos. Die Kundigen, die aus Verlangen nach Gedeihen Śrāddhas vollziehen, denen geben die Ahnen stets Gedeihen und Nachkommenschaft. Es ist reichtumbringend, ruhmbringend, lebensfördernd, himmelsfördernd, feindevernichtend, Umā [sprach]: und Erhalter des Geschlechts: so nennen die Weisen das Śrāddha. Herr, Gott der Götter: jene Wesen sind auf Erden gestorben, werden in verschiedenen Geburten rasch wieder geboren, durch Macht des Karma. Wie aber bestehen sie dort als ‚Ahnen‘ [weiter], wie Götter? Was ist der Ort der Ahnen? Wie essen sie die Klöße? Wie kommt den Verstorbenen Sättigung zustande, wenn Speise gegeben wird? Nārada [sprach]: So habe ich gezweifelt, Herr; du mögest [den Zweifel] zerschneiden. Dies [ist] recht widersprüchlich, [wie] Rudrāṇī fragt; die Versammlung [war] sehr [gespannt]. Maheśvara [sprach]: Die ganze [Versammlung] wurde erfreut, jenes Höchste zu hören.

Wort für Wort
śrāddhadaḥ svargam āpnoti nirmalaṃ vividhādbhutam
Wer ein Śrāddha gibt, erlangt einen makellosen Himmel, vielfältig wunderbar, (śrāddhadaḥ, svargam, nirmalam, vividhādbhutam)
apsarogaṇasaṃghuṣṭaṃ virajaskam anantakam
von Apsaras-Scharen widerhallend, staubfrei und endlos. (apsarogaṇasaṃghuṣṭam, virajaskam, anantakam)
śrāddhāni puṣṭikāmā ye prakurvanti ca paṇḍitāḥ
Die Kundigen, die aus Verlangen nach Gedeihen Śrāddhas vollziehen, (śrāddhāni, puṣṭikāmāḥ, prakurvanti, paṇḍitāḥ)
teṣāṃ puṣṭiṃ prajāś caiva dāsyanti pitaraḥ sadā
denen geben die Ahnen stets Gedeihen und Nachkommenschaft. (teṣām, puṣṭim, prajāḥ, dāsyanti Fut.)
dhanyaṃ yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ śatruvināśanam
Es ist reichtumbringend, ruhmbringend, lebensfördernd, himmelsfördernd, feindevernichtend, (dhanyam, yaśasyam, āyuṣyam, svargyam, śatruvināśanam)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
kulasaṃdhāraṇaṃ ceti śrāddham āhur manīṣiṇaḥ
und Erhalter des Geschlechts: so nennen die Weisen das Śrāddha. (kulasaṃdhāraṇam, śrāddham, āhuḥ 3.Pl.Perf., manīṣiṇaḥ)
bhagavan devadeveśa mṛtās te bhuvi jantavaḥ
Herr, Gott der Götter: jene Wesen sind auf Erden gestorben, (mṛtāḥ Part., bhuvi, jantavaḥ)
nānājātiṣu jāyante śīghraṃ karmavaśāt punaḥ
werden in verschiedenen Geburten rasch wieder geboren, durch Macht des Karma. (nānājātiṣu Lok.Pl., jāyante, śīghram, karmavaśāt Abl.)
pitaras tv iti te tatra kathaṃ tiṣṭhanti devavat
Wie aber bestehen sie dort als ‚Ahnen‘ [weiter], wie Götter? (pitaraḥ, iti, tiṣṭhanti, devavat)
pitṝṇāṃ katamo deśaḥ piṇḍān aśnanti te katham
Was ist der Ort der Ahnen? Wie essen sie die Klöße? (pitṝṇām, katamaḥ deśaḥ, aśnanti)
anne datte mṛtānāṃ tu katham āpyāyanaṃ bhavet
Wie kommt den Verstorbenen Sättigung zustande, wenn Speise gegeben wird? (anne datte Lok.abs., mṛtānām, āpyāyanam)
nāradaḥ
Nārada [sprach]: (Sprecherangabe)
evaṃ mayā saṃśayitaṃ bhagavañ chettum arhasi
So habe ich gezweifelt, Herr; du mögest [den Zweifel] zerschneiden. (saṃśayitam, chettum, arhasi)
etad viruddhaṃ rudrāṇyāṃ pṛcchantyāṃ pariṣad bhṛśam
Dies [ist] recht widersprüchlich, [wie] Rudrāṇī fragt; die Versammlung [war] sehr [gespannt]. (viruddham, rudrāṇyām pṛcchantyām Lok.abs., pariṣad)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
babhūva sarvā muditā śrotuṃ paramakaṃ hi tat
Die ganze [Versammlung] wurde erfreut, jenes Höchste zu hören. (babhūva, sarvā, muditā, śrotum, paramakam)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherzuordnung ist unsicher: ‚nāradaḥ‘ leitet offenbar eine Zwischenbemerkung ein (‚evaṃ mayā saṃśayitam…‘), Sinn und Satzgrenzen dort [?].

sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu kalyāṇi tattvataḥ; guhyānāṃ paramaṃ guhyaṃ khilānāṃ paramaṃ khilam; yathā devagaṇā devi tathā pitṛgaṇāḥ priye; dakṣiṇasyāṃ diśi śubhe sarve pitṛgaṇāḥ sthitāḥ; pretān uddiśya yā pūjā kriyate mānuṣair iha; tena tuṣyanti pitaro na pretāḥ pitaraḥ smṛtāḥ; uttarasyāṃ yathā devā ramante yajñakarmabhiḥ; dakṣiṇasyāṃ tathā te ca tuṣyanti vividhair makhaiḥ; dvividhaṃ kriyate karma havyakavyasamāśritam; tayor havyakriyā devān kavyam āpyāyayet pitṝn; prasavyaṃ maṅgalair dravyair havyakarma vidhīyate; apasavyam amaṅgalyaiḥ kavyaṃ cāpi vidhīyate; sadevāsuragandharvāḥ pitṝn abhyarcayanti ca; āpyāyitāś ca te śrāddhaiḥ punar āpyāyayanti tān

Mit Recht [bist du] im Zweifel, Göttin; höre, Segensreiche, der Wahrheit gemäß. Das höchste Geheimnis unter Geheimnissen, das höchste Nachtragswissen [?] unter den Nachträgen. Wie die Götterscharen, Göttin, so [sind] die Ahnenscharen, Liebe. Im Süden, Heilvolle, stehen alle Ahnenscharen. Die Verehrung, die von Menschen hier im Hinblick auf Verstorbene [Pretas] vollzogen wird, damit sind die Ahnen zufrieden; nicht gelten Verstorbene [Pretas] als Ahnen. Wie im Norden die Götter sich an Opferhandlungen freuen, so sind im Süden jene [Ahnen] mit vielfältigen Opfern zufrieden. Zweifach wird das Werk vollzogen, auf Götter- und Ahnenopfer bezogen. Von beiden [erquickt] die Götteropferhandlung die Götter, die Ahnenspeise erquickt die Ahnen. Das Götteropfer wird rechtsherum mit glückverheißenden Dingen vorgeschrieben, das Ahnenopfer aber linksherum mit nicht glückverheißenden [Dingen]. Auch Götter, Asuras und Gandharvas ehren die Ahnen. Von Śrāddhas gestärkt, stärken jene wiederum diese.

Wort für Wort
sthāne saṃśayitaṃ devi śṛṇu kalyāṇi tattvataḥ
Mit Recht [bist du] im Zweifel, Göttin; höre, Segensreiche, der Wahrheit gemäß. (sthāne, saṃśayitam, śṛṇu, tattvataḥ)
guhyānāṃ paramaṃ guhyaṃ khilānāṃ paramaṃ khilam
Das höchste Geheimnis unter Geheimnissen, das höchste Nachtragswissen [?] unter den Nachträgen. (guhyānām, paramam guhyam, khilānām, khilam)
yathā devagaṇā devi tathā pitṛgaṇāḥ priye
Wie die Götterscharen, Göttin, so [sind] die Ahnenscharen, Liebe. (devagaṇāḥ, pitṛgaṇāḥ)
dakṣiṇasyāṃ diśi śubhe sarve pitṛgaṇāḥ sthitāḥ
Im Süden, Heilvolle, stehen alle Ahnenscharen. (dakṣiṇasyām diśi Lok., sthitāḥ)
pretān uddiśya yā pūjā kriyate mānuṣair iha
Die Verehrung, die von Menschen hier im Hinblick auf Verstorbene [Pretas] vollzogen wird, (pretān, uddiśya Abs., pūjā)
tena tuṣyanti pitaro na pretāḥ pitaraḥ smṛtāḥ
damit sind die Ahnen zufrieden; nicht gelten Verstorbene [Pretas] als Ahnen. (tuṣyanti, pretāḥ, smṛtāḥ)
uttarasyāṃ yathā devā ramante yajñakarmabhiḥ
Wie im Norden die Götter sich an Opferhandlungen freuen, (uttarasyām, devāḥ, ramante, yajñakarmabhiḥ)
dakṣiṇasyāṃ tathā te ca tuṣyanti vividhair makhaiḥ
so sind im Süden jene [Ahnen] mit vielfältigen Opfern zufrieden. (dakṣiṇasyām, makhaiḥ Instr.Pl.)
dvividhaṃ kriyate karma havyakavyasamāśritam
Zweifach wird das Werk vollzogen, auf Götter- und Ahnenopfer bezogen. (dvividham, havyakavyasamāśritam)
tayor havyakriyā devān kavyam āpyāyayet pitṝn
Von beiden [erquickt] die Götteropferhandlung die Götter, die Ahnenspeise erquickt die Ahnen. (tayoḥ Gen.Du., havyakriyā, kavyam, āpyāyayet Kaus.)
prasavyaṃ maṅgalair dravyair havyakarma vidhīyate
Das Götteropfer wird rechtsherum mit glückverheißenden Dingen vorgeschrieben, (prasavyam, maṅgalaiḥ dravyaiḥ)
apasavyam amaṅgalyaiḥ kavyaṃ cāpi vidhīyate
das Ahnenopfer aber linksherum mit nicht glückverheißenden [Dingen]. (apasavyam, amaṅgalyaiḥ)
sadevāsuragandharvāḥ pitṝn abhyarcayanti ca
Auch Götter, Asuras und Gandharvas ehren die Ahnen. (sadevāsuragandharvāḥ, pitṝn, abhyarcayanti)
āpyāyitāś ca te śrāddhaiḥ punar āpyāyayanti tān
Von Śrāddhas gestärkt, stärken jene wiederum diese. (āpyāyitāḥ Part., śrāddhaiḥ, āpyāyayanti Kaus.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚khilānām paramaṃ khilam‘ ist als Wortspiel schwer wiederzugeben; ‚khila‘ hier ‚Nachtrag/Nachtragswissen‘ [?].

aniṣṭvā ca pitṝn pūrvaṃ yaḥ kriyāṃ prakaroti cet; rakṣāṃsi ca piśācāś ca phalaṃ bhokṣyanti tasya tat; havyakavyakriyā tasmāt kartavyā bhuvi mānavaiḥ; karmakṣetraṃ hi mānuṣyaṃ tad anyatra na vidyate; kavyena saṃtatir dṛṣṭā havye bhūtiḥ pṛthagvidhā; umā; iti te kathitaṃ devi devaguhyaṃ sanātanam; evaṃ kṛtasya dharmasya śrotum icchāmy ahaṃ prabho; maheśvaraḥ; pramāṇaṃ phalamānānāṃ tan me śaṃsitum arhasi; pramāṇakalpanāṃ devi dānasya śṛṇu bhāmini; yatsāras tu naro loke tad dānaṃ cottamaṃ smṛtam; sarvadānavidhiṃ prāhus tad eva bhuvi śobhane; prasthaṃ sāraṃ daridrasya śataṃ koṭidhanasya ca; prasthasāras tu tat prasthaṃ dadan mahad avāpnuyāt; koṭisāras tu tāṃ koṭiṃ dadan mahad avāpnuyāt

Wenn jemand, ohne zuvor den Ahnen geopfert zu haben, eine Handlung vollzieht, dann werden Rakṣasas und Piśācas dessen Frucht genießen. Darum ist Götter- und Ahnenopferhandlung von Menschen auf Erden zu vollziehen. Denn die Menschenwelt ist das Feld der Taten; anderswo gibt es das nicht. Durch Ahnenopfer sieht man Nachkommenschaft, beim Götteropfer verschiedenartiges Gedeihen. Umā [sprach]: So ist dir, Göttin, das uralte Göttergeheimnis erzählt. Über [die Frucht] eines so vollzogenen Rechtswerks möchte ich hören, Herr. Maheśvara [sprach]: Das Maß der Früchte und ihrer Ausmaße mögest du mir darlegen. Die Bemessung der Gabe, Göttin, höre, Zornige. Was ein Mensch in der Welt als sein Wesentliches [Kern-Besitz] hat, dessen Gabe gilt als höchste. Das nennen sie die Regel für alle Gaben auf Erden, Schöne. Für einen Armen ist ein Prastha das Wesentliche, für einen mit Kroren Reichen hundert [Einheiten]. Wer aber ein Prastha zum Wesentlichen hat und dies Prastha gibt, erlangt Großes. Wer eine Kror zum Wesentlichen hat und diese Kror gibt, erlangt Großes.

Wort für Wort
aniṣṭvā ca pitṝn pūrvaṃ yaḥ kriyāṃ prakaroti cet
Wenn jemand, ohne zuvor den Ahnen geopfert zu haben, eine Handlung vollzieht, (aniṣṭvā Abs., pitṝn, kriyām, prakaroti)
rakṣāṃsi ca piśācāś ca phalaṃ bhokṣyanti tasya tat
dann werden Rakṣasas und Piśācas dessen Frucht genießen. (rakṣāṃsi, piśācāḥ, bhokṣyanti Fut.)
havyakavyakriyā tasmāt kartavyā bhuvi mānavaiḥ
Darum ist Götter- und Ahnenopferhandlung von Menschen auf Erden zu vollziehen. (havyakavyakriyā, kartavyā, mānavaiḥ)
karmakṣetraṃ hi mānuṣyaṃ tad anyatra na vidyate
Denn die Menschenwelt ist das Feld der Taten; anderswo gibt es das nicht. (karmakṣetram, mānuṣyam, anyatra)
kavyena saṃtatir dṛṣṭā havye bhūtiḥ pṛthagvidhā
Durch Ahnenopfer sieht man Nachkommenschaft, beim Götteropfer verschiedenartiges Gedeihen. (kavyena Instr., saṃtatiḥ, dṛṣṭā, havye, bhūtiḥ pṛthagvidhā)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
iti te kathitaṃ devi devaguhyaṃ sanātanam
So ist dir, Göttin, das uralte Göttergeheimnis erzählt. (kathitam, devaguhyam, sanātanam)
evaṃ kṛtasya dharmasya śrotum icchāmy ahaṃ prabho
Über [die Frucht] eines so vollzogenen Rechtswerks möchte ich hören, Herr. (kṛtasya dharmasya Gen., śrotum, prabho)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
pramāṇaṃ phalamānānāṃ tan me śaṃsitum arhasi
Das Maß der Früchte und ihrer Ausmaße mögest du mir darlegen. (pramāṇam, phalamānānām)
pramāṇakalpanāṃ devi dānasya śṛṇu bhāmini
Die Bemessung der Gabe, Göttin, höre, Zornige. (pramāṇakalpanām, dānasya, śṛṇu)
yatsāras tu naro loke tad dānaṃ cottamaṃ smṛtam
Was ein Mensch in der Welt als sein Wesentliches [Kern-Besitz] hat, dessen Gabe gilt als höchste. (yatsāraḥ, dānam, uttamam)
sarvadānavidhiṃ prāhus tad eva bhuvi śobhane
Das nennen sie die Regel für alle Gaben auf Erden, Schöne. (sarvadānavidhim, prāhuḥ)
prasthaṃ sāraṃ daridrasya śataṃ koṭidhanasya ca
Für einen Armen ist ein Prastha das Wesentliche, für einen mit Kroren Reichen hundert [Einheiten]. (prastham, sāram, daridrasya, koṭidhanasya)
prasthasāras tu tat prasthaṃ dadan mahad avāpnuyāt
Wer aber ein Prastha zum Wesentlichen hat und dies Prastha gibt, erlangt Großes. (prasthasāraḥ, dadan, mahat)
koṭisāras tu tāṃ koṭiṃ dadan mahad avāpnuyāt
Wer eine Kror zum Wesentlichen hat und diese Kror gibt, erlangt Großes. (koṭisāraḥ, koṭim)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verstellt (‚pramāṇaṃ … arhasi‘ ist Bitte Umās); ‚sāra‘ = ‚Wesentliches, Kernbesitz‘ [?].

ubhayaṃ tan mahat tac ca phalenaiva samaṃ smṛtam; dharmārthakāmabhogeṣu śakyabhāvaṃ tu madhyamam; svadravyād atihīnaṃ tu tad dānam adhamaṃ smṛtam; śṛṇu dattasya vai devi pañcadhā phalakalpanam; ānantyaṃ ca mahac caiva samaṃ hīnaṃ ca pātakam; teṣāṃ viśeṣān vakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā; dustyajasya ca vai dānaṃ pātra ānantyam ucyate; dānaṃ ṣaḍguṇayuktaṃ tu mahad ity abhidhīyate; yathāśraddhaṃ tu vai dānaṃ yathārhaṃ samam ucyate; guṇatas tu tathā hīnaṃ dānaṃ hīnam iti smṛtam; dānaṃ pātakam ity āhuḥ ṣaḍguṇānāṃ viparyaye; devaloke mahat kālam ānantyasya phalaṃ viduḥ; mahatas tu tathā dānaṃ svargaloke tu pūjyate; samasya tu tathā dānaṃ mānuṣaṃ bhogam āvahet

Beides gilt als groß und ist der Frucht nach als gleich betrachtet. Was aber bei Recht, Nutzen, Lust und Genüssen dem Vermögen gemäß ist, ist mittel. Eine Gabe aber, die weit unter dem eigenen Vermögen liegt, gilt als niedrigste. Höre, Göttin, die fünffache Bemessung der Frucht des Gegebenen: unendlich, groß, gleich, gering und Sünde [Fehlgabe]. Deren Besonderheiten will ich nennen; höre, Göttin, gesammelt. Die Gabe von etwas schwer Aufzugebendem an einen würdigen Empfänger heißt unendlich. Eine mit den sechs Eigenschaften verbundene Gabe aber heißt groß. Eine Gabe, die dem Glauben und Würdigkeit entspricht, heißt gleich [mittel]. Eine an Eigenschaften mangelnde Gabe gilt als gering. Eine Gabe nennen sie ‚Sünde‘, wenn die sechs Eigenschaften ins Gegenteil verkehrt sind. Im Götterreich lange Zeit: das wissen sie als Frucht des Unendlichen. Ebenso wird die Gabe des Großen in der Himmelswelt geehrt. Die Gabe des Gleichen aber bringt menschlichen Genuss.

Wort für Wort
ubhayaṃ tan mahat tac ca phalenaiva samaṃ smṛtam
Beides gilt als groß und ist der Frucht nach als gleich betrachtet. (ubhayam, mahat, phalena Instr., samam)
dharmārthakāmabhogeṣu śakyabhāvaṃ tu madhyamam
Was aber bei Recht, Nutzen, Lust und Genüssen dem Vermögen gemäß ist, ist mittel. (dharmārthakāmabhogeṣu Lok.Pl., śakyabhāvam, madhyamam)
svadravyād atihīnaṃ tu tad dānam adhamaṃ smṛtam
Eine Gabe aber, die weit unter dem eigenen Vermögen liegt, gilt als niedrigste. (svadravyāt Abl., atihīnam, adhamam)
śṛṇu dattasya vai devi pañcadhā phalakalpanam
Höre, Göttin, die fünffache Bemessung der Frucht des Gegebenen: (dattasya, pañcadhā, phalakalpanam)
ānantyaṃ ca mahac caiva samaṃ hīnaṃ ca pātakam
unendlich, groß, gleich, gering und Sünde [Fehlgabe]. (ānantyam, mahat, samam, hīnam, pātakam)
teṣāṃ viśeṣān vakṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
Deren Besonderheiten will ich nennen; höre, Göttin, gesammelt. (viśeṣān, vakṣyāmi)
dustyajasya ca vai dānaṃ pātra ānantyam ucyate
Die Gabe von etwas schwer Aufzugebendem an einen würdigen Empfänger heißt unendlich. (dustyajasya Gen., pātre, ānantyam)
dānaṃ ṣaḍguṇayuktaṃ tu mahad ity abhidhīyate
Eine mit den sechs Eigenschaften verbundene Gabe aber heißt groß. (ṣaḍguṇayuktam, mahat, abhidhīyate)
yathāśraddhaṃ tu vai dānaṃ yathārhaṃ samam ucyate
Eine Gabe, die dem Glauben und Würdigkeit entspricht, heißt gleich [mittel]. (yathāśraddham, yathārham, samam)
guṇatas tu tathā hīnaṃ dānaṃ hīnam iti smṛtam
Eine an Eigenschaften mangelnde Gabe gilt als gering. (guṇataḥ, hīnam)
dānaṃ pātakam ity āhuḥ ṣaḍguṇānāṃ viparyaye
Eine Gabe nennen sie ‚Sünde‘, wenn die sechs Eigenschaften ins Gegenteil verkehrt sind. (pātakam, āhuḥ, ṣaḍguṇānām, viparyaye)
devaloke mahat kālam ānantyasya phalaṃ viduḥ
Im Götterreich lange Zeit: das wissen sie als Frucht des Unendlichen. (devaloke, mahat kālam, ānantyasya, viduḥ)
mahatas tu tathā dānaṃ svargaloke tu pūjyate
Ebenso wird die Gabe des Großen in der Himmelswelt geehrt. (mahataḥ Gen., svargaloke, pūjyate)
samasya tu tathā dānaṃ mānuṣaṃ bhogam āvahet
Die Gabe des Gleichen aber bringt menschlichen Genuss. (samasya, mānuṣam bhogam, āvahet)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚mahatas tu tathā dānaṃ‘: Konstruktion elliptisch [?].

dānaṃ niṣphalam ity āhur vihīnaṃ kriyayā śubhe; atha vā mlecchadeśeṣu tatra tatphalatāṃ vrajet; umā; narakaṃ pretya tiryakṣu gacched aśubhadānataḥ; maheśvaraḥ; aśubhasyāpi dānasya śubhaṃ syāc ca phalaṃ katham; manasā tattvataḥ śuddham anṛśaṃsapuraḥsaram; prītyā tu sarvadānāni dattvā phalam avāpnuyāt; rahasyaṃ sarvadānānām etad viddhi śubhekṣaṇe; anyāni sarvakāryāṇi śṛṇu sadbhiḥ kṛtāni ca; ārāmaṃ devagoṣṭhāni saṃkramāḥ kūpa eva ca; govāṭaṃ ca taṭākaṃ ca sabhāḥ śālāś ca sarvaśaḥ; bhikṣukāvasathāś caiva pānīyaṃ gotṛṇāni ca; vyādhitānāṃ ca bhaiṣajyam anāthānāṃ ca bhojanam; anāthaśavasaṃskāras tīrthamārgaviśodhanam; vyasanābhyavapattiś ca sarveṣāṃ ca svaśaktitaḥ

Eine Gabe, der die [richtige] Handlung fehlt, nennen sie fruchtlos, Heilvolle. Oder wenn in Barbarenländern [gegeben], dort wird sie [nur] entsprechend [gering] Frucht tragen. Umā [sprach]: In die Hölle oder unter die Tiere geht man nach dem Tod durch eine unheilvolle Gabe. Maheśvara [sprach]: Wie kann selbst bei einer unheilvollen Gabe die Frucht heilvoll sein? Im Geist wahrhaft rein, mit Mitgefühl vorausgehend, alle Gaben aus Zuneigung gebend, erlangt man Frucht. Wisse dies als das Geheimnis aller Gaben, Schönäugige. Höre auch andere Werke, von Guten getan: Lusthain, Götterstätten, Übergänge und Brunnen, Kuhstall, Teich, Versammlungshallen und Häuser überall, Herbergen für Bettler, Trinkwasser, Kuh-Gras, Arznei für Kranke, Speise für Schutzlose, Bestattung Schutzloser, Reinigen der Wege zu Tīrthas, und Hilfe in Notlagen für alle nach eigener Kraft.

Wort für Wort
dānaṃ niṣphalam ity āhur vihīnaṃ kriyayā śubhe
Eine Gabe, der die [richtige] Handlung fehlt, nennen sie fruchtlos, Heilvolle. (niṣphalam, vihīnam, kriyayā Instr.)
atha vā mlecchadeśeṣu tatra tatphalatāṃ vrajet
Oder wenn in Barbarenländern [gegeben], dort wird sie [nur] entsprechend [gering] Frucht tragen. (mlecchadeśeṣu Lok.Pl., tatphalatām, vrajet)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
narakaṃ pretya tiryakṣu gacched aśubhadānataḥ
In die Hölle oder unter die Tiere geht man nach dem Tod durch eine unheilvolle Gabe. (narakam, tiryakṣu, gacchet, aśubhadānataḥ)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
aśubhasyāpi dānasya śubhaṃ syāc ca phalaṃ katham
Wie kann selbst bei einer unheilvollen Gabe die Frucht heilvoll sein? (aśubhasya, dānasya Gen., śubham, syāt)
manasā tattvataḥ śuddham anṛśaṃsapuraḥsaram
Im Geist wahrhaft rein, mit Mitgefühl vorausgehend, (manasā, tattvataḥ, anṛśaṃsapuraḥsaram)
prītyā tu sarvadānāni dattvā phalam avāpnuyāt
alle Gaben aus Zuneigung gebend, erlangt man Frucht. (prītyā, dattvā Abs., avāpnuyāt)
rahasyaṃ sarvadānānām etad viddhi śubhekṣaṇe
Wisse dies als das Geheimnis aller Gaben, Schönäugige. (rahasyam, sarvadānānām)
anyāni sarvakāryāṇi śṛṇu sadbhiḥ kṛtāni ca
Höre auch andere Werke, von Guten getan: (anyāni sarvakāryāṇi, sadbhiḥ)
ārāmaṃ devagoṣṭhāni saṃkramāḥ kūpa eva ca
Lusthain, Götterstätten, Übergänge und Brunnen, (ārāmam, devagoṣṭhāni, saṃkramāḥ, kūpaḥ)
govāṭaṃ ca taṭākaṃ ca sabhāḥ śālāś ca sarvaśaḥ
Kuhstall, Teich, Versammlungshallen und Häuser überall, (govāṭam, taṭākam, sabhāḥ, śālāḥ)
bhikṣukāvasathāś caiva pānīyaṃ gotṛṇāni ca
Herbergen für Bettler, Trinkwasser, Kuh-Gras, (bhikṣukāvasathāḥ, pānīyam, gotṛṇāni)
vyādhitānāṃ ca bhaiṣajyam anāthānāṃ ca bhojanam
Arznei für Kranke, Speise für Schutzlose, (vyādhitānām, bhaiṣajyam, anāthānām, bhojanam)
anāthaśavasaṃskāras tīrthamārgaviśodhanam
Bestattung Schutzloser, Reinigen der Wege zu Tīrthas, (anāthaśavasaṃskāraḥ, tīrthamārgaviśodhanam)
vyasanābhyavapattiś ca sarveṣāṃ ca svaśaktitaḥ
und Hilfe in Notlagen für alle nach eigener Kraft. (vyasanābhyavapattiḥ, sarveṣām, svaśaktitaḥ)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verstellt: ‚narakaṃ pretya …‘ ist Frage Umās, ‚aśubhasyāpi dānasya …‘ folgt als Frage; der Antwortteil beginnt bei ‚manasā tattvataḥ śuddham‘.

etat sarvaṃ samāsena dharmakāryam iti smṛtam; tat kartavyaṃ manuṣyeṇa svaśaktyā śraddhayā śubhe; pretyabhāve labhet puṇyaṃ nāsti tatra vicāraṇā; rūpaṃ saubhāgyam ārogyaṃ balaṃ saukhyaṃ labhen naraḥ; umā; svarge vā mānuṣe vāpi tais tair āpyāyate hi saḥ; bhagavaṃl lokapāleśa dharmas tu katibhedakaḥ; dṛśyate caritaḥ sadbhis tan me śaṃsitum arhasi; maheśvaraḥ; śṛṇu devi samuddeśān nānātvaṃ dharmasaṃkaṭe; dharmā bahuvidhā loke śrutā vedamukhodbhavāḥ; smṛtidharmaś ca bahudhā sadbhir ācāra iṣyate; deśadharmāś ca dṛśyante kuladharmās tathaiva ca; jātidharmāś ca vai dharmā gaṇadharmāś ca śobhane; śarīrakālavaiṣamyād āpaddharmaś ca dṛśyate; etad dharmasya nānātvaṃ kriyate lokavāsibhiḥ

Dies alles gilt in Kürze als Rechtswerk. Das ist von einem Menschen nach Kraft und mit Glauben zu tun, Heilvolle. Er erlangt im Jenseits Verdienst; darüber gibt es keinen Zweifel [wörtl. Erwägung]. Schönheit, Glück, Gesundheit, Kraft und Wohlbefinden erlangt der Mensch. Umā [sprach]: Im Himmel oder auch unter Menschen wird er durch diese [Früchte] jeweils gestärkt. Herr, Fürst der Weltenhüter: Wie viele Arten hat das Recht? Man sieht es von Guten gelebt; das mögest du mir darlegen. Maheśvara [sprach]: Höre, Göttin, die Aufzählungen: die Vielfalt [des Rechts] in der Bedrängnis des Rechts. Rechtsordnungen sind in der Welt vielfältig, aus dem Mund des Veda entsprungen, [wie] gehört. Und das Smṛti-Recht ist mannigfach; als [Recht] gilt auch der Brauch der Guten. Ländliche Rechtsordnungen sieht man, ebenso Familienrechte, Standesrechte und Gruppenrechte, Schöne, und wegen der Ungleichheit von Leib und Zeit sieht man auch das Not-Recht. Diese Vielfalt des Rechts wird von den Bewohnern der Welt [entsprechend] ausgeübt.

Wort für Wort
etat sarvaṃ samāsena dharmakāryam iti smṛtam
Dies alles gilt in Kürze als Rechtswerk. (samāsena, dharmakāryam, smṛtam)
tat kartavyaṃ manuṣyeṇa svaśaktyā śraddhayā śubhe
Das ist von einem Menschen nach Kraft und mit Glauben zu tun, Heilvolle. (kartavyam, manuṣyeṇa, svaśaktyā, śraddhayā)
pretyabhāve labhet puṇyaṃ nāsti tatra vicāraṇā
Er erlangt im Jenseits Verdienst; darüber gibt es keinen Zweifel [wörtl. Erwägung]. (puṇyam, vicāraṇā)
rūpaṃ saubhāgyam ārogyaṃ balaṃ saukhyaṃ labhen naraḥ
Schönheit, Glück, Gesundheit, Kraft und Wohlbefinden erlangt der Mensch. (Akk.Sg.n.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
svarge vā mānuṣe vāpi tais tair āpyāyate hi saḥ
Im Himmel oder auch unter Menschen wird er durch diese [Früchte] jeweils gestärkt. (svarge, mānuṣe Lok., taiḥ taiḥ, āpyāyate Pass.)
bhagavaṃl lokapāleśa dharmas tu katibhedakaḥ
Herr, Fürst der Weltenhüter: Wie viele Arten hat das Recht? (bhagavan, lokapāleśa, dharmaḥ, katibhedakaḥ)
dṛśyate caritaḥ sadbhis tan me śaṃsitum arhasi
Man sieht es von Guten gelebt; das mögest du mir darlegen. (dṛśyate, caritaḥ, sadbhiḥ)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
śṛṇu devi samuddeśān nānātvaṃ dharmasaṃkaṭe
Höre, Göttin, die Aufzählungen: die Vielfalt [des Rechts] in der Bedrängnis des Rechts. (samuddeśān, nānātvam, dharmasaṃkaṭe Lok.)
dharmā bahuvidhā loke śrutā vedamukhodbhavāḥ
Rechtsordnungen sind in der Welt vielfältig, aus dem Mund des Veda entsprungen, [wie] gehört. (dharmāḥ, bahuvidhāḥ, śrutāḥ, vedamukhodbhavāḥ)
smṛtidharmaś ca bahudhā sadbhir ācāra iṣyate
Und das Smṛti-Recht ist mannigfach; als [Recht] gilt auch der Brauch der Guten. (smṛtidharmaḥ, bahudhā, sadbhiḥ, ācāraḥ)
deśadharmāś ca dṛśyante kuladharmās tathaiva ca
Ländliche Rechtsordnungen sieht man, ebenso Familienrechte, (deśadharmāḥ, kuladharmāḥ)
jātidharmāś ca vai dharmā gaṇadharmāś ca śobhane
Standesrechte und Gruppenrechte, Schöne, (jātidharmāḥ, gaṇadharmāḥ)
śarīrakālavaiṣamyād āpaddharmaś ca dṛśyate
und wegen der Ungleichheit von Leib und Zeit sieht man auch das Not-Recht. (śarīrakālavaiṣamyāt Abl., āpaddharmaḥ)
etad dharmasya nānātvaṃ kriyate lokavāsibhiḥ
Diese Vielfalt des Rechts wird von den Bewohnern der Welt [entsprechend] ausgeübt. (nānātvam, kriyate, lokavāsibhiḥ)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

kāraṇāt tatra tatraiva phalaṃ dharmasya ceṣyate; tatkāraṇasamāyoge labhet kurvan phalaṃ naraḥ; anyathā na labhet puṇyam atadarhaḥ samādiśan; evaṃ dharmasya nānātvaṃ phalaṃ kurvaṃl labhen naraḥ; śrautaḥ smārtas tu dharmāṇāṃ prākṛto dharma ucyate; umā; iti te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi; bhagavan sarvabhūteśa tripurārdana śaṃkara; śrutaṃ pāpakṛtaṃ duḥkhaṃ yamaloke varaprada; śrotum icchāmy ahaṃ deva nṛṇāṃ sukṛtakarmaṇām; kathaṃ te bhuñjate lokān svargaloke maheśvara; kathitāḥ kīdṛśā lokā nṛṇāṃ sukṛtakāriṇām; maheśvaraḥ; etan me vada deveśa śrotuṃ kautūhalaṃ hi me; śṛṇu kalyāṇi tat sarvaṃ yat tvam icchasi bhāmini; vividhāḥ puṇyalokās te karmākarmaṇyatāṃ gatāḥ

Je nach Anlass gilt die Frucht des Rechts genau dort. Bei dem Zusammentreffen dieses Anlasses erlangt der Mensch, wenn er handelt, Frucht. Anders erlangt er kein Verdienst, wenn er [es] als dessen Unwürdiger anordnet. So erlangt der Mensch bei der Vielfalt des Rechts Frucht, wenn er handelt. Von den Rechtsordnungen heißen: śrauta [vedisch], smārta [überliefert] und prākṛta [volksüblich]. Umā [sprach]: „So ist dir alles erzählt; was willst du weiter hören?“ Herr, Gebieter aller Wesen, Tripura-Bezwinger, Śaṃkara, ich habe das Leid der Sünder in Yamas Welt gehört, Gabenspender. Ich möchte, o Gott, [nun] von den Menschen guter Werke hören: Wie genießen sie die Welten in der Himmelswelt, Maheśvara? Von welcher Art werden die Welten der Menschen genannt, die Gutes tun? Maheśvara [sprach]: „Das sage mir, Herr der Götter; ich habe ja Neugier zu hören.“ Höre, Segensreiche, alles, was du wünschst, Zornige. Vielfältig sind diese Verdienstwelten, zur Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Karma gelangt [?].

Wort für Wort
kāraṇāt tatra tatraiva phalaṃ dharmasya ceṣyate
Je nach Anlass gilt die Frucht des Rechts genau dort. (kāraṇāt Abl., phalam, iṣyate)
tatkāraṇasamāyoge labhet kurvan phalaṃ naraḥ
Bei dem Zusammentreffen dieses Anlasses erlangt der Mensch, wenn er handelt, Frucht. (tatkāraṇasamāyoge Lok., kurvan, labhet)
anyathā na labhet puṇyam atadarhaḥ samādiśan
Anders erlangt er kein Verdienst, wenn er [es] als dessen Unwürdiger anordnet. (anyathā, atadarhaḥ, samādiśan Part.)
evaṃ dharmasya nānātvaṃ phalaṃ kurvaṃl labhen naraḥ
So erlangt der Mensch bei der Vielfalt des Rechts Frucht, wenn er handelt. (nānātvam, kurvan)
śrautaḥ smārtas tu dharmāṇāṃ prākṛto dharma ucyate
Von den Rechtsordnungen heißen: śrauta [vedisch], smārta [überliefert] und prākṛta [volksüblich]. (śrautaḥ, smārtaḥ, prākṛtaḥ, dharmāṇām Gen.Pl.)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
iti te kathitaṃ sarvaṃ bhūyaḥ śrotuṃ kim icchasi
„So ist dir alles erzählt; was willst du weiter hören?“ (kathitam, śrotum, icchasi)
bhagavan sarvabhūteśa tripurārdana śaṃkara
Herr, Gebieter aller Wesen, Tripura-Bezwinger, Śaṃkara, (bhagavan, sarvabhūteśa, tripurārdana, śaṃkara Vok.)
śrutaṃ pāpakṛtaṃ duḥkhaṃ yamaloke varaprada
ich habe das Leid der Sünder in Yamas Welt gehört, Gabenspender. (śrutam, pāpakṛtam, duḥkham, yamaloke, varaprada)
śrotum icchāmy ahaṃ deva nṛṇāṃ sukṛtakarmaṇām
Ich möchte, o Gott, [nun] von den Menschen guter Werke hören: (śrotum, icchāmi, nṛṇām, sukṛtakarmaṇām)
kathaṃ te bhuñjate lokān svargaloke maheśvara
Wie genießen sie die Welten in der Himmelswelt, Maheśvara? (bhuñjate, lokān)
kathitāḥ kīdṛśā lokā nṛṇāṃ sukṛtakāriṇām
Von welcher Art werden die Welten der Menschen genannt, die Gutes tun? (kathitāḥ, kīdṛśāḥ, sukṛtakāriṇām)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
etan me vada deveśa śrotuṃ kautūhalaṃ hi me
„Das sage mir, Herr der Götter; ich habe ja Neugier zu hören.“ (vada, kautūhalam)
śṛṇu kalyāṇi tat sarvaṃ yat tvam icchasi bhāmini
Höre, Segensreiche, alles, was du wünschst, Zornige. (śṛṇu, kalyāṇi, icchasi)
vividhāḥ puṇyalokās te karmākarmaṇyatāṃ gatāḥ
Vielfältig sind diese Verdienstwelten, zur Wirksamkeit oder Unwirksamkeit des Karma gelangt [?]. (vividhāḥ, puṇyalokāḥ, karmākarmaṇyatām)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherangaben verstellt: ‚iti te kathitaṃ … kim icchasi‘ ist Rede Maheśvaras, ‚bhagavan sarvabhūteśa …‘ Umās, ‚etan me vada …‘ Umās; ‚karmākarmaṇyatām‘ dunkel [?].

meruṃ hi kanakātmānaṃ paritaḥ sarvatodiśam; bhadrāśvaḥ ketumālaś ca uttarāḥ kuravas tathā; jambūvanādayaḥ svargā ity ete karmavarjitāḥ; teṣu bhogāḥ svayaṃbhūtāḥ pradṛśyante yatas tataḥ; yojanānāṃ sahasraṃ tu ekaikaṃ mānamātrayā; nityapuṣpaphalopetās tatra vṛkṣāḥ samantataḥ; āsaktavastrābharaṇāḥ sarve kanakasaṃnibhāḥ; dvirephāś cāṇḍajās tatra pravālamaṇisaṃnibhāḥ; vicitrāś ca manojñāś ca kūjitaiḥ śobhayanti tān; kuśeśayavanaiś channā nalinyaś ca manoramāḥ; tatra vānty anilā nityaṃ divyagandhāḥ sukhāvahāḥ; sarve cāmlānamālyāś ca virajombarasaṃvṛtāḥ; evaṃ bahuvidhā devi divi bhogāḥ sukhāvahāḥ; striyaś ca puruṣāś caiva sarve sukṛtakāriṇaḥ; ramante tatra cānyonyaṃ kāmarāgasamanvitāḥ

Um den Meru, dessen Wesen Gold ist, ringsum, in allen Richtungen, [liegen] Bhadrāśva, Ketumāla und ebenso die nördlichen Kurus, Jambūvana und andere sind ‚Himmel‘: so sind diese frei von Karma [Wirkstätten]. In diesen sieht man von selbst entstandene Genüsse hier und dort. Jedes [dieser Länder] hat als Ausmaß tausend Yojanas. Dort sind Bäume ringsum stets mit Blüten und Früchten versehen, alle mit anhängenden Kleidern und Schmuck, goldgleich. Dort [gibt es] Bienen und Vögel, korallen- und edelsteingleich, bunt und lieblich; sie zieren jene [Bäume] mit ihrem Gesang. Bedeckt mit Lotuswäldern sind entzückende Lotusteiche. Dort wehen stets Winde, himmlisch duftend, Wohlgefühl bringend. Alle tragen unverwelkte Kränze und sind in staubfreie Gewänder gehüllt. So vielerlei, Göttin, sind die Genüsse im Himmel, Wohlgefühl bringend. Frauen und Männer, alle Gutes tuend, freuen sich dort miteinander, mit Verlangen und Leidenschaft versehen.

Wort für Wort
meruṃ hi kanakātmānaṃ paritaḥ sarvatodiśam
Um den Meru, dessen Wesen Gold ist, ringsum, in allen Richtungen, (merum, kanakātmānam, paritaḥ, sarvatodiśam)
bhadrāśvaḥ ketumālaś ca uttarāḥ kuravas tathā
[liegen] Bhadrāśva, Ketumāla und ebenso die nördlichen Kurus, (bhadrāśvaḥ, ketumālaḥ, uttarāḥ kuravaḥ)
jambūvanādayaḥ svargā ity ete karmavarjitāḥ
Jambūvana und andere sind ‚Himmel‘: so sind diese frei von Karma [Wirkstätten]. (jambūvanādayaḥ, svargāḥ, karmavarjitāḥ)
teṣu bhogāḥ svayaṃbhūtāḥ pradṛśyante yatas tataḥ
In diesen sieht man von selbst entstandene Genüsse hier und dort. (bhogāḥ, svayaṃbhūtāḥ, pradṛśyante)
yojanānāṃ sahasraṃ tu ekaikaṃ mānamātrayā
Jedes [dieser Länder] hat als Ausmaß tausend Yojanas. (yojanānām, sahasram, ekaikam, mānamātrayā)
nityapuṣpaphalopetās tatra vṛkṣāḥ samantataḥ
Dort sind Bäume ringsum stets mit Blüten und Früchten versehen, (nityapuṣpaphalopetāḥ, vṛkṣāḥ)
āsaktavastrābharaṇāḥ sarve kanakasaṃnibhāḥ
alle mit anhängenden Kleidern und Schmuck, goldgleich. (āsaktavastrābharaṇāḥ, kanakasaṃnibhāḥ)
dvirephāś cāṇḍajās tatra pravālamaṇisaṃnibhāḥ
Dort [gibt es] Bienen und Vögel, korallen- und edelsteingleich, (dvirephāḥ, āṇḍajāḥ, pravālamaṇisaṃnibhāḥ)
vicitrāś ca manojñāś ca kūjitaiḥ śobhayanti tān
bunt und lieblich; sie zieren jene [Bäume] mit ihrem Gesang. (vicitrāḥ, manojñāḥ, kūjitaiḥ Instr.Pl., śobhayanti)
kuśeśayavanaiś channā nalinyaś ca manoramāḥ
Bedeckt mit Lotuswäldern sind entzückende Lotusteiche. (kuśeśayavanaiḥ, channāḥ, nalinyaḥ)
tatra vānty anilā nityaṃ divyagandhāḥ sukhāvahāḥ
Dort wehen stets Winde, himmlisch duftend, Wohlgefühl bringend. (vānti, anilāḥ, divyagandhāḥ, sukhāvahāḥ)
sarve cāmlānamālyāś ca virajombarasaṃvṛtāḥ
Alle tragen unverwelkte Kränze und sind in staubfreie Gewänder gehüllt. (amlānamālyāḥ, virajombarasaṃvṛtāḥ)
evaṃ bahuvidhā devi divi bhogāḥ sukhāvahāḥ
So vielerlei, Göttin, sind die Genüsse im Himmel, Wohlgefühl bringend. (bahuvidhāḥ, bhogāḥ, sukhāvahāḥ)
striyaś ca puruṣāś caiva sarve sukṛtakāriṇaḥ
Frauen und Männer, alle Gutes tuend, (striyaḥ, puruṣāḥ, sukṛtakāriṇaḥ)
ramante tatra cānyonyaṃ kāmarāgasamanvitāḥ
freuen sich dort miteinander, mit Verlangen und Leidenschaft versehen. (ramante, anyonyam, kāmarāgasamanvitāḥ)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

divyabhūṣaṇasaṃyuktā divyagandhasamanvitāḥ; manoramā mahābhāgāḥ sarve lalitakuṇḍalāḥ; evaṃ tatragatā martyāḥ pramadāḥ priyadarśanāḥ; nānābhāvasamāyuktā yauvanasthāḥ sadaiva tu; kamanīyāḥ kāmayutāḥ kāmajñā lalitās tathā; manonukūlā madhurā bhoginām upakalpitāḥ; pramadāś codbhavanty eva svargaloke yathā tathā; evaṃvidhāḥ striyaś cātra puruṣāś ca parasparam; ramante cendriyaiḥ svasthaiḥ śarīrair bhogasaṃskṛtaiḥ; kāmaharṣau guṇāv āstāṃ nānye krodhādayaḥ priye; kṣut pipāsā na cāsty atra gātrakleśāś ca śobhane; sarvato ramaṇīyaś ca sarvartukusumānvitam; yāvat puṇyaphalaṃ tāvad ramante tatra saṃgatāḥ; nirantaraṃ bhogayutā ramante svargavāsinaḥ; tatra bhogān yathāyogaṃ bhuktvā puṇyakṣayāt punaḥ

mit himmlischem Schmuck versehen, mit himmlischem Duft begabt, entzückend, hochbeglückt, alle mit zierlichen Ohrringen. So sind dort die Sterblichen hingelangt, [und] Frauen von lieblichem Anblick, von mannigfachem Wesen, stets in der Jugend stehend, begehrenswert, voller Verlangen, der Liebe kundig und zierlich, dem Sinn gemäß, süß, den Genießenden bereitet. Und Frauen entstehen im Himmel je nach Art [wie es passt]. Solcher Art sind hier Frauen und Männer, einander [zugewandt], sie erfreuen sich mit gesunden Sinnen, mit Körpern, die für Genüsse bereitet sind. Verlangen und Freude sind dort die [einzigen] Eigenschaften, nicht andere wie Zorn, Liebe. Hunger und Durst gibt es hier nicht, noch körperliche Beschwerden, Schöne. Ringsum ist es reizvoll, mit Blüten aller Jahreszeiten versehen. So lange die Verdienstfrucht währt, so lange freuen sie sich dort vereint. Ununterbrochen mit Genüssen verbunden, freuen sich die Himmelsbewohner. Nachdem sie dort die Genüsse gemäß [ihrem Verdienst] genossen haben, bei Schwinden des Verdienstes wieder

Wort für Wort
divyabhūṣaṇasaṃyuktā divyagandhasamanvitāḥ
mit himmlischem Schmuck versehen, mit himmlischem Duft begabt, (divyabhūṣaṇasaṃyuktāḥ, divyagandhasamanvitāḥ)
manoramā mahābhāgāḥ sarve lalitakuṇḍalāḥ
entzückend, hochbeglückt, alle mit zierlichen Ohrringen. (manoramāḥ, mahābhāgāḥ, lalitakuṇḍalāḥ)
evaṃ tatragatā martyāḥ pramadāḥ priyadarśanāḥ
So sind dort die Sterblichen hingelangt, [und] Frauen von lieblichem Anblick, (tatragatāḥ, martyāḥ, pramadāḥ, priyadarśanāḥ)
nānābhāvasamāyuktā yauvanasthāḥ sadaiva tu
von mannigfachem Wesen, stets in der Jugend stehend, (nānābhāvasamāyuktāḥ, yauvanasthāḥ)
kamanīyāḥ kāmayutāḥ kāmajñā lalitās tathā
begehrenswert, voller Verlangen, der Liebe kundig und zierlich, (kamanīyāḥ, kāmayutāḥ, kāmajñāḥ, lalitāḥ)
manonukūlā madhurā bhoginām upakalpitāḥ
dem Sinn gemäß, süß, den Genießenden bereitet. (manonukūlāḥ, madhurāḥ, bhoginām, upakalpitāḥ)
pramadāś codbhavanty eva svargaloke yathā tathā
Und Frauen entstehen im Himmel je nach Art [wie es passt]. (pramadāḥ, udbhavanti, yathā tathā)
evaṃvidhāḥ striyaś cātra puruṣāś ca parasparam
Solcher Art sind hier Frauen und Männer, einander [zugewandt], (evaṃvidhāḥ, striyaḥ, puruṣāḥ, parasparam)
ramante cendriyaiḥ svasthaiḥ śarīrair bhogasaṃskṛtaiḥ
sie erfreuen sich mit gesunden Sinnen, mit Körpern, die für Genüsse bereitet sind. (ramante, indriyaiḥ svasthaiḥ, śarīraiḥ bhogasaṃskṛtaiḥ)
kāmaharṣau guṇāv āstāṃ nānye krodhādayaḥ priye
Verlangen und Freude sind dort die [einzigen] Eigenschaften, nicht andere wie Zorn, Liebe. (kāmaharṣau Nom.Du., guṇau, āstām 3.Du.Imp., krodhādayaḥ)
kṣut pipāsā na cāsty atra gātrakleśāś ca śobhane
Hunger und Durst gibt es hier nicht, noch körperliche Beschwerden, Schöne. (kṣut, pipāsā, gātrakleśāḥ)
sarvato ramaṇīyaś ca sarvartukusumānvitam
Ringsum ist es reizvoll, mit Blüten aller Jahreszeiten versehen. (sarvataḥ, ramaṇīyaḥ, sarvartukusumānvitam)
yāvat puṇyaphalaṃ tāvad ramante tatra saṃgatāḥ
So lange die Verdienstfrucht währt, so lange freuen sie sich dort vereint. (yāvat–tāvat, saṃgatāḥ)
nirantaraṃ bhogayutā ramante svargavāsinaḥ
Ununterbrochen mit Genüssen verbunden, freuen sich die Himmelsbewohner. (nirantaram, bhogayutāḥ, svargavāsinaḥ)
tatra bhogān yathāyogaṃ bhuktvā puṇyakṣayāt punaḥ
Nachdem sie dort die Genüsse gemäß [ihrem Verdienst] genossen haben, bei Schwinden des Verdienstes wieder (bhogān, bhuktvā Abs., puṇyakṣayāt)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Satz führt in die nächste Einheit weiter (‚naśyanti jāyamānās te …‘).

naśyanti jāyamānās te śarīraiḥ sahasā priye; svargalokāt paribhraṣṭā jāyante mānuṣe punaḥ; pūrvapuṇyāvaśeṣeṇa viśiṣṭāḥ saṃbhavanti te; eṣā svargagatiḥ proktā pṛcchantyās tava bhāmini; ata ūrdhvaṃ padāny aṣṭau karmaṇyāni śṛṇu priye; bhogayuktāni puṇyāni ucchritāni parasparam; vidyādharāḥ kiṃpuruṣā yakṣagandharvakiṃnarāḥ; apsaro dānavā devā yathākramam udāhṛtāḥ; teṣu sthāneṣu jāyante prāṇinaḥ puṇyakarmiṇaḥ; teṣām api ca ye lokāḥ svargalokopamāḥ smṛtāḥ; svargavat tatra te bhogān bhuñjate ca ramanti ca; rūpasattvabalopetāḥ sarve dīrghāyuṣas tathā; teṣāṃ sarvakriyārambho mānuṣeṣv eva dṛśyate; atimānuṣam āścaryam astramāyābalātkṛtam; jarāprasūtimaraṇaṃ teṣu sthāneṣu dṛśyate

vergehen sie plötzlich, Liebe, während sie [in neue Geburten] geboren werden, mit [ihren] Körpern. Aus der Himmelswelt herabgefallen, werden sie wieder in der Menschenwelt geboren, durch den Rest früheren Verdienstes werden sie ausgezeichnet. Dies ist der Weg zum Himmel, dargelegt dir, der Fragenden, Zornige. Weiter höre, Liebe, die acht Stufen [Stätten], die vom Karma abhängen. Genussreich, verdienstvoll, einander überragend: Vidyādharas, Kiṃpuruṣas, Yakṣas, Gandharvas, Kiṃnaras, Apsaras, Dānavas [und] Götter sind der Reihe nach aufgezählt. In diesen Stätten werden Lebewesen mit verdienstvollen Werken geboren. Auch deren Welten gelten als dem Himmel ähnlich. Wie im Himmel genießen sie dort Genüsse und erfreuen sich. Alle sind mit Gestalt, Wesenskraft und Stärke begabt, ebenso langlebig. Deren gesamter Handlungsbeginn zeigt sich nur unter Menschen. Übermenschlich, wunderbar, durch Waffen, Zauber und Kraft bewirkt. Alter, Geburt und Tod sieht man in diesen Stätten.

Wort für Wort
naśyanti jāyamānās te śarīraiḥ sahasā priye
vergehen sie plötzlich, Liebe, während sie [in neue Geburten] geboren werden, mit [ihren] Körpern. (naśyanti, jāyamānāḥ, śarīraiḥ, sahasā [Aussage unsicher ?])
svargalokāt paribhraṣṭā jāyante mānuṣe punaḥ
Aus der Himmelswelt herabgefallen, werden sie wieder in der Menschenwelt geboren, (svargalokāt Abl., paribhraṣṭāḥ, jāyante)
pūrvapuṇyāvaśeṣeṇa viśiṣṭāḥ saṃbhavanti te
durch den Rest früheren Verdienstes werden sie ausgezeichnet. (pūrvapuṇyāvaśeṣeṇa Instr., viśiṣṭāḥ, saṃbhavanti)
eṣā svargagatiḥ proktā pṛcchantyās tava bhāmini
Dies ist der Weg zum Himmel, dargelegt dir, der Fragenden, Zornige. (svargagatiḥ, proktā, pṛcchantyāḥ)
ata ūrdhvaṃ padāny aṣṭau karmaṇyāni śṛṇu priye
Weiter höre, Liebe, die acht Stufen [Stätten], die vom Karma abhängen. (padāni aṣṭau, karmaṇyāni)
bhogayuktāni puṇyāni ucchritāni parasparam
Genussreich, verdienstvoll, einander überragend: (bhogayuktāni, puṇyāni, ucchritāni)
vidyādharāḥ kiṃpuruṣā yakṣagandharvakiṃnarāḥ
Vidyādharas, Kiṃpuruṣas, Yakṣas, Gandharvas, Kiṃnaras, (Nom.Pl.)
apsaro dānavā devā yathākramam udāhṛtāḥ
Apsaras, Dānavas [und] Götter sind der Reihe nach aufgezählt. (apsaraḥ [ohne Nom.Pl.], dānavāḥ, devāḥ, yathākramam, udāhṛtāḥ)
teṣu sthāneṣu jāyante prāṇinaḥ puṇyakarmiṇaḥ
In diesen Stätten werden Lebewesen mit verdienstvollen Werken geboren. (sthāneṣu, prāṇinaḥ, puṇyakarmiṇaḥ)
teṣām api ca ye lokāḥ svargalokopamāḥ smṛtāḥ
Auch deren Welten gelten als dem Himmel ähnlich. (teṣām, lokāḥ, svargalokopamāḥ)
svargavat tatra te bhogān bhuñjate ca ramanti ca
Wie im Himmel genießen sie dort Genüsse und erfreuen sich. (svargavat, bhogān, bhuñjate, ramanti)
rūpasattvabalopetāḥ sarve dīrghāyuṣas tathā
Alle sind mit Gestalt, Wesenskraft und Stärke begabt, ebenso langlebig. (rūpasattvabalopetāḥ, dīrghāyuṣaḥ)
teṣāṃ sarvakriyārambho mānuṣeṣv eva dṛśyate
Deren gesamter Handlungsbeginn zeigt sich nur unter Menschen. (sarvakriyārambhaḥ, mānuṣeṣu)
atimānuṣam āścaryam astramāyābalātkṛtam
Übermenschlich, wunderbar, durch Waffen, Zauber und Kraft bewirkt. (atimānuṣam, āścaryam, astramāyābalātkṛtam)
jarāprasūtimaraṇaṃ teṣu sthāneṣu dṛśyate
Alter, Geburt und Tod sieht man in diesen Stätten. (jarāprasūtimaraṇam, sthāneṣu)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der erste Halbvers (‚naśyanti jāyamānās te śarīraiḥ sahasā‘) ist in Konstruktion und Sinn unsicher [?]; ‚apsaro‘ = Apsaras (Sandhi/Stammform).

guṇadoṣāś ca santy atra ākāśagamanaṃ tathā; antardhānaṃ balaṃ sarvam āyuś ca cirajīvanam; tapoviśeṣāj jāyante teṣāṃ karmāṇi bhāmini; devalokapravṛttis tu teṣām eva vidhīyate; na tathā devaloko hi tadviśiṣṭāḥ surāḥ smṛtāḥ; tatra bhogam anirdeśyam amṛtatvaṃ ca vidyate; vimānagamanaṃ nityam apsarogaṇasevitam; evam anyac ca tat karma daivatebhyo viśiṣyate; pratyakṣaṃ tava tat sarvaṃ devalokapravartanam; tasmān na varṇaye devi viditaṃ hi tvayā śubhe; umā; tat sarvaṃ sukṛtenaiva prāpyate cottamaṃ padam; mānuṣeṣv eva jīvatsu gatir vijñāyate na vā; ayaṃ śubhagatir jīvann asau tv aśubhabhāg iti; maheśvaraḥ; etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me śaṃsitum arhasi

Es gibt hier Vorzüge und Fehler, ebenso Himmelsfahrt, Verschwinden, alle Kraft und Lebensdauer, langes Leben. Durch besondere Askese entstehen deren Werke, Zornige. Das Wirken der Götterwelt aber wird nur für diese bestimmt. Nicht so [ist] die Götterwelt; die Götter gelten als darüber hinaus ausgezeichnet. Dort gibt es unbeschreiblichen Genuss und Unsterblichkeit. Fortwährend Fahrt in Himmelswagen, von Apsaras-Scharen bedient. So übertrifft auch anderes dieses Karma [der Götter] die Gottheiten [?]. Das alles ist dir ja unmittelbar bekannt, das Wirken der Götterwelt. Darum beschreibe ich es nicht, Göttin; denn es ist von dir gewusst, Heilvolle. Umā [sprach]: All das und die höchste Stätte werden nur durch gutes Werk erlangt. Wird bei den noch lebenden Menschen [ihr] Weg erkannt oder nicht? „Dieser hat einen heilvollen Weg, solange er lebt; jener hat Anteil am Unheilvollen“ – [so]? Maheśvara [sprach]: Dies möchte ich hören; das mögest du mir darlegen.

Wort für Wort
guṇadoṣāś ca santy atra ākāśagamanaṃ tathā
Es gibt hier Vorzüge und Fehler, ebenso Himmelsfahrt, (guṇadoṣāḥ, santi, ākāśagamanam)
antardhānaṃ balaṃ sarvam āyuś ca cirajīvanam
Verschwinden, alle Kraft und Lebensdauer, langes Leben. (antardhānam, balam, āyuḥ, cirajīvanam)
tapoviśeṣāj jāyante teṣāṃ karmāṇi bhāmini
Durch besondere Askese entstehen deren Werke, Zornige. (tapoviśeṣāt Abl., jāyante, karmāṇi)
devalokapravṛttis tu teṣām eva vidhīyate
Das Wirken der Götterwelt aber wird nur für diese bestimmt. (devalokapravṛttiḥ, vidhīyate)
na tathā devaloko hi tadviśiṣṭāḥ surāḥ smṛtāḥ
Nicht so [ist] die Götterwelt; die Götter gelten als darüber hinaus ausgezeichnet. (devalokaḥ, tadviśiṣṭāḥ, surāḥ)
tatra bhogam anirdeśyam amṛtatvaṃ ca vidyate
Dort gibt es unbeschreiblichen Genuss und Unsterblichkeit. (bhogam, anirdeśyam, amṛtatvam)
vimānagamanaṃ nityam apsarogaṇasevitam
Fortwährend Fahrt in Himmelswagen, von Apsaras-Scharen bedient. (vimānagamanam, apsarogaṇasevitam)
evam anyac ca tat karma daivatebhyo viśiṣyate
So übertrifft auch anderes dieses Karma [der Götter] die Gottheiten [?]. (karma, daivatebhyaḥ Abl., viśiṣyate)
pratyakṣaṃ tava tat sarvaṃ devalokapravartanam
Das alles ist dir ja unmittelbar bekannt, das Wirken der Götterwelt. (pratyakṣam, devalokapravartanam)
tasmān na varṇaye devi viditaṃ hi tvayā śubhe
Darum beschreibe ich es nicht, Göttin; denn es ist von dir gewusst, Heilvolle. (varṇaye, viditam, tvayā)
umā
Umā [sprach]: (Sprecherangabe)
tat sarvaṃ sukṛtenaiva prāpyate cottamaṃ padam
All das und die höchste Stätte werden nur durch gutes Werk erlangt. (sukṛtena, prāpyate, uttamam padam)
mānuṣeṣv eva jīvatsu gatir vijñāyate na vā
Wird bei den noch lebenden Menschen [ihr] Weg erkannt oder nicht? (mānuṣeṣu jīvatsu Lok.abs., gatiḥ, vijñāyate)
ayaṃ śubhagatir jīvann asau tv aśubhabhāg iti
„Dieser hat einen heilvollen Weg, solange er lebt; jener hat Anteil am Unheilvollen“ – [so]? (śubhagatiḥ, jīvan, aśubhabhāj)
maheśvaraḥ
Maheśvara [sprach]: (Sprecherangabe)
etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ tan me śaṃsitum arhasi
Dies möchte ich hören; das mögest du mir darlegen. (icchāmi, śrotum, arhasi)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Sprecherangaben sind hier vertauscht/verstellt: ‚etad icchāmy ahaṃ śrotuṃ …‘ ist Rede Umās. ‚evam anyac ca tat karma daivatebhyo viśiṣyate‘ [?].

tad ahaṃ te pravakṣyāmi jīvatāṃ vidyate yathā; dvividhāḥ prāṇino loke daivāsurasamāśritāḥ; manasā karmaṇā vācā pratikūlā bhavanti ye; tādṛśān āsurān viddhi martyās te narakālayāḥ; rāgadveṣayutā ye tu nirlajjā nirapatrapāḥ; darpāhaṃkārasaṃyuktā narā narakagāminaḥ; nāstikāś ca śaṭhā ghorāḥ pareṣām upatāpinaḥ; yatheṣṭavṛttayaś caiva narā narakagāminaḥ; duṣpratītamanā yas tu calacitto nirākṛtiḥ; śiśnodararatir mūḍho nirayaṃ yāti so 'dhamaḥ; māṃsapānapriyā nityaṃ kaṭhorā nīcavṛttayaḥ; tādṛśān āsurān viddhi sarve te narakālayāḥ; hiṃsāvihārā ye nityaṃ nirdayāḥ prāṇināśane; svadharmavimukhāś caiva parasveṣv abhikāṅkṣiṇaḥ; yuddhamātsaryasaṃyuktā grāmyabhogaparāyaṇāḥ

Das werde ich dir darlegen, wie es unter den Lebenden beschaffen ist. Zweierlei Wesen gibt es in der Welt, dem Göttlichen und dem Asurischen zugehörig. Wer in Gedanken, Tat und Wort [den Guten] zuwider ist – solche wisse als Asuras; diese Sterblichen sind Wohnstätten der Hölle. Die aber von Leidenschaft und Hass erfüllt sind, schamlos und ohne Scheu, mit Stolz und Ichbezogenheit verbunden, sind Menschen, die zur Hölle gehen. Auch die Nichtgläubigen, Arglistigen, Schrecklichen, die anderen Leid zufügen, und die, die nach Belieben leben, sind Menschen, die zur Hölle gehen. Wer unzuverlässigen Sinnes ist, wankelmütig im Denken, haltlos [?], am Genital und am Bauch sich ergötzend, der Tor, der Niedrigste, geht in die Hölle. Die stets Fleisch und Trank Liebenden, Harten, von niedrigem Lebenswandel – solche wisse als Asuras, sie alle sind Höllenbewohner. Die, die sich stets an Gewalttat ergötzen, mitleidlos beim Töten von Lebewesen, dem eigenen Dharma abgewandt, nach fremdem Besitz begehrend, von Kampfneid erfüllt, dem gemeinen Genuss ergeben –

Wort für Wort
tad ahaṃ te pravakṣyāmi jīvatāṃ vidyate yathā
Das werde ich dir darlegen, wie es unter den Lebenden ist (1.Sg.Fut./Gen.Pl.Part.)
dvividhāḥ prāṇino loke daivāsurasamāśritāḥ
zweierlei Wesen in der Welt, dem Göttlichen und Asurischen zugehörig (Nom.Pl./Lok.)
manasā karmaṇā vācā pratikūlā bhavanti ye
in Gedanken, Tat und Wort zuwider sind, die (Instr./Nom.Pl.)
tādṛśān āsurān viddhi martyās te narakālayāḥ
solche wisse als Asuras, diese Sterblichen sind Höllenwohnstätten (Imp.2.Sg./Akk.Pl.)
rāgadveṣayutā ye tu nirlajjā nirapatrapāḥ
die aber mit Leidenschaft und Hass verbunden, schamlos, ohne Scheu sind (Nom.Pl.)
darpāhaṃkārasaṃyuktā narā narakagāminaḥ
mit Stolz und Ichbezogenheit verbunden, Menschen, die zur Hölle gehen (Nom.Pl.)
nāstikāś ca śaṭhā ghorāḥ pareṣām upatāpinaḥ; yatheṣṭavṛttayaś caiva
Nichtgläubige, Arglistige, Schreckliche, anderen Leid Bringende; und nach Belieben Lebende (Nom.Pl.)
duṣpratītamanā yas tu calacitto nirākṛtiḥ; śiśnodararatir mūḍho nirayaṃ yāti so 'dhamaḥ
wer unzuverlässigen Sinnes, wankelmütig, haltlos [?], an Genital und Bauch sich ergötzend, der Tor geht in die Hölle, der Niedrigste (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
māṃsapānapriyā nityaṃ kaṭhorā nīcavṛttayaḥ; tādṛśān āsurān viddhi sarve te narakālayāḥ
stets Fleisch und Trank liebend, hart, niedrig im Wandel; solche wisse als Asuras, alle sind Höllenwohner (Nom.Pl./Imp.)
hiṃsāvihārā ye nityaṃ nirdayāḥ prāṇināśane; svadharmavimukhāś caiva parasveṣv abhikāṅkṣiṇaḥ; yuddhamātsaryasaṃyuktā grāmyabhogaparāyaṇāḥ
die stets an Gewalt sich ergötzen, mitleidlos beim Töten der Wesen, dem eigenen Dharma abgewandt, nach fremdem Gut begehrend, von Kampfneid erfüllt, dem gemeinen Genuss ergeben (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften). nirākṛtiḥ unsicher.

tādṛśān āsurān viddhi narān narakagāminaḥ; darpotsekasamāyuktā mūrkhās tattvabahiṣkṛtāḥ; śrutividveṣiṇo nityaṃ te narā narakālayāḥ; nityaṃ vadanti ye mohād anṛtaṃ kaṭukaṃ vacaḥ; kṛtaghnāḥ piśunā ghorā bhavanti narakālayāḥ; hiṃsrāś corāś ca dhūrtāś ca paradārābhimarśinaḥ; nīcakarmakarā ye ca śaucamaṅgalavarjitāḥ; śrutividveṣiṇaḥ pāpā lokacāritradūṣakāḥ; evaṃyuktasamācārā jīvanto narakālayāḥ; lokodvegakarāś cānye paśavaś ca sarīsṛpāḥ; vṛkṣāḥ kaṇṭakino rūkṣās tādṛśān viddhi cāsurān; aparān devapakṣāṃs tu śṛṇu devi samāhitā; manovākkarmabhir nityam anukūlā bhavanti ye; tādṛśān amarān viddhi te narāḥ svargagāminaḥ; śaucārjavaparādhīnāḥ parārthaṃ na haranti ye

– solche wisse als Asuras, als Menschen, die zur Hölle gehen. Die von Hochmut und Überheblichkeit Erfüllten, die Toren, von der Wahrheit [dem Wesentlichen] Ausgeschlossenen, die stets die Offenbarung [śruti] Hassenden, jene Menschen sind Höllenbewohner. Die aus Verblendung stets Unwahres und Bitteres reden, die Undankbaren, Verleumder, Schrecklichen werden Höllenbewohner. Die Gewalttätigen, Diebe und Betrüger, die sich an fremden Frauen vergreifen, die niedrige Taten verrichten und frei von Reinheit und Glück verheißenden Bräuchen sind, die Sünder, die die Offenbarung hassen und den Wandel der Welt verderben – die so gearteten Lebenden sind Höllenbewohner. Auch andere, die der Welt Schrecken bereiten, sowie Tiere und Kriechtiere, Bäume, dornige, rauhe – auch solche wisse als Asuras. Höre nun, Göttin, aufmerksam von den anderen, die auf der Seite der Götter stehen: Die stets in Gedanken, Wort und Tat [den Guten] zugeneigt sind – solche wisse als Unsterbliche; jene Menschen gehen zum Himmel. Die von Reinheit und Redlichkeit abhängig sind und anderen nichts wegnehmen –

Wort für Wort
tādṛśān āsurān viddhi narān narakagāminaḥ
solche wisse als Asuras, Menschen, die zur Hölle gehen (Imp./Akk.Pl.)
darpotsekasamāyuktā mūrkhās tattvabahiṣkṛtāḥ
mit Stolz und Überheblichkeit erfüllt, Toren, vom Wesentlichen ausgeschlossen (Nom.Pl.)
śrutividveṣiṇo nityaṃ te narā narakālayāḥ
stets die Śruti Hassende, jene Menschen sind Höllenwohner (Nom.Pl.)
nityaṃ vadanti ye mohād anṛtaṃ kaṭukaṃ vacaḥ; kṛtaghnāḥ piśunā ghorā bhavanti narakālayāḥ
die stets aus Verblendung Unwahres, Bitteres sagen; Undankbare, Verleumder, Schreckliche werden Höllenwohner (3.Pl.Präs./Abl.)
hiṃsrāś corāś ca dhūrtāś ca paradārābhimarśinaḥ; nīcakarmakarā ye ca śaucamaṅgalavarjitāḥ
Gewalttätige, Diebe, Betrüger, fremde Frauen Antastende; niedrige Taten Tuende, ohne Reinheit und Heilsbräuche (Nom.Pl.)
śrutividveṣiṇaḥ pāpā lokacāritradūṣakāḥ; evaṃyuktasamācārā jīvanto narakālayāḥ
die Śruti hassende Sünder, den Weltwandel Verderbende; so beschaffenen Verhaltens, Lebende sind Höllenwohner (Nom.Pl.)
lokodvegakarāś cānye paśavaś ca sarīsṛpāḥ; vṛkṣāḥ kaṇṭakino rūkṣās tādṛśān viddhi cāsurān
andere der Welt Schrecken Bringende, Tiere und Kriechtiere, dornige rauhe Bäume; solche wisse als Asuras (Nom.Pl./Imp.)
aparān devapakṣāṃs tu śṛṇu devi samāhitā; manovākkarmabhir nityam anukūlā bhavanti ye
die anderen, der Götterpartei Angehörigen, höre, Göttin, gesammelt; die stets mit Geist, Wort, Tat zugeneigt sind (Imp./Vok.)
tādṛśān amarān viddhi te narāḥ svargagāminaḥ
solche wisse als Unsterbliche, jene Menschen gehen zum Himmel (Imp./Nom.Pl.)
śaucārjavaparādhīnāḥ parārthaṃ na haranti ye
von Reinheit und Geradheit abhängig, fremdes Gut nicht nehmen, die (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Satz beginnt in 321 und läuft in 323 weiter.

ye samāḥ sarvabhūteṣu te narāḥ svargagāminaḥ; bhayād vā vṛttihetor vā anṛtaṃ na bruvanti ye; satyaṃ vadanti satataṃ te narāḥ svargagāminaḥ; dhārmikāḥ śaucasaṃpannāḥ śuklā madhurabhāṣiṇaḥ; nākāryaṃ manasecchanti te narāḥ svargagāminaḥ; daridrā api ye ke cid yācitāḥ prītipūrvakam; dadaty eva ca yat kiṃ cit te narāḥ svargagāminaḥ; āstikā maṅgalaparāḥ satataṃ vṛddhasevinaḥ; puṇyakarmaparā nityaṃ te narāḥ svargagāminaḥ; svaduḥkham iva manyante pareṣāṃ duḥkhavedanām; śaktyā cābhyavapadyante te narāḥ svargagāminaḥ; vratino dānaśīlāś ca sukhaśīlāś ca mānavāḥ; ṛjavo mṛdavo nityaṃ te narāḥ svargagāminaḥ; guruśuśrūṣaṇaparā devabrāhmaṇapūjakāḥ; kṛtajñāḥ kṛtavidyāś ca te narāḥ svargagāminaḥ

– die unter allen Wesen gleich [gesinnt] sind, jene Menschen gehen zum Himmel. Die aus Furcht oder um des Lebensunterhalts willen nichts Unwahres sagen, sondern stets die Wahrheit sprechen, jene Menschen gehen zum Himmel. Die Rechtschaffenen, mit Reinheit Begabten, Lauteren, süß Redenden, die nichts Unziemliches im Geist begehren, jene Menschen gehen zum Himmel. Auch die Armen, die, wenn sie gebeten werden, mit Zuneigung geben, was sie nur irgend haben, jene Menschen gehen zum Himmel. Die Gläubigen, dem Heilbringenden Ergebenen, stets die Alten Bedienenden, stets Verdienstvolles Tuenden, jene Menschen gehen zum Himmel. Die das Leid der anderen wie eigenes Leid empfinden und nach Kräften beistehen, jene Menschen gehen zum Himmel. Die Gelübde Haltenden, zum Geben Neigenden, sanften Wesens, die Menschen, stets aufrecht und mild, jene gehen zum Himmel. Die dem Lehrer zu Diensten sind, Götter und Brahmanen verehren, dankbar und gelehrt sind, jene Menschen gehen zum Himmel.

Wort für Wort
ye samāḥ sarvabhūteṣu te narāḥ svargagāminaḥ
die gleich unter allen Wesen sind, jene Menschen gehen zum Himmel (Nom.Pl./Lok.Pl.)
bhayād vā vṛttihetor vā anṛtaṃ na bruvanti ye
aus Furcht oder um des Lebensunterhalts willen nichts Unwahres sagen (Abl./3.Pl.Präs.)
satyaṃ vadanti satataṃ te narāḥ svargagāminaḥ
stets Wahres sprechen, jene gehen zum Himmel (3.Pl.Präs.)
dhārmikāḥ śaucasaṃpannāḥ śuklā madhurabhāṣiṇaḥ
rechtschaffen, mit Reinheit begabt, lauter, süß redend (Nom.Pl.)
nākāryaṃ manasecchanti te narāḥ svargagāminaḥ
nichts Unziemliches im Geist wünschen, jene gehen zum Himmel (Instr./3.Pl.Präs.)
daridrā api ye ke cid yācitāḥ prītipūrvakam; dadaty eva ca yat kiṃ cit
auch die Armen, die überhaupt, gebeten, freundlich geben, was immer (Nom.Pl.Part.Pass./3.Pl.)
āstikā maṅgalaparāḥ satataṃ vṛddhasevinaḥ; puṇyakarmaparā nityaṃ
gläubig, dem Heilbringenden ergeben, stets Alte bedienend, stets verdienstvollen Werken hingegeben (Nom.Pl.)
svaduḥkham iva manyante pareṣāṃ duḥkhavedanām; śaktyā cābhyavapadyante
wie eigenes Leid den Schmerz anderer erachten und nach Kraft beistehen (3.Pl.Präs./Instr.)
vratino dānaśīlāś ca sukhaśīlāś ca mānavāḥ; ṛjavo mṛdavo nityaṃ
Gelübde Haltende, gebefreudig, sanft, Menschen, aufrecht, mild (Nom.Pl.)
guruśuśrūṣaṇaparā devabrāhmaṇapūjakāḥ; kṛtajñāḥ kṛtavidyāś ca
dem Lehrer dienend, Götter und Brahmanen verehrend, dankbar, gelehrt (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

jitendriyā jitakrodhā jitamānamadaspṛhāḥ; lobhamātsaryahīnā ye te narāḥ svargagāminaḥ; nirmamā nirahaṃkārāḥ svānukrośāḥ svabandhuṣu; dīnānukampino nityaṃ te narāḥ svargagāminaḥ; aihikena tu vṛttena pāratram anumīyate; evaṃvidhā narā loke jīvantaḥ svargagāminaḥ; yad anyac ca śubhaṃ loke prajānugrahakāri ca; paśavaś caiva vṛkṣāś ca prajānāṃ hitakāriṇaḥ; tādṛśān devapakṣasthān iti viddhi śubhānane; śubhāśubhamayaṃ loke sarvaṃ sthāvarajaṅgamam; umā; daivaṃ śubham iti prāhur āsuraṃ hy aśubhaṃ priye; bhagavan mānuṣāḥ ke cit kāladharmam upasthitāḥ; prāṇamokṣaṃ kathaṃ kṛtvā paratra hitam āpnuyuḥ; maheśvaraḥ; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā

Die Sinne Bezwungenen, den Zorn Bezwungenen, bei denen das Streben nach Ansehen und Rausch bezwungen ist, frei von Gier und Neid, jene Menschen gehen zum Himmel. Die ohne Besitzdenken, ohne Ichbezogenheit, mitfühlend gegen die eigenen Verwandten, stets barmherzig gegen die Elenden, jene Menschen gehen zum Himmel. Aus dem irdischen Wandel wird auf das Jenseitige geschlossen; so beschaffene Menschen in der Welt sind, solange sie leben, Himmelsgänger. Was sonst noch in der Welt heilvoll ist und den Geschöpfen Gutes tut – auch Tiere und Bäume, die den Geschöpfen förderlich sind –, solche wisse als der Götterseite zugehörig, du Schönantlitzige. Alles Bewegliche und Unbewegliche in der Welt ist aus Gutem und Schlechtem gemacht. Umā [sprach]: Göttlich, sagt man, ist das Gute, asurisch das Schlechte, Liebe. O Herr, wie können manche Menschen, die zum Todesgeschick gelangt sind, nach dem Aufgeben des Lebenshauches im Jenseits Heil erlangen? Maheśvara [sprach]: Wohlan, ich will es dir sagen; höre, Göttin, aufmerksam.

Wort für Wort
jitendriyā jitakrodhā jitamānamadaspṛhāḥ; lobhamātsaryahīnā ye te narāḥ svargagāminaḥ
sinnenbezwungen, zornbezwungen, Ansehen, Rausch, Begierde bezwungen; frei von Gier und Neid (Nom.Pl.)
nirmamā nirahaṃkārāḥ svānukrośāḥ svabandhuṣu; dīnānukampino nityaṃ te narāḥ svargagāminaḥ
ohne Ichbezug, ohne Egoismus, mitfühlend gegen Verwandte; stets Elende bemitleidend (Nom.Pl./Lok.Pl.)
aihikena tu vṛttena pāratram anumīyate; evaṃvidhā narā loke jīvantaḥ svargagāminaḥ
aus irdischem Wandel wird das Jenseitige erschlossen; so beschaffene Menschen sind lebend Himmelsgänger (Instr./3.Sg.Pass.)
yad anyac ca śubhaṃ loke prajānugrahakāri ca
was sonst in der Welt heilvoll und den Geschöpfen gnädig ist (Nom.Sg.n.)
paśavaś caiva vṛkṣāś ca prajānāṃ hitakāriṇaḥ; tādṛśān devapakṣasthān iti viddhi śubhānane
Tiere und Bäume, den Geschöpfen nützlich; solche wisse als der Götterseite zugehörig, Schönantlitzige (Nom.Pl./Imp./Vok.)
śubhāśubhamayaṃ loke sarvaṃ sthāvarajaṅgamam; umā
aus Gutem und Schlechtem bestehend in der Welt alles Unbewegliche und Bewegliche; Umā [spricht] (Nom.Sg.n.)
daivaṃ śubham iti prāhur āsuraṃ hy aśubhaṃ priye
göttlich, sagt man, sei das Gute, asurisch das Schlechte, Liebe (3.Pl.Perf./Vok.)
bhagavan mānuṣāḥ ke cit kāladharmam upasthitāḥ; prāṇamokṣaṃ kathaṃ kṛtvā paratra hitam āpnuyuḥ
o Erhabener, manche Menschen, zum Todesgeschick gelangt, wie können sie, den Lebenshauch aufgebend, im Jenseits Heil erlangen (Vok./Nom.Pl.Part./3.Pl.Opt.)
maheśvaraḥ; hanta te kathayiṣyāmi śṛṇu devi samāhitā
Maheśvara [spricht]: Wohlan, ich werde dir sagen; höre, Göttin, gesammelt (1.Sg.Fut./Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Sprecherangaben umā und maheśvaraḥ stehen mitten in der Einheit.

dvividhaṃ maraṇaṃ loke svabhāvād yatnatas tathā; tayoḥ svabhāvaṃ nopāyaṃ yatnajaṃ kāraṇodbhavam; etayor ubhayor devi vidhānaṃ śṛṇu śobhane; kalyākalyaśarīrasya yatnajaṃ dvividhaṃ smṛtam; yatnajaṃ nāma maraṇam ātmatyāgo mumūrṣayā; tatrākalyaśarīrasya jarā vyādhiś ca kāraṇam; mahāprasthānagamanaṃ tathā prāyopaveśanam; jalāvagāhanaṃ caiva agnicityāpraveśanam; evaṃ caturvidhaḥ prokta ātmatyāgo mumūrṣatām; eteṣāṃ kramayogena vidhānaṃ śṛṇu śobhane; svadharmayuktaṃ gārhasthyaṃ ciram ūḍhvā vidhānataḥ; tatrānṛṇyaṃ ca saṃprāpya vṛddho vā vyādhito 'pi vā; darśayitvā svadaurbalyaṃ sarvān evānumānya ca; saṃvidhāya svabandhūṃś ca karmaṇāṃ bharaṇaṃ tathā; dānāni vidhivat kṛtvā dharmakāryārtham ātmanaḥ

Zweierlei ist der Tod in der Welt: der natürliche und der durch Bemühung [herbeigeführte]. Von beiden gibt es für den natürlichen kein Mittel; der durch Bemühung bewirkte hat eine Ursache [in der Absicht]. Von diesen beiden, Göttin, höre die Vorschrift, Schöne. Für den Körper, der gesund oder krank ist, gilt der durch Bemühung bewirkte als zweifach. Durch Bemühung bewirkt heißt der Tod, [wenn] man aus Sterbewunsch sich selbst aufgibt. Dabei sind für den kranken Körper Alter und Krankheit der Grund; [dazu] der Große Auszug, ebenso das Fasten bis zum Tod, das Untertauchen im Wasser und das Eingehen in den aufgeschichteten Feuerstoß. So wird das Sichaufgeben der Sterbewilligen als vierfach bezeichnet. Von diesen höre der Reihe nach die Vorschrift, Schöne. Wer lange den Hausherrenstand, seinem Dharma gemäß, vorschriftsmäßig geführt hat, dort die Schuldlosigkeit erlangt hat, sei er alt oder auch krank, seine Schwäche gezeigt hat und alle um Einverständnis gebeten hat, seine Verwandten versorgt und den Unterhalt für die Werke geregelt hat, Gaben vorschriftsgemäß gespendet hat für die Zwecke des Dharma um seiner selbst willen –

Wort für Wort
dvividhaṃ maraṇaṃ loke svabhāvād yatnatas tathā
zweifach der Tod in der Welt, aus Natur und durch Bemühung (Nom.Sg.n./Abl.)
tayoḥ svabhāvaṃ nopāyaṃ yatnajaṃ kāraṇodbhavam
von beiden: der natürliche hat kein Mittel, der aus Bemühung entstandene entspringt einer Ursache (Gen.Du./Akk.)
etayor ubhayor devi vidhānaṃ śṛṇu śobhane
von diesen beiden, Göttin, höre die Regel, Schöne (Gen.Du./Imp./Vok.)
kalyākalyaśarīrasya yatnajaṃ dvividhaṃ smṛtam
für den gesunden oder kranken Körper gilt der durch Bemühung bewirkte als zweifach (Gen.Sg./Part.Pass.)
yatnajaṃ nāma maraṇam ātmatyāgo mumūrṣayā; tatrākalyaśarīrasya jarā vyādhiś ca kāraṇam
durch Bemühung bewirkt heißt der Tod: Selbstaufgabe aus Sterbewunsch; beim kranken Körper sind Alter und Krankheit der Grund (Instr./Nom.Sg.)
mahāprasthānagamanaṃ tathā prāyopaveśanam; jalāvagāhanaṃ caiva agnicityāpraveśanam
das Gehen zum Großen Auszug, das Fasten bis zum Tod, das Eintauchen ins Wasser und das Betreten des Feuerstoßes (Nom.Sg.n.)
evaṃ caturvidhaḥ prokta ātmatyāgo mumūrṣatām; eteṣāṃ kramayogena vidhānaṃ śṛṇu śobhane
so wird die Selbstaufgabe der Sterbewilligen vierfach genannt; von diesen höre der Reihe nach die Regel (Part.Pass./Gen.Pl./Imp.)
svadharmayuktaṃ gārhasthyaṃ ciram ūḍhvā vidhānataḥ; tatrānṛṇyaṃ ca saṃprāpya vṛddho vā vyādhito 'pi vā
den dharmagemäßen Hausherrenstand lange regelgerecht getragen habend, dabei Schuldenfreiheit erlangt, alt oder krank (Abs./Nom.Sg.)
darśayitvā svadaurbalyaṃ sarvān evānumānya ca; saṃvidhāya svabandhūṃś ca karmaṇāṃ bharaṇaṃ tathā
die eigene Schwäche gezeigt, alle um Zustimmung gebeten, die Verwandten und den Unterhalt der Werke geordnet habend (Abs.)
dānāni vidhivat kṛtvā dharmakāryārtham ātmanaḥ
Gaben vorschriftsgemäß gespendet für Dharma-Werke seiner selbst (Abs./Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 326 weiter.

anujñāpya janaṃ sarvaṃ vācā madhurayā bruvan; ahataṃ vastram ācchādya baddhvā tat kuśarajjunā; upaspṛśya pratijñāya vyavasāyapuraḥsaram; parityajya tato grāmaṃ paścāt kuryād yathepsitam; mahāprasthānam icchec cet pratiṣṭhetottarāṃ diśam; bhūtvā tāvan nirāhāro yāvat prāṇavimokṣaṇam; ceṣṭāhānau śayitvāpi tanmanāḥ prāṇam utsṛjet; evaṃ puṇyakṛtāṃ lokān amalān pratipadyate; prāyopaveśanaṃ cecchet tenaiva vidhinā naraḥ; deśe puṇyatame śreṣṭhe nirāhāras tu saṃviśet; āprāṇāntaṃ śucir bhūtvā kurvan dānaṃ svaśaktitaḥ; hariṃ smaraṃs tyajet prāṇān eṣa dharmaḥ sanātanaḥ; evaṃ kalevaraṃ tyaktvā svargaloke mahīyate; agnipraveśanaṃ cecchet tenaiva vidhinā śubhe

– [der soll], alle Leute um Erlaubnis bittend und mit milden Worten sprechend, ein unversehrtes [neues] Gewand anlegen und es mit einer Kuśa-Schnur binden; nach der Wassernippung, nach dem Gelöbnis, mit festem Entschluss voran, dann das Dorf verlassend, hernach tun, wie er es wünscht. Wenn er den Großen Auszug wünscht, soll er nach Norden aufbrechen, [dabei] ohne Nahrung werden, bis zur Befreiung des Lebenshauches; auch wenn er sich ohne Regung und Tatkraft [?] niederlegt, soll er, im Geist darauf gerichtet, den Hauch entlassen. So erlangt er die makellosen Welten der Verdienstvollen. Wenn ein Mann das Fasten bis zum Tod wünscht, soll er auf dieselbe Weise an einem überaus heiligen, vorzüglichen Ort, ohne Nahrung, sich niederlassen; rein geworden, bis zum Ende des Lebenshauches nach Kräften Gaben spendend, soll er, Hari im Gedächtnis, den Hauch aufgeben; dies ist das ewige Dharma. So den Leib verlassend, wird er in der Himmelswelt verherrlicht. Wenn er das Eingehen ins Feuer wünscht, soll er es auf dieselbe Weise tun, Heilvolle –

Wort für Wort
anujñāpya janaṃ sarvaṃ vācā madhurayā bruvan
alle Leute um Erlaubnis gebeten, mit süßem Wort sprechend (Abs./Part.Präs.)
ahataṃ vastram ācchādya baddhvā tat kuśarajjunā
ein unversehrtes Gewand angelegt, dieses mit Kuśa-Schnur gebunden (Abs.)
upaspṛśya pratijñāya vyavasāyapuraḥsaram; parityajya tato grāmaṃ paścāt kuryād yathepsitam
nach Wassernippung, nach Gelöbnis, mit Entschlossenheit voran; dann das Dorf verlassend, danach tue er, wie gewünscht (Abs./Opt.)
mahāprasthānam icchec cet pratiṣṭhetottarāṃ diśam
wenn er den Großen Auszug wünscht, breche er nach Norden auf (Opt.)
bhūtvā tāvan nirāhāro yāvat prāṇavimokṣaṇam; ceṣṭāhānau śayitvāpi tanmanāḥ prāṇam utsṛjet
ohne Nahrung geworden bis zur Befreiung des Hauchs; auch bei Schwinden der Regung liegend, darauf gerichteten Sinnes gebe er den Hauch auf (Abs./Opt.)
evaṃ puṇyakṛtāṃ lokān amalān pratipadyate; prāyopaveśanaṃ cecchet tenaiva vidhinā naraḥ
so erlangt er die makellosen Welten der Verdienstvollen; wünscht ein Mann das Fasten bis zum Tod, mit derselben Regel (3.Sg.Präs./Instr.)
deśe puṇyatame śreṣṭhe nirāhāras tu saṃviśet; āprāṇāntaṃ śucir bhūtvā kurvan dānaṃ svaśaktitaḥ
an einem überaus heiligen vorzüglichen Ort setze er sich ohne Nahrung nieder; rein bis zum Lebensende, Gaben nach Kraft gebend (Lok./Opt.)
hariṃ smaraṃs tyajet prāṇān eṣa dharmaḥ sanātanaḥ; evaṃ kalevaraṃ tyaktvā svargaloke mahīyate
Hari gedenkend gebe er den Hauch auf, dies ist das ewige Dharma; so den Leib verlassend wird er im Himmel verherrlicht (Part./Opt./Pass.)
agnipraveśanaṃ cecchet tenaiva vidhinā śubhe
wünscht er das Eingehen ins Feuer, auf dieselbe Weise, Heilvolle (Opt./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. ceṣṭāhānau: Deutung unsicher (‚bei Schwinden der Regung‘). Satz läuft in 327 weiter.

kṛtvā kāṣṭhamayaṃ cityaṃ puṇyakṣetre nadīṣu vā; daivatebhyo namaskṛtya kṛtvā cāgniṃ pradakṣiṇam; bhūtvā śucir vyavasitaḥ praviśed agnisaṃstaram; so 'pi lokān yathānyāyaṃ prāpnuyāt puṇyakarmaṇām; jalāvagāhanaṃ cecchet tenaiva vidhinā śubhe; khyāte puṇyatame tīrthe nimajjet svakṛtaṃ smaran; so 'pi puṇyakṛtāṃ lokān nisargāt pratipadyate; tataḥ kalyaśarīrasya saṃtyāgaṃ śṛṇu tattvataḥ; rakṣārthaṃ kṣatriyasyeṣṭaḥ prajāpālanakāraṇāt; yodhānāṃ bhartṛpiṇḍārthaṃ gurvarthaṃ brahmacāriṇām; gobrāhmaṇārthaṃ grāmārthaṃ sarveṣāṃ ca vidhīyate; svarāṣṭrarakṣaṇārthaṃ vā kunṛpaiḥ pīḍitāḥ prajāḥ; moktukāmas tyajet prāṇān yuddhamārge yathāvidhi; susaṃnaddho vyavasitaḥ saṃpraviśyāparāṅmukhaḥ

– soll er einen Scheiterhaufen aus Holz errichten, an einem heiligen Ort oder an Flüssen; den Göttern huldigen, das Feuer rechts umschreiten, rein geworden und entschlossen das Feuerlager betreten. Auch er erlangt der Ordnung gemäß die Welten der Verdienstvollen. Wenn er das Untertauchen ins Wasser wünscht, soll er auf dieselbe Weise, Heilvolle, an einer berühmten, überaus heiligen Furt untertauchen, seines eigenen Tuns gedenkend; auch er erlangt von Natur aus die Welten der Verdienstvollen. Nun höre der Wahrheit gemäß von der Aufgabe [des Lebens] bei gesundem Körper. Sie ist zum Schutz für den Kṣatriya gewollt, wegen der Beschützung der Untertanen; für Krieger um der Speise des Herrn willen, für Brahmacārins um des Lehrers willen, um der Kühe und Brahmanen willen, um des Dorfes willen wird sie für alle vorgeschrieben. Oder wenn Untertanen von schlechten Königen bedrängt werden, soll man, wenn man sie befreien will, den Hauch im Kampfweg regelgerecht aufgeben: gut gerüstet, entschlossen, hineinstürmend, ohne umzukehren –

Wort für Wort
kṛtvā kāṣṭhamayaṃ cityaṃ puṇyakṣetre nadīṣu vā
einen hölzernen Scheiterhaufen gemacht an heiligem Feld oder an Flüssen (Abs./Lok.)
daivatebhyo namaskṛtya kṛtvā cāgniṃ pradakṣiṇam
den Göttern gehuldigt und das Feuer rechts umschritten (Abs.)
bhūtvā śucir vyavasitaḥ praviśed agnisaṃstaram; so 'pi lokān yathānyāyaṃ prāpnuyāt puṇyakarmaṇām
rein und entschlossen betrete er das Feuerlager; auch er erlange nach Ordnung die Welten der Verdienstvollen (Opt.)
jalāvagāhanaṃ cecchet tenaiva vidhinā śubhe; khyāte puṇyatame tīrthe nimajjet svakṛtaṃ smaran
wünscht er Untertauchen, so auf dieselbe Weise, Heilvolle; an berühmter, überaus heiliger Furt tauche er unter, sein Getanes bedenkend (Opt./Part.)
so 'pi puṇyakṛtāṃ lokān nisargāt pratipadyate; tataḥ kalyaśarīrasya saṃtyāgaṃ śṛṇu tattvataḥ
auch er erlangt von Natur aus die Welten der Verdienstvollen; dann höre wahrheitsgemäß die Aufgabe bei gesundem Körper (Abl./Imp.)
rakṣārthaṃ kṣatriyasyeṣṭaḥ prajāpālanakāraṇāt; yodhānāṃ bhartṛpiṇḍārthaṃ gurvarthaṃ brahmacāriṇām
dem Kṣatriya zum Schutz gewollt, wegen der Untertanenbeschützung; für Krieger um der Herrenspeise, für Brahmacārins um des Lehrers willen (Nom.Sg.m./Gen.)
gobrāhmaṇārthaṃ grāmārthaṃ sarveṣāṃ ca vidhīyate; svarāṣṭrarakṣaṇārthaṃ vā kunṛpaiḥ pīḍitāḥ prajāḥ
um der Kühe und Brahmanen, des Dorfes willen wird sie für alle vorgeschrieben; oder zum Schutz des eigenen Reiches, [wenn] Untertanen von schlechten Königen bedrängt sind (3.Sg.Pass./Instr.)
moktukāmas tyajet prāṇān yuddhamārge yathāvidhi; susaṃnaddho vyavasitaḥ saṃpraviśyāparāṅmukhaḥ
befreien wollend gebe er den Hauch auf im Kampfweg nach Vorschrift; gut gerüstet, entschlossen, eindringend, ohne den Rücken zu wenden (Opt./Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 328 weiter.

evaṃ rājā mṛtaḥ sadyaḥ svargaloke mahīyate; tādṛśī sugatir nāsti kṣatriyasya viśeṣataḥ; bhṛtyo vā bhartṛpiṇḍārthaṃ bhartṛkarmaṇy upasthite; kurvaṃs tatra tu sāhāyyam ātmaprāṇānapekṣayā; svāmyarthaṃ saṃtyajet prāṇān puṇyāṃl lokān sa gacchati; spṛhaṇīyaḥ suragaṇais tatra nāsti vicāraṇā; evaṃ gobrāhmaṇārthaṃ vā dīnārthaṃ vā tyajet tanum; so 'pi puṇyam avāpnoti ānṛśaṃsyavyapekṣayā; ity ete jīvitatyāge mārgās te samudāhṛtāḥ; kāmāt krodhād bhayān mohād yadi cet saṃtyajet tanum; so 'nantaṃ narakaṃ yāti ātmahantṛtvakāraṇāt; svabhāvamaraṇaṃ nāma na tu cātmecchayā bhavet; tathā mṛtānāṃ yat kāryaṃ tan me śṛṇu yathāvidhi; tatrāpi bodhasaṃtyāgān mūḍhatyāgo viśiṣyate

– so wird ein König, der [dort] fällt, sogleich in der Himmelswelt verherrlicht. Für den Kṣatriya insbesondere gibt es keinen solchen guten Weg. Oder ein Diener, der um der Herrenspeise willen, wenn das Werk seines Herrn ansteht, dort Beistand leistet, ohne Rücksicht auf das eigene Leben, und für den Herrn den Hauch aufgibt, geht in die Welten der Verdienstvollen; er ist von den Scharen der Götter begehrenswert, dort gibt es keinen Zweifel. Ebenso soll man um der Kühe und Brahmanen willen oder um der Bedrängten willen den Leib aufgeben; auch er erlangt Verdienst, aus Rücksicht auf Mitgefühl. So sind diese Wege bei der Aufgabe des Lebens dir dargelegt. Wenn einer aus Begierde, Zorn, Furcht oder Verblendung den Leib aufgibt, geht er in endlose Hölle, weil er zum Mörder seiner selbst wird. Ein natürlicher Tod heißt [der], der nicht aus eigenem Wunsch geschieht. Was aber für die so Gestorbenen zu tun ist, das höre von mir der Vorschrift gemäß. Auch hierbei gilt: Aufgabe aus Einsicht ist der Aufgabe aus Verblendung überlegen.

Wort für Wort
evaṃ rājā mṛtaḥ sadyaḥ svargaloke mahīyate
so wird ein gefallener König sogleich in der Himmelswelt verherrlicht (Part.Pass./3.Sg.Pass.)
tādṛśī sugatir nāsti kṣatriyasya viśeṣataḥ
eine solche gute Bahn gibt es nicht, für den Kṣatriya besonders (Nom.Sg.f./Gen.)
bhṛtyo vā bhartṛpiṇḍārthaṃ bhartṛkarmaṇy upasthite; kurvaṃs tatra tu sāhāyyam ātmaprāṇānapekṣayā
oder ein Diener, um der Herrenspeise willen, wenn des Herrn Werk ansteht, dort Beistand leistend ohne Rücksicht aufs eigene Leben (Lok.abs./Part.)
svāmyarthaṃ saṃtyajet prāṇān puṇyāṃl lokān sa gacchati; spṛhaṇīyaḥ suragaṇais tatra nāsti vicāraṇā
für den Herrn gebe er den Hauch auf, er geht in verdienstvolle Welten; von den Götterscharen begehrenswert, kein Zweifel dort (Opt./3.Sg.Präs.)
evaṃ gobrāhmaṇārthaṃ vā dīnārthaṃ vā tyajet tanum; so 'pi puṇyam avāpnoti ānṛśaṃsyavyapekṣayā
so gebe man um der Kühe und Brahmanen oder der Elenden willen den Leib auf; auch er erlangt Verdienst, aus Rücksicht auf Mitgefühl (Opt./3.Sg.Präs.)
ity ete jīvitatyāge mārgās te samudāhṛtāḥ; kāmāt krodhād bhayān mohād yadi cet saṃtyajet tanum
so sind diese Wege bei der Lebensaufgabe genannt; wenn einer aus Begierde, Zorn, Furcht, Verblendung den Leib aufgibt (Part.Pass./Abl./Opt.)
so 'nantaṃ narakaṃ yāti ātmahantṛtvakāraṇāt; svabhāvamaraṇaṃ nāma na tu cātmecchayā bhavet
er geht in endlose Hölle wegen des Selbstmördertums; natürlicher Tod heißt der, der nicht aus eigenem Wunsch geschieht (3.Sg.Präs./Opt.)
tathā mṛtānāṃ yat kāryaṃ tan me śṛṇu yathāvidhi; tatrāpi bodhasaṃtyāgān mūḍhatyāgo viśiṣyate
was für so Gestorbene zu tun ist, das höre von mir vorschriftsgemäß; auch da wird Aufgabe aus Einsicht der aus Verblendung vorgezogen (Gerundiv/Imp./Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der letzte Pāda (bodhasaṃtyāgān mūḍhatyāgo viśiṣyate) ist in seiner Deutung unsicher.

bhūmau saṃveśayed dehaṃ narasya vinaśiṣyataḥ; nirjīvaṃ vṛṇuyāt sadyo vāsasā tu kalevaram; mālyagandhair alaṃkṛtya suvarṇena ca bhāmini; śmaśāne dakṣiṇe deśe citāgnau pradahen mṛtam; atha vā nikṣiped bhūmau śarīraṃ jīvavarjitam; divā ca śuklapakṣaś ca uttarāyaṇam eva ca; mumūrṣūṇāṃ praśastāni viparītaṃ tu garhitam; audakaṃ cāṣṭakāśrāddhaṃ bahubhir bahuśaḥ kṛtam; āpyāyanaṃ mṛtānāṃ tat paraloke bhavec chubham; etat sarvaṃ mayā proktaṃ mānuṣāṇāṃ hitāya ca; umā; devadeva namas te 'stu kālasūdana śaṃkara; lokeṣu vividhā dharmās tvatprasādān mayā śrutāḥ; viśiṣṭaṃ sarvadharmebhyaḥ śāśvataṃ dhruvam avyayam; śrotum icchāmy ahaṃ dharmaṃ tatra muhyati me manaḥ

Man lege den Körper des Menschen, der dem Untergang entgegengeht, auf den Boden; den Leblosen umhülle man sogleich mit einem Gewand, den Leichnam, mit Girlanden und Wohlgerüchen geschmückt und mit Gold, Schöne. Auf dem Verbrennungsplatz, an der südlichen Stelle, verbrenne man den Toten im Scheiterhaufenfeuer. Oder man bette den lebensleeren Körper in die Erde. Der Tag, die helle Monatshälfte und die nördliche Sonnenwende sind für Sterbende empfohlen, das Gegenteil aber getadelt. Auch die Wasserspende und das Aṣṭakā-Totenmahl, von vielen vielfach dargebracht, sind eine Labung für die Verstorbenen; das wird im Jenseits heilsam sein. Dies alles habe ich gesagt zum Wohl der Menschen. Umā [sprach]: Gott der Götter, Verehrung sei dir, Todesvernichter, Śaṃkara. Die mannigfachen Dharmas in den Welten habe ich durch deine Gnade gehört. Ich möchte das Dharma hören, das unter allen Dharmas ausgezeichnet, ewig, fest und unvergänglich ist; darin ist mein Geist verwirrt.

Wort für Wort
bhūmau saṃveśayed dehaṃ narasya vinaśiṣyataḥ
auf den Boden lege man den Körper des dem Untergang entgegengehenden Menschen (Opt.Kaus./Gen.Part.Fut.)
nirjīvaṃ vṛṇuyāt sadyo vāsasā tu kalevaram
den Leblosen umhülle man sogleich mit einem Gewand, den Leib (Opt./Instr.)
mālyagandhair alaṃkṛtya suvarṇena ca bhāmini
mit Girlanden und Düften geschmückt und mit Gold, Schöne (Abs./Instr./Vok.)
śmaśāne dakṣiṇe deśe citāgnau pradahen mṛtam
auf dem Leichenplatz an der südlichen Stelle verbrenne man im Scheiterhaufenfeuer den Toten (Lok./Opt.)
atha vā nikṣiped bhūmau śarīraṃ jīvavarjitam
oder man senke in die Erde den lebensleeren Körper (Opt.)
divā ca śuklapakṣaś ca uttarāyaṇam eva ca; mumūrṣūṇāṃ praśastāni viparītaṃ tu garhitam
Tag, helle Monatshälfte und Nordlauf der Sonne sind für Sterbende gepriesen, das Gegenteil getadelt (Nom.Pl.n./Part.Pass.)
audakaṃ cāṣṭakāśrāddhaṃ bahubhir bahuśaḥ kṛtam; āpyāyanaṃ mṛtānāṃ tat paraloke bhavec chubham
Wasserspende und Aṣṭakā-Śrāddha, von vielen vielfach vollzogen, ist Labung der Toten, im Jenseits wird das heilvoll sein (Part.Pass./Opt.)
etat sarvaṃ mayā proktaṃ mānuṣāṇāṃ hitāya ca; umā
dies alles ist von mir gesagt zum Wohl der Menschen; Umā [spricht] (Part.Pass./Dat.)
devadeva namas te 'stu kālasūdana śaṃkara
Gott der Götter, Verehrung dir, Todesvernichter, Śaṃkara (Vok./Imp.)
lokeṣu vividhā dharmās tvatprasādān mayā śrutāḥ; viśiṣṭaṃ sarvadharmebhyaḥ śāśvataṃ dhruvam avyayam
in den Welten mannigfache Dharmas sind durch deine Gnade von mir gehört; das vor allen Dharmas Ausgezeichnete, Ewige, Feste, Unvergängliche (Part.Pass./Abl.)
śrotum icchāmy ahaṃ dharmaṃ tatra muhyati me manaḥ
ich will das Dharma hören; darin ist mein Geist verwirrt (Inf./1.Sg./3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. In der Einheit steht ein Sprecherwechsel („umā“).

ke cin mokṣaṃ praśaṃsanti ke cid yajñaphalaṃ dvijāḥ; vānaprasthaṃ punaḥ ke cid gārhasthyaṃ ke cid āśramam; rājadharmāśrayaṃ ke cit ke cit svādhyāyam eva ca; brahmacaryāśramaṃ ke cit ke cid vāksaṃyamāśrayam; mātaraṃ pitaraṃ ke cit sevamānā divaṃ gatāḥ; ahiṃsayāparaḥ svarge satyena ca mahīyate; āhave 'bhimukhāḥ ke cin nihatās tridivaṃ gatāḥ; ke cid uñchavrate siddhāḥ svargamārgaṃ samāśritāḥ; ārjavenāpare yuktā hatāś cānārjavair janaiḥ; ṛjavo nākapṛṣṭhe tu śuddhātmānaḥ pratiṣṭhitāḥ; evaṃ bahuvidhair loke dharmadvāraiḥ susaṃvṛtaiḥ; mamāpi matir āviddhā meghalekheva vāyunā; etasmin saṃśayasthāne saṃśayacchedakāri yat; nāradaḥ; vacanaṃ brūhi deveśa niścayajñānasaṃjñitam

Manche Zweimalgeborenen preisen die Erlösung, manche die Frucht des Opfers, wieder andere das Waldeinsiedlertum, manche den Hausherrenstand als Lebensstufe; manche stützen sich auf das Königsdharma, manche auf das Studium des Veda, manche auf die Lebensstufe des Brahmacārin, manche auf die Zügelung der Rede. Manche, die der Mutter und dem Vater dienten, gingen zum Himmel. Wer der Gewaltlosigkeit ergeben ist, wird im Himmel verherrlicht, ebenso durch Wahrheit. Manche, die im Kampf zugewandt fielen, gingen zum dritten Himmel; manche sind im Ährenlese-Gelübde vollendet und haben den Weg zum Himmel betreten. Andere, mit Redlichkeit verbunden, wurden von unredlichen Leuten erschlagen; die Redlichen, reinen Wesens, stehen auf dem Rücken des Himmels. So ist, da es in der Welt vielerlei wohlverschlossene Tore des Dharma gibt, auch mein Sinn hin- und hergerissen wie ein Wolkenstreif vom Wind. In diesem Zweifelsfall [bitte ich um] das, was den Zweifel zerschneidet. Nārada [sprach] [?]: Sprich das Wort, Herr der Götter, das als sicheres Wissen gilt.

Wort für Wort
ke cin mokṣaṃ praśaṃsanti ke cid yajñaphalaṃ dvijāḥ
manche preisen die Erlösung, manche die Opferfrucht, Zweimalgeborene (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
vānaprasthaṃ punaḥ ke cid gārhasthyaṃ ke cid āśramam; rājadharmāśrayaṃ ke cit ke cit svādhyāyam eva ca
wieder manche das Waldeinsiedlertum, manche die Hausherrenstufe; manche das auf das Königsdharma Gestützte, manche gerade das Selbststudium (Akk.)
brahmacaryāśramaṃ ke cit ke cid vāksaṃyamāśrayam; mātaraṃ pitaraṃ ke cit sevamānā divaṃ gatāḥ
manche die Brahmacārin-Stufe, manche die auf Redezügelung Gestützte; manche, Mutter und Vater dienend, gingen zum Himmel (Akk./Part.Pass.)
ahiṃsayāparaḥ svarge satyena ca mahīyate
der Gewaltlosigkeit Ergebene wird im Himmel verherrlicht und durch Wahrheit (Instr./Lok./3.Sg.Pass.)
āhave 'bhimukhāḥ ke cin nihatās tridivaṃ gatāḥ; ke cid uñchavrate siddhāḥ svargamārgaṃ samāśritāḥ
manche, im Kampf zugewandt erschlagen, gingen zum Himmel; manche im Ährenleser-Gelübde vollendet, den Himmelsweg betreten habend (Lok./Nom.Pl.Part.)
ārjavenāpare yuktā hatāś cānārjavair janaiḥ; ṛjavo nākapṛṣṭhe tu śuddhātmānaḥ pratiṣṭhitāḥ
andere, mit Redlichkeit verbunden, wurden von Unredlichen erschlagen; die Redlichen, reinen Wesens, stehen auf dem Himmelsrücken (Instr./Nom.Pl.)
evaṃ bahuvidhair loke dharmadvāraiḥ susaṃvṛtaiḥ; mamāpi matir āviddhā meghalekheva vāyunā
so bei den vielfältigen wohlverschlossenen Dharma-Toren in der Welt ist auch mein Sinn aufgewühlt wie ein Wolkenstreif vom Wind (Instr.abs./Nom.Sg.f.)
etasmin saṃśayasthāne saṃśayacchedakāri yat; nāradaḥ; vacanaṃ brūhi deveśa niścayajñānasaṃjñitam
in diesem Zweifelsfall, das den Zweifel Zerschneidende; Nārada [?]; sprich das Wort, Götterherr, das ‚sicheres Wissen‘ heißt (Lok./Imp./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Sprecherangabe nāradaḥ mitten in Umās Rede ist im Kontext auffällig (wohl fehlerhaft eingedrungen).

evaṃ pṛṣṭaḥ svayaṃ devyā mahādevaḥ pinākadhṛk; provāca madhuraṃ vākyaṃ sūkṣmam adhyātmasaṃjñitam; maheśvaraḥ; nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi niścayam; etad eva viśiṣṭaṃ te yat tvaṃ pṛcchasi māṃ priye; sarvatra vihito dharmaḥ svargalokaphalāśritaḥ; bahudvārasya dharmasya nehāsti viphalā kriyā; yasmin yasmiṃś ca viṣaye yo yo yāti viniścayam; taṃ tam evābhijānāti nānyaṃ dharmaṃ śucismite; śṛṇu devi samāsena mokṣajñānam anuttamam; etad dhi sarvadharmāṇāṃ viśiṣṭaṃ guhyam avyayam; nāsti mokṣāt paraṃ devi mokṣa eva parā gatiḥ; sukham ātyantikaṃ śreṣṭham anivarti ca tad viduḥ; nātra devi jarāmṛtyū śoko vā duḥkham eva vā; anuttamam acintyaṃ ca tad devi paramaṃ sukham

So von der Göttin selbst gefragt, sprach Mahādeva, der Pināka-Träger, ein liebliches, feines, auf das Selbst bezogenes Wort. Maheśvara [sprach]: Mit Recht, Hochgesegnete, willst du die sichere Entscheidung hören. Gerade dies ist das Vorzüglichste an dir, dass du mich [so] fragst, Liebe. Überall ist das Dharma aufgestellt, das auf die Frucht der Himmelswelt gestützt ist; beim Dharma mit vielen Toren gibt es hier kein fruchtloses Tun. In welcher Sache immer einer zu einer festen Überzeugung gelangt, gerade diese erkennt er, kein anderes Dharma, Reinlächelnde. Höre, Göttin, kurz das unübertreffliche Wissen von der Erlösung; dies ist unter allen Dharmas das Vorzüglichste, Geheime, Unvergängliche. Es gibt nichts über der Erlösung, Göttin; die Erlösung allein ist das höchste Ziel. Sie [die Weisen] kennen es als äußerstes, bestes, unumkehrbares Glück. Hier gibt es, Göttin, weder Alter noch Tod, weder Kummer noch Leid; unübertrefflich und unausdenkbar ist dieses höchste Glück, Göttin.

Wort für Wort
evaṃ pṛṣṭaḥ svayaṃ devyā mahādevaḥ pinākadhṛk
so von der Göttin selbst gefragt, Mahādeva, der Pināka-Träger (Part.Pass./Instr./Nom.)
provāca madhuraṃ vākyaṃ sūkṣmam adhyātmasaṃjñitam; maheśvaraḥ
sprach ein liebliches, feines, ‚Ātman-bezogenes‘ Wort; Maheśvara [spricht] (3.Sg.Perf./Akk.)
nyāyatas tvaṃ mahābhāge śrotukāmāsi niścayam; etad eva viśiṣṭaṃ te yat tvaṃ pṛcchasi māṃ priye
mit Recht willst du, Hochgesegnete, das Ergebnis hören; das ist dein Vorzug, dass du mich fragst, Liebe (Abl./Vok./2.Sg.Präs.)
sarvatra vihito dharmaḥ svargalokaphalāśritaḥ; bahudvārasya dharmasya nehāsti viphalā kriyā
überall ist Dharma festgesetzt, auf die Frucht der Himmelswelt gestützt; beim vieltorigen Dharma ist hier kein Tun fruchtlos (Part.Pass./Gen.)
yasmin yasmiṃś ca viṣaye yo yo yāti viniścayam; taṃ tam evābhijānāti nānyaṃ dharmaṃ śucismite
in welchem Bereich auch immer wer zur Gewissheit kommt, genau diesen erkennt er, kein anderes Dharma, Reinlächelnde (Lok./3.Sg.Präs./Vok.)
śṛṇu devi samāsena mokṣajñānam anuttamam; etad dhi sarvadharmāṇāṃ viśiṣṭaṃ guhyam avyayam
höre, Göttin, kurz das unübertreffliche Erlösungswissen; dies ist unter allen Dharmas das vorzüglichste, geheime, unvergängliche (Imp./Vok./Instr.)
nāsti mokṣāt paraṃ devi mokṣa eva parā gatiḥ
nichts ist höher als die Erlösung, Göttin; die Erlösung allein ist das höchste Ziel (Abl./Nom.)
sukham ātyantikaṃ śreṣṭham anivarti ca tad viduḥ
sie kennen es als äußerstes, bestes, nicht umkehrendes Glück (Akk./3.Pl.Perf.)
nātra devi jarāmṛtyū śoko vā duḥkham eva vā; anuttamam acintyaṃ ca tad devi paramaṃ sukham
hier gibt es nicht Alter und Tod, Kummer oder Leid; unübertrefflich, unausdenkbar ist jenes höchste Glück, Göttin (Nom.Du./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

jñānānām uttamaṃ jñānaṃ mokṣajñānaṃ vidur budhāḥ; ṛṣibhir devasaṃghaiś ca procyate paramaṃ padam; nityam akṣaram akṣobhyam ajaraṃ śāśvataṃ śivam; uśanti tat padaṃ prājñāḥ spṛhaṇīyaṃ surāsuraiḥ; duḥkhādi ca durantaṃ ca saṃkṣayaṃ ca virodhi ca; mithaḥ satatakāryaṃ ca trivargaṃ sukham ucyate; tasmān mokṣaḥ pradhānas tu trivargāc ca viśeṣataḥ; mokṣasya tasya mārgo 'yaṃ śrūyatāṃ śubhalakṣaṇe; brahmādisthāvarāntaś ca saṃsāro 'yaṃ pravartate; śokavyādhijarādoṣair maraṇena ca saṃyutaḥ; yathā jyotirgaṇā vyomni nivartante punaḥ punaḥ; saṃsāre prāṇinaḥ sarve nivartante tathā punaḥ; tatra saṃsāracakrasya mokṣo jñānena dṛśyate; adhyātmatattvavijñānaṃ jñānam ity abhidhīyate

Von den Wissen ist das Wissen von der Erlösung das höchste, so kennen es die Weisen. Von Sehern und Götterscharen wird der höchste Zustand [pada] verkündet: der ewige, unvergängliche, unerschütterliche, alterslose, beständige, heilvolle. Diesen Zustand erstreben die Weisen, er ist von Göttern und Asuras begehrenswert. Das mit Leid beginnende, schlimm endende, vergängliche und widerstreitende, sich wechselseitig stets zu Bewirkende Glück des Dreiklangs [Dharma, Artha, Kāma] wird [so] genannt. Deshalb ist die Erlösung die Hauptsache, und besonders gegenüber dem Dreiklang. Dies ist der Weg zu jener Erlösung, er werde gehört, du mit heilvollen Zeichen. Von Brahmā bis zu den unbeweglichen Wesen läuft dieser Kreislauf ab, mit Kummer, Krankheit, Alter und Gebrechen und mit dem Tod verbunden. Wie die Sternenscharen am Himmel immer wieder umkehren, so kehren alle Lebewesen im Kreislauf immer wieder zurück. Dort wird die Erlösung vom Rad des Kreislaufs durch Erkenntnis erblickt. Die Unterscheidungserkenntnis der Wahrheit des Selbst heißt Wissen.

Wort für Wort
jñānānām uttamaṃ jñānaṃ mokṣajñānaṃ vidur budhāḥ
von den Wissen ist das Erlösungswissen das höchste, so kennen es die Weisen (Gen.Pl./3.Pl.Perf.)
ṛṣibhir devasaṃghaiś ca procyate paramaṃ padam
von Sehern und Götterscharen wird der höchste Zustand verkündet (Instr.Pl./3.Sg.Pass.)
nityam akṣaram akṣobhyam ajaraṃ śāśvataṃ śivam; uśanti tat padaṃ prājñāḥ spṛhaṇīyaṃ surāsuraiḥ
ewig, unvergänglich, unerschütterlich, alterslos, dauernd, heilvoll; diesen Zustand wünschen die Weisen, von Göttern und Asuras ersehnt (3.Pl.Präs.)
duḥkhādi ca durantaṃ ca saṃkṣayaṃ ca virodhi ca; mithaḥ satatakāryaṃ ca trivargaṃ sukham ucyate
leidanfänglich, schlimm endend, vergänglich, widerstreitend, wechselseitig ständig zu wirken: das Glück des Dreiklangs wird [so] genannt (Nom.Sg.n./3.Sg.Pass.)
tasmān mokṣaḥ pradhānas tu trivargāc ca viśeṣataḥ
daher ist die Erlösung die Hauptsache, und besonders gegenüber dem Dreiklang (Nom./Abl.)
mokṣasya tasya mārgo 'yaṃ śrūyatāṃ śubhalakṣaṇe; brahmādisthāvarāntaś ca saṃsāro 'yaṃ pravartate
der Weg zu dieser Erlösung werde gehört, du Heilbezeichnete; von Brahmā an bis zu den Unbeweglichen läuft dieser Kreislauf (Imp.Pass./Vok./3.Sg.Präs.)
śokavyādhijarādoṣair maraṇena ca saṃyutaḥ; yathā jyotirgaṇā vyomni nivartante punaḥ punaḥ
mit Kummer, Krankheit, Alter, Mängeln und Tod verbunden; wie die Sternscharen am Himmel wieder und wieder umkehren (Instr./3.Pl.Präs.)
saṃsāre prāṇinaḥ sarve nivartante tathā punaḥ; tatra saṃsāracakrasya mokṣo jñānena dṛśyate
so kehren alle Wesen im Kreislauf wieder zurück; dort wird die Erlösung vom Kreislaufrad durch Erkenntnis gesehen (3.Pl.Präs./3.Sg.Pass.)
adhyātmatattvavijñānaṃ jñānam ity abhidhīyate
die Unterscheidungserkenntnis des Selbst-Wesens heißt ‚Wissen‘ (3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Zeile duḥkhādi … trivargaṃ sukham ucyate ist syntaktisch schwierig; die Wiedergabe ist unsicher.

jñānasya grahaṇopāyam ācāraṃ jñāninas tathā; yathāvat saṃpravakṣyāmi tattvam ekamanāḥ śṛṇu; brāhmaṇaḥ kṣatriyo vāpi bhūtvā pūrvaṃ gṛhe sthitaḥ; ānṛṇyaṃ sarvataḥ prāpya tatas tān saṃtyajed gṛhān; tataḥ saṃtyajya gārhasthyaṃ niścito vanam āśrayet; vane gurusamājñāto dīkṣeta vidhipūrvakam; dīkṣāṃ prāpya yathānyāyaṃ svavṛttaṃ paripālayet; gṛhṇīyād apy upādhyāyān mokṣajñānam atandritaḥ; dvividhaś ca punar mokṣaḥ sāṃkhyo yoga iti smṛtaḥ; pañcaviṃśativijñānaṃ sāṃkhyam ity abhidhīyate; aiśvaryaṃ devasāyujyaṃ yogaśāstrasya nirṇaye; tayor anyataraṃ jñānaṃ śṛṇuyāc chiṣyatāṃ gataḥ; nāmuṇḍo nāpy akāṣāyī nāpy asaṃvatsaroṣitaḥ; sāṃkhyayogau na ca śrāvyau guruṇā snehapūrvakam

Den Weg, das Wissen zu ergreifen, und das Verhalten des Wissenden will ich dir der Wahrheit gemäß darlegen; höre einmütigen Sinnes. Ein Brahmane oder auch ein Kṣatriya soll zuvor im Haus gelebt haben, dann, überall Schuldenfreiheit erlangt, jene Häuser verlassen. Danach, den Hausherrenstand aufgebend, soll er, entschlossen, den Wald aufsuchen; im Wald soll er, vom Lehrer erlaubt, nach der Vorschrift die Weihe empfangen. Die Weihe regelgerecht erlangt, soll er sein eigenes Leben [seine Pflichten] wahren; er soll unermüdlich bei den Lehrern das Erlösungswissen ergreifen. Die Erlösung ist wiederum zweifach: Sāṃkhya und Yoga, so heißt es. Die Kenntnis der Fünfundzwanzig heißt Sāṃkhya; Herrschaft und Götter-Gemeinschaft [gelten] in der Entscheidung der Yoga-Lehre. Eines von beiden Wissen soll man hören, wenn man Schüler geworden ist. Nicht ohne Haarschur, nicht ohne ockerfarbenes Gewand, nicht ohne ein Jahr [beim Lehrer] gewohnt zu haben: so sind Sāṃkhya und Yoga vom Lehrer, auch mit Zuneigung, nicht zu verkünden.

Wort für Wort
jñānasya grahaṇopāyam ācāraṃ jñāninas tathā
den Weg zum Ergreifen des Wissens und das Verhalten des Wissenden (Akk.)
yathāvat saṃpravakṣyāmi tattvam ekamanāḥ śṛṇu
der Wahrheit gemäß werde ich es darlegen; höre einmütig (1.Sg.Fut./Imp.)
brāhmaṇaḥ kṣatriyo vāpi bhūtvā pūrvaṃ gṛhe sthitaḥ; ānṛṇyaṃ sarvataḥ prāpya tatas tān saṃtyajed gṛhān
ein Brahmane oder Kṣatriya, zuvor im Hause verweilend; überall Schuldenfreiheit erlangt, dann verlasse er jene Häuser (Nom.Sg./Abs./Opt.)
tataḥ saṃtyajya gārhasthyaṃ niścito vanam āśrayet; vane gurusamājñāto dīkṣeta vidhipūrvakam
danach den Hausherrenstand aufgebend, entschlossen, suche er den Wald; im Wald, vom Lehrer bestätigt, nehme er die Weihe nach Vorschrift (Abs./Opt.)
dīkṣāṃ prāpya yathānyāyaṃ svavṛttaṃ paripālayet; gṛhṇīyād apy upādhyāyān mokṣajñānam atandritaḥ
die Weihe erlangt, wahre er sein eigenes Verhalten; er ergreife von den Lehrern unermüdlich das Erlösungswissen (Abs./Opt.)
dvividhaś ca punar mokṣaḥ sāṃkhyo yoga iti smṛtaḥ; pañcaviṃśativijñānaṃ sāṃkhyam ity abhidhīyate
zweifach wiederum die Erlösung: Sāṃkhya und Yoga, so gilt es; die Kenntnis der Fünfundzwanzig heißt Sāṃkhya (Part.Pass./3.Sg.Pass.)
aiśvaryaṃ devasāyujyaṃ yogaśāstrasya nirṇaye
Herrschaft, Götter-Vereinigung in der Entscheidung der Yoga-Lehre (Nom./Lok.)
tayor anyataraṃ jñānaṃ śṛṇuyāc chiṣyatāṃ gataḥ
eines der beiden Wissen höre er, zur Schülerschaft gelangt (Gen.Du./Opt./Part.)
nāmuṇḍo nāpy akāṣāyī nāpy asaṃvatsaroṣitaḥ; sāṃkhyayogau na ca śrāvyau guruṇā snehapūrvakam
nicht der Ungeschorene, nicht der ohne ockerfarbenes Gewand, nicht der kein Jahr Verweilte; Sāṃkhya und Yoga nicht zu verkünden vom Lehrer, auch mit Zuneigung (Nom.Sg./Gerundiv/Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Zuordnung von aiśvaryaṃ devasāyujyam ist knapp und in der Deutung unsicher.

samaḥ śītoṣṇaharṣādīn viṣaheta sadā muniḥ; adhṛṣyaḥ kṣutpipāsābhyāṃ bhavej jñānasamādhinā; na kurvītānyam ārambham anivedya svakaṃ gurum; chāyābhūto 'parityāgī nityam eva bhaved gurau; indriyāṇīndriyārthebhya ucitebhyo nivartayet; tyajet saṃkalpajān granthīn sadā dhyānaparo bhavet; kuṇḍikāṃ carma saṃśikyaṃ chatraṃ yaṣṭim upānahau; cailam ity eva naiteṣu sthāpayet svāmyam ātmanaḥ; guroḥ pūrvaṃ samuttiṣṭhej jaghanyaṃ tasya saṃviśet; nānanujñāpya bhartāram āvaśyakam api vrajet; dvir ahnaḥ snānaśāṭena saṃdhyayor abhiṣecanam; ekakālāśanaṃ cāsya vihitaṃ yatibhiḥ purā; bhaikṣaṃ sarvatra gṛhṇīyāc cintayet satataṃ niśi; kāraṇe cāpi saṃprāpte na kupyeta kadā cana

Gleich [gesinnt] gegen Kälte, Hitze, Freude und dergleichen soll der Weise stets ertragen; unbezwingbar für Hunger und Durst soll er durch die Sammlung im Wissen sein. Er soll kein anderes Unternehmen beginnen, ohne es dem eigenen Lehrer angezeigt zu haben; wie ein Schatten soll er stets beim Lehrer sein, ohne [ihn] zu verlassen. Die Sinne soll er von den Sinnesgegenständen, die ihm zustehen [?], zurückhalten; die aus Absicht entstandenen Knoten soll er lösen, stets der Meditation ergeben sein. Wasserkrug, Fell, Tragnetz, Schirm, Stab, Sandalen, Gewand: über diese soll er kein Eigentum an sich beanspruchen. Vor dem Lehrer soll er sich erheben, nach ihm sich niederlassen [?]; ohne den Herrn um Erlaubnis gebeten zu haben, soll er nicht einmal Notwendiges tun. Zweimal am Tag [soll er] mit dem Badetuch baden, zu den beiden Dämmerungen das Besprengen [vollziehen]; ein Mahl am Tag ist für ihn von den Asketen von alters her vorgeschrieben. Almosen soll er überall nehmen, in der Nacht stets nachdenken; auch bei gegebenem Anlass soll er nie zornig werden.

Wort für Wort
samaḥ śītoṣṇaharṣādīn viṣaheta sadā muniḥ
gleichmütig ertrage der Weise stets Kälte, Hitze, Freude usw. (Opt.)
adhṛṣyaḥ kṣutpipāsābhyāṃ bhavej jñānasamādhinā
unbezwingbar für Hunger und Durst sei er durch die Sammlung im Wissen (Instr.Du./Opt.)
na kurvītānyam ārambham anivedya svakaṃ gurum
er beginne kein anderes Unternehmen, ohne den eigenen Lehrer unterrichtet zu haben (Opt./Abs.)
chāyābhūto 'parityāgī nityam eva bhaved gurau
zum Schatten geworden, nicht verlassend, stets sei er beim Lehrer (Nom./Opt.)
indriyāṇīndriyārthebhya ucitebhyo nivartayet; tyajet saṃkalpajān granthīn sadā dhyānaparo bhavet
die Sinne halte er von den [ihnen] gewohnten Gegenständen zurück; er lasse die aus Vorsatz entstandenen Knoten, sei stets meditationsergeben (Kaus.Opt./Abl.)
kuṇḍikāṃ carma saṃśikyaṃ chatraṃ yaṣṭim upānahau; cailam ity eva naiteṣu sthāpayet svāmyam ātmanaḥ
Wasserkrug, Fell, Tragnetz, Schirm, Stab, Sandalen, Gewand: an diesen setze er kein Eigentum für sich (Akk./Lok.Pl./Opt.)
guroḥ pūrvaṃ samuttiṣṭhej jaghanyaṃ tasya saṃviśet
vor dem Lehrer stehe er auf, nach ihm lege er sich [?] (Opt.)
nānanujñāpya bhartāram āvaśyakam api vrajet
ohne den Herrn um Erlaubnis gebeten zu haben, gehe er nicht einmal zum Notwendigen (Abs./Opt.)
dvir ahnaḥ snānaśāṭena saṃdhyayor abhiṣecanam; ekakālāśanaṃ cāsya vihitaṃ yatibhiḥ purā
zweimal am Tag mit dem Badetuch, in beiden Dämmerungen das Besprengen; ein Mahl zur Zeit ist für ihn von Asketen vorzeiten festgesetzt (Part.Pass.)
bhaikṣaṃ sarvatra gṛhṇīyāc cintayet satataṃ niśi; kāraṇe cāpi saṃprāpte na kupyeta kadā cana
Almosen nehme er überall, nachdenken soll er stets nachts; auch bei gegebenem Anlass werde er nie zornig (Opt./Lok.abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. ucitebhyaḥ und jaghanyaṃ … saṃviśet sind in der Deutung unsicher.

brahmacaryaṃ vane vāsaḥ śaucam indriyasaṃyamaḥ; dayā ca sarvabhūteṣu tasya dharmaḥ sanātanaḥ; vimuktaḥ sarvapāpebhyo laghvāhāro jitendriyaḥ; ātmayuktaḥ parāṃ buddhiṃ labhate pāpanāśinīm; yadā bhāvaṃ na kurute sarvabhūteṣu pāpakam; karmaṇā manasā vācā brahma saṃpadyate tadā; anīrṣyur anahaṃkāro vimuktaḥ sarvabandhanaiḥ; brāhmaṃ padam avāpnoti yat prāpya na nivartate; ubhe satyānṛte tyaktvā śokānandau bhayābhaye; priyāpriye parityajya brahmabhūyāya kalpate; nirmamo nirahaṃkāro nirdvaṃdvo vītamatsaraḥ; vītaśokabhayābādhaḥ padaṃ prāpnoty anuttamam; tulyanindāstutir maunī samaloṣṭāśmakāñcanaḥ; samaḥ śatrau ca mitre ca nirvāṇam adhigacchati; evaṃyuktasamācāras tatparo 'dhyātmacintakaḥ

Keuschheit, Wohnen im Wald, Reinheit, Zügelung der Sinne und Mitgefühl mit allen Wesen: das ist sein ewiges Dharma. Von allen Sünden befreit, mäßig in der Nahrung, die Sinne bezwungen, in sich gesammelt, erlangt er die höchste, sündenzerstörende Einsicht. Wenn er gegen alle Wesen keine böse Haltung mehr hegt, in Tat, Gedanken und Wort, dann wird er zum Brahman. Ohne Neid, ohne Ichbezogenheit, von allen Fesseln befreit, erlangt er den Brahman-Zustand, den man nach seiner Erreichung nicht mehr verlässt. Wahrheit und Unwahrheit beide aufgegeben, Kummer und Freude, Furcht und Furchtlosigkeit, Liebes und Unliebes verlassen habend, wird er tauglich, mit Brahman eins zu werden. Ohne Besitzdenken, ohne Ichbezogenheit, frei von Gegensätzen, ohne Missgunst, frei von Kummer, Furcht und Bedrängnis, erlangt er den unübertrefflichen Zustand. Bei gleichem Tadel und Lob, schweigsam, Erdkloß, Stein und Gold gleich achtend, gleich gegen Feind und Freund, gelangt er zur Verlöschung. So im Verhalten verbunden, darauf ausgerichtet, über das Selbst nachsinnend –

Wort für Wort
brahmacaryaṃ vane vāsaḥ śaucam indriyasaṃyamaḥ
Keuschheit, Wohnen im Wald, Reinheit, Sinneszügelung (Nom.)
dayā ca sarvabhūteṣu tasya dharmaḥ sanātanaḥ; vimuktaḥ sarvapāpebhyo laghvāhāro jitendriyaḥ
Mitgefühl mit allen Wesen: sein ewiges Dharma; von allen Sünden befreit, leicht essend, sinnenbezwungen (Lok.Pl./Gen.)
ātmayuktaḥ parāṃ buddhiṃ labhate pāpanāśinīm
in sich gesammelt erlangt er die höchste sündenvernichtende Einsicht (3.Sg.Präs.)
yadā bhāvaṃ na kurute sarvabhūteṣu pāpakam; karmaṇā manasā vācā brahma saṃpadyate tadā
wenn er gegen alle Wesen keine böse Haltung hegt, in Tat, Geist, Wort, dann wird er Brahman (3.Sg.Med./Instr.)
anīrṣyur anahaṃkāro vimuktaḥ sarvabandhanaiḥ; brāhmaṃ padam avāpnoti yat prāpya na nivartate
neidlos, ohne Ichbezug, von allen Fesseln frei, erlangt er den Brahman-Zustand, nach dessen Erreichung man nicht zurückkehrt (Instr.Pl./Abs.)
ubhe satyānṛte tyaktvā śokānandau bhayābhaye; priyāpriye parityajya brahmabhūyāya kalpate
Wahrheit und Unwahrheit beide, Kummer und Freude, Furcht und Furchtlosigkeit, Liebes und Unliebes aufgegeben, wird er fähig zum Brahman-Sein (Abs./Dat.)
nirmamo nirahaṃkāro nirdvaṃdvo vītamatsaraḥ; vītaśokabhayābādhaḥ padaṃ prāpnoty anuttamam
besitzlos, ichlos, frei von Gegensätzen, ohne Neid, ohne Kummer, Furcht, Not, erlangt er den unübertrefflichen Zustand (Nom.Sg./3.Sg.Präs.)
tulyanindāstutir maunī samaloṣṭāśmakāñcanaḥ; samaḥ śatrau ca mitre ca nirvāṇam adhigacchati
gleich bei Tadel und Lob, schweigend, Erdkloß, Stein, Gold gleich achtend, gleich gegen Feind und Freund, erreicht er das Verlöschen (Nom.Sg./Lok.)
evaṃyuktasamācāras tatparo 'dhyātmacintakaḥ
so im Verhalten verbunden, darauf gerichtet, über das Selbst nachsinnend (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 336 weiter.

maheśvaraḥ; jñānābhyāsena tenaiva prāpnoti paramāṃ gatim; anudvignamater jantor asmin saṃsāramaṇḍale; śokavyādhijarāduḥkhe nirvāṇaṃ nopapadyate; tasmād udvegajananaṃ manovasthāpanaṃ tathā; jñānaṃ te saṃpravakṣyāmi tanmūlam amṛtaṃ hi vai; śokasthānasahasrāṇi bhayasthānaśatāni ca; divase divase mūḍham āviśanti na paṇḍitam; naṣṭe dhane vā dāre vā putre pitari vā mṛte; aho duḥkham iti dhyāyañ śokasya padam āvrajet; dravyeṣu samatīteṣu ye guṇās tān na cintayet; tān anādriyamāṇasya śokabandhaḥ praṇaśyati; saṃprayogād aniṣṭasya viprayogāt priyasya ca; mānuṣā mānasair duḥkhaiḥ saṃyujyante 'lpabuddhayaḥ; mṛtaṃ vā yadi vā naṣṭaṃ yo 'tītam anuśocati; saṃtāpena ca yujyeta tac cāsya na nivartate

Maheśvara [sprach]: – durch eben diese Übung des Wissens erlangt er das höchste Ziel. Für den Menschen, dessen Sinn in diesem Kreis des Kreislaufs nicht ohne Erschütterung ist, ist Verlöschen im Leid von Kummer, Krankheit und Alter nicht zu erreichen. Darum will ich dir das Wissen darlegen, das Erschütterung erzeugt und den Geist [wieder] festigt; dessen Wurzel ist wahrlich Unsterblichkeit. Tausende von Stätten des Kummers und Hunderte von Stätten der Furcht befallen Tag für Tag den Toren, nicht den Weisen. Wenn Reichtum oder Frau verloren ist oder Sohn oder Vater gestorben, gerät man in den Bereich des Kummers, indem man sinnt: „Ach, welch Leid!“ Bei Dingen, die vergangen sind, soll man an ihre Vorzüge nicht denken; wer sie nicht beachtet, dem vergeht die Fessel des Kummers. Durch Verbindung mit Unliebem und Trennung von Liebem werden Menschen von geringer Einsicht von seelischen Leiden heimgesucht. Wer um einen Gestorbenen oder Verlorenen, um Vergangenes trauert, wird von Qual heimgesucht, und diese kehrt für ihn nicht um.

Wort für Wort
maheśvaraḥ; jñānābhyāsena tenaiva prāpnoti paramāṃ gatim
Maheśvara [spricht]: durch eben diese Wissensübung erlangt er das höchste Ziel (Instr./3.Sg.Präs.)
anudvignamater jantor asmin saṃsāramaṇḍale; śokavyādhijarāduḥkhe nirvāṇaṃ nopapadyate
beim Wesen, dessen Sinn nicht erschüttert ist, wird in diesem Kreis des Kreislaufs, im Leid von Kummer, Krankheit, Alter, Verlöschen nicht erreicht (Gen.Sg./Lok./3.Sg.Präs.)
tasmād udvegajananaṃ manovasthāpanaṃ tathā; jñānaṃ te saṃpravakṣyāmi tanmūlam amṛtaṃ hi vai
daher werde ich dir das Erschütterung erzeugende und den Geist festigende Wissen darlegen; dessen Wurzel ist wahrlich Unsterblichkeit (1.Sg.Fut.)
śokasthānasahasrāṇi bhayasthānaśatāni ca; divase divase mūḍham āviśanti na paṇḍitam
tausende Stätten des Kummers und hunderte der Furcht befallen Tag für Tag den Toren, nicht den Gelehrten (Nom.Pl./3.Pl.Präs.)
naṣṭe dhane vā dāre vā putre pitari vā mṛte; aho duḥkham iti dhyāyañ śokasya padam āvrajet
wenn Reichtum oder Frau verloren, Sohn oder Vater gestorben: ‚Ach, Leid!‘ so sinnend gerät man in den Bereich des Kummers (Lok.abs./Part.Präs./Opt.)
dravyeṣu samatīteṣu ye guṇās tān na cintayet; tān anādriyamāṇasya śokabandhaḥ praṇaśyati
bei vergangenen Dingen denke man nicht an deren Vorzüge; für den, der sie nicht beachtet, schwindet die Kummerfessel (Lok.abs./Opt./Gen.Part.)
saṃprayogād aniṣṭasya viprayogāt priyasya ca; mānuṣā mānasair duḥkhaiḥ saṃyujyante 'lpabuddhayaḥ
durch Verbindung mit Unliebem und Trennung von Liebem werden Menschen geringer Einsicht mit seelischen Leiden verbunden (Abl./Instr./3.Pl.Pass.)
mṛtaṃ vā yadi vā naṣṭaṃ yo 'tītam anuśocati; saṃtāpena ca yujyeta tac cāsya na nivartate
wer um Gestorbenes oder Verlorenes, Vergangenes trauert, werde mit Qual verbunden, und diese kehrt ihm nicht um (3.Sg.Präs./Opt./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Einheit setzt den Satz aus 335 fort (yukta … jñānābhyāsena). Sprecherangabe am Anfang.

utpanne tv iha mānuṣye garbhaprabhṛti mānavam; vividhāny upavartante duḥkhāni ca sukhāni ca; tayor ekataro mārgo yady enam abhisaṃnamet; sukhaṃ prāpya na saṃhṛṣyed duḥkhaṃ prāpya na saṃjvaret; doṣadarśī bhavet tatra yatra snehaḥ pravartate; aniṣṭenānvitaṃ paśyed yathā kṣipraṃ virajyate; yathā kāṣṭhaṃ ca kāṣṭhaṃ ca sameyātāṃ mahodadhau; sametya ca vyapeyātāṃ tadvaj jñātisamāgamaḥ; adarśanād āpatitāḥ punaś cādarśanaṃ gatāḥ; snehas tatra na kartavyo viprayogo hi tair dhruvam; kuṭumbaṃ putradāraṃ ca śarīraṃ dhanasaṃcayaḥ; pārakyam adhruvaṃ sarvaṃ kiṃ svaṃ sukṛtaduṣkṛte; putradārakuṭumbeṣu saktāḥ sīdanti jantavaḥ; saraḥpaṅkārṇave magnā jīrṇā iva mahāgajāḥ

Ist aber der Mensch hier im Menschendasein von der Empfängnis an entstanden, so treten vielerlei Leiden und Freuden an ihn heran. Wenn einer der beiden Wege ihn erfasst: Hat er Freude erlangt, soll er nicht jubeln; hat er Leid erlangt, nicht entbrennen. Wo Zuneigung sich regt, soll er dort den Makel sehen; er soll es mit Unliebem verbunden sehen, so dass er bald Abstand gewinnt. Wie zwei Holzstücke im großen Meer zusammentreffen und nach dem Zusammentreffen auseinandertreiben, so ist das Zusammentreffen der Verwandten. Aus dem Nichtgesehenen sind sie herbeigekommen und ins Nichtgesehene wieder gegangen; daran soll man keine Zuneigung hängen, denn die Trennung von ihnen ist gewiss. Familie, Söhne und Frau, Körper, angehäufter Reichtum – alles ist fremd und unbeständig; was ist eigen? Gute und schlechte Taten. Die an Söhne, Frau und Familie Gehefteten sinken ein, die Geschöpfe, wie alte große Elefanten, die im Schlammmeer eines Sees versunken sind.

Wort für Wort
utpanne tv iha mānuṣye garbhaprabhṛti mānavam; vividhāny upavartante duḥkhāni ca sukhāni ca
wenn hier im Menschsein entstanden, vom Mutterleib an, den Menschen: mancherlei Leiden und Freuden treten heran (Lok.abs./3.Pl.Präs.)
tayor ekataro mārgo yady enam abhisaṃnamet; sukhaṃ prāpya na saṃhṛṣyed duḥkhaṃ prāpya na saṃjvaret
wenn einer der beiden Wege ihn ergreift: Freude erlangt, jubele er nicht; Leid erlangt, brenne er nicht auf (Opt./Abs.)
doṣadarśī bhavet tatra yatra snehaḥ pravartate; aniṣṭenānvitaṃ paśyed yathā kṣipraṃ virajyate
Fehler sehend sei er dort, wo Zuneigung sich regt; mit Unliebem verbunden sehe er es, so dass er bald abkühlt (Opt.)
yathā kāṣṭhaṃ ca kāṣṭhaṃ ca sameyātāṃ mahodadhau; sametya ca vyapeyātāṃ tadvaj jñātisamāgamaḥ
wie zwei Hölzer im großen Meer zusammentreffen und nach dem Zusammentreffen sich trennen, so das Zusammentreffen der Verwandten (Opt.Du.)
adarśanād āpatitāḥ punaś cādarśanaṃ gatāḥ; snehas tatra na kartavyo viprayogo hi tair dhruvam
aus dem Nichtgesehenen herbeigekommen und wieder ins Nichtgesehene gegangen; dort keine Zuneigung zu hegen, denn Trennung von ihnen ist gewiss (Part./Gerundiv)
kuṭumbaṃ putradāraṃ ca śarīraṃ dhanasaṃcayaḥ; pārakyam adhruvaṃ sarvaṃ kiṃ svaṃ sukṛtaduṣkṛte
Familie, Söhne und Frau, Körper, Vermögensanhäufung: alles fremd und unbeständig; was ist eigen? Gute und schlechte Tat (Nom.)
putradārakuṭumbeṣu saktāḥ sīdanti jantavaḥ; saraḥpaṅkārṇave magnā jīrṇā iva mahāgajāḥ
an Söhnen, Frau, Familie haftend sinken die Wesen ein wie versunkene alte Elefanten im Schlammmeer des Sees (Part.Pass./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

mātāpitṛsahasrāṇi putradāraśatāni ca; asaṃkhyeyāny atītāni tathaivānāgatāni ca; na teṣāṃ ca mayā kāryaṃ na kāryaṃ mama tair api; atītam anatītaṃ tad iti paśyan na muhyati; duḥkhopaghāte śārīre mānase vā samutthite; yasmin na śakyate kartuṃ yatnāt tan nānucintayet; yannimittaṃ bhavec chokas trāso vā duḥkham eva vā; āyāso vā yatomūlas tad ekāṅgam api tyajet; anityaṃ yauvanaṃ rūpaṃ jīvitaṃ ratnasaṃcayaḥ; aiśvaryaṃ svasthatā ceti na muhyet tatra paṇḍitaḥ; sukham ekāntato nāsti śakrasyāpi triviṣṭape; tatrāpi sumahad duḥkhaṃ sukham alpataraṃ bhavet; na nityaṃ labhate duḥkhaṃ na nityaṃ labhate sukham; sukhasyānantaraṃ duḥkhaṃ duḥkhasyānantaraṃ sukham

Tausende von Müttern und Vätern, Hunderte von Söhnen und Frauen sind unzählbar vergangen, ebenso werden sie künftig sein. Ich habe mit ihnen nichts zu schaffen, und sie nicht mit mir. Wer erkennt: „Das ist Vergangenes, nicht Unvergängliches“, gerät nicht in Verblendung. Ist ein Schaden durch Leid entstanden, körperlich oder seelisch, so soll man an das, wogegen man auch mit Mühe nichts tun kann, nicht [weiter] denken. Worauf immer sich Kummer, Schrecken, Leid oder Anstrengung gründet, wovon dies auch die Wurzel ist – auch wenn es ein Glied [des Körpers] ist, gebe man es auf. Vergänglich sind Jugend, Schönheit, Leben, Schatzhäufung, Herrschaft und Gesundheit; darüber soll der Weise nicht in Verblendung geraten. Vollständiges Glück gibt es nicht, selbst nicht für Śakra im Himmel; auch dort ist sehr großes Leid, und Glück wird noch geringer sein. Weder Leid noch Glück erlangt man beständig: Nach dem Glück folgt Leid, nach dem Leid Glück.

Wort für Wort
mātāpitṛsahasrāṇi putradāraśatāni ca; asaṃkhyeyāny atītāni tathaivānāgatāni ca
tausende Mütter und Väter, hunderte Söhne und Frauen, unzählbar vergangen und ebenso künftig (Nom.Pl.n.)
na teṣāṃ ca mayā kāryaṃ na kāryaṃ mama tair api
weder ist von mir mit ihnen etwas zu tun, noch von ihnen mit mir (Gerundiv/Instr.)
atītam anatītaṃ tad iti paśyan na muhyati
‚Das ist Vergangenes, nicht Unvergängliches‘, so sehend gerät er nicht in Verblendung (Part.Präs./3.Sg.)
duḥkhopaghāte śārīre mānase vā samutthite; yasmin na śakyate kartuṃ yatnāt tan nānucintayet
bei aufgetretenem körperlichem oder seelischem Leidensschaden, bei dem selbst mit Mühe nichts zu machen ist, denke man nicht daran (Lok.abs./Opt.)
yannimittaṃ bhavec chokas trāso vā duḥkham eva vā; āyāso vā yatomūlas tad ekāṅgam api tyajet
weswegen Kummer, Schrecken oder Leid, oder Mühe, woraus sie erwachsen: das gebe er auf, auch wenn es ein Glied ist (Opt.)
anityaṃ yauvanaṃ rūpaṃ jīvitaṃ ratnasaṃcayaḥ; aiśvaryaṃ svasthatā ceti na muhyet tatra paṇḍitaḥ
vergänglich Jugend, Schönheit, Leben, Schatzansammlung, Herrschaft, Gesundheit; hierbei soll der Weise nicht verblendet sein (Opt.)
sukham ekāntato nāsti śakrasyāpi triviṣṭape; tatrāpi sumahad duḥkhaṃ sukham alpataraṃ bhavet
Glück ohne Rest gibt es nicht, selbst für Śakra im Himmel; auch dort großes Leid, Glück geringer (Lok./Opt.)
na nityaṃ labhate duḥkhaṃ na nityaṃ labhate sukham; sukhasyānantaraṃ duḥkhaṃ duḥkhasyānantaraṃ sukham
nicht beständig erlangt man Leid, nicht beständig Glück; nach Glück Leid, nach Leid Glück (3.Sg.Präs./Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

kṣayāntā nicayāḥ sarve patanāntāḥ samucchrayāḥ; saṃyogā viprayogāntā maraṇāntaṃ ca jīvitam; ucchrayān vinipātāṃś ca dṛṣṭvā pratyakṣataḥ svayam; anityam asukhaṃ ceti vyavasyet sarvam eva ca; arthānām ārjane duḥkham ārjitānāṃ ca rakṣaṇe; nāśe duḥkhaṃ vyaye duḥkhaṃ dhig arthaṃ duḥkhabhājanam; arthavantaṃ naraṃ nityaṃ pañca nighnanti śatravaḥ; rājataskaradāyādā bhūtāni kṣaya eva ca; artha eva hy anarthasya mūlam ity avadhāraya; na hy anarthāḥ prabādhante naram arthavivarjitam; arthaprāptir mahad duḥkham ākiṃcanyaṃ paraṃ sukham; upadraveṣu cārthānāṃ duḥkhaṃ hi niyataṃ bhavet; dhanalābhena tṛṣṇāyā na tṛptir upalabhyate; labdhvā bhūyo vivardheta samidbhir iva pāvakaḥ

Ansammlungen enden im Schwund, Erhebungen im Fall, Vereinigungen in Trennung, und das Leben im Tod. Wenn man Erhebungen und Stürze selbst unmittelbar gesehen hat, soll man beschließen, dass alles vergänglich und ohne Glück ist. Beim Erwerb von Besitz ist Leid, beim Bewahren des Erworbenen ist Leid, bei Verlust ist Leid, beim Ausgeben ist Leid: Pfui auf den Besitz, ein Gefäß des Leids! Den Besitzenden bedrängen stets fünf Feinde: König, Diebe, Erben, Lebewesen und der Schwund. Der Besitz selbst ist, so erkenne, die Wurzel des Unheils; denn Unheil bedrängt nicht den Menschen, der ohne Besitz ist. Der Erwerb von Besitz ist großes Leid, Besitzlosigkeit ist höchstes Glück. Bei Bedrohungen der Besitztümer wird gewiss Leid entstehen. Durch Gewinn von Reichtum erlangt der Durst keine Sättigung; nach dem Erlangen wächst er nur noch mehr, wie Feuer durch Brennholz.

Wort für Wort
kṣayāntā nicayāḥ sarve patanāntāḥ samucchrayāḥ; saṃyogā viprayogāntā maraṇāntaṃ ca jīvitam
alle Anhäufungen enden im Schwund, Erhebungen im Fall, Vereinigungen in Trennung, das Leben im Tod (Nom.Pl.)
ucchrayān vinipātāṃś ca dṛṣṭvā pratyakṣataḥ svayam; anityam asukhaṃ ceti vyavasyet sarvam eva ca
Erhebungen und Stürze selbst unmittelbar gesehen, beschließe er: alles vergänglich und ohne Glück (Abs./Opt.)
arthānām ārjane duḥkham ārjitānāṃ ca rakṣaṇe; nāśe duḥkhaṃ vyaye duḥkhaṃ dhig arthaṃ duḥkhabhājanam
beim Erwerben und Bewahren des Erworbenen Leid; bei Verlust und Ausgabe Leid; pfui auf den Besitz, Leidensgefäß (Lok./Akk.)
arthavantaṃ naraṃ nityaṃ pañca nighnanti śatravaḥ; rājataskaradāyādā bhūtāni kṣaya eva ca
den Besitzenden bedrängen stets fünf Feinde: König, Diebe, Erben, Wesen, Schwund (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
artha eva hy anarthasya mūlam ity avadhāraya; na hy anarthāḥ prabādhante naram arthavivarjitam
gerade der Besitz ist die Wurzel des Unheils, so bedenke; denn Unheil bedrängt nicht den besitzlosen Mann (Imp./3.Pl.Präs.)
arthaprāptir mahad duḥkham ākiṃcanyaṃ paraṃ sukham; upadraveṣu cārthānāṃ duḥkhaṃ hi niyataṃ bhavet
Besitzerlangung ist großes Leid, Besitzlosigkeit höchstes Glück; bei Bedrohungen der Güter ist Leid gewiss (Nom.Sg.n./Lok.Pl.)
dhanalābhena tṛṣṇāyā na tṛptir upalabhyate; labdhvā bhūyo vivardheta samidbhir iva pāvakaḥ
durch Gewinn von Reichtum wird keine Sättigung des Durstes erlangt; erlangt, wächst er mehr, wie Feuer durch Brennholz (3.Sg.Pass./Abs./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

jitvāpi pṛthivīṃ kṛtsnāṃ catuḥsāgaramekhalām; sāgarāṇāṃ punaḥ pāraṃ jetum icchaty asaṃśayam; alaṃ parigraheṇeha doṣavān hi parigrahaḥ; kośakāraḥ kṛmir devi badhyate hi parigrahāt; ya ekāṃ pṛthivīṃ kṛtsnām ekacchatrāṃ praśāsti ca; ekasminn eva rāṣṭre tu sa cāpi nivasen nṛpaḥ; tasmin rāṣṭre 'pi nagaram ekam evādhitiṣṭhati; nagare 'pi gṛhaṃ caikaṃ bhavet tasya niveśanam; eka eva pratiṣṭhā syād āvāsaṃ tadgṛhe 'pi ca; āvāse śayanaṃ caikaṃ niśi yatra pralīyate; śayanasyārdham evāsya striyās tv ardhaṃ vidhīyate; tad anena prasaṅgena svalpenaiva hi yujyate; sarvaṃ mameti saṃmūḍho janaḥ paśyati bāliśaḥ; evaṃ sarvopabhogeṣu svalpam asya prayojanam; taṇḍulaprasthamātreṇa yātrā syāt sarvadehinām

Selbst wenn er die ganze Erde besiegt hat, deren Gürtel die vier Meere sind, will er zweifellos noch das jenseitige Ufer der Meere besiegen. Genug des Besitzes hier, denn Besitz ist fehlerhaft: Der Seidenwurm, Göttin, wird durch [sein] Ergreifen gebunden. Wer die ganze Erde unter einem einzigen Schirm beherrscht, dieser König wohnt doch nur in einem einzigen Reich; und auch in diesem Reich hält er sich nur in einer Stadt auf; in der Stadt wäre sein Wohnsitz ein einziges Haus; nur eine [Stelle] wäre die Wohnung, und im Haus der Wohnraum; in der Wohnung ein einziges Bett, in dem er nachts entschläft; die Hälfte des Bettes gehört ihm, die andere Hälfte wird der Frau zugewiesen. So ist er bei dieser Gelegenheit mit sehr wenigem verbunden. „Alles ist mein“, so sieht der verblendete törichte Mensch. So ist bei allen Genüssen sein Nutzen gering; mit nur einem Prastha Reis mag das Dasein aller Verkörperten bestritten sein.

Wort für Wort
jitvāpi pṛthivīṃ kṛtsnāṃ catuḥsāgaramekhalām; sāgarāṇāṃ punaḥ pāraṃ jetum icchaty asaṃśayam
selbst die ganze, vier-meergegürtete Erde besiegt, will er wieder das jenseitige Ufer der Meere besiegen, ohne Zweifel (Abs./Inf./3.Sg.Präs.)
alaṃ parigraheṇeha doṣavān hi parigrahaḥ; kośakāraḥ kṛmir devi badhyate hi parigrahāt
genug Besitz hier, denn Besitz ist fehlerhaft; der Kokonwurm, Göttin, wird durch das Umfangen gebunden (Instr./Abl.)
ya ekāṃ pṛthivīṃ kṛtsnām ekacchatrāṃ praśāsti ca; ekasminn eva rāṣṭre tu sa cāpi nivasen nṛpaḥ
wer die ganze Erde unter einem Schirm beherrscht, der König wohnt doch nur in einem Reich (3.Sg.Präs./Opt.)
tasmin rāṣṭre 'pi nagaram ekam evādhitiṣṭhati; nagare 'pi gṛhaṃ caikaṃ bhavet tasya niveśanam
auch im Reich bewohnt er nur eine Stadt; in der Stadt wäre sein Sitz nur ein Haus (Lok./Opt.)
eka eva pratiṣṭhā syād āvāsaṃ tadgṛhe 'pi ca; āvāse śayanaṃ caikaṃ niśi yatra pralīyate
nur ein Standort wäre es, auch im Haus die Wohnung; in der Wohnung ein Bett, wo er nachts entschläft (Opt./Pass.)
śayanasyārdham evāsya striyās tv ardhaṃ vidhīyate; tad anena prasaṅgena svalpenaiva hi yujyate
vom Bett wird ihm nur die Hälfte, der Frau die Hälfte zugewiesen; so ist er bei dieser Gelegenheit nur mit Geringem verbunden (3.Sg.Pass.)
sarvaṃ mameti saṃmūḍho janaḥ paśyati bāliśaḥ; evaṃ sarvopabhogeṣu svalpam asya prayojanam
‚alles ist mein‘, so sieht der verblendete törichte Mensch; so bei allen Genüssen ist sein Nutzen gering (Lok.Pl.)
taṇḍulaprasthamātreṇa yātrā syāt sarvadehinām
mit nur einem Prastha Reis wäre das Auskommen aller Verkörperten (Instr./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. taṇḍulaprastha: ein Hohlmaß Reis; die Maßangabe ist wörtlich wiedergegeben.

tato bhūyastaro bhāgo duḥkhāya patanāya ca; nāsti tṛṣṇāsamaṃ duḥkhaṃ nāsti tyāgasamaṃ sukham; sarvān kāmān parityajya brahmabhūyāya kalpate; yā dustyajā durmatibhir yā na jīryati jīryataḥ; yo 'sau prāṇāntiko rogas tāṃ tṛṣṇāṃ tyajataḥ sukham; na jātu kāmaḥ kāmānām upabhogena śāmyati; haviṣā kṛṣṇavartmeva bhūya evābhivardhate; alābheneha kāmānāṃ kāmāṃs tyajati paṇḍitaḥ; āyāsavikaṭas tīvraḥ kāmāgnis tarṣaṇāraṇiḥ; indriyārtheṣu saṃmohāt pacaty akuśalaṃ janam; yat pṛthivyāṃ vrīhiyavaṃ hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ; nālam ekasya paryāptam iti paśyan na muhyati; yac ca kāmasukhaṃ loke yac ca divyaṃ mahat sukham; tṛṣṇākṣayasukhasyaite nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām

Was darüber hinausgeht, ist Anteil für Leid und Fall. Es gibt kein Leid, das dem Durst gleich wäre, und kein Glück, das dem Verzicht gleich wäre. Wer alle Wünsche aufgegeben hat, wird fähig, Brahman zu werden. Jener Durst, den die Unverständigen schwer aufgeben, der nicht altert, wenn der Mensch altert, der als Krankheit bis zum Lebensende [bleibt]: wer ihn aufgibt, dem wird Glück. Niemals kommt Begierde durch den Genuss von Begierdegegenständen zur Ruhe; wie Feuer durch Opferschmalz wächst sie nur umso mehr. Durch Nichterlangung der Begierdegegenstände gibt der Weise die Begierden hier auf. Das Feuer der Begierde ist durch Mühsal fürchterlich, heftig, das Reibholz ist der Durst; es kocht den unklugen Menschen wegen der Verblendung in den Sinnesgegenständen. Was es auf Erden an Reis und Gerste, Gold, Vieh und Frauen gibt, reicht nicht einmal für einen aus: wer so sieht, gerät nicht in Verblendung. Was es an Begierdenglück in der Welt gibt und was an großem himmlischem Glück: diese wiegen nicht einmal den sechzehnten Teil des Glücks der Durst-Vernichtung auf.

Wort für Wort
tato bhūyastaro bhāgo duḥkhāya patanāya ca
darüber hinaus der größere Anteil ist für Leid und Fall (Dat.)
nāsti tṛṣṇāsamaṃ duḥkhaṃ nāsti tyāgasamaṃ sukham; sarvān kāmān parityajya brahmabhūyāya kalpate
kein Leid gleicht dem Durst, kein Glück dem Verzicht; alle Wünsche aufgegeben, wird er fähig zum Brahman-Sein (Abs./Dat.)
yā dustyajā durmatibhir yā na jīryati jīryataḥ; yo 'sau prāṇāntiko rogas tāṃ tṛṣṇāṃ tyajataḥ sukham
die für Unklugen schwer aufzugeben ist, die beim Alternden nicht altert, jene bis zum Lebensende währende Krankheit, den Durst: für den, der ihn aufgibt, ist Glück (Gen.Part.)
na jātu kāmaḥ kāmānām upabhogena śāmyati; haviṣā kṛṣṇavartmeva bhūya evābhivardhate
niemals kommt Begierde durch Genuss der Begierdegegenstände zur Ruhe; wie Feuer durch Opferschmalz wächst sie nur mehr (Instr./3.Sg.Präs.)
alābheneha kāmānāṃ kāmāṃs tyajati paṇḍitaḥ; āyāsavikaṭas tīvraḥ kāmāgnis tarṣaṇāraṇiḥ
durch Nichterlangung gibt der Weise die Begierden auf; das Begierdefeuer, durch Mühe schrecklich, heftig, mit dem Durst als Reibholz (Instr./Nom.)
indriyārtheṣu saṃmohāt pacaty akuśalaṃ janam; yat pṛthivyāṃ vrīhiyavaṃ hiraṇyaṃ paśavaḥ striyaḥ
es kocht den unklugen Menschen wegen der Verblendung in den Sinnesobjekten; was auf Erden an Reis, Gerste, Gold, Vieh, Frauen ist (Abl./3.Sg.Präs.)
nālam ekasya paryāptam iti paśyan na muhyati
nicht einmal für einen genügt es, so sehend gerät er nicht in Verblendung (Part.Präs.)
yac ca kāmasukhaṃ loke yac ca divyaṃ mahat sukham; tṛṣṇākṣayasukhasyaite nārhataḥ ṣoḍaśīṃ kalām
das Begierdenglück in der Welt und das große himmlische Glück: diese beiden verdienen nicht den sechzehnten Teil des Glücks der Durstvernichtung (3.Du.Präs./Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

indriyāṇīndriyārtheṣu naiva dhīro niyojayet; manaḥṣaṣṭhāni saṃyamya nityam ātmani yojayet; indriyāṇāṃ visargeṇa doṣam ṛcchaty asaṃśayam; saṃniyamya tu tāny eva tataḥ siddhim avāpnuyāt; ṣaṇṇām ātmani yuktānām aiśvaryaṃ yo 'dhigacchati; na sa pāpair na cānarthaiḥ saṃyujyeta vicakṣaṇaḥ; apramattaḥ sadā rakṣed indriyāṇi vicakṣaṇaḥ; arakṣiteṣu teṣv āśu naro narakam eti hi; hṛdi kāmamayaś citro mohasaṃcayasaṃbhavaḥ; ajñānarūḍhamūlas tu vidhitsāpariṣecanaḥ; roṣalobhamahāskandhaḥ purāduṣkṛtasāravān; āyāsaviṭapas tīvraḥ śokapuṣpo bhayāṅkuraḥ; nānāsaṃkalpapatrāḍhyaḥ pramādaparivardhitaḥ; mahatībhiḥ pipāsābhiḥ samantāt parivardhitaḥ; saṃrohaty akṛtaprajñaḥ pādapaḥ kāmasaṃbhavaḥ

Die Sinne soll der Besonnene keinesfalls auf die Sinnesgegenstände richten; die sechs, deren sechster der Geist ist, soll er zügeln und stets im Selbst sammeln. Durch das Loslassen der Sinne gerät man zweifellos in Schuld; hat man sie aber gezügelt, so erlangt man daraufhin Vollendung. Wer über die sechs im Selbst Gesammelten Herrschaft erlangt, der Kluge wird nicht mit Sünden und nicht mit Unheil verbunden. Unachtsam nicht, soll der Kluge stets die Sinne hüten; sind sie nicht gehütet, kommt der Mensch alsbald in die Hölle. Im Herzen [wächst] ein bunter, aus Begierde gemachter [Baum], der aus der Anhäufung der Verblendung entsteht, dessen Wurzeln in Unwissenheit gewachsen sind, der vom Wunsch zu tun bewässert wird; mit den mächtigen Stämmen Zorn und Gier, mit dem Kern früherer Übeltaten; sein Geäst ist Mühsal, heftig, seine Blüte Kummer, seine Sprossen Furcht; reich an Blättern mannigfacher Vorsätze, durch Unachtsamkeit gemehrt, ringsum durch große Durstgier vermehrt: der aus Begierde entstandene Baum sprosst bei dem, der keine Einsicht gewonnen hat.

Wort für Wort
indriyāṇīndriyārtheṣu naiva dhīro niyojayet
die Sinne soll der Besonnene keinesfalls auf die Sinnesgegenstände richten (Opt.)
manaḥṣaṣṭhāni saṃyamya nityam ātmani yojayet
die sechs, mit dem Geist als sechstem, zügelnd, richte er stets auf das Selbst (Abs./Opt.)
indriyāṇāṃ visargeṇa doṣam ṛcchaty asaṃśayam; saṃniyamya tu tāny eva tataḥ siddhim avāpnuyāt
durch das Loslassen der Sinne gerät man zweifellos in Schuld; diese gezügelt, erlange er daraufhin Vollendung (Instr./3.Sg.Präs./Opt.)
ṣaṇṇām ātmani yuktānām aiśvaryaṃ yo 'dhigacchati; na sa pāpair na cānarthaiḥ saṃyujyeta vicakṣaṇaḥ
wer Herrschaft über die sechs im Selbst Gesammelten erlangt, der Kluge wird nicht mit Sünden und Unheil verbunden (Gen.Pl./Opt.Pass.)
apramattaḥ sadā rakṣed indriyāṇi vicakṣaṇaḥ; arakṣiteṣu teṣv āśu naro narakam eti hi
unachtsam nicht, hüte der Kluge stets die Sinne; sind diese ungehütet, so kommt der Mann rasch in die Hölle (Opt./Lok.abs.)
hṛdi kāmamayaś citro mohasaṃcayasaṃbhavaḥ; ajñānarūḍhamūlas tu vidhitsāpariṣecanaḥ
im Herzen der aus Begierde gemachte bunte [Baum], aus Verblendungsansammlung entstanden, mit in Unwissen gewachsenen Wurzeln, durch Tatverlangen bewässert (Lok./Nom.Sg.)
roṣalobhamahāskandhaḥ purāduṣkṛtasāravān; āyāsaviṭapas tīvraḥ śokapuṣpo bhayāṅkuraḥ
mit Zorn und Gier als großem Stamm, mit früheren Übeltaten als Kernholz; Mühe als Geäst, heftig, Kummer als Blüte, Furcht als Trieb (Nom.Sg.)
nānāsaṃkalpapatrāḍhyaḥ pramādaparivardhitaḥ; mahatībhiḥ pipāsābhiḥ samantāt parivardhitaḥ; saṃrohaty akṛtaprajñaḥ pādapaḥ kāmasaṃbhavaḥ
reich an Blättern vielfacher Vorsätze, durch Unachtsamkeit gemehrt, ringsum durch große Durstgier vermehrt; sprosst bei dem ohne gebildete Einsicht der aus Begierde geborene Baum (Instr.Pl./3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Baum-Bild; „[Baum]“ ist aus pādapaḥ im letzten Pāda ergänzt.

naiva rohati tattvajñe rūḍho vā chidyate punaḥ; kṛcchropāyeṣv anityeṣu niḥsāreṣu caleṣu ca; duḥkhādiṣu duranteṣu kāmabhogeṣu kā ratiḥ; yena saṃvatsaro dṛṣṭaḥ sakṛt kāmaś ca sevitaḥ; tena sarvam idaṃ dṛṣṭaṃ punarāvartakaṃ jagat; bhogā bhuktā manuṣyeṇa svapnā iva bhavanti te; svapnopabhogatulyeṣu kāmabhogeṣu kā ratiḥ; indriyeṣu ca jīryatsu chidyamāne tathāyuṣi; purastāc ca sthite mṛtyau kiṃ sukhaṃ paśyataḥ śubhe; vyādhibhiḥ pīḍyamānasya nityaṃ śārīramānasaiḥ; narasyākṛtakṛtyasya kiṃ sukhaṃ bhavati priye; saṃcinvānakam evārthaṃ kāmānām avitṛptakam; vyāghraḥ paśum ivāraṇye mṛtyur ādāya gacchati; janmamṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ; umā

Er sprosst nicht bei dem, der die Wahrheit kennt, oder [wenn gesprosst,] wird er wieder abgeschnitten. Bei den mühsam zu erreichenden, vergänglichen, wesenlosen, wankenden, mit Leid beginnenden, schlimm endenden Begierdegenüssen: welche Freude [gibt es da]? Wer ein Jahr und einmal die Begierde erfahren hat, der hat diese ganze, wiederkehrende Welt gesehen. Die vom Menschen genossenen Genüsse werden wie Träume; bei den Begierdegenüssen, die dem Traumgenuss gleichen: welche Freude? Wenn die Sinne altern und das Leben abgeschnitten wird und der Tod vorn steht: welches Glück sieht da einer, Heilvolle? Für den von Krankheiten körperlich und seelisch stets gequälten Mann, der seine Pflichten nicht erfüllt hat: welches Glück gibt es da, Liebe? Wie der Tiger im Wald ein Tier, so holt der Tod den, der Besitz anhäuft und von Begierden ungesättigt ist, und geht davon. Von Leiden der Geburt, des Todes und des Alters ständig bedrängt – Umā [sprach]:

Wort für Wort
naiva rohati tattvajñe rūḍho vā chidyate punaḥ
er sprosst nicht bei dem Wahrheitskundigen, oder gesprosst wird er wieder abgeschnitten (3.Sg.Präs./Part.Pass./Pass.)
kṛcchropāyeṣv anityeṣu niḥsāreṣu caleṣu ca; duḥkhādiṣu duranteṣu kāmabhogeṣu kā ratiḥ
bei den mühsam zu erlangenden, vergänglichen, kernlosen, wankenden, mit Leid beginnenden, übel endenden Begierdegenüssen, welche Freude (Lok.Pl.)
yena saṃvatsaro dṛṣṭaḥ sakṛt kāmaś ca sevitaḥ; tena sarvam idaṃ dṛṣṭaṃ punarāvartakaṃ jagat
von wem ein Jahr gesehen und einmal Begierde genossen wurde, von dem ist diese ganze wiederkehrende Welt gesehen (Instr./Part.Pass.)
bhogā bhuktā manuṣyeṇa svapnā iva bhavanti te; svapnopabhogatulyeṣu kāmabhogeṣu kā ratiḥ
vom Menschen genossene Genüsse werden wie Träume; bei den dem Traumgenuss gleichen Begierdegenüssen, welche Freude (Part.Pass./Lok.)
indriyeṣu ca jīryatsu chidyamāne tathāyuṣi; purastāc ca sthite mṛtyau kiṃ sukhaṃ paśyataḥ śubhe
wenn die Sinne altern und das Leben abgeschnitten wird und der Tod vorn steht, welches Glück für den Sehenden, Heilvolle (Lok.abs./Gen.Part./Vok.)
vyādhibhiḥ pīḍyamānasya nityaṃ śārīramānasaiḥ; narasyākṛtakṛtyasya kiṃ sukhaṃ bhavati priye
dem stets von körperlichen und seelischen Krankheiten gequälten Mann, der seine Aufgabe nicht getan hat: welches Glück gibt es, Liebe (Gen.Sg./Vok.)
saṃcinvānakam evārthaṃ kāmānām avitṛptakam; vyāghraḥ paśum ivāraṇye mṛtyur ādāya gacchati
den Besitz Anhäufenden, an Begierden Unersättlichen, nimmt der Tod mit und geht, wie der Tiger im Wald ein Tier (Abs./3.Sg.Präs.)
janmamṛtyujarāduḥkhaiḥ satataṃ samabhidrutaḥ; umā
von Leiden der Geburt, des Todes und Alters ständig bedrängt; Umā [spricht] (Instr.Pl./Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz setzt sich in 344 fort.

saṃsāre pacyamānas tu pāpān nodvijate janaḥ; kenopāyena martyānāṃ nivartete jarāntakau; yady asti bhagavan mahyam etad ācakṣva māciram; tapasā vā sumahatā karmaṇā vā śrutena vā; maheśvaraḥ; rasāyanaprayogair vā kenātyeti jarāntakau; naitad asti mahābhāge jarāmṛtyunivartanam; sarvalokeṣu jānīhi mokṣād anyatra bhāmini; na dhanena na rājyena nogreṇa tapasāpi vā; maraṇaṃ nātivartante vinā muktyā śarīriṇaḥ; aśvamedhasahasreṇa vājapeyaśatena ca; na taranti jarāmṛtyū nirvāṇādhigamād vinā; aiśvaryaṃ dhanadhānyaṃ ca vidyā lābhas tapas tathā; rasāyanaprayogaś ca na taranti jarāntakau; dānayajñatapaḥśīlā rasāyanavido 'pi vā; svādhyāyaniratā vāpi na taranti jarāntakau

Wird ein Mensch im Kreislauf gekocht, so schreckt er doch vor Sünden nicht zurück. Durch welches Mittel [können] Alter und Tod von den Sterblichen abgewendet werden? Wenn es das gibt, o Erhabener, so sage es mir unverzüglich – durch Askese, durch sehr große, durch Werk oder durch Lernen. Maheśvara [sprach]: Oder durch Anwendung von Verjüngungsmitteln – wodurch überwindet man Alter und Tod? Dies gibt es nicht, Hochgesegnete, eine Abwendung von Alter und Tod. Wisse: in allen Welten außer durch Erlösung, Schöne. Nicht durch Reichtum, nicht durch Königtum, auch nicht durch grimmige Askese: den Tod überschreiten die Verkörperten nicht ohne Befreiung. Weder durch tausend Rossopfer noch durch hundert Vājapeya-Opfer überwinden sie Alter und Tod, außer durch Erlangen des Verlöschens. Herrschaft, Geld und Getreide, Wissen, Gewinn, ebenso Askese, auch die Anwendung von Verjüngungsmitteln überwinden Alter und Tod nicht. Auch die, die Gabe, Opfer und Askese als Gewohnheit haben oder Verjüngungsmittel kennen, oder die dem Selbststudium ergeben sind, überwinden Alter und Tod nicht.

Wort für Wort
saṃsāre pacyamānas tu pāpān nodvijate janaḥ
im Kreislauf gekocht, schreckt der Mensch doch nicht vor Sünden zurück (Part.Pass./3.Sg.Präs.)
kenopāyena martyānāṃ nivartete jarāntakau; yady asti bhagavan mahyam etad ācakṣva māciram
durch welches Mittel werden Alter und Tod von den Sterblichen abgewendet; wenn es das gibt, Erhabener, sage es mir unverzüglich (3.Du.Pass./Imp.)
tapasā vā sumahatā karmaṇā vā śrutena vā; maheśvaraḥ
durch sehr große Askese oder Werk oder Gelerntes; Maheśvara [spricht] (Instr.)
rasāyanaprayogair vā kenātyeti jarāntakau; naitad asti mahābhāge jarāmṛtyunivartanam
oder durch Anwendung von Verjüngungsmitteln, wodurch überschreitet man Alter und Tod; das gibt es nicht, Hochgesegnete, eine Abwendung von Alter und Tod (3.Sg.Präs./Vok.)
sarvalokeṣu jānīhi mokṣād anyatra bhāmini; na dhanena na rājyena nogreṇa tapasāpi vā
in allen Welten wisse: außer durch Erlösung, Schöne; nicht durch Reichtum, Königtum, grimme Askese (Imp./Instr.)
maraṇaṃ nātivartante vinā muktyā śarīriṇaḥ; aśvamedhasahasreṇa vājapeyaśatena ca
den Tod überschreiten Verkörperte nicht ohne Befreiung; weder mit tausend Rossopfern noch mit hundert Vājapeyas (3.Pl.Präs./Instr.)
na taranti jarāmṛtyū nirvāṇādhigamād vinā; aiśvaryaṃ dhanadhānyaṃ ca vidyā lābhas tapas tathā
sie überwinden Alter und Tod nicht ohne Erlangung des Verlöschens; Herrschaft, Geld und Getreide, Wissen, Gewinn, Askese (3.Pl.Präs.)
rasāyanaprayogaś ca na taranti jarāntakau; dānayajñatapaḥśīlā rasāyanavido 'pi vā; svādhyāyaniratā vāpi na taranti jarāntakau
auch Verjüngungsmittel-Anwendung überwindet Alter und Tod nicht; die Gaben, Opfer, Askese Gewohnten oder Verjüngungsmittel Kennenden, oder dem Selbststudium Ergebenen überwinden Alter und Tod nicht (Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Sprecherwechsel („maheśvaraḥ“) mitten in der Einheit. Die Konstruktion des Anfangs (saṃsāre pacyamānas … nodvijate) ist knapp; die Wiedergabe folgt dem Wortlaut.

devadānavagandharvakiṃnaroragarākṣasān; svavaśe kurute kālo na kālasyāsty agocaraḥ; na hy ahāni nivartante na māsā na punaḥ kṣapāḥ; so 'yaṃ prapadyate 'dhvānam ajasraṃ dhruvam avyayam; sravanti na nivartante srotāṃsi saritām iva; āyur ādāya martyānām ahorātrāṇi saṃtatam; jīvitaṃ sarvabhūtānām akṣayaḥ kṣapayann asau; ādityo hy astam abhyeti punaḥ punar udeti ca; yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyām āyur alpataraṃ bhavet; gādhodake matsya iva kiṃ nu tasya kumāratā; maraṇaṃ hi śarīrasya niyataṃ dhruvam eva ca; tiṣṭhann eva kṣaṇaṃ sarvaḥ kālasyaiti vaśaṃ punaḥ; na mriyeran na jīryeran yadi syuḥ sarvadehinaḥ; na cāniṣṭaṃ pravarteta śoko vā prāṇināṃ kva cit

Götter, Dānavas, Gandharvas, Kiṃnaras, Schlangen und Rākṣasas bringt die Zeit in ihre Gewalt; es gibt nichts, was der Zeit unerreichbar wäre. Denn die Tage kehren nicht um, nicht die Monate, nicht wieder die Nächte. Diese [Zeit] betritt den Weg, unaufhörlich, beständig, unvergänglich. Sie fließen dahin und kehren nicht um, wie die Ströme der Flüsse. Tage und Nächte nehmen fortwährend das Leben der Sterblichen; das Leben aller Wesen aufzehrend, ist diese [Zeit] selbst unvergänglich. Die Sonne geht unter und geht immer wieder auf; in welcher Nacht, wenn sie vergangen ist, das Leben noch geringer wird – wie soll da Jugend für ihn sein, wie für einen Fisch im seichten Wasser? Der Tod des Körpers ist gewiss und beständig; alle geraten, selbst wenn sie [nur] einen Augenblick verweilen, wieder in die Gewalt der Zeit. Sie würden nicht sterben, nicht altern, wenn alle Verkörperten [so] blieben, und Unheil und Kummer träten bei den Wesen nirgends ein.

Wort für Wort
devadānavagandharvakiṃnaroragarākṣasān; svavaśe kurute kālo na kālasyāsty agocaraḥ
Götter, Dānavas, Gandharvas, Kiṃnaras, Schlangen, Rākṣasas macht die Zeit sich untertan; nichts ist der Zeit unerreichbar (Akk.Pl./3.Sg.Präs.)
na hy ahāni nivartante na māsā na punaḥ kṣapāḥ
denn nicht kehren Tage um, nicht Monate, nicht wieder Nächte (3.Pl.Präs.)
so 'yaṃ prapadyate 'dhvānam ajasraṃ dhruvam avyayam
diese [Zeit] betritt den Weg, unaufhörlich, beständig, unvergänglich (3.Sg.Präs.)
sravanti na nivartante srotāṃsi saritām iva
sie fließen und kehren nicht um wie die Ströme der Flüsse (3.Pl.Präs.)
āyur ādāya martyānām ahorātrāṇi saṃtatam; jīvitaṃ sarvabhūtānām akṣayaḥ kṣapayann asau
das Leben der Sterblichen nehmend, Tage und Nächte fortwährend; das Leben aller Wesen aufzehrend, ist diese [Zeit] unvergänglich (Abs./Part.Präs.)
ādityo hy astam abhyeti punaḥ punar udeti ca; yasyāṃ rātryāṃ vyatītāyām āyur alpataraṃ bhavet
die Sonne geht unter und geht immer wieder auf; in welcher Nacht, wenn sie vergangen ist, das Leben geringer wird (3.Sg.Präs./Lok.abs.)
gādhodake matsya iva kiṃ nu tasya kumāratā
wie für einen Fisch im seichten Wasser, was ist da für ihn Jugend (Lok.)
maraṇaṃ hi śarīrasya niyataṃ dhruvam eva ca; tiṣṭhann eva kṣaṇaṃ sarvaḥ kālasyaiti vaśaṃ punaḥ
der Tod des Körpers ist bestimmt und gewiss; alle gehen, selbst einen Augenblick verweilend, wieder in die Gewalt der Zeit (Part./3.Sg.Präs.)
na mriyeran na jīryeran yadi syuḥ sarvadehinaḥ; na cāniṣṭaṃ pravarteta śoko vā prāṇināṃ kva cit
sie würden nicht sterben noch altern, wenn alle Verkörperten es wären; und kein Unheil oder Kummer träte bei den Wesen irgendwo ein (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Konditionalsatz na mriyeran … ist knapp; die Wiedergabe ergänzt sinngemäß „[so] blieben“.

apramattaḥ pramatteṣu kālo bhūteṣu tiṣṭhati; apramattasya kālasya kṣayaṃ prāpto na mucyate; śvaḥ kāryam adya kurvīta pūrvāhṇe cāparāhṇikam; ko hi tad veda yatrāsau mṛtyunā nābhivīkṣitaḥ; varṣāsv idaṃ kariṣyāmi idaṃ grīṣmavasantayoḥ; iti bālaś cintayati antarāyaṃ na budhyate; idaṃ me syād idaṃ me syād ity evaṃmanaso narāḥ; anavāpteṣu kāmeṣu hriyante maraṇaṃ prati; kālapāśena baddhānām ahany ahani jīryatām; kā śraddhā prāṇināṃ mārge viṣame bhramatāṃ sadā; yuvaiva dharmaśīlaḥ syād animittaṃ hi jīvitam; phalānām iva pakvānāṃ sadā hi patanād bhayam; martyasya kim u tair dāraiḥ putrair bhogaiḥ priyair api; ekāhnā sarvam utsṛjya mṛtyor hi vaśam eyivān

Die Zeit steht unachtsam nicht unter den achtlosen Wesen. Wer von der unachtsamen Zeit erreicht ist, wird nicht mehr freigelassen. Was morgen zu tun ist, tue man heute, was am Nachmittag, am Vormittag; denn wer weiß, wo einer nicht vom Tod erblickt ist? „In der Regenzeit werde ich dies tun, dies in Sommer und Frühling“: so denkt der Törichte und beachtet das Hindernis nicht. „Dies möge mir werden, dies möge mir werden“: so gesinnte Menschen werden, während die Wünsche unerfüllt sind, dem Tod entgegengetragen. Was für ein Vertrauen haben die Wesen, die von der Todesschlinge gebunden sind, Tag für Tag altern und stets auf unebenem Weg irren? Man sei schon als Junger dem Dharma ergeben, denn das Leben ist ohne Anlass; wie bei reifen Früchten besteht stets Furcht vor dem Fallen. Was nützen dem Sterblichen jene Frauen, Söhne, Genüsse, selbst Liebes? An einem einzigen Tag alles zurücklassend, ist er in die Gewalt des Todes gegangen.

Wort für Wort
apramattaḥ pramatteṣu kālo bhūteṣu tiṣṭhati; apramattasya kālasya kṣayaṃ prāpto na mucyate
die Zeit, nie achtlos, steht unter den achtlosen Wesen; wer in die Vernichtung durch die nie achtlose Zeit gelangt ist, wird nicht freigelassen (Nom./Gen./Pass.)
śvaḥ kāryam adya kurvīta pūrvāhṇe cāparāhṇikam; ko hi tad veda yatrāsau mṛtyunā nābhivīkṣitaḥ
was morgen zu tun ist, tue er heute, was nachmittags, vormittags; wer weiß, wo einer nicht vom Tod angeblickt ist (Opt./Part.Pass.)
varṣāsv idaṃ kariṣyāmi idaṃ grīṣmavasantayoḥ; iti bālaś cintayati antarāyaṃ na budhyate
in der Regenzeit will ich dies tun, dies in Sommer und Frühling: so denkt der Törichte, das Hindernis bemerkt er nicht (1.Sg.Fut./3.Sg.Präs.)
idaṃ me syād idaṃ me syād ity evaṃmanaso narāḥ; anavāpteṣu kāmeṣu hriyante maraṇaṃ prati
‚dies möge mir sein, dies mir sein‘, so gesinnte Menschen, bei unerlangten Wünschen, werden dem Tod entgegengetragen (Opt./3.Pl.Pass.)
kālapāśena baddhānām ahany ahani jīryatām; kā śraddhā prāṇināṃ mārge viṣame bhramatāṃ sadā
für die von der Zeitschlinge Gebundenen, Tag für Tag Alternden: welches Vertrauen haben die Wesen, die stets auf unebenem Weg irren (Gen.Pl.)
yuvaiva dharmaśīlaḥ syād animittaṃ hi jīvitam
schon als Junger sei man dem Dharma ergeben, denn das Leben ist ohne Grund [unberechenbar] (Opt.)
phalānām iva pakvānāṃ sadā hi patanād bhayam; martyasya kim u tair dāraiḥ putrair bhogaiḥ priyair api
wie bei reifen Früchten stets Furcht vor dem Fallen; was nützen dem Sterblichen jene Frauen, Söhne, Genüsse, selbst Liebes (Abl./Instr.)
ekāhnā sarvam utsṛjya mṛtyor hi vaśam eyivān
an einem Tag alles aufgegeben, ist er in die Gewalt des Todes gegangen (Instr./Abs./Part.Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. animittaṃ jīvitam: ‚ohne Anlass‘, sinngemäß unberechenbar; Deutung unsicher.

jāyamānāṃś ca saṃprekṣya mriyamāṇāṃs tathaiva ca; na saṃvego 'sti cet puṃsaḥ kāṣṭhaloṣṭasamo hi saḥ; vināśino hy adhruvajīvitasya; kiṃ bandhubhir mitraparigrahaiś ca; vihāya yad gacchati sarvam eva; kṣaṇena gatvā na nivartate ca; evaṃ cintayato nityaṃ sarvārthānām anityatām; udvego jāyate nityaṃ nirvāṇasya puraḥsaraḥ; tenodvegena cāpy asya vimarśo jāyate punaḥ; vimarśenātha vairāgyaṃ sarvatrāsyopajāyate; vairāgyeṇa parāṃ śāntiṃ labhante mānavāḥ śubhe; mokṣasyopaniṣad devi vairāgyam iti kīrtitam; etat te kathitaṃ devi vairāgyotpādanaṃ vacaḥ; maheśvaraḥ; etat sarvaṃ hi saṃcintya mucyante hi mumukṣavaḥ; sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi yathāvat te śucismite

Wenn ein Mann, der Geborenwerdende und ebenso Sterbende sieht, keine Erschütterung empfindet, ist er wahrlich wie Holz und Erdkloß. Was [nützen] dem vergänglichen, unbeständig lebenden [Menschen] Verwandte und Freundesscharen, da alles ihn verlassend geht und, in einem Augenblick gegangen, nicht wiederkehrt? Wenn einer so stets über die Vergänglichkeit aller Dinge nachdenkt, entsteht ihm stets Erschütterung, die dem Verlöschen vorausgeht. Durch diese Erschütterung entsteht ihm wieder Nachdenken; durch das Nachdenken dann entsteht ihm überall Entsagung. Durch Entsagung erlangen die Menschen höchsten Frieden, Heilvolle. Die geheime Lehre der Erlösung ist, Göttin, die Entsagung, so heißt es. Dies ist dir gesagt, Göttin, das Wort, das Entsagung erzeugt. Maheśvara [sprach]: Wer dies alles bedenkt, wird frei, die Befreiungswilligen. Das Sāṃkhya-Wissen werde ich dir der Wahrheit gemäß darlegen, Reinlächelnde.

Wort für Wort
jāyamānāṃś ca saṃprekṣya mriyamāṇāṃs tathaiva ca; na saṃvego 'sti cet puṃsaḥ kāṣṭhaloṣṭasamo hi saḥ
wenn Geborenwerdende und Sterbende gesehen, einem Mann keine Erschütterung ist, ist er gleich Holz und Erdkloß (Part./Abs.)
vināśino hy adhruvajīvitasya; kiṃ bandhubhir mitraparigrahaiś ca
dem Vergänglichen, dessen Leben unbeständig ist: was [nützen] Verwandte und Freundesscharen (Gen.Sg./Instr.Pl.)
vihāya yad gacchati sarvam eva; kṣaṇena gatvā na nivartate ca
da alles verlassend er geht und, in einem Augenblick gegangen, nicht zurückkehrt (Abs./3.Sg.Präs.)
evaṃ cintayato nityaṃ sarvārthānām anityatām; udvego jāyate nityaṃ nirvāṇasya puraḥsaraḥ
wenn einer so stets die Vergänglichkeit aller Dinge bedenkt, entsteht Erschütterung, dem Verlöschen vorausgehend (Gen.Part.)
tenodvegena cāpy asya vimarśo jāyate punaḥ; vimarśenātha vairāgyaṃ sarvatrāsyopajāyate
durch diese Erschütterung entsteht ihm wieder Nachdenken; durch Nachdenken dann überall Leidenschaftslosigkeit (3.Sg.Präs./Instr.)
vairāgyeṇa parāṃ śāntiṃ labhante mānavāḥ śubhe; mokṣasyopaniṣad devi vairāgyam iti kīrtitam
durch Leidenschaftslosigkeit erlangen Menschen höchsten Frieden, Heilvolle; die Geheimlehre der Erlösung ist, Göttin, Leidenschaftslosigkeit, so heißt es (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
etat te kathitaṃ devi vairāgyotpādanaṃ vacaḥ; maheśvaraḥ
dies ist dir gesagt, Göttin, das Leidenschaftslosigkeit erzeugende Wort; Maheśvara [spricht] (Part.Pass.)
etat sarvaṃ hi saṃcintya mucyante hi mumukṣavaḥ; sāṃkhyajñānaṃ pravakṣyāmi yathāvat te śucismite
dies alles bedenkend werden die Befreiungswilligen frei; das Sāṃkhya-Wissen werde ich dir darlegen der Wahrheit gemäß, Reinlächelnde (Abs./3.Pl.Pass./1.Sg.Fut./Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. In der Einheit steht ein Sprecherwechsel („maheśvaraḥ“).

yaj jñātvā na punar martyaḥ saṃsāreṣu pravartate; jñānenaiva vimuktās te sāṃkhyāḥ saṃnyāsakovidāḥ; śārīraṃ tu tapo ghoraṃ sāṃkhyāḥ prāhur nirarthakam; pañcaviṃśatikaṃ jñānaṃ teṣāṃ jñānam iti smṛtam; mūlaprakṛtir avyaktam avyaktāj jāyate mahān; mahato 'bhūd ahaṃkāras tasmāt tanmātrapañcakam; indriyāṇi daśaikaṃ ca tanmātrebhyo bhavanty uta; tebhyo bhūtāni pañca syur iti kṣetrasamuccayaḥ; asya kṣetrasya saṃkṣepaś caturviṃśatir iṣyate; pañcaviṃśatir ity āhuḥ puruṣeṇeha saṃkhyayā; sattvaṃ rajas tama iti guṇāḥ prakṛtisaṃbhavāḥ; taiḥ sṛjaty akhilaṃ lokaṃ prakṛtiḥ svātmajair guṇaiḥ; icchā dveṣaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ saṃghātaś cetanā dhṛtiḥ; vikārāḥ prakṛteś caite veditavyā manīṣibhiḥ

Wenn der Sterbliche es erkannt hat, wird er nicht mehr in den Kreisläufen [des Werdens] tätig. Allein durch Wissen sind diese Sāṃkhyas erlöst, die in der Entsagung Kundigen. Körperliche Askese, die harte, nennen die Sāṃkhyas nutzlos. Das Wissen von den Fünfundzwanzig gilt bei ihnen als „das Wissen“. Die Ur-Natur ist das Unmanifeste; aus dem Unmanifesten entsteht das Große [mahat]; aus dem Großen wurde das Ichbewusstsein; daraus die Fünfheit der Feinelemente. Die zehn Sinne und das eine [Denkorgan] entstehen aus den Feinelementen; aus jenen sollen die fünf Elemente sein: so ist die Gesamtheit des Feldes. Die Zusammenfassung dieses Feldes gilt als vierundzwanzig; mit dem Puruṣa, sagt man, ist es hier in der Zählung fünfundzwanzig. Sattva, Rajas, Tamas: so [heißen] die Guṇas, aus der Prakṛti entstanden; mit diesen aus ihrem Selbst geborenen Guṇas erschafft die Prakṛti die ganze Welt. Wunsch, Hass, Glück, Leid, Verbund, Bewusstsein, Festigkeit: diese sind von den Weisen als Wandlungen der Prakṛti zu erkennen.

Wort für Wort
yaj jñātvā na punar martyaḥ saṃsāreṣu pravartate
was erkannt habend der Sterbliche nicht wieder in den Kreisläufen wirkt (Abs./3.Sg.Präs.)
jñānenaiva vimuktās te sāṃkhyāḥ saṃnyāsakovidāḥ
allein durch Wissen erlöst sind jene Sāṃkhyas, in der Entsagung Kundige (Part.Pass.)
śārīraṃ tu tapo ghoraṃ sāṃkhyāḥ prāhur nirarthakam; pañcaviṃśatikaṃ jñānaṃ teṣāṃ jñānam iti smṛtam
körperliche harte Askese nennen die Sāṃkhyas nutzlos; das Fünfundzwanziger-Wissen gilt bei ihnen als ‚Wissen‘ (3.Pl.Perf./Part.Pass.)
mūlaprakṛtir avyaktam avyaktāj jāyate mahān; mahato 'bhūd ahaṃkāras tasmāt tanmātrapañcakam
Ur-Natur ist das Unmanifeste; aus ihm entsteht das Große; aus dem Großen wurde Ichbewusstsein, daraus die Fünfheit der Feinelemente (Abl./3.Sg.Aor.)
indriyāṇi daśaikaṃ ca tanmātrebhyo bhavanty uta; tebhyo bhūtāni pañca syur iti kṣetrasamuccayaḥ
zehn Sinne und das eine entstehen aus den Feinelementen; aus diesen sollen die fünf Elemente sein: so die Gesamtheit des Feldes (3.Pl.Präs./Opt.)
asya kṣetrasya saṃkṣepaś caturviṃśatir iṣyate; pañcaviṃśatir ity āhuḥ puruṣeṇeha saṃkhyayā
die Zusammenfassung dieses Feldes gilt als vierundzwanzig; mit dem Puruṣa in der Zählung, sagt man, fünfundzwanzig (3.Sg.Pass./3.Pl.Perf.)
sattvaṃ rajas tama iti guṇāḥ prakṛtisaṃbhavāḥ; taiḥ sṛjaty akhilaṃ lokaṃ prakṛtiḥ svātmajair guṇaiḥ
Sattva, Rajas, Tamas heißen die aus der Prakṛti entstandenen Guṇas; mit diesen erschafft die Prakṛti die ganze Welt, mit den aus sich geborenen Guṇas (Nom.Pl./3.Sg.Präs.)
icchā dveṣaḥ sukhaṃ duḥkhaṃ saṃghātaś cetanā dhṛtiḥ; vikārāḥ prakṛteś caite veditavyā manīṣibhiḥ
Wunsch, Hass, Glück, Leid, Verbund, Bewusstsein, Festigkeit: diese sind als Wandlungen der Prakṛti von den Weisen zu erkennen (Gerundiv/Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. indriyāṇi daśaikaṃ ca: zehn Sinne und das eine (Manas). kṣetrasamuccaya: ‚Gesamtheit des Feldes‘.

lakṣaṇaṃ cāpi sarveṣāṃ vikalpaṃ cāditaḥ pṛthak; vistareṇa pravakṣyāmi tasya vyākhyām imāṃ śṛṇu; nityam ekam aṇu vyāpi kriyāhīnam ahetukam; agrāhyam indriyaiḥ sarvair etad avyaktalakṣaṇam; avyaktaṃ prakṛtir mūlaṃ pradhānaṃ yonir avyayam; avyaktasyaiva nāmāni śabdaiḥ paryāyavācakaiḥ; tat sūkṣmatvād anirdeśyaṃ tat sad ity abhidhīyate; tanmūlaṃ ca jagat sarvaṃ tanmūlā sṛṣṭir iṣyate; sattvādayaḥ prakṛtijā guṇās tān prabravīmy aham; sukhaṃ tuṣṭiḥ prakāśaś ca trayas te sāttvikā guṇāḥ; rāgadveṣau sukhaṃ duḥkhaṃ stambhaś ca rajaso guṇāḥ; aprakāśo bhayaṃ mohas tandrī ca tamaso guṇāḥ; śraddhā praharṣo vijñānam asaṃmoho dayā dhṛtiḥ; sattve pravṛddhe vardhante viparīte viparyayaḥ

Das Kennzeichen aller [Wandlungen] und ihre Unterscheidung will ich dir von Anfang an einzeln ausführlich darlegen; höre diese Erläuterung dazu. Ewig, eins, fein, alldurchdringend, ohne Tätigkeit, ohne Ursache, von allen Sinnen nicht erfassbar: dies ist das Kennzeichen des Unmanifesten. Das Unmanifeste, die Prakṛti, die Wurzel, das Pradhāna, der unvergängliche Mutterschoß: dies sind Namen des Unmanifesten, in gleichbedeutenden Wörtern. Wegen seiner Feinheit ist es nicht bestimmbar; es wird „das Seiende“ genannt. Seine Wurzel ist die ganze Welt; als seine Wurzel gilt die Schöpfung. Die mit Sattva beginnenden Guṇas sind aus der Prakṛti geboren; diese nenne ich [dir]. Glück, Zufriedenheit und Helligkeit: diese drei sind die sattvischen Guṇas. Leidenschaft und Hass, Glück und Leid und Starrheit sind die Guṇas des Rajas. Dunkelheit, Furcht, Verblendung und Trägheit sind die Guṇas des Tamas. Glaube, Freude, Erkenntnis, Nichtverblendung, Mitgefühl, Festigkeit: wenn Sattva erstarkt, wachsen sie; bei Gegenteil [Schwäche] das Gegenteil.

Wort für Wort
lakṣaṇaṃ cāpi sarveṣāṃ vikalpaṃ cāditaḥ pṛthak; vistareṇa pravakṣyāmi tasya vyākhyām imāṃ śṛṇu
das Kennzeichen aller und die Unterscheidung von Anfang an einzeln will ich ausführlich darlegen; höre dazu diese Erklärung (1.Sg.Fut./Imp.)
nityam ekam aṇu vyāpi kriyāhīnam ahetukam; agrāhyam indriyaiḥ sarvair etad avyaktalakṣaṇam
ewig, eins, fein, durchdringend, tatlos, ursachenlos, von allen Sinnen nicht fassbar: dies ist das Kennzeichen des Unmanifesten (Nom.Sg.n.)
avyaktaṃ prakṛtir mūlaṃ pradhānaṃ yonir avyayam; avyaktasyaiva nāmāni śabdaiḥ paryāyavācakaiḥ
Unmanifestes, Prakṛti, Wurzel, Pradhāna, Mutterschoß, Unvergängliches: Namen eben des Unmanifesten in gleichbedeutenden Wörtern (Nom./Gen.)
tat sūkṣmatvād anirdeśyaṃ tat sad ity abhidhīyate
wegen der Feinheit unbestimmbar, es wird ‚Seiendes‘ genannt (Abl./3.Sg.Pass.)
tanmūlaṃ ca jagat sarvaṃ tanmūlā sṛṣṭir iṣyate
alle Welt hat dies zur Wurzel, die Schöpfung gilt als darin wurzelnd (Nom./3.Sg.Pass.)
sattvādayaḥ prakṛtijā guṇās tān prabravīmy aham
die mit Sattva beginnenden, aus Prakṛti geborenen Guṇas, diese nenne ich (1.Sg.Präs.)
sukhaṃ tuṣṭiḥ prakāśaś ca trayas te sāttvikā guṇāḥ; rāgadveṣau sukhaṃ duḥkhaṃ stambhaś ca rajaso guṇāḥ
Glück, Zufriedenheit, Helligkeit: diese drei sind die sattvischen Guṇas; Leidenschaft, Hass, Glück, Leid, Starrheit: Guṇas des Rajas (Nom.)
aprakāśo bhayaṃ mohas tandrī ca tamaso guṇāḥ
Dunkelheit, Furcht, Verblendung, Trägheit: Guṇas des Tamas (Nom.)
śraddhā praharṣo vijñānam asaṃmoho dayā dhṛtiḥ; sattve pravṛddhe vardhante viparīte viparyayaḥ
Glaube, Freude, Erkenntnis, Nichtverblendung, Mitgefühl, Festigkeit wachsen, wenn Sattva erstarkt; beim Gegenteil das Gegenteil (Lok.abs./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

kāmaḥ krodho manastāpo droho lobhas tathā tṛṣā; pravṛddhe parivardhante rajasy etāni nityaśaḥ; viṣādaḥ saṃśayo mohas tandrī nidrā bhayaṃ tathā; tamasy etāni vardhante pravṛddhe hetvahetubhiḥ; evam anyonyam etāni vardhante ca punaḥ punaḥ; hīyante ca tathā nityam abhibhūtāni bhūribhiḥ; tatra yat prītisaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; vartate sāttviko bhāva ity upekṣeta tat tathā; yadā saṃtāpasaṃyuktaṃ cittakṣobhakaraṃ bhavet; vartate raja ity evaṃ tadā tad abhicintayet; yadā saṃmohasaṃyuktaṃ yad viṣādakaraṃ bhavet; apratarkyam avijñeyaṃ tamas tad upadhārayet; samāsāt sāttviko dharmaḥ samāsād rājasaṃ dhanam; samāsāt tāmasaḥ kāmas trivarge triguṇakramāt

Begierde, Zorn, Herzensglut, Verrat, Gier und Durst wachsen, wenn Rajas erstarkt, stets an. Niedergeschlagenheit, Zweifel, Verblendung, Trägheit, Schlaf und Furcht wachsen, wenn Tamas erstarkt, [durch Ursache und Nichtursache] an. So wachsen diese gegenseitig immer wieder und schwinden ebenso stets, wenn sie von zahlreichen [anderen] überwältigt werden. Was dabei mit Freude verbunden im Körper oder im Geist ist, [von dem gilt:] ‚Es waltet ein sattvischer Zustand‘, so betrachte man es gelassen. Wenn es mit Qual verbunden ist und den Geist aufwühlt, [gilt]: ‚Rajas waltet‘, dann erwäge man es so. Wenn es mit Verblendung verbunden ist und Niedergeschlagenheit bewirkt, nicht zu erdenken, nicht zu erkennen, so erfasse man es als Tamas. Kurz: Dharma ist sattvisch, Reichtum rajasisch, Begierde tamasisch, im Dreiklang nach der Ordnung der drei Guṇas.

Wort für Wort
kāmaḥ krodho manastāpo droho lobhas tathā tṛṣā; pravṛddhe parivardhante rajasy etāni nityaśaḥ
Begierde, Zorn, Herzensglut, Verrat, Gier, Durst wachsen an, wenn Rajas erstarkt, stets (Nom.Pl./Lok.abs.)
viṣādaḥ saṃśayo mohas tandrī nidrā bhayaṃ tathā; tamasy etāni vardhante pravṛddhe hetvahetubhiḥ
Niedergeschlagenheit, Zweifel, Verblendung, Trägheit, Schlaf, Furcht wachsen, wenn Tamas erstarkt, durch Grund und Nicht-Grund (Instr.Pl.)
evam anyonyam etāni vardhante ca punaḥ punaḥ; hīyante ca tathā nityam abhibhūtāni bhūribhiḥ
so wachsen diese gegenseitig immer wieder und schwinden auch, von vielen überwältigt (3.Pl.Präs./Part.Pass.)
tatra yat prītisaṃyuktaṃ kāye manasi vā bhavet; vartate sāttviko bhāva ity upekṣeta tat tathā
was dabei mit Freude verbunden im Körper oder Geist ist: ‚sattvischer Zustand waltet‘, so betrachte man es gleichmütig (Opt.)
yadā saṃtāpasaṃyuktaṃ cittakṣobhakaraṃ bhavet; vartate raja ity evaṃ tadā tad abhicintayet
wenn es mit Qual verbunden, den Geist aufwühlend ist: ‚Rajas waltet‘, so erwäge man es dann (Opt.)
yadā saṃmohasaṃyuktaṃ yad viṣādakaraṃ bhavet; apratarkyam avijñeyaṃ tamas tad upadhārayet
wenn es mit Verblendung verbunden, Niedergeschlagenheit bewirkend ist, undenkbar, unerkennbar: das erfasse man als Tamas (Opt.)
samāsāt sāttviko dharmaḥ samāsād rājasaṃ dhanam; samāsāt tāmasaḥ kāmas trivarge triguṇakramāt
kurz: Dharma sattvisch, Reichtum rajasisch, Begierde tamasisch, im Dreiklang nach der Reihenfolge der drei Guṇas (Abl./Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. hetvahetubhiḥ ‚durch Ursachen und Nichtursachen‘: Deutung unsicher.

brahmādidevasṛṣṭir yā sāttvikīti prakīrtyate; rājasī mānuṣī sṛṣṭis tiryagyonis tu tāmasī; ūrdhvaṃ gacchanti sattvasthā madhye tiṣṭhanti rājasāḥ; jaghanyaguṇavṛttisthā adho gacchanti tāmasāḥ; devamānuṣatiryakṣu yad bhūtaṃ sacarācaram; ādiprabhṛti saṃyuktaṃ vyāptam ebhis tribhir guṇaiḥ; ataḥ paraṃ pravakṣyāmi mahadādīni liṅgataḥ; vijñānaṃ ca vivekaś ca mahato lakṣaṇaṃ bhavet; mahān buddhir matiḥ prajñā nāmāni mahato viduḥ; mahadādikriyāyoge mahattvaṃ copajāyate; abhimānaḥ punas tatra mahato vaikṛtād bhavet; ahaṃkāraḥ sa vijñeyo lakṣaṇena samāsataḥ; ahaṃkāreṇa bhūtānāṃ sarveṣāṃ prabhavāpyayau; ahaṃkāranivṛttir hi nirvāṇāyopapadyate; khaṃ vāyur agniḥ salilaṃ pṛthivī ceti pañcamī

Die Schöpfung, die mit Brahmā und den Göttern beginnt, wird sattvisch genannt; die menschliche Schöpfung ist rajasisch, die tierische Geburt aber tamasisch. Aufwärts gehen die im Sattva Stehenden, in der Mitte bleiben die Rajasischen; die im Wirken der niedrigsten Guṇa Verharrenden, die Tamasischen, gehen abwärts. Was unter Göttern, Menschen und Tieren als Wesen mit Beweglichem und Unbeweglichem vom Anfang an besteht, ist von diesen drei Guṇas verbunden und durchdrungen. Weiter will ich das Große und die folgenden [Prinzipien] nach ihren Merkmalen darlegen. Erkenntnis und Unterscheidung sind das Kennzeichen des Großen. Mahat, Buddhi, Mati, Prajñā: so kennt man die Namen des Großen. Wo die Tätigkeit des Mahat usw. wirkt, entsteht auch das Großsein. Das Selbstbewusstsein [abhimāna] entsteht dort wieder aus der Wandlung des Mahat; dies ist als Ahaṃkāra zu erkennen, in Kürze durch sein Kennzeichen. Durch Ahaṃkāra entstehen und vergehen alle Wesen; das Aufhören des Ahaṃkāra führt zum Verlöschen. Äther, Wind, Feuer, Wasser und Erde als fünftes –

Wort für Wort
brahmādidevasṛṣṭir yā sāttvikīti prakīrtyate
die Schöpfung der Götter, angefangen bei Brahmā, wird als sattvisch bezeichnet (3.Sg.Pass.)
rājasī mānuṣī sṛṣṭis tiryagyonis tu tāmasī
die menschliche Schöpfung ist rajasisch, die tierische Geburt tamasisch (Nom.Sg.f.)
ūrdhvaṃ gacchanti sattvasthā madhye tiṣṭhanti rājasāḥ; jaghanyaguṇavṛttisthā adho gacchanti tāmasāḥ
aufwärts gehen die im Sattva Stehenden, in der Mitte bleiben die Rajasischen; abwärts gehen die im Wirken der niedrigsten Guṇa Stehenden, die Tamasischen (3.Pl.Präs.)
devamānuṣatiryakṣu yad bhūtaṃ sacarācaram; ādiprabhṛti saṃyuktaṃ vyāptam ebhis tribhir guṇaiḥ
was unter Göttern, Menschen, Tieren an Wesen mit Beweglichem und Unbeweglichem besteht, ist vom Anfang an mit diesen drei Guṇas verbunden und durchdrungen (Lok.Pl./Part.Pass./Instr.)
ataḥ paraṃ pravakṣyāmi mahadādīni liṅgataḥ; vijñānaṃ ca vivekaś ca mahato lakṣaṇaṃ bhavet
weiter will ich Mahat und die folgenden nach ihren Merkmalen darlegen; Erkenntnis und Unterscheidung sind Kennzeichen des Mahat (1.Sg.Fut./Opt.)
mahān buddhir matiḥ prajñā nāmāni mahato viduḥ; mahadādikriyāyoge mahattvaṃ copajāyate
Mahat, Buddhi, Mati, Prajñā: die Namen des Mahat kennt man; bei der Verbindung mit der Tätigkeit des Mahat usw. entsteht Großheit (3.Pl.Perf./Lok.)
abhimānaḥ punas tatra mahato vaikṛtād bhavet; ahaṃkāraḥ sa vijñeyo lakṣaṇena samāsataḥ
Selbstbewusstsein entsteht dort wieder aus der Wandlung des Mahat; das ist als Ahaṃkāra zu erkennen, kurz an seinem Kennzeichen (Abl./Opt./Gerundiv)
ahaṃkāreṇa bhūtānāṃ sarveṣāṃ prabhavāpyayau; ahaṃkāranivṛttir hi nirvāṇāyopapadyate
durch Ahaṃkāra Entstehung und Vergehen aller Wesen; Aufhören des Ahaṃkāra führt zum Verlöschen (Instr./Dat./3.Sg.Präs.)
khaṃ vāyur agniḥ salilaṃ pṛthivī ceti pañcamī
Äther, Wind, Feuer, Wasser und Erde als fünfte (Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 352 weiter (khaṃ … mahābhūtāni).

mahābhūtāni bhūtānāṃ sarveṣāṃ prabhavāpyayau; śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni trayam ākāśasaṃbhavam; sparśas tvak prāṇināṃ ceṣṭā pavanasya guṇāḥ smṛtāḥ; rūpaṃ pāko 'kṣiṇī jyotiś catvāras tejaso guṇāḥ; rasaḥ snehas tathā jihvā śaityaṃ ca jalajā guṇāḥ; gandho ghrāṇaṃ śarīraṃ ca pṛthivyās te guṇās trayaḥ; iti sarvaguṇā devi vyākhyātāḥ pāñcabhautikāḥ; guṇān pūrvasya pūrvasya prāpnuvanty uttarāṇi tu; tasmān naikaguṇāś ceha dṛśyante bhūtasṛṣṭayaḥ; upalabhyāpsu ye gandhaṃ ke cid brūyur anaipuṇāḥ; apāṃ gandhaguṇaṃ prājñā necchanti kamalekṣaṇe; tad gandhatvam apāṃ nāsti pṛthivyā eva tadguṇaḥ; bhūmer gandho rase sneho jyotiś cakṣuṣi saṃsthitam; prāṇāpānāśrayo vāyuḥ kheṣv ākāśaḥ śarīriṇām

– das sind die großen Elemente, Ursprung und Auflösung aller Wesen. Laut, Gehör und die Öffnungen: diese Dreiheit entstammt dem Äther. Berührung, Haut und die Regungen der Wesen gelten als Eigenschaften des Windes. Gestalt, Verdauungsglut, die beiden Augen und Licht: das sind vier Eigenschaften des Feuers. Geschmack, Feuchte, ebenso Zunge und Kühle sind aus dem Wasser entstandene Eigenschaften. Geruch, Nase und Körper sind die drei Eigenschaften der Erde. So sind, Göttin, alle aus den fünf Elementen bestehenden Eigenschaften dargelegt. Die späteren [Elemente] erhalten die Eigenschaften der jeweils früheren; daher werden in der Welt Schöpfungen der Elemente nicht mit nur einer Eigenschaft gesehen. Manche Ungeschickten könnten sagen, sie hätten im Wasser Geruch wahrgenommen; die Weisen, Lotusäugige, lassen aber den Geruch als Eigenschaft des Wassers nicht gelten. Das Geruchhafte gibt es beim Wasser nicht, das ist allein die Eigenschaft der Erde. Der Geruch stammt von der Erde, im Geschmack die Feuchte, das Licht im Auge festgesetzt; der Wind ruht in Ein- und Ausatmung, der Äther in den Körperöffnungen der Verkörperten.

Wort für Wort
mahābhūtāni bhūtānāṃ sarveṣāṃ prabhavāpyayau
die großen Elemente, Ursprung und Untergang aller Wesen (Nom.Pl.n./Nom.Du.)
śabdaḥ śrotraṃ tathā khāni trayam ākāśasaṃbhavam
Laut, Gehör und Öffnungen: die Dreiheit entstammt dem Äther (Nom.)
sparśas tvak prāṇināṃ ceṣṭā pavanasya guṇāḥ smṛtāḥ
Berührung, Haut und Regung der Wesen gelten als Eigenschaften des Windes (Part.Pass.)
rūpaṃ pāko 'kṣiṇī jyotiś catvāras tejaso guṇāḥ; rasaḥ snehas tathā jihvā śaityaṃ ca jalajā guṇāḥ
Gestalt, Verdauung, beide Augen, Licht: vier Eigenschaften des Feuers; Geschmack, Feuchte, Zunge, Kühle: wassergeborene Eigenschaften (Nom.)
gandho ghrāṇaṃ śarīraṃ ca pṛthivyās te guṇās trayaḥ; iti sarvaguṇā devi vyākhyātāḥ pāñcabhautikāḥ
Geruch, Nase, Körper: die drei Eigenschaften der Erde; so sind alle Eigenschaften, Göttin, als fünfelementig dargelegt (Nom./Part.Pass.)
guṇān pūrvasya pūrvasya prāpnuvanty uttarāṇi tu; tasmān naikaguṇāś ceha dṛśyante bhūtasṛṣṭayaḥ
die späteren erlangen die Eigenschaften des jeweils früheren; daher sieht man hier keine Elementschöpfung mit nur einer Eigenschaft (3.Pl.Präs./3.Pl.Pass.)
upalabhyāpsu ye gandhaṃ ke cid brūyur anaipuṇāḥ; apāṃ gandhaguṇaṃ prājñā necchanti kamalekṣaṇe
im Wasser Geruch wahrgenommen, mögen manche Ungeschickte sagen; die Weisen wollen den Geruch als Eigenschaft des Wassers nicht, Lotusäugige (Abs./Opt./3.Pl.Präs.)
tad gandhatvam apāṃ nāsti pṛthivyā eva tadguṇaḥ; bhūmer gandho rase sneho jyotiś cakṣuṣi saṃsthitam
dieses Geruchhafte gibt es nicht beim Wasser, es ist allein Eigenschaft der Erde; Geruch von der Erde, Feuchte im Geschmack, Licht im Auge (Gen./Lok.)
prāṇāpānāśrayo vāyuḥ kheṣv ākāśaḥ śarīriṇām
der Wind ruht in Ein- und Ausatmung, der Äther in den Öffnungen der Verkörperten (Nom./Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. In der Zeile bhūmer gandho rase sneho jyotiś cakṣuṣi saṃsthitam ist die Konstruktion elliptisch; die Zuordnung ist sinngemäß ergänzt.

keśāsthinakhadantatvakpāṇipādaśirāṃsi ca; pṛṣṭhodarakaṭigrīvāḥ sarvaṃ bhūmyātmakaṃ smṛtam; yat kiṃ cid api kāye 'smin dhātudoṣamalāśritam; tat sarvaṃ bhautikaṃ viddhi dehe naivāsty abhautikam; buddhīndriyāṇi karṇas tvag akṣi jihvātha nāsikā; karmendriyāṇi vāk pāṇiḥ pādo meḍhraṃ gudaṃ tathā; śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca raso gandhaś ca pañcamaḥ; buddhīndriyārthāñ jānīyād bhūtebhyas tv abhiniḥsṛtān; vākyaṃ kriyā gatiḥ prītir utsargaś ceti pañcadhā; karmendriyārthāñ jānīyāt te ca bhūtodbhavā matāḥ; indriyāṇāṃ tu sarveṣām īśvaraṃ mana ucyate; prārthanālakṣaṇaṃ tac ca indriyaṃ tu manaḥ smṛtam; niyuṅkte ca sadā tāni bhūtātmā manasā saha; niyame ca visarge ca manasaḥ kāraṇaṃ prabhuḥ

Haar, Knochen, Nägel, Zähne, Haut, Hände, Füße und Köpfe, Rücken, Bauch, Hüfte und Hals: alles gilt als erdhaft. Was immer sonst in diesem Körper an Körpergewebe, Fehlern [Körpersäften] und Ausscheidungen besteht, das alles wisse als aus den Elementen bestehend; im Körper gibt es nichts, was nicht elementhaft wäre. Die Erkenntnissinne sind Ohr, Haut, Auge, Zunge und Nase; die Tatsinne sind Sprache, Hand, Fuß, Zeugungsglied und After. Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack und als fünftes Geruch: die Gegenstände der Erkenntnissinne soll man als aus den Elementen hervorgegangen erkennen. Rede, Handeln, Gehen, Lust und Ausscheidung, so fünffach: die Gegenstände der Tatsinne soll man erkennen, und auch sie gelten als aus den Elementen entstanden. Der Herr aller Sinne aber, so heißt es, ist das Denkorgan [manas]; es hat das Wünschen zum Kennzeichen, und das Denkorgan gilt als Sinn. Das Elementselbst setzt diese stets zusammen mit dem Manas ein; beim Zügeln und Loslassen ist der Herr der Grund des Manas.

Wort für Wort
keśāsthinakhadantatvakpāṇipādaśirāṃsi ca; pṛṣṭhodarakaṭigrīvāḥ sarvaṃ bhūmyātmakaṃ smṛtam
Haar, Knochen, Nägel, Zähne, Haut, Hände, Füße, Köpfe, Rücken, Bauch, Hüfte, Hals: alles gilt als erdhaft (Nom.Pl./Part.Pass.)
yat kiṃ cid api kāye 'smin dhātudoṣamalāśritam; tat sarvaṃ bhautikaṃ viddhi dehe naivāsty abhautikam
was immer in diesem Körper an Gewebe, Fehlern, Ausscheidungen besteht, das alles wisse als elementhaft; im Körper gibt es nichts Nichtelementhaftes (Imp./Lok.)
buddhīndriyāṇi karṇas tvag akṣi jihvātha nāsikā; karmendriyāṇi vāk pāṇiḥ pādo meḍhraṃ gudaṃ tathā
Erkenntnissinne: Ohr, Haut, Auge, Zunge, Nase; Tatsinne: Sprache, Hand, Fuß, Zeugungsglied, After (Nom.)
śabdaḥ sparśaś ca rūpaṃ ca raso gandhaś ca pañcamaḥ; buddhīndriyārthāñ jānīyād bhūtebhyas tv abhiniḥsṛtān
Laut, Berührung, Gestalt, Geschmack, fünftens Geruch; man erkenne die Sinnesgegenstände als aus den Elementen hervorgegangen (Opt./Akk.Pl.Part.)
vākyaṃ kriyā gatiḥ prītir utsargaś ceti pañcadhā; karmendriyārthāñ jānīyāt te ca bhūtodbhavā matāḥ
Rede, Handeln, Gehen, Lust, Ausscheidung, fünffach; die Gegenstände der Tatsinne erkenne man, und sie gelten als elemententstanden (Opt./Part.Pass.)
indriyāṇāṃ tu sarveṣām īśvaraṃ mana ucyate; prārthanālakṣaṇaṃ tac ca indriyaṃ tu manaḥ smṛtam
der Herr aller Sinne heißt das Manas; es hat Wünschen als Kennzeichen, und das Manas gilt als Sinn (3.Sg.Pass./Part.Pass.)
niyuṅkte ca sadā tāni bhūtātmā manasā saha; niyame ca visarge ca manasaḥ kāraṇaṃ prabhuḥ
das Elementselbst setzt diese stets zusammen mit dem Manas ein; beim Zügeln und Loslassen ist der Herr Ursache des Manas (3.Sg.Präs.Med./Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. bhūtātmā und prabhuḥ in den letzten zwei Pādas sind in ihrer Funktion unsicher.

indriyāṇīndriyārthāś ca svabhāvaś cetanā dhṛtiḥ; bhūtābhūtavikāraś ca śarīram iti saṃjñitam; śarīrāc ca paro dehī śarīraṃ ca vyapāśritaḥ; śarīriṇaḥ śarīrasya yo 'ntaraṃ vetti vai muniḥ; arasasparśagandhaṃ ca rūpaśabdavivarjitam; aśarīraṃ śarīreṣu didṛkṣeta nirindriyam; avyaktaṃ sarvadeheṣu martyeṣv amaram āśritam; yaḥ paśyet paramātmānaṃ bandhanaiḥ sa vimucyate; naivāyaṃ cakṣuṣā grāhyo nāparair indriyair api; manasaiṣa pradīpena mahān ātmā pradṛśyate; sa hi sarveṣu bhūteṣu sthāvareṣu careṣu ca; vasaty eko mahāvīryo nānābhāvasamanvitaḥ; naiva cordhvaṃ na tiryak ca nādhastān na kutaś cana; indriyair iha buddhyā vā na dṛśyeta kadā cana; navadvāraṃ puraṃ gatvā haṃso 'sau nīyate vaśam

Die Sinne, ihre Gegenstände, die Eigennatur, Bewusstsein, Festigkeit und die Wandlung von Gewordenem und Nichtgewordenem – dies wird „Körper“ genannt. Der Verkörperte aber ist höher als der Körper und stützt sich auf den Körper. Der Weise, der den Unterschied zwischen dem Verkörperten und dem Körper kennt, soll das Körperlose in den Körpern zu sehen wünschen, ohne Geschmack, Berührung und Geruch, frei von Gestalt und Laut, ohne Sinne, das Unmanifeste in allen Körpern, das den Sterblichen zugehörig, unsterblich [ist]. Wer das höchste Selbst sieht, wird von den Fesseln befreit. Dieses Selbst ist weder durch das Auge fassbar noch durch andere Sinne; durch den Geist wie durch eine Lampe wird dieses große Selbst erblickt. Denn es wohnt in allen Wesen, unbeweglichen und beweglichen, als das eine, von großer Kraft, mit vielerlei Zuständen begabt. Weder aufwärts, noch seitwärts, noch abwärts, noch von irgendwoher wird es hier durch die Sinne oder durch die Einsicht je erblickt. Nachdem er die Stadt mit neun Toren betreten hat, wird dieser Schwan in Gewalt geführt.

Wort für Wort
indriyāṇīndriyārthāś ca svabhāvaś cetanā dhṛtiḥ; bhūtābhūtavikāraś ca śarīram iti saṃjñitam
Sinne, Sinnesgegenstände, Eigennatur, Bewusstsein, Festigkeit, Wandlung von Gewordenem und Nichtgewordenem: dies heißt ‚Körper‘ (Part.Pass.)
śarīrāc ca paro dehī śarīraṃ ca vyapāśritaḥ; śarīriṇaḥ śarīrasya yo 'ntaraṃ vetti vai muniḥ
der Verkörperte ist höher als der Körper und stützt sich auf den Körper; der Weise, der den Unterschied zwischen dem Verkörperten und dem Körper kennt (Abl./Part.Pass./3.Sg.Präs.)
arasasparśagandhaṃ ca rūpaśabdavivarjitam; aśarīraṃ śarīreṣu didṛkṣeta nirindriyam
ohne Geschmack, Berührung, Geruch, ohne Gestalt und Laut; das Körperlose in den Körpern, sinnenlose, wünsche er zu sehen (Akk./Desid.Opt.)
avyaktaṃ sarvadeheṣu martyeṣv amaram āśritam; yaḥ paśyet paramātmānaṃ bandhanaiḥ sa vimucyate
das Unmanifeste in allen Körpern, das Unsterbliche, auf Sterbliche gestützt; wer das höchste Selbst sieht, wird von Fesseln befreit (Opt./3.Sg.Pass.)
naivāyaṃ cakṣuṣā grāhyo nāparair indriyair api; manasaiṣa pradīpena mahān ātmā pradṛśyate
nicht durch das Auge ist dieser erfassbar, auch nicht durch andere Sinne; durch den Geist als Lampe wird dieses große Selbst erblickt (Gerundiv/Instr./3.Sg.Pass.)
sa hi sarveṣu bhūteṣu sthāvareṣu careṣu ca; vasaty eko mahāvīryo nānābhāvasamanvitaḥ
denn er wohnt in allen Wesen, unbeweglichen und beweglichen, als einer, von großer Kraft, mit vielerlei Zuständen begabt (3.Sg.Präs.)
naiva cordhvaṃ na tiryak ca nādhastān na kutaś cana; indriyair iha buddhyā vā na dṛśyeta kadā cana
weder oben noch seitwärts noch unten noch von irgendwoher; hier weder durch Sinne noch durch Einsicht sieht man es je (3.Sg.Opt.Pass.)
navadvāraṃ puraṃ gatvā haṃso 'sau nīyate vaśam
die Stadt mit neun Toren betreten habend, wird dieser Schwan in Gewalt geführt (Abs./3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der letzte Pāda (navadvāraṃ puraṃ gatvā haṃso 'sau nīyate vaśam) ist in seiner Einbindung unsicher; ‚Schwan‘ steht hier wohl für das Selbst.

īśvaraḥ sarvabhūteṣu sthāvarasya carasya ca; tam evāhur aṇubhyo 'ṇuṃ taṃ mahadbhyo mahattaram; bahudhā sarvabhūtāni vyāpya tiṣṭhati śāśvataḥ; kṣetrajñam ekataḥ kṛtvā sarvaṃ kṣetram athaikataḥ; evaṃ saṃvimṛśej jñānī saṃyataḥ satataṃ hṛdā; puruṣaḥ prakṛtistho hi bhuṅkte prakṛtijān guṇān; akartālepako nityo madhyasthaḥ sarvakarmaṇām; kāryakāraṇakartṛtve hetuḥ prakṛtir ucyate; puruṣaḥ sukhaduḥkhānāṃ bhoktṛtve hetur ucyate; ajaro 'yam acintyo 'yam avyakto 'yaṃ sanātanaḥ; dehe tejomayo dehī tiṣṭhatīty apare viduḥ; jñānam ūṣmā ca vāyuś ca śarīre jīvasaṃjñitaḥ; ity eke niścitā buddhyā tatra ye buddhicintakāḥ; apare sarvalokāṃś ca vyāpya tiṣṭhantam īśvaram

Der Herr in allen Wesen, im Unbeweglichen und im Beweglichen – ihn nennen sie kleiner als das Kleine, größer als das Größte. Vielfach durchdringt er alle Wesen und besteht ewig. Man mache den Kṣetrajña zu einem Teil, das ganze Feld zum anderen Teil; so soll der Wissende, stets gesammelt, mit dem Herzen erwägen. Der Puruṣa, in der Prakṛti stehend, genießt die aus der Prakṛti geborenen Guṇas; er ist Nicht-Täter, unbefleckt, ewig, in der Mitte stehend bei allen Handlungen. Für das Tätigsein als Wirkung, Ursache und Täter gilt die Prakṛti als Grund; für das Genießen von Glück und Leid gilt der Puruṣa als Grund. Dieser ist alterslos, unausdenkbar, unmanifest, ewig: „Im Körper besteht der aus Glanz gemachte Verkörperte“, so kennen ihn andere. Wissen, Wärme und Wind im Körper, „Jīva“ genannt: so [sagen] manche, in ihrer Einsicht sicher, die in Sachen der Einsicht Nachdenkenden. Andere [sagen], der Herr durchdringe auch alle Welten –

Wort für Wort
īśvaraḥ sarvabhūteṣu sthāvarasya carasya ca; tam evāhur aṇubhyo 'ṇuṃ taṃ mahadbhyo mahattaram
der Herr in allen Wesen, des Unbeweglichen und des Beweglichen; ihn nennt man kleiner als das Kleinste, größer als das Größte (3.Pl.Perf.)
bahudhā sarvabhūtāni vyāpya tiṣṭhati śāśvataḥ; kṣetrajñam ekataḥ kṛtvā sarvaṃ kṣetram athaikataḥ
vielfach alle Wesen durchdringend besteht der Ewige; den Kṣetrajña auf einer Seite gesetzt, das ganze Feld auf der anderen (Abs.)
evaṃ saṃvimṛśej jñānī saṃyataḥ satataṃ hṛdā; puruṣaḥ prakṛtistho hi bhuṅkte prakṛtijān guṇān
so erwäge der Wissende, gezügelt, stets mit dem Herzen; der Puruṣa, in der Prakṛti stehend, genießt die aus ihr geborenen Guṇas (Opt./3.Sg.Präs.)
akartālepako nityo madhyasthaḥ sarvakarmaṇām; kāryakāraṇakartṛtve hetuḥ prakṛtir ucyate
Nichttäter, unbefleckt, ewig, in der Mitte bei allen Handlungen; als Grund des Wirkung-, Ursache- und Täterseins gilt die Prakṛti (Nom./Lok.)
puruṣaḥ sukhaduḥkhānāṃ bhoktṛtve hetur ucyate; ajaro 'yam acintyo 'yam avyakto 'yaṃ sanātanaḥ
der Puruṣa gilt als Grund des Genießens von Glück und Leid; dieser ist alterslos, unausdenkbar, unmanifest, ewig (3.Sg.Pass.)
dehe tejomayo dehī tiṣṭhatīty apare viduḥ; jñānam ūṣmā ca vāyuś ca śarīre jīvasaṃjñitaḥ
im Körper besteht der glanzhafte Verkörperte, so kennen andere ihn; Wissen, Wärme und Wind im Körper, ‚Jīva‘ genannt (3.Pl.Perf.)
ity eke niścitā buddhyā tatra ye buddhicintakāḥ; apare sarvalokāṃś ca vyāpya tiṣṭhantam īśvaram
so [sagen] manche, durch Einsicht gewiss, die dabei Einsichtsdenker; andere [nennen] den Herrn, der auch alle Welten durchdringt (Part.Pass./Part.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 356 weiter (apare … bruvate). ity eke niścitā … ist elliptisch; die Ergänzung „[sagen]“ ist sinngemäß.

bruvate ke cid atraiva tile tailavad āsthitam; apare nāstikā mūḍhā hīnatvāt sūkṣmalakṣaṇaiḥ; nāsty ātmeti viniścitya prāhus te nirayālayāḥ; evaṃ nānāvidhānena vimṛśanti maheśvaram; ūhavān brāhmaṇo loke nityam avyayam akṣaram; asty ātmā sarvadeheṣu hetus tatra sudurgamaḥ; ṛṣibhiś cāpi devaiś ca vyaktam eṣa tu dṛśyate; dṛṣṭvātataṃ mahātmānaṃ punas tan na nivartate; tasmāt taddarśanād eva vindate paramāṃ gatim; iti te kathito devi sāṃkhyadharmaḥ sanātanaḥ; maheśvaraḥ; kapilādibhir ācāryaiḥ sevitaḥ paramarṣibhiḥ; sāṃkhyajñānena yuktānāṃ tad etat kīrtitaṃ mayā; yogadharmaṃ punaḥ kṛtsnaṃ kīrtayiṣyāmi me śṛṇu; sa ca yogo dvidhā bhinno brahmadevarṣisevitaḥ

– [so] sagen manche, er bestehe gerade hier, wie Öl in der Sesamfrucht. Andere, Nichtgläubige und Törichte, wegen der Geringheit ihrer Erkenntnis feinen Merkmalen gegenüber, sprechen nach der Festlegung „Es gibt kein Selbst“ – diese sind Höllenbewohner. So erwägen sie auf vielerlei Weise den Maheśvara. Der Brahmane in der Welt, urteilsfähig, [erkennt] das stets Unvergängliche, Unzerstörbare: Das Selbst ist in allen Körpern; der Grund dafür ist äußerst schwer zugänglich; von Sehern und Göttern wird dieser aber sichtbar erblickt. Hat man das allverbreitete große Selbst gesehen, so kehrt man daraus nicht mehr zurück; darum erlangt man durch dessen Schauen selbst das höchste Ziel. So ist dir, Göttin, das ewige Sāṃkhya-Dharma dargelegt. Maheśvara [sprach]: Von Lehrern wie Kapila, von höchsten Sehern gepflegt; für die mit Sāṃkhya-Wissen Verbundenen ist dies von mir verkündet. Das ganze Yoga-Dharma werde ich wiederum verkünden; höre es von mir. Und dieses Yoga ist zweifach geteilt, von Brahmā, Göttern und Sehern gepflegt.

Wort für Wort
bruvate ke cid atraiva tile tailavad āsthitam; apare nāstikā mūḍhā hīnatvāt sūkṣmalakṣaṇaiḥ
manche sagen, er bestehe eben hier wie Öl in der Sesamfrucht; andere, Nichtgläubige, Törichte, wegen der Geringheit gegenüber feinen Merkmalen (3.Pl.Präs.Med./Part.Pass.)
nāsty ātmeti viniścitya prāhus te nirayālayāḥ; evaṃ nānāvidhānena vimṛśanti maheśvaram
‚es gibt kein Selbst‘, so festgelegt, sprechen sie; diese sind Höllenbewohner; so erwägen sie auf vielerlei Weise Maheśvara (Abs./3.Pl.Perf./3.Pl.Präs.)
ūhavān brāhmaṇo loke nityam avyayam akṣaram; asty ātmā sarvadeheṣu hetus tatra sudurgamaḥ
der urteilsfähige Brahmane in der Welt [erkennt] das ewig Unvergängliche, Unzerstörbare; das Selbst ist in allen Körpern, der Grund dort ist sehr schwer zugänglich (Nom.Sg./Lok.Pl.)
ṛṣibhiś cāpi devaiś ca vyaktam eṣa tu dṛśyate; dṛṣṭvātataṃ mahātmānaṃ punas tan na nivartate
von Sehern und Göttern wird dieser deutlich erblickt; das ausgebreitete große Selbst gesehen, kehrt man daraus nicht zurück (3.Sg.Pass./Abs.)
tasmāt taddarśanād eva vindate paramāṃ gatim; iti te kathito devi sāṃkhyadharmaḥ sanātanaḥ; maheśvaraḥ
daher findet man gerade durch dessen Schauen das höchste Ziel; so ist dir, Göttin, das ewige Sāṃkhya-Dharma gesagt; Maheśvara [spricht] (3.Sg.Präs./Part.Pass.)
kapilādibhir ācāryaiḥ sevitaḥ paramarṣibhiḥ; sāṃkhyajñānena yuktānāṃ tad etat kīrtitaṃ mayā
von Lehrern wie Kapila, von höchsten Sehern gepflegt; für die mit Sāṃkhya-Wissen Verbundenen ist dies von mir verkündet (Instr.Pl./Part.Pass.)
yogadharmaṃ punaḥ kṛtsnaṃ kīrtayiṣyāmi me śṛṇu; sa ca yogo dvidhā bhinno brahmadevarṣisevitaḥ
das ganze Yoga-Dharma werde ich weiter verkünden, höre von mir; dieser Yoga ist zweifach geteilt, von Brahmā, Göttern, Sehern gepflegt (1.Sg.Fut./Imp.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz begann in 355 (apare … bruvate). ūhavān brāhmaṇo … in Konstruktion und Ergänzung unsicher [?]; hetus tatra sudurgamaḥ knapp.

samānam ubhayatrāpi vṛttaṃ śāstrapracoditam; sa cāṣṭaguṇam aiśvaryam adhikṛtya vidhīyate; sāyujyaṃ sarvadevānāṃ yogadharmaḥ paraḥ smṛtaḥ; jñānaṃ sarvasya yogasya mūlam ity avadhāraya; vratopavāsaniyamais tais tais tat paribṛṃhayet; aikātmyaṃ buddhimanasor indriyāṇāṃ ca sarvaśaḥ; ātmany avyayini prājñe jñānam etat tu yoginām; arcayed brāhmaṇān agnīn devatāyatanāni ca; varjayed aśivāṃ vācaṃ bhavet sattvam upāśritaḥ; dānam adhyayanaṃ śraddhā vratāni niyamās tathā; samyag āhāraśuddhiś ca śaucam indriyanigrahaḥ; etais tu vardhate tejaḥ pāpaṃ cāpy avadhūyate; dhūtapāpmā ca tejasvī laghvāhāro jitendriyaḥ; niḥśoko nirmalo dāntaḥ paścād yogaṃ samācaret

In beiden [Systemen] ist das Verhalten gleich, von der Lehre vorgeschrieben. Es wird im Hinblick auf die achtfache Herrschaft festgesetzt: Die Vereinigung mit allen Göttern gilt als das höchste Yoga-Dharma. Das Wissen ist die Wurzel jedes Yoga, das erkenne wohl. Mit Gelübden, Fasten und Zügelungen, mit jeweils diesen soll man es festigen. Das Einssein von Einsicht und Geist und der Sinne in jeder Hinsicht, im unvergänglichen, weisen Selbst: dies ist das Wissen der Yogins. Man soll Brahmanen, Feuer und Götterstätten verehren; man soll unheilvolle Rede meiden und im Sattva Zuflucht nehmen. Geben, Studium, Glaube, Gelübde, ebenso Zügelungen, richtige Reinheit der Nahrung, Reinheit, Bezwingung der Sinne: dadurch wächst die Glut, und Sünde wird abgeschüttelt. Mit abgeschüttelter Sünde, strahlend, maßvoll im Essen, sinnenbezwungen, ohne Kummer, makellos, gebändigt, soll er danach das Yoga ausüben.

Wort für Wort
samānam ubhayatrāpi vṛttaṃ śāstrapracoditam; sa cāṣṭaguṇam aiśvaryam adhikṛtya vidhīyate
gleich in beiden ist das Verhalten, von der Lehre angeregt; es wird auf die achtgliedrige Herrschaft bezogen festgesetzt (Part.Pass./Abs.)
sāyujyaṃ sarvadevānāṃ yogadharmaḥ paraḥ smṛtaḥ; jñānaṃ sarvasya yogasya mūlam ity avadhāraya
die Vereinigung mit allen Göttern gilt als höchstes Yoga-Dharma; das Wissen ist die Wurzel jedes Yoga, so bedenke (Part.Pass./Imp.)
vratopavāsaniyamais tais tais tat paribṛṃhayet; aikātmyaṃ buddhimanasor indriyāṇāṃ ca sarvaśaḥ
mit Gelübden, Fasten, Zügelungen, jeweils diesen, festige man es; das Einssein von Einsicht und Geist und der Sinne insgesamt (Instr.Pl./Opt.Kaus./Gen.Du.)
ātmany avyayini prājñe jñānam etat tu yoginām; arcayed brāhmaṇān agnīn devatāyatanāni ca
im unvergänglichen, weisen Selbst: dies ist das Wissen der Yogins; man verehre Brahmanen, Feuer, Götterstätten (Lok./Opt.)
varjayed aśivāṃ vācaṃ bhavet sattvam upāśritaḥ; dānam adhyayanaṃ śraddhā vratāni niyamās tathā
man meide unheilvolle Rede und sei im Sattva Zuflucht suchend; Geben, Studium, Glaube, Gelübde, Zügelungen (Opt./Part.Pass.)
samyag āhāraśuddhiś ca śaucam indriyanigrahaḥ; etais tu vardhate tejaḥ pāpaṃ cāpy avadhūyate
rechte Nahrungsreinheit, Reinheit, Sinnesbezwingung: dadurch wächst Glut und Sünde wird abgeschüttelt (3.Sg.Präs./Pass.)
dhūtapāpmā ca tejasvī laghvāhāro jitendriyaḥ; niḥśoko nirmalo dāntaḥ paścād yogaṃ samācaret
mit abgeschüttelter Sünde, strahlend, leicht essend, sinnenbezwungen, kummerlos, makellos, gebändigt, übe er danach Yoga aus (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. sa ca aṣṭaguṇam aiśvaryam: die Achtheit der Herrschaft (siehe 362).

avadadhyān manaḥ pūrvaṃ matsyaghāta ivāmiṣam; ekānte vijane deśe sarvataḥ saṃvṛte śucau; kalpayed āsanaṃ tatra svāstīrṇaṃ mṛdubhiḥ kuśaiḥ; upaviśyāsane tasminn ṛjukāyaśirodharaḥ; avyagraḥ sukham āsīnaḥ svāṅgāni na vikampayet; saṃprekṣya nāsikāgraṃ svaṃ diśaś cānavalokayan; bhruvor madhye manaḥ kṛtvā cintayitvā śarīriṇam; yato yato niścarati manaś cañcalam asthiram; tatas tato niyamyaitad ātmany eva vaśaṃ nayet; manovasthāpanaṃ devi yogasyopaniṣad bhavet; tasmāt sarvaprayatnena mano 'vasthāpayet sadā; tvak śrotraṃ ca tato jihvāṃ ghrāṇaṃ cakṣuś ca saṃharet; pañcendriyāṇi saṃdhāya manasi sthāpayed budhaḥ; sarvaṃ cāpohya saṃkalpam ātmani sthāpayen manaḥ

Man soll den Geist zuvor [darauf] richten, wie ein Fischtöter [den Blick] auf den Köder [?]. An einem einsamen, menschenleeren, ringsum umschlossenen, reinen Ort soll man dort einen Sitz bereiten, mit weichem Kuśa-Gras gut bestreut. Auf diesem Sitz sitzend, mit geradem Körper, Kopf und Hals, ungestört, bequem sitzend, soll man die eigenen Glieder nicht bewegen; die eigene Nasenspitze anblickend, ohne die Himmelsrichtungen zu betrachten, den Geist zwischen die Brauen gerichtet, an den Verkörperten denkend. Woraus auch immer der Geist, wankend und unstet, hinausgeht, von dort soll man ihn zügeln und im Selbst unter Gewalt bringen. Das Feststellen des Geistes, Göttin, ist die Geheimlehre des Yoga; daher soll man mit aller Anstrengung den Geist stets festigen. Haut, Gehör, dann die Zunge, Nase und Auge soll er zurückziehen; die fünf Sinne zusammengefügt, soll der Weise sie im Geist verankern, und nachdem er alle Vorsätze entfernt hat, den Geist im Selbst verankern.

Wort für Wort
avadadhyān manaḥ pūrvaṃ matsyaghāta ivāmiṣam; ekānte vijane deśe sarvataḥ saṃvṛte śucau
den Geist richte man zuvor [aus] wie ein Fischtöter den Köder; an einsamem, menschenleerem, ringsum umschlossenem, reinem Ort (Opt./Lok.)
kalpayed āsanaṃ tatra svāstīrṇaṃ mṛdubhiḥ kuśaiḥ; upaviśyāsane tasmin ṛjukāyaśirodharaḥ
man bereite dort einen Sitz, gut bestreut mit weichen Kuśa-Halmen; auf diesem Sitz sitzend, mit geradem Körper, Kopf und Hals (Opt./Abs.)
avyagraḥ sukham āsīnaḥ svāṅgāni na vikampayet; saṃprekṣya nāsikāgraṃ svaṃ diśaś cānavalokayan
ungestört, bequem sitzend, bewege er die eigenen Glieder nicht; auf die eigene Nasenspitze blickend, die Himmelsrichtungen nicht beachtend (Opt./Abs.)
bhruvor madhye manaḥ kṛtvā cintayitvā śarīriṇam; yato yato niścarati manaś cañcalam asthiram
den Geist in die Mitte der Brauen gesetzt, den Verkörperten bedacht; woraus immer der wankende, unstete Geist herausgeht (Abs./3.Sg.Präs.)
tatas tato niyamyaitad ātmany eva vaśaṃ nayet; manovasthāpanaṃ devi yogasyopaniṣad bhavet
von dort jeweils zügle man ihn und bringe ihn im Selbst unter Gewalt; Geistesfestigung ist, Göttin, die Geheimlehre des Yoga (Abs./Opt.)
tasmāt sarvaprayatnena mano 'vasthāpayet sadā; tvak śrotraṃ ca tato jihvāṃ ghrāṇaṃ cakṣuś ca saṃharet
daher festige man mit aller Anstrengung stets den Geist; Haut, Gehör, dann Zunge, Nase, Auge ziehe man zurück (Opt.)
pañcendriyāṇi saṃdhāya manasi sthāpayed budhaḥ; sarvaṃ cāpohya saṃkalpam ātmani sthāpayen manaḥ
die fünf Sinne zusammengefügt, verankere sie der Weise im Geist; alles Vorstellen entfernt, verankere er den Geist im Selbst (Abs./Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. avadadhyān manaḥ pūrvaṃ matsyaghāta ivāmiṣam: das Bild (Fischer, Köder) ist unsicher [?].

yadaitāny avatiṣṭhante manaḥṣaṣṭhāni cātmani; prāṇāpānau tadā tasya yugapat tiṣṭhato vaśe; prāṇe hi vaśam āpanne yogasiddhir dhruvā bhavet; śarīraṃ cintayet sarvaṃ vipāṭya ca samīpataḥ; antardehagatiṃ cāpi prāṇānāṃ paricintayet; tato mūrdhānam agniṃ ca śārīraṃ paripālayan; prāṇo mūrdhani cāgnau ca vartamāno viceṣṭate; sa jantuḥ sarvabhūtātmā puruṣaḥ sa sanātanaḥ; mano buddhir ahaṃkāro bhūtāni viṣayāṃś ca saḥ; bastimūlaṃ gudaṃ caiva pāvakaṃ ca samāśritaḥ; vahan mūtraṃ purīṣaṃ cāpy apānaḥ parivartate; adhaḥpravṛttir deheṣu karmāpānasya tan matam; udīrayan sarvadhātūn ata ūrdhvaṃ pravartate; udāna iti taṃ vidyur adhyātmakuśalā janāḥ; saṃdhau saṃdhau saṃniviṣṭaḥ sarvaceṣṭāpravartakaḥ

Wenn diese [Sinne], mit dem Geist als sechstem, im Selbst zur Ruhe kommen, dann stehen ihm Ein- und Ausatmung gleichzeitig unter Gewalt. Wenn der Lebenshauch in der Gewalt ist, wird die Yoga-Vollendung gewiss. Man soll den ganzen Körper bedenken, ihn [gedanklich] aufschneidend, nahebei; auch den Weg der Lebenshauche im Inneren des Körpers soll man bedenken. Dann, den Scheitel und das Körperfeuer hütend: Der Hauch ist im Scheitel und im Feuer wirksam; dieser Wesenträger, das Selbst aller Wesen, ist der ewige Puruṣa; Geist, Einsicht, Ich-Bewusstsein, die Elemente und die Sinnesgegenstände [ist] er. Der Apāna, der Blasenwurzel, After und Feuer zur Stätte hat, [kreist] Urin und Kot führend. Das abwärts Gerichtete in den Körpern gilt als Wirken des Apāna. Alle Körperstoffe emporsteigen lassend, geht er von da aufwärts; den nennen die im Selbst Kundigen Udāna. Er ist in jedem Gelenk eingelassen und setzt alle Regungen in Gang –

Wort für Wort
yadaitāny avatiṣṭhante manaḥṣaṣṭhāni cātmani; prāṇāpānau tadā tasya yugapat tiṣṭhato vaśe
wenn diese, mit Manas als sechstem, im Selbst ruhen, dann stehen ihm Ein- und Ausatem gleichzeitig unter Gewalt (3.Pl.Präs./3.Du.)
prāṇe hi vaśam āpanne yogasiddhir dhruvā bhavet; śarīraṃ cintayet sarvaṃ vipāṭya ca samīpataḥ
ist der Hauch in der Gewalt, wird die Yoga-Vollendung sicher; den ganzen Körper bedenke man, [ihn] aufgeschnitten, aus der Nähe (Lok.abs./Opt.)
antardehagatiṃ cāpi prāṇānāṃ paricintayet; tato mūrdhānam agniṃ ca śārīraṃ paripālayan
auch den Gang der Hauche im Körperinneren bedenke man; dann den Scheitel und das Körperfeuer hütend (Opt./Part.)
prāṇo mūrdhani cāgnau ca vartamāno viceṣṭate; sa jantuḥ sarvabhūtātmā puruṣaḥ sa sanātanaḥ
der Hauch, im Scheitel und im Feuer weilend, regt sich; er ist der Wesenträger, Selbst aller Wesen, der ewige Puruṣa (Part.Präs./3.Sg.Präs.)
mano buddhir ahaṃkāro bhūtāni viṣayāṃś ca saḥ; bastimūlaṃ gudaṃ caiva pāvakaṃ ca samāśritaḥ
Geist, Einsicht, Ichbewusstsein, Elemente und Sinnesobjekte ist er; die Blasenwurzel, den After und das Feuer zur Stätte nehmend (Akk./Part.Pass.)
vahan mūtraṃ purīṣaṃ cāpy apānaḥ parivartate; adhaḥpravṛttir deheṣu karmāpānasya tan matam
Urin und Kot führend, kreist der Apāna; die Abwärtsbewegung in den Körpern gilt als Wirken des Apāna (Part.Präs./Part.Pass.)
udīrayan sarvadhātūn ata ūrdhvaṃ pravartate; udāna iti taṃ vidyur adhyātmakuśalā janāḥ
alle Körperstoffe aufwärtstreibend, geht er von da nach oben; ihn nennen die im Selbst Kundigen Udāna (Part.Kaus./Opt.)
saṃdhau saṃdhau saṃniviṣṭaḥ sarvaceṣṭāpravartakaḥ
in jedes Gelenk eingelassen, alle Regungen in Gang setzend (Part.Pass./Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. vipāṭya … samīpataḥ und yadaitāny avatiṣṭhante sind in der Wiedergabe knapp; der Satz endet in 360 (vyāna).

śarīreṣu manuṣyāṇāṃ vyāna ity upadiśyate; dhātuṣv agnau ca vitataḥ samāno 'gniḥ samīraṇaḥ; sa eva sarvaceṣṭānām antakāle nivartakaḥ; prāṇānāṃ saṃnipāteṣu saṃsargād yaḥ prajāyate; ūṣmā so 'gnir iti jñeyaḥ so 'nnaṃ pacati dehinām; apānaprāṇayor madhye prāṇāpānasamāhitaḥ; samanvitaḥ samānena samyak pacati pāvakaḥ; adhas tv agnir apānena prāṇena paripālyate; pṛṣṭhatas tu samānena svāṃ svāṃ gatim upāśritaḥ; śarīramadhye nābhiḥ syān nābhyām agniḥ pratiṣṭhitaḥ; agnau prāṇāś ca saṃsaktāḥ prāṇeṣv ātmā vyavasthitaḥ; pakvāśayas tv adho nābher ūrdhvam āmāśayaḥ smṛtaḥ; nābhir madhye śarīrasya sarvaprāṇās tam āśritāḥ; sthitāḥ prāṇādayaḥ sarve tiryag ūrdhvam adhaścarāḥ

– er heißt in den Körpern der Menschen Vyāna. In den Körperstoffen und im Feuer verbreitet ist der Samāna, das Feuer, der Antreiber. Er selbst ist es, der zur Todeszeit alle Regungen zurückhält. Was bei den Zusammenstößen der Lebenshauche aus der Vermischung entsteht, das ist als Wärme zu erkennen, als Feuer; es verdaut die Nahrung der Verkörperten. Zwischen Apāna und Prāṇa, in Ein- und Ausatem gesammelt, verbunden mit dem Samāna, verdaut das Feuer richtig. Unten wird das Feuer vom Apāna gehütet, oben vom Prāṇa; am Rücken hält es sich, mit dem Samāna, jeweils an seinem eigenen Gang. In der Körpermitte sei der Nabel; im Nabel ist das Feuer festgesetzt; im Feuer haften die Lebenshauche, in den Lebenshauchen ist das Selbst eingerichtet. Der Sitz der Verdauten ist unter dem Nabel, der Sitz des Unverdauten gilt als oberhalb; der Nabel ist in der Mitte des Körpers, alle Hauche stützen sich auf ihn; die Prāṇa usw. bestehen alle, quer, aufwärts und abwärts gehend.

Wort für Wort
śarīreṣu manuṣyāṇāṃ vyāna ity upadiśyate; dhātuṣv agnau ca vitataḥ samāno 'gniḥ samīraṇaḥ
in den Körpern der Menschen wird er Vyāna genannt; in Körperstoffen und Feuer verbreitet ist der Samāna, das Feuer, der Antreiber (3.Sg.Pass./Part.Pass.)
sa eva sarvaceṣṭānām antakāle nivartakaḥ; prāṇānāṃ saṃnipāteṣu saṃsargād yaḥ prajāyate
eben er ist zur Todeszeit der Zurückhalter aller Regungen; was bei Zusammenstößen der Hauche aus der Vermischung entsteht (Gen.Pl./Lok.Pl./Abl.)
ūṣmā so 'gnir iti jñeyaḥ so 'nnaṃ pacati dehinām; apānaprāṇayor madhye prāṇāpānasamāhitaḥ
das ist als Wärme, als Feuer zu erkennen; es verdaut die Nahrung der Verkörperten; zwischen Apāna und Prāṇa, in Ein- und Ausatem gesammelt (Gerundiv/3.Sg.Präs./Lok.Du.)
samanvitaḥ samānena samyak pacati pāvakaḥ; adhas tv agnir apānena prāṇena paripālyate
mit Samāna verbunden, verdaut das Feuer recht; unten wird das Feuer vom Apāna, oben vom Prāṇa gehütet (Part.Pass./3.Sg.Pass.)
pṛṣṭhatas tu samānena svāṃ svāṃ gatim upāśritaḥ; śarīramadhye nābhiḥ syān nābhyām agniḥ pratiṣṭhitaḥ
am Rücken mit Samāna, je seinen eigenen Gang nehmend; in der Körpermitte sei der Nabel; im Nabel ist das Feuer gegründet (Part.Pass./Opt./Lok.)
agnau prāṇāś ca saṃsaktāḥ prāṇeṣv ātmā vyavasthitaḥ; pakvāśayas tv adho nābher ūrdhvam āmāśayaḥ smṛtaḥ
im Feuer haften die Hauche, in den Hauchen ist das Selbst eingerichtet; der Sitz des Verdauten ist unter dem Nabel, der des Unverdauten darüber (Part.Pass.)
nābhir madhye śarīrasya sarvaprāṇās tam āśritāḥ; sthitāḥ prāṇādayaḥ sarve tiryag ūrdhvam adhaścarāḥ
der Nabel in der Mitte des Körpers, alle Hauche auf ihn gestützt; die Prāṇa usw. bestehen alle, quer, aufwärts, abwärts gehend (Part.Pass./Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Text ist an mehreren Stellen knapp; sinngemäße Wiedergabe.

vahanty annarasān nāḍyo daśa prāṇapracoditāḥ; yoginām eṣa mārgas tu pañcasv eteṣu tiṣṭhati; jitaśramaḥ samāsīno mūrdhany ātmānam ādadhet; mūrdhany ātmānam ādhāya bhruvor madhye manas tathā; saṃnirudhya tataḥ prāṇān ātmānaṃ cintayet param; prāṇe tv apānaṃ yuñjīta prāṇāṃś cāpānakarmaṇi; prāṇāpānagatī ruddhvā prāṇāyāmaparo bhavet; evam antaḥ prayuñjīta pañca prāṇān parasparam; vijane saṃmitāhāro munis tūṣṇīṃ nirucchvasan; aśrāntaś cintayed yogam utthāya ca punaḥ punaḥ; tiṣṭhan gacchan svapan vāpi yuñjītaivam atandritaḥ; evaṃ niyuñjatas tasya yogino yuktacetasaḥ; prasīdati manaḥ kṣipraṃ prasanne dṛśyate paraḥ; vidhūma iva dīpto 'gnir āditya iva raśmimān

Zehn Adern, von den Lebenshauchen angetrieben, führen die Nahrungssäfte; der Weg der Yogins aber besteht in diesen fünf. Mit besiegter Müdigkeit sitzend, soll man das Selbst im Scheitel niederlegen; das Selbst im Scheitel niedergelegt, ebenso den Geist zwischen den Brauen, dann die Lebenshauche zurückhaltend, soll man das höchste Selbst bedenken. Man soll den Apāna mit dem Prāṇa verbinden und die Hauche im Wirken des Apāna; Gang von Prāṇa und Apāna angehalten, soll man dem Atemzügeln ergeben sein. So soll man im Inneren die fünf Hauche gegenseitig anwenden: an einsamem Ort, mäßig im Essen, als Weiser, schweigend, ohne auszuatmen; unermüdlich soll er das Yoga bedenken und immer wieder aufstehen. Stehend, gehend oder auch schlafend soll er so unermüdlich sich sammeln. Bei diesem so sich sammelnden Yogin, dessen Sinn gesammelt ist, wird der Geist rasch klar; ist er klar, wird der Höchste erblickt: wie ein rauchloses, lodernd brennendes Feuer, wie die strahlenreiche Sonne –

Wort für Wort
vahanty annarasān nāḍyo daśa prāṇapracoditāḥ; yoginām eṣa mārgas tu pañcasv eteṣu tiṣṭhati
zehn Adern, von den Hauchen angetrieben, führen Nahrungssäfte; der Weg der Yogins beruht in diesen fünf (3.Pl.Präs./Lok.)
jitaśramaḥ samāsīno mūrdhany ātmānam ādadhet; mūrdhany ātmānam ādhāya bhruvor madhye manas tathā
mit besiegter Müdigkeit sitzend, lege er das Selbst im Scheitel nieder; das Selbst im Scheitel gelegt und den Geist zwischen die Brauen (Opt.Med./Abs.)
saṃnirudhya tataḥ prāṇān ātmānaṃ cintayet param; prāṇe tv apānaṃ yuñjīta prāṇāṃś cāpānakarmaṇi
dann die Hauche angehalten, bedenke er das höchste Selbst; den Apāna verbinde er mit dem Prāṇa und die Hauche mit dem Apāna-Wirken (Abs./Opt.)
prāṇāpānagatī ruddhvā prāṇāyāmaparo bhavet; evam antaḥ prayuñjīta pañca prāṇān parasparam
Gang von Prāṇa und Apāna angehalten, sei er dem Atemzügeln ergeben; so wende er innen die fünf Hauche gegenseitig an (Abs./Opt.)
vijane saṃmitāhāro munis tūṣṇīṃ nirucchvasan; aśrāntaś cintayed yogam utthāya ca punaḥ punaḥ
an einsamem Ort, mäßig essend, der Weise, schweigend, ohne Ausatmen; unermüdlich bedenke er das Yoga und stehe wieder und wieder auf (Part./Opt.)
tiṣṭhan gacchan svapan vāpi yuñjītaivam atandritaḥ; evaṃ niyuñjatas tasya yogino yuktacetasaḥ
stehend, gehend oder schlafend sammle er sich so unermüdlich; bei diesem so sich Übenden, dem Yogin mit gesammeltem Geist (Part.Präs./Opt./Gen.)
prasīdati manaḥ kṣipraṃ prasanne dṛśyate paraḥ; vidhūma iva dīpto 'gnir āditya iva raśmimān
der Geist wird rasch klar; ist er klar, wird der Höchste gesehen: wie rauchlos lodernd das Feuer, wie die strahlenreiche Sonne (3.Sg.Präs./Lok.abs./3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Der Satz läuft in 362 weiter (vaidyuto 'gnir … dṛśyate puruṣo 'vyayaḥ).

vaidyuto 'gnir ivākāśe dṛśyate puruṣo 'vyayaḥ; dṛṣṭvā tad ātmāno jyotir aiśvaryāṣṭaguṇair yutam; prāpnoti paramaṃ sthānaṃ spṛhaṇīyaṃ surair api; imān yogasya doṣāṃś ca daśaiva paricakṣate; doṣair vighno varārohe yogināṃ kavibhiḥ smṛtaḥ; kāmaṃ krodhaṃ bhayaṃ svapnaṃ sneham atyaśanaṃ tathā; vaicityaṃ vyādhim ālasyaṃ lobhaṃ ca daśamaṃ smṛtam; etais teṣāṃ bhaved vighno daśabhir devakāritaiḥ; tasmād etān apāsyādau yuñjīta capalaṃ manaḥ; imān api guṇān aṣṭau yogasya paricakṣate; guṇais tair aṣṭabhir dravyam aiśvaryam adhigamyate; aṇimā mahimā caiva prāptiḥ prākāśyalāghave; īśitvaṃ ca vaśitvaṃ ca yatrakāmāvasāyitā; etān aṣṭau guṇān prāpya kathaṃ cid yogināṃ varāḥ

– wie ein Blitzfeuer am Himmel wird der unvergängliche Puruṣa gesehen. Hat man das Licht des Selbst gesehen, das mit den acht Eigenschaften der Herrschaft verbunden ist, so erlangt man den höchsten Ort, den selbst die Götter ersehnen. Zehn Fehler des Yoga, sagt man, [gibt es]; durch Fehler entsteht, du Schöne, für die Yogins ein Hindernis, so heißt es bei den Dichtern: Begierde, Zorn, Furcht, Schlaf, Zuneigung, ebenso Überessen, Unbeständigkeit, Krankheit, Trägheit und Gier als zehnte werden genannt. Durch diese zehn von den Göttern bewirkten [Fehler] entsteht ihnen das Hindernis; darum soll man diese zuerst beseitigen und den wankenden Geist sammeln. Auch diese acht Eigenschaften des Yoga nennt man: durch jene acht Eigenschaften erlangt man das Wesen der Herrschaft: Winzigkeit, Größe, Erreichen, Erscheinen und Leichtigkeit, Gebietermacht und Bezwingungskraft und das Erreichen alles Gewünschten. Diese acht Eigenschaften erlangt, irgendwie, [werden] die besten der Yogins –

Wort für Wort
vaidyuto 'gnir ivākāśe dṛśyate puruṣo 'vyayaḥ; dṛṣṭvā tad ātmāno jyotir aiśvaryāṣṭaguṇair yutam
wie Blitzfeuer am Himmel wird der unvergängliche Puruṣa gesehen; das Licht des Selbst gesehen, mit den acht Eigenschaften der Herrschaft verbunden (3.Sg.Pass./Abs.)
prāpnoti paramaṃ sthānaṃ spṛhaṇīyaṃ surair api; imān yogasya doṣāṃś ca daśaiva paricakṣate
er erlangt den höchsten Ort, auch von Göttern ersehnt; diese zehn Fehler des Yoga, sagt man (3.Sg.Präs./3.Pl.Präs.)
doṣair vighno varārohe yogināṃ kavibhiḥ smṛtaḥ; kāmaṃ krodhaṃ bhayaṃ svapnaṃ sneham atyaśanaṃ tathā
durch Fehler entsteht ein Hindernis, Schöne, für die Yogins, so gilt bei den Dichtern; Begierde, Zorn, Furcht, Schlaf, Zuneigung, Überessen (Instr./Part.Pass./Akk.)
vaicityaṃ vyādhim ālasyaṃ lobhaṃ ca daśamaṃ smṛtam; etais teṣāṃ bhaved vighno daśabhir devakāritaiḥ
Unbeständigkeit, Krankheit, Trägheit und Gier als zehnte werden genannt; durch diese zehn, von Göttern bewirkt, entsteht ihnen das Hindernis (Part.Pass./Opt.)
tasmād etān apāsyādau yuñjīta capalaṃ manaḥ; imān api guṇān aṣṭau yogasya paricakṣate
darum diese zuerst beseitigt, sammle er den wankenden Geist; auch diese acht Eigenschaften des Yoga nennt man (Abs./Opt./3.Pl.Präs.)
guṇais tair aṣṭabhir dravyam aiśvaryam adhigamyate; aṇimā mahimā caiva prāptiḥ prākāśyalāghave
durch jene acht Eigenschaften wird das Wesen der Herrschaft erlangt; Winzigkeit, Größe, Erreichen, Erscheinen, Leichtigkeit (3.Sg.Pass./Nom.)
īśitvaṃ ca vaśitvaṃ ca yatrakāmāvasāyitā; etān aṣṭau guṇān prāpya kathaṃ cid yogināṃ varāḥ
Gebietermacht, Bezwingungskraft und das Erreichen des Gewünschten; diese acht Eigenschaften erlangt, irgendwie, die besten der Yogins (Nom./Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. dravyam aiśvaryam: in der Deutung unsicher (‚Wesen der Herrschaft‘). Der Satz läuft in 363 weiter.

īśāḥ sarvasya lokasya devān apy atiśerate; yogo 'sti naivātyaśino na caikāntam anaśnataḥ; na cātisvapnaśīlasya nātijāgaratas tathā; yuktāhāravihārasya yuktaceṣṭasya karmasu; yuktasvapnāvabodhasya yogo bhavati duḥkhahā; anenaiva vidhānena sāyujye 'pi prakalpate; sāyujyaṃ devasātkṛtya prayuñjītātmabhaktitaḥ; ananyamanasā devi nityaṃ tadgatacetasā; sāyujyaṃ prāpyate devair yatnena mahatā cirāt; havibhir arcanair homaiḥ praṇāmair nityacintayā; arcayitvā yathāśakti svakaṃ devaṃ viśanti te; sāyujyānāṃ viśiṣṭe dve māmakaṃ vaiṣṇavaṃ tathā; māṃ prāpya na nivartante viṣṇuṃ vā śubhalocane; iti te kathito devi yogadharmaḥ sanātanaḥ; umā; na śakyaṃ praṣṭum apy anyair yogadharmas tvayā vinā

– [sie] sind Herren der ganzen Welt und übertreffen sogar die Götter. Yoga gibt es nicht für den, der zu viel isst, noch für den, der gar nicht isst; nicht für den, der zu viel schläft, ebenso nicht für den, der zu viel wacht. Für den, dessen Essen und Wandeln gemessen ist, dessen Tun in den Werken gemessen ist, dessen Schlafen und Erwachen gemessen ist, wird Yoga zum Leidvertreiber. Nach eben dieser Vorschrift geht man auch zur Vereinigung [mit dem Gott] über. Die Vereinigung, dem Gott zugeeignet, soll man aus Hingabe an das Selbst üben, mit ungeteiltem Geist, Göttin, stets, mit darauf gerichtetem Sinn. Vereinigung wird von den Göttern mit großer Mühe erst nach langer Zeit erlangt; durch Opfergaben, Verehrungen, Feueropfer, Verneigungen, ständiges Nachdenken – haben sie [den Gott] nach Kräften verehrt, so gehen sie in den eigenen Gott ein. Von den Vereinigungen sind zwei ausgezeichnet: die meine und die des Viṣṇu. Wer mich oder Viṣṇu erlangt, kehrt nicht zurück, Schönäugige. So ist dir, Göttin, das ewige Yoga-Dharma verkündet. Umā [sprach]: Ohne dich kann man auch andere nicht nach dem Yoga-Dharma fragen –

Wort für Wort
īśāḥ sarvasya lokasya devān apy atiśerate; yogo 'sti naivātyaśino na caikāntam anaśnataḥ
Herren der ganzen Welt, übertreffen selbst die Götter; Yoga gibt es nicht für den Überessenden noch für den gänzlich Nichtessenden (Nom.Pl./3.Pl.Präs./Gen.)
na cātisvapnaśīlasya nātijāgaratas tathā; yuktāhāravihārasya yuktaceṣṭasya karmasu
nicht für den zum Überschlafen Geneigten, ebenso nicht für den Überwachenden; für den, dessen Essen und Wandel gemessen ist, dessen Tun in den Werken gemessen ist (Gen.)
yuktasvapnāvabodhasya yogo bhavati duḥkhahā; anenaiva vidhānena sāyujye 'pi prakalpate
für den mit gemessenem Schlafen und Wachen wird Yoga zum Leidvertreiber; nach eben dieser Vorschrift geht er auch in die Vereinigung über (Nom./3.Sg.Präs.Med.)
sāyujyaṃ devasātkṛtya prayuñjītātmabhaktitaḥ; ananyamanasā devi nityaṃ tadgatacetasā
die Vereinigung, dem Gott zugeeignet, übe man aus Hingabe an das Selbst; mit ungeteiltem Geist, Göttin, stets, mit darauf gerichtetem Sinn (Abs./Opt./Instr.)
sāyujyaṃ prāpyate devair yatnena mahatā cirāt; havibhir arcanair homaiḥ praṇāmair nityacintayā
Vereinigung wird von den Göttern mit großer Mühe nach langer Zeit erlangt; durch Opfergaben, Verehrungen, Feueropfer, Verneigungen, ständiges Denken (3.Sg.Pass./Instr.)
arcayitvā yathāśakti svakaṃ devaṃ viśanti te; sāyujyānāṃ viśiṣṭe dve māmakaṃ vaiṣṇavaṃ tathā
haben sie nach Kräften den eigenen Gott verehrt, gehen sie [in ihn] ein; von den Vereinigungen sind zwei ausgezeichnet: die meine und die viṣṇuitische (Abs./3.Pl.Präs.)
māṃ prāpya na nivartante viṣṇuṃ vā śubhalocane; iti te kathito devi yogadharmaḥ sanātanaḥ; umā
mich oder Viṣṇu erlangt, kehren sie nicht zurück, Schönäugige; so ist dir das ewige Yoga-Dharma gesagt; Umā [spricht] (Abs./Vok.)
na śakyaṃ praṣṭum apy anyair yogadharmas tvayā vinā
nicht kann man ohne dich auch andere nach dem Yoga-Dharma fragen (Inf./Gerundiv)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. na śakyaṃ praṣṭum apy anyair: der Anschluss an 364 ist syntaktisch unklar; sinngemäß wiedergegeben. Sprecherangabe „umā“ mitten in der Einheit.

triyakṣa tridaśaśreṣṭha tryambaka tridaśādhipa; tripurāntaka kāmāṅgahara tripathagādhara; dakṣayajñapramathana śūlapāṇe 'risūdana; namas te lokapāleśa lokapāla varaprada; naikaśākham aparyantam adhyātmajñānam uttamam; apratarkyam anirdeśyaṃ sāṃkhyayogasamanvitam; bhavatā parituṣṭena śṛṇvantyā mama bhāṣitam; idānīṃ śrotum icchāmi sāyujyaṃ tvadgataṃ vibho; kathaṃ paricaranty ete bhaktās tvāṃ parameṣṭhinam; ācāraḥ kīdṛśas teṣāṃ kena tuṣṭo bhaved bhavān; maheśvaraḥ; varṇyamānaṃ tvayā sākṣāt prīṇayaty adhikaṃ hi mām; hanta te kathayiṣyāmi mama sāyujyam adbhutam; yena tena nivartante yuktāḥ paramayoginaḥ; avyakto 'ham acintyo 'haṃ pūrvair api maharṣibhiḥ

Dreiäugiger, Bester der Dreiunddreißig [Götter], Tryambaka, Herr der Dreiunddreißig, Vernichter der Tripura, Zerstörer der Glieder des Kāma, Träger der Gaṅgā mit ihren drei Wegen; Zerschmetterer des Dakṣa-Opfers, Speerträger, Feindetöter: Verehrung dir, Herr der Weltwächter, Weltwächter, Gabenspender. Das vielästige, endlose, höchste Wissen vom Selbst, undenkbar, unbestimmbar, mit Sāṃkhya und Yoga verbunden – du bist mit meiner Rede, die ich [dir] zuhörte, zufrieden. Nun möchte ich von der dir zugehörigen Vereinigung hören, Herr: Wie verehren diese Anhänger dich, den Höchsten Herrn? Wie ist ihr Wandel, wodurch wärst du zufrieden? Maheśvara [sprach]: Von dir persönlich beschrieben, erfreut es mich noch mehr. Wohlan, ich werde dir meine wunderbare Vereinigung sagen, durch die die vollendeten höchsten Yogins nicht zurückkehren. Ich bin unmanifest, ich bin undenkbar, auch für frühere große Seher –

Wort für Wort
triyakṣa tridaśaśreṣṭha tryambaka tridaśādhipa
Dreiäugiger, Bester der Dreiunddreißig, Tryambaka, Herr der Dreiunddreißig (Vok.)
tripurāntaka kāmāṅgahara tripathagādhara; dakṣayajñapramathana śūlapāṇe 'risūdana
Vernichter der drei Burgen, Zerstörer von Kāmas Leib, Träger der dreiwegigen [Gaṅgā]; Zerschmetterer des Dakṣa-Opfers, Speerträger, Feindtöter (Vok.)
namas te lokapāleśa lokapāla varaprada; naikaśākham aparyantam adhyātmajñānam uttamam
Verehrung dir, Herr der Weltwächter, Weltwächter, Gabenspender; das vielästige, endlose, höchste Wissen vom Selbst (Vok./Akk.)
apratarkyam anirdeśyaṃ sāṃkhyayogasamanvitam; bhavatā parituṣṭena śṛṇvantyā mama bhāṣitam
unerschließbar, unbestimmbar, mit Sāṃkhya und Yoga verbunden; von dir, dem Zufriedenen, meine gehörte Rede (Instr./Gen.Part.f.)
idānīṃ śrotum icchāmi sāyujyaṃ tvadgataṃ vibho; kathaṃ paricaranty ete bhaktās tvāṃ parameṣṭhinam
jetzt will ich die zu dir gehörige Vereinigung hören, Herr; wie dienen diese Anhänger dir, dem Höchsten (Inf./3.Pl.Präs.)
ācāraḥ kīdṛśas teṣāṃ kena tuṣṭo bhaved bhavān; maheśvaraḥ
wie ist ihr Wandel, wodurch wärest du zufrieden; Maheśvara [spricht] (Opt.)
varṇyamānaṃ tvayā sākṣāt prīṇayaty adhikaṃ hi mām; hanta te kathayiṣyāmi mama sāyujyam adbhutam
von dir selbst beschrieben, erfreut es mich noch mehr; wohlan, ich werde dir meine wunderbare Vereinigung sagen (Part.Pass./1.Sg.Fut.)
yena tena nivartante yuktāḥ paramayoginaḥ; avyakto 'ham acintyo 'haṃ pūrvair api maharṣibhiḥ
durch die die gesammelten höchsten Yogins nicht zurückkehren; ich bin unmanifest, ich bin undenkbar, selbst für frühere große Seher (3.Pl.Präs./Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. Die Zeile ‚apratarkyam … mama bhāṣitam‘ ist syntaktisch schwierig; die Wiedergabe ‚du bist … zufrieden‘ ergänzt das Prädikat sinngemäß [?]. yena tena nivartante: das Verhältnis der Relativpronomina ist unsicher.

sāṃkhyayogau mayā sṛṣṭau sarvaṃ cāpi carācaram; arcanīyo 'ham īśo 'ham avyayo 'haṃ sanātanaḥ; ahaṃ prasanno bhaktānāṃ dadāmy amaratām api; na māṃ viduḥ suragaṇā munayaś ca tapodhanāḥ; tvatpriyārtham ahaṃ devi madvibhūtiṃ bravīmi te; āśramebhyaś caturbhyo 'haṃ caturo brāhmaṇāñ śubhe; madbhaktān nirmalān puṇyān samānīya tapasvinaḥ; vyācakhye 'haṃ tadā devi yogaṃ pāśupataṃ mahat; gṛhītaṃ tac ca taiḥ sarvaṃ mukhāc ca mama dakṣiṇāt; śrutvā ca triṣu lokeṣu sthāpitaṃ cāpi taiḥ punaḥ; idānīṃ ca tvayā pṛṣṭas tvatpriyārtham anindite; tat sarvaṃ kathayiṣyāmi tat tvam ekamanāḥ śṛṇu; ahaṃ paśupatir nāma madbhaktā ye ca mānavāḥ; sarve pāśupatā jñeyā bhasmadigdhatanūruhāḥ

Sāṃkhya und Yoga sind von mir erschaffen, und auch alles Bewegliche und Unbewegliche. Ich bin der Verehrungswürdige, ich bin der Herr, ich bin der Unvergängliche, der Ewige. Ich, den Anhängern gnädig, gebe sogar Unsterblichkeit. Die Scharen der Götter kennen mich nicht, auch nicht die Weisen, deren Reichtum die Askese ist. Um dir Liebes zu tun, Göttin, sage ich dir meine Macht [vibhūti]. Aus den vier Lebensstufen, Heilvolle, habe ich vier Brahmanen, meine reinen, verdienstvollen Anhänger, Asketen, zusammengeführt; da, Göttin, habe ich [ihnen] das große Pāśupata-Yoga erklärt. Das haben sie alles empfangen, aus meinem rechten Mund, und, es gehört habend, haben sie es in den drei Welten wieder verbreitet. Und jetzt, da du mich gefragt hast, Untadelige, will ich dir Liebes zu tun das alles sagen; höre es mit einmütigem Sinn. Ich heiße Paśupati; und die Menschen, die meine Anhänger sind, alle sind als Pāśupatas zu erkennen, mit Asche eingeriebenen Körperhaaren.

Wort für Wort
sāṃkhyayogau mayā sṛṣṭau sarvaṃ cāpi carācaram
Sāṃkhya und Yoga sind von mir erschaffen, und auch alles Bewegliche und Unbewegliche (Part.Pass.)
arcanīyo 'ham īśo 'ham avyayo 'haṃ sanātanaḥ; ahaṃ prasanno bhaktānāṃ dadāmy amaratām api
ich bin der zu Verehrende, ich der Herr, ich der Unvergängliche, Ewige; ich, den Anhängern gnädig, gebe sogar Unsterblichkeit (Gerundiv/1.Sg.Präs.)
na māṃ viduḥ suragaṇā munayaś ca tapodhanāḥ; tvatpriyārtham ahaṃ devi madvibhūtiṃ bravīmi te
mich kennen nicht die Götterscharen und die Weisen, deren Reichtum Askese ist; dir zuliebe, Göttin, nenne ich dir meine Macht (3.Pl.Perf./1.Sg.Präs.)
āśramebhyaś caturbhyo 'haṃ caturo brāhmaṇāñ śubhe; madbhaktān nirmalān puṇyān samānīya tapasvinaḥ
aus den vier Lebensstufen habe ich, Heilvolle, vier Brahmanen zusammengeführt, meine reinen, verdienstvollen Anhänger, Asketen (Abl./Abs.)
vyācakhye 'haṃ tadā devi yogaṃ pāśupataṃ mahat; gṛhītaṃ tac ca taiḥ sarvaṃ mukhāc ca mama dakṣiṇāt
da erklärte ich, Göttin, das große Pāśupata-Yoga; dies alles wurde von ihnen empfangen, aus meinem rechten Mund (1.Sg.Perf.Med./Part.Pass.)
śrutvā ca triṣu lokeṣu sthāpitaṃ cāpi taiḥ punaḥ; idānīṃ ca tvayā pṛṣṭas tvatpriyārtham anindite
es gehört habend, wurde es von ihnen in den drei Welten wieder verbreitet; jetzt, von dir gefragt, dir zuliebe, Untadelige (Abs./Part.Pass./Vok.)
tat sarvaṃ kathayiṣyāmi tat tvam ekamanāḥ śṛṇu; ahaṃ paśupatir nāma madbhaktā ye ca mānavāḥ
das alles werde ich sagen, höre es einmütig; ich heiße Paśupati, und die Menschen, die meine Anhänger sind (1.Sg.Fut./Imp.)
sarve pāśupatā jñeyā bhasmadigdhatanūruhāḥ
alle sind als Pāśupatas zu erkennen, mit Asche bestrichenen Körperhaaren (Gerundiv/Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. samānīya tapasvinaḥ: Der Anschluss ist knapp; ‚Asketen‘ bezieht sich auf die Brahmanen.

rakṣārthaṃ maṅgalārthaṃ ca pavitrārthaṃ ca bhāmini; liṅgārthaṃ caiva bhaktānāṃ bhasma dattaṃ mayā purā; tena saṃdigdhasarvāṅgā bhasmanā brahmacāriṇaḥ; jaṭilā muṇḍitā vāpi nānākṛtaśikhaṇḍinaḥ; vikṛtāḥ piṅgalābhāś ca nagnā nānāprahāriṇaḥ; bhaikṣaṃ carantaḥ sarvatra niḥspṛhā niṣparigrahāḥ; kapālahastā madbhaktā manniveśitabuddhayaḥ; caranto nikhilaṃ lokaṃ mama harṣavivardhanāḥ; mama pāśupataṃ divyaṃ yogaśāstram anuttamam; sūkṣmaṃ sarveṣu lokeṣu vimṛśantaś caranti te; evaṃ nityābhiyuktānāṃ madbhaktānāṃ tapasvinām; upāyaṃ cintayāmy āśu yena mām upayānti te; sthāpitaṃ triṣu lokeṣu śivaliṅgaṃ mayā priye; namaskāreṇa vā tasya mucyate sarvakilbiṣaiḥ

Zum Schutz, zum Heil und zur Reinigung, Schöne, und als Erkennungszeichen der Anhänger habe ich vormals die Asche gegeben. Damit sind sie an allen Gliedern mit Asche bestrichen, die Brahmacārins, mit Filzhaar oder auch geschoren, mit mancherlei Haarschöpfen, ungestaltet und rötlich-gelb schimmernd, nackt, mit mancherlei Waffen schlagend; sie ziehen überall bettelnd umher, ohne Verlangen, ohne Besitz, die Schädelschale in der Hand, meine Anhänger, ihren Sinn auf mich gerichtet; sie durchziehen die ganze Welt und mehren meine Freude. Mein göttliches Pāśupata-Yoga-Lehrwerk, das unübertreffliche, feine, erwägend, ziehen sie in allen Welten umher. Für so ständig Bemühte, meine Anhänger, die Asketen, denke ich alsbald einen Weg aus, durch den sie zu mir gelangen. In den drei Welten ist von mir, Liebe, das Śiva-Liṅga aufgestellt; oder durch Verneigung vor ihm wird man von allen Sünden befreit.

Wort für Wort
rakṣārthaṃ maṅgalārthaṃ ca pavitrārthaṃ ca bhāmini; liṅgārthaṃ caiva bhaktānāṃ bhasma dattaṃ mayā purā
zum Schutz, Heil, zur Reinigung, Schöne, und als Erkennungszeichen der Anhänger ist Asche von mir vormals gegeben (Part.Pass.)
tena saṃdigdhasarvāṅgā bhasmanā brahmacāriṇaḥ; jaṭilā muṇḍitā vāpi nānākṛtaśikhaṇḍinaḥ
damit, an allen Gliedern mit Asche bestrichen, die Brahmacārins; filzhaarig oder geschoren, mit mancherlei Haarschöpfen (Nom.Pl.)
vikṛtāḥ piṅgalābhāś ca nagnā nānāprahāriṇaḥ; bhaikṣaṃ carantaḥ sarvatra niḥspṛhā niṣparigrahāḥ
entstellt, rötlich-gelb schimmernd, nackt, mit mancherlei Waffen schlagend; überall Almosen suchend, wunschlos, besitzlos (Part.Präs.)
kapālahastā madbhaktā manniveśitabuddhayaḥ; caranto nikhilaṃ lokaṃ mama harṣavivardhanāḥ
die Schädelschale in der Hand, meine Anhänger, mit auf mich gerichtetem Sinn; die ganze Welt durchziehend, meine Freude mehrend (Nom.Pl.)
mama pāśupataṃ divyaṃ yogaśāstram anuttamam; sūkṣmaṃ sarveṣu lokeṣu vimṛśantaś caranti te
mein göttliches Pāśupata-Yoga-Lehrwerk, das unübertreffliche, feine, in allen Welten erwägend ziehen sie umher (Part.Präs./3.Pl.Präs.)
evaṃ nityābhiyuktānāṃ madbhaktānāṃ tapasvinām; upāyaṃ cintayāmy āśu yena mām upayānti te
für so ständig Bemühte, meine Anhänger, Asketen, denke ich alsbald einen Weg aus, durch den sie zu mir gelangen (Gen.Pl./1.Sg.Präs.)
sthāpitaṃ triṣu lokeṣu śivaliṅgaṃ mayā priye; namaskāreṇa vā tasya mucyate sarvakilbiṣaiḥ
in den drei Welten ist von mir das Śiva-Liṅga aufgestellt, Liebe; durch Verneigung vor ihm wird man von allen Sünden befreit (Part.Pass./3.Sg.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. vikṛtāḥ piṅgalābhāḥ: Wiedergabe unsicher [?].

iṣṭaṃ dattam adhītaṃ ca yajñāś ca sahadakṣiṇāḥ; śivaliṅgapraṇāmasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm; arcayā śivaliṅgasya parituṣyāmy ahaṃ priye; śivaliṅgārcanāyāṃ tu vidhānam api me śṛṇu; gokṣīranavanītābhyām arcayed yaḥ śivaṃ mama; iṣṭasya hayamedhasya yat phalaṃ tasya tad bhavet; ghṛtamaṇḍena yo nityam arcayed dhi śivaṃ mama; sa phalaṃ prāpnuyān martyo brāhmaṇasyāgnihotriṇaḥ; kevalenāpi toyena snāpayed yaḥ śivaṃ mama; sa cāpi labhate puṇyaṃ matpriyaś ca bhaven naraḥ; saghṛtaṃ gugguluṃ samyag dhūpayed yaḥ śivāntike; gosavasya tu yajñasya yat phalaṃ tasya tad bhavet; yas tu guggulupiṇḍena kevalenāpi dhūpayet; tasya rukmapradānasya yat phalaṃ tasya tad bhavet

Das Geopferte, das Gegebene und das Studierte, und Opfer mit Opfergaben an die Priester, verdienen nicht den sechzehnten Teil der Verneigung vor dem Śiva-Liṅga. Durch die Verehrung des Śiva-Liṅga werde ich zufrieden, Liebe. Höre auch von mir die Vorschrift für die Verehrung des Śiva-Liṅga: Wer meinen Śiva mit Kuhmilch und frischer Butter verehrt, dem wird die Frucht eines gewollten Rossopfers zuteil. Wer meinen Śiva stets mit Butterschmalz-Rahm verehrt, ein solcher Sterblicher erlangt die Frucht [des Tuns] eines Brahmanen, der das Agnihotra hält. Wer meinen Śiva selbst nur mit Wasser badet, auch der erlangt Verdienst und wird mein Liebling. Wer in Śivas Nähe Guggulu-Harz mit Butterschmalz recht räuchert, dem wird die Frucht des Gosava-Opfers zuteil. Wer aber nur mit einem Klumpen Guggulu räuchert, dem wird die Frucht einer Goldgabe zuteil.

Wort für Wort
iṣṭaṃ dattam adhītaṃ ca yajñāś ca sahadakṣiṇāḥ
das Geopferte, Gegebene, Studierte und Opfer mit Priestergaben (Part.Pass./Nom.Pl.)
śivaliṅgapraṇāmasya kalāṃ nārhanti ṣoḍaśīm; arcayā śivaliṅgasya parituṣyāmy ahaṃ priye
sie verdienen nicht den sechzehnten Teil der Verneigung vor dem Śiva-Liṅga; durch Verehrung des Śiva-Liṅga werde ich zufrieden, Liebe (3.Pl.Präs./1.Sg.Präs.)
śivaliṅgārcanāyāṃ tu vidhānam api me śṛṇu; gokṣīranavanītābhyām arcayed yaḥ śivaṃ mama
bei der Verehrung des Śiva-Liṅga höre auch von mir die Vorschrift; wer meinen Śiva mit Kuhmilch und frischer Butter verehrt (Imp./Opt.)
iṣṭasya hayamedhasya yat phalaṃ tasya tad bhavet; ghṛtamaṇḍena yo nityam arcayed dhi śivaṃ mama
was die Frucht eines vollzogenen Rossopfers ist, das wird ihm zuteil; wer stets mit Ghee-Rahm meinen Śiva verehrt (Opt.)
sa phalaṃ prāpnuyān martyo brāhmaṇasyāgnihotriṇaḥ; kevalenāpi toyena snāpayed yaḥ śivaṃ mama
der Sterbliche erlangt die Frucht eines Agnihotra haltenden Brahmanen; wer meinen Śiva nur mit Wasser badet (Opt.Kaus.)
sa cāpi labhate puṇyaṃ matpriyaś ca bhaven naraḥ; saghṛtaṃ gugguluṃ samyag dhūpayed yaḥ śivāntike
auch er erlangt Verdienst und der Mann wird mir lieb; wer Guggulu mit Butterschmalz recht räuchert in Śivas Nähe (3.Sg.Präs./Opt.)
gosavasya tu yajñasya yat phalaṃ tasya tad bhavet; yas tu guggulupiṇḍena kevalenāpi dhūpayet; tasya rukmapradānasya yat phalaṃ tasya tad bhavet
was die Frucht des Gosava-Opfers ist, wird ihm zuteil; wer aber schon mit einem bloßen Guggulu-Klumpen räuchert, dem wird die Frucht einer Goldgabe zuteil (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. iṣṭasya hayamedhasya: ‚vollzogenes Rossopfer‘. brāhmaṇasyāgnihotriṇaḥ: sinngemäß ‚Frucht des Agnihotrin-Brahmanen‘, Deutung knapp [?].

yas tu nānāvidhaiḥ puṣpair mama liṅgaṃ samarcayet; sa hi dhenusahasrasya dattasya phalam āpnuyāt; yas tu deśāntaraṃ gatvā śivaliṅgaṃ samarcayet; tasmāt sarvamanuṣyeṣu nāsti me priyakṛttamaḥ; evaṃ nānāvidhair dravyaiḥ śivaliṅgaṃ samarcayet; matprasādān manuṣyeṣu na punar jāyate naraḥ; arcanābhir namaskārair upahāraiḥ stavair api; bhakto mām arcayen nityaṃ śivaliṅgeṣv atandritaḥ; palāśabilvapatrāṇi rājavṛkṣasrajas tathā; arkapuṣpāṇi medhyāni matpriyāṇi viśeṣataḥ; phalaṃ vā yadi vā śākaṃ puṣpaṃ vā yadi vā jalam; dattaṃ saṃprīṇayed devi bhaktair madgatamānasaiḥ; mamābhiparituṣṭasya nāsti loke sudurlabham; tasmāt te satataṃ bhaktā mām evābhyarcayanty uta

Wer mein Liṅga mit mancherlei Blumen verehrt, erlangt wahrlich die Frucht von tausend geschenkten Kühen. Wer aber in ein anderes Land geht und das Śiva-Liṅga verehrt, als den gibt es unter allen Menschen keinen, der mir mehr Liebes täte. So soll man das Śiva-Liṅga mit mancherlei Dingen verehren; durch meine Gnade wird ein Mensch unter Menschen nicht wieder geboren. Mit Verehrungen, Verneigungen, Darbringungen und auch mit Lobgesängen soll der Anhänger mich stets verehren, unermüdlich, an den Śiva-Liṅgas. Palāśa- und Bilva-Blätter, Girlanden vom Königsbaum, Arka-Blüten, rein, mir besonders lieb; oder eine Frucht oder Gemüse oder eine Blume oder Wasser: was von Anhängern, deren Sinn auf mich gerichtet ist, gegeben wird, erfreut, Göttin. Für mich, den völlig Zufriedenen, gibt es in der Welt nichts sehr schwer Erreichbares; darum verehren mich jene Anhänger stets, gerade mich.

Wort für Wort
yas tu nānāvidhaiḥ puṣpair mama liṅgaṃ samarcayet; sa hi dhenusahasrasya dattasya phalam āpnuyāt
wer aber mit mancherlei Blumen mein Liṅga verehrt, erlangt wahrlich die Frucht von tausend geschenkten Kühen (Opt.)
yas tu deśāntaraṃ gatvā śivaliṅgaṃ samarcayet; tasmāt sarvamanuṣyeṣu nāsti me priyakṛttamaḥ
wer aber in ein anderes Land gegangen das Śiva-Liṅga verehrt, als den gibt es unter allen Menschen keinen, der mir mehr Liebes tut (Abs./Opt.)
evaṃ nānāvidhair dravyaiḥ śivaliṅgaṃ samarcayet; matprasādān manuṣyeṣu na punar jāyate naraḥ
so verehre man das Śiva-Liṅga mit mancherlei Dingen; durch meine Gnade wird der Mann unter Menschen nicht wieder geboren (Opt./3.Sg.Pass.)
arcanābhir namaskārair upahāraiḥ stavair api; bhakto mām arcayen nityaṃ śivaliṅgeṣv atandritaḥ
mit Verehrungen, Verneigungen, Darbringungen, Lobgesängen soll der Anhänger mich stets an den Śiva-Liṅgas unermüdlich verehren (Instr./Opt.)
palāśabilvapatrāṇi rājavṛkṣasrajas tathā; arkapuṣpāṇi medhyāni matpriyāṇi viśeṣataḥ
Palāśa- und Bilva-Blätter, Girlanden vom Königsbaum, Arka-Blüten, rein, mir besonders lieb (Nom.Pl.n.)
phalaṃ vā yadi vā śākaṃ puṣpaṃ vā yadi vā jalam; dattaṃ saṃprīṇayed devi bhaktair madgatamānasaiḥ
sei es Frucht oder Gemüse, Blume oder Wasser, das Gegebene erfreut, Göttin, von Anhängern mit auf mich gerichtetem Sinn (Part.Pass./Opt.Kaus.)
mamābhiparituṣṭasya nāsti loke sudurlabham; tasmāt te satataṃ bhaktā mām evābhyarcayanty uta
für mich, den völlig Zufriedenen, gibt es in der Welt nichts sehr schwer Erreichbares; darum verehren jene Anhänger stets nur mich (Gen.Part./3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

madbhaktā na vinaśyanti madbhaktā vītakalmaṣāḥ; madbhaktāḥ sarvalokeṣu pūjanīyā viśeṣataḥ; maddveṣiṇaś ca ye martyā madbhaktadveṣiṇas tathā; yānti te narakaṃ kṣipram iṣṭvā kratuśatair api; etat te sarvam ākhyātaṃ yogaṃ pāśupataṃ mama; madbhaktair manujair devi śrāvyam etad dine dine; śṛṇuyād yaḥ paṭhed vāpi mamaitaṃ dharmaniścayam; nāradaḥ; svargaṃ kīrtiṃ dhanaṃ dhānyaṃ labheta sa narottamaḥ; evam uktvā mahādevaḥ śrotukāmaḥ svayaṃ prabhuḥ; maheśvaraḥ; anukūlāṃ priyāṃ bhāryāṃ pārśvasthāṃ samabhāṣata; parāvarajñe dharmāṇāṃ tapovananivāsinām; dīkṣādamaśamopete satataṃ vratacāriṇi; pṛcchāmi tvā varārohe pṛṣṭā vada mamepsitam; sāvitrī brahmaṇaḥ patnī kauśikasya śacī śubhā

Meine Verehrer gehen nicht zugrunde, meine Verehrer sind frei von Makel; meine Verehrer sind in allen Welten besonders zu ehren. Und jene Sterblichen, die mich hassen und ebenso die, die meine Verehrer hassen, gehen rasch in die Hölle, auch wenn sie hundert Opfer dargebracht haben. Dies alles ist dir, Göttin, über meinen Yoga des Pāśupata verkündet; von Menschen, die mir ergeben sind, ist dies Tag für Tag zu rezitieren. Wer diese meine Klärung des Dharma hört oder auch liest – Nārada [sprach:] – der beste der Männer erlangt Himmel, Ruhm, Reichtum und Getreide. Nachdem er so gesprochen hatte, sprach der Herr Mahādeva, selbst begierig zu hören – Maheśvara [sprach:] – zu seiner ergebenen, geliebten Gattin, die an seiner Seite saß: „Du, die du das Höhere und Niedere der Pflichten kennst und im Askesewald wohnst, du, die du beständig Weihe, Selbstbezähmung und Ruhe besitzt und Gelübde übst, ich frage dich, Schönhüftige; befragt, sage mir, was ich wünsche. Sāvitrī, die Gattin Brahmās, Śacī, die glänzende [Gattin] Kauśikas [Indras],

Wort für Wort
madbhaktā na vinaśyanti madbhaktā vītakalmaṣāḥ
meine Verehrer gehen nicht zugrunde, meine Verehrer sind makellos (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
madbhaktāḥ sarvalokeṣu pūjanīyā viśeṣataḥ
meine Verehrer sind in allen Welten besonders zu ehren (Lok.Pl.; Gerundiv)
maddveṣiṇaś ca ye martyā madbhaktadveṣiṇas tathā
und die Sterblichen, die mich hassen, ebenso die Hasser meiner Verehrer (Nom.Pl.)
yānti te narakaṃ kṣipram iṣṭvā kratuśatair api
sie gehen rasch in die Hölle, auch nach Opfern mit hundert Riten (3.Pl.Präs./Akk.; Abs.; Instr.Pl.)
etat te sarvam ākhyātaṃ yogaṃ pāśupataṃ mama
dies alles ist dir verkündet, meinen Pāśupata-Yoga (Part.Pass./Akk.)
madbhaktair manujair devi śrāvyam etad dine dine
von mir ergebenen Menschen, Göttin, ist dies Tag für Tag vorzutragen (Instr.Pl.; Vok.; Gerundiv)
śṛṇuyād yaḥ paṭhed vāpi mamaitaṃ dharmaniścayam
wer diese meine Dharma-Entscheidung hören oder lesen möge (Opt.)
nāradaḥ svargaṃ kīrtiṃ dhanaṃ dhānyaṃ labheta sa narottamaḥ
Nārada [spricht]: Himmel, Ruhm, Reichtum, Getreide erlange dieser beste Mann (Opt.)
evam uktvā mahādevaḥ śrotukāmaḥ svayaṃ prabhuḥ maheśvaraḥ
so gesprochen habend, Mahādeva, selbst hörbegierig, der Herr, Maheśvara (Abs.; Nom.)
anukūlāṃ priyāṃ bhāryāṃ pārśvasthāṃ samabhāṣata
zur ergebenen, geliebten Gattin, neben ihm stehend, sprach er (Akk.; Impf.Med.)
parāvarajñe dharmāṇāṃ tapovananivāsinām
du Kennerin des Höheren und Niedrigeren der Pflichten [und] der Bewohner des Askesewaldes (Vok.; Gen.Pl.)
dīkṣādamaśamopete satataṃ vratacāriṇi
du mit Weihe, Selbstzucht, Ruhe Begabte, stets Gelübde Übende (Vok.)
pṛcchāmi tvā varārohe pṛṣṭā vada mamepsitam
ich frage dich, Schönhüftige; befragt, sage mein Gewünschtes (1.Sg.Präs.; Vok.; Imp.)
sāvitrī brahmaṇaḥ patnī kauśikasya śacī śubhā
Sāvitrī, Brahmās Gattin, die glänzende Śacī, Kauśikas [Gattin] (Nom.; Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

lakṣmīr viṣṇoḥ priyatamā dhṛtir bhāryā yamasya tu; mārkaṇḍeyasya dhūmorṇā ṛddhir vaiśravaṇasya tu; varuṇasya tathā gaurī savituś ca suvarcalā; rohiṇī śaśino bhāryā svāhā vahner aninditā; kaśyapasyāditiś caiva vasiṣṭhasyāpy arundhatī; etāś cānyāś ca devyas tu sarvās tāḥ patidevatāḥ; śrūyante lokavikhyātās tvayā caiva sahoṣitāḥ; tābhiś ca pūjitā sā tvam anuvṛttyānubhāṣaṇaiḥ; tasmāt tvāṃ paripṛcchāmi dharmajñe lokasaṃmate; strīdharmaṃ śrotum icchāmi tvayaiva samudāhṛtam; sadharmacāriṇī me tvaṃ samānavratacāriṇī; samānasārā vīryeṇa mayaiva tvaṃ śubhānane; mamaivārdhāc charīrasya nirmitāsi purā śubhe; surakāryaṃ karoṣi tvaṃ lokasaṃdhāraṇī tathā; ayaṃ hi strīgaṇas tvāṃ tu anuyāti na muñcati

Lakṣmī, die Liebste Viṣṇus, Dhṛti, die Gattin Yamas, Dhūmorṇā [Gattin] Mārkaṇḍeyas, Ṛddhi [Gattin] Vaiśravaṇas, ebenso Gaurī [Gattin] Varuṇas und Suvarcalā [Gattin] des Savitṛ, Rohiṇī, die Gattin des Mondes, Svāhā, die Untadelige, [Gattin] des Feuers, Aditi [Gattin] Kaśyapas und Arundhatī [Gattin] Vasiṣṭhas – diese und andere Göttinnen, sie alle haben den Gatten zum Gott; man hört, sie sind weltberühmt und haben mit dir zusammengelebt. Und von ihnen bist du durch Gefolgschaft und Zuspruch geehrt; darum befrage ich dich, Kennerin des Dharma, von der Welt Geachtete: Die Pflicht der Frauen möchte ich hören, von dir selbst vorgetragen. Du bist meine Gefährtin in der Pflicht, übst dasselbe Gelübde, bist an Kraft durch Tapferkeit gleich, Schönantlitzige, durch mich allein; aus der Hälfte meines eigenen Körpers bist du einst geschaffen, Schöne. Du verrichtest das Werk der Götter und bist die Trägerin der Welt. Diese Schar der Frauen folgt dir doch und lässt nicht von dir ab.

Wort für Wort
lakṣmīr viṣṇoḥ priyatamā dhṛtir bhāryā yamasya tu
Lakṣmī, Viṣṇus Liebste, Dhṛti aber Yamas Gattin (Nom.Sg.f.; Gen.)
mārkaṇḍeyasya dhūmorṇā ṛddhir vaiśravaṇasya tu
Mārkaṇḍeyas [Gattin] Dhūmorṇā, Vaiśravaṇas [Gattin] Ṛddhi (Gen.)
varuṇasya tathā gaurī savituś ca suvarcalā
ebenso Varuṇas [Gattin] Gaurī, des Savitṛ [Gattin] Suvarcalā (Gen.)
rohiṇī śaśino bhāryā svāhā vahner aninditā
Rohiṇī, die Gattin des Mondes, Svāhā, die Untadelige, des Feuers [Gattin] (Gen.)
kaśyapasyāditiś caiva vasiṣṭhasyāpy arundhatī
Aditi Kaśyapas und auch Arundhatī Vasiṣṭhas (Gen.)
etāś cānyāś ca devyas tu sarvās tāḥ patidevatāḥ
diese und andere Göttinnen, alle diese, den Gatten als Gottheit habend (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
śrūyante lokavikhyātās tvayā caiva sahoṣitāḥ
man hört [von ihnen], weltberühmt, und mit dir zusammen gewohnt habend (3.Pl.Pass.Präs.; Part.Pass.)
tābhiś ca pūjitā sā tvam anuvṛttyānubhāṣaṇaiḥ
und von ihnen geehrt bist du durch Folgen und Ansprache (Instr.Pl.; Part.Pass.)
tasmāt tvāṃ paripṛcchāmi dharmajñe lokasaṃmate
darum befrage ich dich, Dharma-Kundige, von der Welt Anerkannte (1.Sg.Präs.; Vok.)
strīdharmaṃ śrotum icchāmi tvayaiva samudāhṛtam
die Frauenpflicht will ich hören, von dir selbst vorgetragen (Inf.; Part.Pass.)
sadharmacāriṇī me tvaṃ samānavratacāriṇī
du bist meine Mitübende der Pflicht, Übende desselben Gelübdes (Nom.f.)
samānasārā vīryeṇa mayaiva tvaṃ śubhānane
gleich an Wesensstärke durch Kraft, durch mich allein, du Schönantlitzige (Instr.; Vok.)
mamaivārdhāc charīrasya nirmitāsi purā śubhe
aus der Hälfte meines Körpers bist du einst geschaffen, Schöne (Abl.; Part.Pass.+2.Sg.)
surakāryaṃ karoṣi tvaṃ lokasaṃdhāraṇī tathā
du tust das Werk der Götter und bist ebenso Erhalterin der Welt (2.Sg.Präs.)
ayaṃ hi strīgaṇas tvāṃ tu anuyāti na muñcati
diese Frauenschar folgt dir und verlässt [dich] nicht (3.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tvatprasādād dhitaṃ śrotuṃ strīvṛttaṃ śubhalakṣaṇe; tvayā coktaṃ viśeṣeṇa gurubhūtaṃ hi tiṣṭhati; striya eva sadā loke strīgaṇasya gatiḥ priye; śaśvad gaur goṣu gaccheta nānyatra ramate manaḥ; evaṃ lokagatir devi ādiprabhṛti vartate; pramadoktaṃ tu yat kiṃ cit tat strīṣu bahu manyate; na tathā manyate strīṣu puruṣoktam anindite; tvayaiva vidito hy arthaḥ strīṇāṃ dharmaḥ sanātanaḥ; tasmāt tvā paripṛcchāmi pṛṣṭā vada mamepsitam; nāradaḥ; evam uktā tadā devī mahādevena śobhanā; sodvegā ca salajjā ca nāvadat tatra kiṃ cana; punaḥ punas tadā devo devīṃ kim iti cābravīt; bahuśaś coditā devī savrīḍā cedam abravīt; umā; bhagavan devadeveśa surāsuranamaskṛta

Durch deine Gnade will ich das Heilsame, das Verhalten der Frauen hören, du Trägerin glückverheißender Merkmale. Und von dir wird besonders [darüber] gesprochen, es bleibt [auch] als gewichtige Sache bestehen. Die Frauen sind in der Welt stets die Zuflucht der Frauenschar, Liebe. Immer geht die Kuh [nur] unter die Kühe; woanders freut sich [ihr] Sinn nicht. So, Göttin, verläuft der Lauf der Welt von Anfang an. Was auch immer eine Frau sagt, das wird bei den Frauen hoch geachtet; nicht ebenso achtet man bei Frauen, Untadelige, das vom Mann Gesagte. Von dir allein ist die Sache erkannt, die ewige Pflicht der Frauen; darum frage ich dich: Befragt, sage mir, was ich wünsche. Nārada [sprach:] So angesprochen von Mahādeva, war die schöne Göttin damals bewegt und beschämt und sagte dort nichts. Immer wieder sagte der Gott dann zur Göttin: „Was [ist das]?“ Vielfach gedrängt sprach die Göttin verschämt dies. Umā [sprach:] „Herr, Gott der Götter, von Göttern und Asuras Verehrter,

Wort für Wort
tvatprasādād dhitaṃ śrotuṃ strīvṛttaṃ śubhalakṣaṇe
durch deine Gnade das Heilsame zu hören, das Verhalten der Frauen, du mit glückverheißenden Zeichen (Abl.; Inf.; Vok.)
tvayā coktaṃ viśeṣeṇa gurubhūtaṃ hi tiṣṭhati
und von dir gesagt, besonders, steht es doch als Gewichtiges da (Part.Pass.; 3.Sg.Präs.)
striya eva sadā loke strīgaṇasya gatiḥ priye
nur Frauen sind in der Welt stets die Zuflucht der Frauenschar, Liebe (Nom.Pl.; Gen.; Vok.)
śaśvad gaur goṣu gaccheta nānyatra ramate manaḥ
stets gehe die Kuh zu den Kühen; anderswo freut sich der Sinn nicht (Opt.; Lok.Pl.; 3.Sg.Präs.)
evaṃ lokagatir devi ādiprabhṛti vartate
so verläuft der Weltlauf, Göttin, von Anfang an (3.Sg.Präs.)
pramadoktaṃ tu yat kiṃ cit tat strīṣu bahu manyate
was auch immer eine Frau sagt, das wird bei Frauen hoch geachtet (Part.Pass.; Pass.Präs.)
na tathā manyate strīṣu puruṣoktam anindite
nicht so wird bei Frauen das vom Mann Gesagte geachtet, Untadelige (Vok.)
tvayaiva vidito hy arthaḥ strīṇāṃ dharmaḥ sanātanaḥ
von dir allein ist die Sache erkannt, der ewige Frauen-Dharma (Part.Pass.; Nom.)
tasmāt tvā paripṛcchāmi pṛṣṭā vada mamepsitam
darum frage ich dich; befragt, sage das von mir Gewünschte (1.Sg.; Imp.)
nāradaḥ evam uktā tadā devī mahādevena śobhanā
Nārada: so angesprochen damals die schöne Göttin von Mahādeva (Part.Pass.; Instr.)
sodvegā ca salajjā ca nāvadat tatra kiṃ cana
bewegt und beschämt sagte sie dort nichts (Impf.)
punaḥ punas tadā devo devīṃ kim iti cābravīt
wieder und wieder sagte der Gott zur Göttin: „Was?“ (Impf.)
bahuśaś coditā devī savrīḍā cedam abravīt
vielfach gedrängt sprach die Göttin verschämt dies (Part.Pass.; Impf.)
umā bhagavan devadeveśa surāsuranamaskṛta
Umā: Herr, Gott der Götter, von Göttern und Asuras Verehrter (Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

maheśvaraḥ; tvadantike mayā vaktuṃ strīṇāṃ dharmaṃ kathaṃ bhavet; manniyogād avaśyaṃ tu vaktavyaṃ hi mama priye; umā; imā nadyo mahādeva sarvatīrthodakānvitāḥ; upasparśanahetos tvāṃ na tyajanti samīpataḥ; etābhiḥ saha saṃmantrya pravakṣyāmi tavepsitam; ayuktaṃ satsu tajjñeṣu tān atikramya bhāṣitum; nāradaḥ; mayā saṃmānitāś caiva bhaviṣyanti saridvarāḥ; iti matvā mahādevī nadīr devīḥ samāhvayat; vipāśāṃ ca vitastāṃ ca candrabhāgāṃ sarasvatīm; śatadruṃ devikāṃ sindhuṃ gomatīṃ kauśikīṃ tathā; yamunāṃ narmadāṃ caiva kāverīm atha nimnagām; tathā devanadīṃ gaṅgāṃ prāptāṃ tripathagāṃ śubhām; sarvatīrthodakavahāṃ sarvapāpavināśanīm; umā; etā nadīḥ samāhūya samudvīkṣyedam abravīt

Maheśvara [sprach:] „Wie könnte ich in deiner Nähe die Pflicht der Frauen darlegen? Auf mein Geheiß aber musst du sie unbedingt darlegen, Liebe.“ Umā [sprach:] „Diese Flüsse, Mahādeva, führen das Wasser aller heiligen Furten; um [dich] zu berühren [d. h. um sich zu benetzen], verlassen sie dich nicht [und sind] in der Nähe. Nachdem ich mich mit ihnen beraten habe, werde ich dir sagen, was du wünschst; es ist unpassend, unter Kennern und Guten diese zu übergehen und zu reden.“ Nārada [sprach:] „Und die besten der Flüsse werden von mir geehrt sein.“ So dachte die große Göttin und rief die göttlichen Flüsse herbei: die Vipāśā, die Vitastā, die Candrabhāgā, die Sarasvatī, die Śatadru, die Devikā, den Sindhu, die Gomatī und ebenso die Kauśikī, die Yamunā, die Narmadā, ferner die Kāverī, die Nimnagā [Fluss], und ebenso die göttliche Gaṅgā, die den Drei-Pfade-Gehenden, die Glänzende, die angekommen war, die das Wasser aller heiligen Furten trägt und alle Sünden vernichtet. Umā [sprach:] Nachdem sie diese Flüsse herbeigerufen und angesehen hatte, sagte sie dies:

Wort für Wort
maheśvaraḥ tvadantike mayā vaktuṃ strīṇāṃ dharmaṃ kathaṃ bhavet
Maheśvara: in deiner Nähe von mir zu sagen, die Frauenpflicht, wie könnte das sein (Inf.; Opt.)
manniyogād avaśyaṃ tu vaktavyaṃ hi mama priye
auf mein Geheiß aber ist es unbedingt zu sagen, Liebe (Abl.; Gerundiv; Vok.)
umā imā nadyo mahādeva sarvatīrthodakānvitāḥ
Umā: diese Flüsse, Mahādeva, mit dem Wasser aller Furten versehen (Nom.Pl.f.)
upasparśanahetos tvāṃ na tyajanti samīpataḥ
um sich [zu benetzen] verlassen sie dich nicht, in der Nähe (Gen.-Adv.; 3.Pl.Präs.)
etābhiḥ saha saṃmantrya pravakṣyāmi tavepsitam
mit diesen mich beratend, werde ich dein Gewünschtes sagen (Abs.; 1.Sg.Fut.)
ayuktaṃ satsu tajjñeṣu tān atikramya bhāṣitum
unpassend ist es, unter Guten [und] Kennern sie zu übergehen und zu reden (Abs.; Inf.)
nāradaḥ mayā saṃmānitāś caiva bhaviṣyanti saridvarāḥ
Nārada: und von mir geehrt werden die besten Flüsse sein (Part.Pass.; 3.Pl.Fut.)
iti matvā mahādevī nadīr devīḥ samāhvayat
so gedacht habend rief die große Göttin die göttlichen Flüsse herbei (Abs.; Impf.)
vipāśāṃ ca vitastāṃ ca candrabhāgāṃ sarasvatīm
Vipāśā, Vitastā, Candrabhāgā, Sarasvatī (Akk.)
śatadruṃ devikāṃ sindhuṃ gomatīṃ kauśikīṃ tathā
Śatadru, Devikā, Sindhu, Gomatī und ebenso Kauśikī (Akk.)
yamunāṃ narmadāṃ caiva kāverīm atha nimnagām
Yamunā, Narmadā, Kāverī, dann die Nimnagā (Akk.)
tathā devanadīṃ gaṅgāṃ prāptāṃ tripathagāṃ śubhām
ebenso die Götterfluss-Gaṅgā, angekommen, die Dreiwegegängerin, die Glänzende (Akk.; Part.Pass.)
sarvatīrthodakavahāṃ sarvapāpavināśanīm
die das Wasser aller Furten führt, die alle Sünden vernichtet (Akk.f.)
umā etā nadīḥ samāhūya samudvīkṣyedam abravīt
Umā: diese Flüsse gerufen und angesehen habend sprach sie dies (Abs.; Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

he he puṇyāḥ saricchreṣṭhāḥ sarvapāpavinodakāḥ; jñānavijñānasaṃpannāḥ śṛṇudhvaṃ vacanaṃ mama; ayaṃ bhagavatā praśna uktaḥ strīdharmam āśritaḥ; na caikayā mayā sādhyas tasmād vas tv ānayāmy aham; yuṣmābhis tad vicāryaiva vaktum icchāmi śobhanāḥ; nāradaḥ; tat kathaṃ devadevāya vācyaḥ strīdharma uttamaḥ; iti pṛṣṭās tayā devyā devanadyaś cakampire; tāsāṃ śreṣṭhatamā gaṅgā vacanaṃ cedam abravīt; dhanyāś cānugṛhītāḥ sma anena vacanena te; yā tvaṃ surāsurair mānyā nadīr mānayase 'naghe; tavaivārhanti kalyāṇi evaṃ sāntvaprasādanam; aśakyam api ye mūrkhāḥ svātmasaṃbhāvanāyutāḥ; vākyaṃ vadanti saṃsatsu svayam eva yatheṣṭataḥ; yaḥ śaktaś cānahaṃvādī sudurlabhatamo mataḥ

„Ihr Guten, Besten unter den Flüssen, die ihr alle Sünde vertreibt, ausgestattet mit Wissen und Erkenntnis, hört mein Wort! Diese Frage ist vom Herrn gestellt worden und betrifft die Pflicht der Frauen; ich kann sie nicht allein bewältigen, darum bringe ich euch her. Nachdem ich es mit euch bedacht habe, will ich sprechen, ihr Schönen.“ Nārada [sprach:] „Wie ist die höchste Frauenpflicht dem Gott der Götter zu erklären?“ So von der Göttin gefragt, erbebten die göttlichen Flüsse. Von ihnen sprach die vorzüglichste, Gaṅgā, dieses Wort: „Wir sind gesegnet und begünstigt durch dieses dein Wort, [du], die du, Untadelige, die von Göttern und Asuras Geachtete unter den Flüssen achtest. Dir allein, Segensreiche, ziemt solcher Zuspruch und solche Begütigung. Jene Toren, die trotz Unvermögens von der Einbildung auf sich selbst erfüllt sind, sprechen Worte in Versammlungen ganz von selbst nach Belieben; wer aber fähig ist und sich nichts einbildet, gilt als überaus schwer zu finden.

Wort für Wort
he he puṇyāḥ saricchreṣṭhāḥ sarvapāpavinodakāḥ
he, ihr Reinen, Besten der Flüsse, Vertreiberinnen aller Sünden (Vok.Pl.)
jñānavijñānasaṃpannāḥ śṛṇudhvaṃ vacanaṃ mama
mit Wissen und Erkenntnis ausgestattet, hört mein Wort (Vok.; Imp.Med.)
ayaṃ bhagavatā praśna uktaḥ strīdharmam āśritaḥ
diese Frage ist vom Herrn gestellt, auf die Frauenpflicht bezogen (Instr.; Part.Pass.)
na caikayā mayā sādhyas tasmād vas tv ānayāmy aham
und von mir allein nicht zu bewältigen, darum bringe ich euch herbei (Gerundiv; 1.Sg.Präs.)
yuṣmābhis tad vicāryaiva vaktum icchāmi śobhanāḥ
nachdem ich es mit euch erwogen, will ich sprechen, ihr Schönen (Abs.; Inf.; Vok.)
nāradaḥ tat kathaṃ devadevāya vācyaḥ strīdharma uttamaḥ
Nārada: wie ist dem Gott der Götter die höchste Frauenpflicht zu sagen (Dat.; Gerundiv)
iti pṛṣṭās tayā devyā devanadyaś cakampire
so von jener Göttin gefragt, erbebten die Götterflüsse (Part.Pass.; Perf.Med.)
tāsāṃ śreṣṭhatamā gaṅgā vacanaṃ cedam abravīt
unter ihnen sprach die vorzüglichste, Gaṅgā, dieses Wort (Superl.; Impf.)
dhanyāś cānugṛhītāḥ sma anena vacanena te
wir sind gesegnet und begünstigt durch dieses dein Wort (Nom.Pl.; 1.Pl.)
yā tvaṃ surāsurair mānyā nadīr mānayase 'naghe
du, die du von Göttern und Asuras Geachtete die Flüsse ehrst, Makellose (Instr.Pl.; 2.Sg.Präs.; Vok.)
tavaivārhanti kalyāṇi evaṃ sāntvaprasādanam
allein dir ziemt, Segensreiche, solche Besänftigung und Gnade (3.Pl.Präs.; Vok.)
aśakyam api ye mūrkhāḥ svātmasaṃbhāvanāyutāḥ
obwohl unfähig, jene Toren, mit Selbstüberschätzung verbunden (Nom.Pl.)
vākyaṃ vadanti saṃsatsu svayam eva yatheṣṭataḥ
sprechen Worte in Versammlungen, von selbst, nach Belieben (Lok.Pl.)
yaḥ śaktaś cānahaṃvādī sudurlabhatamo mataḥ
wer aber fähig und nicht prahlerisch ist, gilt als äußerst schwer zu finden (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Vers enthält mehrere eingeschobene Sprecherangaben; ‚vas tv ānayāmi‘: ‚euch bringe ich her‘.

tvaṃ hi śaktā satī devī vaktuṃ praśnam aśeṣataḥ; vyāhartuṃ necchasi strītvāt saṃpūjayasi nas tathā; tvaṃ hi devasamā devi ūhāpohaviśāradā; divyajñānayutā devi divyajñānendhanedhitā; tvam evārhasi tad vaktuṃ strīṇāṃ dharmaṃ śubhāśubham; yācāmahe vayaṃ śrotum amṛtaṃ tvanmukhodgatam; kuru devi priyaṃ devi vada strīdharmam uttamam; nāradaḥ; evaṃ prasāditā devī gaṅgayā lokapūjitā; umā; prāha sarvam aśeṣeṇa strīdharmaṃ surasundarī; bhagavan devadeveśa sureśvara maheśvara; tvatprasādāt suraśreṣṭha tavaiva priyakāmyayā; nāradaḥ; tam ahaṃ kīrtayiṣyāmi yathāvac chrotum arhasi; evaṃ bruvantyāṃ strīdharmaṃ devyāṃ devasya śāsanāt; ṛṣigandharvayakṣāṇāṃ yoṣitaś cāpsarogaṇāḥ

Du nämlich bist, Göttin, fähig, die Frage vollständig zu beantworten; aus Frauenart willst du es aber nicht aussprechen, und so ehrst du uns. Du gleichst, Göttin, den Göttern, bist geschickt im Erwägen von Für und Wider, mit göttlicher Erkenntnis begabt, von göttlicher Erkenntnis wie von Brennstoff entzündet. Du allein ziemst es, die Pflicht der Frauen, Gutes wie Schlechtes, darzulegen. Wir bitten, den aus deinem Mund hervorgegangenen Nektar zu hören. Tu, Göttin, das Liebe [und] sprich die höchste Frauenpflicht. Nārada [sprach:] So von Gaṅgā besänftigt, sprach die weltverehrte Göttin – Umā [sprach:] – die götterschöne, alles vollständig über die Frauenpflicht: „Herr, Gott der Götter, Herr der Götter, Maheśvara, durch deine Gnade, Bester der Götter, und allein aus dem Wunsch, dir Liebes zu tun, werde ich es dir verkünden – Nārada [sprach:] – du darfst es der Wahrheit gemäß hören.“ Als die Göttin so auf Geheiß des Gottes die Frauenpflicht darlegte, [kamen] die Frauen der Ṛṣis, Gandharvas und Yakṣas und die Scharen der Apsarasen,

Wort für Wort
tvaṃ hi śaktā satī devī vaktuṃ praśnam aśeṣataḥ
du bist ja fähig, Göttin, die Frage vollständig zu sagen (Inf.)
vyāhartuṃ necchasi strītvāt saṃpūjayasi nas tathā
aussprechen willst du nicht wegen des Frauseins, und so ehrst du uns (Inf.; Abl.; 2.Sg.)
tvaṃ hi devasamā devi ūhāpohaviśāradā
du gleichst ja den Göttern, Göttin, bewandert im Erwägen und Verwerfen (Nom.f.; Vok.)
divyajñānayutā devi divyajñānendhanedhitā
mit göttlichem Wissen verbunden, durch göttliches Wissen als Brennstoff entzündet (Nom.f.)
tvam evārhasi tad vaktuṃ strīṇāṃ dharmaṃ śubhāśubham
du allein ziemst es, die Frauenpflicht, Gutes und Schlechtes, zu sagen (2.Sg.Präs.; Inf.)
yācāmahe vayaṃ śrotum amṛtaṃ tvanmukhodgatam
wir bitten [darum], den aus deinem Mund gekommenen Nektar zu hören (1.Pl.Med.; Inf.)
kuru devi priyaṃ devi vada strīdharmam uttamam
tu Liebes, Göttin, sprich die höchste Frauenpflicht (Imp.)
nāradaḥ evaṃ prasāditā devī gaṅgayā lokapūjitā
Nārada: so besänftigt von Gaṅgā die weltverehrte Göttin (Part.Pass.; Instr.)
umā prāha sarvam aśeṣeṇa strīdharmaṃ surasundarī
Umā sprach alles vollständig, die Frauenpflicht, die götterschöne (Perf.)
bhagavan devadeveśa sureśvara maheśvara
Herr, Gott der Götter, Herr der Götter, Maheśvara (Vok.)
tvatprasādāt suraśreṣṭha tavaiva priyakāmyayā
durch deine Gnade, Bester der Götter, allein aus Verlangen, dir Liebes zu tun (Abl.; Instr.)
nāradaḥ tam ahaṃ kīrtayiṣyāmi yathāvac chrotum arhasi
Nārada: das werde ich verkünden, wahrheitsgemäß darfst du hören (1.Sg.Fut.; Inf.)
evaṃ bruvantyāṃ strīdharmaṃ devyāṃ devasya śāsanāt
als die Göttin so die Frauenpflicht sprach, auf des Gottes Geheiß (Lok.abs.; Abl.)
ṛṣigandharvayakṣāṇāṃ yoṣitaś cāpsarogaṇāḥ
die Frauen der Ṛṣis, Gandharvas, Yakṣas und die Apsaras-Scharen (Gen.Pl.; Nom.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satz ‚ṛṣigandharvayakṣāṇāṃ yoṣitaś … samāgatāḥ‘ setzt sich in n=375 fort.

nāgabhūtastriyaś caiva nadyaś caiva samāgatāḥ; śrotukāmāḥ paraṃ vākyaṃ sarvāḥ paryavatasthire; umā devī mudā yuktā pūjyamānāṅganāgaṇaiḥ; ānṛśaṃsyaparā devī satataṃ strīgaṇaṃ prati; strīgaṇasya hitārthāya bhavapriyacikīrṣayā; umā; vaktuṃ vacanam ārebhe strīṇāṃ dharmāśritaṃ hitam; bhagavan sarvadharmajña śrūyatāṃ vacanaṃ mama; ṛtuprāptā suśuddhā yā kanyā sety abhidhīyate; tāṃ tu kanyāṃ pitā mātā bhrātā mātula eva vā; pitṛvyaś ceti pañcaite dātuṃ prabhavatāṃ gatāḥ; vivāhāś ca tathā pañca tāsāṃ dharmārthakāraṇāt; kāmataś ca mitho dānaṃ bhayāc ca prasabhāt tathā; dattā yasya bhaved bhāryā eteṣāṃ yena kena cit; dātāraḥ saṃvimṛśyaiva dātum arhanti nānyathā

und die Frauen der Nāgas und Bhūtas und die Flüsse kamen zusammen; begierig, die höchste Rede zu hören, stellten sich alle rings auf. Die Göttin Umā, freudig, von den Scharen der Frauen geehrt, stets auf Schonung gegenüber der Frauenschar bedacht, begann zum Wohl der Frauenschar und aus dem Wunsch, Bhava [Śiva] Liebes zu tun, eine heilsame, auf die Pflicht der Frauen bezogene Rede zu halten. Umā [sprach:] „Herr, Kenner aller Pflichten, mein Wort sei gehört! Ein Mädchen, das die Menstruation erreicht hat und ganz rein ist, wird ‚kanyā‘ genannt. Vater, Mutter, Bruder, Mutterbruder und Vaterbruder – diese fünf sind, so heißt es, befugt, sie zu geben. Und ebenso [gibt es] fünf Eheformen wegen der Pflicht und des Zwecks der Frauen: aus Verlangen, [durch] gegenseitiges Geben, aus Furcht und mit Gewalt. Wem sie von diesen auch immer als Gattin gegeben wurde – die Gebenden dürfen nur nach reiflicher Überlegung geben, nicht anders.

Wort für Wort
ṛṣigandharvayakṣāṇāṃ yoṣitaś cāpsarogaṇāḥ; nāgabhūtastriyaś caiva nadyaś caiva samāgatāḥ
[die Frauen] der Ṛṣis usw. und Apsarasen-Scharen; die Nāga- und Bhūta-Frauen und die Flüsse kamen zusammen (Nom.Pl.; Part.Pass.)
śrotukāmāḥ paraṃ vākyaṃ sarvāḥ paryavatasthire
begierig, die höchste Rede zu hören, stellten sich alle ringsum auf (Perf.Med.)
umā devī mudā yuktā pūjyamānāṅganāgaṇaiḥ
die Göttin Umā, mit Freude verbunden, von den Frauenscharen geehrt (Part.Pass.; Instr.)
ānṛśaṃsyaparā devī satataṃ strīgaṇaṃ prati
die Göttin, stets auf Mitgefühl bedacht gegenüber der Frauenschar
strīgaṇasya hitārthāya bhavapriyacikīrṣayā
zum Nutzen der Frauenschar und im Wunsch, Bhava Liebes zu tun (Dat.; Instr.)
vaktuṃ vacanam ārebhe strīṇāṃ dharmāśritaṃ hitam
sie begann zu sprechen ein heilsames, auf die Frauenpflicht bezogenes Wort (Inf.; Perf.Med.)
bhagavan sarvadharmajña śrūyatāṃ vacanaṃ mama
Herr, Kenner aller Pflicht, mein Wort werde gehört (Vok.; Imp.Pass.)
ṛtuprāptā suśuddhā yā kanyā sety abhidhīyate
die das Alter der Regel erreicht hat und ganz rein ist, die heißt ‚kanyā‘ (Part.Pass.; Pass.Präs.)
tāṃ tu kanyāṃ pitā mātā bhrātā mātula eva vā
diese kanyā: Vater, Mutter, Bruder oder Mutterbruder (Nom.)
pitṛvyaś ceti pañcaite dātuṃ prabhavatāṃ gatāḥ
und der Vaterbruder – diese fünf haben die Befugnis zu geben erlangt (Inf.; Part.)
vivāhāś ca tathā pañca tāsāṃ dharmārthakāraṇāt
und ebenso fünf Eheformen wegen Pflicht und Zweck bei ihnen (Nom.Pl.; Abl.)
kāmataś ca mitho dānaṃ bhayāc ca prasabhāt tathā
aus Verlangen, wechselseitiges Geben, aus Furcht und durch Gewalt (Abl.-Adv.)
dattā yasya bhaved bhāryā eteṣāṃ yena kena cit
wem als Gattin gegeben sei, durch wen auch immer von diesen (Part.Pass.; Opt.)
dātāraḥ saṃvimṛśyaiva dātum arhanti nānyathā
die Gebenden dürfen nur nach Überlegung geben, nicht anders (Abs.; Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

uttamānāṃ tu varṇānāṃ mantravatpāṇisaṃgrahaḥ; vivāhakaraṇaṃ cāhuḥ śūdrāṇāṃ saṃprayogataḥ; yadā dattā bhavet kanyā tasmai bhāryārthine svakaiḥ; tadāprabhṛti sā nārī daśarātraṃ vivarjya ca; manasā karmaṇā vācā hy anukūlā ca sā bhavet; iti bhartṛvrataṃ kuryāt patim uddiśya śobhanā; tadāprabhṛti sā nārī tat tat kuryāt patipriyam; yad yad icchati vai bhartā dharmakāmārthakāraṇāt; tadaivānupriyā bhūtvā tathaivopacaret patim; pativratātvaṃ nārīṇām etad eva samāsataḥ; tādṛśā sā bhaven nityaṃ yādṛśas tu bhavet patiḥ; śubhāśubhasamācāre etad vṛttaṃ samāsataḥ; daivataṃ satataṃ sādhvī bhartāraṃ yānupaśyati; daivam eva bhavet tasyāḥ patir ity avagamyate

Bei den höheren Ständen aber [geschieht] das Ergreifen der Hand mit Mantras; bei den Śūdras, sagt man, ist die Eheschließung durch [bloße] Verbindung. Sobald das Mädchen von den Ihren dem Gatten-Begehrenden gegeben ist, soll die Schöne von da an – abgesehen von zehn Nächten – in Gedanken, Tat und Wort ihm zugetan sein; so soll sie das Gelübde für den Gatten üben, auf den Gatten ausgerichtet. Von da an soll die Frau jeweils das tun, was dem Gatten lieb ist. Was immer der Gatte um der Pflicht, der Lust und des Nutzens willen wünscht, dem soll sie folgsam sein und dem Gatten ebenso aufwarten. Das Gattentreue-Sein der Frauen ist kurz gefasst eben dies: Sie soll stets so sein, wie der Gatte beschaffen ist. Im guten wie im schlechten Verhalten ist dies kurz das Verhalten: Die Tugendhafte, die den Gatten stets als Gott ansieht – es gilt, dass der Gatte ihr Gott ist.

Wort für Wort
uttamānāṃ tu varṇānāṃ mantravatpāṇisaṃgrahaḥ
bei den höheren Ständen das Handergreifen mit Mantras (Gen.Pl.; Nom.)
vivāhakaraṇaṃ cāhuḥ śūdrāṇāṃ saṃprayogataḥ
und die Eheschließung, sagt man, bei Śūdras durch Verbindung (3.Pl.Perf.; Abl.)
yadā dattā bhavet kanyā tasmai bhāryārthine svakaiḥ
sobald das Mädchen jenem, der eine Gattin wünscht, von den Eigenen gegeben ist (Opt.; Instr.Pl.)
tadāprabhṛti sā nārī daśarātraṃ vivarjya ca
von da an diese Frau, zehn Nächte ausgenommen (Abs.)
manasā karmaṇā vācā hy anukūlā ca sā bhavet
in Gedanken, Tat und Wort sei sie ergeben (Instr.; Opt.)
iti bhartṛvrataṃ kuryāt patim uddiśya śobhanā
so soll sie das Gattengelübde üben, den Gatten zum Ziel nehmend (Opt.; Abs.)
tadāprabhṛti sā nārī tat tat kuryāt patipriyam
von da an tue diese Frau je das dem Gatten Liebe (Opt.)
yad yad icchati vai bhartā dharmakāmārthakāraṇāt
was immer der Gatte wünscht wegen Pflicht, Lust, Nutzen (3.Sg.Präs.; Abl.)
tadaivānupriyā bhūtvā tathaivopacaret patim
sogleich ihm zugetan geworden, so soll sie dem Gatten aufwarten (Abs.; Opt.)
pativratātvaṃ nārīṇām etad eva samāsataḥ
die Gattentreue der Frauen ist eben dies, kurz gefasst (Abstraktum)
tādṛśā sā bhaven nityaṃ yādṛśas tu bhavet patiḥ
so beschaffen sei sie stets, wie der Gatte beschaffen sei (Opt.)
śubhāśubhasamācāre etad vṛttaṃ samāsataḥ
im guten und schlechten Verhalten ist dies kurz das Verhalten (Lok.)
daivataṃ satataṃ sādhvī bhartāraṃ yānupaśyati
die Tugendhafte, die den Gatten stets als Gottheit sieht (Akk.; 3.Sg.Präs.)
daivam eva bhavet tasyāḥ patir ity avagamyate
der Gatte sei ihr Gott, so wird verstanden (Opt.; Pass.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

etasmin kāraṇe deva paurāṇī śrūyate śrutiḥ; kathayāmi prasādāt te śṛṇu deva samāhitaḥ; kasya cit tv atha viprasya bhārye hi dve babhūvatuḥ; tayor ekā dharmakāmā devān uddiśya bhaktitaḥ; bhartāram avamatyaiva devatāsu samāhitā; cakāra vipulaṃ dharmaṃ pūjanārcanayānvitam; aparā dharmakāmā ca patim uddiśya śobhanā; bhartāraṃ daivataṃ kṛtvā cakāra kila tatpriyam; evaṃ saṃvartamāne tu yugapan maraṇe 'dhvani; gate kila mahādeva tatraikā yā pativratā; devapriyāyāṃ tiṣṭhantyāṃ puṇyalokaṃ jagāma sā; devapriyā ca tiṣṭhantī vilalāpa suduḥkhitā; tāṃ yamo lokapālas tu babhāṣe puṣkalaṃ vacaḥ; mā śocīs tvaṃ nivartasva na lokāḥ santi te śubhe; svadharmavimukhāsi tvaṃ tasmāl lokā na santi te

In diesem Zusammenhang, Gott, hört man eine alte Überlieferung; ich will sie dir durch deine Gnade erzählen, höre, Gott, gesammelt. Ein Brahmane hatte einmal zwei Gattinnen. Von ihnen war die eine auf Pflicht bedacht und verehrte aus Hingabe die Götter; ihren Gatten missachtend, ganz den Göttern zugewandt, übte sie reichlich Pflichterfüllung mit Verehrung und Anbetung. Die andere, ebenfalls auf Pflicht bedacht und schön, nahm den Gatten zum Ziel, machte, so heißt es, den Gatten zum Gott und tat ihm Liebes. Als beide so gleichzeitig starben und, so heißt es, auf dem Weg gingen, Mahādeva, ging dort diejenige, die dem Gatten treu war, in die Welt der Verdienste ein, während die Götter-Liebende zurückblieb. Und die Götter-Liebende, zurückbleibend, klagte, sehr betrübt. Zu ihr sprach Yama, der Welthüter, reichliche Worte: „Klage nicht, kehre um; für dich gibt es keine Welten, Schöne. Du hast dich von deiner eigenen Pflicht abgewandt, darum gibt es für dich keine Welten.

Wort für Wort
etasmin kāraṇe deva paurāṇī śrūyate śrutiḥ
in dieser Sache, Gott, hört man eine alte Überlieferung (Lok.; Pass.Präs.)
kathayāmi prasādāt te śṛṇu deva samāhitaḥ
ich erzähle durch deine Gnade; höre, Gott, gesammelt (1.Sg.; Imp.; Part.Pass.)
kasya cit tv atha viprasya bhārye hi dve babhūvatuḥ
eines Brahmanen nämlich waren zwei Gattinnen (Dual; Perf.)
tayor ekā dharmakāmā devān uddiśya bhaktitaḥ
von ihnen eine, pflichtbegierig, die Götter zum Ziel nehmend aus Hingabe (Abs.)
bhartāram avamatyaiva devatāsu samāhitā
den Gatten missachtend, auf die Gottheiten gesammelt (Abs.; Part.Pass.)
cakāra vipulaṃ dharmaṃ pūjanārcanayānvitam
sie übte reichliche Pflicht, mit Verehrung und Anbetung verbunden (Perf.)
aparā dharmakāmā ca patim uddiśya śobhanā
die andere, pflichtbegierig, die Schöne, den Gatten zum Ziel nehmend
bhartāraṃ daivataṃ kṛtvā cakāra kila tatpriyam
den Gatten zum Gott machend, tat sie, so heißt es, ihm Liebes
evaṃ saṃvartamāne tu yugapan maraṇe 'dhvani
als so gleichzeitig der Tod eintrat, auf dem Weg (Lok.abs.)
gate kila mahādeva tatraikā yā pativratā
als [sie] gegangen waren, Mahādeva, dort die eine, die gattentreu war
devapriyāyāṃ tiṣṭhantyāṃ puṇyalokaṃ jagāma sā
während die Götter-Liebende stehenblieb, ging jene in die Welt der Verdienste (Lok.abs.; Perf.)
devapriyā ca tiṣṭhantī vilalāpa suduḥkhitā
und die Götter-Liebende, stehend, klagte, tief bekümmert (Part.Präs.; Perf.)
tāṃ yamo lokapālas tu babhāṣe puṣkalaṃ vacaḥ
zu ihr sprach Yama, der Welthüter, reichliche Worte (Perf.)
mā śocīs tvaṃ nivartasva na lokāḥ santi te śubhe
klage nicht, kehre um; für dich gibt es keine Welten, Schöne (Prohibitiv; Imp.Med.)
svadharmavimukhāsi tvaṃ tasmāl lokā na santi te
du bist von der eigenen Pflicht abgekehrt, darum gibt es für dich keine Welten

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

daivataṃ hi patir nāryāḥ sthāpitaṃ sarvadaivataiḥ; avamatya śubhe taṃ tvaṃ kathaṃ lokān gamiṣyasi; mohena tvaṃ varārohe na jānīṣe svadaivatam; patimatyā striyā kāryo dharmaḥ patyarpitas tv iti; tasmāt tvaṃ hi nivartasva kuru patyāśritaṃ hitam; tadā gantāsi lokāṃs tān yān gacchanti pativratāḥ; nānyathā śakyate prāptuṃ patnīnāṃ loka uttamaḥ; yamenaivaṃvidhaṃ coktvā nivṛtya punar eva sā; babhūva patim ālambya patipriyaparāyaṇā; evam etan mahādeva daivataṃ hi patiḥ striyaḥ; umā; tasmāt patiparā bhūtvā patiṃ paricared iti; patimatyā divārātraṃ vṛttāntaḥ śrūyatāṃ śubhaḥ; patyuḥ pūrvaṃ samutthāya prātaḥkarma samādiśet; patyur bhāvaṃ viditvā tu paścāt saṃbodhayet patim

Der Gatte ist doch der Gott der Frau, von allen Göttern so eingesetzt. Ihn missachtend, Schöne, wie willst du in die Welten gelangen? Aus Verblendung, Schönhüftige, erkennst du deinen eigenen Gott nicht. Von der Frau, die einen Gatten hat, ist die Pflicht zu erfüllen, die dem Gatten dargebracht wird. Darum kehre um und tu, was dem Gatten dient; dann wirst du in jene Welten gehen, in die die Gattentreuen gehen. Anders kann die höchste Welt von Ehefrauen nicht erlangt werden.“ Nachdem Yama so gesprochen hatte, kehrte sie wieder um und wurde, sich an den Gatten haltend, ganz auf das Wohlgefallen des Gatten gerichtet. So ist es, Mahādeva: Der Gatte ist der Gott der Frau. Umā [sprach:] „Darum soll sie, dem Gatten zugewandt, dem Gatten aufwarten. Man höre nun den schönen Ablauf des Tages und der Nacht der Frau mit Gatten: Vor dem Gatten soll sie aufstehen und die Morgenverrichtungen anordnen; nachdem sie die Stimmung des Gatten erkannt hat, soll sie danach den Gatten wecken.

Wort für Wort
daivataṃ hi patir nāryāḥ sthāpitaṃ sarvadaivataiḥ
der Gatte ist doch die Gottheit der Frau, von allen Göttern eingesetzt (Part.Pass.; Instr.)
avamatya śubhe taṃ tvaṃ kathaṃ lokān gamiṣyasi
ihn missachtend, Schöne, wie wirst du in die Welten gehen (Abs.; 2.Sg.Fut.)
mohena tvaṃ varārohe na jānīṣe svadaivatam
aus Verblendung erkennst du, Schönhüftige, deine eigene Gottheit nicht (Instr.; 2.Sg.Präs.)
patimatyā striyā kāryo dharmaḥ patyarpitas tv iti
von der Frau mit Gatten ist die dem Gatten dargebrachte Pflicht zu tun (Gerundiv; Part.Pass.)
tasmāt tvaṃ hi nivartasva kuru patyāśritaṃ hitam
darum kehre um, tu das auf den Gatten bezogene Heilsame (Imp.)
tadā gantāsi lokāṃs tān yān gacchanti pativratāḥ
dann wirst du in jene Welten gehen, in die die Gattentreuen gehen (Periph.Fut.)
nānyathā śakyate prāptuṃ patnīnāṃ loka uttamaḥ
anders kann die höchste Welt der Gattinnen nicht erlangt werden (Pass.Präs.; Inf.)
yamenaivaṃvidhaṃ coktvā nivṛtya punar eva sā
von Yama so angesprochen, kehrte sie wieder um (Abs.)
babhūva patim ālambya patipriyaparāyaṇā
sie wurde, den Gatten ergreifend, ganz dem Gatten zugetan (Perf.; Abs.)
evam etan mahādeva daivataṃ hi patiḥ striyaḥ
so ist es, Mahādeva: der Gatte ist die Gottheit der Frau
umā tasmāt patiparā bhūtvā patiṃ paricared iti
Umā: darum, dem Gatten zugewandt, soll sie dem Gatten aufwarten (Abs.; Opt.)
patimatyā divārātraṃ vṛttāntaḥ śrūyatāṃ śubhaḥ
der schöne Tag-und-Nacht-Ablauf der Frau mit Gatten werde gehört (Imp.Pass.)
patyuḥ pūrvaṃ samutthāya prātaḥkarma samādiśet
vor dem Gatten aufgestanden, ordne sie die Morgenverrichtung an (Abs.; Opt.)
patyur bhāvaṃ viditvā tu paścāt saṃbodhayet patim
die Gemütslage des Gatten erkannt habend, wecke sie danach den Gatten (Abs.; Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tataḥ paurvāhṇikaṃ kāryaṃ svayaṃ kuryād yathāvidhi; nivedya ca tathāhāraṃ yathā saṃpadyatām iti; tathaiva kuryāt tat sarvaṃ yathā patyuḥ priyaṃ bhavet; yathā patyus tathā bhartur gurūṇāṃ pratipadyate; śuśrūṣāpoṣaṇavidhau patipriyacikīrṣayā; bhartur niṣkramaṇe kāryaṃ saṃsmared apramādataḥ; āgataṃ tu patiṃ dṛṣṭvā sahasā paricārakaiḥ; svayaṃ kurvīta saṃprītyā kāyaśramaharaṃ param; pādyāsanābhyāṃ śayanair vākyaiś ca hṛdayapriyaiḥ; atithīnām āgamane prītiyuktā sadā bhavet; karmaṇā vacanenāpi toṣayed atithīn sadā; maṅgalyaṃ gṛhaśaucaṃ ca sarvopakaraṇāni ca; sarvakālam avekṣeta kārayantī ca kurvatī; dharmakārye tu saṃprāpte tadvad dharmaparā bhavet

Dann soll sie die Vormittagsverrichtung selbst nach Vorschrift ausführen und die Speise [so] darbieten, dass sie zubereitet sei; ebenso soll sie alles tun, was dem Gatten lieb ist; wie gegenüber dem Gatten, so verhält man sich gegenüber den Älteren des Gatten. Bei Dienst und Versorgung [soll sie handeln] im Wunsch, dem Gatten Liebes zu tun; wenn der Gatte fortgeht, soll sie an das zu Tuende unachtsamkeitslos denken. Sieht sie den Gatten gekommen, soll sie sogleich mit den Dienerinnen [oder] selbst voll Freude das tun, was die Ermüdung des Körpers aufs Höchste beseitigt: mit Fußwasser, Sitz, Lagern und herzerfreuenden Worten. Bei der Ankunft von Gästen soll sie stets voll Freude sein; durch Tat und Wort soll sie die Gäste stets zufriedenstellen. Glückbringendes, Sauberkeit des Hauses und alle Gerätschaften soll sie jederzeit beaufsichtigen, ob sie es [nun] veranlasst oder selbst tut. Und wenn eine Pflichtsache eintritt, soll sie ebenso auf die Pflicht bedacht sein.

Wort für Wort
tataḥ paurvāhṇikaṃ kāryaṃ svayaṃ kuryād yathāvidhi
dann die Vormittagsarbeit selbst nach Vorschrift tun (Opt.)
nivedya ca tathāhāraṃ yathā saṃpadyatām iti
und die Speise darbietend, [so] dass sie zubereitet werde (Abs.; Imp.Pass.)
tathaiva kuryāt tat sarvaṃ yathā patyuḥ priyaṃ bhavet
ebenso tue sie alles so, wie es dem Gatten lieb sei (Opt.)
yathā patyus tathā bhartur gurūṇāṃ pratipadyate
wie beim Gatten, so verhält man sich zu den Älteren des Gatten (Pass./Med.Präs.)
śuśrūṣāpoṣaṇavidhau patipriyacikīrṣayā
bei Dienst und Versorgung, im Wunsch, dem Gatten Liebes zu tun (Lok.; Instr.)
bhartur niṣkramaṇe kāryaṃ saṃsmared apramādataḥ
beim Fortgehen des Gatten erinnere sie sich an das zu Tuende ohne Nachlässigkeit (Opt.)
āgataṃ tu patiṃ dṛṣṭvā sahasā paricārakaiḥ
den gekommenen Gatten gesehen habend, sogleich mit den Dienern (Abs.; Instr.)
svayaṃ kurvīta saṃprītyā kāyaśramaharaṃ param
selbst tue sie mit Freude, was die Körpermüdigkeit gänzlich nimmt (Opt.Med.)
pādyāsanābhyāṃ śayanair vākyaiś ca hṛdayapriyaiḥ
mit Fußwasser und Sitz, Lagern und herzlieben Worten (Instr.)
atithīnām āgamane prītiyuktā sadā bhavet
bei der Ankunft der Gäste sei sie stets freudig (Opt.)
karmaṇā vacanenāpi toṣayed atithīn sadā
durch Tat und auch Wort stelle sie die Gäste stets zufrieden (Opt.)
maṅgalyaṃ gṛhaśaucaṃ ca sarvopakaraṇāni ca
Glückbringendes, Hausreinheit und alle Geräte
sarvakālam avekṣeta kārayantī ca kurvatī
jederzeit überwache sie, veranlassend und selbst tuend (Opt.; Part.)
dharmakārye tu saṃprāpte tadvad dharmaparā bhavet
und ist ein Pflichtwerk eingetreten, sei sie ebenso pflichtbewusst (Lok.abs.; Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

arthakārye punar bhartuḥ pramādālasyavarjitā; sā yatnaṃ paramaṃ kuryāt tasya sāhāyyakāraṇāt; yugaṃdharā bhavet sādhvī patyur dharmārthayoḥ sadā; vihārakāle vai bhartur jñātvā bhāvaṃ hṛdi sthitam; alaṃkṛtya yathāyogaṃ hāvabhāvasamanvitā; vākyair madhurasaṃyuktaiḥ smayantī toṣayet patim; yena yena yathā tuṣyet tathā sā toṣayet patim; kaṭhorāṇi na vācyāni anyadā pramadāntare; yasyāṃ kāmī bhaved bhartā tasyāḥ prītikarā bhavet; apramādaṃ puraskṛtya manasā joṣayet patim; anantaraṃ tathānyeṣāṃ bhojanāvekṣaṇaṃ caret; dāsīdāsabalīvardāṃś caṇḍālāṃś ca śunas tathā; anāthān kṛpaṇāṃś caiva bhikṣukāṃś ca tathaiva ca; pūjayed balibhaikṣeṇa patyur dharmavivṛddhaye

Ebenso soll sie bei der Vermögensangelegenheit des Gatten, frei von Nachlässigkeit und Trägheit, um dessen Unterstützung willen höchste Mühe aufwenden. Die Tugendhafte soll stets Joch-Trägerin des Gatten in Pflicht und Nutzen sein. Zur Zeit des Vergnügens, das im Herzen des Gatten ruhende Gefühl erkennend, soll sie sich angemessen schmücken, mit Gebärden und Mienen ausgestattet, und mit honigsüßen Worten lächelnd den Gatten erfreuen. Womit und wie immer er zufrieden ist, so soll sie den Gatten zufriedenstellen. Harte Worte soll sie nicht sprechen, [auch] nicht zu anderer Zeit unter den Frauen; diejenige, in die der Gatte verliebt ist, soll ihm Freude bereiten. Unachtsamkeit vermeidend, soll sie den Gatten von Herzen erfreuen. Danach soll sie die Nahrung der übrigen überwachen: Diener und Dienerinnen, Rinder, Caṇḍālas und Hunde, Hilflose, Elende und Bettler soll sie mit Opfergabe und Almosen ehren, zur Mehrung der Pflicht des Gatten.

Wort für Wort
arthakārye punar bhartuḥ pramādālasyavarjitā
bei der Vermögensangelegenheit des Gatten, frei von Nachlässigkeit und Trägheit (Lok.; Nom.f.)
sā yatnaṃ paramaṃ kuryāt tasya sāhāyyakāraṇāt
sie wende höchste Mühe auf, um dessen Hilfe willen (Opt.; Abl.)
yugaṃdharā bhavet sādhvī patyur dharmārthayoḥ sadā
die Tugendhafte sei Jochträgerin des Gatten in Pflicht und Nutzen
vihārakāle vai bhartur jñātvā bhāvaṃ hṛdi sthitam
zur Zeit des Vergnügens des Gatten Gefühl im Herzen erkennend (Abs.)
alaṃkṛtya yathāyogaṃ hāvabhāvasamanvitā
sich passend geschmückt, mit Gebärden und Mienen ausgestattet (Abs.)
vākyair madhurasaṃyuktaiḥ smayantī toṣayet patim
mit süßen Worten lächelnd erfreue sie den Gatten (Instr.Pl.; Opt.)
yena yena yathā tuṣyet tathā sā toṣayet patim
womit und wie er zufrieden sei, so erfreue sie den Gatten
kaṭhorāṇi na vācyāni anyadā pramadāntare
harte [Worte] sind nicht zu sagen, zu anderer Zeit unter Frauen (Gerundiv)
yasyāṃ kāmī bhaved bhartā tasyāḥ prītikarā bhavet
in wen der Gatte verliebt sei, sei sie freudebringend
apramādaṃ puraskṛtya manasā joṣayet patim
Achtsamkeit voranstellend, erfreue sie von Herzen den Gatten (Abs.)
anantaraṃ tathānyeṣāṃ bhojanāvekṣaṇaṃ caret
danach besorge sie ebenso die Beaufsichtigung der Mahlzeit der übrigen (Opt.)
dāsīdāsabalīvardāṃś caṇḍālāṃś ca śunas tathā
Dienerinnen, Diener, Rinder, Caṇḍālas und Hunde (Akk.Pl.)
anāthān kṛpaṇāṃś caiva bhikṣukāṃś ca tathaiva ca
Schutzlose, Elende und Bettler (Akk.Pl.)
pūjayed balibhaikṣeṇa patyur dharmavivṛddhaye
ehren soll sie mit Opfergabe und Almosen zur Mehrung der Pflicht des Gatten (Opt.; Dat.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚yugaṃdharā‘: wörtlich ‚Jochträgerin‘, d. h. gleichwertige Zugtierin im Gespann; ‚anyadā pramadāntare‘ unsicher [?].

kupitaṃ vārthahīnaṃ vā śrāntaṃ vopacaret patim; yathā sa tuṣṭaḥ svasthaś ca bhavet saṃtoṣayet patim; tathā kuṭumbacintāyāṃ vivāde cārthasaṃśaye; āhūtā ca sahāyārthaṃ tadā priyahitaṃ vadet; apriyaṃ vā hitaṃ brūyāt tasya kāmārthakāṅkṣayā; ekāntacaryākathanaṃ kalahaṃ varjayet paraiḥ; bahir ālokanaṃ caiva mohaṃ vrīḍāṃ ca paiśunam; bahvāśitvaṃ divāsvapnam evamādīni varjayet; rahasy ekāsanaṃ sādhvī na kuryād ātmajair api; yad yad dadyān nidhatsveti nyāsavat paripālayet; vismṛtaṃ vā patidravyaṃ pratidadyāt svaśaucataḥ; yat kiṃ cit patinā dattaṃ tal labdhvā sumukhī bhavet; atiyācñām atīrṣyāṃ ca dūrataḥ parivarjayet; bālavad vṛddhavan nāryāḥ sadaivāturavat patiḥ

Ist der Gatte zornig oder ohne Vermögen oder erschöpft, soll sie ihn pflegen, damit er zufrieden und wohlauf sei; so soll sie den Gatten zufriedenstellen. Ebenso soll sie bei der Sorge um die Familie, bei Streit und bei Ungewissheit in Vermögensdingen, wenn sie zur Hilfe gerufen wird, dann Liebes und Heilsames sagen. Oder sie soll auch Unangenehmes sagen, wenn es heilsam ist, im Verlangen nach seiner Lust und seinem Nutzen. Das Erzählen von Alleingängen [des Gatten] und Streit mit anderen soll sie meiden; ebenso das Hinausschauen [nach draußen], Verwirrung, Schamlosigkeit, Verleumdung, vieles Essen, Tagschlaf und dergleichen soll sie meiden. Allein auf einem Sitz mit [einem Mann] soll die Tugendhafte nicht sitzen, [selbst] nicht mit den eigenen Söhnen. Was er ihr gibt, [mit den Worten] „bewahre es“, soll sie wie ein Hinterlegtes hüten; Vergessenes vom Besitz des Gatten soll sie aus eigener Sauberkeit zurückgeben. Was immer der Gatte gegeben hat, dabei soll sie freundlich dreinblicken. Übermäßiges Bitten und Eifersucht soll sie von fern meiden: Wie ein Kind, wie ein Greis und wie ein Kranker ist der Gatte für die Frauen [zu behandeln].

Wort für Wort
kupitaṃ vārthahīnaṃ vā śrāntaṃ vopacaret patim
den erzürnten oder vermögenslosen oder erschöpften Gatten pflege sie (Part.Pass.; Opt.)
yathā sa tuṣṭaḥ svasthaś ca bhavet saṃtoṣayet patim
damit er zufrieden und wohlauf sei, stelle sie den Gatten zufrieden (Opt.)
tathā kuṭumbacintāyāṃ vivāde cārthasaṃśaye
ebenso bei Familiensorge, Streit und Vermögenszweifel (Lok.)
āhūtā ca sahāyārthaṃ tadā priyahitaṃ vadet
und zur Hilfe gerufen, dann spreche sie Liebes und Heilsames (Part.Pass.; Opt.)
apriyaṃ vā hitaṃ brūyāt tasya kāmārthakāṅkṣayā
oder auch Unlieb-Heilsames sage sie, im Streben nach dessen Lust und Nutzen (Opt.; Instr.)
ekāntacaryākathanaṃ kalahaṃ varjayet paraiḥ
das Erzählen der Alleingänge und Streit mit anderen meide sie (Opt.)
bahir ālokanaṃ caiva mohaṃ vrīḍāṃ ca paiśunam
Hinausschauen, Verwirrung, Scham[losigkeit] [?], Verleumdung (Akk.)
bahvāśitvaṃ divāsvapnam evamādīni varjayet
vieles Essen, Tagschlaf und Ähnliches meide sie
rahasy ekāsanaṃ sādhvī na kuryād ātmajair api
im Verborgenen gemeinsam auf einem Sitz sitze die Tugendhafte nicht, auch nicht mit Söhnen (Lok.; Instr.)
yad yad dadyān nidhatsveti nyāsavat paripālayet
was er gäbe [mit:] „bewahre“, hüte sie wie ein Depositum (Opt.; Imp.Med.)
vismṛtaṃ vā patidravyaṃ pratidadyāt svaśaucataḥ
oder Vergessenes vom Gut des Gatten gebe sie aus eigener Redlichkeit zurück (Part.Pass.; Opt.)
yat kiṃ cit patinā dattaṃ tal labdhvā sumukhī bhavet
was auch immer vom Gatten gegeben, das erhalten, sei sie freundlich (Abs.)
atiyācñām atīrṣyāṃ ca dūrataḥ parivarjayet
zu vieles Bitten und Eifersucht meide sie von fern (Opt.)
bālavad vṛddhavan nāryāḥ sadaivāturavat patiḥ
wie ein Kind, wie ein Greis, stets wie ein Kranker der Gatte für Frauen

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhāryayā vratam ity eva bhartavyaḥ satataṃ vibho; etat pativratāvṛttam uktaṃ deva samāsataḥ; na ca bhoge na caiśvarye na dhane na sukhe tathā; spṛhā yasyā yathā patyau sā nārīṇāṃ pativratā; patir hi daivataṃ strīṇāṃ patir bandhuḥ patir gatiḥ; nānyāṃ gatim ahaṃ paśye pramadānāṃ yathā patiḥ; jātiṣv api ca vai strītvaṃ viśiṣṭam iti me matiḥ; kāyakleśena mahatā puruṣaḥ prāpnuyāt phalam; tat sarvaṃ labhate nārī sevantīndriyagocarān; yathāsukhaṃ patimatī sarvaṃ patyanukūlataḥ; īdṛśaṃ dharmasaukaryaṃ paśyadhvaṃ pramadāḥ prati; etad vismṛtya vartante kustriyaḥ pāpamohitāḥ; tapaścaryā ca dānaṃ ca patau tasyāḥ samarpitau; rūpaṃ kulaṃ yaśaḥ svargaḥ sarvaṃ tasmin pratiṣṭhitam

Als ein Gelübde ist der Gatte von der Gattin stets zu erhalten [und zu versorgen], Herr. Dies ist das Verhalten der Gattentreuen, Gott, in Kürze gesagt. Wessen Verlangen weder auf Genuss noch auf Herrschaft, weder auf Reichtum noch auf Glück gerichtet ist, wie [es] auf den Gatten [gerichtet ist], die ist unter den Frauen die Gattentreue. Der Gatte ist die Gottheit der Frauen, der Gatte der Verwandte, der Gatte der Weg; keine andere Zuflucht sehe ich für Frauen wie den Gatten. Auch unter den Geburten ist, so meine Ansicht, das Frausein vorzüglich: Was ein Mann durch große Körperqual erlangt, all das erlangt die Frau, wenn sie den Sinnesobjekten dient, mit Wohlbehagen; die Frau mit Gatten erlangt alles durch Fügsamkeit gegenüber dem Gatten. Seht, Frauen, eine solche Leichtigkeit der Pflichterfüllung. Dies vergessend, verhalten sich schlechte Frauen, von Sünde verblendet. Askese und Gabe sind bei ihr dem Gatten dargebracht; Schönheit, Familie, Ruhm, Himmel – alles ist in ihm gegründet.

Wort für Wort
bhāryayā vratam ity eva bhartavyaḥ satataṃ vibho
von der Gattin ist er als Gelübde stets zu erhalten, Herr (Gerundiv; Vok.)
etat pativratāvṛttam uktaṃ deva samāsataḥ
dies Verhalten der Gattentreuen ist gesagt, Gott, kurz (Part.Pass.)
na ca bhoge na caiśvarye na dhane na sukhe tathā
weder auf Genuss noch auf Herrschaft, weder auf Reichtum noch auf Glück (Lok.)
spṛhā yasyā yathā patyau sā nārīṇāṃ pativratā
deren Verlangen so auf den Gatten [geht], die ist unter den Frauen die Gattentreue (Lok.; Gen.Pl.)
patir hi daivataṃ strīṇāṃ patir bandhuḥ patir gatiḥ
der Gatte ist Gottheit der Frauen, Gatte Verwandter, Gatte Ziel
nānyāṃ gatim ahaṃ paśye pramadānāṃ yathā patiḥ
keine andere Zuflucht sehe ich für Frauen wie den Gatten (1.Sg.Opt./Präs.)
jātiṣv api ca vai strītvaṃ viśiṣṭam iti me matiḥ
auch unter den Geburten ist das Frausein vorzüglich, so meine Ansicht (Lok.Pl.)
kāyakleśena mahatā puruṣaḥ prāpnuyāt phalam
durch große Körperplage erlange ein Mann Frucht (Instr.; Opt.)
tat sarvaṃ labhate nārī sevantīndriyagocarān
all das erlangt die Frau, die den Sinnesobjekten dient (3.Sg.Präs.; Part.)
yathāsukhaṃ patimatī sarvaṃ patyanukūlataḥ
nach Belieben die Frau mit Gatten alles durch Fügsamkeit gegenüber dem Gatten
īdṛśaṃ dharmasaukaryaṃ paśyadhvaṃ pramadāḥ prati
eine solche Leichtigkeit der Pflichterfüllung seht, Frauen (Imp.Med.; Vok.)
etad vismṛtya vartante kustriyaḥ pāpamohitāḥ
dies vergessend verhalten sich schlechte Frauen, von Sünde verblendet (Abs.; Part.Pass.)
tapaścaryā ca dānaṃ ca patau tasyāḥ samarpitau
Askese und Gabe sind bei ihr dem Gatten dargebracht (Part.Pass.Dual)
rūpaṃ kulaṃ yaśaḥ svargaḥ sarvaṃ tasmin pratiṣṭhitam
Schönheit, Familie, Ruhm, Himmel, alles in ihm gegründet

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚bhartavyaḥ‘ zu bhṛ ‚tragen, unterhalten‘; ‚sevantīndriyagocarān‘ (Objekte der Sinne genießend) syntaktisch knapp, Wiedergabe unsicher.

evaṃvṛttasamācārā svavṛttenaiva śobhanā; patinā ca samaṃ gacchet puṇyalokān svakarmaṇā; vṛddho virūpo bībhatsur dhanavān nirdhano 'pi vā; evaṃbhūto 'pi bhartā vai strīṇāṃ bhūṣaṇam uttamam; āḍhyaṃ vā rūpayuktaṃ vā virūpaṃ dhanavarjitam; yā patiṃ toṣayet sādhvī sā nārīṇāṃ pativratā; daridrāṃś ca virūpāṃś ca pramūḍhān kuṣṭhasaṃyutān; evaṃvidhān patīn deva toṣayitvā pativratā; upary upari tāṃl lokān patyaiva saha gacchati; evaṃ pravartamānāyāḥ patiḥ pūrvaṃ mriyeta cet; tadānumaraṇaṃ gacchet punar dharmaṃ careta vā; umā; etad evaṃ mayā proktaṃ strīṇāṃ dharmāśritaṃ hitam; evam etan mayā proktaṃ striyas tu bahudhā smṛtāḥ; devatānāgagandharvamanuṣyā iti naikadhā

Mit solchem Verhalten und Wandel, allein durch ihre eigene Lebensführung glänzend, gelangt sie mit dem Gatten durch eigenes Tun in die Welten der Verdienste. Ob alt, hässlich, abstoßend, reich oder arm – auch so beschaffen ist der Gatte für Frauen der höchste Schmuck. Ob wohlhabend oder schön, oder hässlich und ohne Reichtum – die Tugendhafte, die den Gatten zufriedenstellt, ist unter den Frauen die Gattentreue. Arme, Hässliche, ganz Verblendete, Aussätzige – solche Gatten, Gott, zufriedengestellt, geht die Gattentreue mit dem Gatten selbst immer höher in jene Welten. Wenn dem so Lebenden der Gatte zuerst stirbt, dann soll sie [ihm] in den Tod folgen oder wieder die Pflicht üben. Umā [sprach:] „Dies ist so von mir gesagt, das auf die Pflicht der Frauen bezogene Heilsame. So ist dies von mir gesagt; Frauen gelten als vielerlei: Götter-, Nāga-, Gandharva- und Menschenfrauen, nicht nur eine Art;

Wort für Wort
evaṃvṛttasamācārā svavṛttenaiva śobhanā
so im Wandel und Verhalten, allein durch eigene Lebensführung glänzend (Instr.)
patinā ca samaṃ gacchet puṇyalokān svakarmaṇā
mit dem Gatten zugleich gehe sie in die Welten der Verdienste durch eigenes Tun (Opt.)
vṛddho virūpo bībhatsur dhanavān nirdhano 'pi vā
alt, missgestaltet, abstoßend, reich oder auch arm
evaṃbhūto 'pi bhartā vai strīṇāṃ bhūṣaṇam uttamam
auch so beschaffen ist der Gatte der beste Schmuck der Frauen
āḍhyaṃ vā rūpayuktaṃ vā virūpaṃ dhanavarjitam
reich oder schön oder missgestaltet, ohne Vermögen (Akk.)
yā patiṃ toṣayet sādhvī sā nārīṇāṃ pativratā
die Tugendhafte, die den Gatten erfreut, die ist unter den Frauen die Gattentreue
daridrāṃś ca virūpāṃś ca pramūḍhān kuṣṭhasaṃyutān
Arme, Missgestaltete, Verblendete, mit Aussatz Behaftete (Akk.Pl.)
evaṃvidhān patīn deva toṣayitvā pativratā
solche Gatten, Gott, zufriedengestellt habend, die Gattentreue (Abs.)
upary upari tāṃl lokān patyaiva saha gacchati
immer höher in jene Welten geht sie mit dem Gatten selbst (3.Sg.Präs.)
evaṃ pravartamānāyāḥ patiḥ pūrvaṃ mriyeta cet
wenn der so sich Verhaltenden der Gatte zuerst stürbe (Opt.)
tadānumaraṇaṃ gacchet punar dharmaṃ careta vā
dann folge sie ihm in den Tod oder übe wiederum die Pflicht (Opt.)
umā etad evaṃ mayā proktaṃ strīṇāṃ dharmāśritaṃ hitam
Umā: dies ist so von mir gesagt, das Heilsame zur Frauenpflicht (Part.Pass.)
evam etan mayā proktaṃ striyas tu bahudhā smṛtāḥ
so von mir gesagt; Frauen gelten als vielfältig (Part.Pass.)
devatānāgagandharvamanuṣyā iti naikadhā
Götter-, Nāga-, Gandharva-, Menschen[frauen], also nicht einerlei

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚anumaraṇa‘ = das Nachsterben (Witwenfolge) gemäß dem Text.

saumyaśīlāḥ śubhācārāḥ sarvās tāḥ saṃbhavanti hi; athāśubhaṃ pravakṣyāmi strīṇāṃ vṛttaṃ maheśvara; āsuryaś caiva paiśācyo rākṣasyaś ca bhavanti yāḥ; tāsāṃ vṛttam aśeṣeṇa śrūyatāṃ lokakāraṇāt; nyāyato vānyathā proktā bhāvadoṣasamanvitāḥ; bhartṝn apacaranty eva rāgadveṣabalātkṛtāḥ; svadharmavimukhā bhūtvā praduṣyanti yatas tataḥ; pravṛddhaviṣayā nityaṃ pratikūlaṃ vadanti ca; arthān vināśayanty eva na gṛhṇanti hitaṃ kva cit; svabuddhiniratā bhūtvā jīvanti ca yathā tathā; guṇavatyaḥ kva cid bhūtvā patidharmaparā iva; punar bhavanti pāpiṣṭhā viṣamaṃ vṛttam āśritāḥ; anavasthitamaryādā bahuveṣā vyayapriyāḥ; asaṃtuṣṭāś ca lubdhāś ca īrṣyākrodhayutā bhṛśam

sanftmütig, tugendhaft im Verhalten sind sie alle, [wenn sie] entstehen. Nun will ich, Maheśvara, das schlechte Verhalten der Frauen darlegen: Die, die asurisch, piśācaartig oder rākṣasaartig sind, deren Verhalten werde vollständig gehört, um der Welt willen. Ob gerecht oder anders gesagt, mit Fehlern der Gesinnung behaftet, betrügen sie ihre Gatten, von Zuneigung und Abneigung getrieben. Von ihrer Pflicht abgewandt, werden sie verdorben, wohin auch immer; stets sind sie auf Sinnesgenüsse erpicht und sprechen Widriges. Sie vernichten Güter und nehmen nirgends Heilsames an; in eigenen Einfall versunken leben sie, wie es eben kommt. Manchmal tugendhaft geworden, gleichsam der Gattenpflicht ergeben, werden sie wieder sehr sündhaft, ein ungleiches Verhalten annehmend. Ohne feste Grenze, mit vielen Verkleidungen, ausgabenlustig, unzufrieden, gierig und voll Neid und Zorn in hohem Maß,

Wort für Wort
saumyaśīlāḥ śubhācārāḥ sarvās tāḥ saṃbhavanti hi
sanftes Wesens, guten Verhaltens sind alle jene, wenn sie entstehen (3.Pl.Präs.)
athāśubhaṃ pravakṣyāmi strīṇāṃ vṛttaṃ maheśvara
nun werde ich das Üble, das Verhalten der Frauen, darlegen, Maheśvara (1.Sg.Fut.)
āsuryaś caiva paiśācyo rākṣasyaś ca bhavanti yāḥ
die Asura-, Piśāca- und Rākṣasa-artigen, die es gibt (Nom.Pl.f.)
tāsāṃ vṛttam aśeṣeṇa śrūyatāṃ lokakāraṇāt
ihr Verhalten werde vollständig gehört, um der Welt willen (Imp.Pass.)
nyāyato vānyathā proktā bhāvadoṣasamanvitāḥ
der Regel gemäß oder anders gesagt, mit Gesinnungsfehlern behaftet (Part.Pass.)
bhartṝn apacaranty eva rāgadveṣabalātkṛtāḥ
sie vergehen sich gegen die Gatten, von Neigung und Abneigung genötigt (3.Pl.Präs.; Part.Pass.)
svadharmavimukhā bhūtvā praduṣyanti yatas tataḥ
von der eigenen Pflicht abgewandt, verderben sie, wo immer (Abs.; 3.Pl.Präs.)
pravṛddhaviṣayā nityaṃ pratikūlaṃ vadanti ca
stets von gesteigerter Sinnenlust, und sie sprechen Widriges (Nom.f.)
arthān vināśayanty eva na gṛhṇanti hitaṃ kva cit
Güter vernichten sie nur, Heilsames nehmen sie nirgends an (3.Pl.Präs.)
svabuddhiniratā bhūtvā jīvanti ca yathā tathā
in eigenem Sinn befangen, leben sie irgendwie (Abs.)
guṇavatyaḥ kva cid bhūtvā patidharmaparā iva
irgendwann tugendhaft geworden, gleichsam der Gattenpflicht ergeben
punar bhavanti pāpiṣṭhā viṣamaṃ vṛttam āśritāḥ
wieder werden sie sehr sündig, ein ungleiches Verhalten annehmend (Part.Pass.)
anavasthitamaryādā bahuveṣā vyayapriyāḥ
ohne feste Grenze, vielgestaltig, ausgabenliebend
asaṃtuṣṭāś ca lubdhāś ca īrṣyākrodhayutā bhṛśam
unzufrieden und gierig, sehr mit Neid und Zorn verbunden

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

bhogapriyā hitadveṣyāḥ kāmabhogaparāyaṇāḥ; patīn paribhavanty eva pratikūlaparāyaṇāḥ; prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā gurūṇāṃ pratilomakāḥ; evaṃyuktasamācārā āsuraṃ bhāvam āśritāḥ; aparāḥ pāpakāriṇyaḥ satataṃ kalahapriyāḥ; paruṣā rūkṣavacanā nirghṛṇā nirapatrapāḥ; niḥsnehāḥ kopanāś caiva bhartṛputrasvabandhuṣu; ghorā māṃsapriyā nityaṃ hasanti ca rudanti ca; patīn vyabhicaranty evam unmārgeṇa yathā tathā; bandhubhir bhartsitā bhūtvā gṛhakāryāṇi kurvate; atha vā bhartsitā deva nīcavṛttāḥ svabandhuṣu; tathaivātmavadhaṃ ghoraṃ vyavasyeyur na saṃśayaḥ; nirdayā niranukrośāḥ kuṭumbārthavilopanāḥ; dharmārtharahitā ghorāḥ satataṃ kurvate kriyāḥ; anarthanipuṇāḥ pāpāḥ paraprāṇeṣu nirdayāḥ

genussliebend, dem Heilsamen feind, ganz dem Sinnesgenuss ergeben, missachten sie ihre Gatten, auf Widerspenstigkeit aus; meist voller Unwahrheit, den Älteren zuwider – so sind Verhalten und Wandel dieser, die sich der asurischen Gesinnung hingegeben haben. Andere sind sündig im Tun, stets streitliebend, rau, mit schroffer Rede, erbarmungslos, schamlos, ohne Zuneigung und zornig gegen Gatten, Söhne und eigene Verwandte, furchtbar, stets fleischliebend; sie lachen und weinen. Ebenso betrügen sie ihre Gatten auf irgendeine Weise auf Abwegen; von Verwandten getadelt, verrichten sie [doch] Hausarbeit, oder, Gott, von Verwandten getadelt, [handeln] niedrig gegen die Ihren, und sie würden ebenso ohne Zweifel den furchtbaren Selbstmord beschließen. Mitleidlos, ohne Erbarmen, das Vermögen der Familie vernichtend, ohne Pflicht und Nutzen, furchtbar, verrichten sie stets [solche] Taten, geschickt im Schaden, sündig, gnadenlos gegen fremdes Leben.

Wort für Wort
bhogapriyā hitadveṣyāḥ kāmabhogaparāyaṇāḥ
genussliebend, dem Heilsamen feind, auf Lust und Genuss aus (Nom.Pl.f.)
patīn paribhavanty eva pratikūlaparāyaṇāḥ
die Gatten missachten sie, auf Widerstand ausgerichtet (3.Pl.Präs.)
prāyaśo 'nṛtabhūyiṣṭhā gurūṇāṃ pratilomakāḥ
meist voller Lüge, den Älteren zuwider (Gen.Pl.)
evaṃyuktasamācārā āsuraṃ bhāvam āśritāḥ
so im Verhalten verfasst, die asurische Wesensart annehmend (Part.Pass.)
aparāḥ pāpakāriṇyaḥ satataṃ kalahapriyāḥ
andere, Böses tuend, stets streitliebend
paruṣā rūkṣavacanā nirghṛṇā nirapatrapāḥ
hart, schroff redend, erbarmungslos, schamlos
niḥsnehāḥ kopanāś caiva bhartṛputrasvabandhuṣu
ohne Zuneigung und zornig gegen Gatten, Söhne, eigene Verwandte (Lok.Pl.)
ghorā māṃsapriyā nityaṃ hasanti ca rudanti ca
furchtbar, stets fleischliebend, sie lachen und weinen (3.Pl.Präs.)
patīn vyabhicaranty evam unmārgeṇa yathā tathā
die Gatten betrügen sie so, auf Abwegen, auf beliebige Weise (Instr.)
bandhubhir bhartsitā bhūtvā gṛhakāryāṇi kurvate
von Verwandten gescholten, verrichten sie Hausarbeiten (Part.Pass.; 3.Pl.Med.)
atha vā bhartsitā deva nīcavṛttāḥ svabandhuṣu
oder, Gott, gescholten, niedrig handelnd gegen die eigenen Verwandten (Lok.Pl.)
tathaivātmavadhaṃ ghoraṃ vyavasyeyur na saṃśayaḥ
ebenso würden sie furchtbaren Selbstmord beschließen, ohne Zweifel (Opt.)
nirdayā niranukrośāḥ kuṭumbārthavilopanāḥ
mitleidlos, erbarmungslos, das Familienvermögen zerstörend
dharmārtharahitā ghorāḥ satataṃ kurvate kriyāḥ
ohne Pflicht und Nutzen, furchtbar, tun sie stets Taten (3.Pl.Med.)
anarthanipuṇāḥ pāpāḥ paraprāṇeṣu nirdayāḥ
geschickt im Schaden, sündig, erbarmungslos gegen fremdes Leben (Lok.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Sinn von ‚bandhubhir bhartsitā … gṛhakāryāṇi kurvate‘ und der Anschluss der folgenden Zeilen ist teils knapp; Wiedergabe sinngemäß [?].

evaṃyuktasamācārāḥ striyaḥ paiśācyam āśritāḥ; aparā mohasaṃyuktā nirlajjā rodanapriyāḥ; aśuddhā maladigdhāṅgāḥ pānamāṃsaratā bhṛśam; vadanty anṛtavākyāni hasanti vilapanti ca; duṣprasādā mahākrodhāḥ svapnaśīlā nirantaram; tāmasyo naṣṭatattvārthā mandaśīlā mahodarāḥ; bhuñjanti vividhaṃ siddhaṃ bhojanaṃ tīvrasaṃbhramāḥ; guṇarūpavayoyuktaṃ patiṃ kāmukam uttamam; hitvānyān eva gacchanti sarvathā bhṛśapāpikāḥ; nirlajjā dharmasaṃdigdhāḥ pratikūlāḥ samantataḥ; evaṃyuktasamācārāḥ striyo rākṣasyam āśritāḥ; evaṃvidhānāṃ sarvāsāṃ na paratreha vā sukham; etāsām eva kustrīṇāṃ mṛtānāṃ ca maheśvara; asaṃśayaṃ ciraṃ kālaṃ narake vāsa iṣyate; narakād dhi vimuktānāṃ kathaṃ cit kālaparyayāt

So ist das Verhalten der Frauen, die sich der Piśāca-Art hingegeben haben. Andere, von Verblendung erfüllt, schamlos, weinerlich, unrein, mit schmutzbedeckten Gliedern, sehr dem Trank und Fleisch ergeben, sprechen unwahre Worte, lachen und jammern; schwer zu besänftigen, äußerst zornig, ständig schläfrig, von Finsternis [Tamas] geprägt, mit verlorener Einsicht in die Wahrheit, träge, mit großem Bauch, essen sie mit heftiger Hast mancherlei zubereitete Speise. Den mit Tugend, Schönheit und Jugend versehenen, vortrefflichen liebenden Gatten verlassen sie und gehen zu anderen, in jeder Hinsicht sehr sündig; schamlos, in der Pflicht zweifelhaft, überall widrig – so sind die Frauen, die sich der Rākṣasa-Art hingegeben haben. Für alle solche gibt es weder im Jenseits noch hier Glück. Für diese schlechten Frauen allein, Maheśvara, wenn sie gestorben sind, gilt zweifellos lange Zeit Aufenthalt in der Hölle. Aus der Hölle aber befreit, nach dem Wechsel der Zeit,

Wort für Wort
evaṃyuktasamācārāḥ striyaḥ paiśācyam āśritāḥ
Frauen so gearteten Verhaltens, die Piśāca-Art angenommen habend
aparā mohasaṃyuktā nirlajjā rodanapriyāḥ
andere, mit Verblendung verbunden, schamlos, weinerlich
aśuddhā maladigdhāṅgāḥ pānamāṃsaratā bhṛśam
unrein, mit Schmutz beschmierten Gliedern, sehr an Trank und Fleisch hängend
vadanty anṛtavākyāni hasanti vilapanti ca
sie sprechen Lügenworte, lachen und jammern
duṣprasādā mahākrodhāḥ svapnaśīlā nirantaram
schwer zu besänftigen, hochzornig, schlafneigend ununterbrochen
tāmasyo naṣṭatattvārthā mandaśīlā mahodarāḥ
tamasartig, mit verlorener Wahrheitseinsicht, träge, großbäuchig
bhuñjanti vividhaṃ siddhaṃ bhojanaṃ tīvrasaṃbhramāḥ
sie essen mannigfaltige, zubereitete Speise in heftiger Hast (3.Pl.Präs.)
guṇarūpavayoyuktaṃ patiṃ kāmukam uttamam
den mit Tugend, Schönheit, Jugend versehenen, liebenden, vortrefflichen Gatten
hitvānyān eva gacchanti sarvathā bhṛśapāpikāḥ
[ihn] verlassend, gehen sie zu anderen, in jeder Weise sehr sündig (Abs.)
nirlajjā dharmasaṃdigdhāḥ pratikūlāḥ samantataḥ
schamlos, in der Pflicht zweifelhaft, überall widrig
evaṃyuktasamācārāḥ striyo rākṣasyam āśritāḥ
Frauen so gearteten Verhaltens, die Rākṣasa-Art angenommen
evaṃvidhānāṃ sarvāsāṃ na paratreha vā sukham
für alle solcher Art gibt es weder jenseits noch hier Glück
etāsām eva kustrīṇāṃ mṛtānāṃ ca maheśvara
für diese schlechten Frauen, wenn sie gestorben sind, Maheśvara (Gen.Pl.; Vok.)
asaṃśayaṃ ciraṃ kālaṃ narake vāsa iṣyate
zweifellos gilt lange Zeit Aufenthalt in der Hölle als gewollt/bestimmt (Pass.Präs.)
narakād dhi vimuktānāṃ kathaṃ cit kālaparyayāt
aus der Hölle Befreiten irgendwie nach Ablauf der Zeit (Gen.Pl.; Abl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

iṣyate janma mānuṣyaṃ kaṣṭaṃ tatrāpi bhuñjate; tāsāṃ duṣkṛtasaṃyogād duḥkhaṃ janmāntareṣv api; daridrāḥ kleśabhūyiṣṭhā virūpāḥ kutsitāḥ paraiḥ; vidhavā durbhagā vāpi labhante duḥkham īdṛśam; śatavarṣasahasrāntam ātmānaṃ vyabhicāriṇī; nayej jāraṃ ca nirayaṃ patiṃ pāpena yojayet; etad yadi tu vijñāya punaś ced dhitam ātmanaḥ; kuryur bhartāram āśritya tathā dharmam avāpnuyuḥ; abhisaṃyānti tā lokān puṇyān paramaśobhanān; avamatya tu yāḥ pūrvaṃ patiṃ duṣṭena cetasā; vartamānāś ca satataṃ bhartṝṇāṃ pratikūlatām; bhartrānumaraṇaṃ kāle yāḥ kurvanti tathāvidhāḥ; kāmāt krodhād bhayān mohād apahāsyā bhavanti tāḥ; ādiprabhṛti kustrīṇāṃ tathānumaraṇaṃ vṛthā

wird für sie ein Menschenleben bestimmt, [und] dort erleiden sie Not. Wegen der Verbindung mit ihren bösen Taten [haben sie] auch in weiteren Geburten Leid: arm, mit viel Plage, hässlich, von anderen verachtet, verwitwet oder unglücklich – [solches] Leid erlangen sie. Die Ehebrecherin bringt sich selbst hundert Tausend Jahre lang und ihren Liebhaber in die Hölle und verbindet den Gatten mit Sünde. Wenn sie dies erkennen und wieder das ihnen Heilsame tun, indem sie sich an den Gatten halten, so erlangen sie [auch] die Pflicht. Sie gelangen in überaus schöne Welten der Verdienste. Die aber, die zuvor den Gatten mit böser Gesinnung missachtet haben und stets Widerspenstigkeit gegen Gatten zeigen, und die zu [ihrer] Zeit den Gatten in den Tod folgen – solche werden aus Begierde, Zorn, Furcht oder Verblendung zum Gespött. Von Anfang an ist das Nachsterben schlechter Frauen vergeblich.

Wort für Wort
iṣyate janma mānuṣyaṃ kaṣṭaṃ tatrāpi bhuñjate
es wird eine menschliche Geburt [bestimmt], dort erleiden sie Mühsal (Pass.Präs.; 3.Pl.Med.)
tāsāṃ duṣkṛtasaṃyogād duḥkhaṃ janmāntareṣv api
durch ihre Verbindung mit Missetaten [gibt es] Leid auch in weiteren Geburten (Abl.; Lok.Pl.)
daridrāḥ kleśabhūyiṣṭhā virūpāḥ kutsitāḥ paraiḥ
arm, überreich an Plage, hässlich, von anderen verachtet
vidhavā durbhagā vāpi labhante duḥkham īdṛśam
verwitwet oder unglücklich, erlangen sie solches Leid (3.Pl.Med.)
śatavarṣasahasrāntam ātmānaṃ vyabhicāriṇī
die Ehebrecherin [führt] sich selbst bis hundert Tausend Jahre
nayej jāraṃ ca nirayaṃ patiṃ pāpena yojayet
sie führe auch den Liebhaber in die Hölle, verbinde den Gatten mit Sünde (Opt.)
etad yadi tu vijñāya punaś ced dhitam ātmanaḥ
wenn sie dies erkannt haben und wieder das ihnen Heilsame
kuryur bhartāram āśritya tathā dharmam avāpnuyuḥ
tun, an den Gatten sich haltend, so erlangen sie Pflicht (Opt.)
abhisaṃyānti tā lokān puṇyān paramaśobhanān
sie gelangen in verdienstliche, überaus schöne Welten (3.Pl.Präs.)
avamatya tu yāḥ pūrvaṃ patiṃ duṣṭena cetasā
die aber zuvor den Gatten mit böser Gesinnung missachtet haben (Abs.)
vartamānāś ca satataṃ bhartṝṇāṃ pratikūlatām
und stets in Widerspenstigkeit gegen Gatten verharren (Part.Med.)
bhartrānumaraṇaṃ kāle yāḥ kurvanti tathāvidhāḥ
die zur [ihrer] Zeit dem Gatten in den Tod folgen, solcher Art
kāmāt krodhād bhayān mohād apahāsyā bhavanti tāḥ
aus Begierde, Zorn, Furcht, Verblendung werden sie verlacht (Abl.; Gerundiv)
ādiprabhṛti kustrīṇāṃ tathānumaraṇaṃ vṛthā
von Anfang an ist bei schlechten Frauen ebenso das Nachsterben vergeblich

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Satzanschluss zur Vorzeile ist elliptisch (‚iṣyate‘).

ādiprabhṛti yā sādhvī bhartuḥ priyaparāyaṇā; ūrdhvaṃ gacchati sā tatra bhartrānumaraṇaṃ gatā; evaṃ mṛtāyā vai lokān ahaṃ paśyāmi cakṣuṣā; spṛhaṇīyān suragaṇair yān gacchanti pativratāḥ; atha vā bhartari mṛte vaidhavyaṃ dharmam āśritā; mṛtaṃ ca patim uddiśya kuryāc caivaṃvidhaṃ tapaḥ; evaṃ gacchati sā nārī patīnāṃ lokam uttamam; ramaṇīyam anirdeśyaṃ duṣprāpaṃ devamānuṣaiḥ; prāpnuyāt tādṛśaṃ lokaṃ kevalaṃ yā pativratā; iti te kathitaṃ deva strīṇāṃ dharmam anuttamam; tavaiva priyakāminyā yan mayoktaṃ tavāgrataḥ; nāradaḥ; cāpalyān mama deveśa tad bhavān kṣantum arhati; evaṃ vadantīṃ rudrāṇīṃ lajjābhāvasamanvitām; toṣayām āsa deveśo vācā saṃpūjayan priyām

Von Anfang an geht diejenige Tugendhafte, die auf das Liebe des Gatten ausgerichtet war, nach oben, wenn sie dem Gatten in den Tod gefolgt ist. Mit Augen sehe ich für die so Gestorbene die Welten, die von Götterscharen ersehnt werden und in die die Gattentreuen gehen. Oder wenn, nachdem der Gatte gestorben ist, [eine Frau] die Witwenpflicht annimmt, soll sie auch eine solche Askese für den toten Gatten üben. So geht diese Frau in die höchste Welt der Gatten, die entzückend, unbeschreiblich und für Götter und Menschen schwer zu erreichen ist. Eine solche Welt erlangt allein die Gattentreue. So ist dir, Gott, die unübertreffliche Pflicht der Frauen erzählt, was ich in deiner Gegenwart gesagt habe, für dich, die Liebende [deiner Liebe]. Nārada [sprach:] „Wegen meiner Unbeständigkeit, Herr der Götter, mögest du dies verzeihen.“ So sprach Rudrāṇī, von Scham erfüllt; der Herr der Götter erfreute sie, indem er die Geliebte mit Worten ehrte.

Wort für Wort
ādiprabhṛti yā sādhvī bhartuḥ priyaparāyaṇā
die Tugendhafte, die von Anfang an auf das Liebe des Gatten ausgerichtet ist
ūrdhvaṃ gacchati sā tatra bhartrānumaraṇaṃ gatā
sie geht aufwärts, wenn sie dem Gatten in den Tod gefolgt ist (Part.Pass.)
evaṃ mṛtāyā vai lokān ahaṃ paśyāmi cakṣuṣā
für die so Gestorbene sehe ich die Welten mit dem Auge (Gen.; 1.Sg.Präs.)
spṛhaṇīyān suragaṇair yān gacchanti pativratāḥ
erstrebenswert für Götterscharen, in die die Gattentreuen gehen (Gerundiv; Instr.Pl.)
atha vā bhartari mṛte vaidhavyaṃ dharmam āśritā
oder wenn der Gatte gestorben ist, die Witwenpflicht befolgend (Lok.abs.; Part.Pass.)
mṛtaṃ ca patim uddiśya kuryāc caivaṃvidhaṃ tapaḥ
und auf den toten Gatten bezogen, übe sie solche Askese (Opt.)
evaṃ gacchati sā nārī patīnāṃ lokam uttamam
so geht diese Frau in die höchste Welt der Gatten (3.Sg.Präs.)
ramaṇīyam anirdeśyaṃ duṣprāpaṃ devamānuṣaiḥ
entzückend, unbeschreibbar, schwer erreichbar für Götter und Menschen
prāpnuyāt tādṛśaṃ lokaṃ kevalaṃ yā pativratā
eine solche Welt erlange allein die Gattentreue (Opt.)
iti te kathitaṃ deva strīṇāṃ dharmam anuttamam
so ist dir, Gott, die unübertreffliche Frauenpflicht erzählt (Part.Pass.)
tavaiva priyakāminyā yan mayoktaṃ tavāgrataḥ
was von mir, die dir Liebes wünscht, in deiner Gegenwart gesagt wurde
nāradaḥ cāpalyān mama deveśa tad bhavān kṣantum arhati
Nārada: wegen meiner Unbeständigkeit, Herr der Götter, möge dies dir verzeihlich sein (Abl.; Inf.)
evaṃ vadantīṃ rudrāṇīṃ lajjābhāvasamanvitām
die so sprechende Rudrāṇī, von Scham erfüllt (Akk.f.)
toṣayām āsa deveśo vācā saṃpūjayan priyām
der Herr der Götter erfreute [sie], die Geliebte mit Worten ehrend (Periphr.Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚mṛtāyā‘ wohl auf die dem Gatten Nachgestorbene bezogen.

ṛṣayo devagandharvāḥ sāsurāḥ sāpsarogaṇāḥ; daivatapramadāś cāpi devanadyaś ca saṃgatāḥ; praṇamya śirasā devīṃ stutibhiś cāpi tuṣṭuvuḥ; pūjayām āsur apare devadevaṃ mudā yutāḥ; apare vismayān nocus tam artham abhicintya vai; saṃprahṛṣṭamanāḥ śarvaḥ saṃvādaṃ cintayan muhuḥ; tatra tasmin kṣaṇe devīṃ devo vacanam abravīt; śṛṇu kalyāṇi madvākyaṃ yad idaṃ tu tvayā mayā; kṛtaṃ saṃvādam abhavat tat trilokaṃ gamiṣyati; puṇyaṃ pavitram ākhyānaṃ bhavitā tan na saṃśayaḥ; ya idaṃ śrāvayed vidvān saṃvādaṃ tv āvayoḥ priye; śucir bhūtvā narān yuktān sa yajñaphalam āpnuyāt; ye tv enaṃ śṛṇuyur nityaṃ dharmyaṃ tadgatamānasāḥ; śravaṇād eva teṣāṃ tu mahad dharmaphalaṃ bhavet

Die Ṛṣis, Götter und Gandharvas, samt Asuras und Apsaras-Scharen, ebenso die Götterfrauen und die göttlichen Flüsse, die sich versammelt hatten, verneigten sich mit dem Haupt vor der Göttin und priesen sie auch mit Lobliedern. Andere ehrten den Gott der Götter, freudevoll. Wieder andere sagten aus Staunen nichts, indem sie jene Sache bedachten. Śarva, im Herzen hocherfreut, immer wieder über das Gespräch nachdenkend, sprach dort in diesem Augenblick der Gott zur Göttin das Wort: „Höre, Segensreiche, mein Wort: Dieses Gespräch, das von dir und mir geführt wurde, wird durch die drei Welten gehen. Es wird eine verdienstvolle, reinigende Erzählung sein, daran ist kein Zweifel. Wer als Kundiger dies Gespräch von uns beiden, Liebe, rein geworden, gesammelten Menschen vortragen lässt, erlangt den Lohn des Opfers. Die aber dies stets als pflichtgemäß hören, mit dem Sinn darauf gerichtet, für sie entsteht allein durch das Hören großer Pflichtlohn.

Wort für Wort
ṛṣayo devagandharvāḥ sāsurāḥ sāpsarogaṇāḥ
Ṛṣis, Götter, Gandharvas, samt Asuras und Apsaras-Scharen
daivatapramadāś cāpi devanadyaś ca saṃgatāḥ
auch die Götterfrauen und die Götterflüsse, versammelt (Part.Pass.)
praṇamya śirasā devīṃ stutibhiś cāpi tuṣṭuvuḥ
mit dem Haupt vor der Göttin verneigt, und sie priesen mit Lobliedern (Abs.; Perf.)
pūjayām āsur apare devadevaṃ mudā yutāḥ
andere ehrten den Gott der Götter, freudevoll (Periphr.Perf.)
apare vismayān nocus tam artham abhicintya vai
andere sagten vor Staunen nichts, die Sache bedenkend (Abl.; Perf.; Abs.)
saṃprahṛṣṭamanāḥ śarvaḥ saṃvādaṃ cintayan muhuḥ
Śarva, im Herzen erfreut, das Gespräch immer wieder bedenkend (Part.Präs.)
tatra tasmin kṣaṇe devīṃ devo vacanam abravīt
dort in diesem Augenblick sprach der Gott zur Göttin das Wort (Impf.)
śṛṇu kalyāṇi madvākyaṃ yad idaṃ tu tvayā mayā
höre, Segensreiche, mein Wort: dieses, was von dir und mir (Imp.; Instr.)
kṛtaṃ saṃvādam abhavat tat trilokaṃ gamiṣyati
[als] Gespräch geführt wurde, das wird durch die drei Welten gehen (Part.Pass.; Fut.)
puṇyaṃ pavitram ākhyānaṃ bhavitā tan na saṃśayaḥ
es wird eine verdienstvolle, reinigende Erzählung sein, kein Zweifel (Fut.)
ya idaṃ śrāvayed vidvān saṃvādaṃ tv āvayoḥ priye
wer als Kundiger dieses Gespräch von uns beiden vortragen lässt, Liebe (Kaus.Opt.)
śucir bhūtvā narān yuktān sa yajñaphalam āpnuyāt
rein geworden, [wer es] gesammelten Menschen [vorträgt], erlange Opferlohn (Opt.)
ye tv enaṃ śṛṇuyur nityaṃ dharmyaṃ tadgatamānasāḥ
die aber dies stets hören, pflichtgemäß, mit darauf gerichtetem Sinn (Opt.)
śravaṇād eva teṣāṃ tu mahad dharmaphalaṃ bhavet
allein durch das Hören sei für sie großer Pflichtlohn (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚kṛtaṃ saṃvādam abhavat‘ textlich verdächtig; sinngemäß wiedergegeben [?].

kathayec chṛṇuyād vāpi yaḥ kaś cin nityam āhnikam; sa bhaven matpriyo devi taṃ smarāmi dine dine; ya imaṃ paṭhate nityaṃ saṃvādaṃ cāvayoḥ śubham; kīrtim āyuṣyam ārogyaṃ paratreha sa vindati; nāradaḥ; śrutvā cemaṃ prayoktā tu kathaṃ sa na bhaven mahān; ity uktvā sa mahādevas tatraivāntaradhīyata; devīṃ devaṃ vayaṃ tatra nāpaśyāma prabhāvataḥ; evaṃ purā mayāścaryaṃ dṛṣṭaṃ haimavate vane; caratā tīrthayātrārthaṃ purā keśiniṣūdana; bhīṣmaḥ; tad adya kathitaṃ sarvaṃ tava keśava śṛṇvataḥ; etāvad uktvā devarṣir nārado virarāma ha; vaiśaṃpāyanaḥ; tad adya nikhilenaiva kathitaṃ te yudhiṣṭhira; dharmarājas tu tac chrutvā bhrātṛbhir mudito 'bhavat; tat sarvaṃ nikhilaṃ proktaṃ taveha janamejaya

Wer auch immer täglich, Tag für Tag, [dies] erzählt oder hört, der wird mir lieb sein, Göttin; ich gedenke seiner Tag für Tag. Wer dieses glückbringende Gespräch von uns beiden stets rezitiert, erlangt Ruhm, langes Leben und Gesundheit hier und im Jenseits. Nārada [sprach:] „Wie sollte, wer dies gehört hat und anwendet, nicht groß werden?“ Nachdem er so gesprochen hatte, verschwand Mahādeva eben dort; wir sahen dort Göttin und Gott nicht mehr, kraft [seiner] Macht. So habe ich einst dies Wunder gesehen im Himavat-Wald, als ich auf Pilgerfahrt zu heiligen Furten unterwegs war, Keśiniṣūdana [Kṛṣṇa]. Bhīṣma [sprach:] „So ist dir heute alles gesagt, Keśava, der du zuhörst.“ Nachdem er nur so viel gesagt hatte, verstummte der Götterweise Nārada. Vaiśaṃpāyana [sprach:] „So ist dir heute alles vollständig gesagt, Yudhiṣṭhira; und Dharmarāja freute sich, als er dies mit seinen Brüdern gehört hatte. All dies ist dir hier vollständig gesagt, Janamejaya.“

Wort für Wort
kathayec chṛṇuyād vāpi yaḥ kaś cin nityam āhnikam
wer auch immer erzählt oder hört, täglich, Tag für Tag (Opt.)
sa bhaven matpriyo devi taṃ smarāmi dine dine
der sei mir lieb, Göttin; seiner gedenke ich Tag für Tag (Opt.; 1.Sg.Präs.)
ya imaṃ paṭhate nityaṃ saṃvādaṃ cāvayoḥ śubham
wer dies glückbringende Gespräch von uns beiden stets liest (3.Sg.Med.)
kīrtim āyuṣyam ārogyaṃ paratreha sa vindati
Ruhm, Lebenskraft, Gesundheit findet er drüben und hier (3.Sg.Präs.)
nāradaḥ śrutvā cemaṃ prayoktā tu kathaṃ sa na bhaven mahān
Nārada: wer dies gehört hat und anwendet, wie sollte der nicht groß werden (Abs.; Opt.)
ity uktvā sa mahādevas tatraivāntaradhīyata
so gesprochen habend verschwand Mahādeva eben dort (Abs.; Impf.Pass.)
devīṃ devaṃ vayaṃ tatra nāpaśyāma prabhāvataḥ
Göttin und Gott sahen wir dort nicht, infolge [seiner] Macht (Impf.; Abl.)
evaṃ purā mayāścaryaṃ dṛṣṭaṃ haimavate vane
so wurde von mir einst dies Wunder gesehen im Himavat-Wald (Part.Pass.)
caratā tīrthayātrārthaṃ purā keśiniṣūdana
von mir, der ich zur Pilgerfahrt wanderte, einst, Keśiniṣūdana (Part.Präs.; Vok.)
bhīṣmaḥ tad adya kathitaṃ sarvaṃ tava keśava śṛṇvataḥ
Bhīṣma: dies ist heute alles gesagt dir, Keśava, dem Hörenden (Part.Pass.; Gen.)
etāvad uktvā devarṣir nārado virarāma ha
nur so viel gesagt habend, hörte der Götterweise Nārada auf (Abs.; Perf.)
vaiśaṃpāyanaḥ tad adya nikhilenaiva kathitaṃ te yudhiṣṭhira
Vaiśaṃpāyana: das ist heute ganz vollständig dir gesagt, Yudhiṣṭhira
dharmarājas tu tac chrutvā bhrātṛbhir mudito 'bhavat
Dharmarāja aber wurde, dies gehört habend, mit den Brüdern froh (Abs.)
tat sarvaṃ nikhilaṃ proktaṃ taveha janamejaya
dies alles ist vollständig hier dir gesagt, Janamejaya (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Mehrere Sprecherwechsel in einer Einheit; der Schluss ‚taveha janamejaya‘ ist die Anrede Vaiśaṃpāyanas an Janamejaya.

ṛṣayaḥ; pinākin bhaganetraghna sarvalokanamaskṛta; maheśvaraḥ; māhātmyaṃ vāsudevasya śrotum icchāma śaṃkara; pitāmahād api varaḥ śāśvataḥ puruṣo hariḥ; kṛṣṇo jāmbūnadābhāso vyabhre sūrya ivoditaḥ; daśabāhur mahātejā devatāriniṣūdanaḥ; śrīvatsāṅko hṛṣīkeśaḥ sarvadaivatapūjitaḥ; brahmā tasyodaraśayas tathāhaṃ ca śirobhavaḥ; śiroruhebhyo jyotīṃṣi romabhyaś ca surāsurāḥ; ṛṣayo dehasaṃbhūtās tasya lokāś ca śāśvatāḥ; pitāmahagṛhaṃ sākṣāt sarvadevagṛhaṃ ca saḥ; so 'syāḥ pṛthivyāḥ kṛtsnāyāḥ sraṣṭā tribhuvaneśvaraḥ; saṃhartā caiva bhūtānāṃ sthāvarasya carasya ca; sa devaripujit sākṣād devanāthaḥ paraṃtapaḥ; sarvajñaḥ sarvasaṃśliṣṭaḥ sarvagaḥ sarvatomukhaḥ

Die Ṛṣis [sprachen:] „Pinākin, Bhagas Augen-Vernichter, von allen Welten Verehrter“ – Maheśvara [sprach:] „Wir wollen die Größe Vāsudevas hören, Śaṃkara. Hari, der ewige Puruṣa, ist sogar höher als der Großvater [Brahmā]: Kṛṣṇa, goldglänzend, wie die aufgegangene Sonne am wolkenlosen [Himmel]; zehnarmig, hocherstrahlend, Vernichter der Götterfeinde; das Śrīvatsa-Zeichen tragend, Hṛṣīkeśa, von allen Göttern verehrt. Brahmā liegt in seinem Leib, und ich [entstand] aus seinem Haupt; aus seinem Haar die Lichter [Gestirne], aus den Körperhaaren Götter und Asuras, die Ṛṣis aus dem Körper entsprungen, und seine ewigen Welten. Er ist unmittelbar das Haus des Großvaters und das Haus aller Götter. Er ist der Schöpfer dieser ganzen Erde, Herr der drei Welten, und der Vernichter der Wesen, der beweglichen und unbeweglichen. Er, der Sieger über die Götterfeinde, unmittelbar der Herr der Götter, Bezwinger der Feinde, allwissend, mit allem verbunden, allgegenwärtig, allseits-gesichtig,

Wort für Wort
ṛṣayaḥ pinākin bhaganetraghna sarvalokanamaskṛta
die Ṛṣis: Pinākin, Vernichter von Bhagas Auge, von allen Welten Verehrter (Vok.)
maheśvaraḥ māhātmyaṃ vāsudevasya śrotum icchāma śaṃkara
Maheśvara: die Größe Vāsudevas wollen wir hören, Śaṃkara (1.Pl.Präs.; Inf.)
pitāmahād api varaḥ śāśvataḥ puruṣo hariḥ
auch besser als der Großvater, der ewige Puruṣa Hari (Abl. des Vergleichs)
kṛṣṇo jāmbūnadābhāso vyabhre sūrya ivoditaḥ
Kṛṣṇa, goldglänzend, wie aufgegangene Sonne am wolkenlosen [Himmel] (Lok.)
daśabāhur mahātejā devatāriniṣūdanaḥ
zehnarmig, hocherstrahlend, Vernichter der Götterfeinde
śrīvatsāṅko hṛṣīkeśaḥ sarvadaivatapūjitaḥ
mit Śrīvatsa-Mal, Hṛṣīkeśa, von allen Göttern verehrt
brahmā tasyodaraśayas tathāhaṃ ca śirobhavaḥ
Brahmā im Leib von ihm liegend, und ich aus dem Haupt entstanden
śiroruhebhyo jyotīṃṣi romabhyaś ca surāsurāḥ
aus den Haaren die Lichter, aus den Körperhaaren Götter und Asuras (Abl.)
ṛṣayo dehasaṃbhūtās tasya lokāś ca śāśvatāḥ
die Ṛṣis, aus dem Körper entstanden, und seine ewigen Welten
pitāmahagṛhaṃ sākṣāt sarvadevagṛhaṃ ca saḥ
er ist unmittelbar das Haus des Großvaters und aller Götter
so 'syāḥ pṛthivyāḥ kṛtsnāyāḥ sraṣṭā tribhuvaneśvaraḥ
er, Schöpfer dieser ganzen Erde, Herr der drei Welten (Gen.)
saṃhartā caiva bhūtānāṃ sthāvarasya carasya ca
und Vernichter der Wesen, des Unbeweglichen und Beweglichen
sa devaripujit sākṣād devanāthaḥ paraṃtapaḥ
er, Besieger der Götterfeinde, unmittelbar Herr der Götter, Feindebedränger
sarvajñaḥ sarvasaṃśliṣṭaḥ sarvagaḥ sarvatomukhaḥ
allwissend, mit allem verbunden, allgegenwärtig, nach allen Seiten blickend

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rede ist als Preis Vāsudevas zu verstehen; die Sprecherangaben am Anfang (ṛṣayaḥ / maheśvaraḥ) stehen so im Text. ‚vyabhre‘ Lok.: am wolkenlosen [Himmel].

paramātmā hṛṣīkeśaḥ sarvavyāpī maheśvaraḥ; na tasmāt paramaṃ bhūtaṃ triṣu lokeṣu kiṃ cana; surakāryārtham utpanno mānuṣaṃ vapur āsthitaḥ; na hi devagaṇāḥ śaktās trivikramavinākṛtāḥ; bhuvane devakāryāṇi kartuṃ nāyakavarjitāḥ; nāyakaḥ sarvadevānāṃ sarvabhūtanamaskṛtaḥ; etasya devanāthasya devakāryaparasya ca; brahmabhūtasya satataṃ brahmarṣiśaraṇasya ca; brahmā vasati garbhasthaḥ śarīre sukhasaṃsthitaḥ; sarvāḥ sukhasthitāś caiva śarīre tasya devatāḥ; sa devaḥ puṇḍarīkākṣaḥ śrīgarbhaḥ śrīsahoṣitaḥ; śārṅgacakrāyudhaḥ khaḍgī sarvanāgaripudhvajaḥ; uttamena ca śaucena śīlena ca damena ca; parākrameṇa vīryeṇa vapuṣā darśanena ca; āroheṇa pramāṇena dhairyeṇārjavasaṃpadā

Paramātman, Hṛṣīkeśa, alldurchdringend, Maheśvara [Großer Herr]; es gibt in den drei Welten kein höheres Wesen als ihn. Um der Götter Werk willen ist er entstanden und hat einen Menschenleib angenommen. Denn die Scharen der Götter vermögen ohne den Dreischritt-Gehenden [Viṣṇu] nicht, in der Welt die Werke der Götter zu tun, ohne Führer. Der Führer aller Götter, von allen Wesen verehrt, ist dieser Gott der Götter, auf das Werk der Götter bedacht, ständig Brahman-geworden, Zuflucht der Brahmanen-Weisen. Brahmā wohnt im Leib, im Mutterschoß, in Wohlbehagen gegründet; und alle Gottheiten weilen im Körper von ihm in Wohlsein. Dieser Gott, der Lotosäugige, Śrī im Schoß, mit Śrī zusammenwohnend, mit Śārṅga-Bogen und Diskus als Waffen, Schwertträger, dessen Banner die Feinde der Nāgas [Garuḍa] trägt; ausgezeichnet durch höchste Reinheit, Charakter und Selbstzucht, durch Tapferkeit, Kraft, Gestalt und Anblick, durch Höhe, Maß, Standhaftigkeit und Redlichkeit,

Wort für Wort
paramātmā hṛṣīkeśaḥ sarvavyāpī maheśvaraḥ
höchstes Selbst, Hṛṣīkeśa, allumfassend, Großer Herr
na tasmāt paramaṃ bhūtaṃ triṣu lokeṣu kiṃ cana
kein höheres Wesen als er in den drei Welten (Abl.; Lok.)
surakāryārtham utpanno mānuṣaṃ vapur āsthitaḥ
um der Götter Werk willen entstanden, einen Menschenleib angenommen (Part.Pass.)
na hi devagaṇāḥ śaktās trivikramavinākṛtāḥ
denn die Götterscharen sind nicht fähig, ohne Trivikrama [Viṣṇu] (Part.Pass.)
bhuvane devakāryāṇi kartuṃ nāyakavarjitāḥ
in der Welt die Götterwerke zu tun, ohne Führer (Inf.)
nāyakaḥ sarvadevānāṃ sarvabhūtanamaskṛtaḥ
Führer aller Götter, von allen Wesen verehrt
etasya devanāthasya devakāryaparasya ca
dieses Götterherrn, der auf der Götter Werk bedacht ist (Gen.)
brahmabhūtasya satataṃ brahmarṣiśaraṇasya ca
der stets Brahman-geworden ist, Zuflucht der Brahmanen-Weisen (Gen.)
brahmā vasati garbhasthaḥ śarīre sukhasaṃsthitaḥ
Brahmā wohnt im Leib, im Schoß befindlich, in Wohlsein ruhend (3.Sg.Präs.)
sarvāḥ sukhasthitāś caiva śarīre tasya devatāḥ
und alle Gottheiten sind wohlbehalten in seinem Körper
sa devaḥ puṇḍarīkākṣaḥ śrīgarbhaḥ śrīsahoṣitaḥ
dieser Gott, lotosäugig, Śrī im Schoß, mit Śrī zusammen wohnend
śārṅgacakrāyudhaḥ khaḍgī sarvanāgaripudhvajaḥ
mit Śārṅga-Bogen und Diskus als Waffen, Schwertträger, mit dem Feind aller Nāgas als Banner
uttamena ca śaucena śīlena ca damena ca
durch höchste Reinheit, Charakter und Selbstbezähmung (Instr.)
parākrameṇa vīryeṇa vapuṣā darśanena ca
durch Tapferkeit, Kraft, Gestalt und Anblick
āroheṇa pramāṇena dhairyeṇārjavasaṃpadā
durch Wuchs, Maß, Standhaftigkeit und Fülle an Redlichkeit

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚trivikramavinākṛtāḥ‘: ‚ohne Viṣṇu‘ (Dreischritt-Gehender); ‚sarvanāgaripudhvaja‘ = Garuḍa als Banner (Bahuvrīhi).

ānṛśaṃsyena rūpeṇa balena ca samanvitaḥ; astraiḥ samuditaḥ sarvair divyaiś cādbhutadarśanaiḥ; yogamāyaḥ sahasrākṣo niravadyo mahāmanāḥ; dhīro mitrajanaślāghī jñātibandhujanapriyaḥ; kṣamāvān anahaṃvādī brahmaṇyo brahmanāyakaḥ; bhayahartā bhayārtānāṃ mitrāṇāṃ nandivardhanaḥ; śaraṇyaḥ sarvabhūtānāṃ dīnānāṃ pālane rataḥ; śrutavān arthasaṃpannaḥ sarvabhūtanamaskṛtaḥ; samāśritānām upakṛc chatrūṇām api dharmavit; matimān nītisaṃpanno brahmacārī jitendriyaḥ; bhavārtham iha devānāṃ buddhyā paramayā yutaḥ; prājāpatye śubhe mārge mānave dharmasaṃhite; samutpatsyati govindo manor vaṃśe mahātmanaḥ; aṅganāmā manoḥ putras tv antardhāmā tataḥ paraḥ; antardhāmno havirdhāmā prajāpatir aninditaḥ

mit Mitgefühl, Gestalt und Kraft ausgestattet, vollständig versehen mit allen göttlichen Waffen von wunderbarem Anblick; Herr der Yoga-Māyā, tausendäugig, tadellos, hochgesinnt, standhaft, seine Freunde rühmend, den Verwandten und Sippenangehörigen lieb; nachsichtig, nicht prahlerisch, den Brahmanen ergeben, Herr der Brahmanen; Furchtnehmer der Furchtgeplagten, der die Freude der Freunde mehrt; Zuflucht aller Wesen, im Schutz der Elenden erfreut; gelehrt, sachkundig, von allen Wesen verehrt; für die Schutzsuchenden ein Wohltäter, selbst gegenüber Feinden pflichtkundig; verständig, im Recht bewandert, ein Brahmacārin, Sinnesbezwinger, mit höchster Einsicht begabt, ist er hier um der Götter willen zum Dasein [gekommen]. Auf dem glücklichen, prajāpatischen, menschlichen, pflichtgemäßen Weg wird Govinda im Geschlecht des hochherzigen Manu geboren werden. Manus Sohn ist Aṅga mit Namen, danach Antardhāman; von Antardhāman kommt Havirdhāman, der Prajāpati, der Untadelige;

Wort für Wort
ānṛśaṃsyena rūpeṇa balena ca samanvitaḥ
mit Mitgefühl, Gestalt und Kraft ausgestattet (Instr.)
astraiḥ samuditaḥ sarvair divyaiś cādbhutadarśanaiḥ
mit allen göttlichen Waffen von wunderbarem Anblick versehen (Instr.Pl.)
yogamāyaḥ sahasrākṣo niravadyo mahāmanāḥ
Herr der Yoga-Māyā, tausendäugig, tadellos, hochgesinnt
dhīro mitrajanaślāghī jñātibandhujanapriyaḥ
standhaft, die Freunde rühmend, den Verwandten lieb
kṣamāvān anahaṃvādī brahmaṇyo brahmanāyakaḥ
nachsichtig, nicht prahlend, den Brahmanen zugetan, Führer der Brahmanen
bhayahartā bhayārtānāṃ mitrāṇāṃ nandivardhanaḥ
der Furchtnehmer der Furchtgequälten, Mehrer der Freude der Freunde
śaraṇyaḥ sarvabhūtānāṃ dīnānāṃ pālane rataḥ
Zuflucht aller Wesen, am Schützen der Elenden Freude findend
śrutavān arthasaṃpannaḥ sarvabhūtanamaskṛtaḥ
gelehrt, sachkundig/wohlhabend, von allen Wesen verehrt
samāśritānām upakṛc chatrūṇām api dharmavit
Wohltäter der Schutzsuchenden, auch gegenüber Feinden pflichtkundig
matimān nītisaṃpanno brahmacārī jitendriyaḥ
verständig, staatskundig/rechtlich, Brahmacārin, Sinnesbezwinger
bhavārtham iha devānāṃ buddhyā paramayā yutaḥ
um des Daseins der Götter willen hier, mit höchster Einsicht begabt
prājāpatye śubhe mārge mānave dharmasaṃhite
auf dem glückbringenden Prajāpati-Weg, dem menschlichen, pflichtgemäßen (Lok.)
samutpatsyati govindo manor vaṃśe mahātmanaḥ
wird Govinda entstehen im Geschlecht des hochherzigen Manu (3.Sg.Fut.)
aṅganāmā manoḥ putras tv antardhāmā tataḥ paraḥ
Manus Sohn Aṅga mit Namen, danach Antardhāman
antardhāmno havirdhāmā prajāpatir aninditaḥ
von Antardhāman [kommt] Havirdhāman, der Prajāpati, der Untadelige (Gen.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚bhavārtham‘ am Ende: ‚um des Daseins/Werdens (der Götter) willen‘ unsicher [?]; ‚arthasaṃpanna‘ kann auch ‚wohlhabend‘ heißen.

prācīnabarhir bhavitā havirdhāmasuto mahān; tasya pracetaḥpramukhā bhaviṣyanti daśātmajāḥ; prācetasas tathā dakṣo bhaviteha prajāpatiḥ; dākṣāyiṇyās tathādityo manur ādityatas tathā; manoś ca vaṃśaja iḍā sudyumnaś ca bhaviṣyati; budhāt purūravāś cāpi tasmād āyur bhaviṣyati; nahuṣo bhavitā tasmād yayātis tasya cātmajaḥ; yadus tasmān mahāsattvaḥ kroṣṭā tasmād bhaviṣyati; kroṣṭuś caiva mahān putro vṛjinīvān bhaviṣyati; vṛjinīvato hi bhavitā uṣadgur aparājitaḥ; uṣadgor bhavitā putraḥ śūraś citrarathas tathā; tasya tv avarajaḥ putraḥ śūro nāma bhaviṣyati; teṣāṃ vikhyātavīryāṇāṃ cāritraguṇaśālinām; yajvināṃ suviśuddhānāṃ vaṃśe brāhmaṇasaṃmate; sa śūraḥ kṣatriyaśreṣṭho mahāvīryo mahāyaśāḥ

Havirdhāmans Sohn wird der große Prācīnabarhis sein. Er wird zehn Söhne haben, mit Pracetas an der Spitze. Von den Prāchetas [entsteht] hier Dakṣa als Prajāpati; von Dākṣāyaṇī [Aditi] dann Āditya und von Āditya Manu. Aus Manus Geschlecht werden Iḍā und Sudyumna entstehen, von Budha Purūravas, und von diesem wird Āyu entstehen. Von ihm wird Nahuṣa entstehen, dessen Sohn Yayāti; von ihm Yadu, der Großwesenhafte, von ihm Kroṣṭṛ. Und Kroṣṭṛs großer Sohn wird Vṛjinīvān sein; von Vṛjinīvat aber wird Uṣadgu, der Unbesiegte, geboren; Uṣadgus Sohn [wird] Śūra sein und ebenso Citraratha; dessen jüngerer Sohn wird Śūra genannt werden. Im Geschlecht dieser Berühmten an Tapferkeit, mit Tugenden des Wandels, Opfernden, sehr Reinen, unter den Brahmanen geschätzt, [wird] jener Śūra, der beste der Kṣatriyas, von großer Tapferkeit und großem Ruhm,

Wort für Wort
prācīnabarhir bhavitā havirdhāmasuto mahān
Prācīnabarhis, der große Sohn Havirdhāmans, wird sein (Periphr.Fut.)
tasya pracetaḥpramukhā bhaviṣyanti daśātmajāḥ
seine zehn Söhne, mit Pracetas an der Spitze, wird es geben
prācetasas tathā dakṣo bhaviteha prajāpatiḥ
der Prācetasa Dakṣa wird hier Prajāpati sein
dākṣāyiṇyās tathādityo manur ādityatas tathā
von Dākṣāyaṇī Āditya, von Āditya Manu (Abl.)
manoś ca vaṃśaja iḍā sudyumnaś ca bhaviṣyati
aus Manus Geschlecht wird Iḍā und Sudyumna sein
budhāt purūravāś cāpi tasmād āyur bhaviṣyati
von Budha Purūravas, von diesem wird Āyu sein
nahuṣo bhavitā tasmād yayātis tasya cātmajaḥ
von ihm Nahuṣa, dessen Sohn Yayāti
yadus tasmān mahāsattvaḥ kroṣṭā tasmād bhaviṣyati
von diesem Yadu, der Großwesenhafte, von ihm wird Kroṣṭṛ sein
kroṣṭuś caiva mahān putro vṛjinīvān bhaviṣyati
und Kroṣṭṛs großer Sohn wird Vṛjinīvān sein
vṛjinīvato hi bhavitā uṣadgur aparājitaḥ
von Vṛjinīvat wird Uṣadgu, der Unbesiegte, sein
uṣadgor bhavitā putraḥ śūraś citrarathas tathā
Uṣadgus Sohn wird Śūra sein und ebenso Citraratha
tasya tv avarajaḥ putraḥ śūro nāma bhaviṣyati
dessen jüngerer Sohn wird Śūra heißen
teṣāṃ vikhyātavīryāṇāṃ cāritraguṇaśālinām
dieser durch Tapferkeit Berühmten, mit Tugenden des Wandels (Gen.Pl.)
yajvināṃ suviśuddhānāṃ vaṃśe brāhmaṇasaṃmate
der Opfernden, sehr Reinen, im von den Brahmanen anerkannten Geschlecht (Lok.)
sa śūraḥ kṣatriyaśreṣṭho mahāvīryo mahāyaśāḥ
jener Śūra, bester Kṣatriya, sehr tapfer, sehr berühmt

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Genealogie ist in der Vorhersageform (Fut.) gegeben; der Satz setzt sich in n=395 fort.

svavaṃśavistarakaraṃ janayiṣyati mānadaḥ; vasudeva iti khyātaṃ putram ānakaduṃdubhim; tasya putraś caturbāhur vāsudevo bhaviṣyati; dātā brāhmaṇasatkartā brahmabhūto dvijapriyaḥ; rājñaḥ sarvāṃś ca ruddhān sa mokṣayiṣyati mānadaḥ; jarāsaṃdhaṃ ca rājānaṃ nirjitya girigahvare; sarvapārthivaratnāḍhyo bhaviṣyati sa vīryavān; pṛthivyām apratihato vīryeṇa ca bhaviṣyati; vikrameṇa ca saṃpannaḥ sarvapārthivapārthivaḥ; śūraseneṣu saṃbhūto dvārakāyāṃ vasan prabhuḥ; pālayiṣyati gāṃ devīṃ vijitya nayavat sadā; taṃ bhavantaḥ samāsādya vāṅmālyair arhaṇair varaiḥ; arcayantu yathānyāyaṃ brahmāṇam iva śāśvatam; yo hi māṃ draṣṭum iccheta brahmāṇaṃ vā pitāmaham

[wird] einen Sohn zeugen, der die Ausbreitung seines Geschlechts bewirkt, Ehrengebender: den als Vasudeva bekannten Ānakadundubhi. Dessen Sohn wird der vierarmige Vāsudeva sein, ein Geber, Ehrer der Brahmanen, Brahman-gleich, den Zweimalgeborenen lieb. Er, der Ehren-Gebende, wird alle gefangenen Könige befreien. Und nachdem er König Jarāsaṃdha in der Bergschlucht besiegt hat, wird der Tapfere an allen Königsjuwelen reich sein. Auf Erden unbehindert wird er sein durch Tapferkeit und mit Kühnheit ausgestattet, ein König der Könige. In den Śūrasenas entstanden, in Dvārakā wohnend, wird der Herr die Erde als Göttin schützen, [sie] stets nach Recht besiegt habend. Ihn sollt ihr, herangetreten, mit Worten, Kränzen und besten Ehrengaben nach Regel verehren wie den ewigen Brahmā. Wer mich sehen will oder Brahmā, den Großvater,

Wort für Wort
svavaṃśavistarakaraṃ janayiṣyati mānadaḥ
der Ehren-Gebende wird [einen Sohn] zeugen, der sein Geschlecht ausbreitet (3.Sg.Fut.)
vasudeva iti khyātaṃ putram ānakaduṃdubhim
den als Vasudeva bekannten Sohn Ānakadundubhi (Part.Pass.; Akk.)
tasya putraś caturbāhur vāsudevo bhaviṣyati
dessen Sohn, vierarmig, wird Vāsudeva sein
dātā brāhmaṇasatkartā brahmabhūto dvijapriyaḥ
Geber, Ehrer der Brahmanen, brahmangleich, den Zweimalgeborenen lieb
rājñaḥ sarvāṃś ca ruddhān sa mokṣayiṣyati mānadaḥ
er wird alle eingekerkerten Könige befreien (Part.Pass.; Kaus.Fut.)
jarāsaṃdhaṃ ca rājānaṃ nirjitya girigahvare
und König Jarāsaṃdha besiegt habend in der Bergschlucht (Abs.)
sarvapārthivaratnāḍhyo bhaviṣyati sa vīryavān
er wird reich an allen Königsjuwelen sein, der Tapfere
pṛthivyām apratihato vīryeṇa ca bhaviṣyati
auf Erden unbehindert wird er sein durch Kraft (Part.Pass.)
vikrameṇa ca saṃpannaḥ sarvapārthivapārthivaḥ
und mit Heldentum ausgestattet, König aller Könige
śūraseneṣu saṃbhūto dvārakāyāṃ vasan prabhuḥ
bei den Śūrasenas entstanden, in Dvārakā wohnend, der Herr (Lok.)
pālayiṣyati gāṃ devīṃ vijitya nayavat sadā
er wird die Erde als Göttin schützen, [sie] besiegt habend, stets klug (Fut.; Abs.)
taṃ bhavantaḥ samāsādya vāṅmālyair arhaṇair varaiḥ
ihn, ihr [Herren], herangetreten, mit Worten [als] Kränzen und besten Ehrengaben (Instr.)
arcayantu yathānyāyaṃ brahmāṇam iva śāśvatam
möget ihr verehren nach Recht, wie den ewigen Brahmā (Imp.)
yo hi māṃ draṣṭum iccheta brahmāṇaṃ vā pitāmaham
denn wer mich sehen wollte oder Brahmā, den Großvater (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚vāṅmālyair‘ wörtl. ‚Wort-Kränze‘ (Lobreden) [?].

draṣṭavyas tena bhagavān vāsudevaḥ pratāpavān; dṛṣṭe tasminn ahaṃ dṛṣṭo na me 'trāsti vicāraṇā; pitāmaho vā deveśa iti vitta tapodhanāḥ; sa yasya puṇḍarīkākṣaḥ prītiyukto bhaviṣyati; tasya devagaṇaḥ prīto brahmapūrvo bhaviṣyati; yaś ca taṃ mānavo loke saṃśrayiṣyati keśavam; tasya kīrtir jayaś caiva svargaś caiva bhaviṣyati; dharmāṇāṃ deśikaḥ sākṣāt sa bhaviṣyati dharmabhāk; dharmavidbhiḥ sa deveśo namaskāryaḥ sadodyataiḥ; dharma eva paro hi syāt tasminn abhyarcite vibhau; sa hi devo mahātejāḥ prajāhitacikīrṣayā; dharmārthaṃ puruṣavyāghra ṛṣikoṭīḥ sasarja ha; tāḥ sṛṣṭās tena vibhunā parvate gandhamādane; sanatkumārapramukhās tiṣṭhanti tapasānvitāḥ

der soll den Herrn Vāsudeva, den Glanzvollen, sehen. Wenn er gesehen ist, bin ich gesehen; daran ist bei mir kein Zweifel. Oder [ist es], Herr der Götter, [auch Brahmā] der Großvater – so wisst es, ihr Askesereichen. Wem dieser Lotosäugige wohlwollend zugetan sein wird, dem wird die Götterschar, Brahmā an der Spitze, wohlgesinnt sein. Und der Mensch, der in der Welt bei diesem Keśava Zuflucht nimmt, dem werden Ruhm, Sieg und Himmel zuteil werden. Er wird unmittelbar der Lehrer der Pflichten sein, und er wird Pflichtteilhaber. Von Pflichtkundigen ist dieser Herr der Götter, ständig eifrig, zu verehren. Die Pflicht allein wird das Höchste sein, wenn er, der Mächtige, verehrt ist. Denn dieser Gott von großer Strahlkraft, aus dem Wunsch, den Geschöpfen Heil zu tun, erschuf zum Zweck der Pflicht, Tiger unter den Männern, zehn Millionen Ṛṣis. Sie, von diesem Herrn geschaffen, verweilen auf dem Berg Gandhamādana, mit Askese verbunden, Sanatkumāra an der Spitze.

Wort für Wort
draṣṭavyas tena bhagavān vāsudevaḥ pratāpavān
von ihm ist der Herr Vāsudeva, der Glanzvolle, zu sehen (Gerundiv)
dṛṣṭe tasminn ahaṃ dṛṣṭo na me 'trāsti vicāraṇā
wenn jener gesehen ist, bin ich gesehen; bei mir gibt es hier keinen Zweifel (Lok.abs.)
pitāmaho vā deveśa iti vitta tapodhanāḥ
oder der Großvater, der Götterherr – so wisst, ihr Askesereichen (Imp.)
sa yasya puṇḍarīkākṣaḥ prītiyukto bhaviṣyati
wem dieser Lotosäugige wohlgesinnt sein wird
tasya devagaṇaḥ prīto brahmapūrvo bhaviṣyati
dem wird die Götterschar, Brahmā voran, wohlgesinnt sein
yaś ca taṃ mānavo loke saṃśrayiṣyati keśavam
und der Mensch, der in der Welt bei diesem Keśava Zuflucht nimmt (Fut.)
tasya kīrtir jayaś caiva svargaś caiva bhaviṣyati
dem werden Ruhm, Sieg und Himmel werden
dharmāṇāṃ deśikaḥ sākṣāt sa bhaviṣyati dharmabhāk
er wird unmittelbar Lehrer der Pflichten sein, der Pflicht teilhaftig
dharmavidbhiḥ sa deveśo namaskāryaḥ sadodyataiḥ
von Pflichtkundigen ist dieser Herr der Götter stets eifrig zu verehren (Gerundiv)
dharma eva paro hi syāt tasminn abhyarcite vibhau
die Pflicht allein sei höchste, wenn dieser Mächtige verehrt ist (Opt.; Lok.abs.)
sa hi devo mahātejāḥ prajāhitacikīrṣayā
denn dieser Gott von großer Glut, im Wunsch, den Geschöpfen Heil zu tun
dharmārthaṃ puruṣavyāghra ṛṣikoṭīḥ sasarja ha
zum Zweck der Pflicht erschuf er, Tiger unter den Männern, zehn Millionen Ṛṣis (Perf.)
tāḥ sṛṣṭās tena vibhunā parvate gandhamādane
die von diesem Mächtigen Geschaffenen [weilen] auf dem Berg Gandhamādana (Part.Pass.)
sanatkumārapramukhās tiṣṭhanti tapasānvitāḥ
mit Sanatkumāra an der Spitze, mit Askese verbunden, verweilen sie (3.Pl.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚pitāmaho vā deveśa‘ syntaktisch knapp; Wiedergabe sinngemäß [?]. ‚ṛṣikoṭīḥ‘: koṭi = zehn Millionen (auch ‚sehr viele‘).

tasmāt sa vāgmī dharmajño namasyo dvijapuṃgavāḥ; vandito hi sa vandeta mānito mānayeta ca; arcitaś cārcayen nityaṃ pūjitaḥ pratipūjayet; dṛṣṭaḥ paśyed aharahaḥ saṃśritaḥ pratisaṃśrayet; arcitaś cārcayen nityaṃ sa devo dvijasattamāḥ; etat tasyānavadyasya viṣṇor vai paramaṃ vratam; ādidevasya mahataḥ sajjanācaritaṃ sadā; bhuvane 'bhyarcito nityaṃ devair api sanātanaḥ; ubhayenānurūpeṇa yajante tam anuvratāḥ; karmaṇā manasā vācā namasyaḥ sa dvijaiḥ sadā; yatnavadbhir upasthāya draṣṭavyo devakīsutaḥ; eṣa vo 'bhihito mārgo mayā vai munisattamāḥ; taṃ dṛṣṭvā sarvaśo devā dṛṣṭāḥ syur munisattamāḥ; mahāvarāhaṃ taṃ devaṃ sarvalokapitāmaham; ahaṃ caiva namasyāmi nityam eva jagatpatim

Darum ist er, der Redegewandte, Pflichtkundige, zu verehren, ihr besten der Zweimalgeborenen. Wer verehrt wird, verehrt seinerseits; wer geehrt wird, ehrt; wer geehrt ist, soll stets [zurück]ehren; wer gesehen wird, sieht Tag für Tag; wer Zuflucht genommen hat, soll Zuflucht gewähren. Wer geehrt ist, soll stets ehren – dieser Gott, ihr besten der Zweimalgeborenen. Dies ist das höchste Gelübde jenes tadellosen Viṣṇu, des großen Urgottes, das stets von den Guten beobachtet wird; in der Welt wird er stets verehrt, selbst von den Göttern, der Ewige. In beider Weise, angemessen, verehren ihn die Anhänger; durch Tat, Sinn und Wort ist er von den Zweimalgeborenen stets zu verehren. Mit Eifer herangetreten ist der Sohn der Devakī zu sehen. Dieser Weg ist euch, ihr besten der Weisen, von mir angegeben; hat man ihn gesehen, so sind alle Götter gesehen, ihr besten der Weisen. Den großen Eber-Gott, den Großvater aller Welten, und ich verneige mich stets vor dem Herrn der Welt.

Wort für Wort
tasmāt sa vāgmī dharmajño namasyo dvijapuṃgavāḥ
darum ist der Redegewandte, Pflichtkundige zu verehren, ihr Stiere der Zweimalgeborenen
vandito hi sa vandeta mānito mānayeta ca
wer begrüßt ist, begrüße [zurück], wer geehrt ist, ehre [zurück] (Opt.)
arcitaś cārcayen nityaṃ pūjitaḥ pratipūjayet
wer verehrt ist, verehre stets, wer geehrt ist, ehre zurück
dṛṣṭaḥ paśyed aharahaḥ saṃśritaḥ pratisaṃśrayet
wer gesehen ist, sehe Tag für Tag, wer Zuflucht genommen hat, gewähre Zuflucht
arcitaś cārcayen nityaṃ sa devo dvijasattamāḥ
verehrt, verehrt er stets, dieser Gott, ihr besten Zweimalgeborenen
etat tasyānavadyasya viṣṇor vai paramaṃ vratam
dies ist das höchste Gelübde jenes tadellosen Viṣṇu
ādidevasya mahataḥ sajjanācaritaṃ sadā
des großen Urgottes, stets von Guten befolgt (Part.Pass.)
bhuvane 'bhyarcito nityaṃ devair api sanātanaḥ
in der Welt stets von Göttern verehrt, der Ewige
ubhayenānurūpeṇa yajante tam anuvratāḥ
in beiderlei angemessener Weise verehren ihn die Anhänger (3.Pl.Med.)
karmaṇā manasā vācā namasyaḥ sa dvijaiḥ sadā
durch Tat, Sinn und Wort ist er von Zweimalgeborenen stets zu verehren
yatnavadbhir upasthāya draṣṭavyo devakīsutaḥ
von Eifrigen, herangetreten, ist der Sohn der Devakī zu sehen (Abs.; Gerundiv)
eṣa vo 'bhihito mārgo mayā vai munisattamāḥ
dieser Weg ist euch von mir genannt, ihr besten Weisen (Part.Pass.)
taṃ dṛṣṭvā sarvaśo devā dṛṣṭāḥ syur munisattamāḥ
wenn er gesehen ist, sind völlig alle Götter gesehen (Abs.; Opt.)
mahāvarāhaṃ taṃ devaṃ sarvalokapitāmaham
jenen Gott, den großen Eber, den Großvater aller Welten
ahaṃ caiva namasyāmi nityam eva jagatpatim
und ich verehre stets den Herrn der Welt (1.Sg.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚ubhayenānurūpeṇa‘: ‚in beiderlei angemessener Weise‘ unklar, vermutlich (äußerlich und innerlich) [?].

tatra vas tritayaṃ dṛṣṭaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ; samastā hi vayaṃ devās tasya dehe vasāmahe; tasya caivāgrajo bhrātā sitābhranicayaprabhaḥ; halī bala iti khyāto bhaviṣyati dharādharaḥ; triśirās tasya devasya śātakaumbhamayo drumaḥ; dhvajas tṛṇendro devasya bhaviṣyati rathāśritaḥ; śiro nāgair mahābhogaiḥ parikīrṇaṃ mahātmanaḥ; bhaviṣyati mahābāhoḥ sarvalokeśvarasya hi; cintitāni sameṣyanti śastrāṇy astrāṇi caiva ha; anantaś ca sa evokto bhagavān harir avyayaḥ; samādiṣṭaḥ sa vibudhair darśayantam iti prabho; suparṇo yasya vīryeṇa kaśyapasyātmajo balī; antaṃ naivāśakad draṣṭuṃ devasya paramātmanaḥ; sa ca śeṣe vicarate parayā vai mudā yutaḥ; antar vasati bhogena parirabhya vasuṃdharām

Dort wird euch ohne Zweifel eine Dreiheit sichtbar werden. Wir alle, die Götter, wohnen in seinem Leib. Und sein älterer Bruder, im Glanz einer Schar weißer Wolken, wird Bala mit dem Pflug genannt sein, der Erdträger. Der Baum jenes Gottes [wird] dreiköpfig, aus Gold gemacht [sein]; als Banner wird der Palmyrenkönig [Palmbaum] des Gottes am Wagen angebracht sein. Und das Haupt des hochherzigen, langarmigen Herrn aller Welten wird mit Nāgas von großen Leibern umgeben sein. Gedachte Waffen, Schleuder- und Wurfwaffen werden sich einstellen. Und er wird Ananta genannt, der Herr Hari, der Unvergängliche; von den Göttern ist er beauftragt worden, sich zu zeigen, Herr. Suparṇa, der Sohn Kaśyapas, der Starke, hat durch seine Kraft das Ende des höchsten Selbst, jenes Gottes, nicht sehen können. Und er, Śeṣa, wandelt, von höchster Freude erfüllt; er wohnt innen, mit seinem Körper die Erde umfassend.

Wort für Wort
tatra vas tritayaṃ dṛṣṭaṃ bhaviṣyati na saṃśayaḥ
dort wird euch eine Dreiheit gesehen sein, ohne Zweifel (Fut.)
samastā hi vayaṃ devās tasya dehe vasāmahe
wir Götter insgesamt wohnen in seinem Leib (1.Pl.Med.)
tasya caivāgrajo bhrātā sitābhranicayaprabhaḥ
und sein älterer Bruder, im Glanz einer Schar weißer Wolken
halī bala iti khyāto bhaviṣyati dharādharaḥ
der Pflugträger, ‚Bala‘ genannt, wird Erdträger sein (Part.Pass.)
triśirās tasya devasya śātakaumbhamayo drumaḥ
dreiköpfig ist dieses Gottes goldener Baum (Nom.)
dhvajas tṛṇendro devasya bhaviṣyati rathāśritaḥ
Banner wird der Palmbaum des Gottes sein, am Wagen befestigt
śiro nāgair mahābhogaiḥ parikīrṇaṃ mahātmanaḥ
das Haupt des Hochherzigen von großleibigen Nāgas umgeben (Part.Pass.)
bhaviṣyati mahābāhoḥ sarvalokeśvarasya hi
wird sein des Langarmigen, des Herrn aller Welten
cintitāni sameṣyanti śastrāṇy astrāṇi caiva ha
gedachte Waffen, Schwerter und Wurfgeschosse werden sich einfinden (3.Pl.Fut.)
anantaś ca sa evokto bhagavān harir avyayaḥ
und er wird Ananta genannt, der Herr Hari, der Unvergängliche (Part.Pass.)
samādiṣṭaḥ sa vibudhair darśayantam iti prabho
von den Göttern beauftragt, [sich] zu zeigen, Herr (Part.Pass.)
suparṇo yasya vīryeṇa kaśyapasyātmajo balī
Suparṇa, Kaśyapas Sohn, der Kräftige, dessen Kraft
antaṃ naivāśakad draṣṭuṃ devasya paramātmanaḥ
vermochte das Ende des Gottes, des höchsten Selbst, nicht zu sehen (Aor.)
sa ca śeṣe vicarate parayā vai mudā yutaḥ
und er, in Śeṣa, wandelt umher, mit höchster Freude verbunden
antar vasati bhogena parirabhya vasuṃdharām
innen wohnt er, mit seinem Körper die Erde umfassend (Abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist hier zusammengezogen und teils syntaktisch brüchig (‚suparṇo yasya vīryeṇa‘, ‚sa ca śeṣe‘); sinngemäß wiedergegeben [?]. ‚tṛṇendra‘ = Palme.

sa eṣa viṣṇuḥ so 'nanto bhagavān vasudhādharaḥ; yo rāmaḥ sa hṛṣīkeśo yo 'cyutaḥ sa dharādharaḥ; tāv ubhau puruṣavyāghrau divyau divyavapurdharau; draṣṭavyau mānanīyau ca cakralāṅgaladhāriṇau; eṣa yo 'nugrahaḥ prokto mayā puṇyas tapodhanāḥ; nāradaḥ; yaṃ bhavanto dvijaśreṣṭhāḥ pūjayeyuḥ prayatnataḥ; atha vyomni mahāñ śabdaḥ savidyut stanayitnumān; meghaiś ca gaganaṃ nīlaiḥ saṃruddham abhavad ghanaiḥ; prāvṛṣīva ca parjanyo vavṛṣe nirmalaṃ payaḥ; nabhaś caivābhavad ghoraṃ diśaś ca na cakāśire; tato devagirau tasmin ramye puṇye sanātane; na śarvaṃ bhūtasaṃghaṃ vā dadṛśur munayas tadā; vyabhraṃ ca gaganaṃ sadyaḥ kṣaṇena samapadyata; tīrthayātrāṃ tato viprā jagmuś cānye yathāgatam

Dieser ist Viṣṇu, dieser ist der Unendliche [Ananta], der Herr, der Erdträger. Der, der Rāma ist, ist Hṛṣīkeśa; der, der Acyuta ist, ist der Erdträger. Diese beiden, Tiger unter den Männern, göttlich, göttliche Leiber tragend, sind zu sehen und zu ehren, [der eine] mit Diskus, [der andere] mit Pflug als Zeichen. Dies ist die Gunst, die von mir verkündet wurde, ihr Askesereichen, verdienstvoll – Nārada [sprach:] – wenn ihr, beste der Zweimalgeborenen, [ihn] mit Eifer verehrt. Da erhob sich am Himmel ein gewaltiges Getöse mit Blitz und Donner; und der Himmel war mit dunklen, dichten Wolken erfüllt. Wie in der Regenzeit ließ Parjanya klares Wasser regnen; der Himmel wurde furchtbar, und die Himmelsrichtungen leuchteten nicht. Dann sahen die Weisen auf jenem schönen, verdienstvollen, ewigen Götterberg weder Śarva noch die Schar der Wesen. Und der Himmel wurde im Nu wolkenlos. Die Brahmanen gingen dann zur Pilgerfahrt, und andere, wie sie gekommen waren.

Wort für Wort
sa eṣa viṣṇuḥ so 'nanto bhagavān vasudhādharaḥ
dieser ist Viṣṇu, dieser der Unendliche, der Herr, Erdträger
yo rāmaḥ sa hṛṣīkeśo yo 'cyutaḥ sa dharādharaḥ
der Rāma ist, ist Hṛṣīkeśa; der Acyuta ist, ist der Erdträger
tāv ubhau puruṣavyāghrau divyau divyavapurdharau
diese beiden Tiger unter Männern, göttlich, göttliche Leiber tragend (Dual)
draṣṭavyau mānanīyau ca cakralāṅgaladhāriṇau
zu sehen und zu ehren, Diskus und Pflug tragend (Dual; Gerundiv)
eṣa yo 'nugrahaḥ prokto mayā puṇyas tapodhanāḥ
diese Gunst ist von mir gesagt, verdienstvoll, ihr Askesereichen (Part.Pass.)
nāradaḥ yaṃ bhavanto dvijaśreṣṭhāḥ pūjayeyuḥ prayatnataḥ
Nārada: den ihr, beste Zweimalgeborene, mit Eifer verehren möget (Opt.)
atha vyomni mahāñ śabdaḥ savidyut stanayitnumān
da am Himmel großes Getöse mit Blitz und Donner (Lok.)
meghaiś ca gaganaṃ nīlaiḥ saṃruddham abhavad ghanaiḥ
und der Himmel war von dunklen, dichten Wolken angefüllt (Part.Pass.; Impf.)
prāvṛṣīva ca parjanyo vavṛṣe nirmalaṃ payaḥ
wie in der Regenzeit ließ Parjanya klares Wasser regnen (Perf.)
nabhaś caivābhavad ghoraṃ diśaś ca na cakāśire
und der Himmel wurde furchtbar, und die Himmelsrichtungen leuchteten nicht (Perf.Med.)
tato devagirau tasmin ramye puṇye sanātane
dann auf jenem schönen, verdienstvollen, ewigen Götterberg (Lok.)
na śarvaṃ bhūtasaṃghaṃ vā dadṛśur munayas tadā
sahen die Weisen damals weder Śarva noch die Wesenschar (Perf.)
vyabhraṃ ca gaganaṃ sadyaḥ kṣaṇena samapadyata
und der Himmel wurde sogleich, in einem Augenblick, wolkenlos (Impf.Med.)
tīrthayātrāṃ tato viprā jagmuś cānye yathāgatam
dann gingen die Brahmanen zur Pilgerfahrt, und andere, wie sie gekommen waren (Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚puṇyas tapodhanāḥ‘ / ‚nāradaḥ‘ Sprecherangabe mitten im Vers; ‚anugraha‘: Gunst (dieser Erzählung).

tad adbhutam acintyaṃ ca dṛṣṭvā te vismitābhavan; śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādaṃ tatkathāśrayam; bhagavān puruṣavyāghro brahmabhūtaḥ sanātanaḥ; yadartham anuśiṣṭāḥ smo giripṛṣṭhe mahātmanā; dvitīyam adbhutam idaṃ tvattejaḥkṛtam adya vai; dṛṣṭvātivismitāḥ kṛṣṇa sā ca naḥ smṛtir āgatā; etat te devadevasya māhātmyaṃ kathitaṃ vibho; kapardino girīśasya mahābāho janārdana; ity uktaḥ sa tadā kṛṣṇas tapovananivāsibhiḥ; mānayām āsa tān sarvān ṛṣīn devakinandanaḥ; atharṣayaḥ saṃprahṛṣṭāḥ punas te kṛṣṇam abruvan; punaḥ saṃdarśayasvāsmān sadaiva madhusūdana; na hi naḥ sā ratiḥ svarge yā ca tvaddarśane vibho; tādṛśaṃ ca mahābāho yathāha bhagavān bhavaḥ

Als sie dies Wunderbare, Unfassbare gesehen hatten, staunten sie: das Gespräch Śaṃkaras mit Umā, dessen Erzählung. „Der Herr, der Tiger unter den Männern, Brahman-geworden, der Ewige – um dessentwillen wir vom hochherzigen [Śiva] auf dem Bergrücken belehrt wurden: Dies ist das zweite Wunder, heute durch deine Strahlkraft gewirkt; da wir [es] gesehen haben, Kṛṣṇa, sind wir sehr erstaunt, und jene Erinnerung ist uns gekommen. Dies ist dir, Herr, die Größe des Gottes der Götter erzählt, des Locken-Trägers, des Berg-Herrn, Starkarmiger, Janārdana.“ So von den im Askesewald Wohnenden angesprochen, ehrte Kṛṣṇa, der Sohn der Devakī, alle jene Ṛṣis. Dann sprachen die Ṛṣis, hocherfreut, wieder zu Kṛṣṇa: „Zeige uns immer wieder [dich], Madhusūdana. Denn uns ist jene Freude im Himmel nicht [so groß] wie die bei deinem Anblick, Herr, und solche, Starkarmiger, wie der Herr Bhava gesprochen hat.“

Wort für Wort
tad adbhutam acintyaṃ ca dṛṣṭvā te vismitābhavan
dieses Wunderbare, Unfassbare gesehen habend, staunten sie (Abs.; Impf.)
śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādaṃ tatkathāśrayam
Śaṃkaras Gespräch mit Umā, dessen Erzählung zum Inhalt (Akk.)
bhagavān puruṣavyāghro brahmabhūtaḥ sanātanaḥ
der Herr, Tiger unter Männern, Brahman-geworden, ewig
yadartham anuśiṣṭāḥ smo giripṛṣṭhe mahātmanā
um dessentwillen wir auf dem Bergrücken vom Hochherzigen belehrt wurden (Part.Pass.)
dvitīyam adbhutam idaṃ tvattejaḥkṛtam adya vai
dies zweite Wunder ist heute durch deine Glut gemacht (Part.Pass.)
dṛṣṭvātivismitāḥ kṛṣṇa sā ca naḥ smṛtir āgatā
gesehen, sehr erstaunt, Kṛṣṇa, und jene Erinnerung ist uns gekommen
etat te devadevasya māhātmyaṃ kathitaṃ vibho
dies ist dir die Größe des Gottes der Götter erzählt, Herr
kapardino girīśasya mahābāho janārdana
des Lockenträgers, des Berg-Herrn, Starkarmiger, Janārdana
ity uktaḥ sa tadā kṛṣṇas tapovananivāsibhiḥ
so angesprochen damals Kṛṣṇa von den Bewohnern des Askesewaldes
mānayām āsa tān sarvān ṛṣīn devakinandanaḥ
ehrte alle jene Ṛṣis, der Sohn der Devakī (Periphr.Perf.)
atharṣayaḥ saṃprahṛṣṭāḥ punas te kṛṣṇam abruvan
da sprachen die Ṛṣis, hocherfreut, wieder zu Kṛṣṇa (Impf.)
punaḥ saṃdarśayasvāsmān sadaiva madhusūdana
zeige dich uns wieder, stets, Madhusūdana (Imp.Med.)
na hi naḥ sā ratiḥ svarge yā ca tvaddarśane vibho
denn uns ist nicht jene Freude im Himmel, die es bei deinem Anblick [gibt], Herr
tādṛśaṃ ca mahābāho yathāha bhagavān bhavaḥ
und ebenso, Starkarmiger, wie der Herr Bhava gesagt hat (Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Die Rede der Ṛṣis ist in ihrer Abgrenzung unklar; ‚sā ca naḥ smṛtir āgatā‘ sinngemäß.

etat te sarvam ākhyātaṃ rahasyam arikarśana; tvam eva hy arthatattvajñaḥ pṛṣṭo 'smān pṛcchase sadā; tad asmābhir idaṃ guhyaṃ tvatpriyārtham udāhṛtam; na ca te 'viditaṃ kiṃ cit triṣu lokeṣu vidyate; janma caiva prasūtiś ca yac cānyat kāraṇaṃ bhuvi; vayaṃ tu baṭucāpalyād aśaktā guhyadhāraṇe; tataḥ sthite tvayi vibho laghutvāt pralapāmahe; na hi kiṃ cit tad āścaryaṃ yan na vetti bhavān iha; divi vā bhuvi vā deva sarvaṃ hi viditaṃ tava; sādhayāma vayaṃ deva vṛddhiṃ puṣṭim avāpnuhi; putras te sadṛśas tāta viśiṣṭo vā bhaviṣyati; bhīṣmaḥ; mahāprabhāvasaṃyukto dīptikīrtikaraḥ prabho; tataḥ praṇamya deveśaṃ yādavaṃ puruṣottamam; pradakṣiṇam upāvṛtya prajagmus te maharṣayaḥ

[Bhīṣma sprach:] „Dies alles ist dir, Feindbezwinger, als Geheimnis erzählt. Du selbst nämlich kennst den wahren Kern der Sache, und wenn du gefragt wirst, fragst du uns doch stets. Dies Geheimnis ist von uns nur deinen Wünschen zuliebe gesprochen worden; und dir ist in den drei Welten nichts unbekannt: Geburt und Nachkommenschaft und jede andere Ursache auf Erden. Wir aber sind aus jugendlichem Leichtsinn unfähig, ein Geheimnis zu bewahren; daher plappern wir, da du gegenwärtig bist, aus Leichtsinn. Es ist ja nichts Wunderbares dabei, was du nicht hier wüsstest: im Himmel oder auf Erden, Gott, ist dir alles bekannt. Wir wollen [es] vollbringen, Gott; erlange Wachstum und Gedeihen. Ein Sohn wird dir, Vater, gleich oder auch vorzüglicher sein. Bhīṣma [sprach:] Mit großer Macht begabt, Herr, Glanz und Ruhm bringend.“ Dann verneigten sich jene großen Ṛṣis vor dem Götterherrn, dem Yādava, dem höchsten Puruṣa, umkreisten ihn nach rechts und gingen fort.

Wort für Wort
etat te sarvam ākhyātaṃ rahasyam arikarśana
dies alles ist dir als Geheimnis erzählt, Feindbezwinger (Part.Pass.; Vok.)
tvam eva hy arthatattvajñaḥ pṛṣṭo 'smān pṛcchase sadā
du allein kennst den Kern der Sache; gefragt, fragst du uns stets (Part.Pass.; 2.Sg.Med.)
tad asmābhir idaṃ guhyaṃ tvatpriyārtham udāhṛtam
dies Geheimnis ist von uns um dir Liebes willen vorgetragen (Part.Pass.)
na ca te 'viditaṃ kiṃ cit triṣu lokeṣu vidyate
und dir ist nichts unbekannt in den drei Welten (3.Sg.Pass.Präs.)
janma caiva prasūtiś ca yac cānyat kāraṇaṃ bhuvi
Geburt und Nachkommenschaft und was sonst an Ursache auf Erden
vayaṃ tu baṭucāpalyād aśaktā guhyadhāraṇe
wir aber sind aus jugendlicher Unbeständigkeit unfähig, ein Geheimnis zu bewahren (Abl.; Lok.)
tataḥ sthite tvayi vibho laghutvāt pralapāmahe
darum plappern wir, da du zugegen bist, Herr, aus Leichtsinn (Lok.abs.; 1.Pl.Med.)
na hi kiṃ cit tad āścaryaṃ yan na vetti bhavān iha
es ist nichts Wunderbares, was du hier nicht wüsstest (3.Sg.Präs.)
divi vā bhuvi vā deva sarvaṃ hi viditaṃ tava
im Himmel oder auf Erden, Gott, ist dir alles bekannt (Part.Pass.)
sādhayāma vayaṃ deva vṛddhiṃ puṣṭim avāpnuhi
wir wollen vollbringen, Gott; erlange Wachstum und Gedeihen (Imp.)
putras te sadṛśas tāta viśiṣṭo vā bhaviṣyati
dein Sohn wird dir gleich oder vorzüglicher sein, Vater (Fut.)
bhīṣmaḥ mahāprabhāvasaṃyukto dīptikīrtikaraḥ prabho
Bhīṣma: mit großer Macht verbunden, Glanz und Ruhm bringend, Herr
tataḥ praṇamya deveśaṃ yādavaṃ puruṣottamam
dann verneigt vor dem Götterherrn, dem Yādava, dem höchsten Puruṣa (Abs.)
pradakṣiṇam upāvṛtya prajagmus te maharṣayaḥ
nach rechts umkreist, gingen jene großen Ṛṣis fort (Abs.; Perf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sprecherwechsel und Anschluss des Verses (‚bhīṣmaḥ‘ zwischendurch) im Text uneinheitlich; ‚sādhayāma … avāpnuhi‘ syntaktisch knapp [?].

so 'yaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān dīptyā paramayā yutaḥ; vrataṃ yathāvat tac cīrtvā dvārakāṃ punar āgamat; pūrṇe ca daśame māsi putro 'sya paramādbhutaḥ; rukmiṇyāṃ saṃmato jajñe śūro vaṃśadharaḥ prabho; sa kāmaḥ sarvajantūnāṃ sarvabhāgavato nṛpa; surāṇām asurāṇāṃ ca caraty antargataḥ sadā; so 'yaṃ puruṣaśārdūlo meghavarṇaś caturbhujaḥ; saṃśritaḥ pāṇḍavān premṇā bhavantaś cainam āśritāḥ; kīrtir lakṣmīr dhṛtiś caiva svargamārgas tathaiva ca; yatraiṣa saṃsthitas tatra devo viṣṇus trivikramaḥ; sendrā devās trayastriṃśat sthitā nātra vicāraṇā; ādidevo mahādevo bhūtānāṃ ca pratiśrayaḥ; anādinidhano 'vyakto mahātmā madhusūdanaḥ; svayaṃjāto mahātejāḥ surāṇām arthasiddhaye

Dieser glückvolle Nārāyaṇa, mit höchstem Glanz begabt, kehrte, nachdem er das Gelübde ordnungsgemäß vollzogen hatte, wieder nach Dvārakā zurück. Und als der zehnte Monat erfüllt war, wurde ihm ein überaus wunderbarer Sohn von Rukmiṇī geboren, ein geachteter, Śūra, Geschlechtserhalter, Herr. Er ist die Liebe [Kāma] aller Wesen, allen Bhāgavatas [Gottgeweihten] [zugehörig], König; er wandelt stets im Innern der Götter und Asuras. Dieser Tiger unter den Männern, wolkenfarben, vierarmig, hat die Pāṇḍavas in Zuneigung zur Zuflucht genommen, und ihr habt euch ihm anvertraut. Ruhm, Lakṣmī, Standhaftigkeit und der Weg zum Himmel [sind da], wo dieser weilt; dort ist der Gott Viṣṇu Trivikrama. Die dreiunddreißig Götter samt Indra stehen dort – hierüber besteht kein Zweifel. Der Urgott, der große Gott, die Zuflucht der Wesen, ohne Anfang und Ende, unmanifest, hochherzig, Madhusūdana, aus sich selbst geboren, von großer Glut, zur Erfüllung des Werks der Götter.

Wort für Wort
so 'yaṃ nārāyaṇaḥ śrīmān dīptyā paramayā yutaḥ
dieser glückvolle Nārāyaṇa, mit höchstem Glanz verbunden
vrataṃ yathāvat tac cīrtvā dvārakāṃ punar āgamat
das Gelübde ordnungsgemäß vollzogen habend, kam er wieder nach Dvārakā (Abs.; Aor.)
pūrṇe ca daśame māsi putro 'sya paramādbhutaḥ
und im vollen zehnten Monat [wurde] ihm ein höchst wunderbarer Sohn (Lok.)
rukmiṇyāṃ saṃmato jajñe śūro vaṃśadharaḥ prabho
von Rukmiṇī wurde ein geachteter Held, Geschlechtserhalter, geboren, Herr (Perf.Med.)
sa kāmaḥ sarvajantūnāṃ sarvabhāgavato nṛpa
er ist die Liebe aller Geschöpfe, ganz Bhāgavata, König
surāṇām asurāṇāṃ ca caraty antargataḥ sadā
der Götter und der Asuras [Inneres] durchwandelt er stets, innen befindlich
so 'yaṃ puruṣaśārdūlo meghavarṇaś caturbhujaḥ
dieser Tigergleiche unter den Männern, wolkenfarben, vierarmig
saṃśritaḥ pāṇḍavān premṇā bhavantaś cainam āśritāḥ
er hat die Pāṇḍavas in Liebe angenommen, und ihr habt euch an ihn gehalten (Part.Pass.)
kīrtir lakṣmīr dhṛtiś caiva svargamārgas tathaiva ca
Ruhm, Lakṣmī, Festigkeit und der Himmelsweg
yatraiṣa saṃsthitas tatra devo viṣṇus trivikramaḥ
wo dieser steht, dort [ist] der Gott Viṣṇu, der Dreischrittige
sendrā devās trayastriṃśat sthitā nātra vicāraṇā
die dreiunddreißig Götter samt Indra stehen dort, kein Zweifel
ādidevo mahādevo bhūtānāṃ ca pratiśrayaḥ
Urgott, Mahādeva, und Zuflucht der Wesen
anādinidhano 'vyakto mahātmā madhusūdanaḥ
ohne Anfang und Ende, unmanifest, hochherzig, Madhusūdana
svayaṃjāto mahātejāḥ surāṇām arthasiddhaye
aus sich selbst geboren, hochstrahlend, zur Vollendung des Götterwerks (Dat.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚mahādevaḥ‘ hier als Epitheton Viṣṇus (‚großer Gott‘); ‚sa kāmaḥ sarvajantūnām‘ und ‚sarvabhāgavata‘ sinngemäß [?].

sudustarārthatattvasya vaktā kartā ca mādhavaḥ; tava pārtha jayaḥ kṛtsnas tava kīrtis tathātulā; taveyaṃ pṛthivī kṛtsnā nārāyaṇasamāśrayāt; ayaṃ nāthas tavācintyo yasya nārāyaṇo hṛdi; sa bhavān bhūmipādhvaryū raṇāgnau hutavān nṛpān; kṛṣṇaḥ sruveṇa mahatā yugāntāgnisamena vai; duryodhanas tu śocyo 'sau saputrabhrātṛbāndhavaḥ; kṛtavān yo 'budhaḥ kopād dharigāṇḍīvavigraham; daiteyā dānavendrāś ca mahākāyā mahābalāḥ; cakrāgnau kṣayam āpannā dāvāgnau śalabhā iva; pratiyoddhuṃ na śakyo hi mānuṣair eṣa saṃyuge; nihīnaiḥ puruṣavyāghra sattvaśaktibalādibhiḥ; jayo yo 'yaṃ yugāntābhaḥ savyasācī raṇāgragaḥ; tejasā hatavān sarvaṃ suyodhanabalaṃ nṛpa; yat tu vai vṛṣabhāṅkena munibhyaḥ samudāhṛtam

Dem Kenner der schwer zu ergründenden Wahrheit der Dinge, dem Redner und Täter, Mādhava: Dein, Pārtha, ist der ganze Sieg, dein der unvergleichliche Ruhm; dein ist diese ganze Erde durch die Zuflucht bei Nārāyaṇa. Dein Herr ist dieser Unfassbare, in dessen Herz Nārāyaṇa wohnt. Du, der Opferpriester (Adhvaryu) der Erdherren, hast die Könige im Kampffeuer geopfert, mit dem großen Opferlöffel [Kṛṣṇa], der wahrlich dem Feuer am Weltende gleicht. Duryodhana aber ist zu beklagen, samt Söhnen, Brüdern und Verwandten, der Unweise, der aus Zorn den Kampf mit Hari und Gāṇḍīva aufnahm. Die Daiteyas und Dānavaherrscher, riesenleibig und übermächtig, sind im Feuer des Diskus dem Untergang verfallen wie Heuschrecken im Waldbrand. Denn von Menschen ist er nicht im Kampf zu bekämpfen, o Tiger unter den Männern, die an Wesenskraft, Stärke und dergleichen minderwertig sind. Dieser Sieg, der wie das Weltende ist, [errungen durch] den Linkshänder [Arjuna], an der Spitze des Kampfes gehend, hat mit [seinem] Glanz die ganze Heeresmacht Suyodhanas vernichtet, König. Und was aber der Stierzeichen-Träger [Śiva] den Weisen verkündet hat,

Wort für Wort
sudustarārthatattvasya vaktā kartā ca mādhavaḥ
des sehr schwer zu ergründenden Sachverhalts Sprecher und Täter [ist] Mādhava (Gen.)
tava pārtha jayaḥ kṛtsnas tava kīrtis tathātulā
dein, Pārtha, ist der ganze Sieg, dein der unvergleichliche Ruhm
taveyaṃ pṛthivī kṛtsnā nārāyaṇasamāśrayāt
dein ist diese ganze Erde durch Zuflucht bei Nārāyaṇa (Abl.)
ayaṃ nāthas tavācintyo yasya nārāyaṇo hṛdi
dieser ist dein unfassbarer Herr, in dessen Herz Nārāyaṇa ist (Lok.)
sa bhavān bhūmipādhvaryū raṇāgnau hutavān nṛpān
du, Adhvaryu der Erdherren, hast Könige ins Kampffeuer geopfert (Part.Perf.)
kṛṣṇaḥ sruveṇa mahatā yugāntāgnisamena vai
[mit] Kṛṣṇa als großem Opferlöffel, dem Weltendfeuer gleich (Instr.)
duryodhanas tu śocyo 'sau saputrabhrātṛbāndhavaḥ
Duryodhana aber ist zu beklagen, samt Söhnen, Brüdern, Verwandten (Gerundiv)
kṛtavān yo 'budhaḥ kopād dharigāṇḍīvavigraham
der Unweise, der aus Zorn den Streit mit Hari und Gāṇḍīva angezettelt hat
daiteyā dānavendrāś ca mahākāyā mahābalāḥ
Daiteyas und Dānava-Herren, riesenleibig, übermächtig
cakrāgnau kṣayam āpannā dāvāgnau śalabhā iva
im Diskusfeuer dem Untergang verfallen wie Heuschrecken im Waldbrand (Part.Pass.)
pratiyoddhuṃ na śakyo hi mānuṣair eṣa saṃyuge
denn nicht ist er von Menschen im Kampf zu bekämpfen (Inf.)
nihīnaiḥ puruṣavyāghra sattvaśaktibalādibhiḥ
von Minderwertigen, Tiger unter Männern, an Wesenskraft, Fähigkeit, Stärke usw. (Instr.)
jayo yo 'yaṃ yugāntābhaḥ savyasācī raṇāgragaḥ
dieser Sieg, weltendgleich, [durch] den Linkshänder, an der Kampfspitze gehend
tejasā hatavān sarvaṃ suyodhanabalaṃ nṛpa
hat mit Glanz die ganze Streitmacht Suyodhanas vernichtet, König (Part.Perf.)
yat tu vai vṛṣabhāṅkena munibhyaḥ samudāhṛtam
was aber der Stierzeichen-Träger den Weisen verkündet hat (Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚vaktā kartā ca‘: Mādhava (Kṛṣṇa) als Sprecher und Täter; ‚savyasācī‘ = Arjuna; Bezug von ‚jayo … raṇāgragaḥ‘ sinngemäß.

purāṇaṃ himavatpṛṣṭhe tan me nigadataḥ śṛṇu; yāvad asyodbhavas tuṣṭis tejo vīryaṃ parākramaḥ; prabhāvaḥ sannatir janma kṛṣṇe tat tritayaṃ vibho; na śakyam anyathā kartuṃ tad yadi syāt tathāpy aṇu; yatra kṛṣṇo hi bhagavāṃs tatra tuṣṭir anuttamā; vayaṃ hi bālamatayaḥ paranetrāḥ suviklavāḥ; jñānapūrvaṃ prapannāḥ smo mṛtyoḥ panthānam uttamam; bhavāṃś cāpy ārjavaparaḥ sarvaṃ kṛtvā pratiśrayam; rājavṛttān na calate pratijñāpālane rataḥ; apy evātmavadhaṃ loke rājaṃs tvaṃ bahu manyase; na hi pratijñayā dattaṃ taṃ prahātum ariṃdama; kālenāyaṃ janaḥ sarvo nihato raṇamūrdhani; vayaṃ ca kālena hatāḥ kālo hi parameśvaraḥ; na hi kālena kālajña spṛṣṭaḥ śocitum arhati

das Altertümliche auf dem Rücken des Himavat, das höre von mir, der es aufsagt: Soweit sein Entstehen, Befriedigung, Glanz, Kraft, Tapferkeit, Macht, Verneigung und Geburt in Kṛṣṇa [sind] – diese Dreiheit, Herr, kann nicht anders gemacht werden; und wenn es so wäre, dann nur geringfügig. Wo der Herr Kṛṣṇa ist, dort ist höchste Befriedigung. Wir sind ja von kindlichem Verstand, von anderen geführt, sehr verwirrt; wissentlich sind wir auf den besten Weg des Todes gegangen. Und du, auf Redlichkeit bedacht, nachdem du allen Zuflucht gewährt hast, weichst vom Königsverhalten nicht ab, dem Halten des Versprechens ergeben; in der Welt hältst du sogar den Selbstmord für gewichtig, König. Denn das durch Versprechen Gegebene aufzugeben, Feindbezwinger, [ist nicht möglich]. Von der Zeit ist all dieses Volk an der Spitze der Schlacht erschlagen; auch wir sind von der Zeit erschlagen, denn die Zeit ist der höchste Herr. Von der Zeit berührt, darf, Zeitkundiger, niemand klagen.

Wort für Wort
purāṇaṃ himavatpṛṣṭhe tan me nigadataḥ śṛṇu
das Alte auf dem Rücken des Himavat, das höre von mir, der ich es sage (Gen.-Part.)
yāvad asyodbhavas tuṣṭis tejo vīryaṃ parākramaḥ
soweit sein Entstehen, Befriedigung, Glanz, Kraft, Tapferkeit
prabhāvaḥ sannatir janma kṛṣṇe tat tritayaṃ vibho
Macht, Verneigung, Geburt in Kṛṣṇa, diese Dreiheit, Herr
na śakyam anyathā kartuṃ tad yadi syāt tathāpy aṇu
nicht ist es anders zu machen; wenn es so wäre, dann [nur] winzig (Inf.)
yatra kṛṣṇo hi bhagavāṃs tatra tuṣṭir anuttamā
wo der Herr Kṛṣṇa ist, dort ist höchste Befriedigung
vayaṃ hi bālamatayaḥ paranetrāḥ suviklavāḥ
wir sind kindlichen Verstands, von anderen geführt, sehr verwirrt
jñānapūrvaṃ prapannāḥ smo mṛtyoḥ panthānam uttamam
wissentlich sind wir den besten Weg des Todes gegangen (Part.Pass.)
bhavāṃś cāpy ārjavaparaḥ sarvaṃ kṛtvā pratiśrayam
und du, auf Redlichkeit bedacht, allen Zuflucht gewährt habend (Abs.)
rājavṛttān na calate pratijñāpālane rataḥ
weichst vom Königsverhalten nicht ab, dem Halten des Versprechens ergeben
apy evātmavadhaṃ loke rājaṃs tvaṃ bahu manyase
sogar den Selbstmord achtest du hoch in der Welt, König (2.Sg.Präs.)
na hi pratijñayā dattaṃ taṃ prahātum ariṃdama
denn das durch Versprechen Gegebene aufzugeben, Feindebezwinger (Inf.)
kālenāyaṃ janaḥ sarvo nihato raṇamūrdhani
von der Zeit ist dieses ganze Volk erschlagen an der Spitze der Schlacht (Part.Pass.)
vayaṃ ca kālena hatāḥ kālo hi parameśvaraḥ
auch wir sind von der Zeit erschlagen, denn die Zeit ist der höchste Herr
na hi kālena kālajña spṛṣṭaḥ śocitum arhati
nicht darf, wer von der Zeit berührt ist, Zeitkundiger, klagen (Part.Pass.; Inf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Redeteil (Bhīṣma zu Yudhiṣṭhira) ist inhaltlich brüchig; mehrere Sätze sind elliptisch [?].

kālo lohitaraktākṣaḥ kṛṣṇo daṇḍī sanātanaḥ; tasmāt kuntīsuta jñātīn neha śocitum arhasi; vyapetamanyur nityaṃ tvaṃ bhava kauravanandana; mādhavasya ca māhātmyaṃ śrutaṃ yat kathitaṃ mayā; tad eva tava paryāptaṃ sajjanasya nidarśanam; vyāsasya vacanaṃ śrutvā nāradasya ca dhīmataḥ; svayaṃ caiva mahārāja kṛṣṇasyārhattamasya vai; prabhāvaś carṣipūgasya kathitaḥ sumahān mayā; maheśvarasya saṃvādaḥ śailaputryāś ca bhārata; dhārayiṣyati yaś cemaṃ mahāpuruṣasaṃbhavam; śṛṇuyāt kathayed vā yaḥ sa vai śreyo labhet param; bhavitāraś ca tasyātha sarve kāmā yathepsitāḥ; pretya māheśvaraṃ lokaṃ labhate nātra saṃśayaḥ; nāyaṃ śreyobhikāmena pratipattuṃ janārdane

Die Zeit mit blutrotem Auge, schwarz, der ewige Stockträger. Darum, Sohn der Kuntī, darfst du hier nicht um die Verwandten klagen. Sei stets frei von Zorn, Freude der Kauravas! Und was von mir über die Größe Mādhavas erzählt wurde, das genügt dir als Musterbeispiel für einen Guten. Nachdem du die Worte Vyāsas und des weisen Nārada gehört hast, und selbst, großer König, die des Kṛṣṇa, des höchst Verehrungswürdigen – die Macht des Ṛṣi-Vorzüglichen ist von mir sehr groß verkündet worden, Bhārata, ebenso das Gespräch des Maheśvara mit der Tochter des Berges. Wer dies aber, was von der Größe des großen Puruṣa handelt, im Gedächtnis bewahrt, hört oder erzählt, der erlangt gewiss das höchste Heil, und alle Wünsche werden ihm nach Wunsch erfüllt sein; nach dem Tod gelangt er in die Welt Maheśvaras, daran ist kein Zweifel. Nicht ist dies von einem, der Heil erstrebt, gegenüber Janārdana [so] zu handhaben/aufzunehmen [?].

Wort für Wort
kālo lohitaraktākṣaḥ kṛṣṇo daṇḍī sanātanaḥ
die Zeit, blutrotäugig, schwarz, Stockträger, ewig
tasmāt kuntīsuta jñātīn neha śocitum arhasi
darum, Sohn der Kuntī, darfst du hier nicht um die Verwandten klagen (Inf.)
vyapetamanyur nityaṃ tvaṃ bhava kauravanandana
frei von Zorn sei stets, Freude der Kauravas (Imp.)
mādhavasya ca māhātmyaṃ śrutaṃ yat kathitaṃ mayā
und die Größe Mādhavas, wie sie gehört wurde, was von mir erzählt (Part.Pass.)
tad eva tava paryāptaṃ sajjanasya nidarśanam
das genügt dir als Beispiel für einen Guten
vyāsasya vacanaṃ śrutvā nāradasya ca dhīmataḥ
Vyāsas Wort und das des weisen Nārada gehört habend (Abs.)
svayaṃ caiva mahārāja kṛṣṇasyārhattamasya vai
und selbst, großer König, das des höchst Verehrungswürdigen Kṛṣṇa
prabhāvaś carṣipūgasya kathitaḥ sumahān mayā
die Macht des Ṛṣi-Vorzüglichen ist von mir sehr groß verkündet
maheśvarasya saṃvādaḥ śailaputryāś ca bhārata
und das Gespräch Maheśvaras mit der Bergtochter, Bhārata
dhārayiṣyati yaś cemaṃ mahāpuruṣasaṃbhavam
und wer diese Entstehungsgeschichte des großen Puruṣa im Gedächtnis behalten wird (Fut.)
śṛṇuyāt kathayed vā yaḥ sa vai śreyo labhet param
oder hört oder erzählt, der erlange höchstes Heil (Opt.)
bhavitāraś ca tasyātha sarve kāmā yathepsitāḥ
und alle Wünsche werden für ihn wunschgemäß sein (Fut.)
pretya māheśvaraṃ lokaṃ labhate nātra saṃśayaḥ
nach dem Tod erlangt er die Maheśvara-Welt, kein Zweifel
nāyaṃ śreyobhikāmena pratipattuṃ janārdane
nicht ist dies von einem Heilsuchenden zu handhaben/aufzunehmen, gegenüber Janārdana [?] (Instr.; Inf.; Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der letzte Halbvers (‚nāyaṃ śreyobhikāmena pratipattuṃ janārdane‘) ist syntaktisch unklar oder verderbt; Wiedergabe unsicher [?].

eṣa vai cākṣayo vipraiḥ smṛto rājañ janārdanaḥ; maheśvaramukhotsṛṣṭā ye ca dharmaguṇāḥ smṛtāḥ; te tvayā manasā dhāryāḥ kururāja divāniśam; evaṃ te vartamānasya samyagdaṇḍadharasya ca; prajāpālanadakṣasya svargaloko bhaviṣyati; dharmeṇa hi sadā rājā prajā rakṣitum arhati; yas tasya vipulo daṇḍaḥ samyag dharmaḥ sa kīrtyate; sa eṣa kathito rājan mayā sajjanasaṃnidhau; śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādo dharmasaṃhitaḥ; śrutvā vā śrotukāmo vāpy arcayed vṛṣabhadhvajam; viśuddhena hi bhāvena ya icched bhūtim ātmanaḥ; eṣa tasyānavadyasya nāradasya mahātmanaḥ; saṃdeśo devapūjārthaṃ taṃ tathā kuru pāṇḍava; etad atyadbhutaṃ vṛttaṃ puṇyaṃ haimavate girau; vāsudevasya kaunteya sthāṇoś caiva svabhāvajam

Dieser, König, wird von den Brahmanen als der unvergängliche Janārdana erinnert. Und die von Maheśvaras Mund ausgesprochenen Tugenden der Pflicht, die überliefert sind – die sollst du, Kururāja, Tag und Nacht im Sinn bewahren. Wenn du so verfährst und recht den Stock [der Herrschaft] führst, im Schützen der Untertanen geschickt, wird dir die Himmelswelt zuteil werden. Denn ein König soll die Untertanen stets mit Pflicht schützen; sein weit reichender Stock [die Strafgewalt], recht [geführt], wird als Pflicht bezeichnet. Dies ist, König, von mir in Anwesenheit der Guten erzählt worden: das mit der Pflicht verbundene Gespräch Śaṃkaras mit Umā. Wer es gehört hat oder zu hören wünscht, soll den Stierbannerträger [Śiva] verehren; mit reiner Gesinnung, wer immer Wohlergehen für sich wünscht. Dies ist die Botschaft jenes tadellosen, hochherzigen Nārada zur Götterverehrung; so handle, Pāṇḍava. Dieser überaus wunderbare, verdienstvolle Vorgang auf dem Himavat-Berg, Sohn der Kuntī, der Vāsudevas und Sthāṇus [Śivas], ist naturgegeben.

Wort für Wort
eṣa vai cākṣayo vipraiḥ smṛto rājañ janārdanaḥ
dieser ist von den Brahmanen als der unvergängliche Janārdana überliefert, König (Part.Pass.)
maheśvaramukhotsṛṣṭā ye ca dharmaguṇāḥ smṛtāḥ
und die aus dem Mund Maheśvaras ausgesprochenen Pflicht-Tugenden, die überliefert sind
te tvayā manasā dhāryāḥ kururāja divāniśam
die sind von dir im Sinn zu bewahren, Kururāja, Tag und Nacht (Gerundiv)
evaṃ te vartamānasya samyagdaṇḍadharasya ca
wenn du so verfährst und recht den Stock führst (Part.Präs.; Gen.)
prajāpālanadakṣasya svargaloko bhaviṣyati
im Schützen der Untertanen geschickt, wird dir die Himmelswelt sein (Fut.)
dharmeṇa hi sadā rājā prajā rakṣitum arhati
denn ein König darf die Untertanen stets mit Pflicht schützen (Inf.)
yas tasya vipulo daṇḍaḥ samyag dharmaḥ sa kīrtyate
sein weiter Stock [Strafgewalt], recht geführt, wird Pflicht genannt (Pass.Präs.)
sa eṣa kathito rājan mayā sajjanasaṃnidhau
dieser ist, König, von mir in Gegenwart der Guten erzählt worden
śaṃkarasyomayā sārdhaṃ saṃvādo dharmasaṃhitaḥ
das Gespräch Śaṃkaras mit Umā, mit Pflicht verbunden
śrutvā vā śrotukāmo vāpy arcayed vṛṣabhadhvajam
wer gehört hat oder zu hören wünscht, soll den Stierbannerträger verehren (Abs.; Opt.)
viśuddhena hi bhāvena ya icched bhūtim ātmanaḥ
mit reiner Gesinnung, wer Wohlergehen für sich wünscht (Opt.)
eṣa tasyānavadyasya nāradasya mahātmanaḥ
dies ist [die Botschaft] jenes tadellosen, hochherzigen Nārada
saṃdeśo devapūjārthaṃ taṃ tathā kuru pāṇḍava
Botschaft zwecks Götterverehrung; so tu es, Pāṇḍava (Imp.)
etad atyadbhutaṃ vṛttaṃ puṇyaṃ haimavate girau
dieser höchst wunderbare, verdienstvolle Vorgang auf dem Himavat-Berg
vāsudevasya kaunteya sthāṇoś caiva svabhāvajam
des Vāsudeva, Sohn der Kuntī, und des Sthāṇu, aus [ihrem] Wesen geboren

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚svabhāvajam‘ unsicher (‚aus ihrer Natur entstanden/naturgegeben‘) [?].

daśa varṣasahasrāṇi badaryām eṣa sātvataḥ; tapaś cacāra vipulaṃ saha gāṇḍīvadhanvanā; triyugau puṇḍarīkākṣau vāsudevadhanaṃjayau; viditau nāradād etau mama vyāsāc ca pārthiva; bāla eva mahābāhuś cakāra kadanaṃ mahat; kaṃsasya puṇḍarīkākṣo jñātitrāṇārthakāraṇāt; karmaṇām asya kaunteya nāntaṃ saṃkhyātum utsahe; śāśvatasya purāṇasya puruṣasya yudhiṣṭhira; dhruvaṃ śreyaḥ paraṃ tāta bhaviṣyati tavottamam; yasya te puruṣavyāghraḥ sahāyo 'yaṃ janārdanaḥ; duryodhanaṃ tu śocāmi pretyaloke 'tidurmatim; yatkṛte pṛthivī sarvā vinaṣṭā sahayadvipā; duryodhanāparādhena karṇasya śakunes tathā; vaiśaṃpāyanaḥ; duḥśāsanacaturthānāṃ kuravo nidhanaṃ gatāḥ; evaṃ prabhāṣamāṇe tu gāṅgeye puruṣarṣabhe

Zehntausend Jahre lang übte dieser Sātvata [Kṛṣṇa] in Badarī mit dem Gāṇḍīva-Träger [Arjuna] gewaltige Askese. Vāsudeva und Dhanaṃjaya, die beiden Lotosäugigen, sind drei Zeitalter [alt]; sie sind mir von Nārada und von Vyāsa als bekannt beschrieben worden, König. Schon als Knabe verübte der Starkarme großes Morden; der Lotosäugige [tötete] Kaṃsa, um die Verwandten zu retten. Ihre Taten, Sohn der Kuntī, vermag ich nicht bis zum Ende aufzuzählen, [die] des ewigen, uralten Puruṣa, Yudhiṣṭhira. Sicheres, höchstes, bestes Heil wird dir, Lieber, sein, dem dieser Tiger unter den Männern, Janārdana, Gefährte ist. Um Duryodhana aber trauere ich, den Höchstverblendeten, in der Welt nach dem Tod, um dessentwillen die ganze Erde samt Pferden und Elefanten zugrunde ging: durch Duryodhanas Schuld, und die des Karṇa und Śakuni. Vaiśaṃpāyana [sprach:] „Die Kurus, Duḥśāsana als Vierter [gezählt], sind zum Tode gegangen.“ Als so der Gaṅgāsohn, der Stier unter den Männern, sprach,

Wort für Wort
daśa varṣasahasrāṇi badaryām eṣa sātvataḥ
zehntausend Jahre lang in Badarī dieser Sātvata
tapaś cacāra vipulaṃ saha gāṇḍīvadhanvanā
übte gewaltige Askese, zusammen mit dem Gāṇḍīva-Bogner (Perf.)
triyugau puṇḍarīkākṣau vāsudevadhanaṃjayau
drei Zeitalter [alt], die Lotosäugigen Vāsudeva und Dhanaṃjaya (Dual)
viditau nāradād etau mama vyāsāc ca pārthiva
mir von Nārada und Vyāsa als bekannt [beschrieben], König (Part.Pass.; Abl.)
bāla eva mahābāhuś cakāra kadanaṃ mahat
schon als Kind vollbrachte der Starkarmige ein großes Morden (Perf.)
kaṃsasya puṇḍarīkākṣo jñātitrāṇārthakāraṇāt
des Kaṃsa [Tod], der Lotosäugige, zum Zweck der Rettung der Verwandten
karmaṇām asya kaunteya nāntaṃ saṃkhyātum utsahe
seiner Taten Ende vermag ich nicht aufzuzählen, Sohn der Kuntī (1.Sg.Präs.; Inf.)
śāśvatasya purāṇasya puruṣasya yudhiṣṭhira
des ewigen, uralten Puruṣa, Yudhiṣṭhira
dhruvaṃ śreyaḥ paraṃ tāta bhaviṣyati tavottamam
sicheres, höchstes, bestes Heil wird dir sein, Lieber (Fut.)
yasya te puruṣavyāghraḥ sahāyo 'yaṃ janārdanaḥ
dem dieser Tiger unter den Männern Janārdana Gefährte ist
duryodhanaṃ tu śocāmi pretyaloke 'tidurmatim
um Duryodhana aber trauere ich, den Höchstverblendeten, in der Welt nach dem Tod
yatkṛte pṛthivī sarvā vinaṣṭā sahayadvipā
um dessentwillen die ganze Erde samt Rossen und Elefanten unterging (Part.Pass.)
duryodhanāparādhena karṇasya śakunes tathā
durch Duryodhanas Schuld, und Karṇas und Śakunis
vaiśaṃpāyanaḥ duḥśāsanacaturthānāṃ kuravo nidhanaṃ gatāḥ
Vaiśaṃpāyana: die Kurus, Duḥśāsana als Vierter, sind zum Tod gegangen
evaṃ prabhāṣamāṇe tu gāṅgeye puruṣarṣabhe
als so der Gaṅgā-Sohn, der Männerstier, sprach (Lok.abs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚triyugau‘ sinngemäß ‚drei Zeitalter [alt]‘, unsicher [?]; ‚duḥśāsanacaturthānām‘: Duryodhana, Karṇa, Śakuni und Duḥśāsana [als Vierter] (Bezug sinngemäß).

tūṣṇīṃ babhūva kauravyo madhye teṣāṃ mahātmanām; tac chrutvā vismayaṃ jagmur dhṛtarāṣṭrādayo nṛpāḥ; saṃpūjya manasā kṛṣṇaṃ sarve prāñjalayo 'bhavan; ṛṣayaś cāpi te sarve nāradapramukhās tathā; pratigṛhyābhyanandanta tad vākyaṃ pratipūjya ca; ity etad akhilaṃ sarvaṃ pāṇḍavo bhrātṛbhiḥ saha; śrutavān sumahac citraṃ puṇyaṃ bhīṣmānuśāsanam; yudhiṣṭhiras tu gāṅgeyaṃ viśrāntaṃ bhūridakṣiṇam; punar eva mahābuddhiḥ paryapṛcchan mahīpatiḥ

schwieg der Kaurava inmitten jener Hochherzigen. Als sie dies gehört hatten, gerieten Dhṛtarāṣṭra und die anderen Könige in Staunen. Nachdem sie Kṛṣṇa im Geist verehrt hatten, legten alle die Hände zusammen. Und jene Ṛṣis alle, Nārada an der Spitze, nahmen jenes Wort an, freuten sich und ehrten es. So hat der Pāṇḍava mit seinen Brüdern all dies vollständig gehört, dies überaus große, wunderbare, verdienstvolle Bhīṣma-Lehrgespräch. Yudhiṣṭhira aber, der Großverständige, der Herr der Erde, fragte wieder den ausgeruhten Gaṅgāsohn, den reichlich Gebenden.

Wort für Wort
tūṣṇīṃ babhūva kauravyo madhye teṣāṃ mahātmanām
der Kaurava wurde still, inmitten jener Hochherzigen (Perf.)
tac chrutvā vismayaṃ jagmur dhṛtarāṣṭrādayo nṛpāḥ
dies gehört habend, gerieten Dhṛtarāṣṭra und die anderen Könige in Staunen (Abs.; Perf.)
saṃpūjya manasā kṛṣṇaṃ sarve prāñjalayo 'bhavan
Kṛṣṇa im Geist verehrt habend, wurden alle mit zusammengelegten Händen (Abs.; Impf.)
ṛṣayaś cāpi te sarve nāradapramukhās tathā
auch jene Ṛṣis alle, Nārada an der Spitze
pratigṛhyābhyanandanta tad vākyaṃ pratipūjya ca
nahmen [es] an, freuten sich und ehrten jenes Wort (Abs.; Impf.Med.)
ity etad akhilaṃ sarvaṃ pāṇḍavo bhrātṛbhiḥ saha
so [hat] dies alles vollständig der Pāṇḍava mit den Brüdern
śrutavān sumahac citraṃ puṇyaṃ bhīṣmānuśāsanam
gehört, dies sehr große, wunderbare, verdienstvolle Bhīṣma-Lehrgespräch (Part.Perf.)
yudhiṣṭhiras tu gāṅgeyaṃ viśrāntaṃ bhūridakṣiṇam
Yudhiṣṭhira aber [fragte] den ausgeruhten, reich Schenkenden Gaṅgāsohn (Part.Pass.)
punar eva mahābuddhiḥ paryapṛcchan mahīpatiḥ
wieder fragte der großverständige Herr der Erde (Impf.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). ‚bhīṣmānuśāsanam‘: Titel des Lehrgesprächs (Bhīṣma-Belehrung).

yudhiṣṭhiraḥ; ka upāyo varaprāptau sarveṣāṃ pāpakarmaṇām; bhīṣmaḥ; jñānasya ca parasyeha tan me brūhi pitāmaha; upāyo 'yaṃ varaprāptau paramaḥ parikīrtitaḥ; nārāyaṇasya tu dhyānam arcanaṃ yajanaṃ stutiḥ; śravaṇaṃ tatkathānāṃ ca vidvatsaṃrakṣaṇaṃ tathā; vidvacchuśrūṣaṇaprītir upadeśānupālanam; saṃdhyānena japenāśu mucyate prākṛto 'pi ca; japaś caturvidhaḥ prokto vaidikas tāntriko 'pi ca; paurāṇiko 'tha vidvadbhiḥ kathitaḥ smārta eva ca; dvijaśuśrūṣayā jñānaṃ vidvatsaṃrakṣaṇena vā; nāsādhyaṃ jñānināṃ kiṃ cit tasmād rakṣyā dvijās tvayā; suvratā bandhuhīnaikā vane pūrvaṃ yamena tu; āsīd āśvāsitā vidvatsaṃrakṣaṇaphalāt kila; viprasya maraṇe hetus tatpatnī pitṛśokadā; vaiśyā tvam abhilāṣeyaṃ viprakanyeti sāṃpratam; ity uktāśvāsitāpṛcchat kenaivaṃ pāpasaṃyutā; yamaḥ; jātā viprakule samyak śreyaś cāpi bravīhi me; anyajanmani vidvāṃsaṃ prahārair abhipīḍitam; coraśaṅkāvimokṣeṇa mokṣayitvā sujanmikā; ity uktāṣṭākṣaradhyānajapādiśreyasā tu sā; yamenānugṛhītābhūt puṇyalokanivāsinī; tan nityaṃ viduṣāṃ rakṣātatparo bhava bhūpate; teṣāṃ saṃrakṣaṇāt tuṣṭaḥ sarvapāpaiḥ pramucyate

Yudhiṣṭhira [sprach:] „Welches Mittel gibt es, den Segen zu erlangen, für alle, die Sündiges getan haben?“ Bhīṣma [sprach:] „Und für das höchste Wissen hier – das sage mir, Großvater.“ „Dies ist als das höchste Mittel zur Erlangung des Segens verkündet worden: Nārāyaṇas Meditation, Verehrung, Opfer und Lobpreis, das Hören seiner Geschichten, ebenso der Schutz der Gelehrten, Freude am Dienst an Gelehrten, das Befolgen der Unterweisung; durch Meditation und Murmeln wird schnell selbst ein gewöhnlicher Mensch befreit. Das Murmeln ist vierfach genannt: vedisch, tantrisch, und von den Gelehrten purāṇisch, und ebenso smārtisch. Durch Dienst an Zweimalgeborenen [entsteht] Wissen, oder durch den Schutz von Gelehrten; für Wissende ist nichts unmöglich, darum sind die Zweimalgeborenen von dir zu schützen. Eine gute Gelübde Haltende, verwandtenlos, allein, wurde einst im Wald von Yama getröstet, wegen des Lohnes für den Schutz von Gelehrten. Ursache für den Tod des Brahmanen war seine Gattin, die den Vater [ihres Mannes] in Kummer stürzte; „Ich bin Vaiśya-Frau und wünsche mir jetzt die Brahmanentochter zu sein“ – so [sprach sie]. Die so Getröstete fragte: „Weshalb bin ich so sündhaft?“ Yama [sprach:] „Geboren in einer Brahmanenfamilie, sage mir auch das rechte Heil. In einer anderen Geburt hast du einen von Schlägen gequälten Gelehrten aus dem Verdacht auf Räuberei befreit; dadurch gut geboren.“ So angesprochen, mit dem Heil aus Meditation und Murmeln des achtsilbigen [Mantra] und so weiter, wurde sie von Yama begnadet und eine Bewohnerin der Welt der Verdienste. Darum sei stets auf den Schutz der Gelehrten bedacht, König; durch deren Schutz erfreut, wird er von allen Sünden befreit.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ ka upāyo varaprāptau sarveṣāṃ pāpakarmaṇām
Yudhiṣṭhira: welches Mittel gibt es zur Erlangung des Segens für alle Sündentäter (Lok.; Gen.Pl.)
bhīṣmaḥ jñānasya ca parasyeha tan me brūhi pitāmaha
Bhīṣma: und für das höchste Wissen hier, das sage mir, Großvater (Imp.)
upāyo 'yaṃ varaprāptau paramaḥ parikīrtitaḥ
dies ist als höchstes Mittel zur Erlangung des Segens verkündet (Part.Pass.)
nārāyaṇasya tu dhyānam arcanaṃ yajanaṃ stutiḥ
Nārāyaṇas Meditation, Verehrung, Opfer, Lobpreis
śravaṇaṃ tatkathānāṃ ca vidvatsaṃrakṣaṇaṃ tathā
das Hören seiner Geschichten und ebenso der Schutz der Gelehrten
vidvacchuśrūṣaṇaprītir upadeśānupālanam
Freude am Dienst an Gelehrten, Befolgen der Unterweisung
saṃdhyānena japenāśu mucyate prākṛto 'pi ca
durch Meditation und Murmeln wird schnell auch ein gewöhnlicher Mensch befreit (Pass.Präs.)
japaś caturvidhaḥ prokto vaidikas tāntriko 'pi ca
das Murmeln ist vierfach genannt: vedisch und tantrisch
paurāṇiko 'tha vidvadbhiḥ kathitaḥ smārta eva ca
purāṇisch, [so] von den Gelehrten gesagt, und smārtisch
dvijaśuśrūṣayā jñānaṃ vidvatsaṃrakṣaṇena vā
durch Dienst an Zweimalgeborenen Wissen, oder durch Schutz der Gelehrten
nāsādhyaṃ jñānināṃ kiṃ cit tasmād rakṣyā dvijās tvayā
für Wissende ist nichts unmöglich, darum sind die Zweimalgeborenen von dir zu schützen (Gerundiv)
suvratā bandhuhīnaikā vane pūrvaṃ yamena tu
eine Gelübdetreue, verwandtenlos, allein, im Wald einst von Yama
āsīd āśvāsitā vidvatsaṃrakṣaṇaphalāt kila
wurde getröstet, wegen der Frucht des Schutzes von Gelehrten, so heißt es (Part.Pass.)
viprasya maraṇe hetus tatpatnī pitṛśokadā
Ursache für den Tod des Brahmanen [war] dessen Gattin, Vaterkummer bringend [?]
vaiśyā tvam abhilāṣeyaṃ viprakanyeti sāṃpratam
‚Du bist Vaiśya-Frau; ich wünsche mir jetzt [zu sein] eine Brahmanentochter‘ [?]
ity uktāśvāsitāpṛcchat kenaivaṃ pāpasaṃyutā
so angesprochen, getröstet, fragte sie: ‚Wodurch bin ich so sündbehaftet?‘ (Impf.)
yamaḥ jātā viprakule samyak śreyaś cāpi bravīhi me
Yama: in einer Brahmanenfamilie geboren, sage mir auch recht [dein] Heil [?] (Imp.)
anyajanmani vidvāṃsaṃ prahārair abhipīḍitam
in einer anderen Geburt einen Gelehrten, von Schlägen gequält
coraśaṅkāvimokṣeṇa mokṣayitvā sujanmikā
durch Befreiung aus dem Räuberverdacht befreit habend, gut Geborene (Abs.)
ity uktāṣṭākṣaradhyānajapādiśreyasā tu sā
so angesprochen, durch das Heil aus achtsilbiger Meditation, Murmeln usw.
yamenānugṛhītābhūt puṇyalokanivāsinī
wurde von Yama begnadet, Bewohnerin der Welt der Verdienste (Aor.Pass.)
tan nityaṃ viduṣāṃ rakṣātatparo bhava bhūpate
darum sei stets auf den Schutz der Gelehrten bedacht, Erdenherr (Imp.)
teṣāṃ saṃrakṣaṇāt tuṣṭaḥ sarvapāpaiḥ pramucyate
durch deren Schutz erfreut, wird er von allen Sünden befreit (Pass.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Der Text ist stark verdichtet und in den Sprecherwechseln (Yudhiṣṭhira/Bhīṣma/Yama) ungeordnet; die Episode um die Brahmanenfrau (‚pitṛśokadā‘, ‚vaiśyā tvam abhilāṣeyam‘) ist syntaktisch schwer und nur sinngemäß wiedergegeben [?]. ‚aṣṭākṣara‘: achtsilbiger Nārāyaṇa-Mantra.

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