Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 70: gopradānaphalam Nāciketas Bericht von Yamas Welten und dem Lohn der Kuhgaben

Bhīṣma erzählt Yudhiṣṭhira das Gespräch zwischen Uddālaki und seinem Sohn Nāciketa, der nach dem väterlichen Fluch Yama besucht hat und von den Welten der Kuhspender berichtet.

yudhiṣṭhira uvāca; dattānāṃ phalasaṃprāptiṃ gavāṃ prabrūhi me 'nagha; vistareṇa mahābāho na hi tṛpyāmi kathyatām

Yudhiṣṭhira sprach: „Sage mir, du Makelloser, wie sich die Frucht der Gaben von Kühen einstellt – ausführlich, du Armstarker; denn ich werde nicht satt [davon]: Es möge erzählt werden.“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
dattānāṃ phalasaṃprāptiṃ gavām
das Erlangen der Frucht der gegebenen Kühe (Akk.Sg. / Gen.Pl.)
prabrūhi me 'nagha
verkünde mir, Makelloser (Imp.2.Sg. / Dat.-Gen. / Vok.)
vistareṇa mahābāho
ausführlich, Armstarker (Instr.Sg. / Vok.)
na hi tṛpyāmi kathyatām
denn ich werde nicht satt; es werde erzählt (1.Sg.Präs. / Imp.Pass.3.Sg.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; ṛṣer uddālaker vākyaṃ nāciketasya cobhayoḥ

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man diese alte Erzählung an: das Gespräch des Sehers Uddālaki und des Nāciketa, der beiden.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
atrāpy udāharanti imam
auch hierzu führt man an, diese (3.Pl.Präs. / Akk.Sg.m.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.Sg.n.)
ṛṣer uddālakeḥ vākyam
die Rede des Sehers Uddālaki (Gen.Sg. / Nom.Akk.Sg.n.)
nāciketasya cobhayoḥ
und des Nāciketa, beider (Gen.Sg. / Gen.Du.)

uddālakeḥ metrisch als uddālaker.

ṛṣir uddālakir dīkṣām upagamya tataḥ sutam; tvaṃ mām upacarasveti nāciketam abhāṣata; samāpte niyame tasmin maharṣiḥ putram abravīt

Der Seher Uddālaki ging in eine Weihe ein und sprach dann zu seinem Sohn Nāciketa: „Du sollst mich bedienen.“ Als diese Observanz beendet war, sagte der große Seher zu seinem Sohn:

Wort für Wort
ṛṣir uddālakir dīkṣām upagamya
der Seher Uddālaki, in die Weihe eingetreten (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Abs.)
tataḥ sutam
dann zu [seinem] Sohn (Adv. / Akk.Sg.)
tvaṃ mām upacarasveti
du sollst mich bedienen (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Imp.Med.2.Sg. / iti)
nāciketam abhāṣata
zu Nāciketa sprach er (Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)
samāpte niyame tasmin
als diese Observanz beendet war (Lok.abs.)
maharṣiḥ putram abravīt
der große Seher sagte zum Sohn (Nom.Sg. / Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)

upasparśanasaktasya svādhyāyaniratasya ca; idhmā darbhāḥ sumanasaḥ kalaśaś cābhito jalam; vismṛtaṃ me tad ādāya nadītīrād ihāvraja

„Ich war mit dem rituellen Wasserberühren beschäftigt und dem Selbststudium ergeben; Brennholz, Darbha-Gras, Blumen und einen Wasserkrug – ringsum [Wasser] – habe ich vergessen. Nimm es und komm vom Flussufer hierher zurück.“

Wort für Wort
upasparśanasaktasya svādhyāyaniratasya ca
mir, der ich am Wasserberühren hing und dem Selbststudium ergeben war (Gen.Sg., zu me)
idhmā darbhāḥ sumanasaḥ
Brennholz, Darbha-Gräser, Blumen (Nom.Pl.)
kalaśaś cābhito jalam
und ein Krug, ringsum Wasser [Anm.] (Nom.Sg. / Adv. / Nom.Sg.n.)
vismṛtaṃ me tad
vergessen von mir, dies (Part.Pass.n. / Instr.-Gen. / Nom.n.)
ādāya nadītīrād ihāvraja
nimm und vom Flussufer komm hierher (Abs. / Abl.Sg. / Imp.2.Sg.)

Der Text ist syntaktisch knapp; „abhito jalam“ ist unsicher gedeutet.

gatvānavāpya tat sarvaṃ nadīvegasamāplutam; na paśyāmi tad ity evaṃ pitaraṃ so 'bravīn muniḥ

Er ging, fand aber nichts davon wieder, da alles von der Strömung des Flusses überflutet war. „Ich sehe es nicht“, sagte der Weise so zu seinem Vater.

Wort für Wort
gatvānavāpya tat sarvam
gegangen, nicht erlangt habend, all das (Abs. / Abs. / Akk.Sg.n.)
nadīvegasamāplutam
von der Flussströmung überflutet (Kompositum, Akk.Sg.n.)
na paśyāmi tad ity evam
ich sehe es nicht, so (1.Sg.Präs. / iti / Adv.)
pitaraṃ so 'bravīn muniḥ
zum Vater sprach er, der Weise (Akk.Sg. / Nom.Sg. / Impf.3.Sg. / Nom.Sg.)

kṣutpipāsāśramāviṣṭo munir uddālakis tadā; yamaṃ paśyeti taṃ putram aśapat sa mahātapāḥ

Von Hunger, Durst und Erschöpfung ergriffen, verfluchte da der Weise Uddālaki, der große Asket, seinen Sohn: „Sieh Yama!“

Wort für Wort
kṣutpipāsāśramāviṣṭaḥ
von Hunger, Durst und Müdigkeit erfüllt (Kompositum, Nom.Sg.)
munir uddālakis tadā
der Weise Uddālaki damals (Nom.Sg. / Adv.)
yamaṃ paśyeti
„Yama sieh!“ (Akk.Sg. / Imp.2.Sg. / iti)
taṃ putram aśapat
verfluchte diesen Sohn (Akk.Sg. / Impf.3.Sg.)
sa mahātapāḥ
er, der große Asket (Nom.Sg.)

tathā sa pitrābhihato vāgvajreṇa kṛtāñjaliḥ; prasīdeti bruvann eva gatasattvo 'patad bhuvi

So vom Vater mit dem Donnerkeil des Wortes getroffen, sank er mit gefalteten Händen, noch „Sei gnädig!“ sagend, ohne Lebenskraft zu Boden.

Wort für Wort
tathā sa pitrābhihataḥ
so er, vom Vater getroffen (Adv. / Nom.Sg. / Instr.Sg. / Part.Pass.)
vāgvajreṇa
mit dem Wort-Donnerkeil (Instr.Sg.)
kṛtāñjaliḥ
mit gefalteten Händen (Nom.Sg.)
prasīdeti bruvann eva
„sei gnädig“ sagend eben (Imp.2.Sg. / iti / Part.Präs.)
gatasattvo 'patad bhuvi
ohne Lebenskraft fiel er zur Erde (Nom.Sg. / Impf.3.Sg. / Lok.Sg.)

nāciketaṃ pitā dṛṣṭvā patitaṃ duḥkhamūrchitaḥ; kiṃ mayā kṛtam ity uktvā nipapāta mahītale

Als der Vater Nāciketa gefallen sah, fiel er, vom Schmerz überwältigt, mit den Worten „Was habe ich getan!“ selbst zu Boden.

Wort für Wort
nāciketaṃ pitā dṛṣṭvā
Nāciketa, der Vater, gesehen habend (Akk.Sg. / Nom.Sg. / Abs.)
patitaṃ duḥkhamūrchitaḥ
gefallen, vom Leid betäubt (Part.Pass.Akk. / Nom.Sg.)
kiṃ mayā kṛtam ity uktvā
„was wurde von mir getan“ gesagt habend (Nom.n. / Instr. / Part.Pass. / Abs.)
nipapāta mahītale
fiel nieder auf die Erdfläche (Perf.3.Sg. / Lok.Sg.)

tasya duḥkhaparītasya svaṃ putram upagūhataḥ; vyatītaṃ tad ahaḥśeṣaṃ sā cogrā tatra śarvarī

Während er, von Schmerz umfangen, seinen Sohn umarmt hielt, verging der Rest jenes Tages, und darauf [kam] jene furchtbare Nacht.

Wort für Wort
tasya duḥkhaparītasya
für ihn, der vom Leid umfangen war (Gen.Sg.)
svaṃ putram upagūhataḥ
der den eigenen Sohn umarmte (Akk.Sg. / Gen.Sg.Part.Präs.)
vyatītaṃ tad ahaḥśeṣam
verging jener Tagesrest (Part.Pass.n. / Nom.n. / Nom.Sg.n.)
sā cogrā tatra śarvarī
und jene furchtbare Nacht dort (Nom.Sg.f. / Adv. / Nom.Sg.f.)

Das Prädikat zu „śarvarī“ ist ergänzt („kam“).

pitryeṇāśruprapātena nāciketaḥ kurūdvaha; prāspandacchayane kauśye vṛṣṭyā sasyam ivāplutam

Durch das Herabfallen der väterlichen Tränen, du Nachkomme der Kurus, regte sich Nāciketa auf dem Lager aus Kuśa-Gras, wie Saat vom Regen benetzt.

Wort für Wort
pitryeṇāśruprapātena
durch das väterliche Tränenfallen (Instr.Sg.)
nāciketaḥ kurūdvaha
Nāciketa, Nachkomme der Kurus (Nom.Sg. / Vok.)
prāspandac chayane kauśye
regte sich auf dem Lager aus Kuśa-Gras (Impf.3.Sg. / Lok.Sg.)
vṛṣṭyā sasyam ivāplutam
wie Saat, vom Regen überschwemmt (Instr.Sg. / Nom.n. / Part.Pass.)

sa paryapṛcchat taṃ putraṃ ślāghyaṃ pratyāgataṃ punaḥ; divyair gandhaiḥ samādigdhaṃ kṣīṇasvapnam ivotthitam

Er befragte den Sohn, der lobenswert wieder zurückgekehrt war, mit himmlischen Düften gesalbt, wie einer, der mit erschöpftem Schlaf erwacht ist.

Wort für Wort
sa paryapṛcchat taṃ putram
er befragte diesen Sohn (Nom.Sg. / Impf.3.Sg. / Akk.Sg.)
ślāghyaṃ pratyāgataṃ punaḥ
der preisenswert zurückgekehrt [war] wieder (Akk.Sg. / Part.Pass. / Adv.)
divyair gandhaiḥ samādigdham
mit himmlischen Düften gesalbt (Instr.Pl. / Part.Pass.Akk.)
kṣīṇasvapnam ivotthitam
wie einer, dessen Schlaf zu Ende ist, aufgestanden (Akk.Sg. / Part.Pass.)

kṣīṇasvapnam ivotthitam: „wie nach ausgeschlafenem Schlaf erwacht“; Wiedergabe leicht frei.

api putra jitā lokāḥ śubhās te svena karmaṇā; diṣṭyā cāsi punaḥ prāpto na hi te mānuṣaṃ vapuḥ

„Mein Sohn, wurden durch dein eigenes Werk glückverheißende Welten gewonnen? Zum Glück bist du wieder gekommen; denn dein Körper ist nicht menschlich.“

Wort für Wort
api putra jitā lokāḥ śubhāḥ
hast du, Sohn, Welten gewonnen, glückliche (Frageppt. / Vok. / Part.Pass. / Nom.Pl. / Nom.Pl.)
te svena karmaṇā
von dir durch eigenes Werk (Gen./Instr.Sg.)
diṣṭyā cāsi punaḥ prāptaḥ
und zum Glück bist du wieder gekommen (Instr. / 2.Sg.Präs. / Adv. / Part.Pass.)
na hi te mānuṣaṃ vapuḥ
denn nicht menschlich ist dein Körper (Nom.Sg.n.)

pratyakṣadarśī sarvasya pitrā pṛṣṭo mahātmanā; anvarthaṃ taṃ pitur madhye maharṣīṇāṃ nyavedayat

Der Augenzeuge von allem, vom großen Vater gefragt, berichtete ihm, dem Vater, inmitten der großen Seher wahrheitsgemäß [alles].

Wort für Wort
pratyakṣadarśī sarvasya
der alles mit eigenen Augen gesehen hat (Nom.Sg. / Gen.n.)
pitrā pṛṣṭo mahātmanā
vom Vater, vom hochherzigen, gefragt (Instr.Sg. / Part.Pass.)
anvartham
dem Sinn entsprechend, wahrheitsgemäß (Adv./Akk.Sg.n.)
taṃ pitur madhye maharṣīṇām
ihm [dem Vater] inmitten der großen Seher (Akk.Sg. / Gen.Sg. / Lok. / Gen.Pl.)
nyavedayat
berichtete (Impf.Kaus.3.Sg.)

kurvan bhavacchāsanam āśu yāto; hy ahaṃ viśālāṃ ruciraprabhāvām; vaivasvatīṃ prāpya sabhām apaśyaṃ; sahasraśo yojanahaimabhaumām

„Deinem Befehl folgend, ging ich rasch und gelangte in die weite, herrlich strahlende Versammlungshalle des Vivasvat-Sohnes [Yama]; ich sah [sie], deren Boden tausendfach Yojanas weit aus Gold war.“

Wort für Wort
kurvan bhavacchāsanam āśu yātaḥ
deinen Befehl ausführend, rasch gegangen (Part.Präs. / Akk. / Adv. / Part.Pass.)
hy ahaṃ viśālāṃ ruciraprabhāvām
ich, in die weite, herrlich strahlende (1.Sg. / Akk.Sg.f.)
vaivasvatīṃ prāpya sabhām
zur Halle des Vaivasvata gelangt (Akk.Sg.f. / Abs. / Akk.Sg.f.)
apaśyaṃ sahasraśo
ich sah, tausendfach (Impf.1.Sg. / Adv.)
yojanahaimabhaumām
mit goldenem Boden von [vielen] Yojanas (Akk.Sg.f.)

dṛṣṭvaiva mām abhimukham āpatantaṃ; gṛhaṃ nivedyāsanam ādideśa; vaivasvato 'rghyādibhir arhaṇaiś ca; bhavatkṛte pūjayām āsa māṃ saḥ

„Sobald er mich sah, wie ich auf ihn zukam, ließ er ein Haus anweisen und gebot mir einen Sitz; Vaivasvata ehrte mich mit Ehrengaben wie Arghya und anderem um deinetwillen.“

Wort für Wort
dṛṣṭvaiva mām abhimukham āpatantam
sobald er mich gesehen hatte, mir zugewandt herankommend (Abs. / Akk. / Adv. / Part.Präs.)
gṛhaṃ nivedyāsanam ādideśa
ein Haus anzeigend, einen Sitz wies er an (Akk. / Abs. / Akk. / Perf.3.Sg.)
vaivasvato 'rghyādibhir arhaṇaiś ca
Vaivasvata mit Arghya und anderen Ehrungen (Nom.Sg. / Instr.Pl.)
bhavatkṛte pūjayām āsa māṃ saḥ
deinetwegen ehrte er mich (Lok. / Perf.Kaus. / Akk. / Nom.)

tatas tv ahaṃ taṃ śanakair avocaṃ; vṛtaṃ sadasyair abhipūjyamānam; prāpto 'smi te viṣayaṃ dharmarāja; lokān arhe yān sma tān me vidhatsva

„Darauf sprach ich leise zu ihm, der von den Ratsmitgliedern umgeben und verehrt wurde: ‚Ich bin in dein Reich gelangt, König des Rechts; weise mir die Welten zu, deren ich würdig bin.‘“

Wort für Wort
tatas tv ahaṃ taṃ śanakair avocam
darauf ich zu ihm leise sprach (Adv. / Nom. / Akk. / Adv. / Aor.1.Sg.)
vṛtaṃ sadasyair abhipūjyamānam
umgeben von Ratsmitgliedern, verehrt (Part.Pass. / Instr.Pl. / Part.Pass.Pass.)
prāpto 'smi te viṣayaṃ dharmarāja
ich bin zu deinem Bereich gelangt, König des Rechts (Part.Pass. / 1.Sg. / Akk. / Vok.)
lokān arhe yān sma tān me vidhatsva
die Welten, deren ich würdig bin, jene teile mir zu (Akk.Pl. / 1.Sg. / Rel. / Dem. / Imp.Med.2.Sg.)

„sma“ hier nur füllend; „arhe“ 1.Sg.

yamo 'bravīn māṃ na mṛto 'si saumya; yamaṃ paśyety āha tu tvāṃ tapasvī; pitā pradīptāgnisamānatejā; na tac chakyam anṛtaṃ vipra kartum

Yama sagte mir: „Du bist nicht gestorben, Lieber; dein Vater, der Asket, dessen Glanz dem lodernden Feuer gleicht, sagte aber: ‚Sieh Yama!‘ Das kann man nicht zur Unwahrheit machen, Brahmane.“

Wort für Wort
yamo 'bravīn māṃ na mṛto 'si saumya
Yama sagte mir: du bist nicht tot, Lieber (Impf.3.Sg. / Akk. / Part.Pass. / Vok.)
yamaṃ paśyety āha tu tvām tapasvī
„sieh Yama“ sagte aber zu dir der Asket (Perf.3.Sg. / Akk. / Nom.Sg.)
pitā pradīptāgnisamānatejāḥ
der Vater, an Glanz gleich lodernden Feuer (Nom.Sg.)
na tac chakyam anṛtaṃ vipra kartum
das kann nicht unwahr gemacht werden, Brahmane (Nom.n. / Adj.n. / Nom.n. / Vok. / Inf.)

dṛṣṭas te 'haṃ pratigacchasva tāta; śocaty asau tava dehasya kartā; dadāmi kiṃ cāpi manaḥpraṇītaṃ; priyātithe tava kāmān vṛṇīṣva

„Ich bin von dir gesehen; kehre zurück, Lieber! Er, der Schöpfer deines Körpers [dein Vater], trauert. Ich gebe dir auch, was immer dein Herz begehrt; du willkommener Gast, wähle deine Wünsche.“

Wort für Wort
dṛṣṭas te 'haṃ pratigacchasva tāta
ich bin von dir gesehen; geh zurück, Lieber (Part.Pass. / Instr. / Imp.Med.2.Sg. / Vok.)
śocaty asau tava dehasya kartā
es trauert jener, der Urheber deines Körpers (3.Sg.Präs. / Nom. / Gen. / Nom.Sg.)
dadāmi kiṃ cāpi manaḥpraṇītam
ich gebe auch etwas, vom Herzen Gewünschtes (1.Sg.Präs. / Akk.n.)
priyātithe tava kāmān vṛṇīṣva
lieber Gast, deine Wünsche wähle (Vok. / Gen. / Akk.Pl. / Imp.Med.2.Sg.)

Das „tava“ im letzten Pāda ist redundant; Wunsch ist frei gewählt.

tenaivam uktas tam ahaṃ pratyavocaṃ; prāpto 'smi te viṣayaṃ durnivartyam; icchāmy ahaṃ puṇyakṛtāṃ samṛddhāṃl; lokān draṣṭuṃ yadi te 'haṃ varārhaḥ

„So von ihm angesprochen, antwortete ich ihm: ‚Ich bin in dein Reich gelangt, aus dem man schwer zurückkehrt. Ich möchte die reichen Welten der Tugendhaften sehen, wenn ich deiner Gabe würdig bin.‘“

Wort für Wort
tenaivam uktas tam ahaṃ pratyavocam
so von ihm angeredet, antwortete ich ihm (Instr. / Adv. / Part.Pass. / Akk. / Aor.1.Sg.)
prāpto 'smi te viṣayaṃ durnivartyam
ich bin zu deinem Reich gelangt, aus dem schwer Rückkehr (Part.Pass. / Akk. / Adj.Akk.)
icchāmy ahaṃ puṇyakṛtāṃ samṛddhān
ich wünsche die reichen [Welten] der Verdienstvollen (1.Sg.Präs. / Gen.Pl. / Akk.Pl.)
lokān draṣṭuṃ yadi te 'haṃ varārhaḥ
Welten zu sehen, wenn ich einer Gabe von dir würdig bin (Akk.Pl. / Inf. / Konj. / Nom.)

yānaṃ samāropya tu māṃ sa devo; vāhair yuktaṃ suprabhaṃ bhānumantam; saṃdarśayām āsa tadā sma lokān; sarvāṃs tadā puṇyakṛtāṃ dvijendra

„Jener Gott ließ mich einen Wagen besteigen, der mit Zugtieren bespannt, sehr glänzend und leuchtend war, und zeigte mir dann alle Welten der Verdienstvollen, du Bester der Zweimalgeborenen.“

Wort für Wort
yānaṃ samāropya tu māṃ sa devaḥ
der Gott, mich auf den Wagen gesetzt habend (Akk. / Abs. / Akk. / Nom.)
vāhair yuktaṃ suprabhaṃ bhānumantam
mit Zugtieren bespannt, hell strahlend, glanzvoll (Instr.Pl. / Part.Pass. / Adj. / Adj.)
saṃdarśayām āsa tadā sma lokān
zeigte damals die Welten (Perf.Kaus.3.Sg. / Adv. / Akk.Pl.)
sarvāṃs tadā puṇyakṛtāṃ dvijendra
alle der Verdienstvollen, Bester der Zweimalgeborenen (Akk.Pl. / Gen.Pl. / Vok.)

apaśyaṃ tatra veśmāni taijasāni kṛtātmanām; nānāsaṃsthānarūpāṇi sarvaratnamayāni ca

„Ich sah dort strahlende Häuser der Geläuterten, von mannigfachen Formen und Gestalten und alle aus Edelsteinen bestehend.“

Wort für Wort
apaśyaṃ tatra veśmāni
ich sah dort Häuser (Impf.1.Sg. / Adv. / Akk.Pl.)
taijasāni kṛtātmanām
leuchtende, der Selbstgeläuterten (Akk.Pl.n. / Gen.Pl.)
nānāsaṃsthānarūpāṇi
von mannigfachen Formen und Gestalten (Akk.Pl.n.)
sarvaratnamayāni ca
und ganz aus Juwelen gemacht (Akk.Pl.n.)

candramaṇḍalaśubhrāṇi kiṅkiṇījālavanti ca; anekaśatabhaumāni sāntarjalavanāni ca

„[Sie waren] glänzend weiß wie die Mondscheibe, mit Netzen von Glöckchen behängt, hatten viele hundert Stockwerke und besaßen innen Wasser und Wälder.“

Wort für Wort
candramaṇḍalaśubhrāṇi
weiß wie die Mondscheibe (Akk.Pl.n.)
kiṅkiṇījālavanti ca
und mit Glöckchennetzen versehen (Akk.Pl.n.)
anekaśatabhaumāni
mit vielen hundert Stockwerken (Akk.Pl.n.)
sāntarjalavanāni ca
und mit Wasser und Wald im Innern (Akk.Pl.n.)

vaiḍūryārkaprakāśāni rūpyarukmamayāni ca; taruṇādityavarṇāni sthāvarāṇi carāṇi ca

„[Sie] leuchteten wie Vaiḍūrya und Sonne, waren aus Silber und Gold gemacht, hatten die Farbe der jungen Sonne, [und waren] unbeweglich und beweglich.“

Wort für Wort
vaiḍūryārkaprakāśāni
leuchtend wie Beryll und Sonne (Akk.Pl.n.)
rūpyarukmamayāni ca
und aus Silber und Gold bestehend (Akk.Pl.n.)
taruṇādityavarṇāni
von der Farbe der jungen Sonne (Akk.Pl.n.)
sthāvarāṇi carāṇi ca
feststehende und bewegliche (Akk.Pl.n.)

„sthāvarāṇi carāṇi ca“: ortsfeste und bewegliche [Häuser]; Bezug leicht unsicher.

bhakṣyabhojyamayāñ śailān vāsāṃsi śayanāni ca; sarvakāmaphalāṃś caiva vṛkṣān bhavanasaṃsthitān

„Ich sah Berge aus Speisen und Genüssen, Gewänder und Lager und Bäume, die alle Wünsche als Früchte tragen und bei den Häusern standen.“

Wort für Wort
bhakṣyabhojyamayān śailān
Berge aus Speisen und Genüssen (Akk.Pl.)
vāsāṃsi śayanāni ca
Kleider und Lager (Akk.Pl.n.)
sarvakāmaphalāṃś caiva vṛkṣān
und Bäume, die alle Wünsche als Früchte tragen (Akk.Pl.)
bhavanasaṃsthitān
bei den Wohnstätten stehend (Akk.Pl.)

nadyo vīthyaḥ sabhā vāpī dīrghikāś caiva sarvaśaḥ; ghoṣavanti ca yānāni yuktāny eva sahasraśaḥ

„Flüsse, Straßen, Versammlungshallen, Teiche und lange Weiher überall; und tönende Wagen, tausendfach bespannt.“

Wort für Wort
nadyo vīthyaḥ sabhā
Flüsse, Straßen, Hallen (Nom.Pl.f.)
vāpī dīrghikāś caiva sarvaśaḥ
Teiche und Weiher überall (Nom.Sg.f. / Nom.Pl.f. / Adv.)
ghoṣavanti ca yānāni
und klingende Wagen (Nom.Pl.n.)
yuktāny eva sahasraśaḥ
bespannt, zu Tausenden (Part.Pass.Nom.Pl. / Adv.)

Syntax: Akkusative des Sehens (apaśyam) sind aus 21 weitergeführt.

kṣīrasravā vai sarito girīṃś ca; sarpis tathā vimalaṃ cāpi toyam

„Ströme, die Milch fließen ließen, und Berge, ebenso Ghee und reines Wasser [sah ich].“

Wort für Wort
kṣīrasravā vai sarito
Milch strömende Flüsse (Akk.Pl.f. / Part.)
girīṃś ca
und Berge (Akk.Pl.)
sarpis tathā vimalam
Ghee ebenso, reines (Akk.Sg.n. / Adv. / Adj.)
cāpi toyam
und auch Wasser (Akk.Sg.n.)

Halbvers; Konstruktion setzt sich in Einheit 28 fort.

kṣīrasravā vai sarito girīṃś ca sarpiṣāṃ tathā; vimalaṃ caiva toyaṃ ca sarvaṃ svādu tathaiva ca

„Milch strömende Flüsse und Berge, und ebenso Ghee; klares Wasser, alles süß und ebenso [wohlschmeckend].“

Wort für Wort
kṣīrasravā vai sarito girīṃś ca
milchströmende Flüsse und Berge (Akk.Pl.)
sarpiṣāṃ tathā
und ebenso [Flüsse] von Ghee (Gen.Pl. / Adv.)
vimalaṃ caiva toyaṃ ca
und klares Wasser (Akk.Sg.n.)
sarvaṃ svādu tathaiva ca
alles süß, ebenso (Akk.Sg.n. / Adj. / Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe; Text nur teilweise klar.

vaivasvatasyānumatāṃś ca deśān; adṛṣṭapūrvān subahūn apaśyam

„[Ich sah] die von Vaivasvata gebilligten Gegenden, die ich zuvor nie gesehen hatte, sehr viele.“

Wort für Wort
vaivasvatasyānumatāṃś ca deśān
und die von Vaivasvata genehmigten Gegenden (Gen.Sg. / Akk.Pl.)
adṛṣṭapūrvān
zuvor nie gesehene (Akk.Pl.)
subahūn apaśyam
sehr viele sah ich (Akk.Pl. / Impf.1.Sg.)

sarvaṃ dṛṣṭvā tad ahaṃ dharmarājam; avocaṃ vai prabhaviṣṇuṃ purāṇam; kṣīrasyaitāḥ sarpiṣaś caiva nadyaḥ; śaśvat srotāḥ kasya bhojyāḥ pradiṣṭāḥ

„Als ich all das gesehen hatte, sprach ich zum König des Rechts, dem mächtigen, uralten: ‚Diese Flüsse aus Milch und Ghee mit ewig fließenden Strömen – für wen sind sie als Genuss bestimmt?‘“

Wort für Wort
sarvaṃ dṛṣṭvā tad ahaṃ dharmarājam
alles gesehen habend, ich zum König des Rechts (Akk. / Abs. / Nom. / Akk.)
avocaṃ vai prabhaviṣṇuṃ purāṇam
sprach zum mächtigen, uralten (Aor.1.Sg. / Akk. / Akk.)
kṣīrasyaitāḥ sarpiṣaś caiva nadyaḥ
diese Flüsse der Milch und des Ghee (Gen.Sg. / Nom.Pl.f.)
śaśvat srotāḥ kasya bhojyāḥ pradiṣṭāḥ
ewig strömend, wessen Nießbrauch, bestimmt (Adv. / Nom.Pl. / Gen. / Nom.Pl. / Part.Pass.)

yamo 'bravīd viddhi bhojyās tvam etā; ye dātāraḥ sādhavo gorasānām; anye lokāḥ śāśvatā vītaśokāḥ; samākīrṇā gopradāne ratānām

Yama sagte: „Wisse, du [sollst] sie genießen: die Guten, die Gorasa [Kuhprodukte] geben. Andere Welten, ewig und ohne Kummer, sind erfüllt von denen, die Freude an Kuhgaben haben.“

Wort für Wort
yamo 'bravīd viddhi bhojyās tvam etāḥ
Yama sagte: wisse, zu genießen sind sie, du (Nom. / Impf.3.Sg. / Imp.2.Sg. / Nom.Pl. / Nom.Sg. / Nom.Pl.f.)
ye dātāraḥ sādhavo gorasānām
die Geber, Guten von Kuhprodukten (Nom.Pl. / Nom.Pl. / Gen.Pl.)
anye lokāḥ śāśvatā vītaśokāḥ
andere Welten, ewige, kummerlose (Nom.Pl.)
samākīrṇā gopradāne ratānām
erfüllt von denen, die sich an Kuhgaben freuen (Part.Pass. / Lok. / Gen.Pl.)

Bezug von „bhojyās tvam etāḥ“ unsicher [?].

na tv evāsāṃ dānamātraṃ praśastaṃ; pātraṃ kālo goviśeṣo vidhiś ca; jñātvā deyā vipra gavāntaraṃ hi; duḥkhaṃ jñātuṃ pāvakādityabhūtam

„Nicht aber ist das bloße Schenken dieser [Kühe] löblich: Empfänger, Zeit, Besonderheit der Kuh und die Vorschrift [kommen hinzu]. Nach genauer Kenntnis sind sie zu geben, Brahmane – denn der Unterschied zwischen [einzelnen] Kühen ist schwer zu erkennen, [er ist] wie Feuer und Sonne geworden [?].“

Wort für Wort
na tv eva āsāṃ dānamātraṃ praśastam
nicht aber ist von diesen bloßes Schenken löblich (Gen.Pl.; Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
pātraṃ kālo goviśeṣo vidhiś ca
der Empfänger, die Zeit, die Besonderheit der Kuh und die Vorschrift (Nom.)
jñātvā deyā vipra
nach dem Erkennen sind [sie] zu geben, Brahmane (Abs.; Gerundiv Nom.Pl.f.; Vok.)
gavāntaraṃ hi
denn der Unterschied unter Kühen (Nom.Sg.n.)
duḥkhaṃ jñātum
schwer zu erkennen (Nom.Sg.n.; Inf.)
pāvakādityabhūtam
feuer- und sonnengleich geworden [?] (Kompositum, Nom.Sg.n.)

pāvakādityabhūtam ist syntaktisch und inhaltlich unsicher (etwa: 'feuer- und sonnengleich').

svādhyāyāḍhyo yo 'timātraṃ tapasvī; vaitānastho brāhmaṇaḥ pātram āsām; kṛcchrotsṛṣṭāḥ poṣaṇābhyāgatāś ca; dvārair etair goviśeṣāḥ praśastāḥ

„Wer reich an Vedastudium ist, über die Maßen asketisch, ein im Opferfeuer gegründeter Brahmane, ist der [würdige] Empfänger dieser [Kühe]; solche, die aus Not preisgegeben wurden, und solche, die zum Unterhalt gekommen sind [?] – durch diese Zugänge sind die besonderen Kühe löblich.“

Wort für Wort
svādhyāyāḍhyo yo 'timātraṃ tapasvī
wer reich an Vedastudium [ist], übermäßig asketisch [ist] (Nom.Sg.m.)
vaitānastho brāhmaṇaḥ
ein im vedischen Opferfeuer stehender Brahmane (Nom.Sg.m.)
pātram āsām
Empfänger dieser (Nom.Sg.n.; Gen.Pl.f.)
kṛcchrotsṛṣṭāḥ
in Not preisgegebene (Nom.Pl.f.; Part.Pass.)
poṣaṇābhyāgatāś ca
und zum Unterhalt gekommene [?] (Nom.Pl.f.)
dvārair etair goviśeṣāḥ praśastāḥ
durch diese Zugänge sind die besonderen Kühe löblich (Instr.Pl.; Nom.Pl.m.)

kṛcchrotsṛṣṭāḥ poṣaṇābhyāgatāḥ: Deutung unsicher; hier als Kategorien von Kühen gefasst.

tisro rātrīr adbhir upoṣya bhūmau; tṛptā gāvas tarpitebhyaḥ pradeyāḥ; vatsaiḥ prītāḥ suprajāḥ sopacārās; tryahaṃ dattvā gorasair vartitavyam

„Nachdem man drei Nächte lang auf der Erde nur mit Wasser gefastet hat, sind [die] gesättigten Kühe den Gesättigten zu geben, durch die Kälber erfreut, mit guter Nachkommenschaft, mit Zubehör versehen; nach dem Geben soll man drei Tage von Kuhprodukten leben.“

Wort für Wort
tisro rātrīr adbhir upoṣya bhūmau
drei Nächte mit Wasser gefastet habend, auf der Erde (Akk.Pl.f.; Instr.Pl.; Abs.; Lok.)
tṛptā gāvas tarpitebhyaḥ pradeyāḥ
gesättigte Kühe sind den Gesättigten zu geben (Nom.Pl.f.; Dat.Pl.; Gerundiv)
vatsaiḥ prītāḥ
durch die Kälber erfreut (Instr.Pl.; Nom.Pl.f.)
suprajāḥ sopacārāḥ
mit guter Nachkommenschaft, mit Zubehör (Nom.Pl.f.)
tryahaṃ dattvā
drei Tage lang, nachdem man gegeben hat (Adv.; Abs.)
gorasair vartitavyam
von Kuh-Säften ist zu leben (Instr.Pl.; Gerundiv unpers.)

dattvā dhenuṃ suvratāṃ kāṃsyadohāṃ; kalyāṇavatsām apalāyinīṃ ca; yāvanti lomāni bhavanti tasyās; tāvad varṣāṇy aśnute svargalokam

„Wer eine Kuh mit guten Gelübden [d. h. gutmütig], mit Bronze-Melkgefäß, mit schönem Kalb und nicht davonlaufend geschenkt hat – so viele Haare sie hat, so viele Jahre genießt er die Himmelswelt.“

Wort für Wort
dattvā dhenuṃ suvratāṃ
nachdem [er] eine gutwillige Milchkuh gegeben hat (Abs.; Akk.Sg.f.)
kāṃsyadohām
mit Bronze-Melkgefäß (Akk.Sg.f.)
kalyāṇavatsām apalāyinīṃ ca
mit schönem Kalb und nicht fliehend (Akk.Sg.f.)
yāvanti lomāni bhavanti tasyāḥ
wie viele Haare sie hat (Nom.Pl.n.; 3.Pl.Präs.; Gen.Sg.f.)
tāvad varṣāṇy aśnute
so viele Jahre genießt er (Akk.Pl.n.; 3.Sg.Med.Präs.)
svargalokam
die Himmelswelt (Akk.Sg.m.)

tathānaḍvāhaṃ brāhmaṇāya pradāya; dāntaṃ dhuryaṃ balavantaṃ yuvānam; kulānujīvaṃ vīryavantaṃ bṛhantaṃ; bhuṅkte lokān saṃmitān dhenudasya

„Ebenso: Wer einem Brahmanen einen Stier gegeben hat, gezähmt, zugtauglich, kräftig, jung, der Sippe dienlich [?], stark, groß, der genießt Welten von entsprechendem Maß wie der Kuhgeber.“

Wort für Wort
tathā anaḍvāhaṃ brāhmaṇāya pradāya
ebenso einen Stier einem Brahmanen gegeben habend (Akk.Sg.m.; Dat.; Abs.)
dāntaṃ dhuryaṃ
gezähmt, zugtauglich (Akk.Sg.m.)
balavantaṃ yuvānam
kräftig, jung (Akk.Sg.m.)
kulānujīvaṃ vīryavantaṃ bṛhantam
der Sippe dienlich [?], tatkräftig, groß (Akk.Sg.m.)
bhuṅkte lokān saṃmitān
genießt Welten von gleichem Maß (3.Sg.Med.Präs.; Akk.Pl.m.)
dhenudasya
des Kuhgebers (Gen.Sg.m.)

kulānujīvam unsicher: 'von der Familie lebend' oder 'der Familie zum Unterhalt dienend'.

goṣu kṣāntaṃ gośaraṇyaṃ kṛtajñaṃ; vṛttiglānaṃ tādṛśaṃ pātram āhuḥ; vṛttiglāne saṃbhrame vā mahārthe; kṛṣyarthe vā homahetoḥ prasūtyām

„Wer gegenüber Kühen nachsichtig ist, in Kühen seine Zuflucht hat, dankbar ist und in seinem Lebensunterhalt erschöpft ist, einen solchen nennen sie einen [würdigen] Empfänger; [zu geben ist,] wenn der Lebensunterhalt erschöpft ist, bei Bedrängnis oder großem Anliegen, für den Ackerbau oder um des Opfers willen, bei einer Geburt,“

Wort für Wort
goṣu kṣāntaṃ gośaraṇyaṃ kṛtajñam
gegen Kühe nachsichtig, Kühe zur Zuflucht habend, dankbar (Akk.Sg.m.)
vṛttiglānaṃ tādṛśaṃ pātram āhuḥ
im Lebensunterhalt erschöpft; einen solchen [als] Empfänger nennen sie (Akk.Sg.m.; 3.Pl.Perf.)
vṛttiglāne saṃbhrame vā mahārthe
bei Erschöpfung des Unterhalts, bei Bedrängnis oder bei großem Anliegen (Lok.Sg.)
kṛṣyarthe vā homahetoḥ
zum Ackerbau oder um des Opfers willen (Lok.; Abl.)
prasūtyām
bei einer Geburt (Lok.Sg.f.)

Der Satz läuft in der nächsten Einheit weiter.

gurvarthe vā bālapuṣṭyābhiṣaṅgād; gāvo dātuṃ deśakālo 'viśiṣṭaḥ; antarjātāḥ sukrayajñānalabdhāḥ; prāṇakrītā nirjitāś caudakāś ca

„oder für den Guru, oder aus Sorge um die Ernährung eines Kindes oder aus Bedrängnis: Kühe zu geben ist [dann] Ort und Zeit ohne Unterschied [d. h. gleichgültig]. [Als Kühe gelten:] im Haus geborene, gut gekaufte, durch Wissen [?] erlangte, mit dem Leben erkaufte, im Kampf gewonnene und aus dem Wasser [?] stammende.“

Wort für Wort
gurvarthe vā bālapuṣṭyābhiṣaṅgāt
für den Guru oder aus Betroffenheit um das Wohlergehen eines Kindes (Lok.; Abl.)
gāvo dātuṃ
Kühe zu geben (Nom.Pl.f.; Inf.)
deśakālo 'viśiṣṭaḥ
Ort und Zeit sind ohne Vorrang (Nom.Sg.m.; Kompositum)
antarjātāḥ sukrayajñānalabdhāḥ
im Haus geborene, gut gekaufte, durch Wissen [?] erlangte (Nom.Pl.f.)
prāṇakrītā nirjitāś
mit dem Leben erkaufte, im Kampf gewonnene (Nom.Pl.f.)
caudakāś ca
und wasserstammende [?] (Nom.Pl.f.)

sukrayajñānalabdhāḥ und caudakāḥ sind unsicher; hier als Reihe von Erwerbsarten der Kühe gefasst.

gā vai dadyān nyāyabhūtā dvijebhyo; yo yātum ākāṅkṣati devalokam

„Kühe soll man geben, rechtmäßig erworbene, an Zweimalgeborene, wer zur Götterwelt zu gehen wünscht.“

Wort für Wort
gā vai dadyān
Kühe soll man geben (Akk.Pl.f.; Opt.Akt.)
nyāyabhūtā dvijebhyaḥ
rechtmäßig erworbene, an Zweimalgeborene (Akk.Pl.f.; Dat.Pl.)
yo yātum ākāṅkṣati
wer zu gehen wünscht (Nom.Sg.m.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
devalokam
zur Götterwelt (Akk.Sg.m.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (*0364), nur in einem Teil der Handschriften.

nāciketa uvāca; śrutvā vaivasvatavacas tam ahaṃ punar abruvam; agomī gopradātṝṇāṃ kathaṃ lokān nigacchati

Nāciketa sprach: „Nachdem ich die Worte Vaivasvatas gehört hatte, fragte ich ihn abermals: ‚Wie gelangt einer, der keine Kuh besitzt, [zu] den Welten der Kuhschenker?‘“

Wort für Wort
nāciketa uvāca
Nāciketa sprach (Nom.; 3.Sg.Perf.)
śrutvā vaivasvatavacas
nachdem ich die Worte Vaivasvatas gehört hatte (Abs.; Akk.Pl.n.)
tam ahaṃ punar abruvam
ihn fragte ich abermals (Akk.; 1.Sg.Impf.)
agomī gopradātṝṇām
einer ohne Kuh, unter den Kuhschenkern (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
kathaṃ lokān nigacchati
wie gelangt er zu den Welten (Akk.Pl.m.; 3.Sg.Präs.)

tato yamo 'bravīd dhīmān gopradāne parāṃ gatim; gopradānānukalpaṃ tu gām ṛte santi gopradāḥ

Darauf sagte der weise Yama: „Im Kuhschenken [liegt] das höchste Ziel; einen Ersatz für das Kuhschenken aber [gibt es]: Auch ohne Kuh gibt es Kuhschenker.“

Wort für Wort
tato yamo 'bravīd dhīmān
darauf sprach Yama, der Weise (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.m.)
gopradāne parāṃ gatim
im Kuhschenken das höchste Ziel (Lok.Sg.n.; Akk.Sg.f.)
gopradānānukalpaṃ tu
einen Ersatz für das Kuhschenken aber (Akk.Sg.m.)
gām ṛte santi gopradāḥ
ohne Kuh gibt es Kuhschenker (Akk.; Präp.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)

alābhe yo gavāṃ dadyād ghṛtadhenuṃ yatavrataḥ; tasyaitā ghṛtavāhinyaḥ kṣarante vatsalā iva

„Wer beim Fehlen von Kühen mit gebändigtem Gelübde eine Ghee-Kuh schenkt, dessen sind diese ghee-tragenden [Ströme], die fließen wie zärtliche [Kühe].“

Wort für Wort
alābhe yo gavāṃ dadyād
wer beim Nichtvorhandensein von Kühen gäbe (Lok.Sg.m.; Gen.Pl.; Opt.)
ghṛtadhenuṃ yatavrataḥ
eine Ghee-Kuh, mit gezügeltem Gelübde (Akk.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
tasya etā ghṛtavāhinyaḥ
dessen sind diese ghee-tragenden [Ströme] (Gen.Sg.; Nom.Pl.f.)
kṣarante vatsalā iva
sie fließen wie zärtliche [Kühe] (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.f.)

ghṛtālābhe ca yo dadyāt tiladhenuṃ yatavrataḥ; sa durgāt tārito dhenvā kṣīranadyāṃ pramodate

„Und wer beim Fehlen von Ghee mit gebändigtem Gelübde eine Sesam-Kuh schenkt, der wird durch die Kuh aus der Bedrängnis gerettet und freut sich am Milchfluss.“

Wort für Wort
ghṛtālābhe ca yo dadyāt
und wer beim Fehlen von Ghee gibt (Lok.Sg.m.; Opt.)
tiladhenuṃ yatavrataḥ
eine Sesam-Kuh, mit gezügeltem Gelübde (Akk.Sg.f.)
sa durgāt tārito dhenvā
er, aus der Bedrängnis gerettet durch die Kuh (Abl.Sg.n.; Part.Pass.; Instr.Sg.f.)
kṣīranadyāṃ pramodate
am Milchfluss freut er sich (Lok.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)

tilālābhe ca yo dadyāj jaladhenuṃ yatavrataḥ; sa kāmapravahāṃ śītāṃ nadīm etām upāśnute

„Und wer beim Fehlen von Sesam mit gebändigtem Gelübde eine Wasser-Kuh schenkt, der erlangt diesen kühlen Fluss, der [alle] Wünsche dahinträgt.“

Wort für Wort
tilālābhe ca yo dadyāj
und wer beim Fehlen von Sesam gibt (Lok.Sg.m.; Opt.)
jaladhenuṃ yatavrataḥ
eine Wasser-Kuh, mit gezügeltem Gelübde (Akk.Sg.f.)
sa kāmapravahāṃ śītāṃ
er, den wunscherfüllend strömenden, kühlen (Nom.; Akk.Sg.f.)
nadīm etām upāśnute
diesen Fluss erlangt er (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Präs.Med.)

evamādīni me tatra dharmarājo nyadarśayat; dṛṣṭvā ca paramaṃ harṣam avāpam aham acyuta

„Dies und Ähnliches zeigte mir dort der Dharmakönig; und als ich es sah, erlangte ich höchste Freude, Acyuta.“

Wort für Wort
evamādīni me tatra
solches und Ähnliches mir dort (Akk.Pl.n.; Dat.Sg.)
dharmarājo nyadarśayat
der Dharmakönig zeigte (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Impf.Kaus.)
dṛṣṭvā ca paramaṃ harṣam
und nachdem ich [es] gesehen, höchste Freude (Abs.; Akk.Sg.m.)
avāpam aham acyuta
erlangte ich, Unfehlbarer (1.Sg.Aor./Impf.; Vok.)

Nāciketa redet weiter zu seinem Vater; 'Acyuta' ('Unfehlbarer') ist hier Anrede.

nivedaye cāpi priyaṃ bhavatsu; kratur mahān alpadhanapracāraḥ; prāpto mayā tāta sa matprasūtaḥ; prapatsyate vedavidhipravṛttaḥ

„Und ich melde euch auch Erfreuliches: Ein großes Opfer mit geringem Aufwand an Gütern habe ich erlangt, Vater, es ist aus mir selbst hervorgegangen; es wird, an die vedische Vorschrift gebunden, ins Werk gehen.“

Wort für Wort
nivedaye cāpi priyaṃ bhavatsu
und ich melde auch Erfreuliches euch (1.Sg.Präs.Kaus.; Akk.Sg.n.; Lok.Pl.)
kratur mahān
ein großes Opfer (Nom.Sg.m.)
alpadhanapracāraḥ
mit geringem Aufwand an Gütern (Kompositum, Nom.Sg.m.)
prāpto mayā tāta
erlangt von mir, Vater (Part.Pass.; Instr.; Vok.)
sa matprasūtaḥ
es, aus mir hervorgegangen (Nom.Sg.m.; Part.Pass.)
prapatsyate vedavidhipravṛttaḥ
wird zustande kommen, der vedischen Vorschrift folgend (3.Sg.Fut.Med.; Nom.Sg.m.)

śāpo hy ayaṃ bhavato 'nugrahāya; prāpto mayā yatra dṛṣṭo yamo me; dānavyuṣṭiṃ tatra dṛṣṭvā mahārthāṃ; niḥsaṃdigdhaṃ dānadharmāṃś cariṣye

„Denn dieser Fluch von dir wurde mir zum Segen zuteil, wo ich Yama sah; nachdem ich dort den Ertrag der Gaben von großem Nutzen gesehen habe, werde ich ohne Zweifel die Pflichten des Gebens üben.“

Wort für Wort
śāpo hy ayaṃ bhavato 'nugrahāya
denn dieser Fluch von dir zur Gnade (Nom.Sg.m.; Gen.; Dat.Sg.m.)
prāpto mayā yatra dṛṣṭo yamo me
wurde mir zuteil, wo mir Yama erschien (Part.Pass.; Instr.; Part.Pass.)
dānavyuṣṭiṃ tatra dṛṣṭvā mahārthām
den Ertrag der Gaben [?] dort gesehen habend, den von großem Nutzen (Akk.Sg.f.; Abs.)
niḥsaṃdigdhaṃ
zweifelsfrei (Adv.)
dānadharmāṃś cariṣye
die Geberpflichten werde ich üben (Akk.Pl.m.; 1.Sg.Fut.Med.)

dānavyuṣṭim: 'Ertrag/Glanz der Gaben', Deutung unsicher.

idaṃ ca mām abravīd dharmarājaḥ; punaḥ punaḥ saṃprahṛṣṭo dvijarṣe; dānena tāta prayato 'bhūḥ sadaiva; viśeṣato gopradānaṃ ca kuryāḥ

„Und dies sagte mir der Dharmakönig immer wieder, hocherfreut, Brahmanenweiser: ‚Sei durch das Geben, mein Kind, stets gesammelt; besonders sollst du Kühe schenken.‘“

Wort für Wort
idaṃ ca mām abravīd dharmarājaḥ
und dies sagte mir der Dharmakönig (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.; 3.Sg.Impf.)
punaḥ punaḥ saṃprahṛṣṭo dvijarṣe
immer wieder hocherfreut, Brahmanenweiser (Adv.; Part.Pass.; Vok.)
dānena tāta prayato 'bhūḥ sadaiva
durch Geben, Kind, gesammelt sei stets (Instr.; Vok.; Nom.Sg.m.; 2.Sg.Aor.)
viśeṣato gopradānaṃ ca kuryāḥ
und besonders Kuhgabe sollst du tun (Adv.; Akk.Sg.n.; 2.Sg.Opt.)

śuddho hy artho nāvamanyaḥ svadharmāt; pātre deyaṃ deśakālopapanne; tasmād gāvas te nityam eva pradeyā; mā bhūc ca te saṃśayaḥ kaś cid atra

„Denn lauteres Gut ist nicht geringzuachten, [erworben] aus dem eigenen Dharma; einem Würdigen ist zu geben, wenn Ort und Zeit passend sind. Darum sind dir stets Kühe zu geben, und du sollst hierin keinerlei Zweifel haben.“

Wort für Wort
śuddho hy artho nāvamanyaḥ svadharmāt
denn lauteres Gut ist nicht zu verachten, aus dem eigenen Dharma (Nom.Sg.m.; Gerundiv; Abl.)
pātre deyaṃ deśakālopapanne
einem Würdigen ist zu geben, bei passendem Ort und Zeit (Lok.; Gerundiv; Lok.Sg.m.)
tasmād gāvas te nityam eva pradeyāḥ
darum sind dir stets Kühe zu geben (Abl.; Nom.Pl.f.; Dat./Gen.; Gerundiv)
mā bhūc ca te saṃśayaḥ kaś cid atra
und kein Zweifel soll dir hierin sein (Prohibitiv; Nom.Sg.m.; Lok.)

Der erste Halbvers (śuddho hy artho nāvamanyaḥ svadharmāt) ist im Bezug unsicher.

etāḥ purā adadan nityam eva; śāntātmāno dānapathe niviṣṭāḥ; tapāṃsy ugrāṇy apratiśaṅkamānās; te vai dānaṃ pradaduś cāpi śaktyā

„Diese [Kühe] gaben früher stets Friedvolle, die auf dem Pfad des Gebens feststanden, strenge Askesen ohne Zaudern [übend]; sie gaben auch Gaben, soweit sie es vermochten.“

Wort für Wort
etāḥ purā adadan nityam eva
diese gaben früher stets (Akk.Pl.f.; 3.Pl.Impf.)
śāntātmāno dānapathe niviṣṭāḥ
die Friedvollen, auf dem Pfad des Gebens gefestigt (Nom.Pl.m.; Lok.; Part.Pass.)
tapāṃsy ugrāṇy apratiśaṅkamānāḥ
strenge Askesen ohne Zaudern [übend] (Akk.Pl.n.; Part.Präs.Med.)
te vai dānaṃ pradaduś cāpi śaktyā
sie gaben auch Gaben nach Vermögen (3.Pl.Perf.; Instr.Sg.f.)

kāle śaktyā matsaraṃ varjayitvā; śuddhātmānaḥ śraddhinaḥ puṇyaśīlāḥ; dattvā taptvā lokam amuṃ prapannā; dedīpyante puṇyaśīlāś ca nāke

„Zur rechten Zeit, nach Kräften, den Neid meidend, reinen Herzens, gläubig, tugendhaft: Wer gegeben und Askese geübt hat, ist in jene Welt gelangt und leuchtet, tugendhaft, hell im Himmel.“

Wort für Wort
kāle śaktyā matsaraṃ varjayitvā
zur rechten Zeit, nach Kräften, den Neid gemieden habend (Lok.; Instr.; Akk.; Abs.)
śuddhātmānaḥ śraddhinaḥ puṇyaśīlāḥ
reinen Herzens, gläubig, von guter Wesensart (Nom.Pl.m.)
dattvā taptvā
nachdem sie gegeben, nachdem sie Askese geübt (Abs.)
lokam amuṃ prapannā
jene Welt erreicht habend (Akk.Sg.m.; Part.Pass.)
dedīpyante puṇyaśīlāś ca nāke
sie leuchten hell, die Tugendhaften, im Himmel (3.Pl.Intens.; Nom.Pl.m.; Lok.)

etad dānaṃ nyāyalabdhaṃ dvijebhyaḥ; pātre dattaṃ prāpaṇīyaṃ parīkṣya; kāmyāṣṭamyāṃ vartitavyaṃ daśāhaṃ; rasair gavāṃ śakṛtā prasnavair vā

„Diese Gabe, rechtmäßig erworben, ist an Zweimalgeborene zu geben, an einen Würdigen gegeben und nach Prüfung zu überbringen; am ‚Wunsch-Achten‘ [?] soll man zehn Tage lang leben von den Säften der Kühe, von Kuhmist oder von Milchflüssen.“

Wort für Wort
etad dānaṃ nyāyalabdhaṃ dvijebhyaḥ
diese Gabe, rechtmäßig erworben, an Zweimalgeborene (Nom.Sg.n.; Part.Pass.; Dat.Pl.)
pātre dattaṃ prāpaṇīyaṃ parīkṣya
einem Würdigen gegeben, zu überbringen, nachdem man geprüft hat (Lok.; Part.Pass.; Gerundiv; Abs.)
kāmyāṣṭamyāṃ vartitavyaṃ daśāham
am Wunsch-Achten [?] ist zehn Tage zu leben (Lok.Sg.f.; Gerundiv; Adv.)
rasair gavāṃ śakṛtā prasnavair vā
von den Säften der Kühe, von Mist oder von Milchflüssen (Instr.Pl.; Gen.Pl.; Instr.Sg.; Instr.Pl.)

kāmyāṣṭamī: Bezeichnung des Tages unsicher; śakṛtā und prasnavaiḥ (Mist/Milchfluss) wörtlich wiedergegeben.

vedavratī syād vṛṣabhapradātā; vedāvāptir goyugasya pradāne; tīrthāvāptir goprayuktapradāne; pāpotsargaḥ kapilāyāḥ pradāne

„Ein Stierschenker wird ein Veda-Gelübde-Haltender sein; im Schenken eines Ochsengespanns liegt die Erlangung des Veda; im Schenken von zum Kuhgespann Gehörigem [?] die Erlangung heiliger Furten; im Schenken einer Kapilā [rötlich-braune Kuh] das Ablegen der Sünde.“

Wort für Wort
vedavratī syād vṛṣabhapradātā
ein Veda-Gelübde-Haltender wird sein der Stierschenker (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.m.)
vedāvāptir goyugasya pradāne
Erlangung des Veda beim Schenken eines Kuhgespanns (Nom.Sg.f.; Gen.; Lok.)
tīrthāvāptir goprayuktapradāne
Erlangung heiliger Furten beim Schenken von Kuh-Bespanntem [?] (Nom.Sg.f.; Lok.)
pāpotsargaḥ kapilāyāḥ pradāne
Ablegen der Sünde beim Schenken einer Kapilā (Nom.Sg.m.; Gen.; Lok.)

goprayuktapradāne: Deutung unsicher (etwa 'Gabe von mit Kühen bespannten [Fuhrwerken]').

gām apy ekāṃ kapilāṃ saṃpradāya; nyāyopetāṃ kalmaṣād vipramucyet; gavāṃ rasāt paramaṃ nāsti kiṃ cid; gavāṃ dānaṃ sumahat tad vadanti

„Wer auch nur eine einzige Kapilā, rechtmäßig erworben, geschenkt hat, würde von Befleckung befreit; nichts Höheres gibt es als den Saft der Kühe; das Schenken von Kühen nennen sie sehr groß.“

Wort für Wort
gām apy ekāṃ kapilāṃ saṃpradāya
auch nur eine einzige Kapilā geschenkt habend (Akk.Sg.f.; Abs.)
nyāyopetāṃ kalmaṣād vipramucyet
rechtmäßig erworben, würde von Befleckung frei (Akk.Sg.f.; Abl.; 3.Sg.Opt.Pass.)
gavāṃ rasāt paramaṃ nāsti kiṃ cid
höher als der Saft der Kühe gibt es nichts (Gen.Pl.; Abl.; Nom.Sg.n.)
gavāṃ dānaṃ sumahat tad vadanti
das Schenken von Kühen, sehr groß, das nennen sie (Nom.Sg.n.; 3.Pl.Präs.)

gāvo lokān dhārayanti kṣarantyo; gāvaś cānnaṃ saṃjanayanti loke; yas taj jānan na gavāṃ hārdam eti; sa vai gantā nirayaṃ pāpacetāḥ

„Die Kühe tragen die Welten, indem sie strömen, und die Kühe bringen Nahrung in der Welt hervor. Wer dies weiß und doch nicht zur Zuneigung zu den Kühen kommt, der geht als Sündengesinnter in die Hölle.“

Wort für Wort
gāvo lokān dhārayanti kṣarantyo
Kühe halten die Welten, strömend (Nom.Pl.f.; Akk.Pl.m.; 3.Pl.Präs.Kaus.; Part.Präs.Nom.Pl.f.)
gāvaś cānnaṃ saṃjanayanti loke
und Kühe erzeugen Nahrung in der Welt (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Präs.; Lok.)
yas taj jānan
wer dies wissend (Nom.Sg.m.; Akk.Sg.n.; Part.Präs.)
na gavāṃ hārdam eti
nicht zur Zuneigung der Kühe kommt (Gen.Pl.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.)
sa vai gantā nirayaṃ pāpacetāḥ
der wird in die Hölle gehen, sündhaft gesinnt (Nom.Sg.m.; Nomen agentis; Akk.Sg.m.; Nom.Sg.m.)

yat te dātuṃ gosahasraṃ śataṃ vā; śatārdhaṃ vā daśa vā sādhuvatsāḥ; apy ekāṃ vā sādhave brāhmaṇāya; sāsyāmuṣmin puṇyatīrthā nadī vai

„Was du zu geben hast – tausend Kühe oder hundert, fünfzig oder zehn, gute Kälber tragend, oder auch nur eine an einen guten Brahmanen –, die wird ihm dort ein heiliger Tīrtha-Fluss [sein] [?].“

Wort für Wort
yat te dātuṃ gosahasraṃ śataṃ vā
was du zu geben hast: tausend Kühe oder hundert (Nom.Sg.n.; Gen./Dat.; Inf.)
śatārdhaṃ vā daśa vā sādhuvatsāḥ
fünfzig oder zehn, mit guten Kälbern (Nom.Pl.f.)
apy ekāṃ vā sādhave brāhmaṇāya
oder auch nur eine an einen guten Brahmanen (Akk.Sg.f.; Dat.Sg.m.)
sā asya amuṣmin
sie für ihn dort [?] (Nom.Sg.f.; Gen.; Lok.)
puṇyatīrthā nadī vai
ein heiliger Tīrtha-Fluss fürwahr (Nom.Sg.f.)

Der Schluss sāsyāmuṣmin ist im Bezug unsicher (sā asya amuṣmin?).

prāptyā puṣṭyā lokasaṃrakṣaṇena; gāvas tulyāḥ sūryapādaiḥ pṛthivyām; śabdaś caikaḥ saṃtatiś copabhogas; tasmād godaḥ sūrya ivābhibhāti

„Durch Erlangung, Kräftigung und den Schutz der Welt sind die Kühe auf Erden den Sonnenstrahlen gleich; [dies ist] ein Wort [go], ein [Fort-]Bestand und ein Genuss; darum strahlt der Kuhgeber wie die Sonne.“

Wort für Wort
prāptyā puṣṭyā lokasaṃrakṣaṇena
durch Erlangung, Kräftigung, Schutz der Welt (Instr.Sg.)
gāvas tulyāḥ sūryapādaiḥ pṛthivyām
sind die Kühe den Sonnenstrahlen gleich auf Erden (Nom.Pl.f.; Instr.Pl.; Lok.)
śabdaś caikaḥ
und ein Wort (Nom.Sg.m.)
saṃtatiś copabhogaḥ
und Fortbestand und Genuss (Nom.Sg.f.; Nom.Sg.m.)
tasmād godaḥ sūrya ivābhibhāti
darum strahlt der Kuhgeber wie die Sonne (Abl.; Nom.Sg.m.; 3.Sg.Präs.)

śabdaś caikaḥ: Wortspiel mit go, das sowohl 'Kuh' als auch 'Sonnenstrahl' bedeutet.

guruṃ śiṣyo varayed gopradāne; sa vai vaktā niyataṃ svargadātā; vidhijñānāṃ sumahān eṣa dharmo; vidhiṃ hy ādyaṃ vidhayaḥ saṃśrayanti

„Der Schüler soll beim Kuhschenken einen Lehrer wählen; er ist der [Vorschrift-]Sprecher und fürwahr sicher der Himmelsspender. Für die Vorschriftenkundigen ist dies eine sehr große Pflicht; denn die [anderen] Vorschriften stützen sich auf die erste Vorschrift.“

Wort für Wort
guruṃ śiṣyo varayed gopradāne
einen Lehrer soll der Schüler wählen beim Kuhschenken (Akk.; Nom.; 3.Sg.Opt.Kaus.; Lok.)
sa vai vaktā niyataṃ svargadātā
er ist fürwahr der Sprecher, gewiss der Himmelsspender (Nom.Sg.m.; Adv.)
vidhijñānāṃ sumahān eṣa dharmaḥ
für Kenner der Vorschrift ist dies eine sehr große Pflicht (Gen.Pl.; Nom.Sg.m.)
vidhiṃ hy ādyaṃ vidhayaḥ saṃśrayanti
denn die Vorschriften stützen sich auf die erste Vorschrift (Akk.Sg.m.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)

Der zweite Halbvers ist knapp und im Bezug unsicher.

etad dānaṃ nyāyalabdhaṃ dvijebhyaḥ; pātre dattvā prāpayethāḥ parīkṣya; tvayy āśaṃsanty amarā mānavāś ca; vayaṃ cāpi prasṛte puṇyaśīlāḥ

„Diese rechtmäßig erworbene Gabe sollst du nach Prüfung an würdige Zweimalgeborene geben und ihnen überbringen; auf dich setzen Unsterbliche und Menschen ihre Hoffnung, und auch wir, [die wir], wenn [sie] ausgebreitet ist, tugendhaft [sind] [?].“

Wort für Wort
etad dānaṃ nyāyalabdhaṃ dvijebhyaḥ
diese Gabe, rechtmäßig erworben, an Zweimalgeborene (Akk.Sg.n.; Dat.Pl.)
pātre dattvā prāpayethāḥ parīkṣya
einem Würdigen gegeben habend sollst du überbringen, nach Prüfung (Lok.; Abs.; 2.Sg.Opt.Kaus.Med.; Abs.)
tvayy āśaṃsanty amarā mānavāś ca
auf dich hoffen Unsterbliche und Menschen (Lok.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.m.)
vayaṃ cāpi prasṛte puṇyaśīlāḥ
und auch wir, wenn es ausgebreitet ist, tugendhaft [?] (Nom.Pl.; Part.Pass.Lok.; Nom.Pl.m.)

vayaṃ cāpi prasṛte puṇyaśīlāḥ ist unsicher.

ity ukto 'haṃ dharmarājñā maharṣe; dharmātmānaṃ śirasābhipraṇamya; anujñātas tena vaivasvatena; pratyāgamaṃ bhagavatpādamūlam

So von dem Dharmakönig angesprochen, großer Weiser, verneigte ich mich mit dem Haupt vor dem dharmagesinnten [Yama], wurde von jenem Vaivasvata entlassen und kehrte zu den Fußwurzeln des Ehrwürdigen zurück.

Wort für Wort
ity ukto 'haṃ dharmarājñā maharṣe
so angesprochen ich vom Dharmakönig, großer Weiser (Part.Pass.; Instr.; Vok.)
dharmātmānaṃ śirasābhipraṇamya
dem Dharma-Gesinnten mit dem Haupt mich verneigt habend (Akk.Sg.m.; Instr.; Abs.)
anujñātas tena vaivasvatena
entlassen von jenem Vaivasvata (Part.Pass.; Instr.)
pratyāgamaṃ bhagavatpādamūlam
kehrte ich zurück zu den Fußwurzeln des Ehrwürdigen (1.Sg.Aor./Impf.; Akk.Sg.n.)

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