Bhīṣma sprach: So angesprochen, antwortete Maitreya, der das Handeln [Karma] Verehrende, der in einer überaus glückreichen Familie geboren, weise und vielgelehrt war.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
evam uktaḥ
so angesprochen (Part. Pass., Nom.)
pratyuvāca maitreyaḥ
antwortete Maitreya (3.Sg.Perf./Nom.)
karmapūjakaḥ
das Handeln Verehrender (Nom.)
atyantaṃ śrīmati kule jātaḥ
in überaus glückreicher Familie geboren (Lok./Part. Pass.)
maitreya uvāca; nirdoṣaṃ nirmalaṃ caiva vacanaṃ dānasaṃhitam; vidyātapobhyāṃ hi bhavān bhāvitātmā na saṃśayaḥ
Maitreya sprach: „Fehlerlos und makellos ist deine Rede, mit dem Geben verbunden; denn durch Wissen und Askese bist du, Herr, einer mit geläutertem Selbst – daran ist kein Zweifel.“
„Wegen deines geläuterten Selbst ist diese Gabe von mir sehr groß; mit dem Verstand erkenne ich noch mehr [darin]: gleichsam [bin ich] einer mit reich vermehrter Askese.“
Wort für Wort
bhavato bhāvitātmatvāt
wegen deines geläuterten Selbst-Seins (Gen./Abl.)
dāyo 'yaṃ sumahān mama
diese sehr große Gabe von mir (Nom./Gen.)
bhūyo buddhyā anupaśyāmi
noch mehr erkenne ich mit dem Verstand (Adv./Instr./1.Sg.Präs.)
susamṛddhatapā iva
gleichsam einer mit reich vermehrter Askese (Nom.)
Der Sinn von dāya (Gabe/Erbe) und die Konstruktion der zweiten Vershälfte sind unsicher.
api me darśanād eva bhavato 'bhyudayo mahān; manye bhavatprasādo 'yaṃ tad dhi karma svabhāvataḥ
„Schon durch deinen bloßen Anblick [entsteht] mir großes Gedeihen; ich halte dies für deine Gnade, denn jenes Wirken [geschieht] aus [seiner] Eigennatur.“
Wort für Wort
api me darśanād eva
schon durch den bloßen Anblick für mich (Abl./Gen.)
bhavato 'bhyudayo mahān
deines großes Gedeihen (Gen./Nom.)
manye bhavatprasādo 'yam
ich halte für deine Gnade dies (1.Sg.Präs./Nom.)
tad dhi karma svabhāvataḥ
denn jenes Wirken aus Eigennatur (Nom./Abl.)
Die zweite Vershälfte ist knapp und im Bezug unsicher.
tapaḥ śrutaṃ ca yoniś cāpy etad brāhmaṇyakāraṇam; tribhir guṇaiḥ samuditas tato bhavati vai dvijaḥ
„Askese, Gelehrsamkeit und Herkunft – dies ist der Grund des Brahmanentums; mit den drei Eigenschaften ausgestattet wird man wahrhaftig ein Zweimalgeborener.“
Wort für Wort
tapaḥ śrutaṃ ca yoniḥ ca api
Askese, Gelehrsamkeit und auch Herkunft (Nom.)
etad brāhmaṇyakāraṇam
dies ist der Grund des Brahmanentums (Nom.)
tribhir guṇaiḥ samuditaḥ
mit drei Eigenschaften versehen (Instr. Pl./Part. Pass.)
tato bhavati vai dvijaḥ
daher wird man wahrlich ein Zweimalgeborener (3.Sg.Präs./Nom.)
andhaṃ syāt tama evedaṃ na prajñāyeta kiṃ cana; cāturvarṇyaṃ na varteta dharmādharmāv ṛtānṛte
„Blind wäre dies [alles], nur Finsternis; nichts würde erkannt. Die Vierständeordnung bestünde nicht, [auch nicht] Recht und Unrecht, Wahrheit und Unwahrheit.“
Wort für Wort
andhaṃ syāt tamaḥ eva idam
blind wäre dies, nur Finsternis (3.Sg.Opt.)
na prajñāyeta kiṃ cana
nichts würde erkannt (3.Sg.Opt. Pass.)
cāturvarṇyaṃ na varteta
die Vierständeordnung bestünde nicht (3.Sg.Opt.)
dharmādharmau ṛtānṛte
Recht und Unrecht, Wahrheit und Unwahrheit (Nom. Du.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
„Ohne Weihe gingen Kṣatriya und Vaiśya zugrunde, wären sie ohne den Brahmanen; der Śūdra geht zugrunde, wenn er nicht dient – [ebenso] die Lebensstufen, wie es ihnen gebührt.“
Wort für Wort
asaṃskārāt
aus Mangel an Weihe (Abl.)
kṣatravaiśyau naśyete
Kṣatriya und Vaiśya gehen zugrunde (Nom. Du./3.Du.Präs.)
brāhmaṇād ṛte
ohne den Brahmanen (Abl.)
śūdro naśyati aśuśrūṣuḥ
der Śūdra geht zugrunde, nicht dienend (Nom.)
āśramāṇāṃ yathārhataḥ
der Lebensstufen, nach Gebühr (Gen. Pl./Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Konstruktion der letzten Vershälfte unsicher; Zusatzpassage.
„Gäbe es keinen Brahmanen, der mit Gelehrsamkeit und [gutem] Wandel ausgestattet ist als Empfänger der Gabe, so wäre der Reichtum der Reichen vergeblich.“
Wort für Wort
brāhmaṇaḥ cet na vidyeta
wenn ein Brahmane nicht vorhanden wäre (3.Sg.Opt. Pass.)
śrutavṛttopasaṃhitaḥ
mit Gelehrsamkeit und Wandel versehen (Nom.)
pratigrahītā dānasya
Empfänger der Gabe (Nom./Gen.)
moghaṃ syād dhanināṃ dhanam
vergeblich wäre der Reichtum der Reichen (Opt./Gen. Pl.)
adan hy avidvān hanty annam adyamānaṃ ca hanti tam; taṃ ca hanyati yasyānnaṃ sa hatvā hanyate 'budhaḥ
„Der Unwissende, der isst, vernichtet die Speise, und die gegessene [Speise] vernichtet ihn; und jener wird erschlagen, dessen Speise es ist – der Törichte, der [so] erschlagen hat, wird erschlagen.“
Wort für Wort
adan hi avidvān
denn wer als Unwissender isst (Part. Präs./Nom.)
hanti annam
vernichtet die Speise (3.Sg.Präs./Akk.)
adyamānaṃ ca hanti tam
und die Gegessene vernichtet ihn (Part. Pass./Akk.)
taṃ ca hanyati yasya annam
und jener wird erschlagen, dessen Speise es ist (3.Sg.Pass./Gen.)
sa hatvā hanyate 'budhaḥ
er, nachdem er erschlagen hat, wird erschlagen, der Törichte (Abs./Pass./Nom.)
Bezug der Pronomina (wer wird zuletzt erschlagen) ist mehrdeutig; wörtliche Wiedergabe.
prabhur hy annam adan vidvān punar janayatīśvaraḥ; sa cānnāj jāyate tasmāt sūkṣma eva vyatikramaḥ
„Ein mächtiger Wissender, der Speise isst, bringt wiederum [Leben] hervor, der Herr; und er wird aus der Speise geboren. Daher ist die Übertretung nur gering.“
Wort für Wort
prabhur hi annam adan vidvān
denn der Mächtige, der als Wissender Speise isst (Nom./Part. Präs.)
punar janayati īśvaraḥ
bringt wiederum hervor, der Herr (3.Sg.Kaus.Präs.)
sa ca annāj jāyate
und er wird aus Speise geboren (Abl./3.Sg.Pass.)
tasmāt sūkṣma eva vyatikramaḥ
daher ist die Übertretung nur gering (Nom.)
Ergänzung des Objekts von janayati ([Leben]) unsicher.
prabhur hy anupabhogī syād adattvānnam asaṃśayaḥ; yas tārayati vai vidvān pitṝn devān samādṛtān
„Ein Herr wäre ohne Genuss – ohne Zweifel –, wenn er keine Speise gäbe; [er ist es,] der als Wissender die Ahnen und die Götter, hochgeehrt, hinüberführt.“
Wort für Wort
prabhur hi anupabhogī syāt
denn ein Herr wäre ohne Genuss (Nom./Opt.)
adattvā annam asaṃśayam
ohne Speise gegeben zu haben, ohne Zweifel (Abs./Akk.)
yas tārayati vai vidvān
der wahrlich als Wissender hinüberführt (3.Sg.Kaus.Präs./Nom.)
pitṝn devān samādṛtān
Ahnen, Götter, hochgeehrte (Akk. Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Text und Bezug unsicher.
yatra vai brāhmaṇāḥ santi śrutavṛttopasaṃhitāḥ; tatra dānaphalaṃ puṇyam iha cāmutra cāśnute
„Wo Brahmanen sind, die mit Gelehrsamkeit und [gutem] Wandel ausgestattet sind, da erlangt man die verdienstvolle Frucht der Gabe, hier und im Jenseits.“