Kapitel 151: devavaṃśa-kīrtana
Verzeichnis der Götter, Ströme, Berge, Seher und Könige als sündentilgendes Rezitationsgebet
Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach dem Heilsamen und dem Sündentilgenden zählt Bhīṣma Götter, heilige Ströme und Orte, Berge, Seher und Könige auf, deren Nennung zu den Dämmerungen von Schuld befreit.
Vaiśaṃpāyana sprach: Als der Pāṇḍava Yudhiṣṭhira, der Sproß der Kurus, den auf dem Pfeilbett liegenden Bhīṣma sah, fragte er ihn, das Heil [der Menschen] wünschend, nach dem, was die Schuld tilgt.
Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.3.Sg.)
śaratalpagataṃ bhīṣmaṃ
den zum Pfeilbett gegangenen [d. h. auf dem Pfeilbett liegenden] Bhīṣma (Akk.Sg.)
pāṇḍavo 'tha kurūdvahaḥ
der Pāṇḍava sodann, der Sproß der Kurus (Nom.Sg.)
yudhiṣṭhiro hitaprepsuḥ
Yudhiṣṭhira, das Heilsame zu erlangen wünschend (Nom.Sg.)
apṛcchat kalmaṣāpaham
fragte (Impf.3.Sg.) nach dem Schuld-Vertreibenden (Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).
Yudhiṣṭhira sprach: Was ist für den Menschen hier [in der Welt] das Höchste? Was tuend gedeiht er in Glück? Wodurch würde er frei von Übel, und was ist das, was Schuld vernichtet?
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.3.Sg.)
kiṃ śreyaḥ puruṣasyeha
was ist das Beste/Heilvollste für den Menschen hier (Nom.Sg.n./Gen./Adv.)
kiṃ kurvan sukham edhate
was tuend (Part.Präs.) gedeiht er im Glück (3.Sg.Präs.Med.)
vipāpmā ca bhavet kena
und frei von Übel würde er sein wodurch (Opt.3.Sg./Instr.)
bhīṣma uvāca; ayaṃ daivatavaṃśo vai ṛṣivaṃśasamanvitaḥ; dvisaṃdhyaṃ paṭhitaḥ putra kalmaṣāpaharaḥ paraḥ
Bhīṣma sprach: Dies hier ist wahrlich das Geschlecht der Götter, mit dem Geschlecht der Seher verbunden; zu beiden Dämmerungen rezitiert, mein Sohn, ist es das höchste Mittel, das Schuld vertreibt.
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.3.Sg.)
ayaṃ daivatavaṃśo vai
dies [ist] das Göttergeschlecht wahrlich (Nom.Sg.)
ṛṣivaṃśasamanvitaḥ
mit dem Seher-Geschlecht verbunden (Nom.Sg., Kompositum)
dvisaṃdhyaṃ paṭhitaḥ putra
zu beiden Dämmerungen rezitiert (Part.Perf.Pass.), Sohn (Vok.Sg.)
Yudhiṣṭhira [sprach]: Sage mir, Großvater, das immerwährend Frieden für alles bewirkende Murmelgebet, das denen, die von Armut geplagt und leidend sind, Zufriedenheit und Gedeihen schenkt. Bhīṣma [sprach]: Dieses große Murmelgebet ist gepriesen, mit den Göttern, Königen und Sehern verbunden; wer es übt, wird nicht von Leid und Furcht verwirrt.
Wort für Wort
yudhiṣṭhiraḥ
Yudhiṣṭhira [sprach] (Nom.Sg.)
sarvaśāntikaraṃ japyaṃ
das allen Frieden bewirkende Murmelgebet (Akk.Sg.)
dāridryāturaduḥkhinām
der von Armut Geplagten und Leidenden (Gen.Pl.)
tuṣṭipuṣṭipradaṃ nityaṃ
Zufriedenheit und Gedeihen gebend, immerwährend (Akk.Sg./Adv.)
pitāmaha vadasva me
Großvater (Vok.), sprich (Imp.Med.) mir (Dat./Gen.)
bhīṣmaḥ ayaṃ śasto mahājapyaḥ
Bhīṣma [sprach]: dies gepriesene große Murmelgebet (Nom.Sg.)
devarājarṣisaṃyutaḥ
mit Göttern, Königen und Sehern verbunden (Nom.Sg.)
sevan naro na duḥkhena bhayena ca vimuhyati
es übend der Mensch wird nicht durch Leid und Furcht verwirrt (Part.Präs./3.Sg.Präs.Pass.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage: Sprecherwechsel innerhalb der Einheit.
yad ahnā kurute pāpam indriyaiḥ puruṣaś caran; buddhipūrvam abuddhir vā rātrau yaś cāpi saṃdhyayoḥ; mucyate sarvapāpebhyaḥ kīrtayan vai śuciḥ sadā; nāndho na badhiraḥ kāle kurute svastimān sadā; tiryagyoniṃ na gacchec ca narakaṃ saṃkarāṇi ca; na ca duḥkhabhayaṃ tasya maraṇe na sa muhyati
Was ein Mensch am Tag durch die Sinne handelnd an Bösem tut, mit Absicht oder ohne Verstand, [und was] in der Nacht oder in den beiden Dämmerungen: von allen Sünden wird er frei, wenn er es, stets rein, verkündet. Weder blind noch taub wird er zu [seiner] Zeit, stets vom Glück begleitet; er geht nicht in einen tierischen Mutterleib noch in die Hölle und in Vermischungen [der Wesen/Stände]. Und im Tod hat er keine Leid- oder Furchtangst, und er wird nicht verwirrt.
Wort für Wort
yad ahnā kurute pāpam
was am Tag [man] an Bösem tut (Rel./Instr.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
indriyaiḥ puruṣaś caran
durch die Sinne, der Mensch handelnd (Instr.Pl./Part.Präs.)
buddhipūrvam abuddhir vā
mit Absicht oder unbedacht (Adv./Nom.Sg.)
rātrau yaś cāpi saṃdhyayoḥ
in der Nacht und was auch in den beiden Dämmerungen (Lok.Sg./Lok.Du.)
mucyate sarvapāpebhyaḥ kīrtayan vai śuciḥ sadā
wird frei von allen Sünden, [es] verkündend, wahrlich rein, stets (3.Sg.Präs.Pass./Abl.Pl./Part.Präs.)
nāndho na badhiraḥ kāle kurute svastimān sadā
weder blind noch taub zur Zeit, wird er stets glücksbegabt (Nom.Sg./Lok.Sg./3.Sg.Präs.Med.)
tiryagyoniṃ na gacchec ca narakaṃ saṃkarāṇi ca
in tierischen Mutterleib geht er nicht, nicht in die Hölle und Vermischungen (Opt.3.Sg./Akk.)
na ca duḥkhabhayaṃ tasya maraṇe na sa muhyati
und keine Leidensfurcht hat er im Tod, er wird nicht verwirrt (Gen./Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Satzbau von „kurute svastimān“ ist knapp und unsicher; „saṃkarāṇi“ gedeutet als Vermischungen (von Wesen/Ständen/Sünden).
devāsuragurur devaḥ sarvabhūtanamaskṛtaḥ; acintyo 'thāpy anirdeśyaḥ sarvaprāṇo hy ayonijaḥ
Der Gott, der Lehrer der Götter und Asuras, von allen Wesen verehrt, unfaßbar und doch unbeschreibbar, der Atem aller [Wesen], wahrlich nicht durch einen Mutterleib geboren.
Wort für Wort
devāsuragurur devaḥ
der Lehrer der Götter und Asuras, der Gott (Nom.Sg.)
sarvabhūtanamaskṛtaḥ
von allen Wesen verehrt (Nom.Sg.)
acintyo 'thāpy anirdeśyaḥ
unfaßbar und auch unbeschreibbar (Nom.Sg.)
sarvaprāṇo hy ayonijaḥ
der Atem aller, denn nicht mutterleibgeboren (Nom.Sg.)
Der Großvater [Brahmā], der Herr der Welt, Sāvitrī, die tugendhafte [Gattin] Brahmās, die Veda-Quelle, und der Schöpfer, ferner Viṣṇu, Nārāyaṇa, der Herr.
Wort für Wort
pitāmaho jagannāthaḥ
der Großvater, der Herr der Welt (Nom.Sg.)
sāvitrī brahmaṇaḥ satī
Sāvitrī, die Tugendhafte/Gattin Brahmās (Nom.Sg.f./Gen.Sg.)
vedabhūr atha kartā ca
die Veda-Quelle und der Schöpfer (Nom.Sg.)
viṣṇur nārāyaṇaḥ prabhuḥ
Viṣṇu, Nārāyaṇa, der Herr (Nom.Sg.)
„vedabhūḥ“ könnte auch als Attribut Brahmās („aus dem Veda seiend/Ursprung des Veda“) gelesen werden.
Die Mondhäuser, die Jahreszeiten, die Monate, die Dämmerungen, die Jahre, die Söhne der Vinatā [Vögel], die Meere, ebenso die von Kadrū geborenen Schlangen.
Wort für Wort
nakṣatrāṇy ṛtavaś caiva
die Mondhäuser und die Jahreszeiten (Nom.Pl.)
māsāḥ saṃdhyāḥ savatsarāḥ
Monate, Dämmerungen, Jahre (Nom.Pl.)
vainateyāḥ samudrāś ca
die Vinatā-Söhne und die Meere (Nom.Pl.)
kadrujāḥ pannagās tathā
die Kadrū-Geborenen, ebenso die Schlangen (Nom.Pl.)
tathā devanadī puṇyā saraś ca brahmanirmitam; puṇyaṃ trilokavikhyātaṃ sarvapāpaharaṃ śivam
Ebenso der verdienstvolle Götterstrom und der von Brahmā geschaffene See, verdienstvoll, in den drei Welten berühmt, alle Sünden raubend, heilbringend.
Wort für Wort
tathā devanadī puṇyā
ebenso der Götterstrom, verdienstvoll (Nom.Sg.f.)
saraś ca brahmanirmitam
und der von Brahmā/vom Brahman geschaffene See (Nom.Sg.n.)
puṇyaṃ trilokavikhyātaṃ
verdienstvoll, in den drei Welten berühmt (Nom.Sg.n.)
Der Himavat-Berg, mit göttlichen Kräutern ausgestattet; der Vindhya, dessen Glieder von Mineralien bunt sind, mit Furten versehen und mit Kräutern erfüllt.
Wort für Wort
himavān parvataś caiva
und der Himavat-Berg (Nom.Sg.)
divyauṣadhisamanvitaḥ
mit göttlichen Kräutern ausgestattet (Nom.Sg.)
vindhyo dhātuvicitrāṅgaḥ
der Vindhya, bunt an Gliedern von Mineralien (Nom.Sg.)
citrakūṭo 'ñjanābhaś ca parvato gandhamādanaḥ; puṇyaḥ somagiriś caiva tathaivānye mahīdharāḥ; diśaś ca vidiśaś caiva kṣitiḥ sarve mahīruhāḥ
Der Citrakūṭa und der Añjanābha, der Berg Gandhamādana, der verdienstvolle Somagiri und ebenso die anderen Berge; die Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen und die Erde, alle Bäume.
Wort für Wort
citrakūṭo 'ñjanābhaś ca
Citrakūṭa und Añjanābha (Nom.Sg.)
parvato gandhamādanaḥ
der Berg Gandhamādana (Nom.Sg.)
puṇyaḥ somagiriś caiva
und der verdienstvolle Somagiri (Nom.Sg.)
tathaivānye mahīdharāḥ
ebenso andere Berge (Nom.Pl.)
diśaś ca vidiśaś caiva
Himmelsrichtungen und Zwischenrichtungen (Nom.Pl.)
Die Allgötter und der Himmel und ebenso die Mondhäuser und Planeten: mögen euch, ihr Götter, stets schützen, die von mir genannten und die nicht genannten.
kīrtayāno naro hy etān mucyate sarvakilbiṣaiḥ; stuvaṃś ca pratinandaṃś ca mucyate sarvato bhayāt; sarvasaṃkarapāpebhyo devatāstavanandakaḥ
Wer diese hersagt, der wird von allen Vergehen frei; und wer [sie] preist und erfreut begrüßt, wird von jeder Furcht frei; und wer sich am Preis der Götter erfreut, [wird frei] von allen Sünden der Vermischungen.
Wort für Wort
kīrtayāno naro hy etān
der Mensch, der diese hersagt (Part.Präs.Med./Nom.Sg./Akk.Pl.)
mucyate sarvakilbiṣaiḥ
wird frei von allen Vergehen (3.Sg.Präs.Pass./Abl.Pl. [Instr.])
stuvaṃś ca pratinandaṃś ca
preisend und freudig begrüßend (Part.Präs.)
mucyate sarvato bhayāt
wird frei von aller Furcht (3.Sg.Präs.Pass./Abl.)
sarvasaṃkarapāpebhyaḥ
von allen Sünden der Vermischung (Abl.Pl.)
devatāstavanandakaḥ
der am Götterpreis sich Erfreuende (Nom.Sg.)
Zusatzpassage-Teil ohne Sternmarkierung; „mucyate“ fehlt im dritten Satzglied und ist ergänzt; „sarvakilbiṣaiḥ“ steht formal im Instr.
Nach den Göttern werde ich [nun] die Brahmanen nennen, die durch Askese Vollendeten, an Askese Überragenden – gepriesen [sind sie] und befreien von allen Sünden.
Wort für Wort
devatānantaram
nach den Göttern (Adv.)
viprān tapaḥsiddhān
die Brahmanen, die durch Askese Vollendeten (Akk.Pl.)
yavakrīto 'tha raibhyaś ca kakṣīvān auśijas tathā; bhṛgvaṅgirās tathā kaṇvo medhātithir atha prabhuḥ; barhī ca guṇasaṃpannaḥ prācīṃ diśam upāśritāḥ
Yavakrīta und Raibhya, Kakṣīvat, der Sohn der Uśij, ebenso Bhṛgu-Aṅgiras, Kaṇva und dann der mächtige Medhātithi und Barhi, der mit Vorzügen Begabte – [diese] haben die östliche Himmelsrichtung zur Zuflucht genommen.
Wort für Wort
yavakrīto 'tha raibhyaś ca
Yavakrīta und Raibhya (Nom.Sg.)
kakṣīvān auśijas tathā
Kakṣīvat, der Uśij-Sohn, ebenso (Nom.Sg.)
bhṛgvaṅgirās tathā kaṇvaḥ
Bhṛgu-Aṅgiras, ebenso Kaṇva (Nom.Sg.)
medhātithir atha prabhuḥ
Medhātithi, sodann der Mächtige (Nom.Sg.)
barhī ca guṇasaṃpannaḥ
und Barhi, mit Vorzügen begabt (Nom.Sg.)
prācīṃ diśam upāśritāḥ
die östliche Himmelsrichtung zur Zuflucht genommen habend (Akk.Sg./Part.Pass.Nom.Pl.)
„Bhṛgvaṅgirāḥ“ kann als ein Name oder als „Bhṛgu und Aṅgiras“ gefasst werden.
bhadrāṃ diśaṃ mahābhāgā ulmucuḥ pramucus tathā; mumucuś ca mahābhāgaḥ svastyātreyaś ca vīryavān
Die glückliche [südliche?] Himmelsrichtung [haben zur Zuflucht genommen]: die Hocherhabenen Ulmuca und Pramuca, ebenso Mumuca, der Hocherhabene, und der tapfere Svastyātreya.
Wort für Wort
bhadrāṃ diśam
die glückliche Himmelsrichtung (Akk.Sg.)
mahābhāgā ulmucuḥ
die hocherhabenen Ulmuca (Nom.)
pramucus tathā
Pramuca, ebenso (Nom.Sg.)
mumucuś ca mahābhāgaḥ
und Mumuca, der Hocherhabene (Nom.Sg.)
svastyātreyaś ca vīryavān
und Svastyātreya, der Tapfere (Nom.Sg.)
„bhadrā diś“ meist die südliche Richtung (unsicher); „āśritāḥ“ aus dem vorigen Vers zu ergänzen.
paścimāṃ diśam āśritya ya edhante nibodha tān; uṣadguḥ saha sodaryaiḥ parivyādhaś ca vīryavān
Die aber, die sich der westlichen Himmelsrichtung zugewandt haben und gedeihen – die lerne kennen: Uṣadgu mit seinen leiblichen Brüdern und der tapfere Parivyādha.
Wort für Wort
paścimāṃ diśam āśritya
zur westlichen Himmelsrichtung Zuflucht nehmend (Akk.Sg./Ger.)
ya edhante
die gedeihen (Nom.Pl./3.Pl.Präs.Med.)
nibodha tān
lerne sie kennen (2.Sg.Imp.)
uṣadguḥ saha sodaryaiḥ
Uṣadgu mit den leiblichen Brüdern (Nom.Sg./Instr.Pl.)
ṛṣir dīrghatamāś caiva gautamaḥ kaśyapas tathā; ekataś ca dvitaś caiva tritaś caiva maharṣayaḥ; atreḥ putraś ca dharmātmā tathā sārasvataḥ prabhuḥ
Der Seher Dīrghatamas und Gautama, ebenso Kaśyapa; Ekata, Dvita und Trita, die großen Seher; und der Sohn des Atri, der gerechten Wesens, sowie der mächtige Sārasvata.
Jahnu, von der Jāhnavī verehrt; Ādirāja Pṛthu, der Vainya, [...]
Wort für Wort
jahnur jāhnavisevitaḥ
Jahnu, von der Jāhnavī verehrt (Nom.Sg.)
ādirājaḥ
Ādirāja / der Urkönig (Nom.Sg.)
pṛthur vainyo
Pṛthu, der Vainya (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). [Anm.: Satz abgebrochen; der Halbvers „ādirājaḥ pṛthur vainyo“ ist unvollständig.]
kalyam utthāya yo nityaṃ saṃdhye dve 'stamayodaye; paṭhec chucir anāvṛttaḥ sa dharmaphalabhāg bhavet; devā devarṣayaś caiva stutā rājarṣayas tathā; puṣṭim āyur yaśaḥ svargaṃ vidhāsyanti mameśvarāḥ
Wer täglich in der Frühe aufsteht und zu beiden Dämmerungen, bei Untergang und Aufgang, rein und ohne Unterbrechung [?] [dies] rezitiert, der wird des Lohnes des Dharma teilhaftig. Die [so] gepriesenen Götter, Götterseher und ebenso Königsseher, meine Herren, werden mir Gedeihen, Lebensdauer, Ruhm und Himmel verschaffen.
Wort für Wort
kalyam utthāya yo nityam
wer täglich in der Frühe aufsteht (Ger./Rel.Nom.Sg.)
saṃdhye dve 'stamayodaye
zu den beiden Dämmerungen, bei Untergang und Aufgang (Lok.)
paṭhec chucir anāvṛttaḥ
möge rezitieren, rein, ohne Unterbrechung [?] (3.Sg.Opt.)
sa dharmaphalabhāg bhavet
der möge des Dharma-Lohnes teilhaftig werden (3.Sg.Opt.)
devā devarṣayaś ca stutā rājarṣayas tathā
Götter, Götterseher, gepriesen, ebenso Königsseher (Nom.Pl.)
puṣṭim āyur yaśaḥ svargaṃ vidhāsyanti mameśvarāḥ
Gedeihen, Leben, Ruhm, Himmel werden verleihen, meine Herren (Akk./3.Pl.Fut./Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „anāvṛttaḥ“ unsicher (etwa „ohne abzubrechen/ohne Unterbrechung“).
[Verehrung] Viṣṇu, dem Unveränderlichen, Reinen, Ewigen, dem höchsten Selbst, der stets von einer einzigen Gestalt ist, dem Allmächtigen, dem Mächtig-Werdenden.
Wort für Wort
avikārāya śuddhāya
dem Unveränderlichen, Reinen (Dat.Sg.)
nityāya paramātmane
dem Ewigen, dem höchsten Selbst (Dat.Sg.)
sadaikarūparūpāya
dem stets einer Gestalt Seienden (Dat.Sg.)
viṣṇave prabhaviṣṇave
dem Viṣṇu, dem Mächtigen (Dat.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). „namaḥ“ ist aus dem vorigen Vers zu ergänzen.