Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 71: gavāṃ lokapraśnaḥ Yudhiṣṭhiras Frage nach der Welt der Kühe und dem Lohn der Kuhspende

Einleitung zu einem neuen Abschnitt über die Kuhspende: Yudhiṣṭhira bittet um Auskunft über die Kuhwelt; Bhīṣma leitet mit Śakras Fragen an Brahmā ein.

yudhiṣṭhira uvāca; uktaṃ vai gopradānaṃ te nāciketam ṛṣiṃ prati; māhātmyam api caivoktam uddeśena gavāṃ prabho

Yudhiṣṭhira sprach: „Über die Kuhspende hast du mir bereits gesprochen, im Hinblick auf den Seher Nāciketa; auch die Erhabenheit der Kühe wurde in Kürze dargelegt, o Herr.

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf. 3.Sg.)
uktaṃ vai gopradānaṃ te
gesagt wurde wahrlich die Kuhspende von dir (Part. Pass./Nom.; Gen./Dat.)
nāciketam ṛṣiṃ prati
im Hinblick auf den Seher Nāciketa (Akk.; Postp.)
māhātmyam api caivoktam
auch die Erhabenheit wurde gesagt (Nom.; Part. Pass.)
uddeśena gavāṃ prabho
in Kürze, der Kühe, o Herr (Instr.; Gen.Pl.; Vok.)

nṛgeṇa ca yathā duḥkham anubhūtaṃ mahātmanā; ekāparādhād ajñānāt pitāmaha mahāmate

Und [auch,] wie der hochgesinnte Nṛga wegen eines einzigen Vergehens aus Unwissenheit Leid erfahren hat, o Großvater, Hochweiser.

Wort für Wort
nṛgeṇa ca yathā duḥkham
und wie von Nṛga das Leid (Instr.; Nom./Akk.)
anubhūtaṃ mahātmanā
erfahren wurde, vom Hochgesinnten (Part. Pass.; Instr.)
ekāparādhād ajñānāt
wegen eines einzigen Vergehens, aus Unwissenheit (Abl.; Abl.)
pitāmaha mahāmate
o Großvater, Hochweiser (Vok.; Vok.)

dvāravatyāṃ yathā cāsau niviśantyāṃ samuddhṛtaḥ; mokṣahetur abhūt kṛṣṇas tad apy avadhṛtaṃ mayā

Und wie er, als Dvāravatī gerade besiedelt wurde, herausgezogen wurde und Kṛṣṇa zur Ursache seiner Befreiung wurde – auch das habe ich verstanden.

Wort für Wort
dvāravatyāṃ yathā ca asau
und wie er in Dvāravatī (Lok.; Nom.)
niviśantyāṃ samuddhṛtaḥ
als sie besiedelt wurde, herausgehoben (Part. Präs./Lok. absolut; Part. Pass./Nom.)
mokṣahetur abhūt kṛṣṇaḥ
Ursache der Befreiung wurde Kṛṣṇa (Kompositum; Aor. 3.Sg.; Nom.)
tad api avadhṛtaṃ mayā
auch dies wurde verstanden von mir (Part. Pass.; Instr.)

kiṃ tv asti mama saṃdeho gavāṃ lokaṃ prati prabho; tattvataḥ śrotum icchāmi godā yatra viśanty uta

Doch habe ich einen Zweifel, o Herr, hinsichtlich der Welt der Kühe; der Wahrheit gemäß möchte ich hören, wohin die Kuhspender eingehen.

Wort für Wort
kiṃ tu asti mama saṃdehaḥ
doch ist mir ein Zweifel (3.Sg.Präs.; Gen.; Nom.)
gavāṃ lokaṃ prati prabho
hinsichtlich der Welt der Kühe, o Herr (Gen.Pl.; Akk.; Postp.; Vok.)
tattvataḥ śrotum icchāmi
der Wahrheit gemäß hören möchte ich (Adv.; Inf.; 1.Sg.Präs.)
godā yatra viśanty uta
wo die Kuhspender eingehen (Nom.Pl.; Rel.-Adv.; 3.Pl.Präs.; Partikel)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; yathāpṛcchat padmayonim etad eva śatakratuḥ

Bhīṣma sprach: „Hierzu führt man diese alte Erzählung an, wie Śatakratu eben dies den Lotosgeborenen fragte.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
atra api udāharanti imam
auch hierzu führt man an diese (Adv.; 3.Pl.Präs.; Akk.)
itihāsaṃ purātanam
Erzählung, alte (Akk.; Akk.)
yathā apṛcchat padmayonim
wie er fragte den Lotosgeborenen (Impf. 3.Sg.; Akk.)
etad eva śatakratuḥ
eben dies Śatakratu (Akk.; Nom.)

śakra uvāca; svarlokavāsināṃ lakṣmīm abhibhūya svayā tviṣā; golokavāsinaḥ paśye vrajataḥ saṃśayo 'tra me

Śakra sprach: „Ich sehe die Bewohner der Goloka, die den Glanz der Bewohner der Himmelswelt mit ihrem eigenen Glanz übertreffen, dahingehen; darüber habe ich einen Zweifel.

Wort für Wort
śakra uvāca
Śakra sprach (Perf. 3.Sg.)
svarlokavāsināṃ lakṣmīm
den Glanz der Bewohner der Himmelswelt (Gen.Pl.; Akk.)
abhibhūya svayā tviṣā
übertreffend mit eigenem Glanz (Abs.; Instr.)
golokavāsinaḥ paśye
die Bewohner der Kuhwelt sehe ich (Akk.Pl.; 1.Sg.Präs. Med.)
vrajataḥ saṃśayo ʼtra me
die Gehenden; Zweifel hierbei mir (Part. Präs./Akk.Pl.; Nom.; Adv.; Gen.)

kīdṛśā bhagavaṃl lokā gavāṃ tad brūhi me 'nagha; yān āvasanti dātāra etad icchāmi veditum

Wie sind, Erhabener, die Welten der Kühe? Das sage mir, Makelloser; sie, die die Spender bewohnen – das möchte ich wissen.

Wort für Wort
kīdṛśā bhagavan lokāḥ
wie beschaffen, o Erhabener, die Welten (Nom.Pl.; Vok.; Nom.Pl.)
gavāṃ tad brūhi me anagha
der Kühe; das sage mir, Makelloser (Gen.Pl.; Imp.; Dat./Gen.; Vok.)
yān āvasanti dātāraḥ
die bewohnen die Spender (Akk.Pl.; 3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
etad icchāmi veditum
dies möchte ich wissen (Akk.; 1.Sg.Präs.; Inf.)

kīdṛśāḥ kiṃphalāḥ kaḥ svit paramas tatra vai guṇaḥ; kathaṃ ca puruṣās tatra gacchanti vigatajvarāḥ

Wie beschaffen sind sie, welchen Lohn tragen sie, und welches ist dort der höchste Vorzug? Und wie gelangen die Menschen dorthin, frei von Fieber [der Qual]?

Wort für Wort
kīdṛśāḥ kiṃphalāḥ
wie beschaffen, mit welcher Frucht (Nom.Pl.; Nom.Pl. Bahuvrīhi)
kaḥ svit paramaḥ tatra vai guṇaḥ
welcher wohl ist der höchste dort wahrlich Vorzug (Nom.; Partikel; Nom.; Adv.; Nom.)
kathaṃ ca puruṣāḥ tatra
und wie die Menschen dort (Adv.; Nom.Pl.; Adv.)
gacchanti vigatajvarāḥ
gehen sie, fieberlos (3.Pl.Präs.; Nom.Pl. Bahuvrīhi)

kiyat kālaṃ pradānasya dātā ca phalam aśnute; kathaṃ bahuvidhaṃ dānaṃ syād alpam api vā katham

Wie lange Zeit genießt der Spender die Frucht der Gabe? Wie kann die Gabe vielfältig sein, oder auch gering?

Wort für Wort
kiyat kālaṃ pradānasya
wie lange Zeit, der Gabe (Akk. der Dauer; Gen.)
dātā ca phalam aśnute
der Spender die Frucht genießt (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs. Med.)
kathaṃ bahuvidhaṃ dānam
wie vielfältig die Gabe (Adv.; Nom.)
syād alpam api vā katham
möge sein, gering auch oder wie (Opt. 3.Sg.; Nom.; Partikeln; Adv.)

bahvīnāṃ kīdṛśaṃ dānam alpānāṃ vāpi kīdṛśam; adattvā gopradāḥ santi kena vā tac ca śaṃsa me

Welche Gabe [gilt] bei vielen [Kühen], welche bei wenigen? Und wie gibt es Kuhspender, die nichts gegeben haben – auch das sage mir.

Wort für Wort
bahvīnāṃ kīdṛśaṃ dānam
bei vielen [Kühen] welche Gabe (Gen.Pl.f.; Nom.; Nom.)
alpānāṃ vāpi kīdṛśam
oder bei wenigen welche (Gen.Pl.f.; Partikel; Nom.)
adattvā gopradāḥ santi
ohne gegeben zu haben, Kuhspender sind (Abs.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
kena vā tat ca śaṃsa me
wodurch oder, das auch sage mir (Instr.; Akk.; Imp.; Dat.)

kathaṃ ca bahudātā syād alpadātrā samaḥ prabho; alpapradātā bahudaḥ kathaṃ ca syād iheśvara

Und wie kann ein Vielgeber einem Wenig-Geber gleich sein, o Herr? Und wie kann ein Wenig-Geber ein Vielgeber sein, hier, o Herrscher?

Wort für Wort
kathaṃ ca bahudātā syāt
und wie ein Vielgeber sei (Adv.; Nom.; Opt. 3.Sg.)
alpadātrā samaḥ prabho
einem Wenig-Geber gleich, o Herr (Instr.; Nom.; Vok.)
alpapradātā bahudaḥ
ein Wenig-Geber ein Vielgeber (Nom.; Nom.)
kathaṃ ca syād iha īśvara
und wie sei er hier, o Herrscher (Adv.; Opt.; Adv.; Vok.)

kīdṛśī dakṣiṇā caiva gopradāne viśiṣyate; etat tathyena bhagavan mama śaṃsitum arhasi

Welcher Priesterlohn zeichnet sich bei der Kuhspende besonders aus? Dies solltest du mir, Erhabener, der Wahrheit gemäß darlegen.

Wort für Wort
kīdṛśī dakṣiṇā ca eva
welche Opfergabe auch (Nom.f.; Nom.; Partikeln)
gopradāne viśiṣyate
bei der Kuhspende zeichnet sich aus (Lok.; 3.Sg.Präs. Pass.)
etat tathyena bhagavan
dies der Wahrheit gemäß, o Erhabener (Akk.; Instr./Adv.; Vok.)
mama śaṃsitum arhasi
mir darlegen sollst du (Gen./Dat.; Inf.; 2.Sg.Präs.)

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