Kapitel 107: ācāravarṇanam āyuṣyādharmāś ca
Der rechte Wandel als Quelle von Lebensdauer, Ruhm und Glück: Regeln für Alltag, Speise, Ehe und Haus
Yudhiṣṭhira fragt, wodurch Menschen lang- oder kurzlebig werden, Ruhm und Glück erlangen; Bhīṣma antwortet mit einer langen Lehrrede über ācāra (rechten Wandel) und zählt lebensverlängernde und lebensverkürzende Verhaltensregeln auf. Die Sterne (*) bezeichnen Zusatzverse, die nur in einem Teil der Handschriften stehen.
yudhiṣṭhira uvāca; śatāyur uktaḥ puruṣaḥ śatavīryaś ca vaidike; kasmān mriyante puruṣā bālā api pitāmaha
Yudhiṣṭhira sprach: „Hundert Jahre alt, heißt es, wird der Mensch, und hundert [Jahre] kräftig nach der Aussage des Veda; weshalb sterben dann Menschen, ja sogar Kinder, o Großvater?“
Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
śatāyur uktaḥ puruṣaḥ
hundert Jahre lebend, heißt es, der Mensch (Nom.Sg., Part.Perf.Pass.)
śatavīryaś ca vaidike
und hundertfach kräftig, im vedischen [Wort] (Nom.Sg./Lok.Sg.)
kasmān mriyante puruṣāḥ
weshalb sterben Menschen (Abl.Sg./3.Pl.Präs.Pass.-Med.)
ācāralakṣaṇo dharmaḥ santaś cācāralakṣaṇāḥ; sādhūnāṃ ca yathā vṛttam etad ācāralakṣaṇam
Der Dharma hat den Wandel zum Kennzeichen, und die Guten haben den Wandel zum Kennzeichen; und wie das Verhalten der Rechtschaffenen ist, das ist das Kennzeichen des Wandels.
Wort für Wort
ācāralakṣaṇo dharmaḥ
der Dharma, dessen Kennzeichen der Wandel ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
santaś cācāralakṣaṇāḥ
und die Guten, die den Wandel zum Kennzeichen haben (Nom.Pl.)
sādhūnāṃ ca yathā vṛttam
und wie das Verhalten der Rechtschaffenen [ist] (Gen.Pl., Nom.Sg.)
ye nāstikā niṣkriyāś ca guruśāstrātilaṅghinaḥ; adharmajñā durācārās te bhavanti gatāyuṣaḥ
Die Ungläubigen, Untätigen, die Lehrer und Lehrbücher Übertretenden, des Dharma Unkundigen, von schlechtem Wandel: diese werden solche, deren Lebenszeit dahin ist.
Wort für Wort
ye nāstikā niṣkriyāś ca
die, die Ungläubige und Untätige sind (Nom.Pl.)
guruśāstrātilaṅghinaḥ
Lehrer und Lehrbuch übertretend (Nom.Pl., Kompositum)
adharmajñā durācārāḥ
des Dharma unkundig, von schlechtem Wandel (Nom.Pl.)
te bhavanti gatāyuṣaḥ
sie werden Menschen mit abgelaufener Lebenszeit (3.Pl.Präs., Nom.Pl.)
der geht rasch zugrunde, ebenso der Sūdaka [?] und der Unreine;
Wort für Wort
sa vināśaṃ vrajaty āśu
er geht rasch dem Untergang entgegen (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)
sūdako 'śucir eva ca
der Sūdaka [?] und ebenso der Unreine (Nom.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sūdaka: Bedeutung unsicher (Koch? Verleumder?); Zusatzvers der Handschriften.
Er erwache in der Brahma-Stunde und bedenke Dharma und Nutzen; aufgestanden und mit Wasser gespült, verweile er bei der Morgendämmerung, die Hände zum Gruß gefaltet.
Wort für Wort
brāhme muhūrte budhyeta
in der Brahma-Stunde soll er erwachen (Lok.Sg., Opt.Med.)
dharmārthau cānucintayet
und Dharma und Nutzen bedenken (Akk.Du., Opt.3.Sg.)
utthāyācamya tiṣṭheta
aufgestanden, Wasser genippt habend soll er stehen/verweilen (Abs., Opt.Med.)
pūrvāṃ saṃdhyāṃ kṛtāñjaliḥ
die erste Dämmerung, mit gefalteten Händen (Akk.Sg., Nom.Sg.)
ye ca pūrvām upāsante dvijāḥ saṃdhyāṃ na paścimām; sarvāṃs tān dhārmiko rājā śūdrakarmāṇi kārayet
Welche Zweimalgeborenen nur die frühere Dämmerung verehren, nicht die spätere: alle diese soll ein dharmagemäßer König Śūdra-Arbeiten verrichten lassen.
Wort für Wort
ye ca pūrvām upāsante
und die, die die frühere verehren (3.Pl.Präs.Med., Akk.Sg.)
dvijāḥ saṃdhyāṃ na paścimām
Zweimalgeborene, die Dämmerung, nicht die spätere (Nom.Pl.)
sarvāṃs tān dhārmiko rājā
alle diese, ein dharmagemäßer König (Akk.Pl., Nom.Sg.)
śūdrakarmāṇi kārayet
soll Śūdra-Arbeiten verrichten lassen (Akk.Pl., Opt.Kaus.)
paradārā na gantavyāḥ sarvavarṇeṣu karhi cit; na hīdṛśam anāyuṣyaṃ loke kiṃ cana vidyate; yādṛśaṃ puruṣasyeha paradāropasevanam
Fremde Frauen darf man niemals aufsuchen, unter keinem der Stände; denn nichts gibt es in der Welt, was so lebensverkürzend wäre wie für einen Mann hier der Umgang mit der Frau eines anderen.
Wort für Wort
paradārā na gantavyāḥ
fremde Frauen sind nicht aufzusuchen (Nom.Pl., Gerundiv)
Ebenso [ist] für den Menschen hier [nichts], was so Reichtum und Leben raubt.
Wort für Wort
tādṛśaṃ puruṣasyeha
ein Derartiges für den Mann hier (Gen.Sg.)
dhanāyuṣyaharaṃ nṛṇām
Reichtum und Leben raubend, für Menschen (Nom.Sg./Gen.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verkürzter Zusatzvers; Konstruktion elliptisch, Ergänzung nach Vers 29–31.
Wer Speise zu sich nehmen will, berühre dreimal mit dem Mund Wasser; und nach dem Essen ebenso dreimal, [und] zweimal wische er nochmals ab.
Wort für Wort
annaṃ bubhukṣamāṇas tu
wer aber Speise zu essen wünscht (Akk.Sg., Part.Desid.)
trir mukhena spṛśed apaḥ
dreimal mit dem Mund berühre er das Wasser (Instr.Sg., Opt.3.Sg., Akk.Pl.)
bhuktvā cānnaṃ tathaiva trir
und nach dem Speisen ebenso dreimal (Abs., Akk.Sg.)
dviḥ punaḥ parimārjayet
zweimal wieder abwischen (Opt.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der genaue Ablauf des Wassernippens (ācamana) ist knapp angedeutet.
Im Tempel, bei einer Rinderherde, am Caitya, bei Feldfrüchten, bei einer Rast; wer essen will, gegessen hat, geniest hat, einen Weg gegangen ist, nach Urin und Kot: zweimal soll er nach Vorschrift Wasser nippen, [und] Wasser trinkend, das das Herz erreicht [?].
Wort für Wort
devālaye 'tha govṛnde
im Götterhaus und bei der Kuhherde (Lok.Sg.)
caitye sasyeṣu viśrame
am Caitya, bei Feldfrüchten, bei der Rast (Lok.Sg./Pl.)
bhokṣyan bhuktvā kṣute
wer essen wird, gegessen hat, geniest hat (Part.Fut., Abs., Lok.Sg.)
'dhvānaṃ gatvā mūtrapurīṣayoḥ
den Weg gegangen, [nach] Urin und Kot (Akk.Sg., Abs., Gen.Du.)
dvir ācāmed yathānyāyam
zweimal soll er Wasser nippen, vorschriftsgemäß (Opt.3.Sg.)
hṛdgataṃ tu pibann apaḥ
Wasser trinkend, das zum Herzen gelangt (Akk.Sg., Part.Präs., Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, syntaktisch lose gereiht; die Aufzählung der Anlässe für das Wassernippen ist elliptisch.
Nach Osten gewandt soll er stets essen, schweigend, die Speise nicht schmähend; er soll [sie] im Geist [dem inneren Feuer] darbringen [?], und nach dem Essen das Feuer berühren.
Wort für Wort
prāṅmukho nityam aśnīyād
nach Osten gewandt soll er stets essen (Nom.Sg., Opt.3.Sg.)
vāgyato 'nnam akutsayan
schweigend, die Speise nicht schmähend (Nom.Sg., Part.Präs.)
praskandayec ca manasā
und er soll im Geist darbringen [?] (Opt.Kaus., Instr.Sg.)
bhuktvā cāgnim upaspṛśet
und nach dem Essen das Feuer berühren (Abs., Akk.Sg., Opt.3.Sg.)
praskandayet: Bedeutung hier unsicher (darbringen/hinabgleiten lassen) [?].
Langes Leben bringt das Essen nach Osten gewandt, Ruhm nach Süden gewandt, Wohlstand nach Westen gewandt; nach Norden gewandt isst man die [Welt-]Ordnung.
Wort für Wort
āyuṣyaṃ prāṅmukho bhuṅkte
lebensfördernd isst, wer nach Osten gewandt ist (Nom.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)
yaśasyaṃ dakṣiṇāmukhaḥ
ruhmbringend, nach Süden gewandt (Nom.Sg.)
dhanyaṃ paścānmukho bhuṅkte
wohlstandbringend isst, wer nach Westen gewandt ist (Nom.Sg.)
ṛtaṃ bhuṅkte udaṅmukhaḥ
die Ordnung isst, nach Norden gewandt (Akk.Sg., Nom.Sg.)
ṛtaṃ bhuṅkte: wörtlich „isst das Rechte/die Ordnung“; Sinn unsicher.
agrāsano jitakrodhī bālapūrvas tv alaṃkṛtaḥ; ghṛtāhutiviśuddhānnaṃ hutāgniś cākṣipan graset
Wer den vordersten Sitz [innehat] [?], den Zorn besiegt, zuerst die Kinder [bedient], geschmückt, mit Ghee-Spenden gereinigter Speise, nachdem er ins Feuer geopfert hat: [der] soll essen, ohne [etwas] wegzuwerfen.
Wort für Wort
agrāsano jitakrodhī
den Vordersitz innehabend [?], den Zorn bezwungen (Nom.Sg.)
bālapūrvas tv alaṃkṛtaḥ
mit den Kindern zuerst, geschmückt (Nom.Sg.)
ghṛtāhutiviśuddhānnam
mit durch Ghee-Spenden gereinigter Speise (Akk.Sg.)
hutāgniś cākṣipan graset
das Feuer beopfert habend, nichts wegwerfend soll er essen (Nom.Sg., Part.Präs., Opt.3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, im Text schwierig und wohl verderbt; agrāsana und ākṣipan unsicher.
na cāsītāsane bhinne bhinnaṃ kāṃsyaṃ ca varjayet; naikavastreṇa bhoktavyaṃ na nagnaḥ snātum arhati; svaptavyaṃ naiva nagnena na cocchiṣṭo 'pi saṃviśet
Man soll nicht auf einem zerbrochenen Sitz sitzen und zerbrochenes Bronzegeschirr meiden; nicht mit nur einem Gewand soll gegessen werden, nackt darf man nicht baden; nackt soll man keinesfalls schlafen, und auch unrein soll man sich nicht hinlegen.
Wort für Wort
na ca āsīta āsane bhinne
und nicht soll er sitzen auf zerbrochenem Sitz (Opt.Med.; Lok.)
bhinnaṃ kāṃsyaṃ ca varjayet
und zerbrochenes Bronzegefäß meiden (Akk.; Opt.)
na ekavastreṇa bhoktavyam
nicht mit einem Gewand ist zu essen (Instr.; Gerundiv)
na nagnaḥ snātum arhati
nicht darf ein Nackter baden (Nom.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
svaptavyaṃ na eva nagnena
geschlafen werden darf keinesfalls von einem Nackten (Gerundiv; Instr.)
na ca ucchiṣṭaḥ api saṃviśet
und auch nicht soll ein Unreiner sich hinlegen (Opt.)
Hierzu besingen die Kenner der Vorzeit die von Yama gesungenen Strophen: „Sein Leben schneide ich ab, seine Nachkommenschaft nehme ich ebenso [an mich].“
Wort für Wort
atra gāthāḥ yamodgītāḥ
hierzu Strophen, von Yama gesungen (Nom.Pl.; Part.Pass.)
kīrtayanti purāvidaḥ
besingen die Kenner der Vorzeit (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
āyuḥ asya nikṛntāmi
sein Leben schneide ich ab (Akk.; Gen.; 1.Sg.Präs.)
prajām asya ādade tathā
seine Nachkommenschaft nehme ich, ebenso (Akk.; 1.Sg.Perf.Med./Präs.)
praty ādityaṃ praty anilaṃ prati gāṃ ca prati dvijān; ye mehanti ca panthānaṃ te bhavanti gatāyuṣaḥ
Wer gegen die Sonne, gegen den Wind, gegen eine Kuh und gegen Zweimalgeborene, [wer] auf den Weg uriniert, die werden derer, deren Lebenszeit dahin ist.
Wort für Wort
prati ādityaṃ prati anilam
gegen die Sonne, gegen den Wind (Akk.)
prati gāṃ ca prati dvijān
gegen die Kuh und gegen die Zweimalgeborenen (Akk.)
ye mehanti ca panthānam
und die, die uriniert auf den Weg (Rel.Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Akk.)
te bhavanti gatāyuṣaḥ
die werden solche, deren Leben dahin ist (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
ubhe mūtrapurīṣe tu divā kuryād udaṅmukhaḥ; dakṣiṇābhimukho rātrau tathāsyāyur na riṣyate
Beide, Urin und Kot, soll man tagsüber mit dem Gesicht nach Norden lassen, in der Nacht mit dem Gesicht nach Süden; so wird sein Leben nicht geschädigt.
Wort für Wort
ubhe mūtrapurīṣe tu
beides aber, Urin und Kot (Akk.Du.n.)
divā kuryāt udaṅmukhaḥ
bei Tag soll er verrichten, nach Norden gewandt (Adv.; Opt.; Nom.)
Drei Schmächtige soll man nicht geringschätzen, wer ein langes Leben zu leben wünscht: den Brahmanen, den Kṣatriya und die Schlange; denn alle drei sind Giftschlangen.
Wort für Wort
trīn kṛśān na avajānīyāt
drei Schmächtige soll man nicht geringschätzen (Akk.Pl.; Opt.)
dīrgham āyuḥ jijīviṣuḥ
wer langes Leben zu leben wünscht (Akk.; Desiderativ-Adj. Nom.)
brāhmaṇaṃ kṣatriyaṃ sarpam
den Brahmanen, den Kṣatriya, die Schlange (Akk.)
sarve hi āśīviṣāḥ trayaḥ
alle nämlich sind Giftschlangen, die drei (Nom.Pl.)
Man soll sich hier gegenüber dem Lehrer recht verhalten, auch wenn er verkehrt handelt; Schmähung des Lehrers verbrennt das Leben der Menschen, daran ist kein Zweifel.
Wort für Wort
samyak mithyāpravṛtte api
recht, auch wenn er verkehrt handelt (Adv.; Part.Lok.)
vartitavyaṃ gurau iha
ist zu verhalten gegenüber dem Lehrer hier (Gerundiv; Lok.)
gurunindā dahati āyuḥ
Lehrerschmähung verbrennt das Leben (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
Fern vom Wohnhaus [soll man] Urin [lassen], fern das Fußwaschwasser [ausgießen], und das Wegschütten von Speiseresten soll fern geschehen, von einem, der sein Wohl wünscht.
Wort für Wort
dūrāt āvasathāt mūtram
fern vom Wohnhaus den Urin (Abl.; Abl.; Akk.)
dūrāt pādāvasecanam
fern das Ausgießen des Fußwassers (Akk.)
ucchiṣṭa-utsarjanaṃ ca eva
und das Wegwerfen der Reste (Akk.)
dūre kāryaṃ hitaiṣiṇā
in der Ferne ist zu tun von dem Heilsuchenden (Lok.; Gerundiv; Instr.)
nātikalpaṃ nātisāyaṃ na ca madhyaṃdine sthite; nājñātaiḥ saha gaccheta naiko na vṛṣalaiḥ saha
Nicht zu früh, nicht zu spät am Abend und nicht, wenn die Sonne im Mittag steht, soll man losgehen; nicht mit Unbekannten soll man gehen, nicht allein und nicht mit Vṛṣalas.
Wort für Wort
na atikalpaṃ na atisāyam
nicht zu früh, nicht zu spät am Abend (Adv.)
na ca madhyaṃdine sthite
und nicht wenn Mittag steht (Lok.abs.)
na ajñātaiḥ saha gaccheta
nicht mit Unbekannten soll er gehen (Instr.; Opt.)
na ekaḥ na vṛṣalaiḥ saha
nicht allein, nicht mit Vṛṣalas (Nom.; Instr.)
atikalpam: Lesart/Bedeutung „zu früh“ nicht ganz sicher [?]; vṛṣala = Niedriggeborene.
upānahau ca vastraṃ ca dhṛtam anyair na dhārayet; brahmacārī ca nityaṃ syāt pādaṃ pādena nākramet
Sandalen und Gewand, die von anderen getragen wurden, soll man nicht tragen; enthaltsam soll man stets sein, und nicht mit dem Fuß auf einen [anderen] Fuß treten.
Wort für Wort
upānahau ca vastraṃ ca
Sandalen und Gewand (Akk.Du.; Akk.)
dhṛtam anyaiḥ na dhārayet
von anderen getragen soll man nicht tragen (Part.Pass.; Instr.; Opt.)
brahmacārī ca nityaṃ syāt
und ein Brahmacārin soll er stets sein (Nom.; Opt.)
pādaṃ pādena na ākramet
nicht Fuß mit Fuß betreten (Akk.; Instr.; Opt.)
Zweiter Teil (pādaṃ pādena nākramet) wörtlich; Sinn: nicht mit dem einen Fuß auf den anderen treten [?].
vṛthā māṃsaṃ na khādeta pṛṣṭhamāṃsaṃ tathaiva ca; ākrośaṃ parivādaṃ ca paiśunyaṃ ca vivarjayet
Vergeblich [d. h. nicht zum Opfer] soll man kein Fleisch essen, ebenso nicht Rückenfleisch; Beschimpfung, Verleumdung und Hinterbringen soll man meiden.
Wort für Wort
vṛthā māṃsaṃ na khādeta
umsonst soll er Fleisch nicht essen (Adv.; Akk.; Opt.Med.)
pṛṣṭhamāṃsaṃ tathā eva ca
Rückenfleisch ebenso (Akk.)
ākrośaṃ parivādaṃ ca
Beschimpfung und Schmähung (Akk.)
paiśunyaṃ ca vivarjayet
und Zuträgerei soll er meiden (Akk.; Opt.)
pṛṣṭhamāṃsa: wohl im übertragenen Sinn auch „Verleumdung hinter dem Rücken“; hier wörtlich wiedergegeben [?].
nāruṃtudaḥ syān na nṛśaṃsavādī; na hīnataḥ param abhyādadīta; yayāsya vācā para udvijeta; na tāṃ vaded ruśatīṃ pāpalokyām
Kein Herzensstecher soll er sein und keiner, der grausam redet; auch soll er nicht auf niedrige Weise einen anderen [an sich reißen] [?]; mit welcher Rede der andere erschrickt, jene quälende, unheilbringende soll er nicht sprechen.
Wort für Wort
na aruṃtudaḥ syāt
nicht ein Herzstecher soll er sein (Nom.; Opt.)
na nṛśaṃsavādī
nicht einer, der grausam redet (Nom.)
na hīnataḥ param abhyādadīta
nicht durch Niedriges einen anderen sich aneignen/angreifen (Abl.-Adv.; Akk.; Opt.Med.)
yayā asya vācā paraḥ udvijeta
durch welche seine Rede ein anderer erschrickt (Instr.; Nom.; Opt.Med.)
na tāṃ vadet ruśatīṃ pāpalokyām
nicht jene soll er sprechen, die verletzende, zu schlimmen Welten führende (Akk.f.; Part.Akk.; Adj.Akk.)
Redepfeile fahren aus dem Mund, von denen Getroffene Nacht und Tag trauern; sie fallen bei einem anderen nicht auf Unverwundbares [d. h. sie treffen die empfindlichen Stellen]; der Weise soll sie nicht auf andere loslassen.
Wort für Wort
vāksāyakāḥ vadanāt niṣpatanti
Wortpfeile fliegen aus dem Mund heraus (Nom.Pl.; Abl.; 3.Pl.Präs.)
yaiḥ āhataḥ śocati rātryahāni
von denen Getroffener trauert Nächte und Tage (Instr.; Part.Nom.; Akk.)
parasya na amarmasu te patanti
bei einem anderen nicht auf Nicht-Empfindliches fallen sie (Gen.; Lok.Pl.)
tān paṇḍitaḥ na avasṛjet pareṣu
sie soll der Weise nicht loslassen auf andere (Akk.; Nom.; Opt.; Lok.)
Vom Pfeil Durchbohrtes wächst wieder, der vom Beil geschlagene Wald ebenso; doch was durch Rede übel gesagt wurde, das Hässliche, die Wortwunde, heilt nicht.
Wort für Wort
rohate sāyakaiḥ viddham
wächst wieder, von Pfeilen Durchbohrtes (3.Sg.Präs.Med.; Instr.; Part.)
vanaṃ paraśunā hatam
der Wald, vom Beil geschlagen (Nom.; Instr.; Part.)
vācā duruktaṃ bībhatsam
durch Rede Übelgesagtes, Abscheuliches (Instr.; Nom.n.)
karṇinālīkanārācān nirharanti śarīrataḥ; vākśalyas tu na nirhartuṃ śakyo hṛdiśayo hi saḥ
Ohrhaken-Pfeile, Röhrenpfeile und Eisenpfeile zieht man aus dem Körper heraus; den Wortsplitter aber kann man nicht herausziehen, denn er sitzt im Herzen.
Gegen einen anderen soll man den Stock nicht erheben, im Zorn ihn nicht niederschlagen; außer bei Sohn oder Schüler ist Schlagen nur zur Unterweisung überliefert.
Wort für Wort
parasya daṇḍaṃ na udyacchet
gegen einen anderen den Stock nicht erheben (Gen.; Akk.; Opt.)
kroddhaḥ na enaṃ nipātayet
zornig ihn nicht niederstrecken (Nom.; Akk.; Kausativ-Opt.)
anyatra putrāt śiṣyāt vā
außer bei Sohn oder Schüler (Abl.)
śikṣārthaṃ tāḍanaṃ smṛtam
zum Zweck der Unterweisung ist Schlagen überliefert (Akk.; Nom.; Part.Pass.)
Außer am Neumondtag soll man stets die Zähne reinigen; Itihāsa und Purāṇa, Geben und Veda [soll man pflegen] täglich; das Gāyatrī-Sinnen soll man stets vollziehen und die Dämmerungsandacht gesammelt.
Wort für Wort
amāvāsyām ṛte nityam
außer am Neumondtag, stets (Akk.; Präp.; Adv.)
dantadhāvanam ācaret
Zahnreinigung soll er ausführen (Akk.; Opt.)
itihāsapurāṇāni dānaṃ vedaṃ ca nityaśaḥ
Itihāsa und Purāṇa, Gabe und Veda, täglich (Akk.)
gāyatrīmananaṃ nityaṃ kuryāt
das Gāyatrī-Sinnen soll er stets vollziehen (Akk.; Opt.)
saṃdhyāṃ samāhitaḥ
die Dämmerungsandacht, gesammelt (Akk.; Part.Pass. Nom.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Objekte der Aufzählung ohne eigenes Verb (aus ācaret/kuryāt ergänzt).
Auf dem Boden mit einer Hand [?]; beim Anblick der Lehrer soll er aufstehen.
Wort für Wort
bhūmāv ekena pāṇinā
auf dem Boden mit einer Hand (Lok./Instr. Sg.)
gurūn dṛṣṭvā
die Lehrer erblickt habend (Akk. Pl., Abs.)
samuttiṣṭhet
aufstehen soll er (3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Fragmentarische Zusatzzeile; der erste Halbvers ist unvollständig und syntaktisch unklar.
varjayed dantakāṣṭhāni varjanīyāni nityaśaḥ; bhakṣayec chāstradṛṣṭāni parvasv api ca varjayet
Er soll [ungeeignete] Zahnhölzer meiden, die stets zu meiden sind; er soll die in den Lehrbüchern angegebenen kauen, und an den Parvan-Tagen soll er auch [diese] meiden.
Wort für Wort
varjayed dantakāṣṭhāni
meiden soll er Zahnhölzer (3.Sg.Opt., Akk. Pl.)
varjanīyāni nityaśaḥ
die zu meidenden, stets (Gerundiv, Adv.)
bhakṣayec chāstradṛṣṭāni
kauen soll er die in der Lehre gesehenen/vorgeschriebenen (3.Sg.Opt., Akk. Pl.)
parvasv api ca varjayet
und an den Parvan-Tagen auch soll er meiden (Lok. Pl., 3.Sg.Opt.)
Letzter Pāda: Objekt nicht ausdrücklich genannt, vermutlich das Zahnholz überhaupt.
Ohne die Götterverehrung vollzogen zu haben, soll er niemals zu einem anderen gehen; ausgenommen zu einem Lehrer, einem Greis, einem Rechtschaffenen oder einem Weisen.
Wort für Wort
akṛtvā devatāpūjāṃ
ohne die Verehrung der Gottheit vollzogen zu haben (Abs.)
na anyaṃ gacchet kadā cana
nicht zu einem anderen gehen soll er je (Akk., 3.Sg.Opt.)
avalokyo na cādarśo malino buddhimattaraiḥ; na cājñātāṃ striyaṃ gacched garbhiṇīṃ vā kadā cana
Ein schmutziger Spiegel darf von Verständigeren nicht betrachtet werden; und niemals soll er zu einer unbekannten Frau gehen oder zu einer Schwangeren.
Wort für Wort
avalokyo na ca ādarśo
und nicht ist zu betrachten ein Spiegel (Gerundiv, Nom.)
malino buddhimattaraiḥ
schmutzig, von Verständigeren (Nom., Instr. Pl.)
na ca ajñātāṃ striyaṃ gacched
und zu einer unbekannten Frau soll er nicht gehen (Akk., 3.Sg.Opt.)
Vor der Heirat soll der Weise keinen Beischlaf ausüben; andernfalls würde er ein Keuschheitsbrecher sein und müsse Sühne leisten. Er soll fremde Frauen nicht [begehrlich] ansehen und nicht allein mit einer auf einem Sitz sein [?]; er soll die Sinne stets zügeln und im Schlaf reinen Sinnes sein.
Wort für Wort
dārasaṃgrahaṇāt pūrvaṃ
vor der Heirat (Abl.)
na ācaren maithunaṃ budhaḥ
nicht üben soll Beischlaf der Weise (3.Sg.Opt.)
anyathā tu avakīrṇaḥ syāt
andernfalls aber wäre er ein Keuschheitsbrecher (Nom., 3.Sg.Opt.)
prāyaścittaṃ samācaret
Sühne soll er vollziehen (Akk.)
na udīkṣet paradārāṃś ca
und nicht ansehen soll er fremde Frauen (Akk. Pl.)
rahasy ekāsano bhavet
in der Einsamkeit auf einem Sitz sei er [?] (Lok., Nom., 3.Sg.Opt.)
indriyāṇi sadā yacchet
die Sinne stets zügeln soll er (3.Sg.Opt.)
svapne śuddhamanā bhavet
im Schlaf reinen Sinnes sei er (Lok.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). rahasy ekāsano bhavet: ohne na als Gebot gelesen unplausibel; na ist vermutlich aus dem vorigen Pāda mitzudenken.
udakśirā na svapeta tathā pratyakśirā na ca; prākśirās tu svaped vidvān atha vā dakṣiṇāśirāḥ
Er soll nicht mit dem Kopf nach Norden schlafen und ebenso nicht mit dem Kopf nach Westen; der Kundige aber soll mit dem Kopf nach Osten oder nach Süden schlafen.
Wort für Wort
udakśirā na svapeta
nicht mit dem Kopf nach Norden schlafen soll er (3.Sg.Opt. Med.)
tathā pratyakśirā na ca
und ebenso nicht mit dem Kopf nach Westen
prākśirās tu svaped vidvān
mit dem Kopf nach Osten aber soll schlafen der Kundige (Nom., 3.Sg.Opt.)
tiryaṅ na ca śayen nityaṃ nāntardhānena saṃyutaḥ; na niśāyāṃ punaḥ snāyād āpady agnidvijāntike; snāne nirmālyakaṃ varjet snātvā nāṅgāni mārjayet
Nicht soll er stets quer liegen und nicht mit einer Zwischenlage [?] versehen sein; nachts soll er nicht wieder baden, außer in Not, in der Nähe von Feuer und Zweimalgeborenen [?]; beim Bad meide er welke Opfergaben, und nach dem Bad soll er die Glieder nicht abwischen.
Wort für Wort
tiryaṅ na ca śayen nityaṃ
und nicht quer soll er liegen, stets
na antardhānena saṃyutaḥ
nicht mit einer Trennung/Zwischenlage versehen [?] (Instr., Nom.)
na niśāyāṃ punaḥ snāyād
nicht nachts wieder soll er baden (3.Sg.Opt.)
āpady agnidvijāntike
in Not, in der Nähe von Feuer und Zweimalgeborenen [?] (Lok.)
snāne nirmālyakaṃ varjet
beim Baden welke Opfergaben meiden soll er (Lok., Akk.)
snātvā na aṅgāni mārjayet
nach dem Bad die Glieder nicht abwischen soll er (Abs., Akk. Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). āpady agnidvijāntike: Syntax unklar (Ausnahme oder Ortsangabe).
na cānulimped asnātvā snātvā vāso na nirdhunet; ārdra eva tu vāsāṃsi nityaṃ seveta mānavaḥ; srajaś ca nāvakarṣeta na bahir dhārayeta ca
Er soll sich nicht salben, ohne gebadet zu haben; nach dem Bad soll er das Gewand nicht ausschütteln; der Mensch soll stets [nur] nasse Gewänder tragen [?]; Kränze soll er nicht [vom Kopf] abziehen und nicht draußen tragen.
Wort für Wort
na ca anulimped asnātvā
und nicht salben soll er sich, ohne gebadet zu haben (3.Sg.Opt., Abs.)
snātvā vāso na nirdhunet
nach dem Bad das Gewand nicht ausschütteln soll er (Abs., Akk.)
ārdra eva tu vāsāṃsi
nasse aber Gewänder (Akk. Pl.)
nityaṃ seveta mānavaḥ
stets tragen/gebrauchen soll der Mensch [?] (3.Sg.Opt., Nom.)
srajaś ca na avakarṣeta
und Kränze nicht abziehen soll er (Akk. Pl.)
na bahir dhārayeta ca
und nicht draußen tragen soll er (3.Sg.Opt.)
Dritter Pāda: nach dem Wortlaut „nasse Gewänder“; Sinn (ggf. nicht-gewaschene/feuchte Kleidung) unsicher.
Rotes ist auf dem Haupt zu tragen [?], ebenso [Blumen] aus dem Wald; und ein goldener Kranz wird niemals unrein. Für den Gebadeten soll man stets frische Salbe auftragen, o Herr der Menschen.
Wort für Wort
raktaṃ śirasi dhāryaṃ tu
Rotes aber ist auf dem Haupt zu tragen [?] (Akk., Lok.)
tathā vāneyam ity api
ebenso aus dem Wald Stammendes (Akk.)
kāñcanī caiva yā mālā
und der goldene Kranz, der (Nom.)
na sā duṣyati karhi cit
der wird niemals unrein (3.Sg.Präs.)
snātasya varṇakaṃ nityam
für den Gebadeten Salbe, stets (Gen., Akk.)
ārdraṃ dadyād viśāṃ pate
frisch soll man auftragen, o Herr der Menschen (3.Sg.Opt., Voc.)
raktaṃ śirasi dhāryaṃ steht im Widerspruch zu 108; Text möglicherweise gestört.
na saṃnikṛṣṭo medhāvī nāśucir na ca satsu ca; pratiṣiddhān na dharmeṣu bhakṣān bhuñjīta pṛṣṭhataḥ
Nicht dicht dabei [?], der Einsichtige, nicht unrein und nicht unter Guten: nach dem Dharma Verbotene Speisen soll er nicht essen, [auch nicht] im Rücken [der anderen].
Wort für Wort
na saṃnikṛṣṭo medhāvī
nicht nahe [?], der Einsichtige (Nom.)
na aśucir na ca satsu ca
nicht unrein und nicht unter Guten (Nom., Lok. Pl.)
pratiṣiddhān na dharmeṣu
nicht [als] verboten in den Dharma-Regeln (Akk. Pl., Lok. Pl.)
bhakṣān bhuñjīta pṛṣṭhataḥ
Speisen soll er essen, im Rücken/hinterrücks (Akk., 3.Sg.Opt., Adv.)
Stark unklarer Vers; Wiedergabe unsicher (pratiṣiddhān na dharmeṣu ggf. „nicht Verbotene gemäß dem Dharma“).
na pāṇau lavaṇaṃ vidvān prāśnīyān na ca rātriṣu; dadhisaktūn na bhuñjīta vṛthāmāṃsaṃ ca varjayet
Der Kundige soll kein Salz in der Hand verzehren und nicht nachts; Dickmilch mit Gerstenmehl soll er nicht essen, und unnützes [nicht geopfertes] Fleisch soll er meiden.
Wort für Wort
na pāṇau lavaṇaṃ vidvān
nicht in der Hand Salz, der Kundige (Lok., Akk., Nom.)
prāśnīyān na ca rātriṣu
verzehren soll er, und nicht nachts (3.Sg.Opt., Lok. Pl.)
dadhisaktūn na bhuñjīta
Dickmilch mit Gerstenmehl nicht essen soll er (Akk. Pl.)
vṛthāmāṃsaṃ ca varjayet
und unnützes Fleisch meiden soll er (Akk.)
vṛthāmāṃsa: Fleisch, das nicht für Opfer/Götter bestimmt ist.
vālena tu na bhuñjīta paraśrāddhaṃ tathaiva ca; sāyaṃ prātaś ca bhuñjīta nāntarāle samāhitaḥ
Er soll nicht mit einem Haar [darin] essen und ebenso nicht das Totenmahl eines anderen; abends und morgens soll er essen, nicht zwischendurch, gesammelt.
Nachdem er den Gästen zuerst Wasser und Speise gegeben hat, o Herr der Menschen, soll der Einsichtige danach essen, und der Mensch [soll] nicht zerstreuten Sinnes [essen].
Wort für Wort
toyapūrvaṃ pradāya annam
Speise, mit Wasser voran gegeben habend (Adv., Abs., Akk.)
atithibhyo viśāṃ pate
den Gästen, o Herr der Menschen (Dat. Pl., Voc.)
paścād bhuñjīta medhāvī
danach soll essen der Einsichtige (3.Sg.Opt. Med., Nom.)
na ca api anyamanā naraḥ
und nicht mit anderem Sinn/zerstreut der Mensch (Nom.)
Er soll lautlos essen; er soll mit einem Freund essen, nicht mit einem Feind.
Wort für Wort
niḥśabdena tu bhuñjīta
lautlos aber soll er essen (Instr., 3.Sg.Opt.)
mitraṃ bhuñjīta
mit einem Freund soll er essen (Akk. [?], 3.Sg.Opt.)
na ahitam
nicht einen Feind/Nichtwohlgesinnten (Akk.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). mitraṃ bhuñjīta: elliptisch, „[mit] einem Freund“; sonst „einen Freund speisen“.
bhuñjāno manujavyāghra naiva śaṅkāṃ samācaret; dadhi cāpy anupānaṃ vai na kartavyaṃ bhavārthinā
Wenn du isst, Tiger unter den Männern, sollst du keinerlei Bedenken hegen; und auch Sauermilch soll man nicht als Nachtrunk nehmen, wer Gedeihen erstrebt.
Wort für Wort
bhuñjāno manujavyāghra
essend, Tiger unter den Menschen (Part.Präs.Nom.; Vok.)
naiva śaṅkāṃ samācaret
soll durchaus keinen Zweifel/Bedenken hegen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.)
dadhi cāpy anupānaṃ vai
und auch Sauermilch als Nachtrunk (Nom.Sg.n.; Akk./Nom.Sg.n.)
na kartavyaṃ bhavārthinā
ist nicht zu machen von einem, der Gedeihen wünscht (Gerundiv; Instr.Sg.)
Die Hand auf das Haupt legend und gesammelt das Feuer berührend, erlangt der in der Anwendung [der Riten] kundige Mann den Vorrang unter den Verwandten.
Wort für Wort
pāṇiṃ mūrdhni samādhāya
die Hand auf den Kopf legend (Akk.Sg.; Lok.Sg.; Abs.)
spṛṣṭvā cāgniṃ samāhitaḥ
und das Feuer berührt habend, gesammelt (Abs.; Akk.Sg.; Part.Nom.)
jñātiśraiṣṭhyam avāpnoti
erlangt den Vorrang unter den Verwandten (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
prayogakuśalo naraḥ
der in der Anwendung/Ausführung geschickte Mann (Nom.Sg.)
Mit Wasser die Lebenshauche [Mund, Nase usw.] berührt habend und den Nabel mit der Handfläche berührend, soll man aufstehen [sich erheben], und zwar nicht mit feuchter Hand.
Wort für Wort
adbhiḥ prāṇān samālabhya
mit Wasser die Lebenshauche berührt habend (Instr.Pl.; Akk.Pl.; Abs.)
nābhiṃ pāṇitalena ca
und den Nabel mit der Handfläche (Akk.Sg.; Instr.Sg.)
spṛśaṃś caiva pratiṣṭheta
und berührend soll man aufstehen/sich festen Stand geben (Part.Nom.; 3.Sg.Opt.Med.)
na cāpy ārdreṇa pāṇinā
und auch nicht mit feuchter Hand (Instr.Sg.)
pratiṣṭheta: Bedeutung (sich erheben / sich festsetzen, aufbrechen) unsicher [?]; die Lesart „aufstehen“ ist die mit den wenigsten Zusatzannahmen.
aṅguṣṭhasya ca yan madhyaṃ pradeśinyāś ca bhārata; tena pitryāṇi kurvīta spṛṣṭvāpo nyāyatas tathā
Und was die Mitte zwischen Daumen und Zeigefinger ist, Bhārata, damit soll man die Ahnenriten vollziehen, [nachdem man] Wasser berührt hat, nach der Vorschrift.
Wort für Wort
aṅguṣṭhasya ca yan madhyaṃ
und was die Mitte des Daumens ist (Gen.Sg.; Rel.Nom.Sg.n.)
pradeśinyāś ca bhārata
und des Zeigefingers, Bhārata (Gen.Sg.; Vok.)
tena pitryāṇi kurvīta
damit soll man die Ahnenriten vollziehen (Instr.Sg.; Akk.Pl.n.; 3.Sg.Opt.Med.)
spṛṣṭvāpo nyāyatas tathā
Wasser berührt habend, ebenso regelgemäß (Abs.; Akk.Pl.; Adv.)
patitais tu kathāṃ necched darśanaṃ cāpi varjayet; saṃsargaṃ ca na gaccheta tathāyur vindate mahat
Mit Gefallenen [Ausgestoßenen] soll man kein Gespräch wünschen und auch ihren Anblick meiden; und man soll keinen Umgang mit ihnen pflegen: so erlangt man langes Leben.
Wort für Wort
patitais tu kathāṃ necchet
mit Gefallenen aber soll man kein Gespräch wünschen (Instr.Pl.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
darśanaṃ cāpi varjayet
und auch den Anblick meiden (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
saṃsargaṃ ca na gaccheta
und Verbindung soll man nicht eingehen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Med.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (Adv.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
na divā maithunaṃ gacchen na kanyāṃ na ca bandhakīm; na cāsnātāṃ striyaṃ gacchet tathāyur vindate mahat
Man soll nicht bei Tag den Beischlaf vollziehen, nicht mit einem Mädchen und nicht mit einer Hure; auch soll man nicht zu einer Frau gehen, die nicht gebadet hat: so erlangt man langes Leben.
Wort für Wort
na divā maithunaṃ gacchet
nicht bei Tag soll man zum Beischlaf gehen (Adv.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
na kanyāṃ na ca bandhakīm
nicht zu einem Mädchen und nicht zu einer Buhlerin (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.f.)
na cāsnātāṃ striyaṃ gacchet
und nicht zu einer ungebadeten Frau soll man gehen (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)
bandhakī: Bedeutung „Hure, Buhlerin“; kanyā hier als „unverheiratetes Mädchen“.
sve sve tīrthe samācamya kārye samupakalpite; triḥ pītvāpo dviḥ pramṛjya kṛtaśauco bhaven naraḥ
Nachdem man an der jeweils eigenen Furt [der Hand] den Mund gespült hat, wenn die Handlung vorbereitet ist, soll man dreimal Wasser trinken und zweimal abwischen; dann würde der Mann rituell gereinigt sein.
Wort für Wort
sve sve tīrthe samācamya
an der jeweils eigenen Furt den Mund gespült habend (Lok.Sg.n.; Abs.)
kārye samupakalpite
wenn die Handlung vorbereitet ist (Lok.Sg.n.; Part.Lok. absolut)
indriyāṇi sakṛt spṛśya trir abhyukṣya ca mānavaḥ; kurvīta pitryaṃ daivaṃ ca vedadṛṣṭena karmaṇā
Nachdem man einmal die Sinnesorgane berührt und dreimal besprengt hat, soll der Mensch die Ahnen- und Götterriten nach der im Veda gesehenen [vorgeschriebenen] Handlung vollziehen.
Wort für Wort
indriyāṇi sakṛt spṛśya
die Sinnesorgane einmal berührt habend (Akk.Pl.n.; Adv.; Abs.)
trir abhyukṣya ca mānavaḥ
und dreimal besprengt habend, der Mensch (Adv.; Abs.; Nom.Sg.)
kurvīta pitryaṃ daivaṃ ca
soll vollziehen den Ahnen- und den Götterritus (3.Sg.Opt.Med.; Akk.Sg.n.)
brāhmaṇārthe ca yac chaucaṃ tac ca me śṛṇu kaurava; pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā bhojanādyantayos tathā
Und was die Reinigung im Hinblick auf einen Brahmanen ist, auch das höre von mir, Kaurava; [ebenso] nachdem man das Vorliegende und Heilsame gesagt hat, am Anfang und am Ende der Mahlzeit.
Wort für Wort
brāhmaṇārthe ca yac chaucaṃ
und was die Reinigung für einen Brahmanen ist (Lok.Sg.; Rel.Nom.Sg.n.)
tac ca me śṛṇu kaurava
auch das höre von mir, Kaurava (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.; Imp.; Vok.)
pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā
und das Vorliegende und das Heilsame gesagt habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
bhojanādyantayos tathā
am Anfang und Ende der Mahlzeit ebenso (Lok.Du.)
Textlich schwierig; pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā ist nur locker angebunden, die Deutung ist unsicher [?].
sarvaśauceṣu brāhmeṇa tīrthena samupaspṛśet; niṣṭhīvya tu tathā kṣutvā spṛśyāpo hi śucir bhavet
Bei allen Reinigungen soll man mit der Brahma-Furt Wasser berühren; und nachdem man gespuckt oder geniest hat, soll man Wasser berühren, dann wird man rein.
Wort für Wort
sarvaśauceṣu brāhmeṇa
bei allen Reinigungen, mit der brahmischen (Lok.Pl.; Instr.Sg.n.)
tīrthena samupaspṛśet
mit der Furt soll man [Wasser] berühren (Instr.Sg.; 3.Sg.Opt.)
niṣṭhīvya tu tathā kṣutvā
nachdem man gespuckt hat, und ebenso geniest hat (Abs.; Abs.)
spṛśyāpo hi śucir bhavet
Wasser berührt habend wird man rein (Abs.; Akk.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Opt.)
Beim Spucken, beim Beischlaf, beim Niesen, beim Lösen des Gürtels [Gewandes], beim Anblick einer menstruierenden Frau und ebenso bei einem Nackten gilt das Mundspülen als überliefert; man soll das Ohr berühren [mit der Silbe] Om und stets zur Sonne blicken.
Wort für Wort
niṣṭhīvane maithune ca kṣute
beim Spucken, beim Beischlaf und beim Niesen (Lok.Sg.n.)
kakṣyāvimocane
beim Lösen des Gürtels/der Kleidung (Lok.Sg.n.)
udakyādarśane tadvan
beim Anblick einer Menstruierenden ebenso (Lok.Sg.)
nagnasyācamanaṃ smṛtam
bei einem Nackten ist das Mundspülen überliefert (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.; Part.)
spṛśet karṇaṃ sapraṇavaṃ
man soll das Ohr berühren mit Om (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.; Adj.)
sūryam īkṣet sadā tadā
die Sonne soll man anblicken, dann jedes Mal (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; kakṣyā-vimocana („Lösen des Gürtels/Gewandes“) und nagnasya (Gen. statt Lok.) sind knapp und nicht sicher gedeutet [?].
Silber, Glückszeichen des Hauses (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; devatāḥ pratimādarśāḥ ist gedrängt, Deutung als Aufzählung von Götterbildern und Spiegeln [?].
agamyāś ca na gaccheta rājapatnīḥ sakhīs tathā; vaidyānāṃ bālavṛddhānāṃ bhṛtyānāṃ ca yudhiṣṭhira
Und man soll nicht zu denen gehen, die nicht [erlaubt] zugänglich sind: zu den Frauen des Königs und zu Freundinnen; [auch nicht zu denen] der Ärzte, der Kinder, der Alten und der Diener, Yudhiṣṭhira,
Wort für Wort
agamyāś ca na gaccheta
und zu Unzugänglichen soll man nicht gehen (Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.Med.)
rājapatnīḥ sakhīs tathā
zu den Königinnen und ebenso zu Freundinnen (Akk.Pl.f.; Akk.Pl.f.)
vaidyānāṃ bālavṛddhānāṃ
der Ärzte, der Kinder und Alten (Gen.Pl.; Gen.Pl.)
bhṛtyānāṃ ca yudhiṣṭhira
und der Diener, Yudhiṣṭhira (Gen.Pl.; Vok.)
Der Genitiv bezieht sich auf Frauen (der Ärzte usw.) als Ergänzung zu agamyāḥ; Ergänzung in der Übersetzung.
bandhūnāṃ brāhmaṇānāṃ ca tathā śāraṇikasya ca; saṃbandhināṃ ca rājendra tathāyur vindate mahat
[auch nicht zu den Frauen] der Verwandten, der Brahmanen, ebenso des Śāraṇika und der angeheirateten Verwandten, König der Könige: so erlangt man langes Leben.
Wort für Wort
bandhūnāṃ brāhmaṇānāṃ ca
der Verwandten und der Brahmanen (Gen.Pl.; Gen.Pl.)
tathā śāraṇikasya ca
und ebenso des Śāraṇika (Gen.Sg.)
saṃbandhināṃ ca rājendra
und der angeheirateten Verwandten, Herr der Könige (Gen.Pl.; Vok.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)
śāraṇika: Bedeutung unsicher (Schauspieler/Sänger? Akrobat?) [?].
naktaṃ na kuryāt pitryāṇi bhuktvā caiva prasādhanam; pānīyasya kriyā naktaṃ na kāryā bhūtim icchatā
Nachts soll man keine Ahnenriten vollziehen und [nicht] nach dem Essen Schmuck anlegen; und das Wasserwerk [Wasserhandlung] ist nachts nicht zu vollziehen von dem, der Wohlstand wünscht.
Wort für Wort
naktaṃ na kuryāt pitryāṇi
nachts soll man nicht vollziehen Ahnenriten (Adv.; 3.Sg.Opt.; Akk.Pl.n.)
bhuktvā caiva prasādhanam
und nach dem Essen Schmückung (Abs.; Akk.Sg.n.)
pānīyasya kriyā naktaṃ
des Wassers Handlung nachts (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.; Adv.)
na kāryā bhūtim icchatā
nicht ist zu tun von dem, der Wohlstand wünscht (Gerundiv; Akk.Sg.f.; Instr.Sg.Part.)
na bhuktvā maithunaṃ gacchen na dhāven nātihāsakam
Nach dem Essen soll man nicht zum Beischlaf gehen, nicht rennen und nicht übermäßig lachen.
Wort für Wort
na bhuktvā maithunaṃ gacchet
nicht nach dem Essen soll man zum Beischlaf gehen (Abs.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
na dhāven nātihāsakam
nicht soll man rennen, nicht übermäßig lachen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; nātihāsakam („zu starkes Lachen“) als Adverb-Akk.
mahākulaprasūtāṃ ca praśastāṃ lakṣaṇais tathā; vayaḥsthāṃ ca mahāprājña kanyām āvoḍhum arhati
Ein Mädchen, das aus einer großen Familie stammt und durch Merkmale [Glückszeichen] ausgezeichnet ist und im [heiratsfähigen] Alter steht, o sehr Weiser, darf man heiraten.
Wort für Wort
mahākulaprasūtāṃ ca
und aus großer Familie entsprossen (Akk.Sg.f.)
praśastāṃ lakṣaṇais tathā
und gepriesen durch Merkmale (Akk.Sg.f.; Instr.Pl.)
vayaḥsthāṃ ca mahāprājña
und im [rechten] Alter stehend, hochweiser [Yudhiṣṭhira] (Akk.Sg.f.; Vok.)
kanyām āvoḍhum arhati
ein Mädchen heiraten darf man (Akk.Sg.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
arhati steht in der 3.Sg. mit unbestimmtem Subjekt („man darf“).
Nachdem man dann Nachkommenschaft gezeugt und das Geschlecht begründet hat, sind die Söhne, Bhārata, in [Vedas-]Wissen und in den Geschlechtspflichten zu unterweisen [wörtlich: zu geben].
Wort für Wort
apatyam utpādya tataḥ
Nachkommen gezeugt habend, dann (Akk.Sg.n.; Abs.; Adv.)
pratiṣṭhāpya kulaṃ tathā
und das Geschlecht begründet habend (Abs.; Akk.Sg.n.)
putrāḥ pradeyā jñāneṣu
die Söhne sind zu geben in Kenntnisse (Nom.Pl.; Gerundiv; Lok.Pl.)
kuladharmeṣu bhārata
in die Geschlechtspflichten, Bhārata (Lok.Pl.; Vok.)
pradeyāḥ jñāneṣu: „zu übergeben (in) Wissen“; hier als „unterweisen“ wiedergegeben [?].
kanyā cotpādya dātavyā kulaputrāya dhīmate; putrā niveśyāś ca kulād bhṛtyā labhyāś ca bhārata
Und eine Tochter ist, nachdem man sie gezeugt hat, einem edlen, klugen Sohn aus gutem Haus zu geben; die Söhne sind aus dem Geschlecht [in eigene Haushalte] einzusetzen, und Diener sind zu beschaffen, Bhārata.
Wort für Wort
kanyā cotpādya dātavyā
und eine Tochter, gezeugt, ist zu geben (Nom.Sg.f.; Abs.; Gerundiv)
kulaputrāya dhīmate
einem Sohn aus gutem Haus, einem klugen (Dat.Sg.; Dat.Sg.)
putrā niveśyāś ca kulād
und die Söhne sind einzusetzen aus dem Geschlecht (Nom.Pl.; Gerundiv; Abl.Sg.)
bhṛtyā labhyāś ca bhārata
und Diener sind zu erlangen, Bhārata (Nom.Pl.; Gerundiv; Vok.)
kulād: Ablativ, genaue Beziehung unsicher (aus dem Geschlecht heraus / dem Geschlecht gemäß) [?].
Ölsalbung [soll man vornehmen] am achten [Mondtag], am vierzehnten und an den Parvan-Tagen [Mondwechseltagen].
Wort für Wort
tailābhyañjanam aṣṭamyāṃ
das Einölen am achten [Tag] (Akk./Nom.Sg.n.; Lok.Sg.f.)
caturdaśyāṃ ca parvasu
und am vierzehnten und an den Parvans (Lok.Sg.f.; Lok.Pl.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; das Verb fehlt, Sinn nach dem Kontext ergänzt und möglicherweise als Verbot gemeint (das Einölen an diesen Tagen zu unterlassen) [?].
nakṣatre na ca kurvīta yasmiñ jāto bhaven naraḥ; na proṣṭhapadayoḥ kāryaṃ tathāgneye ca bhārata
Unter dem Mondhaus, in dem der Mann geboren ist, soll man [es] nicht vollziehen; auch nicht unter Proṣṭhapada [den beiden Proṣṭhapada-Mondhäusern] ist [es] zu tun, ebenso nicht unter dem Agni-Mondhaus [Kṛttikā], Bhārata.
Wort für Wort
nakṣatre na ca kurvīta
und im Mondhaus soll man nicht tun (Lok.Sg.n.; 3.Sg.Opt.Med.)
yasmiñ jāto bhaven naraḥ
in dem der Mann geboren sein mag (Rel.Lok.Sg.; Part.Nom.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)
na proṣṭhapadayoḥ kāryaṃ
nicht in den Proṣṭhapadas ist es zu tun (Lok.Du.; Gerundiv)
tathāgneye ca bhārata
ebenso im dem Agni gehörenden [Mondhaus], Bhārata (Lok.Sg.n.; Vok.)
tathāgneye: Ergänzung nakṣatre (Kṛttikā); das Objekt („Ritus“ von V. 167) ist mitzudenken.
dāruṇeṣu ca sarveṣu pratyahaṃ ca vivarjayet; jyotiṣe yāni coktāni tāni sarvāṇi varjayet
Und bei allen schrecklichen [Mondhäusern] soll man es meiden, und täglich [an unheilvollen Tagen]; alles, was in der Sternkunde [Astrologie] genannt ist, soll man meiden.
Wort für Wort
dāruṇeṣu ca sarveṣu
und bei allen schrecklichen [Konstellationen] (Lok.Pl.n.; Lok.Pl.n.)
pratyahaṃ ca vivarjayet
und täglich soll man meiden (Adv.; 3.Sg.Opt.)
jyotiṣe yāni coktāni
und was in der Jyotiṣa genannt ist (Lok.Sg.n.; Rel.Nom.Pl.n.; Part.)
tāni sarvāṇi varjayet
all das soll man meiden (Pron.Akk.Pl.n.; Akk.Pl.n.; 3.Sg.Opt.)
pratyahaṃ ca vivarjayet: „und täglich meiden“ ist sachlich unklar (evtl. „nicht täglich [ausüben]“) [?].
Nach Osten gewandt soll man sich gesammelt das Haar- und Bartscheren besorgen lassen, oder nach Norden gewandt, König der Könige: so erlangt man langes Leben.
Wort für Wort
prāṅmukhaḥ śmaśrukarmāṇi
nach Osten gewandt, Bartarbeiten (Nom.Sg.m.; Akk.Pl.n.)
kārayeta samāhitaḥ
soll ausführen lassen, gesammelt (3.Sg.Opt.Kaus.Med.; Part.Nom.)
udaṅmukho vā rājendra
oder nach Norden gewandt, Herr der Könige (Nom.Sg.m.; Part.; Vok.)
Ein Bad in Meerwasser, das Scheren beim Ahnenopfer und das Essen bei Ahnenopfern [ist zu meiden]; wer als Gatte einer Schwangeren [dies] tut, erlangt nicht die Frucht eines Sohnes; [dies gilt] besonders bei Guten, Lehrern, Alten und Frauen des Geschlechts.
Wort für Wort
sāmudreṇāmbhasā snānaṃ
ein Bad mit Meerwasser (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
kṣauraṃ śrāddheṣu bhojanam
das Scheren, das Essen bei Ahnenopfern (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.n.; Nom.Sg.n.)
antarvatnīpatiḥ kurvan
der Gatte einer Schwangeren, wenn er [es] tut (Nom.Sg.m.; Part.Nom.)
na putraphalam aśnute
erlangt nicht die Sohnesfrucht (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
satāṃ gurūṇāṃ vṛddhānāṃ
bei den Guten, Lehrern, Alten (Gen.Pl.; Gen.Pl.; Gen.Pl.)
kulastrīṇāṃ viśeṣataḥ
der Frauen des Geschlechts, besonders (Gen.Pl.; Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion ist verkürzt, die Verbindung der letzten Halbzeile mit dem Vorhergehenden ist unsicher; „ist zu meiden“ ergänzt [?].
Man meide eine Frau mit einem Gebrechen, ebenso ein Mädchen, Bester der Männer; [ferner] eine mit gleichem Ṛṣi-Geschlecht [Verwandte], eine mit Gebrechen Behaftete, und eine aus der eigenen Sippe der Mutter.
Wort für Wort
varjayed vyaṅginīṃ nārīm
man meide eine Frau mit Gebrechen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
tathā kanyāṃ narottama
ebenso ein Mädchen, Bester der Männer (Akk.; Vok.)
samārṣāṃ vyaṅgitāṃ caiva
eine Frau vom gleichen Ṛṣi-Geschlecht und eine mit Gebrechen behaftete (Akk.Sg.f.)
mātuḥ svakulajāṃ tathā
ebenso eine in der eigenen Sippe der Mutter Geborene (Gen.; Akk.Sg.f.)
Samārṣā: Frau desselben ārṣa-/Ṛṣi-Gotra (Pravara), also im verbotenen Verwandtschaftsgrad; die Deutung von kanyām in Verbindung mit vyaṅginīm ist knapp und daher nicht sicher.
vṛddhāṃ pravrajitāṃ caiva tathaiva ca pativratām; tathātikṛṣṇavarṇāṃ ca varṇotkṛṣṭāṃ ca varjayet
Eine Greisin und eine Asketin [Fortgezogene] meide man, ebenso eine ihrem Gatten Ergebene [?], ferner eine sehr dunkelfarbige und eine von höherem Stand [varṇa].
Wort für Wort
vṛddhāṃ pravrajitāṃ caiva
eine Greisin und eine in die Hauslosigkeit Gezogene (Akk.Sg.f.)
tathaiva ca pativratām
und ebenso eine dem Gatten Ergebene [?] (Akk.Sg.f.)
tathātikṛṣṇavarṇāṃ ca
und ebenso eine sehr dunkelfarbige (Akk.Sg.f.)
varṇotkṛṣṭāṃ ca varjayet
und eine von höherem Stand; man meide (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
pativratā (dem Gatten treu ergeben) als zu meidende Frau ist auffällig, wohl gemeint: bereits verheiratete Frau.
ayoniṃ ca viyoniṃ ca na gaccheta vicakṣaṇaḥ; piṅgalāṃ kuṣṭhinīṃ nārīṃ na tvam āvoḍhum arhasi
Der Kluge soll nicht zu einer [Frau] gehen, die keinen [rechten] Schoß hat oder aus [unpassendem] Schoß stammt; eine rötlich-braune [?] und eine aussätzige Frau darfst du nicht heiraten.
Wort für Wort
ayoniṃ ca viyoniṃ ca
eine ohne [rechten] Schoß und eine aus abweichendem Schoß [?] (Akk.Sg.f.)
na gaccheta vicakṣaṇaḥ
soll nicht gehen, der Kluge (3.Sg.Opt.; Nom.)
piṅgalāṃ kuṣṭhinīṃ nārīm
eine rötlich-braune, eine aussätzige Frau (Akk.Sg.f.)
Eine in einer Familie mit Fallsucht Geborene meide man und eine Niedrige, ebenso eine in einer Familie von Weißfleckigen Geborene; diese drei [meide man], Herr der Menschen.
Wort für Wort
apasmārikule jātāṃ
eine in einer Epilepsie-Familie Geborene (Lok.; Akk.Sg.f.)
nihīnāṃ caiva varjayet
und eine Niedrige meide man (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
śvitriṇāṃ ca kule jātāṃ
und eine in der Familie Weißfleckiger Geborene (Gen.Pl.; Lok.; Akk.Sg.f.)
trayāṇāṃ manujeśvara
von diesen dreien, Herr der Menschen (Gen.Pl.; Vok.)
Man meide eine sehr Boshafte, eine Kranke und eine mit Gebrechen; eine stark Behaarte, eine sehr Dicke, ein Mädchen, [das] bei Mutter und Vater [verbleibt/dort steht] [?]; eine Schamlose, eine Tochter des Bruders [?], eine Boshafte, eine Rothaarige meide man.
Wort für Wort
varjayed atiduṣṭāṃ ca
man meide eine sehr Boshafte (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
vyādhinīṃ vyaṅgikāṃ tathā
eine Kranke und ebenso eine mit Gebrechen (Akk.Sg.f.)
saromaśām atisthūlāṃ
eine stark Behaarte, eine sehr Dicke (Akk.Sg.f.)
kanyāṃ mātṛpitṛsthitām
ein Mädchen, das bei Mutter und Vater steht [?] (Akk.Sg.f.)
alajjāṃ bhrātṛjāṃ duṣṭām
eine Schamlose, eine Bruder-Geborene [?], eine Boshafte (Akk.Sg.f.)
varjayed raktakeśinīm
man meide eine Rothaarige (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. mātṛpitṛsthitām und bhrātṛjām sind unsicher (bhrātṛjā evtl. „Frau, die Bruder hat/vom Bruder stammt“).
In eine große Familie oder in eine gleichrangige soll man einheiraten [wörtlich: sich niederlassen], Yudhiṣṭhira; eine Niedrigere und eine Gefallene soll man nicht nehmen, wenn man Gedeihen wünscht.
Wort für Wort
mahākule niveṣṭavyaṃ
in einer großen Familie ist Eheschluss/Niederlassung anzustreben (Lok.; Gerundiv)
sadṛśe vā yudhiṣṭhira
oder in einer gleichartigen, Yudhiṣṭhira (Lok.; Vok.)
avarā patitā caiva
eine Niedrigere und eine Gefallene (Nom.Sg.f.)
na grāhyā bhūtim icchatā
ist nicht zu nehmen von dem, der Gedeihen wünscht (Gerundiv; Instr.Sg.m.)
agnīn utpādya yatnena kriyāḥ suvihitāś ca yāḥ; vedeṣu brāhmaṇaiḥ proktās tāś ca sarvāḥ samācaret
Nachdem man die [heiligen] Feuer mit Sorgfalt entfacht hat, soll man auch alle Riten, die gut geregelt sind und die von Brahmanen in den Veden verkündet wurden, ausüben.
Wort für Wort
agnīn utpādya yatnena
nachdem man die Feuer entfacht hat, mit Sorgfalt (Akk.Pl.; Abs.; Instr.)
kriyāḥ suvihitāś ca yāḥ
und die Riten, die gut geregelt sind (Nom.Pl.f.)
vedeṣu brāhmaṇaiḥ proktāḥ
die in den Veden von Brahmanen verkündet sind (Lok.Pl.; Instr.Pl.; Part.)
tās ca sarvāḥ samācaret
und alle diese soll man ausüben (Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.)
na cerṣyā strīṣu kartavyā dārā rakṣyāś ca sarvaśaḥ; anāyuṣyā bhaved īrṣyā tasmād īrṣyāṃ vivarjayet
Und man soll Frauen gegenüber keine Eifersucht hegen; die Ehefrauen sind allseits zu schützen. Eifersucht wäre lebensverkürzend; deshalb meide man die Eifersucht.
Wort für Wort
na cerṣyā strīṣu kartavyā
und Eifersucht ist gegenüber Frauen nicht zu hegen (Nom.; Lok.Pl.; Gerundiv)
dārā rakṣyāś ca sarvaśaḥ
die Ehefrauen sind zu schützen, in jeder Hinsicht (Nom.Pl.m.; Gerundiv)
anāyuṣyā bhaved īrṣyā
lebensverkürzend wäre die Eifersucht (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
tasmād īrṣyāṃ vivarjayet
daher meide man die Eifersucht (Abl.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
anāyuṣyo divāsvapnas tathābhyuditaśāyitā; prātar niśāyāṃ ca tathā ye cocchiṣṭāḥ svapanti vai
Lebensverkürzend ist Schlaf am Tage, ebenso [das Schlafen] nach Sonnenaufgang, morgens und abends, und wer mit unreinem Mund [nach dem Essen, ungereinigt] schläft.
Wort für Wort
anāyuṣyo divāsvapnas
lebensverkürzend ist Tagschlaf (Nom.Sg.m.)
tathābhyuditaśāyitā
ebenso das Schlafen nach dem Sonnenaufgang (Nom.Sg.f.)
prātar niśāyāṃ ca tathā
morgens und ebenso nachts/abends (Adv.; Lok.)
ye cocchiṣṭāḥ svapanti vai
und die, die unrein (mit Speiseresten) schlafen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
Der Vers ist syntaktisch elliptisch; anāyuṣya bezieht sich auch auf die folgenden Glieder.
pāradāryam anāyuṣyaṃ nāpitocchiṣṭatā tathā; yatnato vai na kartavyam abhyāsaś caiva bhārata
Umgang mit der Frau eines anderen ist lebensverkürzend, ebenso [der Verkehr mit] dem Barbier im unreinen Zustand; sorgfältig darf man sie nicht tun, und auch keine Gewohnheit daraus machen, Bhārata.
Wort für Wort
pāradāryam anāyuṣyaṃ
Ehebruch [ist] lebensverkürzend (Nom.Sg.n.)
nāpitocchiṣṭatā tathā
und Unreinheit beim Barbier/Barbiergebrauch [?] (Nom.Sg.f.)
yatnato vai na kartavyam
sorgfältig ist es wahrlich nicht zu tun (Adv.; Gerundiv)
abhyāsaś caiva bhārata
und auch keine Gewohnheit, Bhārata (Nom.; Vok.)
nāpitocchiṣṭatā ist knapp; hier als „Umgang mit dem Barbier im unreinen Zustand“ gefasst [?].
ātmānaṃ śuci manyeta brāhmaṇān na ca paspaśet; taṃ brūyād brāhmaṇaghnaṃ ca tasya cāyur vinaśyati; brāhmaṇā hi sadā pūjyā nareṇa bhūtim icchatā
Man halte sich für rein [?] und berühre keine Brahmanen; einen solchen soll man Brahmanenmörder nennen, und sein Leben vergeht. Brahmanen sind stets zu ehren von dem Menschen, der Gedeihen wünscht.
Wort für Wort
ātmānaṃ śuci manyeta
man halte sich für rein [?] (Akk.; Adj.; 3.Sg.Opt.)
brāhmaṇān na ca paspaśet
und berühre keine Brahmanen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
taṃ brūyād brāhmaṇaghnaṃ ca
und diesen soll man Brahmanenmörder nennen (Akk.; 3.Sg.Opt.; Akk.)
tasya cāyur vinaśyati
und sein Leben geht zugrunde (Gen.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
brāhmaṇā hi sadā pūjyā
denn Brahmanen sind stets zu verehren (Nom.Pl.; Gerundiv)
nareṇa bhūtim icchatā
vom Menschen, der Gedeihen wünscht (Instr.; Part.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Zusammenhang der ersten Hälfte ist unklar (evtl. „wer sich für rein hält und Brahmanen nicht [ehrerbietig] berührt“) [?].
Nach der Heimkehr [vom Vedastudium/aus dem Bad] soll man Reine, Brahmanen, Götter und dann Lehrer verehren; man verrichte die Vyāhṛti-Spenden und Ähnliches und sei stets der Ehrengabe [arghya] würdig.
Wort für Wort
samāvṛttaḥ śucīn viprān
der Heimgekehrte [soll] Reine, Brahmanen [verehren] (Nom.; Akk.Pl.)
devān atha gurūn namet
Götter und dann Lehrer soll er verehren (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
kuryād vyāhṛtihomādīn
er verrichte Vyāhṛti-Opfer und Ähnliches (3.Sg.Opt.; Akk.Pl.)
arghyārhaś ca sadā bhavet
und sei stets der Ehrengabe würdig (Nom.; 3.Sg.Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; samāvṛtta: der Heimgekehrte (Ende der Schülerzeit) bzw. der, der (das Bad) beendet hat.
animantrito na gaccheta yajñaṃ gacchet tu darśakaḥ; animantrite hy anāyuṣyaṃ gamanaṃ tatra bhārata
Ungeladen soll man nicht zu einem Opfer gehen, [nur] als Zuschauer möge man gehen; denn das Hingehen dorthin ohne Einladung ist lebensverkürzend, Bhārata.
Wort für Wort
animantrito na gaccheta
ungeladen soll man nicht gehen (Nom.; 3.Sg.Opt.)
yajñaṃ gacchet tu darśakaḥ
zum Opfer gehe man aber als Zuschauer (Akk.; 3.Sg.Opt.; Nom.)
animantrite hy anāyuṣyaṃ
denn ohne Einladung ist es lebensverkürzend (Lok.; Nom.Sg.n.)
nānāpadi parasyānnam animantritam āharet; ekoddiṣṭaṃ na bhuñjīta prathamaṃ tu viśeṣataḥ; sapiṇḍīkaraṇaṃ varjyaṃ savidhānaṃ ca māsikam
Außer in Not soll man fremde Speise, zu der man nicht geladen ist, nicht holen; Speise für einen einzelnen Bestimmten [ekoddiṣṭa] esse man nicht, besonders nicht die erste; die Vereinigung mit den Ahnen [sapiṇḍīkaraṇa] sei ausgenommen, ebenso die monatliche [Śrāddha-Spende] samt Ritus [?].
Wort für Wort
nānāpadi parasyānnam
nicht außer in Not fremde Speise (Lok.; Gen.; Akk.)
animantritam āharet
ungeladen soll man holen [?] (Part.; 3.Sg.Opt.)
ekoddiṣṭaṃ na bhuñjīta
Ekoddiṣṭa-Speise esse man nicht (Akk.; 3.Sg.Opt.)
prathamaṃ tu viśeṣataḥ
besonders aber die erste (Akk.; Adv.)
sapiṇḍīkaraṇaṃ varjyaṃ
das Sapiṇḍīkaraṇa ist zu meiden/auszunehmen [?] (Nom.; Gerundiv)
savidhānaṃ ca māsikam
und das monatliche [Śrāddha] samt Ritus [?] (Nom.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Schluss (varjyaṃ savidhānaṃ ca māsikam) ist unsicher: „ausgenommen“ (sapiṇḍīkaraṇa, Ritual mit Vorschriften, monatliches Śrāddha).
dhanurvede ca vede ca yatnaḥ kāryo narādhipa; hastipṛṣṭhe 'śvapṛṣṭhe ca rathacaryāsu caiva ha; yatnavān bhava rājendra yatnavān sukham edhate
In der Bogenkunde und im Veda ist Eifer aufzuwenden, Herr der Menschen; auf dem Elefantenrücken, auf dem Pferderücken und in den Wagenfahrten. Sei eifrig, König der Könige: der Eifrige gedeiht in Glück.
Wort für Wort
dhanurvede ca vede ca
in der Bogenkunde und im Veda (Lok.)
yatnaḥ kāryo narādhipa
Eifer ist aufzuwenden, Herr der Menschen (Nom.; Gerundiv; Vok.)
hastipṛṣṭhe 'śvapṛṣṭhe ca
auf dem Elefantenrücken und Pferderücken (Lok.)
rathacaryāsu caiva ha
und in den Wagenfahrten (Lok.Pl.)
yatnavān bhava rājendra
sei eifrig, König der Könige (Nom.; Imp.; Vok.)
yatnavān sukham edhate
der Eifrige gedeiht in Glück (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)
yuktiśāstraṃ ca te jñeyaṃ śabdaśāstraṃ ca bhārata; gandharvaśāstraṃ ca kalāḥ parijñeyā narādhipa
Und die Lehre vom Schlussfolgern [yuktiśāstra] musst du kennen, und die Lehre von der Sprache [Grammatik], Bhārata; die Lehre vom Gesang [Musik] und die Künste sind zu kennen, Herr der Menschen.
Wort für Wort
yuktiśāstraṃ ca te jñeyaṃ
und die Lehre der Argumentation ist von dir zu kennen (Nom.; Dat./Gen.; Gerundiv)
śabdaśāstraṃ ca bhārata
und die Lehre vom Wort, Bhārata (Nom.; Vok.)
gandharvaśāstraṃ ca kalāḥ
und die Lehre der Gandharvas [Musik] und die Künste (Nom.Pl.f.)
parijñeyā narādhipa
sind zu kennen, Herr der Menschen (Gerundiv; Vok.)
mānyānāṃ mānanaṃ kuryān nindyānāṃ nindanaṃ tathā; gobrāhmaṇārthe yudhyeta prāṇān api parityajet; na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ śaktyā dānarucir bhavet; na brāhmaṇān paribhavet kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam; patitān nābhibhāṣeta nāhvayeta rajasvalām
Die Verehrungswürdigen soll man ehren, die Tadelnswerten ebenso tadeln; für Kuh und Brahmanen soll man kämpfen, sogar das Leben aufgeben. An Frauen hänge man nicht [?]; man sei nach Kräften der Freigebigkeit zugeneigt. Brahmanen soll man nicht geringschätzen, Armseligkeit ist von Brahmanen [zu] tragen [?]; Gefallene spreche man nicht an, eine Menstruierende rufe man nicht.
Wort für Wort
mānyānāṃ mānanaṃ kuryāt
der Verehrungswürdigen Ehrung soll man üben (Gen.Pl.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
nindyānāṃ nindanaṃ tathā
ebenso der Tadelnswerten Tadel (Gen.Pl.; Akk.)
gobrāhmaṇārthe yudhyeta
für Kuh und Brahmanen soll man kämpfen (Lok.; 3.Sg.Opt.)
prāṇān api parityajet
sogar die Lebenshauche aufgeben (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ
an Frauen hänge man nicht [?] (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.; Gerundiv)
śaktyā dānarucir bhavet
nach Kräften sei man dem Geben zugeneigt (Instr.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
na brāhmaṇān paribhavet
Brahmanen soll man nicht geringschätzen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam
Armseligkeit von Brahmanen getragen [?] (Nom.; Instr.Pl.; Part.)
patitān nābhibhāṣeta
Gefallene spreche man nicht an (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
nāhvayeta rajasvalām
und rufe eine Menstruierende nicht (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ und kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam sind unsicher.
jñātisaṃbandhimitrāṇi pūjanīyāni nityaśaḥ; yaṣṭavyaṃ ca yathāśakti yajñair vividhadakṣiṇaiḥ; ataūrdhvam araṇyaṃ ca sevitavyaṃ narādhipa
Verwandte, Angeheiratete und Freunde sind stets zu ehren; man soll opfern nach Vermögen mit Opfern von mannigfachen Opfergaben; darüber hinaus ist der Wald aufzusuchen, Herr der Menschen.
Wort für Wort
jñātisaṃbandhimitrāṇi
Verwandte, Angeheiratete und Freunde (Nom.Pl.n.)
pūjanīyāni nityaśaḥ
sind zu ehren, stets (Gerundiv; Adv.)
yaṣṭavyaṃ ca yathāśakti
und es ist zu opfern nach Kräften (Gerundiv; Adv.)
yajñair vividhadakṣiṇaiḥ
mit Opfern mit vielfältigen Gaben (Instr.Pl.)
ataūrdhvam araṇyaṃ ca
und danach/darüber hinaus der Wald (Adv.; Nom.)
sevitavyaṃ narādhipa
ist aufzusuchen, Herr der Menschen (Gerundiv; Vok.)
ataūrdhvam: gemeint ist wohl „danach“, d. h. im Alter (Waldleben).
eṣa te lakṣaṇoddeśa āyuṣyāṇāṃ prakīrtitaḥ; śeṣas traividyavṛddhebhyaḥ pratyāhāryo yudhiṣṭhira
Dies ist dir als Umriss der lebensfördernden Merkmale dargelegt worden; das Übrige ist von den in den drei Veden Erfahrenen und Alten zu übernehmen, Yudhiṣṭhira.
Wort für Wort
eṣa te lakṣaṇoddeśa
dies ist dir als Merkmalsumriss (Nom.; Dat.; Nom.)
āyuṣyāṇāṃ prakīrtitaḥ
der lebensfördernden [Dinge] dargelegt (Gen.Pl.; Part.)
Der rechte Wandel bringt Gedeihen hervor, der rechte Wandel mehrt den Ruhm; durch rechten Wandel wächst die Lebensdauer, der rechte Wandel vernichtet das Unheilvolle [Unglücksmal].
Wort für Wort
ācāro bhūtijanana
der rechte Wandel ist gedeiherzeugend (Nom.; Adj.)
ācāraḥ kīrtivardhanaḥ
der rechte Wandel ist ruhmesmehrend (Nom.; Adj.)
ācārād vardhate hy āyur
denn durch rechten Wandel wächst das Leben (Abl.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
ācāro hanty alakṣaṇam
der rechte Wandel tilgt Unheilsmerkmale (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
Dies ist ruhmbringend, lebensfördernd, himmelsfördernd, ein großes Heilmittel [Segen]; aus Mitgefühl mit allen Ständen [varṇa] ist es von Brahmā verkündet worden.
Wort für Wort
etad yaśasyam āyuṣyaṃ
dies ist ruhmbringend, lebensfördernd (Nom.Sg.n.)
svargyaṃ svastyayanaṃ mahat
himmelsfördernd, ein großer Segen (Nom.Sg.n.)
anukampatā sarvavarṇān
aus Mitgefühl mit allen Ständen (Part.Instr.; Akk.Pl.)
brahmaṇā samudāhṛtam
von Brahmā verkündet (Instr.; Part.)
brahmaṇā (Instr.) gelesen als „von Brahmā“; alternativ von einem Brahmanen [?].