Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 107: ācāravarṇanam āyuṣyādharmāś ca Der rechte Wandel als Quelle von Lebensdauer, Ruhm und Glück: Regeln für Alltag, Speise, Ehe und Haus

Yudhiṣṭhira fragt, wodurch Menschen lang- oder kurzlebig werden, Ruhm und Glück erlangen; Bhīṣma antwortet mit einer langen Lehrrede über ācāra (rechten Wandel) und zählt lebensverlängernde und lebensverkürzende Verhaltensregeln auf. Die Sterne (*) bezeichnen Zusatzverse, die nur in einem Teil der Handschriften stehen.

yudhiṣṭhira uvāca; śatāyur uktaḥ puruṣaḥ śatavīryaś ca vaidike; kasmān mriyante puruṣā bālā api pitāmaha

Yudhiṣṭhira sprach: „Hundert Jahre alt, heißt es, wird der Mensch, und hundert [Jahre] kräftig nach der Aussage des Veda; weshalb sterben dann Menschen, ja sogar Kinder, o Großvater?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (3.Sg.Perf.)
śatāyur uktaḥ puruṣaḥ
hundert Jahre lebend, heißt es, der Mensch (Nom.Sg., Part.Perf.Pass.)
śatavīryaś ca vaidike
und hundertfach kräftig, im vedischen [Wort] (Nom.Sg./Lok.Sg.)
kasmān mriyante puruṣāḥ
weshalb sterben Menschen (Abl.Sg./3.Pl.Präs.Pass.-Med.)
bālā api pitāmaha
sogar Kinder, o Großvater (Nom.Pl./Vok.Sg.)

āyuṣmān kena bhavati svalpāyur vāpi mānavaḥ; kena vā labhate kīrtiṃ kena vā labhate śriyam

Wodurch wird ein Mensch langlebig oder auch kurzlebig? Wodurch erlangt er Ruhm, wodurch Glück?

Wort für Wort
āyuṣmān kena bhavati
langlebig, wodurch wird er (Nom.Sg., Instr.Sg., 3.Sg.Präs.)
svalpāyur vāpi mānavaḥ
oder auch kurzlebig, der Mensch (Nom.Sg.)
kena vā labhate kīrtim
oder wodurch erlangt er Ruhm (Instr.Sg., 3.Sg.Präs.Med., Akk.Sg.)
kena vā labhate śriyam
oder wodurch erlangt er Glück/Wohlstand (Akk.Sg.)

tapasā brahmacaryeṇa japair homais tathauṣadhaiḥ; janmanā yadi vācārāt tan me brūhi pitāmaha

Ob durch Askese, Keuschheit, Murmelgebete, Opfer und Heilkräuter, durch Geburt oder durch Wandel: das sage mir, Großvater.

Wort für Wort
tapasā brahmacaryeṇa
durch Askese, durch Keuschheit/Studentenleben (Instr.Sg.)
japair homais
durch Murmelgebete, durch Opfer (Instr.Pl.)
tathauṣadhaiḥ
und durch Heilkräuter (Instr.Pl.)
janmanā yadi vācārāt
durch Geburt oder durch Wandel (Instr.Sg./Abl.Sg.)
tan me brūhi pitāmaha
das sage mir, Großvater (Imp.2.Sg., Vok.Sg.)

bhīṣma uvāca; atra te vartayiṣyāmi yan māṃ tvam anupṛcchasi; alpāyur yena bhavati dīrghāyur vāpi mānavaḥ

Bhīṣma sprach: „Darüber will ich dir sprechen, worüber du mich befragst: wodurch ein Mensch kurzlebig wird oder auch langlebig,

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (3.Sg.Perf.)
atra te vartayiṣyāmi
hierüber will ich dir darlegen (Dat.Sg., 1.Sg.Fut.Kaus.)
yan māṃ tvam anupṛcchasi
was du mich fragst (Akk.Sg., 2.Sg.Präs.)
alpāyur yena bhavati
kurzlebig, wodurch er wird (Nom.Sg., Instr.Sg.)
dīrghāyur vāpi mānavaḥ
oder langlebig, der Mensch (Nom.Sg.)

yena vā labhate kīrtiṃ yena vā labhate śriyam; yathā ca vartan puruṣaḥ śreyasā saṃprayujyate

wodurch er Ruhm erlangt, wodurch Glück, und wie ein Mensch, der [so] handelt, mit dem Heilsamen verbunden wird.

Wort für Wort
yena vā labhate kīrtim
oder wodurch er Ruhm erlangt (Instr.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)
yena vā labhate śriyam
oder wodurch er Glück erlangt (Akk.Sg.)
yathā ca vartan puruṣaḥ
und wie ein Mensch sich verhaltend (Part.Präs., Nom.Sg.)
śreyasā saṃprayujyate
mit dem Heilsamen wird er verbunden (Instr.Sg., 3.Sg.Präs.Pass.)

ācārāl labhate hy āyur ācārāl labhate śriyam

Durch guten Wandel erlangt man ja Lebensdauer, durch guten Wandel erlangt man Glück,

Wort für Wort
ācārāl labhate hy āyuḥ
durch Wandel erlangt man ja Lebensdauer (Abl.Sg., 3.Sg.Präs.Med., Akk.Sg.)
ācārāl labhate śriyam
durch Wandel erlangt man Glück (Akk.Sg.)

ācārād dhanam akṣayyam ācāro hanti kilbiṣam

durch guten Wandel unvergänglichen Reichtum; der gute Wandel vernichtet die Schuld,

Wort für Wort
ācārād dhanam akṣayyam
durch Wandel unvergänglichen Reichtum (Abl.Sg., Akk.Sg.)
ācāro hanti kilbiṣam
der Wandel vernichtet die Sünde (Nom.Sg., 3.Sg.Präs., Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ācārāt kīrtim āpnoti puruṣaḥ pretya ceha ca

durch guten Wandel erlangt der Mensch Ruhm, im Jenseits und hier.

Wort für Wort
ācārāt kīrtim āpnoti
durch Wandel Ruhm erlangt (Abl.Sg., Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)
puruṣaḥ pretya ceha ca
der Mensch, nach dem Tode und hier (Nom.Sg., Abs.)

durācāro hi puruṣo nehāyur vindate mahat; trasanti yasmād bhūtāni tathā paribhavanti ca

Ein Mensch schlechten Wandels gewinnt hier kein langes Leben; vor ihm erschrecken die Wesen, und so verachten sie ihn auch.

Wort für Wort
durācāro hi puruṣaḥ
ein Mensch von schlechtem Wandel nämlich (Nom.Sg.)
nehāyur vindate mahat
gewinnt hier kein langes Leben (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)
trasanti yasmād bhūtāni
vor dem die Wesen erschrecken (3.Pl.Präs., Abl.Sg., Nom.Pl.)
tathā paribhavanti ca
und ebenso verachten sie [ihn] (3.Pl.Präs.)

tasmāt kuryād ihācāraṃ ya icched bhūtim ātmanaḥ; api pāpaśarīrasya ācāro hanty alakṣaṇam

Darum übe hier guten Wandel, wer sein Gedeihen wünscht; selbst bei einem, dessen Körper sündhaft ist, vernichtet guter Wandel das Unheilszeichen.

Wort für Wort
tasmāt kuryād ihācāram
darum soll man hier guten Wandel üben (Abl.Sg., Opt.3.Sg., Akk.Sg.)
ya icched bhūtim ātmanaḥ
wer für sich Gedeihen wünscht (Opt.3.Sg., Akk.Sg., Gen.Sg.)
api pāpaśarīrasya
selbst bei einem von sündhaftem Körper (Gen.Sg., Kompositum)
ācāro hanty alakṣaṇam
der Wandel vernichtet das Unheilszeichen (Nom.Sg., 3.Sg.Präs., Akk.Sg.)

ācāralakṣaṇo dharmaḥ santaś cācāralakṣaṇāḥ; sādhūnāṃ ca yathā vṛttam etad ācāralakṣaṇam

Der Dharma hat den Wandel zum Kennzeichen, und die Guten haben den Wandel zum Kennzeichen; und wie das Verhalten der Rechtschaffenen ist, das ist das Kennzeichen des Wandels.

Wort für Wort
ācāralakṣaṇo dharmaḥ
der Dharma, dessen Kennzeichen der Wandel ist (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
santaś cācāralakṣaṇāḥ
und die Guten, die den Wandel zum Kennzeichen haben (Nom.Pl.)
sādhūnāṃ ca yathā vṛttam
und wie das Verhalten der Rechtschaffenen [ist] (Gen.Pl., Nom.Sg.)
etad ācāralakṣaṇam
das ist das Kennzeichen des Wandels (Nom.Sg.)

apy adṛṣṭaṃ śrutaṃ vāpi puruṣaṃ dharmacāriṇam; bhūtikarmāṇi kurvāṇaṃ taṃ janāḥ kurvate priyam

Auch einen ungesehenen oder nur gehörten Menschen, der dharmagemäß lebt und Werke des Gedeihens verrichtet, machen sich die Leute zum Freund.

Wort für Wort
apy adṛṣṭaṃ śrutaṃ vāpi
auch wenn ungesehen oder [nur] gehört (Akk.Sg., Part.Perf.Pass.)
puruṣaṃ dharmacāriṇam
einen Menschen, der den Dharma übt (Akk.Sg.)
bhūtikarmāṇi kurvāṇam
Werke des Gedeihens verrichtend (Akk.Pl., Part.Präs.Med.)
taṃ janāḥ kurvate priyam
ihn machen die Leute sich lieb (Akk.Sg., Nom.Pl., 3.Pl.Präs.Med.)

ye nāstikā niṣkriyāś ca guruśāstrātilaṅghinaḥ; adharmajñā durācārās te bhavanti gatāyuṣaḥ

Die Ungläubigen, Untätigen, die Lehrer und Lehrbücher Übertretenden, des Dharma Unkundigen, von schlechtem Wandel: diese werden solche, deren Lebenszeit dahin ist.

Wort für Wort
ye nāstikā niṣkriyāś ca
die, die Ungläubige und Untätige sind (Nom.Pl.)
guruśāstrātilaṅghinaḥ
Lehrer und Lehrbuch übertretend (Nom.Pl., Kompositum)
adharmajñā durācārāḥ
des Dharma unkundig, von schlechtem Wandel (Nom.Pl.)
te bhavanti gatāyuṣaḥ
sie werden Menschen mit abgelaufener Lebenszeit (3.Pl.Präs., Nom.Pl.)

viśīlā bhinnamaryādā nityaṃ saṃkīrṇamaithunāḥ; alpāyuṣo bhavantīha narā nirayagāminaḥ

Sittenlose, die die Schranken durchbrochen haben, stets im Beischlaf Vermischende: kurzlebig werden hier solche Menschen, die zur Hölle gehen.

Wort für Wort
viśīlā bhinnamaryādāḥ
sittenlos, mit durchbrochenen Schranken (Nom.Pl.)
nityaṃ saṃkīrṇamaithunāḥ
stets mit vermischtem Beischlaf (Adv., Nom.Pl.)
alpāyuṣo bhavantīha
kurzlebig werden sie hier (Nom.Pl., 3.Pl.Präs.)
narā nirayagāminaḥ
die Menschen, zur Hölle gehend (Nom.Pl.)

sarvalakṣaṇahīno 'pi samudācāravān naraḥ; śraddadhāno 'nasūyaś ca śataṃ varṣāṇi jīvati

Auch wer aller [Glücks-]Merkmale bar ist: ein Mann von rechtem Wandel, gläubig und ohne Missgunst, lebt hundert Jahre.

Wort für Wort
sarvalakṣaṇahīno 'pi
auch aller Merkmale bar (Nom.Sg.)
samudācāravān naraḥ
ein Mann mit rechtem Wandel (Nom.Sg.)
śraddadhāno 'nasūyaś ca
gläubig und missgunstlos (Part.Präs.Med., Nom.Sg.)
śataṃ varṣāṇi jīvati
hundert Jahre lebt er (Akk.Pl., 3.Sg.Präs.)

akrodhanaḥ satyavādī bhūtānām avihiṃsakaḥ; anasūyur ajihmaś ca śataṃ varṣāṇi jīvati

Zornlos, wahrhaftig, den Wesen nicht schadend, ohne Missgunst und aufrichtig: [so einer] lebt hundert Jahre.

Wort für Wort
akrodhanaḥ satyavādī
zornlos, wahrheitsredend (Nom.Sg.)
bhūtānām avihiṃsakaḥ
den Wesen nicht schadend (Gen.Pl., Nom.Sg.)
anasūyur ajihmaś ca
ohne Missgunst und nicht krumm/aufrichtig (Nom.Sg.)
śataṃ varṣāṇi jīvati
hundert Jahre lebt er (Akk.Pl., 3.Sg.Präs.)

loṣṭamardī tṛṇacchedī nakhakhādī ca yo naraḥ

Wer Erdklumpen zerreibt, Gras abrupft und Nägel kaut,

Wort für Wort
loṣṭamardī tṛṇacchedī
Erdklumpen zerreibend, Gras abreißend (Nom.Sg.)
nakhakhādī ca yo naraḥ
und Nägel kauend, der Mann, der (Nom.Sg.)

sa vināśaṃ vrajaty āśu sūdako 'śucir eva ca

der geht rasch zugrunde, ebenso der Sūdaka [?] und der Unreine;

Wort für Wort
sa vināśaṃ vrajaty āśu
er geht rasch dem Untergang entgegen (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.)
sūdako 'śucir eva ca
der Sūdaka [?] und ebenso der Unreine (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). sūdaka: Bedeutung unsicher (Koch? Verleumder?); Zusatzvers der Handschriften.

nityocchiṣṭaḥ saṃkusuko nehāyur vindate mahat

wer stets von Speiseresten unrein ist, der Unstete [?]: der gewinnt hier kein langes Leben.

Wort für Wort
nityocchiṣṭaḥ
stets mit Speiseresten behaftet (Nom.Sg.)
saṃkusukaḥ
der Unstete [?] (Nom.Sg.)
nehāyur vindate mahat
hier kein langes Leben findet er (Akk.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)

saṃkusuka: unsichere Bedeutung, hier nach dem Zusammenhang (unstet/wankelmütig) [?].

brāhme muhūrte budhyeta dharmārthau cānucintayet; utthāyācamya tiṣṭheta pūrvāṃ saṃdhyāṃ kṛtāñjaliḥ

Er erwache in der Brahma-Stunde und bedenke Dharma und Nutzen; aufgestanden und mit Wasser gespült, verweile er bei der Morgendämmerung, die Hände zum Gruß gefaltet.

Wort für Wort
brāhme muhūrte budhyeta
in der Brahma-Stunde soll er erwachen (Lok.Sg., Opt.Med.)
dharmārthau cānucintayet
und Dharma und Nutzen bedenken (Akk.Du., Opt.3.Sg.)
utthāyācamya tiṣṭheta
aufgestanden, Wasser genippt habend soll er stehen/verweilen (Abs., Opt.Med.)
pūrvāṃ saṃdhyāṃ kṛtāñjaliḥ
die erste Dämmerung, mit gefalteten Händen (Akk.Sg., Nom.Sg.)

evam evāparāṃ saṃdhyāṃ samupāsīta vāgyataḥ

Ebenso verehre er die spätere Dämmerung, schweigend.

Wort für Wort
evam evāparāṃ saṃdhyām
ganz ebenso die spätere Dämmerung (Akk.Sg.)
samupāsīta vāgyataḥ
soll er verehren, in der Rede gezügelt (Opt.Med., Nom.Sg.)

utthāyāvaśyakaṃ kṛtvā kṛtaśaucaḥ samāhitaḥ

Aufgestanden und das Notwendige verrichtet, gereinigt und gesammelt,

Wort für Wort
utthāyāvaśyakaṃ kṛtvā
aufgestanden, das Notwendige getan habend (Abs., Akk.Sg.)
kṛtaśaucaḥ samāhitaḥ
Reinigung vollzogen, gesammelt (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

nekṣetādityam udyantaṃ nāstaṃ yāntaṃ kadā cana

soll er nie die aufgehende Sonne anschauen, noch die untergehende;

Wort für Wort
nekṣetādityam udyantam
er soll die Sonne nicht ansehen, [wenn] aufgehend (Opt.Med., Akk.Sg., Part.Präs.)
nāstaṃ yāntaṃ kadā cana
noch untergehend, niemals (Akk.Sg., Part.Präs.)

nopasṛṣṭaṃ na vāristhaṃ na madhyaṃ nabhaso gatam

nicht die von Verfinsterung ergriffene, nicht die im Wasser [gespiegelte], nicht die zur Himmelsmitte gelangte.

Wort für Wort
nopasṛṣṭaṃ na vāristham
nicht die verfinsterte, nicht die im Wasser befindliche (Akk.Sg.)
na madhyaṃ nabhaso gatam
nicht die zur Mitte des Himmels gegangene (Akk.Sg., Gen.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

ṛṣayo dīrghasaṃdhyatvād dīrgham āyur avāpnuvan

Die Ṛṣis erlangten durch langes Dämmerungsgebet ein langes Leben.

Wort für Wort
ṛṣayo dīrghasaṃdhyatvād
die Seher wegen der Langheit ihres Dämmerungsgebets (Nom.Pl., Abl.Sg.)
dīrgham āyur avāpnuvan
erlangten langes Leben (Akk.Sg., 3.Pl.Impf.)

sa darbhapāṇis tat kurvan vāgyatas tanmanāḥ śuciḥ

Er, das Darbha-Gras in der Hand, dies tuend, schweigend, mit dem Sinn darauf gerichtet, rein.

Wort für Wort
sa darbhapāṇis
er, Darbha-Gras in der Hand (Nom.Sg.)
tat kurvan vāgyataḥ
dies tuend, schweigend (Part.Präs., Nom.Sg.)
tanmanāḥ śuciḥ
mit dem Sinn darauf, rein (Nom.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tasmāt tiṣṭhet sadā pūrvāṃ paścimāṃ caiva vāgyataḥ

Darum verweile er stets in der früheren und in der späteren [Dämmerung], schweigend.

Wort für Wort
tasmāt tiṣṭhet sadā
darum soll er stets verweilen (Abl.Sg., Opt.3.Sg.)
pūrvāṃ paścimāṃ caiva
die frühere und die spätere (Akk.Sg.)
vāgyataḥ
in der Rede gezügelt (Nom.Sg.)

ye ca pūrvām upāsante dvijāḥ saṃdhyāṃ na paścimām; sarvāṃs tān dhārmiko rājā śūdrakarmāṇi kārayet

Welche Zweimalgeborenen nur die frühere Dämmerung verehren, nicht die spätere: alle diese soll ein dharmagemäßer König Śūdra-Arbeiten verrichten lassen.

Wort für Wort
ye ca pūrvām upāsante
und die, die die frühere verehren (3.Pl.Präs.Med., Akk.Sg.)
dvijāḥ saṃdhyāṃ na paścimām
Zweimalgeborene, die Dämmerung, nicht die spätere (Nom.Pl.)
sarvāṃs tān dhārmiko rājā
alle diese, ein dharmagemäßer König (Akk.Pl., Nom.Sg.)
śūdrakarmāṇi kārayet
soll Śūdra-Arbeiten verrichten lassen (Akk.Pl., Opt.Kaus.)

paradārā na gantavyāḥ sarvavarṇeṣu karhi cit; na hīdṛśam anāyuṣyaṃ loke kiṃ cana vidyate; yādṛśaṃ puruṣasyeha paradāropasevanam

Fremde Frauen darf man niemals aufsuchen, unter keinem der Stände; denn nichts gibt es in der Welt, was so lebensverkürzend wäre wie für einen Mann hier der Umgang mit der Frau eines anderen.

Wort für Wort
paradārā na gantavyāḥ
fremde Frauen sind nicht aufzusuchen (Nom.Pl., Gerundiv)
sarvavarṇeṣu karhi cit
unter allen Ständen, je (Lok.Pl.)
na hīdṛśam anāyuṣyaṃ
denn nichts so Lebensverkürzendes (Nom.Sg.)
loke kiṃ cana vidyate
gibt es in der Welt (Lok.Sg., 3.Sg.Präs.Pass.)
yādṛśaṃ puruṣasyeha
wie es für den Mann hier [ist] (Gen.Sg.)
paradāropasevanam
das Beiwohnen bei fremden Frauen (Nom.Sg.)

yāvaṃto romakūpāḥ syuḥ strīṇāṃ gātreṣu nirmitāḥ; tāvad varṣasahasrāṇi narakaṃ paryupāsate

So viele Haarporen am Körper der Frauen geschaffen sind, so viele tausend Jahre halten sie [sich] in der Hölle auf.

Wort für Wort
yāvaṃto romakūpāḥ syuḥ
so viele Haarporen es geben mag (Nom.Pl., Opt.3.Pl.)
strīṇāṃ gātreṣu nirmitāḥ
an den Gliedern der Frauen geschaffen (Gen.Pl., Lok.Pl., Part.Pass.)
tāvad varṣasahasrāṇi
so viele tausend Jahre (Akk.Pl.)
narakaṃ paryupāsate
in der Hölle verweilen sie (Akk.Sg., 3.Pl.Präs.Med.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tādṛśaṃ vidyate kiṃ cid anāyuṣyaṃ nṛṇām iha

Etwas so Lebensverkürzendes gibt es für Menschen hier [sonst] kaum.

Wort für Wort
tādṛśaṃ vidyate kiṃ cid
etwas Derartiges gibt es (Nom.Sg., 3.Sg.Präs.Pass.)
anāyuṣyaṃ nṛṇām iha
Lebensverkürzendes für Menschen hier (Nom.Sg., Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tādṛśaṃ puruṣasyeha dhanāyuṣyaharaṃ nṛṇām

Ebenso [ist] für den Menschen hier [nichts], was so Reichtum und Leben raubt.

Wort für Wort
tādṛśaṃ puruṣasyeha
ein Derartiges für den Mann hier (Gen.Sg.)
dhanāyuṣyaharaṃ nṛṇām
Reichtum und Leben raubend, für Menschen (Nom.Sg./Gen.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Verkürzter Zusatzvers; Konstruktion elliptisch, Ergänzung nach Vers 29–31.

prasādhanaṃ ca keśānām añjanaṃ dantadhāvanam; pūrvāhṇa eva kurvīta devatānāṃ ca pūjanam

Das Herrichten der Haare, das Salben der Augen, das Zähneputzen und die Verehrung der Götter: das verrichte er schon am Vormittag.

Wort für Wort
prasādhanaṃ ca keśānām
und das Herrichten der Haare (Nom.Sg., Gen.Pl.)
añjanaṃ dantadhāvanam
das Salben der Augen, das Zähneputzen (Nom.Sg.)
pūrvāhṇa eva kurvīta
am Vormittag eben soll er tun (Lok.Sg., Opt.Med.)
devatānāṃ ca pūjanam
und die Verehrung der Götter (Gen.Pl., Akk.Sg.)

purīṣamūtre nodīkṣen nādhitiṣṭhet kadā cana; udakyayā ca saṃbhāṣāṃ na kurvīta kadā cana

Kot und Urin soll er nicht ansehen und nie darauf treten; mit einer menstruierenden Frau soll er niemals sprechen.

Wort für Wort
purīṣamūtre nodīkṣet
Kot und Urin soll er nicht ansehen (Akk.Du., Opt.3.Sg.)
nādhitiṣṭhet kadā cana
nicht betreten, niemals (Opt.3.Sg.)
udakyayā ca saṃbhāṣām
und mit einer Menstruierenden Gespräch (Instr.Sg., Akk.Sg.)
na kurvīta kadā cana
soll er niemals führen (Opt.Med.)

notsṛjeta purīṣaṃ ca kṣetre grāmasya cāntike; ubhe mūtrapurīṣe tu nāpsu kuryāt kadā cana

Er soll keinen Kot absetzen auf dem Feld oder in der Nähe des Dorfes; beides, Urin und Kot, soll er niemals ins Wasser [entleeren].

Wort für Wort
notsṛjeta purīṣaṃ ca
er soll nicht absetzen den Kot (Opt.Med., Akk.Sg.)
kṣetre grāmasya cāntike
auf dem Feld und in der Nähe des Dorfes (Lok.Sg., Gen.Sg., Lok.Sg.)
ubhe mūtrapurīṣe tu
beides aber, Urin und Kot (Akk.Du.)
nāpsu kuryāt kadā cana
nicht ins Wasser soll er tun, niemals (Lok.Pl., Opt.3.Sg.)

annaṃ bubhukṣamāṇas tu trir mukhena spṛśed apaḥ; bhuktvā cānnaṃ tathaiva trir dviḥ punaḥ parimārjayet

Wer Speise zu sich nehmen will, berühre dreimal mit dem Mund Wasser; und nach dem Essen ebenso dreimal, [und] zweimal wische er nochmals ab.

Wort für Wort
annaṃ bubhukṣamāṇas tu
wer aber Speise zu essen wünscht (Akk.Sg., Part.Desid.)
trir mukhena spṛśed apaḥ
dreimal mit dem Mund berühre er das Wasser (Instr.Sg., Opt.3.Sg., Akk.Pl.)
bhuktvā cānnaṃ tathaiva trir
und nach dem Speisen ebenso dreimal (Abs., Akk.Sg.)
dviḥ punaḥ parimārjayet
zweimal wieder abwischen (Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; der genaue Ablauf des Wassernippens (ācamana) ist knapp angedeutet.

devālaye 'tha govṛnde caitye sasyeṣu viśrame; bhokṣyan bhuktvā kṣute 'dhvānaṃ gatvā mūtrapurīṣayoḥ; dvir ācāmed yathānyāyaṃ hṛdgataṃ tu pibann apaḥ

Im Tempel, bei einer Rinderherde, am Caitya, bei Feldfrüchten, bei einer Rast; wer essen will, gegessen hat, geniest hat, einen Weg gegangen ist, nach Urin und Kot: zweimal soll er nach Vorschrift Wasser nippen, [und] Wasser trinkend, das das Herz erreicht [?].

Wort für Wort
devālaye 'tha govṛnde
im Götterhaus und bei der Kuhherde (Lok.Sg.)
caitye sasyeṣu viśrame
am Caitya, bei Feldfrüchten, bei der Rast (Lok.Sg./Pl.)
bhokṣyan bhuktvā kṣute
wer essen wird, gegessen hat, geniest hat (Part.Fut., Abs., Lok.Sg.)
'dhvānaṃ gatvā mūtrapurīṣayoḥ
den Weg gegangen, [nach] Urin und Kot (Akk.Sg., Abs., Gen.Du.)
dvir ācāmed yathānyāyam
zweimal soll er Wasser nippen, vorschriftsgemäß (Opt.3.Sg.)
hṛdgataṃ tu pibann apaḥ
Wasser trinkend, das zum Herzen gelangt (Akk.Sg., Part.Präs., Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, syntaktisch lose gereiht; die Aufzählung der Anlässe für das Wassernippen ist elliptisch.

prāṅmukho nityam aśnīyād vāgyato 'nnam akutsayan; praskandayec ca manasā bhuktvā cāgnim upaspṛśet

Nach Osten gewandt soll er stets essen, schweigend, die Speise nicht schmähend; er soll [sie] im Geist [dem inneren Feuer] darbringen [?], und nach dem Essen das Feuer berühren.

Wort für Wort
prāṅmukho nityam aśnīyād
nach Osten gewandt soll er stets essen (Nom.Sg., Opt.3.Sg.)
vāgyato 'nnam akutsayan
schweigend, die Speise nicht schmähend (Nom.Sg., Part.Präs.)
praskandayec ca manasā
und er soll im Geist darbringen [?] (Opt.Kaus., Instr.Sg.)
bhuktvā cāgnim upaspṛśet
und nach dem Essen das Feuer berühren (Abs., Akk.Sg., Opt.3.Sg.)

praskandayet: Bedeutung hier unsicher (darbringen/hinabgleiten lassen) [?].

tatrācāntaḥ spṛśed agniṃ tathā mṛdugatir vrajet

Dort, nachdem er Wasser genippt hat, berühre er das Feuer; dann gehe er mit sanftem Schritt.

Wort für Wort
tatrācāntaḥ
dort, Wasser genippt habend (Adv., Part.Perf.Pass.)
spṛśed agniṃ
er soll das Feuer berühren (Opt.3.Sg., Akk.Sg.)
tathā mṛdugatir vrajet
dann mit sanftem Gang gehe er (Nom.Sg., Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

āyuṣyaṃ prāṅmukho bhuṅkte yaśasyaṃ dakṣiṇāmukhaḥ; dhanyaṃ paścānmukho bhuṅkte ṛtaṃ bhuṅkte udaṅmukhaḥ

Langes Leben bringt das Essen nach Osten gewandt, Ruhm nach Süden gewandt, Wohlstand nach Westen gewandt; nach Norden gewandt isst man die [Welt-]Ordnung.

Wort für Wort
āyuṣyaṃ prāṅmukho bhuṅkte
lebensfördernd isst, wer nach Osten gewandt ist (Nom.Sg., 3.Sg.Präs.Med.)
yaśasyaṃ dakṣiṇāmukhaḥ
ruhmbringend, nach Süden gewandt (Nom.Sg.)
dhanyaṃ paścānmukho bhuṅkte
wohlstandbringend isst, wer nach Westen gewandt ist (Nom.Sg.)
ṛtaṃ bhuṅkte udaṅmukhaḥ
die Ordnung isst, nach Norden gewandt (Akk.Sg., Nom.Sg.)

ṛtaṃ bhuṅkte: wörtlich „isst das Rechte/die Ordnung“; Sinn unsicher.

agnim ālabhya toyena sarvān prāṇān upaspṛśet; gātrāṇi caiva sarvāṇi nābhiṃ pāṇitalena tu

Nachdem er das Feuer berührt hat, soll er mit Wasser alle Lebenshauche berühren, ebenso alle Glieder und den Nabel mit der Handfläche.

Wort für Wort
agnim ālabhya toyena
das Feuer berührt habend, mit Wasser (Akk.Sg., Abs., Instr.Sg.)
sarvān prāṇān upaspṛśet
alle Lebenshauche soll er berühren (Akk.Pl., Opt.3.Sg.)
gātrāṇi caiva sarvāṇi
und ebenso alle Glieder (Akk.Pl.)
nābhiṃ pāṇitalena tu
und den Nabel mit der Handfläche (Akk.Sg., Instr.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

agrāsano jitakrodhī bālapūrvas tv alaṃkṛtaḥ; ghṛtāhutiviśuddhānnaṃ hutāgniś cākṣipan graset

Wer den vordersten Sitz [innehat] [?], den Zorn besiegt, zuerst die Kinder [bedient], geschmückt, mit Ghee-Spenden gereinigter Speise, nachdem er ins Feuer geopfert hat: [der] soll essen, ohne [etwas] wegzuwerfen.

Wort für Wort
agrāsano jitakrodhī
den Vordersitz innehabend [?], den Zorn bezwungen (Nom.Sg.)
bālapūrvas tv alaṃkṛtaḥ
mit den Kindern zuerst, geschmückt (Nom.Sg.)
ghṛtāhutiviśuddhānnam
mit durch Ghee-Spenden gereinigter Speise (Akk.Sg.)
hutāgniś cākṣipan graset
das Feuer beopfert habend, nichts wegwerfend soll er essen (Nom.Sg., Part.Präs., Opt.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers, im Text schwierig und wohl verderbt; agrāsana und ākṣipan unsicher.

nādhitiṣṭhet tuṣāñ jātu keśabhasmakapālikāḥ; anyasya cāpy upasthānaṃ dūrataḥ parivarjayet

Er soll nie auf Spreu, Haare, Asche und Schädelschalen treten; und das Herantreten an einen anderen [?] meide er von fern.

Wort für Wort
nādhitiṣṭhet tuṣāñ jātu
er soll nie auf Spreu treten (Opt.3.Sg., Akk.Pl.)
keśabhasmakapālikāḥ
Haare, Asche, Schädelschalen (Akk.Pl., Kompositum)
anyasya cāpy upasthānam
und auch das Herantreten an einen anderen [?] (Gen.Sg., Akk.Sg.)
dūrataḥ parivarjayet
von fern meide er (Adv., Opt.3.Sg.)

anyasya upasthānam: Bedeutung unsicher (Aufwartung/Herantreten bei einem anderen) [?].

śāntihomāṃś ca kurvīta sāvitrāṇi ca kārayet; niṣaṇṇaś cāpi khādeta na tu gacchan kathaṃ cana

Er soll Beschwichtigungsopfer vollziehen und Sāvitra-Riten durchführen lassen; auch essen soll er im Sitzen, niemals aber im Gehen.

Wort für Wort
śāntihomān ca kurvīta
und Beschwichtigungsopfer soll er vollziehen (Akk.Pl.; Opt.Med.)
sāvitrāṇi ca kārayet
und Sāvitra-Riten soll er ausführen lassen (Akk.Pl.; Kausativ-Opt.)
niṣaṇṇaḥ ca api khādeta
und auch sitzend soll er essen (Part.Pass. Nom.; Opt.Med.)
na tu gacchan kathaṃ cana
nicht aber gehend, auf keine Weise (Part.Präs. Nom.)

mūtraṃ na tiṣṭhatā kāryaṃ na bhasmani na govraje

Urin soll man nicht stehend lassen, nicht auf Asche und nicht im Kuhstall.

Wort für Wort
mūtraṃ na tiṣṭhatā kāryam
Urin darf nicht von einem Stehenden gelassen werden (Akk.; Instr.Part.; Gerundiv)
na bhasmani
nicht auf Asche (Lok.)
na govraje
nicht im Kuhstall (Lok.)

ārdrapādas tu bhuñjīta nārdrapādas tu saṃviśet; ārdrapādas tu bhuñjāno varṣāṇāṃ jīvate śatam

Mit nassen Füßen soll man essen, mit nassen Füßen aber nicht sich hinlegen; wer mit nassen Füßen isst, lebt hundert Jahre.

Wort für Wort
ārdrapādaḥ tu bhuñjīta
mit nassen Füßen aber soll man essen (Nom.; Opt.Med.)
na ārdrapādaḥ tu saṃviśet
mit nassen Füßen aber nicht sich hinlegen (Opt.)
ārdrapādaḥ tu bhuñjānaḥ
wer mit nassen Füßen isst (Part.Präs.Med. Nom.)
varṣāṇāṃ jīvate śatam
lebt hundert von Jahren (Gen.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.; Akk.)

trīṇi tejāṃsi nocchiṣṭa ālabheta kadā cana; agniṃ gāṃ brāhmaṇaṃ caiva tathāsyāyur na riṣyate

Drei Lichtkräfte soll man im unreinen Zustand niemals berühren: Feuer, Kuh und Brahmane; so wird sein Leben nicht geschädigt.

Wort für Wort
trīṇi tejāṃsi
drei Lichtkräfte (Akk.Pl.n.)
na ucchiṣṭaḥ ālabheta kadā cana
nicht soll ein Unreiner berühren, niemals (Nom.; Opt.Med.)
agniṃ gāṃ brāhmaṇaṃ ca eva
Feuer, Kuh und Brahmane (Akk.)
tathā asya āyuḥ na riṣyate
dann wird sein Leben nicht verletzt (Gen.; Nom.; Pass.Fut.)

trīṇi tejāṃsi nocchiṣṭa udīkṣeta kadā cana; sūryācandramasau caiva nakṣatrāṇi ca sarvaśaḥ

Drei Lichtkräfte soll man im unreinen Zustand niemals anblicken: Sonne und Mond und alle Sterne insgesamt.

Wort für Wort
trīṇi tejāṃsi
drei Lichtkräfte (Akk.Pl.n.)
na ucchiṣṭaḥ udīkṣeta kadā cana
nicht soll ein Unreiner hinaufschauen, niemals (Opt.Med.)
sūryācandramasau ca eva
Sonne und Mond (Dvandva Akk.Du.)
nakṣatrāṇi ca sarvaśaḥ
und die Sterne insgesamt (Akk.Pl.)

ūrdhvaṃ prāṇā hy utkrāmanti yūnaḥ sthavira āyati; pratyutthānābhivādābhyāṃ punas tān pratipadyate

Aufwärts entweichen die Lebenshauche eines Jungen, wenn ein Älterer herankommt; durch Aufstehen und Begrüßen gewinnt er sie wieder zurück.

Wort für Wort
ūrdhvaṃ prāṇāḥ hi utkrāmanti
aufwärts ja entweichen die Lebenshauche (Adv.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
yūnaḥ
des Jungen (Gen.Sg.)
sthavire āyati
wenn der Ältere kommt (Lok.abs.; Part.Präs. Lok.)
pratyutthāna-abhivādābhyām
durch Entgegenaufstehen und Begrüßen (Instr.Du.)
punaḥ tān pratipadyate
wieder erlangt er sie (3.Sg.Präs.Med.)

abhivādayeta vṛddhāṃś ca āsanaṃ caiva dāpayet; kṛtāñjalir upāsīta gacchantaṃ pṛṣṭhato 'nviyāt

Man soll die Alten begrüßen und ihnen einen Sitz bereitstellen lassen; mit gefalteten Händen soll man aufwarten und dem Weggehenden hinterher folgen.

Wort für Wort
abhivādayeta vṛddhān ca
begrüßen soll er und die Alten (Kausativ-Opt.Med.; Akk.Pl.)
āsanaṃ ca eva dāpayet
und einen Sitz soll er reichen lassen (Akk.; Kausativ-Opt.)
kṛtāñjaliḥ upāsīta
mit gefalteten Händen soll er aufwarten (Nom.; Opt.Med.)
gacchantaṃ pṛṣṭhataḥ anviyāt
dem Gehenden von hinten folgen (Part.Akk.; Adv.; Opt.)

na cāsītāsane bhinne bhinnaṃ kāṃsyaṃ ca varjayet; naikavastreṇa bhoktavyaṃ na nagnaḥ snātum arhati; svaptavyaṃ naiva nagnena na cocchiṣṭo 'pi saṃviśet

Man soll nicht auf einem zerbrochenen Sitz sitzen und zerbrochenes Bronzegeschirr meiden; nicht mit nur einem Gewand soll gegessen werden, nackt darf man nicht baden; nackt soll man keinesfalls schlafen, und auch unrein soll man sich nicht hinlegen.

Wort für Wort
na ca āsīta āsane bhinne
und nicht soll er sitzen auf zerbrochenem Sitz (Opt.Med.; Lok.)
bhinnaṃ kāṃsyaṃ ca varjayet
und zerbrochenes Bronzegefäß meiden (Akk.; Opt.)
na ekavastreṇa bhoktavyam
nicht mit einem Gewand ist zu essen (Instr.; Gerundiv)
na nagnaḥ snātum arhati
nicht darf ein Nackter baden (Nom.; Inf.; 3.Sg.Präs.)
svaptavyaṃ na eva nagnena
geschlafen werden darf keinesfalls von einem Nackten (Gerundiv; Instr.)
na ca ucchiṣṭaḥ api saṃviśet
und auch nicht soll ein Unreiner sich hinlegen (Opt.)

ucchiṣṭo na spṛśec chīrṣaṃ sarve prāṇās tadāśrayāḥ; keśagrahān prahārāṃś ca śirasy etān vivarjayet

Unrein soll man den Kopf nicht berühren, denn alle Lebenshauche haben dort ihren Sitz; Haarerfassen und Schläge auf den Kopf soll man meiden.

Wort für Wort
ucchiṣṭaḥ na spṛśet śīrṣam
ein Unreiner soll nicht berühren den Kopf (Opt.; Akk.)
sarve prāṇāḥ tad-āśrayāḥ
alle Lebenshauche haben dort ihren Sitz (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
keśagrahān prahārān ca
Haarepacken und Schläge (Akk.Pl.)
śirasi etān vivarjayet
am Kopf, diese soll er meiden (Lok.; Akk.; Opt.)

na pāṇibhyām ubhābhyāṃ ca kaṇḍūyej jātu vai śiraḥ; na cābhīkṣṇaṃ śiraḥ snāyāt tathāsyāyur na riṣyate

Man soll sich den Kopf niemals mit beiden Händen kratzen und den Kopf nicht häufig waschen; so wird sein Leben nicht geschädigt.

Wort für Wort
na pāṇibhyām ubhābhyāṃ ca
und nicht mit beiden Händen (Instr.Du.)
kaṇḍūyet jātu vai śiraḥ
soll er kratzen jemals wahrlich den Kopf (Opt.; Akk.)
na ca abhīkṣṇaṃ śiraḥ snāyāt
und nicht häufig den Kopf baden (Adv.; Opt.)
tathā asya āyuḥ na riṣyate
so wird sein Leben nicht verletzt (Pass.Fut.)

śiraḥsnātaś ca tailena nāṅgaṃ kiṃ cid upaspṛśet; tilapiṣṭaṃ na cāśnīyāt tathāyur vindate mahat

Nach dem Kopfbad mit Öl soll man kein Körperglied damit berühren; Sesambrei soll man nicht essen, dann erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
śiraḥsnātaḥ ca tailena
und wer den Kopf gebadet hat, mit Öl (Nom.; Instr.)
na aṅgaṃ kiṃ cit upaspṛśet
nicht irgendein Glied soll er berühren (Akk.; Opt.)
tilapiṣṭaṃ na ca aśnīyāt
Sesambrei soll er auch nicht essen (Akk.; Opt.)
tathā āyuḥ vindate mahat
so erlangt er ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)

tailena wohl auf das Öl im Haar bezogen; Konstruktion knapp.

nādhyāpayet tathocchiṣṭo nādhīyīta kadā cana; vāte ca pūtigandhe ca manasāpi na cintayet

Auch soll man nicht unrein unterrichten und niemals rezitieren; bei Wind und bei Fäulnisgeruch soll man nicht einmal in Gedanken [daran] denken.

Wort für Wort
na adhyāpayet tathā ucchiṣṭaḥ
nicht soll er unterrichten, ebenso als Unreiner (Kausativ-Opt.)
na adhīyīta kadā cana
nicht soll er [den Veda] rezitieren, niemals (Opt.Med.)
vāte ca pūtigandhe ca
bei Wind und bei Fäulnisgeruch (Lok.)
manasā api na cintayet
nicht einmal mit dem Geist soll er denken (Instr.; Opt.)

Objekt (Veda-Studium) zu ergänzen.

atra gāthā yamodgītāḥ kīrtayanti purāvidaḥ; āyur asya nikṛntāmi prajām asyādade tathā

Hierzu besingen die Kenner der Vorzeit die von Yama gesungenen Strophen: „Sein Leben schneide ich ab, seine Nachkommenschaft nehme ich ebenso [an mich].“

Wort für Wort
atra gāthāḥ yamodgītāḥ
hierzu Strophen, von Yama gesungen (Nom.Pl.; Part.Pass.)
kīrtayanti purāvidaḥ
besingen die Kenner der Vorzeit (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
āyuḥ asya nikṛntāmi
sein Leben schneide ich ab (Akk.; Gen.; 1.Sg.Präs.)
prajām asya ādade tathā
seine Nachkommenschaft nehme ich, ebenso (Akk.; 1.Sg.Perf.Med./Präs.)

ya ucchiṣṭaḥ pravadati svādhyāyaṃ cādhigacchati; yaś cānadhyāyakāle 'pi mohād abhyasyati dvijaḥ

Wer unrein spricht und den Veda-Vortrag betreibt, und wer, ein Zweimalgeborener, auch zur Nicht-Studierzeit aus Verblendung übt,

Wort für Wort
yaḥ ucchiṣṭaḥ pravadati
wer unrein spricht (Nom.; 3.Sg.Präs.)
svādhyāyaṃ ca adhigacchati
und den Vedavortrag erlangt/betreibt (Akk.; 3.Sg.Präs.)
yaḥ ca anadhyāyakāle api
und wer auch zur Zeit der Studierpause (Lok.)
mohāt abhyasyati dvijaḥ
aus Verblendung übt, der Zweimalgeborene (Abl.; 3.Sg.Präs.; Nom.)

tasya vedaḥ praṇaśyeta āyuś ca parihīyate

dessen Veda geht verloren, und sein Leben schwindet dahin.

Wort für Wort
tasya vedaḥ praṇaśyeta
dessen Veda möge verloren gehen (Gen.; Nom.; Opt.)
āyuḥ ca parihīyate
und das Leben nimmt ab (Nom.; Pass.Präs.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (nur in einem Teil der Handschriften).

na śūdrapatitābhyāśe caṇḍālaśravaṇena ca

[Auch soll man nicht rezitieren] in der Nähe von Śūdras und Ausgestoßenen und nicht beim Hören eines Caṇḍāla.

Wort für Wort
na śūdrapatita-abhyāśe
nicht in der Nähe von Śūdra und Ausgestoßenem (Lok.)
caṇḍālaśravaṇena ca
und durch das Hören eines Caṇḍāla (Instr.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Verb ergänzt aus dem Kontext (adhīyīta).

tasmād yukto 'py anadhyāye nādhīyīta kadā cana

Darum soll man, auch wenn man gesammelt ist, zur Nicht-Studierzeit niemals rezitieren.

Wort für Wort
tasmāt yuktaḥ api
darum, auch wenn gesammelt (Abl.; Part.Pass. Nom.)
anadhyāye
in der Studierpause (Lok.)
na adhīyīta kadā cana
nicht soll er rezitieren, niemals (Opt.Med.)

praty ādityaṃ praty anilaṃ prati gāṃ ca prati dvijān; ye mehanti ca panthānaṃ te bhavanti gatāyuṣaḥ

Wer gegen die Sonne, gegen den Wind, gegen eine Kuh und gegen Zweimalgeborene, [wer] auf den Weg uriniert, die werden derer, deren Lebenszeit dahin ist.

Wort für Wort
prati ādityaṃ prati anilam
gegen die Sonne, gegen den Wind (Akk.)
prati gāṃ ca prati dvijān
gegen die Kuh und gegen die Zweimalgeborenen (Akk.)
ye mehanti ca panthānam
und die, die uriniert auf den Weg (Rel.Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.; Akk.)
te bhavanti gatāyuṣaḥ
die werden solche, deren Leben dahin ist (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)

ubhe mūtrapurīṣe tu divā kuryād udaṅmukhaḥ; dakṣiṇābhimukho rātrau tathāsyāyur na riṣyate

Beide, Urin und Kot, soll man tagsüber mit dem Gesicht nach Norden lassen, in der Nacht mit dem Gesicht nach Süden; so wird sein Leben nicht geschädigt.

Wort für Wort
ubhe mūtrapurīṣe tu
beides aber, Urin und Kot (Akk.Du.n.)
divā kuryāt udaṅmukhaḥ
bei Tag soll er verrichten, nach Norden gewandt (Adv.; Opt.; Nom.)
dakṣiṇābhimukhaḥ rātrau
nach Süden gewandt in der Nacht (Nom.; Lok.)
tathā asya āyuḥ na riṣyate
so wird sein Leben nicht verletzt

trīn kṛśān nāvajānīyād dīrgham āyur jijīviṣuḥ; brāhmaṇaṃ kṣatriyaṃ sarpaṃ sarve hy āśīviṣās trayaḥ

Drei Schmächtige soll man nicht geringschätzen, wer ein langes Leben zu leben wünscht: den Brahmanen, den Kṣatriya und die Schlange; denn alle drei sind Giftschlangen.

Wort für Wort
trīn kṛśān na avajānīyāt
drei Schmächtige soll man nicht geringschätzen (Akk.Pl.; Opt.)
dīrgham āyuḥ jijīviṣuḥ
wer langes Leben zu leben wünscht (Akk.; Desiderativ-Adj. Nom.)
brāhmaṇaṃ kṣatriyaṃ sarpam
den Brahmanen, den Kṣatriya, die Schlange (Akk.)
sarve hi āśīviṣāḥ trayaḥ
alle nämlich sind Giftschlangen, die drei (Nom.Pl.)

dahaty āśīviṣaḥ kruddho yāvat paśyati cakṣuṣā; kṣatriyo 'pi dahet kruddho yāvat spṛśati tejasā

Die Giftschlange verbrennt im Zorn, soweit sie mit dem Auge blickt; auch der Kṣatriya verbrennt im Zorn, soweit er mit [seiner] Glut berührt.

Wort für Wort
dahati āśīviṣaḥ kruddhaḥ
es verbrennt die Giftschlange, erzürnt (3.Sg.Präs.; Nom.; Part.Pass.)
yāvat paśyati cakṣuṣā
soweit sie sieht mit dem Auge (3.Sg.Präs.; Instr.)
kṣatriyaḥ api dahet kruddhaḥ
auch der Kṣatriya verbrennt, erzürnt (Opt./Potential)
yāvat spṛśati tejasā
soweit er berührt mit Glanz/Glut (3.Sg.Präs.; Instr.)

brāhmaṇas tu kulaṃ hanyād dhyānenāvekṣitena ca; tasmād etat trayaṃ yatnād upaseveta paṇḍitaḥ

Der Brahmane aber vernichtet die Sippe durch Sinnen und durch [seinen] Blick; darum soll der Kluge diese drei mit Sorgfalt achten.

Wort für Wort
brāhmaṇaḥ tu kulaṃ hanyāt
der Brahmane aber vernichte/vernichtet das Geschlecht (Nom.; Akk.; Opt.)
dhyānena avekṣitena ca
durch Sinnen und durch Anblick (Instr.; Part.Pass. Instr.)
tasmāt etat trayaṃ yatnāt
darum diese Dreiheit mit Sorgfalt (Abl.; Akk.; Abl.)
upaseveta paṇḍitaḥ
soll ehren der Kluge (Opt.Med.; Nom.)

guruṇā vairanirbandho na kartavyaḥ kadā cana; anumānyaḥ prasādyaś ca guruḥ kruddho yudhiṣṭhira

Mit dem Lehrer soll man niemals hartnäckige Feindschaft pflegen; ein zürnender Lehrer ist zu besänftigen und zu versöhnen, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
guruṇā vairanirbandhaḥ
mit dem Lehrer Feindschaftsbeharren (Instr.; Nom.)
na kartavyaḥ kadā cana
ist nicht zu machen, niemals (Gerundiv)
anumānyaḥ prasādyaḥ ca
zu begütigen und zu besänftigen (Gerundive Nom.)
guruḥ kruddhaḥ yudhiṣṭhira
der zürnende Lehrer, Yudhiṣṭhira (Nom.; Vok.)

samyaṅ mithyāpravṛtte 'pi vartitavyaṃ gurāv iha; gurunindā dahaty āyur manuṣyāṇāṃ na saṃśayaḥ

Man soll sich hier gegenüber dem Lehrer recht verhalten, auch wenn er verkehrt handelt; Schmähung des Lehrers verbrennt das Leben der Menschen, daran ist kein Zweifel.

Wort für Wort
samyak mithyāpravṛtte api
recht, auch wenn er verkehrt handelt (Adv.; Part.Lok.)
vartitavyaṃ gurau iha
ist zu verhalten gegenüber dem Lehrer hier (Gerundiv; Lok.)
gurunindā dahati āyuḥ
Lehrerschmähung verbrennt das Leben (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)
manuṣyāṇāṃ na saṃśayaḥ
der Menschen, kein Zweifel (Gen.Pl.; Nom.)

dūrād āvasathān mūtraṃ dūrāt pādāvasecanam; ucchiṣṭotsarjanaṃ caiva dūre kāryaṃ hitaiṣiṇā

Fern vom Wohnhaus [soll man] Urin [lassen], fern das Fußwaschwasser [ausgießen], und das Wegschütten von Speiseresten soll fern geschehen, von einem, der sein Wohl wünscht.

Wort für Wort
dūrāt āvasathāt mūtram
fern vom Wohnhaus den Urin (Abl.; Abl.; Akk.)
dūrāt pādāvasecanam
fern das Ausgießen des Fußwassers (Akk.)
ucchiṣṭa-utsarjanaṃ ca eva
und das Wegwerfen der Reste (Akk.)
dūre kāryaṃ hitaiṣiṇā
in der Ferne ist zu tun von dem Heilsuchenden (Lok.; Gerundiv; Instr.)

nātikalpaṃ nātisāyaṃ na ca madhyaṃdine sthite; nājñātaiḥ saha gaccheta naiko na vṛṣalaiḥ saha

Nicht zu früh, nicht zu spät am Abend und nicht, wenn die Sonne im Mittag steht, soll man losgehen; nicht mit Unbekannten soll man gehen, nicht allein und nicht mit Vṛṣalas.

Wort für Wort
na atikalpaṃ na atisāyam
nicht zu früh, nicht zu spät am Abend (Adv.)
na ca madhyaṃdine sthite
und nicht wenn Mittag steht (Lok.abs.)
na ajñātaiḥ saha gaccheta
nicht mit Unbekannten soll er gehen (Instr.; Opt.)
na ekaḥ na vṛṣalaiḥ saha
nicht allein, nicht mit Vṛṣalas (Nom.; Instr.)

atikalpam: Lesart/Bedeutung „zu früh“ nicht ganz sicher [?]; vṛṣala = Niedriggeborene.

panthā deyo brāhmaṇāya gobhyo rājabhya eva ca; vṛddhāya bhārataptāya garbhiṇyai durbalāya ca

Den Weg soll man geben dem Brahmanen, den Kühen und ebenso den Königen, dem Greis, dem Lastbeladenen, der Schwangeren und dem Schwachen.

Wort für Wort
panthāḥ deyaḥ brāhmaṇāya
der Weg ist zu geben dem Brahmanen (Nom.; Gerundiv; Dat.)
gobhyaḥ rājabhyaḥ eva ca
den Kühen und den Königen (Dat.Pl.)
vṛddhāya bhārataptāya
dem Alten, dem lastgequälten (Dat.; Dat.)
garbhiṇyai durbalāya ca
der Schwangeren und dem Schwachen (Dat.f.; Dat.)

pradakṣiṇaṃ ca kurvīta parijñātān vanaspatīn; catuṣpathān prakurvīta sarvān eva pradakṣiṇān

Man soll bekannte Bäume rechts umschreiten; und alle Kreuzwege soll man so gestalten, dass man sie rechtsherum umgeht.

Wort für Wort
pradakṣiṇaṃ ca kurvīta
und rechtsherum soll er machen (Adv./Akk.; Opt.Med.)
parijñātān vanaspatīn
wohlbekannte Bäume (Akk.Pl.)
catuṣpathān prakurvīta
Kreuzwege soll er behandeln (Akk.Pl.; Opt.Med.)
sarvān eva pradakṣiṇān
alle rechtsherum (Akk.Pl.)

prakurvīta catuṣpathān … pradakṣiṇān: Sinn „Kreuzwege stets zur Rechten lassen“ [?].

madhyaṃdine niśākāle madhyarātre ca sarvadā; catuṣpathān na seveta ubhe saṃdhye tathaiva ca

Zur Mittagszeit, zur Nachtzeit und um Mitternacht, stets, soll man Kreuzwege nicht aufsuchen, ebenso nicht in beiden Dämmerungen.

Wort für Wort
madhyaṃdine niśākāle
am Mittag, zur Nachtzeit (Lok.)
madhyarātre ca sarvadā
und um Mitternacht, immer (Lok.; Adv.)
catuṣpathān na seveta
Kreuzwege soll er nicht aufsuchen (Akk.; Opt.Med.)
ubhe saṃdhye tathā eva ca
und ebenso in beiden Dämmerungen (Akk./Lok.Du.)

upānahau ca vastraṃ ca dhṛtam anyair na dhārayet; brahmacārī ca nityaṃ syāt pādaṃ pādena nākramet

Sandalen und Gewand, die von anderen getragen wurden, soll man nicht tragen; enthaltsam soll man stets sein, und nicht mit dem Fuß auf einen [anderen] Fuß treten.

Wort für Wort
upānahau ca vastraṃ ca
Sandalen und Gewand (Akk.Du.; Akk.)
dhṛtam anyaiḥ na dhārayet
von anderen getragen soll man nicht tragen (Part.Pass.; Instr.; Opt.)
brahmacārī ca nityaṃ syāt
und ein Brahmacārin soll er stets sein (Nom.; Opt.)
pādaṃ pādena na ākramet
nicht Fuß mit Fuß betreten (Akk.; Instr.; Opt.)

Zweiter Teil (pādaṃ pādena nākramet) wörtlich; Sinn: nicht mit dem einen Fuß auf den anderen treten [?].

amāvāsyāṃ paurṇamāsyāṃ caturdaśyāṃ ca sarvaśaḥ; aṣṭamyāṃ sarvapakṣāṇāṃ brahmacārī sadā bhavet

Am Neumondtag, am Vollmondtag und am vierzehnten [Mondtag], ebenso überall am achten Tag aller Halbmonate soll man stets enthaltsam sein.

Wort für Wort
amāvāsyāṃ paurṇamāsyāṃ ca
am Neumond und am Vollmond (Lok.)
caturdaśyāṃ ca sarvaśaḥ
und am vierzehnten Tag, überall (Lok.; Adv.)
aṣṭamyāṃ sarvapakṣāṇām
am achten [Tag] aller Halbmonate (Lok.; Gen.Pl.)
brahmacārī sadā bhavet
enthaltsam soll man sein stets (Nom.; Opt.)

vṛthā māṃsaṃ na khādeta pṛṣṭhamāṃsaṃ tathaiva ca; ākrośaṃ parivādaṃ ca paiśunyaṃ ca vivarjayet

Vergeblich [d. h. nicht zum Opfer] soll man kein Fleisch essen, ebenso nicht Rückenfleisch; Beschimpfung, Verleumdung und Hinterbringen soll man meiden.

Wort für Wort
vṛthā māṃsaṃ na khādeta
umsonst soll er Fleisch nicht essen (Adv.; Akk.; Opt.Med.)
pṛṣṭhamāṃsaṃ tathā eva ca
Rückenfleisch ebenso (Akk.)
ākrośaṃ parivādaṃ ca
Beschimpfung und Schmähung (Akk.)
paiśunyaṃ ca vivarjayet
und Zuträgerei soll er meiden (Akk.; Opt.)

pṛṣṭhamāṃsa: wohl im übertragenen Sinn auch „Verleumdung hinter dem Rücken“; hier wörtlich wiedergegeben [?].

nāruṃtudaḥ syān na nṛśaṃsavādī; na hīnataḥ param abhyādadīta; yayāsya vācā para udvijeta; na tāṃ vaded ruśatīṃ pāpalokyām

Kein Herzensstecher soll er sein und keiner, der grausam redet; auch soll er nicht auf niedrige Weise einen anderen [an sich reißen] [?]; mit welcher Rede der andere erschrickt, jene quälende, unheilbringende soll er nicht sprechen.

Wort für Wort
na aruṃtudaḥ syāt
nicht ein Herzstecher soll er sein (Nom.; Opt.)
na nṛśaṃsavādī
nicht einer, der grausam redet (Nom.)
na hīnataḥ param abhyādadīta
nicht durch Niedriges einen anderen sich aneignen/angreifen (Abl.-Adv.; Akk.; Opt.Med.)
yayā asya vācā paraḥ udvijeta
durch welche seine Rede ein anderer erschrickt (Instr.; Nom.; Opt.Med.)
na tāṃ vadet ruśatīṃ pāpalokyām
nicht jene soll er sprechen, die verletzende, zu schlimmen Welten führende (Akk.f.; Part.Akk.; Adj.Akk.)

vāksāyakā vadanān niṣpatanti; yair āhataḥ śocati rātryahāni; parasya nāmarmasu te patanti; tān paṇḍito nāvasṛjet pareṣu

Redepfeile fahren aus dem Mund, von denen Getroffene Nacht und Tag trauern; sie fallen bei einem anderen nicht auf Unverwundbares [d. h. sie treffen die empfindlichen Stellen]; der Weise soll sie nicht auf andere loslassen.

Wort für Wort
vāksāyakāḥ vadanāt niṣpatanti
Wortpfeile fliegen aus dem Mund heraus (Nom.Pl.; Abl.; 3.Pl.Präs.)
yaiḥ āhataḥ śocati rātryahāni
von denen Getroffener trauert Nächte und Tage (Instr.; Part.Nom.; Akk.)
parasya na amarmasu te patanti
bei einem anderen nicht auf Nicht-Empfindliches fallen sie (Gen.; Lok.Pl.)
tān paṇḍitaḥ na avasṛjet pareṣu
sie soll der Weise nicht loslassen auf andere (Akk.; Nom.; Opt.; Lok.)

rohate sāyakair viddhaṃ vanaṃ paraśunā hatam; vācā duruktaṃ bībhatsaṃ na saṃrohati vākkṣatam

Vom Pfeil Durchbohrtes wächst wieder, der vom Beil geschlagene Wald ebenso; doch was durch Rede übel gesagt wurde, das Hässliche, die Wortwunde, heilt nicht.

Wort für Wort
rohate sāyakaiḥ viddham
wächst wieder, von Pfeilen Durchbohrtes (3.Sg.Präs.Med.; Instr.; Part.)
vanaṃ paraśunā hatam
der Wald, vom Beil geschlagen (Nom.; Instr.; Part.)
vācā duruktaṃ bībhatsam
durch Rede Übelgesagtes, Abscheuliches (Instr.; Nom.n.)
na saṃrohati vākkṣatam
nicht heilt die Wortwunde (3.Sg.Präs.; Nom.)

karṇinālīkanārācān nirharanti śarīrataḥ; vākśalyas tu na nirhartuṃ śakyo hṛdiśayo hi saḥ

Ohrhaken-Pfeile, Röhrenpfeile und Eisenpfeile zieht man aus dem Körper heraus; den Wortsplitter aber kann man nicht herausziehen, denn er sitzt im Herzen.

Wort für Wort
karṇi-nālīka-nārācān
Widerhakenpfeile, Röhrenpfeile, Eisenpfeile (Akk.Pl.)
nirharanti śarīrataḥ
zieht man heraus aus dem Körper (3.Pl.Präs.; Abl.-Adv.)
vākśalyaḥ tu na nirhartum
der Wortsplitter aber nicht herauszuziehen (Nom.; Inf.)
śakyaḥ hṛdiśayaḥ hi saḥ
ist möglich, denn er liegt im Herzen (Adj.; Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

hīnāṅgān atiriktāṅgān vidyāhīnān vayodhikān; rūpadraviṇahīnāṃś ca sattvahīnāṃś ca nākṣipet

Menschen mit fehlenden Gliedern oder überzähligen Gliedern, Unwissende, Ältere, an Gestalt und Besitz Arme und Schwache soll man nicht schmähen.

Wort für Wort
hīnāṅgān atiriktāṅgān
die an Gliedern Mangelnden, die an Gliedern Überzähligen (Akk.Pl.)
vidyāhīnān vayodhikān
die des Wissens Entbehrenden, die an Jahren Älteren (Akk.Pl.)
rūpadraviṇahīnān ca
und die an Gestalt und Besitz Armen (Akk.Pl.)
sattvahīnān ca na ākṣipet
und die Kraftlosen soll er nicht schmähen (Akk.Pl.; Opt.)

nāstikyaṃ vedanindāṃ ca devatānāṃ ca kutsanam; dveṣastambhābhimānāṃś ca taikṣṇyaṃ ca parivarjayet

Unglauben, Schmähung des Veda, Schimpfen auf die Götter, Hass, Starrsinn, Dünkel und Schärfe soll man meiden.

Wort für Wort
nāstikyaṃ vedanindāṃ ca
Unglauben und Vedaschmähung (Akk.)
devatānāṃ ca kutsanam
und das Schmähen der Gottheiten (Gen.Pl.; Akk.)
dveṣa-stambha-abhimānān ca
Hass, Starrheit und Dünkel (Akk.Pl.)
taikṣṇyaṃ ca parivarjayet
und Schroffheit soll er meiden (Akk.; Opt.)

parasya daṇḍaṃ nodyacchet kroddho nainaṃ nipātayet; anyatra putrāc chiṣyād vā śikṣārthaṃ tāḍanaṃ smṛtam

Gegen einen anderen soll man den Stock nicht erheben, im Zorn ihn nicht niederschlagen; außer bei Sohn oder Schüler ist Schlagen nur zur Unterweisung überliefert.

Wort für Wort
parasya daṇḍaṃ na udyacchet
gegen einen anderen den Stock nicht erheben (Gen.; Akk.; Opt.)
kroddhaḥ na enaṃ nipātayet
zornig ihn nicht niederstrecken (Nom.; Akk.; Kausativ-Opt.)
anyatra putrāt śiṣyāt vā
außer bei Sohn oder Schüler (Abl.)
śikṣārthaṃ tāḍanaṃ smṛtam
zum Zweck der Unterweisung ist Schlagen überliefert (Akk.; Nom.; Part.Pass.)

na brāhmaṇān parivaden nakṣatrāṇi na nirdiśet; tithiṃ pakṣasya na brūyāt tathāsyāyur na riṣyate

Man soll Brahmanen nicht schmähen, Sterne nicht [zeigend] benennen, den Mondtag des Halbmonats nicht nennen; so wird sein Leben nicht geschädigt.

Wort für Wort
na brāhmaṇān parivadet
nicht Brahmanen soll er schmähen (Akk.Pl.; Opt.)
nakṣatrāṇi na nirdiśet
Sterne nicht bezeichnen (Akk.Pl.; Opt.)
tithiṃ pakṣasya na brūyāt
den Mondtag des Halbmonats nicht nennen (Akk.; Gen.; Opt.)
tathā asya āyuḥ na riṣyate
so wird sein Leben nicht verletzt

amāvāsyām ṛte nityaṃ dantadhāvanam ācaret; itihāsapurāṇāni dānaṃ vedaṃ ca nityaśaḥ; gāyatrīmananaṃ nityaṃ kuryāt saṃdhyāṃ samāhitaḥ

Außer am Neumondtag soll man stets die Zähne reinigen; Itihāsa und Purāṇa, Geben und Veda [soll man pflegen] täglich; das Gāyatrī-Sinnen soll man stets vollziehen und die Dämmerungsandacht gesammelt.

Wort für Wort
amāvāsyām ṛte nityam
außer am Neumondtag, stets (Akk.; Präp.; Adv.)
dantadhāvanam ācaret
Zahnreinigung soll er ausführen (Akk.; Opt.)
itihāsapurāṇāni dānaṃ vedaṃ ca nityaśaḥ
Itihāsa und Purāṇa, Gabe und Veda, täglich (Akk.)
gāyatrīmananaṃ nityaṃ kuryāt
das Gāyatrī-Sinnen soll er stets vollziehen (Akk.; Opt.)
saṃdhyāṃ samāhitaḥ
die Dämmerungsandacht, gesammelt (Akk.; Part.Pass. Nom.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Objekte der Aufzählung ohne eigenes Verb (aus ācaret/kuryāt ergänzt).

kṛtvā mūtrapurīṣe tu rathyām ākramya vā punaḥ; pādaprakṣālanaṃ kuryāt svādhyāye bhojane tathā

Nachdem man Urin und Kot gelassen hat oder wieder auf die Straße getreten ist, soll man die Füße waschen, ebenso vor dem Studium und vor dem Essen.

Wort für Wort
kṛtvā mūtrapurīṣe tu
nachdem man Urin und Kot verrichtet hat (Gerundium; Akk.Du.)
rathyām ākramya vā punaḥ
oder die Straße betreten hat, wiederum (Akk.; Gerundium)
pādaprakṣālanaṃ kuryāt
Fußwaschung soll er vornehmen (Akk.; Opt.)
svādhyāye bhojane tathā
bei Vedastudium, beim Essen ebenso (Lok.)

trīṇi devāḥ pavitrāṇi brāhmaṇānām akalpayan; adṛṣṭam adbhir nirṇiktaṃ yac ca vācā praśasyate

Drei Reinigungsmittel schufen die Götter für die Brahmanen: das Ungesehene, das mit Wasser Gereinigte und das, was durch das Wort gepriesen wird.

Wort für Wort
trīṇi devāḥ pavitrāṇi
drei Reinigungsmittel, die Götter (Akk.Pl.; Nom.Pl.)
brāhmaṇānām akalpayan
für die Brahmanen schufen sie (Gen.Pl.; 3.Pl.Impf.)
adṛṣṭam adbhiḥ nirṇiktam
Ungesehenes, mit Wassern Gereinigtes (Part.Pass.; Instr.Pl.; Part.Pass.)
yat ca vācā praśasyate
und was durch das Wort gepriesen wird (Rel.; Instr.; Pass.Präs.)

saṃyāvaṃ kṛsaraṃ māṃsaṃ śaṣkulī pāyasaṃ tathā; ātmārthaṃ na prakartavyaṃ devārthaṃ tu prakalpayet

Saṃyāva, Kṛsara, Fleisch, Śaṣkulī und ebenso Milchreis soll man nicht für sich selbst zubereiten; für die Götter aber soll man sie zubereiten.

Wort für Wort
saṃyāvaṃ kṛsaraṃ māṃsaṃ
Saṃyāva (Mehl-Milch-Gebäck), Kṛsara (Reis-Sesam-Gericht), Fleisch (Akk. Sg. n.)
śaṣkulī pāyasaṃ tathā
Śaṣkulī (Sesamgebäck), Milchreis, ebenso (Nom./Akk.)
ātmārthaṃ na prakartavyaṃ
für sich selbst nicht zuzubereiten (Gerundiv)
devārthaṃ tu prakalpayet
für die Götter aber soll man zubereiten (3.Sg.Opt.)

nityam agniṃ paricared bhikṣāṃ dadyāc ca nityadā; vāgyato dantakāṣṭhaṃ ca nityam eva samācaret

Stets soll er das Feuer pflegen und stets Almosen geben; schweigend soll er stets das Zahnholz gebrauchen.

Wort für Wort
nityam agniṃ paricaret
stets das Feuer pflegen soll er (Akk., 3.Sg.Opt.)
bhikṣāṃ dadyāc ca nityadā
und Almosen geben soll er allezeit (3.Sg.Opt.)
vāgyato
schweigend, mit gezügelter Rede (Nom. Sg.)
dantakāṣṭhaṃ ca
und das Zahnholz (Akk. Sg.)
nityam eva samācaret
stets gebrauchen/üben soll er (3.Sg.Opt.)

dantakāṣṭhe ca saṃdhyāyāṃ malotsarge ca maunagaḥ

Beim Zahnholz, in der Dämmerung und beim Ausscheiden von Unrat ist man schweigend.

Wort für Wort
dantakāṣṭhe ca
und beim Zahnholz (Lok.)
saṃdhyāyāṃ
in der Dämmerung (Lok. Sg.)
malotsarge ca
und beim Ausscheiden des Unrats (Lok.)
maunagaḥ
schweigend, dem Schweigen folgend (Nom. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Prädikat fehlt (bhavet zu ergänzen).

japtavyasyānusaṃdhāne snāne maunaṃ praśasyate

Beim Fortführen des zu Murmelnden und beim Baden wird das Schweigen gepriesen.

Wort für Wort
japtavyasya
des zu Murmelnden (Gen. Sg., Gerundiv)
anusaṃdhāne
beim Fortführen/Anschließen [?] (Lok.)
snāne
beim Baden (Lok.)
maunaṃ praśasyate
Schweigen wird gepriesen (Nom., Präs. Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

na cābhyuditaśāyī syāt prāyaścittī tathā bhavet

Er soll nicht schlafen, wenn die Sonne aufgegangen ist, und ebenso soll er Sühne üben.

Wort für Wort
na ca
und nicht
abhyuditaśāyī syāt
einer, der [nach Sonnenaufgang] schlafend liegt, sei (Nom., 3.Sg.Opt.)
prāyaścittī
Sühne Übender (Nom. Sg.)
tathā bhavet
ebenso soll er sein (3.Sg.Opt.)

abhyudita = von der Sonne beschienen/aufgegangen; Sinn: nicht über den Sonnenaufgang hinaus schlafen.

na saṃdhyāyāṃ svapen nityaṃ snāyāc chuddhaḥ sadā bhavet

In der Dämmerung soll er niemals schlafen; er soll baden und stets rein sein.

Wort für Wort
na saṃdhyāyāṃ svapen
nicht in der Dämmerung schlafen soll er (Lok., 3.Sg.Opt.)
nityaṃ
stets (Adv.)
snāyāc
baden soll er (3.Sg.Opt.)
chuddhaḥ sadā bhavet
rein soll er allzeit sein (Nom., 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

mātāpitaram utthāya pūrvam evābhivādayet; ācāryam atha vāpy enaṃ tathāyur vindate mahat

Nachdem er aufgestanden ist, soll er zuerst Mutter und Vater begrüßen, oder auch den Lehrer; so erlangt er langes Leben.

Wort für Wort
mātāpitaram utthāya
Mutter und Vater [begrüßen], nachdem er aufgestanden ist (Akk. Dvandva, Abs.)
pūrvam eva abhivādayet
gerade zuerst soll er grüßen (3.Sg.Opt. Kaus.)
ācāryam atha vā api enaṃ
den Lehrer oder auch diesen (Akk.)
tathā āyur vindate mahat
so erlangt er langes Leben (3.Sg.Präs., Akk. n.)

bhūmāv ekena pāṇinā; gurūn dṛṣṭvā samuttiṣṭhet

Auf dem Boden mit einer Hand [?]; beim Anblick der Lehrer soll er aufstehen.

Wort für Wort
bhūmāv ekena pāṇinā
auf dem Boden mit einer Hand (Lok./Instr. Sg.)
gurūn dṛṣṭvā
die Lehrer erblickt habend (Akk. Pl., Abs.)
samuttiṣṭhet
aufstehen soll er (3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Fragmentarische Zusatzzeile; der erste Halbvers ist unvollständig und syntaktisch unklar.

varjayed dantakāṣṭhāni varjanīyāni nityaśaḥ; bhakṣayec chāstradṛṣṭāni parvasv api ca varjayet

Er soll [ungeeignete] Zahnhölzer meiden, die stets zu meiden sind; er soll die in den Lehrbüchern angegebenen kauen, und an den Parvan-Tagen soll er auch [diese] meiden.

Wort für Wort
varjayed dantakāṣṭhāni
meiden soll er Zahnhölzer (3.Sg.Opt., Akk. Pl.)
varjanīyāni nityaśaḥ
die zu meidenden, stets (Gerundiv, Adv.)
bhakṣayec chāstradṛṣṭāni
kauen soll er die in der Lehre gesehenen/vorgeschriebenen (3.Sg.Opt., Akk. Pl.)
parvasv api ca varjayet
und an den Parvan-Tagen auch soll er meiden (Lok. Pl., 3.Sg.Opt.)

Letzter Pāda: Objekt nicht ausdrücklich genannt, vermutlich das Zahnholz überhaupt.

udaṅmukhaś ca satataṃ śaucaṃ kuryāt samāhitaḥ

Nach Norden gewandt soll er stets gesammelt die Reinigung vollziehen.

Wort für Wort
udaṅmukhaś ca
und nach Norden gewandt (Nom. Sg.)
satataṃ
stets (Adv.)
śaucaṃ kuryāt
Reinigung vollziehen soll er (Akk., 3.Sg.Opt.)
samāhitaḥ
gesammelt (Nom. Sg.)

akṛtvā devapūjāṃ ca nācared dantadhāvanam

Ohne die Götterverehrung vollzogen zu haben, soll er die Zahnreinigung nicht vornehmen.

Wort für Wort
akṛtvā devapūjāṃ ca
und ohne die Götterverehrung vollzogen zu haben (Abs., Akk.)
na ācaret
nicht ausführen soll er (3.Sg.Opt.)
dantadhāvanam
die Zahnreinigung (Akk. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

akṛtvā devatāpūjāṃ nānyaṃ gacchet kadā cana; anyatra tu guruṃ vṛddhaṃ dhārmikaṃ vā vicakṣaṇam

Ohne die Götterverehrung vollzogen zu haben, soll er niemals zu einem anderen gehen; ausgenommen zu einem Lehrer, einem Greis, einem Rechtschaffenen oder einem Weisen.

Wort für Wort
akṛtvā devatāpūjāṃ
ohne die Verehrung der Gottheit vollzogen zu haben (Abs.)
na anyaṃ gacchet kadā cana
nicht zu einem anderen gehen soll er je (Akk., 3.Sg.Opt.)
anyatra tu guruṃ vṛddhaṃ
außer aber [zu] einem Lehrer, einem Greis (Akk.)
dhārmikaṃ vā vicakṣaṇam
oder einem Rechtschaffenen, einem Weisen (Akk.)

avalokyo na cādarśo malino buddhimattaraiḥ; na cājñātāṃ striyaṃ gacched garbhiṇīṃ vā kadā cana

Ein schmutziger Spiegel darf von Verständigeren nicht betrachtet werden; und niemals soll er zu einer unbekannten Frau gehen oder zu einer Schwangeren.

Wort für Wort
avalokyo na ca ādarśo
und nicht ist zu betrachten ein Spiegel (Gerundiv, Nom.)
malino buddhimattaraiḥ
schmutzig, von Verständigeren (Nom., Instr. Pl.)
na ca ajñātāṃ striyaṃ gacched
und zu einer unbekannten Frau soll er nicht gehen (Akk., 3.Sg.Opt.)
garbhiṇīṃ vā kadā cana
oder zu einer Schwangeren, niemals (Akk.)

dārasaṃgrahaṇāt pūrvaṃ nācaren maithunaṃ budhaḥ; anyathā tv avakīrṇaḥ syāt prāyaścittaṃ samācaret; nodīkṣet paradārāṃś ca rahasy ekāsano bhavet; indriyāṇi sadā yacchet svapne śuddhamanā bhavet

Vor der Heirat soll der Weise keinen Beischlaf ausüben; andernfalls würde er ein Keuschheitsbrecher sein und müsse Sühne leisten. Er soll fremde Frauen nicht [begehrlich] ansehen und nicht allein mit einer auf einem Sitz sein [?]; er soll die Sinne stets zügeln und im Schlaf reinen Sinnes sein.

Wort für Wort
dārasaṃgrahaṇāt pūrvaṃ
vor der Heirat (Abl.)
na ācaren maithunaṃ budhaḥ
nicht üben soll Beischlaf der Weise (3.Sg.Opt.)
anyathā tu avakīrṇaḥ syāt
andernfalls aber wäre er ein Keuschheitsbrecher (Nom., 3.Sg.Opt.)
prāyaścittaṃ samācaret
Sühne soll er vollziehen (Akk.)
na udīkṣet paradārāṃś ca
und nicht ansehen soll er fremde Frauen (Akk. Pl.)
rahasy ekāsano bhavet
in der Einsamkeit auf einem Sitz sei er [?] (Lok., Nom., 3.Sg.Opt.)
indriyāṇi sadā yacchet
die Sinne stets zügeln soll er (3.Sg.Opt.)
svapne śuddhamanā bhavet
im Schlaf reinen Sinnes sei er (Lok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). rahasy ekāsano bhavet: ohne na als Gebot gelesen unplausibel; na ist vermutlich aus dem vorigen Pāda mitzudenken.

udakśirā na svapeta tathā pratyakśirā na ca; prākśirās tu svaped vidvān atha vā dakṣiṇāśirāḥ

Er soll nicht mit dem Kopf nach Norden schlafen und ebenso nicht mit dem Kopf nach Westen; der Kundige aber soll mit dem Kopf nach Osten oder nach Süden schlafen.

Wort für Wort
udakśirā na svapeta
nicht mit dem Kopf nach Norden schlafen soll er (3.Sg.Opt. Med.)
tathā pratyakśirā na ca
und ebenso nicht mit dem Kopf nach Westen
prākśirās tu svaped vidvān
mit dem Kopf nach Osten aber soll schlafen der Kundige (Nom., 3.Sg.Opt.)
atha vā dakṣiṇāśirāḥ
oder mit dem Kopf nach Süden (Nom.)

na bhagne nāvadīrṇe vā śayane prasvapeta ca; nāntardhāne na saṃyukte na ca tiryak kadā cana

Nicht auf einem zerbrochenen oder geborstenen Lager soll er schlafen, nicht auf einem abgetrennten oder [gemeinsam] belegten, und niemals quer.

Wort für Wort
na bhagne na avadīrṇe vā
nicht auf zerbrochenem oder geborstenem (Lok. Sg.)
śayane prasvapeta ca
Lager soll er schlafen (Lok., 3.Sg.Opt.)
na antardhāne
nicht auf einem Verdeckten/Abgetrennten [?] (Lok.)
na saṃyukte
nicht auf einem Verbundenen/[gemeinsam] belegten [?] (Lok.)
na ca tiryak kadā cana
und nicht quer, niemals (Adv.)

antardhāne / saṃyukte: Bedeutung unsicher.

na cāpi gacchet kāryeṇa samayād vāpi nāstike

Auch soll er nicht wegen einer Sache oder auf Grund einer Abmachung zu einem Ungläubigen gehen.

Wort für Wort
na ca api gacchet
und auch nicht gehen soll er (3.Sg.Opt.)
kāryeṇa
wegen einer Sache/eines Anliegens (Instr. Sg.)
samayād vā api
oder auch auf Grund einer Übereinkunft (Abl. Sg.)
nāstike
zu einem Ungläubigen/Nāstika (Lok. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

āsanaṃ tu padākṛṣya na prasajjet tathā naraḥ

Einen Sitz, den er mit dem Fuß herangezogen hat, soll der Mensch nicht [benutzen] [?].

Wort für Wort
āsanaṃ tu
einen Sitz aber (Akk. Sg.)
padā ākṛṣya
mit dem Fuß herangezogen habend (Instr., Abs.)
na prasajjet
soll sich nicht [darauf] setzen/hängen [?] (3.Sg.Opt.)
tathā naraḥ
ebenso der Mann/Mensch (Nom. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). prasajjet: Bedeutung im Kontext unsicher.

na nagnaḥ karhi cit snāyān na niśāyāṃ kadā cana; snātvā ca nāvamṛjyeta gātrāṇi suvicakṣaṇaḥ

Nie soll er nackt baden, auch nicht nachts; und nach dem Bad soll der sehr Kundige die Glieder nicht abreiben.

Wort für Wort
na nagnaḥ karhi cit snāyān
nicht nackt soll er je baden (Nom., 3.Sg.Opt.)
na niśāyāṃ kadā cana
nicht in der Nacht, niemals (Lok.)
snātvā ca
und nach dem Baden (Abs.)
na avamṛjyeta gātrāṇi
nicht abreiben soll er die Glieder (3.Sg.Opt. Med., Akk. Pl.)
suvicakṣaṇaḥ
der sehr Kundige (Nom. Sg.)

tiryaṅ na ca śayen nityaṃ nāntardhānena saṃyutaḥ; na niśāyāṃ punaḥ snāyād āpady agnidvijāntike; snāne nirmālyakaṃ varjet snātvā nāṅgāni mārjayet

Nicht soll er stets quer liegen und nicht mit einer Zwischenlage [?] versehen sein; nachts soll er nicht wieder baden, außer in Not, in der Nähe von Feuer und Zweimalgeborenen [?]; beim Bad meide er welke Opfergaben, und nach dem Bad soll er die Glieder nicht abwischen.

Wort für Wort
tiryaṅ na ca śayen nityaṃ
und nicht quer soll er liegen, stets
na antardhānena saṃyutaḥ
nicht mit einer Trennung/Zwischenlage versehen [?] (Instr., Nom.)
na niśāyāṃ punaḥ snāyād
nicht nachts wieder soll er baden (3.Sg.Opt.)
āpady agnidvijāntike
in Not, in der Nähe von Feuer und Zweimalgeborenen [?] (Lok.)
snāne nirmālyakaṃ varjet
beim Baden welke Opfergaben meiden soll er (Lok., Akk.)
snātvā na aṅgāni mārjayet
nach dem Bad die Glieder nicht abwischen soll er (Abs., Akk. Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). āpady agnidvijāntike: Syntax unklar (Ausnahme oder Ortsangabe).

na cānulimped asnātvā snātvā vāso na nirdhunet; ārdra eva tu vāsāṃsi nityaṃ seveta mānavaḥ; srajaś ca nāvakarṣeta na bahir dhārayeta ca

Er soll sich nicht salben, ohne gebadet zu haben; nach dem Bad soll er das Gewand nicht ausschütteln; der Mensch soll stets [nur] nasse Gewänder tragen [?]; Kränze soll er nicht [vom Kopf] abziehen und nicht draußen tragen.

Wort für Wort
na ca anulimped asnātvā
und nicht salben soll er sich, ohne gebadet zu haben (3.Sg.Opt., Abs.)
snātvā vāso na nirdhunet
nach dem Bad das Gewand nicht ausschütteln soll er (Abs., Akk.)
ārdra eva tu vāsāṃsi
nasse aber Gewänder (Akk. Pl.)
nityaṃ seveta mānavaḥ
stets tragen/gebrauchen soll der Mensch [?] (3.Sg.Opt., Nom.)
srajaś ca na avakarṣeta
und Kränze nicht abziehen soll er (Akk. Pl.)
na bahir dhārayeta ca
und nicht draußen tragen soll er (3.Sg.Opt.)

Dritter Pāda: nach dem Wortlaut „nasse Gewänder“; Sinn (ggf. nicht-gewaschene/feuchte Kleidung) unsicher.

raktamālyaṃ na dhāryaṃ syāc chuklaṃ dhāryaṃ tu paṇḍitaiḥ; varjayitvā tu kamalaṃ tathā kuvalayaṃ vibho

Ein roter Kranz soll nicht getragen werden; ein weißer ist von den Weisen zu tragen, ausgenommen Lotus und blauen Lotus, o Herrscher.

Wort für Wort
raktamālyaṃ na dhāryaṃ syāc
ein roter Kranz soll nicht getragen werden (Nom., Gerundiv)
chuklaṃ dhāryaṃ tu paṇḍitaiḥ
ein weißer aber ist von Weisen zu tragen (Instr. Pl.)
varjayitvā tu kamalaṃ
ausgenommen aber Lotus (Abs., Akk.)
tathā kuvalayaṃ vibho
ebenso blauen Lotus, o Herr (Voc.)

raktaṃ śirasi dhāryaṃ tu tathā vāneyam ity api; kāñcanī caiva yā mālā na sā duṣyati karhi cit; snātasya varṇakaṃ nityam ārdraṃ dadyād viśāṃ pate

Rotes ist auf dem Haupt zu tragen [?], ebenso [Blumen] aus dem Wald; und ein goldener Kranz wird niemals unrein. Für den Gebadeten soll man stets frische Salbe auftragen, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
raktaṃ śirasi dhāryaṃ tu
Rotes aber ist auf dem Haupt zu tragen [?] (Akk., Lok.)
tathā vāneyam ity api
ebenso aus dem Wald Stammendes (Akk.)
kāñcanī caiva yā mālā
und der goldene Kranz, der (Nom.)
na sā duṣyati karhi cit
der wird niemals unrein (3.Sg.Präs.)
snātasya varṇakaṃ nityam
für den Gebadeten Salbe, stets (Gen., Akk.)
ārdraṃ dadyād viśāṃ pate
frisch soll man auftragen, o Herr der Menschen (3.Sg.Opt., Voc.)

raktaṃ śirasi dhāryaṃ steht im Widerspruch zu 108; Text möglicherweise gestört.

viparyayaṃ na kurvīta vāsaso buddhimān naraḥ; tathā nānyadhṛtaṃ dhāryaṃ na cāpadaśam eva ca

Ein einsichtiger Mensch soll bei der Kleidung nichts vertauschen; ebenso soll er nichts von anderen Getragenes tragen und auch keines ohne Saum.

Wort für Wort
viparyayaṃ na kurvīta
Vertauschung soll er nicht vornehmen (Akk., 3.Sg.Opt. Med.)
vāsaso buddhimān naraḥ
bei der Kleidung der einsichtige Mensch (Gen., Nom.)
tathā na anyadhṛtaṃ dhāryaṃ
ebenso nicht von anderen Getragenes ist zu tragen (Gerundiv)
na ca apadaśam eva ca
und auch nicht eines ohne Saum (Akk.)

anyad eva bhaved vāsaḥ śayanīye narottama; anyad rathyāsu devānām arcāyām anyad eva hi

Ein anderes Gewand soll für das Lager sein, o Bester der Männer; ein anderes auf den Straßen; und ein anderes bei der Verehrung der Götter.

Wort für Wort
anyad eva bhaved vāsaḥ
ein anderes soll das Gewand sein (Nom. n., 3.Sg.Opt.)
śayanīye narottama
für das Lager, o Bester der Männer (Lok., Voc.)
anyad rathyāsu
ein anderes auf den Straßen (Lok. Pl.)
devānām arcāyām
bei der Verehrung der Götter (Gen. Pl., Lok. Sg.)
anyad eva hi
ein anderes eben (Nom.)

priyaṅgucandanābhyāṃ ca bilvena tagareṇa ca; pṛthag evānulimpeta kesareṇa ca buddhimān

Mit Priyaṅgu und Sandel, mit Bilva und mit Tagara soll der Einsichtige sich getrennt salben, ebenso mit Safran.

Wort für Wort
priyaṅgucandanābhyāṃ ca
mit Priyaṅgu und Sandel (Instr. Du.)
bilvena tagareṇa ca
mit Bilva und mit Tagara (Instr. Sg.)
pṛthag eva anulimpeta
getrennt soll er sich salben (3.Sg.Opt. Med.)
kesareṇa ca buddhimān
und mit Safran, der Einsichtige (Instr., Nom.)

upavāsaṃ ca kurvīta snātaḥ śucir alaṃkṛtaḥ

Er soll fasten, nachdem er gebadet hat, rein und geschmückt.

Wort für Wort
upavāsaṃ ca kurvīta
und Fasten soll er üben (Akk., 3.Sg.Opt. Med.)
snātaḥ
gebadet (Nom.)
śucir alaṃkṛtaḥ
rein, geschmückt (Nom.)

nopavāsaṃ vṛthā kuryād dhanaṃ nāpahared iha

Er soll nicht grundlos fasten und hier nicht fremdes Gut an sich nehmen.

Wort für Wort
na upavāsaṃ vṛthā kuryād
nicht Fasten grundlos üben soll er (Akk., Adv.)
dhanaṃ na apaharet
Besitz nicht wegnehmen soll er (Akk., 3.Sg.Opt.)
iha
hier

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

parvakāleṣu sarveṣu brahmacārī sadā bhavet

An allen Parvan-Zeiten soll er stets enthaltsam leben.

Wort für Wort
parvakāleṣu sarveṣu
zu allen Parvan-Zeiten (Lok. Pl.)
brahmacārī
enthaltsam/Brahmacārin (Nom. Sg.)
sadā bhavet
stets soll er sein (3.Sg.Opt.)

nālīḍhayā parihataṃ bhakṣayīta kadā cana

Nie soll er essen, was von einer Ālīḍhā [?] zurückgewiesen wurde.

Wort für Wort
na ālīḍhayā
nicht von einer Ālīḍhā/Beleckten [?] (Instr. f.)
parihataṃ
zurückgewiesen/berührt [?] (Part.)
bhakṣayīta kadā cana
essen soll er, niemals (3.Sg.Opt. Med.)

ālīḍhayā parihatam: Bedeutung unsicher, möglicherweise verderbt.

nāvalīḍham avajñātam āghrātaṃ bhakṣayed api

Auch was beleckt, verschmäht oder beschnuppert wurde, soll er nicht essen.

Wort für Wort
na avalīḍham
nicht Beleckte[s] (Part.)
avajñātam
Verschmähte[s] (Part.)
āghrātaṃ
Beschnuppert[es] (Part.)
bhakṣayed api
essen soll er auch (3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

tathā noddhṛtasārāṇi prekṣatāṃ nāpradāya ca

Ebenso nicht das, woraus die Kraft herausgezogen wurde, und nicht, ohne den Zuschauenden davon gegeben zu haben.

Wort für Wort
tathā na uddhṛtasārāṇi
ebenso nicht [Speisen], deren Kraft/Kern herausgezogen ist (Akk. Pl. n.)
prekṣatāṃ
den Zuschauenden (Gen. Pl. Part.)
na apradāya ca
und nicht ohne gegeben zu haben (Abs.)

Verb bhakṣayīta aus dem vorigen Vers zu ergänzen.

na saṃnikṛṣṭo medhāvī nāśucir na ca satsu ca; pratiṣiddhān na dharmeṣu bhakṣān bhuñjīta pṛṣṭhataḥ

Nicht dicht dabei [?], der Einsichtige, nicht unrein und nicht unter Guten: nach dem Dharma Verbotene Speisen soll er nicht essen, [auch nicht] im Rücken [der anderen].

Wort für Wort
na saṃnikṛṣṭo medhāvī
nicht nahe [?], der Einsichtige (Nom.)
na aśucir na ca satsu ca
nicht unrein und nicht unter Guten (Nom., Lok. Pl.)
pratiṣiddhān na dharmeṣu
nicht [als] verboten in den Dharma-Regeln (Akk. Pl., Lok. Pl.)
bhakṣān bhuñjīta pṛṣṭhataḥ
Speisen soll er essen, im Rücken/hinterrücks (Akk., 3.Sg.Opt., Adv.)

Stark unklarer Vers; Wiedergabe unsicher (pratiṣiddhān na dharmeṣu ggf. „nicht Verbotene gemäß dem Dharma“).

pippalaṃ ca vaṭaṃ caiva śaṇaśākaṃ tathaiva ca; udumbaraṃ na khādec ca bhavārthī puruṣottamaḥ

Pippala, Vaṭa, Hanfgemüse und ebenso Udumbara soll er nicht essen, der Mann, der Wohlergehen wünscht, der Beste der Männer.

Wort für Wort
pippalaṃ ca vaṭaṃ caiva
Pippala-Feige und Vaṭa-Feige (Akk.)
śaṇaśākaṃ tathaiva ca
und Hanfgemüse (Akk.)
udumbaraṃ na khādec ca
und Udumbara nicht essen soll er (3.Sg.Opt.)
bhavārthī puruṣottamaḥ
Wohlergehen Wünschender, Bester der Männer (Nom.)

ājaṃ gavyaṃ ca yan māṃsaṃ māyūraṃ caiva varjayet; varjayec chuṣkamāṃsaṃ ca tathā paryuṣitaṃ ca yat

Was Fleisch von Ziege, Rind und Pfau ist, soll er meiden; er soll auch getrocknetes Fleisch meiden und was abgestanden ist.

Wort für Wort
ājaṃ gavyaṃ ca yan māṃsaṃ
was Fleisch von der Ziege und vom Rind ist (Nom./Akk. n.)
māyūraṃ caiva varjayet
und vom Pfau, meiden soll er (3.Sg.Opt.)
varjayec chuṣkamāṃsaṃ ca
auch getrocknetes Fleisch meiden soll er
tathā paryuṣitaṃ ca yat
ebenso was abgestanden ist (Part.)

śuṣkam annaṃ na bhuñjīta śūdrānnaṃ ca vivarjayet

Trockene Speise soll er nicht essen, und Speise von Śūdras soll er meiden.

Wort für Wort
śuṣkam annaṃ na bhuñjīta
trockene Speise nicht essen soll er (Akk., 3.Sg.Opt. Med.)
śūdrānnaṃ ca
und Śūdra-Speise (Akk.)
vivarjayet
meiden soll er (3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

na pāṇau lavaṇaṃ vidvān prāśnīyān na ca rātriṣu; dadhisaktūn na bhuñjīta vṛthāmāṃsaṃ ca varjayet

Der Kundige soll kein Salz in der Hand verzehren und nicht nachts; Dickmilch mit Gerstenmehl soll er nicht essen, und unnützes [nicht geopfertes] Fleisch soll er meiden.

Wort für Wort
na pāṇau lavaṇaṃ vidvān
nicht in der Hand Salz, der Kundige (Lok., Akk., Nom.)
prāśnīyān na ca rātriṣu
verzehren soll er, und nicht nachts (3.Sg.Opt., Lok. Pl.)
dadhisaktūn na bhuñjīta
Dickmilch mit Gerstenmehl nicht essen soll er (Akk. Pl.)
vṛthāmāṃsaṃ ca varjayet
und unnützes Fleisch meiden soll er (Akk.)

vṛthāmāṃsa: Fleisch, das nicht für Opfer/Götter bestimmt ist.

dadhisaktu na doṣāyāṃ piben madhu ca nityaśaḥ

Dickmilch mit Gerstenmehl soll er nicht am Abend trinken, und Honig nicht beständig.

Wort für Wort
dadhisaktu
Dickmilch mit Gerstenmehl (Akk. Sg.)
na doṣāyāṃ piben
nicht am Abend trinken soll er (Lok., 3.Sg.Opt.)
madhu ca nityaśaḥ
und Honig beständig (Akk., Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). na ist bei madhu mitzudenken; Sinn von nityaśaḥ hier unsicher.

vālena tu na bhuñjīta paraśrāddhaṃ tathaiva ca; sāyaṃ prātaś ca bhuñjīta nāntarāle samāhitaḥ

Er soll nicht mit einem Haar [darin] essen und ebenso nicht das Totenmahl eines anderen; abends und morgens soll er essen, nicht zwischendurch, gesammelt.

Wort für Wort
vālena tu na bhuñjīta
mit einem Haar aber soll er nicht essen (Instr.)
paraśrāddhaṃ tathaiva ca
und ebenso das Śrāddha eines anderen (Akk.)
sāyaṃ prātaś ca bhuñjīta
abends und morgens soll er essen (Adv.)
na antarāle samāhitaḥ
nicht dazwischen, gesammelt (Lok., Nom.)

vāgyato naikavastraś ca nāsaṃviṣṭaḥ kadā cana; bhūmau sadaiva nāśnīyān nānāsīno na śabdavat

Schweigend, nicht in einem einzigen Gewand, niemals unsitzend; er soll nie auf dem Boden essen, nicht ohne zu sitzen und nicht mit Geräusch.

Wort für Wort
vāgyato na ekavastraś ca
schweigend und nicht mit nur einem Gewand (Nom.)
na asaṃviṣṭaḥ kadā cana
niemals nicht sitzend (Nom.)
bhūmau sadā eva na aśnīyān
auf dem Boden soll er nie essen (Lok., 3.Sg.Opt.)
na anāsīno na śabdavat
nicht ohne zu sitzen, nicht mit Geräusch (Nom.)

Doppelte Verneinungen im Text; Wiedergabe folgt dem Wortlaut, Sinn teils unsicher.

toyapūrvaṃ pradāyānnam atithibhyo viśāṃ pate; paścād bhuñjīta medhāvī na cāpy anyamanā naraḥ

Nachdem er den Gästen zuerst Wasser und Speise gegeben hat, o Herr der Menschen, soll der Einsichtige danach essen, und der Mensch [soll] nicht zerstreuten Sinnes [essen].

Wort für Wort
toyapūrvaṃ pradāya annam
Speise, mit Wasser voran gegeben habend (Adv., Abs., Akk.)
atithibhyo viśāṃ pate
den Gästen, o Herr der Menschen (Dat. Pl., Voc.)
paścād bhuñjīta medhāvī
danach soll essen der Einsichtige (3.Sg.Opt. Med., Nom.)
na ca api anyamanā naraḥ
und nicht mit anderem Sinn/zerstreut der Mensch (Nom.)

samānam ekapaṅktyāṃ tu bhojyam annaṃ nareśvara

Gleiche Speise soll in einer Reihe gegessen werden, o Herr der Menschen.

Wort für Wort
samānam
gleiche/gleichartige (Akk./Nom. n.)
ekapaṅktyāṃ tu
in einer Reihe aber (Lok. Sg.)
bhojyam annaṃ
zu essende Speise (Gerundiv, Nom.)
nareśvara
o Herr der Menschen (Voc.)

Verb zu ergänzen; Sinn (gleiche Speise für alle in der Tischreihe) nicht ganz sicher.

niḥśabdena tu bhuñjīta mitraṃ bhuñjīta nāhitam

Er soll lautlos essen; er soll mit einem Freund essen, nicht mit einem Feind.

Wort für Wort
niḥśabdena tu bhuñjīta
lautlos aber soll er essen (Instr., 3.Sg.Opt.)
mitraṃ bhuñjīta
mit einem Freund soll er essen (Akk. [?], 3.Sg.Opt.)
na ahitam
nicht einen Feind/Nichtwohlgesinnten (Akk.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). mitraṃ bhuñjīta: elliptisch, „[mit] einem Freund“; sonst „einen Freund speisen“.

yo 'tithīnām adattvā ca bālānāṃ jaraṭhaiḥ saha

Wer den Gästen, den Kindern und den Alten nichts gegeben hat [und dennoch isst],

Wort für Wort
yo 'tithīnām adattvā ca
wer den Gästen nicht gegeben hat (Rel.Nom.Sg.; Gen.Pl.; Abs.)
bālānāṃ jaraṭhaiḥ saha
den Kindern zusammen mit den Alten (Gen.Pl.; Instr.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

viṣaṃ hālāhalaṃ bhuṅkte yo 'pradāya suhṛjjane

der isst Hālāhala-Gift, der [es] den Freunden [und Verwandten] nicht gegeben hat.

Wort für Wort
viṣaṃ hālāhalaṃ
Gift, das Hālāhala (Akk.Sg.n.)
bhuṅkte
isst (3.Sg.Präs.Med.)
yo 'pradāya
wer nicht gegeben hat (Rel.Nom.; Abs.)
suhṛjjane
unter den Freunden (Lok.Sg.)

pānīyaṃ pāyasaṃ sarpir dadhisaktumadhūny api; nirasya śeṣam eteṣāṃ na pradeyaṃ tu kasya cit

Wasser, Milchreis, Ghee, Sauermilch, Gerstenmehl und Honig: mit Ausnahme des Restes von diesen darf man niemandem [etwas] geben.

Wort für Wort
pānīyaṃ pāyasaṃ sarpiḥ
Trinkwasser, Milchreis, Ghee (Nom./Akk.Sg.n.)
dadhisaktumadhūny api
auch Sauermilch, Gerstenmehl und Honig (Nom.Pl.n.)
nirasya śeṣam eteṣām
den Rest von diesen ausgenommen (Abs.; Akk.Sg.; Gen.Pl.)
na pradeyaṃ tu kasya cit
nicht zu geben ist [es] jemandem (Gerundiv; Dat.Sg.)

Das Verhältnis von nirasya śeṣam zum Folgenden ist knapp; verstanden als: außer dem Rest (Übriggebliebenen) soll man davon nichts weitergeben.

bhuñjāno manujavyāghra naiva śaṅkāṃ samācaret; dadhi cāpy anupānaṃ vai na kartavyaṃ bhavārthinā

Wenn du isst, Tiger unter den Männern, sollst du keinerlei Bedenken hegen; und auch Sauermilch soll man nicht als Nachtrunk nehmen, wer Gedeihen erstrebt.

Wort für Wort
bhuñjāno manujavyāghra
essend, Tiger unter den Menschen (Part.Präs.Nom.; Vok.)
naiva śaṅkāṃ samācaret
soll durchaus keinen Zweifel/Bedenken hegen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.)
dadhi cāpy anupānaṃ vai
und auch Sauermilch als Nachtrunk (Nom.Sg.n.; Akk./Nom.Sg.n.)
na kartavyaṃ bhavārthinā
ist nicht zu machen von einem, der Gedeihen wünscht (Gerundiv; Instr.Sg.)

ācamya caiva hastena parisrāvya tathodakam; aṅguṣṭhaṃ caraṇasyātha dakṣiṇasyāvasecayet

Und nachdem man den Mund gespült hat, soll man das Wasser [von der Hand] ablaufen lassen und dann die große Zehe des rechten Fußes benetzen.

Wort für Wort
ācamya caiva hastena
und nachdem man gespült hat, mit der Hand (Abs.; Instr.Sg.)
parisrāvya tathodakam
ablaufen lassend ebenso das Wasser (Abs.; Akk.Sg.)
aṅguṣṭhaṃ caraṇasya
die große Zehe des Fußes (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
atha dakṣiṇasya avasecayet
dann des rechten [Fußes] soll man benetzen (Gen.Sg.; 3.Sg.Opt.Kaus.)

pāṇiṃ mūrdhni samādhāya spṛṣṭvā cāgniṃ samāhitaḥ; jñātiśraiṣṭhyam avāpnoti prayogakuśalo naraḥ

Die Hand auf das Haupt legend und gesammelt das Feuer berührend, erlangt der in der Anwendung [der Riten] kundige Mann den Vorrang unter den Verwandten.

Wort für Wort
pāṇiṃ mūrdhni samādhāya
die Hand auf den Kopf legend (Akk.Sg.; Lok.Sg.; Abs.)
spṛṣṭvā cāgniṃ samāhitaḥ
und das Feuer berührt habend, gesammelt (Abs.; Akk.Sg.; Part.Nom.)
jñātiśraiṣṭhyam avāpnoti
erlangt den Vorrang unter den Verwandten (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.)
prayogakuśalo naraḥ
der in der Anwendung/Ausführung geschickte Mann (Nom.Sg.)

adbhiḥ prāṇān samālabhya nābhiṃ pāṇitalena ca; spṛśaṃś caiva pratiṣṭheta na cāpy ārdreṇa pāṇinā

Mit Wasser die Lebenshauche [Mund, Nase usw.] berührt habend und den Nabel mit der Handfläche berührend, soll man aufstehen [sich erheben], und zwar nicht mit feuchter Hand.

Wort für Wort
adbhiḥ prāṇān samālabhya
mit Wasser die Lebenshauche berührt habend (Instr.Pl.; Akk.Pl.; Abs.)
nābhiṃ pāṇitalena ca
und den Nabel mit der Handfläche (Akk.Sg.; Instr.Sg.)
spṛśaṃś caiva pratiṣṭheta
und berührend soll man aufstehen/sich festen Stand geben (Part.Nom.; 3.Sg.Opt.Med.)
na cāpy ārdreṇa pāṇinā
und auch nicht mit feuchter Hand (Instr.Sg.)

pratiṣṭheta: Bedeutung (sich erheben / sich festsetzen, aufbrechen) unsicher [?]; die Lesart „aufstehen“ ist die mit den wenigsten Zusatzannahmen.

aṅguṣṭhasyāntarāle ca brāhmaṃ tīrtham udāhṛtam; kaniṣṭhikāyāḥ paścāt tu devatīrtham ihocyate

Im Zwischenraum des Daumens wird die Brahma-Furt genannt; hinter dem kleinen Finger heißt es hier die Götter-Furt.

Wort für Wort
aṅguṣṭhasyāntarāle ca
und im Zwischenraum des Daumens (Gen.Sg.; Lok.Sg.)
brāhmaṃ tīrtham udāhṛtam
die Brahma-Furt ist genannt (Nom.Sg.n.; Part.Perf.Pass.)
kaniṣṭhikāyāḥ paścāt tu
hinter dem kleinen Finger aber (Gen.Sg.; Adv.)
devatīrtham ihocyate
die Götter-Furt wird hier genannt (Nom.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Pass.)

Die Handstellen tīrtha („Furt“) sind Stellen der Hand für die rituelle Wasserberührung.

aṅguṣṭhasya ca yan madhyaṃ pradeśinyāś ca bhārata; tena pitryāṇi kurvīta spṛṣṭvāpo nyāyatas tathā

Und was die Mitte zwischen Daumen und Zeigefinger ist, Bhārata, damit soll man die Ahnenriten vollziehen, [nachdem man] Wasser berührt hat, nach der Vorschrift.

Wort für Wort
aṅguṣṭhasya ca yan madhyaṃ
und was die Mitte des Daumens ist (Gen.Sg.; Rel.Nom.Sg.n.)
pradeśinyāś ca bhārata
und des Zeigefingers, Bhārata (Gen.Sg.; Vok.)
tena pitryāṇi kurvīta
damit soll man die Ahnenriten vollziehen (Instr.Sg.; Akk.Pl.n.; 3.Sg.Opt.Med.)
spṛṣṭvāpo nyāyatas tathā
Wasser berührt habend, ebenso regelgemäß (Abs.; Akk.Pl.; Adv.)

parāpavādaṃ na brūyān nāpriyaṃ ca kadā cana; na manyuḥ kaś cid utpādyaḥ puruṣeṇa bhavārthinā

Man soll nicht Übles über andere reden und niemals Unangenehmes; niemand soll durch einen Mann, der Gedeihen erstrebt, in Zorn versetzt werden.

Wort für Wort
parāpavādaṃ na brūyāt
Schmähung anderer soll man nicht sprechen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
nāpriyaṃ ca kadā cana
und nie Unangenehmes (Akk.Sg.n.; Adv.)
na manyuḥ kaś cid utpādyaḥ
kein Zorn ist bei irgendjemandem zu erregen (Nom.Sg.m.; Gerundiv)
puruṣeṇa bhavārthinā
von einem Mann, der Gedeihen wünscht (Instr.Sg.)

manyuḥ kaś cid: wörtlich „irgendein Zorn“; der Sinn ist, dass man in niemandem Zorn wecken soll [?].

patitais tu kathāṃ necched darśanaṃ cāpi varjayet; saṃsargaṃ ca na gaccheta tathāyur vindate mahat

Mit Gefallenen [Ausgestoßenen] soll man kein Gespräch wünschen und auch ihren Anblick meiden; und man soll keinen Umgang mit ihnen pflegen: so erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
patitais tu kathāṃ necchet
mit Gefallenen aber soll man kein Gespräch wünschen (Instr.Pl.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
darśanaṃ cāpi varjayet
und auch den Anblick meiden (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Kaus.)
saṃsargaṃ ca na gaccheta
und Verbindung soll man nicht eingehen (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Med.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (Adv.; Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)

na divā maithunaṃ gacchen na kanyāṃ na ca bandhakīm; na cāsnātāṃ striyaṃ gacchet tathāyur vindate mahat

Man soll nicht bei Tag den Beischlaf vollziehen, nicht mit einem Mädchen und nicht mit einer Hure; auch soll man nicht zu einer Frau gehen, die nicht gebadet hat: so erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
na divā maithunaṃ gacchet
nicht bei Tag soll man zum Beischlaf gehen (Adv.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
na kanyāṃ na ca bandhakīm
nicht zu einem Mädchen und nicht zu einer Buhlerin (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.f.)
na cāsnātāṃ striyaṃ gacchet
und nicht zu einer ungebadeten Frau soll man gehen (Akk.Sg.f.; Akk.Sg.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)

bandhakī: Bedeutung „Hure, Buhlerin“; kanyā hier als „unverheiratetes Mädchen“.

sve sve tīrthe samācamya kārye samupakalpite; triḥ pītvāpo dviḥ pramṛjya kṛtaśauco bhaven naraḥ

Nachdem man an der jeweils eigenen Furt [der Hand] den Mund gespült hat, wenn die Handlung vorbereitet ist, soll man dreimal Wasser trinken und zweimal abwischen; dann würde der Mann rituell gereinigt sein.

Wort für Wort
sve sve tīrthe samācamya
an der jeweils eigenen Furt den Mund gespült habend (Lok.Sg.n.; Abs.)
kārye samupakalpite
wenn die Handlung vorbereitet ist (Lok.Sg.n.; Part.Lok. absolut)
triḥ pītvāpo dviḥ pramṛjya
dreimal Wasser getrunken habend, zweimal abgewischt habend (Adv.; Abs.; Akk.Pl.; Abs.)
kṛtaśauco bhaven naraḥ
gereinigt wäre der Mann (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.)

indriyāṇi sakṛt spṛśya trir abhyukṣya ca mānavaḥ; kurvīta pitryaṃ daivaṃ ca vedadṛṣṭena karmaṇā

Nachdem man einmal die Sinnesorgane berührt und dreimal besprengt hat, soll der Mensch die Ahnen- und Götterriten nach der im Veda gesehenen [vorgeschriebenen] Handlung vollziehen.

Wort für Wort
indriyāṇi sakṛt spṛśya
die Sinnesorgane einmal berührt habend (Akk.Pl.n.; Adv.; Abs.)
trir abhyukṣya ca mānavaḥ
und dreimal besprengt habend, der Mensch (Adv.; Abs.; Nom.Sg.)
kurvīta pitryaṃ daivaṃ ca
soll vollziehen den Ahnen- und den Götterritus (3.Sg.Opt.Med.; Akk.Sg.n.)
vedadṛṣṭena karmaṇā
durch die im Veda gesehene Handlung (Instr.Sg.)

brāhmaṇārthe ca yac chaucaṃ tac ca me śṛṇu kaurava; pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā bhojanādyantayos tathā

Und was die Reinigung im Hinblick auf einen Brahmanen ist, auch das höre von mir, Kaurava; [ebenso] nachdem man das Vorliegende und Heilsame gesagt hat, am Anfang und am Ende der Mahlzeit.

Wort für Wort
brāhmaṇārthe ca yac chaucaṃ
und was die Reinigung für einen Brahmanen ist (Lok.Sg.; Rel.Nom.Sg.n.)
tac ca me śṛṇu kaurava
auch das höre von mir, Kaurava (Akk.Sg.n.; Gen.Sg.; Imp.; Vok.)
pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā
und das Vorliegende und das Heilsame gesagt habend (Akk.Sg.n.; Abs.)
bhojanādyantayos tathā
am Anfang und Ende der Mahlzeit ebenso (Lok.Du.)

Textlich schwierig; pravṛttaṃ ca hitaṃ coktvā ist nur locker angebunden, die Deutung ist unsicher [?].

sarvaśauceṣu brāhmeṇa tīrthena samupaspṛśet; niṣṭhīvya tu tathā kṣutvā spṛśyāpo hi śucir bhavet

Bei allen Reinigungen soll man mit der Brahma-Furt Wasser berühren; und nachdem man gespuckt oder geniest hat, soll man Wasser berühren, dann wird man rein.

Wort für Wort
sarvaśauceṣu brāhmeṇa
bei allen Reinigungen, mit der brahmischen (Lok.Pl.; Instr.Sg.n.)
tīrthena samupaspṛśet
mit der Furt soll man [Wasser] berühren (Instr.Sg.; 3.Sg.Opt.)
niṣṭhīvya tu tathā kṣutvā
nachdem man gespuckt hat, und ebenso geniest hat (Abs.; Abs.)
spṛśyāpo hi śucir bhavet
Wasser berührt habend wird man rein (Abs.; Akk.Pl.; Nom.Sg.; 3.Sg.Opt.)

niṣṭhīvane maithune ca kṣute kakṣyāvimocane; udakyādarśane tadvan nagnasyācamanaṃ smṛtam; spṛśet karṇaṃ sapraṇavaṃ sūryam īkṣet sadā tadā

Beim Spucken, beim Beischlaf, beim Niesen, beim Lösen des Gürtels [Gewandes], beim Anblick einer menstruierenden Frau und ebenso bei einem Nackten gilt das Mundspülen als überliefert; man soll das Ohr berühren [mit der Silbe] Om und stets zur Sonne blicken.

Wort für Wort
niṣṭhīvane maithune ca kṣute
beim Spucken, beim Beischlaf und beim Niesen (Lok.Sg.n.)
kakṣyāvimocane
beim Lösen des Gürtels/der Kleidung (Lok.Sg.n.)
udakyādarśane tadvan
beim Anblick einer Menstruierenden ebenso (Lok.Sg.)
nagnasyācamanaṃ smṛtam
bei einem Nackten ist das Mundspülen überliefert (Gen.Sg.; Nom.Sg.n.; Part.)
spṛśet karṇaṃ sapraṇavaṃ
man soll das Ohr berühren mit Om (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.; Adj.)
sūryam īkṣet sadā tadā
die Sonne soll man anblicken, dann jedes Mal (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; kakṣyā-vimocana („Lösen des Gürtels/Gewandes“) und nagnasya (Gen. statt Lok.) sind knapp und nicht sicher gedeutet [?].

vṛddho jñātis tathā mitraṃ daridro yo bhaved api

Ein alter Verwandter und ebenso ein Freund, der arm geworden sein mag [dennoch],

Wort für Wort
vṛddho jñātis tathā mitraṃ
ein alter Verwandter und ebenso ein Freund (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.; Nom.Sg.n.)
daridro yo bhaved api
wer auch immer arm sein mag (Nom.Sg.; Rel.; 3.Sg.Opt.)

kulīnaḥ paṇḍita iti rakṣyā niḥsvāḥ svaśaktitaḥ

Der Edelgeborene und der Gelehrte, so [gilt]: die Besitzlosen sind nach eigener Kraft zu schützen;

Wort für Wort
kulīnaḥ paṇḍita iti
der Edelgeborene, der Gelehrte, so (Nom.Sg.m.; Nom.Sg.m.; Part.)
rakṣyā niḥsvāḥ svaśaktitaḥ
zu schützen sind die Besitzlosen nach eigener Kraft (Gerundiv Nom.Pl.; Nom.Pl.; Abl.-Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert).

gṛhe vāsayitavyās te dhanyam āyuṣyam eva ca

sie sollen im Haus wohnen gelassen werden; das bringt Reichtum und Lebensdauer.

Wort für Wort
gṛhe vāsayitavyās te
im Haus sind sie wohnen zu lassen (Lok.Sg.; Gerundiv Kaus. Nom.Pl.; Pron.)
dhanyam āyuṣyam eva ca
Reichtum bringend und lebensfördernd (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)

gṛhe pārāvatā dhanyāḥ śukāś ca sahasārikāḥ

Im Haus sind Tauben glückbringend, [ebenso] Papageien und Sāriká-Stare.

Wort für Wort
gṛhe pārāvatā dhanyāḥ
im Haus sind Tauben segensreich (Lok.Sg.; Nom.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
śukāś ca sahasārikāḥ
und Papageien zusammen mit Sārikās (Nom.Pl.; Nom.Pl.f.)

sahasārikāḥ: sārikā = Mainastar (Vogelart); Lesung „mit den Sārikās“.

devatāḥ pratimādarśāś candanāḥ puṣpavallikāḥ; śuddhaṃ jalaṃ suvarṇaṃ ca rajataṃ gṛhamaṅgalam

Götterbilder, Spiegel [Bilder], Sandelhölzer, Blumenranken, reines Wasser, Gold und Silber sind ein Glücksbringer des Hauses.

Wort für Wort
devatāḥ pratimādarśāḥ
Gottheiten, Abbilder, Spiegel (Nom.Pl.f.; Nom.Pl.m.)
candanāḥ puṣpavallikāḥ
Sandelhölzer, Blumenranken (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.f.)
śuddhaṃ jalaṃ suvarṇaṃ ca
reines Wasser und Gold (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
rajataṃ gṛhamaṅgalam
Silber, Glückszeichen des Hauses (Nom.Sg.n.; Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; devatāḥ pratimādarśāḥ ist gedrängt, Deutung als Aufzählung von Götterbildern und Spiegeln [?].

gṛheṣv ete na pāpāya tathā vai tailapāyikāḥ

In den Häusern sind diese nicht zum Unheil, ebenso die Öltrinker.

Wort für Wort
gṛheṣv ete na pāpāya
in den Häusern sind diese nicht zum Übel (Lok.Pl.; Nom.Pl.; Dat.Sg.n.)
tathā vai tailapāyikāḥ
ebenso wahrlich die Öltrinkerinnen (Adv.; Part.; Nom.Pl.f.)

tailapāyikā: „Öltrinkerin“, vermutlich eine Käfer-/Schabenart oder Ähnliches [?].

uddīpakāś ca gṛdhrāś ca kapotā bhramarās tathā; niviśeyur yadā tatra śāntim eva tadācaret

Wenn aber Uddīpakas, Geier, Wildtauben und Hummeln sich dort niederlassen, dann soll man eine Sühne [Beschwichtigung] vollziehen.

Wort für Wort
uddīpakāś ca gṛdhrāś ca
Uddīpakas [Glutbringer, ein Tier?] und Geier (Nom.Pl.m.; Nom.Pl.m.)
kapotā bhramarās tathā
Tauben [wilde] und Hummeln/Bienen ebenso (Nom.Pl.; Nom.Pl.)
niviśeyur yadā tatra
wenn sie sich dort niederlassen (3.Pl.Opt.; Adv.)
śāntim eva tadācaret
Beschwichtigung fürwahr dann soll man vollziehen (Akk.Sg.; Adv.; 3.Sg.Opt.)

uddīpaka: Bedeutung unsicher (wörtlich „Entflammer“) [?]; kapota hier als Taube im Gegensatz zu pārāvata.

amaṅgalyāni caitāni tathākrośo mahātmanām; mahātmanāṃ ca guhyāni na vaktavyāni karhi cit

Und dies sind Unheilszeichen, ebenso das Schmähen der Hochgesinnten; und die Geheimnisse der Hochgesinnten dürfen niemals ausgesprochen werden.

Wort für Wort
amaṅgalyāni caitāni
und dies ist unheilvoll (Nom.Pl.n.; Pron.)
tathākrośo mahātmanām
ebenso das Schelten der Hochgesinnten (Nom.Sg.m.; Gen.Pl.)
mahātmanāṃ ca guhyāni
und der Hochgesinnten Geheimnisse (Gen.Pl.; Akk./Nom.Pl.n.)
na vaktavyāni karhi cit
nicht sind zu sagen, niemals (Gerundiv; Adv.)

agamyāś ca na gaccheta rājapatnīḥ sakhīs tathā; vaidyānāṃ bālavṛddhānāṃ bhṛtyānāṃ ca yudhiṣṭhira

Und man soll nicht zu denen gehen, die nicht [erlaubt] zugänglich sind: zu den Frauen des Königs und zu Freundinnen; [auch nicht zu denen] der Ärzte, der Kinder, der Alten und der Diener, Yudhiṣṭhira,

Wort für Wort
agamyāś ca na gaccheta
und zu Unzugänglichen soll man nicht gehen (Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.Med.)
rājapatnīḥ sakhīs tathā
zu den Königinnen und ebenso zu Freundinnen (Akk.Pl.f.; Akk.Pl.f.)
vaidyānāṃ bālavṛddhānāṃ
der Ärzte, der Kinder und Alten (Gen.Pl.; Gen.Pl.)
bhṛtyānāṃ ca yudhiṣṭhira
und der Diener, Yudhiṣṭhira (Gen.Pl.; Vok.)

Der Genitiv bezieht sich auf Frauen (der Ärzte usw.) als Ergänzung zu agamyāḥ; Ergänzung in der Übersetzung.

bandhūnāṃ brāhmaṇānāṃ ca tathā śāraṇikasya ca; saṃbandhināṃ ca rājendra tathāyur vindate mahat

[auch nicht zu den Frauen] der Verwandten, der Brahmanen, ebenso des Śāraṇika und der angeheirateten Verwandten, König der Könige: so erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
bandhūnāṃ brāhmaṇānāṃ ca
der Verwandten und der Brahmanen (Gen.Pl.; Gen.Pl.)
tathā śāraṇikasya ca
und ebenso des Śāraṇika (Gen.Sg.)
saṃbandhināṃ ca rājendra
und der angeheirateten Verwandten, Herr der Könige (Gen.Pl.; Vok.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)

śāraṇika: Bedeutung unsicher (Schauspieler/Sänger? Akrobat?) [?].

brāhmaṇasthapatibhyāṃ ca nirmitaṃ yan niveśanam; tad āvaset sadā prājño bhavārthī manujeśvara

Ein Haus, das von einem Brahmanen und einem Baumeister errichtet ist, darin soll der Kluge stets wohnen, der Gedeihen erstrebt, Herr der Menschen.

Wort für Wort
brāhmaṇasthapatibhyāṃ ca
und von Brahmane und Baumeister (Instr.Du.)
nirmitaṃ yan niveśanam
was errichtet ist, das Haus (Part.Nom.Sg.n.; Rel.; Nom.Sg.n.)
tad āvaset sadā prājño
das soll bewohnen stets der Kluge (Pron.; 3.Sg.Opt.; Adv.; Nom.Sg.)
bhavārthī manujeśvara
der Gedeihen Wünschende, Herr der Menschen (Nom.Sg.; Vok.)

saṃdhyāyāṃ na svaped rājan vidyāṃ na ca samācaret; na bhuñjīta ca medhāvī tathāyur vindate mahat

In der Dämmerung soll man nicht schlafen, König, nicht lernen und nicht essen, wer klug ist: so erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
saṃdhyāyāṃ na svaped rājan
in der Dämmerung soll man nicht schlafen, König (Lok.Sg.; 3.Sg.Opt.; Vok.)
vidyāṃ na ca samācaret
und Wissen soll man nicht betreiben (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
na bhuñjīta ca medhāvī
und nicht soll essen der Kluge (3.Sg.Opt.Med.; Nom.Sg.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)

naktaṃ na kuryāt pitryāṇi bhuktvā caiva prasādhanam; pānīyasya kriyā naktaṃ na kāryā bhūtim icchatā

Nachts soll man keine Ahnenriten vollziehen und [nicht] nach dem Essen Schmuck anlegen; und das Wasserwerk [Wasserhandlung] ist nachts nicht zu vollziehen von dem, der Wohlstand wünscht.

Wort für Wort
naktaṃ na kuryāt pitryāṇi
nachts soll man nicht vollziehen Ahnenriten (Adv.; 3.Sg.Opt.; Akk.Pl.n.)
bhuktvā caiva prasādhanam
und nach dem Essen Schmückung (Abs.; Akk.Sg.n.)
pānīyasya kriyā naktaṃ
des Wassers Handlung nachts (Gen.Sg.; Nom.Sg.f.; Adv.)
na kāryā bhūtim icchatā
nicht ist zu tun von dem, der Wohlstand wünscht (Gerundiv; Akk.Sg.f.; Instr.Sg.Part.)

pānīyasya kriyā: wörtlich „Handlung des Trinkwassers“ (etwa Wasserspenden/Wasserritus); Deutung unsicher [?].

varjanīyāś ca vai nityaṃ saktavo niśi bhārata; śeṣāṇi cāvadātāni pānīyaṃ caiva bhojane

Und zu meiden sind stets bei Nacht die Gerstenmehle, Bhārata, und der Rest der hellen [Speisen] und Wasser beim Essen.

Wort für Wort
varjanīyāś ca vai nityaṃ
und zu meiden sind stets (Gerundiv Nom.Pl.m.; Adv.)
saktavo niśi bhārata
die Gerstenmehle nachts, Bhārata (Nom.Pl.m.; Lok.Sg.; Vok.)
śeṣāṇi cāvadātāni
und die übrigen hellen [Speisen] (Nom.Pl.n.; Nom.Pl.n.)
pānīyaṃ caiva bhojane
und Wasser beim Essen (Nom.Sg.n.; Lok.Sg.n.)

śeṣāṇi cāvadātāni: „die übrigen hellen (weißen)“ Speisen; Gegenstand nicht genau bestimmbar [?].

sauhityaṃ ca na kartavyaṃ rātrau naiva samācaret

Und Sattessen soll man nachts nicht vollziehen [und] nicht [andere Dinge] betreiben.

Wort für Wort
sauhityaṃ ca na kartavyaṃ
und Sättigung ist nicht zu machen (Nom.Sg.n.; Gerundiv)
rātrau naiva samācaret
nachts soll man auf keinen Fall vollziehen (Lok.Sg.; Adv.; 3.Sg.Opt.)

Das Objekt von samācaret fehlt; ergänzt nach dem Kontext [?].

na bhuktvā maithunaṃ gacchen na dhāven nātihāsakam

Nach dem Essen soll man nicht zum Beischlaf gehen, nicht rennen und nicht übermäßig lachen.

Wort für Wort
na bhuktvā maithunaṃ gacchet
nicht nach dem Essen soll man zum Beischlaf gehen (Abs.; Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.)
na dhāven nātihāsakam
nicht soll man rennen, nicht übermäßig lachen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; nātihāsakam („zu starkes Lachen“) als Adverb-Akk.

dvijacchedaṃ na kurvīta bhuktvā na ca samācaret

Man soll kein Durchtrennen der Zweigeborenen [Brahmanen] vornehmen und nach dem Essen nicht [weiter] handeln.

Wort für Wort
dvijacchedaṃ na kurvīta
Zerschneiden/Verletzen der Zweimalgeborenen soll man nicht tun (Akk.Sg.; 3.Sg.Opt.Med.)
bhuktvā na ca samācaret
und nach dem Essen soll man nicht [derartiges] vollziehen (Abs.; 3.Sg.Opt.)

dvijaccheda ist unsicher; möglich auch „Zahnstochern/Zerreißen“ [?]; hier als „Verletzung der Brahmanen“ gedeutet.

mahākulaprasūtāṃ ca praśastāṃ lakṣaṇais tathā; vayaḥsthāṃ ca mahāprājña kanyām āvoḍhum arhati

Ein Mädchen, das aus einer großen Familie stammt und durch Merkmale [Glückszeichen] ausgezeichnet ist und im [heiratsfähigen] Alter steht, o sehr Weiser, darf man heiraten.

Wort für Wort
mahākulaprasūtāṃ ca
und aus großer Familie entsprossen (Akk.Sg.f.)
praśastāṃ lakṣaṇais tathā
und gepriesen durch Merkmale (Akk.Sg.f.; Instr.Pl.)
vayaḥsthāṃ ca mahāprājña
und im [rechten] Alter stehend, hochweiser [Yudhiṣṭhira] (Akk.Sg.f.; Vok.)
kanyām āvoḍhum arhati
ein Mädchen heiraten darf man (Akk.Sg.; Inf.; 3.Sg.Präs.)

arhati steht in der 3.Sg. mit unbestimmtem Subjekt („man darf“).

apatyam utpādya tataḥ pratiṣṭhāpya kulaṃ tathā; putrāḥ pradeyā jñāneṣu kuladharmeṣu bhārata

Nachdem man dann Nachkommenschaft gezeugt und das Geschlecht begründet hat, sind die Söhne, Bhārata, in [Vedas-]Wissen und in den Geschlechtspflichten zu unterweisen [wörtlich: zu geben].

Wort für Wort
apatyam utpādya tataḥ
Nachkommen gezeugt habend, dann (Akk.Sg.n.; Abs.; Adv.)
pratiṣṭhāpya kulaṃ tathā
und das Geschlecht begründet habend (Abs.; Akk.Sg.n.)
putrāḥ pradeyā jñāneṣu
die Söhne sind zu geben in Kenntnisse (Nom.Pl.; Gerundiv; Lok.Pl.)
kuladharmeṣu bhārata
in die Geschlechtspflichten, Bhārata (Lok.Pl.; Vok.)

pradeyāḥ jñāneṣu: „zu übergeben (in) Wissen“; hier als „unterweisen“ wiedergegeben [?].

kanyā cotpādya dātavyā kulaputrāya dhīmate; putrā niveśyāś ca kulād bhṛtyā labhyāś ca bhārata

Und eine Tochter ist, nachdem man sie gezeugt hat, einem edlen, klugen Sohn aus gutem Haus zu geben; die Söhne sind aus dem Geschlecht [in eigene Haushalte] einzusetzen, und Diener sind zu beschaffen, Bhārata.

Wort für Wort
kanyā cotpādya dātavyā
und eine Tochter, gezeugt, ist zu geben (Nom.Sg.f.; Abs.; Gerundiv)
kulaputrāya dhīmate
einem Sohn aus gutem Haus, einem klugen (Dat.Sg.; Dat.Sg.)
putrā niveśyāś ca kulād
und die Söhne sind einzusetzen aus dem Geschlecht (Nom.Pl.; Gerundiv; Abl.Sg.)
bhṛtyā labhyāś ca bhārata
und Diener sind zu erlangen, Bhārata (Nom.Pl.; Gerundiv; Vok.)

kulād: Ablativ, genaue Beziehung unsicher (aus dem Geschlecht heraus / dem Geschlecht gemäß) [?].

śiraḥsnāto 'tha kurvīta daivaṃ pitryam athāpi ca

Nach dem Haarwaschen soll man den Götterritus und auch den Ahnenritus vollziehen.

Wort für Wort
śiraḥsnāto 'tha kurvīta
mit gewaschenem Kopf soll man dann vollziehen (Nom.Sg.m.; 3.Sg.Opt.Med.)
daivaṃ pitryam athāpi ca
den Götter- und auch den Ahnenritus (Akk.Sg.n.; Akk.Sg.n.)

tailābhyañjanam aṣṭamyāṃ caturdaśyāṃ ca parvasu

Ölsalbung [soll man vornehmen] am achten [Mondtag], am vierzehnten und an den Parvan-Tagen [Mondwechseltagen].

Wort für Wort
tailābhyañjanam aṣṭamyāṃ
das Einölen am achten [Tag] (Akk./Nom.Sg.n.; Lok.Sg.f.)
caturdaśyāṃ ca parvasu
und am vierzehnten und an den Parvans (Lok.Sg.f.; Lok.Pl.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; das Verb fehlt, Sinn nach dem Kontext ergänzt und möglicherweise als Verbot gemeint (das Einölen an diesen Tagen zu unterlassen) [?].

nakṣatre na ca kurvīta yasmiñ jāto bhaven naraḥ; na proṣṭhapadayoḥ kāryaṃ tathāgneye ca bhārata

Unter dem Mondhaus, in dem der Mann geboren ist, soll man [es] nicht vollziehen; auch nicht unter Proṣṭhapada [den beiden Proṣṭhapada-Mondhäusern] ist [es] zu tun, ebenso nicht unter dem Agni-Mondhaus [Kṛttikā], Bhārata.

Wort für Wort
nakṣatre na ca kurvīta
und im Mondhaus soll man nicht tun (Lok.Sg.n.; 3.Sg.Opt.Med.)
yasmiñ jāto bhaven naraḥ
in dem der Mann geboren sein mag (Rel.Lok.Sg.; Part.Nom.; 3.Sg.Opt.; Nom.Sg.)
na proṣṭhapadayoḥ kāryaṃ
nicht in den Proṣṭhapadas ist es zu tun (Lok.Du.; Gerundiv)
tathāgneye ca bhārata
ebenso im dem Agni gehörenden [Mondhaus], Bhārata (Lok.Sg.n.; Vok.)

tathāgneye: Ergänzung nakṣatre (Kṛttikā); das Objekt („Ritus“ von V. 167) ist mitzudenken.

dāruṇeṣu ca sarveṣu pratyahaṃ ca vivarjayet; jyotiṣe yāni coktāni tāni sarvāṇi varjayet

Und bei allen schrecklichen [Mondhäusern] soll man es meiden, und täglich [an unheilvollen Tagen]; alles, was in der Sternkunde [Astrologie] genannt ist, soll man meiden.

Wort für Wort
dāruṇeṣu ca sarveṣu
und bei allen schrecklichen [Konstellationen] (Lok.Pl.n.; Lok.Pl.n.)
pratyahaṃ ca vivarjayet
und täglich soll man meiden (Adv.; 3.Sg.Opt.)
jyotiṣe yāni coktāni
und was in der Jyotiṣa genannt ist (Lok.Sg.n.; Rel.Nom.Pl.n.; Part.)
tāni sarvāṇi varjayet
all das soll man meiden (Pron.Akk.Pl.n.; Akk.Pl.n.; 3.Sg.Opt.)

pratyahaṃ ca vivarjayet: „und täglich meiden“ ist sachlich unklar (evtl. „nicht täglich [ausüben]“) [?].

prāṅmukhaḥ śmaśrukarmāṇi kārayeta samāhitaḥ; udaṅmukho vā rājendra tathāyur vindate mahat

Nach Osten gewandt soll man sich gesammelt das Haar- und Bartscheren besorgen lassen, oder nach Norden gewandt, König der Könige: so erlangt man langes Leben.

Wort für Wort
prāṅmukhaḥ śmaśrukarmāṇi
nach Osten gewandt, Bartarbeiten (Nom.Sg.m.; Akk.Pl.n.)
kārayeta samāhitaḥ
soll ausführen lassen, gesammelt (3.Sg.Opt.Kaus.Med.; Part.Nom.)
udaṅmukho vā rājendra
oder nach Norden gewandt, Herr der Könige (Nom.Sg.m.; Part.; Vok.)
tathāyur vindate mahat
so gewinnt man ein großes Leben (3.Sg.Präs.Med.)

sāmudreṇāmbhasā snānaṃ kṣauraṃ śrāddheṣu bhojanam; antarvatnīpatiḥ kurvan na putraphalam aśnute; satāṃ gurūṇāṃ vṛddhānāṃ kulastrīṇāṃ viśeṣataḥ

Ein Bad in Meerwasser, das Scheren beim Ahnenopfer und das Essen bei Ahnenopfern [ist zu meiden]; wer als Gatte einer Schwangeren [dies] tut, erlangt nicht die Frucht eines Sohnes; [dies gilt] besonders bei Guten, Lehrern, Alten und Frauen des Geschlechts.

Wort für Wort
sāmudreṇāmbhasā snānaṃ
ein Bad mit Meerwasser (Instr.Sg.n.; Nom.Sg.n.)
kṣauraṃ śrāddheṣu bhojanam
das Scheren, das Essen bei Ahnenopfern (Nom.Sg.n.; Lok.Pl.n.; Nom.Sg.n.)
antarvatnīpatiḥ kurvan
der Gatte einer Schwangeren, wenn er [es] tut (Nom.Sg.m.; Part.Nom.)
na putraphalam aśnute
erlangt nicht die Sohnesfrucht (Akk.Sg.n.; 3.Sg.Präs.Med.)
satāṃ gurūṇāṃ vṛddhānāṃ
bei den Guten, Lehrern, Alten (Gen.Pl.; Gen.Pl.; Gen.Pl.)
kulastrīṇāṃ viśeṣataḥ
der Frauen des Geschlechts, besonders (Gen.Pl.; Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; die Konstruktion ist verkürzt, die Verbindung der letzten Halbzeile mit dem Vorhergehenden ist unsicher; „ist zu meiden“ ergänzt [?].

parivādaṃ na ca brūyāt pareṣām ātmanas tathā; parivādo na dharmāya procyate bharatarṣabha

Man soll weder über andere Übles reden noch über sich selbst; Schmährede dient nicht dem Dharma, so heißt es, Stier unter den Bharatas.

Wort für Wort
parivādaṃ na ca brūyāt
Tadel/üble Nachrede soll man nicht äußern (Akk.; 3.Sg.Opt.)
pareṣām ātmanas tathā
[weder] über andere noch über sich selbst (Gen.Pl.; Gen.Sg.)
parivādo na dharmāya
Schmähung [dient] nicht dem Dharma (Nom.; Dat.)
procyate bharatarṣabha
wird gesagt, Stier der Bharatas (3.Sg.Pass.; Vok.)

varjayed vyaṅginīṃ nārīṃ tathā kanyāṃ narottama; samārṣāṃ vyaṅgitāṃ caiva mātuḥ svakulajāṃ tathā

Man meide eine Frau mit einem Gebrechen, ebenso ein Mädchen, Bester der Männer; [ferner] eine mit gleichem Ṛṣi-Geschlecht [Verwandte], eine mit Gebrechen Behaftete, und eine aus der eigenen Sippe der Mutter.

Wort für Wort
varjayed vyaṅginīṃ nārīm
man meide eine Frau mit Gebrechen (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
tathā kanyāṃ narottama
ebenso ein Mädchen, Bester der Männer (Akk.; Vok.)
samārṣāṃ vyaṅgitāṃ caiva
eine Frau vom gleichen Ṛṣi-Geschlecht und eine mit Gebrechen behaftete (Akk.Sg.f.)
mātuḥ svakulajāṃ tathā
ebenso eine in der eigenen Sippe der Mutter Geborene (Gen.; Akk.Sg.f.)

Samārṣā: Frau desselben ārṣa-/Ṛṣi-Gotra (Pravara), also im verbotenen Verwandtschaftsgrad; die Deutung von kanyām in Verbindung mit vyaṅginīm ist knapp und daher nicht sicher.

vṛddhāṃ pravrajitāṃ caiva tathaiva ca pativratām; tathātikṛṣṇavarṇāṃ ca varṇotkṛṣṭāṃ ca varjayet

Eine Greisin und eine Asketin [Fortgezogene] meide man, ebenso eine ihrem Gatten Ergebene [?], ferner eine sehr dunkelfarbige und eine von höherem Stand [varṇa].

Wort für Wort
vṛddhāṃ pravrajitāṃ caiva
eine Greisin und eine in die Hauslosigkeit Gezogene (Akk.Sg.f.)
tathaiva ca pativratām
und ebenso eine dem Gatten Ergebene [?] (Akk.Sg.f.)
tathātikṛṣṇavarṇāṃ ca
und ebenso eine sehr dunkelfarbige (Akk.Sg.f.)
varṇotkṛṣṭāṃ ca varjayet
und eine von höherem Stand; man meide (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)

pativratā (dem Gatten treu ergeben) als zu meidende Frau ist auffällig, wohl gemeint: bereits verheiratete Frau.

ayoniṃ ca viyoniṃ ca na gaccheta vicakṣaṇaḥ; piṅgalāṃ kuṣṭhinīṃ nārīṃ na tvam āvoḍhum arhasi

Der Kluge soll nicht zu einer [Frau] gehen, die keinen [rechten] Schoß hat oder aus [unpassendem] Schoß stammt; eine rötlich-braune [?] und eine aussätzige Frau darfst du nicht heiraten.

Wort für Wort
ayoniṃ ca viyoniṃ ca
eine ohne [rechten] Schoß und eine aus abweichendem Schoß [?] (Akk.Sg.f.)
na gaccheta vicakṣaṇaḥ
soll nicht gehen, der Kluge (3.Sg.Opt.; Nom.)
piṅgalāṃ kuṣṭhinīṃ nārīm
eine rötlich-braune, eine aussätzige Frau (Akk.Sg.f.)
na tvam āvoḍhum arhasi
du sollst nicht heimführen (Inf.; 2.Sg.)

ayoni/viyoni unsicher; piṅgalā eig. rötlich-braun, gelblich.

apasmārikule jātāṃ nihīnāṃ caiva varjayet; śvitriṇāṃ ca kule jātāṃ trayāṇāṃ manujeśvara

Eine in einer Familie mit Fallsucht Geborene meide man und eine Niedrige, ebenso eine in einer Familie von Weißfleckigen Geborene; diese drei [meide man], Herr der Menschen.

Wort für Wort
apasmārikule jātāṃ
eine in einer Epilepsie-Familie Geborene (Lok.; Akk.Sg.f.)
nihīnāṃ caiva varjayet
und eine Niedrige meide man (Akk.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
śvitriṇāṃ ca kule jātāṃ
und eine in der Familie Weißfleckiger Geborene (Gen.Pl.; Lok.; Akk.Sg.f.)
trayāṇāṃ manujeśvara
von diesen dreien, Herr der Menschen (Gen.Pl.; Vok.)

varjayed atiduṣṭāṃ ca vyādhinīṃ vyaṅgikāṃ tathā; saromaśām atisthūlāṃ kanyāṃ mātṛpitṛsthitām; alajjāṃ bhrātṛjāṃ duṣṭāṃ varjayed raktakeśinīm

Man meide eine sehr Boshafte, eine Kranke und eine mit Gebrechen; eine stark Behaarte, eine sehr Dicke, ein Mädchen, [das] bei Mutter und Vater [verbleibt/dort steht] [?]; eine Schamlose, eine Tochter des Bruders [?], eine Boshafte, eine Rothaarige meide man.

Wort für Wort
varjayed atiduṣṭāṃ ca
man meide eine sehr Boshafte (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)
vyādhinīṃ vyaṅgikāṃ tathā
eine Kranke und ebenso eine mit Gebrechen (Akk.Sg.f.)
saromaśām atisthūlāṃ
eine stark Behaarte, eine sehr Dicke (Akk.Sg.f.)
kanyāṃ mātṛpitṛsthitām
ein Mädchen, das bei Mutter und Vater steht [?] (Akk.Sg.f.)
alajjāṃ bhrātṛjāṃ duṣṭām
eine Schamlose, eine Bruder-Geborene [?], eine Boshafte (Akk.Sg.f.)
varjayed raktakeśinīm
man meide eine Rothaarige (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. mātṛpitṛsthitām und bhrātṛjām sind unsicher (bhrātṛjā evtl. „Frau, die Bruder hat/vom Bruder stammt“).

lakṣaṇair anvitā yā ca praśastā yā ca lakṣaṇaiḥ; manojñā darśanīyā ca tāṃ bhavān voḍhum arhati

Und die mit [guten] Merkmalen Ausgestattete, die durch Merkmale Gepriesene, die Reizvolle und Ansehnliche: diese darf Euer Ehren heimführen.

Wort für Wort
lakṣaṇair anvitā yā ca
die mit [guten] Merkmalen versehen ist (Instr.Pl.; Nom.Sg.f.)
praśastā yā ca lakṣaṇaiḥ
und die durch Merkmale gepriesen ist (Nom.Sg.f.; Instr.Pl.)
manojñā darśanīyā ca
die Reizvolle und Ansehnliche (Nom.Sg.f.)
tāṃ bhavān voḍhum arhati
diese darf Euer Ehren heimführen (Akk.; Nom.; Inf.; 3.Sg.)

mahākule niveṣṭavyaṃ sadṛśe vā yudhiṣṭhira; avarā patitā caiva na grāhyā bhūtim icchatā

In eine große Familie oder in eine gleichrangige soll man einheiraten [wörtlich: sich niederlassen], Yudhiṣṭhira; eine Niedrigere und eine Gefallene soll man nicht nehmen, wenn man Gedeihen wünscht.

Wort für Wort
mahākule niveṣṭavyaṃ
in einer großen Familie ist Eheschluss/Niederlassung anzustreben (Lok.; Gerundiv)
sadṛśe vā yudhiṣṭhira
oder in einer gleichartigen, Yudhiṣṭhira (Lok.; Vok.)
avarā patitā caiva
eine Niedrigere und eine Gefallene (Nom.Sg.f.)
na grāhyā bhūtim icchatā
ist nicht zu nehmen von dem, der Gedeihen wünscht (Gerundiv; Instr.Sg.m.)

agnīn utpādya yatnena kriyāḥ suvihitāś ca yāḥ; vedeṣu brāhmaṇaiḥ proktās tāś ca sarvāḥ samācaret

Nachdem man die [heiligen] Feuer mit Sorgfalt entfacht hat, soll man auch alle Riten, die gut geregelt sind und die von Brahmanen in den Veden verkündet wurden, ausüben.

Wort für Wort
agnīn utpādya yatnena
nachdem man die Feuer entfacht hat, mit Sorgfalt (Akk.Pl.; Abs.; Instr.)
kriyāḥ suvihitāś ca yāḥ
und die Riten, die gut geregelt sind (Nom.Pl.f.)
vedeṣu brāhmaṇaiḥ proktāḥ
die in den Veden von Brahmanen verkündet sind (Lok.Pl.; Instr.Pl.; Part.)
tās ca sarvāḥ samācaret
und alle diese soll man ausüben (Akk.Pl.f.; 3.Sg.Opt.)

na cerṣyā strīṣu kartavyā dārā rakṣyāś ca sarvaśaḥ; anāyuṣyā bhaved īrṣyā tasmād īrṣyāṃ vivarjayet

Und man soll Frauen gegenüber keine Eifersucht hegen; die Ehefrauen sind allseits zu schützen. Eifersucht wäre lebensverkürzend; deshalb meide man die Eifersucht.

Wort für Wort
na cerṣyā strīṣu kartavyā
und Eifersucht ist gegenüber Frauen nicht zu hegen (Nom.; Lok.Pl.; Gerundiv)
dārā rakṣyāś ca sarvaśaḥ
die Ehefrauen sind zu schützen, in jeder Hinsicht (Nom.Pl.m.; Gerundiv)
anāyuṣyā bhaved īrṣyā
lebensverkürzend wäre die Eifersucht (Nom.Sg.f.; 3.Sg.Opt.)
tasmād īrṣyāṃ vivarjayet
daher meide man die Eifersucht (Abl.; Akk.; 3.Sg.Opt.)

anāyuṣyo divāsvapnas tathābhyuditaśāyitā; prātar niśāyāṃ ca tathā ye cocchiṣṭāḥ svapanti vai

Lebensverkürzend ist Schlaf am Tage, ebenso [das Schlafen] nach Sonnenaufgang, morgens und abends, und wer mit unreinem Mund [nach dem Essen, ungereinigt] schläft.

Wort für Wort
anāyuṣyo divāsvapnas
lebensverkürzend ist Tagschlaf (Nom.Sg.m.)
tathābhyuditaśāyitā
ebenso das Schlafen nach dem Sonnenaufgang (Nom.Sg.f.)
prātar niśāyāṃ ca tathā
morgens und ebenso nachts/abends (Adv.; Lok.)
ye cocchiṣṭāḥ svapanti vai
und die, die unrein (mit Speiseresten) schlafen (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)

Der Vers ist syntaktisch elliptisch; anāyuṣya bezieht sich auch auf die folgenden Glieder.

pāradāryam anāyuṣyaṃ nāpitocchiṣṭatā tathā; yatnato vai na kartavyam abhyāsaś caiva bhārata

Umgang mit der Frau eines anderen ist lebensverkürzend, ebenso [der Verkehr mit] dem Barbier im unreinen Zustand; sorgfältig darf man sie nicht tun, und auch keine Gewohnheit daraus machen, Bhārata.

Wort für Wort
pāradāryam anāyuṣyaṃ
Ehebruch [ist] lebensverkürzend (Nom.Sg.n.)
nāpitocchiṣṭatā tathā
und Unreinheit beim Barbier/Barbiergebrauch [?] (Nom.Sg.f.)
yatnato vai na kartavyam
sorgfältig ist es wahrlich nicht zu tun (Adv.; Gerundiv)
abhyāsaś caiva bhārata
und auch keine Gewohnheit, Bhārata (Nom.; Vok.)

nāpitocchiṣṭatā ist knapp; hier als „Umgang mit dem Barbier im unreinen Zustand“ gefasst [?].

yatno vai bhojane kāryo atyāśaṃ ca vivarjayet

Beim Essen ist Sorgfalt zu üben, und Übermaß im Essen meide man.

Wort für Wort
yatno vai bhojane kāryo
Sorgfalt ist beim Essen zu üben (Nom.; Lok.; Gerundiv)
atyāśaṃ ca vivarjayet
und Übermaß im Essen meide man (Akk.; 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

saṃdhyāṃ na bhuñjen na snāyān na purīṣaṃ samutsṛjet

In der Dämmerung soll man nicht essen, nicht baden und keinen Kot entleeren.

Wort für Wort
saṃdhyāṃ na bhuñjet
zur Dämmerung soll man nicht essen (Akk.; 3.Sg.Opt.)
na snāyāt
nicht baden (3.Sg.Opt.)
na purīṣaṃ samutsṛjet
keinen Kot entleeren (Akk.; 3.Sg.Opt.)

ātmānaṃ śuci manyeta brāhmaṇān na ca paspaśet; taṃ brūyād brāhmaṇaghnaṃ ca tasya cāyur vinaśyati; brāhmaṇā hi sadā pūjyā nareṇa bhūtim icchatā

Man halte sich für rein [?] und berühre keine Brahmanen; einen solchen soll man Brahmanenmörder nennen, und sein Leben vergeht. Brahmanen sind stets zu ehren von dem Menschen, der Gedeihen wünscht.

Wort für Wort
ātmānaṃ śuci manyeta
man halte sich für rein [?] (Akk.; Adj.; 3.Sg.Opt.)
brāhmaṇān na ca paspaśet
und berühre keine Brahmanen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
taṃ brūyād brāhmaṇaghnaṃ ca
und diesen soll man Brahmanenmörder nennen (Akk.; 3.Sg.Opt.; Akk.)
tasya cāyur vinaśyati
und sein Leben geht zugrunde (Gen.; Nom.; 3.Sg.Präs.)
brāhmaṇā hi sadā pūjyā
denn Brahmanen sind stets zu verehren (Nom.Pl.; Gerundiv)
nareṇa bhūtim icchatā
vom Menschen, der Gedeihen wünscht (Instr.; Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Zusammenhang der ersten Hälfte ist unklar (evtl. „wer sich für rein hält und Brahmanen nicht [ehrerbietig] berührt“) [?].

prayataś ca bhavet tasyāṃ na ca kiṃ cit samācaret

Er soll dabei [in der Dämmerung] gesammelt sein und nichts [anderes] tun.

Wort für Wort
prayataś ca bhavet tasyām
und er soll gesammelt sein in ihr [der Dämmerung] (Nom.; 3.Sg.Opt.; Lok.)
na ca kiṃ cit samācaret
und nichts [anderes] verrichten (3.Sg.Opt.)

brāhmaṇān pūjayec cāpi tathā snātvā narādhipa

Und man soll Brahmanen ehren, ebenso nach dem Bad, Herrscher der Menschen.

Wort für Wort
brāhmaṇān pūjayec cāpi
und Brahmanen soll man ehren (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
tathā snātvā narādhipa
ebenso nach dem Baden, Herrscher der Menschen (Abs.; Vok.)

samāvṛttaḥ śucīn viprān devān atha gurūn namet; kuryād vyāhṛtihomādīn arghyārhaś ca sadā bhavet

Nach der Heimkehr [vom Vedastudium/aus dem Bad] soll man Reine, Brahmanen, Götter und dann Lehrer verehren; man verrichte die Vyāhṛti-Spenden und Ähnliches und sei stets der Ehrengabe [arghya] würdig.

Wort für Wort
samāvṛttaḥ śucīn viprān
der Heimgekehrte [soll] Reine, Brahmanen [verehren] (Nom.; Akk.Pl.)
devān atha gurūn namet
Götter und dann Lehrer soll er verehren (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
kuryād vyāhṛtihomādīn
er verrichte Vyāhṛti-Opfer und Ähnliches (3.Sg.Opt.; Akk.Pl.)
arghyārhaś ca sadā bhavet
und sei stets der Ehrengabe würdig (Nom.; 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; samāvṛtta: der Heimgekehrte (Ende der Schülerzeit) bzw. der, der (das Bad) beendet hat.

devāṃś ca praṇamet snāto gurūṃś cāpy abhivādayet

Und nach dem Bad soll man den Göttern huldigen und die Lehrer grüßen.

Wort für Wort
devāṃś ca praṇamet snāto
und Götter soll man verehren, nach dem Bad (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.; Part.)
gurūṃś cāpy abhivādayet
und auch die Lehrer grüßen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)

animantrito na gaccheta yajñaṃ gacchet tu darśakaḥ; animantrite hy anāyuṣyaṃ gamanaṃ tatra bhārata

Ungeladen soll man nicht zu einem Opfer gehen, [nur] als Zuschauer möge man gehen; denn das Hingehen dorthin ohne Einladung ist lebensverkürzend, Bhārata.

Wort für Wort
animantrito na gaccheta
ungeladen soll man nicht gehen (Nom.; 3.Sg.Opt.)
yajñaṃ gacchet tu darśakaḥ
zum Opfer gehe man aber als Zuschauer (Akk.; 3.Sg.Opt.; Nom.)
animantrite hy anāyuṣyaṃ
denn ohne Einladung ist es lebensverkürzend (Lok.; Nom.Sg.n.)
gamanaṃ tatra bhārata
das Hingehen dorthin, Bhārata (Nom.; Adv.; Vok.)

na caikena parivrājyaṃ na gantavyaṃ tathā niśi

Man soll nicht allein umherwandern und nicht bei Nacht gehen.

Wort für Wort
na caikena parivrājyaṃ
und nicht ist allein umherzuziehen (Instr.Sg.; Gerundiv)
na gantavyaṃ tathā niśi
ebenso ist nicht zu gehen bei Nacht (Gerundiv; Lok.)

parivrājya: Gerundiv „umherzuziehen“, hier wörtlich nach Text.

nānāpadi parasyānnam animantritam āharet; ekoddiṣṭaṃ na bhuñjīta prathamaṃ tu viśeṣataḥ; sapiṇḍīkaraṇaṃ varjyaṃ savidhānaṃ ca māsikam

Außer in Not soll man fremde Speise, zu der man nicht geladen ist, nicht holen; Speise für einen einzelnen Bestimmten [ekoddiṣṭa] esse man nicht, besonders nicht die erste; die Vereinigung mit den Ahnen [sapiṇḍīkaraṇa] sei ausgenommen, ebenso die monatliche [Śrāddha-Spende] samt Ritus [?].

Wort für Wort
nānāpadi parasyānnam
nicht außer in Not fremde Speise (Lok.; Gen.; Akk.)
animantritam āharet
ungeladen soll man holen [?] (Part.; 3.Sg.Opt.)
ekoddiṣṭaṃ na bhuñjīta
Ekoddiṣṭa-Speise esse man nicht (Akk.; 3.Sg.Opt.)
prathamaṃ tu viśeṣataḥ
besonders aber die erste (Akk.; Adv.)
sapiṇḍīkaraṇaṃ varjyaṃ
das Sapiṇḍīkaraṇa ist zu meiden/auszunehmen [?] (Nom.; Gerundiv)
savidhānaṃ ca māsikam
und das monatliche [Śrāddha] samt Ritus [?] (Nom.Sg.n.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; der Schluss (varjyaṃ savidhānaṃ ca māsikam) ist unsicher: „ausgenommen“ (sapiṇḍīkaraṇa, Ritual mit Vorschriften, monatliches Śrāddha).

anāgatāyāṃ saṃdhyāyāṃ paścimāyāṃ gṛhe vaset

Solange die westliche Dämmerung noch nicht angebrochen ist, soll man zu Hause bleiben.

Wort für Wort
anāgatāyāṃ saṃdhyāyāṃ
wenn die Dämmerung noch nicht gekommen ist (Lok.Abs.)
paścimāyāṃ gṛhe vaset
der westlichen, im Haus soll man verweilen (Lok.; Lok.; 3.Sg.Opt.)

mātuḥ pitur gurūṇāṃ ca kāryam evānuśāsanam; hitaṃ vāpy ahitaṃ vāpi na vicāryaṃ nararṣabha

Die Weisung von Mutter, Vater und Lehrern ist zu befolgen; ob heilsam oder unheilsam, es ist nicht [darüber] zu überlegen, Stier unter den Männern.

Wort für Wort
mātuḥ pitur gurūṇāṃ ca
von Mutter, Vater und Lehrern (Gen.)
kāryam evānuśāsanam
ist die Weisung zu befolgen (Gerundiv; Nom.)
hitaṃ vāpy ahitaṃ vāpi
ob heilsam oder unheilsam (Nom.Sg.n.)
na vicāryaṃ nararṣabha
ist nicht zu erwägen, Stier unter den Männern (Gerundiv; Vok.)

kṣatriyas tu viśeṣeṇa dhanurvedaṃ samabhyaset

Ein Kṣatriya aber soll besonders die Bogenkunde [dhanurveda] gründlich üben.

Wort für Wort
kṣatriyas tu viśeṣeṇa
ein Kṣatriya aber besonders (Nom.; Adv.)
dhanurvedaṃ samabhyaset
soll die Bogenkunde gründlich üben (Akk.; 3.Sg.Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

dhanurvede ca vede ca yatnaḥ kāryo narādhipa; hastipṛṣṭhe 'śvapṛṣṭhe ca rathacaryāsu caiva ha; yatnavān bhava rājendra yatnavān sukham edhate

In der Bogenkunde und im Veda ist Eifer aufzuwenden, Herr der Menschen; auf dem Elefantenrücken, auf dem Pferderücken und in den Wagenfahrten. Sei eifrig, König der Könige: der Eifrige gedeiht in Glück.

Wort für Wort
dhanurvede ca vede ca
in der Bogenkunde und im Veda (Lok.)
yatnaḥ kāryo narādhipa
Eifer ist aufzuwenden, Herr der Menschen (Nom.; Gerundiv; Vok.)
hastipṛṣṭhe 'śvapṛṣṭhe ca
auf dem Elefantenrücken und Pferderücken (Lok.)
rathacaryāsu caiva ha
und in den Wagenfahrten (Lok.Pl.)
yatnavān bhava rājendra
sei eifrig, König der Könige (Nom.; Imp.; Vok.)
yatnavān sukham edhate
der Eifrige gedeiht in Glück (Nom.; Akk.; 3.Sg.Präs.)

apradhṛṣyaś ca śatrūṇāṃ bhṛtyānāṃ svajanasya ca; prajāpālanayuktaś ca na kṣatiṃ labhate kva cit

Er ist von Feinden, Dienern und den eigenen Leuten unbezwingbar; und wer dem Schutz der Untertanen ergeben ist, erleidet nirgends Schaden.

Wort für Wort
apradhṛṣyaś ca śatrūṇāṃ
unbezwingbar für Feinde (Nom.; Gen.Pl.)
bhṛtyānāṃ svajanasya ca
für Diener und die eigenen Leute (Gen.Pl.; Gen.Sg.)
prajāpālanayuktaś ca
und wer dem Schutz der Untertanen hingegeben ist (Nom.)
na kṣatiṃ labhate kva cit
erleidet nirgends Schaden (Akk.; 3.Sg.Präs.)

yuktiśāstraṃ ca te jñeyaṃ śabdaśāstraṃ ca bhārata; gandharvaśāstraṃ ca kalāḥ parijñeyā narādhipa

Und die Lehre vom Schlussfolgern [yuktiśāstra] musst du kennen, und die Lehre von der Sprache [Grammatik], Bhārata; die Lehre vom Gesang [Musik] und die Künste sind zu kennen, Herr der Menschen.

Wort für Wort
yuktiśāstraṃ ca te jñeyaṃ
und die Lehre der Argumentation ist von dir zu kennen (Nom.; Dat./Gen.; Gerundiv)
śabdaśāstraṃ ca bhārata
und die Lehre vom Wort, Bhārata (Nom.; Vok.)
gandharvaśāstraṃ ca kalāḥ
und die Lehre der Gandharvas [Musik] und die Künste (Nom.Pl.f.)
parijñeyā narādhipa
sind zu kennen, Herr der Menschen (Gerundiv; Vok.)

purāṇam itihāsāś ca tathākhyānāni yāni ca; mahātmanāṃ ca caritaṃ śrotavyaṃ nityam eva te

Das Purāṇa, die Itihāsas und die Erzählungen, die es gibt, und die Lebensgeschichte großer Seelen sind von dir stets anzuhören.

Wort für Wort
purāṇam itihāsāś ca
das Purāṇa und die Itihāsas (Nom.)
tathākhyānāni yāni ca
ebenso die Erzählungen, welche es gibt (Nom.Pl.n.)
mahātmanāṃ ca caritam
und das Leben der Hochgesinnten (Gen.Pl.; Nom.)
śrotavyaṃ nityam eva te
ist anzuhören, stets von dir (Gerundiv; Adv.; Gen.)

mānyānāṃ mānanaṃ kuryān nindyānāṃ nindanaṃ tathā; gobrāhmaṇārthe yudhyeta prāṇān api parityajet; na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ śaktyā dānarucir bhavet; na brāhmaṇān paribhavet kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam; patitān nābhibhāṣeta nāhvayeta rajasvalām

Die Verehrungswürdigen soll man ehren, die Tadelnswerten ebenso tadeln; für Kuh und Brahmanen soll man kämpfen, sogar das Leben aufgeben. An Frauen hänge man nicht [?]; man sei nach Kräften der Freigebigkeit zugeneigt. Brahmanen soll man nicht geringschätzen, Armseligkeit ist von Brahmanen [zu] tragen [?]; Gefallene spreche man nicht an, eine Menstruierende rufe man nicht.

Wort für Wort
mānyānāṃ mānanaṃ kuryāt
der Verehrungswürdigen Ehrung soll man üben (Gen.Pl.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
nindyānāṃ nindanaṃ tathā
ebenso der Tadelnswerten Tadel (Gen.Pl.; Akk.)
gobrāhmaṇārthe yudhyeta
für Kuh und Brahmanen soll man kämpfen (Lok.; 3.Sg.Opt.)
prāṇān api parityajet
sogar die Lebenshauche aufgeben (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ
an Frauen hänge man nicht [?] (Lok.Pl.; 3.Sg.Opt.; Gerundiv)
śaktyā dānarucir bhavet
nach Kräften sei man dem Geben zugeneigt (Instr.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
na brāhmaṇān paribhavet
Brahmanen soll man nicht geringschätzen (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam
Armseligkeit von Brahmanen getragen [?] (Nom.; Instr.Pl.; Part.)
patitān nābhibhāṣeta
Gefallene spreche man nicht an (Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
nāhvayeta rajasvalām
und rufe eine Menstruierende nicht (3.Sg.Opt.; Akk.Sg.f.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage. na strīṣu sajjed draṣṭavyaṃ und kārpaṇyaṃ brāhmaṇair vṛtam sind unsicher.

patnīṃ rajasvalāṃ caiva nābhigacchen na cāhvayet; snātāṃ caturthe divase rātrau gacched vicakṣaṇaḥ

Die menstruierende Gattin soll man nicht aufsuchen und nicht [zu sich] rufen; erst am vierten Tag, gebadet, nachts soll der Kluge [zu ihr] gehen.

Wort für Wort
patnīṃ rajasvalāṃ caiva
und die menstruierende Gattin (Akk.Sg.f.)
nābhigacchen na cāhvayet
soll man nicht aufsuchen und nicht rufen (3.Sg.Opt.)
snātāṃ caturthe divase
die gebadete, am vierten Tag (Akk.Sg.f.; Lok.)
rātrau gacched vicakṣaṇaḥ
nachts soll der Kluge gehen (Lok.; 3.Sg.Opt.; Nom.)

pañcame divase nārī ṣaṣṭhe 'hani pumān bhavet; etena vidhinā patnīm upagaccheta paṇḍitaḥ

Am fünften Tag wird [es] eine Tochter [nārī], am sechsten Tag ein Sohn [pumān]; nach dieser Regel soll der Gelehrte zu seiner Gattin gehen.

Wort für Wort
pañcame divase nārī
am fünften Tag [entsteht] eine Frau/Tochter (Lok.; Nom.)
ṣaṣṭhe 'hani pumān bhavet
am sechsten Tag ein Mann/Sohn (Lok.; Nom.; 3.Sg.Opt.)
etena vidhinā patnīm
nach dieser Regel zur Gattin (Instr.; Akk.)
upagaccheta paṇḍitaḥ
soll der Gelehrte gehen (3.Sg.Opt.; Nom.)

Sinngemäß: Zeugung am fünften Tag ergibt ein Mädchen, am sechsten einen Knaben; die Verse ergänzen das Subjekt [?].

ā ṣoḍaśād ṛtur mukhyaḥ putrajanmani śabditaḥ

Bis zum sechzehnten [Tag] gilt die Fruchtzeit [ṛtu] als die hauptsächliche; für die Geburt eines Sohnes ist sie so bezeichnet.

Wort für Wort
ā ṣoḍaśād ṛtur mukhyaḥ
bis zum sechzehnten [Tag] ist die Fruchtzeit die hauptsächliche (Abl.; Nom.; Nom.)
putrajanmani śabditaḥ
für die Geburt eines Sohnes ist [sie] bezeichnet (Lok.; Part.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

jñātisaṃbandhimitrāṇi pūjanīyāni nityaśaḥ; yaṣṭavyaṃ ca yathāśakti yajñair vividhadakṣiṇaiḥ; ataūrdhvam araṇyaṃ ca sevitavyaṃ narādhipa

Verwandte, Angeheiratete und Freunde sind stets zu ehren; man soll opfern nach Vermögen mit Opfern von mannigfachen Opfergaben; darüber hinaus ist der Wald aufzusuchen, Herr der Menschen.

Wort für Wort
jñātisaṃbandhimitrāṇi
Verwandte, Angeheiratete und Freunde (Nom.Pl.n.)
pūjanīyāni nityaśaḥ
sind zu ehren, stets (Gerundiv; Adv.)
yaṣṭavyaṃ ca yathāśakti
und es ist zu opfern nach Kräften (Gerundiv; Adv.)
yajñair vividhadakṣiṇaiḥ
mit Opfern mit vielfältigen Gaben (Instr.Pl.)
ataūrdhvam araṇyaṃ ca
und danach/darüber hinaus der Wald (Adv.; Nom.)
sevitavyaṃ narādhipa
ist aufzusuchen, Herr der Menschen (Gerundiv; Vok.)

ataūrdhvam: gemeint ist wohl „danach“, d. h. im Alter (Waldleben).

eṣa te lakṣaṇoddeśa āyuṣyāṇāṃ prakīrtitaḥ; śeṣas traividyavṛddhebhyaḥ pratyāhāryo yudhiṣṭhira

Dies ist dir als Umriss der lebensfördernden Merkmale dargelegt worden; das Übrige ist von den in den drei Veden Erfahrenen und Alten zu übernehmen, Yudhiṣṭhira.

Wort für Wort
eṣa te lakṣaṇoddeśa
dies ist dir als Merkmalsumriss (Nom.; Dat.; Nom.)
āyuṣyāṇāṃ prakīrtitaḥ
der lebensfördernden [Dinge] dargelegt (Gen.Pl.; Part.)
śeṣas traividyavṛddhebhyaḥ
der Rest von den Trividya-Alten (Nom.; Abl.Pl.)
pratyāhāryo yudhiṣṭhira
ist zu übernehmen, Yudhiṣṭhira (Gerundiv; Vok.)

ācāro bhūtijanana ācāraḥ kīrtivardhanaḥ; ācārād vardhate hy āyur ācāro hanty alakṣaṇam

Der rechte Wandel bringt Gedeihen hervor, der rechte Wandel mehrt den Ruhm; durch rechten Wandel wächst die Lebensdauer, der rechte Wandel vernichtet das Unheilvolle [Unglücksmal].

Wort für Wort
ācāro bhūtijanana
der rechte Wandel ist gedeiherzeugend (Nom.; Adj.)
ācāraḥ kīrtivardhanaḥ
der rechte Wandel ist ruhmesmehrend (Nom.; Adj.)
ācārād vardhate hy āyur
denn durch rechten Wandel wächst das Leben (Abl.; 3.Sg.Präs.; Nom.)
ācāro hanty alakṣaṇam
der rechte Wandel tilgt Unheilsmerkmale (Nom.; 3.Sg.Präs.; Akk.)

āgamānāṃ hi sarveṣām ācāraḥ śreṣṭha ucyate; ācāraprabhavo dharmo dharmād āyur vivardhate

Von allen Überlieferungen gilt der rechte Wandel als die höchste; aus dem rechten Wandel entspringt das Dharma, aus dem Dharma wächst die Lebensdauer.

Wort für Wort
āgamānāṃ hi sarveṣām
denn unter allen Überlieferungen (Gen.Pl.)
ācāraḥ śreṣṭha ucyate
wird der rechte Wandel als der beste bezeichnet (Nom.; Nom.; 3.Sg.Pass.)
ācāraprabhavo dharmo
aus dem rechten Wandel entspringt das Dharma (Nom.; Nom.)
dharmād āyur vivardhate
aus dem Dharma wächst das Leben (Abl.; Nom.; 3.Sg.Präs.)

etad yaśasyam āyuṣyaṃ svargyaṃ svastyayanaṃ mahat; anukampatā sarvavarṇān brahmaṇā samudāhṛtam

Dies ist ruhmbringend, lebensfördernd, himmelsfördernd, ein großes Heilmittel [Segen]; aus Mitgefühl mit allen Ständen [varṇa] ist es von Brahmā verkündet worden.

Wort für Wort
etad yaśasyam āyuṣyaṃ
dies ist ruhmbringend, lebensfördernd (Nom.Sg.n.)
svargyaṃ svastyayanaṃ mahat
himmelsfördernd, ein großer Segen (Nom.Sg.n.)
anukampatā sarvavarṇān
aus Mitgefühl mit allen Ständen (Part.Instr.; Akk.Pl.)
brahmaṇā samudāhṛtam
von Brahmā verkündet (Instr.; Part.)

brahmaṇā (Instr.) gelesen als „von Brahmā“; alternativ von einem Brahmanen [?].

ya idaṃ śṛṇuyān nityaṃ yaś cāpi parikīrtayet; sa śubhān prāpnuyāl lokān sadācāraparo nṛpa

Wer dies stets hört und wer es auch preisend vorträgt, der gelangt zu glückseligen Welten, wenn er sich dem guten Wandel widmet, o König.

Wort für Wort
ya idaṃ śṛṇuyān nityaṃ
wer dies stets hört (Nom.; Akk.; 3.Sg.Opt.)
yaś cāpi parikīrtayet
und wer es auch preisend vorträgt (Nom.; 3.Sg.Opt.)
sa śubhān prāpnuyāl lokān
der erlange glückselige Welten (Nom.; Akk.Pl.; 3.Sg.Opt.)
sadācāraparo nṛpa
dem guten Wandel ergeben, o König (Nom.; Vok.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage.

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