Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 95: bisastainyopākhyāna Der Diebstahl der Lotuswurzeln: Die Seher, die Kṛtyā und Indras Prüfung

Die hungernden Seher um Atri, Vasiṣṭha und Arundhatī begegnen am Lotusteich der Kṛtyā Yātudhānī, die Namensnennung verlangt; sie besteht mit Wortspielen die Prüfung, dann folgen Schwüre und Indras Enthüllung. Lehre: Freisein von Gier (alobha).

bhīṣma uvāca; athātripramukhā rājan vane tasmin maharṣayaḥ; vyacaran bhakṣayanto vai mūlāni ca phalāni ca

Bhīṣma sprach: Da wanderten, o König, die großen Seher mit Atri an der Spitze in jenem Wald umher und aßen dabei Wurzeln und Früchte.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf. 3.Sg.)
athātripramukhā rājan
da, mit Atri an der Spitze, o König (Nom.Pl./Vok.)
vane tasmin maharṣayaḥ
in jenem Wald die großen Seher (Lok./Nom.Pl.)
vyacaran bhakṣayanto vai
wanderten umher, essend fürwahr (Impf. 3.Pl./Part.Präs.)
mūlāni ca phalāni ca
sowohl Wurzeln als auch Früchte (Akk.Pl.)

athāpaśyan supīnāṃsapāṇipādamukhodaram; parivrajantaṃ sthūlāṅgaṃ parivrājaṃ śunaḥsakham

Da sahen sie einen umherziehenden Wanderasketen, Śunaḥsakha, von kräftigem Körperbau, mit wohlgenährten Schultern, Händen, Füßen, Gesicht und Bauch.

Wort für Wort
athāpaśyan
da sahen sie (Impf. 3.Pl.)
supīnāṃsapāṇipādamukhodaram
mit sehr fetten Schultern, Händen, Füßen, Gesicht und Bauch (Bahuvrīhi-Kompositum, Akk.Sg.)
parivrajantaṃ sthūlāṅgam
umherziehend, grobgliedrig/stämmig (Part.Präs./Akk.Sg.)
parivrājaṃ śunaḥsakham
einen Wanderasketen, Hundefreund (Śunaḥsakha) (Akk.Sg.)

arundhatī tu taṃ dṛṣṭvā sarvāṅgopacitaṃ śubhā; bhavitāro bhavanto vai naivam ity abravīd ṛṣīn

Arundhatī aber, die Glückliche, sah ihn an allen Gliedern wohlgenährt und sagte zu den Sehern: „Ihr Herren werdet [es] zwar [einmal] werden – aber nicht so.“ [?]

Wort für Wort
arundhatī tu taṃ dṛṣṭvā
Arundhatī aber, nachdem sie ihn gesehen (Nom.Sg./Abs.)
sarvāṅgopacitaṃ śubhā
an allen Gliedern angewachsen/wohlgenährt, die Glückliche (Akk./Nom.Sg.f.)
bhavitāro bhavanto vai
werdende/künftige Seiende, ihr Herren (Nom.Pl., Nomen agentis)
naivam ity abravīd ṛṣīn
„nicht so“, sagte sie zu den Sehern (Impf. 3.Sg./Akk.Pl.)

Der Satz ist knapp und mehrdeutig. Andere Lesart: „Ihr Herren seid [Leute, die so etwas] werden [könnten]? Nein, nicht so.“

vasiṣṭha uvāca; naitasyeha yathāsmākam agnihotram anirhutam; sāyaṃ prātaś ca hotavyaṃ tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Vasiṣṭha sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [Bei uns] ist das Agnihotra nicht [recht] geopfert; es muss abends und morgens geopfert werden; darum ist Śunaḥsakha fett.“

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach
naitasyeha yathāsmākam
bei diesem hier [ist es] nicht wie bei uns (Gen.Sg./Gen.Pl.)
agnihotram anirhutam
das Agnihotra [ist] nicht [vollständig] geopfert (Nom.Sg.n./PPP)
sāyaṃ prātaś ca hotavyaṃ
abends und morgens ist zu opfern (Adv./Gerundiv)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
deshalb [ist] fett Śunaḥsakha (Instr. adv./Nom.Sg.)

anirhutam ist unsicher; gemeint wohl, dass das Agnihotra unter Hunger leidet bzw. Pflicht bleibt.

atrir uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ kṣudhā vīryaṃ samāhatam; kṛcchrādhītaṃ pranaṣṭaṃ ca tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Atri sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [Bei uns] ist die Kraft vom Hunger niedergeschlagen, und mühsam Gelerntes ist verloren gegangen; darum ist Śunaḥsakha fett.“

Wort für Wort
atrir uvāca
Atri sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
kṣudhā vīryaṃ samāhatam
durch Hunger [ist] die Kraft zerschlagen (Instr./Nom.n./PPP)
kṛcchrādhītaṃ pranaṣṭaṃ ca
und das mühsam Gelernte [ist] verloren (PPP n.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

viśvāmitra uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ śaśvac chāstraṃ jaradgavaḥ; alasaḥ kṣutparo mūrkhas tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Viśvāmitra sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [Er ist] beständig [mit] der Lehre [befasst?], ein alter Ochse, träge, auf Hunger bedacht, dumm; darum ist Śunaḥsakha fett.“ [?]

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
śaśvac chāstraṃ jaradgavaḥ
immerfort die Lehre/Vorschrift; ein alter Stier (Adv./Nom.n./Nom.Sg.m.)
alasaḥ kṣutparo mūrkhaḥ
träge, dem Hunger ergeben, töricht (Nom.Sg.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

Syntax der zweiten Zeile unklar; wörtlich: „immerfort Lehre, alter Ochse“. Vermutlich: bei uns gilt ständig die Lehre, er hingegen ist ein alter Ochse usw.

jamadagnir uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ bhaktam indhanam eva ca; saṃcintya vārṣikaṃ kiṃ cit tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Jamadagni sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [nicht] Speise und Brennholz; [wir] müssen an einen Vorrat für das Jahr denken; darum ist Śunaḥsakha fett.“ [?]

Wort für Wort
jamadagnir uvāca
Jamadagni sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
bhaktam indhanam eva ca
gekochte Speise und Brennholz (Nom.n.)
saṃcintya vārṣikaṃ kiṃ cit
nachdem man etwas für das Jahr bedacht hat (Abs./Akk.n.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

Der Satz ist elliptisch; die Sorge um Nahrung und Brennholz für das Jahr trifft die Seher, nicht Śunaḥsakha.

kaśyapa uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ catvāraś ca sahodarāḥ; dehi dehīti bhikṣanti tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Kaśyapa sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [Bei uns] betteln vier [Söhne/Geschwister], leibliche Brüder: ‚Gib, gib!‘; darum ist Śunaḥsakha fett.“

Wort für Wort
kaśyapa uvāca
Kaśyapa sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
catvāraś ca sahodarāḥ
und vier leibliche Brüder (Nom.Pl.)
dehi dehīti bhikṣanti
„gib, gib!“ so betteln sie (Imp. 2.Sg./Präs. 3.Pl.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

bharadvāja uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ brahmabandhor acetasaḥ; śoko bhāryāpavādena tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Bharadvāja sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: [Bei uns ist] Kummer wegen des Tadels der Gattin [für uns], die wir törichte Brahmanen-Abkömmlinge [sind]; darum ist Śunaḥsakha fett.“

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
brahmabandhor acetasaḥ
für einen [bloßen] Brahmanen-Verwandten, einen Unverständigen (Gen.Sg.)
śoko bhāryāpavādena
Kummer durch den Tadel der Gattin (Nom.Sg./Instr.Sg.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

Die Genitive brahmabandhoḥ acetasaḥ stehen im Singular, während yathāsmākam Plural ist.

gautama uvāca; naitasyeha yathāsmākaṃ trikauśeyaṃ hi rāṅkavam; ekaikaṃ vai trivārṣīyaṃ tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ

Gautama sprach: „Bei diesem hier ist es nicht wie bei uns: ein dreifaches Seidengewand und Rāṅku-Wolle, jedes einzelne für drei Jahre [zu beschaffen] [?]; darum ist Śunaḥsakha fett.“

Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach
naitasyeha yathāsmākaṃ
bei diesem hier nicht wie bei uns
trikauśeyaṃ hi rāṅkavam
ein dreifach-seidenes [Gewand] und ein Rāṅku-Wollenes (Nom.n.)
ekaikaṃ vai trivārṣīyaṃ
jedes einzelne, für drei Jahre [bestimmt] (Nom.n.)
tena pīvāñ śunaḥsakhaḥ
darum [ist] fett Śunaḥsakha

trikauśeyam und rāṅkavam sind unsicher (Seidengewand bzw. Wolle vom Rāṅku-Hirsch); Sinn wohl: Kleidersorgen für Jahre im Voraus.

bhīṣma uvāca; atha dṛṣṭvā parivrāṭ sa tān maharṣīñ śunaḥsakhaḥ; abhigamya yathānyāyaṃ pāṇisparśam athācarat

Bhīṣma sprach: Da sah jener Wanderasket Śunaḥsakha die großen Seher, trat gebührend zu ihnen heran und vollzog die Handberührung [als Begrüßung].

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
atha dṛṣṭvā parivrāṭ sa
da, nachdem er gesehen, der Wanderasket, er (Abs./Nom.Sg.)
tān maharṣīñ śunaḥsakhaḥ
jene großen Seher, Śunaḥsakha (Akk.Pl.)
abhigamya yathānyāyam
nachdem er herangetreten, nach der Regel (Abs./Adv.)
pāṇisparśam athācarat
vollzog dann die Handberührung (Akk./Impf. 3.Sg.)

paricaryāṃ vane tāṃ tu kṣutpratīghātakārikām; anyonyena nivedyātha prātiṣṭhanta sahaiva te

Und jenen Dienst im Wald, der den Hunger abwehrt, teilten sie einander mit [bzw. trugen ihn einander an] und brachen dann gemeinsam auf.

Wort für Wort
paricaryāṃ vane tāṃ tu
den Dienst im Wald, jenen aber (Akk.Sg.f./Lok.)
kṣutpratīghātakārikām
den Hunger abwehrend (Akk.Sg.f.)
anyonyena nivedyātha
einander mitgeteilt/angetragen habend, dann (Abs.)
prātiṣṭhanta sahaiva te
brachen auf, gemeinsam eben sie (Impf. Med. 3.Pl.)

nivedya: wohl „anbietend / vereinbarend“; gemeint ist die Verpflichtung, Śunaḥsakha als Diener anzunehmen bzw. einander zu dienen.

ekaniścayakāryāś ca vyacaranta vanāni te; ādadānāḥ samuddhṛtya mūlāni ca phalāni ca

Und mit einem einzigen Entschluss [und] Vorhaben zogen sie durch die Wälder, indem sie Wurzeln und Früchte aus dem Boden holten und mitnahmen.

Wort für Wort
ekaniścayakāryāś ca
und die einen einzigen Beschluss und ein einziges Werk hatten (Nom.Pl.)
vyacaranta vanāni te
zogen umher [in] den Wäldern, sie (Impf. Med. 3.Pl./Akk.Pl.)
ādadānāḥ samuddhṛtya
nehmend, nachdem sie herausgezogen (Part.Präs. Med./Abs.)
mūlāni ca phalāni ca
Wurzeln und Früchte

kadā cid vicarantas te vṛkṣair aviralair vṛtām; śucivāriprasannodāṃ dadṛśuḥ padminīṃ śubhām

Als sie einmal umherzogen, erblickten sie einen schönen Lotusteich, umgeben von dichten Bäumen, mit reinem, klarem Wasser.

Wort für Wort
kadā cid vicarantas te
einmal, umherziehend, sie (Adv./Part.Präs.)
vṛkṣair aviralair vṛtām
von Bäumen, nicht lichten/dichten, umgeben (Instr.Pl./PPP Akk.f.)
śucivāriprasannodāṃ
mit reinem Wasser und klarem Nass (Akk.Sg.f.)
dadṛśuḥ padminīṃ śubhām
sahen einen Lotusteich, schön (Perf. 3.Pl./Akk.Sg.f.)

bālādityavapuḥprakhyaiḥ puṣkarair upaśobhitām; vaidūryavarṇasadṛśaiḥ padmapatrair athāvṛtām

[Er war] geschmückt mit Lotusblüten, die der Gestalt der Morgensonne gleichkamen, und bedeckt mit Lotusblättern, die der Farbe des Lapislazuli glichen.

Wort für Wort
bālādityavapuḥprakhyaiḥ
die dem Körper/Aussehen der jungen Sonne gleichen (Instr.Pl.m.)
puṣkarair upaśobhitām
mit Lotusblüten geschmückt (Instr.Pl./PPP Akk.f.)
vaidūryavarṇasadṛśaiḥ
dem Lapislazuli in der Farbe gleich (Instr.Pl.)
padmapatrair athāvṛtām
mit Lotusblättern, dazu bedeckt (Instr.Pl./PPP Akk.f.)

nānāvidhaiś ca vihagair jalaprakarasevibhiḥ; ekadvārām anādeyāṃ sūpatīrthām akardamām

[Sie war] von Vögeln vielerlei Art besucht, die sich an Wasserfluten aufhalten, hatte nur einen Zugang, war nicht [frei] zugänglich [?], hatte schöne Badestellen und war ohne Schlamm.

Wort für Wort
nānāvidhaiś ca vihagair
und mit Vögeln mannigfacher Art (Instr.Pl.)
jalaprakarasevibhiḥ
die Wassermengen aufsuchen (Instr.Pl.)
ekadvārām anādeyām
mit einem Tor, nicht zu nehmen/nicht [frei] zugänglich (Akk.Sg.f.)
sūpatīrthām akardamām
mit guten Badestellen, schlammlos (Akk.Sg.f.)

anādeyām ist unsicher: „unzugänglich“ oder „(deren Inhalt) nicht zu nehmen“.

vṛṣādarbhiprayuktā tu kṛtyā vikṛtadarśanā; yātudhānīti vikhyātā padminīṃ tām arakṣata

Eine von Vṛṣādarbhi ausgesandte Kṛtyā [Zauberwesen] von entstelltem Anblick, als Yātudhānī bekannt, bewachte jenen Lotusteich.

Wort für Wort
vṛṣādarbhiprayuktā tu
von Vṛṣādarbhi ausgesandt aber (Nom.Sg.f.)
kṛtyā vikṛtadarśanā
eine Kṛtyā, mit entstelltem Aussehen (Nom.Sg.f.)
yātudhānīti vikhyātā
„Yātudhānī“ so bekannt (Nom.Sg.f.)
padminīṃ tām arakṣata
bewachte jenen Lotusteich (Impf. Med. 3.Sg.)

śunaḥsakhasahāyās tu bisārthaṃ te maharṣayaḥ; padminīm abhijagmus te sarve kṛtyābhirakṣitām

Mit Śunaḥsakha als Begleiter gingen jene großen Seher um der Lotuswurzeln willen alle zu dem Lotusteich, der von der Kṛtyā bewacht wurde.

Wort für Wort
śunaḥsakhasahāyās tu
mit Śunaḥsakha als Gefährten aber (Nom.Pl.)
bisārthaṃ te maharṣayaḥ
um der Lotuswurzeln willen, jene großen Seher (Adv./Nom.Pl.)
padminīm abhijagmus te
gingen zum Lotusteich, sie (Perf. 3.Pl.)
sarve kṛtyābhirakṣitām
alle, von der Kṛtyā bewacht (Nom.Pl./PPP Akk.f.)

tatas te yātudhānīṃ tāṃ dṛṣṭvā vikṛtadarśanām; sthitāṃ kamalinītīre kṛtyām ūcur maharṣayaḥ

Da sahen jene großen Seher die Yātudhānī von entstelltem Anblick am Ufer des Lotusteichs stehen und sprachen zu der Kṛtyā.

Wort für Wort
tatas te yātudhānīṃ tāṃ
da jene, jene Yātudhānī (Akk.Sg.f.)
dṛṣṭvā vikṛtadarśanām
nachdem sie gesehen, die von entstelltem Aussehen (Abs./Akk.f.)
sthitāṃ kamalinītīre
stehend am Ufer des Lotusteichs (PPP Akk.f./Lok.)
kṛtyām ūcur maharṣayaḥ
zur Kṛtyā sprachen die großen Seher (Perf. 3.Pl.)

ekā tiṣṭhasi kā nu tvaṃ kasyārthe kiṃ prayojanam; padminītīram āśritya brūhi tvaṃ kiṃ cikīrṣasi

„Allein stehst du da – wer bist du wohl, für wen, zu welchem Zweck? Sag, was du zu tun gedenkst, [da du] am Ufer des Lotusteichs Zuflucht genommen hast.“

Wort für Wort
ekā tiṣṭhasi kā nu tvaṃ
allein stehst du, wer eigentlich du (Präs. 2.Sg./Nom.f.)
kasyārthe kiṃ prayojanam
für wen, welcher Zweck (Lok./Nom.n.)
padminītīram āśritya
zum Ufer des Lotusteichs Zuflucht genommen habend (Abs.)
brūhi tvaṃ kiṃ cikīrṣasi
sprich du, was willst du tun (Imp. 2.Sg./Desid. 2.Sg.)

yātudhāny uvāca; yāsmi sāsmy anuyogo me na kartavyaḥ kathaṃ cana; ārakṣiṇīṃ māṃ padminyā vitta sarve tapodhanāḥ

Die Yātudhānī sprach: „Was ich bin, das bin ich; eine Befragung von mir ist auf keine Weise zu betreiben. Wisst, ihr alle, Reiche an Askese, [dass ich] die Wächterin des Lotusteichs [bin].“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
yāsmi sāsmy anuyogo me
die ich bin, die bin ich; die Befragung von mir (Nom.Sg.m./Gen.)
na kartavyaḥ kathaṃ cana
ist nicht zu machen auf irgendeine Weise (Gerundiv)
ārakṣiṇīṃ māṃ padminyā
mich als Wächterin des Lotusteichs (Akk.Sg.f./Gen.)
vitta sarve tapodhanāḥ
wisst, alle, Askese-Reiche (Imp. 2.Pl./Vok.Pl.)

ṛṣaya ūcuḥ; sarva eva kṣudhārtāḥ sma na cānyat kiṃ cid asti naḥ; bhavatyāḥ saṃmate sarve gṛhṇīmahi bisāny uta

Die Seher sprachen: „Wir alle sind vom Hunger geplagt, und wir haben sonst nichts; mit deiner Zustimmung wollen wir alle Lotuswurzeln nehmen.“

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Seher sprachen
sarva eva kṣudhārtāḥ sma
wir alle eben sind vom Hunger gequält (Nom.Pl./Präs. 1.Pl.)
na cānyat kiṃ cid asti naḥ
und nichts anderes ist uns (Präs. 3.Sg./Gen.Pl.)
bhavatyāḥ saṃmate sarve
mit deiner Zustimmung, wir alle (Lok.Sg.f.)
gṛhṇīmahi bisāny uta
wollen nehmen Lotuswurzeln (Opt. Med. 1.Pl./Akk.Pl.)

yātudhāny uvāca; samayena bisānīto gṛhṇīdhvaṃ kāmakārataḥ; ekaiko nāma me proktvā tato gṛhṇīta māciram

Die Yātudhānī sprach: „Unter einer Bedingung nehmt von hier die Lotuswurzeln nach Belieben: Jeder einzelne nenne mir seinen Namen, dann nehmt [sie], ohne lange zu säumen.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
samayena bisānīto
unter einer Vereinbarung, von hier die Lotuswurzeln (Instr./Akk.Pl.)
gṛhṇīdhvaṃ kāmakārataḥ
nehmt nach Belieben (Imp. Med. 2.Pl./Adv.)
ekaiko nāma me proktvā
jeder einzelne den Namen mir genannt habend (Nom./Abs.)
tato gṛhṇīta māciram
dann nehmt, nicht lange (Opt./Imp. Med. 2.Pl.)

bhīṣma uvāca; vijñāya yātudhānīṃ tāṃ kṛtyām ṛṣivadhaiṣiṇīm; atriḥ kṣudhāparītātmā tato vacanam abravīt

Bhīṣma sprach: Als Atri jene Yātudhānī als Kṛtyā erkannt hatte, die den Tod der Seher wünschte, sprach er da, vom Hunger übermannt, diese Worte.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
vijñāya yātudhānīṃ tāṃ
nachdem er jene Yātudhānī erkannt hatte (Abs./Akk.f.)
kṛtyām ṛṣivadhaiṣiṇīm
als Kṛtyā, den Seher-Mord begehrend (Akk.Sg.f.)
atriḥ kṣudhāparītātmā
Atri, dessen Selbst vom Hunger umfangen war (Nom.Sg.)
tato vacanam abravīt
da sprach er das Wort (Impf. 3.Sg.)

arātrir atreḥ sā rātrir yāṃ nādhīte trir adya vai; arātrir atrir ity eva nāma me viddhi śobhane

Atri sprach: „Für Atri ist jene Nacht keine Nacht [arātri], in der man heute nicht dreimal [studiert] [?]; ‚Arātri‘, [nämlich] Atri, so wisse meinen Namen, Schöne.“

Wort für Wort
arātrir atreḥ sā rātrir
Nicht-Nacht ist für Atri jene Nacht (Nom.Sg.f./Gen.)
yāṃ nādhīte trir adya vai
in der man nicht dreimal heute [studiert] (Akk.f./Präs. Med. 3.Sg.)
arātrir atrir ity eva
„Arātri, Atri“ eben so (Nom./Part.)
nāma me viddhi śobhane
Namen mein wisse, Schöne (Imp. 2.Sg./Vok.f.)

Volksetymologie von atri über a-tri („nicht drei[mal]“) und arātri; die Konstruktion von nādhīte trir ist unsicher.

yātudhāny uvāca; yathodāhṛtam etat te mayi nāma mahāmune; durdhāryam etan manasā gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Wie du [den Namen] mir hier genannt hast, großer Weiser: dieser Name ist mit dem Geist schwer zu behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
yathodāhṛtam etat te
wie ausgesprochen [wurde] dies von dir (PPP n./Instr.)
mayi nāma mahāmune
mir gegenüber [den] Namen, großer Weiser (Lok./Nom.n./Vok.)
durdhāryam etan manasā
schwer zu behalten dies durch den Geist (Gerundiv/Instr.)
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Lotusteich (Imp. 2.Sg. ×2/Akk.)

vasiṣṭha uvāca; vasiṣṭho 'smi variṣṭho 'smi vase vāsaṃ gṛheṣv api; variṣṭhatvāc ca vāsāc ca vasiṣṭha iti viddhi mām

Vasiṣṭha sprach: „Vasiṣṭha bin ich, der Beste bin ich; ich wohne, auch in Häusern, [als Bewohner]; wegen des Bestseins und des Wohnens wisse mich [als] Vasiṣṭha.“

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach
vasiṣṭho 'smi variṣṭho 'smi
Vasiṣṭha bin ich, der Beste bin ich (Präs. 1.Sg.)
vase vāsaṃ gṛheṣv api
ich wohne, Wohnung auch in Häusern (Präs. Med. 1.Sg./Akk./Lok.Pl.)
variṣṭhatvāc ca vāsāc ca
wegen des Bestseins und wegen des Wohnens (Abl.)
vasiṣṭha iti viddhi mām
„Vasiṣṭha“ so wisse mich (Imp. 2.Sg.)

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Das ist bloße Namensdeutung von dir, deren Silben mühsam ausgesprochen sind; das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
nāmanairuktam etat te
dies ist Namensetymologie von dir (Nom.n./Gen.)
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit mühsam gesprochenen Silben (Bahuvrīhi)
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich (Inf./Adj.)
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

kaśyapa uvāca; kulaṃ kulaṃ ca kupapaḥ kupayaḥ kaśyapo dvijaḥ; kāśyaḥ kāśanikāśatvād etan me nāma dhāraya

Kaśyapa sprach: „[Ich bin] Geschlecht um Geschlecht, Kupapa, Kupaya, Kaśyapa, der Zweimalgeborene; Kāśya wegen der Ähnlichkeit mit dem Kāśa-Glanz [?]; diesen meinen Namen behalte.“

Wort für Wort
kaśyapa uvāca
Kaśyapa sprach
kulaṃ kulaṃ ca kupapaḥ
Geschlecht um Geschlecht und Kupapa (Nom.)
kupayaḥ kaśyapo dvijaḥ
Kupaya, Kaśyapa, der Zweimalgeborene (Nom.Sg.)
kāśyaḥ kāśanikāśatvād
Kāśya, wegen der Ähnlichkeit mit Kāśa (Nom./Abl.)
etan me nāma dhāraya
diesen meinen Namen behalte (Imp. 2.Sg.)

Wortspiele mit kula, kupa/kupaya und kāśa nicht sicher aufzulösen.

yātudhāny uvāca; yathodāhṛtam etat te mayi nāma mahāmune; durdhāryam etan manasā gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Wie du [den Namen] mir hier genannt hast, großer Weiser: dieser Name ist mit dem Geist schwer zu behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
yathodāhṛtam etat te
wie ausgesprochen [wurde] dies von dir
mayi nāma mahāmune
mir gegenüber [den] Namen, großer Weiser
durdhāryam etan manasā
schwer zu behalten dies durch den Geist
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

bharadvāja uvāca; bhare sutān bhare śiṣyān bhare devān bhare dvijān; bhare bhāryām anavyājo bharadvājo 'smi śobhane

Bharadvāja sprach: „Ich ernähre Söhne, ich ernähre Schüler, ich ernähre Götter, ich ernähre Zweimalgeborene; ich ernähre die Gattin ohne Ausflucht – Bharadvāja bin ich, Schöne.“

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
bhare sutān bhare śiṣyān
ich ernähre Söhne, ich ernähre Schüler (Präs. Med. 1.Sg./Akk.Pl.)
bhare devān bhare dvijān
ich ernähre Götter, ich ernähre Zweimalgeborene
bhare bhāryām anavyājo
ich ernähre die Gattin, ohne Vorwand (Akk./Nom.)
bharadvājo 'smi śobhane
Bharadvāja bin ich, Schöne (Präs. 1.Sg./Vok.f.)

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Das ist bloße Namensdeutung von dir, deren Silben mühsam ausgesprochen sind; das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
nāmanairuktam etat te
dies ist Namensetymologie von dir
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit mühsam gesprochenen Silben
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

gautama uvāca; godamo damago 'dhūmo damo durdarśanaś ca te

Gautama sprach: „Godama, Damaga, Adhūma, Dama und Durdarśana – für dich [?]“

Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach
godamo damago 'dhūmo
Godama (Kuh-Bändiger), Damaga (zur Bändigung gehend), Rauchloser (Nom.)
damo durdarśanaś ca te
Selbstbezwingung und Schweransehbarer, für dich/dir (Nom./Gen.-Dat.)

Die Aufzählung ist als Namensspiel schwer deutbar; te („dir/dein“) unsicher. Der Satz wird in Unit 35 fortgesetzt.

gobhis tamo mama dhvastaṃ jātamātrasya dehataḥ

[Sternzeile:] „Durch Kühe [bzw. Strahlen] wurde mir das Dunkel vertrieben, gleich als ich geboren war, vom Körper an.“

Wort für Wort
gobhis tamo mama
durch Kühe/Strahlen die Finsternis, mir (Instr.Pl./Nom.n./Gen.)
dhvastaṃ
zerstört (PPP n.)
jātamātrasya dehataḥ
des eben Geborenen, vom Körper her (Gen./Abl.-Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); Wortspiel go-tama, „Dunkel durch Kühe/Licht vertrieben“.

viddhi māṃ gautamaṃ kṛtye yātudhāni nibodha me

„Wisse mich als Gautama, Kṛtyā; Yātudhānī, hör mir zu.“

Wort für Wort
viddhi māṃ gautamaṃ kṛtye
wisse mich als Gautama, Kṛtyā (Imp. 2.Sg./Akk./Vok.f.)
yātudhāni nibodha me
Yātudhānī, merk auf mich [meine Worte] (Vok.f./Imp. 2.Sg./Akk.)

yātudhāny uvāca; yathodāhṛtam etat te mayi nāma mahāmune; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Wie du [den Namen] mir hier genannt hast, großer Weiser: das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
yathodāhṛtam etat te
wie ausgesprochen [wurde] dies von dir
mayi nāma mahāmune
mir gegenüber [den] Namen, großer Weiser
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

viśvāmitra uvāca; viśvedevāś ca me mitraṃ mitram asmi gavāṃ tathā; viśvāmitram iti khyātaṃ yātudhāni nibodha me

Viśvāmitra sprach: „Die Allgötter sind mein Freund, und ich bin der Kühe Freund; als Viśvāmitra [„Allfreund“] bekannt – Yātudhānī, hör mich.“

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
viśvedevāś ca me mitraṃ
und die Allgötter [sind] mein Freund (Nom.Pl./Gen./Nom.n.)
mitram asmi gavāṃ tathā
Freund bin ich der Kühe ebenso (Präs. 1.Sg./Gen.Pl.)
viśvāmitram iti khyātaṃ
„Viśvāmitra“ so bekannt (PPP n.)
yātudhāni nibodha me
Yātudhānī, hör mir zu

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Das ist bloße Namensdeutung von dir, deren Silben mühsam ausgesprochen sind; das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
nāmanairuktam etat te
dies ist Namensetymologie von dir
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit mühsam gesprochenen Silben
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

jamadagnir uvāca; jājamadyajajā nāma mṛjā māha jijāyiṣe; jamadagnir iti khyātam ato māṃ viddhi śobhane

Jamadagni sprach: „Jājamadyajajā [ist der] Name, mṛjā māha jijāyiṣe [?]; als Jamadagni ist [er] bekannt; darum wisse mich [so], Schöne.“ [?]

Wort für Wort
jamadagnir uvāca
Jamadagni sprach
jājamadyajajā nāma
Jājamadyajajā, Name (Nom.n.)
mṛjā māha jijāyiṣe
[verderbt/unklar] (mṛjā, māha, jijāyiṣe)
jamadagnir iti khyātam
„Jamadagni“ so bekannt (PPP n.)
ato māṃ viddhi śobhane
daher wisse mich, Schöne (Imp. 2.Sg./Vok.f.)

Der Text der zweiten Halbzeile ist verderbt oder als Lautspiel unauflösbar; die Etymologie von jamadagni bleibt unklar.

yātudhāny uvāca; yathodāhṛtam etat te mayi nāma mahāmune; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Wie du [den Namen] mir hier genannt hast, großer Weiser: das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
yathodāhṛtam etat te
wie ausgesprochen [wurde] dies von dir
mayi nāma mahāmune
mir gegenüber [den] Namen, großer Weiser
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

arundhaty uvāca; dharāṃ dharitrīṃ vasudhāṃ bhartus tiṣṭhāmy anantaram; mano 'nurundhatī bhartur iti māṃ viddhy arundhatīm

Arundhatī sprach: „[Ich trage] die Dharā, Dharitrī, Vasudhā [Namen der Erde] [?]; ich stehe unmittelbar nach dem Gatten, dem Sinn des Gatten folgend – als Arundhatī wisse mich.“

Wort für Wort
arundhaty uvāca
Arundhatī sprach
dharāṃ dharitrīṃ vasudhāṃ
Dharā, Dharitrī, Vasudhā (Akk.Sg.f.)
bhartus tiṣṭhāmy anantaram
des Gatten, ich stehe unmittelbar [danach] (Gen./Präs. 1.Sg./Adv.)
mano 'nurundhatī bhartur
den Sinn folgend/sich fügend des Gatten (Akk./Part.Präs.f./Gen.)
iti māṃ viddhy arundhatīm
so mich wisse als Arundhatī (Imp. 2.Sg./Akk.)

Die Rolle der Akkusative dharāṃ dharitrīṃ vasudhām (Namen der Erde) in der ersten Zeile ist unklar.

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Das ist bloße Namensdeutung von dir, deren Silben mühsam ausgesprochen sind; das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
nāmanairuktam etat te
dies ist Namensetymologie von dir
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit mühsam gesprochenen Silben
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

gaṇḍovāca; gaṇḍaṃ gaṇḍaṃ gatavatī gaṇḍagaṇḍeti saṃjñitā; gaṇḍagaṇḍeva gaṇḍeti viddhi mānalasaṃbhave

Gaṇḍā sprach: „Ich, die ich von Gaṇḍa zu Gaṇḍa [Wange zu Wange/Hügel zu Hügel] gegangen bin, werde ‚Gaṇḍagaṇḍā‘ genannt; wie Gaṇḍagaṇḍā, [so] ‚Gaṇḍā‘ – wisse mich, Feuergeborene.“ [?]

Wort für Wort
gaṇḍovāca
Gaṇḍā sprach
gaṇḍaṃ gaṇḍaṃ gatavatī
zu Gaṇḍa um Gaṇḍa gegangen seiend (Part.Perf.f.)
gaṇḍagaṇḍeti saṃjñitā
„Gaṇḍagaṇḍā“ so benannt (PPP f.)
gaṇḍagaṇḍeva gaṇḍeti
wie Gaṇḍagaṇḍā, „Gaṇḍā“
viddhi mānalasaṃbhave
wisse mich, Feuergeborene (Imp. 2.Sg./mā = mām; Vok.f.)

gaṇḍovāca ist gaṇḍā uvāca (Sandhi). gaṇḍa = Wange, Beule, Hügel; die Deutung bleibt unsicher.

vaktraikadeśe gaṇḍeti dhātum etaṃ pracakṣate; tenonnatena gaṇḍeti viddhi mānalasaṃbhave

[Sternzeilen:] „Für einen Teil des Gesichts [nämlich die Wange] nennt man diese Wurzel ‚gaṇḍ‘ [?]; durch dessen Erhabenheit wisse mich als Gaṇḍā, Feuergeborene.“

Wort für Wort
vaktraikadeśe gaṇḍeti
an einem Teil des Gesichts „gaṇḍa“ (Lok./Nom.)
dhātum etaṃ pracakṣate
diese Wurzel/Grundstoff nennt man (Akk./Präs. Med. 3.Pl.)
tenonnatena gaṇḍeti
durch dieses Erhabene „Gaṇḍā“ (Instr.)
viddhi mānalasaṃbhave
wisse mich, Feuergeborene

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeilen der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften); dhātum etam ist unsicher.

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Die Yātudhānī sprach: „Das ist bloße Namensdeutung von dir, deren Silben mühsam ausgesprochen sind; das lässt sich nicht behalten; steig hinab in den Teich.“

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
die Yātudhānī sprach
nāmanairuktam etat te
dies ist Namensetymologie von dir
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit mühsam gesprochenen Silben
naitad dhārayituṃ śakyaṃ
dies ist nicht zu behalten möglich
gacchāvatara padminīm
geh, steig hinab in den Teich

paśusakha uvāca; sakhā sakhe yaḥ sakhyeyaḥ paśūnāṃ ca sakhā sadā; gauṇaṃ paśusakhety evaṃ viddhi mām agnisaṃbhave

Paśusakha sprach: „‚Sakhā‘ [Freund], o Freund, der der Freundschaft [würdig] ist, und stets der Freund der Tiere – als abgeleiteter [Name] ‚Paśusakha‘ wisse mich so, Feuergeborene.“ [?]

Wort für Wort
paśusakha uvāca
Paśusakha sprach
sakhā sakhe yaḥ sakhyeyaḥ
Freund, o Freund, der zur Freundschaft gehörig (Nom./Vok./Nom.)
paśūnāṃ ca sakhā sadā
und der Tiere Freund stets (Gen.Pl./Nom.)
gauṇaṃ paśusakhety evaṃ
als abgeleiteten [Namen] „Paśusakha“ so (Akk.n.)
viddhi mām agnisaṃbhave
wisse mich, Feuergeborene (Imp. 2.Sg./Vok.f.)

sakhyeyaḥ ist unsicher; gauṇa = abgeleitet/sekundär (Name).

yātudhāny uvāca; nāmanairuktam etat te duḥkhavyābhāṣitākṣaram; naitad dhārayituṃ śakyaṃ gacchāvatara padminīm

Yātudhānī sprach: Dieser dein Name ist eine [bloße] Worterklärung, seine Silben sind schwer auszusprechen; man kann ihn nicht behalten. Steig hinab in den Lotusteich [und nimm die Fasern].

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
Yātudhānī sprach (3.Sg.Perf.)
nāmanairuktam etat te
dieser dein Name [ist] etymologisch erklärend (Nom.Sg.n./Gen.Sg.)
duḥkhavyābhāṣitākṣaram
mit schwer auszusprechenden Silben (Bahuvrīhi, Nom.Sg.n.)
na etad dhārayituṃ śakyam
dies kann nicht behalten werden (Inf./Adj.)
gaccha avatara padminīm
geh, steig hinab in den Lotusteich (Imp.2.Sg./Akk.Sg.f.)

gacchāvatara padminīm: gacchāvatara als Aufforderung „geh hinab“, hier sinngemäß Freigabe zum Lotusteich.

śunaḥsakha uvāca; ebhir uktaṃ yathā nāma nāhaṃ vaktum ihotsahe; śunaḥsakhasakhāyaṃ māṃ yātudhāny upadhāraya

Śunaḥsakha sprach: Wie von diesen der Name [in solcher Weise] genannt wurde, so wage ich ihn hier nicht zu sagen. Erkenne, Yātudhānī, in mir den Freund des Śunaḥsakha.

Wort für Wort
śunaḥsakha uvāca
Śunaḥsakha sprach (3.Sg.Perf.)
ebhir uktaṃ yathā nāma
wie der Name von diesen gesagt wurde (Instr.Pl./Part.Pass.)
na aham vaktum ihotsahe
ich wage es hier nicht zu sagen (1.Sg.Präs./Inf.)
śunaḥsakhasakhāyaṃ mām
mich, den Freund des Śunaḥsakha (Akk.Sg.)
yātudhāni upadhāraya
Yātudhānī, erfasse/erkenne (Vok./Imp.2.Sg.)

śunaḥsakhasakhāyam: wörtlich „Freund des Hundefreundes“; Sinn (Selbstbezeichnung als Name) unsicher.

yātudhāny uvāca; nāma te 'vyaktam uktaṃ vai vākyaṃ saṃdigdhayā girā; tasmāt sakṛd idānīṃ tvaṃ brūhi yan nāma te dvija

Yātudhānī sprach: Dein Name ist undeutlich genannt worden, das Wort mit zweifelhaftem Klang. Darum sage nun einmal, Zweigeborener, wie dein Name lautet.

Wort für Wort
yātudhāny uvāca
Yātudhānī sprach
nāma te avyaktam uktaṃ vai
dein Name wurde undeutlich gesagt (Part.Pass./Nom.Sg.n.)
vākyaṃ saṃdigdhayā girā
das Wort mit zweifelhafter Sprache (Instr.Sg.f.)
tasmāt sakṛd idānīṃ tvaṃ brūhi
darum sage du jetzt einmal (Imp.2.Sg.)
yan nāma te dvija
was dein Name [ist], Zweigeborener (Vok.)

śunaḥsakha uvāca; sakṛd uktaṃ mayā nāma na gṛhītaṃ yadā tvayā; tasmāt tridaṇḍābhihatā gaccha bhasmeti māciram

Śunaḥsakha sprach: Einmal habe ich den Namen genannt, [und] da du ihn nicht aufgefasst hast, so geh, vom Dreistab geschlagen, zu Asche, ohne zu zögern.

Wort für Wort
śunaḥsakha uvāca
Śunaḥsakha sprach
sakṛd uktaṃ mayā nāma
einmal wurde von mir der Name gesagt (Part.Pass./Instr.)
na gṛhītaṃ yadā tvayā
da er von dir nicht aufgefasst wurde (Part.Pass.)
tasmāt tridaṇḍābhihatā
darum vom Dreistab geschlagen (Part.Pass.Nom.f.)
gaccha bhasma iti māciram
geh zu Asche, ohne Verzug (Imp.2.Sg./Akk.)

bhīṣma uvāca; sā brahmadaṇḍakalpena tena mūrdhni hatā tadā; kṛtyā papāta medinyāṃ bhasmasāc ca jagāma ha

Bhīṣma sprach: Da wurde sie von jenem, einem Brahmanenstab gleichen [Stab], auf den Kopf geschlagen; die Kṛtyā fiel zur Erde und wurde tatsächlich zu Asche.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
sā brahmadaṇḍakalpena tena
sie, von jenem einem Brahmanenstab gleichen [Stab] (Instr.Sg.)
mūrdhni hatā tadā
auf den Kopf geschlagen, damals (Lok.Sg./Part.Pass.)
kṛtyā papāta medinyām
die Kṛtyā fiel auf die Erde (Perf.3.Sg./Lok.Sg.)
bhasmasāt ca jagāma ha
und sie ging zu Asche (Perf.3.Sg.)

śunaḥsakhaś ca hatvā tāṃ yātudhānīṃ mahābalām; bhuvi tridaṇḍaṃ viṣṭabhya śādvale samupāviśat

Und Śunaḥsakha setzte sich, nachdem er jene gewaltige Yātudhānī erschlagen hatte, den Dreistab auf den Boden stützend, auf den Rasen.

Wort für Wort
śunaḥsakhaś ca hatvā tām
und Śunaḥsakha, nachdem er sie erschlagen (Abs.)
yātudhānīṃ mahābalām
die Yātudhānī, die sehr starke (Akk.Sg.f.)
bhuvi tridaṇḍaṃ viṣṭabhya
den Dreistab auf den Boden stützend (Abs.)
śādvale samupāviśat
setzte sich auf den grünen Rasen (Impf.3.Sg./Lok.)

tatas te munayaḥ sarve puṣkarāṇi bisāni ca; yathākāmam upādāya samuttasthur mudānvitāḥ

Darauf nahmen alle jene Weisen nach Belieben Lotusblüten und Lotusfasern an sich und erhoben sich freudig.

Wort für Wort
tatas te munayaḥ sarve
darauf all diese Weisen (Nom.Pl.)
puṣkarāṇi bisāni ca
Lotusblüten und Lotusfasern (Akk.Pl.n.)
yathākāmam upādāya
nach Belieben aufnehmend (Abs.)
samuttasthur mudānvitāḥ
erhoben sich, von Freude erfüllt (Perf.3.Pl./Nom.Pl.)

śrameṇa mahatā yuktās te bisāni kalāpaśaḥ; tīre nikṣipya padminyās tarpaṇaṃ cakrur ambhasā

Von großer Mühe erschöpft, legten sie die Lotusfasern bündelweise am Ufer des Lotusteichs nieder und brachten mit dem Wasser das Tarpaṇa-Opfer dar.

Wort für Wort
śrameṇa mahatā yuktāḥ te
mit großer Anstrengung behaftet, sie (Instr./Nom.Pl.)
bisāni kalāpaśaḥ
die Lotusfasern bündelweise (Akk.Pl./Adv.)
tīre nikṣipya padminyāḥ
am Ufer des Lotusteichs niederlegend (Lok./Abs./Gen.)
tarpaṇaṃ cakrur ambhasā
brachten das Tarpaṇa dar mit Wasser (Perf.3.Pl./Instr.)

athotthāya jalāt tasmāt sarve te vai samāgaman; nāpaśyaṃś cāpi te tāni bisāni puruṣarṣabha

Dann stiegen sie alle aus jenem Wasser empor und kamen zusammen; doch sie sahen jene Lotusfasern nicht [mehr], Stier unter den Männern.

Wort für Wort
atha utthāya jalāt tasmāt
dann aus jenem Wasser aufgestiegen (Abs./Abl.)
sarve te vai samāgaman
sie alle kamen zusammen (Aor./Impf.3.Pl.)
na apaśyan ca api te tāni bisāni
sie sahen jene Lotusfasern auch nicht (Impf.3.Pl.)
puruṣarṣabha
Stier unter den Männern (Vok.)

ṛṣaya ūcuḥ; kena kṣudhābhibhūtānām asmākaṃ pāpakarmaṇā; nṛśaṃsenāpanītāni bisāny āhārakāṅkṣiṇām

Die Weisen sprachen: Von welchem Übeltäter, welchem grausamen [Menschen] wurden uns, die wir vom Hunger überwältigt sind und nach Nahrung verlangen, die Lotusfasern weggenommen?

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Weisen sprachen (Perf.3.Pl.)
kena kṣudhābhibhūtānām asmākam
von wem, [uns] vom Hunger Überwältigten (Gen.Pl.)
pāpakarmaṇā nṛśaṃsena
vom Übeltäter, vom Grausamen (Instr.Sg.)
apanītāni bisāni
weggenommen wurden die Lotusfasern (Part.Pass.Nom.Pl.n.)
āhārakāṅkṣiṇām
[uns] Nahrung Begehrenden (Gen.Pl.)

te śaṅkamānās tv anyonyaṃ papracchur dvijasattamāḥ; ta ūcuḥ śapathaṃ sarve kurma ity arikarśana

Einander verdächtigend, fragten sich die besten der Zweigeborenen; alle sprachen einen Schwur aus, Bezwinger der Feinde: „So sei es!“

Wort für Wort
te śaṅkamānāḥ tu anyonyam
sie, einander verdächtigend (Part.Präs.)
papracchur dvijasattamāḥ
fragten, die besten der Zweigeborenen (Perf.3.Pl./Nom.Pl.)
te ūcuḥ śapathaṃ sarve
sie alle sprachen einen Schwur (Perf.3.Pl./Akk.)
kurma ity arikarśana
„wir wollen tun/leisten“ [Schwur], Bezwinger der Feinde (1.Pl.Präs./Vok.)

kurma ity: „wir wollen [den Schwur] leisten“ (kurmaḥ, 1.Pl. Ind.); wörtlich „wir tun“.

ta uktvā bāḍham ity eva sarva eva śunaḥsakham; kṣudhārtāḥ supariśrāntāḥ śapathāyopacakramuḥ

Sie alle sagten „Gut!“ zu Śunaḥsakha, und, vom Hunger gequält und sehr erschöpft, gingen sie daran, den Schwur zu leisten.

Wort für Wort
te uktvā bāḍham iti eva
sie sagten nur: „Gut!“ (Abs.)
sarve eva śunaḥsakham
alle zu Śunaḥsakha (Akk.Sg.)
kṣudhārtāḥ supariśrāntāḥ
vom Hunger gequält, sehr erschöpft (Nom.Pl.)
śapathāya upacakramuḥ
begannen [mit] dem Schwur (Dat./Perf.3.Pl.)

atrir uvāca; sa gāṃ spṛśatu pādena sūryaṃ ca pratimehatu; anadhyāyeṣv adhīyīta bisastainyaṃ karoti yaḥ

Atri sprach: Er soll eine Kuh mit dem Fuß berühren und gegen die Sonne urinieren; er soll an Nicht-Studientagen rezitieren, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
atrir uvāca
Atri sprach
sa gāṃ spṛśatu pādena
er berühre die Kuh mit dem Fuß (Imp.3.Sg./Instr.)
sūryaṃ ca pratimehatu
und gegen die Sonne urinieren (Imp.3.Sg.)
anadhyāyeṣv adhīyīta
er möge an Nicht-Studientagen studieren (Opt.Med./Lok.Pl.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfaserdiebstahl begeht (Präs.3.Sg.)

vasiṣṭha uvāca; anadhyāyaparo loke śunaḥ sa parikarṣatu; parivrāṭ kāmavṛtto 'stu bisastainyaṃ karoti yaḥ

Vasiṣṭha sprach: Wer in der Welt auf Nicht-Studium erpicht ist, der soll Hunde [mit sich] herumschleppen; ein Wandermönch nach eigener Willkür sei, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
vasiṣṭha uvāca
Vasiṣṭha sprach
anadhyāyaparo loke
auf Nicht-Studium bedacht in der Welt (Nom.Sg./Lok.)
śunaḥ sa parikarṣatu
Hunde soll er herumschleppen (Akk.Pl./Imp.3.Sg.)
parivrāṭ kāmavṛtto astu
ein Wandermönch nach Belieben sei er (Nom./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

śunaḥ parikarṣatu: Deutung unsicher [?] (Hunde herumzerren/-schleppen als niedriges Gewerbe).

śaraṇāgataṃ hantu mitraṃ svasutāṃ copajīvatu; arthān kāṅkṣatu kīnāśād bisastainyaṃ karoti yaḥ

Einen Schutzsuchenden soll er töten, vom Freund und von der eigenen Tochter leben und von einem Geizhals Reichtümer verlangen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
śaraṇāgataṃ hantu mitram
den Schutzsuchenden töte er, den Freund (Akk./Imp.3.Sg.)
svasutāṃ ca upajīvatu
und von der eigenen Tochter lebe er (Akk./Imp.3.Sg.)
arthān kāṅkṣatu kīnāśāt
Reichtümer begehre er von einem Geizhals/Pflüger (Akk.Pl./Abl.) [?]
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

kīnāśa: „Pflüger, Geizhals“ (auch Yama); Wiedergabe „Geizhals“ unsicher.

kaśyapa uvāca; sarvatra sarvaṃ paṇatu nyāsalopaṃ karotu ca; kūṭasākṣitvam abhyetu bisastainyaṃ karoti yaḥ

Kaśyapa sprach: Überall soll er mit allem Handel treiben und anvertrautes Gut unterschlagen und falsches Zeugnis ablegen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
kaśyapa uvāca
Kaśyapa sprach
sarvatra sarvaṃ paṇatu
überall treibe er mit allem Handel (Imp.3.Sg.)
nyāsalopaṃ karotu ca
und unterschlage Anvertrautes (Akk./Imp.3.Sg.)
kūṭasākṣitvam abhyetu
falsches Zeugentum trete er an (Akk./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

vṛthāmāṃsaṃ samaśnātu vṛthādānaṃ karotu ca; yātu striyaṃ divā caiva bisastainyaṃ karoti yaḥ

Nutzlos [erworbenes] Fleisch soll er essen und nutzlose Gaben geben und bei Tage zu einer Frau gehen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
vṛthāmāṃsaṃ samaśnātu
nutzloses Fleisch esse er (Imp.3.Sg.)
vṛthādānaṃ karotu ca
und gebe nutzlose Gabe (Imp.3.Sg.)
yātu striyaṃ divā ca eva
und gehe zur Frau bei Tage (Imp.3.Sg./Akk./Adv.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

bharadvāja uvāca; nṛśaṃsas tyaktadharmāstu strīṣu jñātiṣu goṣu ca; brāhmaṇaṃ cāpi jayatāṃ bisastainyaṃ karoti yaḥ

Bharadvāja sprach: Grausam und von der Pflicht abgefallen soll er sein gegenüber Frauen, Verwandten und Kühen, und selbst einen Brahmanen soll er übervorteilen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
bharadvāja uvāca
Bharadvāja sprach
nṛśaṃsaḥ tyaktadharmaḥ astu
grausam, die Pflicht verlassend sei er (Nom./Imp.3.Sg.)
strīṣu jñātiṣu goṣu ca
gegenüber Frauen, Verwandten und Kühen (Lok.Pl.)
brāhmaṇaṃ ca api jayatām
auch einen Brahmanen besiege/übervorteile er (Akk./Imp.Med.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

jayatām: ungewöhnliche Imperativform; „übervorteilen“ als Wiedergabe von „besiegen“ unsicher [?].

upādhyāyam adhaḥ kṛtvā ṛco 'dhyetu yajūṃṣi ca; juhotu ca sa kakṣāgnau bisastainyaṃ karoti yaḥ

Seinen Lehrer zurücksetzend, soll er die Ṛg- und Yajusverse studieren und ins Buschfeuer opfern, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
upādhyāyam adhaḥ kṛtvā
den Lehrer hintansetzend (Abs.)
ṛcaḥ adhyetu yajūṃṣi ca
Ṛg- und Yajusverse studiere er (Akk.Pl./Imp.3.Sg.)
juhotu ca sa kakṣāgnau
und opfere er ins Buschfeuer (Imp.3.Sg./Lok.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

kakṣāgni: „Feuer im Gestrüpp/Dickicht“ (auch „Achselfeuer“ möglich) [?].

jamadagnir uvāca; purīṣam utsṛjatv apsu hantu gāṃ cāpi dohinīm; anṛtau maithunaṃ yātu bisastainyaṃ karoti yaḥ

Jamadagni sprach: Kot soll er ins Wasser entleeren und eine Milchkuh töten und zur Unzeit [der Frau] beiwohnen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
jamadagnir uvāca
Jamadagni sprach
purīṣam utsṛjatu apsu
Kot entleere er ins Wasser (Imp.3.Sg./Lok.Pl.)
hantu gāṃ ca api dohinīm
und töte eine Milchkuh (Imp.3.Sg./Akk.)
anṛtau maithunaṃ yātu
außerhalb der [fruchtbaren] Zeit gehe er zum Beischlaf (Lok./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

dveṣyo bhāryopajīvī syād dūrabandhuś ca vairavān; anyonyasyātithiś cāstu bisastainyaṃ karoti yaḥ

Verhasst soll er sein, von seiner Frau lebend, mit entfernten Verwandten und feindselig, und Gast des jeweils anderen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
dveṣyaḥ bhāryopajīvī syāt
verhasst, von der Frau lebend sei er (Nom./Opt.3.Sg.)
dūrabandhuḥ ca vairavān
mit fernen Verwandten und feindselig (Nom.Sg.)
anyonyasya atithiḥ ca astu
und Gast des jeweils anderen sei er (Gen./Imp.3.Sg.) [?]
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

anyonyasyātithiḥ: Sinn unsicher.

gautama uvāca; adhītya vedāṃs tyajatu trīn agnīn apavidhyatu; vikrīṇātu tathā somaṃ bisastainyaṃ karoti yaḥ

Gautama sprach: Nachdem er die Veden studiert hat, soll er sie aufgeben, die drei Feuer wegwerfen und den Soma verkaufen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
gautama uvāca
Gautama sprach
adhītya vedān tyajatu
die Veden studiert habend, gebe er [sie] auf (Abs./Imp.3.Sg.)
trīn agnīn apavidhyatu
die drei Feuer werfe er weg (Akk.Pl./Imp.3.Sg.)
vikrīṇātu tathā somam
und verkaufe den Soma (Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

udapānaplave grāme brāhmaṇo vṛṣalīpatiḥ; tasya sālokyatāṃ yātu bisastainyaṃ karoti yaḥ

In einem Dorf, dessen Brunnen überschwemmt sind, soll er als Brahmane Gatte einer Vṛṣalī sein; deren Welt-Gemeinschaft soll er erlangen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
udapānaplave grāme
in einem Dorf mit überfluteten Brunnen (Lok.Sg.)
brāhmaṇaḥ vṛṣalīpatiḥ
der Brahmane, Gatte einer Vṛṣalī (Nom.Sg.)
tasya sālokyatāṃ yātu
dessen Weltgemeinschaft erlange er (Gen./Akk./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

udapānaplave: Deutung unsicher [?] („in dessen Brunnen Überschwemmung ist“).

udapāne śleṣmamūtre cotsṛjed vṛṣalīpatiḥ; yātu pāpīyasāṃ lokaṃ bisastainyaṃ karoti yaḥ

Als Gatte einer Vṛṣalī soll er in den Brunnen Schleim und Urin entleeren; er soll in die Welt der Sündhafteren gehen, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
udapāne śleṣmamūtre ca
in den Brunnen Schleim und Urin (Lok./Akk.Du.n.)
utsṛjet vṛṣalīpatiḥ
er möge entleeren, der Vṛṣalī-Gatte (Opt.3.Sg./Nom.)
yātu pāpīyasāṃ lokam
er gehe in die Welt der Sündhafteren (Imp./Gen.Pl.Komp.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (Sternzeile).

viśvāmitra uvāca; jīvato vai gurūn bhṛtyān bharantv asya pare janāḥ; agatir bahuputraḥ syād bisastainyaṃ karoti yaḥ

Viśvāmitra sprach: Zu seinen Lebzeiten sollen andere Leute seine Lehrer und Diener erhalten; ohne Zuflucht soll er sein, obwohl er viele Söhne hat, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
viśvāmitra uvāca
Viśvāmitra sprach
jīvataḥ vai gurūn bhṛtyān
der Lebende [hat] Lehrer, Diener (Gen./Akk.Pl.)
bharantu asya pare janāḥ
andere Leute sollen ihm [sie] unterhalten (Imp.3.Pl.)
agatiḥ bahuputraḥ syāt
ohne Zuflucht, vielsöhnig sei er (Nom./Opt.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

jīvato ... asya: der Sinn des Verses ist unsicher [?].

aśucir brahmakūṭo 'stu ṛddhyā caivāpy ahaṃkṛtaḥ; karṣako matsarī cāstu bisastainyaṃ karoti yaḥ

Unrein soll er sein, ein Brahman-Schwindler und durch [seinen] Wohlstand hochmütig, ein Ackerbauer und Neider, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
aśuciḥ brahmakūṭaḥ astu
unrein, Brahman-Fälscher sei er (Nom./Imp.3.Sg.)
ṛddhyā ca api ahaṃkṛtaḥ
und durch Wohlstand selbstbewusst/hochmütig (Instr./Part.Pass.)
karṣakaḥ matsarī ca astu
Pflüger und Neider sei er (Nom.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

varṣān karotu bhṛtako rājñaś cāstu purohitaḥ; ayājyasya bhaved ṛtvig bisastainyaṃ karoti yaḥ

Jahrelang soll er Lohnarbeiter sein und Hauspriester des Königs, und Priester eines, für den man nicht opfern darf, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
varṣān karotu bhṛtakaḥ
jahrelang tue er [Dienst] als Lohnarbeiter (Akk.Pl./Imp.3.Sg./Nom.)
rājñaḥ ca astu purohitaḥ
und des Königs Hauspriester sei er (Gen./Imp.3.Sg.)
ayājyasya bhavet ṛtvik
Opferpriester eines Nicht-Opferbaren sei er (Gen./Opt.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

arundhaty uvāca; nityaṃ parivadec chvaśrūṃ bhartur bhavatu durmanāḥ

Arundhatī sprach: Beständig soll sie die Schwiegermutter schmähen und ihrem Gatten gegenüber missgestimmt sein,

Wort für Wort
arundhaty uvāca
Arundhatī sprach
nityaṃ parivadet śvaśrūm
stets schmähe sie die Schwiegermutter (Opt.3.Sg./Akk.)
bhartuḥ bhavatu durmanāḥ
gegenüber dem Gatten sei sie missmutig (Gen./Imp.3.Sg.)

śvaśrvā vivādaṃ vadatu bhartṛhīnā ca jīvatu

mit der Schwiegermutter soll sie streiten und ohne Gatten leben,

Wort für Wort
śvaśrvā vivādaṃ vadatu
mit der Schwiegermutter Streit führe sie (Instr./Akk./Imp.3.Sg.)
bhartṛhīnā ca jīvatu
und ohne Gatten lebe sie (Nom.f./Imp.3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers der kritischen Ausgabe (Sternzeile).

ekā svādu samaśnātu bisastainyaṃ karoti yā

und allein soll sie Wohlschmeckendes essen, die Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
ekā svādu samaśnātu
allein esse sie Schmackhaftes (Nom.f./Akk.n./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yā
die Lotusfasern stiehlt (Präs.3.Sg./Rel.f.)

jñātīnāṃ gṛhamadhyasthā saktūn attu dinakṣaye; abhāgyāvīrasūr astu bisastainyaṃ karoti yā

Inmitten des Hauses der Verwandten weilend, soll sie am Tagesende Gerstenmehl essen; unglückselig und Mutter von Nicht-Helden soll sie sein, die Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
jñātīnāṃ gṛhamadhyasthā
im Haus der Verwandten mittendrin weilend (Gen.Pl./Nom.f.)
saktūn attu dinakṣaye
Gerstenmehl esse sie am Tagesende (Akk.Pl./Imp.3.Sg./Lok.)
abhāgyāvīrasūḥ astu
unglückselig und Mutter von Nicht-Helden sei sie (Nom.f./Imp.3.Sg.)
bisastainyaṃ karoti yā
die Lotusfasern stiehlt

gaṇḍovāca; anṛtaṃ bhāṣatu sadā sādhubhiś ca virudhyatu; dadātu kanyāṃ śulkena bisastainyaṃ karoti yā

Gaṇḍā sprach: Stets soll sie Unwahres reden, mit Guten sich überwerfen und ihre Tochter gegen Brautpreis hergeben, die Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
gaṇḍā uvāca
Gaṇḍā sprach
anṛtaṃ bhāṣatu sadā
Unwahres spreche sie stets (Akk./Imp.3.Sg.)
sādhubhiḥ ca virudhyatu
und mit Guten liege sie in Feindschaft (Instr.Pl./Imp.3.Sg.)
dadātu kanyāṃ śulkena
gebe die Tochter gegen Brautpreis (Imp.3.Sg./Akk./Instr.)
bisastainyaṃ karoti yā
die Lotusfasern stiehlt

sādhayitvā svayaṃ prāśed dāsye jīvatu caiva ha; vikarmaṇā pramīyeta bisastainyaṃ karoti yā

Nachdem sie selbst [die Speise] zubereitet hat, soll sie [allein] zuerst davon essen und in Magdschaft leben; durch ein Vergehen soll sie umkommen, die Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
sādhayitvā svayaṃ prāśet
nachdem sie selbst zubereitet, esse sie zuerst (Abs./Opt.3.Sg.)
dāsye jīvatu ca ha
und lebe in Magd-/Knechtschaft (Lok./Imp.3.Sg.)
vikarmaṇā pramīyeta
durch ein Fehlverhalten komme sie um (Instr./Opt.Pass.)
bisastainyaṃ karoti yā
die Lotusfasern stiehlt

prāśet: „essen“, hier wohl „vor den anderen essen“ [?].

paśusakha uvāca; dāsya eva prajāyeta so 'prasūtir akiṃcanaḥ; daivateṣv anamaskāro bisastainyaṃ karoti yaḥ

Paśusakha sprach: In Dienstbarkeit soll er geboren werden, ohne Nachkommenschaft und besitzlos, und den Göttern gegenüber ohne Verehrung sein, wer Lotusfasern stiehlt.

Wort für Wort
paśusakha uvāca
Paśusakha sprach
dāsye eva prajāyeta
in Dienstbarkeit werde er geboren (Lok./Opt.Med.)
saḥ aprasūtiḥ akiṃcanaḥ
er, ohne Nachkommen, besitzlos (Nom.Sg.)
daivateṣu anamaskāraḥ
Nicht-Verehrung gegenüber den Göttern (Lok.Pl./Nom.)
bisastainyaṃ karoti yaḥ
wer Lotusfasern stiehlt

dāsye eva: auch „von einer Sklavin geboren“ (dāsyāḥ) denkbar [?].

śunaḥsakha uvāca; adhvaryave duhitaraṃ dadātu; cchandoge vā caritabrahmacarye; ātharvaṇaṃ vedam adhītya vipraḥ; snāyīta yo vai harate bisāni

Śunaḥsakha sprach: Er soll einem Adhvaryu die Tochter geben, oder einem Chandoga, der das Brahmacarya vollzogen hat; und der Brahmane, der den Atharvaveda studiert hat, soll das Abschlussbad nehmen, wer Lotusfasern entwendet.

Wort für Wort
śunaḥsakha uvāca
Śunaḥsakha sprach
adhvaryave duhitaraṃ dadātu
einem Adhvaryu gebe er die Tochter (Dat./Akk./Imp.3.Sg.)
chandoge vā caritabrahmacarye
oder einem Sāmaveda-Sänger, der Brahmacarya geübt hat (Lok./Dat.-Funktion)
ātharvaṇaṃ vedam adhītya vipraḥ
der Brahmane, den Atharvaveda studiert habend (Akk./Abs./Nom.)
snāyīta yaḥ vai harate bisāni
er nehme das Abschlussbad, wer die Lotusfasern nimmt (Opt.Med./Präs.Med.)

ṛṣaya ūcuḥ; iṣṭam etad dvijātīnāṃ yo 'yaṃ te śapathaḥ kṛtaḥ; tvayā kṛtaṃ bisastainyaṃ sarveṣāṃ naḥ śunaḥsakha

Die Weisen sprachen: Dieser Schwur, den du geleistet hast, ist den Zweimalgeborenen willkommen; von dir wurde der Lotusfasern-Diebstahl an uns allen begangen, Śunaḥsakha.

Wort für Wort
ṛṣaya ūcuḥ
die Weisen sprachen
iṣṭam etad dvijātīnām
dies ist den Zweimalgeborenen erwünscht (Part.Pass./Gen.Pl.)
yaḥ ayaṃ te śapathaḥ kṛtaḥ
dieser Schwur, der von dir getan wurde (Nom./Part.Pass.)
tvayā kṛtaṃ bisastainyam
von dir wurde der Lotusfaserdiebstahl begangen (Instr./Part.Pass.)
sarveṣāṃ naḥ śunaḥsakha
an uns allen, Śunaḥsakha (Gen.Pl./Vok.)

śunaḥsakha uvāca; nyastam ādyam apaśyadbhir yad uktaṃ kṛtakarmabhiḥ; satyam etan na mithyaitad bisastainyaṃ kṛtaṃ mayā

Śunaḥsakha sprach: Was [ihr] gesagt habt, [ihr,] die ihr das zuvor Niedergelegte nicht saht und [eure] Taten getan habt, das ist wahr, nicht falsch: der Lotusfasern-Diebstahl wurde von mir begangen.

Wort für Wort
śunaḥsakha uvāca
Śunaḥsakha sprach
nyastam ādyam apaśyadbhiḥ
von denen, die das zuerst Niedergelegte nicht sahen (Part.Pass./Instr.Pl.) [?]
yad uktaṃ kṛtakarmabhiḥ
was gesagt wurde von denen, die ihr Werk getan haben (Instr.Pl.)
satyam etat na mithyā etat
dies ist wahr, dies nicht falsch
bisastainyaṃ kṛtaṃ mayā
der Lotusfaserdiebstahl wurde von mir begangen (Part.Pass./Instr.)

Erste Vershälfte syntaktisch unsicher [?]; Sinn: Er bestätigt die Aussage der Weisen, er selbst habe die Fasern genommen.

mayā hy antarhitānīha bisānīmāni paśyata; parīkṣārthaṃ bhagavatāṃ kṛtam etan mayānaghāḥ; rakṣaṇārthaṃ ca sarveṣāṃ bhavatām aham āgataḥ

Denn von mir sind diese Lotusfasern hier verborgen worden, seht [sie]! Zur Prüfung der Ehrwürdigen wurde dies von mir getan, ihr Makellosen, und zum Schutz von euch allen bin ich gekommen.

Wort für Wort
mayā hi antarhitāni iha
denn von mir hier verborgen (Instr./Part.Pass.)
bisāni imāni paśyata
diese Lotusfasern seht (Imp.2.Pl.)
parīkṣārthaṃ bhagavatām
zur Prüfung der Ehrwürdigen (Gen.Pl.)
kṛtam etat mayā anaghāḥ
dies wurde von mir getan, ihr Makellosen (Vok.Pl.)
rakṣaṇārthaṃ ca sarveṣāṃ bhavatām aham āgataḥ
und zum Schutz von euch allen bin ich gekommen (Part.Perf.)

yātudhānī hy atikruddhā kṛtyaiṣā vo vadhaiṣiṇī; vṛṣādarbhiprayuktaiṣā nihatā me tapodhanāḥ

Denn diese Yātudhānī, die höchst zornige Kṛtyā, die euch töten wollte, von Vṛṣādarbhi ausgesandt, wurde von mir erschlagen, ihr Askesereichen.

Wort für Wort
yātudhānī hi atikruddhā
die Yātudhānī, höchst erzürnt (Nom.f.)
kṛtyā eṣā vaḥ vadhaiṣiṇī
diese Kṛtyā, euren Tod begehrend (Nom.f.)
vṛṣādarbhiprayuktā eṣā
von Vṛṣādarbhi ausgesandt (Part.Pass.f.)
nihatā me tapodhanāḥ
erschlagen wurde sie von mir, ihr Askesereichen (Part.Pass./Vok.Pl.)

duṣṭā hiṃsyād iyaṃ pāpā yuṣmān praty agnisaṃbhavā; tasmād asmy āgato viprā vāsavaṃ māṃ nibodhata

Diese böse, aus dem Feuer entstandene Verruchte hätte euch [sonst] verletzt; darum bin ich gekommen, ihr Brahmanen: erkennt mich als Vāsava.

Wort für Wort
duṣṭā hiṃsyāt iyaṃ pāpā
diese Böse und Sündige würde verletzen (Opt.3.Sg.)
yuṣmān prati agnisaṃbhavā
euch gegenüber, aus dem Feuer entstanden (Akk.Pl./Nom.f.)
tasmāt asmi āgataḥ viprāḥ
darum bin ich gekommen, ihr Brahmanen (Part.Perf./Vok.Pl.)
vāsavaṃ māṃ nibodhata
erkennt mich als Vāsava (Akk./Imp.2.Pl.)

alobhād akṣayā lokāḥ prāptā vaḥ sārvakāmikāḥ; uttiṣṭhadhvam itaḥ kṣipraṃ tān avāpnuta vai dvijāḥ

Wegen [eurer] Gierlosigkeit sind euch unvergängliche, alle Wünsche erfüllende Welten zuteil geworden; erhebt euch schnell von hier und erlangt sie, ihr Zweimalgeborenen.

Wort für Wort
alobhāt akṣayāḥ lokāḥ
wegen Gierlosigkeit unvergängliche Welten (Abl./Nom.Pl.)
prāptāḥ vaḥ sārvakāmikāḥ
euch zuteil geworden, alle Wünsche erfüllend (Part.Pass./Nom.Pl.)
uttiṣṭhadhvam itaḥ kṣipram
erhebt euch schnell von hier (Imp.2.Pl.Med.)
tān avāpnuta vai dvijāḥ
erlangt sie, ihr Zweimalgeborenen (Imp.2.Pl./Vok.)

bhīṣma uvāca; tato maharṣayaḥ prītās tathety uktvā puraṃdaram; sahaiva tridaśendreṇa sarve jagmus triviṣṭapam

Bhīṣma sprach: Da sagten die großen Weisen erfreut zu Puraṃdara „So sei es“, und alle gingen zusammen mit dem Herrn der Dreißig [Götter] in den Himmel.

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach
tataḥ maharṣayaḥ prītāḥ
da die großen Weisen, erfreut (Nom.Pl.)
tathā iti uktvā puraṃdaram
„So [sei es]“ sagend zu Puraṃdara (Abs./Akk.)
saha eva tridaśendreṇa
zusammen mit dem Herrn der Dreißig (Instr.Sg.)
sarve jagmuḥ triviṣṭapam
alle gingen in den Himmel (Perf.3.Pl./Akk.)

evam ete mahātmāno bhogair bahuvidhair api; kṣudhā paramayā yuktāś chandyamānā mahātmabhiḥ; naiva lobhaṃ tadā cakrus tataḥ svargam avāpnuvan

So haben diese Hochgesinnten, obwohl sie von höchstem Hunger geplagt und von Hochgesinnten mit mannigfachen Genüssen gelockt wurden, damals keine Gier gezeigt; darum erlangten sie den Himmel.

Wort für Wort
evam ete mahātmānaḥ
so diese Hochgesinnten (Nom.Pl.)
bhogaiḥ bahuvidhaiḥ api
mit vielerlei Genüssen (Instr.Pl.)
kṣudhā paramayā yuktāḥ
von höchstem Hunger befallen (Instr./Part.Pass.)
chandyamānāḥ mahātmabhiḥ
gelockt/eingeladen von Hochgesinnten (Part.Pass.Pass./Instr.Pl.)
na eva lobhaṃ tadā cakruḥ
zeigten damals keineswegs Gier (Perf.3.Pl.)
tataḥ svargam avāpnuvan
darauf erlangten sie den Himmel (Impf.3.Pl.)

chandyamānāḥ mahātmabhiḥ: „von Hochgesinnten [d.h. den Göttern?] mit Genüssen eingeladen“, Bezug unsicher [?].

tasmāt sarvāsv avasthāsu naro lobhaṃ vivarjayet; eṣa dharmaḥ paro rājann alobha iti viśrutaḥ

Darum soll der Mensch in allen Lagen die Gier meiden; dies ist die höchste Pflicht, o König: Gierlosigkeit, so ist es bekannt.

Wort für Wort
tasmāt sarvāsu avasthāsu
darum in allen Lagen (Lok.Pl.f.)
naraḥ lobhaṃ vivarjayet
der Mensch meide die Gier (Opt.3.Sg./Akk.)
eṣaḥ dharmaḥ paraḥ rājan
dies ist die höchste Pflicht, o König (Nom./Vok.)
alobhaḥ iti viśrutaḥ
Gierlosigkeit, so ist sie bekannt (Part.Pass.)

idaṃ naraḥ saccaritaṃ samavāyeṣu kīrtayet; sukhabhāgī ca bhavati na ca durgāṇy avāpnute

Wer diese gute Geschichte in Versammlungen rühmt, wird glücklich und gerät nicht in Bedrängnis.

Wort für Wort
idaṃ naraḥ saccaritam
diese gute Geschichte, ein Mann (Akk.Sg.n./Nom.)
samavāyeṣu kīrtayet
er verkünde in Versammlungen (Lok.Pl./Opt.3.Sg.)
sukhabhāgī ca bhavati
und wird des Glücks teilhaftig (Präs.3.Sg.)
na ca durgāṇi avāpnute
und gerät nicht in Notlagen (Akk.Pl./Präs.Med.3.Sg.)

prīyante pitaraś cāsya ṛṣayo devatās tathā; yaśodharmārthabhāgī ca bhavati pretya mānavaḥ

Seine Ahnen freuen sich, ebenso die Weisen und Götter; und nach dem Tod hat der Mensch Anteil an Ruhm, Recht und Gewinn.

Wort für Wort
prīyante pitaraḥ ca asya
es freuen sich seine Ahnen (Präs.Pass.3.Pl./Nom.Pl.)
ṛṣayaḥ devatāḥ tathā
die Weisen [und] die Götter ebenso (Nom.Pl.)
yaśodharmārthabhāgī ca bhavati
und wird teilhaftig von Ruhm, Recht und Gewinn (Nom.Sg.)
pretya mānavaḥ
nach dem Tode, der Mensch (Abs./Nom.)

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