Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Anuśāsanaparva

Kapitel 137: arjunapavanasaṃvādaḥ Das Gespräch zwischen dem Wind und Arjuna Kārtavīrya über den Vorrang der Brahmanen

Yudhiṣṭhira fragt nach dem Grund der Brahmanenverehrung; Bhīṣma antwortet mit der alten Geschichte vom übermütigen König Kārtavīrya Arjuna, den eine Stimme aus der Luft und dann der Windgott zur Demut gegenüber den Brahmanen mahnen.

yudhiṣṭhira uvāca; kāṃ tu brāhmaṇapūjāyāṃ vyuṣṭiṃ dṛṣṭvā janādhipa; kaṃ vā karmodayaṃ matvā tān arcasi mahāmate

Yudhiṣṭhira sprach: „Welches Gedeihen siehst du in der Verehrung der Brahmanen, o Herr der Menschen, oder welchen Aufstieg des Handelns [Tuns] hältst du dafür, dass du sie ehrst, o Hochgesinnter?“

Wort für Wort
yudhiṣṭhira uvāca
Yudhiṣṭhira sprach (Perf.)
kāṃ tu brāhmaṇapūjāyāṃ vyuṣṭiṃ dṛṣṭvā
welches Gedeihen (Akk.Sg.f.) in der Brahmanenverehrung (Lok.) erblickt habend (Abs.)
janādhipa
o Herr der Menschen (Vok.)
kaṃ vā karmodayaṃ matvā
oder welchen Aufstieg des Handelns (Akk.) gemeint habend (Abs.)
tān arcasi mahāmate
sie (Akk.Pl.) ehrst du (2.Sg.Präs.), o Hochgesinnter (Vok.)

bhīṣma uvāca; atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam; pavanasya ca saṃvādam arjunasya ca bhārata

Bhīṣma sprach: „Hierzu erzählt man diese alte Geschichte: das Gespräch des Windes mit Arjuna, o Bhārata.“

Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
atrāpy udāharantīmam itihāsaṃ purātanam
auch hierzu führt man an (3.Pl.Präs.) diese (Akk.) alte (Akk.) Geschichte (Akk.)
pavanasya ca saṃvādam
und das Gespräch (Akk.) des Windes (Gen.)
arjunasya ca bhārata
und des Arjuna (Gen.), o Bhārata (Vok.)

sahasrabhujabhṛc chrīmān kārtavīryo 'bhavat prabhuḥ; asya lokasya sarvasya māhiṣmatyāṃ mahābalaḥ

Der tausendarmige, glanzvolle Kārtavīrya wurde in Māhiṣmatī zum Herrn, der Gewaltige, über diese ganze Welt.

Wort für Wort
sahasrabhujabhṛc chrīmān
tausend Arme tragend (Kompositum, Nom.), glanzvoll (Nom.)
kārtavīryo 'bhavat prabhuḥ
Kārtavīrya (Nom.) wurde (Impf.) Herr (Nom.)
asya lokasya sarvasya
dieser (Gen.) ganzen (Gen.) Welt (Gen.)
māhiṣmatyāṃ mahābalaḥ
in Māhiṣmatī (Lok.), der Machtgewaltige (Nom.)

sa tu ratnākaravatīṃ sadvīpāṃ sāgarāmbarām; śaśāsa sarvāṃ pṛthivīṃ haihayaḥ satyavikramaḥ

Er aber beherrschte die ganze Erde mit ihren Juwelenminen, samt Inseln, vom Meer als Gewand umgeben, der Haihaya von wahrer Tapferkeit.

Wort für Wort
sa tu ratnākaravatīṃ sadvīpām
er aber (Nom.), die mit Juwelenminen (Akk.), mit Inseln (Akk.)
sāgarāmbarām
die meergewandete (Akk.)
śaśāsa sarvāṃ pṛthivīm
beherrschte (Perf.) die ganze (Akk.) Erde (Akk.)
haihayaḥ satyavikramaḥ
der Haihaya (Nom.), von wahrer Tapferkeit (Nom.)

svavittaṃ tena dattaṃ tu dattātreyāya kāraṇe; kṣatradharmaṃ puraskṛtya vinayaṃ śrutam eva ca

Sein eigenes Vermögen aber gab er dem Dattātreya um der Sache willen, wobei er die Kṣatriya-Pflicht, Bescheidenheit und Gelehrsamkeit voranstellte.

Wort für Wort
svavittaṃ tena dattaṃ tu
eigenes Vermögen (Nom.n.) von ihm (Instr.) gegeben (Part.Pass.) aber
dattātreyāya kāraṇe
dem Dattātreya (Dat.) um einer Sache willen (Lok.) [?]
kṣatradharmaṃ puraskṛtya
die Kṣatriya-Pflicht (Akk.) voranstellend (Abs.)
vinayaṃ śrutam eva ca
Bescheidenheit (Akk.) und Gelehrsamkeit (Akk.) gerade auch

kāraṇe ('um der Sache willen', 'aus gutem Grund') ist knapp und unbestimmt; der Bezug bleibt offen.

ārādhayām āsa ca taṃ kṛtavīryātmajo munim; nyamantrayata saṃhṛṣṭaḥ sa dvijaś ca varais tribhiḥ

Der Sohn des Kṛtavīrya gewann den Weisen für sich; erfreut lud er ihn ein, und der Zweimalgeborene [bot ihm] drei Wünsche an.

Wort für Wort
ārādhayām āsa ca taṃ
und gewann für sich (Periphr.Perf.) ihn (Akk.)
kṛtavīryātmajo munim
der Sohn des Kṛtavīrya (Nom.) den Weisen (Akk.)
nyamantrayata saṃhṛṣṭaḥ
lud ein (Impf.Med.) erfreut (Nom.)
sa dvijaś ca varais tribhiḥ
und jener Zweimalgeborene (Nom.) mit drei Wünschen (Instr.)

Wer wen zu den drei Wünschen einlädt, ist im Satzbau nicht eindeutig; nach dem folgenden Vers bietet der Brahmane die Wünsche an.

sa varaiś chanditas tena nṛpo vacanam abravīt; sahasrabāhur bhūyāṃ vai camūmadhye gṛhe 'nyathā

Von ihm mit den Wünschen gelockt, sprach der König das Wort: „Tausendarmig möge ich werden inmitten des Heeres, im Haus aber anders [mit zwei Armen].“

Wort für Wort
sa varaiś chanditas tena
er (Nom.) mit Wünschen (Instr.) verlockt (Part.Pass.) von ihm (Instr.)
nṛpo vacanam abravīt
der König (Nom.) sprach (Impf.) das Wort (Akk.)
sahasrabāhur bhūyāṃ vai
tausendarmig (Nom.) möge ich werden (Opt.Aor.) fürwahr
camūmadhye gṛhe 'nyathā
inmitten des Heeres (Lok.), im Haus (Lok.) anders (Adv.)

mama bāhusahasraṃ tu paśyantāṃ sainikā raṇe; vikrameṇa mahīṃ kṛtsnāṃ jayeyaṃ vipulavrata; tāṃ ca dharmeṇa saṃprāpya pālayeyam atandritaḥ

„Meine tausend Arme sollen die Krieger im Kampf sehen. Durch Tapferkeit möchte ich die ganze Erde erobern, o du von weitem Gelübde, und sie auf rechte Weise gewonnen, möchte ich sie unermüdlich schützen.“

Wort für Wort
mama bāhusahasraṃ tu
meine (Gen.) Tausendschaft von Armen (Akk.) aber
paśyantāṃ sainikā raṇe
sollen sehen (3.Pl.Imp.) die Krieger (Nom.) im Kampf (Lok.)
vikrameṇa mahīṃ kṛtsnāṃ jayeyam
durch Tapferkeit (Instr.) die ganze (Akk.) Erde (Akk.) möchte ich erobern (Opt.)
vipulavrata
o du von weitem Gelübde (Vok.)
tāṃ ca dharmeṇa saṃprāpya
und sie (Akk.) rechtmäßig (Instr.) erlangt habend (Abs.)
pālayeyam atandritaḥ
möchte ich schützen (Opt.), unermüdlich (Nom.)

caturthaṃ tu varaṃ yāce tvām ahaṃ dvijasattama; taṃ mamānugrahakṛte dātum arhasy anindita; anuśāsantu māṃ santo mithyāvṛttaṃ tadāśrayam

„Einen vierten Wunsch erbitte ich von dir, bester der Zweimalgeborenen; ihn zu gewähren geziemt dir, Untadeliger, um mir Gnade zu erweisen: Die Guten sollen mich zurechtweisen, wenn ich falsch handle und daran festhalte [?].“

Wort für Wort
caturthaṃ tu varaṃ yāce
einen vierten (Akk.) aber Wunsch (Akk.) erbitte ich (1.Sg.Präs.)
tvām ahaṃ dvijasattama
von dir (Akk.) ich (Nom.), bester der Zweimalgeborenen (Vok.)
taṃ mamānugrahakṛte
ihn (Akk.) um meiner Begnadung willen (Lok.)
dātum arhasy anindita
zu geben (Inf.) geziemt es dir (2.Sg.), Untadeliger (Vok.)
anuśāsantu māṃ santaḥ
zurechtweisen sollen (3.Pl.Imp.) mich (Akk.) die Guten (Nom.)
mithyāvṛttaṃ tadāśrayam
der falsch Handelnde (Akk.), daran Festhaltende (Akk.) [?]

tadāśrayam ist unsicher; gemeint ist wohl: wenn ich dem Unrecht verfalle.

ity uktaḥ sa dvijaḥ prāha tathāstv iti narādhipam; evaṃ samabhavaṃs tasya varās te dīptatejasaḥ

So angesprochen, sagte der Zweimalgeborene zum Herrn der Menschen: „So sei es.“ So wurden ihm jene Wünsche wirklich, von leuchtender Glut.

Wort für Wort
ity uktaḥ sa dvijaḥ prāha
so angesprochen (Part.Pass.), jener Zweimalgeborene (Nom.) sagte (Perf.)
tathāstv iti narādhipam
„So sei es“ (Imp.), zum Herrn der Menschen (Akk.)
evaṃ samabhavaṃs tasya
so wurden (Impf.) ihm (Gen.)
varās te dīptatejasaḥ
jene (Nom.) Wünsche (Nom.), von leuchtender Glut (Nom.)

tataḥ sa ratham āsthāya jvalanārkasamadyutiḥ; abravīd vīryasaṃmohāt ko nv asti sadṛśo mayā; vīryadhairyayaśaḥśaucair vikrameṇaujasāpi vā

Dann bestieg er den Wagen, an Glanz Feuer und Sonne gleich, und sagte aus Verblendung durch seine Heldenkraft: „Wer ist mir gleich, an Heldenkraft, Standhaftigkeit, Ruhm, Reinheit, Tapferkeit oder auch an Stärke?“

Wort für Wort
tataḥ sa ratham āsthāya
dann er (Nom.) den Wagen (Akk.) bestiegen habend (Abs.)
jvalanārkasamadyutiḥ
an Glanz Feuer und Sonne gleich (Nom.)
abravīd vīryasaṃmohāt
sprach (Impf.) aus Verblendung durch Heldenkraft (Abl.)
ko nv asti sadṛśo mayā
wer (Nom.) ist wohl (3.Sg.Präs.) gleich (Nom.) mir (Instr.)
vīryadhairyayaśaḥśaucair
an Heldenkraft, Standhaftigkeit, Ruhm, Reinheit (Instr.)
vikrameṇaujasāpi vā
an Tapferkeit (Instr.) oder auch an Stärke (Instr.)

tadvākyānte cāntarikṣe vāg uvācāśarīriṇī; na tvaṃ mūḍha vijānīṣe brāhmaṇaṃ kṣatriyād varam; sahito brāhmaṇeneha kṣatriyo rakṣati prajāḥ

Am Ende seiner Rede sprach im Luftraum eine körperlose Stimme: „Du Tor, du erkennst nicht, dass der Brahmane besser ist als der Kṣatriya; nur mit dem Brahmanen vereint schützt hier der Kṣatriya die Geschöpfe.“

Wort für Wort
tadvākyānte cāntarikṣe
am Ende seiner Rede (Lok.) und im Luftraum (Lok.)
vāg uvācāśarīriṇī
eine Stimme (Nom.) sprach (Perf.), körperlos (Nom.f.)
na tvaṃ mūḍha vijānīṣe
nicht du (Nom.), Tor (Vok.), erkennst (2.Sg.Präs.)
brāhmaṇaṃ kṣatriyād varam
den Brahmanen (Akk.) als besser (Akk.) als den Kṣatriya (Abl.)
sahito brāhmaṇeneha
verbunden (Nom.) mit dem Brahmanen (Instr.) hier
kṣatriyo rakṣati prajāḥ
der Kṣatriya (Nom.) schützt (3.Sg.Präs.) die Geschöpfe (Akk.)

arjuna uvāca; kuryāṃ bhūtāni tuṣṭo 'haṃ kruddho nāśaṃ tathā naye; karmaṇā manasā vācā na matto 'sti varo dvijaḥ

Arjuna sprach: „Ich kann Wesen erschaffen, wenn ich zufrieden bin, und ebenso Vernichtung bewirken, wenn ich zornig bin; in Tat, Geist und Wort ist kein Brahmane besser als ich.“

Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Perf.)
kuryāṃ bhūtāni tuṣṭo 'haṃ
ich kann schaffen (Opt.) Wesen (Akk.), zufrieden (Nom.) ich (Nom.)
kruddho nāśaṃ tathā naye
zornig (Nom.) Vernichtung (Akk.) ebenso möge ich bringen (Opt.)
karmaṇā manasā vācā
durch Tat, Geist, Wort (Instr.)
na matto 'sti varo dvijaḥ
nicht (ist) als ich (Abl.) besser (Nom.) ein Zweimalgeborener (Nom.)

pūrvo brahmottaro vādo dvitīyaḥ kṣatriyottaraḥ; tvayoktau yau tu tau hetū viśeṣas tv atra dṛśyate

„Die erste Lehre stellt den Brahmanen obenan, die zweite den Kṣatriya. Die beiden Gründe aber, die du genannt hast: hier zeigt sich ein Unterschied.“

Wort für Wort
pūrvo brahmottaro vādo
die erste (Nom.) Lehre (Nom.), die den Brahmanen obenan hat (Nom.)
dvitīyaḥ kṣatriyottaraḥ
die zweite (Nom.), die den Kṣatriya obenan hat (Nom.)
tvayoktau yau tu tau hetū
von dir (Instr.) genannt (Nom.Du.), welche beiden aber, diese beiden Gründe (Nom.Du.)
viśeṣas tv atra dṛśyate
ein Unterschied (Nom.) aber hier (Adv.) wird gesehen (3.Sg.Pass.) [?]

Der Sinn des Verses ist knapp und nicht ganz sicher.

brāhmaṇāḥ saṃśritāḥ kṣatraṃ na kṣatraṃ brāhmaṇāśritam; śritān brahmopadhā viprāḥ khādanti kṣatriyān bhuvi

„Die Brahmanen sind auf die Kṣatriya-Macht angewiesen, nicht die Kṣatriya-Macht auf die Brahmanen. Die Angewiesenen, [nämlich] die Kṣatriyas, verzehren die Brahmanen auf Erden unter dem Vorwand des Brahmanentums.“

Wort für Wort
brāhmaṇāḥ saṃśritāḥ kṣatraṃ
Brahmanen (Nom.) angewiesen (Nom.) auf die Kṣatriya-Macht (Akk.)
na kṣatraṃ brāhmaṇāśritam
nicht die Kṣatriya-Macht (Nom.) auf Brahmanen angewiesen (Nom.)
śritān brahmopadhā viprāḥ
die Angewiesenen (Akk.), unter dem Vorwand des Brahmanentums (Nom.f.), die Brahmanen (Nom.) [?]
khādanti kṣatriyān bhuvi
verzehren (3.Pl.Präs.) die Kṣatriyas (Akk.) auf Erden (Lok.)

Zweiter Halbvers syntaktisch schwierig; Wortstellung und Bezug von śritān sind unklar.

kṣatriyeṣv āśrito dharmaḥ prajānāṃ paripālanam; kṣatrād vṛttir brāhmaṇānāṃ taiḥ kathaṃ brāhmaṇo varaḥ

„Bei den Kṣatriyas ruht die Pflicht: der Schutz der Untertanen. Vom Kṣatra kommt der Lebensunterhalt der Brahmanen; wie also ist der Brahmane besser?“

Wort für Wort
kṣatriyeṣv āśrito dharmaḥ
bei den Kṣatriyas (Lok.) ruhend (Nom.) die Pflicht (Nom.)
prajānāṃ paripālanam
der Untertanen (Gen.) Schützen (Nom.)
kṣatrād vṛttir brāhmaṇānāṃ
aus der Kṣatriya-Macht (Abl.) der Lebensunterhalt (Nom.) der Brahmanen (Gen.)
taiḥ kathaṃ brāhmaṇo varaḥ
durch diese (Instr.) wie (Adv.) der Brahmane (Nom.) besser (Nom.)

sarvabhūtapradhānāṃs tān bhaikṣavṛttīn ahaṃ sadā; ātmasaṃbhāvitān viprān sthāpayāmy ātmano vaśe

„Diese Brahmanen, die sich für die Ersten unter allen Wesen halten, [aber] vom Betteln leben und sich selbst ehren, bringe ich stets in meine Gewalt.“

Wort für Wort
sarvabhūtapradhānāṃs tān
die unter allen Wesen Vorrangigen [sich Dünkenden] (Akk.Pl.), sie
bhaikṣavṛttīn ahaṃ sadā
vom Betteln Lebende (Akk.Pl.), ich (Nom.), stets
ātmasaṃbhāvitān viprān
von sich selbst Hochgeachtete (Akk.Pl.), Brahmanen (Akk.Pl.)
sthāpayāmy ātmano vaśe
bringe ich (1.Sg.Kaus.Präs.) in meine (eigene) (Gen.) Gewalt (Lok.)

kathitaṃ hy anayā satyaṃ gāyatryā kanyayā divi; vijeṣyāmy avaśān sarvān brāhmaṇāṃś carmavāsasaḥ

„Denn Wahres hat diese Gāyatrī, das Mädchen, im Himmel gesagt: Ich werde alle willenlosen Brahmanen, die Fellgewänder tragen, besiegen.“

Wort für Wort
kathitaṃ hy anayā satyaṃ
gesagt (Part.Pass.) denn von dieser (Instr.) Wahres (Nom.)
gāyatryā kanyayā divi
von der Gāyatrī (Instr.), dem Mädchen (Instr.), im Himmel (Lok.)
vijeṣyāmy avaśān sarvān
ich werde besiegen (1.Sg.Fut.) willenlose (Akk.) alle (Akk.)
brāhmaṇāṃś carmavāsasaḥ
Brahmanen (Akk.Pl.), Fellgewänder Tragende (Akk.Pl.)

Bezug auf die Gāyatrī als Sprecherin und die Zuordnung des Zitats sind unklar.

na ca māṃ cyāvayed rāṣṭrāt triṣu lokeṣu kaś cana; devo vā mānuṣo vāpi tasmāj jyeṣṭho dvijād aham

„Und keiner soll mich aus dem Reich vertreiben in den drei Welten, weder Gott noch Mensch; darum bin ich höher als der Brahmane.“

Wort für Wort
na ca māṃ cyāvayed rāṣṭrāt
und nicht soll mich (Akk.) vertreiben (Opt.Kaus.) aus dem Reich (Abl.)
triṣu lokeṣu kaś cana
in den drei Welten (Lok.) irgendwer (Nom.)
devo vā mānuṣo vāpi
Gott (Nom.) oder Mensch (Nom.) oder auch
tasmāj jyeṣṭho dvijād aham
darum (Abl.) der Höhere (Nom.) als der Zweimalgeborene (Abl.) ich (Nom.)

adya brahmottaraṃ lokaṃ kariṣye kṣatriyottaram; na hi me saṃyuge kaś cit soḍhum utsahate balam

„Heute werde ich die Welt, die den Brahmanen obenan hat, zu einer machen, die den Kṣatriya obenan hat; denn keiner vermag meine Kraft im Kampf zu ertragen.“

Wort für Wort
adya brahmottaraṃ lokaṃ
heute (Adv.) die den Brahmanen obenan habende (Akk.) Welt (Akk.)
kariṣye kṣatriyottaram
werde ich machen (1.Sg.Fut.Med.) zu einer den Kṣatriya obenan habenden (Akk.)
na hi me saṃyuge kaś cit
denn nicht (vermag) meine (Gen.) im Kampf (Lok.) irgendeiner (Nom.)
soḍhum utsahate balam
zu ertragen (Inf.) wagt (3.Sg.Präs.) Kraft (Akk.)

arjunasya vacaḥ śrutvā vitrastābhūn niśācarī; athainam antarikṣasthas tato vāyur abhāṣata

Als sie Arjunas Worte gehört hatte, wurde die Nachtwandlerin erschrocken; da sprach ihn der im Luftraum weilende Wind an.

Wort für Wort
arjunasya vacaḥ śrutvā
Arjunas (Gen.) Wort (Akk.) gehört habend (Abs.)
vitrastābhūn niśācarī
erschrocken (Nom.f.) wurde (Aor.) die Nachtwandlerin (Nom.)
athainam antarikṣasthas
da ihn (Akk.) im Luftraum weilend (Nom.)
tato vāyur abhāṣata
darauf (Adv.) der Wind (Nom.) sprach (Impf.Med.)

niśācarī („Nachtwandlerin“) für die körperlose Stimme ist auffällig; wörtlich wiedergegeben.

tyajainaṃ kaluṣaṃ bhāvaṃ brāhmaṇebhyo namaskuru; eteṣāṃ kurvataḥ pāpaṃ rāṣṭrakṣobho hi te bhavet

„Lass diese verderbte Gesinnung fahren, verneige dich vor den Brahmanen; wenn du ihnen Böses tust, würde dir Erschütterung des Reiches entstehen.“

Wort für Wort
tyajainaṃ kaluṣaṃ bhāvaṃ
gib auf (Imp.) diese (Akk.) verderbte (Akk.) Gesinnung (Akk.)
brāhmaṇebhyo namaskuru
vor den Brahmanen (Dat.) verneige dich (Imp.)
eteṣāṃ kurvataḥ pāpam
an diesen (Gen.) Böses (Akk.) Tuenden (Gen.Part.)
rāṣṭrakṣobho hi te bhavet
Reichserschütterung (Nom.) denn dir (Gen.) würde sein (Opt.)

atha vā tvāṃ mahīpāla śamayiṣyanti vai dvijāḥ; nirasiṣyanti vā rāṣṭrād dhatotsāhaṃ mahābalāḥ

„Oder aber die Zweimalgeborenen werden dich besänftigen, Beschützer der Erde, oder sie, die Gewaltigen, werden dich, dessen Eifer gebrochen ist, aus dem Reich vertreiben.“

Wort für Wort
atha vā tvāṃ mahīpāla
oder (Partikel) dich (Akk.), Beschützer der Erde (Vok.)
śamayiṣyanti vai dvijāḥ
werden besänftigen (3.Pl.Fut.Kaus.) fürwahr die Zweimalgeborenen (Nom.)
nirasiṣyanti vā rāṣṭrād
oder werden vertreiben (3.Pl.Fut.) aus dem Reich (Abl.)
dhatotsāhaṃ mahābalāḥ
dich, dessen Eifer erschlagen (Akk.), die Machtgewaltigen (Nom.)

taṃ rājā kas tvam ity āha tatas taṃ prāha mārutaḥ; vāyur vai devadūto 'smi hitaṃ tvāṃ prabravīmy aham

Der König sagte zu ihm: „Wer bist du?“ Da sprach der Wind zu ihm: „Ich bin der Wind, der Götterbote; Heilsames sage ich dir.“

Wort für Wort
taṃ rājā kas tvam ity āha
zu ihm (Akk.) der König (Nom.): „wer (Nom.) du (Nom.)?“ sagte (Perf.)
tatas taṃ prāha mārutaḥ
darauf ihm (Akk.) sagte (Perf.) der Wind (Nom.)
vāyur vai devadūto 'smi
der Wind (Nom.) fürwahr, Götterbote (Nom.) bin ich (1.Sg.Präs.)
hitaṃ tvāṃ prabravīmy aham
Heilsames (Akk.) dir (Akk.) sage ich (1.Sg.Präs.) ich (Nom.)

arjuna uvāca; aho tvayādya vipreṣu bhaktirāgaḥ pradarśitaḥ; yādṛśaṃ pṛthivī bhūtaṃ tādṛśaṃ brūhi vai dvijam

Arjuna sprach: „Oh, heute hast du deine Hingabe und Zuneigung zu den Brahmanen gezeigt. So beschaffen, wie die Erde ist, nenne mir einen Brahmanen.“

Wort für Wort
arjuna uvāca
Arjuna sprach (Perf.)
aho tvayādya vipreṣu
oh (Interj.), von dir (Instr.) heute (Adv.) gegenüber Brahmanen (Lok.)
bhaktirāgaḥ pradarśitaḥ
Hingabe und Zuneigung (Nom.) gezeigt (Part.Pass.)
yādṛśaṃ pṛthivī bhūtaṃ
wie beschaffen (Akk.n.) die Erde (Nom.) seiend (Part.Pass.)
tādṛśaṃ brūhi vai dvijam
so beschaffen (Akk.) sage (Imp.) fürwahr einen Zweimalgeborenen (Akk.)

Der zweite Halbvers ist knapp; gemeint ist wohl: nenne mir einen Brahmanen, der der Erde vergleichbar ist [?].

vāyor vā sadṛśaṃ kiṃ cid brūhi tvaṃ brāhmaṇottamam; apāṃ vai sadṛśaṃ brūhi sūryasya nabhaso 'pi vā

„Oder nenne mir einen, der dem Wind gleicht, du bester der Brahmanen; nenne einen, der den Wassern gleicht, der Sonne oder auch dem Himmelsraum.“

Wort für Wort
vāyor vā sadṛśaṃ kiṃ cid
dem Wind (Gen.) oder gleich (Akk.) irgendeinen (Akk.)
brūhi tvaṃ brāhmaṇottamam
nenne (Imp.) du (Nom.), besten der Brahmanen (Akk.) [Anrede]
apāṃ vai sadṛśaṃ brūhi
den Wassern (Gen.) fürwahr gleich (Akk.) nenne (Imp.)
sūryasya nabhaso 'pi vā
der Sonne (Gen.) dem Himmelsraum (Gen.) auch oder

Dieses Kapitel in der Leseansicht