Kapitel 90: śrāddhe brāhmaṇaparīkṣā
Wen man beim Ahnenopfer meiden und wen man einladen soll: unwürdige und reinigende Brāhmaṇen
Bhīṣma belehrt Yudhiṣṭhira über die Prüfung der Brāhmaṇen beim Śrāddha: zuerst die Reihenverunreiniger (apāṅkteya), dann die Reihenreiniger (paṅktipāvana).
bhīṣma uvāca; brāhmaṇān na parīkṣeta kṣatriyo dānadharmavit; daive karmaṇi pitrye tu nyāyyam āhuḥ parīkṣaṇam
Bhīṣma sprach: „Ein Kṣatriya, der die Pflicht des Gebens kennt, soll Brāhmaṇen [bei der Gabe] nicht [genau] prüfen. Beim Götteropfer, beim Ahnenopfer dagegen nennt man Prüfung angemessen.“
Wort für Wort
bhīṣma uvāca
Bhīṣma sprach (Perf.)
brāhmaṇān na parīkṣeta
Brāhmaṇen soll er nicht prüfen (Akk.Pl.; Opt.Med.)
kṣatriyo dānadharmavit
der Kṣatriya, der die Gabenpflicht kennt (Nom.Sg.; Kompositum)
daive karmaṇi pitrye tu
beim Götterritual, beim Ahnenritual aber (Lok.Sg.)
nyāyyam āhuḥ parīkṣaṇam
angemessen nennen sie die Prüfung (Akk.Sg.n.; 3.Pl.Perf.)
Der erste Pāda ist verkürzt gedeutet: brāhmaṇān na parīkṣeta wohl bei allgemeiner Gabe/Geschenk; Gegensatz zu daiva/pitrya-Riten.
Die Götter verehren [die Menschen] hier durch göttliche Kraft [bzw. die Götter werden hier verehrt]; daher soll ein Mann, nachdem er [sich] an die Götter [gewandt hat], allen Göttern [Anteile] geben lassen.
Wort für Wort
devatāḥ pūjayantīha
die Gottheiten verehren hier (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.)
daivenaiveha tejasā
eben durch göttliche Kraft hier (Instr.Sg.)
upetya tasmād devebhyaḥ
[sich] genähert habend, daher, den Göttern (Abs.; Dat.Pl.)
sarvebhyo dāpayen naraḥ
allen soll geben lassen der Mann (Dat.Pl.; Kaus.Opt.; Nom.Sg.)
Text und Bezug des Verses unsicher [?]; Deutung mit Ergänzungen.
śrāddhe tv atha mahārāja parīkṣed brāhmaṇān budhaḥ; kulaśīlavayorūpair vidyayābhijanena ca
Beim Ahnenopfer aber, großer König, soll der Weise die Brāhmaṇen prüfen: nach Familie, Charakter, Alter und Aussehen, nach Gelehrsamkeit und edler Herkunft.
Wort für Wort
śrāddhe tv atha mahārāja
beim Śrāddha aber sodann, großer König (Lok.Sg.; Vok.)
parīkṣed brāhmaṇān budhaḥ
soll prüfen die Brāhmaṇen der Weise (Opt.; Akk.Pl.; Nom.Sg.)
kulaśīlavayorūpaiḥ
nach Familie, Charakter, Alter, Gestalt (Instr.Pl.; Kompositum)
eṣām anye paṅktidūṣās tathānye paṅktipāvanāḥ; apāṅkteyās tu ye rājan kīrtayiṣyāmi tāñ śṛṇu
Unter diesen gibt es solche, die die Reihe [der Tischgenossen] verunreinigen, und andere, die die Reihe reinigen. Die aber, o König, die nicht in die Reihe gehören, will ich nennen; höre sie.
Wort für Wort
eṣām anye paṅktidūṣāḥ
unter diesen [sind] die einen Reihenverunreiniger (Gen.Pl.; Nom.Pl.)
tathānye paṅktipāvanāḥ
und die anderen Reinigende der Reihe (Nom.Pl.)
apāṅkteyās tu ye rājan
die aber Reihenunwürdige [sind], König (Nom.Pl.; Vok.)
kīrtayiṣyāmi tāñ śṛṇu
ich will nennen; diese höre (1.Sg.Fut.; Akk.Pl.; Imp.)
Ein Würfelspieler, ein Mörder einer Leibesfrucht [bzw. eines Brahmanen], ein Schwindsüchtiger, ein Viehhirt, ein Abtrünniger [?], ein Dienstbote des Dorfes, ein Wucherer, ein Sänger, einer, der alles verkauft.
Ein Brandstifter, ein Giftmischer, einer, der von [dem Essen] eines Ehebrecher-Sohnes lebt, ein Somaverkäufer, ein Seehändler, ein Diener des Königs, ein Ölpresser, ein Fälscher.
Wort für Wort
agāradāhī garadaḥ
Hausanzünder, Giftgeber (Nom.Sg.)
kuṇḍāśī somavikrayī
Kuṇḍa-Esser [?], Somahändler (Nom.Sg.)
sāmudriko rājabhṛtyaḥ
Seefahrer/Seehändler, Diener des Königs (Nom.Sg.)
tailikaḥ kūṭakārakaḥ
Ölhändler, Fälscher/Betrüger (Nom.Sg.)
kuṇḍāśī: wörtlich ‚der ein kuṇḍa [Sohn einer Ehebrecherin] isst‘; unsicher [?]. sāmudrika kann auch ‚Handleser‘ heißen.
Wer mit dem Vater streitet, und wer einen Liebhaber [seiner Frau] im Haus hat, ein [schwer] Beschuldigter, ebenso ein Dieb, und wer von einem Handwerk lebt.
Wort für Wort
pitrā vivadamānaś ca
und mit dem Vater streitend (Instr.Sg.; Part.Med.)
yasya copapatir gṛhe
und wessen Nebengatte/Liebhaber im Haus [ist] (Gen.; Nom.Sg.; Lok.Sg.)
abhiśastas tathā stenaḥ
angeklagter/verfluchter, ebenso Dieb (Part.Nom.; Nom.Sg.)
parvakāraś ca sūcī ca mitradhruk pāradārikaḥ; avratānām upādhyāyaḥ kāṇḍapṛṣṭhas tathaiva ca
Ein Parvakāra [?], ein Angeber [Spitzel], einer, der Freunde verrät, ein Ehebrecher, ein Lehrer von Leuten ohne Gelübde, und ebenso ein Kāṇḍapṛṣṭha [?].
Wort für Wort
parvakāraś ca sūcī ca
Parvakāra [?] und Angeber (Nom.Sg.)
mitradhruk pāradārikaḥ
Freundschädiger, Ehebrecher (Nom.Sg.)
avratānām upādhyāyaḥ
Lehrer der Gelübdelosen (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
kāṇḍapṛṣṭhas tathaiva ca
Kāṇḍapṛṣṭha [?] und ebenso (Nom.Sg.)
parvakāra und kāṇḍapṛṣṭha sind unsichere Berufs-/Standesbezeichnungen.
śvabhir yaś ca parikrāmed yaḥ śunā daṣṭa eva ca; parivittiś ca yaś ca syād duścarmā gurutalpagaḥ; kuśīlavo devalako nakṣatrair yaś ca jīvati
Wer mit Hunden umherzieht, wer von einem Hund gebissen wurde, wer als Jüngerer vor dem älteren Bruder heiratet, wer einen [schlechten] Hautzustand hat, wer das Lager des Lehrers besteigt; ein Schauspieler, ein Tempeldiener, und wer von den Sternen [Astrologie] lebt.
Wort für Wort
śvabhir yaś ca parikrāmet
und wer mit Hunden umherzieht (Instr.Pl.; Opt.)
yaḥ śunā daṣṭa eva ca
und wer von einem Hund gebissen ist (Instr.Sg.; Part.Pass.)
parivittiś ca yaś ca syāt
und wer ein Parivitti sein mag (Nom.Sg.; Opt.)
duścarmā gurutalpagaḥ
Hautkranker, Lehrerbett-Schänder (Nom.Sg.)
kuśīlavo devalakaḥ
Schauspieler/Barde, Tempeldiener (Nom.Sg.)
nakṣatrair yaś ca jīvati
und wer von den Sternen lebt (Instr.Pl.; 3.Sg.Präs.)
parivitti: der jüngere Bruder, der vor dem älteren heiratet (auch: der ältere, übergangene Bruder); hier Deutung ohne Sicherheit [?].
īdṛśair brāhmaṇair bhuktam apāṅkteyair yudhiṣṭhira; rakṣāṃsi gacchate havyam ity āhur brahmavādinaḥ; śrāddhaṃ bhuktvā tv adhīyīta vṛṣalītalpagaś ca yaḥ; purīṣe tasya taṃ māsaṃ pitaras tasya śerate; somavikrayiṇe viṣṭhā bhiṣaje pūyaśoṇitam; naṣṭaṃ devalake dattam apratiṣṭhaṃ ca vārdhuṣe; yat tu vāṇijake dattaṃ neha nāmutra tad bhavet; bhasmanīva hutaṃ havyaṃ tathā paunarbhave dvije; ye tu dharmavyapeteṣu cāritrāpagateṣu ca; havyaṃ kavyaṃ prayacchanti teṣāṃ tat pretya naśyati; jñānapūrvaṃ tu ye tebhyaḥ prayacchanty alpabuddhayaḥ; purīṣaṃ bhuñjate tasya pitaraḥ pretya niścayaḥ
Von solchen unwürdigen Brāhmaṇen, Yudhiṣṭhira, gegessen, geht die Opfergabe zu den Rākṣasas, sagen die Kenner des Brahman. Wer nach dem Śrāddha-Essen [Veda] rezitiert und wer das Lager einer Vṛṣalī [Śūdra-Frau] besteigt: für den liegen die Ahnen jenen Monat in seinem Kot. Dem Somaverkäufer [wird] Kot, dem Arzt Eiter und Blut [zuteil]. Verloren ist, was einem Tempeldiener gegeben wird, und ohne Halt, was einem Wucherer [gegeben wird]. Was einem Händler gegeben wird, das gilt weder hier noch im Jenseits. Wie in Asche geopfert ist die Opfergabe an einen Zweimalgeborenen, der Sohn einer wiederverheirateten Frau ist. Die aber Havya und Kavya solchen geben, die von der Pflicht abgekommen und von rechtem Wandel gewichen sind, denen geht es nach dem Tod verloren. Und die Geringverständigen, die es ihnen wissentlich geben: deren Ahnen essen nach dem Tod Kot, das ist gewiss.
von solchen Brāhmaṇen, Reihenunwürdigen, gegessen, Yudhiṣṭhira (Instr.Pl.; Part.Pass.; Vok.)
rakṣāṃsi gacchate havyam
zu den Rākṣasas geht die Opfergabe (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.Med.)
ity āhur brahmavādinaḥ
so sagen die Brahman-Redner (3.Pl.Perf.; Nom.Pl.)
śrāddhaṃ bhuktvā tv adhīyīta
nachdem er das Śrāddha gegessen, rezitiere aber (Abs.; Opt.Med.)
vṛṣalītalpagaś ca yaḥ
und wer das Bett einer Vṛṣalī besteigt (Nom.Sg.)
purīṣe tasya taṃ māsaṃ pitaras tasya śerate
im Kot dieses [Mannes] liegen jenen Monat dessen Ahnen (Lok.Sg.; Akk.Sg.; Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
somavikrayiṇe viṣṭhā bhiṣaje pūyaśoṇitam
dem Somaverkäufer Kot, dem Arzt Eiter und Blut (Dat.Sg.; Nom.Sg.)
naṣṭaṃ devalake dattam apratiṣṭhaṃ ca vārdhuṣe
verloren [ist] dem Tempeldiener Gegebenes, haltlos dem Wucherer (Part.Pass.; Lok.Sg.)
yat tu vāṇijake dattaṃ neha nāmutra tad bhavet
was aber dem Händler gegeben wird, das bleibt weder hier noch dort (Lok.Sg.; Opt.)
bhasmanīva hutaṃ havyaṃ tathā paunarbhave dvije
wie in Asche geopfert [ist] die Gabe, so beim Sohn einer Wiederverheirateten, dem Zweimalgeborenen (Lok.Sg.)
ye tu dharmavyapeteṣu cāritrāpagateṣu ca
die aber den von der Pflicht Abgewichenen und dem Wandel Entfernten (Lok.Pl.)
havyaṃ kavyaṃ prayacchanti teṣāṃ tat pretya naśyati
Götter- und Ahnenopfer geben, deren geht das nach dem Tod verloren (3.Pl.Präs.; Gen.Pl.; Abs.)
jñānapūrvaṃ tu ye tebhyaḥ prayacchanty alpabuddhayaḥ
wissentlich aber die ihnen geben, die Geringverständigen (Nom.Pl.)
purīṣaṃ bhuñjate tasya pitaraḥ pretya niścayaḥ
Kot essen dessen Ahnen nach dem Tod, gewiss (3.Pl.Präs.Med.; Nom.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (*0409). Hier ist śrāddhaṃ bhuktvā tv adhīyīta (‚nach dem Śrāddha-Mahl Veda rezitieren‘) im Zusammenhang der Verbote gemeint [?].
etān iha vijānīyād apāṅkteyān dvijādhamān; śūdrāṇām upadeśaṃ ca ye kurvanty alpacetasaḥ
Diese hier soll man als Reihenunwürdige, als schlechteste der Zweimalgeborenen erkennen, und diejenigen von geringem Verstand, die Śūdras Unterweisung erteilen.
Wort für Wort
etān iha vijānīyād
diese hier soll man erkennen (Akk.Pl.; Opt.)
apāṅkteyān dvijādhamān
als Reihenunwürdige, niedrigste Zweimalgeborene (Akk.Pl.)
śūdrāṇām upadeśaṃ ca
und Unterweisung/Rat den Śūdras (Gen.Pl.; Akk.Sg.)
Sechzig [Personen] verunreinigt ein Einäugiger, hundert ein Eunuch, [und] ein Weißfleckiger, so weit er [die Reihe] überblickt: so viele verunreinigt er, o König, wenn die Reihe sich niedergesetzt hat.
Wort für Wort
ṣaṣṭiṃ kāṇaḥ śataṃ ṣaṇḍhaḥ
sechzig [verunreinigt] der Einäugige, hundert der Eunuch (Nom.Sg.)
śvitrī yāvat prapaśyati
der Weißfleckige, soweit er sieht (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)
paṅktyāṃ samupaviṣṭāyāṃ
in der niedergesetzten Reihe (Lok.Sg.f.; Part.)
tāvad dūṣayate nṛpa
so viele verunreinigt er, König (3.Sg.Präs.; Vok.)
yad veṣṭitaśirā bhuṅkte yad bhuṅkte dakṣiṇāmukhaḥ; sopānatkaś ca yad bhuṅkte sarvaṃ vidyāt tad āsuram
Was einer mit umwickeltem Kopf isst, was einer nach Süden gewandt isst, und was einer mit Sandalen an den Füßen isst: all das soll man als dämonisch [āsura] betrachten.
Wort für Wort
yad veṣṭitaśirā bhuṅkte
was [einer] mit umwickeltem Haupt isst (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
yad bhuṅkte dakṣiṇāmukhaḥ
was er isst, südwärts gewandt (Nom.Sg.)
sopānatkaś ca yad bhuṅkte
und was er mit Sandalen isst (Nom.Sg.)
sarvaṃ vidyāt tad āsuram
all das soll man als dämonisch kennen (Opt.; Akk.Sg.n.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile (*0410); syntaktisch unvollständig, Anschluss an Unit 19 [?].
Ein Triṇāciketa, ein Pañcāgni, ein Trisuparṇa, ein Kenner der sechs Glieder [Vedāṅgas], einer, der in der Reihe der Brahmadeya [„Vedaüberlieferung“] steht [?], ein Chandoga [Sāmaveda-Sänger], ein Jyeṣṭhasāmaga.
Wort für Wort
triṇāciketaḥ pañcāgniḥ
Triṇāciketa [Gelübde], Pañcāgni (Nom.Sg.)
trisuparṇaḥ ṣaḍaṅgavit
Trisuparṇa [Vedateil], Kenner der sechs Glieder (Nom.Sg.)
brahmadeyānusaṃtānaḥ
in ununterbrochener Linie der Brahmadeya-Überlieferung [?] (Nom.Sg.)
mātāpitror yaś ca vaśyaḥ śrotriyo daśapūruṣaḥ; ṛtukālābhigāmī ca dharmapatnīṣu yaḥ sadā; vedavidyāvratasnāto vipraḥ paṅktiṃ punāty uta
Wer seinen Eltern gehorsam ist, ein Śrotriya, einer mit zehn [Vorfahren-]Generationen [?]; und wer stets zur Zeit der Fruchtbarkeit seinen Rechtsfrauen naht: ein Brāhmaṇa, der durch Veda, Wissen und Gelübde vollendet ist, reinigt die Reihe.
Wort für Wort
mātāpitror yaś ca vaśyaḥ
und wer den Eltern gehorsam ist (Gen.Du.; Nom.Sg.)
śrotriyo daśapūruṣaḥ
Vedakundiger, ‚zehn Männer‘ [?] (Nom.Sg.)
ṛtukālābhigāmī ca
und der zur Fruchtzeit [der Frau] Nahende (Nom.Sg.)
dharmapatnīṣu yaḥ sadā
wer stets bei Rechtsfrauen (Lok.Pl.)
vedavidyāvratasnāto vipraḥ
der in Veda, Wissen, Gelübde vollendete Brāhmaṇa (Nom.Sg.)
paṅktiṃ punāty uta
reinigt die Reihe fürwahr (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.)
daśapūruṣa: unsicher, etwa ‚mit zehn (gelehrten) Ahnen‘ oder ‚dessen zehn Generationen …‘ [?].
atharvaśiraso 'dhyetā brahmacārī yatavrataḥ; satyavādī dharmaśīlaḥ svakarmanirataś ca yaḥ
Wer den Atharvaśiras [Upaniṣad] studiert, ein Brahmacārin von gebändigtem Gelübde, wahrheitsredend, der Pflicht ergeben, und wer stets seiner eigenen Tätigkeit ergeben ist.
ye ca puṇyeṣu tīrtheṣu abhiṣekakṛtaśramāḥ; makheṣu ca samantreṣu bhavanty avabhṛthāplutāḥ
Und die, die an heiligen Furten die Mühe des Badens auf sich genommen haben und bei Opfern mit Mantras durch das Schlussbad [avabhṛtha] benetzt worden sind.
Wort für Wort
ye ca puṇyeṣu tīrtheṣu
und die an heiligen Furten (Lok.Pl.)
abhiṣekakṛtaśramāḥ
die sich um das Baden Mühe machten (Nom.Pl.; Kompositum)
makheṣu ca samantreṣu
und bei Opfern mit Mantras (Lok.Pl.)
bhavanty avabhṛthāplutāḥ
werden vom Schlussbad Benetzte/Untergetauchte (3.Pl.Präs.; Nom.Pl.)
akrodhanā acapalāḥ kṣāntā dāntā jitendriyāḥ; sarvabhūtahitā ye ca śrāddheṣv etān nimantrayet; eteṣu dattam akṣayyam ete vai paṅktipāvanāḥ
Nicht zornig, nicht unstet, nachsichtig, gezähmt, mit bezwungenen Sinnen und die, die allen Wesen zum Wohl sind – diese soll man bei den Śrāddhas einladen. Was diesen gegeben wird, ist unvergänglich; diese sind wahrlich Reihenreiniger.
Wort für Wort
akrodhanā acapalāḥ kṣāntā dāntā jitendriyāḥ
nicht zornig, nicht unstet, nachsichtig, gezähmt, sinnenbezwingend (Nom.Pl.m.)
sarvabhūtahitā ye ca
und die, die allen Wesen wohlgesinnt/heilsam sind (Nom.Pl.m.)
śrāddheṣv etān nimantrayet
bei den Śrāddhas diese soll man einladen (Lok.Pl./Akk.Pl., 3.Sg.Opt.)
eteṣu dattam akṣayyam
Diesen Gegebenes ist unvergänglich (Lok.Pl./Part.Pass./Nom.Sg.n.)
ime pare mahārāja vijñeyāḥ paṅktipāvanāḥ; yatayo mokṣadharmajñā yogāḥ sucaritavratāḥ
Diese anderen, großer König, sind als Reihenreiniger zu erkennen: Asketen, Kenner des Erlösungs-Dharma, Yoga-Übende [?], die ihre Gelübde gut befolgen.
Wort für Wort
ime pare mahārāja
diese anderen, großer König (Nom.Pl./Vok.Sg.)
vijñeyāḥ paṅktipāvanāḥ
sind zu erkennen als Reihenreiniger (Gerundiv Nom.Pl.m.)
yatayo mokṣadharmajñā
Asketen, Kenner des Erlösungs-Dharma (Nom.Pl.m.)
yogāḥ
Yoga-Übende [?] (Nom.Pl.)
sucaritavratāḥ
mit gut befolgten Gelübden (Bahuvrīhi, Nom.Pl.m.)
yogāḥ ist als Personenbezeichnung ungewöhnlich (wohl für yogino/yogāḥ = Yoga-Übende); Lesart unsicher.
ye cetihāsaṃ prayatāḥ śrāvayanti dvijottamān; ye ca bhāṣyavidaḥ ke cid ye ca vyākaraṇe ratāḥ
Und die, die gesammelt den Itihāsa den besten unter den Zweimalgeborenen vortragen lassen; und einige, die Kenner des Bhāṣya sind, und die, die an der Grammatik Freude haben.
Wort für Wort
ye cetihāsaṃ prayatāḥ
und die, die den Itihāsa, gesammelt/rein (Nom.Pl./Akk.Sg.)
śrāvayanti dvijottamān
vortragen/hören lassen die besten Zweimalgeborenen (3.Pl.Kaus./Akk.Pl.)
ye ca bhāṣyavidaḥ ke cid
und die Bhāṣya-Kenner, einige (Nom.Pl.m.)
ye ca vyākaraṇe ratāḥ
und die, die an der Grammatik hängen (Lok.Sg./Part.Pass. Nom.Pl.m.)
Wer weder Opferpriester noch Lehrer ist – wenn er zum ersten Sitz geht, ohne dass die Opferpriester es erlaubt haben, nimmt er der Reihe das Übel fort.
Wort für Wort
anṛtvig anupādhyāyaḥ
kein Opferpriester, kein Lehrer (Nom.Sg.m.)
sa ced agrāsanaṃ vrajet
wenn er zum ersten Sitz geht (3.Sg.Opt.)
ṛtvigbhir ananujñātaḥ
von den Opferpriestern nicht erlaubt (Instr.Pl./Part.Pass.)
paṅktyā harati duṣkṛtam
nimmt der Reihe die Missetat weg (Abl./Gen.Sg., 3.Sg.Präs./Akk.Sg.)
paṅktyā ist wohl für paṅktyāḥ (Abl./Gen.) zu verstehen.
Ein Kenner des Atharvaveda würde jeden Reihenmangel vertreiben; einen Brahmanen, der Veda und Śāstra kennt und frei von allen Mängeln ist [Anm.: Halbvers ohne Verb, wohl von [würde man ehren] zu ergänzen].
Wort für Wort
atharvavedavit
Kenner des Atharvaveda (Nom.Sg.m.)
sarvaṃ paṅktidoṣaṃ
jeden Reihenmangel (Akk.Sg.m.)
vyapānudet
würde vertreiben (3.Sg.Opt.)
vedaśāstravidaṃ vipraṃ
den Veda- und Śāstra-Kundigen, den Brahmanen (Akk.Sg.m.)
sarvadoṣair vivarjitam
von allen Mängeln frei (Instr.Pl./Part.Pass. Akk.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zweiter Halbvers ohne Prädikat; Ergänzung unsicher.
Deshalb soll man mit aller Anstrengung die Zweimalgeborenen prüfen und dann einladen: die ihrem eigenen Werk Ergebenen, die Gezähmten, die in [guter] Familie Geborenen, die viel Gelehrten.
Wort für Wort
tasmāt sarvaprayatnena
deshalb, mit aller Anstrengung (Abl./Instr.Sg.)
parīkṣyāmantrayed dvijān
nach Prüfung soll man die Zweimalgeborenen einladen (Abs., 3.Sg.Opt./Akk.Pl.)
svakarmaniratān dāntān
dem eigenen Werk Ergebene, Gezähmte (Akk.Pl.m.)
kule jātān bahuśrutān
in [guter] Familie Geborene, viel Gelehrte (Akk.Pl.m.)
yasya mitrapradhānāni śrāddhāni ca havīṃṣi ca; na prīṇāti pitṝn devān svargaṃ ca na sa gacchati
Wessen Śrāddhas und Opfergaben hauptsächlich auf Freunde [gerichtet] sind, der erfreut weder die Ahnen noch die Götter und gelangt nicht in den Himmel.
Wort für Wort
yasya mitrapradhānāni
wessen [Opfer] auf Freunde als Hauptsache [gerichtet] (Gen.Sg./Nom.Pl.n.)
śrāddhāni ca havīṃṣi ca
Śrāddhas und Opfergaben (Nom.Pl.n.)
na prīṇāti pitṝn devān
er erfreut nicht die Ahnen, die Götter (3.Sg.Präs./Akk.Pl.m.)
svargaṃ ca na sa gacchati
und in den Himmel geht er nicht (Akk.Sg./3.Sg.Präs.)
yaś ca śrāddhe kurute saṃgatāni; na devayānena pathā sa yāti; sa vai muktaḥ pippalaṃ bandhanād vā; svargāl lokāc cyavate śrāddhamitraḥ
Und wer beim Śrāddha Verbindungen [mit Freunden] schließt, der geht nicht auf dem Götterpfad; wie eine Pippala-Frucht, die vom Band gelöst ist [?], fällt der Śrāddha-Freund aus der Himmelswelt.
Wort für Wort
yaś ca śrāddhe kurute saṃgatāni
und wer beim Śrāddha Verbindungen schließt (Lok.Sg./3.Sg.Med./Akk.Pl.n.)
na devayānena pathā sa yāti
nicht auf dem Götterpfad geht er (Instr.Sg./3.Sg.Präs.)
sa vai muktaḥ pippalaṃ bandhanād vā
er, gelöst wie eine Pippala[-Frucht] vom Band (Part.Pass./Akk.Sg./Abl.Sg.)
svargāl lokāc cyavate
fällt aus der Himmelswelt (Abl./3.Sg.Präs.)
śrāddhamitraḥ
der Śrāddha-Freund (Nom.Sg.m.)
Zeile 3 (muktaḥ pippalaṃ bandhanād vā) grammatisch schwierig; Bild der reifen, vom Stiel fallenden Frucht ist Deutung.
Darum soll der Śrāddha-Ausrichter keinen Freund ehren; Freunden mag er Reichtümer geben, um sie zu gewinnen; den er weder für einen Feind noch für einen Freund hält, den Neutralen soll er bei Götter- und Ahnenopfer speisen.
Wort für Wort
tasmān mitraṃ śrāddhakṛn nādriyeta
darum soll der Śrāddha-Ausrichter keinen Freund ehren (Akk.Sg./Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
dadyān mitrebhyaḥ saṃgrahārthaṃ dhanāni
er mag Freunden Reichtümer geben, um [sie] zu gewinnen (3.Sg.Opt./Dat.Pl./Akk.Pl.)
yaṃ manyate naiva śatruṃ na mitraṃ
den er weder für Feind noch für Freund hält (3.Sg.Präs.)
taṃ madhyasthaṃ bhojayed
den Neutralen soll er speisen (Akk.Sg./3.Sg.Opt.Kaus.)
dhavyakavye
bei Götter- und Ahnenopfer (Lok.Du.n.; dhavya = havya)
yathoṣare bījam uptaṃ na rohen; na cāsyoptā prāpnuyād bījabhāgam; evaṃ śrāddhaṃ bhuktam anarhamāṇair; na ceha nāmutra phalaṃ dadāti
Wie in salzigem Boden gesäter Same nicht aufgeht und der Sämann keinen Anteil am Samen erhält, so gibt ein von Unwürdigen verzehrtes Śrāddha weder hier noch jenseits Frucht.
Wort für Wort
yathoṣare bījam uptaṃ na rohen
wie im salzigen Boden gesäter Same nicht aufgeht (Lok.Sg./Part.Pass./3.Sg.Opt.)
na cāsyoptā prāpnuyād bījabhāgam
und der Sämann nicht erhielte einen Samenanteil (Nom.Sg./3.Sg.Opt.)
evaṃ śrāddhaṃ bhuktam anarhamāṇair
so [ist] das von Unwürdigen verzehrte Śrāddha (Part.Pass./Instr.Pl.)
saṃbhojanī nāma piśācadakṣiṇā; sā naiva devān na pitṝn upaiti; ihaiva sā bhrāmyati kṣīṇapuṇyā; śālāntare gaur iva naṣṭavatsā
„Saṃbhojanī“ heißt die Dämonengabe; sie gelangt weder zu den Göttern noch zu den Ahnen; nur hier irrt sie umher, ihr Verdienst erschöpft, wie eine Kuh im Stall, deren Kalb verloren ist.
Wort für Wort
saṃbhojanī nāma piśācadakṣiṇā
„Gastmahl[-Gabe]“ mit Namen, Dämonengabe (Nom.Sg.f.)
sā naiva devān na pitṝn upaiti
sie gelangt weder zu Göttern noch zu Ahnen (3.Sg.Präs.)
ihaiva sā bhrāmyati kṣīṇapuṇyā
nur hier irrt sie umher, mit erschöpftem Verdienst (3.Sg.Präs./Nom.Sg.f.)
śālāntare gaur iva naṣṭavatsā
wie eine Kuh im Stall mit verlorenem Kalb (Lok.Sg./Nom.Sg.f.)
yathāgnau śānte ghṛtam ājuhoti; tan naiva devān na pitṝn upaiti; tathā dattaṃ nartane gāyane ca; yāṃ cānṛce dakṣiṇām āvṛṇoti
Wie man in ein erloschenes Feuer Ghee opfert, und das geht weder zu den Göttern noch zu den Ahnen, so ist es mit dem, was für Tanz und Gesang gegeben wird, und mit der Gabe, die man einem, der die Ṛc nicht kennt, zuteilt.
Wort für Wort
yathāgnau śānte ghṛtam ājuhoti
wie man in erloschenes Feuer Ghee opfert (Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
tan naiva devān na pitṝn upaiti
das geht weder zu Göttern noch zu Ahnen (3.Sg.Präs.)
tathā dattaṃ nartane gāyane ca
so [ist] das Gegebene für Tanz und Gesang (Part.Pass./Lok.Sg.n.)
yāṃ cānṛce dakṣiṇām āvṛṇoti
und die Gabe, die man einem Ṛc-Unkundigen zuteilt (Dat./Lok.Sg./3.Sg.Präs.)
Beide schädigt sie und nützt nicht: die Gabe, die einem Ṛc-Unkundigen gegeben wird; sie ist eine Tötungsgabe, getadelt, [zu Fall] fallend; deren Verstorbene läßt sie vom Götterpfad stürzen.
Wort für Wort
ubhau hinasti na bhunakti caiṣā
beide schädigt sie und nützt nicht diese (3.Sg.Präs./Akk.Du.)
yā cānṛce dakṣiṇā dīyate vai
die Gabe, die einem Ṛc-Unkundigen gegeben wird (Dat.Sg./Nom.Sg.f./3.Sg.Pass.)
ye tu nindanti jalpeṣu na tāñ śrāddheṣu bhojayet; brāhmaṇā ninditā rājan hanyus tripuruṣaṃ kulam
Die aber in Gesprächen tadeln, die soll man bei den Śrāddhas nicht speisen; getadelte Brahmanen, König, würden die Familie [bis] in die dritte Generation vernichten.
Wort für Wort
ye tu nindanti jalpeṣu
die aber tadeln in Gesprächen (3.Pl.Präs./Lok.Pl.)
na tāñ śrāddheṣu bhojayet
die soll man bei Śrāddhas nicht speisen (Akk.Pl./3.Sg.Opt.Kaus.)
brāhmaṇā ninditā rājan
getadelte Brahmanen, König (Nom.Pl./Part.Pass./Vok.)
hanyus tripuruṣaṃ kulam
würden die Familie von drei Generationen töten (3.Pl.Opt./Akk.Sg.n.)
Das Wort der Vaikhānasa-Seher wird gehört, Fürst: schon von fern soll man die Brahmanen prüfen, die des Veda Kundigen; ob lieb oder verhasst, in diesen soll man das Śrāddha ausstreuen.
Wort für Wort
vaikhānasānāṃ vacanam ṛṣīṇāṃ
das Wort der Vaikhānasa-Seher (Gen.Pl.m./Nom.Sg.n.)
śrūyate nṛpa
wird gehört, Fürst (3.Sg.Pass./Vok.)
dūrād eva parīkṣeta
schon von fern soll man prüfen (Abl./3.Sg.Opt.Med.)
brāhmaṇān vedapāragān
Brahmanen, die den Veda durchdrungen haben (Akk.Pl.m.)
priyān vā yadi vā dveṣyāṃs
ob Liebe oder Verhasste (Akk.Pl.m./Gerundiv)
teṣu tac chrāddham āvapet
in diesen soll man das Śrāddha ausstreuen (Lok.Pl./Akk.Sg./3.Sg.Opt.)
Wer tausend mal tausend, die die Ṛc nicht kennen, speisen würde: ein einziger, der die Mantras kennt, ist – zufriedengestellt – aller dieser wert, Bhārata.
Wort für Wort
yaḥ sahasraṃ sahasrāṇāṃ
wer tausend von Tausenden (Nom.Sg./Akk.Sg./Gen.Pl.)
bhojayed anṛcāṃ naraḥ
würde speisen von Ṛc-Unkundigen, ein Mann (3.Sg.Opt.Kaus./Gen.Pl./Nom.Sg.)
ekas tān mantravit prītaḥ
ein einziger, Mantra-Kundiger, zufrieden (Nom.Sg.m.)